Hans Hansens Schau: Ordentlich zerlegt

Das Museum für Kunst & Gewerbe zeigt eine umfangreiche Werkschau des Fotografen Hans Hansen
Ordentlich zerlegt: Den Print des VW Golfs in Einzelteilen erstellte Hansen 1988 im Auftrag der Volkswagen AG
Ordentlich zerlegt: Den Print des VW Golfs in Einzelteilen erstellte Hansen 1988 im Auftrag der Volkswagen AG (©Hans Hansen, o. T. (VW Golf), für Volkswagen, 1988, Eigentum der Stiftung Hamburger Kunstsammlungen, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg)

Wie ein Who’s who der gepflegten Brotzeit liegen mehrere bereits angeschnittene Würste akkurat nebeneinander. Von oben betrachtet wirken ihre Formen fast zeichnerisch – zugleich heben sie sich prall und massig durch die Schatten, die sie werfen, vom hellen Grund ab. Besser könnten sie sich nicht zum Verspeisen anpreisen als auf dem Foto, das einer der bedeutendsten deutschen Fotografen 1981 für REWE geschossen hat: Hans Hansen.

Wie sich die Strenge und Klarheit seiner minimalistischen Formensprache durch das sieben Jahrzehnte umspannende Schaffen zieht, zeigt derzeit die große Werkschau „Foto: Hans Hansen“ im MK&G. Wenn Hansen den Abzug der Kamera bedient, hat das wenig mit einem geglückten Schnappschuss zu tun, sondern mit akribischer Vorbereitung im Studio und ausgefeilten Gestaltungsideen. Der technische Aufbau und die räumliche Inszenierung sind elementare Bestandteile der Fotografie; das Equipment, die Geräte und Objekte am Set sind stumme Assistenten, ohne die kein Werk entstehen könnte. Bereits im ersten Raum der Schau wird das deutlich, wenn Stativ, Objektiv und Co. in der Serie „Analog“ selbst zum bildwürdigen Motiv erhoben werden. Einen Einblick hinter die Kulissen bieten hier Ordner in Vitrinen, in denen die Aufbaupläne für die Shootings sorgfältig dokumentiert sind.

Der rote faden des Hans Hansen 

Durch Hansens Karriere zieht sich aber nicht nur auf ästhetischer Ebene ein roter Faden. Immer wieder beschäftigt er sich – auch auftragsgebunden – mit diversen Themen, die jeweils in einem weiteren Raum der Ausstellung den Schwerpunkt bilden, wie etwa Luftfahrt und die Automobilindustrie. Ein ikonisches Foto, das Hansen 1988 für Volkswagen machte, zeigt einen in seine Einzelteile zerlegten Golf – ordentlich und fein sortiert, als könne man selbst gleich mit dem Zusammenbauen loslegen. Weitere Bereiche widmen sich Food und Natur, mit großen Auftragsserien für „Geo“ und „Stern“, sowie den Medien Glas, Wasser und Eis. Gerade Glas gehöre, so Hansen bei der Ausstellungseröffnung im April, in gewisser Weise mit der Fotografie zusammen – denn beide lebten von Licht. Und auch seine konzeptuellen Arbeiten sowie seine eigenwilligen Modefotografien – ganz ohne Models – kommen im MK&G zur Ansicht.

So präsentiert die Schau Hansens Werk ebenso ordentlich zerlegt wie der Fotograf einst den VW Golf – und erzeugt dabei doch ein Gesamtbild seines Schaffens, das viel mehr ist als die Summe seiner Einzelteile. Hansen hat eine so eigene und wiedererkennbare Formensprache entwickelt, dass er unser Sehen nachhaltig geprägt hat.

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