45Hertz: Beats am Fernsehturm

Sommerzeit ist Open Air-Zeit und das gilt auch für das 45Hertz Open Air Festival. Vom 5. bis 14. August gibt’s beste Live-Musik aus den verschiedensten Musik-Genres und ein besonderes Konzert zum Abschluss

Text: Felix Willeke & Isabel Rauhut

2022 sind viele Festivals zurück, so auch das 45Hertz Open Air Festival. Nach der Premiere 2018, stehen auf dem Container-Gelände mitten in der Schanze mit dem Fernsehturm im Hintergrund dieses Jahr vom 5. bis 14. August wieder beste Liveacts auf der Bühne. Neben Elektro, Techno und HipHop gibt es außerdem viel Kunst und eine Tattoo-Station. Food und Drinks stehen bereit!

Den Auftakt macht, wie könnte es anders sein, am 5. August ab 17 Uhr das PAL. Nicht nur zählt der Club an der Messe zu den besten Techno-Clubs der Stadt, sie haben für den Auftakt des 45Hertz Festivals auch noch PartiBoi69 im Gepäck. Nach dem Techno-Gestampfe an der frischen Luft geht es für die Aftershow dann um die Ecke in den Club. Gefeiert wird so lange die Füße es aushalten.

Am Samstag, dem 6. August, geht es ab 14 Uhr mit Musik von unter anderem Doctor Dru weiter. Und wer sich am Wochenende durch den CSD getanzt hat, den erwartet beim 45Hertz Festival am Sonntag, den 7. August, der perfekte Abschluss. Beim Katermukke Open Air kann ab 14 Uhr weiter getanzt werden und bei der Aftershow im Volt endet die Party erst mit Sonnenaufgang.

Oli P. Birthday Bash

Doch ein 45Hertz Festival wäre nichts, ohne seinen Liebling: Gerade erst hat Oli P. mit „Hey Freiheit“ einen neuen Song veröffentlicht – für das 45Hertz beruft er sich auf seine Fähigkeiten hinter den Plattentellern und feiert am 10. August auf dem Gelände ab 17 Uhr seinen Geburtstag.

Seit gut zwei Jahren gibt es gutistgut, die Crew um Mela, Watson und Das Bo. Diese präsentieren am 12. August ab 15 Uhr das kleine Festivälchen der Freundschaft. Dazu laden sie neben Sutsche und Torino natürlich auch die gutistgut-Allstars Das BO, DJ Plazebo und Luis Baltes ein. Bei der Aftershow im Volt ist dann auch das Fünf Sterne Sound System mit dabei.

HipHop Heads hier hin: DOPAMIN Open Air

Das neue DOPAMIN Open Air wird Auslöser für urbane Glücksgefühle: Als Teil des 45Hertz Festivals findet das erste DOPAMIN Open Air am Samstag den 13. August 2022 statt. Zehn Liveacts, diverse Side Events und starke Surprise Acts sorgen mit besten HipHop-Beats für geschmeidige Vibes.

Nicht nur auf der Bühne zwischen den großen Containern sorgen Acts wie Reezy, Aisha Vibes, Ansu und BOOZ für Abriss. Auch im Anschluss gibt es Turn-up – zu Fuß geht’s ins Volt zur Blockparty und Aftershow um die Ecke. Tickets für das DOPAMIN Open Air gibt’s aktuell noch für 26 Euro. Für mehr Informationen: dopamin-music.de

Ein Jahr Kabul Luftbrücke

Nach so viel Party und fetten Sounds wird es zum Abschluss des 45Hertz Festival nochmal ernst: In Afghanistans Hauptstadt Kabul wurde im Lichte des Einmarsches und der Machtübernahme der Taliban 2021 eine Luftbrücke eingerichtet. Genau daran erinnert das Open Air mit „1 Jahr Kabul Luftbrücke“ am 14. August ab 15.30 Uhr. Gemeinsam mit „Kabul Luftbrücke“, einer Initiative des gemeinnützigen Vereins Civilfleet-Support, veranstaltet das 45Hertz mit Hamburg Konzerte so ein OpenAir der besonderen Art. Ziel ist es, gemeinsam mit Musiker:innen wie Georg auf Lieder, Madsen und Raum 27 ein lautes Zeichen zu setzen und so viele Spenden wie möglich zu sammeln.


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

Habitat Festival: 36 Stunden Rave

Im Juli bekommt Hamburg mit dem Habitat ein neues Technofestival. Das Habitat zieht vom Flugplatz Hungriger Wolf nahe Itzehoe auf das MS Dockville-Gelände in Wilhelmsburg. Crewmitglieder Klara Thiele und Arne Empen berichten vom Umzug, neuen Perspektiven und einem ganz besonderen Line-up

Interview: Ole Masch

SZENE HAMBURG: Klara und Arne, warum findet das Habitat Festival nicht mehr in Hohenlockstedt statt?

Klara: Der Flugplatz, welcher uns jahrelang eine Basis geboten hat, darf aufgrund behördlicher Anordnungen leider nicht mehr genutzt werden. Die Feldlerche – ein Vogel, der unter Naturschutz steht – brütet dort.

Wie kam es zum Umzug nach Hamburg?

Klara: Es war klar, dass wir nicht weiterhin in Hohenlockstedt unsere Zelte aufschlagen konnten. Wir haben alle Möglichkeiten abgewogen und uns für den Umzug nach Hamburg entschieden – das Gelände war uns bereits bekannt. Wir finden unseren neuen Heimathafen also in Wilhelmsburg auf dem Gelände des MS Artville. Dieser Ort ist so charmant, weil er sich mitten auf der Hamburger Insel umgeben von einem Potpourri aus Hafenindustrie und massig Grün befindet. Der Umzug bietet uns die Chance, neue Perspektiven einzunehmen und uns weiterzuentwickeln, sodass wir ein anderes, aber mindestens gewohnt zauberhaftes Habitat Festival feiern können.

Welche Perspektiven sind das?

Arne: Der neue Standort ist für unsere Besucher:innen deutlich leichter erreichbar und besser an den Nahverkehr angebunden. Für manche Hamburger:innen war der Weg nach Hohenlockstedt vielleicht zu weit; jetzt reicht ein Sprung über die Elbe. Hier besteht eine diversere Infrastruktur sowie das Wissen, dass wir diese nutzen können. Das Habitat ist mit acht Bühnen und etwa 60 Acts zudem auch das größte Technofestival der Stadt.

Habitat Festival Crew-c-(l)JoHendrikHamann_(r)AnnikaNebe-klein
Bringen mit dem Habitat Festival Techno von Schleswig-Holstein nach Hamburg: Arne Empen (l.) und Klara Thiele (r.) (Fotos: Jo-Hendrik Hamann & Annika Nebe)

„Einem langen und lauten Habitat steht nichts im Weg“

Ihr sprecht beim Umzug von einem Balanceakt, der mit Anpassungen des Konzeptes einhergeht …

Arne: Genau – wir feiern in diesem Jahr zwei statt vier Tage. Dafür aber durchgängig! Zum Ausgleich dürfen Menschen, die Tickets aus 2020 behalten haben, eine Person umsonst mitnehmen.

Klara: Das Gelände ist konzeptuell natürlich auch wichtig. Den „Techno-bunker“ aka den Hangar-Floor wird es beispielsweise nicht mehr in Wilhelmsburg geben – dafür aber lauter neue, spannende Floors und Ecken. Wir haben keine Zweifel, dass auch hier ein einzigartiges Gemeinschaftsgefühl auf den neuen Flächen entsteht.

Gibt es Einschränkungen wegen der Lautstärke?

Arne: Festivals in der Nähe von Wohnorten müssen sich immer mit Lautstärke-Begrenzungen auseinandersetzen. Auch das ist eine Frage der Genehmigung. In Bezug auf dieses Thema haben wir mit dem Standort in Wilhelmsburg sehr ähnliche Voraussetzungen wie in Itzehoe. Das ist für Besucher:innen sowieso kaum spürbar. Einem langen und lauten Habitat steht nichts im Weg.

Der Startschuss für die Wilhelmsburger Festivalsaison

Wie wird das Gelände gestaltet?

Klara: Das Habitat Festival ist in diesem Jahr die erste Veranstaltung auf dem Wilhelmsburger Gelände und somit quasi der Startschuss für die Wilhelmsburger Festivalsaison! Obwohl auch andere Veranstaltungen dort stattfinden, wird das Habitat einen eigenen Look bekommen. Die einzelnen Bereiche des Geländes werden besonders gestaltet, sodass eine ganz eigene Idylle entsteht. Zu viel möchten wir noch nicht verraten, aber es wird keinesfalls genauso wie beim MS Dockville aussehen. Auch programmatisch nutzen wir einige Floors deutlich anders als zum MS Dockville.

„Die einzelnen Bereiche des Geländes werden besonders gestaltet, sodass eine ganz eigene Idylle entsteht.“

Klara Thiele

Welche Floors und Bühnen gibt es?

Arne: Von den acht Floors widmen wir sechs allen Facetten der elektronischen Musik von Techno über House bis hin zu Drum & Bass. Wir sind auf Ellen Allien und Gerd Janson gespannt, welche beide die Szene schon seit vielen Jahren prägen: Ellen Allien als Vorreiterin für weibliche DJs und Gerd Janson, der durch seine sorgfältige Trackselektion gerne als „the DJs DJ“ bezeichnet wird. Zwischen beiden spielt Patrick Mason, der bereits im PAL begeistert hat. Dann gibt es noch zwei Floors für Bands und Live-Acts. Auf einer Bühne davon wird Rap & HipHop performt.

Hier freuen wir uns schon sehr auf Goldy MP3 & Young Meyerlack. Last, but not least läuft auf der achten Bühne Konzertprogramm. Hier spielen unter anderem Martin Kohlstedt und Shkoon. Also: ein vielfältiges und aufregendes Programm, das den Timetable mehr als ausfüllt – klassisch Habitat und doch perfekt für ein durchgängiges Festival und 36 Stunden Rave, Erlebnis und Alltagsflucht. Neben den vielen Floors gibt es noch weitere Bereiche zum Chillen, wo auch Themen wie Awareness und Psy-Care ihren Platz finden. Auf diesen Flächen werden wir auch Workshops anbieten.

Lokale Szene-Acts und größere, internationale Künstler:innen

Gibt es weitere Acts, auf die ihr euch besonders freut?

Klara: Ich freue mich auf die bunte Mischung aus lokalen Szene-Acts und größeren, auch internationalen Künstler:innen. Tama Modus & Maly sowie Patrick Mason sind nur zwei meiner Highlights.

Arne: Wir haben viele Bookings von spannenden Newcomer:innen im Angebot, die teilweise noch nie oder seit sehr langer Zeit nicht mehr in Hamburg aufgelegt haben, wie Shinedoe aus Amsterdam, die Vinyl-Liebhaberin Paquita Gordon aus Italien oder auch Cyan85 aus Leipzig. In unserem Team gibt es aber auch viele Fans von RSS Disco, die das Festival eröffnen oder von Héctor Oaks, der zum Closing Sonntagabend am Start ist. Auch viele lokale Acts sind sehr wichtig für das Festival, ebenso das Urwerk – den Floor kennt die hiesige Szene schon gut, würde ich sagen.

Sneak Peak auf das MS Artville?

Was wird es neben der Musik noch zu erleben geben?

Klara: Unser Gelände ist wirklich einmalig! Einer der schönsten Orte Hamburgs, wenn du mich fragst. Hier gibt es viele kleine Ecken zu entdecken. Es darf verweilt, gespielt und natürlich wild gefeiert werden. Jeden Floor umgibt ein ganz eigener Zauber. Außerdem erhaschen unsere Besucher:innen schon einen Blick auf die neue Kunst des MS Artville, bevor das Kunstfestival offiziell eröffnet.

Könnt ihr auf Regen reagieren?

Arne: Das Gelände bietet zwei Indoor-Floors und weitere überdachte Bereiche. Sollte Regen angesagt sein, sind gute Schuhe und eine schützende Jacke aber auf jeden Fall angebracht. Darauf weisen wir unsere Gäst:innen aber auch rechtzeitig hin. Wie heißt es so schön? Es gibt kein schlechtes Wetter, nur die falsche Kleidung!

Kann man auf dem Gelände campen?

Klara: Aus genehmigungstechnischen Gründen darf in diesem Jahr leider nicht auf unserem Gelände gecampt werden. Auf Anfrage via Instagram-DM geben wir gern Tipps zu den nächsten Schlafmöglichkeiten heraus.

„Ein durchgängiges Festival und 36 Stunden Rave, Erlebnis und Alltagsflucht.“

Arne Empen

Ausblick und Vorfreude

Wird es zwischendurch Feierpausen geben?

Klara: Wir werden die Party Samstagmittag eröffnen und feiern dann nonstop bis Sonntag in die Nacht. Es gibt also zumindest keine angeordnete Feierpause, aber selbstverständlich schaffen wir Orte zum Ausruhen und Erholen.

Gibt es Tagestickets?

Klara: In unserem Ticketshop sind neben den Tickets, die von Samstag bis Sonntag gelten auch Tickets nur für den Sonntag erhältlich. Wenn wir vorab nicht ausverkauft sein werden, was aktuell schwierig vorherzusehen ist, wird es für Kurzentschlossene auch eine Abendkasse am Gelände geben, die in diesem Fall wohl eher Morgenkasse sein wird. Auf Instagram und unserer Homepage kommunizieren wir alle aktuellen Informationen.

Wollt ihr auch in den nächsten Jahren in Wilhelmsburg bleiben?

Arne: Im kommenden Jahr werden wir die Situation neu bewerten. Da die Feldlerche aber vermutlich nicht einfach so wieder verschwindet, haben wir uns erst einmal vom Hungrigen Wolf verabschiedet und freuen uns auch auf den neuen Ort. Mit Glück können wir hier 2023 dann auch wieder Camping anbieten und an mehr als zwei Tagen veranstalten. Auch das liegt nicht ganz in unseren Händen, sondern ist eine Frage der Genehmigung. Jetzt freuen wir uns aber erst mal auf dieses Jahr!

Habitat Festival, 16. bis 17. Juli 2022 ab 14 Uhr auf dem MS Dockville-Gelände am Reiherstieg Hauptdeich


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

Go_A: „Das Böse hat Angst vor der Wahrheit“

Die ukrainische „Go_A“ Band musste aus bekannten Gründen ihr Hamburg-Konzert im April verschieben. Im Kurzinterview erzählt Frontfrau Kateryna Pavlenko, wie es ihr und ihren Kollegen geht

Interview: Erik Brandt-Höge

SZENE HAMBURG: Kateryna, mittlerweile seid ihr raus aus der Ukraine und fern des schrecklichen Krieges. Sicher vergeht aber kein Tag, an dem ihr nicht daran denkt. Magst du deine aktuelle Gefühlslage kurz beschreiben?

Kateryna Pavlenko: Der Krieg hat wirklich jeden Ukrainer getroffen. In den ersten Tagen des Krieges waren auch wir aus der Band gezwungen, unser Zuhause zu verlassen und Zuflucht an anderen Orten zu finden. Ich musste meine Wohnung in Kiew am 24. Februar um fünf Uhr morgens verlassen und bin in die Region um Tscherkassy gezogen. Ich konnte nicht mal meinen Laptop mit meinen Demo-Tracks mitnehmen – was letztlich natürlich unwichtig ist, wenn das Leben auf dem Spiel steht. Alles, was ich fortan brauchte, waren eh nur ein Platz zum Schlafen und Zugang zu Nachrichten. Mittlerweile fühlen wir uns an unseren Aufenthaltsorten sicher und wieder stark genug, uns auf Musik und Konzerte zu konzentrieren.

„Das, was gerade passiert, wird vermutlich immer in uns sein“

Ihr spielt auch wieder Konzerte in diesem Sommer, tretet auf Festivals auf. Sind das dann Stunden, in denen ihr wirklich nur an Musik denken könnt?

Vor dem 24. Februar haben wir uns enorm auf den coolen Festival-Sommer gefreut, der vor uns lag, hatten viele Pläne. Wir wollten zum Beispiel ein Album veröffentlichen und Musikvideos drehen. All das hat aber von jetzt auf gleich an Bedeutung verloren. Ich habe unseren Konzertmanager angerufen und gesagt, wir würden einige Shows absagen, andere auf 2023 verschieben. Wir haben uns irgendwann entschieden, wieder zu spielen, weil wir dadurch Spenden für die Ukraine sammeln können. Wir spielen in 29 Städten, 15 Ländern. Viele ukrainische Geflüchtete können uns dort sehen. Ob wir es schaffen, während der Konzerte mal nicht an den Krieg zu denken, weiß ich nicht. Das, was gerade passiert, wird vermutlich immer in uns sein.

„Jeder sollte die Ukraine unterstützen, wo er nur kann“ und „nicht leise sein“

Wird eure Musik fortan womöglich politischer ausfallen?

Wenn in unserem Land Krieg herrscht, weil jemand einmarschiert ist, um unsere Identität zu zerstören, ist erst mal alles um einen herum politisch. Was wir jetzt tun können und müssen, ist uns unsere Kultur zu bewahren und laut auszusprechen, was da gerade geschieht. Das Böse hat Angst vor der Wahrheit. Und Präsident Selenskyj hat es bei seiner Grammy-Rede schon gesagt: „Jeder sollte die Ukraine unterstützen, wo er nur kann“ und „nicht leise sein“.

„Go_A“, am 26. Februar 2023 live um 20 Uhr im Grünspan, Tickets ab 40 Euro

„Go_A“ live beim Eurovision Song Contest 2021:


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

Danger Dan: „Ich bin nimmersatt“

Mit der Antilopen Gang eh schon erfolgreich, katapultierte sich der Rapper mit seinem Klavieralbum „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“ noch mehr ins Rampenlicht. Das war nicht abzusehen, sagt Danger Dan im Interview kurz vor seinem Stadtpark-Konzert

Interview: Erik Brandt-Höge

SZENE HAMBURG: Danger Dan, planen oder mal abwarten?

Danger Dan: Eher planen. Bei mir ist es allerdings so, dass Planung immer eine Ablösung des Zufalls durch den Irrtum ist. Bis jetzt ist noch keiner meiner Pläne aufgegangen, aber das Gute ist, dass das, was stattdessen passiert ist, eigentlich noch besser war.

Ist es beim Schreiben von Musik auch so, zum Beispiel beim Schreiben am aktuellen Soloalbum? Du hast mal gesagt, am Anfang hättest du noch nicht gewusst, wo die textliche Reise hingehen würde.

Ja, das war schon immer so. Ich weiß gar nicht, ob ich jemals gezielt gedacht habe: So, ich schreibe jetzt einen Text darüber und darüber. Ich arbeite nie ein bestimmtes Thema ab. Stattdessen setze ich mich hin, und irgendwas passiert. Einen Tag später gucke ich mir den Text dann an und prüfe, ob er gut ist.

„Alleine kann ich leichter über Liebe schreiben“

Danger Dan

„In politischen Liedern rege ich mich meistens nur auf“

Und wenn du dich beim Schreiben für ein Thema entscheiden müsstest: Liebe oder Politik?

Schwierig. Beides Dinge, die mich schnell ergreifen. Ich bin inflationär schnell verliebt. Auch als ich das Soloalbum geschrieben habe, war ich extrem verliebt. Auf der anderen Seite beschäftigen mich politische Themen auch sehr. Gespräche mit Freunden drehen sich oft um Politisches. Müsste ich mich tatsächlich entscheiden, würde ich wahrscheinlich Liebeslieder nehmen, einfach, weil es darin um schönere Gefühle geht. In politischen Liedern rege ich mich meistens nur auf.

Fällt es dir grundsätzlich auch leichter, über Liebe zu schreiben?

Nein, das nicht. Das Schöne am Schreiben des Klavieralbums war, dass ich alleine geschrieben habe. Bei der Antilopen Gang schreiben ja immer drei Freunde gemeinsam. Alleine kann ich leichter über Liebe schreiben. Ich muss aber auch sagen, dass das Schreiben das eine ist – und das Vorspielen der Liebeslieder was ganz anderes. Als ich die Lieder anderen vorgespielt habe, habe ich mich richtig geschämt. Die Texte sind ja schon sehr intim.

„Ich jammere gerade eher“

Verschwand die Scham, als du gemerkt hast, wie sehr die Lieder den Leuten gefallen?

Ja. Mittlerweile habe ich beim Vorspielen keine Selbstzweifel mehr, sondern bin einfach nur stolz auf die Lieder.

Nächste Entscheidungsfrage: Hauptsache eine Message oder Hauptsache gute Unterhaltung?

Hauptsache gute Unterhaltung. Ich bin oft enttäuscht, wenn Musikerinnen oder Musiker versuchen, Messages zu transportieren, auf die sich eh alle einigen können: Klimawandel ist scheiße, Nazis sind scheiße, Gleichberechtigung ist gut. Das sind alles keine richtigen Messages mehr, das haben alle verstanden. Da bin ich lieber gut unterhalten. Es gibt natürlich auch den Fall, wenn beides zusammenkommen soll, die Message aber schlecht ist und ich am Ende total schlecht unterhalten bin. Gerade im Rapbereich ist es ja so, dass Texte gar nicht politisch gedacht sind, es aber eben doch sind, zum Beispiel, wenn da bestimmte Frauenbilder beschrieben werden. Das ist oft AfD-kompatibler, als den Autoren klar ist.

In Krisenzeiten: Jammern oder jetzt erst recht?

Die ehrliche Antwort ist, dass ich gerade eher jammere. Ich habe so eine Phase, in der ich geradezu handlungsunfähig bin.

Inwiefern?

Politisch. Politisch stört mich momentan so viel, aber ich jammere nur darüber.

„Von der Kunstfreiheit gedeckt“, für Danger Dan ein Überraschungserfolg

Zukunft vorhersehen: Nicht spannend genug

Was tröstet dich?

Die Konzerte, die ich endlich wieder spielen kann, und die vielen Leute, die da kommen.

Die Zukunft vorhersehen können: Ja oder nein?

Nein!

Weil du Angst davor hast?

Einerseits, und dann auch, weil meine Biografie deshalb so spannend ist, weil nie klar war, was aus diesem Typen noch werden würde. Es war immer alles offen. Ich wurde vom durchgedrehten Obdachlosen zum Sänger und Pianisten mit großem Renommee. Wenn ich das vorher gewusst hätte, wäre das überhaupt nicht spannend gewesen.

Ein ganz anderes Bild

Du scheinst auch nicht besonders gut darin zu sein, die Zukunft vorherzusagen – zumindest, was das Klavieralbum betrifft. Die Auflage hattest du ja enorm klein geplant.

Wir dachten, dass wir innerhalb der nächsten Jahre 500 Exemplare verkaufen können. Die waren allerdings schon innerhalb einer Nacht weg. Das hätte niemand prognostizieren können. Es ist ja Musik, die sehr wenig zeitgeistig ist und in der ein Rapper sich in einen ganz anderen Bereich bewegt. Dass Leute, die die Antilopen Gang hören, auch ein Klavieralbum von mir hören würden, war absolut nicht klar.

Kommen wir zum Umgang mit Erfolg: Genießen oder hinterfragen?

Sowohl als auch. Es ist doch ein bisschen viel geworden, ich werde in der U-Bahn erkannt und so. Ich habe auch durch Auftritte und Interviews ein Bild von mir gezeichnet, dass ich selbst gar nicht von mir habe.

Der Hunger soll bleiben

Wie ist denn dein Bild von dir?

Ich bin ein ganz normaler, verpeilter Typ. Dass wissen auch alle meine Freundinnen und Freunde. Und dieses Bild widerspricht der öffentlichen Figur doch sehr stark. Zudem werde ich immer mehr zu bestimmten politischen Themen gefragt, bei denen ich gar keine Expertise habe. Dieses Album ist zwar im Vergleich zu anderen sehr reflektiert, aber das bedeutet nicht, dass man sich auf mich berufen sollte, was irgendwas betrifft. Ich glaube nicht, dass ich ein guter Ratgeber bin.

Zum Schluss: Schnell zufrieden oder nimmersatt?

Ich bin nimmersatt. Ich habe gar keine Lust, irgendwo anzukommen, und ich hoffe, ich kann mir meinen Hunger aufs Leben bewahren.

Danger Dan spielt am 9. Juli um 19 Uhr beim Stadtpark Open Air;
SZENE HAMBURG verlost 2 x 2 Gästelistenplätze. E-Mail mit Name und Betreff „Danger Dan“ bis 5. Juli an verlosung@szene-hamburg.com


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

Sommer, Sonne, Festival

2022 gibt es endlich wieder einen richtigen Festival-Sommer. Von Kunst über Musik bis hin zu Party-Pur: hier kommen zehn Events, die man nicht verpassen sollte

Text: Felix Willeke

Schleswig-Holstein Musikfestival

Werftsommer 2021 ©Felix König-klein
Ein Highlight beim SHMF: der Werftsommer in der Kulturwerft Gollan in Lübeck (Foto: Felix König)

In Schleswig-Holstein findet seit 1986 eines der größten klassischen Musikfestivals Europas statt. 2022 steht die 37. Ausgabe des Schleswig-Holstein Musikfestivals (SHMF) ganz im Zeichen des Hamburger Komponisten Johannes Brahms und des israelischen Dirigenten Omer Meir Wellber. Vom 2. Juli bis zum 28. August gibt es 204 Konzerte in 123 Spielstätten an 65 Orten in Schleswig-Holstein, Dänemark, Hamburg und im Norden von Niedersachsen.

Darunter sind neben etablierten Konzerthäusern auch ungewöhnliche Orte wie der Hangar 7 der Lufthansa Technik in Hamburg, die Carlebach-Synagoge in Lübeck und die Kieler Gelehrtenschule. Auch wenn der Schwerpunkt die klassische Musik ist, hat das SHMF auch für die Fans des Pop, Jazz und Funk einiges zu bieten. So stehen beim Werftsommer in der Lübecker Kulturwerft Gollan unter anderem Zoe Wees, Gentleman und Moop Mama auf der Bühne – für nur 130 Euro gibt es sieben Konzerte in drei Tagen.

Schleswig-Holstein Musikfestival, vom 2. Juli bis 28. August 2022, diverse Spielorte

Habitat

Nachtleben Juli 2022 groß credit Timo Sommer-klein
Mit dem Habitat kommt das größte Techno-Festival der Stadt nach Wilhelmsburg (Foto: Timo Sommer)

Harburg hat ein neues Festival. Das Habitat Festival zieht vom Flugplatz Hungriger Wolf nahe Itzehoe auf das MS Dockville-Gelände in Wilhelmsburg. Damit ist ab Juli auch der Techno auf der Elbinsel zu Hause. Dauerte das Festival früher vier, sind es heute nur noch zwei Tage. Dafür wird aber durchgehend gefeiert. Am 16. und 17. Juli gibt es auf acht Bühnen 60 verschiedene Acts. Dabei gibt es vom Techno über House bis hin zu Drum & bass alles, was das Technoherz begehrt.

Mit dabei sind in diesem Jahr Ellen Allien, die als eine als Vorreiterin für weibliche DJs gilt. Dazu kommt der DJ der DJs, wie Gerd Janson immer mal wieder bezeichnet wird. Natürlich gibt es mit Künstler:innen wie Parick Mason auch Acs, die in Hamburg aus Clubs wie dem PAL schon lange gut bekannt sind. Und ein besonders Bonbon: Das Habitat eröffnet die Festival Saison in Wilhelmbsurg und vielleicht können die Besucher:innen auch schon einen ersten Blick auf die Kunst des MS Artville Festival erhaschen.

Habitat, am 16. & 17. Juli 2022 auf dem MS Dockville-Gelände

Spielbudenfestival

Geschwister Weisheit-c-Geschwister Weisheit-klein
Beim Spielbudenfestival zu Gast: Die weltklasse Hochseilartisten Geschwister Weisheit (Foto: Geschwister Weisheit)

Straßenkunst, das ist mehr als der Panflötenspieler in der Fußgängerzone. Wie vielfältig Straßenkunst sein kann, beweist vom 22. bis 24. Juli 2022 zum zweiten Mal das internationale Spielbudenfestival. Wo schon im Jahr 1795 Straßenkünstler:innen das Treiben in und zwischen den hölzernen Spielbuden bereicherten, verwandelt die Corny-Littmann-Stiftung den Platz in diesem Jahr erneut in ein großes, buntes Freilufttheater.

Mit dabei sind unter anderem die Geschwister Weisheit, eine der besten Hochseilartistengruppen weltweit, Jens Ohle, ein artistischer Comedian aus Hamburg und Shiva Grings ein Jazzer unter den Performancekünstler:innen. Das Spielbudenfestival ist am ganzen Wochenende kostenlos. Nach der Show gibt es aber bei allen Künstler:innen den Hut, bei dem die Besucher:innen angehalten sind, sich monetär für die Show zu bedanken.

Spielbudenfestival, 22. bis 24. Juli 2022 auf dem Spielbudenplatz

Spektrum & Vogelball

vogelball_c_andreas_hornoff_0283-klein
Der Vogelball braucht keine Erklärung, man muss ihn erleben (Foto: Andreas Hornoff)

Am 6. August gibt es auf dem MS Dockville-Gelände gleich zwei kleine Festivals mit großer Strahlkraft. Das Line-up des neunten Spektrum Festivals deckt wieder alle Facetten des HipHop und Rap ab. Musikalisch bewegt sich das Festival dabei zwischen Tradition und Grenzüberschreitungen. Mit dabei sind neben „Badmómzjay“ auch „Ezhel“, „Gianni Suave“ und der Hamburger „Disarstar“.

Parallel zum Spektrum gibt es 2022 auch wieder den Vogelball. Zu elektronischen Klängen versammeln sich seit 2011 Menschen als Vögel verkleidet auf dem MS Dockville-Gelände zum queeren Maskenball. Mit einem Programm aus Tanz, Musik und performativen Interventionen ist der Vogelball eines der wichtigsten Events der queeren Szene in Hamburg, 2022 unter anderem mit dem „ArtEmiss Tanz-Kollektiv“, „Best Boy Electric“ und „Godford“. Also setzt die Masken auf und freut euch auf einen Raum jenseits binärer Grenzen.

Vogelball und Spektrum, am 6. August 2022 auf dem MS Dockville-Gelände

Internationales Sommerfestival Kampnagel

IntSommerfestivalKampnagel-c-AnjaBeutler-klein
Das Internationale Sommerfestival Kampnagel macht den August zum Kulturmonat (Foto: Anja Beutler)

„We are back!“ heißt es auf der Homepage des Sommerfestival auf Kampnagel. Wie für viele Festivals feiert auch das Sommerfestival der Kulturfabrik in Winterhude nach der Corona-Pause sein Comeback, und was für eins! Los geht es am 10. August mit einer Weltpremiere: Die Choregrafin Oona Doherty präsentiert mit „Navy Blue“ ihr neuestes Werk mit weiteren Vorführungen am 11. und 13. August. Natürlich gibt es beim internationalen Sommerfestival auch Musik. Neben den Konzerten von „Arooj Aftab“ und „Jochen Distelmeyer“ gibt es 2022 auch wieder eine Kooperation des Sommerfestivals mit dem Elbphilharmonie Sommer.

Internationales Sommerfestival Kampnagel, 10. bis 28. August 2022 auf Kampnagel

Elbphilharmonie Kultursommer

Sons_of_Kemet_c_Udoma_Janssen (4)-klein
Ein Highlight beim Elbphilharmonie Sommer: Shabaka Hutchings (l.) mit den Sons of Kemet (Foto: Udoma Janssen)
Sons of Kemet

Im Rahmen der Kooperation vom Internationalen Sommerfestival Kampnagel und dem Elbphilharmonie Sommer sind die Berlinerin „Joy Denalane“ (14. August) und die international gefeierte Band „Sons of Kemet“ (17. August) rund um den Saxofonisten Shabaka Hutchings im Großen Saal der Elbphilharmonie zu Gast. Doch damit nicht genug: Der Elbphilharmonie Sommer, dass sind ingesamt drei Wochen Pop, Jazz und Klassik.

Den Auftakt macht am 10. August die Jazzlegende „Kenny Barron“ mit seinem Quintett. Es folgen Musiker wie der Pianist „Jason Moran“ (21. August) und internationale Top-Orchester wie das „Cleveland Orchestra“ (31. August und zum Abschluss am 1. September), das „Philadelphia Orchestra“ (29. und 30. August) oder das „Pittsburgh Symphony Orchestra“ (24. und 25. August). Nicht fehlen darf beim Elbphilharmonie Sommer die Filmmusik. 2022 werden die beiden Stummfilm-Klassiker „Phantom“ (12. August) und „Fräulein Else“ (11. August) mit Live-Musik begleitet. Einige Konzerte des Elbphilharmonie Sommers werden auch wieder live auf großer Leinwand auf dem Vorplatz der Elbphilharmonie zu sehen sein.

Elbphilharmonie Sommer, 10. August bis 1. September 2022 in der Elbphilharmonie

Wutzrock

Wutzrock-c-Wutzrock-klein
Wutzrock, das ist gute Musik, tolle Stimmung und nette Menschen am Eichbaumsee (Foto: Wutzrock)

Erstmals 1979 gab es Musik umsonst und draußen am Eichbaumsee in Hamburg-Allermöhe. Jetzt ist das legendäre Wutzrock Festival nach der pandemiebedingten Pause wieder zurück. Am 12. und 13. August gibt es dann wieder Musik und vor allem gute Laune in Hamburgs Südosten. Nach dem Motto „Kultur von allen für alle“ ist das Wutzrock traditionell umsonst. Allerdings gibt es in diesem Jahr eine klare Festivalbegrenzung und keine Möglichkeit zum Übernachten.

Neben diesen neuen Regelungen haben die Macher:innen auch schon erste Acts bekannt gegeben. Neben Punk aus Thüringen mit „Kornblumenblau“ und dem sechsköpfigen Bordsteinkantenorchester „der Katze & die Hund“ sind auch „Mono & Nikitaman“ am Start. Das verspricht neben Punk & Ska auch richtig guten Dancehall-Reggae auf dem Wutzrock 2022.

Wutzrock, 12. und 13. August 2022 am Eichbaumsee in Hamburg-Allermöhe

Dockville

MSDockville-c-Axel-Schilling-2-klein
Das MS Dockville Festvial: Immernoch ein Klassiker in besten Hafenatmosphäre (Foto: Axel Schilling)
Tash Sultana bei ihrem MTV Unplugged

Vom 19. bis 21. August 2022 findet das MS Dockville Festival zum 14. Mal statt. Neben den „AnnenMayKantereit“ als Headliner begrüßen die Macher:innen 2022 unter anderem auch die Australierin „Tash Sultana“. Mit ihr kommt genre-übergreifender und internationaler Glanz zum Dockville. Spielte die 26-jährige Multiinstrumentalistin vor ein paar Jahren noch auf den Straßen Melbournes, füllt sie mittlerweile die großen Arenen und vor Kurzem wurde ihr sogar die Ehre eines eigenen MTV Unplugged zu Teil – das Album zum Konzert erschien am 3. Juni 2022.

Neben Tash Sultana geben sich mit den „Leoniden“ auch echte Lokalmatadore die Ehre. Erst im letzten Sommer hat die Kieler Indie-Rock-Band mit „Complex Happenings Reduced to a Simple-Design“ ihr aktuelles Album veröffentlicht, dass sogar zeitweise auf Platz 1 der Albumcharts kletterte. Neben dem Dockville Festival gibt es auch noch mehr Kunst und Musik auf dem Gelände in Wilhelmsburg. So findet vom 23. Juli bis 7. August das MS Artville Festival statt und zum Saisonabschluss kann sich Wilhelmsburg auf „Meute“ freuen. Die international gefeierte Band kommt am 4. September 2022 aufs Dockville-Gelände.

Dockville, 19. bis 21. August 2022 auf dem MS Dockville-Gelände

Norden Festival

Norden (c) Lucas.Martens_2021-klein
Sonne, Wasser und gute Musik: das NORDEN-Festival 2022 (Foto: Lucas Martens)

Sonne, Stand und Festival, diese wohl nahezu eingartige Kombination findet sich beim NORDEN – The Nordic Arts Festival in Schleswig. Das Festival bietet traditionell Künstlern aus Hamburg, Schleswig-Holstein und den skandinavischen Nachbarländern eine Bühne und das 2022 schon zum vierten Mal. Dabei sucht das Das Ambiente des Norden sucht fraglos seinesgleichen. Schließlich wird am idyllischen Strand des Ostseefjords Schlei gefeiert.

An drei aufeinanderfolgenden Wochenenden bietet das Festival ein einzigartiges Kulturprogramm. Neben Lesungen, Slams, einem Filmprogramm, Theater und vielen weiteren Aktivitäten steht beim NORDEN Festival natürlich die Musik im Vordergrund. Mehr als 40 Bands geben sich auf den zwei Konzertbühnen die Ehre. Darunter sind neben Die Sterne, Cäthe und Danube’s Banks auch erstmals Bands aus den Niederlanden wie The Cool Quest.

NORDEN – The Nordic Arts Festival, vom 25. August bis zum 11. September 2022 (immer an den Wochenenden von Donnerstag bis Sonntag)
Wichtig: Das NORDEN ist kein Campingfestival, eine Anreise per Bahn oder Shuttlebus wird empfohlen

Müssen alle mit

MAMF-c-STADE Marketing und Tourismus GmbH (3)-klein
Direkt im Grünen: das „Müssen alle mit“-Festival, 2022 mit dem Headliner Meute (Foto: STADE Marketing und Tourismus GmbH)

Erstmals fand das „Müssen alle mit“-Festival 2013 im Stader Bürgerpark statt. 2022 ist es nach einer pandemiebedingten Pause nun wieder zurück. Am 27. August stehen dann neben Husten, der Band bestehend unter anderem aus Gisbert zu Knyphausen und Moses Schneider (dem Produzenten von Tocotronic, den Beatsteaks und anderen), und dem Team Schiesse auch Meute auf der Bühne im Bürgerpark. Neben dem Konzert auf dem Dockville-Gelände in Hamburg-Wilhelmsburg ist es der einzige Auftritt der Band im Norden Deutschlands im Sommer 2022.

Müssen alle mit-Festival, am 27. August 2022 im Stader Bürgerpark


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

Veranda Music: Von Herzen melancholisch

Nicolai von Schweder-Schreiner ist Gitarrist und Sänger der Hamburger Kult-Band Veranda Music. Mit ihrem neusten Album „Unter Einfluss“ ist die Gruppe auf Kurz-Tour in Hamburg und Berlin unterwegs. Im Interview spricht er über das erste deutsche Album, prominente Fans und sein Verhältnis zur Musik.

Interview: Henry Lührs

Nicolai, du hast dich neben „Veranda Music”auch als erfolgreicher Übersetzer und Theatermusiker etabliert. Möchtest du lieber mit Literatur oder lieber mit Musik assoziiert werden? 

Das wechselt. Ich bin tatsächlich ganz froh, beides machen zu können. Auf einem bestimmten Erfolgslevel würde ich wahrscheinlich Musik sagen. Die war auch als erstes da. Bis vor kurzem wollte ich das immer vollkommen getrennt halten, also so, dass das eine nichts vom anderen weiß, inzwischen hat sich das aber irgendwie aufgelöst. 

In den frühen 2000ern hat sich für euch als Band eine vielversprechende Musikkarriere angekündigt. Ihr wart beispielsweise auf Tour mit Legenden wie Marianne Faithfull und Jonathan Richman. Warum seid ihr heute keine Popstars? 

Wir haben nicht aktiv dagegen angearbeitet, muss ich zugeben, im Gegenteil. Also, keine Ahnung, wir machen weiter, die Welt fängt jeden Tag von Neuem an. Hauptsächlich wollen wir natürlich mit dem, was wir für richtig und stark halten, Leute fesseln und ihnen einen Gewinn bringen. 

„So wie wenn Andy Warhol Beethoven seine Bilder zeigt“

Trotzdem genießt ihr in der Hamburger Kulturlandschaft Kult-Status. Geht man auf eure Konzerte trifft man jede Menge anderer Hamburger Künstlerinnen und Kulturschaffende. Woran liegt das?

Ich habe immer erst im Nachhinein gehört, wer offenbar Fan ist. Es sind sicher auch gemeinsame, ähnliche soziale Kreise und wir laden auch mal gezielt Leute ein. Auf jeden Fall freut es mich natürlich immer, wenn Menschen, die ich selbst schätze, das mitkriegen und gut finden. So wie wenn Andy Warhol Beethoven seine Bilder zeigt.

Das neuste Album „Unter Einfluss“ ist das erste deutschsprachige Album von „Veranda Music“. Durch Americana-Einflüsse habt ihr euch immer von der Musikbewegung der Hamburger Schule abgehoben. Wie kam es zu diesem Stilwechsel?

In diesem Fall war es ja nur die Sprache. Angefangen mit zwei, drei Stücken, die wir live gespielt und dann aufgenommen haben. Daraus ist dann irgendwann ein ganzes deutsches Album geworden. Das war aber nicht gleich klar und im Endeffekt auch ein wilder, roher Kampf. Ich schätze mal, ab jetzt geht es wieder auf Englisch weiter.

Es fallen oft Namen wie John Lennon, Tindersticks oder Eels. Der Americana-Begriff war mir allerdings immer eher fremd. Das liegt zumindest bei mir daran, dass ich die Zugehörigkeit zu einer Bewegung oder Musikrichtung nie hatte. Es bezieht sich vielleicht mehr auf das Selbstverständnis, als darauf, wie die Musik klingt.


Welche Rolle spielt Musik- und Undergroundkultur für dich heute?

Beschränkt sich für mich auf das konkrete Hören und Ansehen einzelner Interpretinnen und Interpreten ohne einen besonderen sozialen Zusammenhang, das war glaube ich schon immer so. 

Das Album ist auch eine Hommage an den früh verstorbenen Hamburger Underground-Musiker Tobias Gruben. Darüber, ob ihr das auch nach Außen kommuniziert gab es in der Band zunächst Uneinigkeit, oder? 

Total, wobei, innerhalb der Band nicht, nur mit dem Label und anderen. Ich würde es auch nach wie vor nicht so nennen. Es ist nicht wirklich so gemeint, außerdem hatte ich Angst, dass es dann wieder nur um dieses Thema geht, so wie damals nach seinem Tod, und nicht um die Genialität und Massentauglichkeit der Stücke. 

„Ich empfinde Musik, die als traurig bezeichnet wird, oft auch gar nicht so“

Auch wenn ihr euch musikalisch nicht so leicht verorten lasst, was euch ausmacht ist eine konstante Melancholie. Woher kommt die? 

Aus dem Herzen? Ich bin nicht sicher, wie viel das mit Mentalität zu tun hat und wie viel mit Musik. Ich empfinde Musik, die als traurig bezeichnet wird, oft auch gar nicht so. Sei es jetzt Cat Power, Tom Jobim oder Nick Cave. In der Schweiz kam mal nach dem Konzert jemand auf uns zu, der sich bei der Ankündigung verhört hatte und dachte, wir heißen ‘Fun Band‘. Fand er total passend, den Namen. Ich habe auch schon gelesen, wir würden “die Welt musikalisch von ihrer gebräunten Seite aufrollen”.

Der Sänger Olli Schulz hat sich vor einer Weile in seinem Podcast mit Jan Böhmermann  „Fest und Flauschig” als großer Veranda Music Fan bekannt. Wusstest du das vorher schon? 

Nein, das war eine Überraschung, da riefen mich danach ein paar Leute an. Das hat immerhin für sechsstellige Spotify-Zahlen gesorgt. Ich kannte das vorher nicht, seitdem bin ich aber auch sein Fan, echt. 

Am 17.06 tretet ihr im Knust auf. Angekündigt sind auch zwei oder drei Gäste. Welche? 

Das ist vor allem eine generelle Ansage zu unseren Konzerten. Wir spielen gern und oft nicht nur zu viert als Band, sondern wie ein Ensemble erweitert zu fünft bis acht. In den letzten Jahren hat das immer variiert. Diesmal wird auf jeden Fall ein Percussionist dabei sein, der schon beim letzten Mal eine große Bereicherung war. 

Am 17. Juni treten Veranda Music im Knust in Hamburg auf. Tickets gibt es bei Ticketmaster.


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

Elbjazz 2022: Jazz für alle

Das Elbjazz 2022 ist Geschichte. Ein Festival mit Highlights für alle, Lowlights für Jazzer:innen und Luft nach oben

Text: Felix Willeke

Zwei Jahre hat es gedauert, doch zu Pfingsten war das Elbjazz wieder zurück und brachte Musik in die St. Katharinenkirche, in und vor die Elbphilharmonie und natürlich auf das Werftgelände von Blohm & Voss. Schon vorab versprach das Line-Up die gewohnte Starbesetzung. So hatten sich mit Melody Gardot, Myles Sanko, Max Herre und Nils Landgren echte Publikumsmagneten angesagt. Und die bis zu 13.000 Besucher:innen wurden nicht enttäuscht.

Die Großen überzeugen

Natürlich ließe sich an dieser Stelle viel über den grandiosen Myles Sanko, mit seiner Mischung aus Soul und Jazz schreiben oder über die sympathisch-divenhafte Melody Gardot, die spielerisch zwischen Französisch, Englisch und Portugiesisch changiert oder über das Jazz-Urgestein Nils Landgren, der mit seiner Funk Unit das Publikum zum Tanzen bringt. Doch dass die Stars beim Elbjazz 2022 die Massen anziehen, verwundert wenig. Schön sind die unerwarteten Momente, wie ein Max Herre, der bei seinem Auftritt mit Web Web in der Elbphilharmonie kaum rappt und stattdessen dem Sound und seinem grandiosen Arrangeur Roberto Di Gioia die Bühne überlässt.

Die „Kleinen“: Highlights

Ein Festival ist nunmal auch mehr als seine Stars. Festivals können vor allem eines: neugierig machen. Neugierig auf Musik, die noch und häufig zu unrecht vielen unbekannt ist. So zum Beispiel das Trio Bobby Rausch. Die drei Berliner waren am Festivalfreitag das zweite Konzert in der, meist überfüllten, Schiffbauhalle. Mit ihrer Mischung aus Baritonsaxophon (Oleg Hollmann), Bassklarinette (Lutz Streun) und Schlagzeug (Jürgen Meyer) sorgten sie schon früh am Abend für richtig dicke Beats. Bei ihrem Auftritt verzichteten die drei jedoch auf die sehr experimentellen elektronischen Klänge – zu denen sie durchaus in der Lage sind. Es war der Clubsound, der am Ende die Halle zum Tanzen brachte.

Matthew Whitaker-c-Jacob Blickenstaff-klein
Grandios und über alle Maßen talentiert: Matthew Whitaker (Foto: Jacob Blickenstaff)

Vielleicht die größte Entdeckung des Festivals war Matthew Whitaker. „Er ist ein Genie und wird es weit bringen, passt auf“, sagt der Grammy-Gewinner Jon Batiste über den 21-jährigen. Wie weit der US-Amerikaner schon heute ist und welches Show-Talent er hat, bewies er beim Elbjazz 2022. Mit einer Mischung aus Funk, Jazz und R&B erspielte er sich mit seiner Band schnell das Publikum. Und wer sich an das Zitat von Bill Evans erinnert: „Es nervt mich, wenn Leute versuchen, Jazz als intellektuelles Theorem zu analysieren. Das ist er nicht. Er ist ein Gefühl“, der wird spätestens nach diesem Auftritt wissen, wie viel Wahrheit darin steckt. Matthew Whitaker, ein Name, den man sich merken sollte.

Der Hamburger Jazzpreis für Silvan Strauss

Elbjazz2022_HamburgerJazzpreis-c-JazzbueroHH (4)-klein
Gewinner des Hamburger Jazzpreises Silvan Strauss (l.) mit Réka Csorba, Geschäftsführerin des Jazzbüro Hamburg (m.) sowie Sängerin und Jazzpreis-Laudatorin Maria João (r.) (Foto: Jazzbüro Hamburg)

Beim Elbjazz gibt es neben der Musik alle zwei Jahre auch noch etwas zu feiern: den Hamburger Jazzpreis. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis wird an in Hamburg wirkende Jazzer:innen vergeben. 2021 ging er an den Schlagzeuger Silvan Strauss, der ihn pandemie-bedingt in diesem Jahr überreicht bekam. Der 31-jährige Allgäuer hat in Hamburg Jazz studiert, spielt neben seiner Band ToyToy auch in der Combo der Bassistin Lisa Wulff (Jazzpreisträgerin 2019) und steht regelmäßig mit dem Pianisten Omer Klein auf der Bühne. Beim Elbjazz 2022 spielte er zusammen mit ToyToy, der NDR Big Band und Gästen wie Omer Klein und der Sängerin Maria João ein grandioses Set. Wer mehr von Silvan Strauss sehen und hören möchte: Am 9. Juli 2022 spielt er mit ToyToy Open Air am Schloß Agathenburg.

Das Elbjazz kann mehr

Elbjazz2022-c-NoemiSmethurst (4)-klein
Auf mehr Vielfalt beim Elbjazz 2023? (Foto: Noemi Smethurst)

Das Elbjazz: Hier treffen eingefleischte Jazzer:innen auf Familien, auf Teenager und auf mit Falthockern bewaffnete Übergangsjackenträger:innen. Es ist ein Festival für alle. Das ist eine Stärke und gleichzeitig ein Problem. Denn Jazz ist experimenteller, schräger und verrückter. Doch will das Festival-Publikum mehr als den massentauglichen Jazz? Ist es bereit, seine Hörgewohnheiten auf die Probe zu stellen? Wenn man das testen möchte, braucht es Mut, doch das Elbjazz sollte das Risiko eingehen. Jazz ist schließlich vielfältig und ein Festival sollte die Bühne für diese Vielfalt sein: Es kann Raum bieten und Lust auf Neues machen. Insbesondere für die junge Hamburger Jazzszene ist das Elbjazz eine Chance, wenn sie mehr Raum bekommt, als „nur“ auf der Young Talents Bühne an der Elbphilharmonie.
Vielleicht gelingt im nächsten Jahr die Mischung aus weniger großen Namen und mehr Neuem. Dass das Elbjazz das kann, hat es schon bewiesen.


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

Jazz erleben in Hamburg

Jazz reicht von Improvisation bis hin zu Dixieland und live ist er natürlich am besten. Wir zeigen zehn Orte, an denen es in Hamburg richtig guten Jazz auf die Ohren gibt – darunter das Elbjazz Festival, das Birdland und der Cotton Club

Text: Felix Willeke

Wo genau Jazz entstanden ist, lässt sich nicht sicher bestimmen. Wie viele andere Musikstile entspringt auch er einer Entwicklung. Das Zentrum dieser wird am Ende des 19. und am Anfang des 20. Jahrhunderts in New Orleans verortet. Hier waren es Afro-amerikanische Communities, die basierend auf unter anderem Blues und Ragtime den Jazz entwickelten. Und was macht Jazz bis heute aus? Vor allem eines: seine Vielfältigkeit. Dabei spielt besonders die Improvisation und die Einzigartigkeit des Spontanen eine große Rolle. Das Vorurteil, Jazz sei elitäre Musik ist dabei völlig falsch. Denn wie sagte schon der amerikanische Jazzpianist Bill Evans: „Es nervt mich, wenn Leute versuchen, Jazz als intellektuelles Theorem zu analysieren. Das ist er nicht. Es ist ein Gefühl.“ Und fühlen kann man Jazz am besten live.

Birdland: Ein klangvoller Name

birdland-c-noemi-smethurst_2-klein
Das Birdland: eine Institution der Hamburger Jazz-Landschaft (Foto: Noemi Smethurst)

An einer der holz-vertäfelten Wände steht „Don’t look at the time. Have a drink and enjoy real music“. Damit ist das Motto für das Birdland gesetzt. Diese Hamburger Jazz-Institution gibt es seit 1985.

Nachdem die Gründer 2013, nach mehr als 4.700 Konzerten mit Gästen wie Chet Baker, Diana Krall oder Rebekka Bakken, in den Ruhestand gingen, schien der legendäre Club vor dem Aus. Doch Dank einer der Söhne und einem der Gründer des Freundlich+Kompetent, lebt das Birdland weiter – vielleicht mehr als je zuvor.

Neben regelmäßen Jam- und Vocal Sessions gibt es im Birdland hauptsächlich Modern Jazz zu hören. Dazu kommen Pop-Konzerte und seit Kurzem auch die Schnack Comedy, eine Stand-Up Comedyshow.

Gemütlich im Brückenstern

Jazz-c-unsplash_BogomilMihaylov-klein
Jazz ist entspannt, erst recht im Brückenstern (Foto: unsplash/Bogomil Mihaylov)

Der Brückenstern ist schon fast Kult, seit Jahren führt Kwesi Asiama die kleine Musikkneipe an der Sternbrücke. Waren hier früher viele Künstler der Hamburger Off-Szene zu Gast, ist seit 2019 die JazzKitchen im Brückenstern zu Hause.

Bei gutem Bier und noch besserem Essen gibt es hier richtig gute Musik in Wohnzimmeratmosphäre. Und alleine Kwesi Asiamas Gastfreundschaft ist immer einen Besuch wert.

Cotton Club: Ein echter Klassiker

cotton_club-c-felix_willeke_3-klein
Eine Legende erfindet sich 2022 neu: der Cotton Club (Foto: Felix Willeke)

In einem der ältesten Jazz-Clubs der Stadt hat sich etwas verändert: Am 26. März 2022 feierte Dieter Roloff nach über 60 Jahren seinen Abschied vom Cotton Club. Der 1951 eröffnete Club hat seit dem 1. April 2022 neue Betreiber, die den Club in Roloffs Sinne erhalten, aber auch weiter entwickeln wollen. Dabei soll die musikalische Ausrichtung beibehalten werden.

Der Cotton Club war schon immer die Anlaufstalle für den traditionellen Jazz, Oldtime, Dixieland und Swing. Hinzu kommen neue Ideen, eine für den Sommer 2022 geplante Renovierung und weiter viel Leidenschaft für die Musik.

Gesellig am Wasser im Hafenbahnhof

hafenbahnhof-c-felix_willeke_4-klein
Gemütlich und etwas versteckt, der Hafenbahnhof (Foto: Felix Willeke)

Früher gab es Bahngleise direkt am Hafen, davon zeugt neben dem Alten Bahntunnel zwischen Fischmarkt und Altona auch der Hafenbahnhof. Das kleine Haus zwischen Kaistraße und Großer Elbstraße ist neben Partylocation auch eine Anlaufstelle für Jazzfans. Jeden Montag gibt es hier Live-Jazz im Jazzraum.

Wenn das Wetter stimmt, finden die Konzerte in der Regel auch Open Air statt. Los geht es jede Woche montags um 19.30 Uhr (Einlass um 18.30 Uhr) und kostet 9 Euro (ermäßigt 6 Euro).

Halle 424: Schick und szenig

Halle424-c-JürgenCarstensen-klein
Hier treten auch die Großen auf, in der Halle 424 (Foto: Jürgen Carstensen)

Der Oberhafen ist nicht erst seit gestern ein beliebtes Kulturquartier. In Mitten von alten Lagerhallen, Restaurants und Ausstellungen befindet sich auch die Halle 424, die sich selbst als Ort für „Jazz- und Klassikkonzerte im Oberhafen“ bezeichnet.

Vielleicht lässt sich nirgendwo besser ein Jazz-Abend erleben, als in so einem historischen Gemäuer, das mit liebevollen Details zu einer wirklich schicken Konzert-Location gemacht wurde. 

Der neue Tempel: Jazz Hall

jazz_hall-c-noemi-smethurst_1-klein
Ein Tempel für den Jazz, die Jazz Hall (Foto: Noemi Semthurst)

Hamburgs neuster Jazz-Tempel liegt direkt an der Alster. Mit der Jazz Hall hat die Hochschule für Musik und Theater (HfMT) endlich seine eigene Konzerthalle bekommen. 15 Jahre wurde geplant, zwei Jahre gebaut und seit Juni 2021 ist sie endlich da. Corona-bedingt war das erste Jahr noch wenig los, das ändert sich in diesem Sommer.

Im Mai fand das JazzHall Festival statt, bei dem große Stars und Studierende der HfMT auf der Bühne begeisterten. Jetzt geht es weiter mit dem bewährten Mix aus Größen der Szene – zumeist präsentiert von der Jazz Federation – und den Konzerten der Studierenden. 

Höchstes Niveau bei den großen Drei

Wer in Hamburg an die großen Häuser für Jazz denkt, dem fallen sofort drei Namen ein: Die Elbphilharmonie, die Laeiszhalle und das Rolf Liebermann Studio. 

Die Elbphilharmonie

220403_Jaimie_Branch_EPKS_c_Daniel_Dittus_10-klein
Im Kleinen Saal der Elbphilharmonie gibt‘s immer wieder großartigen Jazz, wie hier von der US-Trompeterin Jamie Branch im April 2022 (Foto: Daniel Dittus)

In Hamburgs wohl bekanttestem Konzerthaus geben sich nicht nur beim Elbjazz das who is who des Jazz die Klinke in die Hand. Auch außerhalb der Festivals gibt es hier regelmäßig Jazz der Spitzenklasse. Der Andrang auf die Elbphilharmonie ist dabei längst nicht mehr so groß wie am Anfang und so gibt es für einige Konzerte auch kurzfristig noch Tickets, auch an der Abendkasse.

Und während der Große Saal für viele ein Sehnsuchtsort ist, sollte man den Kleinen Saal nicht unterschätzen: Besonders kleine Ensembles bekommen hier genau den richtigen Rahmen. 

Die Laeiszhalle

1211_kleiner_saal_c_thies_ratzke-klein+
Ein intimer Rahmen: Der kleine Saal in der Laeiszhalle (Foto: Thies Ratzke)

Das Haus ist mittlerweile über 110 Jahre alt und hat nichts von seiner Faszination verloren. In die Laeiszhalle kommen sie alle: Von Klassik-Superstars über Größen des Pop bis hin zu Neuentdeckungen des Jazz. Dabei verhält es sich hier ähnlich wie in der Elbphilharmonie: Der große Saal beeindruckt und der Kleine ist perfekt für die intimeren Konzerte. 

Das Rolf Liebermann Studio

rolf_liebermann_studio-c-felix_willeke_1-klein
Früher eine Synagoge, heute gibt‘s im Rolf Liebermann Studio Jazz und mehr (Foto: Felix Willeke)

Der Klang in der Elbphilharmonie ist nahezu perfekt, doch ist er nicht mit der Qualität eines Tonstudios zu vergleichen. Der „Große Sendesaal“ des NDR ist eine ehemalige Synagoge und trägt seit 2000 den Namen des jüdischen Komponisten Rolf Liebermann.

Das große Studio des NDR ist das Wohnzimmer der NDR Bigband und in der Reihe NDRJazz finden hier pro Jahr sechs bis sieben Konzerte statt. Darunter finden sich Auftritte von Newcomer:innen genauso wie etablierten Stars – oft begleitet von der NDR Bigband.

Jazz im Süden: White Cube Bergedorf

Jazz-c-unsplash_TheoEilertsen-klein
Jazz in Clubatmosphäre im White Cube in Bergedorf (Foto: unsplash/Theo Eilertsen)

Jazz gibt es in Hamburg nicht nur rund um die Alster, auch in Bergedorf kann man richtig guter Musik lauschen. Einer der besten Orte dafür ist zweifelsfrei der White Cube Bergedorf.

Der Club liegt etwas versteckt im Gewerbegebiet, ist aber nur knapp einen Kilometer vom Bahnhof Bergedorf entfernt. 2017 wurde das eigentliche Loftgebäude zu einem Club umgebaut. Pro Monat gibt es im Schnitt drei Konzerte im White Cube, hinzu kommen die mittlerweile etablierten Jamsessions. 

Klein und fein: Yoko Club

yoko_club-c-felix_willeke_3-klein
Alternativ mit Jazz: der Yoko Club (Foto: Felix Willeke)

Wer in Hamburg Cotton sagt, muss auch Yoko sagen. Neben dem Cotton Club gehört der Yoko Club direkt neben dem Gängeviertel zu einem der besten Jazz-Clubs der Stadt. Von außen sieht das Yoko zwar klein aus, aber hier haben schon ganze Ensembles gespielt. Auch für diejenigen, die neu im Jazz sind, lässt es sich hier bestens reinhören.

Open Air: Jazz geht auch draußen

JazzOpen-c-JazzOpen (3)-klein
Im September gibt‘s wieder Jazz unter freiem Himmel bei den Jazz Open (Foto: Jazz Open)

Seit 2010 gibt’s das Elbjazz fast in jedem Jahr mit Stars und viel Neuem auf dem Werftgelände von Blohm & Voss. Nach einer Pause im Jahr 2016 haben mittlerweile die großen Hamburger Konzertveranstalter übernommen. Unter der Leitung von Karsten Jahnke und Folkert Koopmanns (FKP Skorpio) gab es Besucherrekorde und große Namen wie Jamie Cullum, Kamasi Washington oder in diesem Jahr Web Web mit Max Herre.

Auch neben dem Elbjazz gibt es Musik unter freiem Himmel: Das Jazzbüro veranstaltet seit einigen Jahren die Jazz Open Hamburg in Planten un Blomen. 2022 findet das kleine aber feine Festival am 3. und 4. September statt.

Wer jetzt Lust auf Jazz hat, findet die aktuellen Konzerthighlights in der Stadt auf den Homepages der Clubs und Konzerthallen oder beim Konzertkalender von jazzmoves.de.


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

Coachella und Straßenkonzerte: Meute im „Taumel“

Vom Dach der Elbphilharmonie auf die Bühne des legendären Coachella Festivals: Die Hamburger Techno-Marching-Band Meute bewegt mittlerweile Massen und landet mit ihren Videos von spontanen Guerilla-Konzerten regelmäßig virale Hits. Wir haben mit dem Gründer, Manager und Trompeter der Band, Thomas Burhorn, über den großen Erfolg, spektakuläre Kulissen und den Bezug zur Hansestadt gesprochen

Interview: Henry Lührs

SZENE HAMBURG: Thomas, unsere Gesellschaft ist geprägt von Digitalisierung, Automatisierung und künstlicher Intelligenz. Techno mit Blasinstrumenten zu produzieren trifft dennoch offensichtlich den Nerv der Zeit. Oder gerade deswegen?

Thomas Burhorn: Es kann wirklich genau deswegen so sein. Wir machen Roboter wieder arbeitslos. Wir machen die Arbeit, die eigentlich ein Computer macht, wieder mit der Hand. Die Tatsache, dass Digitalisierung so voranschreitet weckt eine besonders große Sehnsucht nach dem Handgemachten. 

2015 hast du die elfköpfige Band zusammengetrommelt. Ab und zu gab es kleine personelle Fluktuationen, aber der Kern ist über die Jahre gleich geblieben. Wie schwer ist es die Meute zusammenzuhalten? 

Es ist auf jeden Fall Arbeit, so eine große Gruppe zusammenzuhalten. Da nicht immer alle können, spielt ab und zu eine Vertretung. Wir müssen als Band immer wieder viel miteinander sprechen und aushandeln, wer wie viel Platz für sich hat und wie man miteinander umgeht. Da bedarf es einer besonderen Energie von allen. Die haben wir aber, deswegen klappt das auch so gut mit uns. 

„Wir machen andere Musik, als die meisten Künstler:innen dort.“

Ihr habt kürzlich auf dem legendären Coachella Festival in Los Angeles  neben Superstars wie Harry Styles und Billie Eilish gespielt. Was war das für ein Gefühl? 

Es hat sich auf jeden Fall richtig angefühlt. Wir machen andere Musik, als die meisten Künstler:innen dort. Gleichzeitig sind wir genau am richtigen Ort. Das Publikum hat das, was wir machen, sofort verstanden und abgefeiert. Es hat gepasst!

In einem Interview hast du mal gesagt, dass ihr bis 2024 zu den erfolgreichsten zehn Deutschen Bands neben Rammstein usw. gehören wollt. Ihr seid auf einem ganz guten Weg, oder? 

Das sind Ziele, die wir uns mal mit einem kleinen Augenzwinkern gesetzt haben. Natürlich ist das auch nicht so leicht zu messen. Aber immerhin sind wir als deutsche Band im Ausland unterwegs, das ist schon mal ganz gut. Wenn wir es schaffen so weiterzumachen wie bisher und dabei unsere gute Laune behalten, dann bin ich happy. 

„Damit setzen wir hoffentlich auch ein kleines Zeichen dafür, dass jeder Ort für jeden Künstler oder jede Künstlerin eine Bühne sein kann.“ 

Ihr habt in Hamburg schon in spektakulären Locations gespielt. Zum Beispiel auf dem Dach der Elbphilharmonie, auf der Viktoria Kaserne in Altona oder im Kraftwerk Bille. Vor ein paar Tagen habt ihr ein Video veröffentlicht, wo ihr durch den Hamburger Hafen marschiert. Wie sucht ihr euch diese Kulissen aus? 

Manchmal machen wir einfach ein Video dort, wo wir zufällig in der Stadt unterwegs sind. Wir versuchen aber auch dahin zu gehen, wo es schön aussieht. Manchmal ergeben sich solche Dinge wie unsere Dach-Konzerte auch einfach.

Mit diesen verschiedenen Szenerien versuchen wir zu unterstreichen, dass wir als akustische Straßenband eigentlich überall spielen können. Damit setzen wir hoffentlich auch ein kleines Zeichen dafür, dass jeder Ort für jeden Künstler oder jede Künstlerin eine Bühne sein kann. 

Gibt es einen Ort, an den du dich besonders gern zurückerinnerst? 

Ich genieße, dass wir an verschiedenen Orten sein können und dass fast alles möglich ist. Egal ob auf der Elbphilharmonie, der Konzertbühne oder in der Fußgängerzone. Neulich haben wir bei der USA-Tour in Venice Beach am Strand gespielt, ein anderes Mal beim Trebur Open Air in einem Swimming Pool. Insofern gibt es gar nicht den einen Lieblingsort.

„Bei der Performance auf der Straße ist es unfassbar ehrlich“

Spontane Guerilla-Konzerte spielt ihr regelmäßig. Was ist für dich der größte Unterschied von einer konventionellen Bühne zu der Performance auf der Straße? 

Bei der Performance auf der Straße ist es unfassbar ehrlich. Wenn die Leute das nicht interessiert, was wir machen, gehen die einfach weiter. Das hat natürlich noch mal eine ganz spezielle Energie. Mit dem eigenen Handwerk muss man sich das Publikum immer wieder erspielen und wirklich etwas machen, was den Leuten richtig zusagt. Wenn wir jetzt ein großes Konzert spielen, dann sind da in der Regel schon Leute gekommen, um uns zu sehen. Aber uns macht beides großen Spaß. 

„Letztendlich spielt es keine große Rolle, wo wir herkommen“

Ihr tretet bewusst als internationale Band auf. Trotzdem seid ihr mit der Hansestadt eng verwurzelt. Wie wichtig ist dir die Identifikation mit Hamburg?

Ich bin nicht so der Lokalpatriot. Anderseits wohne ich seit 20 Jahren wahnsinnig gerne in Hamburg. Hier gibt es eine riesige Musik- und Elektronik Szene, Musikrichtungen und Kulturen vermischen sich. Natürlich sind auch wir irgendwie ein Produkt dieser Stadt. Andererseits sind wir kein Fußballverein und es spielt letztendlich keine große Rolle wo wir herkommen. 

Das Covern und Samplen anderer Songs ist ein elementarer Teil eurer Musik. Gibt es einen Song, den du in Zukunft unbedingt mit Meute covern möchtest? Kannst du uns vielleicht sogar schon verraten, welcher Song als nächstes dran ist? 

Im November kommt unser Album raus. Monat für Monat werden wir jetzt einzelne Songs veröffentlichen. Da sind auch wieder Coverversionen dabei, teilweise von Leuten, die wir noch nicht gekannt haben, aber auch von alten Bekannten. Mehr verrate ich aber nicht.

Das neue Album heisst „Taumel“. Der Duden beschreibt das Wort mit einem rauschhaften Gemütszustand. Trifft das auch auf euer Album zu?

Ach, das ist ja gut! Die Beschreibung trifft auf jeden Fall auf das zu, was wir mit unserer Musik und auf Konzerten erreichen wollen. Dem ist eigentlich gar nichts hinzuzufügen. 

„Taumel“ von Meute erscheint am 18. November 2022 auf dem Label „Tumult“


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

Ab ins Grüne!

Von Lotto King Karl über Editors bis Sting: 2022 kommen zahlreiche Top-Acts zum Stadtpark Open Air

Text: Erik Brandt-Höge

Die Geschichte der Stadtpark’schen Freilichtbühne geht weiter. Seit 45 Jahren bereits sorgt die Karsten Jahnke Konzertdirektion dafür, dass auf dem immergrünen Areal nationale und internationale Musikgrößen live zu erleben sind. Max Herre, Helge Schneider, Johannes Oerding und Element Of Crime waren bereits mehrfach beim Stadtpark Open Air. Weezer, Wu-Tang Clan und Kendrick Lamar waren auch schon da. Ja, sogar Joe Cocker hat seine Hits zwischen den Buchenhecken gesungen. Auch bei der Programmgestaltung für die 2022er-Saison haben sich die Veranstalter mächtig ins Zeug gelegt.

Los gehts am 13. Mai mit dem Freilichtbühnen-Abonnenten und Lokalmatadoren Lotto King Karl, gefolgt von den britischen Indie-Rockern Editors (28. Mai) und der legendären US-Band Foreigner (3. Juni), die vermutlich nicht ohne ihre Rock-’n’-Roll-Hymnen „Juke Box Hero“ und „Cold As Ice“ im Gepäck ankommen werden. Weitere Highlights versprechen unter anderem die Shows von den Berliner Punkrockern Beatsteaks (9. Juni), dem englischen JazzPop-Superstar Jamie Cullum (10. Juni), der dreifachen Grammy-Gewinnerin Olivia Rodrigo aus Kalifornien (11. Juni) und – ja, er kommt wirklich – Sting (25. Juni) zu werden. Zudem gibt es ja noch die Freilichtbühnen-Monate Juli, August und September mit vielen weiteren Konzerten, für die sich ein Ausflug ins Grüne absolut lohnt.

collage_stadtparkopenr-c-live_nation-nadev_kander-jaro_suffner-klein
Geben sich ebenfalls die Ehre: Olivia Rodrigo (11. Juni), Editors (28. Mai) und Danger Dan (9. Juli) (Fotos von links: Live Nation, Nadev Kander & Jaro Suffner)

#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?