Günther Haese: Atmende Drähte

Sie schweben, flirren, vibrieren: Im Ernst Barlach Haus im Jenisch Park kann man die erstaunlichen Raumplastiken von Günter Haese entdecken

Text: Sabine Danek

Bewegen Sie sich langsam und vorsichtig. Treten Sie den Arbeiten nicht zu nahe. Und pusten Sie nicht. Auf keinen Fall. Darum bittet das Ernst Barlach Haus im Jenisch Park. Denn schließlich werden dort die äußerst fragilen Skulpturen von Günter Haese (1924–2016) gezeigt. Und das ganz ohne Schutzhauben. Das ist ein Erlebnis, denn so kommt ihre delikate Schönheit am besten zu Geltung, ihr leises Vibrieren, Klingen, Rascheln und das Licht, das sich auf den Metallen und Gazen bricht. Kurz, ihr besonderer Zauber.

Den entdeckte das New Yorker Museum of Modern Art bereits 1964 und machte den Kieler Künstler über Nacht zum internationalen Star. Zwei Jahre später vertrat er Deutschland auf der Biennale in Venedig – und dann wurde es wieder stiller um Haese und um seine Skulpturen, die so grazil wie feinteilig sind und anrührend filigran. Und die aus Drahtgazen, Uhrenfedern, Rädchen, Phosphorbronze, Gewebe oder Messingdraht bestehen, den er lötete, wickelte, zu Schnecken und Spiralen drehte und das häufig in zahlreicher Wiederholung.

Ein Hauch von Sixties-Touch

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Günter Haese: Herkules, 2011–2014, Nachlass des Künstlers, courtesy Galerie Thomas,München (Foto: VG Bild-Kunst, Bonn 2022; Foto: Andreas Pauly)

Wie Wesen aus einer anderen Welt erzittern sie und reagieren auf die Bewegungen der Besucher:innen. Dabei verbreiten sie einen Hauch von Sixties-Touch und sind dabei so verspielt wie cool. Man könnte sie sich auch als Schmuckstücke auf einem Cover der „Vogue“ vorstellen und auch für die umwerfend schlichte und geometrische 1960er-Jahre-Architektur des Barlach Hauses sind sie wie gemacht.

Zahlreiche von ihnen, ergänzt durch Bronzen und Monotypien, führen jetzt durch das Werk des Malers und Grafikers. Der in Düsseldorf studierte und erst mal damit begann, Trümmerlandschaften zu malen. Später nahm er Uhren auseinander, goss deren Bestandteile in Gips ab. Das waren erste Schritte hin zu seinen Raumplastiken, in deren Geometrie und Arrangement sich auch die Spuren seiner Ausbildung zum Grafiker wiederfinden: durch seine Lichtsetzung ließ Haese sie Schatten an die Wand werfen, die wie Zeichnungen wirken.

Erfolg und Ruhe

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Günter Haese: Minotaurus, 1963, Nachlass des Künstlers, courtesy Galerie Thomas, München (Foto: VG Bild Kunst, Bonn 2022; Foto: Walter Bayer)

Haeses Erfolg begann spät. Er war bereits 39, als er seine ersten Drahtplastiken beim legendären Kunstpreis junger westen in Recklinghausen einreichte. Gerade noch kurz vor Schluss, denn man musste unter 40 sein, um dort zugelassen zu werden. Er gewann und stellte ein Jahr später bereits auf der III. documenta aus, 1964 dann in New York.

Beeindrucken ließ sich Haese durch den internationalen Erfolg anscheinend wenig. Zumindest ließ er sich nicht hetzen. Mit der Ruhe und Präzision, die seine feinteiligen Skulpturen benötigten und inmitten seines Familienlebens, arbeitete er abseits der Metropolen weiter. Als der große Henry Moore eines Tages in sein Atelier kam, um eine Plastik mit ihm zu tauschen, lehnte Haese ab. Kunst zu sammeln interessierte ihn nicht und zudem wollte er zu dem Zeitpunkt keine seiner eigenen raren Arbeiten missen. Wie eigensinnig Haese war, zeigen auch Eindrücke des Künstlers Konrad Klapheck. Wie die Künstlerin Eri Krippner in ihrem Haese-Buch „Kinetik ohne Steckdose“ notierte, fand Klapheck, dass Haese gar nicht wie ein Künstler, sondern wie ein leicht gebräunter Modemacher aus Mailand wirkte und in der Unterhaltung einen Ton „bewusster Nichtorginalität“ pflegte.

Von den Großen beeinflusst

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Günter Haese: Solitär, 1984, Nachlass des Künstlers, courtesy Galerie Thomas, München (Foto: VG Bild-Kunst, Bonn 2022; Foto: Andreas Pauly)

Erkundet man Haeses Arbeiten jetzt im Ernst Barlach Hause, sieht man auch die Holzkisten, die er zum Transport und zur Aufbewahrung seiner Arbeiten baute. Mit seinen Haken, Ösen, Polsterungen und genauen Maßangaben und der feinteiligen Akribie, durch die seine Werke so einzigartig wurden, sind sie ein schöner Einstieg.

Dieser Akkuratesse stehen die Titel der Arbeiten entgegen, die so magisch klingen, wie die Werke selbst auch sind: „Geschmolzener Äquator“, „Ein anderer Mond“, „Irgendwo“ oder „Nach dem Regen“ heißen sie.

Haese hat mit Joseph Beuys an der Kunstakademie in Düsseldorf studiert. Viel hat er über seinen berühmten Kommilitonen nie gesagt. Die Abstraktionen des Informel haben ihn beeinflusst, Paul Klee und wohl auch die Düsseldorfer Künstlergruppe Zero um Heinz Mack, Otto Piene und Günther Uecker. Haben Zeitgenossen jedoch immer mal wieder auf elektrisch betriebene Mechaniken zurückgegriffen, hat Haese sich immer auf die Elemente verlassen. Auf den Wind und den Luftzug, die Bewegungen mitbringen.

Endlich wieder da

50 Jahre ist es her, dass diese in einer Museumsschau in Hamburg zu sehen waren. 1972 vollführten seine Plastiken zuletzt im Museum für Kunst und Gewerbe ihre lyrischen Bewegungen. Jetzt kann man ihr „Atmen“ wieder live erleben, ihr Spiel mit „Schwere und Leichtigkeit, Verdichtung und Durchlässigkeit“, wie Haese sie selbst beschrieb, ihre faszinierenden Balanceakte und ihre Magie. Dafür bewegt man sich gerne ganz vorsichtig. Und die Luft hält man sowieso an.

Günter Haese: Schwerelos. Raumplastiken aus Draht, noch bis zum 16. Oktober 2022 im Ernst Barlach Haus

Veranstaltungen im Rahmen der Ausstellung:

  • Haese sehen: Der Bildhauer Reinhold Engberding (Freie Akademie der Künste in Hamburg) über Günther Haese im Gespräch mit Karsten Müller am 30. August 2022 um 18 Uhr im Ernst Barlach Haus und
  • Haese persönlich: Karsten Müller trifft Günter Georg Haese, den Sohn des Künstlers, am 6. September 2022 um 18 Uhr im Ernst Barlach Haus

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105 Viertel: Kunst für die Community

Die urbane Kunstlandschaft in der Stadt wächst. Ein neues 200 Quadratmeter großes Wandgemälde schmückt nun eine Häuserwand in der Laeiszstraße 17 im Karoviertel. Weitere Arbeiten mit verschiedenen Künstler-Kollaborationen sind geplant

Text: Katharina Stertzenbach

In der Gemeinschaft entstanden, für die Gemeinschaft gemacht, durch die Gemeinschaft fortgeführt – das ist das Motto der gemeinnützigen Gesellschaft „105 Viertel“, die das Kunstprojekt in Zusammenarbeit mit lukiHQ realisiert hat.

Getreu dem Motto ist das Mural, so wie die Gemälde an Häuserwänden im Street-Art-Fachjargon genannt werden, auch entwickelt worden. Kreiert haben das Werk das Künstlerinnen-Duo MalaMala und der Künstler Koolski.

Alle drei Künstler:innen leben und arbeiten in Hamburg. Passend zu dieser Zusammenarbeit äußerte sich Dorothea Killer, Co-Founderin und Gesch.ftsführerin von 105 Viertel, über das Ziel der Art-Projekte: „Wir möchten Kunst und Kultur in Hamburg fördern und das am liebsten mit lokalen Nachwuchskünstlern. Daher freuen wir uns sehr über das beeindruckende Community-Artwork.“

Zudem können Street-Art-Fans und Unterstützer der Kunstszene das Werk käuflich in digitaler Form erwerben. Die digitale Version des Murals ist auf eine Stückzahl von 105 Exemplaren limitiert. Käufer unterstützen zum einen globale Klimaschutzprojekte und das nächste urbane Kunstprojekt. Das hat sich bereits ausgezahlt. Auch am Alten Wall können Artworks der Hamburger Street- Art-Künstler:innen maens und Hülpman bestaunt werden. Die digitalen Versionen dieser Kunstwerke sind allerdings bereits vergriffen. Das heißt also: Raus auf die Straße und die Murals und weitere Street-Art der Stadt entdecken.

105viertel.de


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Macht.Mittel.Geld.
Image as Currency? Currency as Image!

Inspiriert vom Motto der Triennale der Photographie präsentiert das Museum für Hamburgische Geschichte mit der Ausstellung die Kolonialmünzen des Museums in einem komplett anderen Licht

Text: Katharina Stertzenbach

Bis zum 15. August läuft die Ausstellung von der mexikanisch-deutschen Kuratorin Yolanda Gutiérrez und dem ruandischen Fotografen Chris Schwagga. Die Münzen und der Körper als Inspirationsquelle und Ausdruckskraft werden in der Ausstellung in den Fokus genommen. Die Tänzerin Eva Lomby, mit der Gutiérrez bereits zusammengearbeitet hat, symbolisiert den Körper.

Münzen und verschiedene Perspektiven

Es entsteht daraus eine Collage aus Fotografien auf denen die Münzen und unter anderem Lomby porträtiert sind. Chris Schwagga beleuchtet mit dieser Arbeit verschiedene Aspekte aus der historischen, (post-)kolonialen, kulturellen, sozialen, ästhetischen sowie technischen Perspektive. Dabei nimmt er gleichzeitig den Blick der ehemals Kolonisierten auf.

Welche Bedeutung und Funktion hatten diese Münzen – für wen? Welche wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Auswirkungen hatte die Einführung der Kolonialwährung in der ehemaligen Kolonie Deutsch-Ostafrika?

shmh.de


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Urban Art: What the fucktus??

Der Urban Artist Mats Matthée liebt Wortspiele und schafft kleine Kunstwerke, die mit eben diesen spielen

Text: Marco Arellano Gomes

„Alles weird gut“ ist das insgeheime Motte des Künstlers Mats Matthée (Foto: Mats Matthée)

Lockiges Haar, gute Laune und viele Ideen: Mats Matthée ist ein Straßenkünstler, oder, wie er sich selbst bezeichnet, ein „Urban Artist“. Vor knapp einem Jahr machte er sich selbstständig, um der Welt mit charmanten Wortspielen ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern. Das erfordert Mut – angesichts der seit zweieinhalb Jahren andauernden Pandemie und den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen. „Alles weird gut“ heißt es folglich auf seiner Website. Das Stadtmagazin „Elbblick“ schrieb über ihn: „Seine Bilder sind gemalte Wortspiele. Witzig, einprägsam und künstlerisch auf hohem Niveau.“ Und in der Tat sorgen seine Werke stets für ein kurzes Schmunzeln. Mats liebt Wortspiele.

„Seine Bilder sind gemalte Wortspiele. Witzig, einprägsam und künstlerisch auf hohem Niveau.“

Elbblick Magazin

Stößt er auf ein kurioses Wort mit doppelter Bedeutung, macht er sich so gleich daran, dieses künstlerisch auszudrücken. Beispiele gefällig? Ein stark an eine Hand samt ausgefahrenem Mittelfinger erinnernder Kaktus trägt den Titel „Fucktus“. Sein Werk „Zahnpasta“ besteht aus einer Zahnbürste, auf deren Borsten eine einzelne Pasta (Fusilli) liegt. Preis: 124 Euro. Das „Centwich“ wiederum (Preis: 920 Euro), gemalt mit Acryl auf Leinwand, besteht aus mehreren, aufeinandergestapelten Cent-Stücken. Die Bilderrahmen baut Mats selbst.

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Urban Artist Mats Matthée bezog im Frühjahr ein Atelier in der „Qvartr Gallery“ in Altona (Foto: Mats Matthée)

Gemeinsam mit elf weiteren Künstlern und Künstlerinnen hat Mats Matthée im Februar ein Atelier in der „Qvartr Gallery“ in Altona bezogen. Besonders gefreut habe er sich über den Verkauf seines Werks „Rocktopus“ in einer Ausstellung im Mai. Der darauf rockende Oktopus zieht nun nach München zu seinem neuen Besitzer. Gegenwärtig arbeitet Mats an seiner ersten Solo-Show, die im September an den Start gehen soll. Bis dahin gibt er fleißig Workshops, in denen er Interessierten seine Vorgehensweise, von der Idee bis zum Aufspannen der Leinwand zeigt.

Mehr Kunstwerke von Mats Matthée gibt’s auf moinmats.de


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Blick nach oben

Mit seinem FIDS Open Research Lab schippert der Künstler Claudius Schulze den Sommer über durch den Hamburger Hafen und wirft einen ganz besonderen Blick auf die Vögel dort. Wir haben mit ihm über Haubentaucher, über Artenvielfalt und die Ruhe auf dem Wasser gesprochen – und wie er in seinem spannenden neuen Projekt Naturbeobachtung und Technologie verbindet

Text & Interview: Sabine Danek

SZENE HAMBURG: Claudius, du bist Künstler und Fotograf, befasst dich mit Klimawandel, Artensterben und neuen Technologien. Was hat dich in den Hamburger Hafen verschlagen?

Claudius Schulze: Zwei Drittel aller Vögel, die in Deutschland vorkommen, leben heute in Städten und um zu beobachten, welchen Einfluss der urbane industrielle Raum auf sie hat, ist der Hamburger Hafen ein besonders spannender Ort. Denn durch seine zahlreichen kleinen Habitate und Rückzugsorte leben dort besonders viele Tiere und Tierarten.

Gleichzeitig aber ist der Hafen auch ein Industrie- und Schwerindustrie-Standort von dem jede Menge negativer Umwelteinflüsse ausgehen. Er ist verantwortlich für Licht-, Wasser- und Luftverschmutzung, für Lärm und vieles mehr. Das gegenwärtige massenhafte Artensterben ist noch unverstanden. Klar aber ist, dass veränderte Lebensräume, Licht- und Lärmverschmutzung es beeinflussen.

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Der Künstler und Fotograf Claudius Schulze bringt in seinen Arbeiten Umweltschutz und neue Technologien zusammen (Foto: FIDS Claudius Schulze)

Das ehemalige Atelierschiff an der Eiffestraße

Auch über den Umweltschutz hinaus hast du einen besonderen Bezug zum Wasser. Lange hattest du sogar ein schwimmendes Atelier.

Vom Wasser sieht alles anders aus, ist grüner und schöner und es auch viel ruhiger dort. Einen Winter lang lag mein Atelierschiff an der Eiffestraße wo es durch den Straßenverkehr so laut ist, dass man sich kaum unterhalten kann. Aber geht man nur 50 Meter zum Wasser hinunter ist es so still, dass man sogar Haubentaucher beim Baden beobachten kann. Und das sind wahnsinnig scheue Vogel. Von Anfang an war für mich klar, dass ich das Projekt auf einem Schiff machen werde und nicht auf einem Lastwagen oder etwas anderem Fahrbarem.

Zoë X: Das Forschungsschiff

Wie bist du an die Schlepperbarkasse Zoë X gekommen?

Ich erzähle immer salopp, dass ich sie ungesehen auf Ebay gekauft habe. Und eigentlich stimmt das auch. Ich hatte mir Dutzende Schiffe angeschaut, bei Kapitän Prüsse und anderen maritimen Unternehmen hier. Aber alle haben nicht wirklich gepasst. Und dann hab ich eine Anzeige entdeckt, in der einfach nur „Stahlschiff zu verkaufen“ stand und als ich die Fotos sah, wusste ich sofort, dass es das ist. Das Schiff gehörte einem Stahlunternehmen bei Freiburg und ich habe es sofort gekauft.

Als ich die Fotos sah, wusste ich sofort: Das ist das Schiff. Ich habe es sofort gekauft.“

Claudius Schulze

Was hast du für das Projekt umgebaut?

Wir haben die Zoë X neu lackiert, denn sie ist ja jetzt ein Kunstwerk. Dann haben wir Verstärkungen am Rumpf und die Konstruktion für die Fluginformationstafel angebracht, die begehbaren Solarpanele und dann die ganze Elektronik. Mit unserem mobilen 5G-Netz haben wir wahrscheinlich den schnellsten Internetanschluss Hamburgs. Ein halbes Jahr hat das alles gedauert.

Künstliche Intelligenz

Du arbeitest mit Kameras und Künstlicher Intelligenz, Flugbewegungen werden aufgezeichnet und die KI setzt sie in Wissen um. Was passiert genau?

Das Schiff bemerkt, wenn Vögel in der Nähe sind. Einerseits durch Mikrofone, die lauschen, was in der Umgebung passiert. Sie zeichnen Vogelrufe auf und die KI erkennt, welcher Vogel das ist. Gleichzeitig ist eine hochauflösende Kamera am Bug montiert. Sie registriert, wenn Vögel über das Schiff fliegen und kann auch qualitative Aussagen zu deren Geschwindigkeit treffen, Flugrichtung oder Flügelschlag. Darüber hinaus gibt es zahllose andere Sensoren, die Streulicht, sprich Lichtverschmutzung erkennen, Lärm, Windstärke, Luftdruck und vieles mehr. Alles wird miteinander vernetzt und von einem Textgenerator schließlich in Sätze umgewandelt.

Das Schiff bemerkt, wenn Vögel in der Nähe sind. Einerseits durch Mikrofone, die lauschen, was in der Umgebung passiert.

Claudius Schulze

Was sind das für Sätze?

„Mit steten Flügelschlägen fliegt ein Vogel gen Nordwest“ zum Beispiel, „Lahme Vögel treiben Richtung Nord“ oder „Ein Schwarm Vögel zischt gen Ost“.

Interpretiert es auch?

Es ist kein Orakel, sondern bleibt immer bei den Fakten. Aber stete Flügelschläge sagt ja schon mal aus, dass der Vogel nicht gestresst ist oder gar panisch. Und diese Beobachtungen sind dann für alle auf der Flug-Informationstafel an der Seite des Schiffs zu lesen.

Den Himmel sichtbar machen

Du holst also quasi den Himmel auf die Erde und machst das, was sich über unseren Köpfen abspielt, sichtbar.

Genau, wir geben ihm mithilfe von technischen Werkzeugen einen Ausdruck. Dabei geht es uns aber eher um den Prozess als um das Ergebnis. Und wenn das Schiff jetzt den Sommer über durch Hamburg schippert, werden neue Messfunktionen hinzukommen und somit auch neue Aussagen. Ende Juli wird FIDS beim MS Artville zu Gast sein, um zum Vogelball im August dann sämtliche Daten präsentieren.

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Vom Weg abgekommen? Da der Magnetsinn der Zugvögel, der ihnen ihre Flugrouten weist, im Auge sitzt, beeinträchtigen starke Lichtquellen ihre Orientierung (Foto: Claudius Schulze)

Einige Liegeplätze und Events:
1.–15.7. Traditionsschiffhafen, Sandtorhafen
15.–17.7. Museumshafen Oevelgönne
17.–20.7. Veringkanal, Reiherstieg, Rethe, Wilhelmsburg
20.7.–7.8. Ausstellung „Biosphere X“ im Atelierhaus 23, Am Veringhof 23, Wilhelmsburg
21.7.–7.8. FIDS zu Gast beim MS Artville


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Erinnerungen bei Sonnenuntergang

Den Sommer über taucht die Video- und Soundinstallation „how to live in the echo of other places“ der Hamburger Künstlerin Annika Kahrs den Schuppen 29 auf dem Baakenhöft in Geschichten und Erinnerungen verschiedenster Menschen – entstanden im Rahmen der 8 Triennale der Photografie strahlt sie noch bis September über das Wasser hinaus bis in die Stadt hinein

Text: Sabine Danek

SZENE HAMBURG: Annika Kahrs, was erwartet einen in der Halle des ehemaligen Speichers?

Annika Kahrs: Im Inneren der Halle kann man eine immersive Soundinstallation erleben. Ich habe für diese Installation mit zehn großartigen Musiker:innen aus Hamburg kooperiert, die alle jeweils ganz unterschiedliche Stücke entwickelt haben. Aus diesen Stücken entstand quasi eine Gesamtkomposition, die nun in der Halle zu hören ist.

Elf Lautsprecher sind dort so verteilt, dass man den einzelnen Stücken im Raum nicht nur akustisch, sondern auch physisch folgen kann. Die Halle ist ja wirklich riesig und wir haben uns ganz bewusst dazu entschieden sie – außer den Lautsprechern – komplett leer zu lassen. Durch den Klang wird man von einer Ecke in die andere gelockt und folgt einem Sound-Parcours, und dabei füllt sich der Raum mit einzelnen Geschichten und Erinnerungen.

Nur Hamburger Musiker:innen und Künstler:innen

Und auch die Außenfassade wird bei der Soundinstallation bespielt, oder?

Dort sieht man einen immer wiederkehrenden projizierten Sonnenuntergang, auf dem Erinnerungen verschiedener Menschen schriftlich manifestiert werden. Mal sind es ganz beiläufige, alltägliche Momente, mal deuten sie sehr komplexe und schwierige Lebensrealitäten an. Allen Erinnerungen liegt zugrunde, dass sie im Moment eines Sonnenuntergangs stattgefunden haben, und doch spielen sie an ganz unterschiedlichen Orten. Der Text wird Wort für Wort innerhalb des projizierten Sonnenuntergangs eingeblendet. Das hat etwas sehr Meditatives. Man braucht also etwas Zeit, um die Geschichten im Kopf bildlich entstehen zu lassen. Aber es ist ja Sommer: Man kann sich also gut mit einem Getränk ans Wasser setzen und den Sonnenuntergängen samt ihren Geschichten bis spät in die Nacht zuschauen.

„Ein immer wiederkehrender projizierter Sonnenuntergang, auf dem Erinnerungen verschiedener Menschen schriftlich manifestiert werden.“

Annika Kahrs

Dazu hört man Stücke von zehn Musiker:innen, darunter Derya Yıldırım und TinTin Patrone …

Mit Musiker:innen wie Derya Yıldırım oder Freja Sandkamm habe ich bereits ein paar Mal zusammengearbeitet. Mit anderen wollte ich schon immer mal etwas zusammen machen, oder sie sind mir im Laufe der Recherche begegnet. Ferdinand Försch, Douniah, Louis d’Heudières, Tam Thi Pham, Jesseline Preach, Nika Son und Carlos Andrés Rico sind die anderen, die dabei sind. Was alle Musiker:innen und Künstler:innen eint ist, dass sie aus Hamburg kommen oder einen Bezug zu Hamburg haben – und dass sie ein wichtiger Teil der musikalischen Lebensrealität der Stadt sind. Für die Soundinstallation haben wir uns alle mit ganz unterschiedlichen Menschen über ihre akustischen Erinnerungen an bestimmte Orte ausgetauscht.

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Annika Kahrs, 38, hat an der HFBK Hamburg studiert, in Los Angeles, Brasilien und Thessaloniki gearbeitet und zeigt mit ihrer Multimedia Installation im ehemaligen Kakaospeicher ihr bisher größtes Projekt (Foto: Helge Mundt)

Ein historischer Ort

Dabei ging es um Melodien oder Sounds, die einen geprägt haben, die man in sich behält und von einem Ort zu dem nächsten mitnimmt. Aus diesen Gesprächen sind einzelne Musikstücke entstanden, die diese Erinnerungen interpretieren. Es geht viel darum, wie uns die akustische Umgebung prägt, welche Rolle dabei Communitys und Familien, oder auch Migrationserfahrungen und Erlebnisse anderer Generationen spielen. Diese Auseinandersetzung ist natürlich besonders interessant an einem Ort, an dem gerade ein neuer Stadtteil entsteht. Und zwar einer, der nicht nach und nach gewachsen ist, sondern von Stadtplanern und Politikern im Ganzen gebaut wurde.

Wie kann man die Geschichte eines Ortes bewahren – kritisch sicht- und hörbar machen – wenn er so stark baulich verändert wird?

Annika Kahrs

Haben Sie sich den ehemaligen Kakaospeicher, der kolonialer Warenumschlagplatz war, für die Soundinstallation selber als Ort ausgesucht?

Vor gut zwei Jahren bin ich mit der Kuratorin Ellen Blumenstein durch die HafenCity gelaufen, um gemeinsam über ein mögliches Projekt nachzudenken. Mit dem Imagine the City entwickelt sie seit fünf Jahren Projekte in der HafenCity. Dabei zeigte sie mir auch den sogenannten Kakaospeicher auf dem Baakenhöft. Vom Ort war ich erst mal intuitiv begeistert, habe von dessen Geschichte aber nicht allzu viel gewusst. Als ehemaliger kolonialer Warenumschlagplatz ist das Baakenhöft aber historisch besonders aufgeladen. Dieser Aspekt wird in einem Stück auch explizit thematisiert, aber die Arbeit stellt den Umgang mit historischen Kontexten auch grundsätzlich infrage: Wie kann man die Geschichte eines Ortes bewahren – kritisch sicht- und hörbar machen – wenn er so stark baulich verändert wird? Es gibt ja in Hamburg viele solcher Orte, an denen man sich genau dies fragen müsste.

„Wir haben alle eine akustische Persönlichkeit“

Musik spielt eine besondere Rolle in Ihren Arbeiten. In der Hamburger Kunsthalle wurde gerade Ihre Arbeit „Infra Voice“ in der Sammlung aufgenommen, in der eine Giraffe den Klängen eines Oktobasses lauscht.

Über Musik und Sound kann ich extrem komplexe Zusammenhänge, Inhalte, Systeme und auch Emotionen beschreiben, die sehr unmittelbar den Betrachter erreichen. Musik als Kommunikationsform, als Element der Übersetzung, spielt für mich eine wichtige Rolle. Gerade über dieses Zeichensystem bestimmte Hörgewohnheiten aufzubrechen oder gegeneinander laufen zu lassen, macht Spaß. Sowieso mag ich das Arbeiten mit Musik oder mit Sound erst mal als solches sehr. Wir verbinden Geschichten, soziale Ereignisse mit dem Hören von bestimmten Geräuschen. Wir alle haben auch eine akustische Persönlichkeit, eine spezielle Art, wie wir Geräusche über unsere Handlungen produzieren und darüber Informationen herausgeben.

„How to live in the echo of other places“ von Annika Kahrs, produziert von Imagine The City, ist vom 1. Juni bis zum 4. September am Schuppen 29 auf dem Baakenhöft zu sehen.
Öffnungszeiten: Donnerstags und Freitags von 17 bis 20 Uhr und Samstags und Sonntags von 14 bis 20 Uhr.


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Erfolgreicher Auftakt der 10. Millerntor Gallery

Am 21. Juni 2022 wurden zum Auftakt der 10. Millerntor Gallery in Kooperation mit dem Auktionshaus Christie’s 30 Kunstwerke, unter anderem von Gerhard Richter und Neo Rauch, versteigert

Text: Felix Willeke

Die Auktion mit dem Auktionshaus Christie’s ist der traditionelle Auftakt der Millerntor Gallery. Anlässlich der 10. Ausgabe waren am 21. Juni 2022 über 300 Gäste im Ballsaal des Millerntor Stadions zu Gast und boten für 30 Kunstwerke. Dabei waren Werke von Neo Rauch, Gerhard Richter und Streetart des Hamburgers Samy Deluxe. Am Ende des Abends kamen die 30 Werke für insgesamt 202.200 Euro unter den Hammer. Mit dem Geld unterstützt die Millerntor Gallery Wasser-, Sanitär- und Hygiene-Projekte von Viva con Agua.

Ein würdiger Auftakt

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Der handsignierte Offsetdruck des Gemäldes „Kerze“ von Gerhard Richter wurde für 38.000 Euro versteigert (Foto: Annegret Hultsch)

„Es hat mich sehr beeindruckt, dass wir viele der Werke wie beispielsweise von Jeff Koons oder Hera für eine außergewöhnlich hohe Summe versteigern konnten“, sagt  Christiane Gräfin zu Rantzau, Auktionatorin und Chairman Christie’s Germany. Doch nach der Auktion ist vor dem Festival. Am 23. Juni öffnet die Millerntor Gallery zum zehnten Mal seine Tore. Noch bis zum 26. Juni sind dann die Arbeiten von 100 Künstler:innen im Stadion des FC St. Pauli zu sehen.


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Charlotte March: Eine Werkschau

Die Hamburger Fotografin Charlotte March publizierte in der Brigitte, im Stern, in der Elle und in der Vogue Italia, jetzt ist eine groß angelegte Werkschau ihrer Arbeiten in der Sammlung Falckenberg zu sehen

Text: Katharina Stertzenbach

Die groß angelegte Werkschau über Charlotte March (1929–2005) ist vom 20. Mai bis zum 4. September 2022 in der Sammlung Falckenberg zu sehen. Die Werkschau zeigt neben den bekannten Aufnahmen der Fotografin insbesondere auch die bisher weniger bekannten Mode- und Werbeaufnahmen. Anlässlich der 8. Triennale der Photographie Hamburg sind insgesamt 300 Werke von Charlotte March ausgestellt. Sie zeigen dabei auch die frühen dokumentarischen Fotografien im Hamburg der 1950er-Jahre und Aufnahmen von ihren Aufenthalten auf der damals vom Massentourismus noch unberührten Insel Ischia porträtieren. Bei vielen der Fotografien immer im Hinterkopf: das 1977 veröffentlichte Buch „Mann, oh Mann – Ein Vorschlag zur Emanzipation des attraktiven Mannes“, das erstmals explizit eine weibliche Sicht auf den männlichen Körper zeigte und nicht nur deswegen breit diskutiert wurde.

Werkschau zu Charlotte March
Sammlung Falckenberg 20. Mai bis 4. September 2022


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Fotografie als Währung: 8. Triennale der Fotografie

Am 20. Mai beginnt die größte Fotoschau der Stadt mit 20 Ausstellungen und dem Thema „Currency“. Wir sprachen mit der neuen künstlerischen Leiterin Koyo Kouoh über die Triennale-Vorbereitung in Zeiten der Pandemie, über Machtstrukturen und die Wirkkraft der Bilder – und über ihren Blick auf Hamburg

Interview: Karin Schulze

SZENE HAMBURG: Koyo Kouoh, fast jede und jeder macht heute unablässig Fotos, versendet, guckt und kommentiert sie pausenlos. Warum braucht es da noch eine Fototriennale?

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Neue künstlerische Leiterin der Phototriennale: Koyo Kouoh (Foto: Zeitz Mocaa)

Koyo Kouoh: In den letzten 30 Jahren haben die Menschen mehr Bilder produziert als in der gesamten Zeit davor. Das ist erst einmal erschreckend. Jeder meint Fotograf:in zu sein, obwohl niemand denkt, jeder Mensch könne Bildhauer:in oder Ärzt:in sein. Gerade deshalb gilt es, der Fotografie als eigener Kunstform eine Bühne zu verschaffen.

Die 8. Triennale der Photographie Hamburg 2022 versammelt zwölf Schauen in zehn Ausstellungshäusern, ein Festival und die Triennale Expanded unter dem Titel Currency. Was ist damit gemeint?

Mit dem englischen Wort für „Währung“ ist die Fotografie als Transaktionsmittel gemeint. Wir leben in einem retinalen Zeitalter. Nichts wandert zwischen den Menschen so oft hin und her wie Fotografie. Mal in privaten Kontexten, mal in kommerzieller Absicht. Mal um Wahrnehmung zu lenken und mal um gezielt Wertschöpfung in Gang zu setzen. Wenn wir Fotografie unter dem Aspekt der Währung betrachten, reflektieren wir, wie wir zu Fotografie und ihrer Wirkmacht stehen.

„Currency“ ist auch das Thema der von Ihnen zusammen mit Rasha Salti, Gabriella Beckhurst Feijoo und Oluremi C. Onabanjo kuratierten Ausstellung in den Deichtorhallen. Was erwartet uns da?

Wir stellen 29 internationale Positionen vor: etwa den libanesischen Fotografen Riad Antar, der das Verhältnis von Mythologie und Geschichte mit einer linsenlosen Kamera erkundet, oder die ägyptische Künstlerin Rana El Nemr, die Bilder der Selbstreflexion an die Dinge und Erscheinungen ihrer Kairoer Wohnumgebung heftet. Einige Künstler:innen sind in ihren Dreißigern, andere schon in ihren Neunzigern. Es werden experimentelle, dokumentarische und poetische Ansätze dabei sein. Dabei spielt Counter-Mapping, also das Umschreiben von dominanten Machtstrukturen, eine besondere Rolle.

Inwieweit folgen auch die Projekte der anderen Häuser der thematischen Vorgabe „Währung“?

Wir haben mit unserem Verständnis von „Currency“ ein thematisches Gerüst vorgeschlagen, das die Institutionen auf die ihre jeweilige DNA übertragen konnten. Das reicht von einer Gesamtschau des Fotografen Herbert List und seiner Magie des Lichts im Bucerius Kunstforum über eine Neuentdeckung der Hamburger Mode- und Werbefotografin Charlotte March in der Sammlung Falckenberg bis zum Fotoprojekt von LaToya Ruby Frazier zur Wasserkrise in Flint, Michigan, das im Kunstverein in Hamburg gezeigt wird.

Die beiden Jahre der Vorbereitungszeit der Ausstellung waren geprägt von der Corona-Pandemie. Was bedeutete das?

Die kuratorische Arbeit im Team fand vor allem am Bildschirm statt. Wir konnten auch keine Atelierbesuche machen, dafür haben uns die Künstler:innen andere Zugangsweisen zu ihren Werken ermöglicht. Damit war die Planung der Triennale betont umweltbewusst: Wir sind sehr wenig geflogen.

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Cecilia Reynoso: Gaviota serving desert, from the series „The Flowers Family“, 2014

Auch eine verstärkte Beteiligung Hamburger Künstler könnte Kohlendioxid einsparen. Wie sieht es damit aus?

Ein wesentlicher Teil der Triennale ist die sogenannte Triennale Expanded. Aus Vorschlägen von Hamburger Fotograf:innen, Künstler:innen, Kurator:innen und Initiativen wurden zwölf Projekte ausgewählt und gefördert, die ab dem 2. Juni vorgestellt werden. Mit dabei sind etwa ein performativer Abend zur Fotografie, ein Archiv, das Wolkenbilder von Orten fossiler Verbrennung sammelt, oder das Panel zu NFTs und Krypto-Kunst als sozial engagierter Kunstpraxis.

Warum läuft die Triennale Expanded erst ab dem 2. Juni?

Das Expanded-Programm startet parallel zum Festival der Triennale, das vom 2. bis 6. Juni stattfindet. So haben wir zusätzlich zum Triennale-Start am 20. Mai einen zweiten Eröffnungsimpuls, wodurch sich das Publikumsinteresse verteilen kann. Das Festival umfasst Gespräche, Diskussionen, Filmvorführungen und Performances, mit denen die Themen der zwölf Ausstellungen und der Triennale Expanded vertieft werden.

Sie leiten das Zeitz Museum of Contemporary Art Africa in Kapstadt und sind als Kuratorin, Beraterin oder Rednerin in Afrika, Europa und Amerika unterwegs. Currency ist nach Streamlines in 2025/16 Ihre zweite Ausstellung in der nördlichen Deichtorhalle. Wie ist Ihr Verhältnis zur Halle und zu Hamburg?

Sehr freundschaftlich. Ich mag die Stadt Hamburg sehr für ihre Eleganz. Als Hafenstadt vermittelt sie ein unwiderstehliches Gefühl von Offenheit und Grenzenlosigkeit. Und ich bin fasziniert von der Geschichte des Großbürgertums. Manchmal meine ich, einen Buddenbrook durch die Straßen schlendern zu sehen. Es ist zwar nicht Lübeck, aber doch hanseatisch. Da ich aus Kamerun komme, weiß ich, dass Hamburg eine große Rolle in den schwierigen Beziehungen zwischen Kamerun und Deutschland gespielt hat. Streamlines bezog sich direkt auf diese Geschichte. Mit Dirk Luckow, dem Intendanten der Deichtorhallen, verbindet mich eine kuratorische Affinität, so dass ich für die Triennale zurückkommen konnte.

Triennale der Photographie: Ausstellungsparcours in Hamburger Museen und Institutionen, Eröffnung: 19.5., 20.5.–18.9. Die Festivalwoche findet vom 2. bis 6. Juni statt. Dann startet auch die Triennale Expanded


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Kunstausstellung: The Mistery of Banksy

Ein Künstler und ein Mysterium. Niemand weiß, wer der britische Street-Art-Künstler Banksy ist. Nur seine Werke kennen fast alle. Jetzt kommt mit „The Mistery of Banksy – A Genius Mind“ eine Ausstellung rund um das Mysterium nach Hamburg

Text: Felix Willeke

150 Werke sind bei „The Mistery of Banksy – A Genius Mind“ ab dem 3. Juni 2022 im ehemaligen Galeria-Kaufhof in der Mönckebergstraße zu sehen. Fast alle der Graffitis, Drucke, Fotos, Skulpturen und Videoinstallationen sind dabei reproduziert. Die Ausstellung zeigt die komplette Bandbreite des im englischen Bristol geborenen Künstlers: Von politischen und gesellschaftlichen Themen bis hin zu humorvollen Werken. Darunter eine Kopie des Bildes „Girl White Balloon“, dass bei einer Auktion 2018 plötzliche geschreddert wurde. Außerdem haben die Macher:innen einen Londoner U-Bahn-Waggon nachgebaut, den der Brite im Sommer 2020 mit Ratten und Coronamasken besprüht hatte. Natürlich sind diese Hommage und die gezeigten Werke vom Künstler selbst ganz nach seinem Motto „Copyright is for losers ©TM“, nicht autorisiert.

„The Mistery of Banksy – A Genius Mind“
3. Juni bis 3. Oktober 2022, Mönckebergstraße 3 (ehemals Galeria-Kaufhof).
Tickets: 18 bis 22 Euro (ermäßigt 10 bis 18 Euro)


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