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Verlosung: Beatles-Musical im St. Pauli Theater

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Die Musical-Biographie „all you need is love!” bringt den Zauber der Beatles zurück auf die Bühne: Wir verlosen 2×2 Tickets für die Show am 16. Juni 2022 um 19.30 Uhr!

Foto: Hundertmark

Die Beatles gelten bis heute als die berühmteste und erfolgreichste Band aller Zeiten. Jetzt kehren die Pilzköpfe auf die Bühne zurück. Zwar sind es nicht die Originale, die in dem von Bernhard Kurz produzierten Musical auftreten, dafür aber ihre eingespielten Ebenbilder: das Quartett „Twist & Shout“ mit Alan LeBoeuf als Paul McCartney, Howard Arthur (John Lennon), John Brosnan (George Harrison) und Carmine Francis Grippo (Ringo Starr).

In „all you need is love! – Das Beatles-Musical“ lässt die Originalband aus Las Vegas den Mythos der „Fab Four“ auferstehen. 

Zurück in die 60er

In dem Erfolgs-Musical, das nach zwei Jahren Pause nun wieder auf große Tournee im deutschsprachigen Raum geht, überzeugen die Künstler durch ihren Live-Gesang und ihr großes Schauspieltalent in den wiederkehrenden Sprechepisoden und Kurzgeschichten.

Authentische Kostüme und historische Videoeinspielungen machen die Illusion perfekt und versetzen das Publikum zurück in die 60er-Jahre. Die Fans dürfen sich auf Songs wie „Love me do“, „Help“, „Yesterday“ oder „Hey Jude“ freuen.

www.st-pauli-theater.de


Wir verlosen 2×2 Tickets für das Musical „all you need is love! – Das Beatles Musical“ am 16. Juni 2022 um 19:30 Uhr im St. Pauli Theater!

Wie ihr mitmachen könnt? Na so:

Bitte gebt für die Teilnahme euren vollständigen Namen an.

Annette: Ein Filmspektakel voller Sturm und Gesang

Regisseur Leos Carax liefert mit „Annette“ eine bildgewaltige Pop-Oper der Leidenschaften. Der Eröffnungsfilm in Cannes ist ein unvergessliches Meisterwerk, das alle Sinne bedient. Regisseur Leos Carax wurde beim Filmfest Hamburg zu Recht mit dem Douglas Sirk Preis ausgezeichnet

Text: Anna Grillet

 

Los Angeles, das Publikum tobt vor Begeisterung, wenn Stand-up-Comedian Henry McHenry (grandios: Adam Driver) einem Boxer ähnlich im grünen Bademantel und schwarzen Shorts die Bühne betritt. The Ape of God, wie er sich nennt, zelebriert als Magier der Massen Menschenverachtung mit obszön animalischem Genuss. Sein Herz gehört der zarten Starsopranistin Ann (Marion Cotillard). Für die Medien ist das ungleiche Liebespaar und seine Heirat ein gefundenes Fressen. „We Love Each Other So Much” singen beide voller Inbrunst beim Waldspaziergang. Baby Annette kommt zur Welt, und es stockt einem der Atem bei ihrem Anblick, die hölzerne Gliederpuppe erinnert an eine Marionette – nur ohne Fäden.

„Annette“ ist grotesk, poetisch, visionär, ekelerregend, ergreifend, meisterhaft und unvergesslich. (Foto: Alamode Film/Amazon)

„Annette“ ist grotesk, poetisch, visionär, ekelerregend, ergreifend, meisterhaft und unvergesslich. (Foto: Alamode Film/Amazon)

Ann und Henry vergöttern die Kleine. Dunkle Dämonen quälen den Komiker. Jene hinreißende Amour fou verwandelt sich bald schon in Selbsthass, Furcht und Missgunst. Der nächste Stand-up-Auftritt gerät zum sadistischen Seelenstrip: Detailliert schildert der Antiheld auf dem Podium, wie er seine Frau zu Tode kitzelt. Das Publikum revoltiert, Missbrauchsvorwürfe werden laut. Während eines Segeltörns stößt Henry Ann nachts in die stürmischen Meeresfluten, um danach den selbstlosen Retter von Baby Annette zu mimen. Doch die unvergleichliche Stimme der Gattin ertönt fortan aus dem Mund der kleinen Tochter, die als singendes Wunderkind gnadenlos weltweit vermarktet wird. Regisseur Leos Carax („Holy Motors“) lässt das Phänomen Musical vor unseren Augen explodieren, rekreiert es als verstörenden, bildgewaltigen Rausch aus Farben, Tönen und extremsten Leidenschaften fern jeglicher formaler Zwänge.

 

Ein einzigartiges audiovisuelles Erlebnis

 

Der Rebell des französischen Kinos konzentriert sich dabei einmal mehr auf die düstere, destruktive Seite der Liebe. „Annette” ist sein erster Film in englischer Sprache. Musik und Texte stammen von Ron und Russell Mael, dem Rock Duo Sparks – ein Interview mit den Sparks Brothers gibt es bei SZENE HAMBURG. Der 60-jährige Regisseur durchbricht vom ersten Moment an die vierte Wand, die Grenze zwischen Wirklichkeit und Inszenierung löst sich auf. Ob als betörende Horror-Farce oder unversöhnliches Schuld-und-Sühne-Drama, das Musical erfindet sich neu, wechselt ständig zwischen artifizieller Hingabe und realer Bösartigkeit, Romantik, Komik und Tragik. Es fehlt jegliche Form von Ironie, Carax meint es ernst, todernst mit seiner Reflexion über Showbusiness, #MeToo, machtgierige Künstler, ein leicht manipulierbares Publikum und vor allem sich selbst. Den Film hat er seiner 16-jährigen Tochter Nastya gewidmet. „Annette” ist ein einzigartiges audiovisuelles Erlebnis: grotesk, poetisch, visionär, ekelerregend, ergreifend, meisterhaft und unvergesslich.

„Annette“, Regie: Leos Carax. Mit Adam Driver, Marion Cotillard, Simon Helberg. 140 Min. Ab dem 16. Dezember 2021 in den Kinos

Lust auf mehr? Hier gibt‘s der Trailer zu „Annette“:


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Dezember 2021. Das Magazin ist seit dem 27. November 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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West Side Story: Spielbergs filmische Neuinszenierung

Steven Spielberg inszeniert das Musical-Juwel aus den 1950er-Jahren neu 

Text: Rosa Krohn

 

Die beiden Komponisten Leonard Bernstein und der kürzlich verstorbene Stephen Sondheim schrieben mit „West Side Story“ Musical-Geschichte: Nicht weniger legendär ist die gleichnamige Verfilmung von 1961 (Regie: Robert Wise und Jerome Robbins) mit ihren unvergesslichen Tanzszenen. Nun wagt sich Meisterregisseur Steven Spielberg an eine Neuinszenierung. Kann das gelingen? New York, 1950er: Die verfeindeten Gangs, die weißen Jets und die puerto-ricanischen Sharks, liefern sich Machtkämpfe um das Revier der ärmlichen New Yorker West Side. Doch Tony (Ansel Elgort), bester Freund des Anführers Riff (Mike Faist), will mit den Machenschaften der Jets nichts mehr zu tun haben. Als er sich überreden lässt, auf einer Tanzveranstaltung zu erscheinen, verliebt er sich unsterblich in die schüchterne Maria (hinreißend: Rachel Zegler), Schwester von Bernado (David Alvarez), dem Anführer der Sharks. Hat ihre junge, scheinbar ausweglose Liebe eine Chance?

 

Stimmlich, spielerisch und tänzerisch glänzend

 

Mit West Side Story, kommt ein later Klassiker in neuem Gewand in die Kinos (Foto: 20th Century Studios)

Mit West Side Story, kommt ein later Klassiker in neuem Gewand in die Kinos (Foto: 20th Century Studios)

Steven Spielberg („Jurassic Park“) wusste genau, auf welch dünnes Eis er sich mit einer Neuverfilmung dieses auf Shakespeares „Romeo und Julia“ basierenden Klassikers begibt. Doch war es für ihn eine Herzensangelegenheit: Während im Original puerto-ricanische Schlüsselrollen mit weißen Darstellern besetzt wurden, castete Spielberg ausschließlich Schauspieler mit lateinamerikanischen Wurzeln für die entsprechenden Rollen – auch die aus dem Original bekannte, legendäre Rita Moreno gewann er für seine Neuauflage. Zweifelsohne ist Spielberg ein würdiges Remake gelungen. Der Cast mit vielen neuen Gesichtern glänzt stimmlich (zum Schmelzen: Ansel Elgort), spielerisch (stark Ariana DeBose) und tänzerisch. Optisch erreicht der Film jedoch mit dem Einsatz heutiger visueller Möglichkeiten nicht den Charme des Originals. Janusz Kamińskis entfesselte Kamera ist zwar beeindruckend, bisweilen wünscht man sich bei dem rasanten Tempo des Films aber auch einen etwas ruhigeren Blick auf die von Justin Peck atemberaubend schön choreografierten Tanzszenen.

Lohnt sich also die Neuauflage des Meisterwerks? Der Kinobesuch ist für alle Musical-Fans und Filmliebhaber obligatorisch, um sich ein eigenes Bild zu machen. Für alle anderen bietet der Film eine schöne Gelegenheit, das zeitlose Musical für sich zu entdecken.

„West Side Story“, Regie: Steven Spielberg. Mit Rachel Zegler, Ansel Elgort, Ariana DeBose. 156 Min. Seit dem 9. Dezember 2021 in den Kinos

Sehnsucht nach den Songs? Dann gibt‘s einen Vorgeschmack auf die Neuauflage des Musical-Juwels:


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Sparks Brothers: „So naturalistisch wie möglich“

Die „Sparks Brothers“ Ron und Russell über die Entstehung des Films „Annette“, das Gefühl, nicht mehr die Kontrolle zu haben und die stimmliche Eignung der Darsteller Adam Driver und Marion Cotillard

Interview: Patrick Heidmann

 

SZENE HAMBURG: Ron, Russell, Sie haben nicht nur die Songs für „Annette“ geschrieben, sondern der ganze Film war Ihre Idee, richtig?

Russell Mael: Die Sache nahm ihren Anfang vor etwa neun Jahren. Damals hatten wir die erste Idee zu einer Geschichte, die wir uns zwar schon als narratives Projekt vorstellten, aber dafür eigentlich ein neues SparksAlbum im Sinn hatten. Auch eine Bühnenversion des Ganzen, irgendwo zwischen Konzert und PerformanceTheater schwebte uns vor. Aber dann lernten wir ein Jahr später hier in Cannes den Regisseur Leos Carax kennen, der einen unserer Songs in seinem Film „Holy Motors“ verwendet hatte. So kamen wir auf den Gedanken, ihm mal unser Projekt namens „Annette“ zu schicken. Er war begeistert – und nach ein bisschen Überlegen schlug er vor, daraus seinen nächsten Film zu machen.

 

Kein ordinärer Auftragsregisseur

 

Fiel es Ihnen leicht, die künstlerische Kontrolle abzugeben?

Ron Mael: Wir hatten vollstes Vertrauen in Leos und spürten aufgrund seiner früheren Filme eine Art Verbundenheit mit ihm. Dass es einige Jahre dauerte, bis unsere Vision Wirklichkeit wurde, lag nicht daran, dass wir uns nicht über die Stoßrichtung einig geworden wären, sondern war nur äußeren Umständen geschuldet. Im Gegenteil hat sich Leos die ganze Zeit mit Haut und Haar diesem Film verschrieben und arbeitete nicht – wie es seine Kollegen in Hollywood meist tun – an zehn Projekten gleichzeitig.

Aber haben Sie bis zum Schluss ein Wörtchen mitgeredet?

Ron Mael: Anfangs haben wir noch gemeinsam am Film gearbeitet. Leos kam immer wieder nach Los Angeles oder wir flogen zu ihm nach Paris. Die meisten Songs hatten wir schon geschrieben, bevor er mit an Bord kam, nur ein paar kamen später dazu, wenn Leos noch neue Ideen hatte. Und natürlich haben wir gemeinsam am Drumherum der Geschichte gefeilt, denn er ist schließlich kein ordinärer Auftragsregisseur, sondern jemand, der sich in jede seiner Arbeiten auch ganz persönlich einbringt. Als es dann irgendwann losging mit dem Dreh und wir unser fantastisches Ensemble zusammengestellt hatten, zogen wir uns natürlich ein wenig zurück und überließen ihm die Umsetzung. Aber wir hatten so viel Freude an der Filmarbeit, dass wir so oft wie möglich am Set zu Gast waren und zusahen.

 

„Wir mögen die Künstlichkeit, die jedem Musical irgendwie innewohnt“

 

Haben Sie an den Liedern eigentlich noch Veränderungen vorgenommen, als Sie sich auf Adam Driver und Marion Cotillard als Stars für die Hauptrollen festlegten?

Russell Mael: Nein, die Lieder standen. Selbst die paar, die nicht schon seit acht Jahren und vor mir eingesungen in der Schublade lagen, sondern neu geschrieben wurden, entstanden vor der Besetzung der Rollen. Aber umso begeisterter waren wir natürlich, wie gut sie dann mit Adams und Marions Stimmen funktionierten. Die beiden haben ja richtig tolle Gesangsstimmen.

Würden Sie eigentlich alles in allem „Annette“ als klassisches Musical beschreiben?

Ron Mael: Wir mögen die Künstlichkeit, die jedem Musical irgendwie innewohnt. Aber das ist nicht gleichbedeutend mit dem Bombast, mit dem viele Hollywoodfilme Gesang und Choreografien inszenieren. Den wollten wir unbedingt umgehen und die Geschichte, zumindest was das Spiel und Singen angeht, so naturalistisch und real wie möglich umsetzen.

„Annette“, Regie: Leos Carax. Mit Adam Driver, Marion Cotillard, Simon Helberg. 140 Min. Ab dem 16. Dezember 2021 im Kino

Hier gibt‘s der Trailer zu „Annette“:


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Harry Potter: „Das ist eine emotionale Explosion!“

Im zweiteiligen Theaterspektakel „Harry Potter und das verwunschene Kind“ spielt Vincent Lang den Sohn des berühmten Zauberers. Ein Gespräch über ungeklärte Geschichten und die Magie des Theaters

Interview: Sören Ingwersen

 

SZENE HAMBURG: Vincent, wie fühlt es sich an, als Harry Potters Sohn Albus Serverus Potter auf der Bühne zu stehen?

Ich spüre da eine große Verantwortung, weil es eine so riesige Fanbase gibt. Der Charakter trat bisher ja nur ganz kurz im letzten Harry-Potter-Buch beziehungsweise im letzten Teil der Verfilmung auf. Deshalb habe ich auch eine gewisse Freiheit, meine eigene Figur zu kreieren.

Wann und wie bist du das erste Mal mit dem Harry-Potter-Stoff in Berührung gekommen?

Als ich sechs war, ist der erste Harry-Potter-Film erschienen. Das war der erste Kinofilm, den ich in meinem Leben gesehen habe. Die Bücher habe ich auch bis zum dritten Teil gelesen. Dann kam ich in die Pubertät und Lesen war nicht mehr so cool – leider. Aber ich habe die Lektüre jetzt nachgeholt und merke, was ich alles verpasst habe. Das ist einfach ein krasser literarischer Stoff mit wunderschönen Figuren. Eine wunderbare Beschreibung unserer Welt, übertragen ins Magische.

 

Harrys Traumata werden aufgearbeitet

 

Du hast ja 2019 am St. Pauli Theater den SiouX in Klaus Pohls Stück „Lasst mich in Ruhe!“ gespielt. Hat dir dieses Engagement irgendwie den Weg zum Potter-Stück geebnet?

Die Einladung zum Casting hat wohl eher mit meinem Abschluss-Vorsprechen von der Schauspielschule zu tun. Beim AVO (Absolvierendenvorsprechen, Anm. d. Red) präsentiert man die Monologe, die man sich an seiner Schauspielschule erarbeitet hat, in drei unterschiedlichen deutschen Städten. Dabei haben auch Mitarbeiter des Harry-Potter-Teams zugeschaut und mir diese Rolle angeboten. Die Zeit am St. Pauli Theater war aber maßgeblich für meinen Entschluss, in Hamburg wohnen zu wollen, weil ich mich in diese Stadt verliebt habe.

Am Ende des siebten und letzten Harry-Potter-Bandes „Die Heiligtümer des Todes“ wurde der schwarzer Magier Lord Voldemort endgültig besiegt. Ist die Geschichte um Harry Potter damit nicht eigentlich auserzählt?

Es gibt einige Dinge, die in den Büchern noch nicht geklärt wurden, zum Beispiel die Beziehung zwischen Harry und Draco, die Feinde waren, ohne dass man je erfahren hat, warum. Harry Potters Sohn Albus wird dann in diese Geschichte hineingeboren und hat schon am Gleis 9¾ vor dem ersten Tag in der Hogwarts-Schule Angst, dass er ins Haus Slytherin kommen könnte, obwohl der Rest seiner Familie zu Gryffindor gehört, dass also bei ihm irgendetwas anders ist. Das passiert dann auch, und der Sohn von Draco Malfoy wird sein bester Freund. Damit werden die ganzen Traumata, die ja auch schon Harry Potter mit sich herumträgt, aufgearbeitet, und es wird eine Art Heilungsprozess erzählt. Die Figur Albus Potter zeigt uns, dass jeder Mensch ein eigenständiges Leben führen kann, egal in welche Familie er hineingeboren wird.

 

Eine einmalige Produktion

 

Welche Rolle spielen die bekannten Figuren Harry Potter, Hermine Granger und Ron Weasley bei euch?

Sie müssen als ältere Generation rettend eingreifen, denn die Teenager, die in den Harry-Potter-Büchern immer die Helden waren, sind in unserem Stück eher die Troublemaker.

Was führt ihr eigentlich auf? Ein Theaterstück? Ein Musical? Eine Show?

Ich würde sagen, ein Sprechtheaterstück mit Tanzeinlagen oder das, was man in England und am Broadway ein „commercial play“ nennt. So etwas gibt es in Deutschland nicht, wo die Staats- und Privattheater ihre festen Spielpläne haben. Von daher ist unsere Produktion wirklich etwas Einmaliges, denn so hohe Budgets wie für „Harry Potter und das verwunschene Kind“ gibt es normalerweise im Sprechtheater nicht. Oft kann man deshalb die Möglichkeiten der Bühne gar nicht ausschöpfen. Wir haben dieses Privileg und können das Stück mit Magie füllen, was die Geschichte auf eine ganz neue Ebene hebt.

Das Mehr! Theater wurde für eure Produktion, die insgesamt 42 Millionen Euro gekostet hat, aufwendig umgebaut. Welche Änderungen waren für die Aufführung nötig?

Erst einmal ist der Hamburger Großmarkt einer der ungewöhnlichsten Orte für ein Theater. Dort, wo nachts und frühmorgens mit Obst, Gemüse und Blumen gehandelt wird, taucht unser Publikum in die magische Welt von Harry Potter ein: Da sind Teppiche mit Hogwarts-Initialen, Wandleuchten in Form von Drachen oder Patronus-Motive in den Foyers. All das hat eine unglaubliche Magie.

 

„Die Inszenierung ist durch die Verschiebung gewachsen“

 

Die Premiere von „Harry Potter und das verwunschene Kind“ musste wegen Corona dreimal verschoben werden. Hat das nicht an den Nerven gezehrt?

Bei uns war das extrem knapp. Zwei Tage vor der Premiere, am Freitag, den 13. März, wurden sämtliche Aufführungen gestrichen. Wir hatten vier Monate zwölf Stunden täglich geprobt, da entwickelt man sich zum Workaholic – und plötzlich ist mit allem Schluss. Erst als eine Frau aus unserem Cast zu weinen anfing, habe ich die volle Bedeutung dieser Absage emotional erfasst. Ich bin dann nach Hause gefahren und habe drei Monate bei meinen Eltern auf dem Land verbracht. In ein richtiges Corona-Loch bin ich aber erst bei der zweiten und dritten Verschiebung gefallen. Dabei habe ich aber auch gelernt, dass man noch Mensch ist und eine eigene Persönlichkeit hat, was man als Schauspieler oft vergisst. Letztendlich glaube ich sogar, dass die Inszenierung durch die Verschiebungen gewachsen ist. Wir hatten Zeit zum Nachdenken, kennen uns alle inzwischen viel besser und vertrauen uns noch mehr.

Wie viele Darsteller stehen bei euch auf der Bühne?

Wir sind 35 Leute im Cast.

Du erwähntest vorhin die Tanzeinlagen. Welche Rolle spielt die Musik in eurer Inszenierung?

Die Musik wurde von der britischen Sängerin Imogen Heap geschrieben. Ihren Hit „Hide and Seek“ habe ich vor einigen Jahren sehr gern gehört. Für das Theaterstück hat sie diesen Song auch verwendet, in einem Moment, in dem Albus und Scorpius sich zum ersten Mal eingestehen, dass sie die besten Freunde sind. Das ist eine emotionale Explosion!

 

„Am liebsten würde ich so einen ‚Expecto Patronum‘ raushauen“

 

Inwieweit ähnelt oder unterscheidet sich John Tiffanys deutsche „Harry Potter“-Inszenierung von denen, die er 2016 in London und 2018 am Broadway zur Aufführung gebracht hat?

Unser Cast hatte da Glück, noch vor Probenbeginn nach London fahren zu dürfen, um dort die Show zu sehen. Danach hatte ich die Befürchtung, dass alles genau so nach Deutschland übertragen werden sollte, was mir schwergefallen wäre, weil mir beigebracht wurde, in meinem Beruf immer meine eigene Freiheit zu suchen. Zum Glück wird uns diese Freiheit in der Arbeit aber auch gegeben.

Sehr viele Menschen werden sich „Harry Potter und das verwunschene Kind“ ansehen. Zum Premierentermin wurden bereits mehr als 300.000 Tickets verkauft. Hast du Angst, auch späterhin auf die Rolle des Albus Serverus Potter festgelegt zu werden?

Daniel Radcliffe konnte sich anfangs auch schwer von seiner Rolle lösen. Aber ich habe ihn in dem Film „Swiss Army Man“ gesehen, da spielt er so überzeugend eine lebende Leiche, dass man den Harry Potter ganz schnell vergisst. Das ist das Schöne an dem Beruf.

In welcher persönlichen Lebenssituation würdest du dir am ehesten einen gut funktionierenden Zauberstab wünschen?

Am liebsten würde ich kurz vor einer Premiere mal so einen „Expecto Patronum“ raushauen und die Angst und alles Schlechte mit meinem Patronus verscheuchen. Aber da habe ich dann ja auch wirklich meinen Zauberstab in der Hand. Zum Glück.

„Harry Potter und das verwunschene Kind“, Mehr! Theater am Großmarkt, 5. Dezember (Premiere), 8.–12., 15.–19., 21., 22., 25., 26., 29.–31. Dezember und weitere Termine; aktuell finden alle Vorstellungen unter 2G+ statt. Alle Gäste müssen zum Impf- oder Genesenennachweis einen negativen Coronatest vorweisen


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Dezember 2021. Das Magazin ist seit dem 27. November 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Harry Potter in Hamburg: Ein magisches Spektakel

Für die Deutschlandpremiere des Musicals „Harry Potter und das verwunschene Kind“ wurde das Mehr! Theater am Großmarkt aufwendig umgebaut

Text: Sören Ingwersen

 

Für  Millionen von Fans war es Höhepunkt und Trauerfest zugleich, als im Jahr 2007 mit „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ der siebte und letzte Band der alle Verkaufsrekorde sprengenden Jugendbuchreihe erschien. Zehn Jahre lang hatte man mitgefiebert, wenn Zauberschüler Harry gegen die dunklen Mächte rund um Lord Voldemort antrat, bis er beim finalen Kräftemessen der Zauberstäbe dem schwarzen Magier den Garaus machte. Die Verfilmung fand dafür im Nachhinein noch einmal spektakuläre Bilder – und das sollte es jetzt ein für alle Mal gewesen sein? Die Zauberschule Hogwarts schließt ihre Türen und die Potter-Fans bleiben für immer in der entzauberten Welt der Muggels zurück? Eine Schreckensvision, die Autorin Joanne K. Rowling schon im Jahr 2015 zu bedeutungslosem Staub zerfallen ließ, als sie verkündete, sie schreibe an einem Theaterstück mit dem Titel „Harry Potter und das verwunschene Kind“, das inhaltlich dort ansetze, wo der letzte „Harry Potter“-Band nach einem 19-jährigen Zeitsprung ende.

 

Harry Potter ist erwachsen geworden

 

Inzwischen ist Harry Angestellter im Zauberei-Ministerium und Vater von drei Kindern. Als sein Sohn Albus Severus Potter Schüler von Hogwarts wird, rufen er und sein neuer Freund Scorpius Malfoy erneut die dunklen Mächte auf den Plan. Klar, dass die drei Freunde Harry, Ron und Hermine ihnen sofort zu Hilfe eilen. Uraufgeführt 2016 am Londoner Palace-Theatre, feierte das Stück auch am New Yorker Broadway, in Melbourne und San Francisco Erfolge. Wegen Corona mehrmals verschoben, findet die Deutschlandpremiere des an Bühneneffekten reichen magischen Spektakels am 5. Dezember im Mehr! Theater am Großmarkt statt – und ist natürlich nicht nur etwas für Harry Potter-Anhänger, sondern für alle.

harry-potter-theater.de


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Musical „Once“: „Ich will den Highscore knacken!“

In den Hamburger Kammerspielen spielt Delio Malär neben Sybille Lambrich die männliche Hauptfigur im Musical „Once“ nach dem gleichnamigen Filmerfolg mit Glen Hansard und Markéta Irglová über einen Straßenmusiker in Dublin

Interview: Sören Ingwersen

 

SZENE HAMBURG: Delio Malär, „Once“ erzählt eine klassische Boy-meets-Girl-Geschichte. Die Protagonisten finden über die Musik zusammen. Aber ihre jeweilige Vergangenheit steht einer gemeinsamen Liebesverbindung im Weg. Eigentlich ein unspektakulärer Plot. Warum war der Film 2006 so ein Überraschungserfolg?

Delio Malär: Weil seine Songs so umwerfend sind. Wenn jemand einen Song, den er selbst geschrieben hat, so echt erzählt wie Glen Hansard in diesem Independent-Film, hat man keine Chance, dem zu widerstehen. Authentizität spürt man. Dieser Singer-Songwriter stellt sich allein auf eine Festivalbühne und ist erst nur ein unscheinbarer Typ mit einer Gitarre. Dann legt er los und singt um sein Leben. Ich glaube auch nicht, dass es sich hier um eine klassische Boy-meets-Girl-Konstellation handelt, denn die beiden treffen sich zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort. Auch deshalb berührt uns diese Geschichte.

Wie geht ihr auf der Bühne, die ja anders als der Film keine Illusion von Wirklichkeit erzeugt, mit der Authentizität der Vorlage um und damit, dass die Hauptfiguren des Films so eng mit ihren Darstellern verknüpft sind? Glen Hansard spielt einen eher introvertierten Typ. Von dir hat man eher den gegenteiligen Eindruck.

Ich gehe bei dieser Rolle natürlich von mir aus und spiele meinen eigenen Typ. Bei Regisseur Gil Mehmert befinden wir uns diesbezüglich in besten Händen. Er richtet sich ganz danach, wer wir als Schauspieler sind. Aber auch ich habe, als ich vor zehn Jahren aus der Schweiz nach Hamburg gekommen bin, um die Schauspielschule zu besuchen, mein Geld als Straßenmusiker verdient und viele Eindrücke gesammelt, die ich für das Stück nutzen kann.

 

Die schauspielerische Herausforderung

Trotzdem spielst du einen Charakter, der lange zögert, ob er mit seiner Musik an eine größere Öffentlichkeit treten soll, und der die Unterstützung eines anderen Menschen braucht …

Dieser Charakterzug liegt meinem Naturell in der Tat etwas fern, aber diese Herausforderung gefällt mir. Eine einfache Rolle finde ich weniger interessant als eine schwierige. Das ist wie bei einem Video-Game: Ist das Rätsel schwieriger zu knacken, habe ich auch mehr Bock darauf.

Ihr singt komplett auf Deutsch. Oft ist es ja so, dass übersetzte Gesangstexte ziemlich peinlich klingen …

Anfangs dachte ich das auch. Aber als ich gesehen habe, wie feinfühlig und stimmig die Übersetzungen sind, habe ich erst recht Lust bekommen, die Rolle zu übernehmen. Außerdem haben wir wahnsinnig ausgefeilte Musiker, ein Ensemble, das auch acht Strebern besteht.

 

Ein inszenierter Song

 

Wie bindet ihr die Musiker in die Inszenierung ein?

Das Stück ist filmisch konzipiert und arbeitet mit vielen Schnitten. Alles ist so kunstvoll choreografiert, dass die schnellen Szenenwechsel kaum auffallen, mit einem singenden, musizierenden und gleichzeitig möbelschiebenden Ensemble. Das ganze Stück ist einziger inszenierter Song. Mit unserem Regisseur Gil Mehmert haben wir da eine echte Koryphäe am Start.

Spielst du im Stück, wie im realen Leben, verschiedene Instrumente? Oder nur Gitarre?

Lasst euch überraschen.

Oft spielst und singst du – auch mit deiner Band – deine eigenen Songs. Wie groß ist die Herausforderung für dich, diese fremden Songs zu interpretieren?

Rein stimmlich ist es viel Arbeit, an das heranzukommen, was Hansard macht. Zum Teil verwendet er auch eine andere Saitenstimmung. Aber die eigentliche Herausforderung besteht darin, die Songs zu meinen eigenen zu machen, damit alles ganz automatisch läuft. Das ist eine langwierige Arbeit, die mich als Künstler aber bereichert und mir neue Inspiration gibt. Es ist ein Privileg und ein Geschenk, diese Songs performen zu dürfen. Und eine Verantwortung, die ich gewissenhaft tragen möchte.

 

Der Sprung von weit oben

 

Zum Thema „Falling Slowly“ – dem Oscar-prämierten Song des Films – fällt mir das Video zu deinem eigenen Song „Bomba d’Amor“ ein, in dem du von einem Felsen ins Wasser springst. Das sieht ziemlich hoch aus …

Das waren zwanzig Meter. Ein Felsen in Ponte Brolla im Tessin.

Und du bist da wirklich selbst gesprungen?

Zwei Mal. Der erste Take sah nicht geil aus. Ich wollte noch einen haben. Bei dem habe ich mir dann das Knie verdreht, was ich teilweise heute noch spüre.

War der Sprung deine eigene Idee?

Ich wollte schon seit fünfzehn Jahren dort hinunterspringen und habe nur auf den richtigen Anlass gewartet. Der Song „Bomba d’Amor“ handelt von der Wiedergeburt, von der Rückkehr zu einem selbst. Vor einer Wiedergeburt muss man sterben. Da musste ich einmal kurz meine Höhenangst überwinden. Mit diesem Projekt wollte ich in jeder Hinsicht das Maximum aus mir herausholen, mich und meine Energie formulieren. Mit diesem Song habe ich geschafft zu sagen: Das bin ich! Das ist meine Visitenkarte! Ich bin wahnsinnig glücklich, dass ich aus eigener Kraft und Kreativität so etwas gemacht habe.

Sicher eine Grenzerfahrung …

Das war der krasseste Drehtag für uns alle: Der Kameramann und sein Assistent haben für eine vier Sekunden lange Szene fünf Stunden in dem kalten Bergfluss eine Kamera drei Meter unter Wasser mit Seilen und Gewichten befestigt. Das Schlimmste war dann der Moment vor dem Sprung von der Klippe. Aber dieses Bild war mir wichtig: sich herauswagen aus der Komfortzone.

 

Klosterschule mit viel Kultur

 

Woher kommt dieser Wille zum Ausbruch? Ein Aufbegehren gegen die Enge der Klosterschule, die du in der Schweiz besucht hast?

Überhaupt nicht. Die Stiftschule Einsiedeln ist das tollste Gymnasium in der Region, in dem übrigens auch Mönche unterrichten. Die Schule hat ein breites kulturelles Angebot und einen eigenen Theatersaal – da hat für mich alles angefangen. Wir haben von Anfang an richtige Produktionen mit einem professionellen Regisseur realisiert. Dort konnte ich mich ganz frei entfalten.

Dann liegt deine Energie in den Genen?

Zum Teil ganz bestimmt. Meine Eltern sind schon immer durch die Welt gereist. Ich habe eine italienische Familie, in der es immer laut und lustig war. Alles war bei uns immer viel. Das ist mein Normalzustand. Die Energie kommt aber auch aus der Liebe zu Theater und Musik. Als Gamer habe ich die Challenge, den Highscore zu knacken. Wenn ich maximal performe, ist die Befriedigung nicht nur für das Publikum, sondern auch für mich am größten. Und ich bin so gerne befriedigt. (lacht)

Der Erfolg, den du und deine Band Love Rockets mit der Show „Tag der Helden“ habt, bei der ihr ausschließlich Cartoon-Introsongs spielt, klingt auch nach Highscore …

Am 22. September 2016 haben wir den ersten „Tag der Helden“ als Band in der Albers Bar veranstaltet. Das Datum werde ich nie vergessen, denn der Auftritt war legendär! Die Bar war brechend voll. Wir haben Tonaufnahmen gemacht, die wir nicht verwenden konnten, weil die Gäste mit ihrem Gesang alles überpegelt haben. Irgendwann sind wir ins Schmidtchen umgezogen. Zu dem Zeitpunkt hatte ich schon mein erstes Musical (für sein Duo mit Cornelia Schirmer, Anm. d. Red.) geschrieben, und wir haben dann eine richtige Show daraus gemacht. Der Rest ist Geschichte.

„Once“, Hamburger Kammerspiele, 31.10. (Premiere), weitere Termine bis zum 16. Januar 2022


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Bühne frei: Hamburgs Musicals kehren zurück

Lange mussten Musical-Fans verzichten, das ist jetzt vorbei. Im Herbst kehren die Musicals in Hamburg auf die Bühne zurück

Text: Felix Willeke

 

Hamburg ist die drittgrößte Musical-Stadt der Welt. Nachdem der Broadway in New York so langsam erwacht, wird es auch in Hamburg höchste Zeit für Musicals. Wie Stage Entertainment am 8. Juli bekannt gab, findet ab September 2021 wieder Musiktheater auf Hamburgs Bühnen statt.

Den Auftakt macht am 5. September „Wicked“ mit seiner Premiere im Stage Theater an der Neuen Flora. Am 2. und 10. Oktober folgen die Wiederaufnahmen von Disneys „König der Löwen“ im Stage Theater im Hafen und von „Tina – Das Tina Turner Musical“ im Operettenhaus. Im November wird es dann frostig – die Deutschlandpremiere von Disneys „Die Eiskönigin“ ist im Stage Theater an der Elbe zu sehen.

 

„Hamilton“ kommt nach Hamburg

 

Im September feiert dann eines der weltweit erfolgreichsten Musicals seine Deutschlandpremiere in Hamburg – „Hamilton – Das Musical“ kommt ins Stage Operettenhaus an der Reeperbahn!

Natürlich hängt die allgemeine Planung von den aktuellen Corona-Entwicklungen ab. Es bleibt zu sagen: „Seid bereit“!


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Imperial Theater: Von der Musical- zur Krimi-Bühne

Vor 25 Jahren startete Intendant Frank Thannhäuser seine künstlerische Vision in den Räumen eines ehemaligen Pornokinos. So war’s und so wird’s beim Imperial Theater

Interview: Karin Jirsak
Fotos: delovska.de

 

SZENE HAMBURG: Frank, ein Vierteljahrhundert Theater auf dem Kiez – da darf man schon mal ein bisschen nostalgisch werden. Erzähl doch mal ein bisschen über die Anfangstage. 

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Im Premieren- und Jubiläumsfieber: Frank Thannhäuser (Foto: Freelens Pool Malzkorn)

Frank Thannhäuser: An­fang der 1990er Jahre spielten wir als deutsche Erstaufführung „Grease“ in der ehemaligen Bowlingbahn am Anfang der Reeperbahn, wo heute die Tanzenden Türme stehen. Dort war auch der Mojo Club und der „Quatsch Comedy Club“ beheimatet. Als der Abriss kurz bevor stand, mussten wir neue Räumlich­keiten suchen und wurden gleich auf der anderen Stra­ßenseite fündig: Hamburgs größtes Pornokino war schon seit Monaten geschlossen, die Rollos waren unten.

Ich bin dann zu der Besitzerin des Hotels gestiefelt und hab sie gefragt, ob ich da mal rein­gucken darf. Die hat sich wohl auch gedacht: „Was kommt denn da jetzt auf mich zu?“ Trotzdem ist sie dann mit mir runtergegangen, und da war alles ganz heruntergekom­men, grottig und braun, so wie man es in den 70er Jahren gern hatte. Wir haben dann aber beschlossen, die Spiel­stätte anzumieten und zum Musiktheater umzubauen.

Wir spielten „Grease“ weiter und später auch weitere Mu­sicals wie „Kleiner Horror­ laden“ oder „Rocky Horror Show“. Doch Ende der 90er Jahre wurde es wegen der hohen Produktionskosten finanziell sehr eng für uns als kleines Musiktheater. Wir brauchten also etwas Neues. Dann kamen wir auf die Idee, spannende Krimis auf die Bühne zu bringen und waren dann nicht mehr ein Musiktheater unter vielen, son­dern Hamburgs einziges Kri­mi-­Theater. Das hat uns allen sehr gut getan.

Sieht man. Ist denn aus den alten Pornokino-Tagen noch irgendetwas hier erhalten geblieben an Interieur?

Man könnte denken, un­sere original 50er­-Jahre­-Sput­nik­-Lampen – aber die haben wir einem Schuhladen in Remscheid abgekauft. Tat­sächlich mussten wir hier sozusagen jeden Stein umdrehen. Auch die Stühle wurde gegen eine gebrauchte Thea­terbestuhlung aus dem Plane­tarium Jena getauscht …

 

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Imperial Theater: Früher Pornokino – jetzt Krimitheater

 

25 Jahre auf der Reeperbahn, gab’s da nicht mal Stress?

Bis auf die Sprengung des Nachbarhauses in unserem Gründungsjahr 1994, tatsäch­lich gar nicht! Wir sind ja hier ziemlich am Anfang von der Reeperbahn, da haben wir das gute Ende von der Wurst erwischt.

Stichwort Jubiläumsinszenierung: Warum habt ihr euch für „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ entschieden?

„M“ war schon länger ein Wunschkind. Der Stoff ist zeitlos, finde ich. So lange es Kinder gibt, sorgt man sich um sie und gerät aus der Fas­sung, wenn irgendetwas pas­siert. Im Kern geht es um das Menschliche. Wozu sind Leu­te in Extremsituationen fähig? Um das zu erzählen, helfen auch die Songs im Stück: Es funktioniert besser, über in­nere Abläufe zu singen, als da­rüber zu reden. Nebenbei war das auch unser Wunsch fürs Jubiläum: die Anfänge des Musiktheaters mit dem Krimi zusammenzubringen.

Wann und wo spielt das Stück?

In den 20ern, wie der Fritz­-Lang-­Film. Wir benutzen zu 70 Prozent das Originaldreh­buch. Den Stoff in die heutige Zeit zu übertragen, da hätte es zu viele Stolpersteine gegeben. Die Kommunikation funktio­nierte ja ganz anders – keine Handys, kein Internet – und die gesellschaftlichen Hie­rarchien waren andere.

Den Schauplatz haben wir aller­dings von Berlin nach Ham­burg verlegt. Hier hätte so was ja genauso gut passieren können, da muss man nicht so tun, als wäre man in Berlin.

 

„Tornado in Beige“

 

Wie sieht das dann hier auf der Bühne so aus?

Wir befinden uns in ei­ner alten Fabrikhalle. Überall ist Gebälk und hinten auf die Wand ist eine alte Reklame gemalt. Es ist überall Mauer­stein zu sehen. Es gibt ver­schiebbare Treppen … Alles ist gebraucht, alt und knarzig. Die Kostüme sind tatsächlich alle im 20er­-, 30er-­Jahre-­Stil gehalten. Die Kulisse ist eher bräunlich­gräulich. Die Kostüme sind die Farbkleckse darin, die sind sehr poppig.

Du zeichnest ja auch für die Kostüme verantwortlich. Gab es da eins, das Du als Erstes im Kopf hattest?

Es gibt dieses nervig-­ko­mische Ehepaar, die Kubitzkes. Die sind Denunzianten und wollen unbedingt die hohe Belohnung einstreichen, die für die Ergreifung des Mörders ausgesetzt ist. Beide sind im Partnerlook und tragen ein beiges Karo. „Tornado in Beige“, nennt meine Kollegin die beiden immer.

Gab es in 25 Jahren so was wie ein Lieblingskostüm, oder auch mal eins, das besonders schwierig war?

Die Schurken sind immer eine Herausforderung. Das ist eine echte Gratwanderung: Sieht das jetzt gefährlich aus oder albern? Gerade bei Edgar Wallace zum Beispiel, wo man Figuren hat wie „Der Frosch mit der Maske“.

Der hatte bei uns eine Gasmaske auf und einen bodenlangen Kroko­-Imitat-­Ledermantel. Der glänzte und schwang so richtig schön – das sah toll aus in den Kampfszenen! Dazu gab es einen Gürtel mit dem Froschlogo vorne drauf, da­ran hingen Glaskolben mit Flüssigkeiten und ein Verzerr­-Lautsprecher. Fast wie aus einem Marvel-­Comic.

Wie geht’s nach dem Jubiläum weiter?

Nach „M“ kommt ab Herbst unser erster Edgar­-Al­lan­-Poe-­Klassiker „Der Unter­gang des Hauses Usher“ und ab Frühjahr 2020 „Die Tür mit den sieben Schlössern“ von Edgar Wallace. Im Herbst 2021 will ich mir einen alten Traum erfüllen und „Dracula“ machen. Das ist mal was ganz anderes, aber das wird auch sehr schön werden.

Ihr gehört ja zu den Erstunterzeichnern der Hamburger „Erklärung der Vielen“, die sich gegen rechtspopulistische Einflussnahme auf den Kulturbetrieb ausspricht. Was hat euch dazu bewogen?

Ich bin kein politischer Mensch und wir machen hier „nur“ Unterhaltung. Aber für mich ist es grundsätzlich un­vorstellbar, dass mir jemand sagt, das und das darfst du jetzt nicht mehr zeigen. Bei uns ist es zwar noch nicht so, es schadet aber auch nicht, hier ein bisschen übervor­sichtig zu sein. Das Theater muss ein Feld für freie Mei­nungsäußerung bleiben, und das müssen wir schützen.

Als „M“ geschrieben wurde, stan­den wir an einer Schwelle, an der wir heute vielleicht wieder stehen. „M“ führt ja auch sehr deutlich vor Augen, was pas­siert, wenn Leute mit Populismus konfrontiert werden, wie schnell sich Strömungen bilden, die dann nicht mehr auf­zuhalten sind. Da muss man sich einfach positionieren und dagegen rudern.

Imperial Theater: Reeperbahn 5 (St. Pauli)


Szene-Hamburg-August-2019-TitelDieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, August 2019. Titelthema: Wie sozial ist Hamburg? Das Magazin ist seit dem 27. Juli 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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