Hannah Paulini im Torrausch

Frauenfußball Stürmerin des Eimsbütteler TV erobert mit 58 Treffern die Hamburger Fußballwelt

Text: Mirko Schneider

Wenn es eine Szene gibt, die Hannah Paulini (26) perfekt beschreibt, so ist es ihr 8:0 im Heimspiel ihres Eimsbütteler TV gegen den Harburger TB. Paulini erhält den Ball an der Mittellinie. Sie wird gefoult und gerät ins Straucheln, erkennt aber gleichzeitig die Chance auf einen Alleingang aufs gegnerische Tor. Von der Mittellinie zündet Paulini mit Ball den Turbo, umkurvt schließlich die Harburger Keeperin, schiebt ein – und fällt danach mit schmerzverzerrtem Gesicht zu Boden. „Dieses Tor vergesse ich vermutlich nie“, sagt ihr Trainer Dennis Tralau (30). „Das war Hannah pur! Der pure Wille, das Tor zu machen, waren größer als ihre Schmerzen durch das Foul.“

Die Viertligatorschützenkönigin von Deutschland

Dieser „pure Wille“ der Hannah Paulini hat wesentlich zum Aufstieg des Eimsbütteler TV von der Oberliga Hamburg in die Regionalliga Nord beigetragen. Im Frauenfußball ist das die 3. Liga. Diese große Leistung des gesamten Teams wäre medial wohl – leider – eine Randnotiz der abgelaufenen Saison geblieben. Wenn da nicht Paulini wäre. In nur 22 Partien erzielte sie sage und schreibe 58 Treffer! Damit sicherte sie nicht nur ihrem Team den Aufstieg, sondern fand über „Kicker“ bundesweit Beachtung. Denn zum ersten Mal vergab der „Kicker“ die „Torjägerkanone für alle“. Und Paulini darf sich nun mit satten 20 Treffern Vorsprung vor Sandra Weihmann vom 1. FC Union Berlin „Viertligatorschützenkönigin von Deutschland“, nennen.

„Ich hätte mir als Ziel vor der Saison nie 58 Tore gesetzt und ich habe vorher nicht annähernd so häufig getroffen“

Hannah Paulini, Eimsbütteler TV

„Als ich nach drei Spieltagen acht Tore hatte, wurde ich im Verein schon auf diese Torjägerinnenliste angesprochen. Es ist krass. Ich hätte mir als Ziel vor der Saison nie 58 Tore gesetzt und ich habe vorher nicht annähernd so häufig getroffen“, sagt Paulini. Wie also hat sie das gemacht? „Wir haben uns aufgrund der besonderen Situation in einen Rausch gespielt. Das war auch bei mir so“, sagt Paulini.
Diese besondere Situation ergab sich durch den Zweikampf mit dem zweiten Team des HSV. Es ist der klare Favorit, führt die Tabelle lange an. Mit zwei Punkten und bis zu 20 Toren Vorsprung. Am 10. April muss der ETV beim HSV II antreten. In der sechsten Minute der Nachspielzeit schafft der ETV noch das 1:1 und vertagt die Entscheidung über den Titel. „Trotzdem haben die HSV- Spielerinnen nach Spielschluss vor uns gefeiert, als seien sie schon Meister. Ich habe auf dem Platz zu hören bekommen, sie würden es sowieso schaffen. Das war nicht der entscheidende Punkt, aber für viele von uns war dieses Verhalten sicher eine kleine Extramotivation“, sagt Paulini. „Als ein paar Spieltage vor Schluss klar war, dass wahrscheinlich die Tordifferenz über den Titel entscheidet, haben wir uns eingeschworen, so viele Tore zu schießen wie möglich. Unser Trainer Dennis Tralau sagte vor jedem Training zu uns: ,Wer nicht dran glaubt, kann gleich wieder nach Hause gehen.‘“

Titel und Aufstieg des ETVs

Nun beginnt das, was Paulini als „Rausch“ bezeichnet. Der Tabellenletzte Harburger TB wird beispielsweise mit 19:0 nach Hause geschickt. Paulini trifft elfmal. Es ist nicht so, dass die Gegnerinnen sich nicht wehren. Sie kommen gegen diesen ETV einfach nicht mehr an. Vor dem letzten Spieltag hat der ETV nur noch drei Tore Rückstand. Der HSV II schlägt Concordia zwar 8:0, der ETV den Tabellenvorletzten Berne aber 18:0. Mit sieben Paulini-Toren. Titel und Aufstieg sind perfekt. „Wir waren so fokussiert, dass nach dem Spiel keine mehr von uns wusste, wie wir eigentlich gespielt haben. Wir hatten wochenlang nur noch ein Ziel: Ball ins Tor schießen, ihn wieder an der Mittellinie auf den Anstoßpunkt legen, nächstes Tor schießen“, sagt Paulini. Die Feier nach dem letzten Spieltag, es ist an ihrem Schmunzeln im Gesicht abzulesen, muss legendär gewesen sein.

Paulinis Karriere im Frauenfußball

Doch es wäre zu kurz gegriffen, alleine den Rausch der letzten Spieltage für die epische Torflut verantwortlich zu machen. Schließlich ist Paulinis Karriere im Amateurfußball ein Paradebeispiel dafür, wie viel Beharrlichkeit Mädchen benötigen, um wirklich ihren Weg zu machen und im Frauenfußball anzukommen. So begann Paulini als Sechsjährige bei TuS Osdorf in einer Jungenmannschaft, da es kaum Mädchenteams gab. Dort spielte sie, bis sie in die fünfte Klasse kam. Nach ihrem Wechsel zu Altona 93 hatte der Verein schließlich keine U16, in der sie spielen konnte. Also ging Paulini als 14-Jährige zum SC Nienstedten, durfte dort sogar schon bei den Frauen der Oberligamannschaft mittrainieren und Testspiele bestreiten. Doch die Frauenfußballabteilung in Nienstedten löste sich 2015 auf. Bei so vielen Hürden hätten andere Mädchen sicher irgendwann entschieden, sich eine andere Sportart zu suchen. Paulini blieb dabei und ging zum ETV.

Hartes Training zahlt sich aus

Dort wurde die Corona-Zeit sehr prägend für sie. „Ich habe Laufen immer gehasst. Ich bin nie extra laufen gegangen, wollte immer nur auf den Fußballplatz. Aber während Corona habe ich meinen Extralaufplan voll durchgezogen. Ich habe Fußball so sehr vermisst und wollte voll da sein, wenn es wieder losgeht.“ Dazu schob sie, sobald es erlaubt war, individuelle Sonderschichten mit ihrem Trainer Dennis Tralau. „Schnelligkeit, Abschluss vor dem Tor – das waren die Hauptthemen.
Wir haben trainiert und trainiert und trainiert. Und es hat sich gelohnt“, sagt Paulini. Zum ersten Mal hat sie in dieser Saison eine Spielzeit verletzungsfrei durchgehalten, fühlt sich topfit.

Auszeichnungen für Paulini

Sogar für die Wahl zur Hamburger Spielerin des Jahres (bei Redaktionsschluss noch nicht beendet) wurde sie durch eine Vertreterin des Hamburger Fußball-Verbandes und des Hamburger Abendblatts besetzte Jury nominiert. Ebenso wie ihre Mitspielerin und ETV-Kapitänin Merle Oppenheim (26). „Ich habe bei dieser Wahl gar keine Chance.

„Hannah sollte Spielerin des Jahres werden. Sie hat es verdient. Ich habe ihr jedenfalls meine Stimme gegeben“

Merle Oppenheim, Eimsbüttler TV-Kapitänin

Und das völlig zu Recht nicht“, sagt Oppenheim lachend. „Hannah sollte Spielerin des Jahres werden. Sie hat es verdient. Ich habe ihr jedenfalls meine Stimme gegeben.“
Eine Auszeichnung hat Paulini schon sicher. Ihre „Kicker“-Torjägerkanone erhält sie am 23. September in der Halbzeitpause des Herren-Länderspiels Deutschland gegen Ungarn in der UEFA-Nations-League in Leipzig. Sie freut sich sehr darauf. Und wünscht sich für den Frauenfußball, auch als Trainerin der C-Mädchen (12– 14Jahre) des ETV, die ein gutes Gespür für das hat, was an der Basis läuft, mehr Wertschätzung.

Potential des Frauenfußballs födern

„Die Europameisterschaft der Frauen hat gezeigt, wie krass positiv sich der Frauenfußball technisch, taktisch und von der Geschwindigkeit in den letzten 20 Jahren entwickelt hat.

„Es braucht bessere Anstoßzeiten, mehr Sichtbarkeit im TV, einen Mindestlohn für Profispielerinnen und vor allem viele starke Angebote an der Basis, damit junge Mädchen Fußball spielen“

Hannah Paulini, Eimsbüttler TV

Aber es braucht bessere Anstoßzeiten, mehr Sichtbarkeit im TV, einen Mindestlohn für Profispielerinnen und vor allem viele starke Angebote an der Basis, damit junge Mädchen Fußball spielen“, sagt Paulini. „Außerdem ist die Unterstützung der Vereine wichtig. Ich war schockiert, als ich in der Dokumentation über die Frauennationalmannschaft „Born for this“ die Kabine von Champions-League-Teilnehmer Eintracht Frankfurt gesehen habe. Die Kabine der Frauen dort sieht aus wie unsere und wir waren in der letzten Saison noch Oberligist. Das kann nicht sein.“

Paulinis Ziel: Viele Tore schießen

Es gibt also noch viel zu tun. Auch für Paulini selbst. In dieser Saison will sie den Klassenerhalt mit in der Regionalliga Nord dem ETV. Wird sie dabei ihre 58 Treffer wiederholen können? „Nein“, sagt Paulini. „Aber ich will wieder viele Tore schießen.“


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Tschüss „Dicker“

HSV-Ikone, Ehrenbürger und feiner Mensch: Hamburg nimmt Abschied von Uwe Seeler

Text: Andreas Daebeler

Uwe Seeler ist tot. Eine Nachricht, die irgendwann kommen musste. Nach all den Unheil verkündenden Meldungen von Stürzen und Krankenhausaufenthalten. Dann ist sie da. Und sie trifft ins Herz. Auch Menschen, die Hamburgs größten Fußballer nicht mehr haben kicken sehen. Wie mich, geboren 1972. Im Jahr, in dem 60.000 Menschen zum ersten Mal Abschied nehmen. Vom Spieler und Mittelstürmer. Von einem, der sein Herz auf dem Rasen ließ. Noch nicht von „Uns Uwe“. Der ist an diesem Tag, an dem er auf Schultern aus seinem Stadion getragen wird, längst mehr als nur Sportler.

Die Fußballlegende

Um das Leben Uwe Seelers nachzuzeichnen, bedürfte es mehr als ein paar Tausend Zeichen. Von der Kindheit mit „Vadder“ Erwin, Mutter Anny und den zwei Geschwistern in einer kleinen Butze unweit des Eppendorfer Markts über die frühen Dribblings auf Trümmergrundstücken bis hin zur ersten Rothose. Am 1. April 1946 bekommt Uwe den Spielerpass beim HSV. Schnell nennen sie ihn liebevoll den „Dicken“. Leicht untersetzt, tiefer Schwerpunkt – Gardemaß geht anders. Doch das ist Bundestrainer Sepp Herberger ein paar Jahre später egal, denn dieser Hamburger Jung mit dem früh schütteren Haar hat Willen, Durchsetzungsraft, Talent. Und er zieht aus jeder Lage ab.
1960 schlenzt, köpft und stochert Uwe seinen HSV fast im Alleingang zur Deutschen Meisterschaft. Dass er kurz darauf den Boss von Inter Mailand mit seinem Koffer voller Geld nach Hause schickt und lieber neben dem Job als Fußballer als Vertreter arbeitet, macht ihn zur Vereinslegende. Ein paar Jahre später schießt er Deutschland gegen Schweden zur WM in England, nachdem er dem wegen eines Achillessehnen-Risses drohenden Karriere-Ende ein Schnippchen geschlagen hat. Den Finalrasen von Wembley verlässt Uwe mit hängendem Kopf – um sich Minuten später lächelnd bei der Queen für die Ehrung als Zweiter zu bedanken. Ein anständiger Kerl. Einer, der verlieren kann. Bilder, die um die Welt gehen. Wie das Jahrhunderttor mit dem Hinterkopf vier Jahre später – wieder gegen England.

Der schönste Treffer

Seinen schönsten Treffer, das sagt Uwe immer wieder, landet er 1959, als er in der Eppendorfer Hochzeitskirche seine resolute Ilka heiratet. Mit ihr bekommt er drei Töchter, lebt in einem bescheidenen Häuschen in Ochsenzoll, fährt bodenständig an die Nordsee in den Urlaub. Und sagt irgendwann mal, im Hause Seeler treffe er die wichtigen Entscheidungen. Welche wichtig sei, das entscheide natürlich seine Frau. Die falscheste ist vielleicht, sich 1995 überreden zu lassen, HSV-Präsident zu werden. Uwe wird fast zerrieben.

Ein fast normaler Hamburger

Uwe Seeler über den Weg zu laufen, ist all die Jahre nie schwer. Etwa beim Einkaufen in Norderstedt, auf dem Parkplatz des Stadions, vor dem seit 2005 sein in Bronze gegossener, etwas knorpeliger rechter Fuß steht – oder auch mal in der Provinz. Wie damals, Ende der 1990er, am Rande eines Benefizspiels nahe Pinneberg. Uwe an der Seitenlinie, im Gespräch mit einem Sponsor, die geliebte Bockwurst in der Hand. Ein paar kleine Jungs im Trikot des Heimatclubs trauen sich heran, er bückt sich runter zu ihnen, streichelt Köpfe, lacht. Als er zum Bierwagen schlendert, wird er mit „Uwe, Uwe“-Rufen begrüßt. Und grinst dieses typische Grinsen. Schelmisch und zugleich etwas peinlich berührt. Dann wird geprostet. Er ist einer von ihnen, Ehrenbürger hin, HSV-Ikone her.

„Keine Angst, auch im Himmel wird Fußball gespielt!“

Uwe Seeler

Am 21. Juli ist Uwe Seeler im Alter von 85 Jahren im Kreise seiner Familie eingeschlafen. „Keine Angst, auch im Himmel wird Fußball gespielt“, soll er mal gesagt haben. Da oben haben sie jetzt einen Mittelstürmer. Und einen feinen Menschen. Tschüss, „Dicker“.


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Hamburg European Open: Aufschlag am Rothenbaum

Vom 16. bis 24. Juli 2022 ist wieder Zeit für Tennis. Bei den Hamburg European Open trifft sich das Who is Who des Weltklasse-Tennis am Hamburger Rothenbaum

Text: Felix Willeke

Das Tennisstadion am Hamburger Rothenbaum ist das zweitgrößte Tennisstadion in Deutschland. Vom 16. bis 24. Juli 2022 fliegt die gelbe Filzkugel wieder über den Center Court und bis zu 10.000 Zuschauer:innen sehen Weltklasse-Tennis bei den Hamburg European Open. Seit über 40 Jahren spielen dabei erstmals wieder Männer und Frauen gleichzeitig in Hamburg.

Players to watch

Bei den Herren ist das Turnier in die dritthöchste Kategorie eingeordnet und bei den Frauen in die vierthöchste Kategorie. Dementsprechend viele Top-Spieler:innen sind am Rothenbaum mit dabei. Ging vor Kurzem mit Wimbledon erst der dritte Grand Slam des Jahres auf Rasen zu Ende, geht es beim Turnier in Hamburg traditionell auf Sand zur Sache.

Damen

Bei den Damen freut sich Turnierdirektorin Sandra Reichel über die Zusage von Danielle Collins. Die aktuelle Nummer acht der Welt stand noch im Januar im Finale der Australian Open und geht voraussichtlich als top-gesetzte Spielerin in Hamburg an den Start. Außerdem ist neben Vorjahressiegerin Elena-Gabriela Ruse, mit Barbora Krejčíková die French-Open-Siegerin von 2021 am Start. Aus deutscher Sicht sind neben Andrea Petkovic und Jule Niemeier, die in Wimbeldon überraschend das Viertelfinale erreichte, auch Nastasja Schunk und die Hamburgerin Eva Lys mit dabei, die beide eine Wildcard für das Hauptfeld bekommen haben. Letztere gilt dabei als eines der größten Tennis-Talente in Deutschland. Außerdem erhält unter anderem die Hamburgerin Ella Seidel eine Wildcard für die Qualifikation, wenn sie diese übersteht, wäre das die erste Hauptfeld-Teilnahme in einem so hoch dotierten Profi-Turnier für die 17-Jährige.

Herren

Bei den Männern fehlt der verletzte Deutsche Superstar Alexander Zverev – der hofft, vom 14. bis 18. September in der Hansestadt mit dem deutschen Davis Cup Team gegen Frankreich spielen zu können. Bei den Hamburg European Open sind hingegen neben dem Vorjahressieger Pablo Carreno Busta mit der Nummer sieben der Welt, Carlos Alcaraz und Andrey Rublev, der Nummer acht der Welt, zwei Top-Ten Spieler am Start. Aus deutscher Sicht ist der Kölner Oscar Otte direkt für das Hauptfeld qualifiziert. Rudi Molleker und Nicola Kuhn freuen sich über die zwei Wildcards für das Turnier. Spannend wird es bei den Herren außerdem in der Doppelkonkurrenz. Hier trifft das deutsche Weltklasse-Doppel Krawietz/Mies unter anderem auf Mektic/Pavic, die gerade noch in Wimbeldon im Finale standen und auf die Vorjahressieger Pütz/Venus.

Spitzentennis am Rothenbaum

Das Turnier beginnt am 16. Juli um 10 Uhr mit der Qualifikation bei den Damen und Herren. Ab dem 17. Juli geht es dann ab 11 Uhr mit dem Turnier der Damen weiter, bevor am 18. Juli ebenfalls ab 11 Uhr auch das Turnier für das Hauptfeld der Herren beginnt. Die Finals der Damen im Einzel wie im Doppel gibt es dann am 23. Juli ab 10.30 Uhr und bei den Herren geht es am 24. Juli ab 12.30 Uhr um den Sieg bei den Hamburg European Open. Tickets gibt es von 20 bis 145 Euro.

Eine ungewisse Zukunft

Wie es mit dem Turnier am Rothenbaum weitergehen wird, ist allerdings unklar. Wie der NDR berichtet, sollen erste Gespräche nach dem diesjährigen Turnier geführt werden. Die Hauptprobleme sind dabei unterschiedliche Interessen von Seiten der Ausrichter und von Seiten des Deutschen Tennis Bundes. Außerdem wird in Hamburg traditionell auf Sand gespielt. Die meisten Spieler:innen sind jedoch nach dem Grand Salm in Wimbledon noch auf Rasen oder schon wieder auf Hartplatz unterwegs, damit passt ein Sandplatztunier im Juli einigen Spitzenspieler:innen oft auch nicht in den Plan. Trotz aller Widrigkeiten äußerte der DTB-Präsident schon im Mai gegenüber dem Abendblatt die Absicht, das Turnier in Hamburg erhalten zu wollen. Bisher scheint nur eines klar: Für das Traditionsturnier am Rothenbaum stehen Veränderungen an.


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Tauchen: Die Welt steht still

Aquanautic Taucher Hamburg ist einer der ältesten Tauchclubs in Norddeutschland – und hat viel zu bieten

Text: Mirko Schneider

Was ihn am Tauchen am meisten fasziniert, kann Elmar Klemm (49) in einem Satz beantworten. „Unten im Wasser ist die Welt endlich mal still“, preist der stellvertretende Vorsitzende des Aquanautic Taucher Hamburg (ATH) einen Vorzug seiner Lieblingsbeschäftigung.

Andere Sportarten punkten mit Action, Tauchen mit der sinnlichen Betrachtung einer dem Menschen fremden Welt. Noch etwas mag Klemm am Tauchen: „Eine Einstiegsschwelle existiert nicht. Ob Kind oder Rentner – Tauchen kann jeder lernen.“

„Wir sind gar nicht so wettkampforientiert“

Dieser Mission, das Tauchen möglichst vielen Menschen nahezubringen, haben sich Klemm und seine Mitstreiter verschrieben. Ihr ATH (circa 100 Mitglieder) ist mit seiner knapp 40-jährigen Geschichte einer der ältesten Tauchclubs in Norddeutschland.

Obwohl der Verein in verschiedenen Disziplinen vor allem in den Jugendabteilungen viele Titel abgeräumt hat, stehen die Medaillen im Vereinsleben nicht im Vordergrund. „Wir sind gar nicht so wettkampforientiert. Uns geht es darum, unseren Mitgliedern eine möglichst vielfältige Palette an Tauchaktivitäten anzubieten.“

„Wer dann daran Spaß hat, den packt das Tauchfieber ganz schnell.“

Elmar Klemm

Was Klemm damit meint, wird bei einem Blick auf die Vereinsaktivitäten deutlich. Da finden sich Ausfahrten zu etlichen Tauchspots vom Oortkartener See in Hamburg über die Mole in Eckernförde bis hin zum Schweriner See. Zusätzlich finden Trainingseinheiten in der Bartholomäus-Therme und im Bille-Bad statt. Disziplinen wie Konditions- oder Langstreckenschwimmen stehen hier beispielsweise auf dem Programm, auch Tauchscheine können erworben werden.

Der Verein arbeitet mit Tauchlehrern zusammen. Für fast alle Facetten des Tauchsports wie wissenschaftliches oder technisches Tauchen oder Apnoe-Tauchen (Tauchen ohne Gerät) steht mindestens ein Ansprechpartner zur Verfügung oder kann im Verbund mit Verband und anderen Vereinen vermittelt werden. Für das wissenschaftliche Tauchen ist dies übrigens Klemm selbst. Er ist ausgebildeter Unterwasserarchäologe und ein Fan von alten Wracks. Historische Schätze wie Tauchgänge an einer echten Hanse-Kogge in der Ostsee faszinieren ihn.

Vereinsarbeit fußt auf dem Ehrenamt

Die Stimmung im Verein (Mitgliedsbeitrag 16 Euro, Ausrüstung wird bis auf Maske, Schnorchel und Flossen gestellt) beschreibt Klemm als „sehr relaxed“. Es gibt ja auch viel gemeinsam zu erleben. Naturliebhaber können Krebse, Aalmuttern, beachtlich große Flundern, Schwebegarnelen, Seestichlinge und etliches mehr unter Wasser sichten und genießen.

Klemm liebt vor allem die orangenen Seehasen. Was Klemm sehr wichtig ist: Der ATH sei nicht zu verwechseln mit den kommerziellen Angeboten der Tauchschulen. „Wir als Verein leben von einer guten Gemeinschaft, die durch das ehrenamtliche Engagement unserer Mitglieder entsteht. Wer bei uns eintritt, sollte bereit sein, auch etwas zu geben. Er sollte wirklich in unserer Gemeinschaft mitmachen wollen. Wer das nicht möchte, ist bei den Tauchschulen besser aufgehoben.“

Neue Perspektiven

Die schwierigste Einstiegshürde für Neulinge sei stets eine physische. „Der Mensch ist ja kein Unterwasserwesen. Sobald wir unseren Kopf unter Wasser stecken, schaltet sich bei uns ein körperliches Programm an, welches diesen Zustand sofort beenden möchte“, sagt Klemm. Doch: „Dieses Programm kann man ändern. Das kann man gut trainieren.“ Und werde dafür nicht nur mit wunderbaren Erlebnissen belohnt. „Die ganze Klima- und Naturdebatte ist im Tauchen schon seit vielen Jahrzehnten präsent. Schon lange, bevor sie im Mainstream angekommen war“, so Klemm. „Das Tauchen bietet die Möglichkeit, Themen wie die Erhaltung der Meere noch einmal aus einer viel intensiveren Perspektive zu betrachten.“

Wer dazu Lust hat, so Klemm, könne ganz unkompliziert einmal bei einem Tauchtraining des ATH vorbeischauen. Klemm: „Wer dann daran Spaß hat, den packt das Tauchfieber ganz schnell.“

ath-ev.de


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Erst Abi, dann Wimbeldon

Ella Seidel spielt Tennis, ist deutsche Meisterin im U16-Bereich und wurde 2021 als Hamburger Sporttalent weiblich ausgezeichnet. Die 17-Jährige hat auf dem Weg zum Abi 2022 zwei Klassen übersprungen, um sich voll auf ihre Profikarriere konzentrieren zu können

Interview: Markus Gölzer

SZENE HAMBURG: Ella, was ist Ihr nächstes Ziel?

Ella Seidel: Erst mal möchte ich beim Tennis die Jugend-Grand-Slams alle mitspielen. Dafür habe ich mich über die Rangliste qualifiziert. Nach der Schule kommt der Einstieg in den Damenbereich.

Strukturiert auf Ziele hinzuarbeiten, gilt als eine Ihrer Stärken. Was ist Ihre Schwäche?

Ich denke mal, dass ich auf dem Platz ein büschen zu streng mit mir selber bin. Das ist ein Hindernis, um frei zu spielen. Aber das krieg ich ganz gut in den Griff und es ist nichts, was mich zu stark beeinträchtigt.

„Beim Tennis liebe ich die Eins-zu-eins-Situation“

Schon mal das Gefühl gehabt, auf etwas verzichten zu müssen?

Nein. Ich spiele Tennis, weil es sehr viel Spaß macht und weil ich das möchte. Dafür habe ich mich entschieden. Ich freu mich jeden Tag, wenn ich auf den Platz gehe und Matches spielen kann.

Was lieben Sie am Tennis?

Ich liebe die Eins-zu-eins-Situation mit dem Gegner. Es kann alles passieren. Auch wenn man führt, kann nach paar Punkten das Spiel kippen und man sollte spielen bis zum letzten Punkt. Ich habe letztens ein Spiel auf dem Platz vor mir gesehen. Die eine hat 6:2, 5:1 geführt und hat dann doch noch verloren. Das fasziniert mich.

Gibt’s ein Geheimrezept, wenn es eng wird im Spiel?

Ich versuche dann nur, mich auf den nächsten Punkt zu konzentrieren. Wenn ich merke, dass ich nervös werde, an den Matchplan zu denken und mich für jeden Punkt neu zu fokussieren. Ich spiel einfach jeden Punkt. Ich möchte nicht für andere verantwortlich sein und ich kontrolliere das sehr gerne. Das ist in der Mannschaft natürlich schwieriger.

Erstes WTA-Turnier und Deutsche Meisterschaft

Was war Ihr spannendster Moment auf dem Platz?

Ich habe diese Woche mein erstes WTA-Turnier in Karlsruhe gespielt. Da habe ich in der ersten Runde voll verloren. Das war alles sehr professionell. Auch das Finale der deutschen Meisterschaften letzten Sommer war ein schöner Moment.

„Ich spiel einfach jeden Punkt“

Ella Seidel

Wie ist die Unterstützung für Sportler in Hamburg?

In Hamburg bin ich beim Team Hamburg, der Stiftung Leistungssport. Da werden viele Spitzensportler aus Hamburg besonders gefördert und auch finanziell unterstützt. Da sind wir natürlich auch büschen drauf angewiesen. Die helfen uns in allen Bereichen, wenn wir was brauchen. Man kommt mit anderen Spitzensportlern zusammen. Ein sehr schönes Netzwerk.

Welche Turniere stehen an, auf welche freuen Sie sich besonders?

Als Nächstes spiel ich in Paris bei den French Open im Stadion Roland Garros. Danach mach ich mein Abi fertig, dann spiel ich in Wimbledon. Da freu ich mich richtig drauf. Ist beides noch Junior, weil ich bei den Damen noch nicht so weit oben stehe. Aber das versuche ich bei den nächsten Turnieren zu ändern. Bei Wimbledon denkt man sofort an Boris Becker.

„Man muss immer an sich arbeiten“

Welche Bedeutung hat er für Ihre Generation?

Er hat öfter bei den deutschen Meisterschaften vorbeigeschaut, hat sich Matches angeschaut, Tipps gegeben. Da nimmt man gerne Tipps an, denn er ist für den deutschen Tennissport eine sehr wichtige Person. Ich habe mich sehr gefreut, ihn kennenzulernen.

Was würden Sie Gleichaltrigen beim Thema Ziele mitgeben?

Große Ziele und Träume sind wichtig. Aber man muss sich auch kleinere Ziele stecken und an sich immer weiterarbeiten. Durch die kleineren Ziele kann man Großes erreichen. Dafür sollte man immer an sich glauben und immer hart weiterarbeiten.

Dieses Interview wurde im Mai 2022 vor den French Open geführt


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Hau- und Stossfechten: Sport wie vor 200 Jahren

In Billstedt wird Hau- und Stossfechten nach einem Fechtbuch von 1838 unterrichtet. Eine absolute Nischensportart stellt sich vor

Text: Andrea Marunde

Der Regen, der am Abend auf das Dach tröpfelt, ist gut zu hören. Es ist leise in der Sporthalle der Grundschule Archenholzstraße in Billstedt. Konzentriert. Trainer Stefan Panek erklärt die einzelnen Grundtechniken, da werden Handgelenke bis zum Anschlag gedreht. Rechts, links, einen Fuß nach vorne setzen, in die Knie gehen. „Achtung, Stellung!“, ist das einzige, was immer wieder zu hören ist. Und ein wenig Stöhnen, wenn die Schultern endlich wieder zur Entspannung fallen gelassen werden dürfen.

Ein Schüler beschreibt seinen Zustand: „Der Schmerz wandert erst langsam in den Oberarm, dann in den Unterarm.“ Hier wird historisches Hau- und Stoßfechten unterrichtet, beim Verein ANNO 1838 – Hau = Stoßfechten e.V.. Theorie und Praxis liegen hier ganz nah beieinander. Denn gelehrt wird nach einem Fechtbuch von Franz Conrad Christmann, Professor der Fechtkunst, verfasst 1838 in Offenbach. Die Vorstellung vom Fluch der Karibik oder den drei Musketieren kann man da allerdings gleich vergessen. Da wird nicht über Tische, Stühle oder Schiffsplanken gefochten, martialisches Gebaren ist auch nicht angesagt.

„Natürlich sind wir eine absolute Nischensportart“

„Mit dem olympischen Sportfechten hat das auch nichts zu tun“, sagt Marcus Hampel, „hier wird ausschließlich Breitensport betrieben. Der Spaß ist, anhand eines Dokuments herauszulesen, wie man sich vor 200 Jahren in dem Bereich bewegt hat.“ Wichtig ist auch zu erwähnen: „Der Autor betont in dem Buch, dass Fechten auch für die Freizeit betrieben wird.“ Im Original heißt es: Körperertüchtigung wird klar von der Selbstverteidigung abgesetzt. „Natürlich sind wir eine absolute Nischensportart“, beschreibt der 46-Jährige seine Sorgen, was die Mitgliederanzahl angeht. 

„Mit dem olympischen Sportfechten hat das nichts zu tun, hier wird ausschließlich Breitensport betrieben.“

Marcus Hampel

Der Verein wurde 2014 gegründet und hat momentan 25 Mitglieder. Deswegen hat er sich an den Hamburger Sportbund gewendet. „Ich habe gelesen, dass der HSB eine Vereinsberatung zu verschiedenen Themen anbietet. Auch zum Thema Mitgliedergewinnung.“ Dabei ging es dem Verein aber nicht um Gelder. „Die Gruppen sind einfach viel zu klein, um allen Leistungsansprüchen gerecht zu werden“, beschreibt Hampel die Misere. „Die Gruppendynamik beginnt mit 5 Leuten, bei 7 geht den Trainern das Herz auf. Da kann man schon ganz anders trainieren.“ Von zweistelligen Gruppengrößen spricht man hier erst gar nicht.

Vereinsberatung beim HSB

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„Der Schmerz wandert erst langsam in den Oberarm, dann in den Unterarm“, denn das Säbel wiegt ganze 800 Gramm (Foto: Johannes Trostdorf)

„Die Beratung war da sehr hilfreich. Nach einer Bestandsaufnahme mit der Vereinsberaterin haben wir die Ratschläge des HSB selbst in die Hand genommen: Wir haben beispielsweise unsere Mitglieder befragt, was ihnen an der Sportart gefällt und wie sie uns gefunden haben, das werden wir noch auswerten.“ Die Homepage wurde aktualisiert und andere Kanäle zur Informationsverbreitung genutzt. Ein virtueller Gästeabend findet regelmäßig statt. „Vielleicht gehen wir auch mal bei älteren Sportfechtern wildern, die keine Lust mehr haben, Wettkämpfe zu bestreiten, ihre Kenntnisse hier bei uns einbringen und auch bereit sind, Neues zu lernen.“ Was dann noch in der Zukunft passiert – man wird sehen. Hampel selbst ist ganz zufällig an das historische Hau- und Stoßfechten gekommen. „Ein Kollege, damals in Mönchengladbach machte Säbelfechten. Im Lager, wo wir gerade arbeiteten, hat er mir einen Besenstil in die Hand gedrückt und wir haben gefochten.“

Auch bei Trainer Stefan Panek (26) war es eher eine zufällige Geschichte: „Auf dem Weg zur Uni habe ich einen ehemaligen Klassenkameraden getroffen, der Säbelfechten machte. Ich bin ein Fantasy-Fan, aber Sportfechten sah mir zu gekünstelt aus. Da bin ich dann mit zum Säbelfechten gegangen, dabeigeblieben und mache nun meine Übungsleiter-C-Ausbildung.

Angebote für Anfänger:innen

Nun hat ja nicht jeder einen Freund, der zum Säbelfechten geht und das schmackhaft macht. Dabei gehört, neben der Lust, eigentlich gar nicht viel dazu. “Wer zum Probetraining kommen möchte, bringt Sportbekleidung und Hallenschuhe mit“, sagt Panek. „Die restliche Ausrüstung für den Anfang, sprich: den Säbel und den Gürtel, stellen wir zur Verfügung“. Für Neueinsteiger:innen und erfahrene Fechter:innen wird ein Wochenende angeboten, an dem man von den Grundlagen bis zu den Umgangsformen das Säbelfechten kennenlernt.

Es gibt aber auch einen vierwöchigen Einsteigerkurs. Danach ist es grundlegend möglich, die Stellung, Paraden und acht Haupthiebe draufzuhaben und sich in einem freien Kampf zu behaupten. Der nächste Kurs startet am 5. September 2022. Keine Angst. Das Fechtbuch, mit rund 95 Paragraphen, bestehend aus Lektionen, Beschreibungen und Übungen ist keine Pflichtlektüre, sondern es soll eine Hilfestellung sein, aber: „Wir ermutigen die Mitglieder reinzugucken“, sagt Panek. „Ich selbst habe den Christmann aber auch noch nicht durch.“ Der Fechtprofessor wird`s verkraften. 


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Ab an die Platte: Tischtennis spielen in Hamburg

Was haben Forrest Gump, der eine Typ früher im Sportunterricht und Timo Boll gemeinsam? Sie sind verdammt gut an der Platte. Tischtennis erfreut sich auch als Hobby großer Beliebtheit, hier wirst auch du zum Fan

Text: Felix Willeke

Über 400 Tischtennisplatten gibt es alleine im Raum Hamburg. Damit sind aber nicht die klappbaren Hobby-Platten in Nachbars Garten gemeint, sondern öffentliche Tischtennisplatten. Vier im Hammer Park, fünf im Stadtpark, drei im Fischers Park in Altona und nochmal vier im Schanzenpark: Überall stehen die Platten.

Meist aus Beton, mit einem „Netz“ aus Metall laden sie jeden ein, sie zu benutzen. Es braucht nur zwei Schläger, ein bis zwei Bälle und los geht’s. Wie die Platten zu finden sind? Ganz einfach: pingpongmap.net stellt eine OpenSource-Karte bereit auf der alle Tischtennisplatten eingetragen sind. Wer eine noch unentdeckte findet, kann sie easy hinzufügen. Jetzt wo der Sommer langsam da ist, steht dem Sport an der frischen Luft nichts mehr im Wege. Egal ob zu zweit, zu viert oder „Runde“: geht Tischtennis spielen!

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Es gibt in Hamburg über 400 öffentliche Tischtennisplatten (Foto: unsplash/Bady Abbas)


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„Jetzt Bayern, Dortmund oder den HSV“

Der FC Teutonia 05 gewinnt das Lotto-Pokalfinale und träumt von einem großen Gegner im DFB-Pokal

Text: Felix Willeke

„Altona hat ein tolles Spiel gemacht“, sagte Jan-Philipp Rose, Trainer vom FC Teutonia 05 nach dem Pokaltriumph gegen Altona 93. In der Tat schlug sich der Absteiger aus der Regionalliga Nord sehr gut im Lotto-Pokalfinale gegen die Teutonen aus Ottensen. Teutonia 05 ging als klarer Favorit in das Spiel. Schließlich hatten sie in der Saison beide Duelle gegen Altona 93 gewonnen. So überraschte es nur wenige, dass Teutonia schon nach zwei Minuten das 1:0 vor knapp 3.000 Zuschauer:innen erzielte – Fabian Istefo verwandelte einen frühen Strafstoß sicher. Auch in den kommenden Minuten war Altona immer einen Schritt zu spät. Das 2:0 für Teutonia nach einem Kopfball durch Can Düzel in der 14. Minute schien die logische Folge. „Wir haben die ersten zehn Minuten verpennt“, sagte Noah Gumpert von Altona 93 nach dem Spiel.

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Altona 93 versuchte in der 2. Halbzeit alles, um noch zum Ausgleich zu kommen, doch Teutonia 05 brachte die Führung über die Zeit (Foto: Erik Brandt-Höge)

Aufbäumen und Verwaltungsmodus

Nach dem Seitenwechsel versuchte Teutonia mit dem 2:0 im Rücken den Vorsprung zu verwalten und Altona 93 kam immer mehr ins Spiel. In der 62. Minute war es dann soweit: Noah Gumpert schlenzte den Ball sehenswert ins lange Eck zum 1:2 und bei den knapp 1.000 Fans von Altona keimte Hoffnung auf. Jedoch die mangelnde Chancenverwertung und ein guter Malte Schuchardt im Tor von Teutonia verhinderten den Ausgleich.

Erster Triumph und Abstiegsfrust

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Freuen sich über den Sieg im Lotto-Pokal: Der FC Teutonia 05 (Foto: Erik Brandt-Höge)

So feiert der FC Teutonia 05 seinen ersten Pokalerfolg im ersten Finale der Vereinsgeschichte. Währenddessen verpasste Altona 93 den ersten Einzug in den DFB-Pokal seit 1993/94. „So wie wir spielen, müssen wir das Spiel gewinnen. Natürlich sind wir total enttäuscht“, sagte Richard Golz, Sportdirektor von Altona, nach dem Abpfiff.

Bei Teutonia hingegen herrscht Euphorie und das zurecht. Spielte der Club noch vor sechs Jahren in der sechstklassigen Landesliga, können sie sich in der kommenden Saison auf ein Spiel im DFB-Pokal freuen. „Bayern, Dortmund oder HSV, wäre auch ein geiles Spiel“, sagte Ridel Monteiro, Mittelfeldspieler von Teutonia 05 nach dem Abpfiff. Das Team aus Ottensen blickt jetzt gespannt auf den 29. Mai 2022 um 19.15 Uhr, dann wird die erste Runde des DFB-Pokal 2022/23 live in der ARD ausgelost – gespielt wird zwischen dem 29. Juli und 1. August 2022. Unterdessen wartet auf Altona 93 eine Saison in der Oberliga. Beide Teams werden sich nach dieser Saison neu aufstellen, so auch Teutonia-Trainer Jan-Philipp Rose, er verlässt den Verein.

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Standen sich im Lotto-Pokal-Finale gegenüber: Altona 93 und der FC Teutonia 05 (Foto: Altona 93, FC Teutonia 05)

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Hamburger Pokalfinale: Alte Bekannte und neue Rivalen

Am Samstag, den 21. Mai 2022, steigt das Lotto-Pokalfinale Hamburg. Um 12.15 Uhr trifft Altona 93 auf den FC Teutonia 05 – eine gewachsene Rivalität unter Nachbarn

Text: Felix Willeke

Nur 600 Meter trennen Altona 93 und den Teutonia 05 aus Ottensen. Nach zwei Derbys in der Liga treffen sie jetzt im Lotto-Pokalfinale aufeinander. In der Regionalliga-Saison gewann Teutonia das Hinspiel in Altona denkbar knapp mit 2:1. Im Rückspiel fiel der Sieg mit 5:1 schon deutlicher aus. Die Favoritenrolle für das Pokalfinale am 21. Mai scheint damit klar. Während Teutonia in der Regionalliga Nord sogar noch kurzzeitig vom Aufstieg in Liga drei träumen durfte, steht für Altona 93 der Abstieg in die Oberliga schon fest. Doch für beide hat das Pokalfinale eine große Bedeutung. Denn abgesehen vom Derby-Charakter verspricht ein Sieg für die kommende Saison die Teilnahme im DFB-Pokal und damit nicht nur eine Prämie von über 100.000 Euro, sondern auch einen potenziell sehr attraktiven Gegner aus der Bundesliga. 

„Er müsste eigentlich noch auf mich hören“

Andreas Bergmann, Trainer von Altona 93

Umgekehrte Vorzeichen

„Altona 93 ist für mich ursprünglicher Fußball“, sagte der stellvertretende Vorsitzende Ragnar Törber SZENE HAMBURG. Während Altona 93 eine lange Tradition hat, ist Teutonia der Emporkömling. Altona spielte zuletzt in der Saison 1993/94 im DFB-Pokal. Damals verloren sie in der ersten Runde gegen Borussia Dortmund. Für Teutonia ist es hingegen sogar das erste Pokalfinale im Hamburger Landespokal, auch im DFP-POkal war der Verein aus Ottensen noch nie vertreten. Vor sechs Jahren spielten die Teutonen noch in der sechstklassigen Landesliga, heute hat der Kader laut transfermarkt.de einen doppelt so hohen Marktwert wie der von Altona 93. Ein Aufstieg, der ohne Investoren wahrscheinlich nicht möglich gewesen wäre.

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Stehen sich im Lotto-Pokal-Finale gegenüber: Altona 93 und der FC Teutonia 05 (Foto: Altona 93, FC Teutonia 05)

Konfliktpotenzial und alte Bekannte

Doch nicht nur ideologisch – Tradition versus Investoren – unterscheiden sich die Clubs. Aktuell läuft ein Konflikt rund um den Stadionneubau von Altona. Teutonia möchte auch gern zukünftig am neuen Standort spielen. Das sorgt für noch mehr Konfliktpotential zwischen den beiden Clubs. Doch abseits der Rivalität treffen beim Pokalfinale auch alte Bekannte aufeinander. Der heutige Interimstrainer von Teutonia, Jan-Philipp Rose, spielte 2004 noch beim FC St. Pauli. Der heutige Trainer von Altona 93, Andreas Bergmann, trainierte damals den Club vom Millerntor und holte Rose zu den Profis. „Er müsste eigentlich noch auf mich hören“, scherzte Bergmann im Vorfeld des Spiels. Das wird Rose am Samstag sicherlich nicht tun, auch wenn er die Favoritenrolle seines Teams nur widerwillig annimmt: „Laut der Tabelle sind wir Favorit, aber ein Finale muss auch immer erst gespielt werden“. 

Lotto-Pokalfinale, Anstoß am 21. Mai um 12.15 Uhr (Einlass ab 11 Uhr) im Stadion Hoheluft.
Tickets gibt es an der Tageskasse. Das Spiel wird zudem im Rahmen des Finaltag der Amateure in der ARD live übertragen. 


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Wir sind ein Stück Heimat für dich

Professor Dr. em. Hans-Jürgen Schulke (76) ist einer der bekanntesten deutschen Sportsoziologen. Als Hochschullehrer für Sportsoziologie lehrte er in Hamburg und Bremen. Wir sprachen mit ihm über Herausforderungen für die Hamburger Vereine aus sportsoziologischer Sicht

Interview: Mirko Schneider

SZENE HAMBURG: Herr Schulke, welche Vereine hatten es in der Pandemie bislang besonders schwer?

Hans-Jürgen Schulke: Zunächst: Die Vereine gibt es nicht. Dafür sind die Profile von 90.000 Vereinen in Deutschland mit 27 Millionen Mitgliedern zu unterschiedlich. Grundsätzlich hatten Vereine Schwierigkeiten, die in starren Organisationsstrukturen verharren. Vereine, die flexibel agierten und neue Trainingsformen entwickelten oder in Kursen andere Sportarten anboten, die im Freien ausgeübt werden konnten, konnten ihre Mitglieder besser halten. Ebenso wie die etwa 40 Prozent der deutschen Vereine, die digitale Angebote machten nach dem Motto: Ihr könnt gerade nicht zu uns kommen, also kommen wir zu euch.

„Sportvereine sollten sich als Gesundheitsanbieter verstehen“

Zu Beginn der Pandemie erschienen einige Einschränkungen für den Vereinssport überzogen…

Ich habe schon beim Ausbruch der Pandemie einen Essay mit der These „Die Sportvereine müssen die Hotspots der Prävention werden“ geschrieben. Es lag im März 2020 wirklich eine merkwürdige Situation vor. Tausende Studien belegen empirisch, wie stabilisierend Bewegung auf Gesundheit und Immunkompetenz des Körpers wirkt. Als die Weltgesundheitsorganisation die Pandemie ausrief, machte sich das kaum jemand bewusst. Leider auch manche Vereine nicht. Das ist nachvollziehbar. Es lag eine Ausnahmesituation vor, die viele existenzielle Ängste bei der Bevölkerung hervorrief. Aber wir können daraus lernen und die wissenschaftlichen Erkenntnisse in der Zukunft viel stärker beachten.

„Jeder sollte sich sportlich ertüchtigen können.“

Prof. Dr. em. Hans-Jürgen Schulke

Was folgt daraus für die Vereine?

Die Vereine sollten sich als Gesundheitsanbieter für ihre Mitglieder verstehen. Und sie sollten auch gegenüber Dritten wie zum Beispiel politischen Akteuren so auftreten. Vereine leisten einen unermesslich hohen Beitrag für die Gesundheit der Bevölkerung. Auch die Verbände haben diesen Aspekt viel zu spät betont. Ketzerisch gesagt hätte ich die Aussagen von Verbänden, dass das Land sich mehr bewegen muss, gerne schon vor zwei Jahren gehört. Die Funktion des Sports für die Gesundheit ist ja sogar gesetzlich verankert. Beispielsweise existiert seit 2015 ein Präventionsgesetz. Es ermöglicht den Sportvereinen, aus Präventionsgeldern der Krankenkassen Unterstützung zu erhalten. Auch im Jugend- und Seniorenbereich gibt es vielfältige Möglichkeiten der Unterstützung.

„Es war eine Fehlentscheidung, die Spielplätze zu schließen“

Welchen Einfluss hatte hat die Pandemie aus sportsoziologischer Sicht auf die Kinder?

Es ist leider ein psychomotorischer Entwicklungsrückstand von bis zu eineinhalb Jahren entstanden. Auch das ist empirisch nachgewiesen. Die Sportentwicklungsberichte und die Public Health-Forschung sprechen hier eine eindeutige Sprache. Aus meiner Sicht war es eine Fehlentscheidung, die Spielplätze zu schließen und sie teilweise sogar durch Polizisten bewachen zu lassen. Man hätte sagen müssen: Unter bestimmten Rahmenbedingungen sollen Kinder gerade jetzt miteinander spielen dürfen.

„Ein Wir-Gefühl schaffen“

Wie können die Hamburger Vereine in diesen schwierigen Zeiten Mitglieder binden?

Neben den bereits benannten Aspekten der flexiblen Angebote, der Digitalisierung und des Selbstverständnisses als Gesundheitsanbieter ist die „Verheimatung“ wichtig. Die Menschen leben in diesen immer hektischer werdenden Zeiten in immer größeren Einheiten zusammen. Vereine müssen ihren Mitgliedern zeigen: Wir sind ein Stück Heimat für dich. Bei uns findest du deine Nachbarn und viele Leute, mit denen du gerne zusammen bist. Man hat das ja an Fußballvereinen in der Pandemie gesehen, die nicht mehr in den hohen Leistungsklassen spielen. Als die gemeinsame Geselligkeit nach dem Training pandemiebedingt wegfiel, machte ihnen auch das Training keinen Spaß mehr. Es gilt mehr denn je, in den Vereinen ein Wir-Gefühl zu schaffen. Vereine wie der Walddörfer SV, der SV Eidelstedt, die TSG Bergedorf oder der ETV schaffen das hervorragend.

Vereine müssen ein Stück Heimat sein, meint der Sportsoziologe Professor Dr. em. Hans-Jürgen Schulke (Foto: privat)

Einige Vereine denken über Beitragserhöhungen nach, andere schrecken davor zurück. Was sagt die Forschung dazu?

Es lässt sich nachweisen, dass die Ankündigung einer Beitragserhöhung partiell ein Wehgeschrei auslöst. Das sollte man ernst nehmen und es ist sogar historisch erklärbar, denn Sport ist seit Beginn des 19. Jahrhunderts in Deutschland eine urdemokratische Einrichtung. Das Credo von Turnvater Jahn war ja, dass jeder sich sportlich ertüchtigen können solle. Interessant ist aber: Wenn die Beitragserhöhung erst einmal Realität ist, hat sie bei den meisten Vereinen kaum Einfluss auf die Mitgliederzahlen.

Viele Vereine umgehen das Problem, indem sie die Erhöhung der Beiträge an die gestiegenen Lebenshaltungskosten koppeln. Das ist für ihre Mitglieder dann verständlich. Beitragserhöhungen sind also kein Tabu, sollten aber mit einem sozialen und lösungsorientierten Blick der Vereine auf die Mitglieder verbunden werden, die sich eine solche Erhöhung nicht oder nur schwer leisten können. Natürlich müssen die Vereine aber auch auf ihre Kostenstruktur schauen. So sind die finanziellen Folgen der Ukraine-Krise in Form von höheren Energiekosten noch gar nicht abzusehen.

Der Hamburger Sport ist Widerstandsfähig

Befürchten Sie durch die Folgen der Pandemie eine nachhaltige Schädigung der Hamburger Sportlandschaft oder blicken Sie optimistisch in die Zukunft der Hamburger Sportvereine?

Die Sportlandschaft in Hamburg ist eine ganz besondere. Hamburg ist die Stadt mit den meisten Großvereinen in Europa. Die Selbstorganisationskraft hier war schon immer sehr hoch. 1946 wurde der Vorläufer des Hamburger Sportbundes von 180 Vereinen inmitten einer Trümmerlandschaft im Besenbinderhof wieder aus der Taufe gehoben, um den Menschen eine Perspektive zu geben. Vereine sind eine großartige soziale Organisationsform. Die Stadt hat das nach anfänglicher Zögerlichkeit mittlerweile auch erkannt und Maßnahmen ergriffen wie den Active-City-Gutschein. Ich bin optimistisch, dass die Hamburger Sportlandschaft über genügend Widerstandskraft verfügt, um diese krisenhafte Situation zu meistern.


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