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Reeperbahn Festival: Große Sause auf St. Pauli

Nach zwei Pandemie-Editionen brachte das 17. Reeperbahn Festival wieder die volle Ladung Musik auf den Kiez

Text: Janine Pylypchuk 

 

Das größte Club-Festival Europas ist zurück, wie man es kennt: laut, bunt und bestens besucht. Rund 41.000 Besucher:innen lockte das Reeperbahn Festival vom 21. bis 24. September 2022 auf den Kiez. Über 400 Konzerte von Künstler:innen aus mehr als 40 Ländern, zudem 80 Veranstaltungen u.a. aus Kunst und Film: Der Kiez wurde zum Rummelplatz für Live-Kultur-Fans. Ein Highlight: Das Überraschungskonzert von Kraftklub am Mittwoch auf der abgesperrten Reeperbahn vor circa 10.000 Menschen. Auch das Fachpublikum kam auf seine Kosten, etwa 4.300 Kulturschaffende konnten sich über ein ausgedehntes Konferenzprogramm aus Networking-Events, Showcases und Preisverleihungen freuen.

ANCHOR-Award geht an Cassia

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Das Trio Cassia aus Manchester gewann den ANCHOR Award 2022 (Foto: Ilona Henne)

Apropos Preisverleihungen: Den begehrten ANCHOR – Reeperbahn Festival International Music Award erhielt das britische Trio Cassia. Eine Jury, bestehend aus Joy Denalane, Bill Kaulitz, Pabllo Vittar, Pelle Almqvist, Tayla Parx und Tony Visconti, zeichnete die Band aus Manchester am 24. September auf der ANCHOR-Gala aus.

 

Nachdem das erste Festival unter nicht-pandemie Bedingungen erfolgreich zu Ende gegangen ist, freut sich der Kiez schon auf das nächste Reeperbahn Festival, vom 20. bis 23. September 2023. Tickets für die Early Birds gibt es schon jetzt.

Hier der Auftritt der ANCHOR-Gewinner von Cassia:


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Niklas: „Damit entsteht so ein nostalgischer 90s-Vibe“ 

Tagein, tagaus wirbeln knapp zwei Millionen Menschen durch Hamburg. Für SZENEzeigen fischen wir sie für einen Moment aus ihrem Alltag und lauschen ihren Geschichten. Diese Woche sind wir Niklas begegnet

Protokoll: Katharina Stertzenbach

„Ich bin 30 und arbeite seit mittlerweile sieben Jahren in der „Parzelle“ hier auf St. Pauli. In diesem ausgelassenen Nachtleben auf dem Kiez fühle ich mich wohl. Am besten wäre es, ich könnte hauptberuflich als Barleitung arbeiten, aber das geht nicht. Dafür ist die Arbeit auf dem Kiez einfach zu schlecht bezahlt. Unter der Woche arbeite ich deswegen als Sales Manager bei einem IT-Betrieb. Das ist ein guter Job und von dem Geld kann ich mir mein Leben gut finanzieren. Die Arbeit erfüllt mich nicht, ich bin auch kein Computerfreak, aber kann gut schnacken und das hilft. 

Der Sozialpädagoge hinterm Tresen

Auch bei der Arbeit hinterm Tresen muss man viel schnacken. Doch für den Job in der Parzelle brenne ich tausendmal mehr. Vor allem wegen der Leute. Manchmal siehst du dich in der Kneipe auch selbst als Sozialpädagoge. Wenn die Leute anfangen, dir ihre Probleme und Geschichten zu erzählen oder wenn du Konflikte lösen musst – egal ob verbal oder körperlich. Du wirst immer wieder mit neuen Situationen konfrontiert. Auch deswegen mache ich den Job im Nachtleben so gerne.

Echter 90s-Vibe

Mittlerweile hat sich sogar noch mehr entwickelt. Mit einem unserer DJs habe ich das DJ-Duo Two Solala ins Leben gerufen. Im Moment legen wir hauptsächlich in der Parzelle auf. Wir möchten uns mit der Musik – einem Mix aus Oldschool- und 90er-HipHop – von den Mainstream-Playlisten anderer Läden abheben. Deswegen legen wir auch selbst gebrannte CDs auf und machen die Übergänge zwischen den Tracks selbst. Damit entsteht so ein nostalgischer 90s-Vibe. Und man bleibt immer kreativ. Bei uns gibt es keine computergesteuerte Warteschlange, sondern nur den eigenen Kopf. Wir gucken genau, welche Leute im Laden sind, und reagieren spontan, worauf die Bock haben. Vor Kurzem kam ein Gast aus Berlin in die Parzelle und meinte zu mir: ‚Ey, Alter das hab’ ich seit zehn Jahren nicht mehr gehört.‘ Das ist das schönste Kompliment, das ich als DJ je bekommen habe.“


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St. Pauli

Über kaum einen Hamburger Stadtteil gibt es so viele Geschichten und kaum einer wird so oft besucht wie St. Pauli. Kein Wunder, schließlich gibt es zwischen Elbe und Messe auch viel zu entdecken

Text: Felix Willeke

Etwas mehr als 20.000 Einwohner:innen und rund 2 Quadratkilometer groß. Das sind die nackten Zahlen. Doch St. Pauli ist mehr als Zahlen: Hier gibt es Kultur, Party, Fußball, maritimes und es ist überraschend grün. Kurzum, St. Pauli ist die Vielfalt Hamburgs in einem Stadtteil. Wir begeben uns auf eine Reise durch die ehemalige Hamburger Vorstadt, die ihrer Lage zwischen Dänemark und Hamburg ihre Einzigartigkeit verdankt. Dabei gucken wir über die Landungsbrücken hinweg auf den Kiez und hoch bis zum Hamburger Fernsehturm.

Landungsbrücken

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Von der Dachterrasse des Blockbräu hat man den vielleicht schönsten Blick auf die Landungsbrücken (Foto: Blockbräu )

„An den Landungsbrücken raus, dieses Bild verdient Applaus“, so eine Liedzeile der Hamburger Band Kettcar. Nicht nur gehört „Landungsbrücken raus“ seit 2002 zu einem der beliebtesten Lieder der Band, es trifft auch den Nagel auf den Kopf. „Na dann herzlich Willkommen Zuhaus“, heißt es weiter und für viele sind die Landungsbrücken das Symbol Hamburgs und der eigenen Heimat. Seit 1839 legen hier Schiffe an. Waren es früher die großen Überseelinien, sind es heute Hafenfähren und Hafenrundfahrtschiffe. Darüber hinaus bringt der Holunder Jet seine Gäste noch heute von den Landungsbrücken aus auf Deutschlands einzige Hochseeinsel, nach Helgoland

Wer im Sommer an den Landungsbrücken entlang schlendert sieht Einheimische, Touristen, Kreuzfahrtschiffe und viel Hamburger Geschichte. 

Alter Elbtunnel

Eines der berühmtesten historischen Bauwerke am und unterm Hamburger Hafen ist der Alte Elbtunnel. Von 1907 bis 1911 baute Otto Stockhausen die erste Unterquerung der Elbe. Damals sollte der Elbtunnel die Werften im Hamburger Hafen besser anbinden und besonders im Winter, wenn die Fähren wegen Eis auf der Elbe nicht fahren konnten, den Weg zu Arbeit erleichtern. Heute ist der fast 500 Meter lange und 24 Meter unter der Wasseroberfläche gelegene Tunnel denkmalgeschützt und im Sommer angenehm kühl. Aktuell fahren wegen Renovierungsarbeiten keine Autos durch den Tunnel, für Radfahrer:innen und Fußgänger:innen ist er jedoch täglich (außer zu Silvester) und rund um die Uhr geöffnet.

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Schon längst ein Denkmal: der Alte Elbtunnel (Foto: Mediaserver Hamburg/ThisIsJuliaPhotography)

Auf dem Weg zum Kiez

Von den Landungsbrücken geht es 70 Stufen über die Willy-Bartels-Treppe nach oben und direkt unter dem ikonischen Hotel Hafen Hamburg hat man einen der besten Blicke auf den Hafen, die Docks bei Blohm&Voss und die Musicaltheater auf der anderen Elbseite. Geht man weiter, vorbei am Tropeninstitut, sind es nur wenige Meter und schon steht man auf der berühmten Davidstraße, dem Eingang zum Kiez und dem Herz von St. Pauli. 

Kiez

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Das Molotowcocktail ist einer der bekanntesten Musikklubs auf St. Pauli (Foto: Alexander Schliephake)

Der Kiez ist das Partyzentrum der Stadt. Rund um die Reeperbahn gibt es rund 500 Kneipen – darunter die Ritze und das La Paloma –, Bars und Clubs, rund zehn kleine und große Konzertsäle, sechs Theater und etliche Bordelle. Ein Schmelztiegel von Kultur, Party und vielen Events. Neben dem Schlagermove gibt es jährlich den St. Pauli Weihnachtsmarkt „Santa Pauli“ und das Reeperbahnfestival. Darüber hinaus hält sich seit dem 19. Jahrhundert eine Tradition: die offene Straßenprostitution.

Sex

Die berühmte Herbertstraße zweigt kurz nach dem Hafenrand von der Davidstraße ab und ist der Anfang der Zone, in der jeden Abend von 20 Uhr bis 6 Uhr morgens Prostituierte um Freier werben. Prostitution ist seit 2002 in Deutschland nicht mehr sittenwidrig und hat auf dem Kiez eine lange Tradition.

Schon im 19. Jahrhundert kamen die Matrosen aus dem Hafen, um die Dienste der Damen in Anspruch zu nehmen. Zu dieser Zeit wurde auch die Herbertstraße gebaut und ist seitdem ein Symbol der Prostitution in Hamburg. Auch die Nationalsozialisten schafften es nicht, ihr Verbot von Prostitution hier durchzusetzen – sie verbarrikadierten die Herbertstraße lediglich mit einem Sichtschutz, den es heute noch gibt. Aktuell gibt es auf St. Pauli immer weniger Bordelle, die Szene der käuflichen Liebe hat sich in andere Teile der Stadt verlagert, doch die Straßenprostitution ist nach wie vor ein Teil des Kiezes. 

„Ich bin zwar in Liverpool geboren, doch erwachsen wurde ich in Hamburg.“

angeblich John Lennon

Davidwache und Großstadtrevier

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Legendär: Der Weihnachtsmarkt auf St. Pauli „Santa Pauli“ (Foto: Mediaserver Hamburg)

Eines der berühmtesten Gebäude auf der Reeperbahn ist die Davidwache. Das kleine Backsteinhaus wurde vom Hamburger Architekten Fritz Schumacher erdacht und beherbergt das wohl bekannteste Polizeirevier der Stadt. Mit nur 0,935 Quadratkilometern hat die Davidwache den kleinsten Zuständigkeitsbereich in ganz Europa, aber genug zu tun. Viele verbinden mit der Wache nicht nur Kriminalität, sondern auch berühmte Serien wie Notruf Hafenkante, den Tatort – obwohl hier nie für den Tatort gedreht wurde – und das Großstadtrevier mit Jan Fedder. Seit 1986 gibt es die Vorabendserie um den mittlerweile verstorbenen Hamburger Kult-Schauspieler. Gedreht wurden die Szenen auf einer fiktiven Wache in der Innenstadt und in Hamburg-Altona, seit 2019 steht „die Wache“ im Studio Hamburg im Stadtteil Tonndorf. Doch auf dem Kiez ist das Großstadtrevier immer wieder zu Gast und auch die Davidwache wird von Zeit zu Zeit als Drehort genutzt. 

Kultur

Doch das der Kiez viel mehr ist als Sex und Party zeigen zwei Namen: Ernst Drucker und Corny Littmann. Ernst Drucker übernahm 1884 das später nach ihm benannte Theater direkt neben der Davidwache. Heute ist das Haus unter dem Namen St. Pauli Theater bekannt. Die Nationalsozialisten strichen den Namen des Juden Ernst Drucker in den 1930er Jahren, heute trägt das St. Pauli Theater wieder den Beinamen seines ehemaligen Leiters und ist eines der schönsten Privattheater der Stadt.

Direkt daneben befindet sich das Schmidts Tivoli. Es ist neben dem Schmidtchen und dem Schmidt Theater Teil des Lebenswerks von Corny Littmann. Der Schauspieler und Regisseur eröffnete am 8.8.1988 mit dem Schmidt Theater das erste Haus. Damals wie heute erhalten seine Theater keinen Cent öffentliche Förderung. Waren sich zur Eröffnung viele sicher, Littmanns Konzept würde keine drei Monate überleben, sind er und seine drei Theater heute prägend für Hamburgs Theater-, Comedy- und Musicalszene. In vielen Shows wie der Schmidt Mitternachtsshow machten bekannte Größen wie Olivia Jones, Lilo Wanders, Wolfgang Trepper und Kay Ray ihre ersten Schritte auf Hamburgs Bühnen.

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Eine Institution: das Schmidts Tivoli (Foto: Mediaserver Hamburg/ThisIsJulia Photography)

FC St. Pauli

Nur rund zehn Minuten zu Fuß von der Davidwache entfernt steht das Millerntor-Stadion, das Stadion des FC St. Pauli. Auch wenn der Verein seit Jahren in der 2. Bundesliga spielt, hat er weltweit Sympathisanten: Es gibt Fanclubs in den USA, Mexico, Indien und sogar auf Grönland. Und so verwundert es nur wenig, dass das Stadion mit seinen knapp 30.000 Plätzen bei fast jedem Heimspiel ausverkauft ist. War der Verein noch bis in die 1980er-Jahre ein klassischer Arbeiterverein, entdeckte ihn nach und nach die linke Szene für sich. Angetrieben von den Hausbesetzer:innen der Hafenstraße wandelte sich das Publikum und 1987 brachte „Doc Mabuse“ erstmals den Jolly Roger mit ins Stadion. Der Totenkopf ist bis heute das Symbol des Vereins und auch im St. Pauli Fanshop überall zu finden. 

1988 schrieb das Hamburger Abendblatt: „Der FC St. Pauli ist mehr als Fußball“ und das gilt bis heute. So setzt sich der Verein mit den Kiezhelden für Soziale Projekte ein, schrieb als einer der ersten Deutschen Profiklubs ein Verbot von Homophobie, Sexismus und Rassismus in seine Stadionordnung und mit Benjamin Adrion gründete ein ehemaliger Spieler die Non-Profit Organisation Viva con Agua. 

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Einmal im Jahr gibt es im Millerntor Stadion Kunst statt Fußball: Bei der Millerntor Gallery von Viva con Agua (Foto: Stefan Groenveld)

Das Viertel

Das wahre Herz von St. Pauli sind aber weder Fußballverein, noch der Kiez, es sind seine Menschen. Das merkt man, wenn man durch das Viertel streift. Früher lag St. Pauli „zwischen den Welten“. Im Osten verteidigte sich Hamburg an den Großen Wallanlagen (heute Planten un Blomen) und ließ die Menschen nur über seine Stadttore wie das Millerntor, in die Hansestadt. Im Westen hingegen lag Altona. Altona stand bis 1864 unter dänischer Verwaltung und das Gebiet zwischen diesen beiden Städten war und ist St. Pauli.

Hier ließen sich mehrheitlich Arbeiter nieder, die sich die Städte nicht leisten konnten oder wollten. Dazu kamen das leichte Gewerbe und die Matrosen, die während der damals noch langen Liegezeiten der Schiffe Abwechslung suchten. Eine Vielfalt, die auch heute noch zu spüren ist. Mittlerweile wohnt im Viertel ein Mix aus Studierenden, Alt-Eingesessenen und Neuen Bewohner:innen, die das „hippe“ St. Pauli für sich entdeckt haben. Diese Mischung und die noch großenteils erhaltenen Gründerzeithäuser machen den Stadtteil in Hamburg einzigartig. 

Musik

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Haben ihr Denkmal auf St. Pauli: die Beatles (Foto: Mediaserver Hamburg/Konstantin Beck)

Neben dem Kiez, dem Hafen und der einzigartigen Geschichte ist wahrscheinlich nichts so mit St. Pauli verbunden wie die Musik. War es doch der Kiez, wo die Beatles im Indra, Top Ten Club, Kaiserkeller und im Starclub ihren Durchbruch feierten. John Lennon soll einmal gesagt haben: „Ich bin zwar in Liverpool geboren, doch erwachsen wurde ich in Hamburg.“ Noch heute kann man im Indra Konzerte und Shows besuchen.

Und nach den Beatles? Nach dem aufkommen der DJ’s konnten viele Musikklubs nicht überleben, doch die Musik starb nie. So gab es mit dem Onkel Pö, und gibt es mit dem Mojo Club und dem Grünspan legendäre Konzertlocations in Hamburg und auf St. Pauli. Auch musikalisch war immer viel los: So entwickelte sich in den 1980er Jahren auf St. Pauli und in ganz Hamburg eine deutschsprachige Musik, die mit Vertretern wie Kettcar oder Tocotronic als „Hamburger Schule“ bekannt wurde. Noch heute ist mit dem Grand Hotel van Cleef das Label des Sängers von Kettcar (Marcus Wiebusch) und Thees Uhlmann auf St. Pauli zu Hause.

Bunker

Was früher das J’s war, ist heute das Übel & Gefährlich. Im Hochbunker auf St. Pauli gab es immer Musik. Bevor 2019 der Umbau begann, residierte hier mit JustMusic eines der größten Musikgeschäfte der Stadt. Dazu kamen etliche Proberäume und zwei Konzertlocations: Das Übel & Gefährlich – das aus dem legendären Promi-Club J’s hervorging – und der Resonanzraum. Doch mit dem Umbau wird vieles neu: JustMusic ist bereits verschwunden und das neue grüne Dach macht den Bunker 20 Meter höher. Nach dem Umbau können Besucher:innen in 58 Metern Höhe im Dachgarten chillen. Dazu wird der Bunker auf St. Pauli neben einem Hotel auch die Georg-Elser-Halle, Hamburgs neuste Konzerthalle beheimaten. 

Kulinarik

Wo viel Kultur, Kulturen und Menschen aufeinandertreffen, entsteht neben Musik und Kunst auch häufig bestes Essen und St. Pauli hat dabei viel zu bieten. So gibt es neben dem Ashoka – einem der besten indischen Restaurants Hamburgs – auch den Weinladen St. Pauli, der, auch wenn er nicht mehr ganz auf St. Pauli liegt, neben coolem Ambiente auch beste Beratung zu bieten hat. Hinzu kommt rund um die Paul-Roosen-Straße von der Imbissbude bis zum Restaurant auf Sterne-Niveau alles, was das Herz begehrt. 

Planten un Blomen

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Die berühmten Wasserlichtkonzerte in Planten un Blomen sind einfach schön (Foto: Mediaserver Hamburg)

Was viele nicht wissen: Planten un Blomen gehört zu St. Pauli. Wenn man von der Paul-Rosen-Straße vorbei am Millerntor-Stadion und über das Heiligengeistfeld – wo drei Mal im Jahr der Hamburger Dom stattfindet – schlendert, kommt man an den südlich Eingang der großen Parkanlage. Etwa 47 Hektar groß, entstand Planten un Blomen ab 1821 auf dem Gelände der alten Wallanlagen. Von 1897 bis 1973 fanden hier fünf Gartenausstellungen statt und prägten den Park. Von Süden nach Norden finden sich neben einer Minigolfanlage, einer Eisbahn – die im Sommer als Rollschuhbahn genutzt wird –, die Tropengewächshäuser (aktuell geschlossen), ein Musikpavillon, indem im Sommer viele Open Air Konzerte stattfinden und Hamburgs berühmte Wasserlichtkonzerte. Am Parksee wird in jedem Jahr von Mai bis September täglich nach Sonnenuntergang zu klassischer Musik die Wasserorgel live gespielt.

Heinrich-Hertz-Turm

Wenn man Planten und Blomen auf Höhe der Hamburg Messe verlässt, wartet ein letztes architektonisches Highlight des Stadtteils: der Heinrich-Hertz-Turm. 1968 eröffnet, war er bis ins Jahr 2000 für das Publikum geöffnet und bot aus über 120 Metern Höhe einen Rundblick auf die Stadt. Ab 2023 soll das wieder möglich sein. Ein Team aus Online Marketing Rockstars (OMR), dem Immobilienentwickler Home United und der Hamburg Messe will den Turm dann für das Publikum öffnen.


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Das Edelfettwerk: Im Wandel

Seit bald 20 Jahren wird in einer umgebauten Fabrikanlage in Eidelstedt gefeiert. Über die Veränderung von der Eventlocation zum Musikclub, Corona-Auswirkungen und das aktuelle Programm berichtet Alexander Müller, neuer Booker im Edelfettwerk

Interview: Ole Masch

SZENE HAMBURG: Alexander, wie wird man Booker im Edelfettwerk?

Alexander Müller: Ich habe bereits 2018 nach einer legalen Open-Air-Location in Hamburg gesucht und bin im Edelfettwerk gelandet. Das Besondere hier: Das Edelfettwerk befindet sich in einem Industriegebiet und man hat somit die Möglichkeit, etwas lauter zu sein als in anderen Locations. Dazu gibt es noch eine perfekte Anbindung durch die S-Bahn in Eidelstedt. Ich habe das Potenzial gesehen und bin zu Beginn der Pandemie, als alle Termine frei wurden, auf das Edelfettwerk zugegangen und habe angeboten, der erste Booker zu werden.

Was hast du vorher gemacht?

Im musikalischen Bereich bin ich seit 2016 als Veranstalter aktiv. In den vergangenen Jahren konnte ich durch eine Vielzahl von Veranstaltungen in über 20 Clubs und Locations eine Menge Erfahrungen sammeln. Außerdem lege ich selbst hin und wieder auf, deshalb weiß ich, was es bedeutet auf der Bühne zu stehen und was gegeben sein muss, damit man sich als Artist wohlfühlt.

Wo gehst du in Hamburg sonst feiern?

Ich persönlich hatte immer schöne Nächte im Südpol, aber bin auch hin und wieder überall dort anzutreffen, wo es sich Menschen zur Aufgabe gemacht haben, schöne Partys zu veranstalten.

„Es geht uns im Großen und Ganzen gut“

Dein Highlight seitdem du im Edelfettwerk bist?

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Macht das Booking im Edelfettwerk: Alexander Müller (Foto: Anri Coza)

Dass viele, die im Hamburger Nachtleben im Bereich der elektronischen Musik unterwegs oder aktiv sind, wahrnehmen, dass sich etwas Neues entwickelt und dem Laden eine Chance geben. Danke an dieser Stelle. Für Kritik, Fragen oder Verbesserungsvorschläge sind wir immer aufnahmebereit, schickt einfach eine Mail an: booking@edelfettwerk.de.

Wie seid ihr durch die Pandemie gekommen?

Durch die umfangreichen Förderprogramme auf Bundes- und Landesebene geht es uns im Großen und Ganzen gut. Hätte es diese nicht gegeben, würde das Edelfettwerk mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr existieren. Auf der anderen Seite haben wir über die Pandemie eine Menge Personal verloren, was uns heute sehr zu schaffen macht. Parallel erbringt das Kernteam derzeit Höchstleistungen, das muss man an dieser Stelle einfach sagen. Ich denke alles in allem können wir uns glücklich schätzen, dass wir zwei Open-Air-Flächen haben und trotz Auflagen einige Veranstaltungen durchführen konnten.

Fokus elektronische Musik

Gab es bauliche Veränderungen?

Die gibt es. Zuallererst möchte ich erwähnen, dass wir unseren Parkplatz (Backyard) mit einer Bühne ausgestattet haben und damit eine weitere Fläche für Open-Air-Events in Hamburg erschlossen haben. Die Kapazität dieser Fläche liegt bei etwa 1000 Personen, somit können hier auch etwas größere Events stattfinden. Unser Strand hat neben einer neuen Funktion-One-Anlage in diesem Jahr eine Überdachung bekommen, somit haben alle Beteiligten Planungssicherheit bei schlechtem Wetter. In den Innenbereichen haben wir neue Soundsysteme von BetaOne installiert, die WCs erneuert und jede Menge dunkle Farbe verbraucht. Derzeit bauen wir in unserem Nebengebäude einen dritten Dancefloor für etwa 300 Personen aus, dieser kann separat betrieben, oder bei größeren Indoor-Events als dritte Stage genutzt werden.

Und am Programm?

Es gibt eine neue Grundregel im Edelfettwerk: Öffentliche Veranstaltungs-Slots werden bis auf wenige Ausnahmen nur noch an Veranstalter aus dem Bereich der elektronischen Musik vergeben. Ansonsten sind wir derzeit mit einem Konzertveranstalter im Gespräch, der 2023 unter der Woche eine Vielzahl von Open-Air-Konzerten veranstalten möchte. Dazu kann ich leider noch nicht mehr sagen. Wir sind offen für Veranstalter, die sich entwickeln wollen und Visionen verfolgen, Veranstalter, für die eine schöne Party genauso wichtig ist, wie eine professionelle Zusammenarbeit auf Augenhöhe.

Wie lockt man Leute an einem Donnerstag nach Eidelstedt?

Gute Frage: Wir bespielen die Donnerstage bis auf Weiteres nur noch mit unserem hauseigenen Open-Air-Konzept [Secret Garden]. Das bedeutet, dass wir eine Kontinuität für die Besucher:innen an diesem Tag schaffen möchten. Außerdem präsentieren wir im Rahmen dieser Reihe in diesem Jahr, an 14 ausgewählten Terminen, sehr interessante Künstler:innen wie Madmotormiquel, Marco Resmann oder die Power Suff Girls, die nicht wöchentlich im Hamburger Nachtleben anzutreffen sind.

Spontane Verlegung? Kein Problem!

Habt ihr bei den Open Airs kein Lärmproblem?

Es gibt bestimmte Gesetze für Immissionsorte außerhalb von Gebäuden. Diese Gesetze sind Grundlage für unsere Arbeit vor Ort. Hin und wieder erhalten wir trotzdem Anrufe, auch an Tagen wo gar keine Veranstaltungen stattfinden.

„Das Edelfettwerk ist derzeit im Wandel, von Eventlocation zum Musikclub“

Alexander Müller, Booker im Edelfettwerk

Geht es nachts indoor weiter?

Das ist immer abhängig von der jeweiligen Veranstaltung, wobei eigentlich alle Open Airs, die am Freitag oder Samstag stattfinden, auch eine After-Show-Party zur Folge haben. Manchmal sind die Partys auch nur indoor.

Könnt ihr auch bei Regen dahin switchen?

Ja. Das ist einer der Punkte, die ich persönlich als Veranstalter am meisten am Edelfettwerk zu schätzen weiß. Stell dir vor, wie praktisch es ist, wenn du ein Event nicht absagen musst, weil es spontan rein verlegt werden kann. Super gut!

Ein Spagat zwischen Mietlocation und Club mit Stammpublikum

Stehen in diesem Jahr noch weitere Veränderungen an?

Das Edelfettwerk ist derzeit im Wandel, von Eventlocation zum Musikclub. Die damit verbundenen konzeptionellen Änderungen sind genauso wichtig wie die Umsetzung vor Ort. Daran arbeiten wir gerade. Außerdem wird derzeit unser Brandschutzkonzept überarbeitet, der normale Gast wird im Nachhinein nichts merken, aber es handelt sich dabei um ein Projekt mit immensem Aufwand. So etwas zum Beispiel läuft im Hintergrund, kostet die Beteiligten jedoch enorm viel Energie und bindet derzeit Ressourcen.

Wie geht ihr mit dem Spagat zwischen Mietlocation und Club mit Stammpublikum um?

Neben der Praxis findet dieser aus meiner Sicht im Bereich der Kommunikation statt. Klar haben wir hin und wieder ein Firmenevent bei uns, allerdings muss man sich auch vor Augen führen, dass diese Events das Überleben und die Weiterentwicklung des Edelfettwerks als Kulturstandort sichern.


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Fun auf Norwegisch: LINIE Aquavit Norweek in Hamburg

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LINIE Aquavit lässt bei der Norweek vom 18. bis 21. Mai 2022 die norwegischen Puppen zu Art, Beats und Drinks in der Schanze tanzen und wir verlosen Tickets zum Event!

Seit 2020 unterstützt LINIE Aquavit mit seinem Signature Drink LINIE Ginger die Gastronomie in Hamburg. Denn Zusammenhalt ist das, #waswirklichzählt. Da kommt ein Fest gerade recht. Und da ein Abend niemals ausreicht, werden gleich mehrere daraus: Gemeinsam mit dem Pallas, Hamburgs Hotspot am Neuen Pferdemarkt, lässt LINIE Aquavit bei der Norweek vom 18. bis 21. Mai 2022 die norwegischen Puppen tanzen. Die RFI Gallery, Raum für Illustration, kommt von Sankt Pauli aus zu einem artsy Besuch in die Schanze, Jolle, DJ KCL und GoMe sorgen von Donnerstag bis Samstag für rhythmisches Herzklopfen. Auch auf einen Auftritt von Niklas Paschburg, den viele sicher schon vom Reeperbahnfestival kennen, können sich Besucher:innen freuen.

Und mit etwas Gewinnspielglück bei Instagram unter @linieaquavitdeutschland kann man sich zur Stärkung einen Smørrebrød-Happen von Fabio Haebel hinter die Kiemen schieben. Überall mit dabei ist LINIE Ginger, der neue Signature Drink von und mit LINIE Aquavit, dem Klassiker aus Norwegen.

Tastings, Cocktail-Mix-Kurse und vieles mehr

Fans und Interessierte können auf aufregenden Events den LINIE Aquavit näher kennenlernen. Zum Beispiel lädt Spirituosen-Experte und First Aquavit Educator Jürgen Deibel zum Aquavit-Deep-Dive ein und bei der Experience World können Besucher:innen die Botanicals und Rohstoffe des einzigartigen LINIE Aquavit hautnah erleben.

Oder wie wäre es mit einem Cocktail-Mix-Kurs mit 5-Sterne Barprofi und Brand-Ambassador Michael Ehrenwirth? Jetzt gibt es nur noch eines zu tun: Bei Instagram vorbeischauen, das ein oder andere Special mitnehmen, die Tanzsneaker schnüren und ab ins Pallas – #waswirklichzählt.

Alle Events im Überblick

WannWasWo
Do, ab 19.00 Uhr, Fr ab 20.00 Uhr, Sa, ab 16.00 UhrRFI GalleryPallas
Mi, ab 19.00 Uhr, Do, ab 16.00 Uhr, Fr, 16-17.00 Uhr und 20.00 Uhr bis open end, Sa, ab 16.00 UhrExperience Pallas
Do, 19. Mai 19.00 UhrLive MusicJollePallas
Do, 19. Mai 20.00 UhrDJ Program DJ KCLPallas
Fr, 20. Mai 20.00 UhrDJ Program Niklas PaschburgPallas
Fr, 20. Mai ab 21.00 UhrDJ Program DJ KCL, Plazebo & Special GuestPallas
Sa, 21. Mai ab 14.00 UhrDJ Program DJ Saint OnePallas
Sa, 21. Mai ab 18.00 UhrDJ Program DJ RafikPallas
Sa, 21. Mai ab 20.00 UhrDJ Program GoMePallas

Egal, ob am Elbstrand oder auf dem heißen Asphalt zwischen Altona und Sankt Pauli: LINIE Ginger hat alles, was ein Sommerdrink braucht – bestehend aus würzigem LINIE Aquavit, abgerundet durch den besonderen Zitrusgeschmack von Limette, die Fruchtigkeit von Heidelbeeren und Frische von Gurke, getoppt mit prickelndem Schweppes American Ginger Ale. Wer sich schon mal in Stimmung trinken will, hier gibt’s das Rezept zur Norweek LINIE Ginger:

4 cl LINIE Aquavit  
2 cl frisch gepresster Limettensaft  
Schweppes American Ginger Ale 
ein paar Heidelbeeren  
2-3 Gurkenscheiben  
Eiswürfel

Ein Longdrinkglas mit Eiswürfeln füllen, LINIE Aquavit und Limettensaft ins Glas geben, Heidelbeeren und Gurkenscheiben hinzugeben, mit Ginger Ale auffüllen und servieren. Skål and stay tuned @linieaquavitdeutschland.

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Der Knaller kommt zum Schluss: Wir verlosen 2×2 Tickets für einen Mixing-Kurs, am Freitag, dem 20.05, um 17:00 Uhr im Pallas! Zur Gewinnspielteilnahme gehts via unserem Instagram-Account @szene_hamburg.

Zurück ins Club-Glück

Auf ein Neues: Endlich machen Hamburgs Clubs wieder auf. Carsten Brosda, Senator der Behörde für Kultur und Medien, im Gespräch über die Spuren des vergangenen Corona-Winters und das Tanzen in Zeiten weltpolitischer Krisen

Interview: Anna Meinke

SZENE HAMBURG: Carsten Brosda, am 4. März 2022 öffneten Hamburgs Clubs ihre Türen erneut. Unter 2G+-Bedingungen darf seitdem ohne Maske gefeiert werden. Haben Sie die neue Freiheit schon ausgenutzt und mal wieder so richtig das Tanzbein geschwungen?

Carsten Brosda: Noch nicht. Ich bin ohnehin eher einer von denen, die bei einem Konzert mit einem Bier in der Hand im Raum stehen und die Musik aufsaugen. Ich freue mich aber sehr, dass endlich wieder die Clubkultur gefeiert werden kann!

Gleichzeitig wurde Hamburg am 30. März zum Corona-Hotspot erklärt. Haben Sie trotzdem ein gutes Gefühl dabei, das Feiern wieder möglich gemacht zu haben, oder ist Ihnen auch ein wenig mulmig zumute?

Es ist gut, dass Hamburg angesichts der noch immer hohen Infektionszahlen vorsichtig ist. Schließlich ist Corona noch nicht vorbei, die Infektionszahlen sind hoch. Mit wenigen Maßnahmen können wir uns vergleichsweise wirksam schützen. Neben der Notwendigkeit zum Impfen ist es deshalb klug, auch weiterhin vorsichtig zu sein, gerade auch damit der ganze Wahnsinn nicht im Herbst wieder von vorne beginnt.

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„Viele haben in den letzten Monaten gemerkt, was alles fehlt“, sagt Kultursenator Carsten Brosda (Foto: Bertold Fabricius)

Das Personalproblem

Nach dem zehnwöchigen Winterschlaf ist das Bedürfnis bei vielen groß, sich ins Getümmel zu stürzen und die Nächte durchzutanzen. Was zeigt denn die Erfahrung der letzten Wochen – gibt es gerade eine regelrechte Party-Explosion?

Mein Eindruck ist schon, dass viele in den letzten Monaten gemerkt haben, was alles fehlt, wenn diese Orte wegfallen, an denen wir mit anderen zusammenkommen. Wir sehen das auch in anderen Kultureinrichtungen. Es macht einen Unterschied, ob ich auf dem Sofa Netflix gucke oder ob ich zum Beispiel im Theater ein einmaliges Live-Erlebnis habe. Und dann steht man im Anschluss mit anderen Menschen zusammen und tauscht sich aus. Das gilt natürlich erst Recht für Clubs, die ja gerade von dieser physischen Enge leben. Ich hoffe sehr, dass wir uns dieses Bewusstsein für den Wert des gemeinsamen Erlebens bewahren!

Irgendwelche nennenswerten Corona-Ausbrüche?

Wie gesagt: Generell sehen wir, dass die Zahlen weiter hoch sind und wir noch vorsichtig seien müssen. Insofern ist es gut, dass wir in den Clubs weiterhin die 2G+ Regelung gilt. Mein Eindruck ist, dass wir damit die Situation derzeit ganz gut im Griff haben.

Und wie sieht es hinter den Bars, am Eingang und an der Club-Garderobe aus? Machen sich Fachkräftemangel und Personalnot bemerkbar?

Das ist ein echtes Problem. Darum ist es auch gut, dass zum Beispiel die Clubs auf dem Kiez jetzt mit einer Kampagne gezielt Personal ansprechen. Daher war uns aber auch wichtig, dass wir mit unseren Hilfen immer so weit wie möglich nicht nur Einnahmeausfälle gezahlt haben, sondern vor allem weiter das Veranstalten unter Corona-Bedingungen ermöglichen wollten. So konnte wenigstens ein Teil des Personals gehalten werden.

„Ich wünsche mir, dass diese Corona-Generation jetzt durchstartet“

Also, alles wie immer, getreu dem Motto „The Kiez is back“?

Ich bin mir nicht sicher, ob unser Ziel sein sollte, dass einfach alles zum Alten zurückkehrt. Wir können ja auch aus den Erfahrungen der letzten zwei Jahre lernen und manches besser machen. Vielleicht gehen wir mit den Kulturorten ja jetzt auch viel bewusster um und erkennen zum Beispiel den großen Wert der vielfältigen Clubkultur in der Stadt. Das wünsche ich mir jedenfalls. Vor allem aber muss sich das Publikum seinen Kiez jetzt wieder zurückerobern und mit Leben füllen. Man muss sich ja vor Augen führen, dass da jetzt auch eine Generation die Clubkultur ganz neu erleben wird, die eigentlich in den letzten Jahren die Nächte hätte erobern sollen, stattdessen aber zu Hause bleiben musste. Ich wünsche mir sehr, dass diese Corona-Generation jetzt durchstartet und die Erfahrungen machen kann, die man in dem Alter machen muss!

„How can we dance when our world is turning? How do we sleep while our beds are burning?“

Midnight Oil

Es hätte so schön sein können – bundesweit sinken die Fallzahlen und es darf endlich wieder getanzt werden. Doch vor dem Hintergrund des russischen Angriffskrieges in der Ukraine stellt sich die Frage, inwiefern eine hemmungslose Feierei gerade überhaupt möglich ist. Gegen den Weltschmerz antanzen – ist das eine gute Idee?

In meiner Jugend haben Midnight Oil gefragt: „How can we dance when our world is turning. How do we sleep while our beds are burning.“ Die Frage stellt sich immer wieder. Aber die Geschichte zeigt ja auch, dass gerade die Popkultur Veränderung fördern kann. Deswegen finde ich die Idee, gegen den Weltschmerz anzutanzen, eigentlich recht schön. Auch das bedeutet ja, diesem Wahnsinn unsere Haltung von einer freien Kultur entgegenzustellen. Aber ich gebe zu, dass das schwerfällt – und dass die Form immer wieder überprüft werden muss.

Momente der Gemeinschaft

Welchen Stellenwert haben das gemeinsame Feiern und Live-Musik-Erlebnisse Ihrer Meinung nach? Und was bleibt vielleicht auf der Strecke, wenn wir nicht tanzen gehen können?

Für mich sind das Momente, in denen Gemeinschaft spürbar wird. Kae Tempest beschreibt in ihrem Buch „Verbundensein“, dass sich bei einem Konzert sogar der Puls der Anwesenden angleicht. Das Wissen darum, dass wir einander brauchen und aufeinander reagieren, ist wichtig.

Ich finde die Idee, gegen den Weltschmerz anzutanzen, eigentlich recht schön.

Kultursenator Carsten Brosda

Clubbetreiber:innen beklagten in den vergangenen zwei Jahren vielfach eine gewisse Leichtfertigkeit, die den Umgang der Politik mit der Schließung von Clubs vermeintlich prägte. Kommt mit der „neuen Feierei“ auch eine neue, vielleicht absehbarere Corona-Strategie für die Kulturszene?

Da haben wir in den letzten Monaten schon eine Menge voneinander gelernt. Ich denke noch mit Schrecken an die ersten Corona-Verordnungen, in denen die Kultur mit Freizeiteinrichtungen und Puffs auf eine Stufe gestellt wurde. Das hat zu Recht einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Inzwischen wird der besondere Stellenwert der Kultur erkannt. Bund und Länder haben auch deutlich gemacht, dass es sehr genauer Begründungen bedarf, wenn die Freiheit der Kunst eingeschränkt wird. Mit Blick auf die Live-Musik macht mir Mut, dass die neue Bundesregierung nun erstmals Clubs als Kulturorte anerkannt hat und auch entsprechend schützen will. Wir in Hamburg wissen schon lange, wie wichtig eine lebendige und vielfältige Club-Szene für die Kultur ist. Da kann es nur helfen, wenn da künftig Bund und Länder mit der Szene an einem Strang ziehen.


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Ostern in und um Hamburg

Ostern steht vor der Tür und das Wetter könnte sogar mitspielen. Hier kommen zehn Ideen für ein entspanntes, gemütliches oder ereignisreiches Osterfest – von Eiersuche bis zu fernen Galaxien

Osterhasen in Hamburgs Stadtnatur

Das Osterwochenende bringt den Frühling zurück! Hamburgs Naturschutzgebiete eignen sich dann wieder hervorragend für ausgiebige Spaziergänge. Im Naturschutzgebiet Höltigbaum kann man zum Beispiel ideal auf Spurensuche gehen und den Lebensraum unserer tierischen Nachbarn erforschen. Vielleicht gibt es sogar den einen oder anderen Osterhasen zu entdecken. Für alle, die die Galloway Rinder im Höltigbaum noch nicht kennen, lohnt sich der Ausflug allemal.

Tierische Natur gibt es aber auch an vielen anderen Orten der Stadt: egal ob Damwild im Niendorfer Gehege oder Heidschnucken in der Fischbeker Heide. Die Loki-Schmidt-Stiftung und einzelne Parks bieten darüber hinaus auch verschiedene Workshops und Aktionen.

Traditionsreiche Hamburger Osterfeuer 

In den letzten zwei Jahren waren sie aufgrund der Corona-Pandemie verboten, jetzt kehren die traditionsreichen Osterfeuer zurück – auch privat ist wieder mehr möglich. Die Osterfeuer in Stellingen oder Langenhorn sind beispielsweise wieder als organisierte Osterfeuer-Highlights dabei. Eine Übersicht über öffentliche Osterfeuer gibt es auf hamburg.de.

Aber auch private Osterfeuer sind wieder nahezu unbeschränkt möglich. Aber egal ob im kleinen Kreis oder gemeinsam mit der Nachbarschaft – das Osterfeuer gehört in Hamburg einfach dazu!

„Prostern“ mit Rum oder Eierlikör

In der 2ten Heimat gibt es am Ostermontag einen echten Geheimtipp für alle Rum-Liebhaber:innen. Die Expert:innen Ueli und Frau Antje entführen alle Teilnehmer in die Karibik und versüßen den Abend mit karibischen Rum-Köstlichkeiten und kubanischen Zigarren. Beginn ist um am 17. April um 17:00 Uhr. Tickets gibt es ab 73 Euro.

Wer es an Ostern lieber traditionell mag, greift vermutlich zum Eierlikör. Absoluten Kultstatus genießt in Hamburg der Eierlikör vom Eier Carl. Die berühmte Kneipe am Fischmarkt macht den Eierlikör noch selbst und steht für feinste Hamburger Qualität. Den Likör gibt es in verschiedenen Geschmackssorten und wer weiß, vielleicht wartet hier auch ein Osterspecial darauf vernascht zu werden. 

Norddeutsche Ostern am Kiekeberg

Am Ostermontag von 10 bis 18 Uhr gibt es im Freilichtmuseum am Kiekeberg ein Oster-Programm für die ganze Familie! Es wird gebastelt, marmoriert und dekoriert. Die Kids können Eierlaufen spielen und Ostereier suchen. Absolutes Highlight: Bei einer digitalen Rallye über die App „Actionbound“ kann das Gelände interaktiv erkundet werden. 

Auch für die Erwachsenen gibt es am 18. April Programm: In der Museumsbrennerei gibt es Frühschoppen zu plattdeutschen Liedern. Die Koffietied Rösterei und das Gasthaus Stoof Mudders Kroog versorgen alle Besucher:innen mit leckeren Snacks. Der Eintritt kostet 9 Euro für Erwachsene und ist für alle unter 18 Jahren frei. 

Klassische Ostern 

Wer es an Ostern gerne klassisch mag, für den ist die Auswahl groß: Angefangen beim Konzert des Landesjugendorchester Bremen (Sa., 16. April 2022, Laeiszhalle Großer Saal, 19:30 Uhr) über einen Klavierabend mit Marianna Shirinyan (Mo., 18. April 2022, Laeiszhalle Kleiner Saal, 17 Uhr) bis zum Ensemble Arabesques (Mo., 18. April 2022, Elbphilharmonie Kleiner Saal, 19:30 Uhr). Karten gibt es ab knapp 20 Euro und wenn das Konzert ausverkauft sein sollte, besonders an der Abendkasse der Elbphilharmonie ist die Chance auf Restkarten fast immer gegeben.

Es geht aber auch kostenlos, bei der Osternacht mit Johann Sebastian Bach am 16. April ab 20 Uhr in der Hauptkirche St. Michaelis – zeitiges kommen lohnt sich. Wer dennoch keinen Platz mehr in der Kirche ergattern kann, kann um Mitternacht dem Micheltürmer lauschen. Dieser läutet dann mit einem Auferstehungschoral das Osterfest ein. 

Kulinarische Ostern

Im Stadtrestaurant Hamburg im Reichshof (Restauranttest des Genuss Guide Hamburg) wartet am Ostersamstag nicht nur ein Vier-Gänge-Menü in edlem Ambiente, dazu gibt es auch Live-Musik der Hamburger Singersongwriterin tucumcari. Der Abend am 16. April kostet 79 Euro inklusive Weinbegleitung.

Wer abends schon etwas anderes vor hat, kann sich zu Ostern auch morgens bestens kulinarisch verwöhnen lassen: Bei diesen 10 Restaurants gibt es einen richtig guten Osterbrunch.

Trödeln und Stöbern statt Eiersuche

Nicht nur Ostereier warten darauf gefunden zu werden, sondern auch alte Schätze und Secondhand-Fundstücke. Egal ob Vintage, Antik, groß oder klein. In fast jedem Viertel Hamburgs gibt es einen beliebten Flohmarkt.

Am Osterwochenende laden zum Beispiel der Flohdom auf der Bahrenfelder Trabrennbahn oder der Horner Rennbahn, aber auch der Kult-Flohmarkt Flohschanze zum Stöbern ein. Eine komplette Liste mit schönen Flohmärkten gibt es hier

Ostern auf dem Dancefloor

Das TurTur in Wilhelmsburg lädt am Freitag in seinen Räumen zur musikalischen „Nachtwanderung“ für Erwachsene ein. Die herrlich unkonventionelle Mischung aus Pizzeria, Bar und Club am Veringkanal ist bekannt für kreative Events, gute Partys und einen toleranten Dancefloor. Am 15. April stehen unter anderem Dj Knarf und Megaföön an den Reglern. 

Die Disco-Barkasse Frau Hedi legt am Samstag zu alten Underground-Disco-Perlen ab und schippert durch den Hamburger Hafen. Die Crew verspricht: „keine ollen Kamellen aus dem Radio, sondern liebevollst ausgewählte Perlen“. Angesteuert wird übrigens ein großes Osterfeuer.

Entspannte Oster-Wellness

Ein langes Osterwochenende, der perfekte Zeitpunkt für Wellness und Selfcare. Kaum etwas sorgt für mehr Entspannung, als im Spa die Seele baumeln zu lassen. Orientalische Wellness gibt es zum Beispiel im Hamam Hafen Hamburg auf St. Pauli. Auf die Besucher wartet ein großer Wellnessbereich mit Kissenlandschaft, beheizten Marmor-Podesten, Körperpeelings und Seifenschaummassagen. Individuelle Behandlungen gibt es hier bereits ab 35 Euro.

Aber natürlich finden sich auch in anderen Teilen der Stadt viele weitere Wohlfühloasen. Klassische und beliebte Anlaufstellen sind zum Beispiel das Meridian Spa, die Kaifu Lodge oder das Heavenly Spa im Westin.

Ostern in den Sternen

Nicht alle können mit den klassischen Ostern etwas anfangen! Wer statt Eiersuche gerne in ferne Galaxien reisen möchte, kommt am 16. April ab 19:30 Uhr in Barclays Arena auf seine Kosten. Das Deutsche Filmorchester Babelsberg bringt unter der Leitung von Ben Palmer bei Star Wars in Concert die Rückkehr der Jedi-Ritter musikalisch auf die Bühne. Tickets gibt es ab 47,75 Euro.

Und für alle anderen hat das Planetarium auch an Ostern diverse Blicke ins All, in die Welt der Musik und unter Wasser zu bieten.


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„Wir haben eine Verantwortung“

Die Solidarität mit der Ukraine und mit den vor dem russischen Angriffskrieg fliehenden Menschen ist groß. Auch aus der erst kürzlich wieder hochgefahrenen Club- und Veranstaltungsszene gibt es Hilfe. John Schierhorn vom Schrødingers im Schanzenpark berichtet

Interview: Ole Masch

Benefiz-Flohmarkt im PAL, Ukraine Fundraiser-Party im Edelfettwerk oder der „Peace Please Soli-Rave“ am 1. April 2022 im Fundbureau sind nur einige Beispiele, wie innerhalb der Clubszene geholfen wird. Auch die Crew um John Schierhorn vom Schrødingers packt kräftig mit an. Bereits im letzten Jahr wurde das Kulturzentrum mit dem Sonderpreis des Club Awards geehrt. Diverse Soli-Veranstaltungen, unter anderem für Sea Watch, eine wöchentliche Essensausgabe für bedürftige Menschen oder im Winter Platz für ein Zeltlager, um Obdachlosen einen Ort zum Verweilen zu ermöglichen, waren Gründe für die Auszeichnung. In der aktuellen Situation, wo täglich Tausende Geflüchtete in Hamburg ankommen, konnte das Schrødingers sein Netzwerk ebenfalls nutzen, um Menschen direkt zu unterstützen.

„Erst einmal muss es meist schnell gehen“

SZENE HAMBURG: John, woher kommt der Antrieb immer wieder zu helfen?

John Schierhorn: Es wird halt gerade einfach Hilfe gebraucht. Wir sind ja nicht nur Konzertort, sondern vor allem auch Stadtteilkulturzentrum. Als solches haben wir eine Verantwortung. Und wir wissen: Die Welt wird nicht besser, wenn nicht alle daran mitarbeiten. Also begreifen wir uns als Team und Ort, an dem jeder Mensch mithelfen kann!

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„Es wird gerade einfach Hilfe gebraucht“ sagt John Schierhorn vom Schrødingers (Foto: ohne Credit)

Welche Hilfsaktionen habt ihr im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine initiiert?

Wir unterstützen die Helfenden an der Registrierungsstelle in Wandsbek. Dort sind jeden Tag mehrere Hundert Menschen. Wir haben ein kleines Logistikzentrum gebaut und koordi­nieren die Versorgung mit warmen und kalten Speisen, Hygieneartikeln, Decken et cetera mit. Zusätzlich werden wir ab dem Monatswechsel im Schrødingers eine Kinderbetreuung einrichten, damit die geflüchteten Kids ein wenig auf andere Gedanken kommen und die Eltern sich um Orga und so weiter kümmern können.

Wie baut man so eine Hilfsaktion auf ?

Erst einmal muss es meist schnell gehen. Dann aber geht es viel um Logistik. Es braucht eine gewisse Infrastruktur vor Ort, das erleichtert jeden weiteren Schritt erheblich. Dazu zählt auch allerhand Organisation. Dabei ist die freiwillige Mitarbeit von Menschen, die idealerweise eine solide Vorbildung haben, megawichtig. Insbesondere Menschen aus dem Veranstaltungsbereich haben natürlich einen guten Überblick, wie viele Menschen zu versorgen und die Abläufe zu planen sind.

Wie schafft ihr das neben dem eigent­lichen Betrieb?

Wir teilen uns auf, arbeiten richtig viel und haben Mut zur Lücke.

„Kriege einfach nicht mehr führen, wäre ganz geil“

Wie schätzt du die Solidarität inner­halb der Club­ und Veranstaltungs­szene ein?

Die Clubs sind gerade alle mitten in der Eröffnung. Aber viele stellen zum Beispiel ihre Bandappartements zur Verfügung und die Mitarbeitenden vor Ort sind oft Clubmenschen. Lieblingskommentar gerade gestern: „Eigentlich fehlt hier nur noch der DJ.“

Wie kann man sich als Einzelperson beteiligen?

Es gibt an allen Hilfsorten mittler­weile Orgateams, die über Facebook, Padlet und Whatsapp vernetzt sind. Im Zweifel einfach vor Ort vorbeischauen und dort fragen, wie man in die Gruppen kommt.

Was sollte man vermeiden?

Einfach mit irgendwelchen Sachen kommen. Insbesondere Klamotten­ spenden werden fast nirgends mehr angenommen. Vor Ort oder in den Gruppen nach den tagesaktuellen Bedarfen fragen. Oder gerne auch einfach Geld spenden, damit kann meist am schnellsten auf die aktuellen Bedarfe reagiert und in großen Mengen eingekauft werden.

Was wünschst du dir für die Zukunft?

Kriege einfach nicht mehr führen, wäre ganz geil. Und dafür sorgen, dass alle Menschen ein Dach über dem Kopf und genug gesundes Essen haben. Das kann verdammt noch mal nicht so schwer sein, wenn alle mitmachen!

schroedingers.hamburg/spenden

Eine Übersicht über weitere Hilfsaktionen, Soli-Veranstaltungen der Kultur, Demonstrationen und Informationen für Geflüchtete und Helfende gibt es im Ukraine-Ticker der SZENE HAMBURG.


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„Wir brauchen ernsthafte Perspektiven“

Anna Lafrentz, zuständig für Durchführung und Personalorganisation im Südpol, und Felix Stockmar, Booking, Finanzen und Technik auf der MS Stubnitz, gehören seit Herbst 2020 zum Vorstand des Clubkombinats. Im Interview sprechen sie über die Situation der Hamburger Musikspielstätten nach zwei Jahren Pandemie

Interview: Ole Masch

SZENE HAMBURG: Anna und Felix, wieso lässt man sich mitten in der Pandemie in den Vorstand des Clubkombinat wählen?

Anna: Wann denn sonst? Jetzt ist es akut und Arbeit, die reingesteckt wird, macht sich schnell bemerkbar. Wir können hier wirklich was für unsere Clubs erreichen und das macht neben der Anstrengung einfach super viel Spaß.
Felix: In der großen Pause ist ja eben auch ’ne Menge Luft, um sich mal aus seinem eigenen Kosmos rauszubewegen und für die Konzert- und Clublandschaft generell etwas zu bewegen. Das eigene Wissen mit anderen zu teilen, zu unterstützen und in eine gemeinsame Zukunftsgestaltung mit einzubringen.

Genervt und müde

Mit welchen Zielen seid ihr angetreten?

Anna: Meine persönlichen Ziele waren unter anderem mehr politische Wertearbeit – hier haben wir vergangenes Jahr eine wichtige Satzungsänderung in der Mitgliederversammlung verabschiedet. Zudem lag mein Fokus viel auf Öffentlichkeitsarbeit, also Pressemitteilungen oder Interviews. So haben wir die Hamburger Clubs in die bundesweiten Nachrichten gebracht und konnten zur öffentlichen Wahrnehmung unserer Kulturorte beitragen. Mein dritter Schwerpunkt ist die Awareness-Arbeit. Hier gründen wir gerade einen Round Table zum Thema und entwickeln mit weiteren Akteuren ein Weiterbildungsprogramm.
Felix: Ich habe mich vor allem viel mit der Zukunft der Live-Musik und Clubbranche auseinandergesetzt. Denn dieser große Einschnitt birgt auch die Chance, Dinge und Strukturen neu zu denken. Sich mal die Frage zu stellen: „Wollen wir bloß so ,prekär‘ weitermachen wie vor der Pandemie, oder schaffen wir es, dass sich Post-Corona wirklich strukturell etwas ändert.“ Durch den Stillstand ist vielen erstmals bewusst geworden, was die Kultur jenseits des durchsubventionierten kulturellen Erbes, die sonst ja immer selbstverständlich da war, eigentlich für einen Wert hat. Dieses Bewusstsein auch in die Politik und damit auch in Gesetzesänderungen zu bringen, ist immens wichtig.

Wie geht es der Hamburger Clublandschaft nach zwei Jahren Corona?

Anna: Ich würde sagen „erschöpft“ trifft es ganz gut. Klar sitzen wir auch in den Startlöchern, aber die letzten zwei Jahre waren für alle sehr kräftezehrend. Wenig war möglich und das mit enorm hohen Auflagen verbunden. Leere Tanzflächen und eine Absage nach der nächsten, das zieht enorm viel Energie.
Felix: Ja, genervt und müde. Das viele Hin und Her, die zunehmend fehlende Logik und Struktur hinter der Pandemiebekämpfung und das ständige „für die Tonne-Arbeiten“ wird immer frustrierender.

„Wann geht es endlich wirklich um die Menschen?“

Wie lange kann es noch so weitergehen?

Anna: Wir in Hamburg haben mit den bundesweiten Hilfen und dem Hamburger Club-Rettungsschirm erst mal alle laufenden Kosten gedeckt. Schwierig ist es, das Personal zu halten oder wiederzufinden, denn gerade selbstständige Veranstaltungsleute sind schon lange in andere Branchen abgewandert. Außerdem: Was sind die Clubs ohne die Bars und Kneipen? Da geht gerade ein großer Schwung unter, einige halten sich noch luftschnappend an der Kante. Ohne die Vielfalt dieser Läden ist auch der Clubbesuch nicht mehr dasselbe. Um eine Kultur der Nacht zu erhalten, muss sich schnell was ändern.
Felix: Ja, die finanziellen Hilfen decken vieles, aber das Geld ist im Kulturleben auch nur eine Seite. Die andere besteht darin, für andere Menschen durch kulturelle Inhalte besondere und vor allem auch soziale Erlebnisse zu schaffen. Das ist das Eigentliche, für das wir leben und das uns Kraft gibt. Je länger dieser Teil fehlt, desto schwieriger wird es die Energie zum Durchhalten aufzubringen.

Was fordert ihr von der Politik?

Anna: Wir brauchen ernsthafte Perspektiven und ehrliche Zusagen. Nach zwei Jahren und Impfungen stehen wir immer noch vor lauter Fragezeichen. Soll das jetzt jeden Herbst so gehen? Die Temperaturen sinken, die Zahlen steigen, die Läden gehen wieder zu? Wann endlich bekommen kulturelle Erlebnisse denselben Stellenwert wie Lohnarbeit? Wann geht es endlich wirklich um die Menschen und nicht nur um die Wirtschaft?
Felix: Ständig wiederholen wir die formalen Forderungen nach Inhaber:innengehalt, Lebensunterhalt für Selbstständige, keine Rückforderungen der ersten Corona-Hilfen (!), Abschaffung des bundesweiten Flickenteppichs, klare Perspektiven, Gleichbehandlung der Kultursparten und grundsätzlich die Anerkennung der Wichtigkeit von Kunst, Musik und Kultur für unsere Gesellschaft.

Es braucht Einheitlichkeit, bundesweit

Auf welche kurzfristigen Perspektiven hofft ihr?

Anna: Wir hoffen natürlich, dass wir bald wieder tanzen dürfen, mit vielen Leuten und ohne Abstand.
Felix: Mit Blick auf Frühjahr und Sommer wünschen wir uns unkomplizierte und frühzeitige Open-Air-Förderungen und sowieso eine Verlängerung der aktuellen Förderungen in vollem Umfang. Die Wiedereröffnungsszenarien müssen bundeseinheitlich geplant und rechtzeitig und transparent kommuniziert werden, sodass uns Zeit bleibt, uns vorzubereiten. Und dass diese Vorbereitung von einem wie auch immer gearteten „Konjunkturpaket“, Vorschläge an die Politik gibt es zur Genüge, begleitet wird.

Habt ihr bei den Öffnungen im Herbst Unterschiede zur Zeit vor der Pandemie bemerkt?

Anna: Die Freude der Menschen war unfassbar groß! So viel angestaute Energie, so viel Hunger nach anderen Leuten, Begegnungen, Ekstase, Rausch, laute Musik und beim Tanzen die Welt da draußen einmal kurz vergessen machen. Und damit Energie sammeln, um weiter durchzuhalten. Wie ich das bei unseren Openings beobachtet habe, fielen die ersten Unsicherheiten nach ein bis zwei Stunden im Laden von den Leuten ab. Körper und Kopf erinnern sich und lassen los. Gleichzeitig war genauso schnell bemerkbar, als die Infektionszahlen wieder stiegen. Gäste blieben vermehrt aus, enorm viele „No-Shows“, also Tickets, die nicht wahrgenommen werden. Na ja, und dann haben wir ja auch alle direkt wieder zugemacht.

Es gab auch Vorteile

Wie geht’s es euren Läden?

Anna: Puh! Viele Baustellen. Wir haben die Zeit genutzt, um uns strukturell neu aufzustellen, das wird jetzt in der Praxis geübt. Der Club ist erst mal gesichert, aber fast alle unserer Mitarbeitenden mussten sich andere Jobs suchen. Zu unserer kurzen Öffnung war unser Team zwar komplett mit vielen alten und vielen neuen, aber ohne klare Perspektive mussten die sich schnell wieder was anderes suchen. Das zehrt an den letzten Energiereserven. Aber wir haben Bock und freuen uns auf das Frühjahr mit neuen Überraschungen. Ich hoffe eigentlich nur, dass wir im Herbst nicht wieder schließen müssen und zurück in einen Rhythmus finden.
Felix: Auf der Stubnitz gab und gibt es auch eine Menge Baustellen. Die Corona-Zeit hatte diesbezüglich neben allen Nachteilen auch ein paar Vorteile, weil wir uns stark auf die Instandsetzung konzentrieren konnten. Die weitere Lebenserwartung unseres Denkmal- und Kulturschiffes ist damit ein gutes Stück vorangekommen. Vieles was im laufenden Betrieb gerne hinten überfällt wurde angegangen. Aber inzwischen sind wir heiß darauf, dass es im März bei uns wieder losgeht. Ich bin optimistisch, dass wir wieder voll loslegen und viele Menschen glücklich machen können.

Hat die Pandemie noch weitere Vorteile gebracht?

Anna: Ja! Die globale Erfahrung, dass sich alles ganz schnell ändern kann. Egal ob „das schon immer so war“. Das finde ich toll, denn es zeigt: alles ist möglich, auch die guten Veränderungen! Und persönlich weiß ich noch mal mehr, wieso ich das alles tue: für gemeinsame ästhetische Erlebnisse, die die Welt einfach zu einem besseren Ort machen. Ist so.
Felix: Dem habe ich nichts hinzuzufügen!

clubkombinat.de


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Clubkinder: „NICHT unterkriegen lassen“

Der Verein feierte kürzlich Jubiläum. Seit seiner Gründung vor zehn Jahren und mit über 1.000 Freiwilligen hilft er, die sozialen Herausforderungen der Stadt zu meistern. Der neue Vorstand um Larissa Gebken, Eloise Bossen und Julian Lee stellt sich vor, berichtet über erfolgreiche Aktionen und Projekte in Pandemiezeiten

Interview: Ole Masch

SZENE HAMBURG: Eloise, Julian und Larissa, wie ist eure NachtlebenVerbindung und was sind eure Aufgaben im clubkinder e. V?

Eloise: Ich bin seit 2014 bei den clubkindern dabei, eit 2015 im Vorstand. Organisiere und plane seit Beginn meiner Tätigkeit sämtliche Events und Formate, bin somit sehr aktiv im Nachtleben. Bis heute bin ich die eine, hauptamtliche Angestellte im Verein, koordiniere die Freiwilligen, organisiere das Backoffice und regle alles, was anfällt.

Julian: Meine Verbindung zum Nachtleben ist das nebenberufliche Dasein als Musiker in der Band „Kill Strings“. Ich sehe meine Aufgabenfelder eher in der Konzeptionierung neuer Projekte und im Netzwerken. Also Ideen in die Welt pusten, wie Seifenblasen, und schauen, wie man diese umsetzen kann. Dabei ist es vor allem wichtig, dass ich mit Larissa und Eloise zwei Kolleginnen im Vorstand habe, die mich immer wieder einfangen und auf den Boden der Tatsachen zurückholen.

Larissa: Ich bin seit gut drei Jahren bei den clubkindern und war vorher hauptsächlich im Bereich Jugend unterwegs. Tatsächlich bin ich über meine Tätigkeit als Stadtführerin auf dem Kiez dazugekommen. Immer, wenn ich mit einer Tour in die Ritze gegangen bin, bin ich am Unterm Strich vorbeigekommen, habe es gegoogelt und bin so über die Website an Eloise geraten. Ich war ab der ersten Mail verliebt. Ansonsten bin ich in der Tischfußball-Szene in Hamburg noch recht aktiv. Bei den clubkindern werde ich mich zukünftig um die Ehrenamtskoordination und alles rund ums Thema Digitalisierung kümmern.

Sich selbst verwirklichen

Mit welchen Zielen seid ihr als neuer Vorstand angetreten?

Larissa: Menschen die Möglichkeit geben, sich selbst zu verwirklichen, selbstwirksam zu werden und Gutes zu tun. Insbesondere digital die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen, dass sich alle mit Freude beteiligen können. Darüber hinaus ist es mir ein persönliches Anliegen insbesondere bei Events Barrieren abzubauen und jedem Menschen die Möglichkeit zur Teilhabe zu geben.

Eloise: Die Pandemie weiterhin zu meistern, den Verein noch sichtbarer zu machen und das Netzwerk auszubauen. Wir wollen noch mehr eigene, soziale Projekte umsetzen; eine Richtung, in die wir uns schon seit 2019 entwickeln. Wir verstehen uns als Plattform für Menschen, die sich engagieren, eigene Ideen einbringen und selbst aktiv werden möchten. Einer unserer Schwerpunkte ist weiterhin junge Menschen, für das Ehrenamt zu begeistern.

Julian: Ehrenamtliches Engagement sollte so bunt sein wie Hamburg, und jeder Mensch sollte die Möglichkeit bekommen, zu spüren, wie gut es tut, sich für andere Menschen zu engagieren. Insbesondere die jüngere Generation, die die Welt verändern will, und der oftmals leider nicht genügend Gehör und Ressourcen dafür gegeben werden. Ich möchte dafür werben, gewisse Eigenschaften der jüngeren Generation bei uns Erwachsenen zu reaktivieren: Offenheit, Neugier und Mut. Ich habe noch nie ein rassistisches Kleinkind erlebt, was dafür spricht, dass Rassismus nicht in unserer Natur verortet ist, und wir im Kern offene, tolerante Menschen sind.

Tolle Aktionen

Welche Aktionen der vergangenen zehn Jahre sind euch besonders in Erinnerung?

Eloise: Puh, das sind so viele! Ich bin großer Fan unserer Tattoo Events. Unsere Welcome Dinner waren eine tolle Erfahrung und unsere sk8_Art 2020 war ein absolutes Highlight.

Julian: Meine absolute Lieblingsaktion war das ins Leben rufen des Sonnenschein Cafés. Ich kann mich noch genauer erinnern, wie Gülay, ewiges clubkind und Mitgründerin von GoBanyo, dazu aufrief, einen Ort für wohnungslose- und obdachlose Menschen zu schaffen, an dem sie sich aufwärmen und ausruhen können, sowie einfach mal Mensch sein dürfen. Die ersten zwei Wochen, in denen ich täglich beim Aufbau und der Umsetzung geholfen habe, haben mir so viel gegeben. Dort haben wir auch die mobilen Wagen für Obdachlose entworfen und gemeinsam mit Schüler:innen und obdachlosen Menschen gebaut.

Larissa: Für mich war es noch etwas ganz Besonderes die glänzenden Augen bei unseren Farb:Werk Kunstaktionen mit Kindern zu sehen. Aber auch unsere Kickerturniere im Kixx bei denen sich viele Menschen ganz schwerelos kennengelernt haben.

Von Bestehendem profitiert

Wie hat die Pandemie die Arbeit der clubkinder verändert?

Eloise: Uns fehlen Räume, in denen wir analog zusammenkommen können. Alle Veranstaltungen mit Publikum mussten wir absagen, was uns Sichtbarkeit kostet. Wir haben aber Glück und hatten auch vor der Pandemie schon eine digitale Struktur. Außerdem haben wir eigene Projekte aufgezogen, um Menschen, welche die Pandemie am schwersten getroffen hat, zu helfen. So konnten wir unser Sonnenschein Café in Altona größtenteils geöffnet lassen oder haben Kindern und Jugendlichen mit unserer KunstKladde Abwechslung nach Hause geschickt.

Julian: Wir haben uns nicht unterkriegen lassen und so schöne Projekte auf den Weg gebracht, wie etwa die KlangVisite, bei der beschäftigungslose Musiker:innen aus Hamburg für einsame Senior:innen spielten.

Eloise: Aktuell arbeiten wir hinter den Kulissen stark an unserer Zusammenarbeit mit Hamburger Schulen. Auch im kreativen Bereich brodelt es. Sobald wir dürfen und die Pandemielage es zulässt, möchten wir unsere Reihen wie zum Beispiel den Comicslam wieder aufleben lassen.

Es geht immer weiter

Wie können sich Leute bei euch beteiligen?

Julian: Das Sonnenschein Café hat weiterhin geöffnet und lädt dazu ein, nette Bekanntschaften zu schließen, Kaffee zu trinken und leckeren Kuchen zu essen! Jeden Sonntag von 13 bis 17 Uhr in der Kleine Rainstraße 11 in Altona. Dort kann man sich auch super ehrenamtlich engagieren und wir freuen uns über alle, die dort mit anpacken!

Larissa: Oder einfach eine Mail über die Website schicken, sich über Social Media melden oder bei unseren Events vorbeikommen und Teil der clubkinder werden!

Wird es mit dem Spenden-Club Unterm Strich irgendwann weitergehen?

Eloise: Der ist weiterhin da und wird auch bespielt, sobald dies für uns wirtschaftlich wieder möglich ist. Letztes Jahr haben wir immerhin zwei Partys der hoodkinder ausrichten können, was uns sehr gefreut hat. 2022 werden wir unsere eigenen Formate auch vermehrt Unterm Strich ausrichten.

„Lieber etwas herunterfahren und Leben schützen“

Waren Spendensammlungen in Pandemiezeiten überhaupt möglich?

Larissa: Ja, auf jeden Fall, wir mussten uns dafür neu erfinden. Unsere sk8_Art war eines unserer größten Projekte in den letzten Monaten. Dabei haben bekannte Künstler:innen Skatedecks neugestaltet. Diese wurden bei einer wundervollen Ausstellung in der Galerie Pfund und Dollar gezeigt.

Eloise: Wir hatten Glück und wissen seit 2020 auch die Klaus und Lore Rating Stiftung als Unterstützerin an unserer Seite. Außerdem haben wir ein sehr lebendiges Netzwerk und freuen uns sehr über den finanziellen und auch alles weitere an Support.

Wie steht ihr zu den aktuellen Corona-Maßnahmen der Politik?

Eloise: Wir als Verein möchten dazu beitragen, dass wir diese Pandemie mit möglichst wenig Schaden überstehen. Daher halten wir uns an alle Vorgaben und berücksichtigen bei unseren momentan nur wenigen Aktionen diese Maßnahmen. Wir freuen uns schon sehr darauf, wenn entspannte Gemeinsamkeit und Miteinander wieder möglich sind. Damit wir da wieder hinkommen, sind gewisse Einschränkungen leider notwendig.

Julian: Es ist natürlich schade, um all die Events, die nicht mehr stattfinden können, aber lieber etwas herunterfahren und Leben schützen, als unnötige Risiken einzugehen.

clubkinder.de


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 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Februar 2022. Das Magazin ist seit dem 29. Januar 2022 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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