Hamburger Leichtathletik-Verband: Stillstand ist keine Option

Janina Eimann ist jung und bereits Landestrainerin beim Hamburger Leichtathletik-Verband (HLV)
Janina Eimann ist Jugendtrainerin bei Hamburg Running und Nachwuchs-Landestrainerin im Hamburger Leichtathletik-Verband
Janina Eimann ist Jugendtrainerin bei Hamburg Running und Nachwuchs-Landestrainerin im Hamburger Leichtathletik-Verband (©privat)

Die Kilometerzahl, die sie bisher zurückgelegt hat, lässt sich vermutlich nicht mehr schätzen. Mit dem Auto, mit der Bahn und vor allem auf den eigenen Füßen. Schon früh eine leidenschaftliche Läuferin mit Ambitionen, heute außerdem Trainerin von Nachwuchsathletinnen und -athleten. Die Sportwissenschaftlerin pendelt zwischen Lüneburg und Hamburg und will sich nebenbei noch eine Selbstständigkeit aufbauen. Das ist erstaunlich viel Bewegung für eine Person – mit 25 Jahren.

Auf der Jahnkampfbahn im Hamburger Stadtpark ist einiges los. Ein Laufwettkampf auf der Geraden, irgendwo wird gesprungen, gestoßen und wahrscheinlich auch gerade eine Trinkflasche gesucht. Janina Eimann bleibt trotzdem entspannt. „Wir suchen uns dann eine Ecke und trainieren dort.“ Eimann ist Lauftrainerin. Genauer: Jugendtrainerin beim Hamburger Verein Hamburg Running, Nachwuchs-Landestrainerin des Hamburger Leichtathletik-Verbands und außerdem noch Trainerin einer Gruppe in Lüneburg. Dort ist sie aufgewachsen und dort begann auch ihre eigene Laufgeschichte – ziemlich klassisch: Die große Schwester fing an, Janina lief hinterher.

Schon im Kindergarten gewann sie ihre erste Medaille. Mit sechs oder sieben Jahren startete sie in der Kinderleichtathletik. Geradeaus laufen, im Kreis laufen, lange laufen: Sie fand es gut. „Dieses Laufgefühl hat mich schon als sehr junges Kind begeistert“, erzählt sie. Sie mochte, dass sich beim Laufen vieles messen lässt. Nicht nur gegen andere, sondern vor allem gegen sich selbst. Mit 13 Jahren wechselte sie in eine Laufgruppe und trainierte ambitioniert. Deutsche Meisterschaften, viele Einheiten, viele Wettkämpfe. „Wir waren alle sehr eng befreundet. Das war schon ein ganz entscheidender Punkt, dass ich so lange dann dabeigeblieben bin.“

Schon mit 16 kündigt sich ihre Karriere als Trainerin an

Mit 16 Jahren wurde sie von ihrer Trainerin gefragt, ob sie eine Kindergruppe übernehmen wolle. „Anscheinend hat sie mir das irgendwie zugetraut, dass mir das liegen könnte.“ Korrekt, denn ein Jahr später übernahm sie zusätzlich die Laufgruppe ihres eigenen Trainers. Der hörte auf, weil ihm die Zeit fehlte. Seine Athletinnen und Athleten sollten aber weitermachen. Also fragte er Janina. Zu diesem Zeitpunkt war sie 17 Jahre alt. Janina machte eine C-Lizenz, denn für eine Trainerinnen-Tätigkeit werden Belege gebraucht. Eine Woche in Hannover, als Kompaktkurs in den Ferien. Die Gruppe blieb über Jahre zusammen. Einige wurden bei deutschen Meisterschaften eingesetzt, viele blieben dem Sport treu. In diesem September hatten sie dann doch ihr letztes gemeinsames Training. Eimann: „Die meisten ziehen für ein Studium oder eine Berufsausbildung aus Lüneburg weg.“

Enorm gefragt: Eichmann trainiert in zwei Städten gleichzeitig 

Während sie in Lüneburg trainierte, wurde man in Hamburg auf sie aufmerksam. Andreas Grieß, Trainer von Hamburg Running und Landestrainer in Hamburg, kannte sie von Wettkämpfen und deutschen Meisterschaften. Er fragte, ob sie Lust hätte, bei Hamburg Running als Jugendtrainerin einzusteigen. Eimann sagte wieder zu. Erst pendelte sie aus Lüneburg nach Hamburg, später zog sie mit ihrem Freund in die Hansestadt. Nicht, dass damit die Fahrerei beendet gewesen wäre. Eine weitere Gruppe mit talentierten Athletinnen und Athleten, die sie in Lüneburg übernommen hatte, wollte sie nicht einfach aufgeben. Eineinhalb Jahre lang fuhr sie also zwei- bis dreimal pro Woche zwischen beiden Städten hin und her. Heute fährt sie noch ungefähr einmal pro Woche nach Lüneburg. Den Rest des Trainings plant sie aus Hamburg. Die Athletinnen setzen die Einheiten dann selbstständig um.

Auf dem Trainingsplan stehen auch Übungen für eine saubere Lauftechnik (©privat)

In Hamburg bekam Eimann Anfang dieses Jahres eine neu geschaffene Stelle als Nachwuchs-Landestrainerin. Das Kaderkonzept wurde umgestellt, die Betreuung ausgeweitet. Einmal pro Woche kommen die Athletinnen und Athleten aus verschiedenen Hamburger Vereinen zum gemeinsamen Kadertraining. Eimann plant, organisiert und trainiert. Ihre Trainingsphilosophie verändert sich mit dem Alter der Gruppe. Bei den Jüngeren geht es um allgemeine Athletik, Laufkoordination, Körperstabilität und darum, überhaupt gerne in Bewegung zu sein. „Noch niemand muss mit zwölf Jahren endgültig wissen, ob er oder sie später 800 Meter oder 3000 Meter laufen will.“ Die Spezialisierung kommt später. Ab etwa 15 Jahren wird es im ambitionierten Wettkampfsport konkreter. Bis dahin soll die Ausbildung möglichst breit bleiben. Eimann ist konsequent, wenn es um Respekt und den Umgang miteinander geht. Aber sie glaubt nicht, dass Athletinnen bessere Leistungen bringen, wenn man sie permanent antreibt. „Laufen ist eine Individualsportart. Am Ende läuft jeder selbst. Die Trainerin kann erklären, planen und begleiten. Die Beine müssen trotzdem von allein los.“ Diese Begleitung ist für Eimann der Kern ihrer Arbeit. Ursprünglich hatte sie Lehramt für Grundschule mit dem Fach Sport studiert. Im Laufe des Studiums merkte sie jedoch, dass sie junge Menschen nicht unbedingt über ein Curriculum erreichen möchte, sondern über den Sport. Heute sitzt sie an der Masterarbeit für Sportwissenschaften. Thema: „Subjektives Nutzerfeedback in der Laufschulentwicklung“.

Als junge Trainerin ist Janina Eimann dicht an den Athletinnen und Athleten dran (©privat)

Eimann selbst ist natürlich noch aktiv, trainiert bei Hamburg Running in der Leistungsgruppe und läuft vor allem 1500 und 5000 Meter. Ihr eigenes Ziel: die Norm für die deutschen Meisterschaften auf der Bahn, wahrscheinlich über 1500 Meter. Trotzdem hat sich die Gewichtung verschoben. Wenn sie sich zwischen dem eigenen Training und einer Einheit mit ihrer Gruppe entscheiden muss, gewinnt inzwischen meistens die Trainerin. Davon leben kann sie nicht. Zusätzlich hat sie sich mit Trainingsplanung und Personal Coaching selbstständig gemacht. Sie schreibt Pläne für ambitionierte Hobbyläuferinnen und –läufern, überwiegend im Laufbereich, manchmal auch für Menschen aus dem Triathlon. Der Laufboom hilft dabei.

Für die Zukunft wünscht sich Eimann vor allem, als Trainerin langfristig arbeiten zu können. Langfristig wäre zum Beispiel eine Stelle an einem Bundesstützpunkt das Ziel. Die benötigte A-Lizenz beginnt sie jetzt. Dazu kommen Hospitationen bei Bundestrainerinnen und -trainern, Lehrgänge und viel Zeit. Trainerinnen und Trainer werden gesucht – besonders im Nachwuchsbereich. A-lizenzierte Trainerinnen sind selten. Eimann sieht darin eine Chance. Eine Bestätigung hat sie bereits bekommen. In diesem Jahr belegte sie bei der Ehrung „Hamburger HAFEN-Preis“ (Hamburger Auszeichnung für junges Engagement im Sport) den 3. Platz. Dort werden junge Menschen von der Hamburger Sportjugend (HSJ) für ihr Engagement im Sport geehrt. Begründung: „Als eine von wenigen Frauen in ihrer Disziplin – der Frauenanteil liegt hier bei lediglich zwölf Prozent – bildet sie sich kontinuierlich fachlich weiter.“

Und natürlich wäre es ein Traum, Athletinnen und AThleten irgendwann auf internationaler Ebene zu begleiten. Zu großen Wettkämpfen, auf einer größeren Bühne. Der wichtigere Wunsch ist bescheidener, aber weniger groß: junge Menschen über den Sport wachsen zu sehen. Nicht nur schneller, sondern selbstständiger, sicherer und vielleicht ein bisschen zufriedener.

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