„Eine Figur, wie ich sie noch nie gespielt habe“

Als Titelfigur in „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ nach dem Roman von Thomas Mann wird der Schweizer Schauspieler Flavio Kiener am Altonaer Theater zum Spiegel einer Gesellschaft, die betrogen werden möchte

Interview: Sören Ingwersen

 

SZENE HAMBURG: Im September ist die neue Verfilmung der Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ im Kino angelaufen, und nun kommt der Stoff auf die Bühne des Altonaer Theaters. Dabei reicht die Tradition der Schelmenfiguren von Till Eulenspiegel bis zu dem realen Hochstapler Frank Abagnale, den Leonardo Di Caprio 2002 in der Spielberg-Komödie „Catch Me If You Can“ verkörperte. Worin besteht der Reiz dieser Figuren, die andere Menschen austricksen und hinters Licht führen?

Flavio Kiener: Führt Felix Krull wirklich andere Menschen hinters Licht? Auch der Begriff Hochstapler klingt für mich zu negativ. Felix will nur aus seiner Welt, seinen engen Familienstrukturen ausbrechen. Er fühlt sich dort nicht zugehörig und zu etwas Besserem erwählt. Er reitet dann auf einer Welle von Begebenheiten und Möglichkeiten, die von außen an ihn herangetragen werden. Andere Menschen kommen auf ihn zu, weil sie etwas von ihm wollen und nicht umgekehrt. Felix nutzt die Gelegenheiten für sich aus, richtet dabei aber keinen großen Schaden an. Daher ist er für mich eine sympathische Figur.

Demnach ist Felix ein Spiegel der Gesellschaft, indem er zum Erfüllungsgehilfen dessen wird, was die anderen sich wünschen?

Er ist eine Projektionsfläche für das, was andere in ihm sehen. Oder wie sie durch ihn sich selber sehen. Man kann ihn fast beneiden: Er tritt auf, und sofort sind alle von ihm angetan. Da gibt es ein Verlangen nach körperlicher Nähe, aber auch emotionalem und intellektuellem Austausch.

 

Felix Krull, fast ein Schauspieler im realen Leben

 

Ist Krull ein Schauspieler im realen Leben?

Er beobachtet, wie die Menschen sich in höheren Gesellschaftsschichten verhalten, und übernimmt zunächst eine Rolle. Danach verwandelt er sich aber in neue Person und wechselt seine Identität. Darin besteht ein Unterschied zu dem, was wir als Darsteller tun, nämlich bloße Behauptungen aufstellen.

Ist es nicht ein urmenschliches Verlangen, einmal jemand anders sein zu wollen?

Als Schauspieler ganz bestimmt. Aber all die Erfahrungen, die man gesammelt hat und die einen ausmachen, legt man dabei nicht einfach ab. Krull versucht zwar, das alte Ich, das „ungültige Dasein“, wie er es nennt, abzulegen, merkt aber, dass es schwierig ist, nur noch als Marquis durch die Welt zu ziehen.

 

Der Wunsch auszubrechen

 

„Sein Inneres wird ausgewaschen und gefüllt neu gefüllt“ sagt Flavio Kiener über Felix Krull (Foto: Oliver Betke)

„Sein Inneres wird ausgewaschen und gefüllt neu gefüllt“ sagt Flavio Kiener über Felix Krull (Foto: Oliver Betke)

Wenn Felix nur das ist, was die anderen aus ihm machen, ist er doch eigentlich eine tragische Figur, die niemals zu sich selbst findet …

Total. Wenn Felix denkt, dass er etwas Besseres ist, heißt das ja auch, dass er in seinem alten Leben keinen Anschluss findet. Er hat keine Freunde, keine emotionale Bindung an die Familie. Deshalb ist sein Wunsch auszubrechen so groß. Aber nie das sein zu können, was man wirklich ist – das ist natürlich furchtbar tragisch.

Ist dieses Gefühl nicht sehr zeitgemäß? Leben wir nicht in einem Zeitalter, wo Identitäten infrage gestellt werden und die Selbstdarstellung eine große Rolle spielt?

Auf jeden Fall. So gesehen ist das eine sehr moderne Geschichte. Auch klassische Rollenverhältnisse werden von Thomas Mann infrage gestellt, etwa wenn die wesentlich ältere Madame Houpflé den jungen Felix verführt.

Kann man da nicht schon von Prostitution sprechen, wenn Felix als Liftboy gegen Bezahlung mit weiblichen Gästen des Nobelhotels ins Bett geht?

Das ist eine der Szenen, die häufig auf unserem Probenplan stehen, weil wir noch herausfinden wollen, wie viel Lust dabei von Felix’ Seite mit im Spiel ist. Warum lässt er sich auf eine solche Sache ein – wobei er ja auch seine Grenzen kennt?

 

Eine außergewöhnliche Umsetzung

 

Wie geht ihr damit um, dass der Stoff ursprünglich kein dialogisches Theaterstück, sondern ein Roman ist?

Wir spielen eine Theaterfassung von John von Düffel. Am Anfang wird viel im Rückblick erzählt, aber je weiter das Stück fortschreitet, desto dialogischer wird es. Felix zieht ja ständig das Begehren der anderen auf sich. Da ist das Spiel der anderen dann die treibende Kraft.

Treibende Kraft in Georg Münzels Inszenierung sind ja auch oft die schnellen Schnitte beziehungsweise Szenenwechsel, wie in „Absolute Giganten“, wo du den Floyd gespielt hast. Können wir bei „Felix Krull“ Ähnliches erwarten?

Zum Teil. Es wird auf jeden Fall eine außergewöhnliche Umsetzung. Wir spielen viele Szenen in unterschiedlich großen Bilderrahmen, wobei sich das Spiel dann überbordend aus den Rahmen herausbewegt. Auch die Kostüme sind sehr besonders …

Auf den ersten Blick wirkt der Roman „Felix Krull“ viel weniger komplex als vieles was Thomas Mann zu Papier gebracht hat. Man denke an den „Zauberberg“ oder den „Doktor Faustus“. Warum hat er sich trotzdem ein Leben lang mit diesem Stoff beschäftigt?

In diesem Roman steckt viel Autobiografisches. Ich glaube, dass Mann bis an sein Lebensende nach seiner eigenen Identität gesucht und sich immer wieder die Frage gestellt hat, wie viel er von seiner Homosexualität ausleben darf. Spannend wäre zu wissen, wie die Geschichte weitergehen sollte. Der Roman ist ja Fragment geblieben.

Das heißt, von Düffel hat das Ende ebenfalls offengelassen?

Bei ihm wird es zum Ende hin sehr anarchisch und chaotisch. Das übernehmen wir. Aber es gibt noch Spielraum für ein konkretes Ende.

 

„Sein Inneres wird ausgewaschen und neu gefüllt“

 

Noch bis zum 27. November ist „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ am Altonaer Theater zu sehen (Foto: G2 Baraniak)

Noch bis zum 27. November ist „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ am Altonaer Theater zu sehen (Foto: G2 Baraniak)

Was reizt dich persönlich an der Rolle des Krull?

Das ist eine Figur, wie ich sie noch nie gespielt habe und die man sich durch ein sehr feines Spiel erschließen muss. Das absurde Spiel mit großen Gesten, das sonst eher meine Sache ist, kommt diesmal von den anderen Figuren. Außerdem spiele ich erstmals eine Figur, die deutlich jünger ist als ich. Auch das finde ich spannend.

Du sagtest, dass Felix Krull auf der Suche nach seinem Platz in der Gesellschaft ist. Siehst du eine Parallele zwischen dieser Figur und der des Floyd, die du in „Absolute Giganten“ gespielt hast? Floyd heuert ja als Seemann an und will seine Heimatstadt Hamburg verlassen.

Da gibt es tatsächlich Gemeinsamkeiten, was das Gefühl anbelangt, nicht dazuzugehören und sein Glück woanders versuchen zu wollen. Aber bei Felix handelt es sich um mehr als einen bloßen Tapetenwechsel. Sein Inneres wird regelrecht ausgewaschen und neu gefüllt.

 

Vom Wochenmarkt zurück auf die Bühne

 

Felix Krull ist die erste Rolle, die du nach dem Shutdown übernommen hast. Wie hast du die Corona-Zeit überstanden? Ich habe gelesen, du hast Käse verkauft …

Der erste Lockdown kam einen Tag vor der Premiere von Meyerhoffs „Alle Toten fliegen hoch – Amerika“. Das scheint ewig lange her. Andererseits kommt es mir nur wie ein Monat vor, weil inzwischen so viel passiert ist: Meine zweite Tochter wurde geboren, und ich bin jetzt Verkäufer auf dem Wochenmarkt. Die Leute mögen die Geschichte von dem Schauspieler im Lockdown, der Schweizer Käse verkauft. Sie fiebern mit und hoffen, dass es mit der Kultur weitergeht. Aber nur ein bisschen, damit es auch morgen noch Käse gibt. (lacht)

Das heißt, deine Kunden kennen deine Geschichte?

Die meisten. Ich glaube, von denen kommen jetzt auch viele ins Theater, um sich den Käseverkäufer einmal auf der Bühne anzugucken.

„Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“, Altonaer Theater, 9.–13., 17.–20., 24.–27. November


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Kate Winslet: „Eine große Ehre“

Oscar-Preisträgerin Kate Winslet über ihre Darstellung als Mary Anning in „Ammonite“, die Vorbereitung auf Rollen und die Wahl von Filmprojekten

Interview: Patrick Heidmann

 

SZENE HAMBURG: Miss Winslet, Sie spielen in „Ammonite“ die Fossiliensammlerin Mary Anning, die es wirklich gegeben hat. Wie viel wussten Sie über diese Frau?

Kate Winslet: Den Namen Mary Anning hatte ich zwar schon gehört, aber eigentlich wusste ich kaum etwas über sie. Vor allem hatte ich keine Ahnung, was sie letztlich aus wissenschaftlicher Sicht alles geleistet hat. Ich musste ordentlich recherchieren, was natürlich dadurch erschwert wurde, dass über sie längst nicht so viel geschrieben wurde wie über ihre männlichen Zeitgenossen.

Wie haben Sie sich denn auf die Rolle vorbereitet?

Sie meinen außer dass ich wochenlang an den Stränden Südwestenglands nach Fossilien gesucht und Steine aufgeklopft habe? Ich hatte glücklicherweise Zugang zu ein paar ihrer Tagebücher. Das fand ich enorm hilfreich, schon weil ich mir größte Mühe geben wollte, ihre Handschrift so gut wie möglich zu kopieren. Vor allem aber fand ich es wichtig zu sehen, welch enge Beziehungen Mary zu den Frauen in ihrem Leben pflegte. Sie hat nie aufbegehrt gegen das patriarchale Gesellschaftssystem, in dem sie gefangen war, und hat immer akzeptiert, dass ihre wissenschaftliche Brillanz nie so anerkannt wurde wie die von Männern. Da war sie bemerkenswert geduldig und klaglos. Aber gleichzeitig waren immer andere Frauen ihre engsten Vertrauten und Verbündeten.

 

Auf­bruch in die Großstadt

 

Im Film entwickelt sich eine Liebesbeziehung zwischen Anning und der jüngeren Charlotte Murchison. Die ist aber nicht verbürgt, oder?

Nein, sicher ist nur, dass Mary mit Charlotte und ihrem Mann befreundet war. Vieles spricht auch dafür, dass sie die beiden in London besucht und eine Weile bei ihnen gewohnt hat. Wobei sie wohl in ihrem ganzen Leben ihren Küstenort nur zwei­mal verlassen hat und nach London gefahren ist. Auch in „Ammonite“ ist der Auf­bruch in die Großstadt für sie eigentlich eine viel größere Sache als die intime Beziehung zu Charlotte. Letztere ist viel eher eine Selbstverständlichkeit.

Angeblich haben Sie die Rolle sofort angenommen, nachdem Sie das Drehbuch gelesen hatten. Entscheiden Sie sich immer so impulsiv?

Kann man so nicht unbedingt sagen. Obwohl ich viele meiner beruflichen Entscheidungen schon recht instinktiv treffe, aus dem Bauch heraus. Im Fall von „Ammonite“ merkte ich einfach gleich, dass ich es schwer aushalten würde, jemand anderen in dieser Rolle zu sehen. Ich fühlte sofort Besitzansprüche dieser Mary Anning gegenüber. Und ich hatte einfach noch nie so ein Drehbuch gelesen.

 

„Es ist wichtig, LGBTQ-Geschichten stärker in den Mainstream zu holen“

 

Sie meinen die Liebesgeschichte dieser beiden Frauen?

Ja, auch. Ich finde es sehr wichtig, LGBTQ-Geschichten stärker in den Mainstream zu holen, und die zarte, wunderschöne Romanze zwischen Mary und Charlotte ist wirklich etwas Besonderes. Nicht zuletzt, weil sie ohne Zögern, Geheimhaltung oder Angst auskommt. Es wäre doch toll, wenn das Publikum häufiger Geschichten über Menschen aus der LGBTQ-Community und ihre Beziehungen im Kino zu sehen bekommt. Und vor allem möglichst verschiedene. Unserem Regisseur Francis Lee ist da wirklich etwas sehr Spezielles gelungen und mir war es eine große Ehre, ein Teil dieser tollen Geschichte zu sein.

„Ammonite“, Regie: Francis Lee. Mit Kate Winslet, Saoirse Ronan, Gemma Jones. 118 Min. Ab 4. November 2021 im Kino

Lust auf mehr? Hier gibt‘s der Trailer zu „Ammonite“:


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„Seine Bücher haben mich geprägt“

David Foster Wallace war Mathematikgenie, Tennis-Ass, Hochschullehrer und Autor. 2008 nahm er sich im Alter von 46 Jahren das Leben. Seine Erzählung „Neon in alter Vertrautheit“ bringt Thalia-Schauspieler Sebastian Zimmler nun auf die Bühne an der Gaußstraße

Text: Dagmar Ellen Fischer

 

SZENE HAMBURG: „Neon“ erzählt vom Selbstmörder Neal, der einen Abschiedsbrief nach (!) seinem Tod schreibt und darin gesteht, dass er zeitlebens ein Heuchler war, immer gierig nach Bewunderung und dem Applaus der anderen. Warum dieser Text jetzt?

Sebastian Zimmler: Als ich „Neon“ das erste Mal las, hatte ich sofort (Theater-) Bilder im Kopf. Ich sah den Protagonisten dieser Story als eine Art Alter Ego: einen Spieler, der auf der Bühne steht und viel Zeit und Mühe investiert, um vor anderen als beeindruckend und „authentisch“ dazustehen, daran aber schmerzvoll scheitert. Mit diesem Stoff hatte ich vor längerer Zeit ans Intendantenbüro geklopft, aber erst die Pandemie öffnete mir dieses Jahr die Tür zur Studiobühne.

Rechnen Sie damit, dass das Publikum den Autor und seine Bedeutung kennt?

Ich kenne tatsächlich nur wenige Menschen, die ihn gelesen haben, dennoch ist er längst kein Geheimtipp mehr. Und wenn ich den Text zum Anlass nehme, die Figur des Heuchlers zu performen, sollte das natürlich auch exklusiv, ohne Hintergrund von Werk und Autor, funktionieren.

 

David Forster Wallace und die Intimität

 

In „Neon“ geht es um einen Selbstmörder, es gibt also diese Parallele zum Leben des Autors. Wie gehen Sie damit um?

Auch wenn für mich der Suizid von David Foster Wallace in dieser Erzählung eine Gänsehaut verursachende Präsenz hat, ist es mir doch wichtig, zwischen Werk und Biografie des Autors zu unterscheiden. Das Geschriebene ist groß und stark und bedarf gewissermaßen keiner Perspektivierung auf den Autor.

Wie würden Sie den eigenen Maßstab formulieren, dem Autor mit dieser Inszenierung gerecht zu werden?

Ich bin ein großer David-Foster-Wallace-Fan und habe alle seine Bücher gelesen. Sie haben mich geprägt, verändert und mein Schaffen als Schauspieler beeinflusst. Ich würde gerne so spielen können, wie er geschrieben hat: eine Intimität herstellend, der man sich schwer entziehen kann und die so unterhaltsam ist und doch immer ernsthaft, moralisch aufgeladen und stets unironisch.

In „Neon“ heißt es: „In Wahrheit ist das Sterben nicht schlimm; es dauert nur ewig lange. Und ewig nimmt keine Zeit in Anspruch.“ Kommentieren Sie solche Sätze durch Ihr Spiel?

Es geht um die Behauptung, „dass die Nano-Sekunde zwischen dem Eintreten des klinischen Todes und ‚dem, was danach passiert‘, in Wirklichkeit unendlich ausgedehnt ist“. Den Gedanken, dass die Zeit in Wirklichkeit nicht entlang einer Geraden verläuft, muss ich als Spieler zunächst gar nicht kommentieren. Ihn zu denken, ist schon schwer genug.

 

Nähe und Gleichzeitigkeit durch Projektion

 

Sie arbeiten mit Projektionen, welche Funktion erfüllen sie?

Die Projektionen sollen helfen, eine Nähe und Gleichzeitigkeit zu erzeugen, in der Vergangenheit und Zukunft Illusionen der Gegenwart sind. Wenn man so will, eine Art Doppelbelichtung und auch eine Lupe, unter der wir den Blender sehen.

Dass Texte – oder Kunst allgemein – aus eigenem persönlichem Leiden geboren werden, würde der Autor vermutlich nicht gelten lassen, wie schauen Sie auf dessen schriftstellerisches Werk unter diesem Aspekt?

Seinen hyperempfindlichen Sinn für Bilder, in denen lässiges Beobachten und äußerste Verletzbarkeit zusammenfließen, finde ich phänomenal. Ich sehe David Foster Wallace auf einer Linie mit Balzac und Dostojewski!

„Neon in alter Vertrautheit“, Thalia Gaußstraße, 12. November 2021 (Uraufführung), 24. November und weitere Termine

Hier gibt’s den Trailer zu „Neon in alter Vertrautheit“:


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Karim Eid: Von St. Georg in die Welt

Der 22-jährige Newcomer macht Popmusik mit internationaler Relevanz. Ein Kurzes Gespräch über St. Georg, wo Karim Eid aufwuchs und sich künstlerisch dorthin entwickelte, wo er heute ist

Interview: Erik Brandt-Höge

 

SZENE HAMBURG: Karim, du bist als Sechsjähriger von Köln nach Hamburg gezogen, in St. Georg aufgewachsen. Inwieweit, denkst du, hatte und hat der Stadtteil Einfluss auf deine künstlerische Entwicklung?

Karim Eid: St. Georg ist für mich meine Kindheit. Ich habe dort meine gesamte Schulzeit verbracht, habe verschiedenste kulturelle Einflüsse mitnehmen können und tue dies bis heute. In diesem Stadtteil kriegt man von allem etwas mit, sei es der Steindamm, der Hansaplatz, die Lange Reihe, die Alster, der Lohmühlenpark: Es sind die verschiedensten Kreise, die auf engstem Raum miteinander zu tun haben. Es entsteht eine Offenheit gegenüber allem, was einem – vor allem als Kind – vorerst nicht bekannt ist. Und ich denke, diese Offenheit gegenüber unbekannten Dingen habe ich in mein künstlerisches Dasein übernehmen können. Ich verarbeite die mir bekannten Dinge, experimentiere aber auch sehr gerne mit Neuem und scheue mich nicht davor, noch mehr zu entdecken.

 

Mit Freunden zur Leidenschaft

 

Hast du in in St. Georg schnell musikalische Anlaufpunkte und vielleicht auch eine Art Szene gefunden, mit denen beziehungsweise mit der du dich identifizieren konntest?

Als ich elf Jahre alt war, habe ich in der Schule mit Schlagzeugspielen angefangen. Da ich auf einer Kulturschule war (Klosterschule; Anm. d. Red.), wurde auf Musik ein großer Schwerpunkt gelegt. Dadurch bin ich immer mehr in die Musik gerutscht, habe Freunde gefunden, die die gleichen Ambitionen hatten wie ich, und die mich angespornt haben, Musik zu einer lebenserfüllenden Leidenschaft werden zu lassen. Dann kam das Produzieren, und Freunde von mir fingen an, in Richtung Rap zu gehen, was mich fasziniert hat. Davon habe ich definitiv Inspirationen gezogen, und mit dieser Szene kann ich mich persönlich auch identifizieren, auch wenn meine Musik in eine Richtung einschlägt.

 

Musik die Glücklich macht

 

Mit „Love You More Than I Hate What You Did“ erscheint nun deine erste EP. Du hast kürzlich gesagt, du würdest es als „größten Segen“ verstehen, dass niemand auf deine Musik wartet – weil du eben Newcomer bist. Hast du womöglich Angst davor, dass die Erwartungen schlagartig steigen, wenn du mit der EP erfolgreich wirst?

Angst würde ich es nicht nennen, wohl eher eine Sorge, die aber hoffentlich dann nur eine solche bleibt. Ich versuche mein Bestes, die Musik zu erschaffen, die mich glücklich macht und an der ich Spaß habe. Ich habe kein festes Genre, in dem ich mich bewege. Was ich musikalisch mache, hängt von der Stimmung und der Situation ab, in der ich mich zu der Zeit befinde. So lange ich mit meiner Musik zufrieden bin und mich selbst in meinen Liedern hören kann, habe ich kein Problem damit, wenn es gewisse Erwartungen nicht erfüllt. Dennoch freue ich mich sehr darauf, wenn das, was ich mache, auch bei anderen Anklang findet.

„Love You More Than I Hate What You Did“ von Karim Eid ist am 29. Oktober 2021 auf Lauter Lauter/The Orchard erschienen

Einen Vorgeschmack gefällig? Hier gibt‘s das Video zum Song „what you did“:


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„Bergman Island“: Inspiration vor schöner Kulisse

Der neue Film unter der Regie von Mia Hansen-Løve wird auf der Insel Fårö erzählt, dem Ort, wo auch die schwedische Regielegende Ingmar Bergman gelebt hat

Text: Marco Arellano Gomes

 

Wer hat nicht schon mal gehofft, dem Geist großer Künstler näherzukommen, indem man die Orte besucht, in denen diese lebten und wirkten? Das Filmemacher-Paar Tony (Tim Roth) und Christine (Vicky Krieps) ist überzeugt, dass eine Woche auf der Insel Fårö genau das bewirken kann. In der abgelegenen, geradezu verwunschenen schwedischen Idylle hat Regielegende Ingmar Bergman gelebt. Wer weiß, ob dessen Genie hier nicht irgendwo in der Luft liegt, abfärben oder zumindest inspirieren kann. Die angehende Drehbuchautorin und der gefeierte Regisseur wohnen in einem schönen Landhaus mit Mühle, sie wollen eine Bustour mitmachen und das Bergman-Museum inklusive integrierten Kinosaal besuchen. Während Tony sofort seinen Ideen produktiv nachgeht, durchlebt die deutlich jüngere Christine hingegen eine Schreibblockade.

Tim Roth und Vicky Krieps in „Bergman Island“ (Foto: Weltkino Filmverleih)

Tim Roth und Vicky Krieps in „Bergman Island“ (Foto: Weltkino Filmverleih)

Als ihre Selbstzweifel zur Belastung für die Beziehung werden, flüchtet sie sich zunehmend in ihr Drehbuch und spinnt parallel eine Geschichte um ein junges ExPaar, das zufällig auf der besagten Insel wieder zusammenfindet. Fiktion und Realität verschwimmen zusehends …

 

Der Cast überzeugt

 

Regisseurin und Drehbuchautorin Mia Hansen-Løve („Alles was kommt“) geht in ihrem als Tragikomödie gekennzeichneten Film dem Thema künstlerische Inspiration nach. Die malerische Kulisse spiegelt dabei eben jene Leere und Lebendigkeit wieder, die einen solchen Schaffensprozess auszeichnen. Der Film ist semibiografisch – das spürt man auch. Die Liebe zur Insel und zu Bergman, die Hansen-Løve verspürt, ist mit jeder Aufnahme offensichtlich. Der Cast überzeugt: Tim Roth sowie die seit „Der seidene Faden“ (Regie: Paul Thomas Andersen) hoch gehandelte Vicky Krieps als auch Mia Wasikowska füllen den Film mit Leben, während die eine oder andere Nebenrolle weniger zu überzeugen vermag. „Bergman Island“ feierte dieses Jahr in Cannes Premiere. Es ist ein ruhiger, ansehnlicher Film, der die Magie des Kinos immer wieder aufblitzen lässt – man wartet sehnsüchtig darauf, dass auch ein Funke Inspiration von der Leinwand fliegt.

„Bergman Island“ Regie: Mia Hansen-Løve. Mit Tim Roth, Vicky Krieps, Mia Wasikowska. 112 Min. Ab dem 4. November 2021 im Kino

Noch nicht überzeugt? Hier gibt‘s den Trailer zu „Bergman Island“:


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Neu im Kino: Gewaltige Gefühle in „Ammonite“

In seinem Film „Ammonite“ erzählt Regisseur Francis Lee eine fiktionale Liebesgeschichte zwischen der real existierenden Paläontologin Mary Anning (Kate Winslet), und der jungen Frau Charlotte (Saoirse Ronan). Ein schöner, ruhiger Film, bei dem die Emotionen so kraftvoll daherkommen wie die Wellen an der rauen Küste

Text: Anna Grillet

 

Enttäuschungen haben ihre Spuren im Gesicht von Mary Anning (grandios: Kate Winslet) hinterlassen. Der 1799 geborenen Paläontologin und Fossiliensammlerin bleibt als Frau aus der Unterschicht das patriarchalische Wissenschaftsestablishment verschlossen. Schon mit elf Jahren macht sie am Strand von Lyme Regis den spektakulären Fund einer versteinerten Meerechse. Der Ichthyosaurus wird im Britischen Museum ausgestellt, doch nicht unter ihrem Namen, sondern dem eines Mannes.

 

Feindseligkeit weicht Fürsorge

 

Kate Winslet und Saoirse Ronan in „Ammonite“ (Foto: TOBIS Film)

Kate Winslet und Saoirse Ronan in „Ammonite“ (Foto: TOBIS Film)

Den kärglichen Lebensunterhalt für sich und die kränkliche Mutter verdient die Mittvierzigerin durch den Verkauf von Fossilien, Souvenirs für Touristen. Ein freudloses Dasein voller Entbehrungen. Überraschend taucht bei Mary ein reicher schottischer Geologe namens Roderick Murchsion auf, mit der Bitte, sich um seine schwermütige Gattin Charlotte (wundervoll: Saoirse Ronan) zu kümmern, sie einzuführen in die Kunst des Aufspürens und Präparierens von Fossilien, während er zu einer vierwöchigen Europareise aufbricht. Die elegante, verwöhnte Charlotte verspürt nur Widerwillen gegenüber dem rauen, stürmischen Meer, der felsigen Küstenlandschaft. Die wortkarge Paläontologin wiederum empfindet den Schützling als unliebsame Störung, zeigt offen ihre Abneigung. Die Kluft zwischen den beiden Frauen scheint unüberwindbar. Doch als Charlotte schwer erkrankt, muss Mary sie daheim pflegen, ihre Feindseligkeit weicht Fürsorge. In dem armseligen engen Häuschen fern jedem Luxus verwandelt sich Charlotte. Ungelenk, fast kokett wirbt sie um Marys Zuneigung. Aus einem zaghaftem Gutenachtkuss entsteht unerwartet Leidenschaft.

 

Absolute Authentizität

 

Als „eine innige, aber zugleich schroffe Liebesgeschichte” bezeichnete Regisseur und Autor Francis Lee seinen ersten Film, „God’s Own Country“ (2017). „Ammonite“ ist ähnlich: große gewaltige Gefühle in Nahaufnahme, die Kamera weicht den beiden Protagonistinnen nicht von der Seite. Lees Regiekonzept verlangt absolute Authentizität. Jene Explosion verborgener Emotionen ist atemberaubend und schauspielerisch meisterhaft. In der Umarmung verschwinden die Unterschiede, ob Herkunft oder Alter – ein Akt von fast archaischer Befreiung. Leider war der echten Mary Anning eine solche Beziehung nie vergönnt.

„Ammonite“, Regie: Francis Lee. Mit Kate Winslet, Saoirse Ronan, Gemma Jones. 118 Min. Ab 4. November 2021 im Kino

Lust auf mehr? Hier gibt‘s der Trailer zu „Ammonite“:


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Léa Seydoux in „Die Geschichte meiner Frau“

Gerade noch als weibliche Hauptrolle im neuen James Bond, im nächsten Moment begleitet einen Léa Seydoux in „Die Geschichte meiner Frau“ durch das Hamburg der 1920er-Jahre

Text: Sabine Danek

 

Gerade noch hat Léa Seydoux noch James Bond den Kopf verdreht. Verführerisch, eigensinnig und stark bringt sie den Agenten in „No Time To Die“ um den Verstand. Und so ähnlich macht es die französische Schauspielerin, die gerade zu einer großen internationalen Karriere abhebt, auch in Ildikó Enyedis neuem Drama. Darin erzählt Gijs Naber als niederländischer Kapitän Jakob Störr „Die Geschichte meiner Frau“, die im Europa der 1920er-Jahre spielt, in Paris und auch in Hamburg. Und es kommt nicht von ungefähr, dass die Regisseurin, die mit „Körper und Seele“ 2017 auf der Berlinale den Goldenen Bären gewann, in der Hansestadt drehte. Die Ungarin hat besondere Bande zum Metropolis-Kino. In ihrer Heimat der Zensur ausgesetzt, hat sie dort schon früh ihre Filme gezeigt und sogar ihren Mann kennengelernt.

 

Drehort Hamburg

 

Die Geschichte meiner Frau mit Léa Seydoux und Gijs Naber (Foto: Alamode Film)

Die Geschichte meiner Frau mit Léa Seydoux und Gijs Naber (Foto: Alamode Film)

2019 fiel nahe der Landungsbrücken die erste Klappe für ihr Liebesdrama, das auf einem Roman von Milán Füst beruht und quer durch ein Hamburg führt, über deren Kopfsteinpflaster Automobile und Pferdekutschen rumpeln, an die Alster und ins Atlantic Hotel – und mitten hinein in eine Ehe, die so stürmisch ist wie die Weltmeere es sind, die der Kapitän überquert. Einst hatte er gewettet, dass er die erste Frau, die in das Café kommt, in dem er mit einem Freund saß, heiratet. Lizzy (Seydoux) ist das und sie sagt Ja. Bald aber verwandelt sich die Leidenschaft des ungleichen Paares in ein zerstörerisches Katz-und-Maus-Spiel, das irgendwann die immer gleichen Schleifen dreht. Aus dieser Zähheit kann selbst Kabarettist Josef Hader, der einen herrlich abgründigen Hamburger Hauswart spielt, die Amour Fou nicht retten. Und so fragt man sich trotz der großartigen Besetzung und der satten Bilder, die in schönstes Nachtblau und in das Gold der Roaring Twenties gegossen sind, was der Kapitän einem eigentlich erzählen wollte.

„Die Geschichte meiner Frau“, Regie: Ildikó Enyedi. Mit Léa Seydoux, Gijs Naber, Louis Garrel. 169 Min. Ab dem 4. November im Kino

Lust auf mehr? Hier gibt‘s der Trailer zu „Die Geschichte meiner Frau“:


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, November 2021. Das Magazin ist seit dem 28. Oktober 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Theaterpreis Hamburg – Rolf Mares 2021 verliehen

Am 1. November 2021 wurde der Theaterpreis Hamburg – Rolf Mares verliehen. In sechs Kategorien gingen die begehrten Preise an sieben Theaterschaffende und eine Institution 

 

Roter Teppich, große Bühne und fröhliche Gesichter. Am 1. November 2021 wurde im Opernloft der Theaterpreis Hamburg – Rolf Mares verliehen. Der Preis ist mit jeweils 1.000 Euro dotiert, inklusive eines personalisierten Montblanc-Füllers.

 

Herausragende Darsteller:innen

 

Eva Mattes wurde für ihre Rolle in der Uraufführung von Elfriede Jelineks Theaterstück „Lärm. Blindes Sehen, Blinde Sehen!“ ausgezeichnet (Foto: Matthias Horn)

Eva Mattes wurde für ihre Rolle in der Uraufführung von Elfriede Jelineks Theaterstück „Lärm. Blindes Sehen, Blinde Sehen!“ ausgezeichnet (Foto: Matthias Horn)

Als herausragende Darsteller:innen wurden 2021 Ines Nieri für ihre Inszenierung „Tyll“ (nach dem Roman von Daniel Kehlmann) am Ernst Deutsch Theater und Thomas Niehaus vom Ensemble des Thalia Theaters für seine Rolle des Ingwer Feddersen im Stück „Mittagsstunde“ geehrt. Ein weiterer Preis ging an Eva Mattes für ihre Darstellung der Kirke in der Uraufführung von Elfriede Jelineks Theaterstück zur Pandemie „Lärm. Blindes Sehen, Blinde Sehen!“ am Deutschen Schauspielhaus Hamburg.

 

Digitale Projekte ausgezeichnet

 

Wegen der langen Zeit ohne offene Theater, gingen zwei Preise an digitale Inszenierungen. Helge Schmidt wurde für seine Inszenierung „Tax for free“ am Lichthof Theater ausgezeichnet, ein Projekt das im Rahmen des Formats #lichthof_lab entstanden ist. David Bösch, Patrick Bannwart und Falko Herold bekamen die Auszeichnung für ihr filmisches Gesamtkunstwerk „Weisse Rose“ an der Staatsoper Hamburg.

Der Sonderpreis ging in diesem Jahr an die Behörde für Kultur und Medien. Die Jury begründete die Auszeichnung mit der durchgehenden Unterstützung der Theater in Zeiten der Pandemie: „Hamburg hat dafür viel Geld in die Hand genommen, es wurde unbürokratisch gehandelt, dazu gab es Beratung in jeder Lage, zu jeder Zeit, und immer auch vom Senator Dr. Carsten Brosda selbst. Die Theater in Hamburg fühlten sich verstanden und sehr gut aufgehoben“.

Die Highlights der Verleihung mit allen Preisträger:innen gibt es ab dem 2. November 2021 um 19 Uhr auf theaterpreis-hamburg.org und auf dem YouTube-Kanal des Theaterpreis Hamburg – Rolf Mares.


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Barbara Kisseler Theaterpreis 2021 vergeben

Der mit 50.000 Euro dotierte Barbara Kisseler Theaterpreis 2021 wurde am 31. Oktober im Ernst Deutsch Theater vergeben. Gewonnen hat die Hamburger Schauspielerin Stella Roberts für ihre Produktion „Der fröhliche Fischer“

Text: Felix Willeke

 

Stella Roberts ist die Gewinnerin des Barbara Kisseler Theaterpreises 2021. Die 32-jährige bekam ihre Auszeichnung am 31. Oktober 2021 im Ernst Deutsch Theater überreicht, wo ihre Schauspielkarriere in einem der hauseigenen Jugendclubs begann. Später spielte sie im Hamburger Jedermann und ist inzwischen auch an der Wiener Staatsoper zu sehen. Den mit 50.000 Euro dotierten Preis erhielt sie für ihre Produktion „Der fröhliche Fischer“, die im September 2021 am Rissener Leuchtturm aufgeführt wurde. Kultursenator Dr. Carsten Brosda lobte die Inszenierung, „die einen außergewöhnlichen Spielort in Hamburg theatral in Szene setzt und Theater somit unmittelbar in die Gesellschaft trägt“.

 

Auch das plattform-Festival ausgezeichnet

 

Kultursenator Dr. Carsten Brosda und die Gewinnerin 2021 Stella Roberts (Foto: Oliver Fantitsch)

Kultursenator Dr. Carsten Brosda und die Gewinnerin 2021 Stella Roberts (Foto: Oliver Fantitsch)

Ebenfalls ausgezeichnet wurde das plattform-Festival. Da die Verleihung 2020 Pandemie-bedingt ausfallen musste, überreichte Brosda den Preis für das vergangenen Jahr ebenfalls am 31. Oktober 2021. „Es ist ein mit viel Einsatz verbundenes Vorhaben, dafür Sorge zu tragen, dass Kinder und Jugendliche den Wert von Kultur für unsere Gesellschaft unmittelbar erfahren können. Das Team des plattform-Festivals setzt dies seit fast zehn Jahren engagiert um“, so der Kultursenator.

 

Ein Preis zu Ehren von Barbara Kisseler

 

Der Barbara Kisseler Theaterpreis wird seit 2017 zu Ehren der 2016 verstorbene Kultursenatorin vergeben, gefördert wird er dabei von der Hermann Reemtsma Stiftung. Mit dem Preis werden Privattheater oder Freie Gruppen für herausragende Leistungen von einer anonymen Jurorin oder einem anonymen Juror ausgezeichnet. Mit „Der fröhliche Fischer“ wurde erstmals die Realisation einer Produktionsidee ausgezeichnet.


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Theater: Wut, Witz und Wiener Walzer

Noch bis zum 6. November 2021 läuft das „Sechs Tanzstunden in sechs Wochen“ von Richard Alfieri unter der Regie von Anatol Preissler im Ernst Deutsch Theater

Text: Katharina Manzke 

Wenn man so will, steckt in der Geschichte des Tanzes die emotionale Bandbreite eines ganzen Lebens. Diesen Eindruck hat man zumindest als Zuschauer des Stückes „Sechs Tanzstunden in sechs Wochen“ von Richard Alfieri, das Anatol Preissler im Ernst Deutsch Theater inszeniert. Eine vereinsamte alte Dame, Lily Harrison (Gila von Weitershausen), hat private Tanzstunden gebucht. Die Tanzschule schickt ihr mit Michael Minetti (Mark Weigel) einen Lehrer, mit dem sie zunächst überhaupt nicht zu harmonieren scheint. Nachdem sich die Witwe eines Baptisten-Predigers und der um einige Jahre jüngere, schwule Tänzer gegenseitig angegiftet haben, tanzen sie doch miteinander – die erste Stunde steht im Zeichen des lebensfrohen Swing. Beide merken: Sie, zusammen auf der Tanzfläche, das hat Potenzial. Und so geht es Woche für Woche weiter.

 

Tolle Musik und viel Gefühl

 

Mit dem Tango, dem Tanz der zwischen leidenschaftlicher Dynamik und gespannten Pausen wechselt und Gegensätze vereint, dem Wiener Walzer, dem Foxtrott, dem Cha-Cha-Cha und schließlich dem Modernen Tanz. Auf der Bühne wird zu bekannten Melodien von den Comedian Harmonists, über R.E.M. bis hin zu den Blues Brothers also viel getanzt, was vor allem die freuen dürfte, die selbst den Paartanz zelebrieren und lieben. Besonders schön dabei ist, wie die Entwicklung der Beziehung zwischen beiden in diese Tanzstunden eingewoben ist. Auf der Bühne lenkt kein schmückendes Beiwerk oder ein Zuviel an Nebenschauplätzen oder -figuren ab: Von Woche zu Woche, von Szene zu Szene, kommen sie einander näher und gewähren auch den Zuschauern tieferen Einblick in ihre Erinnerungen und Gefühle. Was lustig und spritzig begann, endet tieftraurig und emotional, aber auch mit Hoffnung.

Sechs Tanzstunden in sechs Wochen, Ernst-Deutsch-Theater, 1., 3. bis 6. November 2021


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, November 2021. Das Magazin ist seit dem 28. Oktober 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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