Neuwertung der Clubs

Clubs werden künftig baurechtlich nicht mehr als Vergnügungsstätten, sondern als Anlagen kultureller Zwecke angesehen

 

Eine gute Nachricht für Musikclubs, deren Fokus auf Künstlerinnen und Künstlern, Nachwuchs sowie Programmkuratierung liegt: Sie werden künftig baurechtlich nicht mehr wie Bordelle, Wettbüros und Spielhallen als Vergnügungsstätten eingestuft. Das hat ein Änderungsantrag vom Clubkombinat Hamburg und der LiveKomm bewirkt, der im Bundestag eingereicht wurde.

„Die aktive Clubkultur ist ein großer kultureller und wirtschaftlicher Wert dieses Landes, die Clubs sind unternehmerisch, kulturell, gesellschaftlich und architektonisch einmalige Freiräume, die zum Experimentieren, Begegnen und Erfahren einladen. Gleichzeitig sind sie mit rund 50.000 Angestellten sowie freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bei einem Jahresumsatz von ca. 1,1 Milliarden ein wichtiger Teil der Kultur- und Kreativwirtschaft“, wurde im Antrag die Bedeutung der Clubs hervorgehoben.

 

Clubs sind Kultur

 

Die Bundesregierung beschloss am Freitag, 7. Mai 2021, dass genannte Musikspielstätten in Sachen Baurecht wie Museen, Opern, Theater und Konzerthäuser als Anlagen kultureller Zwecke angesehen werden. Umsiedlungen und Neugründungen von Musikclubs werden somit unterstützt.


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Unterstützung der Kultur: Barbara Kisseler Theaterpreis 2021

Der Barbara Kisseler Theaterpreis zeichnet dieses Jahr kreative Projektideen für den öffentlichen Raum aus

 

Zum fünften Mal wird der Barbara Kisseler Theaterpreis ausgelobt. Angepasst an die aktuelle Lage, wird in diesem Jahr aufgrund der Corona-bedingten Schließungen der Häuser 2020/2021 keine abgeschlossene Produktion ausgezeichnet, sondern eine kreative Produktionsidee. Der Preis ist mit 50.000 Euro dotiert und ehrt Privattheater oder Freie Gruppen normalerweise für herausragende Leistungen der jeweiligen Spielzeit durch einen anonymen Juror – im Andenken an die im Oktober 2016 verstorbene Kultursenatorin.

„Diese Zeiten erfordern von uns allen neue Wege. Barbara Kisseler schätzte ungewöhnliche Ideen, wenn sie klug durchdacht waren. Sicher hätte ihr diese besondere Preisvergabe, die der flexiblen Unterstützung der Kultur in herausfordernden Zeiten dient, sehr gefallen“, so Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien.

 

Ausschreibung

 

Die Bewerber können sich bis zum 25. Mai 2021 mit ihrer Idee für eine Projektrealisierung im öffentlichen Raum (Open-Air-Veranstaltung) bei der Behörde für Kultur und Medien bewerben. Die Bewerbung muss Angaben zum Bewerber, zum Projektort, der Projektidee (max. 1.500 Zeichen) sowie zu Mitwirkenden enthalten. Anfang Juni folgt die Entscheidung des Jurors. Eine erste Umsetzung der ausgezeichneten Projektidee soll möglichst im August/September 2021 erfolgen, grundsätzlich sollten mindestens drei weitere Vorstellungen folgen. Das Bewerbungsformular steht zum Download auf der Website der Behörde für Kultur und Medien bereit. Die Bewerbung erfolgt per Mail an folgende Adresse: kb-theater@bkm.hamburg.de.

Die offizielle Auszeichnung der Projektidee ist für den 31. Oktober 2021 im Ernst Deutsch Theater geplant. Hier soll auch die verschobene Auszeichnung aus 2020, mit dem Preisträger Plattform Festival, nachgeholt werden. / HED


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Mit Coronahilfen: Hamburger Kultursommer geplant

Ein Kultursommer unter freiem Himmel

Text: Anna Meinke

 

Mit einem millionenschweren Corona-Förderpaket will die Kulturbehörde einen Kultursommer unter freiem Himmel möglich machen. In Planung sind derzeit Bühnen an verschiedenen Orten der Stadt – und zwar nicht nur im Zentrum. Konzerte, Theater und Kunst sollen so den Weg zu den Bürgerinnen und Bürgern finden, Hamburger Künstlerinnen und Künstler wieder arbeiten können. Kultursenator Carsten Brosda hofft, der Kulturlandschaft mit dem Format neuen Schwung zu geben. 

 

Bewerbungsphase

 

Derzeit arbeitet die Kulturbehörde mit zahlreichen Veranstaltern an der Umsetzung des Kultursommers. Seit heute (6.5.) können sich Interessierte aus der Kulturszene bewerben, die eine Bühne aufbauen möchten und Unterstützung benötigen. Im Anschluss können sich dann auch Künstlerinnen und Künstler bewerben. Eine Jury entscheidet letztendlich, wer beim Kultursommer dabei sein wird. Mit den 22 Millionen Euro des Corona-Förderpakets soll nicht nur die Bühnentechnik finanziert werden, sondern auch die Honorierung der teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler.


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Hamburger Nachwuchs: Künstlerin Paulina Kubiak

Die Bergedorferin Paulina Kubiak ist zwar erst 18 Jahre alt, dennoch gilt sie als große Hoffnung der Hamburger Kunstszene. Im Interview spricht sie über künstlerische Intui­tion, das Erfüllen von Träumen und das Fühlen von Farben

Interview: Daniel Schieferdecker

 

SZENE HAMBURG: Paulina, wann hast du mit dem Malen angefangen?

Ich hab immer schon gemalt. Das passiert einfach – wie atmen. Das war im Kindergarten schon so. Ich wollte immer ein Blatt Papier und einen Stift haben.

Du malst häufig Menschen. Warum?

Meine ersten Bilder auf Leinwänden waren Landschaften, die ich mir von Postkarten abgeguckt habe – aber das hat mich nie wirklich berührt, sodass ich mich dann schnell bei der menschlichen Figur wiedergefunden habe. Dadurch kann ich mich einfach besser ausdrücken.

kunst-hamburg-c-paulinakubiak.com

Titel dieses Kubiak­Werks: „Dream Your Options“

Wann hast du deine erste Leinwand gemalt?

Da war ich 13 – und seitdem fast täglich. Ich habe mit Acryl angefangen, aber seit einem Jahr arbeite ich auch mit Öl. Ich halte es für wichtig, ab und an mal seine Routine zu brechen, sich mit anderen Materialien und auch mit anderen Themen auseinanderzusetzen – sonst tritt man letztlich auf der Stelle.

Ist es dein Plan, von der Kunst leben zu können?

Ja, das war immer mein Traum – und den setze ich hoffentlich in die Tat um. Ich mache ja momentan mein Abi, sodass in meinem Jahrgang gerade alle darüber reden, was sie danach machen wollen. Für mich kommt außer Malen aber einfach nichts anderes in Frage.

Was erfüllt dich denn so am Malen?

Das ist schwer in Worte zu fassen. Ich mag auf jeden Fall, dass Kunst einem diesen unerschöpflichen Platz bietet, sich auszudrücken und auszuleben – und dass es dafür kein Ende gibt. Ich werde ja in zehn Jahren nicht fertig sein damit.

Tust du dich manchmal schwer damit, zu entscheiden, wann ein Bild fertig ist?

Es geht. Ich bin ein sehr intuitiver Mensch und höre auf mein Bauchgefühl. Manchmal merke ich einfach, dass ich für das Bild nichts mehr tun kann (lacht).

Du wohnst noch bei deiner Mutter. Ist die immer die Erste, der du neue Sachen zeigst?

Ja. Natürlich kommentiert sie die Bilder auch. Es kam durchaus schon vor, dass sie mal kopfschüttelnd vor einem Bild von mir stand (lacht). Das liegt aber daran, dass meine Familie osteuropäischer Herkunft ist und meine Mutter eher konservativ erzogen wurde. Daher konnte sie erst nichts mit meinen Bildern anfangen. Sie akzeptiert aber, dass ich male, was ich malen will. Meine Mutter ist sehr stolz auf mich und begeistert davon, dass ich meiner Leidenschaft folge.

 

„Dieses Gefühl, wenn man eine Farbe fühlen kann, ist für mich unvergleichbar“

 

Du hast mal über deine Bilder gesagt, sie seien provokant. Inwiefern?

Ich empfinde den Ausdruck so, der in den Farben steckt. Gerade über das letzte Jahr hinweg haben sich meine Farbtöne verändert. Meine Menschen habe ich nicht mehr in Hautfarben gemalt, sodass die Motive stückweise Abstand genommen haben von der Realität. Ich male Dinge mittlerweile nicht mehr unbedingt so, wie ich sie sehe, sondern wie ich sie fühle.

Nach welchen Kriterien tätigst du deine Farbauswahl?

Nach Gefühl. Mir ist aber bewusst, dass die Auswahl der Farben Spannung erzeugt. Es macht einfach einen Unterschied, ob ein Bild aussieht wie ein Foto, das unser Auge recht neutral wahrnimmt, oder wie eine Überspitzung der Realität durch entsprechend gesättigte Farben und Kontraste.

Was ist dir denn generell wichtiger: Farben oder Formen?

Eindeutig Farben. Dieses Gefühl, wenn man eine Farbe fühlen kann, ist für mich unvergleichbar. Meine Lieblingsfarbe ist übrigens Weiß.

Ach, tatsächlich? Wieso?

Weil das für mich immer bedeutet, dass ich dieses Weiß mit Leben füllen kann. Hinzu kommt: Weiß ist so eine schön ordentliche Farbe. Ich selbst bin eher unordentlich und sehne mich daher manchmal nach ein bisschen mehr Ordnung und Struktur.

Viele deine Bilder versiehst du mit Worten oder Sätzen. Warum?

Ich mag es nicht, wenn ein Bild zu nah an der Realität dran ist. Um dasnzu brechen, habe ich oft ein starkes Bedürfnis, da Text mit reinzubringen – zumal es ein Eye Catcher ist und vom Motivgeschehen ablenkt. Damit bewusst zu spielen, das finde ich interessant – zumal es meinen Bildern eine besondere Ästhetik verleiht.

Du hast mal gesagt, dass du deine Bilder ungern betitelst, weil ein Titel bei einem Bild bereits eine interpretatorische Richtung vorgäbe. Aber passiert nicht dasselbe, wenn du Worte auf ein Bild schreibst?

Ja, das stimmt. Aber ein Titel beschreibt ja ein Bild. Sätze oder Worte, die ich in ein Bild hineinarbeite, tun das nicht. Die verstärken nur den Ausdruck des Bildes. Aber ich verstehe, dass man das als paradox empfinden kann. Solche Widersprüche finden sich in meinem Entwicklungsprozess manchmal wieder. Das ist die Freiheit, die ich mir mit dem Entdecken verschiedener Ausdrucksmittel zugestehe.

Ist es manchmal schmerzhaft, wenn du ein Bild verkaufst, an dem du hängst?

Auf jeden Fall! Bei manchen Bildern ist es sogar so extrem, dass ich sie gar nicht verkaufen will. Aber ich habe auch gelernt, dass es ein schönes Gefühl sein kann, wenn ich Menschen mit dem, was ich persönlich gerne tue, eine Freude machen kann. Außerdem habe ich so viele Ideen, meine ganzen Skizzenbücher sind voll – und solange diese Kreativität nicht versiegt, kann ich meine Bilder auch loslassen.

paulinakubiak.com


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Mai 2021. Das Magazin ist seit dem 29. April 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Krach+Getöse: Karriereboost für Nachwuchstalente

Neue Runde für den Hamburger Musik-Nachwuchspreis – erneut mit kompetenter Fachjury und großem Supportprogramm

Text: Anna Meinke

 

Junge, ambitionierte Künstler und Bands gibt es wie Sand am Meer. Und alle sind sie talentiert, wunderbar und voller Ideen. Doch wer hat das gewisse Etwas? Wer ist originell und experimentierfreudig? Und wer hat vor allem den Mut, die eigene Musik weiterzudenken, die Kunst auf das nächste Level zu heben?

Genau solche Künstler wollen die Haspa Musik Stiftung und RockCity Hamburg e. V. erneut mit dem Musik-Nachwuchspreis Krach+Getöse küren und sie mit einer begehrten Förderung belohnen: Die fünf Gewinner erwartet ein Preisgeld in Höhe von 1.200 Euro sowie ein individuelles, krisentaugliches Supportprogramm über zwölf Monate. Und das ist noch nicht alles. Workshops, Coachings, Produktionen, Aufnahmen und Supports von und mit zum Beispiel Clouds Hill Recordings und JustMusic sollen die Nachwuchstalente auf ihrem Weg unterstützen.

 

Talente gesucht!

 

Die Highlights, einige heiß begehrte Booking-Slots für unter anderem das MS Dockville Festival, das Futur 2 Festival, das Reeperbahn Festival, Wutzrock und die Millerntor Gallery, müssen in diesem Jahr aufgrund der Pandemie leider entfallen. Für adäquaten Ersatz wird jedoch gesorgt – und der Rückenwind für die Karriere ist den Preisträgern sicher! Ausgewählt werden diese von einer Fachjury aus etwa Alice von Chefboss, Annett Louisan, Celina Bostic und Megaloh.

Interessierte Solo-Musiker, Bands und Kollektive aus Hamburg und der Metropolregion können sich vom 1. bis zum 29. April online bewerben. Angesprochen sind Künstler, die als Nachwuchs oder Semi-Profis in der Popmusik arbeiten und Bock haben auf Unterstützung und Perspektiverweiterung. Als besonderes Highlight des Ganzen werden die neuen Preisträger am 22. Juni in der digitalen Award Show bekanntgegeben.

Infos und Teilnahmebedingungen: krachundgetoese.de; rockcity.de; haspa-musik-stiftung.de


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, April 2021. Das Magazin ist seit dem 27. MÄRZ 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Hey, hey, hey, Herr Stanišić!

„Hey, hey, hey, Taxi!“ heißt das neue Werk von Saša Stanišić. Es basiert auf Geschichten, die er sich zusammen mit seinem Sohn ausgedacht hat. Im Interview mit SZENE HAMBURG spricht der Buchpreisträger über den Entstehungsprozess, die anarchische Vorstellungskraft von Kindern – und er verrät, warum gerade dieses Buch ihm so viel bedeutet

Interview: Marco Arellano Gomes

 

SZENE HAMBURG: Saša Stanišić, nach der Lektüre Ihres neuen Buches kam mir die verwegene Idee, das Interview so zu führen, dass ich Fragen stelle – und Sie, wie einer der Charaktere im Buch, ausschließlich mit „Odjo, odjo“ antworten …

Saša Stanišić: (lacht) Das wäre für uns beide ein Spaß. Für die Leser wahrscheinlich weniger.

Zumindest würde das den Charakter Ihres neuen Buches unterstreichen. Es ist ja ein eher ungewöhnliches, sehr fantasievolles, fast absurd­komisches Kinderbuch geworden.

Ich habe viel Feedback zu der Geschichte mit dem „Odjo, odjo“ sagenden Taxifahrer erhalten. Die scheint besonders gut anzukommen. Kinder lieben das Abstrakte. Sie verstehen zwar nicht unmittelbar, was los ist, aber sie können sich gut vorstellen, dass trotz der unverständlichen Kommunikation etwas gut ausgehen wird.

Kinder können fehlende Informationen ganz gut ersetzen mit eigener Imagination. Die hören das „Odjo, odjo“ und bauen daraus eine sinnvolle Antwort für sich. Die Kommunikation ist zwar misslungen, aber der Weg zu einer Geschichte ist gelungen. (lacht)

Wann genau kamen Sie auf die Idee, ein Kinderbuch zu schreiben?

Die Idee kam, nachdem ich die „Taxi-Geschichten“ schon längere Zeit meinem Sohn erzählt hatte. Und da die ihm wirklich Spaß machten, dachte ich, dass sich das vielleicht auch auf andere Kinder übertragen lässt.

Wann wurde der Gedanke einer Veröffentlichung konkreter?

Mein Sohn hat nicht lockergelassen. Irgendwann schlug ich ihm vor, mehr aus Scherz, lass uns doch ein Buch mit den Geschichten machen. Er sagte: „Gut, aber ich darf entscheiden, was in das Buch kommt.“ Ja, so war das dann auch. Ich stellte das Projekt dem mairisch Verlag vor, und wir waren uns gleich einig, auch, dass es ein Bilderbuch werden sollte.

 

„Kinder haben eine sehr spannende Vorstellung von Logik“

 

Es muss schwer sein, die Geschichten einzufangen, wenn sie so spontan entstehen!?

Ich habe mir meist kurz nach dem Erzählen Notizen gemacht. Später entstanden daraus längere Textbausteine oder gleich fertige Texte. Das ist ein interessanter Prozess: Man schreibt die Erinnerung an die einzelne Geschichte auf, so gut man sie eben erinnert, und dichtet dann Details hinzu. Die Texte entsprechen oft nicht mehr zu einhundert Prozent dem, was ich meinem Sohn erzählt hatte.

Auch von der Unmittelbarkeit geht sicher etwas verloren. Sobald man die Formulierungsmaschinerie anwirft – bei mir ist das jedenfalls so – will man, dass jeder Satz der bestmögliche Satz ist. Das Spontane beim Geschichtenerzählen, geht dabei natürlich verloren.

Sie schreiben im Vorort (sic): „Im Zuhören ist ein Kind Architekt für Welten aus Sprache.“ Haben Kinder den Erwachsenen in dieser Hinsicht etwas voraus?

Sie sind auf jeden Fall freier, insofern, dass sie nicht wie wir Erwachsenen bestimmte Gewohnheitsstrukturen im Erzählen anwenden. Wir Erwachsene springen nicht unbedingt von A nach Z und wieder zurück, sondern halten eine gewisse Chronologie, einen linearen Verlauf. Auch was die Motive angeht, erzählen Erwachsene anders. Kinder sind anarchischer, unbekümmerter auch. Sie überraschen, haben eine sehr spannende Vorstellung von Logik. Das finde ich super.

Konnten Sie das auch bei ihrem Sohn Nikolai bemerken, wenn Sie ihm die Geschichten erzählten?

Ja. Als ich mit dem Geschichtenerzählen anfing und ich ihn bat, in die Geschichte mit einzusteigen, tat er immer so, als ob er mit einem Fahrzeug hinzukam. Dann setzte er sich auf einen Besen, nahm ein Auto und paddelte sich dazu und übernahm das Erzählen. Oft erweiterte er dabei alles, was ich zum Beispiel motivisch vorbereitet hatte, in ganz unerwartete Richtungen. Er brachte neue Figuren mit, erfand Gegenstände, die bei der Problemlösung hilfreich wurden, änderte auch mal das Problem an sich.

Die Geschichten nahmen häufig einen ganz eigenen, chaotischen, aber sehr sympathischen Weg zu ihrem Schluss. Manchmal hatte das auch nicht mehr viel zu tun mit dem, wie die Geschichte bis dahin verlaufen war.

 

Harmonie zwischen Text- und Bildsprache

 

Bei Kinderbüchern spielt neben der Qualität der Geschichten die Optik eine große Rolle. Die Illustrationen in „Hey, hey, hey, Taxi!“ sind nicht niedlich und süß, sondern eher verspielt und surreal. Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Illustratorin Katja Spitzer?

Die Frage der Illustration kam erst auf, als die Geschichten recht fortgeschritten waren. Ich bekam eine Liste von Vorschlägen und diese bin ich gemeinsam mit meinem Sohn durchgegangen. Er hat sofort gesagt: „Das will ich haben!“ Katja Spitzer. Er hat die Illustratorin quasi bestimmt.

Hey-hey-hey-Taxi-c-mairisch-verlagWie lief die Zusammenarbeit mit Katja Spitzer?

Im Grunde hatte Katja völlig freie Hand. Sie hat sich auf eine sehr verspielte Weise auf das Projekt eingelassen und wunderbare Ideen eingebracht. Sie hielt mich immer auf dem Laufenden und fragte immer wieder: „Geht das in die Richtung, die du dir vorstellst?“

Oft hat man bei Kinderbüchern ja das Gefühl, dass Text oder Bild überwiegen und das jeweils andere nur Beiwerk ist. Für ein gelungenes Bilder-Text-Buch bedarf es meines Erachtens einer Harmonie zwischen Text- und Bildsprache, und die war schnell mit Katjas Illus auch hergestellt.

Empfanden Sie es als leichter oder schwerer, ein Kinderbuch zu schreiben?

Für mich ist das Schöne, dass ich auch bei einem Kinderbuch meinem Handwerk nachgehe. Nur das Zielpublikum ist eben ein anderes. Ich arbeite aber auch hier an jedem Satz. Es mag leicht und unbeschwert erscheinen, aber jedes Wort muss am Ende wirklich sitzen. Da gibt es null Unterschied zu einem Erwachsenenbuch. Im Gegenteil: Ich habe bei „Hey, hey, hey, Taxi!“ sogar viel stärker erahnen wollen, wie die Texte ankommen könnten.

Ein Kinderbuch ist in dieser Hinsicht also voraussetzungsvoller als ein Roman. Aber die Schreibdauer ist kürzer, was angenehmer ist.

Wie viel Nikolai, wie viel Saša Stanišić steckt in dem Buch?

(lacht) Das ist schwer zu sagen. Es gibt Geschichten, die extra für das Buch entworfen worden sind, die ich ihm also gar nicht erzählt habe. Das sind vor allem diejenigen, die einen Meta-Charakter haben, zum Beispiel die Geschichte um die Heldin, die keine Heldin sein will oder die Eingangsgeschichte, die zusammenfasst, was kommen wird.

Je konkreter und abenteuerlicher ein Text, desto wahrscheinlicher ist, dass mein Sohn Rezipient war oder sich eingeschaltet hat. Pi mal Daumen war er bei etwa drei Viertel der Geschichten involviert.

Das Buch lädt dazu ein, eigene Erlebnisse in die Geschichten mit einzuflechten. Wie genau funktioniert das?

Ich improvisiere gern beim Vorlesen. Mein Sohn liebt das. Ich kann also nur dazu raten, die eigene Lebenswirklichkeit in diese meine Taxi-Welt zu bringen. Dazu muss im Text auch nicht explizit eine Anweisung stehen.

Das Taxi war für Nikolai und mich nur ein Symbol für einen Abschied. Denn darum geht es im Buch: Dass ein Elternteil weggeht und immer wieder zurückkommt. Solche Elemente können die Eltern also umwandeln und anpassen, um die Gemeinsamkeiten mit dem eigenen Kind sichtbarer zu machen. Denn die Kinder freuen sich darüber, in dem Spannungsverhältnis der überbordenden Fantasie und dem Alltag das eigene Leben zu erkennen.

War das Weggehen und Zurückkom­men nicht auch in Ihren früheren Werken wie „Herkunft“ das leitende Thema?

Zwei meiner Bücher kreisen in der Tat stark um das Thema der Ankunft. Die spielen allerdings auf einer anderen Ebene des Ankommens und berühren Fragen von Geflüchteten und politische Identitäten. In „Hey, hey, hey, Taxi!“ geht es mehr um den Abschied und das Nach-Hause-Kommen an sich, Nähe und Distanz also zwischen Eltern und Kindern im Alltag und durch den Beruf: Ob das nun der banale Weg in die Kita ist, der zur Arbeit oder eine Lesereise von zwei Tagen. Das beschäftigt Eltern gleichwohl wie die Kinder.

 

Verbunden durch das Erzählte

 

Erinnern Sie sich, wie Sie als Kind solche Abschiede erlebten?

Ich bin als Kind bei meiner Großmutter aufgewachsen. Ich hatte also nicht diese Art von Abschied und Ankunft, wie sie mein Sohn in der Kita ritualisiert hat. Es ist zentral, wie Kinder Abschiede erleben und internalisieren. Das Erzählen von Geschichten kann dabei helfen, diese Trennungen auf Zeit offener zu gestalten.

Und das muss nicht einmal durch fantastische Abenteuer geschehen, sondern geht auch über die Frage: „Was hast du heute alles erlebt?“ Abschied und Heimkehr sind die Marker am Anfang und Ende dieser Geschichten, die einen dann wieder verbinden.

Also bietet das gemeinsame Erzählen die Möglichkeit, verbunden zu bleiben, indem man die Erfahrungen, die man während des Getrenntseins macht, in Geschichten verpackt und miteinander teilt?

Genau darum geht es ja beim Geschichtenerzählen: Wir kommen zusammen und sind verbunden durch das Erzählte. Geschichten sind eine Form von Kommunikation – ein Angebot, Einblick in das eigene Leben zuzulassen oder in ein ausgedachtes – jedenfalls ein Angebot, das zusammenführt. Und so ist das Buch gemeint. Es ist ein Angebot für Erwachsene und Kinder, die vielleicht den halben Tag nicht zusammen waren, aber über gemeinsame Geschichten wieder zusammenkommen.

Sie haben auf Insta­gram geschrieben: „Es gibt wichtige Bücher und Bücher, die einem wichtig sind. Das ist ein Buch, das mir sehr wichtig ist.“ Was macht es für Sie so wichtig?

Ich habe das Gefühl, mein Sohn und ich haben durch „Hey, hey, hey, Taxi!“ miteinander eine Erinnerung geschaffen, die vielleicht jahrelang wichtig für uns sein könnte. Egal ob wir gerade eine Krise oder eine schöne Zeit haben: Diese Geschichten bleiben für immer. Mit dem Buch habe ich sie für uns archiviert.

Saša Stanišić, Katja Spitzer: „Hey, hey, hey, Taxi!“, mairisch, 69 Seiten, 18 Euro, ab 4 J.


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, April 2021. Das Magazin ist seit dem 27. MÄRZ 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Meet the Resident – Cine

Jeden Monat stellt SZENE HAMBURG Residents vor, diesmal: Cine von Drumbule Crew Hamburg und Friek Out Crew Rostock  – präsentiert von hamburg elektronisch

Interview: Louis Kreye & Jean Djaman 

 

SZENE HAMBURG: Wie würdest du dein Sound beschreiben?

Drum and Bass (Neuro, Deep, Liquid).

Wann ist deine Lieblingsplaytime?

Jede Spielzeit hat seinen Charme und beinhaltet unterschiedliche Aufgaben. Am liebsten spiele ich aber ab zwei Uhr aufwärts.

Was war die bisher nervigste Gastfrage?

„Kannst du auch Musik aus den Charts spielen?“

Wann war dein letzter Gig vor Live-Publikum?

Bei der Drumbule im Hafenklang am 15.2.2020.

Welche ist deine Platte des Monats?

Die Platte „Gossip“ von Argonautiks.

Was war dein größter Moment als DJ?

Als ich gefragt wurde, ob ich Mitglied der Drumbule Crew werden möchte und alles was das mit sich brachte: Gemeinsame Momente bei Gigs, Festivals und privat.

Was ist für dich der (DJ-) Stream des Monats?

Der Drumbule Twitch-Kanal.

Hast du einen Wochenend-Tipp im Club-Lockdown?

Klubforward Hamburg.

Was vermisst Du aktuell am meisten?

Die vielen Menschen aus dem Hafenklang, lauter und fetter Sound aus guten Boxen, tanzen und auflegen vor einer tanzenden Meute.

 

Ein aktuelles Set von Cine hört ihr hier:

 


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Smoothica: Neuer Stern am Hamburger Neo-Soul-Himmel

Das Quartett Smoothica, formiert an der Hamburg School of Music, setzt auf seiner ersten EP „Inside“ auf eine extrem entspannte Klangästhetik

Interview: Erik Brandt-Höge

 

SZENE HAMBURG: Julia, Angelo, Alex und Julian, ihr habt alle an der Hamburg School of Music studiert. Die School ist bekannt dafür, dass dort schnell neue Bands entstehen. Welche Möglichkeiten wurden euch dort geboten?

Julian: Einer der Vorteile, den wir dort hatten, war natürlich die Nutzung der Räumlichkeiten. Wir haben auch die Sommer- und Winterkonzerte der School mitgespielt. Aber wir sehen uns nicht als reine School-Band. Es gibt ja Bands, die ausschließlich während ihres Studiums bestehen. Wir aber haben früh erkannt, dass wir auch in größeren Kontexten auftreten möchten.

Die Bandgründung war 2018. Konntet ihr euch damals schnell auf den Smoothica-­Mix aus Neo­-Soul, HipHop, Pop und Jazz einigen, der jetzt auf eurer ersten EP „Inside“ zu hören ist?

Angelo: Ich hatte damals die Vision, etwas Richtung Neo-Soul zu machen. Schritt für Schritt habe ich mir die Leute dafür zusammengesucht, und jeder hat seinen eigenen Stil mitgebracht – sodass aus der anfänglichen Neo-Soul-Idee ein ordentlicher Genre-Mischmasch wurde.

Julia: Auf „Inside“ gibt es den Song „Flappy Bird“. Das ist einer unserer ersten Songs. Wir sind zwar vor der EP-Veröffentlichung nochmal ran gegangen, aber eigentlich stand dieser Sound, den „Flappy Bird“ hat, also dieser Genre-Mix, schon von Anfang an. Wir haben ihn nur weiterentwickelt.

Julian: Und auch diese Weiterentwicklung ist ganz natürlich passiert, nämlich durchs regelmäßige miteinander Spielen. Wir haben uns nie hingesetzt und gesagt: „Wir wollen so und so klingen und müssen Musik deshalb auch genau so und so schreiben und üben!“

 

„Das „smooth“ in unserem Namen soll schon Programm sein“

Angelo

 

Beim Hören von „Inside“ möchte man meinen, es hätte zumindest eine Devise im Vorfeld gegeben: Hauptsache entspannt!

Angelo: Das trifft es! Wir haben sogar einen Slogan, wenn man so will, oder zumindest einen Hashtag, den wir regelmäßig benutzen: #smoothdigga. Das „smooth“ in unserem Namen soll schon Programm sein.

Musikalisch sind die Songs entspannt, textlich hingegen wiegt manches schwerer. Zum Beispiel der Song „Love Hurts“. Darin gehe es um die Trauer einer sehr engen Freundin von dir, Julia, heißt es.

Julia: Genau, der Hintergrund des Songs ist schon sehr heftig. 2018 hatte sie zwei schwere Verluste, und obwohl ich diese gar nicht so erfahren haben wie sie, sind sie mir sehr nahegegangen. Ich habe textlich versucht, das alles für sie, aber auch für mich zu verarbeiten. Gleichzeitig wollte ich einen Mut entwickeln. Ihr Schmerz hat ja gezeigt, dass sie Menschen total geliebt hat – und das ist etwas Positives. Wir haben mit dem Song und dem dazugehörigen Video zeigen wollen, in dem es eine Tanzperformance gibt, dass man da wieder rauskommt und es überstehen kann.

 

 

Nun hattet ihr eigentlich vor, mit dieser EP zu touren – was Corona-­bedingt nicht geht. Wo in Hamburg wäre denn ein passender Auftrittsort, um die EP live zu präsentieren?

Angelo: Die Barclaycard Arena (lacht).

Julian: Im Ernst: Extrem schön dafür fände ich die Prinzenbar.

Alex: Auch das Häkken wäre passend. Im vergangenen Jahr haben wir dort eine Show gespielt – und es geschafft, als Newcomerband die Location auszuverkaufen. Es war eine riesige Party. Und das hoffen wir natürlich auch für die Release-Show: den Laden vollzubekommen.

Die Barclaycard Arena war zwar ein Scherz, aber: Gibt es bei euch so eine Art Höher-­Schneller­-Weiter­-Denken?

Angelo: Oft ist es ja so, dass wenn man natürlich wachsen will, dazu neigt, die Sachen auch mal ein bisschen schleifen zu lassen. Wenn man aber klare Ziele erreichen will, muss man sich ranhalten.

Julian und ich sind beide in der Nähe von Scheeßel groß geworden – und wir wollen beim Hurricane Festival spielen. Klar ist es ein weiter Weg dorthin, aber auch nicht komplette Utopie. Wir glauben, dass wir das schaffen können.

„Inside“ von Smoothica ist am 26.2. erschienen


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Metropolis+: Programmkino als Stream

Das Metropolis Kino bietet einen virtuellen Kinosaal an

Text: Marco Arellano Gomes

 

Das von Filmliebhabern geschätzte Metropolis Kino bietet ab 22. April einen virtuellen Kinosaal an. Metropolis+ heißt das Onlineportal und zeigt zeitlose Filmklassiker, aktuelle Filmperlen, aber auch Hintergrundgespräche mit den Filmemachern.

Monatlich sollen sechs bis zehn neue Titel gezeigt werden, kuratiert, wöchentlich ergänzt und in thematischen Reihen wie „Hamburg im Film“, „Tage des Exils“ und „Kinohighlights des vergangenen Jahres“ geordnet. Auch Sneak Previews wird es geben. Nutzerinnen und Nutzer des Portals unterstützen das aufgrund der Corona-Krise noch immer geschlossene Kino. Das Mieten eines Filmes kostet 3,50 Euro, es werden auch vergünstigte Abos angeboten.

metropoliskino.de


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