SZENE HAMBURG: Helge, schönen Sommer gehabt bis jetzt?
Helge Schneider: Joah, ich habe viel zu tun. Das ist aber auch schön, ich mache das ja alles gerne. Wir nehmen gerade eine Platte auf, eine Tournee für nächstes Jahr bereite ich auch schon mal vor. Ach, und einen Film wollte ich demnächst noch drehen. Und putzen muss ich zwischendurch.
Kommst du mit der Hitze gut klar?
Ja, was willste machen!? Ich wohne Souterrain, so halb im Keller, da geht das. Wenn’s so warm ist, mache ich oft den ganzen Tag die Fenster zu, das kann man dann aushalten.
Und auf der Bühne?
Neulich bin ich in Essen bei 39 Grad mit Smoking und Fliege aufgetreten, mir macht das nichts aus. Ich habe schon in der Wüste gearbeitet. Man muss sich nur immer wieder dazu ermutigen, zu trinken.
Würdest du im Hochsommer lieber auf die Bühne oder doch in den den Liegestuhl im Garten?
Och, es macht mir einfach immer Spaß, aufzutreten. Das Publikum freut sich dann, die Band freut sich, ich freue mich. Da nehme ich einfach einen Eimer Wasser mit, dann passt das.
Geht bald wieder los mit Konzerten. Irgendwelche Vorbereitung im kleinen oder großen Stil?
Ich spiele öfter mal mit meiner Band, auch wegen der Plattenaufnahmen. Das schweißt zusammen. Weiter vorbereiten tun wir uns aber nicht. Also, ich zumindest nicht.
Mein Anspruch deckt sich ganz oft mit dem der Leute, die zu meinen Konzerten kommen
Helge Schneider
Du sagst ja immer, du willst bei Konzerten etwas Neues machen, zumindest ein bisschen. Entsteht das Neue vorher oder währenddessen?
Ich verlasse mich da auf die Bühne. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass wenn ich mich mal auf eine Tour vorbereite, alles beim ersten Auftritt über Bord geschmissen wird. Stattdessen wird improvisiert, so entstehen immer wieder neue Sachen. Wenn wir ein Jahr auf Tournee sind, ist das letzte Konzert völlig anders als das erste. Ich kann auch nur improvisieren. Das ist meine Stärke, das ist mein Leben. Ich würde es langweilig finden, immer das Gleiche zu machen. Wir spielen zwar immer mal wieder dieselben Stücke, zum Beispiel seit 35 Jahren Jahren „Katzeklo“. Aber das ist auch ein tolles Lied, was soll man sagen! Dann ändere ich halt mal ein bisschen den Text, nehme mal andere Akkorde. Sachen, die bereits bestehen, können sich ja mit der Zeit verändern und weiterentwickeln.
Die Leute wollen solche Stücke natürlich auch hören. Teilst du den Gedanken, dass die Lust des Publikums auf Hits immer größer gewertet werden sollte, als der eigene Anspruch?
Ich glaube, mein Anspruch deckt sich ganz oft mit dem der Leute, die zu meinen Konzerten kommen. Weil, das passiert dann ja alles zusammen, in der Atmosphäre. Ich brauche die Reaktion des Publikums. Ohne Publikum könnte ich die Sachen, die ich da mache, gar nicht machen.
Auf der Bühne passiert immer Neues – aber unterwegs, also auf Reisen, ist da bei dir und der Band nach den vielen gemeinsamen Jahren alles durchritualisiert?
Wir reisen häufig individuell, der eine kommt von links, der andere von rechts, und wir treffen uns erst beim Gig. Manchmal sind wir auch im Bandbus unterwegs, aber aufgrund der verschiedenen Wohnorte der Bandmitglieder kommen wir meist von allen Seiten hin.
Helge Schneider über seine Tour
Was macht dir derzeit am meisten Spaß auf Tour?
Dass ich jeden Tag woanders bin. Ich mag es, immer wieder an verschiedene Orte zu kommen. Ich habe mal 21 Auftritte hintereinander in einer Stadt gemacht, da denkt man dann, das sind immer dieselben Leute. Ist natürlich nicht so, aber denkt man eben. Das ist Psychologie. Für mich besteht jedenfalls viel mehr Abenteuer darin, jeden Tag ein neues Publikum in einer anderen Stadt zu haben. Auch finde ich es ein starkes Gefühl, ein fahrender Musiker zu sein. Selbst den Wagen zu lenken, immer wieder neue Leute kennenzulernen. Dann was zusammen zu essen, aufzubauen, Soundcheck, zwei Stunden Hängematte. Auftritt, und wenn man im Wohnmobil unterwegs ist, kann man nachts auch schon mal ein bisschen weiterfahren. So eine Art Zirkusleben, das macht mir schon sehr viel Spaß.
Nach deinen beiden Stadtpark-Shows Ende August ist erst mal frei, der ganze September. Was machst du dann?
Paar Sachen habe ich dann noch zu tun, aber zwei Wochen mache ich nichts, das weiß ich schon.
Wie sieht das Nichtsmachen bei dir aus?
Dafür fliege ich ausnahmsweise mal nach Spanien. Ich gehe da aber nicht mehr ins Meer.
Wieso nicht?
Neulich hatte ich Besuch von zwei Haien. Die waren anderthalb, zwei Meter von mir entfernt. Ich wollte gerade nach vorne hechten, dann sah ich die.
Was hast du gemacht?
Ich war 50 Meter vom Strand entfernt und habe mich direkt auf den Rückweg gemacht. Dabei musste ich die ganze Zeit lachen. Ich dachte, das kann doch nicht sein, das sind doch keine Haie, da hat sich irgendwer einen Scherz erlaubt. Es waren aber Haie.
Wirklich?
Ja, große Haie auch. Wahrscheinlich drei oder vier Meter lang. Seitdem mache ich das auf jeden Fall nicht mehr mit dem Meer. Lieber eine kalte Dusche, das geht ja auch.
Dieser Artikel ist zuerst in der Printausgabe der SZENE 08/26 erschienen.

