ALL – Found in Eimsbüttel

Der Weltraum – unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2018 und befinden uns in naher Zukunft im Hamburger Stadtteil Eimsbüttel, wo ein Kneipier viele Lichtjahre vom Kiez entfernt in Galaxien vordringt, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat.

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Dieser Artikel stammt aus der SZENE HAMBURG 9/18. Hier können Sie die gesamte Ausgabe lesen.

Zugegeben: Veränderte Filmzitate bewegen sich am Rand der Peinlichkeit, aber was bleibt einem übrig, wenn ein Laden mit dem Namen ALL aufmacht. Anfang September ist es soweit. Die nach dem Krakauer Arbeiterstadtteil benannte Bar Nowa Huta wechselt den Besitzer. Ihr mehrjähriger Barkeeper Denis Nitschmann übernimmt das Ruder. In der LindenALLee, Ecke BelleALLiancestraße geht es fortan spacig zu.

„Ich hatte schon immer Lust eine Bar mit eigenem Konzept aufzumachen, Freunde und Gäs­te zu bewirten und dabei gute Musik zu spielen“, erzählt Nitschmann. Dem Space-­Thema sei er schon immer sehr zugeneigt gewesen. „All ist ein sehr inkludierender Name, wo alle Willkommen sind“ und mit einem Zwinkern fügt er hinzu: „Das All ist, wie wir wissen, die letzte Zuflucht der Menschheit um überhaupt zu überleben“. Das Konzept guter Drinks mit zum Teil selbst hergestellten Zutaten wird übernommen und erweitert und um kleine hausgemachte Snacks ergänzt.

Viele der alten Nowa-Huta-Mitarbeiter werden auch im All dabei sein und wollen dazu beitragen, dass das unprätentiöse Flair der beliebten Souterrain-Bar erhalten bleibt. „Ich stehe dafür, dass hier weiterhin ein Laden ist, der sich aus verschiedenen Gruppen zusammensetzt“, so Nitschmann. „Zum einen aus der Nachbarschaft und hoffentlich auch aus Leuten, die speziell wegen des Angebotes herkommen.“ Dabei soll es musikalisch anspruchsvoll zugehen. Nitschmann plant einen eher subkulturellen Mix aus HipHop, Ambient und elektronischer Musik oder wie er es ausdrückt: „Spartenmusik der gehobenen Art ohne Nervfaktor“.

Die Räumlichkeiten wurden zum Teil von befreundeten Künstlern umgestaltet. Das Motto „All“ findet sich dabei an unterschiedlichen Stellen wieder. Völlig neu ist der kleine Raucherraum im hinteren Teil der Bar. Und selbstverständlich können auch bei gutem Wetter die Sitzbereiche vor der Tür genutzt werden, die Denis Nitschmann erst kürzlich samt Nach­barschafts-­Tauschbox auf Vordermann gebracht hat. Geöffnet ist von Dienstag bis Samstag ab 18 Uhr.

ALLes Gute für den Start!

Text & Foto: Ole Masch

ALL: Lindenallee 37, Di-Sa 18 Uhr


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, September 2018. Das Magazin ist seit dem 30. August 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

 

 

 


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Antú Romero Nunes – Schönheit macht die Welt erst sinnvoll

Regisseur Antú Romero Nunes inszeniert zum Spielzeitauftakt am Thalia Theater „Orpheus“ und erprobt ein neues Theater der Sinnlichkeit und Emotionalität.

SZENE HAMBURG: Antú, deine Auftaktinszenierung zur neuen Spielzeit ist „Orpheus“, allerdings frei nach dem Mythos. Was heißt das?

Antú Romero Nunes: Ich arbeite gern mit mythischen Stoffen, nehme sie zum Ausgangspunkt. Man kann schauen, was der Probenprozess daraus macht. Das Theater braucht langsam neue Stücke. Uns gehen die guten Stoffe aus. Der Mythos ist der Ausgangspunkt, um frei anzudocken. Die Proben wer­ den dadurch gewissermaßen zu einem Schreibprozess mit den Schauspielern. Sie haben dann viel weniger Halt und müssen gucken. Das ist auch gut für sie, weil das wach hält und ihr Talent kitzelt.

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Dieser Artikel stammt aus der SZENE HAMBURG 9/18. Hier können Sie die gesamte Ausgabe lesen.

Was interessiert dich an Orpheus?

Das Thema von Orpheus ist toll, weil es die erste Trauerverarbeitung in der Menschengeschichte ist, genauso wie die erste Märtyrerfigur. Dabei ist Orpheus auch noch der Künstler, er ist ja in der Mythologie auch der Sänger und gleichzeitig der Märtyrer. Er singt, weil er leidet. Die Welt ist nur durch Leiden erfahrbar, genauso wie die Liebe…

… Orpheus steigt hinab in die Unterwelt zu seiner Geliebten, Eurydike, und dreht sich um, was er laut der Götter nicht darf.

Das ist eben das Rätsel. Es ist ja nicht erklärbar. Er kriegt sie. Hat alles, was er will – und er dreht sich um und verliert sie wieder. Das Schicksal ist nun mal stärker, könnte man deuten. Das andere ist aber, dass das ein großes Opfer ist. In dem Moment, wo er sich zum Märtyrer macht, ist er frei. Er dreht sich vielleicht nur um, um sich selbst zu definieren. Er hat sie bekom­men und gibt sie wieder weg. Er de­finiert sich als Mensch. Er erkämpft sich das Unmögliche und er schmeißt es wieder weg. Mich interessiert die Haltung: Ich dreh mich um, weil ich lasse mir nichts vorschreiben. Als Akt der Selbstbestimmung.

“Weniger erklären, mehr spüren.”

Die Musik wird in deiner Inszenierung eine große Rolle spielen…

Ja, die Musik muss eine große Rol­le spielen. Orpheus ist der erste Sänger der Geschichte. Die ganze Geschichte orphisch zu erzählen, also über Musik, ist der einzige Weg. Ich denke an ein Theater, das beinahe nur über Emoti­onen läuft – eine Art Forschungsreise von mir ist es gerade: Kann man rein emo­tionales Theater machen? Weniger erklä­ren, mehr spüren?

Welche Musik wird das auf der Bühne sein?

Anna Bauer und Johannes Hoffmann, die teils auch die Musik zu „Don Giovan­ni“ gemacht haben, komponieren wild herum und werden eine Art Roadtrip die Welt erst sinnvoll in den Hades liefern. Auf der Probe spielen sie Musik. Wir legen Szenen drauf und andersrum. Wir schreiben das Stück im Prinzip gemeinsam wie in einer rie­sigen Jamsession. Wir versuchen alles im Moment zu machen und zu erfassen. Wir haben ja so viele talentierte Menschen da, die wissen, wo es langgehen kann. Da kommt viel zusammen, Was als Nächstes kommt, kann keiner so genau wissen, wie im Leben.

Du bist gerade in Sizilien, während wir telefonieren. Bringst Du von dort Inspiration oder ein Gefühl für die Inszenierung mit?

Ich habe mir einfach ein paar Wochen genommen und bin mit dem Auto hier hergekommen, ich wollte allein sein, und jetzt bin ich unerwartet in einer riesigen Community gelandet, habe plötzlich interessante Menschen gefunden. Das ist irgendwie gut. Ich arbeite weniger, als ich wollte. Die deprimierenden Philosophen lese ich für „Orpheus“ zwar immer noch – und danach habe ich immer Leute um mich rum, die mich auslachen, weil ich so viel lese. Gewissermaßen ist es sehr orphisch hier. Das regt mich an, ob ich überhaupt Text in die Inszenierung reinbringe oder nicht den Zugang kom­plett über die Emotionalität lege. Es ist sehr physisch, über den Körper zu erzäh­len, und der Schauspieler nicht die ganze Zeit plappert. Für die Schauspieler eine Herausforderung.

Noch mal konkret zur Inszenierung. Orpheus ist in deiner Inszenierung eine Frau?

Ja, ich erzähle das mit zwei Frauen. Ich fand, dass das sehr gut passt, wenn es um die Liebe geht. Man kann so gut auf die Liebe schauen, weil die Normen, der Mann muss jetzt aber dieses und jenes tun, oder die Frau das und das, die kann man ganz gut beiseitelassen.

“Die Probenprozesse werden chaotischer und freier.”

Orpheus im Thalia Theater Foto: Thalia Theater

Wo steht die „Orpheus“-Inszenierung in deiner eigenen Entwicklung als Regisseur?

Die Probenprozesse werden immer chaotischer und freier. Jeder Mensch, der da ist, gestaltet mit. „Don Giovanni“ trägt ja auch den Untertitel eine Bastard­komödie. Jetzt machen wir noch mal ei­nen Bastard, aber anders, eine Tragödie, ohne Libretto. Ich probe wie gesagt gerade mit Theaterformen, die nicht so diskur­siv sind, sondern bei denen nicht so viel erklärt wird, bei denen geguckt wird auf das wirklich Wichtige, das Menschliche. Das war ja auch schon bei der Odyssee so, Sprache war verständlich durch Handlung und Tonfall. „Orpheus“ lässt sich nur über Musik erzählen, wie auch der „Don Giovanni“, aber diesmal eben ohne Libretto. Die Sinnlichkeit und den Körper zu erzählen, das ist für die Schauspieler, wie ins kalte Wasser zu springen.

Gibt es einen idealen Zuschauer für dein neues Theater?

Salopp gesagt: Der Zuschauer soll sich entspannen. Man merkt den Erfolg immer daran, dass es Menschen gibt, die dich unentwegt kritisieren. Man kann eben alles kaputt machen. Ich frage mich dann immer, warum einige Menschen das Leben so sehr hassen. Ich kann jeden Film und jedes Theater kaputt reden und jede Liebe übrigens auch, und dann ist sie kaputt und der Sex schlecht… Wie kriege ich überhaupt Menschen dazu, wieder auf das Leben zu schauen, frage ich mich für mein Theater? Wir reden immer vom pädagogischen Auftrag des Theaters.

“Kunst und Kultur können helfen, die Scheiße aus dem Kopf zu kriegen.”

Und, was wäre er sonst?

Die Aufgabe des Theaters besteht glaube ich darin, die Zuschauer wieder sinnlich aufs Leben schauen zu lassen. Die Schönheit wieder zu erkennen. Diese ist nicht zu unterschätzen: Eine schöne Handlung ist immer selbstlos und meistens gut. Mach doch schöne Dinge und sei ein schöner Mensch. Die Welt ist ein sinnloses Konstrukt und nur als sinnlich erfahrbares Objekt überhaupt sinnvoll. Also lasst uns um die Sinnlichkeit kümmern. Schönheit ist das, was das Leben lebenswert macht. Keine hässlichen Beschwerden, sondern schauen, was dem Leben Schönheit bringt. Das bedeutet ganz konkret handeln. Dafür ist emotionales Theater da.

Hast du eine Definition von Kunst und Kultur?

Vielleicht so, Kunst und Kultur können helfen, die Scheiße aus dem Kopf zu kriegen. Man darf nicht unterschätzen, was es bedeutet, zerstreut zu werden von dem ganzen Chaos im Leben, und den ganzen Mist um uns herum aus dem Kopf zu schaffen. Es gibt uns die Möglichkeit, die Welt auf den Kopf zu stellen, durchuschütteln und zu schauen, was übrigbleibt. Über das unendliche Universum kann man nicht sprechen, man muss es gestalten. Wie der Urknall, eine langandauernde Explosion eben.

Interview: Stefanie Maeck
alle Fotos: Thalia Theater

Orpheus läuft noch bis zum 13.1.2019 im Thalia Theater.


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, September 2018. Das Magazin ist seit dem 30. August 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

 

 

 

 


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SZENE #backstage… mit Dorit Jakobs

Perserteppich, Yuccapalmen, Lichterketten und gute Geschichten: Das ist das Rezept für die ­SZENE HAMBURG-Redaktionskonzerte. In unseren Räumen waren unter anderen schon Fotos, Y’akoto, Vivie Ann, Frøkedal und EUT zu Gast und haben vor SZENE-Lesern und -Redakteuren Akustik-Sets gespielt.

Die nächste Künstlerin, die zu uns kommt, ist Dorit Jakobs, 34, gebürtige Bremerhavenerin und seit sieben Jahren Wahlhamburgerin. Jakobs ist besonders gut darin, ihre Gefühlswelten ungeschönt zu erzäheln und mit ohrwurmigen Melodien zu verbinden. Verziert mit dem feinen Sound von Jakobs’ Stimme ist das Popmusik im besten Sinne, nachzuhören auf ihrem zu Beginn des Jahres erschienenen ersten Album: „Im Aufruhr der Lethargie“ (Grand Hotel van Cleef).

/ EBH / Foto: Simon Puschmann

 Wir verlosen 12×2 Gästelistenplätze!

Wie könnt Ihr mitmachen? Na so:

  • Mail senden an verlosung@vkfmi.de
  • Betreff: Dorit Jakobs
  • Einsendeschluss: 26.9.18, 10 Uhr

Los geht’s am Freitag, den 28. September 2018, um 19:00 Uhr in der Gaußstraße 190c.


So war’s beim letzten Mal bei SZENE HAMBURG #backstage:

SZENE HAMBURG REDAKTIONSKONZERT MIT … EUT aus Holland

Heute live aus unserer Redaktion: EUT ! 🎉Am Mittwoch, den 19.9. um 20 Uhr im Häkken und am Donnerstag, den 20.9. um 14 Uhr in der SkyBar vom Molotow habt ihr im Rahmen des Reeperbahn Festivals noch einmal die Möglichkeit EUT live zu erleben. 👏

Gepostet von Szene Hamburg Stadtmagazin am Dienstag, 18. September 2018

Live bei uns in der Redaktion: Frøkedal und John Winston Berta!

Gepostet von Szene Hamburg Stadtmagazin am Dienstag, 11. September 2018


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Max Frisch fragt… Maren Schönfeld

In unserer Reihe „Max Frisch fragt…“ kommt der alte Meister der Literatur mit den Wortkünstlern der Gegenwart ins Gespräch. Dieses Mal mit Maren Schönfeld. Die Lyrikerin hat gerade ihr neues Buch veröffentlicht. Es trägt den Titel “Töne, metallen, trägt der Fluss – eine lyrische Elbreise”.

Können Sie sich ein leichtes Sterben denken?

Ja, als Wechsel in die nächste Welt.

Halten Sie die Dauer einer Freundschaft, die Unverbrüchlichkeit, für ein Wertmaß der Freundschaft?

Nein. Nähe und gegenseitiges Verständnis sind mir wichtiger.

Welche Hoffnung haben Sie aufgegeben?

Dass der Klimawandel noch aufzuhalten ist.

Was gefällt Ihnen am Neuen Testament?

Dass die Liebe das Größte ist (1. Kor. 13,13).

Wie stellen Sie sich Armut vor?

Beklemmend, weil alles gut überlegt sein will, man immer vernünftig und kostenbewusst haushalten muss – sicherlich auf Kosten der Spontaneität und der eigenen Wünsche.

Wem wären Sie lieber nie begegnet?

Niemandem. Ich habe auch oder gerade aus unliebsamen Begegnungen sehr viel gelernt.

Interview: Jenny V. Wirschky

Lesung am 20.9.2018 ab 19:30 im Kulturzentrum Motte
www.lyrischeelbreise.com


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, September 2018. Das Magazin ist seit dem 30. August 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

 

 

 

 


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Mehr Literatur?

Eatery Sessions – Vier Läden für Hunger und Durst

Hunger und Durst stillen, Festivalspecials abgreifen und Newcomer entdecken! Zusammen mit Haspa Musik Stiftung und Reeperbahn Festival präsentieren wir die Eatery Sessions. Ob mit oder ohne Festivalpass – in diesen vier Restaurants und Cafés spielt die Musik. Die Festival-Specials sind während des gesamten Festival-Zeitraums und nur mit Bändchen erhältlich.

1) Playground Coffee

Scotch & Water, Playground Coffee, 20.9. um 15 Uhr.

Nein, hier handelt es sich nicht um ein Café mit ausschweifender Kinderecke, Sackhüpfen und Um-die-Wette-Schaukeln. Mit dem Namen von Playground Coffee will Inhaber Veljko Tatalović bezeugen, dass Café für ihn ein Abenteuerland ist. Seine Gäste sollen sich austoben und ausprobieren können: mit verschiedenen Röstungen, Aufgussverfahrungen oder Aromen. Der in Hamburg geröstete Kaffee aus fairem und nachhaltigem Handel tropft in dem kleinen, modern eingerichteten Laden auf St. Pauli direkt in eure Tassen und lässt jede Spur von Festival-Müdigkeit sofort verfliegen.
Reeperbahn Festival-Special: 1 Espresso Tonic für nur 3,90 Euro oder 1 Cold Brew für 2,80 Euro

2) Grilly Idol

Preary, Grilly Idol, 19.9. um 15 Uhr.

An Burgerläden mangelt es in Hamburg schon lange nicht mehr – und Grilly Idol gehört zu den Besten. Die selbsternannte Burger-Manufaktur macht alle Soßen selber und brutzelt auf ihrem Grill nur Rindfleisch in Bio-Qualität. Auch Veganer und Vegetarier werden hier ohne Probleme fündig und glutenfreie Burgerbrötchen gibt es für Gäste mit entsprechender Unverträglichkeit. Langweilig wird die Auswahl nie: Kreative Kreationen wie der Asia-Burger in Bao-Brötchen oder Kraut mit Erdnüssen und Cranberries sorgen für den nötigen Festival-Energieschub. Den gibt es am Wochenende schon ab zehn Uhr mit fluffigen Pancakes, Rührei oder Frühstücks-Burrito.
Reeperbahn Festival-Special: 1 Cheeseburger mit Kartoffelfritten, Classic Krautsalat und Ketchup/Mayo plus 1 Getränk (Fritz, VCA, Ratsherrn Pils 0,33l) für nur 16 Euro

3) Überquell

Keele, Überquell, 22.9. um 15 Uhr.

Craftbeer ist, im wahrsten Sinne des Wortes, in aller Munde. Im Überquell direkt an der Hafenstraße kann man die hauseigenen Bierkreationen zur echten neapolitanischen Pizza genießen. Die wandert, so wie sie sein soll, innen weich und außen Knusprig direkt aus dem Steinofen auf die Teller. Lust auf was Süßes? Unbedingt die Dessert-Pizza mit Schokocreme probieren und genießen – Am besten bei Sonnenschein auf der Terrasse des Überquells. Denn abseits des Reeperbahntrubels eignet sich die chillige Location gut für eine kleine Programmpause, um mit Blick auf den Hafen zu verschnaufen.
Reeperbahn Festival-Special: Ein kleines helles Original zu jeder Pizza pro Person oder alternativ eine Saftschorle (jeweils 0,3l)

4) Kopiba

Poems For Jamiro, Kopiba, 21.9. um 14 Uhr.

Lange Nacht gehabt? Die kleine Kaffeerösterei kopiba verschafft da Abhilfe: mit Kaffeekreationen wie dem Early Byrd oder dem Deathpresso hat die Rösterei die perfekten Wachmacher für das lange Festivalwochenende parat. Der kleine Gastraum ist gemütlich und duftet herrlich nach den Kaffeebohnen, die im Hinterzimmer in einer Trommel aus den 60er Jahren frisch geröstet werden. Und zum Frühstück bringt das freundliche Personal hausgemachte Waffeln, Marmeladen und Aufstriche an den Tisch. Das Preis-Leistungs-Verhältnis passt, die Atmosphäre ist angenehm entspannt: Hier verbringt man gerne die frühen Morgenstunden. Passend dazu lautet das Motto der Rösterei „Schlafen kannste, wenn du tot bist“ – oder zumindest erst nach dem Reeperbahnfestival.
Reeperbahn Festival-Special: Auf alle Getränke, die Deathpresso enthalten gibt es 50 Prozent Rabatt. Zudem kostet eine Tüte Deathpresso-Bohnen (250 Gramm) in der Festival-Edition nur 5 anstatt 6,50 Euro

/HED /Beitragsbild: Florian Trykowski

Mehr Musik!

Mehr Essen+Trinken!


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Heinz Strunk – Furchtbar gute Kurzgeschichten

Mit „Das Teemännchen“ veröffentlicht Heinz Strunk seine erste Kurzgeschichtensammlung. Ein Gespräch über das Elend der schweigenden Mehrheit, sexuelle Frustration und über den Einfluss des Schriftstellers Botho Strauß.

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Dieser Artikel stammt aus der SZENE HAMBURG 9/18. Hier können Sie die gesamte Ausgabe lesen.

Nach „Der goldene Handschuh“ legt Heinz Strunk mit „Das Teemännchen“ wieder ein Stück Hochliteratur vor: Die Texte sind ungeheuer dicht, Strunks Sprache boxt. Viele Charaktere sind wie so oft bei ihm Verlierertypen, die „schweigende Mehrheit“, wie er sie nennt. Strunk empfängt in seiner Dachgeschosswohnung in der Hamburger Sternschanze. Wer einen Spaßvogel erwartet, wird enttäuscht. Strunk ist ernst und nachdenklich. „Furchtbar“, sagt er mehrmals während des Gesprächs und schaut kopfschüttelnd zu Boden. Irgendwann fängt es an zu regnen. „Furchtbar“, sagt er wieder, als er nach draußen blickt.

SZENE HAMBURG: Heinz Strunk, über Leonard Cohens „Songs of Love & Hate“ haben Kritiker geschrieben, die Rasierklingen sollten direkt mit dem Album geliefert werden. Das ließe sich auch über Ihr Buch sagen.

Heinz Strunk: Weil es so schwermütig ist?

Ja, bei den meisten Geschichten schnürt sich einem das Herz zusammen. Zum Beispiel bei der adipösen Möchtegern-Bloggerin, die „zittert von dem Bedürfnis, umarmt, liebkost, gewärmt zu werden“ und sich vor lauter Liebesbedürftigkeit von einem Mann erniedrigen und sogar in den Mund pinkeln lässt.

Die Geschichte ist wirklich furchtbar. Ich habe die beschriebene Frau tatsächlich kennengelernt. Ich habe im Text natürlich versucht, die Spuren zu ihr zu verwischen.

Ach, die Geschichte ist nicht mal reine Fiktion?

Nein, viele der Geschichten beruhen auf wahren Begebenheiten. „ Das Teemännchen“, die titelgebende Geschichte, ist auch wahr. Ich habe früher in Winterhude gewohnt, dort gab es diesen jungen Mann, der einen Teeladen aufgemacht hat und grandios gescheitert ist, weil ihm alle vitalen Funktionen fehlten: Kreativität, Tatendrang, Selbstvertrauen. Und „Borstelgrilleck“ ist eine übertriebene Verdichtung der Geschichte einer Frau, die ein klassisches „sexy Girl“ war, bis sie in besagtem Grilleck anfing zu arbeiten. Nach zehn Jahren in dem Schuppen war nicht mehr viel von ihr übrig.

Die Charaktere, die Sie beschreiben, sind oft körperlich deformiert und übergewichtig, leben isoliert und werden von einer großen Erschlaffung heimgesucht. Dem gegenüber stehen die jungen Selbstoptimierer, die fit und voller Tatendrang sind. Was reizt Sie so an diesem Kontrast?

Ich habe mir keine großen Gedanken darüber gemacht, der Kontrast entspringt schlichtweg meinen Beobachtungen. Ich wohne hier in der Sternschanze, wo der Anteil attraktiver, modisch gekleideter Menschen relativ hoch ist. Aber wenn ich nur einmal über den Dom gehe, in irgendeine Einkaufsstraße oder in eine Autobahnraststätte, dann begegne ich wahnsinnigem Elend. Es ist nicht mein groteskes Fehlempfinden und ich picke mir auch nicht selektiv die Deformierten, Hässlichen heraus.

Aber einen gewissen Hang zu denen, deren Körper und Leben zerfallen, können Sie doch nicht leugnen.

Vielleicht weil ich selber lange Zeit mit viel Elend zu tun hatte.

Sie sind in Harburg aufgewachsen, einem nicht gerade exklusiven Hamburger Stadtteil.

Die tristen Jahre in Harburg waren prägend, ich habe in der Zeit viel Trauer und Verzweiflung erlebt. Mit 19 war ich wegen Depressionen in Therapie, ich habe meine kranke und depressive Mutter gepflegt. Die letzten vier Jahre in meiner Wohnung, vollgepumpt mit Psychopharmaka. Als sie starb, war ich 35 Jahre alt.

Fühlen Sie dadurch mit Ihren Charakteren?

Ja. Es ist nicht meine Absicht, mich über RTL-II-Freaks lustig zu machen. Was wäre das für ein dämlicher Ansatz? Als ich angefangen habe, „Der goldene Handschuh“ zu schreiben, wusste ich noch nicht, wohin die Reise geht. Am Ende hatte ich Mitgefühl für Fritz Honka. Die Gerichtsreporterin Peggy Parnass sagte einmal: Honka, das ärmste aller armen Würstchen, hatte auch noch das Pech, zum Mörder zu werden. Für mich ist das der Satz der Sätze.

Bei manchen Charakteren ist es schwer, Mitgefühl zu entwickeln. Etwa bei den zwei Barkeepern, die betrunkene, wehrlose Studentinnen nach Hause zerren und missbrauchen – aus Rache, weil die hübschen Mädchen sie „bei klarem Bewusstsein mit dem Arsch nicht angucken würden“. Dieses Motiv der Rache taucht öfter auf. Gibt es dafür einen konkreten Hintergrund?

Es gab mal einen Fall in Hamburg: Drei junge Kerle aus Bergedorf sind die ganze Nacht über die Reeperbahn gezogen, waren total besoffen und haben Mädchen angebaggert, wurden aber von einer nach der anderen abserviert. Morgens um sechs haben sie dann in der S-Bahn-Station Reeperbahn zwei Mädchen stellvertretend für alle Mädchen, bei denen sie nicht landen konnten, vor die S-Bahn geschubst.

„Der Grad an Frustration war schon enorm. Das ging über viele Jahre so.“ – Heinz Strunk

In Ihren harten Beschreibungen sexueller Frustration ähneln Sie Michel Houellebecq …

Bei „Unterwerfung“ ist mir aufgefallen, dass Houellebecq sprachlich nicht an Großmeister wie J. M. Coetzee heranreicht. Aber gerade sein erster Roman „Ausweitung der Kampfzone“ war sicherlich ein großer Einfluss. Beim Lesen dachte ich: Endlich schreibt das mal jemand auf. Das war ein Aha-Erlebnis, in dem ich mich wiedergefunden habe. Ich war als junger Mann in einer ähnlichen Situation, als ich in dieser Tanzkapelle war. Ich stand auf der Bühne in einem seltsamen weißen Smoking und mit Akne im Gesicht. Ich war quasi nicht vorhanden, während sich vor mir auf der Tanzfläche das bunte Treiben und Flirten abspielte. Der Grad an Frustration war schon enorm. Das ging über viele Jahre so. Ich konnte damals nicht davon ausgehen, dass mein Schicksal eine positive Wendung nehmen würde. Ich bin mit 23 in der Kapelle eingestiegen. Als ich gefeuert wurde, war ich 35. Das sind entscheidende Jahre, in denen andere sich ins Leben stürzen. Für mich waren es furchtbare Jahre.

Wann wurde es besser?

Als „Fleisch ist mein Gemüse“ überraschend zum Erfolg wurde. Davor gab es allenfalls Achtungserfolge.

Die Erleichterung muss groß gewesen sein.

Natürlich. „Fleisch ist mein Gemüse“ erschien im Oktober 2004. In den Monaten vor dem Erscheinen habe ich nichts, wirklich nichts verdient. Ich dachte damals: Das war’s jetzt. Ich konnte mir auch nicht vorstellen, dass dieses Buch mit einem leicht abseitigen Thema über eine norddeutsche Tanzkapelle zum großen Bestseller werden würde.

An einer grundsätzlichen Schwermut hat der Erfolg nichts geändert, sagten Sie einmal.

„Der Mensch kommt fertig gestimmt zur Welt“, hat der Dramatiker Botho Strauß gesagt. Sehr günstige oder sehr ungünstige Bedingungen können natürlich einen großen Einfluss auf ein Leben haben. Aber grundsätzlich ist es eine Frage des Wesenskerns, ob jemand morgens immer fröhlich aufsteht oder sich wie ich in den Tag hineinkämpfen muss. Daran ändert Erfolg wenig.

Stichwort Botho Strauß. Welchen Einfluss hatte der Schriftsteller Ihres Lebens, wie Sie ihn mal nannten, auf Ihre Entscheidung für die kurze Form?

Ich habe am liebsten seine Kurzprosa gelesen, allein deswegen ist ein gewisser Einfluss vorhanden. Die Idee des Auslassens und des Aussparens gefällt mir. Gerade die grotesken und fantastischen Geschichten sind von Strauß beeinflusst. „Der kleine Herr Diba“ zum Beispiel, der das Klo hinuntergespült wird. Oder der „Lehrer i.R. Paul-Günther Korsen“, der jeden Morgen als Zwerg aufwacht und im Laufe des Tages zum Riesen heranwächst, ehe er nachts im Schlaf wieder schrumpft.

Wie hat Strauß sich eigentlich zu Ihrer Anthologie mit Ihren Lieblingstexten von ihm geäußert?

Er hat mir zweimal geschrieben und sich bedankt. Er kannte mich gar nicht, weil er sich in völlig anderen Sphären bewegt. Aber er hat sich meinen Roman „Junge rettet Freund aus Teich“ – der damals leider völlig untergegangen ist – gekauft. In dem Buch geht es um meine Kindheit und Jugend. Er hat mir daraufhin sehr, sehr nett und verbindlich geschrieben, dass ihm das Buch gefallen hätte. Was mich wiederum sehr gefreut hat.

Strauß ist auch ein Außenseiter, wie viele Ihrer Figuren – wenn auch auf ganz andere Art und Weise. Was sagen Sie zu dem Negativimage, mit dem er behaftet wird?

Strauß lebt ja in der Einöde in der Uckermark und wird entweder gar nicht mehr beachtet oder verlacht. Im Grunde ist er seit dem Essay „Anschwellender Bocksgesang“ unten durch. Ich finde das unfair, es hat etwas Unbarmherziges, wenn ein so großer Schriftsteller zur Persona non grata erklärt wird.

Text & Interview: Ulrich Thiele
Foto: Dennis Dirksen

Heinz Strunk: „Das Teemännchen“, Rowohlt Verlag, 208 Seiten, 20 Euro


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