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45Hertz: Beats am Fernsehturm

Sommerzeit ist Open Air-Zeit und das gilt auch für das 45Hertz Open Air Festival. Vom 5. bis 14. August gibt’s beste Live-Musik aus den verschiedensten Musik-Genres und ein besonderes Konzert zum Abschluss

Text: Felix Willeke & Isabel Rauhut

2022 sind viele Festivals zurück, so auch das 45Hertz Open Air Festival. Nach der Premiere 2018, stehen auf dem Container-Gelände mitten in der Schanze mit dem Fernsehturm im Hintergrund dieses Jahr vom 5. bis 14. August wieder beste Liveacts auf der Bühne. Neben Elektro, Techno und HipHop gibt es außerdem viel Kunst und eine Tattoo-Station. Food und Drinks stehen bereit!

Den Auftakt macht, wie könnte es anders sein, am 5. August ab 17 Uhr das PAL. Nicht nur zählt der Club an der Messe zu den besten Techno-Clubs der Stadt, sie haben für den Auftakt des 45Hertz Festivals auch noch PartiBoi69 im Gepäck. Nach dem Techno-Gestampfe an der frischen Luft geht es für die Aftershow dann um die Ecke in den Club. Gefeiert wird so lange die Füße es aushalten.

Am Samstag, dem 6. August, geht es ab 14 Uhr mit Musik von unter anderem Doctor Dru weiter. Und wer sich am Wochenende durch den CSD getanzt hat, den erwartet beim 45Hertz Festival am Sonntag, den 7. August, der perfekte Abschluss. Beim Katermukke Open Air kann ab 14 Uhr weiter getanzt werden und bei der Aftershow im Volt endet die Party erst mit Sonnenaufgang.

Oli P. Birthday Bash

Doch ein 45Hertz Festival wäre nichts, ohne seinen Liebling: Gerade erst hat Oli P. mit „Hey Freiheit“ einen neuen Song veröffentlicht – für das 45Hertz beruft er sich auf seine Fähigkeiten hinter den Plattentellern und feiert am 10. August auf dem Gelände ab 17 Uhr seinen Geburtstag.

Seit gut zwei Jahren gibt es gutistgut, die Crew um Mela, Watson und Das Bo. Diese präsentieren am 12. August ab 15 Uhr das kleine Festivälchen der Freundschaft. Dazu laden sie neben Sutsche und Torino natürlich auch die gutistgut-Allstars Das BO, DJ Plazebo und Luis Baltes ein. Bei der Aftershow im Volt ist dann auch das Fünf Sterne Sound System mit dabei.

HipHop Heads hier hin: DOPAMIN Open Air

Das neue DOPAMIN Open Air wird Auslöser für urbane Glücksgefühle: Als Teil des 45Hertz Festivals findet das erste DOPAMIN Open Air am Samstag den 13. August 2022 statt. Zehn Liveacts, diverse Side Events und starke Surprise Acts sorgen mit besten HipHop-Beats für geschmeidige Vibes.

Nicht nur auf der Bühne zwischen den großen Containern sorgen Acts wie Reezy, Aisha Vibes, Ansu und BOOZ für Abriss. Auch im Anschluss gibt es Turn-up – zu Fuß geht’s ins Volt zur Blockparty und Aftershow um die Ecke. Tickets für das DOPAMIN Open Air gibt’s aktuell noch für 26 Euro. Für mehr Informationen: dopamin-music.de

Ein Jahr Kabul Luftbrücke

Nach so viel Party und fetten Sounds wird es zum Abschluss des 45Hertz Festival nochmal ernst: In Afghanistans Hauptstadt Kabul wurde im Lichte des Einmarsches und der Machtübernahme der Taliban 2021 eine Luftbrücke eingerichtet. Genau daran erinnert das Open Air mit „1 Jahr Kabul Luftbrücke“ am 14. August ab 15.30 Uhr. Gemeinsam mit „Kabul Luftbrücke“, einer Initiative des gemeinnützigen Vereins Civilfleet-Support, veranstaltet das 45Hertz mit Hamburg Konzerte so ein OpenAir der besonderen Art. Ziel ist es, gemeinsam mit Musiker:innen wie Georg auf Lieder, Madsen und Raum 27 ein lautes Zeichen zu setzen und so viele Spenden wie möglich zu sammeln.


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Meet the Resident – ATAVEM

Jeden Monat stellt SZENE HAMBURG Residents vor, diesmal: ATAVEM von Front Left Records – präsentiert von hamburg elektronisch

Interview: Louis Kreye & Jean Djaman

SZENE HAMBURG : Wie würdest du deinen Sound beschreiben? 
Viel Ambient und experimentelle Musik. Das Ganze paare ich mit schnellen Rhythmen und hypnotischen Sphären. Das Wichtige für mich ist es, musikalische Grenzen zu überschreiten. 

Wie war es für dich wieder im Club zu spielen?
Das war am 7. Geburtstag des PAL. Ein sehr tolles Gefühl die Leute langsam in die Nacht zu begleiten und zu sehen wie sich der Club füllt.

Was sind für dich Hamburgs Stärken?
Sehr viele nette und herzliche Menschen, tolle Bars und einige schöne Clubs wie PAL, Pudel oder Südpol.

… und die Schwächen?

Schlechtes Wetter und teilweise schlimmer Sound der immer schneller und härter wird.

Auf wen sollte man momentan ein Auge haben? 

Piano Riffs, Lenard Klein, Space Drum Meditation und Stute für high quality Produktionen. Außerhalb von Hamburg: Assumption, Bidoben und Ikari.

Platte des Monats?
Arthur Robert – Metamorphosis Part 1 (Fav. Track: Mastermind).

Nachtleben Tipp im Juli?

Am 23.7. spielt FJAAK im PAL – hingehen! Und natürlich die Kinky Sundays.

Hört hier ein aktuelles Set von ATAVEM:

Instagram ATAVEM | Instagram hamburg elektronisch


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Das Edelfettwerk: Im Wandel

Seit bald 20 Jahren wird in einer umgebauten Fabrikanlage in Eidelstedt gefeiert. Über die Veränderung von der Eventlocation zum Musikclub, Corona-Auswirkungen und das aktuelle Programm berichtet Alexander Müller, neuer Booker im Edelfettwerk

Interview: Ole Masch

SZENE HAMBURG: Alexander, wie wird man Booker im Edelfettwerk?

Alexander Müller: Ich habe bereits 2018 nach einer legalen Open-Air-Location in Hamburg gesucht und bin im Edelfettwerk gelandet. Das Besondere hier: Das Edelfettwerk befindet sich in einem Industriegebiet und man hat somit die Möglichkeit, etwas lauter zu sein als in anderen Locations. Dazu gibt es noch eine perfekte Anbindung durch die S-Bahn in Eidelstedt. Ich habe das Potenzial gesehen und bin zu Beginn der Pandemie, als alle Termine frei wurden, auf das Edelfettwerk zugegangen und habe angeboten, der erste Booker zu werden.

Was hast du vorher gemacht?

Im musikalischen Bereich bin ich seit 2016 als Veranstalter aktiv. In den vergangenen Jahren konnte ich durch eine Vielzahl von Veranstaltungen in über 20 Clubs und Locations eine Menge Erfahrungen sammeln. Außerdem lege ich selbst hin und wieder auf, deshalb weiß ich, was es bedeutet auf der Bühne zu stehen und was gegeben sein muss, damit man sich als Artist wohlfühlt.

Wo gehst du in Hamburg sonst feiern?

Ich persönlich hatte immer schöne Nächte im Südpol, aber bin auch hin und wieder überall dort anzutreffen, wo es sich Menschen zur Aufgabe gemacht haben, schöne Partys zu veranstalten.

„Es geht uns im Großen und Ganzen gut“

Dein Highlight seitdem du im Edelfettwerk bist?

Nachtleben Edelfettwerk Haupt Juni 2022 klein credit Anri Coza-klein
Macht das Booking im Edelfettwerk: Alexander Müller (Foto: Anri Coza)

Dass viele, die im Hamburger Nachtleben im Bereich der elektronischen Musik unterwegs oder aktiv sind, wahrnehmen, dass sich etwas Neues entwickelt und dem Laden eine Chance geben. Danke an dieser Stelle. Für Kritik, Fragen oder Verbesserungsvorschläge sind wir immer aufnahmebereit, schickt einfach eine Mail an: booking@edelfettwerk.de.

Wie seid ihr durch die Pandemie gekommen?

Durch die umfangreichen Förderprogramme auf Bundes- und Landesebene geht es uns im Großen und Ganzen gut. Hätte es diese nicht gegeben, würde das Edelfettwerk mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr existieren. Auf der anderen Seite haben wir über die Pandemie eine Menge Personal verloren, was uns heute sehr zu schaffen macht. Parallel erbringt das Kernteam derzeit Höchstleistungen, das muss man an dieser Stelle einfach sagen. Ich denke alles in allem können wir uns glücklich schätzen, dass wir zwei Open-Air-Flächen haben und trotz Auflagen einige Veranstaltungen durchführen konnten.

Fokus elektronische Musik

Gab es bauliche Veränderungen?

Die gibt es. Zuallererst möchte ich erwähnen, dass wir unseren Parkplatz (Backyard) mit einer Bühne ausgestattet haben und damit eine weitere Fläche für Open-Air-Events in Hamburg erschlossen haben. Die Kapazität dieser Fläche liegt bei etwa 1000 Personen, somit können hier auch etwas größere Events stattfinden. Unser Strand hat neben einer neuen Funktion-One-Anlage in diesem Jahr eine Überdachung bekommen, somit haben alle Beteiligten Planungssicherheit bei schlechtem Wetter. In den Innenbereichen haben wir neue Soundsysteme von BetaOne installiert, die WCs erneuert und jede Menge dunkle Farbe verbraucht. Derzeit bauen wir in unserem Nebengebäude einen dritten Dancefloor für etwa 300 Personen aus, dieser kann separat betrieben, oder bei größeren Indoor-Events als dritte Stage genutzt werden.

Und am Programm?

Es gibt eine neue Grundregel im Edelfettwerk: Öffentliche Veranstaltungs-Slots werden bis auf wenige Ausnahmen nur noch an Veranstalter aus dem Bereich der elektronischen Musik vergeben. Ansonsten sind wir derzeit mit einem Konzertveranstalter im Gespräch, der 2023 unter der Woche eine Vielzahl von Open-Air-Konzerten veranstalten möchte. Dazu kann ich leider noch nicht mehr sagen. Wir sind offen für Veranstalter, die sich entwickeln wollen und Visionen verfolgen, Veranstalter, für die eine schöne Party genauso wichtig ist, wie eine professionelle Zusammenarbeit auf Augenhöhe.

Wie lockt man Leute an einem Donnerstag nach Eidelstedt?

Gute Frage: Wir bespielen die Donnerstage bis auf Weiteres nur noch mit unserem hauseigenen Open-Air-Konzept [Secret Garden]. Das bedeutet, dass wir eine Kontinuität für die Besucher:innen an diesem Tag schaffen möchten. Außerdem präsentieren wir im Rahmen dieser Reihe in diesem Jahr, an 14 ausgewählten Terminen, sehr interessante Künstler:innen wie Madmotormiquel, Marco Resmann oder die Power Suff Girls, die nicht wöchentlich im Hamburger Nachtleben anzutreffen sind.

Spontane Verlegung? Kein Problem!

Habt ihr bei den Open Airs kein Lärmproblem?

Es gibt bestimmte Gesetze für Immissionsorte außerhalb von Gebäuden. Diese Gesetze sind Grundlage für unsere Arbeit vor Ort. Hin und wieder erhalten wir trotzdem Anrufe, auch an Tagen wo gar keine Veranstaltungen stattfinden.

„Das Edelfettwerk ist derzeit im Wandel, von Eventlocation zum Musikclub“

Alexander Müller, Booker im Edelfettwerk

Geht es nachts indoor weiter?

Das ist immer abhängig von der jeweiligen Veranstaltung, wobei eigentlich alle Open Airs, die am Freitag oder Samstag stattfinden, auch eine After-Show-Party zur Folge haben. Manchmal sind die Partys auch nur indoor.

Könnt ihr auch bei Regen dahin switchen?

Ja. Das ist einer der Punkte, die ich persönlich als Veranstalter am meisten am Edelfettwerk zu schätzen weiß. Stell dir vor, wie praktisch es ist, wenn du ein Event nicht absagen musst, weil es spontan rein verlegt werden kann. Super gut!

Ein Spagat zwischen Mietlocation und Club mit Stammpublikum

Stehen in diesem Jahr noch weitere Veränderungen an?

Das Edelfettwerk ist derzeit im Wandel, von Eventlocation zum Musikclub. Die damit verbundenen konzeptionellen Änderungen sind genauso wichtig wie die Umsetzung vor Ort. Daran arbeiten wir gerade. Außerdem wird derzeit unser Brandschutzkonzept überarbeitet, der normale Gast wird im Nachhinein nichts merken, aber es handelt sich dabei um ein Projekt mit immensem Aufwand. So etwas zum Beispiel läuft im Hintergrund, kostet die Beteiligten jedoch enorm viel Energie und bindet derzeit Ressourcen.

Wie geht ihr mit dem Spagat zwischen Mietlocation und Club mit Stammpublikum um?

Neben der Praxis findet dieser aus meiner Sicht im Bereich der Kommunikation statt. Klar haben wir hin und wieder ein Firmenevent bei uns, allerdings muss man sich auch vor Augen führen, dass diese Events das Überleben und die Weiterentwicklung des Edelfettwerks als Kulturstandort sichern.


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Kunstperformance: SILK::ROAD experience

Vom Oberhafen auf die Seidenstraße führt die Performance beim Silkroad-Festival

Text: Felix Willeke

 

Die Seidenstraße, das ist doch das mit Marco Polo? Ja, auch, aber noch mehr, das beweist die SILK::ROAD experience. Im Oberhafen lädt das gleichnamige Festival vom 8. bis 10. Oktober (immer jeweils von 18 bis 22 Uhr in der Halle 3) dazu ein, den transkulturellen Austausch entlang der alten Handelsroute mit allen Sinnen nachzuerleben. Bei dem Festival verbinden sich Konzerte mit Installationskunst und Tanz und Tradition mit Innovation. Die Künstler aus aller Welt bedienen sich dabei der verschiedensten Stilrichtungen, von Weltmusik über Traditional und Elektro bis hin zu viel Jazz. Dabei will das Festival Grenzen und Vorurteile musikalisch, künstlerisch und gesellschaftlich abbauen. Die Tickets gelten immer für den gesamten Abend und kosten pro Tag 22,22 Euro.

silkroad-festival.com


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Oktober 2021. Das Magazin ist seit dem 30. September 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Meet the Resident – Crew Ombrelle

Jeden Monat stellt SZENE HAMBURG Residents vor, diesmal: Crew Ombrelle – präsentiert von hamburg elektronisch

Interview: Louis Kreye & Jean Djaman 

 

SZENE HAMBURG: Wie beschreibt ihr euren Sound?

Elektronische Viervierteltakte bei 124 bpm, die Euphorie lostreten. Genregrenzen durchbrechen – von flauschigen Klängen bis technoider Abfahrt. Raum zum Freisein.

 Was war die bisher schrecklichste Gastfrage, die ihr erlebt habt?

„Spielt mal was von Fettes Brot! Oder habt ihr auch ‚I will survive‘?“

Was war euer größter Moment als DJ?

Da gibt es zwei Momente, die uns immer noch flashen. Wir wurden nach einem spontanen Fusion-Set 2019 von Caterina Panesi aka Baud eingeladen, im Januar 2020 zwei Gigs in Italien zu spielen – in Livorno und Pisa. Die Einblicke in die italienische Feier- und Kulturszene und die Gastfreundschaft waren umwerfend.

Baud setzt sich dafür ein, die elektronische Subkultur in ihrer Region zu stärken und die Italiener/innen für die Arbeit von FLINT-DJs – lokal und international – zu sensibilisieren.

Ein weiterer Höhepunkt war das Habitat Festival 2019, bei dem wir mit unserem FLINT-Kollektiv Kosmos&Krawall in Form von DJ-Sets, Performances und einer Sekt-Bar mitgewirkt haben. Wir zwei haben bei steilen 32 Grad die Hauptbühne eröffnet. Das war der Shit!

 

Diversität

 

Welche ist eure Platte des Monats?

Die Save-The-Night-Compilation von unserem Kieler Herzensclub Luna. Die Bande hat zu ihrer Rettung ein Musiklabel gegründet und jede einzelne EP schockt. Lokale und international renommierte Acts solidarisieren sich und steuern Tracks bei.

Auf wen sollte man momentan ein Auge haben?

Auf alle Künstler/innen, für die es momentan besonders hart ist. Wir wünschen uns, dass nach der Krise alle wieder an die Decks kommen, die auch vor der Krise für musikalische Vielfalt und Individualität gesorgt haben, und zudem die Gender-Diversität in der Musikbranche nicht in den Hintergrund gerät. Wir brauchen mehr Bewegung in der Szene, mehr FLINT-DJs in den Line-ups und mehr Safe Spaces, um sich auszuprobieren!

Was sind Hamburgs Stärken?

Hamburgs Räume der elektronischen Subkultur, die auch politisch Stellung beziehen, wie zum Beispiel die Rote Flora, der Südpol oder das Gängeviertel, wo unser Kollektiv im Rahmen von female:pressure zusammengefunden hat und wo wir einen Proberaum nutzen können, den wir – wenn nicht gerade Kontaktbeschränkungen gelten – für FLINT-DJs öffnen.

 Und die Schwächen?

Die zunehmende Gentrifizierung und Baumaßnahmen (siehe Sternbrücke), die eine vielfältige Clublandschaft einschränken, wenn nicht sogar unmöglich machen. Lärmbeschwerden neuer Anwohner/innen machen es selbst eingesessenen Clubs schwer.

 

Ein aktuelles Set von Crew Ombrelle hört ihr hier: 

 


Cover_SZ0121 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Januar 2021. Das Magazin ist seit dem 22. Dezember 2020 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Meet The Resident – Linus

Jeden Monat stellt SZENE HAMBURG Resident-DJs vor, diesmal: Linus (Catchy Collective) – präsentiert von Hamburg Elektronisch.

 Interview: Louis Kreye & Jean Djaman

 

SZENE HAMBURG: Dein Sound?

Linus: Minimalistisch, Housey und meistens mit irgendeinem Bezug zum Soul und Jazz.

Wie lautet die schrecklichste Gastfrage, die du mal bekommen hast?

Nicht unbedingt schrecklich, aber Leute die immer sagen, dass man schneller oder doller machen soll, sind schon anstrengend manchmal.

Welcher Hamburg-Gig ist bisher dein Favorit?

Alle unsere Catchy-Veranstaltungen waren Bombe, aber auch die Gigs im Südpol und das Anderswelt-Opening waren hammer.

Dein Lieblingsort?

Ganz klar die Sofas im Südpol Backstage.

Auf wen sollte man momentan ein Auge haben?

Man sollte die Bladehouse Crew im Auge behalten. Dringend!

Platte des Monats?

Bladehouse 001.

Was sind für dich Hamburgs Stärken?

Keine Ahnung (lacht). Fischbrötchen.

Und die Schwächen?

Wir haben auf jeden Fall einen anständigen Club zu wenig.

 

Hört hier ein aktuelles Set von Linus


Cover Szene Juni 2020 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juni 2020. Das Magazin ist seit dem 30. Mai 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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Meet The Resident – Hendrik Bahr

Jeden Monat stellt SZENE HAMBURG Resident-DJs vor, diesmal: Hendrik Bahr (KDK / Schmetterball) – präsentiert von Hamburg Elektronisch.

Interview: Louis Kreye / OMA
Foto: Hamburg Elektronisch 

 

SZENE HAMBURG: Dein Sound?

Hendrik Bahr: Elektronisch. Technoid.

Welches war dein größter Moment als DJ?

Mein Gig im letzten Jahr in Rumänien, den ich mit meinen Jungs von KDK erleben durfte. Eine Tour mit einem Boot auf der Donau. Eine dicke Void Acoustics. Und bei bestem Wetter, 400 feiernde und tanzende Gäste. Wahnsinn!

Wo gehst du hin, um Spaß zu haben?

Zum Feiern meistens ins PAL. Im Südpol hatte ich aber auch schon nette Abende.

Welchen Act würdest du gerne mal (wieder) in Hamburg sehen?

Job Jobse und Roman Flügel

Platte des Monats?

Garden Party von Roman Flügel

Hamburgs Stärken?

Man hört ja oft, dass die Menschen im Norden eine besonders harte Schale haben. Allerdings habe ich das in Clubs oder Bars noch nicht oft erlebt. Im Gegenteil: Ich bin der Meinung, dass man häufig sehr herzlich und lieb empfangen wird.

Und die Schwächen?

Hamburg hat meiner Meinung nach einige Gebiete in denen das Genre und auch die Veranstaltungen in gewisser Hinsicht festgefahren sind.

 

Hört hier ein aktuelles Set von Hendrik Bahr

 


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, April 2020. Das Magazin ist seit dem 28. März 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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Meet the Resident – Sunny

Jeden Monat stellt SZENE HAMBURG Residents vor, diesmal: Sunny (29, SUN/PAL) – präsentiert von hamburg elektronisch

Interview:  Louis Kreye & Jean Djaman
Foto: hamburg elektronisch

 

SZENE HAMBURG: Dein Sound?

Einfach : Filthy Technoid House Music. Ausführlich : Dreckige Grooves. Alter? Herkunft? Genre? Egal! Ein gesunder Mix aus Grooves, 808-Bass-Drums, Hypnose, High Energy, ein paar Vocal-Samples, Seele aus Detroit und das beste zum Schluss – THE HI-HAT! Und natürlich viele Überraschungen.

Größter Moment als DJ?

Eigentlich ist jeder Gig für mich ein Moment, den ich nicht so schnell vergesse. Ich liebe es an untypischen Orten zu spielen und die Leute zu beobachten, wie der Groove so langsam aber sicher einschlägt und selbst die schüchternsten Personen heimlich mit dem Fuß swoofen.

Natürlich auch die Residency im PAL, die Möglichkeit mit so vielen tollen Künstlern aus der Welt und unseren Residents die Decks zu teilen. Und meine eigene Partyreihe SUNS. Mittlerweile neben Lehult (Grüße), die beste Houseparty der Stadt, jeden 2. Monat im PAL – der Fokus liegt auf dem Sound und dem Vibe und nicht auf der Social Media Reichweite eines Künstlers.

Wo gehst du in Hamburg hin um Spaß zu haben?

PAL: Der Club für mich seit Tag eins – ein Ort für Dancer und Musikliebhaber. Weltklasse Bookings und noch bessere Residents. Dunkel und hell, intim und erotisch.

Golden Pudel: Pudel ist Pudel! Der kleine aber feine Ort. Manchmal sehr wild, manchmal auch sehr schön.

Uebel & Gefährlich: Fast wie Familie,  Konzerte sind der Hammer, genauso wie die Crew, die dahinter steckt.

Pane e Tulipani: Restaurant? Bar? Oder doch Tanzen? Der beste Italiener der Stadt. Die Stimmung ist legendär, genauso wie die Trüffelpasta!

MINUS Bar: Sehr schöne und stylische Bar mit noch schöneren Drinks. Vorglühen anyone?

Sportstudio Popeye: Trainieren zu aktuellen DJ Sets aus der ganzen Welt!

 

„Hamburg schafft den Spagat zwischen Nightlife und Worklife“

Sunny

 

Welchen DJ würdest du gerne mal (wieder) in Hamburg sehen?

Moodyman, Omar S, DJ Sotofett, Jamie Trench und Chris Stussy.

Hamburgs Stärken?

Die Menschen hier sind herzlich und offen, die Szene wächst und es gibt sehr viele leckere Restaurants. Die Stadt schafft den Spagat zwischen Nightlife und Worklife besser als Berlin.

Und die Schwächen?

Clubkultur unfreundliche Politik, schlechte ÖPNV Anbindung und Events unter der Woche. Leider gibt es auch dieses seltsame Phänomen von diesem undefinierbaren Sound, ich kann ihn nicht in Worte fassen.  Langsam mit unnötig harten Basslines und dann irgendwie auch sehr laaaaang gezogen mit bööööööööm düm düm bööööööööööm – genauso hört es sich auch an. Bitte aufhören damit!

Dein Lieblingsort?

PAL, Phase Alternating Lines!

Platte des Monats?

Kat Williams mit „That Track By Kat “, A1 ist eine harte, hypnotische Acid-Bombe. Sexy Vocals? YES!

Auf wen sollte man in Hamburg momentan ein Auge haben?

Die PAL-Residents, die momentane Zusammensetzung macht mich glücklich.

Welcher Gig in Hamburg ist bisher dein Favorit?

SUNS Warmups, ich liebe es den Abend in eine bestimmte Richtung zu lenken.

Schrecklichste Gast-Fragen?

Do you have something from Guy Gerber? Kannst du den Bass +2 machen? Darf ich deine Playlist sehen?

Wo kann man dich als nächstes hören?

SUNS einjähriges Jubiläum am 18. März. Macht euch auf einen besonderen Abend gefasst!

 

Ein aktuelles Set von Sunny hört ihr hier:


Szene-Cover-März-2020 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, März 2020. Das Magazin ist seit dem 27. Februar 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Golden Pudel Club wieder mit Café: Barboncino Zwölphi

Seit Ende Juli ist der Pudel wieder ganz. Das Barboncino Zwölphi ist das neue Café im Obergeschoss des berühmten Clubs. Passionierter Pudel-Freund und Mitglied im VerFüGe e.V. ist der Musiker Viktor Marek. Im Interview spricht er über Architektur, geplante Veranstaltungen und gesellschaftliche Solidarität in Zeiten des Rechtsrucks

Interview: Jan Paersch
Foto (o.): Ole Masch

 

Der erste Eindruck: ganz schön bunt. Draußen scheinen Farbeimer explodiert zu sein, so sehr strahlen den Besucher die grünen, pinken und blauen Pastellfarben an. Im Innenraum: mehrere Holzwände mit verschieden gestalteten Tapeten, große Hängelampen, rot und giftgrün gepolsterte Stühle. Eine teuer aussehende Espressoma­schine blinkt hinterm Tresen. Etliche Fenster geben den Blick auf die Werft Blohm+Voss auf der anderen Elbseite frei.

Eine Etage darüber, in den Räumen direkt un­ter dem markanten Sheddach, ist die Unterbringung des Park Fiction­-Archivs geplant. Auf der Mittagstisch-­Speisekarte im Café: arabische Spezialitäten. Gebratene Möhren, Couscous­-Salat, Belugalinsen, Hummus und Falafel – der große Teller für 7,50 Euro, ermäßigt für 6 Euro.

Es ist Anfang August, das Barboncino Zwölphi im oberen Stockwerk des Golden Pudel Clubs ist erst seit ein paar Tagen geöffnet. Frischer Holzgeruch hängt noch im Raum. An der Theke lehnt ein Pärchen und lobt das Konzept des in der Karte verzeichneten Espressos zum „schnell am Tresen trinken und abhauen.“ Nur einen Euro kostet das im Stehen genossene Heißgetränk hier – wie an einer italienischen Autobahnraststätte.

„Den Preis habe ich durchgesetzt“, grinst Viktor Marek. Der Musiker und Produzent ist auch Mitglied im Verein für Gegenkultur e.V., kurz VerFüGe und war maßgeblich an der Planung des neuen Cafés und Kulturraums beteiligt.

Lange Jahre wurde die obere Etage von einem Pudel­fremden Betreiber dominiert. Mit finanzieller Unterstützung der Mara­-&-­Holger­-Cassens-­Stiftung kaufte der Pudel­-Verein im Juli 2016 den Anteil des damaligen Miteigentümers auf. Der Club war zu dem Zeitpunkt aufgrund von Brandschäden geschlossen – nun darf im Pudel wieder unten und oben gefeiert werden.

pudel-barboncino-credit-Jan-Paersch

„Müssen solidarisch miteinander umgehen“: Viktor Marek / Foto: Jan Paersch

SZENE HAMBURG: Viktor Marek, ihr habt euch schon in der Vergangenheit als „Elbphilharmonie der Herzen“ bezeichnet. Musstet ihr das jetzt noch einmal unterstreichen, indem ihr euch den Zusatz „Zwölphi“ gegeben habt?

Viktor Marek: Ja, wir können’s nicht lassen. Wir brauchen immer einen mehr als die Elphi. Lauter, teurer, besser (lacht). Barboncino war uns irgendwie zu wenig. Die Kombination mag schwer merkbar sein, aber vielleicht etabliert sich noch eine Abkürzung. „Pudel oben“ wäre für uns auch okay.

Ihr meintet mal, ihr würdet kein weiteres Café auf St. Pauli eröffnen wollen. Was ist das Barboncino dann?

Das ist einfach ein Pudelchen oben­ drauf – Barboncino heißt wörtlich „Pudelchen“ auf italienisch. Die reine Café-Idee reicht uns tatsächlich nicht. Man kann bei uns nett sitzen und auf die Elbe gucken, aber es soll schon politisch aufgeladen sein, und die Veranstaltungen sollen das auch widerspiegeln. Von Anfang an wollten wir unbedingt mit Geflüchteten arbeiten.

Der Mittagstisch kommt vom Catering- Service Chickpeace, der von geflüchteten Frauen aus Afghanistan, Syrien, Eritrea, Irak und Somalia betrieben wird.

Genau. Wichtig ist uns, dass deren Bezahlung anständig ist. Momentan ist ihre Küche vor allem arabisch angehaucht, aber auch da werden sich die Dinge vielleicht noch ändern.

Ihr habt auch einen ermäßigten Preis beim Essen.

Auch wer wenig Kohle hat, sollte bei uns essen können. Wir wollen auf keinen Fall ein weiterer Gentrifizie­rungs-­Apparat in St. Pauli-­Süd sein. Wer hier schon seit Ewigkeiten wohnt, ist herzlich eingeladen, vorbei zu kom­men.

Seid ihr schon früher so auf die Nachbarn zugegangen?

Nun, als der Pudel gegründet wurde, war es wichtig, sich von der Gesellschaft abzugrenzen. Heute macht das keinen Sinn mehr, im Gegenteil: Wir müssen solidarisch miteinander umgehen. Der Rechtsruck ist eine riesige Gefahr. Wenn der Staat das schon nicht hinbekommt, müssen wir wenigstens untereinander zusammenhalten.

Uns haftete lange das Bild der hippen Künstler an, aber so wollen wir nicht mehr wahrgenommen werden. Wir bieten auch ein Flaschenbier für 2,20 Euro an – das ist fast so günstig wie in einer Eckkneipe.

 

„Wir wollen immer Raum für Quatsch lassen“

 

Im Golden Pudel Club kommen „Selbstbestimmtheit, Kratzbürstigkeit, Beklopptheit und Wärme zusammen“, heißt es in der Präambel eurer Stiftung. Wie verrückt darf ein Café sein?

Ich finde, es muss bekloppt sein. Hier oben wird vermutlich nicht ganz so viel mit Alkohol experimentiert. Aber wir wollen immer Raum für Quatsch lassen. Die Dinge sollen auch mal schiefgehen können.

Jetzt, wo das Grundstück gesichert ist und wir über die nächsten 40, 50 oder gar mehr Jahre nachdenken können, können wir eine gewisse Grundentspanntheit mitbrin­gen. Früher haben wir von Jahr zu Jahr gelebt und wussten gar nicht, ob wir nicht doch bald schließen müssen.

Jetzt habt ihr viel vor: Lesungen, Konzerte, Workshops.

Wir haben gleich den „Kaiserwetter“­-Dienstag wiederbelebt, der früher unten im Club stattfand. Da haben schon so illustre Gäste wie DJ Koze oder DJ DSL aufgelegt. Der Fokus liegt aber nicht auf Tanzmusik. Es darf stattfinden, was sonst auf der Strecke bleibt.

Ich selbst werde 7­inch-­Platten von Flohmärkten in Palermo, Athen und Tokio auflegen. Lesungen von Kathrin Weßling und Gereon Klug sind auch geplant, dazu Salonabende mit Rocko Schamoni und Schorsch Kamerun, Filmabende von der HfbK und eine Veranstaltung vom Hamburger Comicfestival. Die „Untüchtigen“ sollen auch wieder stattfinden, eine politische Reihe, die schon im mittlerweile geschlossenen Golem stattfand.

Was hat das Barboncino gekostet?

Wir haben circa 200.000 Euro an Spenden und 100.000 Euro an öffentlichen Geldern von der Bezirksversammlung Altona bekommen, aber die Summe hat nicht gereicht. Das fehlende Geld hat uns die Mara­-&-­Holger­-Cas­sens­-Stiftung geliehen, das zahlen wir über einen langen Zeitraum zurück.

 

Krone und Pudel-Frisur

 

Wie kamt ihr auf das markante Dach mit den drei aneinander gelehnten Pultdächern?

Wir tranken Bier mit dem Architekten, und der zeichnete diese Krone gleich auf eine Serviette. Die Gestaltung erinnert an eine alte Fabrik, die typischerweise mit einem Sheddach da­herkommt. Und es erinnert natürlich an das Logo des berühmten englischen New­-Wave­-Labels Factory Records. Es soll demonstrieren: Hier wird gearbeitet, hier soll etwas geschaffen werden. Aber es bezieht sich natürlich auch auf eine Pudel­-Frisur.

Wenn man sich drinnen so umschaut – ganz schön viel Holz hier.

Am Anfang war es zu holzig hier – es sah aus wie eine Sauna! Wir haben mit der individuellen Tapetengestaltung dagegen gearbeitet.

Mir gefällt besonders das Spielkartenmuster. Wie seid ihr die Gestaltung des Innenraumes angegangen?

Der Regisseur Lars Jessen hat ein­mal einen Film über sterbende Gasthöfe in Dithmarschen gemacht. Eine der Kneipen stand in Meldorf, und nachdem die schließen musste, übernahm Lars die komplette Einrichtung und lagerte sie ein. Er ist ein Freund von Rocko Schamoni, und kontaktierte uns gleich, als er von dem Projekt hörte.

Wir wollten die Möbel aber nicht bloß auf museale Art ausstellen. Also gab es eine Zwischenlösung: Lampen und Möbel sind zum größten Teil aus dem alten Gasthof, der Tresen mit seiner Sechzigerjahre­-Anmutung wurde dagegen komplett neu gebaut. Wir wollten auch keine hohe, brachiale Bühne, es sollte eher eine Stufe sein. Das macht das ganze demokratischer.

Der Pudel – ein Hort der Demokratie?

Nun ja. Letztlich sind wir wohl doch Anarchisten.

Barboncino Zwölphi: St. Pauli Fischmarkt 27


Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, September 2019. Titelthema: Mobilität – Das bewegt die Stadt. Das Magazin ist seit dem 29. August 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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