(21.4.) Kino: Der Schamane und die Schlange, Zeise Kinos, 21.30 Uhr

Unweigerlich werden beim Anblick von Ciro Guerras hypnotischem Entdeckerdrama Erinnerungen an Werner Herzog wach, der in den 1970er und 1980er Jahren mit Schauspielberserker Klaus Kinski den südamerikanischen Dschungel durchforstete. Ein Hauch von „Fitzcarraldo“ ist etwa dann zu spüren, als ein Grammophon zum Einsatz kommt. Und auch der Wahnsinn aus „Aguirre, der Zorn Gottes“ kriecht in einigen Szenen hervor. Anders als bei Herzog nimmt „Der Schamane und die Schlange“ allerdings immer wieder eine dezidiert indigene Perspektive ein.
Erzählt wird hier von zwei Wissenschaftlern, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten mit dem Schamanen Karamakate nach der angeblich heilbringenden Yakruna-Pflanze suchen. Anfang des 20. Jahrhunderts schleppt sich der schwerkranke Anthropologe Theo durch den unwirtlichen Dschungel. Knapp 30 Jahre später ist es der Botaniker Evan, der den Indianer um Hilfe bittet.
Ausgehend von den Tagebuchschilderungen der beiden realen Forscher Theodor Koch-Grünberg und Richard Evans Schultes schaut der Film auf die Veränderungen, denen die Amazonas-Völker unterworfen waren und sind. (Christopher Diekhaus)

Zeise Kinos
Friedensallee 7-9
21.4., 17.20 + 21.30 Uhr

(22.4.) Musical: “Heute Abend: Lola Blau”, Schmidtchen, 20 Uhr

Eine One-Woman-Show auf der kleinen Bühne des Schmidtchen: Die jüdische Sängerin Lola Blau flieht vor dem Naziterror in die USA und kehrt nach Kriegsende als gefeierter Showstar in ihre österreichische Heimat zurück. Geschrieben wurde das Musical von dem bissigen Satiriker Georg Kreisler, der für seinen schwarzen Humor bekannt ist. In über zwanzig Chansons und kleinen Szenen wandelt Lola Blau auf der Reise ihres Lebens zwischen den Stimmungen, wütend, heiter oder melancholisch. Eine Paraderolle für Yvonne Disqué, die bereits 2011 für die Darstellung der Lola Blau mit dem Rolf-Mares-Preis ausgezeichnet wurde. (HB)

Schmidtchen
Spielbudenplatz
22.4., 20 Uhr
Ticket: ab 30,60 Euro

Foto: Oliver Fantitsch

(21.4.) Lesung: Axel Hacke liest, Schauspielhaus, 20 Uhr

Eine Lesung, bei der noch keiner weiß, was vorgelesen wird. Wahrscheinlich nicht einmal Axel Hacke selbst. Der Schriftsteller und Journalist hat einfach zu viel Material – und bringt vorsichtshalber alles mit auf die Bühne. Sein allerneuestes Buch “Fußballgefühle”, seine legendären Kolumnen aus dem Magazin der Süddeutschen Zeitung, die Gedanken seines schwermütigen sprechenden Kühlschranks Old Bosch oder seine wahnwitzige Speisekarten-Sammlung aus der ganzen Welt sind nur ein Bruchteil der möglichen Inhalte. Egal, was es wird, Hacke liest und es wird gut. Auch der NDR hat das einmal so zusammengefasst: „Wenn er eine öffentliche Lesung macht, pflegen sich seine Zuhörer mit Taschentüchern auszustatten, weil sie wissen, dass die Lachtränen laufen werden.“ Steckt euch gleich mehrere Packungen ein, bevor ihr Richtung Schauspielhaus düst. (AW)

Deutsches Schauspielhaus
Kirchenallee 7
21.4., 21 Uhr
Ticket: 17 Euro

Foto: Thomas Dashuber

(18.4.) Konzert: Joanna Gemma Auguri, Jupibar, 21 Uhr

Joanna lebt in Berlin, passt aber fast besser nach Hamburg, glaubt man der Beschreibung auf Webseite des Gängeviertels: „Großgewachsen, mit schwarzen Haaren und ebenso schwarzem Akkordeon sitzt sie selbstversunken auf der Bühne und verzaubert mit Liedern über die See, Heimat, verlorene Schiffe und verlorene Seelen. Melodien wie dunkle Gewässer und Nebel in der Nacht.“ So oder so begibt man sich beim Hören ihrer Experimental Folklore in eine andere Welt – dunkel, abgründig, sehnsüchtig. Wer sich sogar live entführen lassen will, ist am Montag in der Jupibar im Gängeviertel genau richtig. Einen Surprise Act gibt es oben drauf. (AW)

Jupibar
Valentinskamp 34
18.4., 21 Uhr

Foto: Jan Ganschow/em>

(18.4.) Kino: Viel Lärm um nichts, Metropolis, 17 Uhr

Shakespeare at its best mit der Hollywood-Elite

Verkuppeln geht ja meist nach hinten los – und wer sich vornimmt, zwei Menschen zusammenzubringen, die nichts lieber mögen als sich zu beschimpfen, muss von allen guten Geistern verlassen sein. Doch die Freunde haben einen Plan. Sie erzählen den Streithähnen Beatrice und Benedict einfach, der andere sei hoffnungslos in sie verliebt. Das Gefühlschaos ist jedenfalls perfekt und wird in „Viel Lärm um nichts“ hinreißend-übermütig erzählt. Regisseur Kenneth Branagh interpretiert Anfang der Neunziger die Shakespeare-Romanze als Film – und gewinnt einen weltberühmten Cast dazu. Emma Thompson, Keanu Reeves, Denzel Washington, Michael Keaton und Chris Barnes laufen jetzt in der deutschen Fassung noch einmal im Metropolis über die Leinwand. Weil ein Klassiker nie alt wird. (AWÖ)

Metropolis Kino
Kleine Theaterstraße 10
18.4., 17 Uhr

(20.4.) Konzert: Jupiter Jones, Molotow, 20 Uhr

Tour nach Personalwechsel

„Wir können mit vollgerotzten Taschentüchern untergehen, um dann mit brüllenden Fahnen wieder aufzustehen.“ Die Zeile aus dem Titeltrack des neuen Jupiter-Jones-Albums „Brüllende Fahnen“ ist programmatisch zu verstehen. Nach dem Ausstieg von Frontmann Nicholas Müller hat sich die Band mit Sven Lauer einen alten Freund ans Mikrofon geholt. Die Songs mit ihm klingen nun weniger punkig, aber immer noch nach Garage und weit entfernt von glattem Popsound. Passenderweise haben sich Jupiter Jones für die Albumpräsentation mit dem Molotow auch eine geeignete Location ausgesucht. (MB)

Molotow
Nobistor 14
20.4., 20 Uhr

(20.4.) Lesung: Sarah Kuttners “180 Grad Meer”, Uebel & Gefährlich, 20 Uhr

Assoziativ-poetisch peitscht Kuttner durch ihren neuen Roman „180 Grad Meer“. Stilistisch eher schnoddrig, ein bisschen psychoanalytisch und einen wunden Nerv treffend: „Ach, wir schönen Powerfrauen brauchen keine Männer, um glücklich zu sein … Wenn sie diesen nur oberflächlich emanzipierten Mist nicht schon von alleine mitbringen, möchten sie ihn von mir vermittelt bekommen. Bitteschön. … alles, was sie wollen… Ich bin eine Prostituierte der menschlichen Emotionen.“ Wenn das mal nicht heiter wird… Bei ihrer Lesung im Uebel & Gefährlich zum Beispiel. Die ist offiziell ausverkauft, aber wer Bock hat auf Sarah Kuttner, der findet sicher einen Weg… (JVW)

Uebel & Gefährlich
Feldstraße 66
20.4., 20 Uhr

Foto: Erik Weiss

(19.4.) Live: The Dunwell und Bronze Radio Return, Molotow, 19 Uhr

Doppelt hält besser – denken sich auch The Dunwells (Foto) aus dem englischen Leeds und Bronze Radio Return aus dem US-Bundesstaat Connecticut, zwei Newcomer-Truppen im Indie-Gitarren-Kosmos. Zusammen gehen sie auf eine sogenannte Co-Headline-Tournee. Die Dunwells spielen einen Mix aus Americana, Britrock und Folk, BRR haben sich vor allem tanzbaren Pop auf die Fahne geschrieben. Zwei Bands, zwei wuchtige Auftritte, ein 1a-Doppelpack. (EBH)

Molotow
Nobistor 14
19.4., 19 Uhr

(19.4.) Musik: “Toxic Tunes” mit Schaerer & Niggli, resonanzraum, 20 Uhr

Im Resonanzraum des Musikbunkers auf St. Pauli findet der dritte Teil der neuen NDR-Konzertreihe statt: „Toxic Tunes“ begrüßt dieses Mal unter dem Motto „Sing The Body Electric“ das Duo Schaerer & Niggli. Die beiden vereinen prachtvolle Vokalkunst von Jazz bis HipHop mit eingewebter Percussion. Anschließend widmet sich Viktor Marek den Klängen der zwei Schweizer, um sie im Remix elektrisch zu erweitern. Final stößt dann auch noch die Sitar des Hamburger Meisterspielers Ashraf Sharif Kahn dazu. Vier Künstler aus vier unterschiedlichen Disziplinen, die in der Improvisation zusammenfinden. Spannend! (MF)

SZENE HAMBURG verlost 2×2 Gästelistenplätze für die Konzertreihe. Schickt zum Gewinnen eine E-Mail mit dem Stichwort „Toxic“ bis zum 15.4. an nachtleben@vkfmi.de

Resonanzraum
Feldstraße 66
19.4., 20 Uhr


Foto: Francesca Pfeffer

(17.4.) Premiere: Die Känguru-Chroniken, Altonaer Theater, 20 Uhr

Ein anarchisches Selbstgespräch

Als plötzlich ein Känguru an Marc-Uwe Klings Tür klingelt und ihn um Eier bittet, reagiert er angemessen: Er wundert sich. Und die Verwunderung bleibt, denn das radikal antikapitalistische Känguru annektiert kurzerhand die Hälfte seiner Wohnung und schnorrt sich durch den Küchenschrank. Dem frechen Eindringling ist nicht beizukommen, rhetorisch versiert unterläuft es jede bürgerliche Regel und plant nebenbei die jüdisch-bolschewistische Weltverschwörung. Was vor rund acht Jahren beim Berliner Radio Fritz als satirischer Podcast begann, wuchs sich zum Massenphänomen aus. Drei Bücher sind bislang erschienen, ein Erfolgsgeheimnis ist ihre vielseitige Lesbarkeit: Einerseits schrieb sich der Autor sein Alter Ego vom Leibe, andererseits handelt es sich um eine Parabel über Toleranz. Im April wird das Känguru die Bühne des Altonaer Theaters übernehmen. (BIE)

Altonaer Theater
Museumstraße 17
17.4., 20 Uhr

Foto: G2 Barianak