SZENE HAMBURG Redaktionskonzert … mit ME+MARIE

Hip Hip Hooray! Wir sind umgezogen und können wieder Redaktionskonzerte veranstalten! Gewinnt Gästelistenplätze für unser erstes Konzert in Altona am 26.7.2018 mit ME+MARIE.

Vivie Ann, Fotos, Yakoto und  Tim Vantol sind schon bei unseren Redaktionskonzerten im alten SZENE HAMBURG-Hauptquartier in Eppendorf aufgetreten. Äußere Umstände zwangen uns allerdings dazu, das Format einschlafen zu lassen.

Und jetzt? Viele haben es vielleicht schon mitbekommen: Wir haben ein neues Büro im warmherzigen Ottensen bezogen und endlich wieder Platz für viele neue Redaktionskonzerte. Und weil wir es kaum erwarten können, geht es jetzt auch schon los!

Feiert mit uns und ME+MARIE unser erstes Redaktionskonzert in Altona!

Los geht’s am Donnerstag, 26.7.18, um 19 Uhr in der Gaußstraße 190c.

Beitragsbild: Tibor Bozi

 Wir verlosen 12×2 Tickets!

Wie könnt Ihr mitmachen? Na so:

Das jüngste Album von ME+MARIE „Double Purpose“ erscheint am 17.8. 2018. Mehr von ME+MARIE auf Facebook und Instagram.


So war das damals in Eppendorf:

 


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Die Kumst Medien Vermarktungsgesellschaft sucht zum nächstmöglichen Zeitpunkt einen Mediaberater (m/w).

Wir suchen kreative Köpfe mit viel Leidenschaft für Print-Magazine und großem Interesse an allen Formen der digitalen und analogen Kommunikation!

Die Kumst Medien Vermarktungsgesellschaft macht genau das, was der Firmenname aussagt: Wir vermarkten Magazine wie SZENE HAMBURG, SZENE HAMBURG Essen+Trinken, hamburg:pur, verschiedene Wirtschaftstitel und zahlreiche Online-Portale.

Unsere Magazine und Kunden sind genauso vielfältig wie wir. Wir brauchen Deine kreative und fachmännische Unterstützung in der Betreuung von Online- und Anzeigenkunden, der Neukundenakquisition und der aktiven Vermarktung von Sonderthemen, Crossmedia- und Onlineprodukten.

Was wir von Dir erwarten:
– Spaß an Deiner Aufgabe
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Quereinsteiger sind willkommen!

Du fühlst Dich angesprochen? Dann schicke uns bitte Deine Bewerbungsunterlagen per E-Mail an tanya.kumst@kumst-media.de.

Bitte vergiss nicht uns mitzuteilen, ab wann Du bei uns anfangen könntest und welche Gehaltsvorstellungen Du hast.

Wir freuen uns auf Dich!

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Freie Autoren für ein hyperlokales Projekt gesucht!

Wir suchen ab sofort freie Autoren mit einem sicheren und lockeren Schreibstil. Ihr solltet euch sehr mit Hamburg verbunden fühlen und gut in der Stadt oder einzelnen Stadtteilen auskennen.

Wer Interesse hat, schickt einfach seinen Lebenslauf mit Arbeitsproben an hedda.bueltmann@vkfmi.de. Wir freuen uns auf euch!

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Privattheatertage – „Einfach mal mehr Mut haben“

Die Privattheatertage sind in Hamburg mittlerweile eine feste Größe. Zwölf ausgesuchte Produktionen aus ganz Deutschland sind im Juni zu Gast. Jurymitglied und Schauspielerin Marion Elskis erzählt, warum es in diesem Jahr ein Festival der starken Frauen ist – obwohl nur zwei der Stücke von Regisseurinnen inszeniert wurden.

SZENE HAMBURG: Marion Elskis, Sie stehen bei den Privattheatertagen nicht selber auf der Bühne, sondern saßen in der reisenden Jury. Wie ist das, einmal selbst in die Rolle des Kritikers zu schlüpfen?

Marion Elskis: Wunderbar. Es hat wirklich großen Spaß gemacht, einmal nicht beurteilt zu werden, sondern selber zu beurteilen.

Wie viel Stücke haben Sie sich angesehen?

Ich war in einer von insgesamt drei Jurys, wir haben uns Klassiker beziehungsweise moderne Klassiker angesehen. Das waren insgesamt 24, verteilt in ganz Deutschland. Und wir durften nur vier davon einladen! Da waren wir uns nicht immer in allem einig.

Welche Klassiker haben es zum Festival in Hamburg geschafft?

„Buten vör de Döör“ von Borchert, eine Produktion vom Ohnsorg Theater Hamburg. Außerdem wird „Das Lächeln am Fuße der Leiter“ von Henry Miller aufgeführt, ein Einpersonenstück aus Dresden. Und „Die Liebe der kleinen Mouche“ ist zu Gast, vom Theater Waidspeicher aus Erfurt. Die Hauptrollen sind zwei Puppen, die von Schauspielern gespielt und gesprochen werden – eine ganz zarte, liebevolle Inszenierung. Puppentheater kommt hier immer gut an, letztes Jahr hat ein Stück mit Puppen auch den Publikumspreis gewonnen. Außerdem „Hamlet“ von Shakespeare in einer sehr besonderen Inszenierung vom Forum Theater Stuttgart.

Puppentheater verzaubert, vielleicht weil es die Menschen zurück in die Kindheit versetzt…

Das ist das richtige Wort. Ich war zwei Stunden lang verzaubert, versunken in dieser Geschichte. Ich freue mich aber auf alle Stücke sehr, es ist wirklich ein toller Spielplan geworden.

Warum sind die Privattheatertage so wichtig für Privattheater?

Um darauf aufmerksam weil es in vielen Städten und vor allem in Hamburg Privat­theater mit sehr guten Stü­cken gibt. Für die ist unser Festival natürlich eine wahn­sinnig gute Plattform.

Axel Schneider, der Initiator der Privattheatertage, sagte letztes Jahr bei der Eröffnung, die Theaterhäuser in Hamburg hätten sehr unter der Eröffnung der Elbphilharmonie gelitten. Hat sich daran etwas geändert?

Die Eröffnung der Elb­philharmonie war natürlich ein Publikumsmagnet. Und auch verständlicherweise. Das ist etwas Neues, das macht die Leute neugierig. Und wenn man den Preis für eine Karte in der Elbphilhar­monie bezahlt, bleibt erstmal nicht so viel Geld für andere Kultureinrichtungen. Das ha­ben wir natürlich zu spüren bekommen, aber sicherlich war das bei allen Theater­häusern so, auch bei den staat­lichen. Da gab es denke ich gar keinen Unterschied.

„Es gibt wenig Rollen für ältere Frauen zwischen 40 und 60“

Dieses Jahr wird der Monica-Bleibtreu-Preis zum siebten Mal verliehen. Warum fiel die Wahl bei der Benennung auf Frau Bleibtreu?

Um ihr ein Denkmal zu setzen. Sie war eine tolle Schauspielerin, die leider viel zu früh gestorben ist. Ihr Va­ter hatte ein Theater in Wien, sie war dem Privattheater auch immer sehr verbunden. Das war wahrscheinlich auch ein Grund für diese Wahl.

Braucht es mehr starke Schauspielerinnen wie Monica Bleibtreu?

Es gibt natürlich einige starke Frauen. Es kann aber nie genug geben!

Ihre Jurykollegin Tanja Müller sagte, dass die Privattheatertage dieses Jahr ein Festival der starken Frauen sei. Welche Stücke sind unter diesem Aspekt besonders hervorgestochen?

Das Stück „7 Minuten“. Der Chef einer Firma will in darin die Pause um sieben Mi­nuten verkürzen. Die Frauen des Betriebsrates diskutieren dann darüber, jede mit ihrer eigenen Motivation und Ar­gumentation. Ein sehr gutes Theaterstück mit starken Frauen. Auch interessant ist die Produktion von „Ham­let“. Die Hauptrolle wird von einem Mann gespielt, alle an­deren Rollen von fünf Frauen. Klassische Werke sind ja nicht immer so leicht verständ­lich, aber dieses Stück hat sich sehr modern und aktuell an­ gefühlt. Es ist natürlich auch spannend zu beobachten, wie diese Frauen in verschiedene Rollen schlüpfen, aber das hatte wahrscheinlich auch ei­nen Kostenspargrund. Womit wir wieder bei den Problemen des Privattheaters wären.

Klassische Stücke sind nicht bekannt für ihre progressive Geschlechteraufteilung. Braucht es neues Material, um Frauen in der Theaterwelt zu stärken?

Beides ist wichtig. Sowohl alte Stücke, die mutig neu in­szeniert werden, als auch neue Werke. Die könnten auch gerne frauenlastiger sein, das wäre schön. Ich habe in der Vergangenheit öfter gedacht: „Typisch, jetzt gibt es schon wieder fünf Männerrollen und nur eine Frau.“ Deswegen habe ich mit einer Kollegin zusam­men ein Zweipersonenstück, beide weiblich, geschrieben und in Hamburg und Berlin aufgeführt. Es braucht mehr Stücke dieser Art. Außerdem fällt mir immer wieder auf, wie wenig Rollen es für äl­tere Frauen gibt. Bis zu einem bestimmten Alter ist die Geschlechteraufteilung meistens sehr ausgewogen, aber das An­gebot für Schauspielerinnen zwischen ungefähr 40 und 60 ist sehr dünn.

Wie kann man Frauen in der Theaterbranche noch weiter stärken?

Frauen sollten auch mal öfter den Mut haben, Regie zu führen. Dann würde sich das vielleicht von alleine ergeben, dass es mehr Rollen für Frauen gibt. Ich meine auch, wir haben jetzt bei den Privattheatertagen kaum Re­gisseurinnen. Ich zähle eben mal im Programm nach … Ja, es sind zwei von zwölf Stü­cken. Das ist schon bezeich­nend. Wir Frauen sind außer­ dem immer so selbstkritisch. Dabei sollten wir einfach mal Mut haben und breitbeiniger auftreten!

Interview: Sophia Herzog
Beitragsfoto: Bo Lahola

Privattheatertage, 19.6.-1.7.18, www.privattheatertage.de


Mehr Theater?


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 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juni 2018. Das Magazin ist seit dem 26. Mai 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!

Sprechwerk – (Über-)leben in der Freien Szene

Selbstausbeutung und ein prekäres Leben nehmen viele Künstler aus der Freien Szene in Kauf – für die Kunst. Ein Gespräch mit Konstanze Ullmer, Intendantin vom Sprechwerk, über das, was in Hamburgs Kulturpolitik falsch läuft.

SZENE HAMBURG: Wieviel Förderung bekommt ihr für eure Spielstätte?
Konstanze Ullmer: Das Sprechwerk bekommt seit letztem August 140.000 Euro als institutionelle Förderung, die immer für zwei Jahre bewilligt wird. Im Rahmen der Produktionsförderung haben wir bisher durchschnittlich für eine Eigenproduktion im Jahr Unterstützung bekommen.

Was hat sich in der Förderungsstruktur verändert?
Die Förderungssumme für die Freie Szene wurde insgesamt in den letzten beiden Haushaltsjahren erhöht. Durch die Empfehlung des Mindestlohns, die der Förderungssumme zugrunde liegt, werden weniger Projekte und dafür mit einer höheren Summe unterstützt.

Welche Auswirkungen hat das für euch?
Die negativen Auswirkungen erleben die freien Spielstätten unterschiedlich. Das Lichthof hat meist zwischen fünf und acht Förderungen pro Jahr bekommen. Sie spüren es jetzt natürlich deutlicher als wir, dass weniger Projekte gefördert werden. Was sich für uns alle gleich auswirkt ist, wenn weniger Produktionen der Freien Szene gefördert werden, für die wir ja da sind, müssen wir mit anderen Sachen unseren Spielplan füllen. Ich habe jetzt in diesem Jahr für sechs Wochen unsere Räume an die Theaterakademie vermietet. Natürlich würde ich viel lieber den Zeitraum nutzen, um tolle Stücke zu zeigen, denn die Produktionen der Theaterakademie sind nicht öffentlich. Das tut mir künstlerisch weh, aber finanziell gut. Oder wir produzieren ein Stück, was wir uns gar nicht nicht leisten können und begeben uns ins Risiko.

Ich möchte für die Freie Szene da sein

Woran verdient ihr Geld, wenn ihr freie Projekte zeigt?
Wir bekommen einen bestimmten Betrag für die Zeit, wenn die Gruppen hier ihre Endproben machen und einen Teil der Eintrittsgelder. Bei Gruppen, die ihre geplante Produktion auch umsetzen, wenn sie keine öffentlichen Gelder bekommen, vereinbare ich einen anderen Deal, denn sie arbeiten auf Selbstausbeutung und ich möchte für die Freie Szene da sein und sie ins Haus holen.

Auffällig viele der geförderten Projekte werden auf Kampnagel gezeigt …
Kampnagel ist eine tolle Spielstätte, keine Frage. Aber für mich ist es eindeutig, dass Kampnagel juristisch ein Staatstheater ist, da der Vorsitzende des Aufsichtsrates der GmbH der jeweilige Kultursenator ist. Das heißt, alle Miesen, die Kampnagel macht, werden im Rahmen einer Fehlbedarfsfinanzierung von der Stadt Hamburg aufgefangen. Wenn wir dagegen in den roten Zahlen sind, müssen wir selbst dafür gerade stehen und schlimmstenfalls schließen. Ich frage mich, warum 50 Prozent des Topfes für die Freie Szene von der Jury der Kulturbehörde an Kampnagel vergeben werden? Kampnagel hat bereits einen Etat für freie Produktionen mit Hamburg-Bezug, den sog. Vorschlagstopf in Höhe von 102.000 Euro.

Was wird eigentlich von der Stadt gefördert und was nicht?
Es reicht nicht aus, nur gutes Theater zu machen. Jedes Mal muss das Rad neu erfunden werden. Meines Wissens nach hat sich die Jury darauf geeinigt, nur das zu fördern, was es noch nicht gibt. Für Stücke, die auch an einem der Privattheater produziert werden könnten, muss man der Freien Szene kein Geld mehr geben. Das gibt es im Schauspiel höchstens für Uraufführungen oder wenn jemand zum Beispiel ganz neu mit einem Text umgeht. Ich verstehe das, finde es aber nicht gut. Theater hat es schon vor 2000 Jahren gegeben und wird es auch nochmal so lange geben. Warum muss man jedes Mal eine neue Kunstform erschaffen? Mich interessiert auch einfach mal eine neue Sichtweise auf alte Stücke. Im Bereich freies Schauspiel sind in der letzten und in der vorletzten Förderperiode gerade mal zwei Stücke pro Jahr gefördert worden.

Wie sieht die Zukunft der Freien Szene in Hamburg aus?
Es fehlt einfach an Geld für Produktionen. Wenn jetzt noch weniger Künstler gefördert werden, gehen viele einfach in andere Städte. Oder sie wählen einen anderen Beruf und arbeiten nicht mehr als Künstler. Ich kenne viele die Erzieher geworden sind; viele der Tänzer unterrichten in Fitness-Studios oder Schauspieler lehren darstellendes Spiel an Schulen.

Wenn die Freie Szene wegbricht, wird die kulturelle Basis beschnitten

Hamburg hat über 40 Theater. Braucht es wirklich so viele?
Ich denke schon. Es ist eine gewachsene Struktur, die ja in der Stadt auch von den Bewohnern so gewollt ist. Außerdem gibt die Freie Szene wichtige Impulse an die Staatstheater. Die saugen auf, was in der Freien Szene entwickelt worden ist. Wenn das wegbricht, wird die kulturelle Basis beschnitten, der Nährboden. Und auch der Nachwuchs hat hier keine Chance mehr. Es gibt so viele private Theaterschulen in der Stadt, aus denen jedes Jahr eine Menge Schauspieler hervorgehen. Soll man sich nur die zwei besten aussuchen und der Rest darf sterben? Ein Schauspieler ist nach seinem Abschluss ja nicht sofort zwangsläufig gut. Er muss sich erst einmal ausprobieren können. Und dafür ist die Freie Szene auch da.

Was ist für dich das größte Problem?
Gutes Theater zu zeigen mit so wenig Mitteln. Wenn ich mir den diesjährigen Spielplan anschaue, dann ist es mir künstlerisch zu wenig. Als es weniger Geld aber mehr freie Produktionen gab, sah unser Spielplan besser aus. Natürlich auf Kosten der Künstler. Das ist also auch kein Weg.

Kannst du manchmal schlecht schlafen?
Ja, selten, aber das kommt vor, dass ich mich hin und her wälze und mich frage, wo reiße ich ein neues Loch auf, um das alte zu stopfen. Aber ich kann und will nichts Anderes (lacht).

Interview: Hedda Bültmann

Foto: G2 Baraniak

 


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Mai 2018. Das Magazin ist seit dem 28. April 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!

Frankenstein – „Ohne Liebe existierst du nicht“

Der Berliner Regisseur Philipp Stölzl ist in vielen Welten zu Hause. Er dreht Kinofilme, Musikvideos und bringt nun eine düstere Oper auf die Kampnagel-Bühne.  

SZENE HAMBURG: Philipp, du bringst deine Baseler Frankenstein-Theateraufführung nach Hamburg, und zwar als Oper. Was ist passiert? 

Philipp Stölzl: Das Baseler Schauspiel war glaube ich auf ein Art sehr musikalisch und – im guten Sinn – große Oper auf kleinen Raum. Liegt sicher auch daran, dass der Autor Jan Dvorak nicht nur Literat sondern eben auch Komponist ist und sehr musikalisch schreibt.  Als Georges Delnon von Basel nach Hamburg wechselte hat er uns dann gefragt, ob wir aus dem Abend nicht eine richtige Oper machen könnten. Jan hat dann das Video der Aufführung genommen und seinen eigenen Text vertont, quasi 1:1, eine Übermalung mit Musik.

Warum habt Ihr Euch für Kampnagel entschieden, nicht für die große Opernbühne?

Die Basler Aufführung hatte eine Art Arena-Bühne, man saß um einen großen Käfig herum, das war intensiv und irgendwie auch brutal. Das kann man auf Kampnagel genau so wieder herstellen. In dem Käftig ist eine überlebensgroße Puppe zu sehen, die von drei Spielern geführt wird, das Monster. Die Nähe zu diesem Wesen und das Mitleid mit ihr ist essentiell für die Inszenierung, das würde in einer großen Guckkastenbühne auf die Distanz so nicht funktionieren.

Ihr nennt das Stück eine „Gothic Oper“ – früher hast du unter anderem Musikvideos für Rammstein gedreht. Kommt da etwas von dieser Vergangenheit wieder zurück?

Kann sein. Man selber denkt ja da nicht so drüber nach. Tatsächlich habe ich meinen ersten Opernauftrag durch einen Freund bekommen, der Fan meiner Rammstein-Videos war. Das war Webers „Freischütz“, auch so ein Art deutscher „Goth“

Was hat dich am Frankenstein-Stoff gereizt?

Es ist ein starker Stoff, der mich tatsächlich schon lange beschäftigt. Ich hab als Bub die alte Verfilmung mit Karloff gesehen, viel zu früh, ich war ziemlich traumatisiert danach,  später dann den Roman gelesen. Das Buch ist ja ganz anders als die Genre-Verfilmungen, die auf Grusel und Horror abzielen, total psychedelisch, surreal, am ehesten mit E.T.A Hoffmann verwandt, entfesselte schwarze Romantik. Und eben auch politisch, was man so nicht vermuten würde. Mary Shelly hat ihn zwar als junge Frau geschrieben, aber sie behandelt darin sehr erwachsene Fragestellungen, es geht um ganz essentielle Bausteine des Menschseins. Was macht uns eigentlich aus?

Und? 

In einem Wort: Die Liebe. Ohne Liebe existieren wir nicht. Das Monster, oder die Kreatur, wacht am Anfang der Geschichte im Wald auf und weiß nichts über die Welt, kann sich selbst auch nicht einordnen. Dann lernt sie: Kälte, Hunger, Schmerz, die Sprache der Tiere. Dann trifft es auf Menschen, die sich fürchten, ihm gewaltsam begegnen. Dann begreift es: Jedes Lebenwesen hat Eltern. Und sucht seine Herkunft, seinen Schöpfer und erfährt, dass es das einzige Wesen seiner Art ist. Es kommt aus dem Nichts und geht ins Nichts. Darum bittet es seinen Schöpfer ihm eine Gefährtin zu bauen. Es will nicht allein sein. Es will auch Liebe erfahren. Als ihm sein Schöpfer das versagt, nimmt es fürchterliche Rache. Es bringt die Verlobte seines Schöpfers um. Wenn es auf ewig allein sein muss, soll es sein Schöpfer auch sein. Am Ende verfolgen sich das Monster und sein Schöpfer um den ganzen Erdball, es geht in die Arktis, an den Rand der Welt. Die Geschichte hat eine biblische Wucht, fängt auf eine Art bei Adam und Eva im Paradies an und endet mit Kain und Abel.

Du bist auch Regisseur von großen Kinofilmen wie „Nordwand“ und „Der Medicus“, verwendest du Film denn auch als Stilmittel auf der Bühne?

Manchmal schon, bei „Frankenstein“ nicht. Es ist trotzdem eine sehr filmische Aufführung. In dem Sinne, dass sie ein sehr schlüssiges und geschlossenes Narrativ hat und rasant-suggestiv, mit vielen Szenenwechseln erzählt. Außerdem ist die Inszenierung auch ein Stück weit Unterhaltung, es gibt jede Menge Nebel und einen Wald mit Bäumen, die Arktis, sogar ein bisschen Action, Sie ist,  wenn man so will, „breit“ verständlich, so wie Kino eben meistens ist. Ich bilde mir ein, dass man damit möglicherweise auch Theaterfremde begeistern könnte.

Eine letzte Frage, die dich vermutlich fast jeder fragt. Du hast in der Vergangenheit einmal ein Musikvideo für Madonna gedreht und sie hat dich angerufen. Wie war sie?  

Immer wieder diese Frage! Na gut: Sie war nett und sehr professionell. Aber das ist einfach schon sehr lange her. Eine Lebensstation unter vielen anderen. Für einen Künstler ist es glaube ich gut, nach vorne zu gucken. Ruhm ist etwas sehr Vergängliches. Mein älterer Sohn hat vor ein paar Jahren seinem kleineren Bruder von meinem Madonna-Moment erzählt. Der Kleine darauf hin: „Madonna, wer ist das?“ Der Große darauf: „Naja, sie ist so eine Art Katy Perry der Vergangenheit“…

Interview: Stefanie Maeck 

Internationales Musikfest zeigt: „Frankenstein“ auf Kampnagel, 20.-21.5., 25.-27.5.2018


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Mai 2018. Das Magazin ist seit dem 28. April 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!