SZENE HAMBURG: Margit, im Rahmen des Postgraduierten-Projekts des Jungen Schauspielhauses in Kooperation mit der Theaterakademie Hamburg zeigen Sie Ihre Inszenierung „Alpha“. Frauenfeindliche, sexistische Influencer erzielen Klicks im Milliardenbereich. War das Motivation für ein Stück über Alpha-Männer?
Margit Pötzsch: Ja, die Präsenz von antifeministischen, maskulinistischen und diskriminierenden – bis hin zu extremistischen – digitalen Inhalten hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Viele dieser Inhalte sind der sogenannten „Manosphere“ zuzuordnen. Deren Influencer machen sich in kurzen, auf die Wirkmechanismen des Algorithmus zugeschnittenen Videos Polarisierung, Hass und Entmenschlichung zunutze. Das funktioniert: Nutzerinnen und Nutzer, die der Algorithmus als männlich liest, bekommen passende Inhalte angezeigt. Das ist eine beunruhigende Entwicklung. Das Stück untersucht unter anderem, welche Auswirkungen diese Inhalte auf die Lebensrealität und Weltsicht von Jugendlichen haben.
Woher kommen Dialoge und erzählende Texte?
Die Texte stammen von der Autorin Lili Roesing, mit der ich das Konzept für das Stück entwickelt habe. Wir haben zur Recherche mit Jugendlichen sowie mit Expertinnen und Experten gesprochen und daraus die Geschichte für „Alpha“ entwickelt.
Nehmen Sie Stellung gegen den fatalen Männlichkeitswahn?
Natürlich positionieren wir uns deutlich gegen Hass, Antifeminismus und jegliche Art von Diskriminierung im Internet. Ich finde es allerdings wichtig, auch die Frage zu stellen, was hinter der zunehmenden Affinität junger Menschen für diese Inhalte steckt. Welche Fragen „beantwortet“ der Content, die andernorts nicht – oder unzureichend – beantwortet werden? Was genau macht seinen Reiz aus? Und wie können wir versuchen, Jugendlichen Alternativen zu diesen Sichtweisen aufzuzeigen? Ich bin überzeugt, dass wir uns diese Fragen stellen müssen, um dem Hass nicht das Spielfeld zu überlassen.

