Große Ehre: Hamburgerin trägt die deutsche Fahne bei Olympia 2021

Laura Ludwig aus Hamburg und Patrick Hausding sind die deutschen Fahnenträger:innen bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 2021 in Tokio. Das Duo setzte sich bei einer Wahl von ARD, ZDF, Eurosport und „Bild“ durch

Text: Felix Willeke

 

Am 23. Juli 2021 ab 12.50 Uhr deutscher Zeit beginnt die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 2021 in Tokio. Laura Ludwig und Patrick Hausding stehen dann hinter den Kulissen des Olympiastadions und freuen sich auf eines der Highlights ihrer Karriere: Die Hamburger Beachvolleyballerin und der Berliner Wasserspringer sind die Fahnenträger:innen des deutschen Olympia-Teams. Sie führen über 400 deutsche Sportler:innen zum Auftakt der Olympischen Spiele 2021 ins Stadion. Für die 35-jährige Ludwig sind es die vierten Spiele. 2016 gewann sie mit ihrer ehemaligen Partnerin Kira Walkenhorst Gold in Rio de Janeiro. In Tokio steht sie gemeinsam mit Margareta Kozuch im Sand.

 

Die Wahl

 

Erstmals in der olympischen Geschichte gibt es pro Nation zwei Fahnenträger:innen. Die Auswahl überließ der Deutsche Olympische Sportbund den Fans. Ludwig und Hausding gewannen eine von ARD, ZDF, Eurosport und „Bild“ durchgeführte Wahl, bei der auch die Athlet:innen des deutschen Teams abgestimmt haben. Bei den Frauen standen neben Laura Ludwig die Dressurreiterin Isabell Werth, Turnerin Elisabeth Seitz, Ruderin Annekathrin Thiele und die Tennisspielerin Angelique Kerber – die verletzungsbedingt nicht an den Start geht – zur Wahl. Hausding setzte sich bei den Männern gegen den Hamburger Hockey-Nationalspieler Tobias Hauke, Tischtennisspieler Dimitrij Ovtcharov, Turner Andreas Toba und den Ruderer Richard Schmidt durch.
Die Olympischen Spiele beginnen am 23. Juli und enden am 8. August 2021 mit der Schlussfeier. Aus Hamburg sind 34 Sportler:innen in zehn Sportarten am Start. Vom 24. August bis zum 5. September 2021 folgen dann die Paralympics, hier nehmen voraussichtlich fünf Hamburger Sportlerinnen aus drei Disziplinen teil.


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.

Wasser und Marsch: Triathlon WM 2023 in Hamburg

Nach 2007 findet die Triathlon Weltmeisterschaft zum zweiten Mal in Hamburg statt – 2023 mit neuen Disziplinen und Strecken

Text: Felix Willeke

 

Am 1. Juli 2021 gaben World Triathlon, die Deutsche Triathlon Union und die Stadt Hamburg bekannt, dass die World Triathlon Sprint & Relay Championships 2023 in der Hansestadt stattfinden werden. Nach 2007 ist es das zweite Mal, das Hamburg Austragungsort der Triathlon Weltmeisterschaft ist. Die WM 2023 wird allerdings nicht wie die WM 2007 in der olympischen Distanz (1,5 Kilometer Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren und zehn Kilometer Laufen) ausgetragen, sondern findet in verschiedenen Wettbewerben über unterschiedliche Distanzen statt.

 

Neues Format

 

2023 werden die WM-Medaillen in neun Wettbewerben vergeben: Die Triathlon-Elite tritt im Einzel- und Mixed Relay-Rennen an, die Junior:innen sowie die Altersklassen-Athlet:innen tragen bei der WM Einzel- und Staffelrennen aus. Dabei werden die Wettbewerbe der Elite im neuen Eliminator-Format ausgetragen: Die Athlet:innen müssen sich über die Super-Sprintdistanz (300 Meter Schwimmen, 7 Kilometer Radfahren und 1,7 Kilometer Laufen) in Vorläufen und Halbfinalen für das Finale qualifizieren. Die Junior:innen und Altersklassen-Athlet:innen treten hingegen über die Sprintdistanz (750 Meter Schwimmen, 20 Kilometer Radfahren, 5 Kilometer Laufen) an.


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.

Hamburgs Handballer sind wieder erstklassig

Der Handball Sport Verein Hamburg ist aufgestiegen und spielt in der nächsten Saison in der Handball-Bundesliga

Text: Felix Willeke

 

„Nie mehr 2. Liga“, schallte es am Abend des 22. Juni durch die Barclaycard Arena. Der Handball Sport Verein Hamburg spielte im vorletzten Saisonspiel vor 2.141 Fans gegen den ASV Hamm-Westfalen. Mit dem 32:28 (17:14) Sieg ist der Verein nicht mehr von den Aufstiegsplätzen zu verdrängen. Damit hat Hamburg – nach den Hamburg Towers im Basketball – den nächsten sportlichen Erstligisten.

Schien 2016 mit der Insolvenz der HSV-Handballer die sportliche Zukunft beendet, hat es der neu gegründete Handball Sport Verein Hamburg nach fünf Jahren zurück in die Handball-Bundesliga geschafft. Trainer Torsten Jansen spielte schon von 2003 bis 2015 in der Hansestadt und sagte noch im April der SZENE: „Wir sind optimistisch, dass wir es schaffen können und wir wollen es schaffen.“ Das ist jetzt vollbracht und Jansen wurde nach dem Spiel auch noch als Trainer des Jahres ausgezeichnet.

 

Nach Ebbe kommt Flut

 

Zur neuen Saison hat sich der HSVH auch schon mit dem deutschen Nationaltorwart Johannes „Jogi“ Bitter den nächsten alten Bekannten in die Hansestadt geholt. Der 38-Jährige unterschrieb einen Vertrag bis 2026.

Jetzt ist erstmal feiern angesagt: Hamburgs Innen- und Sportsenator Andy Grote trug, wie alle Beteiligten, das Shirt mit der Aufschrift „Aufstieg 2021 – Nach Ebbe kommt Flut“ und schrieb auf Twitter: „Diese Jungs ziehen‘s durch und bringen den HSVH dahin, wo er hingehört: In die 1. Liga!“


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.

Backboard: Surfbretter aus Hamburg

Wenn’s gut werden soll, muss man selbst ran, wie in diesem Fall: Surfboards. Massimo Calá fertigt in seiner One-Man-Manufaktur Unikate fürs Wasser an

Fotos: Anna Lehnert / Annagrafia

 

Die Sonne knallt. Es ist Sonntag. Während andere am Strand liegen, machen Tüftler keine Pause. In Stellingen in einem ehemaligen Aktengebäude werkeln und kreieren sie. Aus einem Raum ertönen Sägegeräusche. Zudem seien im Haus Nudelmacher, DJs und Graffitikünstler zu Gange, erzählt Massimo Calá, der im zweiten Stock seine Werkstatt hat und dort Surfbretter baut.

Massimo passt ins Klischeebild eines Surfers: Er trägt Cap über seine längeren, lockigen Haare, lässiges T-Shirt und Sneaker. Seine Hände können anpacken. Er hievt große Surfbrett-Rohlinge von einer Ablage und stellt sie zu den anderen. Es stehen leere Flaschen herum, in jeder Ecke ein Brett und überall ist Staub – eine Werkstatt eben, aber mit System: Links ein Werktisch für Farbund Vorbereitungsarbeiten, rechts die Schleifwerkstatt, ein zwei mal vier Meter Raum im Raum aus Pressspanplatten. Für den Kontrast ist er blau gestrichen, das Raumlicht auf halber Höhe montiert, um die Unebenheiten seiner Bretter besser erkennen zu können.

surfen-hamburg-backboard-massimo-cala-c-annagrafia

Massimo surft schon seit er zwölf Jahre alt ist, durch Freunde habe er den Wassersport einst lieben gelernt. Schon als Teenager ist er viel auf Wellen geritten, unter anderem auf Sylt, in Dänemark, Portugal, Indonesien, der Karibik und bei den Deutschen U16- und U18-Meisterschaften in Frankreich. Dementsprechend groß war der Verschleiß seines Boards. „Ich hatte nie die Kohle, die Bretter reparieren zu lassen“, sagt der 26-jährige Hamburger, „also habe ich angefangen, das selbst zu machen.“

Massimo begann, indem er die Löcher in Surfboards von Freunden und Bekannten flickte. Die Nachfrage nach seinen Arbeiten wurde größer, sodass er sich kurzerhand seinen ersten Rohling aus Polyurethan bestellte und ein eigenes Brett anfertigte. Backboard war geboren und wuchs immer weiter. Für mehr Arbeitsplatz zog er 2017 in die Nähe von gleichgesinnten Machern und Tüftlern – in eine eigene Werkstatt in Stellingen. Seither verkaufe er seine Unikate an viele zufriedene Kunden. Er hat so aus einem Hobby ein zweites Standbein gemacht.

 

Zwischen Donauwelle und Duck Dive

 

Massimo ist hauptberuflich Bäcker in fünfter Generation. Eines Tages werde er den Familienbetrieb der Konditorei und Bäckerei Stechmann in Schnelsen übernehmen, sagt er. Massimo ist ein Menschenfreund, dem das Backen der Donauwelle zusammen mit seinem Opa morgens um 5.00 Uhr genauso viel Spaß macht, wie die Ideenentwicklung zusammen mit seinen Kunden in der Werkstatt und das Schnacken über den perfekten Duck Dive, das Durchtauchen einer Welle.

Durch das nächtliche Arbeiten in der Backstube hat Massimo tagsüber Zeit sich den Boards zu widmen. Er sei froh, beides, das Backen und die Boards, unter einen Hut kriegen zu können.

 

Schritt für Schritt

 

Sobald Massimo einen neuen Auftrag erhält, bestellt er den passenden Rohling aus Polyurethan. Er legt eine Messschablone auf, um für Symmetrie zu sorgen und zeichnet, je nach gewünschter Brettgröße, die Schnittpunkte ein. Dann prüft er die Dicke des Bretts, sägt die grobe Form aus und hobelt Unebenheiten ab. Um die Halterungen der Surffinnen zu verankern, fräst Massimo Löcher auf die Unterseite des Bretts und klebt sie hinein. Dann erhalten Massimos Bretter eine Glasfasermatte, sein Backboard-Logo, welches er mit Reispapier aufträgt und die Versiegelung mit dem Polyesterharz, bei dem eine Schutzmaske zu tragen, notwendig ist.

Massimo könne das Surfboard färben, indem er den Brettkern lackiert. Das Polyesterharz mit einem gewünschten Farbton zu vermischen, in Fachkreisen „resin tint“ genannt, sei seiner Erfahrung nach aber die bessere Methode. Nachdem das Harz getrocknet ist, sorge Massimo für den Feinschliff. „Zack, boom, bonjour – fertig ist der Hobel“, sagt Massimo, wenn er mit dem Ergebnis des Brettes zufrieden ist.

backboard-hamburg-massimo-cala-c-annagrafia

Zusätzlich könne man laut Massimo auch Baumwoll- und Polyesterstoffe für spezielle Designs, oder Carbonfasern für die Stabilität, ins Brett einarbeiten. Eine Kundin hatte sich zum Beispiel einst ein zweifarbiges Surfbrett in den Farben ihres Bullis gewünscht.

Massimo geht auf fast alle Wünsche ein und fertigt Surfbretter in Größen von 5,4 bis 10,0 Fuß (1,68 bis 3,20 Meter) an. Preislich liegen Massimos Wellenreiter bei 490 und die großen bei 675 Euro, auch Workshops habe er schon angeboten. Massimo findet das fair, schließlich brauche er eine Woche für ein indivisualisiertes Surfbrett. „Für den europäischen Markt kommt lizenzbedingt alles aus einer Fabrik“, bemängelt der 26-Jährige, „da kommt nur eine andere Marke darauf und das Brett wird teuer verkauft.“ Zusätzlich gäbe es laut Massimo auch viele unzureichende Produkte aus Asien – weitere Gründe, warum Massimo sein Hobby selbst in die Hand nahm.

backboard2-hamburg-massimo-cala-c-annagrafia

Massimo schaut unterdessen bescheiden in die Zukunft, möchte aber auch neben seinem Beruf als Bäcker weiter tolle Surfbretter bauen. Auch stehe noch der Bäckermeister auf der To-do- Liste, er sehe das aber locker und schaue, was sich ergibt. Bei der Frage, welche die beste Surfbrettmarke sei, ist sich Massimo allerdings sicher: „Backboard!“

Massimo Calá
@backboard_surfboards


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.

Handball EM 2024 auch in Hamburg

In drei Jahren erwartet Hamburg ein Supersportjahr. Neben der Fußball EM finden auch Spiele der Handball EM in der Hansestadt statt

Text: Felix Willeke

 

Als 2018 die Handball-Europameisterschaft 2024 an Deutschland vergeben wurde, galt Hamburg als sicherer Spielort, das ist jetzt offiziell. Wie der Deutsche Handball Bund (DHB) am 10. Juni 2021 bekannt gab, sollen in der Hamburger Barclaycard Arena Spiele der Hauptrunde ausgetragen werden. Die Vorrunde findet in Berlin, München und Mannheim statt. Das Eröffnungsspiel soll vor 50.000 Zuschauer:innen im Düsseldorfer Fußballstadion gespielt werden und die Finalrunde und weitere Spiele der Hauptrunde finden in der Kölner Lanxess Arena statt.

Neben der Handball EM im Januar kann sich Hamburg auch auf einige Spiele bei der Fußball EM im Sommer 2024 freuen. Welche Partien im Volksparkstadion stattfinden sollen, steht noch nicht fest.


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.

HSV Handball: Mit Torsten Jansen zurück in die Bundesliga

Torsten Jansen (44) leistete als Linksaußen von 2003 bis 2015 als Spieler einen immensen Beitrag zur großen Zeit des Handball Sport Verein Hamburg, sowohl in der Bundesliga als auch international. Mit Jansen wurde der Club Deutscher Meister, Pokalsieger und Supercup-Gewinner, holte den Europapokal der Pokalsieger und als Krönung 2013 die Champions-League. Mit der deutschen Nationalmannschaft wurde Jansen Europa- und Weltmeister. Mit Jansen als Trainer steht der in der Saison 2015/16 aufgrund einer Insolvenz bis in die Dritte Liga abgestürzte Handball Sport Verein Hamburg kurz vor der Rückkehr in die Bundesliga

Interview: Mirko Schneider

 

SZENE HAMBURG: Herr Jansen, Sie haben als Spieler einschließlich des Weltmeistertitels alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Ab welchem Zeitpunkt haben Sie an eine Karriere als Trainer gedacht?

Torsten Jansen: Erst relativ spät. In den letzten ein, zwei Jahren meiner Karriere habe ich mir Gedanken darüber gemacht, was ich danach machen möchte. In diesem Prozess hat sich immer mehr herauskristallisiert: Das, was ich über lange Jahre auf dem Feld sozusagen praktisch gelernt und studiert habe, möchte ich nun mal auf eine andere Art und Weise erleben.

In Ihrer Trainerausbildung hatten Sie statt mit dem Hamburger Handball-Verband sogleich mit dem Deutschen Handballbund zu tun. Wie kam das?

Der Deutsche Handballbund bot damals für langjährige Bundesligaspieler die Möglichkeit an, sofort den B-Schein in kompakter Form zu absolvieren. Insgesamt waren es 100 Lehreinheiten. Ich wurde ja dann am 15. Juli 2016 A-Jugendtrainer beim HSV Hamburg und übernahm am 29. März 2017 die Herren, mit denen wir im Sommer 2018 in die Zweite Bundesliga aufstiegen. Parallel dazu machte ich über insgesamt ein Jahr den A-Schein.

hsv-handball-trainer-torsten-jansenWas hat Ihnen die theoretische Ausbildung gebracht? Sie hatten ja praktisch alles auf dem Feld erlebt.

Grundsätzlich hat sie mir sehr viel gebracht. Alle Verbände, die Trainerausbildungen organisieren, erfüllen eine wichtige Aufgabe. Mir hat die Ausbildung einen gewissen Rahmen gegeben. Ich bin dadurch noch strukturierter geworden. Habe für mich herausgefunden, wie ich gewisse Sachen umsetzen will. Beispielsweise wie ich ein Training plane oder ganze Trainingswochen. Über Trainingslehre habe ich dort sowieso viel gelernt. Es ist eben etwas anderes, ob man als Spieler auf dem Feld steht oder als Trainer an der Seitenlinie.

Wie nehmen Sie Ihr Trainerdasein wahr?

Als sehr umfangreich. Als Trainer denkt man sehr viel an die Mannschaft. Dazu gehört die Vorbereitung auf den nächsten Gegner, das Spiel, die Entwicklung der einzelnen Spieler, das Zusammenspiel als Mannschaft, die Kommunikation mit den Spielern und dem Trainerteam und natürlich die Punktspiele. Eigentlich ist man die Anlaufstelle für jeden. Auch für vieles, woran man nicht sofort denkt oder was man nicht sofort sieht.

Zum Beispiel?

Zum Beispiel dieses Gespräch hier. Auch die Presse möchte ja regelmäßig von einem etwas wissen. Oder eine Spielerverpflichtung. Natürlich unterhalte ich mich mit dem Spieler, den ich möchte und zeige ihm seine möglichen Perspektiven bei uns auf. Eigentlich bin ich da ein bisschen wie ein Verkäufer, der etwas verkaufen möchte.

Es kann aber sein, dass ich erst einmal neun Absagen von Spielern erhalte. Bis dann im zehnten Gespräch eine Zusage kommt. Die zehn Gespräche haben aber eben auch viel Zeit in Anspruch genommen.

Zum Thema Presse: Zu welchem Umgang mit den Medien raten Sie jungen Trainer:innen?

Ich kann da keinen pauschalen Rat geben. Es kommt ja auch auf den Standort an. Hamburg ist zum Beispiel eine Medienstadt. Da wächst man rein. Für mich ist Vertrauen ganz entscheidend. Natürlich will ich nichts in der Zeitung lesen, was ich gar nicht gesagt habe. Das passiert aber in aller Regel auch nicht.

Grundsätzlich halte ich es so: Wenn ich mit den Medien spreche, will ich nicht ständig sagen: `Das dürft ihr aber nicht schreiben.` Ich sage die Dinge so, wie ich sie sehe. Und wenn ein Journalist einen Vorsprung hat und weiß, dass wir diesen oder jenen Spieler holen, bin ich der Letzte, der sagt: `Das ist nicht so`.

Dass im Boulevardjournalismus manche Aussagen etwas größer gemacht werden, ist sicherlich auch so. Damit kann ich aber leben.

 

„Ich sehe mich als jemanden, der den Spielern Hilfestellungen gibt“

 

Macht Ihnen Ihr Beruf als Trainer Spaß?

Klar macht er mir Spaß. Würde er mir keinen Spaß machen, würde ich ihn nicht schon seit vier Jahren ausüben. Ich genieße es ohne Frage, Trainer beim HSV Hamburg zu sein. Es ist der Verein, bei dem ich fast meine gesamte Karriere verbracht habe. Als Spieler hatte ich hier eine super Zeit, die ich auch mitprägen durfte. Deshalb ist das schon etwas Besonderes für mich, hier Trainer zu sein.

Wie ist Ihr Stil als Trainer?

Schwierig zu beantworten. Autoritär bin ich in der Regel nicht. Wenn ich Spieler kritisiere, versuche ich dies stets auf eine konstruktive Weise zu tun. Wenn ein Spieler Dinge absolut nicht einsieht, kann ich auch deutlich werden. Aber eher nicht vor der ganzen Mannschaft, sondern im Gespräch unter vier Augen. Menschen stecken andere Menschen gerne in Kategorien. Ich finde aber: Es gibt viele Zwischenkategorien. Und Zwischen-Zwischen-Kategorien.

Sind Sie stolz auf Ihre Arbeit, wenn Spieler sich gut entwickeln?

Ich sehe mich eher als jemanden, der den Spielern Hilfestellungen gibt. Der sie ermutigt, Dinge besser zu machen und ihnen Wege dahin zeigt. Aber letzten Endes ist jeder Spieler für seine Leistung im Teamverbund selbst verantwortlich. Jeder Spieler ist seines eigenen Glückes Schmied.

Zum Zeitpunkt dieses Interviews sind Sie mit dem HSV Hamburg Tabellenführer der Zweiten Bundesliga. Glückt der Aufstieg und damit die Rückkehr auf die große Bühne?

Wir sind optimistisch, dass wir es schaffen können und wir wollen es schaffen. Doch jeder weiß: Es kann viel passieren. Wir haben gerade daheim 27:28 gegen den TV Großwallstadt verloren. Das zeigt uns: Wir müssen bei jedem einzelnen Spiel total fokussiert sein.

Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus? Wollen Sie Ihr Leben lang Trainer sein?

Eine Prognose ist in diesem Geschäft eigentlich nicht möglich. So lange mir das Trainerdasein Spaß macht, will ich Trainer sein. Ich plane nicht so weit in die Zukunft. Ich lebe im Hier und Jetzt und konzentriere mich auf das, was ist.


 SZENE HAMBURG Sport, Mai 2021. Das Magazin ist seit dem 29. April 2021 als Heft im Mai-Heft im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.

Volleyball: Das Wunder von Eimsbüttel

Die ETV-Damen sind das beste Team der Stadt – und sie wollen sich ohne viel Geld im Profibereich etablieren

Text: Mirko Schneider

 

Ein Sonntagnachmittag in der Sporthalle Hoheluft. Eine stimmungsvolle Musikauswahl mit unüberhörbarem 90er-Jahre-Touch dröhnt aus den Boxen. In 30 Minuten beginnt die Volleyball-Partie der Damen des Eimsbütteler TV gegen den VC Allbau Essen in der Zweiten Bundesliga. Und was machen die ETV-Damen beim Aufwärmen? Bauen „I want it that way“ von den Backstreet Boys in ihre Übungen ein. Als der Hallensprecher die Spielerinnen beider Teams einzeln vorstellt, stürmt Libera Ines Laube mit einem kleinen Krönchen auf dem Kopf auf die Platte. Sie feiert heute ihren 31. Geburtstag.

„Mein Team besteht aus vielen fröhlichen, spontanen und aufgeschlossenen Damen, die viel Spaß miteinander haben“, hat Trainer Ulrich Kahl, 58, im Vorgespräch gesagt. Das ist in jeder Sekunde zu spüren. Was er auch gesagt hat: „Unser Teamspirit ist riesig und alle haben große Lust darauf, Leistung zu bringen und gemeinsam guten Volleyball miteinander zu spielen.“ Das wiederum beweisen die ETV-Damen ab dem ersten Ball. Sie machen es dem Tabellendritten so schwer wie möglich und unterliegen erst nach tapferem Kampf in vier Sätzen.

Dennoch ist der Klassenerhalt so gut wie gesichert. Und das ist eine erneute Überraschung, nachdem der erstmalige Aufstieg in den Leistungsbereich der Zweiten Liga einem Wunder gleich kam.

 

„Wollen wir aufsteigen oder nicht?“

Ulrich Kahl

 

Denn zum einen ließ der Absturz des VT Aurubis (mittlerweile Volleyball-Team Hamburg; Anm. d. Red.) von der Bundesliga in die Dritte Liga große Zweifel aufkommen, ob Damen-Volleyball sich in Hamburg als Profisportart überhaupt dauerhaft etablieren lässt. Zum anderen schreibt sich mit dem ETV nun ein typischer Breitensportverein dieses Ziel auf die Fahnen.

Der dafür entscheidende sportliche Moment spielte sich Anfang 2020 bei einer Mannschaftssitzung ab. Kahl, seit 19 Jahren Coach der Volleyball-Damen beim ETV, stellte seine Spielerinnen vor die Wahl. „Wir waren Tabellenführer der Dritten Liga und hatten gerade unser erstes Spiel verloren. Gegen den Zweiten. Das ärgerte uns mächtig. Da habe ich meinen Spielerinnen gesagt: ‚Jetzt Butter bei die Fische! Wollen wir aufsteigen oder nicht?‘“ Einstimmig wurde der Beschluss gefasst: Wir wollen hoch.

Ab diesem Zeitpunkt rauschten die ETV-Volleyball-Damen durch die Dritte Liga. Sie gaben in der Rückrunde keinen Satz mehr ab. Nur war da ja noch der zu stemmende Etat. 10.000 Euro betrug er in der Dritten Liga, 50.000 Euro waren für die Zweite Liga nötig. Wohlgemerkt ohne Zahlungen an die Spielerinnen wie in anderen Clubs mit wesentlich höherem Budget. „Das ist leider einfach nicht drin. Damit sind wir sicher eine Ausnahme in der Zweiten Liga“, sagt Kahl. Trotzdem konnte sogar Außenangreiferin Saskia Radzuweit, 30, Ex-Bundesliga- und Ex-Nationalspielerin, von einem Comeback überzeugt werden, nachdem sie ihre Karriere 2018 schon beendet hatte. „Was der ETV hier gerade aufbaut, sehe ich genauso positiv wie das Team selbst. Dass kein Geld gezahlt wird, hat mich nicht gestört“, sagt Radzuweit.

 

„Träumen ist erlaubt“

Ulrich Kahl

 

Ebenso erfolgreich verlief die intensive Sponsorensuche. Mit der Top-motive-Gruppe als Hauptsponsor und der Pizzakette Smiley’s wurden schließlich namhafte Unternehmen von einem Engagement überzeugt. So konnte das Abenteuer Zweite Bundesliga starten. Dreimal die Woche Balltraining in der Halle, dazu ein- bis zweimal Krafttraining in Eigenregie. 14 Damen im Kader, die meisten Anfang 20 und Studentinnen. Der ETV ging nicht gerade als Favorit in die Saison. Doch das eingeschworene Team fand seinen Platz im unteren Mittelfeld der Zweitligatabelle mit Puffer auf die Abstiegsränge.

Nun stellt sich die Frage: Ist sogar noch mehr drin? „Eine Sportstadt wie Hamburg muss natürlich das Ziel haben, auch im Damen-Volleyball in der Ersten Bundesliga vertreten zu sein“, sagt Kahl. „Doch unter 250.00 Euro Etat würde da gar nichts gehen. Und das wäre das absolute Minimum. Wenn wir irgendwann die Chance haben, wirtschaftlich verantwortbar aufzusteigen, werden wir uns nicht wehren. Bis dahin müsste allerdings unglaublich viel passieren. Träumen ist aber erlaubt.“


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, April 2021. Das Magazin ist seit dem 27. MÄRZ 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.

Fotografie: Marion von der Mehden zeigt die Kraft des Sports

Die Hamburgerin Marion von der Mehden arbeitet seit 1991 als selbstständige Fotografin. Ihr neues Fotoprojekt „Sport und Integration“ zeigt in ruhigen Bildern die Schicksale mutiger Menschen und die Kraft des Sports

Interview: Mirko Schneider

 

SZENE HAMBURG: Bis Ende März wird Ihr Fotoprojekt „,Sport und Integration“ an den Messehallen entlang der Karolinenstraße zu sehen sein. Wie kam es dazu?

Es begann mit der Einladung zum Oberstdorfer Fotogipfel für den September 2020 durch Kurator Christian Popkes. Nach der positiven Resonanz auf das Projekt wollte ich unbedingt in Hamburg ausstellen. Die Messehallen als Ausstellungsort waren schon immer ein Traum von mir. Wir stießen bei der Hamburg Messe & Congress GmbH sofort auf Begeisterung.

Als Sie erfuhren, dass 2020 in Oberstdorf das Thema „,Sport“ lauten würde: Was haben Sie da gedacht?

Ich dachte spontan „Oje, ich bin doch keine Sportfotografin“. Actionfotos von Sportveranstaltungen konnte ich nicht anbieten. Doch dann überlegte ich, wie ich an das Thema herangehen könnte. So kam ich auf „Sport und Integration“.

Sport bedeutet ja schließlich viel mehr als Gewinnen oder Verlieren. Und Integration ist aktuell ein wichtiges Thema, wobei Sport das Potential hat, Integration gelingen zu lassen.

Für Ihr Fotoprojekt traten Sie direkt an 17 Sportlerinnen und Sportler heran. Welche Rolle spielte der Hamburger Sportbund?

Eine sehr wichtige Rolle. Der HSB, beziehungsweise das Team Integration durch Sport, fand die Idee sofort super, hat mich in jeder Hinsicht hervorragend unterstützt. Alle Vereinskontakte kamen über den HSB zustande.

Ich wusste auch vorher gar nicht, wie viel der HSB als Dachverband der Hamburger Sportvereine und -verbände eigentlich leistet. Ich habe mich mit deren Arbeit beschäftigt und fand viele der Angebote auch recht kreativ.

Zum Beispiel das „Fahrradtraining für Frauen“ im Rahmen des Programms „Integration durch Sport“. Hier hat mich die Geschichte der Ägypterin Dina sehr berührt, die als junges Mädchen nicht Fahrradfahren lernen durfte. Nun nimmt sie an einem der Kurse teil und ist sehr glücklich darüber.

 

„Jeder einzelne Mensch ist wichtig“

 

Welche Erlebnisse und Begegnungen haben Sie noch besonders bewegt?

Hier möchte ich ein Wort einfügen: uns. Denn Texterin Sarah Beckmann hat die Interviews geführt, aus denen die kleinen Textbaukästen zu den Fotos entstanden sind. Damit fielen wir in Oberstdorf übrigens total aus der Reihe. Aber diese kurzen Erklärungen waren nötig, um den Menschen auf dem Foto noch besser zu verstehen, ihm noch näher zu kommen.

Sarah und ich waren beeindruckt davon, wie wenig Berührungsängste es gab. Wir wurden stets wie gute Freunde aufgenommen. Sehr beeindruckend war Cricketspieler Said. Er wurde von den Taliban verfolgt und ist aus Afghanistan geflohen. Bis heute weiß er nicht, ob seine Eltern noch leben, und sie wissen nicht, ob er noch lebt. Ich bin selbst Mutter und das ist unvorstellbar für mich.

Oder Ali, ein Parkoursportler, der in Syrien zum Militär sollte. Er floh in einem Boot nach Lesbos. In Hamburg setzte er sein in Damaskus abgebrochenes Schauspielstudium fort, hat seit 2019 unter anderem Engagements am Schauspielhaus Hamburg. Und noch eine Sportart möchte ich herausheben: das Ringen.

Wieso?

Ich dachte immer, Ringer sind nur Muskelpakete. Aber die haben uns einen Handstand gezeigt, sogar einen Flic Flac. Wir sahen weichfließende, technisch perfekte Bewegungsabläufe des ganzen Körpers. Wir haben viele Informationen und einen spannenden Einblick in den Ringsport bekommen.

Sie haben alle Bilder in Schwarz-Weiß aufgenommen. Warum?

Wegen der Unterschiedlichkeit der Motive. Wir waren an so vielen Plätzen mit so vielen verschiedenen Bedingungen, da dachte ich: „Ich muss da irgendwie Ruhe reinbringen. Farbe ist hier nicht wichtig.“

Gibt es eine Botschaft, die Sie mit dieser Ausstellung den Menschen vermitteln möchten?

Ja. Jeder einzelne Mensch ist wichtig. Zusammenhalt, Teamgeist und Fairplay zählen. Im Sport und im Leben. Nicht die Hautfarbe, der Glauben oder die Kultur.


Sport-SZENE_01_21-1 SZENE HAMBURG SPORT, Januar 2021. Das Magazin ist seit dem 28. Januar 2021 als Heft im Heft in der Februar Ausgabe SZENE HAMBURG im Handel erhätlich!

#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.

Hamburger Sportbund: Die Lage in der Corona-Pandemie

Ralph Lehnert (61) ist Vorstandsvorsitzender des Hamburger Sportbundes (HSB). Circa 830 Vereine, etwa 50 Fachverbände und somit über 540.000 Mitglieder sind im HSB organisiert. Im Interview mit SZENE HAMBURG nimmt Lehnert Stellung zur Lage des Hamburger Sports in der Corona-Pandemie

Interview: Mirko Schneider

 

Ralph-lehnert-sportbund-hamburgSZENE HAMBURG: Herr Lehnert, wie kommen die Hamburger Sportvereine aus Sicht des Hamburger Sportbundes durch die Pandemie?

Sehr unterschiedlich. Insgesamt können wir sagen, die Pandemie verursacht erhebliche wirtschaftliche und finanzielle Schwierigkeiten für die Vereine. Eine ganze Reihe von Vereinen war ja auch darauf angewiesen, Hilfen aus dem Nothilfefonds der Stadt Hamburg in Anspruch zu nehmen.

Können Sie die Probleme konkretisieren?

Sicher. In erster Linie verzeichnen die Vereine einen erheblichen Mitgliederverlust. Das schlägt sich unmittelbar auf der Einnahmenseite negativ nieder. Selbstverständlich sind auch viele kleinere Clubs betroffen, aber besonders größere Vereine haben hier teilweise einen großen Rückgang in den Mitgliederzahlen hinnehmen müssen. Und ausgetretene Mitglieder kommen ja nicht automatisch alle sofort zurück, wenn die Impfungen abgeschlossen sind.

Aber verursachen weniger Mitglieder nicht auch weniger Kosten, sodass auch die Ausgabenseite entlastet wird?

So können Sie das nicht rechnen. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Sie bieten als Verein einen Sportkurs an, zu dem regelmäßig zwanzig Menschen kommen. Wenn der Vereinssport wieder hochgefahren wird, sind es nur noch 15. Ihre Beiträge durch Mitgliedereinnahmen sind dann gesunken, die Kosten aber gleichgeblieben.

Die Trainer muss der Verein ja trotzdem bezahlen und die Kosten für die Fläche, auf der der Sportkurs stattfindet, werden ebenfalls nicht kleiner. Wir werden also gemeinsam erhebliche Anstrengungen unternehmen müssen, damit jetzt nicht zu viele Mitglieder ihre Vereine verlassen. Trotzdem ist leider ein großer Schaden zu erwarten.

 

Zahlen und zahlen

 

Bei der letzten vom Hamburger Sportbund erfassten jährlichen Mitgliederstatistik am 1. Oktober 2020 betrug das negative Saldo für ganz Hamburg 21.000 Mitglieder. Die Zahl liest sich doch moderat und Corona existierte zu diesem Zeitpunkt schon längst…

Das stimmt. Aber man muss genauer hinschauen. Der Rückgang bei den Mitgliederzahlen zum Jahresende war nämlich wesentlich höher. Oft sind die satzungsgemäßen Austrittsfristen auf das Jahresende terminiert. Wir erheben das gerade und gehen davon aus, dass viele Clubs einen Rückgang der Mitgliederzahlen um 10 Prozent plus X werden hinnehmen müssen.

Besonders kostenintensive Angebote von Vereinen wie beispielsweise Fitnessstudios haben es schwer. Geraten Menschen in finanzielle Probleme, denken sie darüber nach, ob sie sich den Beitrag leisten können.

Der Nothilfefonds der Stadt Hamburg hat bislang 2,5 Millionen Euro an die Sportvereine ausgezahlt. Tut die Hamburger Politik auf dem ökonomischen Sektor genug für den Sport?

Zunächst einmal hat die Stadt Hamburg den Sport von Anfang an in all ihre Überlegungen miteinbezogen. Das war nicht in allen Bundesländern der Fall und ist daher nicht selbstverständlich.

Wir beim Hamburger Sportbund haben das Gefühl, der Nothilfefonds hilft den Vereinen sehr. Es gilt immer wieder festzustellen, welche Bedarfe bestehen, um dann zielgerichtet zu helfen.

Die Vereine können zwischen 25.000 und 40.000 Euro erhalten. Reicht das?

Nicht immer. Große Vereine müssen beispielweise oft vereinseigene Anlagen finanzieren. Da ergeben sich schnell Unterdeckungen in sechsstelliger Höhe und eine große finanzielle Not.

 

„Emotionalität ist gestiegen“

 

Der Hamburger Sportbund berät die Vereine bei der Antragstellung für Mittel aus dem Nothilfefonds. Ist der Aufwand für sie gewachsen?

Ja, aber wir helfen natürlich gerne. Wir informieren die Vereine und übrigens auch die Verbände über neue Rechtsverordnungen und die sich daraus ergebenden Möglichkeiten und Pflichten. Zum Glück sind wir in Sachen Digitalisierung gut unterwegs, können über unser neugeschaffenes Mitgliederportal Informationen zum Nothilfefons in digitaler Form anbieten.

Außerdem können die Vereine auf ihre bei uns datenschutzsicher hinterlegten Stammdaten zurückgreifen. Oft gibt es Unklarheiten, welche Kosten geltend gemacht werden dürfen. Bei jeder neuen Rechtsverordnung laufen in der Folge bei uns die Telefone heiß.

Haben Sie dann hauptsächlich mit verzweifelten Menschen zu tun?

Verzweifelt würde ich nicht sagen. Natürlich ist die Emotionalität im Laufe der Zeit gestiegen. Aber die meisten Ehrenamtler sind sehr verantwortungsbewusste Menschen. Sie haben die gesellschaftliche Situation im Blick und verstehen die Notwendigkeit der Maßnahmen.

Trotzdem freut sich natürlich keiner darüber, dass sich auch der Sport im Lockdown befindet. Viele Menschen in den Vereinen haben ja auch viel geleistet. Unter großen Mühen Hygienekonzepte erstellt, als es nicht mehr anders ging Online-Angebote ausgearbeitet. Das kostet alles Zeit und ist sehr anstrengend.

Außerdem existiert bei den Ehrenamtlern und auch bei uns eine Angst vor den langfristigen Spätfolgen der Aussetzung des Sports.

Welche langfristigen Spätfolgen sind das?

Es gibt wissenschaftliche Aussagen dazu, dass jede Stunde Sport, die jetzt nicht betrieben werden kann, zu einer Verschlechterung des Immunsystems führt. Zudem schult der Sport Sozialverhalten, gerade für Kinder und Jugendliche. Das fällt jetzt alles weg und das macht allen, die sich für den Sport engagieren, große Sorgen.

Bei einer Anhörung in der Bürgerschaft am 25. November schilderten Sie Ihr „Erschrecken und Entsetzen“ darüber, dass der Sport im ersten Beschluss der Bundesregierung zur Pandemie keine Erwähnung fand. Wie denken Sie heute darüber?

Ich habe damals zudem die Beschlussfassung für den Bereich Kultur zitiert und gesagt, wenn man das Wort „Kultur“ hier durch das Wort „Sport“ ersetzen würde, wäre uns sehr geholfen. Damit keine Missverständnisse entstehen: Es ging mir nicht um ein Ausspielen der wertvollen Kultur gegen den Sport.

Ich habe nur vorgeschlagen, durch eine identische Formulierung auch dem Sport einen Platz einzuräumen. Aus heutiger Sicht ist das längst Geschichte. Ich weiß, dass die Interessen des Sports auf Bundesebene sehr eindringlich vom Deutschen Olympischen Sportbund vertreten werden, der sich seinserseits intensiv mit den Landessportbünden austauscht.

In der aktuellen Beschlussfassung ist der Sport zwar wieder nicht erwähnt, aber das liegt vielleicht auch daran, dass er komplett heruntergefahren wurde. Schärfer als jetzt geht es ja nicht mehr.

 

Sonderstellung für Profisport

 

Eine Ausnahme bildet der Profisport. Er darf ausgeübt werden. Ist die Sonderstellung gerechtfertigt?

Man kann nicht von gerechtfertigt oder ungerechtfertigt sprechen. Die Begründung für den Profisport ist die Berufsausübung. Das wird meiner Wahrnehmung nach im Freizeit- und Breitensport durchaus akzeptiert und verstanden.

In Hamburg nehme ich jedenfalls keine Neiddebatte wahr. Hier herrscht viel Vernunft und Verantwortungsbewusstsein. Unsere Forderung nach einer Perspektive für den Freizeit- und Breitensport bleibt aber bestehen.

Wir als Hamburger Sportbund sind in Gesprächen mit dem Sportamt und das Verhältnis ist konstruktiv und vertrauensvoll. Für uns ist klar: Wenn sich die Infektionslage bessert, sollte der Kinder- und Jugendsport sowie Sport im Freien so schnell wie es möglich und verantwortbar ist wieder freigegeben werden.

Sind Sie optimistisch, dass der Hamburger Sport in diesem Jahr zurück zur Normalität findet?

Das glaube ich schon. Spätestens nach der Sommerpause müsste der reguläre Sportbetrieb wieder möglich sein. Wenn die Infektionslage entsprechend zurückgeht und die Impfungen planmäßig vorankommen.


Sport-SZENE_01_21-1 SZENE HAMBURG SPORT, Januar 2021. Das Magazin ist seit dem 28. Januar 2021 als Heft im Heft in der Februar Ausgabe SZENE HAMBURG im Handel erhätlich!

#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.

Ein Buch über Hamburgs Fußballgeschichte

Ralf Klee und Broder-Jürgen Trede setzen Hamburgs Fußballgeschichte ein Denkmal

Text: Matthias Greulich

 

Wissen Sie, warum dieses Schiff „Peter“ heißt?, fragt der Barkassenführer, um nach einer bedeutungsschweren Pause fortzufahren. Er habe damals beim berühmten FC St. Pauli im Tor gestanden, wo ihm seine Frau Erna bei den Heimspielen hinter dem eigenen Kasten stets die Daumen zu drücken pflegte. Die Verantwortlichen bei St. Pauli fanden das problematisch. So gerne sie Erna mochten, eine Frau als zwölfter Mann brächte dem Verein großes Unglück, befanden sie. Die Lösung: „Erna heißt ab jetzt Peter.“ Einmal dabei, benannten die Eheleute daraufhin ihre Barkasse ebenfalls um. Der St. Pauli-Torwart war Ludwig, genannt „Lutn“ Alm. Er starb 1976, aber die Anekdote wird sich rund ums Millerntor immer noch mit Begeisterung erzählt.

 

„Besser als Fernsehen“

 

Broder-Jürgen Trede kannte die Geschichte und beschloss, der Barkasse einen Besuch abzustatten. „Einen ganzen Nachmittag habe ich auf der ‚Peter‘ verbracht, um mir die Geschichten von Alms Familie anzuhören“, so der Fußball-Autor. Besser als Fernsehen sei das gewesen, und so taucht die Landungsbrücke 7 als 95. Ort der Erinnerung der „Fußballheimat Hamburg“ auf, das Trede gemeinsam mit Ralf Klee geschrieben hat. „Die Menschen, die wir besucht oder telefonisch befragt haben, hatten alle große Lust auf das Thema“, berichtet Trede. Uwe Seeler nahm sich Zeit, um über sein Elternhaus („Zu sechst auf 50 Quadratmetern, Ofenheizung, kein fließend warmes Wasser – aber ich fühlte mich total behütet“) in Eppendorf zu erzählen.

In der Pandemie waren die umtriebigen Autoren, die unter Hamburgs Sportjournalisten immerhin einen Ruf als große Spürnasen zu verteidigen haben, durch die halbe Stadt gewandert, um den Orten der Geschichte einen Besuch abzustatten. „Der Fußball ist ein Vehikel, um sich mit der Geschichte der Stadt zu beschäftigen“, bilanziert Trede.

Dem 46-Jährigen und dem ein Jahr älteren Klee gelang das Kunststück, ihren Anekdotenschatz nach Spaziergängen zwischen Volksdorf und Kirchwerder ebenso fundiert wie unterhaltsam aufzuschreiben. Da für jeden Ort nur zwei Seiten zur Verfügung stehen, musste das Material, das ansonsten ausgeufert wäre, stark verdichtet werden.

Selbst das „Phantom der deutschen Fußballschichte“ fehlt nicht: der Luftwaffen Sportverein Hamburg. Der Militärklub, bei dem unter anderem Nationalspieler Karl Miller (später FC St. Pauli) spielte, verlor 1944 das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft vor 70.000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion mit 0:4 gegen den Dresdner SC. „Während zu jedem mehr oder weniger erfolgreichen deutschen Verein heute inflationär Vereinschroniken erscheinen, scheint eine Soldatenmannschaft der Nazis ein zu heißes Eisen zu sein“, schrieb Klee. Er recherchierte daher auch auf dem Poloplatz unweit der S-Bahn Klein Flottbek, wo die Luftwaffensportler im Zweiten Weltkrieg geschützt von Bombenangriffen trainieren konnten.

 

Eine Mannschaftsleistung

 

Das Buch sei eine geschlossene Mannschaftsleistung betonen die Autoren. Dennoch konnte es passieren, dass sich die beiden Studienfreunde beim gegenseitigen Vorlesen der Texte batteleten. Die beiden HSV-Anhänger kennen sich seit Mitte der 1990er Jahre, als sie häufiger nach der Vorlesung am benachbarten Rothenbaum A-Jugend-Spiele der Rothosen besuchten. „Was für ein charmantes Stadion war das“, erinnert sich Trede an die Heimat des HSV, an die nach ihrem Abriss nicht mal eine Plakette erinnert.

Seinerzeit entstand die Idee, diesen Orten ein Denkmal zu setzen. „Jetzt sind wir froh, dass wir seit Unizeiten nicht immer nur gelabert, sondern es durchgezogen haben“, so Trede. Wer dieses, mit grandiosen historischen Fotos bebilderte Fußballbuch liest, kann diese Freude teilen.

Broder-Jürgen Trede, Ralf Klee: „Fußballheimat Hamburg. 100 Orte der Erinnerung. Ein Stadtreiseführer”, Arete Verlag, 216 Seiten, 18 Euro


Cover_SZ0121 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Januar 2021. Das Magazin ist seit dem 22. Dezember 2020 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.