Club Award – stimmt ab für die besten Bühnen der Stadt

Das Hamburger Clubkombinat zeichnet die besten Musikbühnen der Stadt aus. Auch in diesem Jahr kann das Publikum für seinen Lieblingsladen abstimmen.

Text: Ole Masch

Neues Jahr, neue Runde. Am 24. Januar verleiht das Clubkombinat den Hamburger Club Award. Zum neunten Mal werden die begehrten Trophäen an (dann) ausgezeichnete Musikbühnenbetreiber und Veranstalter vergeben. Bereits Ende November startete die Bewerbungsphase für Kategorien wie Musikclub des Jahres, stärkste Newcomerförderung oder das beste Konzert. Eine Jury bestehend aus über 200 Personen der Hamburger Musik- und Medienwirtschaft, unter anderem von SZENE HAMBURG, wählt die Preisträger per Punktevergabe.

 

Green Clubs und die „zerbrochene Gitarre“

 

Erstmals in diesem Jahr, wird der Preis für den Green Club des Jahres vergeben. „Die Einführung dieser Kategorie ist der Versuch, das Engagement der Clubszene für eine zukunftsfähige Entwicklung sichtbar( er) zu machen“, erklärt Clubkombinat-Geschäftsführer Thore Debor. „Es gewinnt derjenige, der die Fachjury in den sechs Handlungsfeldern Licht, Technik und Energie, Gastronomie & Catering, Reinigung & Hygiene, Produktion & Büro, Mobilität und besonderes Engagement zur Integration von Umweltthemen, überzeugt.“

Der Vorstand des Clubkombinats verleiht zudem einen Ehrenpreis an eine Person oder Institution, die sich besonders für die Hamburger Clubkultur und ihr Fortbestehen eingesetzt hat und den Negativpreis „Zerbrochenen Gitarre“, der auf Missstände in der Clublandschaft aufmerksam macht.

Und natürlich darf in diesem Jahr auch das Publikum selbst abstimmen und den beliebtesten Musikclub des Jahres küren. Auf den Seiten des Clubkombinats sind Hamburgs Clubgänger ab sofort aufgefordert, für ihren Lieblingsladen abzustimmen. Das Voting läuft bis 20. Januar. Vier Tage später folgt die große Preisverleihung mit einer Gala im Docks.

Hier könnt ihr bis zum 20.1. für euren Lieblingsclub abstimmen.


Dieser Beitrag stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Januar 2019. Das Magazin ist seit dem 21. Dezember 2018 im Handel und zeitlos im Online Shop und als ePaper erhältlich! 


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Hört der Welt zu! – die Lessingtage am Thalia Theater

Lessingtage: Zum zehnten Mal findet am Thalia Theater das internationale Festival für eine offene Gesellschaft statt und vereint die unterschiedlichsten Stimmen. Wie das auf der Bühne aussieht, erzählt die Chefdramaturgin Julia Lochte.

Interview: Hedda Bültmann
Foto: George Udeze

Julia Lochte setzt sich für den Toleranzgedanken ein

SZENE HAMBURG: Julia Lochte, das diesjährige Motto der Lessingtage ist „Hear Wor(l)d!“. Was bedeutet das?

Der Titel ist aus dem Namen eines zentralen Gastspiels entwickelt, „Hear Word! Naija Woman Talk True“, in dem Schauspielerinnen aus Nigeria erzählen, was die Frauen in ihrer Heimat bewegt. Wir haben daraus „Hört der Welt zu!“ gemacht. Wir wollen die Vielstimmigkeit zulassen, auch Stimmen, die sonst nicht gehört werden. Das ganze Festival ist ein Plädoyer für die offene Gesellschaft, entgegen der Ausgrenzungsmechanismen, die leider überall entstehen. Das Theater entwickelt eine große Kraft, wenn es so viele Stimmen aus den verschiedensten Ländern versammelt.

Die Stücke erheben eine Stimme, um auf ein bestimmtes Thema aufmerksam zu machen?

Ja, oder sie sind in sich selbst schon vielstimmig. Das russische Gastspiel „Who is Happy in Russia“ ist eine der großen Inszenierungen von Kirill Serebrennikov, der im Moment mundtot gemacht werden soll. Er befindet sich gerade in einem Prozess und steht schon lange unter Hausarrest. Trotzdem arbeitet er unter schwierigsten Bedingungen, kommuniziert nur über seine Anwälte. Aber sein Gogol Center in Moskau spielt weiterhin. Deshalb ist es so wichtig, dass das Stück auch außerhalb von Russland gezeigt wird.

Ebenso haben wir zwei Exil-Ensembles eingeladen. Collective Ma’louba mit syrischen Geflüchteten, die hier in Deutschland leben, reden über ihre Exil-Situation, und das Exil-Ensemble vom Maxim Gorki Theater Berlin zeigt die „Hamletmaschine“ von Heiner Müller.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die postkoloniale Emanzipation …

Der Postkolonialismus ist ja generell ein Thema. Wir zeigen zwei Stücke aus Afrika. Es ist uns wichtig, die Menschen, die es direkt betrifft, über sich und ihre Emanzipationsgeschichte sprechen zu lassen und ihnen Gehör zu verschaffen.

 

Seht hier den Trailer zu den Lessingtagen am Thalia Theater

 

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Noch 3 Tage! #vorfreude #lessingtage #lt19 #Thaliatheater #thaliagauß #uaidw #thaliainternational #moinhamburg #theaterinhamburg

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Worauf habt ihr bei der Auswahl der Produktionen geachtet?

Joachim Lux, Emilia Heinrich und ich kuratieren gemeinsam das Festival. Mindestens einer von uns hat die Produktion gesehen, die in Frage kommt und dann besprechen wir uns. So entsteht ein Programm, das natürlich immer in Gedenken an Lessing mit einer offenen Gesellschaft und dem Toleranzgedanken zu tun hat.

Was muss ein Stück mitbringen, damit ihr euch dafür entscheidet?

Sie dürfen sehr unterschiedlich sein. In der Gaußstraße zeigen wir zum Beispiel eine Tanztheater-Truppe aus dem Libanon, die das Stück „#minaret“ über die Zerstörung von Aleppo auf die Bühne bringt. Es zeigt, mit welchen anderen Mitteln als denen des Sprechtheaters künstlerische Formulierungen entstehen können. Beirut stellen wir, neben Hamburg und New York, auch auf der Langen Nacht der Weltreligionen vor.

Der Abend dreht sich um das Zusammenleben der verschiedenen Religionen in der Stadt. Dazu wird die deutsch-amerikanische Autorin Deborah Feldman kommen, die in ihrem Buch „Unorthodox“ erzählt, wie sie in der ultraorthodoxen jüdischen Glaubensgemeinschaft der Satmarer im New Yorker Stadtteil Williamsburg aufgewachsen ist.

Lessingtage „Hört der Welt zu!“: Thalia Theater,  18.1.–2.2.19


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Meet the Resident – VUUDUU

Jeden Monat stellt SZENE HAMBURG Resident-DJs vor, diesmal: VUUDUU (Resource / Ohne kommerziellen Wert) – präsentiert von Hamburg Elektronisch.

Interview: Louis Kreye & Jean Djaman
Foto: Katja Ruge

SZENE HAMBURG: Wie würdest du deinen Sound beschreiben?

Technoider, hypnotischer Ravesound.

Was war dein bisher größter Moment als DJ?

Im Tresor und in der Griessmuehle.

Deine Release des Monats?

OHNE 002 / Ohne kommerziellen Wert (Release 21.1. – Vinyl only).

 

 

Wen würdest du gerne mal (wieder) in Hamburg sehen?

Helena Hauff.

Was sind für dich Hamburgs Stärken?

Viele einzelne Underground-Crews bilden die Szene in Hamburg.

Und die Schwächen?

Konfetti und Seifenblasen.

Was ist dein Lieblings Ort in Hamburg?

Mein Studiokollektiv.

Auf wen sollte man in Hamburg momentan ein Auge haben?

RO/AD, Strathy, Katja Ruge (nicht nur für ihre Fotos), Marie Lung, Lucinee, Lifka, aitch, STUTE.

Welcher Gig war bisher dein Favorit?

Am meisten Spaß habe ich im PAL und natürlich bei meiner eigenen Reihe Resource.

Wo kann man dich als nächstes hören?

Am 25.1. im Uebel & Gefährlich mit Dr. Rubinstein.

 

 Hört hier ein aktuelles Set von VUUDUU


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Cadus: Club-Netzwerk für Hilfe auf der Balkanroute

Aus dem Umfeld von Hafenklang und Off the Radar Festival engagieren sich Menschen wie Thomas Lengefeld, um Tausenden auf der Balkanroute Gestrandeten über den Winter zu helfen. Spenden werden dringend benötigt. Auch feiern hilft.

Text: Jan Paersch
Fotos: Christoph Löffler

Sebastian Kurz frohlockte: „Wenn die Flüchtlinge sehen, dass es kein Durchkommen nach Europa gibt, werden die Ströme weniger werden“, so der österreichische Bundeskanzler im Februar 2016. Kurz darauf wurde in einer Konferenz aus EU-Staaten und Westbalkan-Ländern offiziell beschlossen, die sogenannte Balkan-Route zu schließen. Problem gelöst, alle zufrieden?

Anfang 2017 konstatierte der Tagesspiegel, der Andrang sei ungebrochen, der Weg lediglich „schwieriger, teurer und brutaler geworden“. Über Griechenland, Albanien und Montenegro führt die Route die Geflüchteten bis an die EU-Außengrenze zwischen Bosnien-Herzegowina und Kroatien. Dort ist Endstation.

„Wenn die Kroaten dich erwischen, schlagen sie dich, nehmen dir das Geld ab, zerbrechen deine SIM-Karte und bringen dich wieder nach Bosnien zurück“, zitiert die „Zeit“ einen Marokkaner, der im Juli 2018 in der Grenzstadt Velika Kladuša gestrandet war. Dort gab es vier Toiletten und zwei Duschverschläge – für mehr als 500 Menschen. Seitdem hat sich die Lage noch verschlechtert.

 

„Wir wollten die Netzwerke der Partyszene für Hilfsaktionen nutzen“

 

Im Dezember 2018 ist die Situation in Sarajevo angespannt. „Die Menschen verbrennen alles, was sie finden, um sich zu wärmen“, beschreibt Thomas Lengefeld die Lage in der bosnischen Hauptstadt, 250 Kilometer südlich der Grenze. „Die Geflüchteten hausen in der Wildnis, zum Teil in besetzten Häusern. Bosnien lässt niemanden mehr aus Sarajevo heraus oder schickt Menschen in Bussen zurück.“

„Wir sind es gewohnt, viele Leute zu versorgen“, Thomas Lengefeld

Thomas Lengefeld ist keiner, der um seine Taten großes Aufsehen macht. Der ruhige Mann mit Hoodie und blauroter Wollmütze ist der Typ, der einem den Kaffee bezahlt, ohne es zu erwähnen. Der Hamburger gehört zum Verein Off the Radar (OTR), der jeden Sommer das gleichnamige Festival in der schleswig- holsteinischen Provinz durchführt. Lengefeld, seit Jahren als Booker im Hafenklang tätig, hat die Geschäftsführung inne. „Musik war schon immer Vehikel neuer Strömungen, aber auch konkreter Ideen“, schreiben die OTR-Macher auf der Homepage.

Die Idee in diesem Fall: Die Festival-Skills für höhere Ziele benutzen. Lengefeld: „Wir wollten nicht nur Müll und verkaterte Leute hinterlassen, sondern versuchen, die Netzwerke der Partyszene zu nutzen, um auf unsere Zwecke hinzuweisen. Wir sind es gewohnt, auf freiem Feld viele Leute zu versorgen. Im Winter aber werden Generatoren, Gaskocher und Kochtöpfe nicht genutzt.“

Off the Radar sammelte Geld und Equipment für das Projekt NoBorder-Kitchen, das sich auf den griechischen Inseln und der Balkanroute für Geflüchtete engagierte. Später schloss man sich dem Berliner Verein Cadus an.

Die Hilfsorganisation gründete sich 2014 aus dem Umfeld des Fusion Festivals und der Berliner Clubszene. Ihr Geschäftsführer, der lange Jahre in leitender Funktion im Rettungsdienst arbeitete, hat sich vor allem die Hilfe zur Selbsthilfe auf die Fahnen geschrieben. Cadus begann 2014 mit Erste-Hilfe-Kursen in Nord-Syrien. Dort sind auch vier Jahre später noch zwei Lkws als mobile Krankenhäuser unterwegs. Cadus – der Name kommt von einer syrischen Wüstenblume. Es ist eine sehr robuste Distel, die nur einmal im Jahr blüht.

 

„Die großen NGOs sind in Sarajevo kaum sichtbar“

 

Bosnien-Herzegowina hatte nach Schätzungen der UNHCR allein bis zum Juli 2018 mehr als 10.000 Neuankömmlinge zu verkraften. Und noch immer kommen mehr. Im November ist der erste Schnee gefallen. „Der Winter ist kälter als in Deutschland“, sagt Thomas Lengefeld. „Die Geflüchteten in Sarajevo laufen mit Flipflops herum und haben schwere Erfrierungen. Dazu kommen die Traumatisierungen.“ Cadus ist mit einem ausgebauten Sprinter und einem Pick-up vor Ort, ein 50 Jahre alter Unimog soll zum Duschwagen umgerüstet werden. Parallel zur Essensausgabe wurden schon in der ersten Woche 200 Bedürftige medizinisch versorgt.

Neben Ärzten braucht Cadus auch Logistiker und Crowdmanager, denn, so Lengefeld: „Man muss schauen, dass niemand bei der Ausgabe untergebuttert wird.“ Müssten Rotes Kreuz und Co. nicht eigentlich in Sarajevo helfen? „Die großen NGOs sind dort kaum sichtbar“, sagt Lengefeld. „Die sind auf die Politiker angewiesen. Die sehen nicht, wie wichtig es wäre, sich auf den Weg zu machen.“

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Medizinische Hilfe vor Ort: Cadus in Sarajevo

Bis Ende Februar läuft das Projekt zunächst, die Kosten für drei Monate belaufen sich auf etwa 80.000 Euro – medizinisches und technische Equipment, das bereits vor Ort ist, nicht enthalten. Thomas Lengefeld wird Anfang Januar nach Bosnien reisen. „So etwas Sinnvolles habe ich das ganze Jahr nicht gemacht.“

Um bis zum Ende des Winters in Sarajevo vor Ort sein zu können, braucht Cadus Geld. Damit könnte die Organisation auch speziellere Stationen aufbauen, darunter eine Gynäkologie oder einen radiologischen Bereich.

Wer Cadus unterstützen mag, kann neben Spenden noch etwas anderes tun: Feiern. Der Verein Off the Radar spendet einen Großteil seines Jahresüberschusses an humanitäre Projekte. Vom gleichnamigen Festival, 2019 vom 25. bis 28. Juli, wird also auch Cadus profitieren. In der Hoffnung, dass 2019 weniger Menschen mit Flipflops durch den Schnee laufen müssen.

CADUS – Redefine Global Solidarity e.V.: Spendenkonto: CADUS e. V. Volksbank Berlin, IBAN DE55 1009 0000 2533 5240 04, BIC BEVODEBBXXX


Dieser Beitrag stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Januar 2019. Das Magazin ist seit dem 21. Dezember 2018 im Handel und zeitlos im Online Shop und als ePaper erhältlich! 


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Konzert des Monats – Die Fantastischen Vier

Smudo von den Fantastischen Vier über mehr Gelassenheit im Musikgeschäft, den anhaltenden Drang, cool gefunden zu werden und ein Hobby hoch oben in den Wolken. Am 14.1. treten die Hip-Hopper in der Barclaycard Arena auf – unser Konzert des Monats.

Interview: Erik Brandt-Höge
Foto: Robert Grischek

SZENE HAMBURG: Smudo, spürst du aktuell eine besonders große Verantwortung, wenn du mit der Band auf die Live-Bühne gehst?

Smudo: Eigentlich gehen wir mit einem ähnlichen Gefühl auf die Bühne, wie zu anderen Zeiten auch. Wir haben jetzt kein größeres Sendungsbewusstsein, weder bei dem, was wir vorher schreiben, noch was die Art angeht, wie wir auftreten.

Dabei unterhaltet ihr mittlerweile drei Generationen von Fans. Von vielen könntet ihr die Väter sein.

(lacht) Das ist richtig. Aber wir haben trotzdem kein spezielles Familienprogramm für unsere Shows entwickelt. Für mich kann ich sagen: Ich bin ein Mann in seinen besten Jahren, und wenn ich mein bisheriges, sehr abwechslungsreiches Leben überblicke, gab es definitiv eine Konstante, nämlich das gute Bühnengefühl. Das ist heute, mit 50, genauso wie mit 20.

Was ist die Basis dieses guten Gefühls?

Wir sind als Band einfach sehr lange zusammen und schon fast mehr als eine Familie. Wir sind im gleichen Alter, haben privat wie beruflich ähnliche Perspektiven. Es gibt niemanden, der mich besser und intimer beraten kann, als meine Bandkollegen – und das auf allen Ebenen. Und dann funktioniert es eben auch auf der Bühne.

Hat sich mit der Zeit vielleicht auch mehr Live-Gelassenheit ergeben?

Ich verspüre heute allgemein mehr Gelassenheit als in anderen Zeiten.

Kannst du ein Beispiel nennen?

Neulich hatten wir ein Treffen mit Four Artists, unserer Firma. Von der sind wir ja selbst Kunden, und dadurch ergeben sich auch mal Konflikte. Diskussionen werden heute aber weniger hitzköpfig geführt, als noch vor zehn Jahren. Das liegt auch an einer von uns sehr gepflegten, fortschrittlichen Work-Life-Balance.

 

„Geil-gefunden-werden ist Motivation“

 

Irgendwelche unangenehmen Begleiterscheinungen des Älterwerdens?

Die Sprungfrequenz auf der Bühne ist nicht mehr so hoch. Und wenn wir drei, vier Tour-Tage hinter uns haben, reicht ein Tag zur Erholung auch nicht mehr aus.

Du hast mal gesagt, ihr hättet einst mit der Musik angefangen, um „geil gefunden zu werden“. Daraus wurden Ruhm und Reichtum. Heißt euer Ziel heute deshalb vielleicht eher: Bloß keine Langeweile aufkommen lassen?

Es gibt schon noch bestimmte künstlerische Momente, in denen das Geil-gefunden-werden eine Motivation ist. Als Musikkonsument und Fan von Bands kenne ich es, dass es manchmal einen Punkt gibt, an dem ich Künstler irgendwie doof oder einfach zu alt finde, ihnen also entwachse. Und ich und wir möchten nicht, dass das mit uns passiert. Wir kämpfen dagegen an.

Hat sicher auch mit Eitelkeit zu tun. Ist die mehr geworden mit den Jahren?

Sie hat sich auf jeden Fall verschoben. Zum Beispiel lässt mit dem Alter die Sehkraft nach, und dann muss man eine Brille tragen – ob man will oder nicht. Auf der Bühne mit Brille kommt aber nicht in Frage. Also habe ich mir Kontaktlinsen anpassen lassen. Das ist sicher auch Eitelkeit. Ansonsten war ich aber noch nie wirklich eitel, früher habe auch nie großen Wert auf mein Äußeres gelegt, was heute allerdings anders ist. Ich war immer froh, dass mein persönlicher Modezar sich um die Bandgarderobe gekümmert hat.

Du meinst Michi Beck?

Genau. Er ist nach wie vor der Verantwortliche für unsere Klamotten. Dafür geht er richtig los, sucht Partner, führt Verhandlungen. Er ist auch der Style-Master für unseren Merchandising-Shop. Er ist immer der Erste, der neue Entwürfe bekommt und daraufhin die Ansagen macht.

 

„Fliegen ist für mich wie die Golfrunde für Alice Cooper“

 

Die Fantastischen Vier, die Firma, der TV-Job bei „The Voice“: Braucht es zum ständigen Leben in der Öffentlichkeit bestimmte Ausgleiche?

Ich habe ja einen Pilotenschein und fliege und mache auch sonst viele Dinge abseits der Musik. Das tue ich aber nicht, um die Öffentlichkeit auszugleichen, sondern weil es zu meiner Welt dazu gehört. Ich genieße alle Perspektiven in meinem Leben.

Und welche Tätigkeit entspannt dich im Moment am meisten?

Das Fliegen! Weil es immer einen klaren Anfang und ein klares Ende hat. Alles läuft nach Checklisten ab. Die klaren prozeduralen Abläufe im Cockpit sind für mich, der in einem wilden Arbeitsleben zwischen Familie mit drei Töchtern einen sehr unregelmäßigen Terminkalender zu bändigen hat, die pure Erholung. Das Fliegen ist für mich wie die Golfrunde für Alice Cooper (lacht). Und – auch wenn das jetzt sehr dramatisch klingt – es geht dabei ja um nichts weniger als zu fliegen!

Wer kann denn schon fliegen – außer den Göttern!? Wenn ich da oben alleine in meiner Blechdose sitze und nachts über der geschlossenen Wolkendecke fliege, habe ich das Gefühl, der letzte Mensch auf dieser Welt zu sein.

Die Fantastischen Vier: 14.1., Barclaycard Arena, 19 Uhr


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SZENE #backstage … mit Oxen

Unsere Konzertreihe SZENE #backstage geht mit Oxen am 15. Januar in eine neue Runde! Wenn ihr dabei sein wollt, schreibt uns eine E-Mail! Wir haben 12×2 Gästelistenplätze frei! Und darum geht’s:

Zwei Schwedenhappen für ein Redaktionskonzert! Die beiden Wahl-Stockholmer Erik und Stefan nennen ihre Band Oxen und machen Musik, die hier ein bisschen nach den Pixies, da etwas nach MGMT klingt. Und eine Vorliebe für die Beatles ist den beiden auch noch anzuhören.

/ EBH

 Wir verlosen 12×2 Gästelistenplätze für SZENE #backstage mit Oxen!

Wie könnt Ihr mitmachen? Na so:

Los geht’s am Dienstag, den 15. Januar 2019, um 19:00 Uhr in der Gaußstraße 190c.


Perserteppich, Yuccapalmen, Lichterketten und gute Geschichten: Das ist das Rezept für die ­SZENE HAMBURG-Redaktionskonzerte. In unseren Räumen waren unter anderen schon Fotos, Y’akoto, Vivie Ann,  EUT  und ZIBBZ zu Gast und haben vor SZENE-Lesern und -Redakteuren Akustik-Sets gespielt.

So war’s beim letzten Mal bei SZENE HAMBURG #backstage:

ZiBBZ bei SZENE #backstage

Jetzt live bei uns in der Redaktion: ZiBBZ! 🎉Morgen, 30.11.18, im Häkken.

Gepostet von Szene Hamburg Stadtmagazin am Montag, 29. Oktober 2018

SZENE HAMBURG REDAKTIONSKONZERT MIT … EUT aus Holland

Heute live aus unserer Redaktion: EUT ! 🎉Am Mittwoch, den 19.9. um 20 Uhr im Häkken und am Donnerstag, den 20.9. um 14 Uhr in der SkyBar vom Molotow habt ihr im Rahmen des Reeperbahn Festivals noch einmal die Möglichkeit EUT live zu erleben. 👏

Gepostet von Szene Hamburg Stadtmagazin am Dienstag, 18. September 2018

Türchen Nummer 24: fritz-kola

 Heute im Lostopf: ein schwarzgrünes Paket, bestehend aus 12 Flaschen fritz-kola grün & gerecht sowie fritz-kola-Shirt, Collegejacke & Mütze, produziert von Recolution.

Weiße Weihnachten – ein unrealistischer Wunschtraum, geboren in den Köpfen der Hollywood-Studiobosse! Und jedes Jahr das böse Erwachen. Damit ist jetzt Schluss, denn: fritz-kola leitet die grüne Weihnacht ein. „Grün? Ist fritz nicht schwarz?“, werden sich jetzt treue Koffeinjunkies denken. Grundlegend natürlich richtig, doch die schwarze Hamburger Seele wird von einem grün-nachhaltigen Herz auf Trab gehalten. Nun auch im wahrsten Sinne des Satzes, denn im Sommer 2018 kam die fritz-kola grün & gerecht. Gewohnt vielviel Koffein, nur eben als Bio-kola mit Zucker aus dem FairtradeZuckerprogramm. Schmeckt Zunge und Gewissen. Passend dazu auch die neueste Klamotten-Kooperation – mit Recolution wurde ein Partner gefunden, der es dank GOTS-Zertifizierung schafft, grüne Mode mit schwarzer Farbe herzustellen.

www.fritz-kola.de

Sende eine E-Mail mit dem Betreff  „Adventskalender Tür 24“  an verlosung@vkfmi.de. Einsendeschluss ist der 23.12.2018 um 24 Uhr. Um 10 Uhr morgens am 24. Dezember 2018 findet die Verlosung statt. Der Gewinner wird per Mail benachrichtigt. Bitte gebt für den Versand der Gewinne Euren vollständigen Namen und die Adresse an.


 Alle Gewinne schon jetzt auf einen Blick findest du im SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Dezember 2018. Das Magazin ist seit dem 29. November 2018 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich!


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Türchen Nummer 23: Jack Daniel’s

 Heute im Lostopf: eine Jack Daniel’s Legacy Edition in der Geschenkbox.*

Jack Daniel’s ist bekannt als ausgewogener, milder Tennessee Whiskey. Hergestellt seit 1866 nach dem gleichen Rezept im gleichen Verfahren in der einzigen Destillerie in Lynchburg, Tennessee. Doch der Old No.7 ist auch für sein schwarz-weißes Label bekannt, das weltweit Kultstatus genießt. Nicht bekannt ist allerdings, dass Schwarz-Weiß nicht immer die Farben waren. Es muss vor 1904 gewesen sein, da zierte ein unerwarteter Grünton mit einer auffallenden Goldverzierung das Etikett. Wann genau und warum sich Jack Daniel damals für Grün-Gold entschieden hatte, bleibt ein Geheimnis. Die limitierte Legacy Edition ehrt nun diese erfolgreiche und oft leicht mysteriöse Geschichte und bringt als Erstes aus der Serie das grün-goldene Label zurück auf die Flasche. Natürlich endet das Mysterium vor dem Label. Was dahinter ist, war und wird immer ein Jack Daniel’s sein.

www.jackdaniels.de / www.massvoll-geniessen.de

* Gewinnspielteilnahme ab 18 Jahren

Beitragsbild: 2018 Jack Daniel’s, Alle Rechte vorbehalten

Sende eine E-Mail mit dem Betreff  „Adventskalender Tür 23“  an verlosung@vkfmi.de. Einsendeschluss ist der 22.12.2018 um 24 Uhr. Um 10 Uhr morgens am 23. Dezember 2018 findet die Verlosung statt. Der Gewinner wird per Mail benachrichtigt. Bitte gebt für den Versand der Gewinne Euren vollständigen Namen und die Adresse an.

Das nächste Türchen erscheint am 23.12.18 um 7 Uhr auf www.szene-hamburg.com/kultur/adventskalender


 Alle Gewinne schon jetzt auf einen Blick findest du im SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Dezember 2018. Das Magazin ist seit dem 29. November 2018 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich!


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„Gegen den Strom“ – Öko-Thriller-Drama aus Island

Sehr artifiziell, völlig überhöht – und unbedingt sehenswert: Benedikt Erlingssons zweiter Film „Gegen den Strom“, in dem eine Chorleiterin den Kampf gegen einen mächtigen Industriekonzern aufnimmt.

Text & Interview: Maike Schade

Mit „Von Menschen und Tieren“ präsentierte der isländische Schauspieler und Regisseur Benedikt Erlingsson ein ebenso skurriles wie beachtenswertes Debüt. Sein neuer Film, „Gegen den Strom“, handelt wieder vom Missbrauch der Natur, ist aber wesentlich klassischer und stringenter erzählt – auch wenn Erlingsson sich einiger ungewöhnlicher Kniffe bedient (doch dazu später mehr). In Deutschland wird „Gegen den Strom“ als Komödie angepriesen. Das ist es nicht. Auch Erlingsson kann (und will) diese Einordnung nicht nachvollziehen. Es ist, so sagt er uns im Gespräch, ein „enviromental action arthouse thriller-drama with some jokes“. Das wiederum trifft es ziemlich gut.

Im Mittelpunkt dieser raffiniert gestrickten Heldengeschichte: Halla, Mitte 40, Chorleiterin (Halldóra Geirharðsdóttir). Eine angenehme, sympathische Frau – die aber ein Doppelleben als Umweltaktivistin führt. In warme Klamotten eingemummelt, schleicht sie sich wiederholt auf das Gebiet einer Aluminiumhütte, um durch Sabotage an Strommasten den Betrieb in der Fabrik lahmzulegen. Erst mit Pfeil und Bogen, um mit einem Stahlseil die Leitung kurzzuschließen, später mit Sprengstoff.

Tatsächlich gibt es in Island von Naturschützern starken Widerstand gegen die Aluminiumfabriken; auch Benedikt Erlingsson gehörte einer Aktivistengruppe an. Glücklicherweise beschloss er, seinen Protest statt auf handgreifliche auf künstlerische Weise kundzutun.

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„Gegen den Strom“ handelt vom Missbrauch an der Natur. Foto: Pandora Film

Dass er mit seinem Film keineswegs nur unterhalten, sondern auch eine Botschaft loswerden will, macht uns der Regisseur beständig deutlich: Der Soundtrack ist Teil der Szenerie, und zwar in Gestalt eines isländischen Instrumentaltrios und eines dreiköpfigen ukrainischen Chors. Beide sind nicht nur sichtbar, sondern greifen auch in die Handlung ein, fixieren gelegentlich den Zuschauer, zwinkern ihm zu – was man unterhaltsam, aber auch durchaus störend finden kann.

Das ist gewollt: Denn kaum hat man sich wieder in der Geschichte verloren, bangt um Halla, die, von einem Hubschrauber gejagt, durch die karge, doch betörende isländische Weite hetzt, dann kickt Erlingsson einen mit seinen Musikern wieder aus dem Geschehen. Hey, scheint er einem mit dem Finger gegen die Brust zu stupsen, wach auf, ich habe dir etwas zu sagen!

Die beiden Musikensembles repräsentieren – wie Engelchen und Teufelchen auf der Schulter – die zwei unterschiedlichen Bedürfnisse, die Halla antreiben: Soll sie ihren Kampf gegen die Aluminiumhütte vorantreiben oder ihn aufgeben, um die bevorstehende, lang ersehnte Adoption eines ukrainischen Mädchens nicht aufs Spiel zu setzen? Weitere personifizierte Manifestation dieses Gewissenskonflikts ist Hallas Zwillingsschwester Ása, eine esoterisch angehauchte Yoga-Lehrerin, ebenfalls gespielt von der überragenden Halldóra Geirharðsdóttir. Erlingsson inszeniert den inneren Kampf auf beeindruckend metaphorische Weise, verpackt philosophische Grundsatzfragen, einen moralischen Appell und deutliche politische Kritik mehr als gekonnt in einem äußerst spannenden, dabei humorvollen Gewand. Wir haben ihn und Halldóra Geirharðsdóttir zu einem Gespräch getroffen.

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Benedikt Erlingsson: Regisseur, Schauspieler, Aktivist.

SZENE HAMBURG: Benedikt, du zeigst uns Halla als eine starke Frau, die weder für ihren Kampf noch zum Kinderkriegen einen Mann braucht. Bist du ein Feminist?

Benedikt Erlingsson: Ja, vielleicht. Ich würde diese Bezeichnung als Ehre empfinden. Ich habe drei Töchter, das zwingt mich ja gerade dazu, einer zu sein. Und ich komme aus einer Familie von Matriarchinnen. Ich hatte eine sehr starke Mutter und zwei Großmütter, die die Oberhäupter der Familie waren.

Ist das in der isländischen Gesellschaft so üblich?

BE: Ja, dort gab es und gibt es viele starke Frauen, die führten und führen. Ich glaube, das kommt vielleicht von Astrid Lindgrens Pippi Langstrumpf. Wir haben viele Feministen in ganz Nordeuropa, weil wir alle dieses Buch gelesen haben.

Eine sehr interessante Sichtweise … Halldóra, ist Pippi Langstrumpf für dich auch ein Vorbild?

Halldóra Geirharðsdóttir: Nicht bewusst. Sie ist natürlich Teil unseres Lebens. Bislang habe ich das nicht so gesehen wie Benedikt. Aber ich stimme ihm zu.

Hm, Pippi Langstrumpf als Blaupause für Halla? Darauf wäre ich nicht gekommen, ich dachte eher an eine Göttin. Vielleicht auch David und Goliath. Oder Robin Hood.

BE: Pippi Langstrumpf ist eine Göttin! Aber im Ernst, natürlich dachte auch ich an Artemis, die Göttin der Jagd und Beschützerin von Frauen und Kindern. Und, in gewisser Weise, auch an Athena, die Weise, die immer eine Lösung findet.

Warum hast du Halldóra für diese Rolle ausgesucht?

BE: Tatsächlich dachte ich schon beim Schreiben des Drehbuchs an Dóra, aber irgendwie bin ich unterwegs vom richtigen Weg abgekommen. Ich schäme mich sehr zuzugeben, dass ich Castings veranstaltet habe. Irgendwann fiel es mir aber wie Schuppen von den Augen: Ich brauchte eine starke Frau, eine Göttin – und das ist sie. Wir kennen uns schon aus unserer Kindheit, waren zusammen auf der Schauspielschule, haben bei unserem ersten Job und später an mehreren Theatern zusammen gearbeitet.

Halldóra, wenn ich das richtig verstanden habe, ist Halla eine Kurzform deines eigenen Namens. Gibt es noch weitere Gemeinsamkeiten zwischen dir und ihr?

BE: Darauf würde ich gerne antworten. Halldóra bezieht in der #MeToo- Debatte eine sehr klare Position. Sie ist wie Halla eine wirkliche Kämpferin, auch in feministischer Hinsicht. Sie ist eine Musikerin, spielt Saxofon. Sie ist eine Revolutionärin. Sie hat viel in sich, was auch die Filmfigur hat.

 

Seht hier den Trailer zu „Gegen den Strom“

 

Halldóra, stimmst du ihm zu?

HG: Och, ja, ja … Und ich war ja auch für sieben, acht Jahre alleinerziehende Mutter. Ich weiß sehr gut, wie es ist, wenn man alles alleine machen muss. Und wie es ist, Mutter zu sein. Ich hatte also einen sehr einfachen Zugang zu Halla und konnte gut verstehen, wie sie und warum sie so handelt.

Nun hat Halla ja aber eine Zwillingsschwester, eine andere Seite. Kannst du die auch verstehen?

HG: Ja. Das ist wohl etwas, das man lernt, wenn man älter wird. Dir wird klar, dass du geduldiger werden und in manche Dinge tiefer eintauchen musst. Das Äußerliche ist dir nicht mehr so wichtig. Ása ist bereit, ins Kloster zu gehen. Ich selbst habe da auch einmal einige Zeit verbracht. Ich konnte mich also auch gut in sie hineinfühlen.

Die beiden Schwestern symbolisieren, so verstehe ich es, eigentlich zwei Seiten einer Person, den äußeren und den inneren Kampf, den Halla ausficht. Benedikt, wie bist du darauf gekommen, das mit Zwillingen darzustellen?

BE: Na ja, das ist ja ein sehr altes Stilmittel. Außerdem habe ich selbst Zwillingstöchter, und ich kenne welche in Reykjavík, die für die Natur kämpfen. Ich habe schon in einer frühen Phase des Drehbuchschreibens darüber nachgedacht. Weil wir ja alle diese zwei Seiten in uns haben, diese Zerrissenheit – sollen wir für das große Ganze handeln oder zu unserem persönlichen Besten? Die Zwillinge konnten diesen Kampf auf metaphorische, cineastische Weise darstellen.

 

„Ich war ein frustrierter Aktivist, der etwas in die Luft sprengen wollte“

 

Wie bist du überhaupt auf diese Geschichte gekommen?

BE: Ich war Mitglied einer Aktivistengruppe gegen die Aluminiumhütten, also war mir dieses Thema sehr nah. Wir hatten Bulldozer und Ähnliches, haben viele Male versucht, etwas gegen diese Strommasten auszurichten. Mehrmals haben Farmer versucht, sie in die Luft zu jagen und das Tal zu retten. Und da habe ich begonnen, darüber nachzudenken, ob das wirklich der richtige Weg ist. Ist das Sabotage? Und wenn ja, ist das in diesem Falle gerechtfertigt? Ich war also dieser frustrierte Aktivist, der etwas in die Luft sprengen wollte, und entschied dann aber, stattdessen lieber einen Film darüber zu machen.

HG: Feigling. Aber na ja, er hat ja auch eine Familie …

Ah, deshalb diese kuriose Adoptions-Geschichte …

BE: Mhm ja, das ist wohl so. Aber das Kernproblem des Ganzen ist natürlich der Klimawandel. Und das paradoxe Verhalten der Regierungen, die ganz einfach und mal eben so Umweltaktivisten zu Staatsfeinden erklären. Menschen, die für die Natur und damit auch unsere langfristigen Interessen kämpfen! Die Schwachstelle unseres demokratischen Systems ist es, wie einfach Regierungen so manipuliert werden können, dass sie mit denjenigen zusammenarbeiten, die ihre eigenen, speziellen Interessen verfolgen – entgegen denen der Menschheit. Das ist eine Debatte, die überall, in allen Ländern und Gesellschaften geführt wird.

Es gibt diese Szene, bei der die Ministerialen unbewusst eine Art magischen Kreis bilden, und Halla spürt oft tief ins Moos hinein. Gibt es in Island den Glauben an die mystische Mutter Erde?

HG: Wir würden nie sagen, dass wir daran glauben. Aber wir würden auch nie sagen, dass es sie nicht gibt. Wir praktizieren aber keine Riten oder dergleichen.

BE: Das ist eher eine spirituelle Sache. Ich würde sagen, wir fühlen die Macht der Natur. Und wir respektieren sie. Dóra hatte da übrigens eine schöne Idee. Wir sprachen über Mutter Natur und ihren Missbrauch. Und sie sagte: Vielleicht sollten wir sie nicht Mutter Natur nennen, sondern unser Kind. Der Himmel, die Atmosphäre, die Ozeane, sie alle sind unsere Kinder. Kinder, die missbraucht werden. Vergiftet. Dann würden wir vielleicht viel eher losrennen und versuchen, sie zu retten. So wie Halla.

Als Sündenbock für Hallas Anschläge muss im Film ein Ausländer herhalten, der immer wieder einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort ist. In Island spielt Immigration aber keine große Rolle, oder?

BE: Nein, nicht wirklich, zu uns kommen kaum Flüchtlinge. Es gibt auch keine Partei, die irgendwelchen Rassismus predigen würde, nur ein paar Einzelpersonen. Aber das ist ein universelles Thema. Es ist so einfach, dem Ausländer die Schuld zu geben. Das passiert überall derzeit.

Gegen den Strom“: Ab 13.12. im Kino; Regie: Benedikt Erlingsson. Mit Halldóra Geirharðsdóttir, Jóhann Sigurðarson, Juan Camillo Roman Estrada.


Dieser Beitrag stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Dezember 2018. Das Magazin ist seit dem 29. November 2018 im Handel und zeitlos im Online Shop und als ePaper erhältlich! 


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