Ring & Wrestling – Göttersoap in der Staatsoper

Eine Telenovela auf der Opernbühne nennt sich, logisch, „operanovela“. Das neue Serien-Format der Staatsoper „Ring & Wrestling“ startet mit fünf Folgen. SZENE HAMBURG sprach mit dem Regisseur Dominik Günther, selbst ehemaliger Wrestler.

SZENE HAMBURG: Dominik Günther, „Der Ring des Nibelungen“ mit jenem Ring zusammenzubringen, in den die Wrestler steigen, liegt nicht unbedingt auf der Hand. Ist der Begriff Ausgangspunkt für Gemeinsamkeiten?

Dominik Günther: Nein, da gibt es andere. Beides ist martialisch, kraftvoll und nutzt Pathos. Eine Soap dreht sich meist um eine Familie, in diesem Fall sind es die Götter aus Wagners Opern: Wotan, seine Ehefrau Fricka, Wotans Tochter Brünnhilde, die er allerdings mit Erda zeugte, und Donner, ein Security-Mann, der in Brünnhilde verliebt ist. Zu dieser Riege stoßen in jeder Folge neue Gäste, wie man das aus Telenovelas kennt. Freya, zum Beispiel, Frickas Schwester.

“die klassische Oper mit der Hamburger Subkultur verbinden”

Inhaltlich geht es ja da weiter, wo Wagner aufhört: Den Göttern dämmert’s, dass sie nicht mehr gebraucht werden, doch das wollen sie nicht hinnehmen…

Walhall ist abgebrannt, die Götter sind auf der Flucht, wollen aber ihre Macht unbedingt zurückgewinnen. Dabei soll ihnen ein Held, ein neuer Siegfried helfen. Hier kommen die Wrestler aus der Kultveranstaltung „Rock & Wrestling“ von St. Pauli ins Spiel. Kandidaten wie The One and Only und Pinkzilla bewerben sich, aber auch Haidi Hitler, die große Wagner-Kennerin.

Wird es eine Persiflage auf Wagner-Opern?

Nein, wir nehmen die Arbeit sehr ernst, das Genre wird keineswegs niedergemacht. Mich als Regisseur interessieren dabei verschiedene theatralische Ausdrucksformen. Wrestling hat viel von einer griechischen Tragödie, vom Kampf Gut gegen Böse. Es sind Haltungen, die gegeneinander antreten. Ich wollte die klassische Oper mit der Hamburger Subkultur verbinden.

“Richard Wagner hätte Quadrophonie genutzt”

Was passiert musikalisch oder: Wie viel Wagner bleibt?

Anteilig kann ich das nicht benennen. Der musikalische Leiter Leo Schmidthals, bekannt als Bassist der Band Selig, nimmt Puzzleteile aus Wagner-Kompositionen. Die spielt ein fünfköpfiges Orchester live, verfremdet durch elektronische Musik. Ich bin sicher, auch Richard Wagner hätte Quadrophonie genutzt, wenn er die Chance gehabt hätte – er war Künstler. Außerdem ist Punkrock aus der Westling-Szene zu hören sowie Rezitative aus den Opern, also in beiden Fällen extreme Musik.

Die einen singen göttergleich, die anderen bewegen sich in ihrem Metier, wie verbinden sie sich?

Die Opernsänger entwickelten während der Proben eine Affinität zum Wrestling, sie wollten wissen, wie es möglich ist, jemanden auf den Kopf zu knallen, ohne ihm das Genick zu brechen. Dahinter stecken ja Tricks, eine bestimmte Technik und choreografierte Bewegungsabläufe, wie beim Ballett. Darsteller aus beiden Metiers erzählen Geschichten auf der Bühne, spielen Theater.

Haben Zuschauer ohne Kenntnisse des Wagner-Kosmos den gleichen Genuss?

Ganz sicher, jeder Abend wird spektakulär. Wir erzäh­len keine Story à la Nibelun­gen. Vielleicht haben Wagner­-Kenner manchmal mehr da­ von, weil sie in Pinkzilla den Drachen Fafner oder Facetten von Alberich in Wotan er­kennen, aber andererseits gibt es auch Anspielungen auf die Wrestling­-Szene.

Für seinen „Ring des Nibelungen“ sah Wagner vier Abende vor, Sie planen fünf Folgen von „Ring & Wrestling“ an aufeinander folgenden Samstagabenden; wird erwartet, dass das Publikum dranbleibt?

Zu Beginn erzählt immer jemand, was bisher geschah, man kann also jederzeit ein­steigen.

“Das Publikum ist eingeladen, Position zu beziehen”

Wrestling hat eine große Fangemeinde, und Wagner-Musik Legionen von Anhängern – aber gibt es eine Schnittmenge im Publikum?

Vielleicht jetzt noch nicht. Aber das Publikum über­nimmt bei „Ring & Wrestling“ ja ebenfalls eine Rolle, es spielt die Fans der jeweiligen Helden und ist eingeladen, Position zu beziehen, seine Favoriten anzufeuern. Ich hoffe sehr, dass sich Zuschauer aus beiden Bereichen treffen.

Wird schließlich ein Siegfried-Nachfolger gefunden?

Ich will nicht zu viel ver­raten. Aber: Am Ende ist ein neues Walhall in Sicht!

Interview: Dagmar Ellen Fischer
Beitragsfoto: Frank Egel

Opera stabile, Premiere am 7.9., 15., 22., 29.9. www.staatsoper-hamburg.de


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, September 2018. Das Magazin ist seit dem 30. August 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Donnerbar – Die Reinkarnation des Kleinen Donner

Reinkarnation: Der Kleine Donner ist zurück. In den Räumen der ehemaligen Bar Rossi öffneten David Struck und Felix Piechotta Anfang August ihr neues Wohnzimmer – die Donner Bar.

Dröhnende HipHop Beats, Schweiß, der von der Decke tropft, ein von Zigarettenrauch verqualmter, überfüllter Raum. Das sind Erinnerungen an den Kleinen Donner, den Kellerclub unter dem Haus 73 in der Sternschanze. Im Dezember 2017 musste die beliebte Underground-Disco schließen. Grund waren andauernde Lärmbeschwerden der Nachbarn.

Nun kommt die Hamburger Hip-Hop-Perle im neuen Gewand zurück: Etwa 200 Meter weiter öffnete der Donner endlich wieder seine Türen. Und es hat sich viel verändert. Die neue Location, direkt an der Max-Brauer-Allee, Ecke Schulterblatt sieht mit einladenden Glasfronten und hübsch dekorierter Außenterrasse so gar nicht mehr nach dem etwas ranzigen, authentischen Untergrund-Club von früher aus. Einzig das schlichte Blitz-Logo über dem Eingang lässt Besucher wissen: Der Donner ist wieder da.

Donnerbar: Schwingende Hüften trotz kleiner Tanzfläche

Auch von Innen erinnert nur wenig an den Kleinen Donner: Der einladende Tresen, ordentlich bestückt mit einer großen Auswahl an Spirituosen bildet das Herzstück der Donner Bar. Die Einrichtung ist dunkel und schlicht aber stilvoll gehalten. Die Tanzfläche verhältnismäßig klein. Auch eine Woche nach der großen Eröffnung ist die Bar am Samstag schon zu früher Stunde gerappelt voll.

Das Konzept scheint aufzugehen: Der Übergang von entspannter Afterwork-Atmosphäre zum ausgelassenen Feiern verläuft fließend. Dass die Musik nicht ganz so laut ist, wie man es aus dem Donner kennt, scheint niemanden zu stören. Die kleine Tanzfläche platzt auch so aus allen Nähten. Musikalisch setzt der DJ an diesem Abend auf eine gute Mischung aus bekannten Tracks und Underground. Amerikanischer Hip-Hop, durchbrochen von dem einen oder anderen deutschsprachigen Song lässt das Publikum die Hüften schwingen.

Alte Leuchter, neue Bar.

SZENE HAMBURG: David, ihr seid mit dem neuen Laden von Club auf Barbetrieb umgestiegen. Warum?

David Struck: Als klar wurde, dass wir den Kleinen Donner am Schulterblatt nicht weiterführen können, haben wir den Laden zur Cocktail-Bar Chambre Basse umgebaut und trotzdem weiterhin nach einer Clubfläche gesucht. Das hat leider nicht geklappt. Entweder stimmte der Preis oder die Lage nicht. Nach einigen Exilveranstaltungen über dem PAL hatten wir schon mehr oder weniger damit abgeschlossen den Donner weiterzuführen – bis wir über diese Location gestolpert sind.

Wie ging es weiter?

In erster Linie wollten wir einfach die Fläche übernehmen, ohne zunächst ein Konzept zu haben. Nach langen Verhandlungen konnten wir den Laden bekommen und haben angefangen uns Gedanken zu machen. Den gleichen Club konnten wir nicht machen, weil wieder zu viel Nähe zu den Nachbarn besteht. Wir sind dann zu dem Schluss gekommen, den Donner wieder aufzumachen, aber eben als Bar und Nachbarschaftskneipe. Wir öffnen sieben Tage die Woche ab 17 Uhr. Am Wochenende werden wir spielen, worauf wir Bock haben, um auch die Leute abzuholen, die unsere Musik hören wollen – nur eben etwas leiser. Im Prinzip also ein neues Konzept aus dem Alten heraus.

Könnt ihr musikalisch dann noch das gleiche liefern wie im Kleinen Donner oder passt ihr euch dem Mainstream an?

Josi Miller, Trettmann-DJ, die auch am Eröffnungswochenende aufgelegt hat, war schon früher oft bei uns. Die würde ich musikalisch eher in den Underground einordnen. Im Prinzip haben wir in dem Bereich nicht viel verändert. Natürlich gibt es die Schwierigkeit, unser altes Booking fortzuführen. Im Donner hatten wir oft internationale Gast-DJs, die wir gerade so mit dem Clubeintritt querfinanzieren konnten. Das wird uns hier nicht mehr möglich sein, weil wir keinen Eintritt nehmen. Das Ambiente hat sich schon verändert.

Wolltet ihr weg vom Kellerclub-Image?

Weiß ich gar nicht. Das war alles recht ungeplant. Wir haben keinen Innenarchitekten beauftragt und gesagt, was wir haben wollen oder so. Ein Kumpel, der Architekt ist, hilft uns da ein bisschen. Im Prinzip schauen wir uns einfach die Fläche an und gucken, was möglich ist und unseren Geschmack trifft. Wir greifen zum Beispiel mit dem Holz das Donner-Thema ein bisschen auf. Aber wollen uns natürlich auch weiterentwickeln. Die Kronleuchter sind tatsächlich noch aus der Bar Rossi, die einfach so geil sind, dass wir sie haben hängen lassen. Wir wollen mit unserer Einrichtung nicht irgendein Image verkörpern – machen das eher so, wie wir auch unsere Wohnungen einrichten würden.

Das Schulterblatt weist eine immense Bardichte auf. Gerade mit Läden wie der Katze nebenan eine riesen Konkurrenz. Wie wollt ihr euch durchsetzen?

Ich glaube das passiert von alleine. Mir würde jetzt kein Laden auf dem Schulterblatt einfallen, der ein ähnliches Konzept hat. Klar, es ist eine Bar und es gibt Getränke, aber musikalisch gibt es nichts Vergleichbares hier auf der Ecke – außer vielleicht die Bernstein Bar, die großartig ist, aber selbst da sind jetzt keine wirklichen Überschneidungspunkte. Außerdem sehen wir das eher als Symbiose, nicht als Konkurrenz. Je mehr Läden in eine ähnliche Richtung gehen wie wir, desto besser eigentlich. Die Szene ist groß genug.

Am Eröffnungswochenende war der Laden gerammelt voll. Wie habt ihr das Publikum wahrgenommen?

Am Freitag war so ziemlich jeder da, den wir kennen. Ob vom Sehen oder persönlich. Das war wirklich krass. Samstag war es ein bisschen anders, weil das Spektrum Festival parallel lief. Es war schon ein bisschen mehr vom klassischen Schanzenpublikum am Start. Die haben natürlich auch mitbekommen, dass wir da sind und wollten den Laden mal auschecken. Aber grundsätzlich würde ich schon sagen, dass wir wieder mehr auf das Donner-Publikum zählen als mit dem Chambre Basse.

Ihr tretet ein großes Erbe an. Die Bar Rossi war jahrelang eine regelrechte Institution in der Schanze. Wie steht ihr mit eurem Laden zu den Veränderungen und der laufenden Gentrifizierung im Viertel?

Schwieriges Thema. Ganz klar treten wir hier in große Fußstapfen. Die Rossi war, würde ich behaupten, eine der erfolgreichsten Bars in ganz Hamburg. Das Thema Wandel des Viertels ist nicht einfach zu beurteilen. Alles verändert sich. Wir sind nicht die größten Kritiker was das angeht. Wir versuchen einfach das zu machen, worauf wir Bock haben und freuen uns, wenn es Leute gibt, die da auch Bock drauf haben. Solange das der Fall ist, machen wir weiter.

Text & Interview: Eylin Heisler
Fotos: Ole Masch

Donner Bar, Max-Brauer-Allee 279, Mo-So ab 17 Uhr


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, September 2018. Das Magazin ist seit dem 30. August 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


 

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Filmfest Hamburg – Mehr als politisch unbequem

Das Filmfest Hamburg (27. September bis 6. Oktober 2018) präsentiert sich wieder “politisch unbequem” und startet mit einer neuen Kategorie, in der ausschließlich deutsche Produktionen gezeigt werden –  die Sektion „Große Freiheit“. Was es sonst noch Neues zu sehen gibt, erfahrt ihr hier.

Deutsches Kino ist schon lange nicht mehr nur klamaukige Komödie. „Dass das deutsche Kino durchaus so spannend sein kann wie die große weite Welt haben Filme wie „Western“, „Wild“, „Vor der Morgenröte“ etc. in jüngster Zeit wieder bewiesen und so wollten wir unseren Anspruch an ein neugieriges und andere Erzählformen ausprobierendes Programm auch in eine eigene Reihe für Deutsche Kinofilme fließen lassen“, sagt Kathrin Kohlstedde, Programmverantwortliche beim Filmfest Hamburg. Etwa ein Dutzend Filme (die endgültige Anzahl stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest) werden deshalb um den neuen, mit 25.000 Euro dotierten Hamburger Produzentenpreis „Deutsche Kinoproduktion“ ins Rennen gehen. Der Name der Reihe, „Große Freiheit“, soll hierbei Programm sein, wie Filmfestleiter Albert Wiederspiel betont: „Der Sektionsname ist nicht nur eng mit der Stadt Hamburg verbunden. Er sagt auch aus, was wir uns für den deutschen Film wünschen: eine möglichst große erzählerische Freiheit mit viel Lust an anderen Themen und Sichtweisen.“

Das gilt selbstverständlich auch für alle anderen Sektionen. Da das Hamburger Filmfest kein A-Festival ist, das eine gewisse Anzahl von Weltpremieren zeigen muss, kann das Team aus dem Vollen schöpfen und auswählen, was es als sehenswert erachtet, ohne dabei Quoten erfüllen zu müssen. Das Ergebnis ist ein buntes Programm aus ­aller Welt, darunter viele Filme, die es sonst nicht in die Hamburger Kinos schaffen werden. Doch auch wenn es ein Publikumsfestival ist, sind alle gezeigten Filme Welt-, Europa-, Deutschland- oder zumindest Hamburg-Premieren, zu denen zahlreiche Gäste eingeladen sind. Einige der Filme sind bereits ausgezeichnet, so bekamen beispielsweise „Dogman“, „I Do Not Care If We Go Down In History As Barbarians“ und „Butterflies“ ins Cannes, Karlovy Vary und Sundance Preise verliehen.

Noch etwas ist Chef Wiederspiel bei der Ausrichtung des Festivals wichtig: „Als Privatperson fällt es mir schon schwer, nicht immer und überall politisch Stellung zu beziehen. Da ist es nur selbstverständlich, dass ich auch ein politisches Filmfest veranstalten möchte. Politisch heißt in diesem Fall, dass wir viele Filme haben, die die politische Weltlage reflektieren. Dass wir gerne Filme zeigen, die politisch unbequem sind. Und von politisch denkenden Regisseuren gemacht sind.“ So zeigt das Filmfest Hamburg mit „Leto“ von Kirill Serebrennikov und „Drei Gesichter“ von Jafar Panahi zwei Werke von Filmemachern, die trotz politischer Repression den Mut haben, in ihren Arbeiten die Einflussnahme auf das Leben und das künstlerische Schaffen selbst zum Thema zu machen. Ebenfalls spannend: „Mario“ (Sektion: Kaleidoskop) von Marcel Gisler, der am 2. Oktober in Anwesenheit des Regisseurs, der beiden Hauptdarsteller und der Mannschaft des FC St. Pauli Deutschlandpremiere feiert. Der in der Schweiz produzierte Film, der auch in Hamburg spielt, nähert sich einem Tabuthema und zeigt die Lebensrealität homosexueller Männer im Profifußball. Als die Anfrage zur Mitwirkung an den FC St. Pauli kam, musste man dort nicht lange überlegen, sagt Andreas Rettig, Geschäftsführer des FC St. Pauli: „Wir sind Überzeugungstäter und haben die Regenbogenfahne nicht aus Marketinggründen auf unserem Dach. Wir wollten unseren Teil dazu beitragen, dass auf das Tabu­thema Homosexualität im Profifußball aufmerksam gemacht wird.“

Und sonst? Neben „Große Freiheit“ gibt es in elf weiteren Sektionen rund 130 Filme zu ­sehen, vom popcorntauglichen Gefühlskino über Dokumentationen bis hin zu künstlerischen, höchst anspruchsvollen Essay- und Arthouse-Filmen. Ankerpunkt ist wie immer das Festivalzentrum (am Allende-Platz), in dem es Workshops, Diskussionen und Partys geben wird. Das vollständige Programm wird am 11. September bekannt gegeben.

Text: Maike Schade 
Foto: Hype Film


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, September 2018. Das Magazin ist seit dem 30. August 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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SZENE HAMBURG Redaktionskonzert … mit Frøkedal & John Winston

Hip Hip Hooray! Wir veranstalten wieder ein Redaktionskonzert, exklusiv für euch! Diesmal mit lupenreinem Folk von der norwegischen Sängerin Frøkedal. Los geht’s am 11. September 2018, 19.30 Uhr. Tickets für das Konzert bei der SZENE in Ottensen gibt es nur zu gewinnen!

Lupenreiner Folk, sagen die einen. Dream-Pop aus der Zukunft, meinen die anderen. So oder so: Die Musik von Frøkedal aus Norwegen ist extrem erlebenswert – vor allem in einem so intimen Rahmen wie bei unserem nächsten Redaktionskonzert. Support: John Winston.

 Wir verlosen 20×2 Gästelistenplätze!

Wie könnt Ihr mitmachen? Na so:

  • Mail senden an verlosung@vkfmi.de
  • Betreff: Redaktionskonzert
  • Einsendeschluss: 7.9.18, 10 Uhr

Los geht’s am Donnerstag, 9. September 2018, um 19:30 Uhr in der Gaußstraße 190c.

Mehr von Frøkedal:

Und John Winston:

So war’s beim ersten Redaktionskonzert bei der SZENE in Ottensen:

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Sophie Hunger im Interview: „Hamburg wäre schon mein Typ“

Deutsch, Schweizerdeutsch, Englisch, Französisch: Sophie Hungers Songs hatten viele Sprachen. Auf ihrem neuen Album „Molecules“ (VÖ 31.8.) gibt es nur noch eine, und auch sonst hat sich vieles verändert im Künstlerkosmos der Schweizerin. Ein Gespräch mit der 35-Jährigen über musikalische Versteckspiele, süchtig machende Technopartys und eine imaginäre eigene Bar.

SZENE HAMBURG: Sophie, auf deinem neuen Album „Molecules“ hältst du fest: „Today, hooray, I opened a bar!“ Den Namen des Lokals verrätst du allerdings nicht.

Sophie Hunger: (lacht) Stimmt, ich sage nur, dass es in der Bar für alles eine Lösung gibt.

Wie wäre es mit „Sophie Hunger’s Show Bar“?

Denkt man dann nicht schnell an Männer mit Jacketts, aus denen Hasen herauspoppen? Und an Zauberkugeln, in denen man die Zukunft sieht?

Woran sollen die Leute denn denken, wenn sie von deiner Bar hören?

An eine Bühne, gleich wenn man rein kommt. Die Bühne ist der erste Raum, und jeder muss einmal drüber, denn die Bar, also der Tresen, kommt erst dahinter. Einen dritten Raum gibt es auch noch, zum Sitzen und Reden.

Welche Berühmtheiten sollten bei der Eröffnungsfeier dabei sein?

Ich fände es gut, wenn David Shrigley kommen würde. Vielleicht könnte er auch das Plakat zur Party gestalten. Courtney Barnett würde Musik machen, und Eric Cantona würde die Drinks mixen. Gleichzeitig wäre er auch der Rausschmeißer.

Und mal weiter gedacht: Wäre der Soundtrack der Bar grundsätzlich elektronisch geprägt?

Es würde zumindest ab und an DJ-Sets geben. Das könnte mein Freund Bonaparte übernehmen.

 

„Techno hatte mich früher eher abgestoßen, und plötzlich zog er mich an.“

 

Es heißt, du hättest dich elektronischer Musik mit deinem Umzug nach Berlin immer mehr angenähert.

Es gibt ja in Berlin auch fast nichts anderes als elektronische Musik.

Zieht es dich regelmäßig zu Technopartys?

Ich hatte zumindest mal eine Phase, in der ich regelmäßig ins Berghain und in den KitKatClub gegangen bin. Das war sogar eine kleine Sucht. Techno hatte mich früher eher abgestoßen, und plötzlich zog er mich an.

Hat dich dabei nur das Klangästhetische gereizt oder auch die Illusion der Nacht, die in Berlin so zelebriert wird?

Beides, und hinzukam noch die Illusion der Körperlichkeit. Dieses Verlieren des eigenen Körpers. Es gab keine Geschlechter mehr, keine Identitäten. Alles wurde so molekular.

Stimmt die Geschichte, dass du dir mal um vier Uhr morgens den Wecker gestellt hast, um pünktlich zum Auftritt von Paula Temple um fünf im Club zu sein?

Ja, die stimmt. Das war auch im KitKatClub. Der ist anders als das Berghain, ohne Drogen ist es dort nicht so lustig. Ich wollte aber eh vor allem das Set sehen.

In einem anderen Song auf „Molecules“, nämlich „The Actress“, sagst du dann: „I make a living with my songs.“ Das würde in Berlin wohl jeder Musiker gerne behaupten können, aber es schaffen nur wenige. Wie nimmst du die Musikszene wahr?

Berlin ist die europäische Anlaufstelle für alle Leute zwischen 20 und 30 Jahren, die auch nur wage etwas Künstlerisches machen wollen. Einerseits ist es sehr wichtig, dass es diesen Hafen gibt, und gleichzeitig ist er eine große Gefahr.

Inwiefern?

Weil man dort ganz gut ungestört scheitern kann. Viele Leute verpuffen irgendwann. Es gibt ja keinen Druck und keine Zwänge, und dann schmeißen sie ihr Talent einfach aus dem Fenster.

Hattest du immer nur Berlin im Sinn? Oder hast du auch mal über Hamburg nachgedacht?

Ja, schon. Ich dachte immer: Wenn Hamburg eine Person wäre, wäre sie schon mein Typ. Aber es war einfach unkompliziert, nach Berlin zu kommen, und ich habe ja auch noch eine Wohnung in Paris. Zusammen funktioniert das sehr gut.

Für etablierte Künstler wie dich ist Berlin wahrscheinlich auch eher eine Art Lebensbasis als ein dauerhafter Arbeitsplatz.

Genau. Ich arbeite meistens woanders, wohne aber in Berlin.

Wie wohnst du denn? Altbaubude in Prenzlauer Berg und Schrebergarten in Pankow zur Entspannung?

(lacht) Nein, alles falsch. Ich habe ein Wohnung in Kreuzberg an einer sehr befahrenen, lauten Straße. In der Küche habe ich ein Studio, ein Raum ist einfach leer, und in einem anderen schlafe ich. Es haben mehrere Leute Schlüssel zu dieser Wohnung. Wenn ich nicht da bin, wohnen die da und nehmen in der Küche Alben auf.

Ist „Molecules“ eigentlich komplett in Berlin entstanden?

Bis auf zwei Songs, ja. Aufgenommen habe ich dann alles in London.

Hattest du bestimmte Ziele im Entstehungsprozess der Stücke?

Nein, aber ich habe mir ein paar Regeln geschaffen, zum Beispiel dass es nur vier Elemente auf dem Album zu hören geben darf: Gesang, Synthesizer, Drumcomputer und Gitarre. Es sollte keine Band geben. Ich wollte mich einschränken und nur in den Computer hineinarbeiten, ohne eine Art von Dynamik. Und: Ich wollte nur englische Texte.

Du hast kürzlich erwähnt, du hättest das Gefühl gehabt, dich hinter deinen bisher mehrsprachigen Songs versteckt zu haben …

… um mich dem Vergleich zu entziehen. Die wahre Konfrontation wurde erst jetzt möglich, durch die einheitliche Sprache. Wenn man Popmusik macht, ist die englische Sprache eine Art Epizentrum, so was wie die Uhren in der Schweiz. Und ich wollte deshalb auch mal ein ausschließlich englischsprachiges Album machen.

Interview: Erik Brandt-Höge
Foto: Marikel Lahana

Sophie Hunger spielt an folgenden Terminen in Hamburg: 29.9., Mojo Club, 20 Uhr; 30.9., Uebel & Gefährlich, 20 Uhr; 2.10., Gruenspan, 20 Uhr.


Wir verlosen 2×2 Tickets für alle drei Konzerte von Sophie Hunger in Hamburg!

Wie könnt Ihr mitmachen? Na so:

  • Mail senden an verlosung@vkfmi.de
  • Betreff: Sophie Hunger
  • Einsendeschluss: 28.09.18, 10 Uhr

Bitte gebt für den Versand des Gewinns Euren vollständigen Namen und Adresse an. 


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, August 2018. Das Magazin ist seit dem 28. Juli 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Meet the Resident – Louis Kreye

Jeden Monat stellen wir in der SZENE HAMBURG präsentiert von Hamburg Elektronisch Resident DJs vor. Diesmal mit Louis Kreye, 23, seit sieben Jahren als DJ im Norden unterwegs.

SZENE HAMBURG: Louis, wie würdest du deinen Sound beschreiben?

Louis Kreye: Techno und Breaks mit Einflüssen von Acid und Rave.

Deine schrecklichste Gast-Frage?

Die beste Antwort auf die dümmste aller Fragen „Ey, spielst du auch Goa?!“ ist: Die Plattenteller können sich nicht schneller drehen – klappt immer!

Was war dein größter Moment als DJ?

Plötzlich am Meer in Polen vor drei Jahren, da hatte ich den Freitagabend- Slot mit meinem Homie Planet Zwo. Ca. 3000 Leute in die erste Nacht eines Festivals zu führen ist auch emotional ein schönes Erlebnis.

Deine Platte des Monats?

Introversion’s Laika Release auf ARTS.

Was sind für dich Hamburgs Stärken?

Die Stadt hat viele musikalische Facetten und alles bleibt in einem relativ familiären Umfeld, was aber auch zum Nachteil werden kann. Gleichzeitig ist Hamburg kein Mikrokosmos, in dem sich alles um sich selbst dreht wie beispielsweise Berlin. Einflüsse von überall werden gewählt, aber schnell aufgenommen, dadurch kommen immer neue interessante Sachen hoch.

Und die Schwächen?

Generell? Stadtpolitik, gewalttätige Cops auf Demos und was sollen Olaf & Andi bitte noch tun zum Rausfliegen? Ansonsten, die Vetternwirtschaft vieler Klubs, gerade wenn sie sich nicht durchs Booking füllen, spielen dann auch mal die Thekenkräfte, die sich vor ein paar Wochen Virtual DJ geladen haben und jetzt die Deep House Tracks von den Sticks ihrer Kumpels auflegen (nix gegen Thekenkräfte).

Wo findet dein nächster Hamburg-Gig statt?

Am 8. September 2018 unten in der Fabrique vom Gängeviertel!

Interview: Ole Masch & Jean Djaman

Das aktuelle Set von Louis Kreye im Podcast von Hamburg Elektronisch:

 


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, September 2018. Das Magazin ist seit dem 30. August 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


 

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