Freunde kennenlernen mit Groupya: Launch der App in Hamburg

Die App Groupya ist in Lüneburg schon sehr erfolgreich. Jetzt expandiert das Unternehmen unter anderem nach Hamburg
(© Groupya) 

Seit 2023 gibt es die Aktionswoche „Gemeinsam gegen Einsamkeit“. In dieser ruft das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) dazu auf, Menschen zusammenzubringen, Begegnungen zu schaffen und über das Thema Einsamkeit zu sprechen. Die diesjährige Aktionswoche gegen Einsamkeit ging vom 22. bis zum 28. Juni. Während dieser Woche arbeiteten zahlreiche Projekte gemeinsam daran, dass sich Menschen in ganz Deutschland weniger einsam fühlen.

Teil dieses Bündnisses sind auch die Köpfe rund um die in Lüneburg ins Leben gerufene App Groupya. Über die App kann man sich zu gemeinsamen Unternehmungen verabreden und so niedrigschwellig neue Leute kennenlernen. Nachdem die App seit vergangenem Jahr in Lüneburg schon sehr erfolgreich ist, starteten im Rahmen der Aktionswoche gegen Einsamkeit nun die Testphasen in Hamburg und Dresden. Im Interview mit SZENE HAMBURG spricht Lukas, einer der drei Gründer von Groupya – Johannes van Deest, Eric Schneider  Dr. Lukas-Walter Thiée – mit uns über die Anfänge und Pläne mit der App zum Freunde kennenlernen. 

SZENE HAMBURG: Seit wann gibt es die App und wie kam es dazu?

Lukas: Die App gibt es seit Oktober 2025 kostenlos im deutschen App Store und Play Store. Die Idee und Entwicklung der App begann rund drei Jahre früher. Johannes und ich hatten unabhängig voneinander im Sommer 2022 die Idee zu einer App, die Menschen wieder zusammenbringt. Wir kennen uns von der Uni Lüneburg, wo wir beide als wissenschaftliche Mitarbeiter am Institut für Wirtschaftsinformatik gearbeitet haben. Durch Umzug, Pandemie, neue Lebensabschnitte oder auch den Sport waren wir nicht nur selbst in der Situation – wir haben auch gesehen, dass viele Menschen, junge wie alte, ein neues Werkzeug brauchen, um sich wieder wirklich zu vernetzen. Für mich war es eine besondere Herausforderung, in Lüneburg Leute zu finden, die auch Lust auf Kitesurfen hatten, bei Johannes stand stärker der gesellschaftliche Gedanke im Vordergrund. Er wollte ein Werkzeug gegen Vereinsamung und gesellschaftliche Vereinzelung kreieren. Auf unserem Prototypen-Weg haben wir dann unseren dritten Mitgründer Eric kennengelernt, der dem Ganzen ein technisches Update verpasst hat. Wir drei bringen sehr unterschiedliche Stärken in die Entwicklung ein und haben schon einiges voneinander gelernt – fachlich wie menschlich. Für uns ist das Ganze eine spannende Reise.

Die drei Gründer in Lüneburg, der Geburtsstadt von Groupya (© Eric Schneider)

Was könnt ihr an Erfolgsgeschichten aus Lüneburg berichten?

Der größte Erfolg sind für uns die echten Treffen, die über die App entstehen – mit neuen und alten Gesichtern. Und ehrlich gesagt auch das gemeinsame Lernen und Wachsen im Team. Lüneburg ist keine Großstadt, hat aber eine sehr aktive Stadtgesellschaft und ein verhältnismäßig großes Angebot an öffentlichen Aktivitäten. Deshalb war und ist Lüneburg ein guter Startpunkt für uns – zumal wir hier ein starkes Netzwerk aus lokalen Vereinen und Organisationen kennen und die Universität ein natürlicher Kristallisationspunkt ist. Inzwischen haben wir in Lüneburg über 1000 Nutzer:innen und einige Organisationen in der App, und es haben bereits etliche Treffen ganz organisch stattgefunden. Genau das wollen wir: Menschen über Aktivitäten zusammenbringen. Auch unser Team selbst wächst: Unsere neuen Kollegen Flo, Lotta und Laurin bringen viel Expertise und Spaß mit rein.

In der Vergangenheit gab es bereits sehr ähnliche Plattformen, wie zum Beispiel WeActive. Was unterscheidet Groupya von früheren Anbietern?

Dass es bereits Plattformen wie WeActive gab, bestärkt uns eher. Die Sehnsucht, über gemeinsame Unternehmungen Anschluss zu finden, ist offensichtlich seit Jahren da. Was aus unserer Sicht den meisten früheren Anbietern aber fehlte, sind zwei Dinge. Zum einen der Prozess, der aus Interesse auch wirklich ein verbindliches Treffen macht – die meisten Portale zeigten nur, dass es Leute gibt. Zum zweiten ist Einsamkeit heute ein anerkanntes gesellschaftliches Thema und das Smartphone selbstverständlicher Alltag. Die Nutzung einer App ist niedrigschwelliger als es vorherige Websites waren. Kurz: Groupya ist ein neues, kostenloses Tool, um sich mit neuen und alten Bekannten zu treffen, Neues auszuprobieren oder Bekanntes wieder aufleben zu lassen – zu einem Zeitpunkt, an dem es gebraucht wird. Besonders wichtig sind uns auch die hohen Datenschutz- und Sicherheitsstandards. Wir sind sozusagen „Good Tech based in Europe“. Beispielsweise können User:innen einen Notfallkontakt hinterlegen und ein Tracking aktivieren, um ein sicheres Gefühl bei neuen Treffen zu bekommen.

Der größte Erfolg sind für uns die echten Treffen, die über die App entstehen – mit neuen und alten Gesichtern.

Dr. Lukas Thiée

Über die großen Player wie Bumble hat man seit einigen Jahren ebenfalls die Möglichkeit, sich mit potenziellen neuen Freunden zu Unternehmungen zu verabreden. Warum sollten Nutzer stattdessen auf Groupya setzen? 

Bumble For Friends kennen wir gut, inklusive des Plans-Features. Dort kann man inzwischen sogar grobe Pläne erstellen und die Details später in der Gruppe klären, was unserem Ansatz auf den ersten Blick ähnelt. Der Unterschied liegt eine Ebene tiefer: Bei Bumble bleibt das Profil die Eintrittskarte. Wer einem öffentlichen Plan beitreten will, stellt eine Anfrage, und der Host wählt anhand der Profile aus; private Pläne setzen voraus, dass man vorher gematcht hat. Bei uns ist es genau umgekehrt, man findet sich über die Sache, zunächst anonym, und lernt die Gesichter auf dem Weg zum Treffen kennen. Erst die Sache, dann die Gesichter. Dazu kommt: Bei uns ist die Verabredung nicht ein Feature neben dem Matching, sondern die ganze App, inklusive eines geleiteten Prozesses, der aus Interesse auch wirklich ein verbindliches Treffen macht.

Können nur diejenigen, die neue Menschen kennenlernen möchten, inserieren oder auch Venues, Bars und Sportvereine ihre Events eintragen? 

Wir haben Möglichkeiten für private Nutzer:innen und für Organisationen wie Vereine und Venues integriert. Die App lebt von beiden. Ein typischer Fall: Ein Verein inseriert ein Sommerfest oder eine Bar ein Event – in der App sammeln sich Interessierte und bilden dann eine oder mehrere Gruppen, die gemeinsam hingehen. Daraus leitet sich auch der App-Name „Groupya“ ab. Wir selber organisieren auch einen öffentlichen Stammtisch, um uns mit Leuten lokal über die App auszutauschen.

V. l. n. r.: Dr. Lukas Thiée, Eric Schneider und Johannes van Deest (© Johannes van Deest)

Hamburg als nächstgrößere Stadt zu Lüneburg erklärt sich von selbst. Wie kommt ihr aber auf Dresden als weitere Pilotstadt?

Hamburg ist natürlich der große Bruder und ein konsequenter Schritt. Dresden kommt ins Spiel, weil unser dritter Mitgründer Eric von dort stammt und die örtlichen Gegebenheiten und Netzwerke kennt. Außerdem ist Dresden – aus meiner Besuchserfahrung – eine sehr freundliche und aktive Stadt. Und letztlich steht Groupya für Gemeinschaft: Die Vernetzung zwischen Ost und West, Nord und Süd gehört für uns ganz selbstverständlich zur DNA.

Liegt euch für den Start in Hamburg noch etwas am Herzen? 

An dieser Stelle möchte ich die Arbeit von Johannes und Eric loben, die in den letzten Monaten nicht nur eine wunderbare App gebaut haben, sondern mit viel Herzblut an der Skalierung des Projekts arbeiten. Wir wissen: Das Ganze funktioniert nur, wenn wir mehr Menschen für die Idee begeistern können. Deshalb freuen wir uns riesig, wenn Hamburg unser Konzept annimmt und sich viele Hamburger:innen über Groupya verbinden. In Hamburg gibt es doch auch viele, die Bock haben, kiten zu gehen, oder? 

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