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Clubszene: „Der Wahnsinn ist noch lange nicht vorbei“

Fast jeder Lebensbereich ist von der aktuellen Corona-Krise betroffen. Wie Hamburgs Nachtleben mit der Situation umgeht, erklärt Terry Krug, einst Besitzerin der legendären Tanzhalle, Gründungsmitglied des Clubkombinats, Restaurantbetreiberin und Vorsitzende der Clubstiftung

Interview: Ole Masch

 

SZENE HAMBURG: Terry, was macht eine Clubstiftung?

Terry Krug: Die Stiftung zur Stärkung privater Musikbühnen Hamburg, wie sie richtig heißt, ist eine gemeinnützige Organisation, die laut Satzung den Auftrag hat, die musikalische Attraktivität der Hansestadt Hamburg zu sichern. Ziel der Stiftung ist es, mit Fördermodellen die erheblichen Kosten für die Hamburger Musikclubs abzumildern und eine stetige Kompetenzerweiterung der Betreiberinnen und Betreiber zu begleiten.

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Terry Krug, Gründungsmitglied des Clubkombinats (Foto: Lidija Delovska)

Und in der heutigen Zeit?

Wir haben in den letzten Jahren mit der Clubstiftung und dem Clubkombinat Organisationen aufgebaut, die ein großes Vertrauen in der Szene genießen. Das Netzwerk lebt von persönlichen Kontakten und einem solidarischen Netzwerk. Das hilft jetzt ungemein. Sichtbar wird das gerade bei all den verschiedenen Charity-Aktionen der Clubs, die zu kollektiven Spenden in den gemeinsamen S.O.S. – Save Our Sounds-Rettungsfonds aufrufen.

Wie funktioniert der Fond?

Mit unserer Kampagne sammeln wir Gelder, um ein Clubsterben von unbekanntem Ausmaß zu verhindern. Am bekanntesten ist sicherlich die Aktion „United We Stream“, gestreamte Konzerte und DJ-Sets. Wir haben aber auch einen Onlineshop, in dem wir zum Beispiel die hübschesten Bandanas der Welt verkaufen. Übrigens das Corona-Accessoire schlechthin, wunderbar als Maske zu nutzen.

Oder man gönnt sich zwischendurch mal ein Soli-Bier. Wir kooperieren auch mit vielen tollen Partnern: Weltbekannte DJs wie Solomun rufen ihre Fans zur Unterstützung der Hamburger Szene auf. Unendlich viele Künstler unterstützen das digitale Kulturprogramm unserer Clubs. Kleine Getränkeproduzenten und Lieferanten tun sich zusammen, um sich selbst zu helfen und uns dabei zu unterstützen. Wir erfahren durch viele Aktionen eine sehr breite Unterstützung. Das tut gut. An dieser Stelle ein großes Dankeschön.

Wie viel Geld ist bis jetzt zusammengekommen?

Wir konnten bis Ende März mehr als 120.000 Euro an Spendengeldern generieren. Die Zählung für den April läuft aktuell noch. Wir hoffen, dass wir die vorherige Summe am Ende des Monats toppen können.

 

Gestärkt in die Zukunft starten

 

Hat eine erste Auszahlung bereits stattgefunden?

Leider nein. Mit der Ausschüttung dieser Gelder hat die Stiftung, ähnlich wie viele andere gemeinnützige Organisationen gerade steuerliche Herausforderungen zu bewältigen, die wir im Vorfeld leider so nicht gesehen haben. Corona kommt ja nicht alle Tage.

Wir als Stiftungsvorstand arbeiten aber gerade auf Hochtouren – gemeinsam mit der Behörde für Kultur und Medien und der Finanzbehörde – an einer Lösung. Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir zeitnah ausschütten können, denn das Geld wird dringend benötigt.

Wie geht es danach mit der Kampagne weiter?

Unser Fokus liegt derzeit darauf, alles dafür zu tun, dass die staatlichen Hilfen die Live-Clubs über den anstehenden Sommer retten und dass die privaten S.O.S.-Hilfen insbesondere bestehende Förderlücken füllen können.

Ich persönlich glaube, dass die Clubs in dem zwangsverordneten Sabbatical aber auch alles dafür tun sollten, um sich für die Zeit nach Corona fit zu machen. Jede freie Minute sollte genutzt werden, um sich weiterzubilden und das Geschäft neu aufzustellen. Die Krise könnte dann auch eine Chance sein. Ich kämpfe dafür, dass wir als Stiftung auch dafür Gelder einsetzen, um nach Corona gestärkt in die Zukunft zu starten.

Gibt es Clubs die bereits ganz schließen mussten?

Bisher liegen uns glücklicherweise noch keine Informationen dazu vor. Wir gehen im Moment auch nicht davon aus. Die ersten Soforthilfen von staatlicher Seite konnten sicherlich den einen oder anderen Club vor diesem Schritt bewahren. Aber der Wahnsinn ist noch lange nicht vorbei.

Es wird eine verdammt harte und lange Zeit auf die Spielstätten zukommen. Die Clubs waren die ersten, die von den Schließungen betroffen waren und werden die letzten sein, die wieder aufmachen. Kulturbetriebe sind äußerst fragile Gebilde und einem Biotop gleichzusetzen: Wenn es einmal tot ist, geht es unwiederbringlich verloren.

Welche Soforthilfen vom Staat gab es?

Wir in Hamburg können uns bisher wirklich glücklich schätzen. Die Behörde für Kultur und Medien hat die Livemusik-Spielstätten unter ihren Schutzschirm genommen. Die Clubs werden seit dem Ausbruch der Corona-Krise mit einer Soforthilfe in Höhe von 1,5 Millionen Euro unterstützt.

Diese Förderung ermöglicht den Kulturbetrieben, trotz der anhaltenden Schließungen, die laufenden Kosten wie Miete, Strom und Auslagen für Kurzarbeitergeld bezahlen zu können und wirken ergänzend zu den weiteren Hilfen aus Bund und Land. Eine Überkompensation soll damit ausgeschlossen werden. Wir sind dem Senat sehr dankbar für diesen Support, aber trotzdem müssen wir über die S.O.S.-Kampagne weiter Unterstützungsgelder sammeln.

 

Vitale und vielfältige Clubkultur halten

 

Wie lange reicht das Geld?

Ab Mai brauchen wir dringend eine Verlängerung der Hilfen. Die Clubs, die bisher noch liquide Mittel hatten, wird es nicht mehr geben. Ich bin davon überzeugt, dass nun ausnahmslos alle Musikclubs die Hilfen beantragen müssen.

Außerdem erhoffe ich mir, dass wir uns zusätzliche vermehrt Gedanken über Programme für die Zeit nach Corona machen. Noch besser wären nachhaltige Maßnahmen, die die Spielstätten auf diese Zeit vorbereiten und ihnen die nötigen unternehmerischen Kompetenzen vermitteln, um gestärkt aus der Krise hervorzugehen.

Für Veranstalterinnen und Veranstalter ohne feste Spielstätte wird es auch täglich schwerer. Ebenso für Künstlerinnen und Künstler und die vielen Soloselbständigen im Veranstaltungswesen, die eine vitale und vielfältige Clubkultur ausmachen. Bisher gibt es für diese Gruppe keine wirkliche Lösung. Hier sollte die Politik dringend nachbessern.

Gibt es schon Hinweise wie lange die Schließung der Clubs dauern wird?

Der Kultursenator hat öffentlich die Schließung der Clubs bis zum 30. Juni angekündigt. Wir begrüßen zunächst einmal diese Planungssicherheit.

Aber was bedeutet das?

Im Juli startet für alle die Sommerpause. Das ist die Zeit der Festivals und Outdoorevents. Große Veranstaltungen mit über 1.000 Personen sollen aber bis zum 31.8. untersagt sein. Es ist derzeit nicht absehbar, wann und unter welchen Auflagen die Clubs wieder ihre Türen für Publikum öffnen dürfen. Wir rechnen frühestens Anfang September damit.

 

„Wir wollen mit guten Ideen überraschen“

 

Welche Lösungsansätze seht ihr für eine Lockerung der Maßnahmen?

Das wird nicht einfach. Natürlich könnte man bestuhlte Konzerte veranstalten und die vorgeschriebenen Abstände einhalten. Auch sind Clubs selbstverständlich in der Lage, die erforderlichen Hygienemaßnahmen umzusetzen. Aber! Dies würde bedeuten, dass die Clubs einen erheblichen Teil ihrer Kapazität verlieren und sich das direkt in den Umsätzen widerspiegelt. Die Betriebskosten wären so sicherlich nicht zu decken, von Gewinnen mal ganz abgesehen.

Es sei denn, die Besucher wären bereit höhere Ticketpreise zu zahlen. Oder der Staat hilft weiter mit: Konzertkarten müssten subventioniert werden wie zum Beispiel in der Oper. In der Hochkultur sind die Mehrkosten auch schon vor Corona aus der Staatskasse getragen worden. Dies könnte ein spannender Ansatz sein.

Sind weitere Soli-Aktionen geplant?

Wir wollen hier nicht zu viel erzählen, sondern lieber weiter mit guten Ideen überraschen. So viel sei verraten: Wir werden den Soli-Webshop mit noch mehr Produkten bestücken. Täglich erreichen uns neue Offerten für Soli-Aktionen. Wir hoffen, auf einen breiten Support durch möglichst viele Schichten der Gesellschaft. Denn nur gemeinsam können wir unserer kulturellen Räume erhalten und damit nicht nur die kulturelle Vielfalt Hamburgs retten, sondern auch eine starke Demokratie und eine lebenswerte Gesellschaft schützen.

stiftung­-private-­musik-buehnen­-hamburg.de


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Mai 2020. Das Magazin ist seit dem 30. April 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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Clubluft schnuppern: Virtuelle 3D-Touren

In Zeiten von Corona steht auch das Nachtleben komplett still. Wer trotzdem Clubluft schnuppern möchte, kann dies bei virtuellen 3D-Touren tun. Der Kulturwissenschaftler Alwin Brehde archiviert Musikclubs mit einzigartiger Technik

Text: Mirko Schneider

 

Wenn Alwin Brehde (29) Lust auf einen Besuch des Fund­bureaus hat, muss er dafür nicht zur Sternbrücke fah­ren. Er schaltet einfach sei­nen Computer ein. Brehde greift aber nicht auf Bilder aus dem In­ternet zurück, sondern auf seine eigene virtuelle 3D­-Tour. Er ist Unternehmer, „Rundblick 3D“ heißt sein 2016 gegrün­detes Start­up. Werbeslogan: „Interaktive Besichtigung von realen Räumen in der virtuellen Welt.“

Durch eine einst in den USA für 5.000 Euro erstandene Spezialkamera mit eingebautem Motor wird 360­-Grad­Fotografie mit 3D­-Scans kombiniert. Auf diese Weise schafft Brehde ein begehbares, fotorealistisches Modell eines Raumes. Die Kamera dreht sich von ihrem Standpunkt aus im Kreis und nimmt 36 Einzelaufnahmen auf. Das Ergebnis sind im 3D-­Raum verortete Bilder von sehr hoher Qualität, die dem Betrachter das Gefühl vermitteln, er stünde selbst im Raum. Brehde ist Pionier, sein Start­up war das erste mit dieser Technologie.

 

Bei der Arbeit: Alwin Brehde

Bei der Arbeit: Alwin Brehde

 

Plötzlich taucht beim virtuellen Rundgang durch das Fundbureau ein Hund auf – und ist ebenso schnell wieder weg. „Das ist der Geisterhund“, sagt Brehde und schmunzelt. „Beim Scannen werden in jedem Raum verschiedene Standpunkte eingenommen. Und in diesem Fall war der Hund bei einer der Aufnahmen für kurze Zeit im Bild und hat sich dann wieder woanders hingelegt.

 

„Musikclubs spielen für die Stadtkultur eine wichtige Rolle“

Alwin Brehde

 

Doch natürlich geht es dem studierten Kulturwissenschaftler nicht hauptsächlich um diese nette tierische Episode. Seine Brötchen verdient er durch verschiedene Aufträge. Er scannte bereits die Millerntor Gallery oder den Bunker unter dem Bismarck-Denkmal. Auch virtuelle 3D-Touren von Ferienhäusern bietet er an. Ein Musikclub wie das Fundbureau zieht ihn aber nicht aus monetären Gründen an. „Ehrlich gesagt, mache ich das in diesem Fall aus Idealismus“, sagt Brehde. „Als Kulturwissenschaftler interessiere ich mich sehr dafür, wie sich die Stadt Hamburg und besonders die Stadtkultur entwickelt. Für mich spielen Musikclubs dabei eine wichtige Rolle, das es sich um gewachsene Strukturen handelt, Orte die ihre eigenen Geschichten erzählen. Virtuelle Rundgänge können ein digitales Archiv für Erinnerungen sein, Räume der Vergangenheit bewahrt, durch die man buchstäblich hindurchgehen kann. Meiner Meinung nach sind auch Musikclubs kulturell schützenswert. Indem ich diese gefährdeten Orte virtuell archiviere, möchte ich auch die Arbeit des Clubkombinats und des Denkmalvereins unterstützen. Die Clubs Fundbureau, Astra Stube und Waagenbau sind ja gleichermaßen vom Abriss bedroht.“

Die Deutsche Bahn will die 1926 er­baute, altehrwürdige Sternbrücke abrei­ßen und neu aufbauen, da eine Sanierung nicht möglich sei. Aktuell besitzen die drei Kultclubs einen Mietvertrag bis Ende 2022. Eigentlich sollte schon Ende dieses Jahres endgültig Schluss sein, Ausweichstätten fanden sich bisher nicht. Wie es mit dem Bauvorhaben weitergeht, ist derzeit unklar.

Brehde betrachtet die Auseinander­setzung zudem aus historischer und philosophischer Perspektive. „Einerseits“, so Brehde, „ist das natürlich stets eine subjek­tive Haltung. Die damaligen Hafenarbeiter fanden zum Beispiel den Bau der Spei­cherstadt absolut nicht notwendig, heute gilt sie als Wahrzeichen Hamburgs. Dennoch liegt der Fall hier für mich anders. Und ich finde die Diskussion sehr interessant, warum Musikclubs immer noch als Vergnügungsstätten gelistet und damit beispielsweise mit Stripteaseclubs und Glücksspielhallen gleichgestellt werden? Das ist bei all der Musikgeschichte, die sich hier abgespielt hat, eine durchaus berechtigte Frage.“

 

Entdeckt das Fundbureau in 3D

 

Bewusst bietet Brehde die virtuellen Rundgänge von Fundbureau, Astra Stube und Waagenbau kostenlos auf seiner Webseite an. Besonders schön: Er hat nicht nur das authentische Club-­Flair mit Tags, Bühnen, Kreide­Speisekarten oder „FCK AFD“-Aufklebern eingefangen (Brehde: „Es freut mich doch immer wieder, so etwas zu sehen!“), sondern auch Lern­material in den 3D­-Räumen versteckt. So sind unter anderem Originalbilder des Baus der Sternbrücke aus dem Jahr 1926 zu sehen, um die historische Dimension des Ortes zu zeigen. „Mir geht es darum, die kulturelle Vielfalt sicht­bar zu machen. Und ich würde mich sehr freuen, wenn dadurch eine Dis­kussion in Gang kommt, bei der sich auch Leute beteiligen, die nicht unbedingt in die Clubs gehen. Das Thema braucht eine größere Öffentlich­keit.“

Mit diesem Ansinnen rennt Brehde beim Clubkombinat, dem Verband der Hamburger Clubbetreiber, offene Tü­ren ein. „Für uns ist das eine sehr begrü­ßenswerte Aktion“, sagt Geschäftsführer Thore Debor (43). „Es ist eine neue Form, auf gefährdete Orte aufmerksam zu ma­chen, indem man sie virtuell historisiert.“ Zum Rückkehrrecht der Clubs nach einem eventuellen Neubau der Sternbrücke kann Debor noch keine Auskunft geben: „Da ist noch nichts endgültig entschieden.“

 

„Der besondere Charakter der Sternbrücke sollte unbedingt erhalten bleiben“

Kristina Sassenscheidt

 

Genau wie das Clubkombinat freut sich auch der Denkmalverein Hamburg über Brehdes Arbeit: „Ich finde es total eindrucksvoll, wie sich mit dieser Technik ganz neue Erzählformen entwickeln“, so Geschäftsführerin Kristina Sassenscheidt (42). „Man bekommt überraschende Ein­blicke, die weit über die Möglichkeiten ei­ner textlichen Beschreibung hinausgehen.“

Auf der Webseite des Vereins finden sich unter dem Stichpunkt „Gefährdet“ eine Reihe bedrohter Orte, darunter auch die Sternbrücke. Sassenscheidt: „Ich wohne gar nicht weit entfernt. Es ist einer der ur­bansten und vitalsten Stadträume in Ham­burg mit seiner speziellen Mischung aus Altbauten, unterschiedlichen Verkehrs­formen und dem pulsierenden Nachtle­ben. Der besondere Charakter dieses Ortes sollte unbedingt erhalten bleiben.“

Des­halb wurde Anfang März die „Initiative Sternbrücke“ gegründet, der auch der Denkmalverein angehört. Auch Brehde freut sich über die Initiative. Der Denk­malverein hat ihm bereits Tipps zu wei­teren gefährdeten Orten zukommen lassen, deren Einzigartigkeit er in virtuellen 3D-­Rundgängen der breiten Öffentlichkeit zugänglich machen könnte. „Beim Grün­dungstreffen der Initiative waren über 50 Leute. Was sofort deutlich wurde, ist der große Wunsch nach Partizipation“, sagt Sassenscheidt. „Sowohl die Brücke als auch ihre gewachsene Umgebung halten wir alle für sehr wichtig.“

Mehr Infos und 3D-Rundgänge unter rundblick3.de


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, April 2020. Das Magazin ist seit dem 28. März 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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Club-Kataster: Musikspielstätten kartieren statt verlieren

Die Musikspielstätten der Stadt können dank des Clubkombinats Hamburg in Zukunft schwerer übersehen werden: Kürzlich ist mit dem Club-Kataster eine Art Stadtentwicklungs-Google-Maps zur Verortung der lokalen Clubszene online gegangen

Text: Levke Marie Nielsen

 

Über 10.00 Supporter der Petition zur Kampagne Future Music City forderten 2018 den Einsatz der Stadt Hamburg gegen drohendes Clubsterben, für den Erhalt von Kultur(frei)räumen und die Anerkennung des gesellschaftlichen Wertes von Musikclubs als soziale und kulturelle Orte.

Teile des Appells fanden bereits Gehör. Örtliche Politik wie Behörden investierten finanziell-strukturell und mit größerer Aufmerksamkeit in die Interessen der Clubmacher, Künstler, Musikliebhaber und eben auch manch ruhebedürftiger Anwohner. Hilfen für Lärmschutzmaßnahmen wurden bereitgestellt, einige Auflagen zumindest überdacht und Förderungen für Veranstaltungen aufgestockt. Doch viele Probleme bleiben – vor allem, wenn es um bisher vornehmlich Investoren orientierte Entscheidungen über Bauvorhaben im näheren Radius von Clubs geht und bei der Entwicklung von Nutzungskonzepten für Freiflächen Kultur nicht mitgedacht wird.

 

Ein Seismograf für die bedrohte Clublandschaft

 

Das Clubkombinat, Hüter Hamburger Musikspielstätten und deren Interessenvertretung, ruhte sich jedoch nicht auf dem ersten Erfolg der Kampagne aus, sondern schmiedete den nächsten Masterplan: ein Club-Kataster. „In Zeiten zunehmend verdichteter Städte und Flächenverwertungsdruck geraten Clubs immer mehr in Bedrängnis. Eine Stadt ist gut beraten, wenn sie sich einen Überblick über die Lage und die Entwicklung der Musikspielstätten verschafft“, so Thore Debor, Geschäftsführer des Clubkombinats.

Beim diesjährigen Reeperbahn Festival wurde nun auf zwei Veranstaltungen das Tool von Experten diskutiert und vorgestellt, welches der Club-Lobby ein frühzeitiges Ein- und Mitmischen in Stadtentwicklung und -management erlauben soll – und zwar schon bevor die Abrissbirne bedrohlich vor der Nase der Clubbetreiber schwingt. Dafür wird eine digitale Stadtkarte mit Geodaten der Clubs gefüttert und in Zusammenarbeit mit der Behörde für Stadtentwicklung fließen aktuelle Bebauungs- und Flächennutzungspläne ein. „Das Clubkombinat sammelt und pflegt die Daten und überträgt diese per Schnittstelle an den Landesbetrieb für Geoinformation und Vermessung, der die Daten dann einspeist“, erklärt Debor. Bevor Musikspielstätten eingetragen werden können, müssen sie die Informationen über sich freigeben. Sie erscheinen dann als kleine grüne Lautsprechersymbole.

Das Club-Kataster wird von der Kulturbehörde gefördert. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Die Musikclubs tragen das ganze Jahr zur Lebensqualität und kulturellen Vielfalt der Stadt bei. Mit dem Club-Kataster ist jetzt transparent, wo es überall Clubs in der Stadt gibt, um künftig schon im Planungsstadium mögliche Zielkonflikte zwischen Bauvorhaben und kultureller Nutzung zu lösen.“

 

Miteinander reden 2.0

 

Wie dies in der Praxis funktioniert erklärt Thore Debor so: „Aktuell erstellen wir einen automatischen Alarm, der eine Nachricht erzeugt, sobald bestehende Musikspielstätten von neuen Bebauungsplänen bedroht sind. So können wir die betroffenen Clubs informieren und deren Belange einholen.“ Das Kataster kann den Clubs als Empowerment-Werkzeug für eine datenbasierte Argumentation dienen und zwischen Immobilienplayern, Verwaltung und Kulturschaffenden vermitteln. Nur so könne angesichts der Nachverdichtung in Städten, Lärmbeschwerden und Verdrängung von Clubs an den Stadtrand – auch wegen steigender Mieten – vorgebeugt werden.

Beim Reeperbahn Festival stieß das Projekt auf breite Zustimmung. Im Rahmen der Konferenz kamen Experten zum Thema „Integrierte Stadtentwicklung – Kultur goes Stadtplanung“ zusammen. Das Hamburger Club-Kataster habe bundesweit Vorbildcharakter. Till Kniola vom Kulturamt Köln bestätigte die Wichtigkeit aus Verwaltungssicht. Ein Äquivalent sei in der Domstadt ebenfalls in Planung. Für die Clubstadt Berlin existiert bereits eine Beta-Version. In Leipzig wird über ein umfassenderes Kultur-Kataster diskutiert, das Kultur in all seinen Bedeutungen und mit entsprechenden Veranstaltungsorten abbildet.

Doch egal, wo man hinschaut, die Mission lautet nicht nur Bewahrung des aktuellen Bestands, sondern idealerweise auch „potenzielle Eroberungs- und Erprobungsräume für die kreativen Szenen zu identifizieren und verfügbare Flächen in neuen Stadtquartieren zu etablieren“, so Thore Debor vom Clubkombinat. Architektin und Stadtgestalterin Julia Erdmann plädiert dafür, frühzeitig interdisziplinäre Perspektiven in den Planungsprozess miteinzubeziehen. Schon im Zuge der Ideenentwicklung für ein neues Quartier sollten alle Interessen im Stadtteil, auch die kulturellen, berücksichtigt werden. Beteiligung, so simpel es klingen mag, sei kein Selbstverständnis.

Übrigens: Musikspielstätten vergangener Tage werden im Hamburger Club- Kataster ebenfalls abgebildet. Denn auch die Analyse des Niedergangs könnte bei der Erhaltung aktueller und künftiger Clubstandorte helfen – und vielleicht lässt sich aus diesen Fällen für die Future Music City lernen.

clubkombinat.de/projekte/ club-kataster


szene-hamburg-november-2019Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, November 2019. Titelthema: Sexualität. Das Magazin ist seit dem 27. Oktober 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Clubkombinat: Vereint für die Clubvielfalt der Stadt

Das Clubkombinat ist Hamburgs Interessenvertretung für Musikspielstätten und ihre Betreiber. Kürzlich wurde der Verein 15 Jahre alt. SZENE HAMBURG sprach mit Geschäftsführer Thore Debor über Lobbyarbeit, Meilensteine und Brachflächen der Clublandschaft

Interview: Ole Masch
Foto (o.): Clubkombinat

 

SZENE HAMBURG: Thore, am 6. Juli hattet ihr 15. Geburtstag. Wurde groß gefeiert?

Thore Debor: Wir sind zu diesem Anlass mit zwei Themen nach draußen gegangen: Die Veröffentlichung des Clubtüren-Posters, auf dem wir 81 Clubtüren vereinen und die Vielfalt der Clublandschaft zeigen. Und gleichzeitig mit einer Reportage auf unsere Website, die die Anfänge und Geschichte des Clubkombinats nachzeichnet. Im August gibt es dann unser Sommerfest, wo wir richtig die Korken knallen lassen.

Was macht ein Geschäftsführer im Clubkombinat? 

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Geschäftsführer Clubkombinat: Thore Debor / Foto: Peter Eichelmann

Er ist dafür eingesetzt die Beschlüsse des Vorstands umzusetzen. Meine erste Aufgabe war es einst, die Umzugskisten zu packen und sie von der Lerchenstraße in unsere jetzige Geschäftsstelle in der Kastanienallee zu verfrachten. Damals umfasste der Personalstamm eine Mitarbeiterin auf Minijob-Basis. Das konnte erst im Jahr 2012 mit der Ausschreibung dieser Stelle geändert werden.

Und seitdem bist du in dieser Position?

Ja, einer meiner ersten Jobs nach dem Studium der Kulturwissenschaften war der Aufbau des Klubsen in Hammerbrook. Damit war ich automatisch Mitglied im Clubkombinat.

Ein Fazit meiner Magisterarbeit war, dass es einen Bundesverband für die Vertretung von Live-Musik-Spielstätten geben müsste. Und dann wurde eine geteilte Stelle ausgeschrieben, die zum einen solch einen Bundesverband, die LiveKomm, mit aufbauen sollte und zum anderen die Geschäftsführung des Clubkombinats beinhaltete.

 

„Hamburg ist viel mehr als Musicals oder Staatsoper“

 

Warum wurde einige Jahre vorher das Clubkombinat gegründet?

Der Druck, der damals von außen auf die Clubs einwirkte, war so groß, dass man dagegen besser als Gemeinschaft vorgehen wollte. Ein Thema war die Plakatierung für Veranstaltungen. Vieles deckt sich mit den Problemen von heute. Zum Beispiel Lärmbeschwerden oder die Stellplatzabgabe.

Außerdem mangelte es damals aus Künstlerperspektive an Auftrittsorten. Um diese dicken Bretter zu bohren, braucht man mehrere Bohrer.

Welche Dinge konntet ihr als junger Verband erreichen?

Zum Beispiel das monatliche Clubplakat. Viele konnten sich Werbung allein nicht mehr leisten. Bei einem Plakat mit Programm von bis zu 40 Clubs, bekommen auch die Kleineren eine Chance sich zu präsentieren. Dieser Evergreen ist nach wie vor ausgebucht, weil es wichtig ist zu zeigen, dass die Musikstadt Hamburg viel mehr als Musicals oder Staatsoper ist. Auch als politisches Statement.

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Die Clubtüren unserer Stadt / Foto: Clubkombinat

Wie seid ihr vernetzt?

Über die schon erwähnte Gründung des Bundesverband und darüber hinaus über den europäischen Verband Live DMA. Die Mitglieder aus 15 Ländern setzen sich gerade damit auseinander, dass die WHO in ihren neuen Richtlinien für Europa, Konzert- und Clublärm genauso gesundheitsgefährdend einstuft wie Motor- und Straßenlärm. Sie empfiehlt daher nur zwei Konzerte im Jahr zu besuchen. Aus unserer Sicht ist die Vernetzung gerade jetzt so wichtig, weil wir schon einwirken können, bevor sich solche Empfehlungen in der Gesetzgebung niederschlagen.

Das Bretterbohren bleibt also?

Ja, neben der Vernetzung der Szene ist es Kern des Verbandes, die Rahmenbedingungen für Live-Musik in Hamburg zu verbessern.

Vor ein paar Jahren habt ihr die Clubstiftung gegründet. Welchem Zweck dient sie?

Dies geschah in Zusammenarbeit mit der Stadt. Sie ist als gemeinnützig anerkannt und hat trotzdem den Fokus, eine Stiftung zur Stärkung privater Musikbühnen zu sein. Das war juristisch gar nicht so einfach darzulegen, dass wir damit kein wirtschaftliches, sondern ein kulturelles Interesse verfolgen.

Wie finanziert sie sich?

Zum einen aus unserem Ticketing FairTix. Über 40 Veranstalter machen dort mit und im letzten Jahr wurden so 56.000 Tickets verkauft, von denen jeweils ein Euro in die Stiftung fließt. Und dann gibt es den ein oder anderen Mäzen, der gern im Hintergrund bleiben möchte, aber sagt, dass Musik sein Leben geprägt hat und er gerne etwas zurückgeben möchte. Das können natürlich gerne noch mehr werden (grinst).

Wen fördert die Stiftung konkret?

Wir haben zum Beispiel damals den Wiederaufau des Golden Pudel Club unterstützen können. Spenden, zu denen er selber aufgerufen hat, konnten dann über die Clubstiftung zweckgebunden und steuervergünstigt eingesammelt werden.

 

Kulturraum braucht Schutz

 

Womit befasst ihr euch heute?

Zum Beispiel, dass Clubs künftig in der Baunutzungsverordnung nicht mehr als Vergnügungsstätten eingeordnet werden, sondern als Anlagen kultureller Zwecke.

Vergnügungsstätten sind nach allgemeiner Lesart Orte, die schadhafte Auswirkung auf die Stadtentwicklung haben. Damit stehen wir auf einer Stufe mit Wettbüros, Spielhallen und Sexshops. Wir wollen damit einen sogenannten Kulturraumschutz einleiten.

Mit welchem Ziel?

Es geht letztlich immer um die Frage, was unsere Städte lebenswert macht. Die Programme der Clubs machen eine Stadt attraktiv. Deswegen ziehen hier junge Leute hin und eine Stadt profitiert davon sehr reichhaltig.

Mit zunehmenden Luxussanierungen kommt aber auch ein anderes Klientel. Die lesen über die Wohnung im Szeneviertel und haben die Besichtigung Montagvormittag. Natürlich haben sie das gesetzlich verbriefte Recht die Dorfruhe einzuklagen, man fragt sich aber, ob sie wirklich nicht wissen, dass es Samstagabend mal lauter wird. Wir sind da als Sprachrohr der Clubs gesprächsbereit, aber würden uns wünschen, dass es manche Anwohner auch ein wenig häufiger wären.

Die Stadt müsste ein Interesse daran haben, dass beide Seiten miteinander leben können.

Das hat sie. Nicht zuletzt durch unser Einwirken, wurden dafür von der Stadt zum Beispiel Mittel aus dem Sanierungsfonds verwendet, um private Musikclubs im Sinne des Lärmschutz abzudichten. Das konnten wir bei etwa neun Clubs bereits machen.

Wo konkret?

Zum Beispiel bei der Prinzenbar. Es wurde eine Lüftungs- und Klimaanlage installiert, die dazu führt, dass es während des Clubbetriebs, nicht mehr so heiß wird und die Leute zum Rauchen und Abkühlen nach draußen müssen. Dafür gilt ein Dank in Richtung Bürgerschaft.

Das klingt erst mal sehr positiv …

Ja. Früher wurden Clubbesitzer häufig so behandelt, als seien sie Luden und die unterste Schublade an Gewerbetreibenden. Da hat sich viel gewandelt. Man hat begriffen, dass die Arbeit unserer Mitglieder einen Wert für die Stadt hat. Und natürlich sind mittlerweile in der Politik auch Menschen unterwegs, die durch die Clubszene sozialisiert wurden.

Wenn man auf Hamburg guckt, sind zwei der spannendsten Clubprojekte wie Moloch und Südpol, mit befördert durch die Kreativgesellschaft. Das ist eine städtische Einrichtung, die solche Freiräume ermöglicht. Das zeigt aber auch, dass die Trüffelschweine von früher, die es alleine geschafft haben solche Orte zu finden, es nicht mehr sehr leicht haben.

Die Stadt übernimmt ein Stück weit diese Aufgabe, um große Player wie die Deutsche Bahn oder die HafenCity GmbH davon zu überzeugen, dass dort Clubs nicht weh tun.

 

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Kein Molotow in Sicht: Blick aus dem Clubkombinat auf das ehemalige Esso-Gelände / Foto: Ole Masch

 

Um sich damit zu schmücken?

Wenn man es ermöglicht, darf man sich auch damit schmücken. Die beiden erwähnten Clubs sind ein positives Beispiel, dass man in Hamburg Menschen an Orte bewegen kann, die sonst fürs Nachtleben weniger bekannt sind.

Gibt es zurzeit überhaupt das häufig zitierte Clubsterben?

Wir wären die Ersten, die den Begriff offiziell in den Mund nehmen. Im Moment geht es aber weniger darum, dass Orte wegsterben und keine neuen Musikspielstätten entstehen, sondern darum, was in den Orten passiert. Also qualitativ an Programm.

Durch höhere Gewerbemieten und Auflagen wird alles teurer und wirkt sich negativ auf die gestalterische kreative Freiheit aus. Wir befürchten, die Vielfalt an musikalischem Programm könnte dadurch in Zukunft schwerer gewährleistet werden.

Hamburg hat bundesweit auf die Einwohnerzahl gemessen die höchste Konzertanzahl und Clubdichte und diesen Platz zu halten ist eine anspruchsvolle Aufgabe.

Mit der Kogge ist gerade ein Ort gestorben. Eigentlich wollte sie auf das ehemalige Esso-Gelände ziehen. Stattdessen nur Brachfläche. Wie steht das Clubkombinat zu den Entwicklungen rund um das geplante Paloma-Viertel?

Durch Verzögerungen die hier entstanden sind, ist die Kogge jetzt wohl fatalerweise nicht mehr zu retten. Allerdings wurde seitens der Stadt gegenüber der Bayerischen Hausbau scheinbar nicht konsequent zu Ende verhandelt. Die freut sich, weil sie sich ungebunden durch den städtebaulichen Vertrag frei jemanden aussuchen können. Ob das Molotow dort wieder einziehen kann ist ähnlich fraglich.

Durch gesteigerte Auflagen in Kellerclubs muss man breitere Treppen als Fluchtwege bauen. Dafür will eine Bayerische Hausbau die entsprechende Miete haben. Das kann ein Molotow sich aber kaum leisten.

Was wäre die Lösung?

Dass die Bayerische Hausbau zu ihren Ursprungsaussagen steht und die alten Mieter dort wieder eine Heimat finden. Sie hat sich ja im Prinzip dazu verpflichtet, ein solches Angebot zu machen.

Durch teure Wohnungen auf dem Dach könnten die Clubs im Keller quer subventioniert werden. Wenn sie dazu nicht bereit ist, wird es kaum ein Molotow im Paloma-Viertel geben. Das wäre sehr unerfreulich, denn das Molotow gehört ursprünglich dorthin.

Clubkombinat.de


Szene-Hamburg-August-2019-TitelDieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, August 2019. Titelthema: Wie sozial ist Hamburg? Das Magazin ist seit dem 27. Juli 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Club Award – die besten Bühnen der Stadt

Das Hamburger Clubkombinat zeichnet die besten Musikbühnen der Stadt aus. Auch in diesem Jahr kann das Publikum für seinen Lieblingsladen abstimmen.

Text: Ole Masch

Neues Jahr, neue Runde. Am 24. Januar verleiht das Clubkombinat den Hamburger Club Award. Zum neunten Mal werden die begehrten Trophäen an (dann) ausgezeichnete Musikbühnenbetreiber und Veranstalter vergeben. Bereits Ende November startete die Bewerbungsphase für Kategorien wie Musikclub des Jahres, stärkste Newcomerförderung oder das beste Konzert. Eine Jury bestehend aus über 200 Personen der Hamburger Musik- und Medienwirtschaft, unter anderem von SZENE HAMBURG, wählt die Preisträger per Punktevergabe.

 

Green Clubs und die „zerbrochene Gitarre“

 

Erstmals in diesem Jahr, wird der Preis für den Green Club des Jahres vergeben. „Die Einführung dieser Kategorie ist der Versuch, das Engagement der Clubszene für eine zukunftsfähige Entwicklung sichtbar( er) zu machen“, erklärt Clubkombinat-Geschäftsführer Thore Debor. „Es gewinnt derjenige, der die Fachjury in den sechs Handlungsfeldern Licht, Technik und Energie, Gastronomie & Catering, Reinigung & Hygiene, Produktion & Büro, Mobilität und besonderes Engagement zur Integration von Umweltthemen, überzeugt.“

Der Vorstand des Clubkombinats verleiht zudem einen Ehrenpreis an eine Person oder Institution, die sich besonders für die Hamburger Clubkultur und ihr Fortbestehen eingesetzt hat und den Negativpreis „Zerbrochenen Gitarre“, der auf Missstände in der Clublandschaft aufmerksam macht.

Und natürlich darf in diesem Jahr auch das Publikum selbst abstimmen und den beliebtesten Musikclub des Jahres küren. Auf den Seiten des Clubkombinats sind Hamburgs Clubgänger ab sofort aufgefordert, für ihren Lieblingsladen abzustimmen. Das Voting läuft bis 20. Januar. Vier Tage später folgt die große Preisverleihung mit einer Gala im Docks.


Dieser Beitrag stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Januar 2019. Das Magazin ist seit dem 21. Dezember 2018 im Handel und zeitlos im Online Shop und als ePaper erhältlich! 


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Club Award 2018: Eine Krone für den Club

Weit über 11.000 Veranstaltungen, geschätzte vier Millionen Besucher. Die Hamburger Liveclub-Szene brummt. Clubkombinat und Kulturbehörde finden das ausgezeichnet und vergeben die Club Awards 2018

Manch Clubbetreiber mag sich eben erst von den Silvesterfeierlichkeiten erholt haben, da steht bereits das nächste große Nachtleben-Event ins Haus. Am 25. Januar werden im Docks die Hamburger Club Awards verliehen. Bereits zum achten Mal gibt es die begehrten Trophäen. „Auch 2018 verschafft der Award den Leistungen der Clubszene die notwendige Aufmerksamkeit“, meint Lucas Paradies vom Clubkombinat. „Er bringt all diejenigen zum Feiern zusammen, die trotz zahlreicher Bedrohungslagen allabendlich mit Herzblut und Idealismus dafür sorgen, dass Clubgängerinnen eine schier endlose Zahl an Live-Konzerten und Partys erleben können“.

Und genau das soll belohnt werden. Im Rahmen der Verleihung werden Awards in Kategorien wie Bester neuer Club, Stärkste Newcomer-Förderung oder Clubnacht des Jahres verliehen. Das im letzten Jahr überarbeitete Jury-Verfahren, setzt auch diesmal auf die Schwarmintelligenz von rund 250 Personen aus der Hamburger Musikszene. „Es steht vor allem für mehr Fairness und Transparenz im Auswahlprozess,da persönliche Präferenzen weniger ins Gewicht fallen“, so Paradies. „Aus der Clubszene erreichte uns vielfach das Feedback, dass eine solche Ehrung nunviel mehr bedeutet“. Für den Award Beliebtester Musikclub des Jahres gilt das schon lange. Er wird seit jeher vom Publikum vergeben: Auf der Seite des Clubkombinats kann jeder noch bis zum 21. Januar für seinen persönlichen Lieblingsladen stimmen und seinem Club die Krone verleihen.

Text: Ole Masch

Foto: Ulrike Schmidt

Abstimmen unter award.clubkombinat.de