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Hamburger Nachwuchs: Sängerin Zoe Wees im Interview

Vor drei Jahren war Zoe Wees bei „The Voice Kids“ zu bestaunen. Auch wenn sie damals nicht gewann, ist die 18-Jährige mit der rauen Soulstimme nicht mehr aus dem nationalen Pop-Geschehen wegzudenken. Mehr noch: Zoe Wees, die in ihrer Kindheit mit Rolando-Epilepsie zu kämpfen hatte, strebt eine Weltkarriere an

Interview: Erik Brandt-Höge

 

SZENE HAMBURG: Zoe, du warst 15, als du an „The Voice Kids” teilgenommen hast. Was hast du von deinem Ausflug ins Casting-TV gelernt?

Zoe Wees: „The Voice Kids“ war auf jeden Fall eine interessante Erfahrung und hat Spaß gemacht. Aber es hat mir eigentlich nur gezeigt, dass ich lieber selbst Schritt für Schritt eine eigene Karriere aufbauen möchte, mit einem starken Team, das mich unterstützt.

Was würdest du denn generell jungen Talenten empfehlen, um ins Musikgeschäft einzusteigen: die Teilnahme an einer Castingshow oder Eigenmarketing per Social Media? 

Das muss, glaube ich, jeder selbst für sich herausfinden. Ich persönlich finde, man sollte versuchen, sich selbst etwas aufzubauen. Über Social Media zu gehen, ist meiner Meinung nach der beste Weg dafür. Jeder hat eine Chance verdient, und jeder hat dort die Möglichkeit, kreativ zu werden und sich eine Fanbase aufzubauen, vor allem auf Plattformen wie Tiktok oder Instagram.

Nicht fehlen dürfen sicherlich auch Mentoren auf dem frühen Karriereweg. Eine Förderin besingst du in deiner Single „Control“: deine ehemalige Grundschullehrerin. Inwieweit hat sie dich unterstützt?

Sie war damals immer für mich da, wenn es mir schlecht ging. Jedes Mal, wenn ich einen epileptischen Anfall hatte, hat sie mich an die Hand genommen und ist mir zur Seite gestanden. Sie hat sich viel Zeit für mich genommen, was nicht selbstverständlich ist. Dafür bin ihr unendlich dankbar, und darum habe ich den Song „Control“ auch für sie geschrieben. Es war ein sehr emotionaler Moment, als ich ihr den Song zum ersten Mal vorgespielt habe.

 

„Ich habe gelernt, mit der Krankheit zu leben”

 

In „Control“ erzählst du von eben diesen Erfahrungen mit Rolando-Epilepsie. Steht diese deiner Karriere heute noch im Weg? 

Nicht direkt. Die Rolando-Epilepsie ist eine Krankheit, die in den meisten Fällen während der Pubertät ausheilt, und das war glücklicherweise auch bei mir so. Aber auch heute habe ich morgens manchmal noch das Gefühl und die Angst, dass ich einen Anfall haben könnte, obwohl ich eigentlich weiß, dass es nicht sein kann. Das verfolgt mich also weiterhin, aber ich habe gelernt, damit zu leben.

Und wenn besagte Karriere ein Wunschkonzert wäre: Wo genau würdest du als Musikerin bestenfalls noch überall landen? 

In ein paar Jahren würde ich am liebsten auf Welttour gehen und auf den größten Bühnen stehen. Mein größter Traum ist es, vor einer riesigen Menschenmenge aufzutreten und gemeinsam mit den Leuten meine Songs zu singen. Außerdem will ich so viel Musik wie möglich releasen!

Hier könnt ihr in Zoe Wees’ Debüt-Single „Control“ reinhören:


Cover_SZ1020 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Oktober 2020. Das Magazin ist seit dem 27. September 2020 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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Hamburger Nachwuchs: Diskuswerfer Mika Sosna

16 Jahre, 1,98 Meter, 100 Kilo – und Weltranglistenerster im Diskuswerfen in seiner Altersklasse: Das ist Mika Sosna. Ein Gespräch mit dem womöglich nächsten Leichtathletik-Superstar der Stadt

Interview: Erik Brandt-Höge

 

SZENE HAMBURG: Mika, du giltst als Hamburgs aktuell größte Leichtathletik­hoffnung. Kommst du damit zurecht oder spürst du einen zunehmenden Druck?

Mika Sosna: Och, ich komme relativ gut damit klar, Druck habe ich bisher noch nicht gespürt. Im Gegenteil: Die Aufmerksamkeit, die ich jetzt bekomme, spornt mich sogar an. Als ich noch keine anständigen Leistungen gebracht habe, hatte ich natürlich auch noch keine Medienpräsenz. Mittlerweile habe ich aber etwas erreicht und genieße es, wenn über mich berichtet wird und die Leute mehr von mir erfahren wollen.

Und generell: Bist du jemand, der rund um die stressigen Wettkämpfe viel nachdenkt und darüber sprechen möchte, sei es mit Trainern, Eltern oder Freunden?

Ich bin kein großer Nachdenker. Das einzige, worüber ich nach dem Sport zu Hause nachdenke, ist: Was könnte ich noch besser machen? Und: Welche neuen Trainingsmethoden könnte ich noch ausprobieren? Auch während des Wettkampfs denke ich nicht groß nach. Ich probiere dann einfach, mein Ding zu machen.

Keine Angst oder Nervosität?

Doch, ein bisschen Schiss habe ich manchmal schon vor einem Wettkampf. Wobei sich das deutlich gebessert hat im vergangenen Jahr.

Wie ist es besser geworden? Schlichtweg durch Erfahrung?

Genau, ich habe mich Wettkampf für Wettkampf an diese Situationen gewöhnt, in denen alle auf mich schauen. Eine gewisse Grundnervosität bleibt aber und ist ja auch normal.

 

„Olympia ist mein großes Ziel“

 

Wann hast du eigentlich ent­schieden, Leistungssport auf Dauer betreiben zu wollen – und warum?

Ich habe vor anderthalb Jahren den Trainer und den Verein gewechselt, bin von der Leichtathletikabteilung des HSV zur TSG Bergedorf gegangen. Mit meinem neuen Trainer kamen auch deutliche Leistungssprünge, und irgendwann war mir klar: Ich möchte im Leistungssport bleiben und in den Erwachsenenbereich.

Und warum der Diskuswurf ?

Dass ich ein Werfer werden würde, war schon relativ früh klar. Liegt einfach an meiner Statur, ich könnte kein Sprinter oder Mehrkämpfer sein. Vor zwei Jahren habe ich mich dann ganz gezielt auf den Diskus konzentriert.

Aktuell bist du mit einer Weite von 64,05 Metern Weltranglistenerster in deiner Alters­ klasse, visierst aber sicher schon Höheres an, zum Beispiel Olympia …

… das ist mein großes Ziel. Wenn ich verletzungsfrei bleibe und alles passt, möchte ich 2024 in Paris dabei sein. Noch realistischer sind die Spiele danach, nämlich 2028 in Los Angeles.

Würdest du dich als Höher­-Schneller­-Weiter-­Typen beschreiben?

Ja, definitiv! Klar, wenn man mir vor einem halben Jahr gesagt hätte, dass ich heute bei der Weite liegen würde, bei der ich liege, hätte ich mich ohne Ende gefreut. Aber mit der Zeit hat sich meine Einstellung etwas geändert, ich bin nie voll und ganz zufrieden mit meinen Weiten.

Warum nicht?

Weil ich weiß, dass immer noch deutlich mehr drin ist. Es mag für Außenstehende komisch wirken, wenn sich alle über eine gute Leistung von mir freuen und nur mein Trainer und ich eher ruhig bleiben. Das liegt aber nur daran, dass wir wissen, dass da noch viel mehr geht.

 

„Alles ist auf Sport gerichtet“

 

Die guten Ergebnisse, aber auch der Aufbau von einem Athletenkörper kosten viel Zeit und Kraft. Wie muss man sich deinen Alltag vorstellen?

Alles ist auf Sport ausgerichtet. Glücklicherweise gehe ich zu einer Eliteschule des Sports, die Athleten massiv fördert. Die Schule tut wirklich extrem viel für uns, ohne sie wäre ich nicht da, wo ich heute bin.

Was tut die Schule denn kon­kret?

Sie bietet zum Beispiel ein Abitur nach 14 anstatt nach 13 Jahren an. Außerdem ist es möglich, auch während der Schulzeit ein Frühtraining zu absolvieren, jeden Morgen. Das hilft total, wenn man eh mehrere Trainingseinheiten am Tag hat.

Und auf was musst du – ver­glichen mit Gleichaltrigen – schmerzvoll verzichten?

Vor allem natürlich aufs Feiern. Sich mit seinen Jungs zu treffen, abends irgendwohin zu gehen – das ist in meinem Alltag nicht möglich. Tagsüber bin ich nur mit dem Sport beschäftigt, und danach habe ich überhaupt keine Kraft mehr, irgendetwas zu unternehmen.

Und umgekehrt: Was fühlt sich am besten an in deinem Sport­ lerleben? Gibt es bestimmte Momente, die immer wieder neu beflügelnd wirken?

Am coolsten ist es, wenn ich in einem Wettkampf eine Leistung erziele, von der ich weiß, dass ich sehr lange und hart dafür gearbeitet habe. Das Gefühl, das ich dann habe, lässt sich gar nicht in Worte fassen. Es ist einfach die Belohnung für alles.


Szene_Juli_2020_Cover SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juli 2020. Das Magazin ist seit dem 27. Juni 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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