Es ist die Preview des Films „That’s Why the Lady is a Champ“, der ab dem 3. September in den deutschen Kinos läuft, im HOLI Kino Hamburg. Bevor die Vorstellung beginnt, kommt Filmpatin Fernandes auf die Bühne und wünscht allen im Saal „viel Kraft beim Schauen des Films“. Ein Wunsch, der sich keinesfalls als Floskel herausstellt. Der Film zieht das Publikum immer weiter in den Strudel aus partnerschaftlicher Gewalt. Anfangs schaut man der Protagonistin Christy Martin, einen Sieg nach dem nächsten abräumend, bei ihrer wachsenden Boxerkarrire zu. Immer an ihrer Seite: Trainer, Manager und Ehemann Jim Martin. Der anfängliche aufrichtige Support entwickelt sich nach und nach in die vollkommene Kontrolle seiner Frau. Er isoliert sie, macht sie von sich abhängig, trifft jede Entscheidung über ihr Leben. Schließlich filmt er sie beim Sex und verbreitet die Aufnahmen in ihrem Umfeld, wenn sie nicht tut, was er will, und setzt sie weiterer umfänglicher psychischer und körperlicher Gewalt aus. Ihr Umfeld sieht größtenteils weg, einige wenige versuchen, ihr zu helfen. Am Ende gipfelt der Strudel aus Gewalt in einem Kampf ums Überleben.

Filmpatin von „That’s Why the Lady is a Champ“, der am 3. September Premiere in Deutschland feierte, ist die Moderatorin, Schauspielerin und Journalistin Collien Monica Fernandes, die sich öffentlichkeitswirksam gegen digitale und häusliche Gewalt einsetzt und auch selbst von dieser betroffen war. Über ihre Motivation, Filmpatin zu werden, sagt sie: „Dieser Film hat mich sehr bewegt! Er zeigt eindrücklich, wie schwierig es sein kann, Gewalt innerhalb einer Beziehung von außen zu erkennen, wie viel Kraft und Mut es braucht, sich daraus zu lösen und wie entscheidend es ist, dass Betroffene gehört werden. Denn Schweigen schützt Täter. Wir müssen diese Taten aus dem Dunkelfeld holen. Hier sollte niemand nach Hause gehen, ohne zu wissen, wo es Hilfe gibt.“ Im Anschluss an den Film folgte ein Paneltalk, moderiert von Fernandes, mit Vertreterinnen der Opferhilfe Hamburg e. V., Frauen helfen Frauen Hamburg e. V. und verikom gGmbH. In dem Talk wurden unter anderem politische Missstände thematisiert und Hilfsangebote für Betroffene aufgezeigt. Zugleich richtete sich ein eindringlicher Appell an alle Männer, sich ihrer Verantwortung sich aktiv gegen Gewalt an Frauen und Kindern einzusetzen bewusst zu werden.
„Das ist die Realität“: Collien Fernandes im Interview zu Gewalt in Beziehungen
Im Gespräch mit SZENE HAMBURG im Rahmen der Preview des Films im HOLI Kino verdeutlicht Filmpatin Collien Fernandes, wie wichtig die Botschaft des Films That’s Why the Lady is a Champ ist.
SZENE HAMBURG: Frau Fernandes, wer sollte Ihrer Meinung nach den Film schauen und wieso?
Collien Fernandes: Vor allem sollten Menschen den Film schauen, die das Thema überhaupt nicht begreifen. Und davon gibt es reichlich, wie ich in letzter Zeit feststellen durfte. Denn dieser Film zeigt, wie häusliche Gewalt im Alltag für die Betroffenen aussieht. Und das meiner Meinung nach auf eine wirklich fantastische Art und Weise. Deswegen sollten grade die ins Kino gehen, die das Ausmaß von partnerschaftlicher Gewalt noch nicht verstehen.
Nun ist die Protagonistin Christy Martin eine körperlich sehr starke Frau und trotzdem sieht sie sich massiver psychischer und körperlicher Gewalt ausgesetzt. Gibt es durch die Beschäftigung mit dem Film etwas, was man ganz neu über die Dynamiken von partnerschaftlicher Gewalt lernt?
Das begeistert mich besonders an dem Film. Christy Martin ist Profiboxerin. Sie haut eine Frau nach der nächsten im Ring um. In der Theorie würden wahrscheinlich viele sagen, das ist total unrealistisch – eine Profiboxerin und dann kommt die nicht gegen ihren Mann an? Aber das Erschütternde ist, dass es genau so in der Realität ist. Der Film beruht auf einer wahren Begebenheit! So war es. Christy Martin ist ein realer Mensch. Schon kleine Jungs sollten sich ins Bewusstsein rufen, dass es irgendwann einen Punkt gibt, an dem sie sehr wahrscheinlich physisch stärker sind als ihre Partnerin und dass sie das unter keinen Umständen ausnutzen dürfen. Frauen gegenüber gewalttätig zu werden ist eine rote Linie, die niemals überschritten werden darf. Und da wünsche ich mir ein schärferes gesellschaftliches Bewusstsein für.
Warum glauben Sie, dass Warnsignale von außen noch immer nicht ernstgenommen beziehungsweise ignoriert werden?
Dass Betroffenen nicht geglaubt wird, erlebt man ja leider immer wieder. Auch der Film inszeniert solche Dynamiken. Ich glaube, es liegt vor allem daran, dass wir eine völlig falsche Idee haben von den Männern – es sind ja leider meistens Männer, die so etwas machen. Auch der Täter im Film inszeniert sich nach außen als der sympathische, charmante Typ. Er ist in ihrer Familie wahnsinnig beliebt, einer, dem man die Gewalt nicht zutraut. Die Frauen aus der Opferhilfe, mit denen ich in letzter Zeit sprach, schildern mir, dass es meistens genau solche Männer sind.
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