Flaka Haliti – Das Blau am Bau

Die Farbe des Himmels, die Sehnsucht und das Überschreiten von Hindernissen: die Ausstellung von Flaka Haliti im Kunsthaus Hamburg

I See a Face. Do You See a Face – so heißt eine Arbeit der Künstlerin Flaka Haliti (*1982), für die sie in digitale Wolkenaufnahmen mit dem Digitalstift krakelig die Konturen von Gesichtern hineinzeichnete. Und sofort muss man an öde Kindheitsnachmittage denken, als sich nichts tat, als dass die Wolken mal wie die doofe Chemielehrerin aussahen und mal wie Winnie-the-Pooh.

Muss man? Nein, vermutlich nicht. So wie schon damals die beste Freundin in die wattigen Cumuli ganz andere Wesen hineinsah, so unterscheiden sich auch unsere Assoziationen zu Kunstwerken. Das ist generell so, aber die Arbeiten der aus Priština stammenden Künstlerin verweisen direkter als andere auf diese Tatsache.

Stierhoden in Cellophan

Dabei hat die künstlerische Laufbahn der Flaka Haliti mit einem ziemlich eindeutigen Statement begonnen. Sie studierte damals Grafikdesign in ihrer kosovarischen Heimatstadt und ärgerte sich über die abschätzige Haltung von männlichen Künstlern gegenüber Künstlerinnen, die angeblich „keine Eier“ hätten. Zur Eröffnung einer Ausstellung der Nationalgalerie von Priština trat sie den Gegenbeweis an: Sie wickelte ein paar Stierhoden in Cellophan und legte sie wie einen duftigen Blumengruß auf die Treppen des Museums.

Flaka Haliti stellt im Kunsthaus Hamburg aus. Foto: Marcel Schwickerath

Flaka Haliti Foto: Marcel Schwickerath

Vor dieser radikalen Aktion war sie Ende der 90er Jahre zusammen mit ihrer Familie vor dem Kosovokrieg zu Verwandten nach Mazedonien geflohen. Als sie nach Priština zurückkehrte, war ihre Heimat eine andere: vom Krieg zerrüttet, durch KFOR-Truppen kontrolliert und unter UN-Aufsicht. 2008, als die Republik Kosovo ihre Unabhängigkeit erklärte, ging Haliti zum Kunststudium an die Frankfurter Städelschule. Heute lebt und arbeitet sie in München. Inzwischen kann sie nicht nur auf eine Einzelausstellung in der Nationalgalerie von Priština zurückblicken, sie hat auch ein Jahr in der Villa Romana in Florenz verbracht und 2015 auf der Biennale von Venedig im Pavillon des Kosovo ausgestellt. Das Kunsthaus zeigt nun ihre erste umfangreiche Einzelausstellung, die vorher in Lingen gezeigt wurde und im Herbst nach Priština geht.

Ein Motiv taucht in Halitis Arbeiten wiederholt auf: Sie verwandelt das materielle Rüstzeug politischer Konflikte in träumerisch-phantastische Bilder. So zeigt sie gleich am Beginn der Ausstellung aus Holz und Feinputz nachgebaute Elemente von Betonbarrikaden. Diese sind durch den Materialwechsel nicht nur ihrer Funktion beraubt, sie scheinen, lose ineinandergeschoben, auch entspannt Löffelchen zu liegen. Im nächsten Raum hockt ein quietschgrüner Roboter, den Haliti aus dem Schrott aufgelöster KFOR-Militäreinrichtungen zusammengeschraubt hat, ermattet an der Wand. Und der „Schwerter zu Flugscharen“-Verwandlung nicht genug: Hinter dem Maschinenwesen hat sie ein Flügelpaar installiert, zu dem sie bei  Engelsdarstellungen der italienischen Renaissance inspiriert haben.

Politik und Poesie

„Natürlich ist ein Großteil meiner Arbeit politisch“,

so zitiert die österreichische Tageszeitung Die Presse die Künstlerin. „Zugleich aber ist sie poetisch, und manches ist vielleicht sogar romantisch.“ Diesen Übergang vom Politischen zum romantischen Ideal einer Welt ohne Grenzen vollzog auch ihre bei der Biennale gezeigte Arbeit Speculating on the Blue. Sie zitierte die blauen Betonwände herbei, die in Priština zum Schutz des UN-Quartiers errichtet worden waren. Zu sehen aber waren in Venedig nur noch die stählernen Armierungen, während die Wände selbst zu blauem Sand zerbröselt schienen, der den Raum durchzog und – nach der Intention der Künstlerin – durch die Rillen in den Sohlen der Besucher noch bis in die benachbarten Nationenpavillons weitergetragen werden sollte.

Um Farben wie dieses UN-Blau geht es auch in der Doktorarbeit, die Haliti derzeit an der Akademie der bildenden Künste in Wien verfasst. Sie erforscht dort die visuelle Kommunikation und die gesamte Corporate Identity von NGOs und supranationalen Organisationen wie der EU oder der UN. Schließlich dekonstruieren auch ihre künstlerischen Arbeiten die Elemente symbolischer Imagebildung. So legte etwa ihre Venedig-Arbeit einen Gegensatz bloß: Einerseits sollten die UN-Betonbarrikaden in Priština eine unüberwindliche Absperrung darstellen, andererseits war ihre blaue Oberfläche eine Art verharmlosender Camouflage, die an die grenzenlose Unendlichkeit des blauen Himmels denken ließ.

Generell zielen Halitis Arbeiten darauf, Grenzen oder festgefahrene Sichtweisen aufzulösen, Sehnsüchte und befreiende Träume einzuschreiben in scheinbar unverrückbare oder ungreifbare Zusammenhänge und das Fremde vertraut erscheinen zu lassen. Für Letzteres stehen ihre Wolken-Gesichter aber auch die ebenfalls gezeigten Assemblagen ihrer Is It You, Joe?-Serie: auf Marmorplatten geklebte, farbig angepasste Schwämme, in die mit kleinen Eingriffen Gesichter hineinskizziert sind.

vielfältige Perspektiven

Mit diesen Strategien emotionaler Aneignung, die bewusst „easy going“ und auf fast naive Weise „kreativ“ daherkommen, macht Haliti vehement geltend, dass es nie nur die eine gültige Sichtweise, sondern stets das Recht auf vielfältige und emotionale Aneignungen gibt. Auch der leicht absurde Satz

„Here – Or Rather There, Is Over There“

mit dem die Künstlerin die gesamte Ausstellung betitelt hat, betont, wie sehr der jeweilige Standpunkt die Perspektive bestimmt.

Die humorvoll heraufbeschworene Sehnsucht, die realen und mentalen Betonwände zwischen Regionen, Nationen und Individuen zu überschreiten, und eine damit verbundene vielfach gebrochene, multiperspektivische Sicht auf die Welt – darauf zielen die Arbeiten von Flaka Haliti. Oder sagen wir es so: Sieht man nach dem Verlassen der Ausstellung zum Himmel, dann sehen zumindest für eine Weile die Wolken nicht mehr aus wie eitle Ansammlungen lästiger Wassertropfen, sondern es scheint ihnen eine keineswegs weltvergessene, aber heiter-optimistische Gestimmtheit anzuhaften.

Text: Karin Schulze

Flaka Haliti: „Here – Or Rather There, Is Over There“, Kunsthaus, bis 20.5.


 

 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Mai 2018. Das Magazin ist seit dem 28. April 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!

Jörg Heikhaus – Ich will Galerie neu denken

Jörg Heikhaus ist Künstler, Galerist, TV-Talker und jetzt auch Podcaster. Wir sprachen mit dem Querdenker

SZENE HAMBURG: Jörg, dein Lebenslauf ist nicht unbedingt der klassische eines Galeristen – du hast mal Karriere in der Wirtschaft gemacht …
Jörg Heikhaus: Ich hatte gar nicht vor, in der Wirtschaft zu landen. Kunst habe ich immer schon gemacht, aber es war mir nach der Schule nur einfach nicht möglich, Kunst zu studieren. Ich musste erst mal Geld verdienen: In Köln habe ich im Umkreis der Independent- Musikszene in den späten Achtzigern und frühen Neunzigern als Fotograf, Grafiker und Bandmanager gearbeitet. Zur Wende habe ich als Journalist gearbeitet und habe Sonic Youth und Nirvana interviewt. 1996 habe ich schließlich mit einem australischen Bildhauer eine eigene Onlineagentur gegründet.

Ziemlich erfolgreich … Du hast es bis zum Vorstand geschafft …
Eine schwedische Firma kaufte die Agentur, und ich habe dann noch drei Jahre als Vorstandsvorsitzender von Deutschland aus gearbeitet. Ich bin dann gegangen, weil es am Ende nichts mehr mir zu tun hatte. Mit Anfang dreißig habe ich gesagt, jetzt oder nie, ich muss meine Kunst machen!

In Hamburg hast du 2002 die Galerie heliumcowboy gegründet. Woher kam der Mut?
Ich habe viel recherchiert, mich international mit Galeristen getroffen, Kunstmessen besucht, um herauszufinden was für eine Art Galerie fehlt eigentlich? Ehrlich gesagt habe im Gespräch mit den Galeristen immer gedacht, dass ich so nicht sein möchte. Mich interessiert nur das Konzept Künstler: Wo liegt das Einzigartige, wie ernsthaft ist die Auseinandersetzung mit der Kunst bei genau diesem Menschen? Ich will Leidenschaft sehen.

Was unterscheidet deine Art, Kunst zu zeigen?
Ich habe keinen Lebenslauf, wie man ihn erwartet. Doch die vielen verschiedenen Jobs, die ich gemacht habe, bilden eine gute Basis, ich konnte viele Erfahrungen aus erster Hand machen und dadurch Künstlern helfen. Das Wichtigste für jeden Galeristen bleiben aber Persönlichkeit und Passion – und die sind ja bei jedem anders ausgeprägt.

Du versuchst, Galerie neu zu denken, u. a. mit einem Talk-Format?
Auch wenn wir schnell eine der Hotshot-Galerien aus Deutschland wurden, war es ja nicht immer leicht, vor allem nach der Finanzkrise. Da muss man schon mal überlegen, was sich ändern kann. Ich glaube, dass der Markt heute extrem übersättigt ist, der funktioniert einfach nicht mehr. Aber niemand weiß so genau, wie er funktioniert. Hier müssen wir uns viel mehr austauschen. Nicht nur im Künstlergespräch, sondern mit Menschen, die mit dem Markt zu tun haben. Und natürlich unserem Publikum.

Wie sieht das heute aus?
Zusammen mit Jannes Vahl von den Clubkindern habe ich 2016 „heliumtalk – das Kunstgespräch“ mit Tide TV gestartet. Jetzt setzen wir das als Audio-Podcast fort, denn ich möchte noch viel mehr tolle Leute ausfragen, was Kunst bewegt, wie sie produziert, erlebt, geliebt, gehasst und eben auch verkauft wird. In der ersten Folge unterhalte ich mich Darko C. Nicolic, der ein unglaublich spannendes Konzept verfolgt. Am Anfang wird das Deutsch sein. Aber im April habe ich eine Ausstellung mit „The Jaunt“, die werde ich auf Englisch interviewen.

Und, schon Erkenntnisse? Wie ist der Hamburger Galeriestandort?
Ruhiger und unaufgeregter als anderswo, das ist aber oft auch ein Vorteil. Man hat hier den ruhigen Atem, Künstler sich entwickeln zu lassen und kann in Ruhe etwas aufbauen. Das Zurückhaltende ist hilfreich, denn über Nacht kann in der Kunst nichts passieren. Die Zusammenarbeit von Galerien und Museen klappt in Hamburg leider nicht wirklich. Unbedingt will ich Bettina Steinbrügge vom Kunstverein zum Talk laden, sie macht viel richtig.

Du baust gerade um und präsentierst dich im März mit einem neuen Galerie-Konzept …
Wir entfernen uns noch mehr vom klassischen White Cube. Die Ranch, so nennen wir die Galerie ja liebevoll, wird Studio und Showroom zugleich. Ein Teil meines Alex Diamond-Ateliers und das Podcast-Studio kommen in den Ausstellungsraum, ganz aus Altholz, wie eine Ranch. Die Galerie wird zum Ort, an dem Kunst nicht nur gezeigt, sondern auch produziert wird. Am 24. März eröffnen wir, da stellen wir das Potenzial des Raumes vor. Ich stelle mir einen Kunstsalon vor, jeder kann vorbeikommen, man tauscht sich aus, kommt ins Gespräch. Der Podcast soll das Kommunikative unterstreichen. Ich glaube, wir sind heute als Galerist mehr gefragt, Kunst lebendig zu machen und wieder zu erklären …

Interview: Stefanie Maeck

Heliumcowboy Artspace: Bäckerbreitergang 75 (Neustadt), www.heliumcowboy.com (Eröffnung am 24. März 2018)

heliumTALK – das Kunstgespräch: www.heliumcowboy.com/heliumtalk

www.alexdiamond.net


Februar-Ausgabe SZENE Hamburg

 Dieser Text ist ein Auszug aus SZENE HAMBURG, März 2018. Das Magazin ist seit dem 24. Februar 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!

Deichtorhallen: Die langen, dunklen Schatten der Bilder

Von Moskau über New York nach Hamburg: Was die Zeichnungen Robert Longos mit Goyas Radierungen und Eisensteins Filmen zu tun haben

Ein paar geschickt geworfene Tennisbälle über den Dächern von New York starteten um 1980 die Blitzkarriere des Robert Longo (*1953). Er beballerte auf dem Dach seines Manhattaner Ateliers Freunde wie Cindy Sherman oder Larry Gagosian, die in properen Business-Outfits antraten, fotografierte ihre jähen Schreckens- und Ausweichgesten und setzte diese in die großformatigen Schwarzweiß-Zeichnungen seiner Men in the Cities um.

Verrenkt, ausgeknockt, eingefroren in exzentrische Gesten. Tänze am Abgrund, Todestänze gar? Ekstasen und Agonien – in diesen Bildern schien die Essenz der Achtzigerjahre geronnen, bevor diese recht begonnen hatten. Die Kunstszene liebte Longos coolen Drive, der aber steigerte sich bald in krude Multimedia-Extravaganzen hinein. Da brach die Kritik den Stab über ihn und witzelte: „Robert Long Ago“.

In den 1990er Jahren aber fand der Künstler zurück zum Schwarzweiß, zur Zeichnung. Mit unzähligen Kohlestiftstrichen zerdehnte er den kurzen schrillen Moment, in dem Medienbilder aufblitzen und verglühen. Er ließ sie „vom Auge zur Hand“ (Longo) gleiten: Er zeichnete Pressefotografien, in denen der Schrecken der Gegenwart gerinnt, so ab, als konserviere er ihre langen, dunklen Schatten: 2015 etwa das Foto der Fensterscheibe, die eine der Kugel des „Charlie Hebdo“-Attentats durchschlagen hatte.

Vor zwei Jahren entwickelte Longo gemeinsam mit Kate Fowle, der Chefkuratorin des Garage Museum of Contemporary Art in Moskau, eine Idee: Wie wäre es, die eigenen Bilder von Gewalt, Tod und Schrecken auszustellen, zusammen mit Werken zweier Künstler, in deren Oeuvre sich die soziale und politische Realität ihrer Zeit ähnlich zuspitzt: zusammen mit dem großen spanischen Wirklichkeitsdurchdringer Francisco de Goya und dem russischen Filmemagier Sergei Eisenstein? Die Idee zündete und die Schau kommt nach Stationen in Fowles Moskauer Haus und im New Yorker Brooklyn Museum jetzt in die Deichtorhallen.

Foto: Robert Longo

Robert Longo: Untitled (American Bald Eagle) 2017

Nacheinander wird man dort die Imaginationsräume der drei Künstler durchschreiten können: Etwa 50 Aquatinta-Radierungen aus vier Werkzyklen Goyas. 40 Skizzen und etliche Filme Eisensteins, die – nach einer Idee von Longo – mit einem Prozent der normalen Geschwindigkeit projiziert werden, so dass das Geschehen etwa des „Panzerkreuzer Potemkin“ als Abfolge einzelner, sorgsam komponierter und montierter Bilder wahrnehmbar wird. Und dazu etwa zwanzig bis zu 7,5 Meter große Zeichnungen Longos aus den letzten Jahren.

Drei unterschiedliche und doch verwandte Ansätze: Alle drei Künstler dramatisieren Geschichte und alle drei erlebten nicht nur historische Umbrüche, sondern auch die Desillusionierung der Aufbruchshoffnungen ihrer Zeit: der Aufklärung (Goya), der Russischen Revolution (Eisenstein) und der Bürgerrechtsbewegung der 1960er Jahre (Longo). Und alle drei sind, was die Problematik ihrer eigenen Standpunkte anbelangt, nicht aus dem Schneider: Bei Goya ist es die Nähe zum Hof, dem er mitunter gefällige Porträts lieferte, bei Eisenstein die zum Diktator Stalin, dessen Propagandaapparat er zu bedienen hatte, und bei Longo ist es die Nähe zum Kunstmarkt, der ihn und seine ikonischen Bilder umarmt.

Trotzdem möchte man am liebsten sofort eintauchen in die sicher atmosphärisch dichte Schau, in der sich spannende Resonanzen ergeben dürften – auch wenn man gespannt ist, ob Longos Zeichnungen der Komplexität der beiden anderen Ouevres standhalten. Der Künstler, der so seine Erfahrungen mit der Kritik bemacht hat, baute jedenfalls schon mal vor: Im Katalog merkt er an, er sähe sich „nicht in derselben Liga wie Goya und Eisenstein“.

Text: Karin Schulze

Fotos: Robert Longo

Proof: Francisco Goya, Sergei Eisenstein, Robert Longo. 17. Februar bis 27. Mai in den Deichtorhallen. Eröffnung 16. Februar um 19 Uhr. Im Rahmenprogramm laufen Eisenstein-Filme im Metropolis Kino.


 Dieser Text ist ein Auszug aus SZENE HAMBURG, Februar 2018. Das Magazin ist seit dem 26. Januar 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!

Rayyane Tabet: Der Stoff, aus dem Geschichte ist

Ausgehend von einem Ziegenhaarteppich untersucht der libanesische Bildhauer Rayyane Tabet im Kunstverein Hamburg die Bezüge zwischen arabischer und westlicher Welt.

Kurz vor seinem Tod traf Faek Borkhoche eine folgenreiche Entscheidung: Den 20 Meter langen Läufer, ein Geschenk von Beduinen, würde er in gleiche Stücke zerschnitten seinen Kindern vererben – unter der Bedingung, dass sie das Ziegenhaartextil wiederum unter ihren Kindern aufteilten. Seine Nachkommen hielten sich daran. Und sie tun es bis heute.

„Eigentlich war mein Urgroßvater damit ein ziemlich guter Konzeptkünstler“, sagt Rayyane Tabet (*1983 im Libanon) über den Teppich-Erblasser, der tatsächlich Lehrer und Übersetzer war. Tabet aber ist Künstler – und zwar ein ziemlich guter. Das deuteten seine Ausstellungsbeteiligungen in Paris und New York und bei den Biennalen von Sharjah und Istanbul an. Die Kunstvereinsschau beweist es.

Für deren erstes Kapitel hat er alle verfügbaren Stücke des bisher in 23 Stücke aufgeteilten Läufers zu einem Stammbaum zusammengefügt. Damit verknüpft Tabet seine eigene Geschichte mit Max von Oppenheim (1860-1946), bei dem sein Ahn 1929 für sechs Monate als Sekretär installiert worden waren – von den Franzosen, die von Oppenheim der Spionage verdächtigten. Der Diplomat und Archäologe hatte 1899 die archäologische Stätte Tell Halaf entdeckt. Etliche seiner Funde befinden sich heute im Pergamonmuseum, andere im Nationalmuseum in Aleppo, wo sie von Zerstörung durch den syrischen Bürgerkrieg bislang wohl verschont blieben.

Die Kunstvereinsschau nimmt die Verwicklung von Tabets Familie in kulturelle Exploration und geopolitische Konflikte zum Ausgangspunkt. Im Hauptraum stehen Abdrücke einer Skulptur vom Tell Halaf vor einer Hängung von etlichen hundert Frottagen. Der Künstler hat dafür im Lager des Pergamonmuseums tausend Fragmente der Oppenheim-Funde mit Papier umwickelt und mit Kohlestift abgerieben. Die Ausstellung endet mit einer Hängung aus Zeltplanen des russischen, französischen und US-amerikanischen Militärs, die einem traditionellen Kleidungsstück der Beduinen gleichen, das durch zwei Stäbe in ein Zelt verwandelt wird.

Tabet ist Bildhauer. Er nähert sich dem Gefüge von politischen Konflikten und kulturellem Austausch mit strenger Ästhetik und minimalistischer Abstraktion. Wie auch bei früheren Arbeiten – etwa zur Transarabischen Pipeline oder zu einem Immobilienprojekt in Beirut – bindet er dokumentarisches Material elegant in sein skulpturales Konzept ein und schließt so die bei anderen Künstlern oft störende Kluft zwischen Werk und Kontext auf überzeugende Weise.

Text: Karin Schulze

Rayyane Tabet: Bruchstücke / Fragments. Bis 18. Februar 2018, Kunstverein in Hamburg.

 


 Dieser Text ist ein Auszug aus SZENE HAMBURG, Februar 2018. Das Magazin ist seit dem 26. Januar 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!

Scharfe Schüsse in der Nordheide

Rechtsruck! Die aktuelle Ausstellung „Schwarzarbeit in Jesteburg“ ist ein Lehrstück über den Einfluss von Medien auf die öffentliche Wahrnehmung von Kunst. Isa Maschewski, künstlerische Leiterin des Jesteburger Kunstvereins, erklärt, wie sie zum Feindbild von Populisten wurde.

SZENE HAMBURG: Jesteburg ist ein beschaulicher Ort am Nordrand der Lüneburger Heide. Im letzten Sommer aber wurde bei Ihnen scharf geschossen.

Isa Maschewski: Es ging um ein von der Gemeinde initiiertes Projekt, das ich kuratiert habe: Teil davon ist ein großes, auf die Straße gemaltes Bild der Künstlerin Monika Michalko. Bei seiner Entstehung haben zwei Geflüchtete geholfen. Anfangs wollten wir sie honorieren, da wir davon ausgingen, dass sie eine Arbeitserlaubnis hatten. Das war aber ein sprachliches Missverständnis, deshalb sagten wir: Okay, dann machen wir euch als Dank den Kühlschrank voll. Ein Redakteur vom Nordheide Wochenblatt aber schäumte und titelte „Steuergeld für Schwarzarbeit?“. Daraufhin bekamen wir Briefe, die rassistisch argumentierten und mit Verbrennen und Vergiften drohten.

Hatten Sie denn wirklich etwas falsch gemacht?

Nein, denn es ist kein Geld geflossen. Die Geflüchteten aber bekamen trotzdem Probleme. Sie mussten ihre Konten offenlegen, sie bekamen Angst. Als ich den Redakteur anrief, um zu verhindern, dass er mit dem Artikel zwei Unschuldige trifft, nutzte das nichts. Es war ihm wichtiger, mich zu diskreditieren.

Die Kritik richtete sich eigentlich gegen Sie und das Kunsthaus?

Kunstvereine auf dem Land müssen stark um Akzeptanz kämpfen. Wir haben fantastische Besucherzahlen und rund 350 Mitglieder, was für einen Ort mit knapp 8.000 Einwohnern großartig ist. Das Nordheide Wochenblatt aber ist prinzipiell dagegen, Kunst aus öffentlichen Geldern zu finanzieren, und speziell dagegen, dass ich als Kuratorin Gehalt bekomme. Es vertritt ähnliche Positionen wie eine örtliche Wählergemeinschaft. Letztere will, dass Jesteburg Kulturmittel nur für Projekte der Brauchtumsförderung und Heimatpflege ausgibt.

Daniel Hopp: Schwarzarbeit in Jesteburg. Foto: Kunstverein Jesteburg

Wie kam es zu der Ausstellung, die im Kunsthaus jetzt diese kunstfeindlichen Tendenzen thematisiert?

Ich schätze die Arbeiten von Daniel Hopp schon lange und wollte ihn unbedingt irgendwann ausstellen. Aus diesem Grund hat er sich mit Jesteburg beschäftigt, ist auf den „Schwarzarbeit“-Artikel gestoßen und hat entschieden, ihn zum Gegenstand einer Arbeit zu machen.

Was hat er genau gemacht?

Hopp arbeitet filmisch und performativ. Er beschäftigt sich auch damit, wie junge Menschen mit Medien umgehen, und damit, wie dies wahrgenommen wird. Jetzt hat er für den YouTuber Multi Wolf gewissermaßen eine Bühne geschaffen. Er hat ihn mit einem Team aus HFBK-Studenten und Jesteburger Jugendlichen Interviews mit den Protagonisten der hiesigen Kulturpolitik machen lassen – mit Fragen, die aus dem Wochenblatt-Artikel entstanden sind. Diese Gespräche laufen jetzt auf sechs Monitoren im Kunsthaus.

Sie verstehen Hopps Arbeit als ein performatives Projekt. Warum?

Sie umfasst die Videos, deren Entstehung und die Performance bei der Eröffnung – sogar dass die Jugendlichen für die Ausstellung Plakate geklebt und 5.000 Flyer verteilt haben. Einer der Jugendlichen, Ronny Manjang, hat alle Aktionen dokumentiert und bespielt den Instagram-Account des Projekts „Schwarzarbeit in Jesteburg“.

Die Ausstellung macht deutlich, wie schnell Dinge, zu denen man spontan keinen Zugang hat, zum Feindbild werden.

Mit dem Projekt haben Sie sich Stimmen von Befürwortern, aber auch von Kritikern ins Haus geholt. Warum?

Ja, in einigen Interviews werde ich harsch beschimpft. Aber ich ahne jetzt, warum. Ich wusste ja nicht, dass einige Leute denken, ich würde in Berlin leben und einfach meinen Berliner Freundeskreis ausstellen. Eigentlich aber geht es um meine Position als Projektionsfläche. Die Ausstellung macht deutlich, wie schnell Dinge, zu denen man spontan keinen Zugang hat, zum Feindbild werden. Wir hoffen, dass wir so Dialoge anstoßen, die allen Seiten nutzen. In einem Kunstverein auf dem Land operiert man jenseits einer „Anästhesie des Konsens’“, die den Kunstbetrieb in Metropolen oft abpuffert.

Schöner Begriff!

Leider nicht von mir, sondern von Peter Sloterdijk, den ich sonst nicht so gern zitiere. Diesen Konsens gibt es hier nicht. Hier wird Kunst auf eine harte Probe gestellt. Angesichts des aktuellen Rechtsrucks, der auch künstlerische Arbeit diffamiert, muss man die Vorurteile kennen. Nur so kann man sie entkräften.

Interview: Karin Schulze

Schwarzarbeit in Jesteburg, Kunsthaus Jesteburg (Niedersachsen), voraussichtlich bis 21.1.

 


 Dieser Text ist ein Auszug aus SZENE HAMBURG, Dezember 2017. Das Magazin ist seit 22. Dezember 2017 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!

Kunst-Feierei: Die Millerntor Gallery#7

Die Millerntor Gallery steht bereits zum siebten Mal in den Startlöchern. Vom 29. Juni bis zum 2. Juli verwandelt sich das Millerntor-Stadion wieder in eine offene Plattform für Dialog und Austausch auf interkultureller Ebene – mit zeitgenössischer Kunst und vielen Music Acts

Millerntor_Gallery

Das Stadion wird zur Galerie. ©Stefan Groenveld

Utopien sollen auch dieses Mal wieder reichlich Platz bekommen. Das Social Art Festival, initiiert von Viva con Agua und dem FC St. Pauli steht diesmal unter dem Leitthema „Wasser für alle“ – mitdenken und mitgestalten sind gefragt.

100 internationale und lokale Künstler werden in der Millerntor Gallery ausstellen

Bei der Aktivierung für kreatives Engagement haben die Millerntor Gallery und der FC St. Pauli bereits den ersten großen Schritt gemacht: Gemeinsam hatten sie erstmals die größte und wichtigste Wand der Ausstellung im Millerntor-Stadion öffentlich zur Gestaltung ausgeschrieben. Der Siegerentwurf soll nun das bisherige Kunstwerk des Künstlerduos Herakut ablösen.

Millerntor Gallery

Kunst macht Laune. Foto: ©Stefan Groenveld

Zudem werden rund 100 internationale und lokale Künstler in der Millerntor Gallery ausstellen – darunter unter anderem Okuda, Andreas Preis, Katie Armstrong, MadC, Nychos und Pum Pum.

 

Waren auch schon mal dabei: Max Herre und Clueso. Foto: ©Stefan Groenveld

Das Bühnenkonzept verspricht dazu Großartiges: Fettes Brot, Bela. B. und DJ Mad haben als Bühnenpaten das Line-up für je einen Tag erstellt.

Die Millerntor Gallery setzt auch dieses Mal auf ein interaktives Kulturprogramm: Dazu gehören unter anderem Discover Football, die Mädchenfussballworkshops anbieten, und Tatkräftig e.V., die zeigen, dass auch ein Kurzzeitengagement nachhaltige Effekte bringen kann.

/ ILO / Fotos/ Beitragsbild:  ©Stefan Groenveld

29.6.-2.7.17, Millerntor Gallery im Millerntorstadion, www.millerntorgallery.org

Blurred Edges 2017. Offenheit für die Ohren

Urbane Kultur für Hamburg! Das Festival präsentiert analoge sowie elektronische Sounds in Fieldrecording, Komposition, Improvisation, Film, Performances und Ausstellungen

Frei sollen sie sein, die teilnehmenden Künstler ebenso wie die Besucher des Festivals für aktuelle Musik Hamburg: Blurred Edges. Deshalb sind Songs und Sounds auch über die gesamte Stadt verteilt.

Zum zwölften Mal erlebt Hamburg, wie es klingt, wenn an 32 völlig verschiedenen Orten Konzerte, Ausstellungen, Filme und Performances stattfinden.

Ob im Park Fiction, in der Hanseplatte, der Alfred Schnittke Akademie oder Baustelleeins: Dutzende Künstler werden für ein spektakuläres und dabei doch angenehm unaufgeregtes Hörerlebnis sorgen.

Erstmals steht in diesem Jahr das Projekt „SoundCaching“ auf dem Blurred Edges-Programm: Besucher laufen hierbei bestimmte Punkte in der Stadt ab und finden versteckte QR Codes, die es ihnen ermöglichen, eigens für die jeweiligen Orte komponierte Klänge auf dem Smartphone abzuspielen – ein noch nie dagewesenes, faszinierendes Hamburger Hör-Abendteuer.

/ EBH /Foto: Foto- Sarah Bernhard

Das Festival findet vom 2.-18.6.17 statt. Alle Infos und Veranstaltungsorte unter: www.blurrededges.de. Das Programmheft findet ihr hier!

 

Festivals 2017. Part II

Mehr Musik, Theater, Bewegung, Essen, Kunst, Film! Weiter geht’s mit unserer Festival-Übersicht 2017 für Hamburg. Und darüber hinaus…

 

Movimentos

Internationale Künstler treten im Rahmen der Movimentos Festwochen auf.

Aktueller könnte das Thema der 15. Movimentos Festwochen nicht sein. Noch bis zum 21. Mai tanzen internationale Künstler tanzen Künstler aus aller Welt über die Bühnen der Autostadt in Wolfsburg – im Zeichen der Freiheit. Fünf internationale Tanzcompanys – sechs Deutschlandpremieren, Ballett, Flamenco oder eine Arbeit des auch auf Kampnagel gern gesehenen Gast Sidi Larbi Cherkaoui, die sich um 3,5 Tonnen Lehm aufbaut. Ein Ausflug, der sich lohnt.

Autostadt Wolfsburg, Karten gibt es telefonisch unter 0800 – 288 678 238 oder hier

Seit 2000 ist die Summer-Opening Party fester Bestandteil im Park von Entenwerder, hier gibt es Trans-Mukke und Techno-Beats auf zwei Floors.

Entenwerder Elbpark (Rothenburgsort) 14 Uhr

 

Im Alten Land wird auch in diesem Jahr wieder die Blumenkönigin gekrönt und das mit viel Drumherum. Es gibt einige Bühnen und viele unterschiedliche Stände wo selbstgefertigte Ware angeboten wird.

Jork Ortskern, Sa 11, So 10 Uhr

Die ersten Tage des neuen Monats sollte man getrost auf das Couch-gammeln verzichten. Stattdessen lässt es sich gut aushalten im Strand Pauli wo wieder Deep-House und Techno Sets an diesem Wochenende einziehen. Mit Felix Kröcher, Dennis Cruz und Surreal sind einige bekannte Gesichter dabei.

Strand Pauli Hafenstraße 89 ( St. Pauli). Ab 10 Uhr

Hafengeburtstag

Feierei auf und an der Elbe: die NDR Bühne – auf dem Hafengeburtstag 2016 – Foto: Axel Herzig

Der Hamburger Hafen hat ein weiteres Jährchen auf dem Buckel, das wird gebührend zelebriert. Am besten mit dem echt coolen Musikprogramm beim alternativen Hafengeburtstag.

Fr-So 5.–7.5. entlang der Hafenstraße, Hamburger Hafen, 8 Uhr

 

Zur Zeit des Hafengeburtstages feiern die Drag-Queens ihre eigene große Party auf der alle herzlich willkommen sind. Es finden Konzerte und Burlesque Shows statt immer mit viel Glamour und funkelnden Kostümchen.

Fischauktionshalle, Große Elbstraße 9 (Altona- Altstadt), 14 Uhr

 

Vorbei im Juni die Massen nach Scheeßel pilgern, gibt es auch ein kleines beschauliches Festival in dem kleinen Ort in Niedersachsen. Vor allem Musiker aus der Umgebung treten hier auf und tragen zum gemütlichen Heimatabend bei.

Westerveseder Landstraße ( Scheeßel), 15.30 Uhr

 

Funk, Soul, RnB- Hauptsache es geht in die Knochen.

Sommerlich wird es bei den Aktivitäten wie einer Bootsfahrt oder einer Beachparty mit anschließendem BBQ. Wer will da schon in den Süden?

Im Knust, Central Park, Grünspan, Indra und auf der MS Koi, Sa ab 12 Uhr,20 Uhr, 23 Uhr, So ab 14 Uhr

 

Am verlängerten Mai-Wochenende wird es wild in Vechta bei Bremen. EDM und Trap-Musik dröhnen aus den Boxen, sodass kein Fuß still bleibt.

Stoppelmarkt Vechta

Theater der Welt

Nach über 25 Jahren findet sich das Theater-Ereignis wieder in mehreren Spielstätten der Hansestadt ein. Schauspieler aus über 30 Nationen sind zu Gast und stellen die unterschiedlichsten Produktionen von klassisch bis avantgardistisch vor.

An unterschiedlichen Tagen, im Thalia Theater, Kampnagel und Hafen ab 17; 18; 19; 20; 21 Uhr

 

Seit über 30 Jahren feiert Hamburg im Sommer den unabhängigen Kurzfilm. In verschiedenen Kategorien trifft hier die internationale Filmszene zusammen, egal ob professionell oder Amateur, die Hamburger empfangen sie mit offenen Armen.

In unterschiedlichen Kinos 

Festival

Craft Market : Was das Hipster-Herz in Sachen Bier begehrt, hat die Rindermarkhalle in diesen Tagen zu bieten. Mit kleinen Bierpröbchen durch den Tag lässt es sich gut und gerne eine ganz Weile durch die Craft Beer Welt schlendern.

An der Rindermarkthalle, Neuer Kamp 31 (St. Pauli)

 

Das schöne Straßenfest beginnt in diesem Jahr sogar schon ein Stückchen früher..Die Altonale ist ein Kind aus Liebe und mit ganz viel Zuwendung behandelt, deshalb freuen wir uns wenn es wieder losgeht mit Kunst, Musik, Artistik und Tanz.

Große Bergstraße (Altona)

  • STAMP Festival 16.- 18. Juni

Jede Menge Kultur – umsonst und draußen.The Street Art Melting Pot – kurz STAMP bietet einen schrillen Mix aus Urban Art, Straßentheater und Hip Hop.

16.-18. Juni, verschiedene Orte

 

Wer Hamburg sagt, muss auch Fischbrötchen sagen. Zu Ehren des schmackhaften Matjes gibt es auch in diesem Jahr ein Festival in der Fischauktionshalle.

19.06., 18 Uhr, Fischauktionshalle, Große Elbstraße 9 (Altona-Altstadt)

 

Festivals

Lässiges Rasen-Chillen. Foto: Pexels

„Ich hab noch 10 Bänder von Scheeßel um den Arm!“ Alteingesessene wie aber auch Neulinge können sich dieses Jahr wieder auf eine geballte Ladung Rockmukke mit Matsch-Alarm freuen. Die Alt-Herren von Green Day und Linkin Park lassen sich auch blicken.

Scheeßel, 14 Uhr

 

Im Umfeld einen Flughafen lässt es sich schön feiern; eine riesige Fläche dank ausgedehnter Rollfelder und ein ziemlich cooler Ausblick gen Elbe.

Terminal Hamburg

 

Der Kreativvulkan St. Pauli spuckt so einige Künstler aus, manche internationale lassen sich auch gerne hier in der heißen Ecke nieder. Von einigen werden im Millerntor Stadion einige Werke ausgestellt, es wird musiziert und inszeniert.

Millerntorstadion Heiligengeistfeld ( St. Pauli)

 

Über acht Wochen streckt sich das Klassik- Festival was an über 50 Standorten sein zuhause hat. Bis an die Grenzen des nördlichsten Bundeslandes, von Niedersachsen bis Dänemark, wird gefeiert. Im Zentrum steht diesjährig der Mandolinenvirtuose Avi Avital aus Israel.

Hamburg, Schleswig- Holstein, Niedersachsen und Dänemark

 

Das von Oliver Koletzki ins Leben gerufene Label „Stil vor Talent“ hat sich seine Künstler zusammen geklaubt für ein Open- Air was Sommer, Sonne und Deep-House- Sets auf dem Wilhelmsburger Deich verspricht. Wer der Festival verschläft kann sich am nächsten Tag in den Zug setzten und nach Berlin düsen, wo es am darauffolgenden Tag stattfindet.

Reiherstieg Hauptdeich Ecke Alte Schleuse (Wilhelmsburg)

 

Im Sommer gibt’s wieder Freiluftkino im Innenhof des Rathauses Altona: Dann naschen die Cineasten Popcorn unter freiem Himmel und schauen abwechselnd auf die Leinwand oder in die Sterne.

6.7. – 26.8., Rathaus Altona 

 

Umsonst und draußen- gibt es etwas Besseres?   Das Wutzrock Festival steht für den ultimativen Festivalgedanken, ein Event im Freien und das ganze auch null kommerziell. Hier treten Neu-Bands und Hamburger Urgesteine der Punk- und Rockszene auf.

Eichbaumsee, 14 bzw. 18 Uhr

 

Hier wird abgerockt und in Schlammfützen gesprungen, zu dem Sound von Placebo, Biffy Clyro und Billy Talent.

Seeflugzeughafen Cuxhaven/Nordholz, 10 Uhr

Festival

Peace. Was zählt ist die Musik…

Seit zwei Jahrzehnten wird das Duckstein Festival nun bereits ausgerichtet. Früher noch unter dem Namen Fleetfestival bekannt, ist es der Fläche der Insel entwachsen und nun in der HafenCity anzufinden. Hier kann man Straßentheater, Musiksessions und Akrobatik bestaunen.

Osakaallee(HafenCity) Mo bis Do 18, Fr 16, Sa- So 12 Uhr

 

Ein Buntes Treiben in Horn. Das Seidenkleid sollte besser daheim bleiben, denn dank Farbpulver bleibt hier keine Pore frei von rosa, blau oder grün.

Galopprennbahn Horn, Rennbahnstraße 96 (Horn)

 

Am Strand von Prora mehrt sich das künstlerische Beisammensein zum fünften Mal. Die Zehen im Sand, die Sonne die auf den Kopf scheinend und der herrliche Meeresduft. Da lässt es sich schön entspannen aber auch ordentlich abgehen; je nach Musikstil der gerade läuft.

Mukraner Straße 15 Ostseebad Binz – Prora

 

Hier wird aufgelegt bis die Äste wackeln, und zwar feinste elektronische Musik. Zum vierten Mal in Folge wird hier ganz schön Rabatz gemacht und die Umgebung mit buntem Schmuck verziert.

Hamburger Stadtpark, 12 Uhr

 

Eine Schifffahrt die ist lustig, eine Schifffahrt die ist schön! Dabei die Hamburger Skyline hinter und die untergehende Sonne vor sich. Nix für Landratten und Musikmuffel.

Verschiedene Schiffe/ Hamburger Hafen

 

Der indische Brauch ist längst zu einer Riesenhype in ganz Deutschlands geworden. Hier wird mit allen Farben des Regenbogens fröhlich umher geschmissen und zu elektronischen Klängen abgetanzt.

Volkspark Stadion, Sylvesterallee 7 (Bahrenfeld) 12 Uhr

 

Zum sechsten Mal werden hier Punchlines gespittet und HipHop Platten aufgelegt. Mit dabei unteranderem Neuling und Durchstarter Loyle Carner aus England und die Hamburgerin Hayati.

Schlengendeich 12 (Wilhelmsburg) ab 13.30 Uhr

 

Mit Federn beschmückt und pfauenhafter Eleganz tänzelt das Völcken (Oder Vögelchen) durch die Nacht. Unterlegt von elektronischem Vogelgezwitscher kommt der Abend sehr schnell und auch die Nacht-Eulen gesellen sich hinzu.

Alte Schleuse 23 (Wilhelsmburg), 16 Uhr

 

Alles in Butter ! An einem Sonntag im August kann es wohl nichts Schöneres geben als ein Tag im Freien zu verbringen. Bis zum Morgengrauen mit nie enden wollender Musik.

Alte Schleuse 23 (Wilhelmsburg) 14 Uhr

 

Radikal-ästhetisch und poptheoretisch-interessant – so die Beschreibung der Tanz-, Theater-, Musik-Performances vom und im Kampnagel und weiteren Standorten. Hier werden aktuelle Themen der Medienwelt auf besondere Art und Weise gestaltet und vorgestellt.

Jarrestraße 20 (Winterhude) Anfangszeiten zwischen 17 & 20 Uhr

Moderat, Flume, SOHN – das Line-up hat einiges zu bieten in diesem Schnapsjahr. Augen und Ohren offen halten!

Schlengendeich 12 in Wilhelmsburg

 

Metal nach Maß. Hier wird kontrolliert abgerockt und geheadbangt, unter anderem mit Bullet for my Valentine und Megadeth.

Großmarkt, Hamburg

 

Beim St. Pauli Winzerfest präsentieren sechs deutsche Winzer ihre Weine aus eigener Herstellung auf dem Spielbudenplatz. Auch fürs Leibliche Wohl ist gesorgt, mit Speisen und Live-Musik.

Spielbudenplatz , St. Pauli

Bosse in Münster. Foto: Christian Glatthor / Rocketchris Photography

Sommer im Freien mit Kunst und Konzerten, unter anderem an der Trabrennbahn Bahrenfeld. Bislang bestätigte Acts sind Bosse (26.8.) und Deichkind (25.8.).

Trabrennbahn Bahrenfeld

 

Heiße Rhythmen, Trommeln und lecker authentisches Essen. Beim Afrikafestival wird mit viel Liebe der ganze Kontinent repräsentiert.

Große Bergstraße (Altona-Altstadt), Fr 16, Sa 13, So 12 Uhr

 

25 Jahre „Die Sterne“ ! Das wird nicht irgendwo gefeiert, sondern in der Stadt wo alles seinen Anfang hatte. Unterstützung bekommen die Jungs der Hamburger Schule von Madsen, Polyester und weiteren Bands. Am besten packt ihr euren Nachbarn und die nette Verkäuferin von nebenan ein- denn es müssen schließlich alle mit.

2.9., Stade

Festival

Biegsam im Park. Yoga. Wasser. Klang

Ruhe, in sich kehren, den inneren Mittelpunkt finden. Yoga verspricht die vollkommene Zufriedenheit. Am schönsten ist es draußen in der Natur, für einen Städter ein- im wahrsten Sinne des Wortes- schweres Pflaster. Im Botanischen Garten von Hamburg gibt es jedoch die Möglichkeit dem Alltagstrott zu entfliehen. Mit Massagen, Meditationsübungen und einem Markt wird das Herz eines jeden Sonnengrüßerls beglückt.

Planten un Blomen (Neustadt)

 

Mitten in der City, kein Eintritt und Astra in Massen. Das verkaufte Bier finanziert die Bands, die an den Tagen ordentliche Rock-Shows abliefern.

Rathausmarkt ab 10 Uhr

Reeperbahnfestival

Kunst und Musik auf dem Reeperbahn Festival

Wenn es wettertechnisch wieder schlechter wird, gibt es um die Reeperbahn herum nochmal ein paar ganz heiße Termine. In diesem Jahr ist Kanada das Partnerland des Club-Festivals. Eine bunte Mischung aus Jam-Sessions in Plattenläden, Kellerkonzerten, Lesungen und Kunstinstallationen.

20. – 23.9. rund um die Reeperbahn

Beitragsbild: Ulf Duda

(1.4.) Kunst, Armin Chodzinski, Galerie im Marstall Ahrensburg, ab 11 Uhr

Schon früh rüttelte der Künstler an den Pforten der deutschen Wirtschaft: Armin Chodzinski muss ins Management hieß sein Projekt. Tatsächlich: Irgendwann nach Ende seines Braunschweiger Kunststudiums brachte er es zum Assistenten der Geschäftsführung bei Spar. Und obendrein hat er in dem Fach mit dem schönen Namen Anthropogeografie über das Verhältnis von Kunst und Wirtschaft promoviert.

Heute arbeitet Chodzinski als Künstler, Autor und Performer, ist aber auch noch als künstlerischer Beirat für Unternehmen tätig. Er setzt seine Gratwanderung zwischen Ästhetik und Ökonomie also fort. Auch mit seiner neuesten Ausstellung. Den großen Saal des Marstalls in Ahrensburg kleiden Blätter aus: Texte in ordentlichen Linien, die frei assoziierend in einem Prozess automatischen Schreibens entstanden sind, und kühle, kristalline Zeichnungen, die Organigrafen gleichen: also einem derzeit beliebten Managementtool, das Unternehmensprozesse grafisch darstellt.

Die zahllosen Manuskripte und Grafiken bezeugen eine fast manische Sehnsucht nach Welterfassung, Überblick, Verstehen – und das Unzureichende dieser Anstrengungen. Auf Scheitern verweisen auch mit Zeichnungen überzogene Paneele, die aus einer Raumecke hervorquellen wie im Hinabgleiten eingefrorene Eisschollen – was wie ein absichtlich müder Abglanz von Caspar David Friedrichs Eismeer wirkt. Am Eröffnungsabend ließ eine Nebelmaschine darunter ihre schön verunklarenden Schwaden hervorquellen und den Betrachter zum Wanderer über dem Nebelmeer werden.

Romantische Ironie

Mit dem Ausstellungstitel „Eismeer und Nebelwanderer“ verweist der Künstler ganz direkt auf den romantischen Meistermaler. Und Chodzinski geht noch weiter: Was der Romantik die Landschaften waren, seien dem 21.Jahrhundert die Organigrafen. Was der Romantik die Erhabenheit der Natur war, wären dann der Gegenwart die Versprechen und Schrecken der Wirtschaft?

Schwer zu fassen sind Chodzinskis Verknotungen von Kunst und Wirtschaft bestimmt. Sinnvoll sind sie vielleicht, weil die Relativierung von scheinbaren Gewissheiten, die der ästhetischen Sphäre eignet, auch der ökonomischen gut tut. Aber vielleicht versteht man das alles ja am ehesten, wenn man sich an Friedrich Schlegels romantische Ironie hält: an das „Erstaunen des denkenden Geistes über sich selbst, was sich oft in ein leises Lächeln auflöst“.

/ Karin Schulze / Foto: Sparkassen-Kulturstiftung Stormarn, Hayo Heye

Galerie im Marstall Ahrensburg
1.4.18, 11-17 Uhr