Udo Lindenberg wird Hamburger Ehrenbürger

Kirsten Boie, John Neumeier, Siegfried Lenz und jetzt Udo Lindenberg. Der „Panikrocker“ soll am Mittwoch den 7. September 2022 Hamburger Ehrenbürger werden

Text: Erik Brandt-Höge

 

Udo Lindenberg hat gefühlt fast jeden Preis erhalten. Für sein menschliches und politisches Engagement und freilich für seine kulturellen Verdienste. Schließlich hat er der deuschsprachigern Rockmusik Erfolge im In- und Ausland beschert sowie unzählige Künstler:innen aus allen musikalischen Genres in ihrem Schaffen beeinflusst, textlich wie klangästhetisch. Jetzt bekommt der 76-Jährige eine Auszeichnung, die ihm tatsächlich noch fehlt: die Ehrenbürgerwürde der Freien und Hansestadt Hamburg. Vorgeschlagen hatte das Hamburgs Erster Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher bereits im Mai 2021, zu Lindenbergs 75. Am Mittwoch, den 7. September 2022  wird die Bürgerschaft über einen entsprechenden Senatsantrag abstimmen, danach wird es einen Festakt im Rathaus geben. Einen Livestream zum Festakt wird es beim NDR geben.


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„Brot weint nicht“: Fettes Brot kündigt Trennung an

Am Freitag spielte das Hamburger Rap-Trio noch ein kostenloses Überraschungskonzert auf der Elbe. Jetzt gab Fettes Brot bekannt, dass sie Ende 2023 getrennte Wege gehen werden.

Text: Katharina Stertzenbach



Fast 30 Jahre standen Doktor Renz (Martin Vandreier), König Boris (Boris Lauterbach) und Björn Beton (Björn Warns) als Fettes Brot gemeinsam auf der Bühne. Ihre Hits  „Jein“, „Nordish by Nature“ oder „Emanuela“ sind von den Radio-Playlists nicht mehr wegzudenken. 2022 scheint die Geschichte der Band auserzählt, beteuern die Brote auf ihren Social Media Kanälen. So steht für die Drei fest: „Papa und Papa und Papa trennen sich. Ende ’23 packen wir unsere Turnbeutel und wandern ab da auf neuen Wegen.“

 

Fette finale Festspiele

 

Klanglos werden Fettes Brot die Bühne nicht verlassen. Fans können sich auf eine Abschiedstour und ein Greatest Hits-Album freuen. Außerdem ist seit heute, 1. September, der Abschiedssong „Brot weint nicht“ draußen. Und Fettes Brot wäre nicht Fettes Brot, wenn sie nicht auch noch die ein oder andere Überraschung für die Fan-Community in petto hätten. Es steht also noch ein Grande Finale an, bevor die Brote dann endgültig History sind.

FYI: Es lohnt sich das Video von „Brot weint nicht“ bis zum Schluss anzuschauen. Am Ende werden die Tourdaten verkündet. 

Tickets für die Abschiedstour und Merch gibt’s ab dem 2. September im Bandstore 


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Überraschungskonzert am Hafen: Fettes Brot sind zurück!

Nach rund drei Jahren Pause meldet sich Fettes Brot zurück für ein spontanes und kostenloses Konzert am 26. August in Hamburg

Lange war es still um Doktor Renz, König Boris und Björn Beton – jetzt sind sie wieder da: Nach der erst verschobenen und dann abgesagten Tour 2020 melden sich Fettes Brot zurück. Der erste Hinweis kam via Instagram aus dem Proberaum inklusive der Ankündigung: „Es stimmt also… nach fast 3 Jahren Keuschheit wird’s spontan wieder dreckig (und zwar in HH)“. Und jetzt steht es fest: Am Freitag, den 26. August, kehren die drei Jungs zurück aus der langen Pause.

Das Konzert wird voraussichtlich groß. Bisher ist allerdings nur die Uhrzeit und die grobe Location bekannt. Zitat Fettes Brot: „Wer sich Freitag zwischen 15h und 20h in der Hamburger Hafengegend tummelt, kann uns nach fast 3 Jahren mal wieder live sehen!“ Also morgen Augen und Ohren auf halten, irgendwo stehen „Schwule Mädchen“, „Nordish by Nature“ am Hafen und wissen: „Viele Wege führen nach Rom“.

Mehr Details und Infos gibt es bald hier…


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10 Jahre Deine Freunde

Die selbst ernannte „coolste Kinder­band der Welt“ wird zehn – und spielt zum Bandgeburtstag gleich drei Stadtpark­ Shows. Deine Freunde ­Mitglied Lukas Nimscheck im Gespräch über das, was bisher geschah

Interview: Erik Brandt-Höge

SZENE HAMBURG: Lukas, Deine Freunde feiern Geburtstag. Gibt es ein Wort, mit dem du deine Gefühle bezüglich zehn Jahren Bandgeschichte beschreiben könntest?

Lukas Nimscheck: Überra­schend! Wir haben nicht gedacht, dass wir das zehn Jahre machen würden. Damals haben wir aus Jux und Dollerei zwei, drei Lieder aufgenommen und ins Netz gestellt, einfach um zu sehen, was passiert. Heute ist Deine Freunde unser Haupt­beruf und wir spielen vor Tausenden Leuten. Irrsinnig!

Weder wir, noch Kollegen aus dem Musikbereich haben es für möglich gehalten, dass musika­lische Familienunterhaltung in Deutschland so erfolgreich werden könnte. Ich glaube, bei uns liegt es daran, dass wir mit der Zeit eine ganz eigene Stimme gefunden haben, auch einen ganz eigenen Humor, den die Leute und wir selber lustig finden. Wir müssen uns dafür nicht verstellen.

Wann habt ihr gemerkt, dass Deine Freunde etwas auf Dauer sein könnte?

Nach fünf Jahren waren wir so groß, dass wir sagen konnten, uns etabliert zu haben. Wir hatten zu dem Zeitpunkt auch schon unser eigenes kleines Label, unser eigenes kleines Studio, ein Management. Dabei waren wir bereits eine mittelständige Firma – und alle sehr fleißig, alle Arbeitsbienen. Zudem hatten wir auch keine Produzenten, jeder Ton auf unseren CDs kam von uns. Das ist bis heute so.

Glaubst du, dass eure Band überhaupt mal ein Ablaufdatum haben wird?

Nein, das glaube ich nicht. Wir sind ja eine der Bands, die auch privat miteinander verbandelt sind. Wir sind alle sehr eng miteinander, vom Management bis zu den Menschen, die mit uns auf Tour gehen.

Wir verstehen uns sogar immer besser mit den Jahren und können uns gut vorstellen, das so lange zu machen, bis wir so alt sind wie Rolf Zuckowski. Dann vielleicht in einer anderen Form, aber wir möchten auch dann noch Musik für Kinder bis zwölf Jahre und ihre Familien veröffentlichen.

Am Anfang haben wir in Kitas vor 20 Leuten gespielt

Lukas Nimscheck, Deine Freunde

Ist die Motivation, die „coolste Kinderband der Welt zu sein“, wie ihr euch selbst mal genannt habt, mit den Jahren noch größer geworden?

Diesen großkotzigen Titel haben wir uns zu einer Zeit gegeben, als wir noch gar nicht so groß waren. Mit der Zeit hat sich der Titel aber schon ein bisschen bewahrheitet. Man muss sich das mal vorstellen: Am Anfang haben wir in Kitas vor 20 Leuten gespielt.

Wir haben nur davon geträumt, mal in bestimmten Hallen spielen zu können. Als wir dann zum ersten Mal vor 500 Leuten standen, dachten wir: „Größer kann es nicht werden!“ Genauso haben wir gedacht, als es zum ersten Mal 1000 Leute waren. Es wurden immer mehr, kürzlich haben wir in Köln vor 7000 gespielt. Unser Anspruch ist dabei immer gleich geblieben, wir wollen immer das Bestmögliche bieten – auf und neben der Bühne. Das bedeutet zum Beispiel bei großen Konzerten, dass jedes Kind, das kommt, ein Band um die Hand kriegt, auf das seine Eltern eine Telefonnummer schreiben können, falls man sich mal verlieren sollte.

Wir probieren, Kindern und Eltern eine Stimme zu geben, die die Realität abbildet

Lukas Nimscheck, Deine Freunde

Vermutlich hat sich euer Verständnis für Kinder und Familien mit der Zeit auch noch mal verändert.

Ja, das hat es auf jeden Fall. Am Anfang dachten wir, in unseren Songs müssten wir nur so Schulhofthemen wie Hausaufgaben oder die siebte Stunde behandeln. Mittlerweile wissen wir, dass wir auch über ganz Absurdes singen können und Kinder und Eltern auch dazu feiern können.

Es gibt Siebenjährige, die schon super- ironisch sind und bei denen zu Hause schon ein ganz eigener Humor herrscht. Es sind die Medien, die Kinder immer als ironiefrei und Eltern immer als ausschließlich liebevoll und fürsorglich darstellen. Wir probieren, Kindern und Eltern eine Stimme zu geben, die die Realität abbildet.

Deine Freunde spielen am 2., 3. und 4. September im Stadtpark Openair – wir verlosen auf Instagram noch Tickets!


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Drei Wochenenden Kultur des Nordens

Mehr als 400 Künstler:innen aus zehn nordeuropäischen Ländern kommen zum NORDEN – The Nordic Arts Festival 2022

Text: Philine Burmeister

Vom 25. August bis zum 11. September 2022 findet in Schleswig, am idyllischen Strand des Ostseefjords Schlei, das NORDEN – The Nordic Arts Festival statt und bringt das Lebensgefühl des europäischen NORDENS auf die Königswiesen. Aufgrund der Gestaltung des genreübergreifenden Kulturprogramms sowie der familiären, nachhaltigen und barrierefreien Ausrichtung ist das Festival einzigartig in Europa. Das NORDEN bietet einen kreativen und spannenden Querschnitt aus aktueller Musik, Literatur und Film, Kunst und Straßentheater sowie zahlreiche Workshops und sportliche Aktivitäten.

Musik und vieles mehr

Die fantastische Ostseelandschaft, die kreative Küche und das zeitlose Design, noch dazu eine lebendige Kulturszene. Die Sehnsucht nach diesem Lebensgefühl und die dazugehörigen Geschichten sind der Antrieb hinter dem NORDEN – The Nordic Arts Festival. Auf insgesamt zwei Bühnen, einem Kulturzelt sowie einem Atrium, der Manege im Park und einem Kinozelt findet das gesamte Programm statt. Die zahlreichen Workshops in den Scheunen laden ein zum Mitmachen und Entdecken. In typisch roten skandinavischen Holzhäusern werden Speisen und Getränke ebenso wie Kunst- und Designhandwerk angeboten.

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Malerisch: Das NORDEN – The Nordic Arts Festival direkt an der Schlei (Foto: Lucas Martens/Norden Festival)

Eine Plattform für Künstler:innen

Nach der Premiere im vergangenen Jahr haben die Veranstalter auf vielfachen Wunsch das Format NORDPOP weiterentwickelt – sozusagen ein Festival im Festival. NORDPOP22 bringt bekannte Musiker:innen mit Newcomer:innen aus Norddeutschland zusammen und bietet eine Plattform, um sich untereinander auszutauschen. Die Sterne, Cäthe, Husten und viele mehr werden auf den Bühnen auf den Königswiesen begeistern. In diesem Jahr sind erstmalig auch Künstler:innen aus den Niederlanden zu Gast auf dem NORDEN. Der Rapper Anoki sowie die Band The Cool Quest spielen am zweiten Festivalwochenende. Auch aus dem Baltikum und Skandinavien sind namenhafte Künstler:innen dabei.


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Helge Schneider: „Ich fühle mich berentet“

Mit Helge Schneider kommt einer der größten Entertainer des Landes in den Stadtpark. Ein kurzes Gespräch über Kunst in Zeiten der Corona-Pandemie

Interview: Erik Brandt-Höge

SZENE HAMBURG: Helge, in Hamburg hängen gerade überall Konzertplakate von dir, auf denen es unter anderem heißt: „Internationaler Superstar sucht Arbeit.“ Hat sich deine Arbeitssituation nach mehr als zwei Jahren Pandemie ansatzweise normalisiert?

Helge Schneider: (lacht) Ich sag mal: Jein. Wobei … eigentlich nicht. Der Einbruch, damals im März 2020, ist schon enorm gewesen. Und die Vorahnung, dass es immer so weiter gehen würde, hat sich auch bestätigt. Es ist keine Normalität eingetreten. Auch, was so um einen herum passiert, was man hört und sieht, das hinterlässt schon einen Eindruck. Manchmal denke ich: Was soll das Ganze? Aber dann hatte ich zum Beispiel neulich einen Auftritt, da dachte ich vorher: Momentan ist das eine blöde Welt. Ich kriegte negative Gedanken. Und dann bin ich aufgetreten und war wie ausgewechselt. Ich habe alle ad acta gelegt und konnte wirklich gut arbeiten, das hat Spaß gemacht.

„Wir können jederzeit irgendwo hinfahren, sind ständig in Bereitschaft“

Helge Schneider

Gibt es etwas Neues, das du seit Pandemiebeginn über das gesellschaftliche Verständnis von Kunst gelernt hast?

Es ist so, dass ich mir als Künstler nicht so vorkomme, als würde ich zu dem großen Getriebe gehören. Als Künstler muss ich ständig über meinen Schatten springen. Ich will ja nicht nur gute Stimmung verbreiten, sondern sie auch selbst haben, damit das alles funktioniert.

„Das Leben ist ja weitergegangen“

Kannst du die bisherige Pandemiezeit für dich als Künstler vielleicht sogar in einem Wort oder Satz zusammenfassen?

Ich fühle mich berentet – obwohl ich es nicht bin. Also in einem Wort: Pension.

Nun ist es so, dass du aktuell viele Konzerte nachholst. Du hast kürzlich erklärt, das wäre gar nicht so einfach …

… weil man das, was ich vor zwei Jahren gemacht hätte, jetzt gar nicht machen könnte. Das Leben ist ja weitergegangen.

Ist die Organisation, das Logistische, auch eine Schwierigkeit?

Wir sind sozusagen autark, haben immer alles dabei, wenn wir mit unseren zwei, drei Lkw kommen. Wir können jederzeit irgendwo hinfahren, sind ständig in Bereitschaft. Die Probleme, die große Bands haben, haben wir also nicht. Wenn Rammstein irgendwo spielen, müssen die erst mal sieben Tage lang aufbauen. Da kann keiner kommen und sagen: „Könnt ihr morgen da und da spielen?“ Bei uns geht das. Ich bereite mich auf Tourneen auch nur logistisch vor, also nur, was das Bühnenbild angeht. Alles andere ergibt sich und wird weiterentwickelt. Und wenn mir was zu langweilig vorkommt, mache ich was anderes.

„Ich arbeite sehr gerne, das ist mein Leben“

Über dein aktuelles Programm, „Ein Mann und seine Gitarre“, hast du geschrieben: Es sei „von einem Biochemiker und einem Ingenieur nebst Diagnosegeräten“ geprüft worden. Also ist absolute Hochleistungsunterhaltung garantiert? Was wurde noch inspiziert?

Der TÜV-Prüfer kam auch mit einem Dezibelgerät. Wenn man selber am Schlagzeug sitzt, darf man nicht mehr als 82 Dezibel entwickeln. Das haben wir auch hingekriegt, mit Besen und so. Und flacher Atmung. Es ist also alles geprüft. In Kürze spielen wir wo, da dürfen am Nachbarhaus nur 72 DB ankommen. Das ist Gesprächslautstärke. Ansonsten wird die Veranstaltung abgebrochen. Für mich ist es deshalb ein Ansporn, höchstens 27 DB zu entwickeln, damit man da gar nichts hört. Das finde ich schön. Dann gibt es mehr Pantomime. So ist unsere Welt: Bald gibt es nur noch Pantomime und TikTok. Und Rammstein. Und Ed Sheeran. Diese Prognose ist gar nicht so unwahrscheinlich.

„Bald gibt es nur noch Pantomime und TikTok. Und Rammstein. Und Ed Sheeran.“

Helge Schneider

Noch mal zurück zu den Konzertplakaten. Da steht auch drauf, neben einem Bild von dir: „Der Rentner in braun.“ Die gefühlte Pension während der Pandemie hast du vorhin schon beschrieben. Aber grundsätzlich scheint für dich ein Leben ohne Arbeit doch noch lange nicht vorstellbar, oder?

Nee, das ist für mich überhaupt nicht vorstellbar. Ich habe ja auch viele Kinder, die müssen ernährt werden und ihre Ausbildung machen. Und ich muss auch meine Miete bezahlen. Ich muss arbeiten, interessiere mich aber auch nicht für Ruhestand. Ich arbeite sehr gerne, das ist mein Leben.

Helge Schneider, am 25. & 26. August 2022 beim Stadtpark Open Air, jeweils um 19 Uhr

SZENE HAMBURG verlost für den 25. August 2 x 2 Gästelistenplätze. Einfach eine E-Mail mit Name und Betreff „Helge“ bis 20.8. an verlosung@szene-hamburg.com


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45Hertz: Beats am Fernsehturm

Sommerzeit ist Open Air-Zeit und das gilt auch für das 45Hertz Open Air Festival. Vom 5. bis 14. August gibt’s beste Live-Musik aus den verschiedensten Musik-Genres und ein besonderes Konzert zum Abschluss

Text: Felix Willeke & Isabel Rauhut

2022 sind viele Festivals zurück, so auch das 45Hertz Open Air Festival. Nach der Premiere 2018, stehen auf dem Container-Gelände mitten in der Schanze mit dem Fernsehturm im Hintergrund dieses Jahr vom 5. bis 14. August wieder beste Liveacts auf der Bühne. Neben Elektro, Techno und HipHop gibt es außerdem viel Kunst und eine Tattoo-Station. Food und Drinks stehen bereit!

Den Auftakt macht, wie könnte es anders sein, am 5. August ab 17 Uhr das PAL. Nicht nur zählt der Club an der Messe zu den besten Techno-Clubs der Stadt, sie haben für den Auftakt des 45Hertz Festivals auch noch PartiBoi69 im Gepäck. Nach dem Techno-Gestampfe an der frischen Luft geht es für die Aftershow dann um die Ecke in den Club. Gefeiert wird so lange die Füße es aushalten.

Am Samstag, dem 6. August, geht es ab 14 Uhr mit Musik von unter anderem Doctor Dru weiter. Und wer sich am Wochenende durch den CSD getanzt hat, den erwartet beim 45Hertz Festival am Sonntag, den 7. August, der perfekte Abschluss. Beim Katermukke Open Air kann ab 14 Uhr weiter getanzt werden und bei der Aftershow im Volt endet die Party erst mit Sonnenaufgang.

Oli P. Birthday Bash

Doch ein 45Hertz Festival wäre nichts, ohne seinen Liebling: Gerade erst hat Oli P. mit „Hey Freiheit“ einen neuen Song veröffentlicht – für das 45Hertz beruft er sich auf seine Fähigkeiten hinter den Plattentellern und feiert am 10. August auf dem Gelände ab 17 Uhr seinen Geburtstag.

Seit gut zwei Jahren gibt es gutistgut, die Crew um Mela, Watson und Das Bo. Diese präsentieren am 12. August ab 15 Uhr das kleine Festivälchen der Freundschaft. Dazu laden sie neben Sutsche und Torino natürlich auch die gutistgut-Allstars Das BO, DJ Plazebo und Luis Baltes ein. Bei der Aftershow im Volt ist dann auch das Fünf Sterne Sound System mit dabei.

HipHop Heads hier hin: DOPAMIN Open Air

Das neue DOPAMIN Open Air wird Auslöser für urbane Glücksgefühle: Als Teil des 45Hertz Festivals findet das erste DOPAMIN Open Air am Samstag den 13. August 2022 statt. Zehn Liveacts, diverse Side Events und starke Surprise Acts sorgen mit besten HipHop-Beats für geschmeidige Vibes.

Nicht nur auf der Bühne zwischen den großen Containern sorgen Acts wie Reezy, Aisha Vibes, Ansu und BOOZ für Abriss. Auch im Anschluss gibt es Turn-up – zu Fuß geht’s ins Volt zur Blockparty und Aftershow um die Ecke. Tickets für das DOPAMIN Open Air gibt’s aktuell noch für 26 Euro. Für mehr Informationen: dopamin-music.de

Ein Jahr Kabul Luftbrücke

Nach so viel Party und fetten Sounds wird es zum Abschluss des 45Hertz Festival nochmal ernst: In Afghanistans Hauptstadt Kabul wurde im Lichte des Einmarsches und der Machtübernahme der Taliban 2021 eine Luftbrücke eingerichtet. Genau daran erinnert das Open Air mit „1 Jahr Kabul Luftbrücke“ am 14. August ab 15.30 Uhr. Gemeinsam mit „Kabul Luftbrücke“, einer Initiative des gemeinnützigen Vereins Civilfleet-Support, veranstaltet das 45Hertz mit Hamburg Konzerte so ein OpenAir der besonderen Art. Ziel ist es, gemeinsam mit Musiker:innen wie Georg auf Lieder, Madsen und Raum 27 ein lautes Zeichen zu setzen und so viele Spenden wie möglich zu sammeln.


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Habitat Festival: 36 Stunden Rave

Im Juli bekommt Hamburg mit dem Habitat ein neues Technofestival. Das Habitat zieht vom Flugplatz Hungriger Wolf nahe Itzehoe auf das MS Dockville-Gelände in Wilhelmsburg. Crewmitglieder Klara Thiele und Arne Empen berichten vom Umzug, neuen Perspektiven und einem ganz besonderen Line-up

Interview: Ole Masch

SZENE HAMBURG: Klara und Arne, warum findet das Habitat Festival nicht mehr in Hohenlockstedt statt?

Klara: Der Flugplatz, welcher uns jahrelang eine Basis geboten hat, darf aufgrund behördlicher Anordnungen leider nicht mehr genutzt werden. Die Feldlerche – ein Vogel, der unter Naturschutz steht – brütet dort.

Wie kam es zum Umzug nach Hamburg?

Klara: Es war klar, dass wir nicht weiterhin in Hohenlockstedt unsere Zelte aufschlagen konnten. Wir haben alle Möglichkeiten abgewogen und uns für den Umzug nach Hamburg entschieden – das Gelände war uns bereits bekannt. Wir finden unseren neuen Heimathafen also in Wilhelmsburg auf dem Gelände des MS Artville. Dieser Ort ist so charmant, weil er sich mitten auf der Hamburger Insel umgeben von einem Potpourri aus Hafenindustrie und massig Grün befindet. Der Umzug bietet uns die Chance, neue Perspektiven einzunehmen und uns weiterzuentwickeln, sodass wir ein anderes, aber mindestens gewohnt zauberhaftes Habitat Festival feiern können.

Welche Perspektiven sind das?

Arne: Der neue Standort ist für unsere Besucher:innen deutlich leichter erreichbar und besser an den Nahverkehr angebunden. Für manche Hamburger:innen war der Weg nach Hohenlockstedt vielleicht zu weit; jetzt reicht ein Sprung über die Elbe. Hier besteht eine diversere Infrastruktur sowie das Wissen, dass wir diese nutzen können. Das Habitat ist mit acht Bühnen und etwa 60 Acts zudem auch das größte Technofestival der Stadt.

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Bringen mit dem Habitat Festival Techno von Schleswig-Holstein nach Hamburg: Arne Empen (l.) und Klara Thiele (r.) (Fotos: Jo-Hendrik Hamann & Annika Nebe)

„Einem langen und lauten Habitat steht nichts im Weg“

Ihr sprecht beim Umzug von einem Balanceakt, der mit Anpassungen des Konzeptes einhergeht …

Arne: Genau – wir feiern in diesem Jahr zwei statt vier Tage. Dafür aber durchgängig! Zum Ausgleich dürfen Menschen, die Tickets aus 2020 behalten haben, eine Person umsonst mitnehmen.

Klara: Das Gelände ist konzeptuell natürlich auch wichtig. Den „Techno-bunker“ aka den Hangar-Floor wird es beispielsweise nicht mehr in Wilhelmsburg geben – dafür aber lauter neue, spannende Floors und Ecken. Wir haben keine Zweifel, dass auch hier ein einzigartiges Gemeinschaftsgefühl auf den neuen Flächen entsteht.

Gibt es Einschränkungen wegen der Lautstärke?

Arne: Festivals in der Nähe von Wohnorten müssen sich immer mit Lautstärke-Begrenzungen auseinandersetzen. Auch das ist eine Frage der Genehmigung. In Bezug auf dieses Thema haben wir mit dem Standort in Wilhelmsburg sehr ähnliche Voraussetzungen wie in Itzehoe. Das ist für Besucher:innen sowieso kaum spürbar. Einem langen und lauten Habitat steht nichts im Weg.

Der Startschuss für die Wilhelmsburger Festivalsaison

Wie wird das Gelände gestaltet?

Klara: Das Habitat Festival ist in diesem Jahr die erste Veranstaltung auf dem Wilhelmsburger Gelände und somit quasi der Startschuss für die Wilhelmsburger Festivalsaison! Obwohl auch andere Veranstaltungen dort stattfinden, wird das Habitat einen eigenen Look bekommen. Die einzelnen Bereiche des Geländes werden besonders gestaltet, sodass eine ganz eigene Idylle entsteht. Zu viel möchten wir noch nicht verraten, aber es wird keinesfalls genauso wie beim MS Dockville aussehen. Auch programmatisch nutzen wir einige Floors deutlich anders als zum MS Dockville.

„Die einzelnen Bereiche des Geländes werden besonders gestaltet, sodass eine ganz eigene Idylle entsteht.“

Klara Thiele

Welche Floors und Bühnen gibt es?

Arne: Von den acht Floors widmen wir sechs allen Facetten der elektronischen Musik von Techno über House bis hin zu Drum & Bass. Wir sind auf Ellen Allien und Gerd Janson gespannt, welche beide die Szene schon seit vielen Jahren prägen: Ellen Allien als Vorreiterin für weibliche DJs und Gerd Janson, der durch seine sorgfältige Trackselektion gerne als „the DJs DJ“ bezeichnet wird. Zwischen beiden spielt Patrick Mason, der bereits im PAL begeistert hat. Dann gibt es noch zwei Floors für Bands und Live-Acts. Auf einer Bühne davon wird Rap & HipHop performt.

Hier freuen wir uns schon sehr auf Goldy MP3 & Young Meyerlack. Last, but not least läuft auf der achten Bühne Konzertprogramm. Hier spielen unter anderem Martin Kohlstedt und Shkoon. Also: ein vielfältiges und aufregendes Programm, das den Timetable mehr als ausfüllt – klassisch Habitat und doch perfekt für ein durchgängiges Festival und 36 Stunden Rave, Erlebnis und Alltagsflucht. Neben den vielen Floors gibt es noch weitere Bereiche zum Chillen, wo auch Themen wie Awareness und Psy-Care ihren Platz finden. Auf diesen Flächen werden wir auch Workshops anbieten.

Lokale Szene-Acts und größere, internationale Künstler:innen

Gibt es weitere Acts, auf die ihr euch besonders freut?

Klara: Ich freue mich auf die bunte Mischung aus lokalen Szene-Acts und größeren, auch internationalen Künstler:innen. Tama Modus & Maly sowie Patrick Mason sind nur zwei meiner Highlights.

Arne: Wir haben viele Bookings von spannenden Newcomer:innen im Angebot, die teilweise noch nie oder seit sehr langer Zeit nicht mehr in Hamburg aufgelegt haben, wie Shinedoe aus Amsterdam, die Vinyl-Liebhaberin Paquita Gordon aus Italien oder auch Cyan85 aus Leipzig. In unserem Team gibt es aber auch viele Fans von RSS Disco, die das Festival eröffnen oder von Héctor Oaks, der zum Closing Sonntagabend am Start ist. Auch viele lokale Acts sind sehr wichtig für das Festival, ebenso das Urwerk – den Floor kennt die hiesige Szene schon gut, würde ich sagen.

Sneak Peak auf das MS Artville?

Was wird es neben der Musik noch zu erleben geben?

Klara: Unser Gelände ist wirklich einmalig! Einer der schönsten Orte Hamburgs, wenn du mich fragst. Hier gibt es viele kleine Ecken zu entdecken. Es darf verweilt, gespielt und natürlich wild gefeiert werden. Jeden Floor umgibt ein ganz eigener Zauber. Außerdem erhaschen unsere Besucher:innen schon einen Blick auf die neue Kunst des MS Artville, bevor das Kunstfestival offiziell eröffnet.

Könnt ihr auf Regen reagieren?

Arne: Das Gelände bietet zwei Indoor-Floors und weitere überdachte Bereiche. Sollte Regen angesagt sein, sind gute Schuhe und eine schützende Jacke aber auf jeden Fall angebracht. Darauf weisen wir unsere Gäst:innen aber auch rechtzeitig hin. Wie heißt es so schön? Es gibt kein schlechtes Wetter, nur die falsche Kleidung!

Kann man auf dem Gelände campen?

Klara: Aus genehmigungstechnischen Gründen darf in diesem Jahr leider nicht auf unserem Gelände gecampt werden. Auf Anfrage via Instagram-DM geben wir gern Tipps zu den nächsten Schlafmöglichkeiten heraus.

„Ein durchgängiges Festival und 36 Stunden Rave, Erlebnis und Alltagsflucht.“

Arne Empen

Ausblick und Vorfreude

Wird es zwischendurch Feierpausen geben?

Klara: Wir werden die Party Samstagmittag eröffnen und feiern dann nonstop bis Sonntag in die Nacht. Es gibt also zumindest keine angeordnete Feierpause, aber selbstverständlich schaffen wir Orte zum Ausruhen und Erholen.

Gibt es Tagestickets?

Klara: In unserem Ticketshop sind neben den Tickets, die von Samstag bis Sonntag gelten auch Tickets nur für den Sonntag erhältlich. Wenn wir vorab nicht ausverkauft sein werden, was aktuell schwierig vorherzusehen ist, wird es für Kurzentschlossene auch eine Abendkasse am Gelände geben, die in diesem Fall wohl eher Morgenkasse sein wird. Auf Instagram und unserer Homepage kommunizieren wir alle aktuellen Informationen.

Wollt ihr auch in den nächsten Jahren in Wilhelmsburg bleiben?

Arne: Im kommenden Jahr werden wir die Situation neu bewerten. Da die Feldlerche aber vermutlich nicht einfach so wieder verschwindet, haben wir uns erst einmal vom Hungrigen Wolf verabschiedet und freuen uns auch auf den neuen Ort. Mit Glück können wir hier 2023 dann auch wieder Camping anbieten und an mehr als zwei Tagen veranstalten. Auch das liegt nicht ganz in unseren Händen, sondern ist eine Frage der Genehmigung. Jetzt freuen wir uns aber erst mal auf dieses Jahr!

Habitat Festival, 16. bis 17. Juli 2022 ab 14 Uhr auf dem MS Dockville-Gelände am Reiherstieg Hauptdeich


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Go_A: „Das Böse hat Angst vor der Wahrheit“

Die ukrainische „Go_A“ Band musste aus bekannten Gründen ihr Hamburg-Konzert im April verschieben. Im Kurzinterview erzählt Frontfrau Kateryna Pavlenko, wie es ihr und ihren Kollegen geht

Interview: Erik Brandt-Höge

SZENE HAMBURG: Kateryna, mittlerweile seid ihr raus aus der Ukraine und fern des schrecklichen Krieges. Sicher vergeht aber kein Tag, an dem ihr nicht daran denkt. Magst du deine aktuelle Gefühlslage kurz beschreiben?

Kateryna Pavlenko: Der Krieg hat wirklich jeden Ukrainer getroffen. In den ersten Tagen des Krieges waren auch wir aus der Band gezwungen, unser Zuhause zu verlassen und Zuflucht an anderen Orten zu finden. Ich musste meine Wohnung in Kiew am 24. Februar um fünf Uhr morgens verlassen und bin in die Region um Tscherkassy gezogen. Ich konnte nicht mal meinen Laptop mit meinen Demo-Tracks mitnehmen – was letztlich natürlich unwichtig ist, wenn das Leben auf dem Spiel steht. Alles, was ich fortan brauchte, waren eh nur ein Platz zum Schlafen und Zugang zu Nachrichten. Mittlerweile fühlen wir uns an unseren Aufenthaltsorten sicher und wieder stark genug, uns auf Musik und Konzerte zu konzentrieren.

„Das, was gerade passiert, wird vermutlich immer in uns sein“

Ihr spielt auch wieder Konzerte in diesem Sommer, tretet auf Festivals auf. Sind das dann Stunden, in denen ihr wirklich nur an Musik denken könnt?

Vor dem 24. Februar haben wir uns enorm auf den coolen Festival-Sommer gefreut, der vor uns lag, hatten viele Pläne. Wir wollten zum Beispiel ein Album veröffentlichen und Musikvideos drehen. All das hat aber von jetzt auf gleich an Bedeutung verloren. Ich habe unseren Konzertmanager angerufen und gesagt, wir würden einige Shows absagen, andere auf 2023 verschieben. Wir haben uns irgendwann entschieden, wieder zu spielen, weil wir dadurch Spenden für die Ukraine sammeln können. Wir spielen in 29 Städten, 15 Ländern. Viele ukrainische Geflüchtete können uns dort sehen. Ob wir es schaffen, während der Konzerte mal nicht an den Krieg zu denken, weiß ich nicht. Das, was gerade passiert, wird vermutlich immer in uns sein.

„Jeder sollte die Ukraine unterstützen, wo er nur kann“ und „nicht leise sein“

Wird eure Musik fortan womöglich politischer ausfallen?

Wenn in unserem Land Krieg herrscht, weil jemand einmarschiert ist, um unsere Identität zu zerstören, ist erst mal alles um einen herum politisch. Was wir jetzt tun können und müssen, ist uns unsere Kultur zu bewahren und laut auszusprechen, was da gerade geschieht. Das Böse hat Angst vor der Wahrheit. Und Präsident Selenskyj hat es bei seiner Grammy-Rede schon gesagt: „Jeder sollte die Ukraine unterstützen, wo er nur kann“ und „nicht leise sein“.

„Go_A“, am 26. Februar 2023 live um 20 Uhr im Grünspan, Tickets ab 40 Euro

„Go_A“ live beim Eurovision Song Contest 2021:


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Danger Dan: „Ich bin nimmersatt“

Mit der Antilopen Gang eh schon erfolgreich, katapultierte sich der Rapper mit seinem Klavieralbum „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“ noch mehr ins Rampenlicht. Das war nicht abzusehen, sagt Danger Dan im Interview kurz vor seinem Stadtpark-Konzert

Interview: Erik Brandt-Höge

SZENE HAMBURG: Danger Dan, planen oder mal abwarten?

Danger Dan: Eher planen. Bei mir ist es allerdings so, dass Planung immer eine Ablösung des Zufalls durch den Irrtum ist. Bis jetzt ist noch keiner meiner Pläne aufgegangen, aber das Gute ist, dass das, was stattdessen passiert ist, eigentlich noch besser war.

Ist es beim Schreiben von Musik auch so, zum Beispiel beim Schreiben am aktuellen Soloalbum? Du hast mal gesagt, am Anfang hättest du noch nicht gewusst, wo die textliche Reise hingehen würde.

Ja, das war schon immer so. Ich weiß gar nicht, ob ich jemals gezielt gedacht habe: So, ich schreibe jetzt einen Text darüber und darüber. Ich arbeite nie ein bestimmtes Thema ab. Stattdessen setze ich mich hin, und irgendwas passiert. Einen Tag später gucke ich mir den Text dann an und prüfe, ob er gut ist.

„Alleine kann ich leichter über Liebe schreiben“

Danger Dan

„In politischen Liedern rege ich mich meistens nur auf“

Und wenn du dich beim Schreiben für ein Thema entscheiden müsstest: Liebe oder Politik?

Schwierig. Beides Dinge, die mich schnell ergreifen. Ich bin inflationär schnell verliebt. Auch als ich das Soloalbum geschrieben habe, war ich extrem verliebt. Auf der anderen Seite beschäftigen mich politische Themen auch sehr. Gespräche mit Freunden drehen sich oft um Politisches. Müsste ich mich tatsächlich entscheiden, würde ich wahrscheinlich Liebeslieder nehmen, einfach, weil es darin um schönere Gefühle geht. In politischen Liedern rege ich mich meistens nur auf.

Fällt es dir grundsätzlich auch leichter, über Liebe zu schreiben?

Nein, das nicht. Das Schöne am Schreiben des Klavieralbums war, dass ich alleine geschrieben habe. Bei der Antilopen Gang schreiben ja immer drei Freunde gemeinsam. Alleine kann ich leichter über Liebe schreiben. Ich muss aber auch sagen, dass das Schreiben das eine ist – und das Vorspielen der Liebeslieder was ganz anderes. Als ich die Lieder anderen vorgespielt habe, habe ich mich richtig geschämt. Die Texte sind ja schon sehr intim.

„Ich jammere gerade eher“

Verschwand die Scham, als du gemerkt hast, wie sehr die Lieder den Leuten gefallen?

Ja. Mittlerweile habe ich beim Vorspielen keine Selbstzweifel mehr, sondern bin einfach nur stolz auf die Lieder.

Nächste Entscheidungsfrage: Hauptsache eine Message oder Hauptsache gute Unterhaltung?

Hauptsache gute Unterhaltung. Ich bin oft enttäuscht, wenn Musikerinnen oder Musiker versuchen, Messages zu transportieren, auf die sich eh alle einigen können: Klimawandel ist scheiße, Nazis sind scheiße, Gleichberechtigung ist gut. Das sind alles keine richtigen Messages mehr, das haben alle verstanden. Da bin ich lieber gut unterhalten. Es gibt natürlich auch den Fall, wenn beides zusammenkommen soll, die Message aber schlecht ist und ich am Ende total schlecht unterhalten bin. Gerade im Rapbereich ist es ja so, dass Texte gar nicht politisch gedacht sind, es aber eben doch sind, zum Beispiel, wenn da bestimmte Frauenbilder beschrieben werden. Das ist oft AfD-kompatibler, als den Autoren klar ist.

In Krisenzeiten: Jammern oder jetzt erst recht?

Die ehrliche Antwort ist, dass ich gerade eher jammere. Ich habe so eine Phase, in der ich geradezu handlungsunfähig bin.

Inwiefern?

Politisch. Politisch stört mich momentan so viel, aber ich jammere nur darüber.

„Von der Kunstfreiheit gedeckt“, für Danger Dan ein Überraschungserfolg

Zukunft vorhersehen: Nicht spannend genug

Was tröstet dich?

Die Konzerte, die ich endlich wieder spielen kann, und die vielen Leute, die da kommen.

Die Zukunft vorhersehen können: Ja oder nein?

Nein!

Weil du Angst davor hast?

Einerseits, und dann auch, weil meine Biografie deshalb so spannend ist, weil nie klar war, was aus diesem Typen noch werden würde. Es war immer alles offen. Ich wurde vom durchgedrehten Obdachlosen zum Sänger und Pianisten mit großem Renommee. Wenn ich das vorher gewusst hätte, wäre das überhaupt nicht spannend gewesen.

Ein ganz anderes Bild

Du scheinst auch nicht besonders gut darin zu sein, die Zukunft vorherzusagen – zumindest, was das Klavieralbum betrifft. Die Auflage hattest du ja enorm klein geplant.

Wir dachten, dass wir innerhalb der nächsten Jahre 500 Exemplare verkaufen können. Die waren allerdings schon innerhalb einer Nacht weg. Das hätte niemand prognostizieren können. Es ist ja Musik, die sehr wenig zeitgeistig ist und in der ein Rapper sich in einen ganz anderen Bereich bewegt. Dass Leute, die die Antilopen Gang hören, auch ein Klavieralbum von mir hören würden, war absolut nicht klar.

Kommen wir zum Umgang mit Erfolg: Genießen oder hinterfragen?

Sowohl als auch. Es ist doch ein bisschen viel geworden, ich werde in der U-Bahn erkannt und so. Ich habe auch durch Auftritte und Interviews ein Bild von mir gezeichnet, dass ich selbst gar nicht von mir habe.

Der Hunger soll bleiben

Wie ist denn dein Bild von dir?

Ich bin ein ganz normaler, verpeilter Typ. Dass wissen auch alle meine Freundinnen und Freunde. Und dieses Bild widerspricht der öffentlichen Figur doch sehr stark. Zudem werde ich immer mehr zu bestimmten politischen Themen gefragt, bei denen ich gar keine Expertise habe. Dieses Album ist zwar im Vergleich zu anderen sehr reflektiert, aber das bedeutet nicht, dass man sich auf mich berufen sollte, was irgendwas betrifft. Ich glaube nicht, dass ich ein guter Ratgeber bin.

Zum Schluss: Schnell zufrieden oder nimmersatt?

Ich bin nimmersatt. Ich habe gar keine Lust, irgendwo anzukommen, und ich hoffe, ich kann mir meinen Hunger aufs Leben bewahren.

Danger Dan spielt am 9. Juli um 19 Uhr beim Stadtpark Open Air;
SZENE HAMBURG verlost 2 x 2 Gästelistenplätze. E-Mail mit Name und Betreff „Danger Dan“ bis 5. Juli an verlosung@szene-hamburg.com


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