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Tanzen unter freiem Himmel: 10 Open-Air-Locations

Die Temperaturen steigen und im Mai soll es noch bis zu 30 Grad werden. Es wird also Zeit die Sonnenbrille rauszuholen und wieder unter freiem Himmel zu tanzen! Hier kommen 10 Open-Air-Locations zum Trinken und Tanzen an der frischen Luft.

Text: Henry Lührs

Partys und Konzerte auf dem Knust Vorplatz

Von Frühling bis Spätsommer finden im Rahmen der „Knust Lattenplatz Open Air” jede Menge Konzerte, Partys und kleinere Festivals statt. Schon für kleines Geld oder sogar kostenlos können Spontanentschlossene hier warme Tage bestens mit einem kalten Bier in der Hand ausklingen lassen.

Ein Highlight sind jedes Jahr die zahlreichen „Knust Acoustic” bei denen Bands und Singer Songwriter akustische Konzerte unter freiem Himmel spielen. Hier haben zum Beispiel schon Jupiter Jones, Enno Bunger oder OK KID den sonnigen Platz zwischen Karostar und Schlachthofgebäude gerockt. Kommende Open-Airs im Mai sind zum Beispiel die Konzerte von Fazer, Lucas Laufen oder Ian Fisher und Band.

Public Viewing auf dem Lattenplatz beim Knust Foto: Knust
Kostenloses Konzert vor dem Knust (Foto: Lattenplatz Open Air)

Indie-Party im Backyard vom Molotow

Im Hinterhof des Molotows versteckt sich das legendäre Backyard. Hier finden im Sommer verschiedenste Gigs statt und auch Partys werden hin und wieder mit nach draußen verlegt. Neben der Möglichkeit an der frischen Luft zu verschnaufen oder eine (Raucher)Pause einzulegen, wartet außerdem eine kleine Bar mit kaltem Bier.

Das Backyard bietet Platz für Kleinere Festivals und hin und wieder wird der Hinterhof in einen Biergarten umgewandelt. Bis in den nächsten Morgen kann man sich hier die Sommernächte unter Lichterketten und Lampions um die Ohren hauen. Kommende Open-Air-Konzerte im Mai gibt es zum Beispiel von My Ugly Clementine oder Team Scheisse. Im Juni spielt außerdem Edwin Rosen unter freiem Himmel und das Booze Cruise Festival bespielt die Bühne des Backyards.

Tanzen wieder möglich: Molotow (Foto: Alexander Schliephake/www.instagram.com/_fox_on_the_run)
Tanzen wieder möglich: Molotow (Foto: Alexander Schliephake via Instagram)

Open-Air Raven im Edelfettwerk

Das Edelfettwerk ist bestens ausgestattet für die Open-Air-Saison. Hier kann nicht nur auf der großen BackYard-Terasse getanzt werden, sondern mit der Dachterasse und zwei Beachclubs gibt es gleich vier verschiedene Außenbereiche. Die ehemalige Fabrik für Edelfette hat bis heute ihren industriellen und urbanen Charme behalten.

Auf 400 Quadratmetern wird auf den verschiedenen Floors gefeiert – meistens zu Electro, House oder Drum’n’Bass. Techno-Highlights im Mai sind unter anderem die „Secret Garden“ Open Air oder die 16 Stunden Open Air „Yes we Dance”. Außerdem findet hier mit dem „Save the Summer Festival“ schon das erste Open-Air-Festival des Jahres statt.

Open-Air-Party (Foto: Edelfettwerk via Facebook)

Biergarten und Livemusik im Schroedingers

Direkt im Schanzenpark findet sich eine Mischung aus Kulturzentrum, Cafe, Restaurant und Eventlocation. In Corona-Zeiten hat sich vor allem der riesige Außenbereich als perfekter Ort für Konzerte und Live-Events bewährt. Jedes Wochenende werden hier verschiedene Partys gefeiert. Zu den Regelmäßigen Events gehören „Schrödingers Lichtung“ und „Schrödingers Tanzbar“, viele Veranstaltungen werden aber auch spontan über Social Media angekündigt.

Biergarten und After-Work Party kommen hier jedenfalls im modernen und zwanglosen Gewandt daher. Bei den Schrödingers Open Airs legen aber auch gerne mal renommierte DJs wie Oliver Schorries auf. Auf das Line-Up in diesem Sommer darf man daher gespannt sein!

Gesellige Sommerabende im Schanzenpark (Foto: Schroedingers via Facebook)

Open Air am Moorburger Elbdeich

Gute Partys gibt es nicht nur im Stadtkern! Gerade wenn es um Open Airs und elektronische Musik geht, lohnt sich generell der Blick auf die andere Elbseite. In Moorburg hat der Elbdeich e.V eine lebendige Plattform für Kunst, Musik und Feierkultur etabliert. Zwischen Autobahn, Hafenindustrie und Kraftwerk blüht hier das Leben bei den verschiedensten Veranstaltungen auf.

Im Sommer stehen natürlich auch Open Airs auf dem Programm. Die „Hofnarren Open Air“ lädt zum Beispiel am 28. Mai dazu ein, endlich wieder unter der Sonne zu tanzen. Auf die Ohren gibt es natürlich feinsten Techno. Aber auch das Swamp-Festival Ende Juni bringt Livemusik an den Moorburger Elbdeich.

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Foto: SZENE HAMBURG

Bootsparty auf der MS KOI

Was gibt es schöneres als auf der Elbe dem Sonnenuntergang entgegen zu schippern?! In Hamburg ist das möglich und zwar zu lauter Musik und ausgelassenen Partys auf der MS KOI. Vorbei an den vielen Kränen kann man hier auf drei Decks einmal quer durch den Hamburger Hafen tanzen. Die ersten beiden Touren für dieses Jahr hat das Party-Schiff schon angekündigt!

Am 21. Mai organisiert der Musikclub NOHO eine große 90er-Party. Auch die Sunset-Boatparty von Boris Dlugosch und Derrick White findet wieder statt, und zwar am 11. Juni 2022. Alle weiteren Partys und Events wird die MS KOI sicherlich in den nächsten Wochen ankündigen.

Auf der Elbe in den Sonnenuntergang tanzen (Foto: MS KOI via Facebook)

Livemusik auf dem Dockville Gelände

In den Sommermonaten ist auf dem Dockville-Gelände in Wilhelmsburg eigentlich immer etwas los. Auch wenn das MS Dockville Festival selbst natürlich das absolute Highlight der Open-Air Saison ist, lohnt sich der Ausflug auf die Elbinsel auch an anderen Tagen. Neben dem Dockville Festival findet beispielsweise auch das MS Artville Festival, das Spektrum Festival oder der Vogelball statt.

Neben diesen regulären Terminen gibt es aber auch noch einige weitere Konzerthighlights diesen Sommer. Am 27. August tritt der DJ und Produzent Boris Brechja bei einer großen Liveshow an der Alten Schleuse auf. Am 4. September kommt die Hamburger Techno Marching Band Meute für ein Konzert nach Wilhelmsburg. Es lohnt sich also die Augen offen zu halten und auf das Line-Up zu achten.

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Ekstase auf dem Dockville-Gelände (Foto: Andreas Hornoff)

Beach-Clubbing bei Strand Pauli

Der Beachclub Strand Pauli ist bereits im Sommermodus und hat den Laden komplett auf Vordermann gebracht. Mitten auf St.Pauli gibt es hier leckere Drinks mit Blick auf Elbe und Hafenpanorama. Bis Oktober ist die „Insel in der Stadt“, wie sich der Club selbst bezeichnet, sieben Tage die Woche geöffnet. Hier schmeckt das Feierabendbier an den geselligen Grillabenden besonders gut.

Aber natürlich kann im Strand Pauli auch regelmäßig gefeiert werden. Wer keine Lust hat, auf das nächste Event zu warten, kann die eigene Freundesgruppe anmelden und selbst einen drauf machen (ab 15 Personen) oder ganze Teile des Ladens für die eigene Party mieten (ab 50 Personen).

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Sonnenuntergang im Beachclub am Hafen (Foto: Strandpauli)

Drinks und DJs in der Sands Bar

Direkt am Dammtor Bahnhof befindet sich die Kult-Cocktailbar Sands Bar. Hier gibt es leckere Drinks in entspannter und schicker Atmosphäre. Die große Terrasse wurde für die Open-Air-Saison neu gestaltet und mit einer kleinen Eventfläche ausgestattet. Bei den Sands-Open-Airs wurde in der Vergangenheit bereits ausgelassen in laue Sommernächte gefeiert. Wer gute Cocktails zu schätzen weiss, wird sich hier über eine prächtige Bar freuen.

Buntes Treiben auf der Sonnenterasse (Foto Sands Bar via Facebook)

Über den Dächern feiern im Clouds

Ganz Hamburg im Blick und dabei eine Gin Tonic in der Hand haben? In der Clouds Heaven’s Bar ist das kein Problem! Gefeiert wird hier allerdings eigenen Angaben zur Folge auch in „uppereast-Manier“. Zum Beispiel am 21. Mai 2022 bei der achten Ausgabe der Partyreihe „Upperclouds“. Auf der Dachterrasse der Bar, dem heaven’s nest, lässt es sich gut über den Dingen stehen und bei dem Elbblick schmeckt der Schampus besonders gut. Beim Dresscode gilt: Dress to Impress!

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Lounge-Feeling über den Dächern der Stadt (Foto: Clouds Heaven Nest)

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2G-Modell: Hamburg lockert weiter

Zum 25. September 2021 lockert der Hamburger Senat einige Corona-Regeln im Rahmen des 2G-Modells. Diese sollen vorerst bis zum 23. Oktober gelten

Text: Felix Willeke

 

Die Masekenpflicht fällt in Clubs mit 2G-Regel und auch die Stadien dürfen danke der 2G-Regelung wieder voll werden. Das sind die Eckpunkte der neuen Lockerungen des Hamburger Senats. Für die Hamburger Clubs bedeutet das: Ab Samstag, dem 25. September 2021 um 0 Uhr dürften Geimpfte und Genesene wieder ohne Maske, abstandslos und ohne Beschränkung der Personenanzahl tanzen. Das Clubkombinat Hamburg e.V. begrüßt diese Entscheidung und fordert zugleich weitere Anpassungen, „um die Ungleichbehandlung zwischen privaten Veranstaltungen und öffentlichen Veranstaltungen aufzulösen.“ Aktuell sind in Hamburg, laut der dpa, fast 800 Betriebe und 600 Veranstaltungen für das 2G-Modell angemeldet.

 

Wieder mehr Fans in die Stadien

 

Ebenfalls auf 2G setzen alle großen Hamburger Sportvereine bis auf den Hamburger SV. Während der FC St. Pauli am vergangenen Wochenende mit dem 2G-Modell sein Stadion schon wieder zu 50 Prozent füllen durfte, können es beim nächsten Heimspiel dann wieder alle 29.546 Plätze besetzt werden. Diese Regelung gilt auch für den Hamburger SV, die am 26. September den 1. FC Nürnberg empfangen. Ob der Verein dann schon auf 2G umgestellt hat, ist fraglich, da der Vorverkauf für das Spiel nach 3G-Modell schon begonnen hat.

Die neuen Regelungen gelten vorerst bis zum 23. Oktober 2021. Dann wird sich der Senat erneut beraten.


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Chris: „Hamburg macht ein Bewusstsein für Genuss und Geschmack aus“

Tagein, tagaus wirbeln knapp zwei Millionen Menschen durch Hamburg. Begleitet von hvv switch fischen wir sie für einen Moment aus ihrem Alltag und lauschen ihren Geschichten. Diese Woche sind wir Chris begegnet.

Protokoll: Kevin Goonewardena

 

„Ich bin vor sechs Jahren aus Berlin hergezogen, nachdem ich eine Ausbildung zum Friseur abgeschlossen und dann das Angebot bekommen habe am Standort der Firma in der Nähe des Jungfernstieg zu arbeiten. Viele meiner Freunde haben mir abgeraten. „Was willst du denn da?“ haben sie gesagt und gemeint in Hamburg sei alles so grau und hässlich. Das erste Mal in der Stadt war ich dann zur Vertragsunterzeichnung, stand am Jungfernstieg und war beeindruckt. Ich komme aus Ost-Berlin und habe schnell feststellen müssen, dass in Hamburg alles viel teurer ist, auch die einfachsten Dinge wie Brötchen und so. Ich weiß noch, wie ich meine Kollegen gefragt habe, ob sie vielleicht jemanden kennen, der ein WG-Zimmer frei hat. Da haben sie gefragt, was ich denn ausgeben könne. „Ja, so 350 Euro“, habe ich gesagt. Da haben sie natürlich gelacht und gesagt ich könne am Stadtrand gucken.

Ich habe dann tatsächlich was in Eppendorf gefunden. Das erste mal als ich in Eppendorf ausgestiegen bin, dachte ich, wow, das ist ja hier komplett wie im Prenzlauer Berg. Alles war so schick: die WG, die Mitbewohnerin, die hat für Chanel gearbeitet. Nach sechs Monaten bin ich trotzdem mit wehenden Fahnen und gepackten Koffern von Eppendorf auf den Kiez gezogen und fand das alles sofort noch besser. Es war alles viel rauer, mehr Berlin.

Der erste Laden, der mich richtig beeindruckt hat, war der Bunker. Da war ich ganz viel. Und Katja Ruge hat mich mit ihrer Party „Can Love Be Synth?“ im Golem irgendwann 2017 voll abgeholt.

In Hamburg habe ich neue Leute durch das Tanzen, Hiphop, kennengelernt. Ich habe ein paar Sachen auf meinem Instagram-Kanal hochgeladen und da schrieb mich jemand an, ob ich nicht Lust habe in einem Musikvideo zu tanzen. Das habe ich dann gemacht. So kam eins zum anderen: 2019 bin ich für ein Semester an die Schauspielschule hier in Hamburg gegangen, habe das abgebrochen und mich an der HfbK beworben. Seitdem mache ich immer mal wieder kleinere Tanzproduktionen oder choreografiere was für ein Theaterstück, mache bei Performances mit. 

 

„Hamburg hat die Qualität“

 

Anfangs habe ich mich vor allem am Jungfernstieg, dem Neuen Wall, oder Eppendorf aufgehalten, dann eher in St. Pauli und der Schanze, bis ich gemerkt habe dass das, was dazwischen ist, viel interessanter ist: Ich bin super gerne am Grünen Jäger, in der Wohlwillstraße. Auch in der Süderstraße hänge ich gerne ab, dem Südpol oder im Kraftwerk Bille. Das Gängeviertel ist auch super faszinierend. Das ist ein Ort an dem ich total gerne bin, weil man da immer etwas erleben kann und jedes Mal was ganz anderes.

Für mich macht Hamburg so ein Bewusstsein für Genuss und Geschmack aus. Wenn man in Hamburg sagt „Komm wir gehen mal einen Trinken”, dann landet man immer in einer netten Bar, hat einen netten Drink. Ich weiß nicht, ob du noch das Gil kennst, ehemals unten am Hein-Köllisch-Platz, spanisch-portugiesischer Tapas-Laden – der war für mich immer der Inbegriff von Genuss. Wenn wir da bis drei Uhr morgens saßen, der Küchenchef rauskam und meinte „Hey Leute, ich hab’ hier noch drei Desserts, die müssen weg“ und wir irgendwie mit gefühlten sieben Promille eine Orangencreme mit was-weiß-ich-flambiertem Schieß-mich-tot gegessen haben.

Ich finde, in Hamburg sitzt man nicht mit einem Plastikbecher an einer Kreuzung. Klar, das gibt es, kann auch nett sein. Aber das Grundgefühl ist für mich hier ein anderes. In Berlin kannst du jeden Tag feiern gehen und es gibt immer krasse Performance-Sachen. In Hamburg weiß man schon an welchem tag welcher Club wann auf hat. Bei der Reduktion aber da ist dann auch immer ne geile Party und geile Mucke. Bei uns war es ganz lange Ritual das wir Dienstags immer in die Pocca-Bar gegangen sind, weil da der Freund einer Freundin aufgelegt hat. Und jeden Dienstagabend war das so geil, auch wenn da nur wenig Leute waren. Aber immer nur die Leute die man aus der Szene kannte und die alle wussten, Dienstag hat nichts offen, aber hier wird coole Mucke gespielt.  Ich finde, auch auf die Kunst bezogen, Hamburg hat die Qualität und Berlin die Quantität”.


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Neuwertung der Clubs

Clubs werden künftig baurechtlich nicht mehr als Vergnügungsstätten, sondern als Anlagen kultureller Zwecke angesehen

 

Eine gute Nachricht für Musikclubs, deren Fokus auf Künstlerinnen und Künstlern, Nachwuchs sowie Programmkuratierung liegt: Sie werden künftig baurechtlich nicht mehr wie Bordelle, Wettbüros und Spielhallen als Vergnügungsstätten eingestuft. Das hat ein Änderungsantrag vom Clubkombinat Hamburg und der LiveKomm bewirkt, der im Bundestag eingereicht wurde.

„Die aktive Clubkultur ist ein großer kultureller und wirtschaftlicher Wert dieses Landes, die Clubs sind unternehmerisch, kulturell, gesellschaftlich und architektonisch einmalige Freiräume, die zum Experimentieren, Begegnen und Erfahren einladen. Gleichzeitig sind sie mit rund 50.000 Angestellten sowie freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bei einem Jahresumsatz von ca. 1,1 Milliarden ein wichtiger Teil der Kultur- und Kreativwirtschaft“, wurde im Antrag die Bedeutung der Clubs hervorgehoben.

 

Clubs sind Kultur

 

Die Bundesregierung beschloss am Freitag, 7. Mai 2021, dass genannte Musikspielstätten in Sachen Baurecht wie Museen, Opern, Theater und Konzerthäuser als Anlagen kultureller Zwecke angesehen werden. Umsiedlungen und Neugründungen von Musikclubs werden somit unterstützt.


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Nachtleben im Lockdown: „Clubs könnten Teil der Lösung sein“

Fenja Möller und Kai Schulz wurden vor einem halben Jahr neue Vorstandsvorsitzende des Clubkombinats. In SZENE HAMBURG sprechen sie über politische Forderungen, wie Clubs durchhalten und sich auf einen möglichen Neustart vorbereiten

Interview: Ole Masch

 

SZENE HAMBURG: Fenja und Kai, Vorstand im Clubkombinat. Ein ruhiger Job in Zeiten von Corona?

Kai-Schulz

Mitbetreiber der Hebebühne: Kai Schulz

Kai: Im Gegenteil. Die Herausforderungen für die Clubs und somit auch für das Kombinat sind enorm. Es gilt der Politik klarzumachen, dass eine Unterstützung der Strukturen während, aber auch nach der Pandemie, notwendig ist. Auch sind Themen wie Schallschutz und Nachhaltigkeit aktueller denn je.

Fenja: Der neu gewählte Vorstand ist relativ jung und sehr motiviert. Es gibt digitale Treffen und wir diskutieren über unterschiedliche Dinge, um mit dem tollen Team hinter dem Clubkombinat die Szene in Hamburg zu unterstützen und zu stärken.

Mit welchen konkreten Zielen seid ihr angetreten?

Kai: Es geht um die Sicherung der Zukunft der Live-Kultur in Hamburg. Dazu gehören sowohl Fragen finanzieller, aber auch struktureller Natur.

Fenja: Ein großes Ziel ist natürlich, dass möglichst alle Clubs diese Zeit überleben. Aber auch die generelle Zukunft der Clubkultur ist ein großes Thema, denn auch vor der Pandemie hatten es Betreiberinnen und Betreiber nicht leicht. Aber auch Themen wie Awareness oder Inklusion möchten wir bearbeiten und hoffentlich verbessern.

 

„Zurzeit entstehen einige neue Kontakte zur Politik“

Fenja Möller

 

Was konntet ihr bereits in die Tat umsetzen?

Fenja: In Hamburg wurde sehr schnell der „Clubrettungsschirm“ entwickelt, der viele Clubs durch die jetzige Zeit hilft. Zurzeit entstehen einige neue Kontakte zur Politik, die uns in Zukunft hoffentlich weiterhelfen werden.

Kai: Das Clubkombinat ist unter anderem einer der Initiatoren für das „Forum Kultur und Kreativwirtschaft HH“, bei dem wir mit verschiedenen Akteuren aus der Stadt gemeinsame Positionen entwickelt haben, um in Richtung Politik klare Signale für die Zukunft unserer Branche zu geben.

Im ersten Lockdown gab es zahlreiche Solidaritätsaktionen. Auch Streaming war ein großes Thema. Warum ist es darum so ruhig geworden?

Kai: Es ist eine Zeitlang die einzige Möglichkeit gewesen, überhaupt Live-Musik einem Publikum zu bieten. Ein digitales Angebot zu haben, wird für einige Clubs in Zukunft ein Thema sein, auch wenn es jetzt aus diversen Gründen eher ruhig um Streams und auch damit verbundene Aktionen geworden ist.

Woran liegt das?

Fenja: Ein großer Beweggrund war, dass zumindest ein kleiner Teil der Crew wieder etwas Arbeit bekommen kann. Aber das Live-Erlebnis kann ein Stream einfach nicht ersetzen. So wie ich es mitbekomme, ist einfach bei vielen die Lust vergangen, sich Streams anzuschauen. Es ist sehr viel Arbeit, aber man hat trotzdem nicht die Viewerzahlen, die man gerne hätte.

Welche Soli­-Aktionen gibt es aktuell in Hamburg?

Fenja: Sehr viele Clubs haben ihr Merch-Angebot ausgeweitet oder besonderen Soli-Merch.

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Fenja Möller ist im Molotow zuständig für Booking und PR

Kai: Außerdem kann über die Clubstiftung gespendet werden. In unserem Shop gibt es diverse Artikel deren Erlös in die Stiftung gehen.

Wie steht es um den Rettungsfonds „Save our Sounds“?

Kai: Es sind ungefähr 300.000 Euro an Spenden gesammelt worden. An die Clubs wurden ungefähr die Hälfte davon ausgeschüttet. Einige haben damit zum Beispiel die Planung und Umsetzung ihrer Streams finanzieren können. Über die Clubstiftung stehen dementsprechend, unter anderem für die Förderung eines Neustarts, weitere 150.000 Euro zur Verfügung.

Wie bereiten sich die Clubs auf einen solchen Neustart vor?

Fenja: Ich glaube das variiert. Es wurden viele Hygienekonzepte entwickelt, andere haben sich durch Förderungen eine neue Lüftung einbauen lassen, in der Hoffnung, möglichst früh wieder zu öffnen.

Kai: Eine konkrete Programmplanung ist aufgrund der politisch getroffenen Entscheidungen aber nur schwer bis gar nicht möglich.

 

„Clubs sind Kultur – sie gehören zu der Identität der Stadt“

Kai Schulz

 

Was haltet ihr von den aktuellen politischen Öffnungsstrategien?

Fenja: Die Sicherheit aller steht bei den meisten Clubbetreiberinnen und Clubbetreiber an oberster Stelle. Für uns bedeuteten sie allerdings, dass die Clubs auf jeden Fall noch für eine lange Zeit keine „normalen“ Veranstaltungen anbieten.

Kai: Aus meiner Sicht reicht der aktuelle Stufenplan nicht aus. Ich verstehe das Bedürfnis nach Sicherheit, aber die genannten Zeiträume mit der Abhängigkeit einer stabilen Inzidenz, sind ein Signal an die Clubs noch lange geschlossen zu bleiben.

Sind Clubs nicht systemrelevant?

Kai: Wer entscheidet das? Clubs sind Kultur – sie gehören zu der Identität der Stadt und sind für unser kulturelles und speziell das Nachtleben prägend. Wir dürfen auch nicht die Menschen vergessen, die das ganze System tragen. Die Künstlerinnen und Künstler auf der Bühne, die Fachkräfte und die meist über Jahre gewachsenen Teams. Clubs bieten Menschen soziale Kontakte, sind eine kreative Plattform und verbinden Generationen und gesellschaftliche Schichten. Wenn man mich fragt, ist genau das relevant.

Fenja: Viele, die in der Branche arbeiten, machen dies zum Großteil nicht aus finanziellen Gründen, sondern aus Überzeugung. Für uns sind Clubs systemrelevant, weil sie das Kulturangebot der Stadt stark prägen und für Menschen ein Ort sind, um Musik und Kultur immer wieder neu zu entdecken.

Welche Forderungen habt ihr an die Politik?

Kai: Wir brauchen jetzt und wenn wir wieder öffnen, weitere finanzielle Unterstützung. Außerdem haben wir den Vorschlag gemacht, einige wenige Clubs als Pilotprojekte zu öffnen, um gemeinsam mit der Politik und Wissenschaft Erkenntnisse über die wirklichen Auswirkungen von Live-Veranstaltungen zu bekommen. Die Ergebnisse können Grundlage für andere politische Entscheidungen sein, welche eine Rückkehr zu einer sicheren und lebendigen Clubkultur erlauben würden.

Fenja: Wir haben im letzten Jahr gesehen, dass es viele illegale Veranstaltungen gab. Der Drang auf eine Party zu gehen, war größer als die Vernunft und das wird wahrscheinlich dieses Jahr auch passieren. Wenn die Clubs öffnen und die Leute vorher getestet sind, werden Menschen die positiv sind sofort erkannt. So könnten Clubs ein Teil der Lösung sein.

 

Der Rettungsschirm

 

Wie lange können die Hamburger Clubs noch durchhalten?

Fenja: Ein Großteil fällt unter den Rettungsschirm der Kulturbehörde. Solange es diese Förderung gibt, werden zumindest die Fixkosten gedeckt. Es wird aber sehr lange dauern, bis wieder Normalität in unserer Branche herrscht. Bis internationale Bands wieder auf Tour gehen. Und selbst wenn, werden alle auf einmal touren und für ein Überangebot sorgen. Zum anderen sehen wir leider, dass einige Kolleginnen und Kollegen sich in andere Branchen weiterentwickelt haben.

Kai: Zudem gibt es die Herausforderung, das Besuchervertrauen neu zu gewinnen.

Weil sich das Ausgehverhalten der Menschen verändert haben wird?

Kai: Ich denke es wird einige geben, die wieder generell Vertrauen in geschlossene Räume mit vielen Menschen finden müssen. Aber auch viele, die es kaum abwarten können wieder zurück zu diesem Gefühl der Nähe und Verbundenheit zu kommen.

Fenja: Vor allem die Masse an Konzerten im Jahr 2022, die dann hoffentlich stattfinden, wird noch mal eine Bewältigungsprobe sein, bei dem sich viele entscheiden müssen, zu welchem Konzert sie gehen und welche sie aus finanziellen und zeitlichen Gründen nicht wahrnehmen können.

Wie steht es um eure eigenen Läden, Hebebühne und Molotow?

Kai: Die Hebebühne wird derzeit durch den Rettungsschirm am Leben erhalten. Kein schönes Gefühl, aber eine Alternative gibt es bei den derzeitigen Entscheidungen der Politik zumindest für uns keine. Unser Team konnte im Sommer 2020 zum Glück Outdoor bei der „Eulenhofsession“ wieder Musik auf die Bühne bringen. Auch in diesem Sommer hoffen wir, dass wir ein Programm in unserem Hof anbieten können.

Fenja: Auch das Molotow fällt unter den Rettungsschirm. Aber auch wir waren immerhin in der Lage letztes Jahr einige Outdoor-Konzerte anzubieten und dadurch einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu beschäftigen. Und natürlich hoffen wir auch demnächst wieder Outdoor-Konzerte, unter den aktuellen Bestimmungen, veranstalten zu können.

clubkombinat.de


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, April 2021. Das Magazin ist seit dem 27. MÄRZ 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Anahit Vardanyan: Orientalische Techno-Sets aus Hamburg

Anahit Vardanyan ist Pianistin, Produzentin und Techno-DJ. Vor vier Jahren zog sie von Armenien nach Deutschland. In SZENE HAMBURG spricht sie über den aktuellen Konflikt in ihrer Heimat, unterschiedliche Musikszenen und ihren künstlerischen Werdegang

Interview: Ole Masch

 

SZENE HAMBURG: Anahit, wie kam es dazu, dass du nach Hamburg gezogen bist?

Anahit Vardanyan: Nachdem ich mein Musik-Bachelorstudium in Jerewan erfolgreich abgeschlossen hatte, wollte ich neue Wege für meine Zukunft finden. Ich bin Pianistin und in Deutschland habe ich die Möglichkeit, mich als Musikerin weiterzuentwickeln.

Leider ist es in Armenien schwieriger als Künstlerin international Fuß zu fassen. Für niemanden ist es einfach, seine Heimat zu verlassen, weit weg von Familie und Freunden. Die größte Hürde war und ist die Sehnsucht nach meinem vergangenen Leben.

Hast du noch engen Kontakt in deine alte Heimat?

Obwohl ich in Hamburg wohne, ist meine Verbindung nach Armenien noch stärker geworden. Meine Familie und mein enger Freundeskreis leben dort. Ich besuche sie so oft wie möglich und freue mich jedes Mal da zu sein. Diese kurze, aber intensive Zeit gibt mir Kraft und ist sehr wertvoll für mich.

 

Ehrlich und geradeaus

 

Seit wann legst du auf?

Seit ungefähr zweieinhalb Jahren. In Hamburg hatte ich mein Masterstudium Multimediale Komposition begonnen und anschließend kam die Leidenschaft, aufzulegen. Ich habe dort auch erste Erfahrungen mit dem Produzieren von elektronischen Klängen gemacht, entwickle mich ständig weiter und versuche, meinen einzigartigen Sound zu finden. Dadurch, dass die elektronische Musik sehr vielfältig ist, kann ich meiner Kreativität freien Lauf lassen.

Wie würdest du deinen Sound beschreiben?

Mit einem starken Drang zur Dramatik, aber immer ehrlich und geradeaus. Gefüllt mit akustischem Klavierklang, melodischen und orientalischen Elementen.

Hast du schon in Armenien aufgelegt?

Mein letzter Gig war im März 2020 in Jerewan bei der Kitchen Label Night. Ein paar Tage vor dem Lockdown. Dies war auch mein erster Auftritt in Armenien. Es war so eine besondere Atmosphäre, die mir bis heute Gänsehaut bereitet. Das armenische Publikum schenkte mir so viel Liebe und positive Energie.

Kannst du die Technoszene dort in ein paar Sätzen beschreiben?

Die elektronische Musik in Armenien entwickelt sich in großen Schritten weiter. Immer mehr DJs und Producer legen international auf und gründen eigene Labels. Ich bin sehr stolz, wenn ich deren Arbeit sehe und habe die Hoffnung, dass unsere Techno-Community wächst.

Was sind die größten Unterschiede zur deutschen Community?

Berlin als Techno-Hauptstadt prägt das ganze Land und international. Wirtschaftlich ist Deutschland mit den großen Festivals sehr weit vorne. Auch die Hamburger Szene ist eine ganz besondere. Ich hatte schon viele Gigs in den großen Clubs wie Uebel & Gefährlich, Fundbureau, Waagenbau oder Docks.

 

„Ich glaube an die Kraft und den Mut meines Landes“

 

Dass Armenien in letzter Zeit vermehrt in den Schlagzeilen stand, hatte einen ernsten Hintergrund. Kannst du die aktuelle Situation beschreiben?

Letztes Jahr erlebten wir einen Krieg um die Region Berg-Karabach. Die Nachkriegszeit ist sehr schwierig für meine Nation und es ist schmerzhaft zu sehen, wie die Bevölkerung mit den Konsequenzen umgehen muss. Aber ich glaube an die Kraft und den Mut meines Landes. Wir haben schon sehr viele schwierige Zeiten erlebt und werden auch diese Situation meistern.

Welche Auswirkungen hat der Krieg auf dich und dein Umfeld?

Natürlich ist es sehr schmerzhaft, einen Teil deines Landes zu verlieren. Einen Ort, den ich selbst sehr oft besucht habe. Das ist unsere Geschichte und ein Teil unserer Kultur. Sich davon zu verabschieden, ist nicht einfach und die Hoffnung bleibt bestehen.

Findest du die Berichterstattung in Deutschland hierzu angemessen?

Meine ehrliche Meinung dazu ist, dass Deutschland eine zu neutrale Position eingenommen hat. Insgesamt war für mich die Menge an Berichterstattung leider zu wenig. Trotzdem bin ich dankbar für Politiker, Journalisten und Künstler, die darauf aufmerksam geworden sind und ihre internationale Reichweite genutzt haben, um zu polarisieren.

Wie könnte man von Deutschland aus helfen?

Die größte Organisation, die ich empfehle, ist The Armenia Fund. 1994 in Los Angeles gegründet, steuerbefreit, nichtstaatlich und nichtpolitisch. Deren Vision ist ein globales armenisches Netzwerk aufzubauen und Entwicklung zu fördern. Und jeder Mensch, der sich mit diesem Thema auseinandersetzt und die Geschichte von Armenien versteht, ist wertvoll für unsere Zukunft.

Corona ist auch in Armenien ein Thema. Wie geht das Land damit um?

Die Maßnahmen und Beschränkungen sind ähnlich wie in Deutschland. Impfungen werden aktuell noch nicht durchgeführt. Aktuell sinkt aber die Zahl an neuen Fällen und das öffentliche Leben entwickelt sich zur Normalität.

 

Techno zu Corona

 

Du bist als Künstlerin in Deutschland besonders von den Maßnahmen betroffen. Wie hat Corona dein Leben verändert?

Es hat meinen Beruf sehr stark eingeschränkt. Von heute auf morgen wurden alle Auftritte abgesagt und es gab keine Möglichkeit, vor Publikum aufzutreten. Für eine Musikerin ist es sehr wichtig, die Verbindung mit den Menschen aufzubauen und die Musik zu teilen. Auch finanziell sind alle Einnahmen weggebrochen und ich habe lediglich ein paar Hilfen vom Staat erhalten, die von Monat zu Monat weniger wurden.

Hast du Alternativen gesucht?

Durch engagierte Eventmanager wurden großartige Projekte im Live-Stream umgesetzt. Dadurch ist die Branche weiterhin lebendig geblieben, es wurde sehr viel Herz und Fleiß investiert und durch kleine Spendenaktionen gezeigt, wie stark sie zusammengewachsen ist. Ich habe ein paar Live-Stream-Sets in Berlin, Hamburg und Jerewan gespielt.

Du kannst der Pandemie also auch Positives abgewinnen?

Ja, ich habe viel mehr Zeit gehabt, mich ins Studio einzuschließen, zu musizieren und viele Projekte für die Zukunft geplant. Aber ich kann für alle Künstler sprechen, dass es das Wichtigste ist, vor einem Live-Publikum zu stehen und dessen Reaktion und Liebe aufzusaugen.

Reaktionen erhältst du auch auf Instagram. Dein Account hat über 30.000 Follower. Wie wichtig sind soziale Netzwerke für dich?

Allgemein ist es als Künstlerin wichtig, eine große Reichweite aufzubauen. Ich erreiche Menschen aus verschiedenen Ländern, die Teil der Community sind.

Techno ist nicht nur eine Musikrichtung, sondern auch eine Philosophie, die Menschen zusammenbringt, die eine gleiche Weltanschauung teilt und friedlich kommuniziert. Meine Community gibt in der schwierigen Zeit so viel positives Feedback, was mich immer wieder aufs Neue motiviert.

Welche musikalischen Projekte verfolgst du zurzeit?

Ich habe kürzlich meine EP „Tatev“ auf dem Label Hydrozoa aus Los Angeles releast. Ein Freund und talentierter Produzent, André Winter, hat einen Remix für den Track beigesteuert. Dazu habe ich auch ein künstlerisches Musikvideo herausgebracht. Gebt mir gerne Feedback und schreibt mich an. Ich würde mich freuen.

 

 

Wo können wir im Februar mehr von dir hören?

Ich werde einen Live-Stream mit Oliver Huntemann im Uebel & Gefährlich spielen und ein einstündiges Set bei dem Label Octopus auflegen. Meine Musik ist auf allen Plattformen wie Spotify, Beatport, Apple Music oder Soundcloud zu hören.

 

 

Was planst du für 2021?

Pläne sind schwer zu verwirklichen, wenn es um Auftritte geht. Es gibt einige Booking-Anfragen, nur muss auch der Veranstalter die Situation mit Corona abschätzen. Deshalb nutze ich die Zeit für ein Projekt, welches ich ab Februar in Armenien verwirkliche. Hoffentlich wird es wieder möglich sein, vor einem Live-Publikum zu spielen, denn dies ist meine Leidenschaft und werde ich auch in Zukunft verfolgen.


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Februar 2021. Das Magazin ist seit dem 28. Januar 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Meet The Resident – POSH

Jeden Monat stellt SZENE HAMBURG Residents vor, diesmal: POSH – präsentiert von hamburg elektronisch

Interview: Louis Kreye & Jean Djaman 

 

SZENE HAMBURG: Dein Sound?

POSH: Die Essenz bewegt sich zwischen klassischem und Industrial-Techno. Ich erzeuge gerne eine dynamische, körperbetonte und düstere Atmosphäre, in dem ich treibende und hypnotische Tracks spiele. Außerdem stehe ich auf analogen Sound, daher habe ich mich entschieden ausschließlich Vinyl zu spielen. Das macht mir am meisten Spaß und gibt meinen Sets einen besonderen Kick.

Schrecklichste Gastfrage?

Ich bin sehr konzentriert und in meinem eigenen Flow, deshalb spricht mich auch eigentlich niemand an, wenn ich auflege.

Größter Moment als DJ?

Alle meine DJ-Erlebnisse waren einzigartig und besonders, aber der größte Moment muss noch kommen.

Platte des Monats?

„Sentence One“, welche am 30. Oktober auf dem italienischen Label „Sacred Court“ veröffentlicht wurde. Es ist eine Various Artist EP und jeder Track ist ausdrucksvoll und stark.

Auf wen sollte man momentan ein Auge haben?

Ich habe dieses Jahr den DJ/Produzent „Sugar“ für mich entdeckt. Seine Produktion und Sets sind sehr intelligent und das ist ganz nach meinem Geschmack 🙂

Hamburgs Stärken?

Das Publikum. Es ist sehr dankbar und herzlich. Man kann mit Hilfe der Musik eine gewisse Intimität auf dem Dancefloor erreichen und genießen.

Und die Schwächen?

Es mangelt der Stadt an Vielfalt und Alternativen der Clubs.

 

Ein aktuelles Set von POSH hört ihr hier: 


Cover_Szene_Hamburg_Dezember_2020 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Dezember 2020. Das Magazin ist seit dem 28. November 2020 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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Smallville Records: Die Ersten werden die Letzen sein

Corona hat das musikalische Nachtleben weiterhin fest im Griff. Wie geht es Künstlern, Labels und Plattenläden, die eng mit der Szene verbunden sind? Julius Steinhoff, House-DJ, Musiker und Gründungsmitglied von Smallville Records, berichtet von den vergangenen Monaten

Text & Interview: Ole Masch

 

Seine ersten Turntables kaufte der gebürtige Freiburger 1999 von seinem Zivildienstlohn. Platten zum Auflegen hatte Julius Steinhoff damals kaum. Der Überfluss an Vinyl kam erst mit dem Umzug nach Hamburg, wo er 2001 bei einem Plattenvertrieb anfing und das Lager voller House- und Techno-Importen war. Sein Wohnzimmer wurde der Golden Pudel Club. „Es gab dort musikalisch ganz viel Neues zu entdecken. Die Changing Weather Abende der Dial Crew haben mich nachhaltig geprägt“, erzählt er. Nach ersten Schritten in verschiedenen Bars, folgten eigene Club-Veranstaltungen und eine wöchentliche Radiosendung auf Tide mit Lawrence und Cranque&Unique von Einmusik.

2005 dann die Gründung von Smallville und seitdem zahlreiche eigene Veröffentlichungen. „Peter Kersten aka Lawrence, Stella Plazonja und ich hatten damals das Gefühl, dass es in St. Pauli einen Plattenladen für elektronische Musik und gleichzeitig einen Hang-out geben sollte. Der erste Laden in der Hein-Hoyer-Straße war ziemlich klein und gemütlich, die Straße damals noch relativ ranzig.“ Umgezogen in den Neuen Kamp 32, betreibt Julius Steinhoff heute Laden und angeschlossene Label mit Just von Ahlefeld. Vor Corona standen sie zudem als Smallpeople hinter Plattentellern zahlreicher internationaler Clubs und Festivals.

 

Interview: Julius Steinhoff von Smallville Records

 

SZENE HAMBURG: Julius, welche Konsequenzen hatte Corona für dich als Künstler?

Julius Steinhoff: Ziemlich direkt zum Lockdown Mitte März wurde die erste Ausgabe eines Festivals in der Nähe von Nottingham abgesagt. Wir hätten eine Smallville Stage kuratiert, dementsprechend liefen die Planungen auf Hochtouren. Stefan Marx hatte ein Poster entworfen und das Festival sollte in einer Burg in den Highlands stattfinden. Das klang alles sehr schön, wurde dann aber direkt um ein Jahr in den Juli 2021 verschoben. Gefühlsmäßig waren die ersten Maßnahmen eher so etwas wie eine kurze Pause der Normalität, doch mit der direkten und frühzeitigen Absage des Festivals war mir schnell bewusst, dass erst mal nichts mehr sein wird, wie es war. Für DJs brechen die Möglichkeiten damit von 100 auf 0 Prozent ein. Das war schon ernüchternd zu realisieren, dass dieser Bereich als einer der ersten, gleichzeitig aber wohl bis zum Schluss, betroffen sein würde. Ich muss aber klar sagen, dass ich die Maßnahmen natürlich verstanden und voll unterstützt habe. Das war eine Ausnahmesituation für alle – nicht nur für Künstler und Kulturschaffende.

Streaming wurde kurzfristig wahnsinnig populär. Auch für dich?

Es gab schon Möglichkeiten, ich habe aber ehrlich gesagt nicht so Lust darauf. Das Ganze hat natürlich seine absolute Daseinsberechtigung und ist für die ganze Promo-Social-Media-Blase wichtig. Für mich ist es allerdings eher anstrengend und hat mich ehrlicherweise auch mehr abgeschreckt, wenn jeden Abend fünf exklusive DJ-Sets im Netz übertragen wurden. Für mich persönlich war es eher eine Zeit, in der ich mich zurückgezogen habe.

Hast du die Zeit zum Produzieren genutzt?

Anfangs kaum und ich war auch nicht sonderlich inspiriert. Irgendwann kam dann aber doch eine Phase, in der ich wieder mehr im Studio wiedergefunden habe. Auf Smallville kam direkt nach dem Lockdown eine Platte von Christopher Rau raus, die unglaublich gut ist. Den Tonträgerverkäufen hat man allerdings angemerkt, dass viele Plattenläden weltweit schließen mussten, die Clubs zu waren und die Post in manche Länder gar nicht mehr zustellt hat.

Wann musste Smallville Records schließen?

Der Laden selbst war ab Mitte März für einen guten Monat bis Ende April geschlossen. Danach durfte der Einzelhandel wieder öffnen. Die Kunden waren aufgerufen die eigenen Kopfhörer mitzubringen und wir haben relativ viel Platz im Laden.

Habt ihr Hilfen beantragt?

Letztendlich haben wir keine Anträge für Smallville gestellt, nein. Wir kamen durch den Lockdown nicht in direkte Liquiditätsprobleme und es wurde klar vermittelt, dass dies eine Voraussetzung ist.
Es gab hier von Bundesland zu Bundesland doch teilweise erhebliche Unterschiede in den Möglichkeiten für Soforthilfen, insgesamt war die Situation etwas schwammig. Gleichzeitig war die Resonanz bei uns im Onlineshop relativ beachtlich. Als der Laden geschlossen war, hatten wir deutlich mehr Bestellungen, zudem gingen auch die digitalen Verkäufe in dieser Zeit nach oben. Es gab auch verschiedene Aktionen. Bandcamp beispielsweise hat spezielle Tage veranstaltet, an denen alle Einnahmen direkt und komplett an die Labels und Künstler ausbezahlt werden. Da wir in der Zeit des Lockdowns gleichzeitig natürlich nicht so viele Tonträger eingekauft haben und somit weniger Rechnungen begleichen mussten, kamen wir mit dem Laden aber insgesamt ganz gut über die Zeit.

Kam es durch Corona zu mehr Musikveröffnetlichungen?

Nein, eher andersherum. Wahrscheinlich kommt diese Welle erst noch, wenn die ganze Musik veröffentlicht wird, die in den letzten Monaten geschrieben und produziert wurde. Aber die Musik, die wir selber veröffentlichen, spielen sowie im Laden verkaufen ist hauptsächlich Clubmusik. Unsere Kunden sind oft DJs – ein Anteil, der erst mal in Teilen weggefallen ist, außerdem sind Touristen von außerhalb nicht so zahlreich unterwegs. Ich merke auch im Bezug aufs Label, dass ich etwas zögere mit den Planungen von Releases, weil momentan im Vergleich zu Vor-Corona alles runtergefahren ist. Ich denke, es geht vielen Labels ähnlich. Nach wie vor wird natürlich Musik konsumiert, aber der Club-Aspekt fehlt schon.

Eure Club-Veranstaltung fehlt ebenfalls …

Wir haben monatliche Smallville-Nächte im Pudel veranstaltet, das fiel jetzt weg. Der Pudel hat immerhin jetzt Barboncino Zwölphi, wo es draußen wieder losging.

Wünschst du dir weitere Lockerungen im Nachtleben?

Ich finde es schwierig und habe hier durchaus zwei Blickwinkel. Aus Künstler-Perspektive fällt es schwer zum Abwarten verdammt zu sein und nicht spielen zu können. Andererseits merke ich bei mir selber, dass das Verlangen nach großen Menschenansammlungen noch nicht so groß ist. Ich bin absolut für eine verantwortungsbewusste Umsetzung und Weiterführung in Zeiten der Pandemie, damit es irgendwann hoffentlich wieder richtig losgehen kann. Letztendlich gefährden Veranstaltungen mit schwammigen Sicherheitskonzepten und Umsetzungen die Möglichkeiten für alle kulturellen Bereiche. Dem Verlust von diversen kulturellen Einrichtungen sollte zudem durch weitere Hilfen entgegengetreten werden. Clubs sind wohl die letzte Branche, die noch überhaupt nicht wieder anfangen konnten, zumindest wenn keine Außenbereiche vorhanden sind. Hier muss durch Hilfen mit niedrigen bürokratischen Hürden unterstützt werden, vielleicht auch mit Möglichkeiten von Mieterlassen oder anderen kreativen Unterstützungsformen. Es wurde schon so viel Geld in die Rettung von Großkonzernen gepumpt, ich denke es gibt allgemein eine Dringlichkeit für den kulturellen Sektor, damit hier nicht eine ganze Bandbreite von Einrichtungen nie wieder wird öffnen können.

Wie bewertest du den Umgang der Hamburger Politik mit dem Thema?

Es wäre an dieser Stelle vom Senat wichtig, bestimmte Dinge zu überdenken und zu vereinfachen, um neue Möglichkeiten oder Konzepte schaffen zu können. Gehwege oder öffentliche Flächen nutzen zu dürfen, damit Menschen an der frischen Luft eher zusammenkommen können ist für Bars und Restaurants wichtig. Gleichzeitig muss die Verantwortlichkeit jedes Einzelnen natürlich gewährleistet sein.


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, September 2020. Das Magazin ist seit dem 29. August 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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Hinter den Kulissen: Im Backstage der Stadt

Um die Backstage-Bereiche der Clubs ranken sich oft wilde Legenden. In Pandemie-Zeiten sind auch sie verlassen. Eine Bilderserie

Text: Ole Masch

 

Die Musikclubs wurden von der Corona-Pandemie hart getroffen und bleiben nach wie vor geschlossen. Um Nachtschwärmern trotzdem einen Einblick in ihre Lieblingsorte zu bieten, zeigt SZENE HAMBURG Fotos von Räumen, die Besucher in der Regel nicht zu sehen bekommen: Die Backstage-Bereiche. Entstanden ist eine starke Bilderserie verwaister Räume. Um zu verdeutlichen, wie lange sie als wichtiger kultureller Bestandteil bereits fehlen, zeigen Bildunterschriften, wer sich hier als letztes und zu welchem Anlass aufgehalten hat.

 

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Fundbureau: Seit dem 7. März ist zu. Damals waren die Racing Snails vom Gaggalacka-Festival geladen (Foto: Claudia Mohr)

 

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Hafenklang: Zuletzt saßen hier die Mitglieder der Band Blaue Bume aus Dänemark, die am 12. März das letzte Konzert vor Corona spielten (Foto: Claudia Mohr)

 

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Baalsaal: Yulia Niko legte hier zuletzt am 14. März bei Electronic Red Light auf (Foto: Claudia Mohr)

 

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Astra Stube: Am 12. März spielten Ryskinder aus Israel vor knapp 60 Leuten. Support war Grundeis aus Hamburg. Einen Tag später wurde, zunächst auf eigene Initiative hin, geschlossen (Foto: Claudia Mohr)

 

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Waagenbau: Am 7. März wurde hier die letzte Party gefeiert. Bei VER:Bunden spielten Martha von Straaten & Bebetta (Foto: Claudia Mohr)

 

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Yoko: Bei der großen b2b Nacht „Affaire d`amour“ spielten 3 DJ-Teams die ganze Nacht House Musik. Kurz darauf wurde dicht gemacht (Foto: Claudia Mohr)

 

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Terrace Hill: Letztes Konzert war Blind Ego am 2. März. Nach dem Social Developers Club am 7.3. wurde abgeschlossen (Foto: Claudia Mohr)

 

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Molotow: Der letzte Künstler im Laden war der Hamburger Poetry Slammer Hinnerk Köhn am 12. März mit seiner Solo- Show „Bitter“. Die letzte Band Pyogenesis am 6. März. In den zurückliegenden dreieinhalb Monaten hätten eigentlich knapp 100 Bands hier im Backstage abgehangen (Foto: Dorothea Bader)

 

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Mojo: Unmittelbar vor dem Lockdown, am 8. März, gab es für Blues-Rockstar Marcus King Getränke im Backstage (Foto: Ole Masch)

 

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Turtur: Am Donnerstag den 12. März gab es das letzte Mal Open Decks mit Tischtennis, Kicker, Techno & Oldies bei Lümmelkiez (Foto: Claudia Mohr)


Szene_Juli_2020_Cover SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juli 2020. Das Magazin ist seit dem 27. Juni 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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