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Kulturausflüge ins Hamburger Umland

Ab dem 1. Juni 2022 gilt das 9-Euro-Ticket, höchste Zeit Kunst, Konzerte und Kultur im Umland zu entdecken. Wir zeigen zehn Events, die beweisen: Das Hamburger Umland hat einiges zu bieten

Text: Felix Willeke

Son et Lumière

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Lichtkunst am Schweriner Schloss bei Son et Lumière (Foto: Tanja Brüggemeier)

Schwerin ist eines der schönsten Ausflugsziele im Hamburger Umland und im Sommer bringt die Lichtinszenierung Son et Lumière das Schweriner Schloss zum leuchten. Am 17. und 18. Juni jeweils von 22.30 bis 23 Uhr gibt es die beeindruckende Inszenierung und das Schloss erstrahlt in allen erdenklichen Farben. Am Samstag erzählt dazu die Stimme des Großherzogs Friedrich Franz’ II. aus seinem Leben und gibt Einblicke in die Geschichte.

Son et Lumière ist der Auftakt für die Festivitäten rund um das Schweriner Schloss, denn nur wenige Tage später, am 23. Juni, starten die Schlossfestspiele Schwerin. Unter dem Motto „Neue Vielfalt: Abendkleid trifft Picknickdecke“ gibt es bis zum 17. Juli Oper und klassische Musik unter freiem Himmel direkt am Schweriner See.

Son et Lumière am Schweriner Schloss, 17. und 18. Juni, 22.30 bis 23 Uhr

Museum Kunst der Westküste

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In der Mitte der Insel Föhr gelegen: das Museum Kunst der Westküste (Foto: Gerhard Kassner)

Auch im Sommer gibt es mal schlechtes Wetter. Richtig ärgerlich ist das, wenn man zu den Glücklichen gehört, die auf einer der Nordfriesischen Insel die schönen Tage verbringen können. Aber kein Grund zu verzweifeln, denn in Alkersum auf Föhr kann man noch einmal ganz neu in die Inselkuktur eintauchen. Seit 2009 zeigt das gemeinnützige Museum Kunst der Westküste (MKdW) wechselnde Ausstellungen aus der hochkarätigen Sammlung des Hauses und mit internationalen Leihgaben.

Schon seit Dezember 2021 läuft daher auch die Ausstellung „Inseljugend“ des Artist in Residence des MKdW. Sie zeigt das Leben von jungen Menschen auf der Nordseeinsel. Dazu kommt ab dem 3. Juli 2022 die Schau „Provenienzgeschichten“ mit Werken von Max Liebermann. Im Rahmen dieser Ausstellung gewährt das Museum spannende Einblicke in die mehrjährige, komplexe Provenienzrecherche, die die Herkunftsgeschichte der Werke nachzeichnet. Dafür gewährt das Museum einen Blick hinter die Kulissen.

Museum Kunst der Westküste in Alkersum auf Föhr, geöffnet Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr

Karl-May-Spiele

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Eines der schönsten Theater in Norddeutschland: das Freilichttheater am Kalkberg (Foto: Karl-May-Spiele/Claus Harlandt)

Seit 70 Jahren kennen fast alle Kinder in Norddeutschland die Karl-May-Spiele in Bad Segeberg. Nach der Pause in den letzten beiden Jahren startet am 25. Juni 2022 die 69. Saison rund um die Geschichten von Karl May. Dann können jeden Donnerstag bis Sonntag bis zu 11.500 Besucher:innen das Ensemble um Alexander Klaws und Sascha Hehn in „Der Ölprinz“ erleben.

Insgesamt haben seit 1952 schon über zwölf Millionen Menschen das Schauspiel im Freilichttheater am Kalkberg gesehen. Und viele davon wissen es schon: Eine ganz besondere Vorstellung gibt es immer zum Saisonende. 2022 steigt die sogenannte Derniere am 4. September. In der letzten Vorstellung des Jahres erlaubt sich das Ensemble die ein oder andere Besonderheit, Expert:innen haben auch vorher schon eine Vorstellung gesehen und wissen natürlich Bescheid. 

Karl-May-Spiele, vom 25. Juni bis 4. September im Freilichttheater am Kalkberg in Bad Segeberg

Schleswig-Holstein Musikfestival

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2022 ist mit Gentleman und Moop Mama beim Werftsommer in der Kulturwerft Gollan tanzbare Musik garantiert (Foto: Felix König)

In Schleswig-Holstein findet seit 1986 eines der größten klassischen Musikfestivals Europas statt. 2022 steht die 37. Ausgabe des Schleswig-Holstein Musikfestivals (SHMF) ganz im Zeichen des Hamburger Komponisten Johannes Brahms und des israelischen Dirigenten Omer Meir Wellber. Vom 2. Juli bis zum 28. August 2022 gibt es 204 Konzerte in 123 Spielstätten an 65 Orten in Schleswig-Holstein, Dänemark, Hamburg und im Norden von Niedersachsen. Darunter sind neben etablierten Konzerthäusern auch ungewöhnliche Orte wie der Hangar 7 der Lufthansa Technik in Hamburg, die Carlebach-Synagoge in Lübeck und die Kieler Gelehrtenschule.

Auch wenn der Schwepunkt klassische Musik ist, hat das SHMF auch für die Fans, des Pop, Jazz und Funk einiges zu bieten. So stehen beim Werftsommer in der Lübecker Kulturwerft Gollan unter anderem Zoe Wees, Gentleman und Moop Mama auf der Bühne – für nur 130 Euro gibt es dabei sieben Konzerte in drei Tagen.

Schleswig-Holstein Musikfestival, vom 2. Juli bis 28. August 2022, diverse Spielstätten

Jazz im Pferdestall

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Zu Gast beim Open Air am Schloss Agathenburg: TOYTOY aus Hamburg (Foto: Steven Haberland)

Nils Wülker ist einer der bekanntesten Jazztrompeter Deutschlands. Neben seiner Arbeit als Komponist kuratiert der 44-Jährige seit 2012 als künstlerischer Leiter auch das Programm von Jazz im Pferdestall auf Schloss Agathenburg. Seit März läuft das Programm 2022, bei dem an acht Terminen neben „Still in the Woods“ und dem „Hans Anselm Quintett“ auch das „David Helbock Trio“ zu Gast sind.

Besonderes Highlight in 2022 ist das große Open-Air-Konzert am 9. Juli. Zu Gast ist dann „TOYTOY“. Die Combo, bestehend aus dem Schlagzeuger Silvan Strauß (Gewinner des Hamburger Jazzpreises 2022), dem Bassisten Daniel Stritzke, dem Perkussionisten Samuel Wootton und dem Gitarristen Alex Eckert, schloss sich an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg zusammen, um HipHop, elektronisch geprägte, urbane Groovemusik und Jazzimprovisation zu verbinden. 

Jazz im Pferdestall, vom 18. März bis 4. November 2022 (acht Termine) am Schloss Agathenburg mit dem großen Open Air am 9. Juli

Kultursommer Lüneburg

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Gute Stimmung ist garantiert beim Lüneburger Kultursommer (Foto: ohne Credit)

Lüneburg ist nicht nur wunderschön, sondern beweist mit seinen vielen Studierenden auch Jahr für Jahr, dass es sich hier gut feiern lässt. Ist das lunatic Festival seit Jahren etabliert gibt es seit einiger Zeit auch den Lüneburger Kultursommer auf den Sülzwiesen.

Genau hier sind 2022 auch wieder hochkarätige Künstler:innen zu Gast. Neben Helge Schneider (15. Juli) und Cro (16. Juli) sind auch Silbermond (23. Juli) und Lea (24. Juli) mit dabei. Ein Highlight direkt am Fuße des Kalkbergs ist dabei sicherlich das Konzert der niedersächsischen Lokalmatadorin Lina am 22. Juli. Tickets für die Konzerte gibt es ab 47 Euro.

Lüneburger Kultursommer, 14. bis 24. Juli auf den Sülzwiesen

Ferdinands Feld

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Feiern, das können sie beim Ferdinands Feld (Foto: Ferdinands Feld)

Es war vor sieben Jahren, als sich auf dem Flugplatz in Rotenburg an der Wümme rund 3500 Menschen versammelten, um zu feiern. Hatte das Ferdinands Feld damals noch zwei sogenannte Terminals, sind es 2022 schon vier und es werden bis zu 20.000 Besucher:innen erwartet. Diese werden dann unweit von Bremen wieder Bigroom-, Progressive-, Hardstyle- und Techhouse-Beats lauschen und zwölf Stunden lang den Alltag vergessen.

Während bei den großen Geschwistern wie dem Tomorrowland sich über 30.000 Menschen die Beats durch den Körper rauschen lassen, zieht auch das gemütlichere Ferdinands Feld Jahr um Jahr mehr Menschen an. Nach der Pandemie-Pause sind in diesem Jahr neben Anna Reusch, Dr. Peacock und Jerome auch Villain und Felix Kröcher zu Gast.

Ferdinands Feld, 6. August auf dem Flugplatz in Rotenburg an der Wümme

NORDEN Festival

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Sonne, Wasser und gute Musik: das Norden-Festival 2022 (Foto: Lucas Martens)

Direkt am Sandstrand der Schlei in Schleswig findet auch in diesem Sommer wieder das NORDEN – The Nordic Arts Festival  statt. Zum vierten Mal gibt es über drei Wochenenden ein einzigartiges Kulturprogramm.

Neben Lesungen, Slams, einem Filmprogramm, Theater und vielen weitern Aktivitäten steht beim NORDEN Festival natürlich auch 2022 die Musik im Vordergrund. Mehr als 40 Bands aus den nördlichen Teilen Europas geben sich auf den zwei Konzertbühnen des Festivals die Ehre. Darunter sind neben „Die Sterne“, „Cäthe“ und „Danube’s Banks“ auch erstmals Bands aus den Niederlanden wie „The Cool Quest“.

NORDEN – The Nordic Arts Festival, vom 25. August bis zum 11. September 2022 (immer an den Wochenenden von Donnerstag bis Sonntag); Wichtig: Das NORDEN ist kein Campingfestival, eine Anreise per Bahn oder Shuttlebus wird empfohlen.

Müssen alle mit

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Am 27. August gibt es wieder das kleine aber feine Müssen alle mit-Festival im Stader Bürgerpark (Foto: STADE Marketing und Tourismus GmbH)

Erstmals fand das Müssen alle mit-Festival 2013 im Stader Bürgerpark statt. 2022 ist es nach einer pandemiebedingten Pause nun wieder zurück. Am 27. August stehen dann neben Husten, der Band bestehend unter anderem aus Gisbert zu Knyphausen und  Moses Schneider (dem Produzenten von Tocotronic, den Beatsteaks und anderen) und dem Team Schiesse auch Meute auf der Bühne im Bürgerpark.

Neben dem Konzert auf dem Dockville Gelände in Hamburg-Wilhelmsburg ist es der einzige Auftritt der Band im Norden Deutschlands im Sommer 2022.

Müssen alle mit-Festival, am 27. August 2022 im Stader Bürgerpark

Trave Jazz

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Einzigartige Atmosphäre beim Trave Jazz im Schuppen 6 in Lübeck (Foto: Olaf Malzahn)

Zum achten Mal lädt das Trave Jazz vom 8. bis 11. September 2022 ein hochkarätiges Line-up nach Lübeck. Bei den großen Doppelkonzerten im Schuppen 6 geben sich 2022 das Klaviertrio „Triosence“, der Trompeter Michel Schroeder mit seinem Ensemble sowie die schwedische Posaunistin Karin Hammar mit ihren Fab 4 und „Torsten Goods“ die Ehre. Dazu kommen wie immer beim Trave Jazz viele kostenlose Konzerte. So spielt das Lutz Krajenski Trio das Eröffnungskonzert beim CVJM Lübeck und auf der Open Air Bühne am Schuppen 6 sind neben dem Hans Anselm Quintett auch das Sextett We don’t suck, we blow! zu Gast. 

Trave Jazz, vom 8. bis 11. September in Lübeck, diverse Spielstätten


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Coachella und Straßenkonzerte: Meute im „Taumel“

Vom Dach der Elbphilharmonie auf die Bühne des legendären Coachella Festivals: Die Hamburger Techno-Marching-Band Meute bewegt mittlerweile Massen und landet mit ihren Videos von spontanen Guerilla-Konzerten regelmäßig virale Hits. Wir haben mit dem Gründer, Manager und Trompeter der Band, Thomas Burhorn, über den großen Erfolg, spektakuläre Kulissen und den Bezug zur Hansestadt gesprochen

Interview: Henry Lührs

SZENE HAMBURG: Thomas, unsere Gesellschaft ist geprägt von Digitalisierung, Automatisierung und künstlicher Intelligenz. Techno mit Blasinstrumenten zu produzieren trifft dennoch offensichtlich den Nerv der Zeit. Oder gerade deswegen?

Thomas Burhorn: Es kann wirklich genau deswegen so sein. Wir machen Roboter wieder arbeitslos. Wir machen die Arbeit, die eigentlich ein Computer macht, wieder mit der Hand. Die Tatsache, dass Digitalisierung so voranschreitet weckt eine besonders große Sehnsucht nach dem Handgemachten. 

2015 hast du die elfköpfige Band zusammengetrommelt. Ab und zu gab es kleine personelle Fluktuationen, aber der Kern ist über die Jahre gleich geblieben. Wie schwer ist es die Meute zusammenzuhalten? 

Es ist auf jeden Fall Arbeit, so eine große Gruppe zusammenzuhalten. Da nicht immer alle können, spielt ab und zu eine Vertretung. Wir müssen als Band immer wieder viel miteinander sprechen und aushandeln, wer wie viel Platz für sich hat und wie man miteinander umgeht. Da bedarf es einer besonderen Energie von allen. Die haben wir aber, deswegen klappt das auch so gut mit uns. 

„Wir machen andere Musik, als die meisten Künstler:innen dort.“

Ihr habt kürzlich auf dem legendären Coachella Festival in Los Angeles  neben Superstars wie Harry Styles und Billie Eilish gespielt. Was war das für ein Gefühl? 

Es hat sich auf jeden Fall richtig angefühlt. Wir machen andere Musik, als die meisten Künstler:innen dort. Gleichzeitig sind wir genau am richtigen Ort. Das Publikum hat das, was wir machen, sofort verstanden und abgefeiert. Es hat gepasst!

In einem Interview hast du mal gesagt, dass ihr bis 2024 zu den erfolgreichsten zehn Deutschen Bands neben Rammstein usw. gehören wollt. Ihr seid auf einem ganz guten Weg, oder? 

Das sind Ziele, die wir uns mal mit einem kleinen Augenzwinkern gesetzt haben. Natürlich ist das auch nicht so leicht zu messen. Aber immerhin sind wir als deutsche Band im Ausland unterwegs, das ist schon mal ganz gut. Wenn wir es schaffen so weiterzumachen wie bisher und dabei unsere gute Laune behalten, dann bin ich happy. 

„Damit setzen wir hoffentlich auch ein kleines Zeichen dafür, dass jeder Ort für jeden Künstler oder jede Künstlerin eine Bühne sein kann.“ 

Ihr habt in Hamburg schon in spektakulären Locations gespielt. Zum Beispiel auf dem Dach der Elbphilharmonie, auf der Viktoria Kaserne in Altona oder im Kraftwerk Bille. Vor ein paar Tagen habt ihr ein Video veröffentlicht, wo ihr durch den Hamburger Hafen marschiert. Wie sucht ihr euch diese Kulissen aus? 

Manchmal machen wir einfach ein Video dort, wo wir zufällig in der Stadt unterwegs sind. Wir versuchen aber auch dahin zu gehen, wo es schön aussieht. Manchmal ergeben sich solche Dinge wie unsere Dach-Konzerte auch einfach.

Mit diesen verschiedenen Szenerien versuchen wir zu unterstreichen, dass wir als akustische Straßenband eigentlich überall spielen können. Damit setzen wir hoffentlich auch ein kleines Zeichen dafür, dass jeder Ort für jeden Künstler oder jede Künstlerin eine Bühne sein kann. 

Gibt es einen Ort, an den du dich besonders gern zurückerinnerst? 

Ich genieße, dass wir an verschiedenen Orten sein können und dass fast alles möglich ist. Egal ob auf der Elbphilharmonie, der Konzertbühne oder in der Fußgängerzone. Neulich haben wir bei der USA-Tour in Venice Beach am Strand gespielt, ein anderes Mal beim Trebur Open Air in einem Swimming Pool. Insofern gibt es gar nicht den einen Lieblingsort.

„Bei der Performance auf der Straße ist es unfassbar ehrlich“

Spontane Guerilla-Konzerte spielt ihr regelmäßig. Was ist für dich der größte Unterschied von einer konventionellen Bühne zu der Performance auf der Straße? 

Bei der Performance auf der Straße ist es unfassbar ehrlich. Wenn die Leute das nicht interessiert, was wir machen, gehen die einfach weiter. Das hat natürlich noch mal eine ganz spezielle Energie. Mit dem eigenen Handwerk muss man sich das Publikum immer wieder erspielen und wirklich etwas machen, was den Leuten richtig zusagt. Wenn wir jetzt ein großes Konzert spielen, dann sind da in der Regel schon Leute gekommen, um uns zu sehen. Aber uns macht beides großen Spaß. 

„Letztendlich spielt es keine große Rolle, wo wir herkommen“

Ihr tretet bewusst als internationale Band auf. Trotzdem seid ihr mit der Hansestadt eng verwurzelt. Wie wichtig ist dir die Identifikation mit Hamburg?

Ich bin nicht so der Lokalpatriot. Anderseits wohne ich seit 20 Jahren wahnsinnig gerne in Hamburg. Hier gibt es eine riesige Musik- und Elektronik Szene, Musikrichtungen und Kulturen vermischen sich. Natürlich sind auch wir irgendwie ein Produkt dieser Stadt. Andererseits sind wir kein Fußballverein und es spielt letztendlich keine große Rolle wo wir herkommen. 

Das Covern und Samplen anderer Songs ist ein elementarer Teil eurer Musik. Gibt es einen Song, den du in Zukunft unbedingt mit Meute covern möchtest? Kannst du uns vielleicht sogar schon verraten, welcher Song als nächstes dran ist? 

Im November kommt unser Album raus. Monat für Monat werden wir jetzt einzelne Songs veröffentlichen. Da sind auch wieder Coverversionen dabei, teilweise von Leuten, die wir noch nicht gekannt haben, aber auch von alten Bekannten. Mehr verrate ich aber nicht.

Das neue Album heisst „Taumel“. Der Duden beschreibt das Wort mit einem rauschhaften Gemütszustand. Trifft das auch auf euer Album zu?

Ach, das ist ja gut! Die Beschreibung trifft auf jeden Fall auf das zu, was wir mit unserer Musik und auf Konzerten erreichen wollen. Dem ist eigentlich gar nichts hinzuzufügen. 

„Taumel“ von Meute erscheint am 18. November 2022 auf dem Label „Tumult“


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MEUTE auf dem Coachella Festival

Die Hamburger Techno-Marching Band MEUTE spielt neben Harry Styles, Billie Eilish und der Swedish House Mafia beim Coachella Festival 2022 in Kalifornien

Text: Anarhea Stoffel

Meute kennt man in Hamburg zum Beispiel von ihren verrückten Konzerten mitten auf der Schanze. 2015 starteten die elf Bandmitglieder mit der Idee Techno-Musik mit einer Performance zu verbinden. Sie coverten bekannte Songs mit Blaskapelleninstrumenten und machte dadurch elektronische Musik sichtbar. Zuerst performten sie auf der Straße und kurz darauf in den Clubs. 2017 erschien ihr erstes Album „Tumult“, 2020 der Nachfolger „Puls“.

Inzwischen füllen die Jungs mit selbst komponierten Songs die ganz großen Hallen. Im Sommer 2021 spielten sie auf dem Dach der Elbphilharmonie im Rahmen der „Elbphilharmonie Sessions“ ein Set aus Covers und eigenen Songs. Und als ob das nicht genug wäre, kündigte MEUTE nun ihren Auftritt auf einem der größten Festivals der USA an: dem Coachella. Das US-Magazin Variety bezeichnete die Band im Zuge dessen als das „most curious booking“ des Festivals im Jahr 2022. Der Auftritt beim Coachella ist für MEUTE Teil ihrer großen US-Tour.

Coachella: DAS Festival in den USA

Das Coachella wurde 1999 von Paul Tollett und Rick Van Santen in Indio (Kalifornien) ins Leben gerufen. Mittlerweile umfasst das Festival zwei Wochenenden mit Musik aus allen Genres. Es gibt verschiedene Freiluft-Stages sowie Zelte auf und in denen Konzerte laufen. Dazu kommen seit einigen Jahren Kunst-Installationen und das who is who Hollywoods lässt sich auch regelmäßig blicken. 2017 zählte das Festival rund 250.000 Besucher:innen.

In den letzten beiden Jahren musste Coachella aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt werden. Umso größer ist die Vorfreude auf die diesjährige Party. Denn angekündigt sind neben MEUTE Musikgrößen wie Harry Styles, Billie Eilish, Måneskin, Ye (früher Kanye West) und der deutsche DJ Koze. Das Coachella findet vom 15. bis 17. und 22. bis 24. April 2022 statt und ist seit Januar restlos ausverkauft. Die Tickets kosten dabei pro Wochenende ab 450 Euro. Wer es luxuriös mag, bekommt für über 1000 Euro sogar Zugang zu ausgewählten VIP-Bereichen. 


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Sounds of Hamburg: „Das hat WUMMS!“

Der Journalist Alf Burchardt hat mit seinem Kollegen Bernd Jonkmanns ein haptisch wie inhaltlich wunderschönes und üppiges Buch veröffentlicht. „Sounds of Hamburg“ streift durch sechs Jahrzehnte Hamburger Musikgeschichte

Interview: Ulrich Thiele

 

SZENE HAMBURG: Alf, in „Hamburg Calling“ hast du dich zusammen mit Bernd Jonkmanns dem Punk in Hamburg gewidmet. Warum jetzt dieser breite Überblick, anstatt noch mal einen Stil unter die Lupe zu nehmen?

Das war, wie schon beim Punk-Buch, Bernds Idee. Zu Beginn unserer Arbeit dachten wir eigentlich, dass es von Vereinen wie Rock City bereits einen Überblick darüber gibt, was in Hamburg musikalisch so alles passiert ist. Gibt es aber nicht. Deswegen haben wir uns selbst durch die Jahrzehnte und die Musikstile gewühlt, was ein großer Spaß war. Manche Jahrzehnte füllten sich schnell, andere waren mühseliger.

Welche denn?

Die Zeit ab der Jahrtausendwende. Ich habe mit Marcus Wiebusch von Kettcar telefoniert und ihm dabei auch unser Konzept erläutert. Er meinte: „Habt ihr überhaupt was für die Nuller- und die Zehner-Jahre? Da sind doch alle nach Berlin gegangen.“ Stimmt, einige sind gegangen. Aber wir haben zum Glück viele Namen auch von André Luth, dem Hamburger HipHop-Papst, von Peter Urban, den Jungs von Michelle und von der Hanseplatte bekommen.

 

Von Bernd Begemann bis Meute

 

Tomorrow’s Gift war die erste Hamburger Band, die Alf Burchardt live gesehen hat (Foto: Sebastian Dietrich)

Tomorrow’s Gift war die erste Hamburger Band, die Alf Burchardt live gesehen hat (Foto: Sebastian Dietrich)

Für wen ist das Buch?

Das Buch ist ein Bilderbogen für Leser mit Liebe zum Haptischen, der zeigt, wie reichhaltig die Musik dieser Stadt in den letzten 60 Jahren war. Im besten Fall werden die Leser dazu angeregt, sich in bestimmte Stile weiter zu vertiefen. Wir erheben aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit, das ist unsere subjektive Auswahl.

Was habt ihr weggelassen?

Es fehlt ganz viel Jazz aus Hamburg. Das Thema haben wir bewusst nicht so intensiv aufgenommen, weil es so groß ist, dass wir ihm nicht hätten gerecht werden können, ohne den Rahmen zu sprengen. Der Hamburger Jazz hat vielleicht mal ein eigenes Buch verdient.

Bernd Jonkmanns war vor allem für die Bilder zuständig, du für die Texte. Worauf hast du da geachtet?

Ich habe mit vielen Musikern persönlich gesprochen, weil die Texte über sie mehr sein sollten als ein Wikipedia-Eintrag. Ob Bernd Begemann oder Digitalism, ob Meute oder Trümmer: Ich habe mich bemüht, in die längeren Texte Kleinigkeiten einzuarbeiten, die auch Fans vielleicht noch nicht kennen.

Kannst du ein Beispiel nennen?

Die Geschichte über die Beginner habe ich über DJ Mad aufgezogen, der kommt ja sonst gern mal zu kurz.

 

„Hamburg war immer ein guter Boden zum Experimentieren“

 

Hast du ein persönliches Lieblingsjahrzehnt?

Vielleicht von 1975 bis 1985, als der Punk nach Hamburg kam. Man kann gar nicht hoch genug einschätzen, was es für Hamburg bedeutet hat, als es damals losging mit Bands wie Abwärts und den Platten auf Albrecht Hilsbergs Label. Das erste Album von Abwärts, „Amok Koma“ von 1981, steht weiterhin vorn in meiner Sammlung. Gute Platte, wichtige Platte.

„Sound of Hamburg“, das neue Buch von Alf Burchardt und Bernd Jonkmanns

„Sound of Hamburg“, das neue Buch von Alf Burchardt und Bernd Jonkmanns

Was ist so gut daran?

Es nimmt diesen Punk-Geist, dieses Aufbruchsgefühl auf und macht etwas Eigenes daraus. Abwärts ist ein großer Wurf gelungen, weil ihre Musik sich absetzt von anderen Hamburger Punkbands, die einfach nur versucht haben, ihre englischen Idole zu kopieren. So war es ja schon zur Star-Club.Zeit: Manchen Bands wie den Rattles gelang das besser, anderen schlechter. Zu der Abwärts-Platte gibt es keinen vergleichbaren Stil.

Was macht die Sounds of Hamburg eigentlich Hamburg-spezifisch?

Ich weiß nicht, warum das so ist, aber Hamburg war immer ein guter Boden zum Experimentieren. Hier wurde immer genau hingehört, was an neuer Rock- und Popmusik unterwegs war, Musiker haben sich davon inspirieren lassen und es weiterentwickelt. Der frühe Krautrock zum Beispiel, der in Hamburg sehr gitarrenlastig war, oder die Hamburger Schule um Tocotronic mit diesem spröden Rock.

Tocotronic werden ja auch für ihre Texte gefeiert. Und da wir hier im Literaturressort sind: Was ist dir wichtiger – Text oder Musik?

Musik.

Die Texte müssen für dich also nicht unbedingt gut sein?

Schlecht sollten sie nicht sein. Bei englischen Texten aber ist es immer leichter, darüber hinwegzuhören. Bei deutscher Musik bin ich manchmal schon unglücklich, dass ich den Text verstehe. Aber vielleicht bin ich für die neue Befindlichkeit auch zu alt.

 

Jan Delays Texte haben Wumms

 

Wen magst du textlich?

Ich finde, dass Jan Delay immer ein gutes Niveau hinlegt und hält. Ich fand auch sein Album „Hammer und Michel“, das einhellig schlecht gemacht wurde, ganz in Ordnung. Bei ihm höre ich auch gerne den Texten zu.

Lieblingsline?

Lass mich mal kurz überlegen. Wie ging noch mal diese Stelle in „Ich möchte nicht, dass ihr meine Lieder singt“ über Axel Springer? Ach ja: „Ich möchte mich nicht in Köpfen befinden zusammen mit Gedanken, die unter Einfluss vom Axel Springer Verlag entstanden!“ Oder aus „Vergiftet“: „Meine Mudder mag RTL 2 nicht, denn das ist vergiftet. Und mein Vadder mag Phil Collins nicht, denn der ist vergiftet.“ Super, das hat Wumms!

Alf Burchardt, Bernd Jonkmanns, Frank Spilker (Vorwort): „Sounds of Hamburg. Die Musik der Stadt: 1960–2020“, Junius, 300 Seiten, 49,90 Euro.


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, November 2021. Das Magazin ist seit dem 28. Oktober 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Elbphilharmonie: Meute ganz oben

Die Elbphilharmonie Sessions sind legendär. Doch noch nie fand eine auf dem Dach des Konzerthauses statt, bis Meute kam. Das Video der neusten Session hat am 17. September um 17 Uhr Premiere.

Text: Felix Willeke

 

Meute auf dem Dach der Elbphilharmonie. Nach Tamás Pálfalvi im Parkhaus oder Elbtonal Percussions auf der Plaza, sind die Elbphilharmonie Sessions schon legendär. Seit 2020 bringen sie Künstler:innen an die verschiedensten Orte des Konzerthauses. Jetzt ist ihnen Meute aufs Dach gestiegen. Die Hamburger „Techno Marching Band“ spielt die neuste Session in über 100 Metern Höhe. Sie liefern eine gewohnt großartige Show, inklusive zwei neuer Songs.

 

Premiere am 17. September um 17 Uhr

 

Die Session wurde, wie alle anderen zuvor, natürlich festgehalten. Das Video von Meute hat am 17. September 2021 um 17 Uhr Premiere auf YouTube und unter #sessions auf der Homepage der Elbphilharmonie.

Keine Lust zu klicken, hier gibts die Premiere der Elbphilharmonie Session von Meute:


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MS Dockville 2019: Halligalli auf der Insel

Das Festival MS Dockville in Wilhelmsburg geht in die nächste Runde. Mit dabei: Billie Eilish, Parcels, Bilderbuch und eine Menge Kunst

Text: Erik Brandt-Höge
Foto: Pablo Heimplatz

 

Der erste Star ist die Kulisse. Wer das MS Dockville-Gelände am Wilhelmsburger Reiherstieg betritt, staunt nicht bloß über die Naturgegebenheiten auf der Elbinsel, die Idylle und den Charme der Hafenindustrie. Vor allem ist es die detailverliebte Kunst, die Besuchern imponiert. Über das komplette Areal verteilt sind Skulpturen, Installationen, Brücken, Türme, Liegestühle. Skurriles trifft auf Praktisches, langweilig wird es nie. Es wirkt wie ein Mix aus XXL-Wohnzimmer und Spielwiese, aus Lounge und Disko – und das alles unter freiem Himmel. Zum mittlerweile 13. Mal wird nun eben dieser regenbogenbunte Schauplatz zum Zuhause für rund 60.000 Festivalgänger.

 

Hört hier einen der Dockville-Headliner: Parcels

 

Logisch, Musik gibt es auch beim MS Dockville. Da sind etwa Bilderbuch. Nicht nötig, die Österreichischen Popstars groß vorzustellen. Wer sich auch nur annähernd für kunstvolle Indie-Musik interessiert, die im Fall von Bilderbuch auch noch mit reichlich Witz gewürzt ist, kam in den vergangenen Jahren nicht an den schrillen Auftritten der Jungs um Frontmann Maurice Ernst vorbei. Ebenfalls prominenter musikalischer Gast beim diesjährigen MS Dockville ist Billie Eilish, die bekanntermaßen schon im zarten Alter von 16 Jahren zum Weltstar avancierte und die große Pop-Geste ebenso wenig scheut wie die zuvor erwähnte Formation.

Desweiteren erwähnenswert: RIN. In dessen Beats und Raps steckt Lässigkeit für drei (oder fünf). Den Indie-Poppern Von Wegen Lisbeth hören Fans von feiner Ironie besonders gerne zu. Parcels bringen Funk auf ganz eigene Weise auf die Bühne. Nicht zu vergessen: Meute. Die Hamburger Techno-Marching-Band hat reichlich Wumms in den Lungen und macht elektronische Musik endlich sichtbar. Dutzende Bands und Solokünstler könnten an dieser Stelle noch genannt werden, teils bereits etabliert, teils noch Geheimtipps – und womöglich bald Lieblings-Acts. Und wem weniger nach Live-Musik, denn nach Motto-Partys ist, kann die „Depri Disko“ ausprobieren, in der die schönsten traurigen Lieder zum Tanzen einladen.

Das andere Stimmungsextrem: Die trashig-hittige „Britney Baby, One More Time“-Party, auf der 90er-Liebhaber ohne jede Fremdscham bis in den Morgen die Musik mitgrölen können. Alles möglich, alles vor faszinierender Kulisse.

MS Dockville 2019: 16.-18.8., Schlengendeich 12 (Wilhelmsburg)


Szene-Hamburg-August-2019-TitelDieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, August 2019. Titelthema: Wie sozial ist Hamburg? Das Magazin ist seit dem 27. Juli 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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