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Reeperbahn Festival: Sicher, weil getestet

Das Club-Festival geht in die nächste Runde. Die erste Durchführung während der Pandemie im vergangenen Jahr lässt auf einen weiteren Erfolg hoffen

Text: Erik Brandt-Höge

 

Im September 2020 staunten Fans von Live-Kultur nicht schlecht: Die Pandemie war in vollem Gange, aber das Reeperbahn Festival fand statt. Dank eines ordentlichen Sicherheits- und Hygienekonzepts konnte das weltberühmte Club-Festival möglich gemacht werden.

Reeperbahn Festival-Spielort, das Molotowcocktail; Foto: Robin Schmiedebach

Reeperbahn Festival-Spielort, das Molotowcocktail; Foto: Robin Schmiedebach

Und: Es war ein voller Erfolg. RBF-Geschäftsführer Alexander Schulz: „Wir wollten zeigen und erleben, wie sich ein Festival unter Pandemiebedingungen anfühlt – und zwar für uns als Veranstalter, für das Publikum, die Künstlerinnen und Künstler, als auch die Spielorte selbst, immerhin gab es so eine Situation vorher glücklicherweise noch nie.“ Die Durchführung des RBF 2020 habe gezeigt, dass „der Kulturbetrieb auch in einer Krise nicht nur von großer Wichtigkeit ist, sondern sich dieser immensen Herausforderung mit viel Umsicht und Kreativität gestellt hat“. Es wären „weder unmittelbar, noch in einem längeren Zeitraum nach der Veranstaltung Infektionsketten bekannt“ geworden. Gründe genug, auch in diesem Jahr wieder loszulegen – in Abstimmung mit den zuständigen Behörden und der Gesundheit aller Beteiligten stets im Blick. Das Musik- und Konferenzangebot ist auch in diesem Jahr wieder reich an Highlights.

 

Von Sting bis Jupiter Jones

 

An rund 35 Spielorten – davon drei Open-Air-Bühnen –, werden Bands und Solo-Künstler aus dem Pop und Rock ebenso präsent sein wie aus dem Punk, Soul, HipHop und Jazz. RBF-Besucher dürfen sich auf Shows von etwa Balbina, Die Höchste Eisenbahn und Jupiter Jones freuen. Ebenso auf internationale Acts à la Tom Odell und William Fitzsimmons. Der wohl größte Name spielt gleich zu Eröffnung: Neben Joy Denalane gibt sich Sting am 22. September im Stage Operettenhaus die Ehre – zu sehen via Stream.

Gewöhnungsbedürftig, aber immerhin: Reeperbahn-Festival-Live-Moment 2020; Foto: Tom Heinke

Gewöhnungsbedürftig, aber immerhin: Reeperbahn Festival-Live-Moment 2020; Foto: Tom Heinke

 

Mehr als Live-Musik

 

Auch Konferenztechnisch verspricht zum Beispiel der Beitrag von Speaker Lyor Cohen (Youtube/Google, Global Head of Music) spannend zu werden, der von dem Vorhaben erzählt, sein Unternehmen zum größten Umsatzträger des globalen Musikmarktes zu machen. Und wer sich ein paar Einblicke in die bunte Welt von „TikTok LIVE“ verschaffen möchte, bekommt diese von Dr. Yasmina Banaszcuk (Head of Content Programming & Strategy at TikTok Germany) und Michael Kümmerle (Head of Music Operations at TikTok Germany).

Reeperbahn Festival, 22. – 25.9.; reeperbahnfestival.com


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, September 2021. Das Magazin ist seit dem 28. August 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Erprobter Krisenbewältiger: Der Golden Pudel

Der Club wagt eine vorsichtige Öffnung. Draußen, mit Abstand, limitiert, pandemiekonform. Aber konträr zur sonst fest verankerten liberalen Türpolitik. Über diesen Widerspruch, kulturelle Förderungen und ihren August-Gast Jimi Tenor sprechen drei der Betreibenden

Inteview: Ole Masch

 

SZENE HAMBURG: Charlotte, Viktor und Ralf, der obere Golden Pudel, Barboncino Zwölphi, war erst ein halbes Jahr eröffnet. Dann kam Corona. Wie geht man damit um?

Viktor Marek: Das ist ein bisschen absurd. Früher hatten wir immer auf. Uns das auf die Fahnen geschrieben und auch nie Betriebsferien gemacht. Und plötzlich hat man ständig zu.

Ralf Köster: Wir hatten die Krise eigentlich vor der Pandemie. Mit unserer Vereinsstruktur und dem Kauf des Hauses sind wir recht krisenfest aufgestellt – gewissermaßen erprobte Krisenbewältiger.

Charlotte Knothe: Wir haben schon vieles erreicht. Grundstück und Gebäude sind über drei Stiftungen abgesichert und kein Vermieter sagt, dass wir rausfliegen.

Viktor: Trotzdem gibt es natürlich die monatlichen Kosten. Wir müssen alles weiterhin zahlen, uns kümmern, dass Sachen wieder reinkommen oder Hilfen beantragen.

Wie sahen die Corona-Hilfen für den Pudel aus?

Ralf: Ich war angenehm überrascht, dass es wohl wirklich den politischen Willen gibt, dass die Kultur dieser Stadt überlebt. Es ist zwar sehr anstrengend mit der ganzen Bürokratie, aber natürlich eine große Hilfe. Nicht nur für den Pudel, sondern für alle Kulturschaffenden. Wer ein bisschen hängenlassen wurde, sind Minijobber und Soloselbstständige.

Viktor: Für uns war vor allem das Kurzarbeitergeld wichtig, weil wir so die Angestellten durchbringen konnten.

Technisch Lösung im Jahr 2000, Jimi Tenor; Foto: Katja Ruge

Technisch Lösung im Jahr 2000, Jimi Tenor; Foto: Katja Ruge

Funktionierte die Förderung problemlos?

Viktor: Ganz einfach ist das natürlich nicht. Wir haben gerade etwas für den Kultursommer bekommen, aber manchmal fragt man sich, wer wird gefördert und aus wem besteht die Jury, die das entscheidet.

Ralf: Ich würde mir wünschen, dass alle Kulturinstitutionen ein Budget bekommen, damit sie völlig frei entscheiden können, was sie machen wollen. Das würde es total vereinfachen.

Viktor: Man müsste viel mehr an der Wurzel fördern. Es wäre richtig, wenn jemand eine gute Arbeit macht, dass die Miete sehr gering ist, das Haus vergesellschaftet wird oder der Stadt gehört und sie es günstig zur Verfügung stellt. Also eine Art Grundsicherung für solche Orte.

Ralf: Noch einfacher wäre die Befreiung der Kultur von der Umsatzsteuer. Und da rede ich natürlich nicht über irgendwelche Musicals auf Dampfschiffen. Aber von kleinen Kulturbetrieben, wo es mehr um die Liebhaberei geht.

Glaubt ihr, durch Corona wird sich daran etwas ändern?

Charlotte: Ich hoffe, es hat sich ein bisschen etwas an der Wahrnehmung von Clubs als kulturelle Orte geändert. Am Anfang hat mich sehr genervt, dass es hieß, es ginge nur um Party. Als sei ein Club nur ein Partyraum, wo du dich betrinkst. Es ist was ganz anderes. Hier treffen sich verschiedene Leute, die in diesem einem Sound sind. Bei einem Stück von Richard von der Schulenburg ist Musikgeschichte drin. Das ist nicht Ballermann. Ein Club ist ein offener demokratischer Raum. Die geflüchteten Jungs von der Hafenstraße sind sonst an keinem anderen Ort. Hier sind sie gleichwertig.

Ralf: Der Club ist der Ort, wo zuerst die gesellschaftlichen Fragen diskutiert werden. Zum Beispiel wie sich Sprache verändert oder Diversität. Das passiert genau hier, wo junge Leute sind und neue Dinge ausprobieren. Dies gibt einen Impuls in die Gesellschaft, der nicht zu unterschätzen ist.

Viktor: Auch Kneipen sind solche sozialen Orte. Wo Leute aufeinandertreffen, die sich vielleicht sonst nicht treffen. Es ist spannend, wenn es eine Reibung gibt. Wir wünschen uns auch immer eine Mehrgenerationen-Idee. Das soll im Barboncino noch mal mehr gefördert werden. Als eine Art Bar, wie es die Pubs in Großbritannien oder die Cafés in Italien sind. Aber die ganze Gentrifizierung macht es natürlich schwer, neue Orte aufzumachen.

Konzertankündigung Jimi Tenor im Pudel im Jahr 2000; Foto: Katja Ruge

Konzertankündigung Jimi Tenor im Pudel im Jahr 2000; Foto: Katja Ruge

Mit welchen Folgen?

Ralf: Zum Beispiel, dass sich die Meinungsbildung ins Internet verlegt und bestimmte Algorithmen bestimmen, was sich durchsetzt. Ich diskutiere doch lieber mit jemanden an der Bar, als dass ich mich im Internet beschimpfen lasse. Da hängt etwas schief in der Gesellschaft. Und die sozialen Kontakte, die wir bieten, die fehlen.

Habt ihr diese Reibung schon wieder erlebt?

Charlotte: Na ja … Alle sind zurückhaltend, weil sie die Regeln verinnerlicht haben. Wegen der Sperrstunde ist auch um 23 Uhr Schluss.

Ralf: Vieles wird sich erst zeigen, wenn die Clubs wirklich wieder öffnen. Kommen die Leute alle wieder? Kommen andere und wie werden die sich verhalten? Das sind Fragen, denen wir uns dann stellen müssen.

Wie steht ihr zur Sperrstunde?

Ralf: Ich bin gegen eine Sperrstunde. Aber natürlich dafür, dass soziale Kontakte, besonders drinnen, möglichst vermieden werden, solange nicht alle geimpft sind. Grundsätzlich unterstütze ich die Maßnahmen. Über die Umsetzung kann man sich gerne streiten. Es ist gerade wie ein zäher Neustart.

 

Der Pudel im Kultursommer Hamburg

 

Ein erster Schritt sind Veranstaltungen im Barboncino als Teil des Kultursommers …

Charlotte: … vor dem Barboncino. Auf der Terrasse. Alles findet draußen statt und FKK.

FKK?

Ralf: Funkhörer, Kopf, Kultur. Wir sind froh, dass wir jetzt diese Terrasse haben. Wo Kunst, Kultur, Film und Lesungen laufen – mit Kopfhörern. Dadurch erreichen wir eine Limitierung, weil nur so viele Leute kommen können, wie wir Funkkopfhörer haben. Der Club wird nicht öffnen, solange es Abstand und Maskenpflicht gibt.

Aber das Tanzverbot ist doch aufgehoben …

Ralf: Ja, nur man müsste Quadrate auf den Boden malen und für jedes Quadrat einen Security hinstellen. Hier auf dem kleinen Gelände möchte das doch keiner kontrollieren. Tanzpolizei? Nein, danke!

Viktor: Deswegen machen wir mit den Kopfhörern auch keine Silent Disco. Das sind hauptsächlich Lesungen. So stellen wir uns einen Club auch gar nicht vor. Wir wollen erst wieder öffnen, wenn man sich von Mund zu Mund die Eiswürfel austauschen kann. Die Grundförderung muss eben so lange bestehen bleiben.

Welche Veranstaltungen sind geplant?

Charlotte: Zum Beispiel kommt Jens Rachut. Es gibt eine Lesung mit Rocko Schamoni & Gereon Klug. Oder Veranstaltungen von HfBK-Studierenden.

Viktor: Wir haben erst mal aus dem eigenen Netzwerk geschöpft. Mit mehr Zeit wäre es möglich internationaler zu denken.

 

Pudel statt Elbphilharmonie

 

Aber Jimi Tenor kommt …

Ralf: Ja, der hat glücklicherweise ziemlich schnell zugesagt. Der Pudel, nicht das Barboncino, macht in diesem Jahr noch vier Open-Air-Konzerte. Pudel Garden Live. Auch das sind keine Tanzveranstaltungen, sondern bestuhlt und man wird sich vorher ein Ticket abholen müssen. Es geht nicht anders.

Jimi Tenor im Jahr 2000 im Pudel; Foto: Katja Ruge

Tenor sollte im Januar mit Bigband in der Elphi spielen. Jetzt spielt er unterhalb der Zwöphi. Wie schafft man das?

Ralf: Es gibt diesen Kontakt seit 1995. Das war als er „Take me Baby“ auf Sähkö rausgebracht hat und bei MFOC in der Lounge, in der Gerhardstraße/Ecke Herbertstraße im Keller, ausschließlich Platten aufgelegt hat, wo er das Cover gut fand. Dann hat er 2000 und 2015 noch mal hier im Pudel gespielt. Das ist das Repertoire des Pudels. Wir können immer wieder auf Artists zurückgreifen, die schon mal hier waren. Auch, wenn gerade Pandemie ist und wir jemanden brauchen, der im Garten spielt.

Was ist musikalisch zu erwarten?

Ralf: Er hat gerade ein Album rausgebracht. Aus seiner Space-Travelling-Phase. Das sind eher schlecht gepresste Platten, die neu gemastert wurden. Sehr trashiger Space-Alien-Jazz. Teilweise funky melodiös. Ich mag diese „My first piano plastic trash“-Ästhetik sehr. Da wird aus cheapem Shit großartige Musik gemacht.

Ohne Bigband?

Ralf: Er kommt alleine, aber sein Technik-Rider lässt viel erwarten.

Viktor: So schließt sich der Kreis. 2000 war er das erste Mal hier und hat noch bei mir in der WG am Hein-KöllischPlatz gepennt. Er passt so gut zu uns, weil diese Mischung so gut passt. Dieses Elektronische, dieses Organische, Unberechenbare. Die Mischung zwischen sehr fettem und sehr traurigem Sound.

Ralf: Eigentlich der optimale Posterboy für uns.

Und was kostet der Spaß?

Ralf: Unsere Open-Air-Veranstaltungen waren immer als Geschenk für das Viertel gedacht. Vermutlich müssen wir einen Euro Schutzgebühr nehmen. Aber das ist hier mitten im Park Fiction, eine soziale Skulptur, und soll da reinwirken.

Viktor: Eigentlich widerspricht das völlig unserer grundlegenden Türpolitik, dass jeder reinkommt und man keinen ausschließt. Jetzt müssen wir uns auf einmal überlegen, wie viele Leute wir reinlassen. Einerseits völlig richtig, aber leider irgendwie auch gegen unsere Idee.

Pudel Garden Live XIX mit Jimi Tenor: 13. August 2021, nähere Infos inklusive Ticketverkauf voraussichtlich bei Instagram

Wer ist Jimi Tenor? Das ist er, live in seiner finnischen Heimat (2011):


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, August 2021. Das Magazin ist seit dem 29. Juli 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Statements zum Kultursommer: „Wir sind wieder da!“

Mehr als 100 Hamburger Kulturkonzepte werden vom Senat im Rahmen des Hamburger „Kultursommers“ ge­fördert. Wir haben acht ­Veranstalter gefragt, welchen Stellenwert die Unterstützung für sie beim Kultur-Neustart hat

Protokolle: Erik Brandt-Höge & Marco Arellano Gomes

 

Kim Senger, Waldinsel Records

Das letzte Jahr durchzuhalten, war nicht einfach für die Kulturschaffenden auf und hinter den Bühnen. Umso mehr freue ich mich jetzt über die Förderung im Rahmen des Hamburger „Kultursommers“. Sie ermöglicht es mir, mit insgesamt acht Bands an 16 Orten in Hamburg Laster-Konzerte zu veranstalten – an bekannten, aber auch an unerwarteten Orten. Sobald die Bezirke ihre Genehmigung gegeben haben, werden die Termine auf meiner Website veröffentlicht. Auch außerhalb des „Kultursommers“ gibt es viele Anfragen für Laster-Konzerte. Hoffen wir mal, dass wir die Pandemie bald überstanden haben und Kultur wieder ohne Einschränkungen möglich ist.

waldinsel.com

 

Johannes Kirchberg, Kulturhaus Süderelbe

Das Kulturhaus Süderelbe freut sich riesig, dass der Hamburger „Kultursommer“ uns einen Wiedereinstieg ins Kulturleben ermöglicht. So können wir ein kleines, feines Festival anbieten und nach Monaten der Kulturlosigkeit unserem Publikum wieder begegnen und die Türen öffnen. Ohne die Unterstützung Hamburgs und der Behörde für Kultur und Bildung wäre es uns schlicht nicht möglich gewesen, ein so vielfältiges Programm zusammenzustellen und auch zu betreuen. Dafür von Herzen unser Dank. Wenn jetzt noch jemand einen heißen Draht zum Wetter hat, damit auch alles unter freiem Himmel stattfinden kann, dann wäre das ganz prima.

kulturhaus-suederelbe.de

 

Dörte Inselmann, Stiftung Kultur Palast Hamburg

Der Lockdown war für uns wie für alle Kulturschaffenden eine harte Durststrecke, insbesondere, weil wir überwiegend mit Kindern und Jugendlichen in prekären Lebenssituationen arbeiten. Umso mehr freuen wir uns jetzt, mithilfe von Neustart Kultur und dem Hamburger „Kultursommer“ sowie vielen weiteren Förderern unseren mittlerweile hamburgweit aktiven Kultur Palast wieder mit Leben zu erfüllen und etwas beizusteuern, dass diese Jugendlichen ihre Poten­ziale entfalten und mehr Bildungsgerechtigkeit erfahren können.

Die ganzen Sommerferien hindurch bieten wir unter dem Motto „Schönste Kulturaussichten“ zahlreiche Tanz-, Musik- und Gesangs-Camps für unterschiedliche Altersstufen an sowie ein vielfältiges Sommerprogramm für die Großen. Gleich nach den Ferien wird die Stadt eine Reise erleben, wie sie noch nie da war: Unser Musical „Planet Billstedt – a paradise for a better life“ sucht mit der jungen Generation nach Antworten auf die Frage „Wie wollen wir leben?“ Gestaltet wird das Stück an vier Standorten in Billstedt und Horn. Eine Reise in die Zukunft voller Ideen zu Klima, Diversität, mehr Grün in der Stadt und kultureller Vielfalt.

kph-hamburg.com

 

Claudia Mohr, Schroedingers

Wir freuen uns auf einen bunten Sommer voller kultureller Vielfalt, zauberschöner Momente mit fröhlichen Gesichtern und Lebensfreude auf und vor der Bühne in unserer wunderschönen grünen Oase unterm Fernsehturm. Kultur, im Besonderen Musik, ist ein fundamentaler Baustein für die Gesundheit und das Wohlbefinden unserer Gesellschaft.

Durch die strikten Maßnahmen im Kampf gegen die Pandemie ist dieser Baustein fast vollständig weggebrochen aus dem Alltag der Menschen. Deswegen freuen wir uns umso mehr, durch jedes Konzert, jeden Künstler und jede Künstlerin – ob DJs, Autoren, Bands oder Komiker –, Stück für Stück ein wenig Leben und Lebendigkeit zurückzugeben und unsere Gäste, Künstler und Künstlerinnen wieder zurück ins Leben und mentale Gleichgewicht zu bringen.

Einen besonderen Dank möchten wir der Hamburger Kulturbehörde und unserem Kultursenator Carsten Brosda aussprechen, die uns Kulturspielstätten durch strukturelle Förderung am Leben erhalten haben und auch mit vielen Förderprogrammen den Neustart überhaupt erst wieder möglich machen.

schroedingers.hamburg

 

Peter Rautenberg, Goldbekhaus

Die Kultur und die Kultschaffenden in Hamburg und anderswo schienen vergessen. Nicht so wichtig, eben nicht systemrelevant. Vergessen werden kann diese Demütigung einer ganzen Branche nicht, aber sie kann verziehen werden. Der Hamburger „Kultursommer“ ist ein erfreulicher Anfang und hilft der Kultur in Hamburg, ihr die Bedeutung zu geben, die sie verdient hat. Kultur ist unverzichtbar, gerade auch in Zeiten einer Pandemie. Jetzt kommen wir zurück, danke Kultur­behörde Hamburg!

goldbekhaus.de

 

Michael Frowin, Theaterschiff Hamburg

Der Kultursommer ist eine weitere großartige Initiative der Stadt Hamburg und ein sehr starkes Signal für den Neustart Kultur. Für uns als Theaterschiff bedeutet das, dass wir nicht nur vier Wochen früher in die nächste Saison starten, sondern auch eine Nachbarschaftsinitiative präsentieren können – gemeinsam mit der Katharinen-Kirche bringen wir verschiedene Künstler:innen und Gruppen auf unserer Bühne zusammen. Wir zeigen ein sehr buntes Sommerprogramm und rufen laut und fröhlich: Wir sind wieder da!

theaterschiff.de

 

Jana und Petja Pulkrabek, Move the North Festival

Wir glauben fest an die grenzüberschreitende Kraft von Kultur. Als Festival und Netzwerk möchten wir durch Austausch und Zusammenarbeit die nordischen Regionen zusammenwachsen lassen und neue Impulse setzen. Mit dem Tunnel zwischen Deutschland und Dänemark entsteht eine neue Europäische Zukunftsachse und es ist wichtig, die Menschen über Kultur grenzübergreifend zusammenzuführen. Wenn die Wirtschaft der Motor einer Region ist, dann ist die Kultur ihre Seele.

Der Hamburger „Kultursommer“ ist ein positives Zeichen und ein Bekenntnis an die freie Szene. Wir freuen uns sehr über unsere Kooperation mit Paul Glaser vom English Theatre of Hamburg. Mit „Hamburger Kultur InterNational“ präsentieren Move the North und ETH ein zweiwöchiges Kulturprogramm, das neben einem deutsch-skandinavischen Fokus auch global internationale Brücken nach Hamburg schlägt; in sommerlich entspannter Atmosphäre und kostenfrei. Das ist sehr dänisch!

movethenorth.com

 

Michael Conrad, Alabama Kino (rechts im Bild)

Der Impuls von der Kulturbehörde, mit dem Hamburger „Kultursommer“ auf die Krise der Kulturbranche zu antworten, finden wir richtig, denn es gibt einen riesigen Bedarf für eine solche Anschubhilfe. Wir werden mit dem Writers’ Room Lesungen im Rahmen des Programms „Tears for Ears“ anbieten, das sich mit dem Kino beschäftigt. Dann gibt’s noch eine Lesung aus einem Buch von Kinky Friedman, den Schriftsteller und Musiker aus der alternativen texanischen Country-Szene. Ein weiteres Highlight ist der Film „Domenica“ von Peter Kern über die berühmteste Prostituierte der Stadt, die sich um die Rechte der Prostituierten verdient gemacht hat. Zudem planen wir ein großes Kinderprogramm an den Wochenenden. Das wird richtig schön.

alabama-kino.de

 

Matthias Elwardt, Zeise Open Air

Wir freuen uns, mit dem Zeise Open Air beim „Hamburger Kultursommer“ vertreten zu sein. Es ist großartig, dass die Stadt mit dieser Aktion die Kultur unterstützt, zusammenbringt und fördert. Wir bieten direkt vor unserem Filmprogramm in Kooperation mit der Buchhandlung Christiansen Lesungen sowie ein Kinderprogramm an. Die Lesungen starten um 18 Uhr, das Kinderprogramm um 15 Uhr – unter freiem Himmel im Innenhof des Altonaer Rathaus. Unter anderem sind der Tagesschau-Sprecher Constantin Schreiber („Die Kanditatin“) und Kübra Gümüsay („Sprache und Sein“) mit dabei.

Bei Erfolg – und wenn das Altonaer Rathaus mitspielt – kann man das in Zukunft sicher weitermachen. Das Open-Air Programm bringt frischen Wind in die Literaturszene – und am Abend folgt dann großes Kino.

zeise.de

 

Manja Malz, Metropolis

Wir freuen uns sehr, auch in diesem Jahr den wunderschönen, denkmalgeschützten Innenhof des Museum für Hamburgische Geschichte im Rahmen des Sommernachtskinos bespielen zu können. Nach dem großen Publikumszuspruch im letzten Jahr und dem vielfachen Wunsch der Fortsetzung kuratieren wir erneut gemeinsam mit dem 3001 und dem B-Movie zehn Filmabende für das atmosphärisch sehr besondere Ambiente in der Museumskulisse.

Der Fokus liegt diesmal auf Stummfilmproduktionen der deutschen und internationalen Filmgeschichte, die zum großen Teil von Hamburger Musikern und Musikerinnen live vertont werden. Unsere Stummfilmkonzerte passen somit hervorragend zur Idee des Hamburger „Kultursommer“, Künstlern und Künstlerinnen aus Hamburg (wieder) eine große Bühne zu bieten.

Wir hoffen sehr, dass wir mit den Stummfilmnächten zeigen können, dass diese Kunst- und Erzählform auch 90 bis 100 Jahre später noch überraschend modern sein und begeistern kann. Und natürlich freuen wir uns insbesondere auf das Filmschauen in Gemeinschaft – was sicherlich eine Renaissance und eine ganz neue Konzentration erfahren wird.

metropoliskino.de


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juli 2021. Das Magazin ist seit dem 26. Juni 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Good Peppa: Clubretter werden mit Soli-Likör

Das Clubkombinat Hamburg will mit dem Getränk Good Peppa die Clubszene stärken

Text: Felix Willeke

 

Die Corona-Pandemie trifft die Hamburger Clubszene schwer. Seit März 2020 sind die Musikclubs nahezu durchgehend geschlossen. Doch es könnte bald wieder losgehen. Damit der Neustart gelingt, hat das Clubkombinat Hamburg das Motto „Werde Clubretter:in mit Good Peppa!“ ausgerufen. Mit ihrem neuen Pfefferminzlikör wollen sie die Clubs beim Neustart unterstützen.

Doch bevor angestoßen werden kann, braucht es das nötige Startkapital. Dafür gibt es seit dem 3. Juni 2021 eine Crowdfunding-Kampagne: Unter startnext.com/good-peppa sollen bis zum 5. August 30.000 Euro gesammelt werden, um die ersten 5.700 1-Liter-Flaschen zu füllen. Der Likör gelangt damit zunächst in die Hausbars, Wohnzimmer und mit den Wiedereröffnungen auch an die Club-Tresen.

Das Clubkombinat ist der Interessenverband der Hamburger Clubbetreiber, Veranstalter, Booker und Agenturen. Good Peppa soll der Startschuss für ein neues Social Business sein. Mit der clubeigenen Getränkemarke „Club Goods“ will das Kombinat die Clubszene in Hamburg langfristig stärken. Daher geht auch der komplette Erlös aus dem Verkauf von Good Peppa direkt an das Clubkombinat.


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Hamburger Soli-Merch: Anziehungs-Kraft

Die Hamburger Kultur- und Gastroszene ist gebeutelt: Viele Läden und Clubs haben Jutetaschen, Soli-Shirts oder anderen Merch produziert, mit deren Kauf sie in Corona-Zeiten unterstützt werden können

Konzept: Isabel Rauhut
Fotos: Johanna Zobel

 

hamburg-soli-merch2-c-johanna-zobel

Cap: STANDARD, 25 Euro, standard.hamburg
Schal: Playground Coffee, 35 Euro, playground-coffee.de
Pullover: Uebel & Gefährlich, 45 Euro, uebelundgefaehrlich.com
Jutebeutel: Kandie Shop, 15 Euro, startnext.com/support-your-local-kandieshop

 

hamburg-soli-merch3-c-johanna-zobel

T-Shirt schwarz: Knust, 25 Euro, knust-wizard.gmbh
Socken rot: Dulf’s Burger, 7 Euro, dulfsburger.de/shop
Wollmütze: Freundlich+ Kompetent, 25 Euro, freundlichundkompetent.de
T-Shirt weiß: XO Seafoodbar, 30 Euro, thisisxo.de
Socken weiß: Molotow, 16 Euro, shop.molotowclub.com

 

hamburg-soli-merch4-c-johanna-zobel

Hoodie: Gruenspan, 54,95 Euro, shop-merchroadie.de/collections/gruenspan
Pullover: Playground Coffee, 45 Euro, playground-coffee.de
Jutebeutel: Kandie Shop, 15 Euro, startnext.com/support-your-local-kandieshop

 

hamburg-soli-merch5-c-johanna-zobel

Wollmütze: Freundlich+Kompetent, 25 Euro, freundlich-und-kompetent.de
T-Shirt: Komet, 15 Euro, komet-st-pauli.de
Cap: STANDARD, 25 Euro, standard.hamburg
Schal: Playground Coffee, 35 Euro, playground-coffee.de

 

hamburg-soli-merch6-c-johanna-zobel

Cap: STANDARD, 25 Euro, standard.hamburg
Pullover schwarz: Uebel & Gefährlich, 45 Euro, uebelundgefaehrlich.com
Socken gelb: Dulf’s Burger, 7 Euro, dulfsburger.de/shop
Pullover grau: Kandie Shop, 55 Euro, startnext.com/support-your-local-kandieshop
Jutebeutel: Abaton Kino, 3 Euro, abaton.de

 

hamburg-soli-merch7-c-johanna-zobel

Hoodie: Black Delight, 35,90 Euro, blackdelight.de
Socken weiß: Molotow, 16 Euro, shop.molotowclub.com
Socken rot: Dulf’s Burger, 7 Euro, dulfsburger.de

 

hamburg-soli-merch-c-johanna-zobel

T-Shirt: Knust, 25 Euro, knust. wizard.gmbh

 


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, April 2021. Das Magazin ist seit dem 27. MÄRZ 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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„Tour d’Amour“: Kulturbranche sammelt Sachspenden für Moria

Mit der „Tour d’Amour“ kommen Sachspenden in Nightlinern zu Notleidenden nach Moria und Lipa

Text: Anna Meinke

 

Die Kulturbranche steht still – und mit ihr all die Nightliner, Vans und Busse, die auf ihren nächsten Einsatz warten. Doch nun kommt Bewegung ins Spiel: Die Tour d’Amour soll ungenutzte Transportmittel wiederbeleben, um Sachspenden in die Flüchtlingslager nach Moria und Lipa zu bringen.

So wollen die Köpfe hinter Tour d’Amour – mit tatkräftiger Unterstützung durch mehr als 100 Künstlerinnen und Künstler wie Deichkind, Frittenbude, Thees Uhlmann, Tocotronic und Hundreds sowie in Kooperation mit Initiativen wie LeaveNoOneBehind und dem Hamburger Hilfskonvoi – ein Zeichen für mehr Solidarität setzen und auf die menschenunwürdigen Verhältnisse in den Lagern auf europäischem Boden aufmerksam machen.

 

Hafenklang macht mit

 

Am 27. März öffnen von 12 bis 18 Uhr deutschlandweit sechs Clubs ihre Türen, um die Sachspenden entgegenzunehmen. In Hamburg mit dabei: das Hafenklang. Anschließend werden die Spenden von den Bussen abgeholt, an Organisationen des Bündnisses GrenzenloseHilfe.de übergeben und vom #LeaveNoOneBehind-Netzwerk in die Lager gebracht. Wer Bock hat, die Tour d’Amour zu supporten, kann dies nicht nur mit einer Spende tun. Auch helfende Hände werden dringend gebraucht, um die Busse zu beladen.

tourdamour.eu


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Open Air: In Hamburg City herrscht Tanzverbot

Veranstaltungen unter freiem Himmel sind unter strengen Auflagen erlaubt. Doch was bedeuten diese Einschränkungen für die Technoszene und wie ergeht es freien Veranstaltern ohne festen Club? SZENE HAMBURG sprach mit Jörn Behrens, der seit 2011 mit Tekkno ist Grün elektronische Freiluft-Partys verantwortet

Interview: Ole Masch

 

SZENE HAMBURG: Jörn, vom kleinen Rave zum großen Techno-Festival. Im nächsten Jahr feiert ihr Zehnjähriges. Wie hat sich Tekkno ist Grün seit der Gründung entwickelt?

Jörn Behrens: Unser erstes Open Air war Tanzen & Pflanzen gegenüber der alten Schule Neuhof in Wilhelmsburg. Heute ist der Bolzplatz dort leider abgesperrt, weil danach zu viele unangemeldete Partys stattgefunden haben. Ab 2012 gab es das Hafengrün Festival auf dem ehemaligen Werftgelände am Neuhöfer Damm 98. Seitdem haben wir mit der Oster Air, dem Liebe Bass Freiheit Festival oder Tekkno am Teich weitere Veranstaltungen auf die Beine gestellt. Und es gab es zahlreiche Gastproduktionen wie die Stil vor Talent, Katermukke oder Senso Sound Festivals.

Welche Highlights fallen dir spontan ein?

Die Oster Air 2016 und 2019 waren die besucherstärksten mit vielen Tausenden Menschen. Für mich persönlich war das Liebe Bass Freiheit Festival 2018 unsere schönste und aufwendigste Produktion, an denen über 200 Menschen mitgewirkt haben.

Unser Konzept war es immer, eine gesunde Mischung aus angesagten und etablierten Künstlern zu präsentieren, aber auch recht frische Locals, und ein paar interessante, auch internationale, Gast-Acts einzuladen. Durch die Gastproduktionen haben in den letzten Jahren sehr hochkarätige Künstler auf unserer leider nun ehemaligen Location performt.

Wieso ehemalig?

Die Hamburg Port Authority (HPA) hat sehr plötzlich und unerwartet im letzten Winter das Gelände gekauft. Dahinter stecken kurz-, mittel-, und langfristige Planungen. Die kurzfristige Absage kam unerwartet und hat uns überrumpelt. Wir sind von längerfristigen Planungen ausgegangen, welche mit dem Abriss der Köhlbrandbrücke und der Neuentwicklung des gesamten Quartiers zusammenhängen.

Nun ist aber ein konkreter Flächenbedarf für ein bestimmtes Hafenunternehmen entstanden. Alles etwas kompliziert, und die Tatsache, dass wir uns im Hafengebiet befinden, macht es rechtlich unmöglich, Einspruch einzulegen.

 

Dann kam Corona

 

Dass es an dieser Stelle irgendwann nicht weitergeht, war aber keine Überraschung, oder?

Wir wussten, dass es ein Ende auf der Location geben wird, aber nicht so plötzlich. Wir waren immerhin acht Jahre vor Ort, hatten mit drei bis fünf weiteren Jahren gerechnet. Ironischerweise ist uns ein sehr netter Mensch aus der Bauprüfabteilung der HPA in all den Jahren viel entgegengekommen. Und nun ist es auch die HPA, eine andere Abteilung, die es beendet, ohne Chance auf weitere Verhandlungen.

Und dann kam die Pandemie … Welche eurer Veranstaltungen sind durch Corona ausgefallen?

Im Grunde ist uns die Möglichkeit genommen worden, unser Finale auf dem Neuhöfer Damm zu zelebrieren. Das ist wirklich schade. Wir haben den ganzen Winter lang mit der Kulturbehörde und der HPA verhandelt und hatten einen letzten Deal für eine Nutzung der Fläche bis zum 30. Juni. Insgesamt ist die Oster Air 2020 ausgefallen, das neun Jahre alte Tekkno ist Grün Festival und drei Gastproduktionen.

Konntet ihr eure laufenden Kosten überbrücken?

Zum größten Teil sind dies Gelände- und Lagerkosten. Feste Mitarbeiter gab es in Form von 450-Euro-Jobs über den Sommer. Wir arbeiten viel mit Freiberuflern und privaten Freunden. Daher trifft es uns nicht ganz so hart, da keine weiteren Verpflichtungen bestehen. Die Mietkosten und ein paar weitere Kosten für die Saisonvorbereitung konnten durch die Soforthilfe gedeckt werden. Wie es finanziell weitergeht ist noch nicht ganz klar, aber wir nutzen die Zeit, um uns auf die Zukunft vorzubereiten.

Habt ihr weitere Hilfen in Anspruch genommen? In der Clubszene gab es ja zahlreiche Spendenaktionen.

Nein, daran hatten wir kein Interesse. Wir schätzen das Engagement dahinter, auch die Streaming-Aktionen, richten unseren Fokus aber lieber darauf, wie es draußen weitergehen kann. Das würden wir uns im Clubkontext auch mehr wünschen: Vorhandene Kapazitäten mehr in diese Richtung bündeln.

Für Tekkno am Teich in Harburg hattet ihr ein umfangreiches Corona-Konzept ausgearbeitet. Wie sähen Technopartys im Sommer 2020 aus?

Getrennte Platzbereiche für jeweils mehrere Menschen, ähnlich eines Bestuhlungsplans mit Mindestabstand und allen geforderten Hygieneanforderungen. Inklusive Besucherführung im Einbahnwegesystem, ausreichend Wartezonen, Kontaktdatenaufnahme, viel Sicherheitspersonal, durchgehende Desinfektion von sanitären Einrichtungen und Bereitstellung von Desinfektionsspendern.

Für die Tanzfläche haben wir uns an einem Konzept aus Münster orientiert, was dort vor ein paar Wochen stattfinden konnte. Es basiert auf kreisförmigen Bodenmarkierungen für jeweils eine Person als Tanzbereich und ebenfalls mit Mindestabstand. So hätten abwechselnd über 70 Personen tanzen können. Die gesamte Flächenkapazität war für maximal 550 Gäste ausgelegt, entsprechend der maximalen Kapazität der Platzbereiche.

 

„Wir müssen uns alle gemeinsam trauen wieder etwas zu wagen“

 

Warum habt ihr euch am Ende dagegen entschieden?

Wegen des allgemeinen Tanzverbots, welches auch nach den Lockerungen am 1. Juli seine Gültigkeit hat. An sich hätte die Veranstaltung stattfinden können. Man darf auf seiner Decke sitzen oder mit mehreren Personen stehen – aber nicht tanzen. Nicht unbedingt logisch, aber es ist nun mal im Moment noch so.

Wir hatten dann eine Umfrage auf Facebook gemacht. Das Ergebnis war sehr konstruktiv und zahlreich, aber klar mit der Tendenz, dass es keinem Menschen wirklich Spaß machen würde. Dann lieber abwarten und auf den September hoffen. Wir haben noch eine Terminreservierung für den 12. September auf der Freilichtbühne im Harburger Stadtpark.

Was müsste passieren, damit eine nächste Veranstaltung stattfindet?

Ganz klar: Aufhebung des Tanzverbotes mit der neuen Corona-Verordnung ab September. Die aktuelle Formulierung ist einfach zu allgemein ausgeführt. Man hätte in jeden Bereich genauer reingehen und differenzierte Lösungen finden müssen.

Was wünscht ihr euch von den Behörden?

Mehr Flexibilität und die Bereitschaft, ebenfalls Verantwortung zu übernehmen. Wir müssen uns alle gemeinsam trauen wieder etwas zu wagen. Wir bedauern sehr, dass unsere Veranstaltung im Juli nicht stattfinden konnte. Alle anderen Punkte des Konzepts wurden ohne Beanstandung durch das Gesundheitsamt freigegeben.

Gescheitert sind wir an der für Deutschland leider so üblichen verhärteten Bürokratie, da Tanzen gerade grundsätzlich verboten ist. Auch dann, wenn man sich die Mühen gemacht hat, ein absolut sicheres Konzept auszuarbeiten. Das ist ein sehr starres und hinderliches Verhalten für den gesamten Entwicklungsprozess.

Gibt es trotzdem weitere Pläne für den Sommer?

Das ist ein spannendes Thema. Bisher sind die Aussichten, einen gleichwertigen Platz innerhalb Hamburgs zu finden, mehr als schlecht. Es gibt einfach keine freien Flächen. Das hat der Senat leider verschlafen und die Situation immer noch nicht erkannt. Letzte verbleibende Freiflächen werden der Kultur ersatzlos entzogen. Gerade in jetziger Hinsicht absolut unverständlich, da Open-Air-Flächen wegen Corona nun einen besonderen Stellenwert bekommen, um erste kulturelle Öffnungskonzepte zu ermöglichen.

Wir möchten unsere Projektaktivitäten innerhalb Hamburgs gerne weiterhin halten und versuchen, die Oster Airs in den nächsten Jahren auf einer anderen Location fortzuführen, sowie auch weiterhin die Tekkno am Teich in Harburg. Aber das alles hat uns dazu gebracht, den Blick etwas weiter zu werfen. Tatsächlich haben wir nun etwas gefunden. Etwas abseits von Hamburg, Richtung Osten. Der Plan ist es, auf dem Grundstück langfristig zu wohnen, zu arbeiten und auch Veranstaltungen und Projekte durchzuführen. Wir haben noch kein finales Go, aber bereits ein gutes Stück geschafft und sind optimistisch.

 

 

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 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, August 2020. Das Magazin ist seit dem 30. Juli 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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Meet The Resident – Best Boy Electric

Jeden Monat stellt SZENE HAMBURG Resident-DJs vor, diesmal: Best Boy Electric, 25 (POSSY & Headshell) – präsentiert von Hamburg Elektronisch.

Interview: Louis Kreye & Ole Masch
Foto: Sophie Allerding

 

SZENE HAMBURG: Dein Sound?

Best Boy Electric: Electro!

Wie lautet die schrecklichste Gastfrage, die du mal bekommen hast?

„Spielst du auch Sean Paul?“

Welcher war dein größter Moment als DJ?

Im Pudel gefragt zu werden, ob ich heute schon gespielt habe (so wie ich früher Cindy Looper und Ratkat gefragt habe). Und natürlich beim Krake Festival in der Griessmuehle vor Dopplereffekt zu spielen!

Platte des Monats?

To Eeyore von Nika Son

Auf wen sollte man momentan ein Auge haben?

Ganz klar DJ AOL von Headshell! Der kann alles von Ambient bis Trance.

Hamburgs Stärken?

Eine irgendwie familiäre Szene mit vielen Crews, die sich auch gegenseitig unterstützen.

Und die Schwächen?

Trotz der vielen Crews gibt es zu wenig Diversität und zu wenige bespielbare Räume.

 

Hört hier ein aktuelles Set von Best Boy Electric


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Mai 2020. Das Magazin ist seit dem 28. März 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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Meet The Resident – Hendrik Bahr

Jeden Monat stellt SZENE HAMBURG Resident-DJs vor, diesmal: Hendrik Bahr (KDK / Schmetterball) – präsentiert von Hamburg Elektronisch.

Interview: Louis Kreye / OMA
Foto: Hamburg Elektronisch 

 

SZENE HAMBURG: Dein Sound?

Hendrik Bahr: Elektronisch. Technoid.

Welches war dein größter Moment als DJ?

Mein Gig im letzten Jahr in Rumänien, den ich mit meinen Jungs von KDK erleben durfte. Eine Tour mit einem Boot auf der Donau. Eine dicke Void Acoustics. Und bei bestem Wetter, 400 feiernde und tanzende Gäste. Wahnsinn!

Wo gehst du hin, um Spaß zu haben?

Zum Feiern meistens ins PAL. Im Südpol hatte ich aber auch schon nette Abende.

Welchen Act würdest du gerne mal (wieder) in Hamburg sehen?

Job Jobse und Roman Flügel

Platte des Monats?

Garden Party von Roman Flügel

Hamburgs Stärken?

Man hört ja oft, dass die Menschen im Norden eine besonders harte Schale haben. Allerdings habe ich das in Clubs oder Bars noch nicht oft erlebt. Im Gegenteil: Ich bin der Meinung, dass man häufig sehr herzlich und lieb empfangen wird.

Und die Schwächen?

Hamburg hat meiner Meinung nach einige Gebiete in denen das Genre und auch die Veranstaltungen in gewisser Hinsicht festgefahren sind.

 

Hört hier ein aktuelles Set von Hendrik Bahr

 


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, April 2020. Das Magazin ist seit dem 28. März 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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Meet the Resident – Sunny

Jeden Monat stellt SZENE HAMBURG Residents vor, diesmal: Sunny (29, SUN/PAL) – präsentiert von hamburg elektronisch

Interview:  Louis Kreye & Jean Djaman
Foto: hamburg elektronisch

 

SZENE HAMBURG: Dein Sound?

Einfach : Filthy Technoid House Music. Ausführlich : Dreckige Grooves. Alter? Herkunft? Genre? Egal! Ein gesunder Mix aus Grooves, 808-Bass-Drums, Hypnose, High Energy, ein paar Vocal-Samples, Seele aus Detroit und das beste zum Schluss – THE HI-HAT! Und natürlich viele Überraschungen.

Größter Moment als DJ?

Eigentlich ist jeder Gig für mich ein Moment, den ich nicht so schnell vergesse. Ich liebe es an untypischen Orten zu spielen und die Leute zu beobachten, wie der Groove so langsam aber sicher einschlägt und selbst die schüchternsten Personen heimlich mit dem Fuß swoofen.

Natürlich auch die Residency im PAL, die Möglichkeit mit so vielen tollen Künstlern aus der Welt und unseren Residents die Decks zu teilen. Und meine eigene Partyreihe SUNS. Mittlerweile neben Lehult (Grüße), die beste Houseparty der Stadt, jeden 2. Monat im PAL – der Fokus liegt auf dem Sound und dem Vibe und nicht auf der Social Media Reichweite eines Künstlers.

Wo gehst du in Hamburg hin um Spaß zu haben?

PAL: Der Club für mich seit Tag eins – ein Ort für Dancer und Musikliebhaber. Weltklasse Bookings und noch bessere Residents. Dunkel und hell, intim und erotisch.

Golden Pudel: Pudel ist Pudel! Der kleine aber feine Ort. Manchmal sehr wild, manchmal auch sehr schön.

Uebel & Gefährlich: Fast wie Familie,  Konzerte sind der Hammer, genauso wie die Crew, die dahinter steckt.

Pane e Tulipani: Restaurant? Bar? Oder doch Tanzen? Der beste Italiener der Stadt. Die Stimmung ist legendär, genauso wie die Trüffelpasta!

MINUS Bar: Sehr schöne und stylische Bar mit noch schöneren Drinks. Vorglühen anyone?

Sportstudio Popeye: Trainieren zu aktuellen DJ Sets aus der ganzen Welt!

 

„Hamburg schafft den Spagat zwischen Nightlife und Worklife“

Sunny

 

Welchen DJ würdest du gerne mal (wieder) in Hamburg sehen?

Moodyman, Omar S, DJ Sotofett, Jamie Trench und Chris Stussy.

Hamburgs Stärken?

Die Menschen hier sind herzlich und offen, die Szene wächst und es gibt sehr viele leckere Restaurants. Die Stadt schafft den Spagat zwischen Nightlife und Worklife besser als Berlin.

Und die Schwächen?

Clubkultur unfreundliche Politik, schlechte ÖPNV Anbindung und Events unter der Woche. Leider gibt es auch dieses seltsame Phänomen von diesem undefinierbaren Sound, ich kann ihn nicht in Worte fassen.  Langsam mit unnötig harten Basslines und dann irgendwie auch sehr laaaaang gezogen mit bööööööööm düm düm bööööööööööm – genauso hört es sich auch an. Bitte aufhören damit!

Dein Lieblingsort?

PAL, Phase Alternating Lines!

Platte des Monats?

Kat Williams mit „That Track By Kat “, A1 ist eine harte, hypnotische Acid-Bombe. Sexy Vocals? YES!

Auf wen sollte man in Hamburg momentan ein Auge haben?

Die PAL-Residents, die momentane Zusammensetzung macht mich glücklich.

Welcher Gig in Hamburg ist bisher dein Favorit?

SUNS Warmups, ich liebe es den Abend in eine bestimmte Richtung zu lenken.

Schrecklichste Gast-Fragen?

Do you have something from Guy Gerber? Kannst du den Bass +2 machen? Darf ich deine Playlist sehen?

Wo kann man dich als nächstes hören?

SUNS einjähriges Jubiläum am 18. März. Macht euch auf einen besonderen Abend gefasst!

 

Ein aktuelles Set von Sunny hört ihr hier:


Szene-Cover-März-2020 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, März 2020. Das Magazin ist seit dem 27. Februar 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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