Beiträge

Hamburger Comedy Pokal 2022: Und der Gewinner ist…

Drei Sieger, 20 Gewinner:innen, ein begeistertes Publikum und volle Säle, das war der Hamburger Comedy Pokal 2022

Text: Felix Willeke

Vom 8. bis 11. Juli 2022 kämpften 20 Comedians um die Pokale bei Deutschlands größtem Comedy-Wettbewerb. Der große Gewinner des 20. Hamburger Comedy Pokals heißt Johannes Floehr. Der Wahl-Hamburger gewann seine Hauptrunde, sein Halbfinale und räumte beim ausverkauften Finale im Schmidts Tivoli neben dem mit 500 Euro dotierten Publikumspreis auch den mit 3.000 Euro dotierten Hauptpreis der Jury ab. Gestartet als Poerty-Slammer, ist es für den Autor mehrerer Bücher der erste große Comedy-Preis.

Das vorweggenommene Finale

Hamburger Comedy Pokal_Finale22-c-BurkhardFuchs (2)-klein
Die drei glücklichen Sieger: Benedikt Mitmannsgruber (l.), Johannes Floehr (m.) und das Duo Valter Rado + Tim Schaller (r.) (Foto: Burkhard Fuchs)

Zu Beginn war Floehr einer von 20 Comedians, die am 8. Juli in zehn Kulturzentren in der Hauptrunde gegeneinander antraten. Der Hamburger Comedy Preis 2022 war dabei besonders vielfältig. Es gab junge, poetische und weibliche Comedy von Teresa Reichl. Dazu Christine Teichmann, deren Auftritte einem Theaterstück gleichen und Valter Rado + Tim Schaller, die mit ihrem clownesken Slapstick-Humor das Publikum begeistern.

Besonderes Glück hatten diejenigen, die bei der Hauptrunde in der Lola in Bergedorf zu Gast waren, denn hier fand das vorweggenommene Finale zwischen Johannes Floehr und dem später zweitplatzierten Benedikt Mittmannsgruber statt. Floehr setzte sich mit seinen tollkühnen Gedankensprüngen und einer sympathischen Portion Selbstironie gegen Mittmannsgruber durch. Dieser glänzte als verpeilt wirkend immer wieder mit sehr überraschenden Pointen und konnte sein Finalticket als einer von Zweien bei der 2. Chance Show ergattern. So kämpften am Ende er, Johannes Floehr, Kathi Wolf, Teresa Reichl, Alice Köfer, Der Storb, und die schließlich drittplatzierten Valter Rado + Tim Schaller am 11. Juli im Schmidts Tivoli um die begehrten Pokale und insgesamt 6.000 Euro Preisgeld.

Was bleibt

Humor ist und bleibt individuell und egal ob beim Poerty-Slam oder bei Comedy- und Kabarettpreisen, die Bewertung von Humor ist immer ein schmaler Grat und Genres wie Clownerie mit Poesie zu vergleichen, bleibt schwierig. Das soll die Freude der Sieger beim 20. Hamburger Comedy Pokal allerdings nicht schmälern. Doch bei einem solchen Wettbewerb sind alle Gewinner:innen. Denn neben den Comedians, die zeigen, was alles Comedy ist, waren es die zehn Kulturzentren, die wieder einmal bewiesen haben, wie vielfältig Hamburgs Kulturlandschaft ist. Der 20. Hamburger Comedy Pokal war ein Fest für die Lachmuskeln und am Ende bleibt der Appell der Jury ans Publikum: „Geht in kleine Häuser, unterstützt die Kultur, die Künstler:innen und geht zu Comedyshows!“


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

20. Hamburger Comedy Pokal: Es geht ums Plüsch

„Hingehen – Lachen – Sieger machen!“ ist auch beim 20. Jubiläum des Hamburger Comedy Pokal wieder das Motto. Vom 8. bis 11. Juli 2022 kämpfen 20 Comedians um die begehrten Plüschpokale

Text: Felix Willeke

„Zehn Hamburger Kulturzentren von Barmbek bis Bergedorf. Gemeinsam machen sie Deutschlands größten Comedy-Wettbewerb“, das sagte Sebastian Schnoy, der Initiator des Hamburger Comedy Pokals, Anfang 2022 im Gespräch mit SZENE HAMBURG. Nach einer Mini-Pandemie-Ausgabe 2021 findet das Humor-Turnier 2022 vom 8. bis 11. Juli 2022 wieder in seiner vollen Pracht statt. Es geht von den zehn Kulturzentren bis ins Schmidts Tivoli, wo am 11. Juli um 19.30 Uhr diese diesjährigen Sieger:innen gekührt werden. 

Wo Kultur gemacht wird

Doch alles beginnt dort, wo die Kultur gemacht wird: in den Hamburger Kulturzentren. Die Hauptrunde am 8. Juli wie auch das Halbfinale einen Tag später finden in zehn Hamburger Kulturzentren statt. Hier duellieren sich jeweils zwei Comedians und jede:r hat 45 Minuten Zeit, die Jury von sich zu überzeugen. Durch den Abend führen dabei ehemalige Teilnehmer:innen und Comedygrößen wie Andrea Bongers in der Lola in Bergedorf oder Hans Hermann Thielke im Brakula in Bramfeld. Diese Shows sind das Herz des Pokals und ebnen vorher oft unbekannten Künstler:innen wie Chris Tall oder Ilka Bessin (aka Cindy aus Marzahn) den Weg für mehr. 

Wer ist dabei?

HamburgerComedyPokalNominieret22
Für 20 Comedians geht es beim 20. Hamburger Comedy Pokal um Ruhm, Ehre und die Plüschpokale (Foto: Hamburger Comedy Pokal)

Mehr wollen auch die Künstler:innen bei der 20. Ausgabe des Hamburger Comedy Pokal. Egal ob aus Österreich, Bayern, Berlin, Köln oder Hamburg, sie alle wollen am Ende oben stehen und die Plüschpokale in die Höhe strecken. In diesem Jahr ist bei der Jagd nach den insgesamt 6.000 Euro Preisgeld besonders die junge weibliche Comedy mit Teresa Reichl (in der Hauptrunde in der Zinnschmelze im Duell mit Andivalent) und Fee Brembeck (in der Hauptrunde im Ella Kulturhaus im Duell mit Justus Krux) stark vertreten. Außerdem duellieren sich mit Johannes Floehr und Benedikt Mittmannsgruber in der Lola in Bergedorf zwei echte Senkrechtsrater und beim Duell zwischen Christine Teichmann und Lennard Rosar im Kulturhof Dulsberg trifft literarisches Kabarett auf poetische Kurzgeschichten.

Der Weg ins Finale

Nach der Hauptrunde und dem Halbfinale in den Kulturzentren geht es für fünf Comedians schon sicher ins Finale am 11. Juli im Schmidts Tivoli. Alle anderen haben bei der 2. Chance Show am 10. Juli um 19 Uhr noch die Chance auf die letzten zwei Finaltickets. Diese Show ist dabei ein echter Geheimtipp. Die maximal Comedians haben nur 10 Minuten Zeit, Jury und Publikum von sich zu überzeugen und es über den Umweg doch noch ins Finale zu schaffen.

Tickets für die Hauptrunde und das Halbfinale gibt es für 15 und 16 Euro. Die Tickets für die 2. Chance Show und das Finale im Schmidts Tivoli gibt es von 8 bis 30 Euro. 


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

Das Polittbüro – eine Legende geht

Nach fast 20 Jahren verabschieden sich Lisa Politt und ihr Partner Gunter Schmidt vom Steindamm – die Nachfolger stehen schon fest

Text: Felix Willeke

Jochen Malmsheimer, Moritz Neumeier, Max Uthoff und viele mehr. Die komplette Kaberett- und Comedy-Szene hab sich in den letzt fast 20 jähren im Polittbüro die Klinke in die Hand. Das alte Kino auf dem Steindamm war lange das Haus von Lisa Politt und ihrem Partner Gunter Schmidt. Das ist jetzt vorbei. Die beiden hören auf. „War ‘ne geile Zeit“, schreiben sie zum Abschied. Es kommt plötzlich aber „die Doppelfunktion aus auf der Bühne sein und Betreiber einer Bühne zu sein, hat uns körperlich zunehmend überfordert.“ 

Ein fulminanter Abschied

Doch das Polittbüro wäre nicht das Polittbüro, wenn sie ihren Abschied nicht gebührend feiern würden. Ab dem 20 Mai 2022 gibt es deswegen ein „fulminantes Abschiedsprogramm“. Zu Gast sind neben Anna Mateur & the Beuys und Gustav Peter Wöhler sowie Piet Klocke und Max Uthoff auch Rainald Grebe, Marc-Uwe Kling und Moritz Neumeier. Vom 30. Juni bis 3. Juli stehen dann Lisa Politt und Gunter Schmidt selbst noch ein letztes Mal auf ihrer Bühne. Mit „65-Das Alter ist sicher“ haben sie sich einen musikalischen Abschied geschrieben – garantiert sehenswert.

polittbuero-c-CarloKahfeldt-klein
Schon bald gibt es unter neuem Namen wieder Kabarett und Comedy am Steindamm, los geht’s am 26. September 2022 (Foto: Carlo Kahfeldt)

Die Nachfolge steht fest

Auch wenn es das Polittbüro in Zukunft nicht mehr geben wird, Kabarett und Comedy verschwinden nicht vom Steindamm. „Wir haben würde Nachfolger für unsere Bühne gefunden“, schreiben Politt und Schmidt. „Michel Abdollahi und Robert Oschatz haben unseren Antrag angenommen.“ Die beiden sind seit Jahren in der Comedy-, Slam- und Kabarettszene unterwegs. Während Abdollahi besonders als Conférencier bekannt ist, wirkt Oschatz als Mann im Hintergrund und betreibt seine eigene Künstleragentur. Am 26. September wird dann das alte Polittbüro nach einem Umbau unter neuem Namen seine erste Spielzeit mit Kurt Krömer beginnen. 

Das fulminante Abschiedsprogramm des Polittbüro
vom 20. Mai bis 3. Juli
2022


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

20. Hamburger Comedy Pokal – verschoben

Die Bedingungen sind hart, die Zuschauer treu und die Trophäe ist aus Frottee. 2022 feiert der Hamburger Comedy Pokal 20-jähriges Jubiläum – auch wenn es verschoben werden muss. Initiator und Comedian Sebastian Schnoy im Gespräch über die Bedeutung, den Heimvorteil und die gesündeste Droge

Interview: Dagmar Ellen Fischer

 

2022 heißt es beim Hamburger Comedy Pokal anstatt „hingehen – lachen – Sieger machen“ – Corona sei Dank – schon wieder: „stoppen – schieben – später lachen“. Wie schon im letzten Jahr, muss der Pokal seinen Wettbewerb vom traditionellen Januar-Termin in den Sommer schieben. Grund ist die aktuelle Infektionslage.

Doch Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude. Der 20. Hamburger Comedy Pokal soll trotzdem im altbekannten Format – mit elf Spielstätten in ganz Hamburg und dem großen Finale im Schmidts Tivoli – vom 8. bis 11. Juli 2022 stattfinden. Ob alle nominierten Comedians dann auch mit dabei sind, steht aktuell noch nicht fest.

Wer aber sicher mit dabei ist, ist Sebastian Schnoy, Initiator des Pokals und Moderator der Shows im Schmidts Tivoli.

 

Jeden Abend gewinnen

 

SZENE HAMBURG: Sebastian Schnoy, warum gilt der Comedy Pokal als der härteste Kleinkunstwettbewerb?

Sebastian Schnoy: Weil er sich über vier Tage erstreckt, die Teilnehmenden müssen jeden Abend gewinnen. Man muss also dreimal gewinnen, bis man einen Pokal in der Hand hält. Schon am ersten Abend, wenn zehn gegen zehn in zehn Hamburger Kulturzentren auftreten, fliegen zehn raus, im Halbfinale scheiden weitere fünf aus. Aber auf diese 15 wartet die Second Chance Show am Sonntagabend im Schmidts Tivoli, vielleicht die aufregendste Show des Pokals. Wer es hier ganz nach vorne schafft, kommt doch noch ins Finale. Eine besondere Magie: Es hat sich die letzten Jahre gezeigt, wer am Anfang rausfliegt und in der Second Chance Show gewinnt, der schafft es im Finale meist unter die ersten drei oder gewinnt sogar noch den Pokal, was für eine Nervenanspannung!

 

Deutschlands größter Comedy-Wettbewerb

 

logo-hamburger-comedy-pokal_c_hamburger-comedy-pokal-klein

Der Hamburger Comedy Pokal feiert 2022 sein 20. Jubiläum – im Sommer (Foto: Hamburger Comedy Pokal)

Was hat Sie vor zwanzig Jahren bewogen, den Comedy Pokal ins Leben zu rufen?

Am Anfang hatte ich eine ganz persönliche Motivation. Im Januar verbreitet sich oft Katerstimmung. Weihnachten, Silvester, die Leute haben viel gefeiert, waren oft aus, und nun ist man vernünftig und geht lieber joggen. Für mich hieß das immer, dass ich im Januar nur wenige Auftritte hatte. Also dachte ich mir: Ein großes wiederkehrendes Event wäre doch eine gute Strategie, den Januar aufzuwerten. Im Juli 2022 werde ich mit 52 Jahren den Hamburger Comedy Pokal moderieren, den ersten moderierte ich mit 32. Es ist erstaunlich, welche Bedeutung er gewonnen hat.

Der Pokal ist eine Veranstaltung von zehn Hamburger Kulturzentren in den Stadteilen von Barmbek bis Bergedorf. Gemeinsam machen sie Deutschlands größten Comedy-Wettbewerb, zu dem Leute von den größten deutschen Comedy-Agenturen anreisen, um zu gucken, welche neuen Sterne am Comedy-Himmel aufgehen. Was mir besonders wichtig ist: Die Hauptarbeit leisten Petra Niemeyer und Peter Rautenberg. Seit einigen Jahren ist ihr Verein Hamburger Comedy Pokal e.V., auch Veranstalter des Wettbewerbs.

Auch 2022 muss der Pokal wieder in den Sommer verlegt werden, nimmt das etwas von der Magie?

Wenn die Magie darin besteht, im Schneeregen nach Hause zu gehen, dann ja. Da der Pokal auch im Juli indoor stattfindet und auf genau denselben Bühnen, bleibt es wie im Winter. Ich freu mich drauf! Nach dem letzten Bier wird die Sonne über St. Pauli schon aufgegangen sein, das ist doch auch schön.

 

„Es geht allein um Witzigkeit“

 

Wie viele Pokal-Anwärter bewerben sich jedes Jahr?

Mehrere hundert.

Und welche Kriterien müssen die Bewerber erfüllen: Soll ein breites Spektrum gezeigt werden oder gilt nur Witzigkeit?

Es geht allein um Witzigkeit: Werden die Leute zum Lachen gebracht? Allerdings können Originalität, abgründige Themen, der eigene, möglichst besondere Blickwinkel auf die Welt, alles, was einen von anderen unterscheidet, entscheidend sein, um den Pokal einzusacken. Es gibt reichlich Stammpublikum beim Pokal, das schon viel Comedy gesehen hat. Eine Imitation der Stimmen von Grönemeyer oder Udo Lindenberg, Stand-up über Ikea, Männer und Frauen können beim Publikum Gähnen auslösen. Die Betonung liegt auf kann, denn es gibt kein Thema, das schon durch ist. Es geht nur um gute Gags. Es ist also möglich, dass im Januar jemand erfolgreich ist mit einer Nummer, wie Grönemeyer und Lindenberg bei Ikea aufeinandertreffen und mit ihren Frauen in Streit geraten.

Wer wählt die 20 Kandidaten aus?

Das macht eine Jury aus zehn Leuten, die die zehn Kulturzentren leiten, in denen die Hauptrunde stattfindet. Sie schauen sich in einer endlosen Sitzung Youtube-Bewerbungen, DVDs und früher auch VHS- Kassetten an.

 

Den Heimvorteil gibt es

 

2022 sind auch wieder Bewerber aus Hamburg dabei, gibt es so etwas wie einen Heimvorteil?

Für den Publikumspreis auf jeden Fall, wenn man es schafft, zweihundert Freunde ins Tivoli zu setzen. Das Publikum freut sich immer, wenn ein Hamburger Gesicht auftaucht, es freut sich aber auch, wenn Comedians ihr Set mit dem Satz „Ich komme aus Südtirol …“ beginnen. Schön als Hamburger ist natürlich, dass man breitesten Slang reden kann und alle einen verstehen.

Chris Tall, Sascha Grammel und Cindy aus Marzahn gehörten vor Jahren zu den Teilnehmenden, bekamen sie hier den entscheidenden Karriereschub?

Die drei wären auch ohne Comedy Pokal ihren Weg gegangen, allerdings haben sie beim Pokal etwas Wichtiges gezeigt: Dass ihr Programm auch auf einer längeren Strecke funktioniert, sie müssen echte Menschen fast eine Stunde vom Hocker reißen, Jung und Alt, Publikum aus reicheren und auch ärmeren Stadtteilen. Das ist etwas, was Youtube-Stars oder künstliche Agentur-Comedians, die in Kölner Labors fürs Fernsehen gezüchtet werden, oft nicht können.

 

„Ich bin Comedian, der sich mit politischen Themen beschäftigt“

 

Theater-Haupt _Sebastian_Schnoy_Moderation_Foto_Franca_Wrage-klein

Seit 20 Jahren moderiert Sebastian Schnoy beim Hamburger Comedy Pokal (Foto: Franca Wrage)

Sie selbst machen intelligentes, politisches Kabarett, fehlt Ihnen dieser Aspekt nicht hin und wieder bei den Kandidaten und deren Beiträgen?

Danke, danke. In meinem Herzen bin ich ein Comedian, der sich mit politischen Themen beschäftigt. Ich mache keinen Unterschied zwischen Kabarett und Comedy. Üblicherweise sagt man, Comedians machen einfach nur Gags, und im Kabarett geht es darum, mit Humor auf Missstände hinzuweisen. Natürlich haben auch Comedians eine Haltung, es gehört zur Comedy-Tradition, dem Publikum zu sagen, wer man ist und woher man kommt. Auf Comedy-Bühnen geht es viel diverser zu als im Kabarett. Ehemalige Flüchtlinge machen erfolgreich Comedy, mit Wurzeln in den unterschiedlichsten Ländern.

Mit Osan Yaran gewann ein Mann den Pokal, der zuvor bei Lidl an der Kasse gearbeitet hat. Kabarettisten sind meist alte, weiße Männer, in Bayern sogar alte, dicke, weiße Männer. Sie schwa- dronieren über den Mindestlohn und das harte Leben der Pflegekräfte und fahren selbst immer 1. Klasse Bahn mit der Jahreskarte und sammeln heimlich Immobilien. Darüber hört man in ihren Nummern aber nichts. Da sind mir Comedians lieber, da sie – Achtung überstrapaziertes Wort – authentisch sind. Ich selber spiele meine Soloprogramme immer in Alma Hoppes Lustspielhaus in Hamburg, eine Bühne, auf der ich mich sehr zu Hause fühle.

 

„Es gibt noch viele unentdeckte Komikerinnen“

 

Sie sind Kabarettist, Autor von „Spiegel“-Bestsellern, Moderator, Redner – was fordert Sie am meisten?

Der Kick auf der Bühne, die unmittelbare Reaktion des Publikums sind die beste und gesündeste Droge, die es gibt. Nach einem Auftritt ist man immer total aufgedreht und fühlt sich großartig und ist deshalb übrigens auch einen gewissen Zeitraum vermindert schuldfähig. Wenn man also vom Hoteldach auf die Reeperbahn pinkelt, einen Fernseher aus dem Fenster schmeißt oder Ähnliches, und es stellt sich vor Gericht heraus, dass man kurz zuvor noch auf der Bühne bejubelt wurde, ist das hilfreich. Bücher schreiben ist das genaue Gegenteil, ich bin ganz allein mit meinen Texten. Bücher sind immer Mammutprojekte. In der heißen Phase bringe ich meine Kinder, um 20 Uhr ins Bett, schlafe dann bis 22 Uhr und mache eine Nachtschicht bis der Wecker klingelt und ich die Kinder wieder anziehe, bizarr.

2022 gehen sieben Frauen ins Rennen um den Comedy Pokal, ungewöhnlich viele. Dennoch sind Männer im Genre Comedy klar in der Überzahl, woher kommt das?

Ich denke, es gibt noch viele unentdeckte Komikerinnen, die sich vielleicht nicht trauen, es auf der Bühne zu probieren. Deshalb hier ein Aufruf: Wenn ihr eine Frau kennt, die immer wieder ihr Umfeld zum Lachen bringt, ermutigt sie, es auf der Bühne zu probieren. Wir vom Pokal beraten gerne, meldet euch. Und wer gut ist, setzt sich auf jeden Fall durch. Ich bin zum Beispiel Fan von Annalena Baerbock. Allein die Vorstellung, dass Deutschland den Russen drohen könnte, finde ich einen grandiosen Gag. Müssen wir nur noch einen Tornado finden, der auch fliegt.

Hamburger Comedy Pokal, 8. bis 11. Juli 2022; hamburgercomedypokal.de


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Januar 2022. Das Magazin ist seit dem 22. Dezember 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.

Große Sause zum 30.: Schmidts Tivoli feiert Geburtstag

Die Traditionsbühne Schmidts Tivoli hat genullt – und entsprechend gefeiert

Text: Erik Brandt-Höge

 

Was ist los, wenn Andy Grote, Udo Lindenberg, Rolf Zuckowski, Mary Roos, Michael Otremba, Christina Block, Gayle Tufts und Jane Comerford zusammenkommen, um ordentlich zu feiern? Etwas Großes! Am 1. September 2021 war dieses Große der 30. Geburtstag der Reeperbahn-Traditionsbühne Schmidts Tivoli. Die genannten zählten zu den 280 geladenen Gästen, die ein kunterbuntes Jubiläumsprogramm geboten bekamen – präsentiert von Gastgeber Corny Littmann, der das Schmidts Tivoli gemeinsam mit Prof. Norbert Aust und zwei Partnern am 1.9.1991 eröffnet hatte.

Unter anderem wurden Songs und Szenen aus „Heiße Ecke“ aufgeführt, dem St. Pauli-Musical, das nach anderthalb Jahren Corona-Pause wieder dauerhaft (dienstags bis sonntags) im Kieztheater zu erleben ist.

tivoli.de


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

Ringelnatz: Ein Abend der Leichtmatrosen

Mit der Leichtmatrosenbigband ging es bei der Barmbeker Hofkultur im Rahmen des Kultursommers musikalisch von Hamburg nach Haiti und zurück, immer auf den Spuren des berühmten Dichters

Text: Felix Willeke

 

Es regnet leicht, dem Publikum ist es egal „das Wetter passt doch“, ruft Kapitän Heinecke von der Bühne. „Eigentlich waren wir für die Elbphilharmonie gebucht, doch das hier ist authentischer.“ Er grinst und stimmt mit seiner Leichtmatrosenbigband vom Theaterdeck Hamburg das erste Lied an. Die Combo aus Niklas Heinecke, Henner Depenbusch und Tim Niebuhr ist in der lokalen Theaterszene in Hamburg-Barmbek längst bekannt. Seit über zehn Jahren bringen sie in unregelmäßigen Abständen Lieder und Gedichte rund um den Dichter Joachim Ringelnatz auf die Bühne. Garniert wird das Ganze mit allerlei Seemannsliedern und solchen, die es werden wollen. Die Reise bei der Barmbeker Hofkultur der Zinnschmelze führt mit reichlich Seemannsgarn von „Kuddel Daddel Du“ von Achim Reichel, über der/die „Bademeister*in“ von der Kleingeldprinzessin alias Dota bis hin zum „Abschied der Seeleute“ von eben jenem Joachim Ringelnatz.

 

Multitalente bei der Arbeit

 

Die drei sitzen auf der Bühne und haben mindestens genauso viel Spaß wie ihr Publikum. Heinecke ist als Kapitän Conférencier, Sänger und Erzähler. Der Smutje Tim Niebuhr ist neben dem Rhythmus für sämtliche Geräusche zuständig – vom Flattern der Segel bis zum Platzen des Schlauchboots. Henner Depenbusch musiziert als Fliegengewichtsmatrose von Akkordeon über Klavier bis Saxophon mit allem, was ihm in die Finger kommt und der neue Leichtmatrose Jan Otto spielt Gitarre. Dauerte dieses Konzert offiziell nur eine Stunde, verlangt das Publikum nach mehr als anderthalb Stunden immer noch nach einer Zugabe. „Tanzen ist ja verboten“, sagt Heinecke, „aber, wenn ihr euch möglichst unrhythmisch bewegt, ist das laut Definition kein Tanzen.“ Das Publikum gehorcht. Alle, wenn sie nach den Standing Ovations nicht eh schon auf den Beinen sind, stehen auf, singen und schunkeln – bemüht unrhythmisch – zum Abschluss mit. Wer sich in Zukunft nach Comedy mit Seemannsflair und Anspruch sehnt, sollte ab jetzt nach Niklas Heinecke und seiner Leichtmatrosenbigband Ausschau halten. Ahoi!

Die Leichtmatrosenbigband (v.l.n.r) Tim Niebuhr, Henner Depenbusch, Kapitän Niklas Heinecke und Jan Otto; ©Nick Pompetzki

Die Leichtmatrosenbigband (v.l.n.r) Tim Niebuhr, Henner Depenbusch, Kapitän Niklas Heinecke und Jan Otto; ©Nick Pompetzki


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.

Rainer Holl: Gewinner des Hamburger Comedy Pokal 2021

Der Poetry-Slammer Rainer Holl aus Leipzig gewinnt den 19. Hamburger Comedy Pokal und wird gleichzeitig Publikumsliebling

Text: Felix Willeke

 

Moritz Neumeier, Chris Tall oder Jan van Weyde, die vorherigen Sieger des Hamburger Comedy Pokals lesen sich wie das Who is Who der deutschen Comedy- und Kabarettszene. Sieger der 19. Austragung des Pokals ist der Poetry-Slammer Rainer Holl aus Leipzig.

Nachdem der Pokal im Januar 2021 Pandemie-bedingt ausfallen musste, fand das Finale in abgespeckter Form am 26. Juni 2021 statt. Statt der Hauptrunde in den zehn Hamburger Kulturzentren, gefolgt vom Halbfinale und dem Finale im Schmidts Tivoli, wurden in diesem Jahr sechs Künstler in den Musikpavillon Planten und Blomen eingeladen.

 

Platzierungen

 

Hinter Rainer Holl landete die Kabarettistin Eva Karl Faltermeier aus Regensburg auf Platz zwei, Platz drei ging an das Duo Korff & Ludewig aus Offenbach und Berlin.

Die Veranstalter und Künstler hoffen jetzt auf einen regulären Jubiläumspokal im Jahr 2022 mit allen Kulturzentren.


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.