#2 Kellerkneipe: Birdland

Zeit zum Luft holen, Abhängen und Runterkommen. Am besten bei einem kühlen Pils in einer lauschigen Bar. Wir zeigen darum unsere liebsten Kellerkneipen. #2 Birdland.

Schock 2013: Die Betreiber gehen in Rente, das Birdland macht zu! Geht gar nicht, schließlich ist das seit den 80ern der Jazzclub in Hamburg. Hier haben schon Weltstars wie Art Blakey, Brad Mehldau, Chet Baker, Ray Brown, Joe Henderson oder Diana Krall gespielt. Und ich habe bei der donnerstäglichen Jamsession unzählige mehr oder weniger feucht-fröhliche, inspirierende, beschwingende Abende mit Freunden verbracht. Doch hip, hip, hooray: 2014 übernehmen die Söhne von Dieter und Heidi Reichert, Wolff und Ralph, den Laden, zusammen mit zwei Freunden vom Freundlich + Kompetent eröffnen sie das Birdland wieder.

Seitdem gibt’s nicht nur reinrassigen Jazz, sondern auch Singer-Songwriter,-Soul, Funk, HipHop oder Reggae zu hören. Und das in der gewohnten, zauberhaften, gemütlichen Atmosphäre: Das etwas schraddelige Holzgestühl, an den Wänden die von Heidi Reichert selbst gemalten, bunten Jazzmusiker-Porträts und Unterschriften unzähliger Künstler, kuscheliges Licht, Glitzerlichter hinter der Bühne. Und so ist ein Abstieg in den Musikkeller immer noch das, was er früher war: Ein Ausflug in eine heimelige, nostalgische Welt mit fantastischem Soundtrack. Ein bisschen La La Land für die Seele …

Kneipengründungsjahr: 1985 von Dieter und Heidi Reichert als Jazzclub gegründet, 2014 von den Söhnen Wolff Reichert und Ralph Reichert sowie den beiden Gastronomen des Freundlich+ Kompetent Julius Horn und Julian Jasper-Koch übernommen mit erweitertem musikalischem und neuem Barkonzept
Fassbiere: Keine
Musikstil: Jazz, Singer/Songwriter, Funk, Soul, Reggae, HipHop
Rauchen: Nein
Besonderheit: Jeden 1. und 3. Mittwoch: Birdland Vocal Session und jeden Donnerstag: Birdland Jam Session bei freiem Eintritt

Text: Maike Schade

Gärtnerstraße 122 (Hoheluft-West), Telefon 40 52 77, Mi 19.30–1 , Do-Sa 19.30–2 Uhr; www.birdlandhamburg.de


 Dieser Text ist ein Auszug aus SZENE HAMBURG, Januar 2018. Das Magazin ist seit dem 22. Dezember 2017 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!

Max Frisch fragt… Thorsten Nagelschmidt

In unserer Reihe „Max Frisch fragt…“ kommt der alte Meister der Literatur mit den Wortkünstlern der Gegenwart ins Gespräch. Diesmal mit Thorsten Nagelschmidt, der am 22. Februar seinen neuen Roman „Abfall der Herzen“ veröffentlicht. 

Was empfinden Sie als Eigentum: a) was Sie gekauft haben, b) was Sie erben, c) was Sie gemacht haben?
Thorsten Nagelschmidt: Alles drei, am meisten aber wohl doch a)

Wogegen sind Sie nicht versichert?
Sterben.

Was fürchten Sie mehr, das Urteil von Freunden oder das Urteil von Feinden?
No fear.

Welche Hoffnung haben Sie aufgegeben?
Mitglied des Club 27 zu werden (vor langer Zeit). 

Die Fragen stammen aus Max Frischs „Fragebogen”, gestellt von Jenny V. Wirschky.

Thorsten Nagelschmidts neuer Roman „Abfall der Herzen“ erscheint am 22.2.18 im Fischer Verlag. 

 


 Dieser Text ist ein Auszug aus der Titelgeschichte von SZENE HAMBURG, Februar 2018. In unserem Magazin finden Sie noch mehr interessante Beiträge über den Stadtteil. Es ist seit dem 26. Januar 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!

Franz Ferdinand: „Wir wollten aufnehmen wie Elvis“

Die schottischen Indie-Popstars haben sich gezielt auf links gedreht. Ein Gespräch mit Sänger Alex Kapranos über die Neuerfindung und den Sound von „Always Ascending“, dem aktuellen Album der Band.

SZENE HAMBURG: Alex Kapranos, fürs neue Album seid ihr in den einsamen Westen Schottlands gezogen. Es heißt, ihr hättet euch gezielt isoliert und nur auf die Gesellschaft von Bobs (Bassist; Anm. d. Red.) Hund gesetzt, als ihr an den Songs gearbeitet habt.
Alex Kapranos: Der Hund hat unser Leben gerettet (lacht). Kleiner Tipp an alle Musiker, die sich für ihre Arbeit mal abschotten wollen: Nehmt einen Hund mit! Er wird dafür sorgen, dass alle freundlich zueinander bleiben.

Wo und wie genau habt ihr gewohnt? Wie muss man sich euer Arbeitsleben in der Einöde vorstellen?
In einem Haus mit integriertem Studio, ungefähr eine Autostunde südlich von Glasgow. Anfänglich haben wir nur gesprochen, über Ideen und Ziele. Dann haben wir geschrieben, gespielt, vieles neu gelernt. Man kann es wirklich so sagen: Wir hatten uns vorgenommen, eine neue Band zu werden.

Was bedeutete das denn konkret?
Wir wollten Musik erschaffen, die nicht klingt wie so vieles andere gegenwärtige Zeug. Eher wie die Vergangenheit – natürlich nicht unsere eigene.

Das musst du erklären.
Es geht um die Aufnahmemethoden. Wir haben eine rohe Live-Band-Performance in den Vordergrund gestellt. Bei uns wurde nichts programmiert, auch nicht die Synthie-Sounds – das haben wir alles selbst gespielt. Wir waren alle in einem Raum, auch ich zum Singen. Hat schon Elvis Presley so gemacht. Wir wollten also aufnehmen wie Elvis, aber immer noch in 2018 passen.

Rund um die Aufnahmen von „Always Ascending“ habt ihr zudem viel Zeit mit Sam Potter (ehemals Sänger bei Late Of The Pier; Anm. d. Red.) verbracht und euch darüber ausgetauscht, was Drogen mit einem machen und wie man Musik produzieren könnte, die sich für den Hörer anfühlt wie ein Rausch. Welche Ergebnisse haben die Gespräche gebracht?
Sam ist ein guter Freund von uns. Worüber wir tatsächlich viel gesprochen haben, waren psychedelische Erfahrungen und die Zeit, in der man diese noch nicht gemacht hatte und sich nur vorstellen konnte, wie sie sich wohl anfühlen würden. Ich spreche da über die frühen Teenagerjahre. Da überlegte man ja oft: Wie fühlt sich Romantik an? Wie Sex? Wie Drogen? Wie der Sieg bei einem wichtigen Fußballspiel? Wie ein Rockstardasein? Mit Sam kamen wir zu dem Fazit, dass die Vorstellung dieser Erfahrungen viel intensiver waren, als die Erfahrungen selbst. Naivität und Vorstellungskraft sind zusammen extrem stark.

Woher kommt eigentlich der Hang zum Rauschhaften?
Ach, wir sind doch alle auf der Suche nach Stimulation. Wir wollen uns aus unserer Alltagsposition herausheben. Wir streben danach, etwas zu finden, das uns tief berührt. Es geht darum, einen anderen Bewusstseinszustand zu erreichen. Das kann u.a. durch ein Konzert gelingen. Speziell Musik mit seinen widerkehrenden Elementen kann in dieser Hinsicht viel bewirken.

Interview: Erik Brandt-Höge

„Always Ascending“ ist am 9.2. (Domino/Goodtogo) erschienen, Franz Ferdinand spielt am 1. März 2017, 20:00 Uhr im Mehr! Theater

 


 Dieser Text ist ein Auszug aus der Titelgeschichte von SZENE HAMBURG, Februar 2018. In unserem Magazin finden Sie noch mehr interessante Beiträge über den Stadtteil. Es ist seit dem 26. Januar 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!

Meet the Resident: Melbo

Jeden Monat stellen wir in der SZENE HAMBURG Resident DJs vor. Im Januar 2017 ist Melbo an der Reihe. Gebürtig aus London, aufgewachsen in Wien, steht die 32-Jährige seit 2013 in Hamburg hinter den Decks.

Schrägster Gast- Kommentar: Du hast richtig gut aufgelegt, aber ich bin besser.

Platte des Monats: Ryan Murgatroyd – Something Said.

Lieblingsplatten:
Kruder & Dorfmeister – The K&D Sessions, Röyksopp – Melody A.M., Trentemøller – The Last Resort, Dj Shadow – Entroducing.

Größter Moment als DJ:
Ich habe einmal vor „nur“ drei Leuten aufgelegt, aber einer von ihnen ist nach meinem Gig zu mir gekommen und meinte, dass es wunderschön war und dass er sich so richtig fallen lassen konnte. Das hat diesen eigentlich bescheidenen Gig völlig aufgewertet und mich daran erinnert, dass es egal ist, vor wievielen Leuten man als DJ spielt. Das Wichtigste daran bleibt, dass man eine Geschichte erzählt, die jemanden berührt hat.

Was nervt in Hamburg:
Eindeutig das Wetter und der hohe Mietspiegel.

Party des Monats (Februar 2018): Recondite live (16.2.18, Uebel & Gefährlich, 24 Uhr) / Konzert: Mars Mobil im Jazz Café (1.2.18).

/ OMA 

 


 Dieser Text ist ein Auszug aus SZENE HAMBURG, Februar 2018. Das Magazin ist seit dem 26. Januar 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!

Verlosung: Release-Konzert von The Hydden

Reduced to the max. Geht nicht? Doch! Das haben The Hydden erst im November bei ihrem Konzert im Kaiserkeller bewiesen. Jetzt kommt das Duo zurück nach Hamburg und hat ein neues Album im Gepäck. Und ihr könnt beim weltweiten Release dabei sein! Wir verlosen nicht nur 1×2 Gästelistenplätze für das Konzert am 16.2.2018, sondern auch eine frischgepresste LP!

Die Songs sind so vielschichtig wie die Band: Hier ein Blues mit Grunge-Anleihe, da ein Stoner-Rock Song mit Pop-Flair, immer gekonnt mit Melodien vereint. Gegensätze ziehen sich in dieser Schweizer Combo nämlich nicht nur an, sondern werden in der Musik gekonnt vereint.

Das Video zur am 12.01.18 erschienen 2. Single „The Other Way“ von The Hydden:

Der eine vom Land, der andere aus der Stadt, beide weit gereist. Drummer Roland spielt so ziemlich alles, was ihm in die Quere kommt: Von Surfer- Pop bis dirty RnR. Gitarrist und Sänger Roger schmettert u.a. bei DogEatDog (USA) trockene Riffs in die Menge, wenn er nicht gerade Musikstücke fürs Theater schreibt oder sich Underground-Projekten widmet.

Beide haben aber nicht nur das neue Album dabei, sondern auch noch ordentlichen Support. Auf der Bühne stehen nämlich auch noch die Berliner ADAM13 !

/ ILO

Nochtspeicher
19.02.18, 20.30 Uhr

  Wir verlosen 1×2 Gästelistenplätze für das Release-Konzert am 19.02.2018 inklusive LP

Wie könnt Ihr mitmachen? Na so:

#1 Kellerkneipe: Eldorado

Zeit zum Luft holen, Abhängen und Runterkommen. Am besten bei einem kühlen Pils in einer lauschigen Bar. Wir zeigen darum unsere liebsten Kellerkneipen. #1 Eldorado.

Klar, das Eldo ist ganz schön verraucht und oft fröstelt es mich in den ersten paar Minuten, so frisch ist es. Aber dann: fläzen ohne Ende auf den durch- gesessenen Ledersofas und roten Kinosesseln. In immer kürzeren Abständen zum Kupfertresen und der schön geschwungenen Zapfanlage, um eine neue Runde Jever vom Fass zu holen. Rage Against the Machine, Blur, Red Hot Chili Peppers – Rock ist hier definitiv tonangebend. Durch das Fenster über unseren Köpfen ist von der Außenwelt – bis auf vorbeieilende Beine und angeleinte Hunde – nicht viel mitzukriegen.

Umgeben von Retro-Tapeten und -Möbeln, eingehüllt in Rauch und warmes Licht ist dieser Ort zeitlos, eine Art schwarzes Loch, das einen nach Stunden wieder ausspuckt, als wäre nichts gewesen. Anfang letzten Jahres wurde das Eldorado von Redakteur Bernd, Otzen- treff-Besitzer Jan und Henning vom St. Pauli Tourist Office übernommen. Neben den gewohnten DJs am Wochenende gibt es jetzt sonntags New Wave und Pfeffi für kleines Geld. Außerdem, so wurde mir versprochen, wird die Heizung ab sofort höher gedreht.

Kneipengründungsjahr: 1904/ Neuübernahme Anfang 2017
Fassbiere: Jever, Ratsherrn Zwickel, Astra
Musikstil: Rock
Rauchen: Ja
Besonderheit: Retro-Tapete und Kupfertresen

Text: Jasmin Shamsi

Foto: Michael Kohls

Wohlwillstraße 50 (St. Pauli), Telefon 0151/10364351, So-Do 20-2, Fr-Sa 20-4 Uhr, www.eldoradostpauli.de 


 Dieser Text ist ein Auszug aus SZENE HAMBURG, Januar 2018. Das Magazin ist seit dem 22. Dezember 2017 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!