Anschlag auf den CSD Berlin: Hamburg zeigt sich solidarisch

Nach dem Anschlag in Berlin zeigen viele Hamburgerinnen und Hamburger ihre Anteilnahme, während Bürgermeister Tschentscher höhere Sicherheitsmaßnahmen angekündigt hat
Unter dem Motto „Solidarisch queer. Haltung zeigen – für eine Zukunft ohne Angst!“ wird in Hamburg am Samstag ein Zeichen gegen Gewalt gesetzt 
Unter dem Motto „Solidarisch queer. Haltung zeigen – für eine Zukunft ohne Angst!“ wird in Hamburg am Samstag ein Zeichen gegen Gewalt gesetzt  (©Manuel Opitz)

Die Pride Parade steht für Toleranz, Freiheit und politische Teilhabe. Umso bedrückender ist es, dass an diesem Samstag in Berlin ein Anschlag auf den CSD verübt wurde. Ein 21-jähriger Mann raste mit seinem Auto in die Menschenmenge am Berliner Tiergarten: Insgesamt wurden 29 Menschen verletzt, eine Frau starb noch am Unfallort. Die Nachricht sorgte in ganz Deutschland für Entsetzen, besonders in Hamburg, wo der CSD in dieser Woche noch bevorsteht.

Mahnwache in Hamburg

Die Hamburgerinnen und Hamburger zeigten ihre Solidarität und kamen am Sonntag am Jungfernstieg zu einer spontan organisierten Mahnwache zusammen, um den Betroffenen des Anschlags zu gedenken. Trotz des regnerischen Wetters kamen rund 800 Menschen zu der Kundgebung. In einem Instagram-Beitrag schrieb der Verein Hamburg Pride, der den CSD organisiert: „Wir sind in Gedanken bei der Berliner Community.“ 

Die Gewalt gegen queere Menschen hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Laut Zahlen des Bundeskriminalamts haben sich die Straftaten seit 2010 auf nahezu das Zehnfache erhöht. Im Jahr 2025 wurden insgesamt 2.377 queerfeindliche Straftaten erfasst, das entspricht einem Anstieg von etwa 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Verschiedene Politikerinnen und Politiker der Hansestadt haben sich bereits zu Wort gemeldet. „Das ist unerträglich! Aber wir lassen uns von Hass, Fanatismus und Gewalt nicht spalten. Hamburg steht felsenfest und aus tiefstem Herzen an der Seite der queeren Community“, sagten die SPD-Landesvorsitzenden Nils Weiland und Melanie Leonhard dem NDR. „Der Anschlag in Berlin überschattet auch den Beginn der Pride Week in Hamburg“, sagte der Bürgermeister Peter Tschentscher der dpa. Neben der Regenbogenfahne zur Pride Week hängt seit Sonntag außerdem ein Trauerflor am Hamburger Rathaus.

Höhere Sicherheitsmaßnahmen für den CSD in Hamburg

Sowohl Tschentscher als auch Innensenator Andy Grote betonten, dass die Sicherheitsmaßnahmen für den Hamburger CSD am kommenden Samstag noch einmal überprüft werden. „Die Hamburger Sicherheitsbehörden tun alles, um die CSD-Demonstration und die Veranstaltungen der Pride Week in unserer Stadt zu schützen, damit von Hamburg auch in diesem Jahr ein starkes Zeichen der Toleranz und Vielfalt ausgehen kann“, äußerte der Bürgermeister. Auch kleinere Veranstaltungen während der Pride Week sollen je nach Lage mit mehr Polizeipräsenz begleitet werden.

Manuel Opitz, der Sprecher von Hamburg Pride, ruft trotz der wachsenden Angst dazu auf, am Samstag besonders zahlreich zum CSD zu kommen und ein Zeichen zu setzen. Er appelliert an alle Hamburgerinnen und Hamburger, sich am 1. August an der Demonstration zu beteiligen. Unter dem Motto „Solidarisch queer. Haltung zeigen – für eine Zukunft ohne Angst!“ werden an diesem Tag voraussichtlich rund 250.000 Menschen friedlich durch die Stadt ziehen. Das Motto wirkt dabei aktueller denn je. Der Umzug beginnt um 12 Uhr an der Lübecker Straße. 

Aktiv werden: Veranstaltungen auf Pride Week

Auch abseits des CSD bietet die diesjährige Pride Week zahlreiche Veranstaltungen, bei denen queere Menschen sich vernetzen, über ihre Erfahrungen sprechen und aktivistisch aktiv werden können. Im Pride House in Hamburg-Mitte wird heute über die Versorgungssituation von trans Menschen diskutiert. Am 28. Juli findet um 17:30 Uhr der Workshop „Deine Queerness als Quelle von Freude und Kraft“ statt. Noch am selben Tag folgt eine Podiumsdiskussion über Gewalt an FLINTA-Personen und queeren Menschen. Einen Tag später gibt das Markt- und Sozialforschungsinstitut Ipsos Einblicke in die Lage queerer Menschen in Deutschland und weltweit. Weitere Veranstaltungen sind hier zu entdecken.

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