Coachella und Straßenkonzerte: Meute im „Taumel“

Vom Dach der Elbphilharmonie auf die Bühne des legendären Coachella Festivals: Die Hamburger Techno-Marching-Band Meute bewegt mittlerweile Massen und landet mit ihren Videos von spontanen Guerilla-Konzerten regelmäßig virale Hits. Wir haben mit dem Gründer, Manager und Trompeter der Band, Thomas Burhorn, über den großen Erfolg, spektakuläre Kulissen und den Bezug zur Hansestadt gesprochen

Interview: Henry Lührs

SZENE HAMBURG: Thomas, unsere Gesellschaft ist geprägt von Digitalisierung, Automatisierung und künstlicher Intelligenz. Techno mit Blasinstrumenten zu produzieren trifft dennoch offensichtlich den Nerv der Zeit. Oder gerade deswegen?

Thomas Burhorn: Es kann wirklich genau deswegen so sein. Wir machen Roboter wieder arbeitslos. Wir machen die Arbeit, die eigentlich ein Computer macht, wieder mit der Hand. Die Tatsache, dass Digitalisierung so voranschreitet weckt eine besonders große Sehnsucht nach dem Handgemachten. 

2015 hast du die elfköpfige Band zusammengetrommelt. Ab und zu gab es kleine personelle Fluktuationen, aber der Kern ist über die Jahre gleich geblieben. Wie schwer ist es die Meute zusammenzuhalten? 

Es ist auf jeden Fall Arbeit, so eine große Gruppe zusammenzuhalten. Da nicht immer alle können, spielt ab und zu eine Vertretung. Wir müssen als Band immer wieder viel miteinander sprechen und aushandeln, wer wie viel Platz für sich hat und wie man miteinander umgeht. Da bedarf es einer besonderen Energie von allen. Die haben wir aber, deswegen klappt das auch so gut mit uns. 

„Wir machen andere Musik, als die meisten Künstler:innen dort.“

Ihr habt kürzlich auf dem legendären Coachella Festival in Los Angeles  neben Superstars wie Harry Styles und Billie Eilish gespielt. Was war das für ein Gefühl? 

Es hat sich auf jeden Fall richtig angefühlt. Wir machen andere Musik, als die meisten Künstler:innen dort. Gleichzeitig sind wir genau am richtigen Ort. Das Publikum hat das, was wir machen, sofort verstanden und abgefeiert. Es hat gepasst!

In einem Interview hast du mal gesagt, dass ihr bis 2024 zu den erfolgreichsten zehn Deutschen Bands neben Rammstein usw. gehören wollt. Ihr seid auf einem ganz guten Weg, oder? 

Das sind Ziele, die wir uns mal mit einem kleinen Augenzwinkern gesetzt haben. Natürlich ist das auch nicht so leicht zu messen. Aber immerhin sind wir als deutsche Band im Ausland unterwegs, das ist schon mal ganz gut. Wenn wir es schaffen so weiterzumachen wie bisher und dabei unsere gute Laune behalten, dann bin ich happy. 

„Damit setzen wir hoffentlich auch ein kleines Zeichen dafür, dass jeder Ort für jeden Künstler oder jede Künstlerin eine Bühne sein kann.“ 

Ihr habt in Hamburg schon in spektakulären Locations gespielt. Zum Beispiel auf dem Dach der Elbphilharmonie, auf der Viktoria Kaserne in Altona oder im Kraftwerk Bille. Vor ein paar Tagen habt ihr ein Video veröffentlicht, wo ihr durch den Hamburger Hafen marschiert. Wie sucht ihr euch diese Kulissen aus? 

Manchmal machen wir einfach ein Video dort, wo wir zufällig in der Stadt unterwegs sind. Wir versuchen aber auch dahin zu gehen, wo es schön aussieht. Manchmal ergeben sich solche Dinge wie unsere Dach-Konzerte auch einfach.

Mit diesen verschiedenen Szenerien versuchen wir zu unterstreichen, dass wir als akustische Straßenband eigentlich überall spielen können. Damit setzen wir hoffentlich auch ein kleines Zeichen dafür, dass jeder Ort für jeden Künstler oder jede Künstlerin eine Bühne sein kann. 

Gibt es einen Ort, an den du dich besonders gern zurückerinnerst? 

Ich genieße, dass wir an verschiedenen Orten sein können und dass fast alles möglich ist. Egal ob auf der Elbphilharmonie, der Konzertbühne oder in der Fußgängerzone. Neulich haben wir bei der USA-Tour in Venice Beach am Strand gespielt, ein anderes Mal beim Trebur Open Air in einem Swimming Pool. Insofern gibt es gar nicht den einen Lieblingsort.

„Bei der Performance auf der Straße ist es unfassbar ehrlich“

Spontane Guerilla-Konzerte spielt ihr regelmäßig. Was ist für dich der größte Unterschied von einer konventionellen Bühne zu der Performance auf der Straße? 

Bei der Performance auf der Straße ist es unfassbar ehrlich. Wenn die Leute das nicht interessiert, was wir machen, gehen die einfach weiter. Das hat natürlich noch mal eine ganz spezielle Energie. Mit dem eigenen Handwerk muss man sich das Publikum immer wieder erspielen und wirklich etwas machen, was den Leuten richtig zusagt. Wenn wir jetzt ein großes Konzert spielen, dann sind da in der Regel schon Leute gekommen, um uns zu sehen. Aber uns macht beides großen Spaß. 

„Letztendlich spielt es keine große Rolle, wo wir herkommen“

Ihr tretet bewusst als internationale Band auf. Trotzdem seid ihr mit der Hansestadt eng verwurzelt. Wie wichtig ist dir die Identifikation mit Hamburg?

Ich bin nicht so der Lokalpatriot. Anderseits wohne ich seit 20 Jahren wahnsinnig gerne in Hamburg. Hier gibt es eine riesige Musik- und Elektronik Szene, Musikrichtungen und Kulturen vermischen sich. Natürlich sind auch wir irgendwie ein Produkt dieser Stadt. Andererseits sind wir kein Fußballverein und es spielt letztendlich keine große Rolle wo wir herkommen. 

Das Covern und Samplen anderer Songs ist ein elementarer Teil eurer Musik. Gibt es einen Song, den du in Zukunft unbedingt mit Meute covern möchtest? Kannst du uns vielleicht sogar schon verraten, welcher Song als nächstes dran ist? 

Im November kommt unser Album raus. Monat für Monat werden wir jetzt einzelne Songs veröffentlichen. Da sind auch wieder Coverversionen dabei, teilweise von Leuten, die wir noch nicht gekannt haben, aber auch von alten Bekannten. Mehr verrate ich aber nicht.

Das neue Album heisst „Taumel“. Der Duden beschreibt das Wort mit einem rauschhaften Gemütszustand. Trifft das auch auf euer Album zu?

Ach, das ist ja gut! Die Beschreibung trifft auf jeden Fall auf das zu, was wir mit unserer Musik und auf Konzerten erreichen wollen. Dem ist eigentlich gar nichts hinzuzufügen. 

„Taumel“ von Meute erscheint am 18. November 2022 auf dem Label „Tumult“


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

Off the Radar: „Hurra, wir leben noch“

Mit drei Tagesveranstaltungen nahe Bordesholm trotzte der Hamburger Kulturund Musikverein OFF THE RADAR noch im letzten Jahr der Pandemie. Crew-Mitglied Tante Kerosine erzählt, warum das Festival den schleswig-holsteinischen Hof Ovendorf nun verlässt, was Ende Mai auf der Stubnitz geplant ist und mit welchen Alternativen sich der Verein für die Zukunft aufstellt

Interview: Ole Masch

SZENE HAMBURG: Tante Kerosine, warum gibt es in diesem Jahr kein OFF THE RADAR-Festival in Negenharrie?

Tante Kerosine: Sehr kurz gesagt: Weil wir mit unseren früheren Geschäftspartner:innen an Grenzen gestoßen sind, die für uns rote Linien darstellten. Und umgekehrt. Die Pandemie hat uns als Privatpersonen und Verein extrem viel abverlangt. Wir sind der Meinung, dass das Einhalten der Hygienerichtlinien inklusive Masken, Testungen, Abstand in Kombination mit Impfungen der langfristig sichere Weg aus der ganzen Geschichte sind. Dazu stehen wir nach wie vor.

Ihr habt viel Arbeit in den Hof Ovendorf gesteckt. Was passiert jetzt mit dem Gelände?

Ehrlich gesagt: Das ist uns jetzt egal. Wir haben lange gekämpft und hätten viel gegeben, um weiter in Ovendorf sein zu können. Wir haben den Ort geliebt – nur annähernd ließ sich im Sommer 2019, als wir zuletzt da „richtig“ veranstaltet haben, erahnen, in was der Hof noch alles zu verwandeln gewesen wäre. Unsere Crew hat dort Geburtstage gefeiert und ein Paar sogar geheiratet – wir verbinden Ovendorf mit krassen, schönen, herzzerreißenden und heftigen Erinnerungen. Wir wollen nicht mehr aufrechnen, wie viel Arbeit wir da reingesteckt haben – so heranzugehen macht auf Dauer die Psyche komplett kaputt. Schwamm drüber, weiter geht’s.

„Die derzeitige Entwicklung mit Jupibar und Stubnitz ist natürlich höchst erfreulich!“

Tante Kerosine, Crew-Mitglied bei OFF THE RADAR

„Wir haben gerade krass viel neuen Schwung“

Wie geht es euch insgesamt nach zwei Jahren Pandemie?

Die Stimmung schwankt zwischen „Hurra, wir leben noch!“ und „Woah, jetzt reißen wir so richtig alles ab“. Um zu sagen, wie es uns jetzt geht, müsste man vielleicht einmal kurz sagen, wie es unmittelbar vor der Pandemie war: Wir waren 2020 ausverkauft und, so dachten wir zumindest, aus dem Gröbsten raus. Unsere angespannte finanzielle Situation dürfte über Jahre über die Stadtgrenzen hinaus bekannt und belächelt worden sein. Aber dann kamen die Absage, unsere Startnextkampagne und 2021 unsere Entscheidung für drei Eintagesfestivals anstelle von einem großen. Das war natürlich keine rein freiwillige Entscheidung: Wir wollten unbedingt veranstalten und zum Genehmigungszeitpunkt war das die einzige Option.

Die letzten beiden Jahre haben schon extrem an unserer Substanz gezehrt. Andererseits haben wir gerade wieder krass viel neuen Schwung: Wir beschäftigen uns viel mit uns selbst, Awareness und wie wir miteinander sein und arbeiten wollen. Seit März machen wir monatlich einen Barabend in der Jupibar. Und schließlich wird es wohl doch noch so sein, dass wir zumindest ein kleineres Festival Ende des Sommers veranstalten werden.

Hamburg ist subkulturell ein eher abgegraster Landstrich

Ihr konntet eine alternative Fläche finden?

Ja, wie es derzeit aussieht, haben wir eine Fläche gefunden, die wir vielleicht auch für die nächsten Jahre bespielen können. Momentan arbeiten wir daran, dass wir schon Anfang September eine kleine OFF THE RADAR-Ausgabe in Bremen feiern können. Dazu wird es in den kommenden Tagen und Wochen immer mehr Infos geben, versprochen! Lange haben wir einfach nach einem 1:1 gleichen Gelände gesucht: ein Hof, mehr oder weniger im Speckgürtel von Hamburg. Ein Ort, an dem wir uns austoben und vielleicht auch bleibende Sachen schaffen können. Beziehungsweise da auch mal für eine Weile abtauchen können. Die Fläche, die wir jetzt in Aussicht haben, ist eine alte Industriebrache in Bremen – voraussichtlich fallen da einige Dinge weg, die wir früher immer hatten. Aber bisher fühlt sich alles dennoch sehr gut und sehr nachhaltig an. Wir haben Bock!

Gibt es in Hamburg keine geeigneten Flächen?

Es ist ja kein Geheimnis, dass Hamburg ein unsere Größe betreffend, sagen wir, subkulturell eher abgegraster Landstrich ist: Immer gibt es Nachbar:innen, die etwas gegen Lärm haben könnten, Lizenzen oder Genehmigungen, die entzogen werden könnten. Es gäbe Gelände, die sich eignen würden, so ist es ja nicht. Aber da braucht es dann auch immer den Mut und Willen von Anwohnenden, Behörden und anderen Mitspielenden. Oder das entsprechende „Kleingeld“. Wir haben das ein paar Mal versucht, aber haben immer wieder auf Granit gebissen – ehrlich gesagt, ist uns inzwischen unsere Energie dafür ein bisschen zu kostbar.

Nachtleben Mai 2022 klein credit Karin Kästner-klein
Von Hofdame zur Piratin: Tante Kerosine (Foto: Karin Kästner)

Im Mai: Zwei Tage OFF THE RADAR in Hamburg

Werdet ihr wieder auf der Fusion sein?

Klar, da sind wir auch dieses Jahr wieder: Seien wir ehrlich – eine Tube ohne uns ist eine absurde Vorstellung. Von allem anderen müssten sich geneigte Fusionist:innen selbst überzeugen. Ich sag mal so: In den letzten beiden Jahren haben wir vielleicht ein paar Dinge verlernt, unser Kerngeschäft aber noch lange nicht!

Was ist Ende Mai auf der MS Stubnitz geplant?

Am 27. und 28. Mai 2022 stechen wir vielleicht nicht in See, aber wir gehen dennoch aufs Schiff. Wir sind ja mit der Stubnitz-Crew alles in allem in hervorragender Wahlverwandtschaft und dementsprechend haben wir uns über die Maßen gefreut, als sie uns für den Weekender angefragt haben. An zwei Tagen OFF THE RADAR in Hamburg – mit fast allem, was da bisher auch immer so dazu gehörte: Apfelgarten-Techno, Punxstage-Matinee und Orbit-Schwelgerei, um nur ein paar Sachen zu nennen.

Ravi Kuma, Livez, Liiek, Pogendroblem und viele mehr

Gibt es einen Act, auf den du dich ganz besonders freust?

Ravi Kuma ist sicherlich ein Act, auf den ich mich mit am meisten freue – extrem frische Produktion, live ein Erlebnis der Extraklasse, feministisch, wild. Neulich hab ich das über sie gelesen: „Ein Liebeskind, gezeugt in einem verlassenen Container als Ergebnis einer Dreierbeziehung zwischen Peaches, M.I.A. und Vince Staples.“ Kann ich eigentlich nur genauso unterschreiben. Ansonsten sind Infinite Livez, Liiek und sicherlich Pogendroblem für die eher punkige Schiene zu nennen. Wem Techno lieber ist, sollte sich unter anderem bereit machen für Ey.Rah, Elliver und Sportbrigade Sparwasser – auch wenn ich selbst davon nicht so viel Ahnung habe – aber das halte ich für eine mehr als solide Partymischung. Dazu gesellen sich ein paar OTR-Allstars und noch mehr neue Freund:innen. Wir sind schon ganz aus dem Häuschen!

Gibt es eine Pause zwischen Freitag und Samstag?

Zwischendurch machen wir einmal kurz die Schotten dicht – heißt das so, ich lerne noch das Piratinnenvokabular –, um das Deck zu schrubben und die Gläser zu polieren. Dann geht es aber Samstagnachmittags mit voller Schubkraft wieder los. Es gibt Tickets für beide Tage, aber, na klar, auch für jeden Tag einzeln.

„Wir merken, dass wir sehr vermisst werden“

Wie sieht es mit eurer Fördermitgliedschaft aus?

Ich hatte ja schon gesagt, dass unser klammer Geldbeutel geradezu legendär und über die Stadtgrenzen hinaus bekannt ist. Die Pandemie hat dazu natürlich noch mal einiges extra beigetragen, obwohl wir nicht wie gewohnt veranstalten konnten. Wir haben – wie viele Kolleg:innen auch – über alternative Wege, beziehungsweise letztlich auch eine, na ja, nachhaltigere Finanzierung nachgedacht. Die Fördermitgliedschaften waren zunächst also eine Idee, wie wir die OFF THE RADAR-Ultras, die es zweifellos gibt, enger an uns binden können, ohne andauernd um Kohle zu betteln. Es bedurfte dafür aber erst einmal einer Satzungsänderung, die derzeit dem Notariat vorliegt. Wenn die durch ist, haben wir dazu auch mehr Infos.

Werdet ihr in Zukunft vermehrt auf Partys in Hamburg setzen?

Die derzeitige Entwicklung mit Jupibar und Stubnitz ist natürlich höchst erfreulich! Wir merken schon auch, dass wir sehr vermisst werden. Das ist ein ziemlich schönes Gefühl. Und es ist vor allem auch ein gegenseitiges. Andererseits sind wir keine „One-Trick-Ponys“: Wir lieben und vermissen das Festivalorganisieren und –veranstalten extrem! Wir vermissen es, den Alltag für drei, vier Tage komplett auszuknipsen. Insofern wäre es schön, wenn wir zukünftig auf eine gesunde Mischkalkulation setzen könnten: Hier und da mal paar exquisite Partys in Hamburg und POW POW ein größeres OFF THE RADAR etwas außerhalb.

OFF THE RADAR On Tour, am 27. und 28. Mai 2022 ab 19 Uhr auf der MS Stubnitz


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

Charlotte March: Eine Werkschau

Die Hamburger Fotografin Charlotte March publizierte in der Brigitte, im Stern, in der Elle und in der Vogue Italia, jetzt ist eine groß angelegte Werkschau ihrer Arbeiten in der Sammlung Falckenberg zu sehen

Text: Katharina Stertzenbach

Die groß angelegte Werkschau über Charlotte March (1929–2005) ist vom 20. Mai bis zum 4. September 2022 in der Sammlung Falckenberg zu sehen. Die Werkschau zeigt neben den bekannten Aufnahmen der Fotografin insbesondere auch die bisher weniger bekannten Mode- und Werbeaufnahmen. Anlässlich der 8. Triennale der Photographie Hamburg sind insgesamt 300 Werke von Charlotte March ausgestellt. Sie zeigen dabei auch die frühen dokumentarischen Fotografien im Hamburg der 1950er-Jahre und Aufnahmen von ihren Aufenthalten auf der damals vom Massentourismus noch unberührten Insel Ischia porträtieren. Bei vielen der Fotografien immer im Hinterkopf: das 1977 veröffentlichte Buch „Mann, oh Mann – Ein Vorschlag zur Emanzipation des attraktiven Mannes“, das erstmals explizit eine weibliche Sicht auf den männlichen Körper zeigte und nicht nur deswegen breit diskutiert wurde.

Werkschau zu Charlotte March
Sammlung Falckenberg 20. Mai bis 4. September 2022


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

Das Polittbüro – eine Legende geht

Nach fast 20 Jahren verabschieden sich Lisa Politt und ihr Partner Gunter Schmidt vom Steindamm – die Nachfolger stehen schon fest

Text: Felix Willeke

Jochen Malmsheimer, Moritz Neumeier, Max Uthoff und viele mehr. Die komplette Kaberett- und Comedy-Szene hab sich in den letzt fast 20 jähren im Polittbüro die Klinke in die Hand. Das alte Kino auf dem Steindamm war lange das Haus von Lisa Politt und ihrem Partner Gunter Schmidt. Das ist jetzt vorbei. Die beiden hören auf. „War ‘ne geile Zeit“, schreiben sie zum Abschied. Es kommt plötzlich aber „die Doppelfunktion aus auf der Bühne sein und Betreiber einer Bühne zu sein, hat uns körperlich zunehmend überfordert.“ 

Ein fulminanter Abschied

Doch das Polittbüro wäre nicht das Polittbüro, wenn sie ihren Abschied nicht gebührend feiern würden. Ab dem 20 Mai 2022 gibt es deswegen ein „fulminantes Abschiedsprogramm“. Zu Gast sind neben Anna Mateur & the Beuys und Gustav Peter Wöhler sowie Piet Klocke und Max Uthoff auch Rainald Grebe, Marc-Uwe Kling und Moritz Neumeier. Vom 30. Juni bis 3. Juli stehen dann Lisa Politt und Gunter Schmidt selbst noch ein letztes Mal auf ihrer Bühne. Mit „65-Das Alter ist sicher“ haben sie sich einen musikalischen Abschied geschrieben – garantiert sehenswert.

polittbuero-c-CarloKahfeldt-klein
Schon bald gibt es unter neuem Namen wieder Kabarett und Comedy am Steindamm, los geht’s am 26. September 2022 (Foto: Carlo Kahfeldt)

Die Nachfolge steht fest

Auch wenn es das Polittbüro in Zukunft nicht mehr geben wird, Kabarett und Comedy verschwinden nicht vom Steindamm. „Wir haben würde Nachfolger für unsere Bühne gefunden“, schreiben Politt und Schmidt. „Michel Abdollahi und Robert Oschatz haben unseren Antrag angenommen.“ Die beiden sind seit Jahren in der Comedy-, Slam- und Kabarettszene unterwegs. Während Abdollahi besonders als Conférencier bekannt ist, wirkt Oschatz als Mann im Hintergrund und betreibt seine eigene Künstleragentur. Am 26. September wird dann das alte Polittbüro nach einem Umbau unter neuem Namen seine erste Spielzeit mit Kurt Krömer beginnen. 

Das fulminante Abschiedsprogramm des Polittbüro
vom 20. Mai bis 3. Juli
2022


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

Max Frisch fragt … Michael Göring

Autoren der Gegenwart antworten auf den berühmten Fragebogen von Max Frisch. Dieses Mal antwortet der Literaturwissenschaftler und Autor Michael Göring – sein aktueller Roman „Dresden. Roman einer Familie“ ist im Osburg Verlag erschienen

Genießen Sie moralische Entrüstungen?

Nur sehr selten. Ich erlebe bei denjenigen, die sich entrüsten, immer häufiger Selbstüberschätzung, Selbstgefälligkeit und Unehrlichkeit.

Wie viel Heimat brauchen Sie?

Sehr viel. Den Menschen, den Musikwerken und den Orten, die mir Heimat bieten, bleibe ich unbedingt verbunden. Da bin ich äußerst treu.

Kann Ideologie zu einer Heimat werden?

Ja, aber es kann dabei gefährlich eng werden. Besser ist es, wie Hesses Siddharta sich von vorgegebenen Ideologien zu befreien und offen den eigenen Weg zu finden mit allen Höhen und Tiefen, aber voll von eigenen Erfahrungen. Ich habe mit Sigmund, dem Protagonisten in „Hotel Dellbrück“, eine Person zeigen wollen, die über ihr Tun zur Identität findet, sich die Heimat selbst erschafft.

„Religionen sind wichtig für unsere emotionale Balance“

Muss eine Hoffnung, damit Sie in ihrem Sinn denken und handeln, nach Ihrem menschlichen Ermessen erfüllbar sein?

Nicht unbedingt. Religionen wie allgemeine spirituelle Sehnsüchte leben mit und von Hoffnungen, deren Erfüllbarkeit vage bleibt und vor unserem Verstand nicht standhält. Dennoch sind Religionen, also das Streben nach Rückbezug, nach Verankerung, und Spiritualität wichtig für unsere Balance von Ratio, dem emotionalen Wunsch nach Sinn und der Freude am Tag.

Was stört Sie an Begräbnissen?

Nichts. Begräbnisse sind kulturell verschieden ausgeprägt, durchlaufen auch bei uns einen Wandel, konfrontieren uns aber mit dem Endgültigen, dem Abschied. Begräb­nisse gehen mir schrecklich nahe, wenn sehr junge Menschen begraben werden.

Überzeugt Sie Ihre Selbstkritik?

Am meisten dann, wenn sie sich allmählich im Gespräch mit anderen bei mir herausschält.

Autoren der Gegenwart antworten auf den berühmten Fragebogen von Max Frisch

Michael Göring liest am 20. Mai 2022 im kleinen Michel und am 19. Juni um 11.30 Uhr auf der Sonntags-Matinée im Heine Haus aus seinem Buch „Dresden. Roman einer Familie“

Max Frisch: „Fragebogen. Erweiterte Ausgabe“, Suhrkamp, 127 Seiten, 10 Euro


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

Clubleben: Party like it’s 2019

Endlich wieder feiern, als wäre die Pandemie vorbei. Oder nie dagewesen. In Hamburgs Clubs kehrt Normalität ein. Vier Betreiber erzählen, welche Hoffnungen, Wünsche und Ängste sie dabei umtreiben

Protokolle: Erik Brandt-Höge & Sarah Seitz

Andi Schmidt, Betreiber des Molotow

Andi Molotow 05 22_c_molotow-klein-hoch
Möchte „den Schwerpunkt eindeutig auf Hoffnungen legen“: Andi Schmidt (Foto: Molotow)

„Hoffnungen und Ängste sind natürlich zwei gute Stichworte, wobei ich den Schwerpunkt eindeutig auf Hoffnungen legen möchte. Ich hoffe, dass wir alle schon Anfang Mai wieder ohne Maske Konzerte besuchen, tanzen und feiern können. Ich hoffe auch, dass am Ende des Jahres die Einschränkungen nicht wieder zurückkommen, wie es in den vergangenen zwei Jahren der Fall war. Außerdem hoffe ich, dass möglichst alle, vor allem die, die keine oder nur wenig staatliche finanzielle Unterstützung bekommen haben, diese Krise einigermaßen gut überstehen werden. Und logischerweise würde ich mir wünschen, dass wir in Zukunft ein paar weniger Krisen haben werden.“ 

Baster Rübsam, Inhaber des Komet St. Pauli

Titelstory Komet 1 _c_ Erik Brandt-Höge XX-klein-hoch
Jukebox und Flipper im Schummerlicht: Komet (Foto: Erik Brandt-Höge)

„Grundsätzlich bin ich erst mal dankbar, dass ich endlich wieder das machen darf, was ich machen will. Also laut Musik hören, etwas dazu trinken und ein wenig das Tanzbein schwingen. Wenn dann noch andere das Gleiche wollen: Schwups, ist wieder was los in der kleinen verrauchten Kneipe. Ich freue mich, dass so viele den Komet nicht vergessen haben. Der Laden ist dadurch immer noch am leuchten und auf seiner Umlaufbahn im Hamburger Orbit. Sorgen macht man sich natürlich trotzdem weiter: Was passiert ohne 2G+ mit den Menschen? Wie wird der Sommer? Denn: Zu gutes Wetter ist schlecht für den Komet, der keinen Außenbereich hat. Und: Wie heißt die neue Untervariante von Omikron und kann sie dem Komet weh tun? Alles natürlich relativ kleine Problemchen gegenüber den ganzen Kriegsnachrichten und dem Leid, das sonst so auf der Welt Tag für Tag passiert. Corona ist für mich noch nicht vorbei, aber wir können zumindest mal kurz durchatmen in den nächsten Monaten. Wir freuen uns über alle, die zu uns kommen – zum Beispiel am Samstag, 21. Mai, zum ColeSlawClub! Es gibt Rhythm & Blues, Soul und Rocksteady auf zwei Floors.“

Jonathan Trinh, Betriebsleiter des Grünen Jäger

Titelstory Grüner Jäger_c_Tobias Göbbels-klein
Feierei gefällig? Ginge zum Beispiel im Grünen Jäger (Foto: Tobias Göbbels)

„Als Club- und Barbetrieb schauen wir natürlich hoffnungsvoll auf die angedachten Lockerungen, die uns einige Abläufe im täglichen Betrieb nach rund zwei Jahren Ausnahmezustand wieder erleichtern würden. Wir haben die offiziellen Verordnungen überzeugt mitgetragen, freuen uns nun aber natürlich sehr auf das endgültige Wiedererwachen des kulturellen Lebens in Hamburg. Und wir müssen auch sagen: Trotz der vielen Herausforderungen konnten wir im letzten Jahr rund 90 Veranstaltungen bei uns im Grünen Jäger ausrichten – zum Teil als Streams, Open Air oder, unter Einhaltung der geltenden Verordnungen, in unseren Räumen. Das verdanken wir vor allem einem tollen Netzwerk an Kooperations- und Veranstaltungspartner:innen, die sich gemeinsam mit uns diesen Herausforderungen gestellt und nie den Kopf in den Sand gesteckt haben. Auch die Arbeit des Hamburger Clubkombinats, als gemeinsames Sprachrohr in Richtung des Senats, war in dieser Zeit wahnsinnig wertvoll.

Jonathan Trinh_Grüner Jäger_c_aniane dietrich-klein-hoch
„Wir freuen uns auf das endgültige Wiedererwachen“: Jonathan Trinh (Foto: Aniane Dietrich)

Diese Erfahrungen machen uns, trotz oder vielleicht auch gerade wegen der vielen schwierigen Situationen, sehr glücklich und haben uns auch noch einmal aufgezeigt, wie wichtig und wertvoll eine funktionierende Gemeinschaft und gegenseitige Unterstützung sind. Als Club sehen wir uns auch unseren Gästen gegenüber als einen Ort, an dem man mit, vielleicht vorher noch fremden, Menschen ins Gespräch kommt. Wo es um Austausch und ein gemeinsames Erlebnis und weniger um Wettbewerb oder Ähnliches geht. Wir freuen uns sehr zu beobachten, dass diese Räume nun endlich wieder genutzt werden können und die Angebote auch durch die Gäste angenommen werden. Mit Blick auf den Sommer, freuen wir uns auf ausgelassene und durchgetanzte Nächte, schöne Tage und eine Reihe neuer Formate und Projekte, die schon in den Startlöchern stehen. Wir sind auf jeden Fall bereit, wieder richtig Gas zu geben und freuen uns über alle, die daran teilhaben möchten!“

Constantin von Twickel, Künstlerischer Leiter im Nochtspeicher

Constantin_v_Twickel_c_MartinD.-klein
„Eine Situation von 0 auf 100“: Constantin von Twickel (Foto: Martin D.)

„Der Nochtspeicher und die Nochtwache sind seit dem 4. März 2022 unter 2G+-Bedingungen wieder im vollen Betrieb. Eine Situation von 0 auf 100 mit geringer Anzahl an Personal, denn das müssen wir uns gerade wieder aufauen. Dennoch sind wir sehr froh, wieder Kulturveranstaltungen anbieten zu dürfen, die Energie in der Crew ist extrem positiv, und es macht Spaß, wieder Menschen zusammenzubringen, Künstler:innen eine Bühne zu bieten und positive Ereignisse für all unsere Seelen zu schaffen. Das ist wichtig, in einer Welt von momentan dominierenden negativen Meldungen. Das Schönste ist es, nach den Veranstaltungen ein gut gelauntes und lächelndes Publikum zu sehen.“ 


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

Fotografie als Währung: 8. Triennale der Fotografie

Am 20. Mai beginnt die größte Fotoschau der Stadt mit 20 Ausstellungen und dem Thema „Currency“. Wir sprachen mit der neuen künstlerischen Leiterin Koyo Kouoh über die Triennale-Vorbereitung in Zeiten der Pandemie, über Machtstrukturen und die Wirkkraft der Bilder – und über ihren Blick auf Hamburg

Interview: Karin Schulze

SZENE HAMBURG: Koyo Kouoh, fast jede und jeder macht heute unablässig Fotos, versendet, guckt und kommentiert sie pausenlos. Warum braucht es da noch eine Fototriennale?

koyo_kouoh_c_zeitz_mocaa
Neue künstlerische Leiterin der Phototriennale: Koyo Kouoh (Foto: Zeitz Mocaa)

Koyo Kouoh: In den letzten 30 Jahren haben die Menschen mehr Bilder produziert als in der gesamten Zeit davor. Das ist erst einmal erschreckend. Jeder meint Fotograf:in zu sein, obwohl niemand denkt, jeder Mensch könne Bildhauer:in oder Ärzt:in sein. Gerade deshalb gilt es, der Fotografie als eigener Kunstform eine Bühne zu verschaffen.

Die 8. Triennale der Photographie Hamburg 2022 versammelt zwölf Schauen in zehn Ausstellungshäusern, ein Festival und die Triennale Expanded unter dem Titel Currency. Was ist damit gemeint?

Mit dem englischen Wort für „Währung“ ist die Fotografie als Transaktionsmittel gemeint. Wir leben in einem retinalen Zeitalter. Nichts wandert zwischen den Menschen so oft hin und her wie Fotografie. Mal in privaten Kontexten, mal in kommerzieller Absicht. Mal um Wahrnehmung zu lenken und mal um gezielt Wertschöpfung in Gang zu setzen. Wenn wir Fotografie unter dem Aspekt der Währung betrachten, reflektieren wir, wie wir zu Fotografie und ihrer Wirkmacht stehen.

„Currency“ ist auch das Thema der von Ihnen zusammen mit Rasha Salti, Gabriella Beckhurst Feijoo und Oluremi C. Onabanjo kuratierten Ausstellung in den Deichtorhallen. Was erwartet uns da?

Wir stellen 29 internationale Positionen vor: etwa den libanesischen Fotografen Riad Antar, der das Verhältnis von Mythologie und Geschichte mit einer linsenlosen Kamera erkundet, oder die ägyptische Künstlerin Rana El Nemr, die Bilder der Selbstreflexion an die Dinge und Erscheinungen ihrer Kairoer Wohnumgebung heftet. Einige Künstler:innen sind in ihren Dreißigern, andere schon in ihren Neunzigern. Es werden experimentelle, dokumentarische und poetische Ansätze dabei sein. Dabei spielt Counter-Mapping, also das Umschreiben von dominanten Machtstrukturen, eine besondere Rolle.

Inwieweit folgen auch die Projekte der anderen Häuser der thematischen Vorgabe „Währung“?

Wir haben mit unserem Verständnis von „Currency“ ein thematisches Gerüst vorgeschlagen, das die Institutionen auf die ihre jeweilige DNA übertragen konnten. Das reicht von einer Gesamtschau des Fotografen Herbert List und seiner Magie des Lichts im Bucerius Kunstforum über eine Neuentdeckung der Hamburger Mode- und Werbefotografin Charlotte March in der Sammlung Falckenberg bis zum Fotoprojekt von LaToya Ruby Frazier zur Wasserkrise in Flint, Michigan, das im Kunstverein in Hamburg gezeigt wird.

Die beiden Jahre der Vorbereitungszeit der Ausstellung waren geprägt von der Corona-Pandemie. Was bedeutete das?

Die kuratorische Arbeit im Team fand vor allem am Bildschirm statt. Wir konnten auch keine Atelierbesuche machen, dafür haben uns die Künstler:innen andere Zugangsweisen zu ihren Werken ermöglicht. Damit war die Planung der Triennale betont umweltbewusst: Wir sind sehr wenig geflogen.

TPH8_DTH_HAK_Currency_Reynoso_Gaviota_serving_desert_The-Flower
Cecilia Reynoso: Gaviota serving desert, from the series „The Flowers Family“, 2014

Auch eine verstärkte Beteiligung Hamburger Künstler könnte Kohlendioxid einsparen. Wie sieht es damit aus?

Ein wesentlicher Teil der Triennale ist die sogenannte Triennale Expanded. Aus Vorschlägen von Hamburger Fotograf:innen, Künstler:innen, Kurator:innen und Initiativen wurden zwölf Projekte ausgewählt und gefördert, die ab dem 2. Juni vorgestellt werden. Mit dabei sind etwa ein performativer Abend zur Fotografie, ein Archiv, das Wolkenbilder von Orten fossiler Verbrennung sammelt, oder das Panel zu NFTs und Krypto-Kunst als sozial engagierter Kunstpraxis.

Warum läuft die Triennale Expanded erst ab dem 2. Juni?

Das Expanded-Programm startet parallel zum Festival der Triennale, das vom 2. bis 6. Juni stattfindet. So haben wir zusätzlich zum Triennale-Start am 20. Mai einen zweiten Eröffnungsimpuls, wodurch sich das Publikumsinteresse verteilen kann. Das Festival umfasst Gespräche, Diskussionen, Filmvorführungen und Performances, mit denen die Themen der zwölf Ausstellungen und der Triennale Expanded vertieft werden.

Sie leiten das Zeitz Museum of Contemporary Art Africa in Kapstadt und sind als Kuratorin, Beraterin oder Rednerin in Afrika, Europa und Amerika unterwegs. Currency ist nach Streamlines in 2025/16 Ihre zweite Ausstellung in der nördlichen Deichtorhalle. Wie ist Ihr Verhältnis zur Halle und zu Hamburg?

Sehr freundschaftlich. Ich mag die Stadt Hamburg sehr für ihre Eleganz. Als Hafenstadt vermittelt sie ein unwiderstehliches Gefühl von Offenheit und Grenzenlosigkeit. Und ich bin fasziniert von der Geschichte des Großbürgertums. Manchmal meine ich, einen Buddenbrook durch die Straßen schlendern zu sehen. Es ist zwar nicht Lübeck, aber doch hanseatisch. Da ich aus Kamerun komme, weiß ich, dass Hamburg eine große Rolle in den schwierigen Beziehungen zwischen Kamerun und Deutschland gespielt hat. Streamlines bezog sich direkt auf diese Geschichte. Mit Dirk Luckow, dem Intendanten der Deichtorhallen, verbindet mich eine kuratorische Affinität, so dass ich für die Triennale zurückkommen konnte.

Triennale der Photographie: Ausstellungsparcours in Hamburger Museen und Institutionen, Eröffnung: 19.5., 20.5.–18.9. Die Festivalwoche findet vom 2. bis 6. Juni statt. Dann startet auch die Triennale Expanded


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

Tanzen unter freiem Himmel: 10 Open-Air-Locations

Die Temperaturen steigen und im Mai soll es noch bis zu 30 Grad werden. Es wird also Zeit die Sonnenbrille rauszuholen und wieder unter freiem Himmel zu tanzen! Hier kommen 10 Open-Air-Locations zum Trinken und Tanzen an der frischen Luft.

Text: Henry Lührs

Partys und Konzerte auf dem Knust Vorplatz

Von Frühling bis Spätsommer finden im Rahmen der „Knust Lattenplatz Open Air” jede Menge Konzerte, Partys und kleinere Festivals statt. Schon für kleines Geld oder sogar kostenlos können Spontanentschlossene hier warme Tage bestens mit einem kalten Bier in der Hand ausklingen lassen.

Ein Highlight sind jedes Jahr die zahlreichen „Knust Acoustic” bei denen Bands und Singer Songwriter akustische Konzerte unter freiem Himmel spielen. Hier haben zum Beispiel schon Jupiter Jones, Enno Bunger oder OK KID den sonnigen Platz zwischen Karostar und Schlachthofgebäude gerockt. Kommende Open-Airs im Mai sind zum Beispiel die Konzerte von Fazer, Lucas Laufen oder Ian Fisher und Band.

Public Viewing auf dem Lattenplatz beim Knust Foto: Knust
Kostenloses Konzert vor dem Knust (Foto: Lattenplatz Open Air)

Indie-Party im Backyard vom Molotow

Im Hinterhof des Molotows versteckt sich das legendäre Backyard. Hier finden im Sommer verschiedenste Gigs statt und auch Partys werden hin und wieder mit nach draußen verlegt. Neben der Möglichkeit an der frischen Luft zu verschnaufen oder eine (Raucher)Pause einzulegen, wartet außerdem eine kleine Bar mit kaltem Bier.

Das Backyard bietet Platz für Kleinere Festivals und hin und wieder wird der Hinterhof in einen Biergarten umgewandelt. Bis in den nächsten Morgen kann man sich hier die Sommernächte unter Lichterketten und Lampions um die Ohren hauen. Kommende Open-Air-Konzerte im Mai gibt es zum Beispiel von My Ugly Clementine oder Team Scheisse. Im Juni spielt außerdem Edwin Rosen unter freiem Himmel und das Booze Cruise Festival bespielt die Bühne des Backyards.

Tanzen wieder möglich: Molotow (Foto: Alexander Schliephake/www.instagram.com/_fox_on_the_run)
Tanzen wieder möglich: Molotow (Foto: Alexander Schliephake via Instagram)

Open-Air Raven im Edelfettwerk

Das Edelfettwerk ist bestens ausgestattet für die Open-Air-Saison. Hier kann nicht nur auf der großen BackYard-Terasse getanzt werden, sondern mit der Dachterasse und zwei Beachclubs gibt es gleich vier verschiedene Außenbereiche. Die ehemalige Fabrik für Edelfette hat bis heute ihren industriellen und urbanen Charme behalten.

Auf 400 Quadratmetern wird auf den verschiedenen Floors gefeiert – meistens zu Electro, House oder Drum’n’Bass. Techno-Highlights im Mai sind unter anderem die „Secret Garden“ Open Air oder die 16 Stunden Open Air „Yes we Dance”. Außerdem findet hier mit dem „Save the Summer Festival“ schon das erste Open-Air-Festival des Jahres statt.

Open-Air-Party (Foto: Edelfettwerk via Facebook)

Biergarten und Livemusik im Schroedingers

Direkt im Schanzenpark findet sich eine Mischung aus Kulturzentrum, Cafe, Restaurant und Eventlocation. In Corona-Zeiten hat sich vor allem der riesige Außenbereich als perfekter Ort für Konzerte und Live-Events bewährt. Jedes Wochenende werden hier verschiedene Partys gefeiert. Zu den Regelmäßigen Events gehören „Schrödingers Lichtung“ und „Schrödingers Tanzbar“, viele Veranstaltungen werden aber auch spontan über Social Media angekündigt.

Biergarten und After-Work Party kommen hier jedenfalls im modernen und zwanglosen Gewandt daher. Bei den Schrödingers Open Airs legen aber auch gerne mal renommierte DJs wie Oliver Schorries auf. Auf das Line-Up in diesem Sommer darf man daher gespannt sein!

Gesellige Sommerabende im Schanzenpark (Foto: Schroedingers via Facebook)

Open Air am Moorburger Elbdeich

Gute Partys gibt es nicht nur im Stadtkern! Gerade wenn es um Open Airs und elektronische Musik geht, lohnt sich generell der Blick auf die andere Elbseite. In Moorburg hat der Elbdeich e.V eine lebendige Plattform für Kunst, Musik und Feierkultur etabliert. Zwischen Autobahn, Hafenindustrie und Kraftwerk blüht hier das Leben bei den verschiedensten Veranstaltungen auf.

Im Sommer stehen natürlich auch Open Airs auf dem Programm. Die „Hofnarren Open Air“ lädt zum Beispiel am 28. Mai dazu ein, endlich wieder unter der Sonne zu tanzen. Auf die Ohren gibt es natürlich feinsten Techno. Aber auch das Swamp-Festival Ende Juni bringt Livemusik an den Moorburger Elbdeich.

open-air-kultur-hamburg-Credit-Erik-Brandt-Höge
Foto: SZENE HAMBURG

Bootsparty auf der MS KOI

Was gibt es schöneres als auf der Elbe dem Sonnenuntergang entgegen zu schippern?! In Hamburg ist das möglich und zwar zu lauter Musik und ausgelassenen Partys auf der MS KOI. Vorbei an den vielen Kränen kann man hier auf drei Decks einmal quer durch den Hamburger Hafen tanzen. Die ersten beiden Touren für dieses Jahr hat das Party-Schiff schon angekündigt!

Am 21. Mai organisiert der Musikclub NOHO eine große 90er-Party. Auch die Sunset-Boatparty von Boris Dlugosch und Derrick White findet wieder statt, und zwar am 11. Juni 2022. Alle weiteren Partys und Events wird die MS KOI sicherlich in den nächsten Wochen ankündigen.

Auf der Elbe in den Sonnenuntergang tanzen (Foto: MS KOI via Facebook)

Livemusik auf dem Dockville Gelände

In den Sommermonaten ist auf dem Dockville-Gelände in Wilhelmsburg eigentlich immer etwas los. Auch wenn das MS Dockville Festival selbst natürlich das absolute Highlight der Open-Air Saison ist, lohnt sich der Ausflug auf die Elbinsel auch an anderen Tagen. Neben dem Dockville Festival findet beispielsweise auch das MS Artville Festival, das Spektrum Festival oder der Vogelball statt.

Neben diesen regulären Terminen gibt es aber auch noch einige weitere Konzerthighlights diesen Sommer. Am 27. August tritt der DJ und Produzent Boris Brechja bei einer großen Liveshow an der Alten Schleuse auf. Am 4. September kommt die Hamburger Techno Marching Band Meute für ein Konzert nach Wilhelmsburg. Es lohnt sich also die Augen offen zu halten und auf das Line-Up zu achten.

dockville_c_a_hornoff_0037
Ekstase auf dem Dockville-Gelände (Foto: Andreas Hornoff)

Beach-Clubbing bei Strand Pauli

Der Beachclub Strand Pauli ist bereits im Sommermodus und hat den Laden komplett auf Vordermann gebracht. Mitten auf St.Pauli gibt es hier leckere Drinks mit Blick auf Elbe und Hafenpanorama. Bis Oktober ist die „Insel in der Stadt“, wie sich der Club selbst bezeichnet, sieben Tage die Woche geöffnet. Hier schmeckt das Feierabendbier an den geselligen Grillabenden besonders gut.

Aber natürlich kann im Strand Pauli auch regelmäßig gefeiert werden. Wer keine Lust hat, auf das nächste Event zu warten, kann die eigene Freundesgruppe anmelden und selbst einen drauf machen (ab 15 Personen) oder ganze Teile des Ladens für die eigene Party mieten (ab 50 Personen).

Strandpauli-c-Strandpauli
Sonnenuntergang im Beachclub am Hafen (Foto: Strandpauli)

Drinks und DJs in der Sands Bar

Direkt am Dammtor Bahnhof befindet sich die Kult-Cocktailbar Sands Bar. Hier gibt es leckere Drinks in entspannter und schicker Atmosphäre. Die große Terrasse wurde für die Open-Air-Saison neu gestaltet und mit einer kleinen Eventfläche ausgestattet. Bei den Sands-Open-Airs wurde in der Vergangenheit bereits ausgelassen in laue Sommernächte gefeiert. Wer gute Cocktails zu schätzen weiss, wird sich hier über eine prächtige Bar freuen.

Buntes Treiben auf der Sonnenterasse (Foto Sands Bar via Facebook)

Über den Dächern feiern im Clouds

Ganz Hamburg im Blick und dabei eine Gin Tonic in der Hand haben? In der Clouds Heaven’s Bar ist das kein Problem! Gefeiert wird hier allerdings eigenen Angaben zur Folge auch in „uppereast-Manier“. Zum Beispiel am 21. Mai 2022 bei der achten Ausgabe der Partyreihe „Upperclouds“. Auf der Dachterrasse der Bar, dem heaven’s nest, lässt es sich gut über den Dingen stehen und bei dem Elbblick schmeckt der Schampus besonders gut. Beim Dresscode gilt: Dress to Impress!

clouds-heaven-nest-c-clouds-heaven-nest
Lounge-Feeling über den Dächern der Stadt (Foto: Clouds Heaven Nest)

#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

Ab ins Grüne!

Von Lotto King Karl über Editors bis Sting: 2022 kommen zahlreiche Top-Acts zum Stadtpark Open Air

Text: Erik Brandt-Höge

Die Geschichte der Stadtpark’schen Freilichtbühne geht weiter. Seit 45 Jahren bereits sorgt die Karsten Jahnke Konzertdirektion dafür, dass auf dem immergrünen Areal nationale und internationale Musikgrößen live zu erleben sind. Max Herre, Helge Schneider, Johannes Oerding und Element Of Crime waren bereits mehrfach beim Stadtpark Open Air. Weezer, Wu-Tang Clan und Kendrick Lamar waren auch schon da. Ja, sogar Joe Cocker hat seine Hits zwischen den Buchenhecken gesungen. Auch bei der Programmgestaltung für die 2022er-Saison haben sich die Veranstalter mächtig ins Zeug gelegt.

Los gehts am 13. Mai mit dem Freilichtbühnen-Abonnenten und Lokalmatadoren Lotto King Karl, gefolgt von den britischen Indie-Rockern Editors (28. Mai) und der legendären US-Band Foreigner (3. Juni), die vermutlich nicht ohne ihre Rock-’n’-Roll-Hymnen „Juke Box Hero“ und „Cold As Ice“ im Gepäck ankommen werden. Weitere Highlights versprechen unter anderem die Shows von den Berliner Punkrockern Beatsteaks (9. Juni), dem englischen JazzPop-Superstar Jamie Cullum (10. Juni), der dreifachen Grammy-Gewinnerin Olivia Rodrigo aus Kalifornien (11. Juni) und – ja, er kommt wirklich – Sting (25. Juni) zu werden. Zudem gibt es ja noch die Freilichtbühnen-Monate Juli, August und September mit vielen weiteren Konzerten, für die sich ein Ausflug ins Grüne absolut lohnt.

collage_stadtparkopenr-c-live_nation-nadev_kander-jaro_suffner-klein
Geben sich ebenfalls die Ehre: Olivia Rodrigo (11. Juni), Editors (28. Mai) und Danger Dan (9. Juli) (Fotos von links: Live Nation, Nadev Kander & Jaro Suffner)

#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

Das Licht aus dem die Träume sind

„Das Licht aus dem die Träume sind“ von Pan Nalin ist eine nostalgische Ode an die analoge Filmkunst – jetzt im Kino

Text: Anna Grillet

Der erste Kinobesuch verändert das Leben des neunjährigen Samay (grandios: Bhavin Rabari) für immer. Filme machen will er und nichts anderes. Seine Familie ist arm, lebt in einem abgelegenen Dorf in Gujarat, Indien. Hier halten die Züge nur wenige Augenblicke, Samay rennt den Bahnsteig entlang, um den Reisenden heißen Tee durchs Abteilfenster zu reichen. Nun aber drückt er sich vor der Arbeit, schwänzt die Schule, fährt stattdessen heimlich in die Stadt.

Der wissbegierige Junge freundet sich dort mit dem Filmvorführer Fazal (Bhavesh Shrimali) an, der lässt ihn im Tausch gegen den Inhalt seiner Lunchbox in die Vorstellungen, führt ihn ein in die Geheimnisse der ratternden Projektoren, die magische Welt von Bollywood und Stanley Kubricks „2001: Odyssee im Weltraum“ (1968). Filme drehen ist für Samay eine Jagd nach dem Licht. Seine Freunde unterstützen ihn, er ist der geborene Geschichtenerzähler, durch ihn wird ihr Alltag abenteuerlicher, bunter. Für die Realisierung seiner Träume klaut der Neunjährige ohne Skrupel, improvisiert mit ungeheurer Fantasie seine erste Vorstellung bewegter Bilder im Dorf.

Die Ära des „alten“ Kino neigt sich dem Ende zu

Das Licht aus dem die Traeume sind_1_©Neue Visionen Filmverleih-klein
Indien liebt Kino, das beweist Pan Nalin mit „Das Licht aus dem die Träume sind“ (Foto: Neue Visionen Filmverleih)

Doch die Ära des Zelluloids neigt sich dem Ende zu, vielen Kinos droht die Schließung. „Das Licht, aus dem die Träume sind“ basiert auf den Erinnerungen und Reflexionen des indischen Regisseurs Pan Nalin („Samsara“), genau wie sein Protagonist kommt er aus Gujarat, hat Tee an Reisende verkauft und Prügel bezogen fürs Stehlen oder Schuleschwänzen. Im Gegensatz zu Giuseppe Tornatores „Cinema Paradiso“ (1989) integriert Nalin seine Hommagen an die Filmemacher in die Handlung, möchte nicht, dass sie leicht zu dechiffrieren sind. Wenn Samay die Gleise entlangläuft, erinnert die Weite der Landschaft an Sergio Leone und den frühen Terrence Malick. Das lyrische Spiel von Dunkel und Helligkeit, die Farbschattierungen sind von unglaublich kraftvoller Schönheit. Ebenso groß ist das Entsetzen beim Anblick Hunderttausender von Filmrollen, die eingeschmolzen werden und sich in dünne bunte Armreifen verwandeln.

„Das Licht aus dem die Träume sind“, Regie: Pan Nalin. Mit Bhavin Rabari, Bhavesh Shrimali, Richa Meena. 110 Min. Ab dem 12. Mai 2022 im Kino.

Hier gibts den Trailer zum Film:


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?