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The Lost Leonardo: „007, übernehmen Sie!“

Ein Film über die unglaubliche Geschichte des 500 Jahre verschollenen Christus-Gemäldes „Salvator Mundi“

Text: Calle Claus

 

Ein Sammler berappte 2005 knapp tausend Dollar für das stark beschädigte Bild mit dem Namen „Salvator Mundi“. Unter stümperhaften Übermalungen entdeckte eine findige Restauratorin filigrane Pinselstriche der italienischen Renaissance. Das warf Fragen auf: War der unbekannte Künstler ein Schüler Leonardo da Vincis? Doch warum kleckern, wenn man auch klotzen kann? Ein Expertenrat der Londoner National Gallery schrieb das Bild 2012 flugs dem Meister persönlich zu. Eine Expertise auf wackeligen Füßen, doch der „Erlöser der Welt“ sollte schließlich zum Zugpferd einer großen Leonardo-Retrospektive in ebenjenem Museum werden. Wer das rätselhafte Meisterwerk am Ende bei Christie’s für den abstrusen Rekordpreis von 450 Millionen Dollar ersteigerte und warum dieser Schurke die so titulierte „männliche Mona Lisa“ bis heute in einem hochgesicherten „Freeport“ (Zollfreilager) versteckt, davon erzählt diese packende, sehr erhellende Kunstmarkt-Doku. Man ist versucht zu sagen: 007, übernehmen Sie!

„The Lost Leonardo“, Regie: Andreas Koefoed. 100 Min. Ab dem 23. Dezember 2021 in den Kinos

Lust auf mehr? Hier gibt’s den Trailer zu „The Loste Leonardo“:


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Dezember 2021. Das Magazin ist seit dem 27. November 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Hamburger Nachwuchs: Den Moment festhalten

Niklas Christensen, 25, ist Fotograf, Webdesigner und Entwickler. Gemeinsam mit den Filmemachern Tom Köhn und Carlos Viering feierte er kürzlich die Premiere von „Hotspot“, einem Dokumentarfilm des Trios über die Vor- und Nachteile des Tourismus in Island

Interview: Erik Brandt-Höge

 

SZENE HAMBURG: Niklas, es heißt, du hättest bereits mit 16 Jahren erste eigene kreative Projekte umgesetzt. Was für Projekte waren das?

Niklas Christensen: Ich habe sehr früh angefangen mich für moderne Medien zu interessieren. Mit 16 Jahren habe ich erste Webseiten gebaut, Musikvideos gedreht, mich mit der Fotografie auseinandergesetzt und eine eigene Schülerzeitung gegründet, die mit der ersten Ausgabe zur besten Schülerzeitung des Bundeslandes gekürt wurde. Damit stand für mich fest, dass ich das weiterverfolgen sollte.

Und wann hast du dich entschieden, Fotografie und Webdesign zu deinem Beruf zu machen?

In der zehnten Klasse habe ich den Beruf des Webdesigners für mich entdeckt. Wegen meines Realschulabschlusses hatte ich damals früher Ferien als meine Freunde und habe die Zeit für ein Praktikum in einer Werbeagentur genutzt. Das hat dazu geführt, dass ich drei Jahre später die Ausbildung gemacht habe. Auf Reisen hat dann die Naturund Dokumentarfotografie mein Herz erobert, sodass ich mich am Anfang der Ausbildung mit dokumentarischer Fotografie nebenberuflich selbstständig gemacht habe.

 

Ein zweiter Film ist in Planung

 

Für „Hotspot“ warst du nicht nur Fotograf, sondern auch Kameramann. Was waren die größten Herausforderungen für dich bei dieser Arbeit?

Gute Frage – wahrscheinlich war es am schwierigsten, in den wichtigen Situationen zu entscheiden, ob ich den Moment fotografisch oder videografisch festhalten möchte. Und aus welcher Perspektive und mit welchem Bildausschnitt ich arbeiten möchte. Für diese Entscheidungen musste ich dauerhaft zu 100 Prozent konzentriert sein. Glücklicherweise habe ich meine Kollegen Carlos und Tom nur bei Bedarf als Kameramann unterstützt und konnte mich hauptsächlich auf die Fotografie und die Organisation konzentrieren, damit wir entsprechendes Material für unsere Marketingmaßnahmen wie die Website, die Plakat etcetera haben.

Planst du weitere Filmprojekte dieser Größenordnung?

Ich alleine? Eher nicht. Ohne all die Unterstützung wäre ein solches Projekt selbst zu dritt eine sehr große Herausforderung. Aber es ist tatsächlich bereits ein zweiter Kinofilm geplant – Näheres kann und darf ich dazu aber leider noch nicht sagen.

christensen-design.com; vier-ecken.com

Mehr Eindrücke gefällig? Hier gibt‘s den Trailer zu „Hotspot“:


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Hoffnung und Sein: dokumentarfilmwoche Hamburg

Vom 15. bis 19. September 2021 findet in Hamburg die 18. dokumentarfilmwoche statt. „Herr Bachmann und seine Klasse“ ist dabei nur einer der, bei der Berlinale 2021 prämierten, Filme, die gezeigt werden

Text: Marco Arellano Gomes

 

Die 18. dokumentarfilmwoche findet in diesem Jahr im Herbst statt. Vom 15. bis 19. September 2021 gibt es in den drei teilnehmenden Kinos Metropolis, B-Movie und Lichtmeß jede Menge anspruchsvolle Dokumentationen, unter anderem das achtstündige Landschaftsepos „The Works and Days“ (15.9., 10 Uhr im Metropolis) von C. W. Winter und Anders Edström, die beide auch zu Gast sein werden. Der Gewinner-Film der 70. Berlinale in der Kategorie „Best Film Encounters“ ist ein kinematografisches Ereignis über die Landwirtschaft und ein Liebesbrief an das Kino. 14 Monate lang wurde der Film in einem kleinen japanischen Bergdorf gedreht und beschreibt eindrucksvoll den Kreislauf des Daseins.

 

Viel Programm

 

Das Festivalteam hat ein breites Programm zusammengestellt – von der international prämierten Produktion bis hin zu Hamburger Debütfilmen. Einige Höhepunkte sind: „Please Hold the Line“ (15.9., 20.30 Uhr, Metropolis), die herzerwärmende Doku „Herr Bachmann und seine Klasse“ (16.9., 19 Uhr, Metropolis) sowie „Her Name was Europa“ (18.9., 21 Uhr, Lichtmeß). Besonders im Fokus stehen unter dem Label „Dokland Hamburg“ auch Hamburger Produktionen. Das volle Programm ist bereits veröffentlicht.

 

Herr Bachmann und seine Klasse

 

Diese Dokumentation lässt einen noch mal die Schulbank drücken. Nur sitzt man während der rasant laufenden knapp dreieinhalb Stunden auf den ungleich bequemeren Kinosesseln statt auf den harten Holzbänken. „Herr Bachmann und seine Klasse“ gibt einem das Gefühl, als wäre man mittendrin, statt nur dabei. Der kurz vor der Pension stehende Lehrer Dieter Bachmann unterrichtet seine 6b in Stadtallendorf (Hessen), einer Industriestadt mit hohem Anteil an ausländischen Mitbürgern, auf eine Art und Weise, die einen mitreißt.

 

Hoffnung

 

Es geht zwar auch um Mathematik, Deutsch, Englisch und Musik, vor allem aber ist diese Dokumentation eine Lehrstunde in Demokratie und Menschlichkeit. Dieser Lehrer macht Hoffnung und entlässt einen mit dem Gefühl, dass es keine Barrieren gibt, die nicht überwunden werden können, wenn Menschen einander aufrichtig zuhören, sich vertrauen und mit Ehrlichkeit und Respekt begegnen. Diese profunde und elementare Erkenntnis wird aber nicht oberlehrerhaft dargeboten, sie fließt vielmehr ganz ungezwungen und mit einer stoischen Ruhe, die Herr Bachmann mit jeder Pore ausstrahlt, von der Leinwand in die Köpfe des Kinopublikums. Eine Lehrstunde des Kinos.

Die 18. dokumentarfilmwoche, 15.-19.09; 15. dokfilmwoche.com
Herr Bachmann und seine Klasse, Regie: Maria Speth. 217 Min. Ab 16.9. in den Kinos

Hier der Trailer zum Film „Herr Bachmann und seine Klasse“:


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, September 2021. Das Magazin ist seit dem 28. August 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Ökotechno: Dominik Eulbergs Klang-Biotop

Dominik Eulberg bietet Nachhilfe in Sachen Naturschutz und tanzbaren Käfergeräuschen

Text: Levke Marie Nielsen

 

Er ist ein Mensch, der sich nicht zwischen zwei großen Leidenschaften entscheiden will: Natur und Musik. Und genau deshalb spielt sich sein Leben zwischen Vogelgezwitscher und Technobeat ab. Dominik Eulberg ist DJ, Produzent und Ökologe mit Vorliebe für die Vogelkunde. Umgeben von Bäumen oder Tanzenden, erforscht er die heimische Fauna und Sound­landschaften.

Besucht man seine Website, führt einen der Wiedehopf zu seiner Diskografie: Field Recordings kombiniert mit Klängen aus Synthesizern und Co. ergeben Minimal­-Techno, mal sphärischer in Rich­tung Ambient oder kräftigem Drum-­Antrieb. Unter dem gelb­-schwarzen Gefieder des Pirols verbergen sich Interviews, in denen er erläutert, warum er seine Professionen zusammenbringt.

 

Die Musik der Natur

 

Im Gespräch mit der SZENE HAMBURG sagte er 2017 etwa: „Ich möchte bei den Leuten etwas zum Schwingen bringen, sie sensibilisieren, mehr rauszugehen und sich an der Schönheit der Natur zu erfreuen.“

Blindem Hedonismus im Feiern verabreicht Eulberg eine Dosis Informationen über Artenviel­falt und Artensterben und bie­tet auf Festivals schon mal Outdoor­-Führungen an. Auf seiner aktuellen Platte „Mannigfaltig“ widmet er jeden Track einem Tier und beschreibt dessen faszinierende Eigenschaften im Booklet.

Der Naturschutzbund-­ und UN­-Botschafter sollte mit Klubnacht und Filmvorführung ins Uebel & Gefährlich zurück, dies wurde aufgrund des sich aktuell verbreitendem Coronavirus abgesagt. Auf Album­-Tour hätte er dem Publikum sein „Biodiversitäts-­Techno“ präsentiert. Das geht zum Glück auch online.

 

Seht hier das Video zum Song „Goldene Acht“:

 

 

Hört hier Dominik Eulbergs Tracks:

 


Szene-Cover-März-2020 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, März 2020. Das Magazin ist seit dem 27. Februar 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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“10 Milliarden” (10.4.)

Harte Kost: Dokumentarfilmer Valentin Thurn sucht nach Lösungen für die zukünftige Ernährung der Weltbevölkerung

Kein Geld zu haben, ist noch lange kein Grund, schlecht zu essen. – Der Satz aus Jean Eustaches Nouvelle Vague-Klassiker “Die Mama und die Hure” (1973) war zu seiner Entstehungszeit ein witziges Bonmot, das sich später auf den Küchenwänden von Studenten-WGs wiederfand. 40 Jahre danach ist er von aktueller Brisanz.

“Jeder hat das Recht, gutes Essen zu bekommen”, erklärt Will Allen, Urban Gardener und City Farmer in Milwaukee. “Wir müssen die Bedingungen ändern, die viele davon abhalten, gesund zu essen.” Der hünenhafte Schwarze ist der Sohn von Pächtern aus South Carolina, die es zu Kleinbauern brachten. Früher war Allen ein berühmter Profi-Basketballer.

1993 gründete er “Growing Power”, einen Bauernhof in einem Armutsviertel von Milwaukee. Seither blüht und gedeiht der Betrieb, der inzwischen 140 Angestellten Lohn und Brot gibt. “Wir brauchen lokale Ernährungssysteme”, lautet Allens Credo, das er in seinem Buch “The Good Food Revolution” (2013) auch schriftlich niedergelegt hat.

Der Elder Statesman des Urban Farming zählt zu den beeindruckendsten Persönlichkeiten, die Valentin Thurn in seinem Film “10 Milliarden” zu Wort kommen lässt. “Wie werden wir alle satt?” jetzt und im Jahre 2050, wenn die Erdbevölkerung 10 Milliarden Menschen umfasst? Von dieser Frage ließ sich Thurn leiten – denn jede Antwort, die er erhielt, führte nur zu weiteren Fragen.

Wie “Harte Kost”, das Buch zu “10 Milliarden” (erschienen 2014 im Ludwig Verlag, München), ist auch der Film “eine Erkundungsreise durch unser System der Nahrungsmittelversorgung”. Sie hat den Regisseur von “Taste the Waste” (2011), mit dem er die skandalöse Verschwendung von Lebensmitteln beschrieb, rund um den Erdball geführt.

(…)

Regisseur Valentin Thurn kommt am 10.4. um 20 Uhr zur Hamburg-Premiere.

Abaton Kino
Allende-Platz 3 (Rotherbaum)

Den vollständigen Text von Film-Redakteurin Jörg Schöning zur Dokumentation “10 Milliarden” findet man in der April-Ausgabe des Stadtmagazins SZENE HAMBURG.