Beiträge

Off the Radar: „Hurra, wir leben noch“

Mit drei Tagesveranstaltungen nahe Bordesholm trotzte der Hamburger Kulturund Musikverein OFF THE RADAR noch im letzten Jahr der Pandemie. Crew-Mitglied Tante Kerosine erzählt, warum das Festival den schleswig-holsteinischen Hof Ovendorf nun verlässt, was Ende Mai auf der Stubnitz geplant ist und mit welchen Alternativen sich der Verein für die Zukunft aufstellt

Interview: Ole Masch

SZENE HAMBURG: Tante Kerosine, warum gibt es in diesem Jahr kein OFF THE RADAR-Festival in Negenharrie?

Tante Kerosine: Sehr kurz gesagt: Weil wir mit unseren früheren Geschäftspartner:innen an Grenzen gestoßen sind, die für uns rote Linien darstellten. Und umgekehrt. Die Pandemie hat uns als Privatpersonen und Verein extrem viel abverlangt. Wir sind der Meinung, dass das Einhalten der Hygienerichtlinien inklusive Masken, Testungen, Abstand in Kombination mit Impfungen der langfristig sichere Weg aus der ganzen Geschichte sind. Dazu stehen wir nach wie vor.

Ihr habt viel Arbeit in den Hof Ovendorf gesteckt. Was passiert jetzt mit dem Gelände?

Ehrlich gesagt: Das ist uns jetzt egal. Wir haben lange gekämpft und hätten viel gegeben, um weiter in Ovendorf sein zu können. Wir haben den Ort geliebt – nur annähernd ließ sich im Sommer 2019, als wir zuletzt da „richtig“ veranstaltet haben, erahnen, in was der Hof noch alles zu verwandeln gewesen wäre. Unsere Crew hat dort Geburtstage gefeiert und ein Paar sogar geheiratet – wir verbinden Ovendorf mit krassen, schönen, herzzerreißenden und heftigen Erinnerungen. Wir wollen nicht mehr aufrechnen, wie viel Arbeit wir da reingesteckt haben – so heranzugehen macht auf Dauer die Psyche komplett kaputt. Schwamm drüber, weiter geht’s.

„Die derzeitige Entwicklung mit Jupibar und Stubnitz ist natürlich höchst erfreulich!“

Tante Kerosine, Crew-Mitglied bei OFF THE RADAR

„Wir haben gerade krass viel neuen Schwung“

Wie geht es euch insgesamt nach zwei Jahren Pandemie?

Die Stimmung schwankt zwischen „Hurra, wir leben noch!“ und „Woah, jetzt reißen wir so richtig alles ab“. Um zu sagen, wie es uns jetzt geht, müsste man vielleicht einmal kurz sagen, wie es unmittelbar vor der Pandemie war: Wir waren 2020 ausverkauft und, so dachten wir zumindest, aus dem Gröbsten raus. Unsere angespannte finanzielle Situation dürfte über Jahre über die Stadtgrenzen hinaus bekannt und belächelt worden sein. Aber dann kamen die Absage, unsere Startnextkampagne und 2021 unsere Entscheidung für drei Eintagesfestivals anstelle von einem großen. Das war natürlich keine rein freiwillige Entscheidung: Wir wollten unbedingt veranstalten und zum Genehmigungszeitpunkt war das die einzige Option.

Die letzten beiden Jahre haben schon extrem an unserer Substanz gezehrt. Andererseits haben wir gerade wieder krass viel neuen Schwung: Wir beschäftigen uns viel mit uns selbst, Awareness und wie wir miteinander sein und arbeiten wollen. Seit März machen wir monatlich einen Barabend in der Jupibar. Und schließlich wird es wohl doch noch so sein, dass wir zumindest ein kleineres Festival Ende des Sommers veranstalten werden.

Hamburg ist subkulturell ein eher abgegraster Landstrich

Ihr konntet eine alternative Fläche finden?

Ja, wie es derzeit aussieht, haben wir eine Fläche gefunden, die wir vielleicht auch für die nächsten Jahre bespielen können. Momentan arbeiten wir daran, dass wir schon Anfang September eine kleine OFF THE RADAR-Ausgabe in Bremen feiern können. Dazu wird es in den kommenden Tagen und Wochen immer mehr Infos geben, versprochen! Lange haben wir einfach nach einem 1:1 gleichen Gelände gesucht: ein Hof, mehr oder weniger im Speckgürtel von Hamburg. Ein Ort, an dem wir uns austoben und vielleicht auch bleibende Sachen schaffen können. Beziehungsweise da auch mal für eine Weile abtauchen können. Die Fläche, die wir jetzt in Aussicht haben, ist eine alte Industriebrache in Bremen – voraussichtlich fallen da einige Dinge weg, die wir früher immer hatten. Aber bisher fühlt sich alles dennoch sehr gut und sehr nachhaltig an. Wir haben Bock!

Gibt es in Hamburg keine geeigneten Flächen?

Es ist ja kein Geheimnis, dass Hamburg ein unsere Größe betreffend, sagen wir, subkulturell eher abgegraster Landstrich ist: Immer gibt es Nachbar:innen, die etwas gegen Lärm haben könnten, Lizenzen oder Genehmigungen, die entzogen werden könnten. Es gäbe Gelände, die sich eignen würden, so ist es ja nicht. Aber da braucht es dann auch immer den Mut und Willen von Anwohnenden, Behörden und anderen Mitspielenden. Oder das entsprechende „Kleingeld“. Wir haben das ein paar Mal versucht, aber haben immer wieder auf Granit gebissen – ehrlich gesagt, ist uns inzwischen unsere Energie dafür ein bisschen zu kostbar.

Nachtleben Mai 2022 klein credit Karin Kästner-klein
Von Hofdame zur Piratin: Tante Kerosine (Foto: Karin Kästner)

Im Mai: Zwei Tage OFF THE RADAR in Hamburg

Werdet ihr wieder auf der Fusion sein?

Klar, da sind wir auch dieses Jahr wieder: Seien wir ehrlich – eine Tube ohne uns ist eine absurde Vorstellung. Von allem anderen müssten sich geneigte Fusionist:innen selbst überzeugen. Ich sag mal so: In den letzten beiden Jahren haben wir vielleicht ein paar Dinge verlernt, unser Kerngeschäft aber noch lange nicht!

Was ist Ende Mai auf der MS Stubnitz geplant?

Am 27. und 28. Mai 2022 stechen wir vielleicht nicht in See, aber wir gehen dennoch aufs Schiff. Wir sind ja mit der Stubnitz-Crew alles in allem in hervorragender Wahlverwandtschaft und dementsprechend haben wir uns über die Maßen gefreut, als sie uns für den Weekender angefragt haben. An zwei Tagen OFF THE RADAR in Hamburg – mit fast allem, was da bisher auch immer so dazu gehörte: Apfelgarten-Techno, Punxstage-Matinee und Orbit-Schwelgerei, um nur ein paar Sachen zu nennen.

Ravi Kuma, Livez, Liiek, Pogendroblem und viele mehr

Gibt es einen Act, auf den du dich ganz besonders freust?

Ravi Kuma ist sicherlich ein Act, auf den ich mich mit am meisten freue – extrem frische Produktion, live ein Erlebnis der Extraklasse, feministisch, wild. Neulich hab ich das über sie gelesen: „Ein Liebeskind, gezeugt in einem verlassenen Container als Ergebnis einer Dreierbeziehung zwischen Peaches, M.I.A. und Vince Staples.“ Kann ich eigentlich nur genauso unterschreiben. Ansonsten sind Infinite Livez, Liiek und sicherlich Pogendroblem für die eher punkige Schiene zu nennen. Wem Techno lieber ist, sollte sich unter anderem bereit machen für Ey.Rah, Elliver und Sportbrigade Sparwasser – auch wenn ich selbst davon nicht so viel Ahnung habe – aber das halte ich für eine mehr als solide Partymischung. Dazu gesellen sich ein paar OTR-Allstars und noch mehr neue Freund:innen. Wir sind schon ganz aus dem Häuschen!

Gibt es eine Pause zwischen Freitag und Samstag?

Zwischendurch machen wir einmal kurz die Schotten dicht – heißt das so, ich lerne noch das Piratinnenvokabular –, um das Deck zu schrubben und die Gläser zu polieren. Dann geht es aber Samstagnachmittags mit voller Schubkraft wieder los. Es gibt Tickets für beide Tage, aber, na klar, auch für jeden Tag einzeln.

„Wir merken, dass wir sehr vermisst werden“

Wie sieht es mit eurer Fördermitgliedschaft aus?

Ich hatte ja schon gesagt, dass unser klammer Geldbeutel geradezu legendär und über die Stadtgrenzen hinaus bekannt ist. Die Pandemie hat dazu natürlich noch mal einiges extra beigetragen, obwohl wir nicht wie gewohnt veranstalten konnten. Wir haben – wie viele Kolleg:innen auch – über alternative Wege, beziehungsweise letztlich auch eine, na ja, nachhaltigere Finanzierung nachgedacht. Die Fördermitgliedschaften waren zunächst also eine Idee, wie wir die OFF THE RADAR-Ultras, die es zweifellos gibt, enger an uns binden können, ohne andauernd um Kohle zu betteln. Es bedurfte dafür aber erst einmal einer Satzungsänderung, die derzeit dem Notariat vorliegt. Wenn die durch ist, haben wir dazu auch mehr Infos.

Werdet ihr in Zukunft vermehrt auf Partys in Hamburg setzen?

Die derzeitige Entwicklung mit Jupibar und Stubnitz ist natürlich höchst erfreulich! Wir merken schon auch, dass wir sehr vermisst werden. Das ist ein ziemlich schönes Gefühl. Und es ist vor allem auch ein gegenseitiges. Andererseits sind wir keine „One-Trick-Ponys“: Wir lieben und vermissen das Festivalorganisieren und –veranstalten extrem! Wir vermissen es, den Alltag für drei, vier Tage komplett auszuknipsen. Insofern wäre es schön, wenn wir zukünftig auf eine gesunde Mischkalkulation setzen könnten: Hier und da mal paar exquisite Partys in Hamburg und POW POW ein größeres OFF THE RADAR etwas außerhalb.

OFF THE RADAR On Tour, am 27. und 28. Mai 2022 ab 19 Uhr auf der MS Stubnitz


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

Fun auf Norwegisch: LINIE Aquavit Norweek in Hamburg

Anzeige

LINIE Aquavit lässt bei der Norweek vom 18. bis 21. Mai 2022 die norwegischen Puppen zu Art, Beats und Drinks in der Schanze tanzen und wir verlosen Tickets zum Event!

Seit 2020 unterstützt LINIE Aquavit mit seinem Signature Drink LINIE Ginger die Gastronomie in Hamburg. Denn Zusammenhalt ist das, #waswirklichzählt. Da kommt ein Fest gerade recht. Und da ein Abend niemals ausreicht, werden gleich mehrere daraus: Gemeinsam mit dem Pallas, Hamburgs Hotspot am Neuen Pferdemarkt, lässt LINIE Aquavit bei der Norweek vom 18. bis 21. Mai 2022 die norwegischen Puppen tanzen. Die RFI Gallery, Raum für Illustration, kommt von Sankt Pauli aus zu einem artsy Besuch in die Schanze, Jolle, DJ KCL und GoMe sorgen von Donnerstag bis Samstag für rhythmisches Herzklopfen. Auch auf einen Auftritt von Niklas Paschburg, den viele sicher schon vom Reeperbahnfestival kennen, können sich Besucher:innen freuen.

Und mit etwas Gewinnspielglück bei Instagram unter @linieaquavitdeutschland kann man sich zur Stärkung einen Smørrebrød-Happen von Fabio Haebel hinter die Kiemen schieben. Überall mit dabei ist LINIE Ginger, der neue Signature Drink von und mit LINIE Aquavit, dem Klassiker aus Norwegen.

Tastings, Cocktail-Mix-Kurse und vieles mehr

Fans und Interessierte können auf aufregenden Events den LINIE Aquavit näher kennenlernen. Zum Beispiel lädt Spirituosen-Experte und First Aquavit Educator Jürgen Deibel zum Aquavit-Deep-Dive ein und bei der Experience World können Besucher:innen die Botanicals und Rohstoffe des einzigartigen LINIE Aquavit hautnah erleben.

Oder wie wäre es mit einem Cocktail-Mix-Kurs mit 5-Sterne Barprofi und Brand-Ambassador Michael Ehrenwirth? Jetzt gibt es nur noch eines zu tun: Bei Instagram vorbeischauen, das ein oder andere Special mitnehmen, die Tanzsneaker schnüren und ab ins Pallas – #waswirklichzählt.

Alle Events im Überblick

WannWasWo
Do, ab 19.00 Uhr, Fr ab 20.00 Uhr, Sa, ab 16.00 UhrRFI GalleryPallas
Mi, ab 19.00 Uhr, Do, ab 16.00 Uhr, Fr, 16-17.00 Uhr und 20.00 Uhr bis open end, Sa, ab 16.00 UhrExperience Pallas
Do, 19. Mai 19.00 UhrLive MusicJollePallas
Do, 19. Mai 20.00 UhrDJ Program DJ KCLPallas
Fr, 20. Mai 20.00 UhrDJ Program Niklas PaschburgPallas
Fr, 20. Mai ab 21.00 UhrDJ Program DJ KCL, Plazebo & Special GuestPallas
Sa, 21. Mai ab 14.00 UhrDJ Program DJ Saint OnePallas
Sa, 21. Mai ab 18.00 UhrDJ Program DJ RafikPallas
Sa, 21. Mai ab 20.00 UhrDJ Program GoMePallas

Egal, ob am Elbstrand oder auf dem heißen Asphalt zwischen Altona und Sankt Pauli: LINIE Ginger hat alles, was ein Sommerdrink braucht – bestehend aus würzigem LINIE Aquavit, abgerundet durch den besonderen Zitrusgeschmack von Limette, die Fruchtigkeit von Heidelbeeren und Frische von Gurke, getoppt mit prickelndem Schweppes American Ginger Ale. Wer sich schon mal in Stimmung trinken will, hier gibt’s das Rezept zur Norweek LINIE Ginger:

4 cl LINIE Aquavit  
2 cl frisch gepresster Limettensaft  
Schweppes American Ginger Ale 
ein paar Heidelbeeren  
2-3 Gurkenscheiben  
Eiswürfel

Ein Longdrinkglas mit Eiswürfeln füllen, LINIE Aquavit und Limettensaft ins Glas geben, Heidelbeeren und Gurkenscheiben hinzugeben, mit Ginger Ale auffüllen und servieren. Skål and stay tuned @linieaquavitdeutschland.

___

Der Knaller kommt zum Schluss: Wir verlosen 2×2 Tickets für einen Mixing-Kurs, am Freitag, dem 20.05, um 17:00 Uhr im Pallas! Zur Gewinnspielteilnahme gehts via unserem Instagram-Account @szene_hamburg.

1. Mai – viel los in Hamburg

Nach Neujahr und Ostern wartet mit dem 1. Mai endlich wieder ein Feiertag auf Hamburg, zwar an einem Sonntag, trotzdem ist viel los in der Stadt – ein Überblick über die wichtigsten Demonstrationen und Partys

Warum feiert man den „Tag der Arbeit“ überhaupt? Die Tradition des 1. Mai geht zurück auf den „Haymarket Riot“ am 4. Mai 1886 in Chicago. Nachdem am 1. Mai des Jahres in den ganzen USA rund 400.000 Arbeiter:innen für die Achtstundenwoche gestreikt und demonstriert hatten, kam es in der Stadt zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Polizei. Am Ende starben sieben Polizeibeamte und mindestens ein Zivilist bei den Ausschreitungen am Haymarket. Für den 1. Mai 1890 wurde in Gedenken an diese Ausschreitungen ein weltweiter Feiertag geplant – die Geburtsstunde des 1. Mai als „Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse“. Mittlerweile ist der erste Tag im Mai in vielen Ländern weltweit ein gesetzlicher Feiertag.

Am Wochenende des 1. Mai sind in Hamburg 24 Demonstrationen angemeldet

Demonstrationen am 1. Mai

Auch in Hamburg wird am 1. Mai 2022 wieder demonstriert. Laut Polizei sind insgesamt 24 Veranstaltungen am ganzen Wochenende angemeldet, hier kommen die wichtigsten:

Demonstrationen von ver.di und dem Deutschen Gewerkschaftsbund

Din Hamburg gibt es am 1. Mai 2022 drei Demonstrationen der Gewerkschaften, in…

… in Bergedorf um 10 Uhr ab dem Lohbrügger Markt, Abschlusskundgebung um 12 Uhr im Rathauspark Bergedorf;

… in Harburg um 10.15 Uhr ab dem Rathausplatz, Abschlusskundgebung um 11 Uhr ebenfalls auf dem Rathausplatz;

… und von Eimsbüttel nach St. Pauli um 10 ab Heußweg, Nähe der U-Bahn Osterstraße, Abschlusskundgebung um 12 Uhr auf der Straße St. Pauli Fischmarkt.

Linke Demonstrationen

Unter dem Motto „Wer hat, der gibt“ demonstriert außerdem ein linkes Bündnis aus unter anderem der „Seebrücke Hamburg“, der Partei „die Linke“, dem AStA der Uni Hamburg und Fridays for Future Hamburg um 13 Uhr ab der Elbphilharmonie. Ziel der Demo ist der Ballindamm Nähe Alstertor (unweit der Warburg Bank).

Auch in Wilhelmsburg wird am 1. Mai demonstriert. „Verboten gut – Anarchismus in die Offensive“ ist das Motto, los geht es um 18 Uhr an der Neuenfelder Straße, Ziel ist die Harburger Chaussee.   

Unter dem Motto „Heraus zum revolutionären 1. Mai“ startet um 16 Uhr am Berliner Tor eine weitere Demonstration und soll um 20 Uhr am U- und S-Bahnhof Barmbek enden.

Fast parallel dazu gibt es auf der Schanze das „Klassenfest gegen den Staat und das Kapital“. Die hier angemeldete Demonstration startet um 15 Uhr.

Die Polizei erwartet einen ruhigen 1. Mai

1Mai-Hamburg_c_HenryLuehrs-2-klein
Die Polizei erwartet für Hamburg einen ruhigen 1. Mai

Besonders im Stadtteil Sternschanze war die Polizei im vergangenen Jahr mit Wasserwerfern gegen Demonstrierende vorgegangen. In diesem Jahr gibt es aber weder ein Versammlungsverbot noch Maskenpflicht. Daher rechnet die Polizei „mit einem Versammlungsgeschehen, wie wir es aus der Zeit vor Corona rund um den 1. Mai kennen“ und geht für dieses Jahr von einem „störungsfreien und gewaltfreiem Verlauf“ aus. 

Tanz in den Mai – der Start in den Party-Sommer

Neben dem politischen ist der 1. Mai auch der Startschuss für den Party-Sommer. Während in vielen Teilen Deutschlands in der sogenannten Walpurgisnacht der Frühling begrüßt wird, ist in Hamburg in der Nacht auf den 1. Mai Zeit für den Tanz in den Mai. Auch 2022 gibt es etliche Partys in der Stadt:

„Mai Ahoi“ auf der Cap San Diego. 

Auf dem alten Frachtschiff im Hamburger Hafen gibt es bei „Mai Ahoi“ am 30. April ab 21 Uhr vier Areas mit Partyclassics, Clubsounds, finest House & Electro und Black, RnB und old school. Tickets gibt es ab 13 Euro (Vorverkauf wird empfohlen).

Indie Rock bei Frau Hedis Revolver Club

An den Landungsbrücken gibt es ab 20 Uhr von New Wave über Indierock und Post Punk bis Brit Pop alles, was das Herz begehrt. Und wie sagte es schon Thees Uhlmann: „Ich finde was Günther Netzer für stilvollen Fußball und Analyse war, das ist der Revolver Club heute immer noch für stilvolle und coole Indie-Parties!“ Der Eintritt kostet 15 Euro (Abendkasse 18 Euro). Rein kommen alle ab 18, außer Junggesell:innenabschiede.

Freundlich+Kompetent in den Mai tanzen

Direkt an der Mundsburg bittet Carlos aka The Wingman ihm Freundlich+Kompetent zu Beats á la Neo Beat, Rap, Trap, Funk&Soul und Rock. Einlass ist um 17 Uhr, los geht‘s um 20 Uhr und der Eintritt ist wie immer frei.

„Manhatten Mayday“ im Fundbureau

Gemeinsam in den Mai Tanzen im das geht auch endlich wieder an der Sternbrücke. Auf zwei Floors gibt es bei „Manhatten Mayday“ einerseits Pop, Charts & Rnb) und andererseits Techno & Techhouse. Tickets gibts nur an der Abendkasse und los gehts um 23 Uhr.

party-dockville_c_unsplash-pablo-heimplatz-klein
Mit dem Tanz in den Mai startet der Party-Sommer 2022 (Foto: unsplash/Pablo Heimplatz)

Im Goldbekhaus tanzen alle Ü 40 in den Mai 

Hat das Kulturzentrum in Winterhude mit der „Winterhuder Tanznacht“ schon eine legendäre Ü40-Party etabliert, kehr jetzt auch der Tanz in den Mai zurück. Die perfekte Adresse für alle über 40. Getanzt wird zu bewährter Musik und nach dem 2G+-Modell. Tickets gibt es für 8 Euro (Abendkasse 10 Euro).

Club 40up im Kent Club

Der Kent Club ist neu, sieht gut aus und lädt mit dem Club 40up ebenfalls zum Tanz in den Mai. Für alle über 40 eine der besten Adressen der Stadt, um bei richtig guten Beats in den Mai zu tanzen. Zur Begrüßung gibt es einen Shot und in der ersten Stunde eine Happy Hour. Los gehts um 22 Uhr, Ticktes gibts ab 13 Euro (Abendkasse 15 Euro).

Punk in Marias Ballroom

Für alle Fans des gepflegten Punk geht es am 30. April nach Harburg. In Marias Ballroom geben sich ab 20.30 Uhr „Blanker Hohn“, die „Barrytown Wheelies“ und „Bondgirl“ die Ehre. Tickets gibt es für 11,50 Euro (Abendkasse 14 Euro), Einlass ist um 20 Uhr.

Motorbooty im Molotow

Wenn es auf dem Kiez eine legendäre Partyreihe gibt, dann ist es Motorbooty im Molotow. Zum 1. Mai feiert die Reihe auf 2 Floors mit reichlich Rock’n’Roll und zwar mit dem mittelmäßigen oder schlechten, sondern nur mit dem richtig guten Zeug. Einlass ist ab 23 Uhr und der Eintritt für das 2G+-Event kostet 6 Euro für alle Floors.

Lange raven im Südpol

Den längsten Tanz in den Mai gibt es in der Süderstraße. Die Party im Südpol startet schon am 29. Mai um 23.55 Uhr. Schluss ist erst am 1. Mai um 22.00 Uhr. Einlass gibts bei dem 2G+-Event nur mit gültigem Nachweis. Tickets sind außerdem auch nur vor Ort zu haben. Mehr Infos unter suedpol.org.

Open Air im Schrödingers

Wer zum Wegfall der Maskenpflicht unter freiem Himmel in den Mai tanzen will, für den gehts in den Schanzenpark. Im Schrödingers ist ab 16 Uhr die Lichtung bei freiem Eintritt (nach 2G+-Regel) geöffnet. Ab 22 Uhr geht es im Wintergarten weiter und ab 23 Uhr gibt’s Musik von Ida Daugaard.


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

Top 10: Events über Ostern in Hamburg

Ostern 2022 findet nicht mehr im kleinsten Kreis und mit nächtlicher Ausgangssperre statt, deswegen gibt es auch wieder mehr zu Erleben. Die besten Events in Hamburg gibt’s hier:

Freitag, 15.04. | Theater | Don Carlos | Ernst Deutsch Theater

220314_Fantitsch_EDT_DonCarlos310-klein
Sebastian Eggers als Don Carlos (mitte) und Hannes Hellmann als König Philipp II. (rechts) am Ernst Deutsch Theater (Foto: Oliver Fantitsch)

Drei Stunden spanischer Hof, das ist Don Carlos im Ernst Deutsch Theater. Regisseurin Mona Kraushaar bringt Schillers Klassiker auf die Bühne. Während Sebastian Egger als Kronprinz Don Carlos mit dem Liebeskummer ringt, spielt Hannes Hellmann einen König zwischen verletztem männlichen Ego und der Macht des Einzelnen. Im Stück wird dabei nicht weniger als die Zukunft Europas verhandelt. Durch die aktuellen Ereignisse hat dieses Thema nur noch mehr an Relevanz gewonnen. Noch bis zum 16. April ist die Inszenierung an der Mundsburg zu sehen.

Don Carlos im Ernst Deutsch Theater
15. & 16. April 2022, jeweils 19:30 Uhr

Freitag, 15.04. | Nachtleben | Friday I’m in love | Molotow

Molotow_© Erik Brandt-Höge-klein
Molotow: Getanzt wird immer (Foto: Erik Brandt-Höge)

Tanzverbot an Karfreitag? Gibt‘s auf‘m Kiez nicht! Deswegen lädt das Molotow ab 23 Uhr auch zu einem „Feuerwerk aus 60 Jahren Rock’n’Roll und Pop“. Bei Friday I’m in love legen die DJ‘s Axelmania und Jet Boy alles auf, was das Tänzer:innenherz begehrt. Der Eintritt kostet 5 Euro für alle Floors und das Ganze ist eine 2G-Plus-Veranstaltung.

Friday I’m in love
15. April 2022, 23 Uhr

Samstag, 16.04. | Musik | Dan Gotthalls‘s – Artful Earfull | Birdland

JazzSandraHempel_c_Natascha Protze-klein
Steht bei Dan Goothall’s – Artful Earful mit auf der Bühne: Die Hamburgerin Sandra Hempel (Foto: Natascha Protze)

Altehrwürdig und ein Klassiker, das ist das Birdland in Hamburg. Seit 1985 gibt es im Kellerclub in der Gärtnerstraße besten Jazz, so auch am Ostersamstag. Bei „Dan Gotthalls‘s – Artful Earfull“ geben sich fünf außergewöhliche Künstler:innen die Ehre. Neben dem Posaunisten Dan Gottshall sind unter anderem die Hamburger Gitarristin Sandra Hempel und der Kieler Pianist Buggy Braune mit von der Partie. Das Konzert ist eine 2G-Plus-Veranstaltung und kostet 19,90 Euro.

Dan Gotthalls‘s – Artful Earfull
16. April 2022, Einlass 19 Uhr und Beginn 20:30 Uhr

Samstag, 16.04. | Sonstiges | Osterfeuer | Ganz Hamburg

osterfeuer_pixabay-floerio-klein
2022: Die Osterfeuer sind zurück in Hamburg (Foto: pixabay/floerio)

Egal ob im eigene garten, bei Freunden oder am Elbstrand: Das Osterfeuer gehört zu Ostern wie das Eiersuchen. Dieses Jahr ist es auch wieder möglich, denn die Kontaktbeschränkungen wie 2021 gibt es nicht mehr. Neben den traditionsreichen Feuern in Blankenese gibt es noch viele weiter öffentliche, zum Beispiel im Strandbad Farmsen oder an der Kreuzkirche in Stellingen.

Osterfeuer in Hamburg
16. April 2022, diverse Orte, Beginn meistens zum Sonneruntergang

Samstag, 16.04. | Nachtleben | Hip-Hop | Chief Brody

sam-9BaKZ5JNh18-unsplash-klein
Im Chief Brody gibt‘s zu Ostern was zum Tanzen (Foto: unsplash / Sam)

Auch im Kellerclub auf der Schanze darf zu Ostern natürlich getanzt werden. Im Fokus: Richtig guter Hip-Hop. Während sich Karfreitag Ticklish & Buzz-T die Ehre geben, gibt es am Ostersamstag von Dipped in Colors & Draft X was auf die Ohren. Los geht‘s um 23 Uhr, der Eintritt kostet 10 Euro und das Ganze ist eine 2G-Plus-Veranstaltung.

Dipped in Colors & Draft X im Chief Brody
16. April 2022, jeweils 23 Uhr

Sonntag, 17.04. | Sonstiges | Street Food Festival | Landhaus Walter

jarritos-mexican-soda-ygOKCle9Y44-unsplash-klein
Es geht auch mexikanisch beim Street Food Festival am Landhaus Walter (Foto: unsplash)

Ostern kann man fein dinieren, brunchen oder einfach mal neues Ausprobieren. Viel Neues gibt es beim Street Food Festival am Landhaus Walter unter dem Motto „New Yorker Food Klassiker“. Von Süßem über mexikanische Leckerbissen bis zum klassischen Hot Dog ist für jede:n etwas dabei. Der Eintritt kostet 5 Euro, alle unter 12 Jahren kommen gratis rein.

Street Food Festival
17. April 2022, 11:30 bis 18:30 Uhr

Sonntag, 17.04. | Sonstiges | U96 mit Claude-Oliver Rudolph | Planetarium

Nemo_Nautilus_Innen_c_The Jules Verne Experience-klein
Führt als Nautilus durch die Jules Verne Experience: Claude Oliver-Rudolph (Foto: The Jules Verne Experience)

Jules Vernes Science-Fiction-Romane haben Millionen fasziniert. 150 Jahre nach der Erstausgabe von „20.000 Meilen unter dem Meer“ haben die Elektronik-Band U96 daraus ein bild- und klanggewaltiges Unterwasser-Erlebnis geschaffen. Schauspieler Claude-Oliver Rudolph entführt das Publikum als Kapitän Nemo an Bord der Nautilus in eine fantastische Unterwasserwelt – eine 360-Grad-Tauchfahrt in nie gehörte und nie gesehene phantastische Welten. Das 60-minütige Erlebnis kostet 14 Euro und ist für Menschen ab 10 Jahren empfohlen.

U96 mit Claude-Oliver Rudolph – 20.000 Meilen unter dem Meer
17. April 2022, 17:30 Uhr & weitere Termine

Sonntag, 17.04. | Nachtleben | Soul Allnighter | Mojo Club

vishnu-r-nair-m1WZS5ye404-unsplash-klein
Ein Klassiker kehrt zurück: Der Soul Allnighter (Foto: unsplash/Vishnu R Nair)

Corona ist gefühlt schon fast vorbei. Höchste Zeit, das Nüske & Berge aus der Corona-Pause zurückkehren. Beim mittlerweile traditionellen und fast schon legendären Soul Allnighter legen die beiden wieder so lange auf, bis alle tanzen und jede Sohle qualmt. Am 17. April ab 22 Uhr darf also wieder bester Soul genossen werden, für 10 Euro Eintritt und natürlich unter 2G-Plus-Bedingungen.

Soul Allnighter
17. April 2022, 22 Uhr

Montag, 18.04. | Sonstiges | Kulturflohmarkt | Museum der Arbeit

flea-market-g7fc328ed6_1920-klein
Flohmarkt geht immer (Foto: pixabay)

Feiertag, Zeit zum Stöbern, Feilschen und Entdecken. Am besten geht das auf einem der vielen Flohmärkte der Stadt. Ein guter alter Bekannter ist dabei der Kulturflohmarkt am Museum der Arbeit. Am Ostermontag ist Start für die Saison 2022. Bei hoffentlich bestem Wetter lässt es sich auf dem Gelände nach Lust und und Laune verweilen, schlendern und echte Schätze entdecken.

Kulturflohmarkt am Museum der Arbeit
18. April 2022, 9 bis 16 Uhr

Montag, 18.04. | Musik | Soulounge | Fabrik

Soulounge_2by MarcusMay-klein
Soulounge in der Fabrik: Ein Live-Erlebnis für die Seele (Foto: Marcus May)

Wie kommt man am besten raus aus dem Osterwochenende? Mit Musik für die Seele! Genau das gibt es am Ostermontag in der Fabrik. Hier feiern Soulounge ihr 20-jähriges Bandjubiläum. Alle, die die Band schonmal erlebt haben wissen, Soulounge ist ein ganz besonderes Live-Erlebnis – auch nach 20 Jahren. Einlass für das Konzert in der Fabrik ist um 19 Uhr, Konzertbeginn um 20 Uhr und die Tickets kosten 19 Euro im Vorverkauf. Auch dieses Konzert ist eine 2G-Plus-Veranstaltung.

Soulounge in der Fabrik
18. April 2022, 20 Uhr


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

Swutscher: Von mystischen Nächten

Pop, Rock, Honky Tonk, Country – alles drauf auf dem neuen Album von Swutscher, das schlicht nach der Band benannt ist. Textlich fallen zwei Themen auf: Rauchen und Trinken. Wieso, weshalb, warum? Erzählen Swutscher im Interview

Interview: Erik Brandt-Höge

SZENE HAMBURG: Sascha, Martin, Velvet, Mike und Seb, gerade sitzt ihr alle zusammen, um allerhand Exemplare eures neuen Albums zu signieren. Wie oft finden denn generell Swutscher-Treffen während der Pandemie statt?

Sascha: Wenn nicht gerade eine Tour ansteht, kommt es schon mal vor, dass wir uns einen Monat lang nicht sehen. Aber Gott sei Dank geht es ja bald wieder mit Konzerten los, und dann proben wir alle zwei Wochen.

Euer Proberaum befindet sich in Hamm. Vermutlich ein Raucher-Proberaum …

Mike: (lacht) Na ja, so halb, wir können vor der Tür rauchen. Aber ich werde eh erst nach dem fünften Bier zum Raucher.

Ein prominenter Fan

Rauchen und Trinken – das sind die beiden großen Themen zweier Single-Auskopplungen im Vorfeld der Album-Veröffentlichung, nämlich „Tabak“ und „Palm Royal“. Zwei Oden, die einfach mal geschrieben werden mussten?

Sascha: Bei „Tabak“ ging es anfangs gar nicht ums Rauchen, sondern um das Parfüm. Um diesen alten Herrenduft, den mein Großvater schon trug, und den ich auch ab und zu getragen habe. Als ich diesen Duft dann auch noch bei einigen anderen von Swutscher bemerkte, dachte ich: Da sollten wir vielleicht mal einen Text drüber schreiben. Die Zweideutigkeit, also der Bezug auch zum Rauchen, entwickelte sich erst mit der Zeit.

Ein prominenter Swutscher-Fan ist Jan Müller von Tocotronic, der über „Tabak“ schrieb, er, der seit 2005 Nichtraucher wäre, würde sich nach dem Hören am liebsten eine anstecken. Jan hat zudem eine sehr wohlwollende Presse-Info zum Album geschrieben. Wie kam es zur Verbindung Swutscher und Jan Müller?

Martin: Jan ist irgendwie auf uns aufmerksam geworden und hat uns nach einem Interview gefragt. Später hat er uns auch bei einem Konzert in 68 (Mike von Swutscher) Berlin besucht. Mit der Zeit ergab es sich, dass wir öfter mal geschnackt und uns gut verstanden haben.

„Diese Nächte kommen von selbst“

Zurück zu den beiden Singles, jetzt zu „Palm Royal“, benannt nach einem belgischen Bier. Der Songtext deutet an, dass du, Sascha, das Bier während eines Wanderurlaubs entdeckt hast – stimmt das?

Sascha: Ja – und danach wurde es natürlich schwieriger, es zu bekommen. Aber: Es gibt ja „Getränke Hoffmann“ – Grüße gehen raus! – der kriegt alles, und so kommen wir ab und an noch mal in den Genuss von „Palm Royal“, natürlich in Maßen (alle lachen).

Im Song „Rocker“ scheint der Genuss durchaus auch mal über ein, zwei „Palm Royal“ hinauszugehen („Meine Leber leidet leise“), in „Mystische Nächte“ dreht sich vieles rund um „Kräuter und Absinth“. Geht es in Letzterem um ganz bestimmte mystische Nächte, die erlebt wurden, oder verbringt ihr solche Nächte immer mal wieder und theoretisch überall?

Seb: Immer mal wieder und theoretisch überall. Wir brauchen da eigentlich keinen bestimmten Anlass. Diese Nächte kommen von selbst. Und wenn sie kommen, dann weiß man schon Bescheid (lacht).

„Wir sind große Freunde des Pub-Rock“

In „Tohuwabohu“ besingt ihr dann etwas ganz Anderes, Ernsteres, und zwar die Pandemie („Die Welt im Wandel“). Wie hart hat Corona denn Swutscher erwischt?

Velvet: Megahart, muss man schon sagen. Corona hat uns ausgebremst. 2020 haben wir eine EP veröffentlicht, wollten auf Tour gehen – aber das ging halt nicht. Vielleicht war das aber auch ganz gut, denn davor waren wir zwei Jahre dauerhaft unterwegs. Und mittlerweile fühlt es sich zumindest schon wieder wie ein kleiner Neustart an.

Geplant ist, dass ihr „Swutscher“ Ende April im Molotow präsentiert, quasi eurem Hamburger Stamm-Auftrittsort. Könntet ihr euch vorstellen, in Hamburg auf lange Sicht immer dort zu spielen, oder strebt ihr schon auch die größeren Läden der Stadt an?

Mike: Wir mögen das Molotow nach wie vor sehr, dort sind einfach wunderbare Leute. Wir haben aber auch nichts gegen größere Läden. Am allerliebsten spielen wir jedoch nach wie vor im Pub. Wir sind alle große Freunde des Pub-Rock.

„Swutscher“ von Swutscher ist am 25. Februar 2022 auf La Pochette Surprise/Membran/The Orchard erschienen; Live am 30. April 2022 um 20 Uhr im Molotow


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

Sternbrücke: „Die Clubs müssen weichen“

Die Zukunft ist ungewiss. Im Dezember will die Bahn ihre Neubau-Entwürfe zur Abstimmung stellen. Anwohnende kritisieren die Dimensionen und fehlenden demokratischen Beteiligungsprozess. Zur aktuellen Situation an der Sternbrücke und warum die Clubs nicht mehr Teil des Protestes sind, äußert sich Daniel Höötmann von der Astra Stube

Interview: Ole Masch

 

SZENE HAMBURG: Daniel, wie konntet ihr die Zeit während der Schließung überstehen?

Daniel Höötmann: Die ersten zwei Monate hat uns die Aktion von Tourhafen und dem Friese, Mercher von Turbostaat, geholfen. Die Aktion hieß „Be My Quarantine“ und Tourhafen, eine Hamburger Firma, die Merchandise für Bands und Clubs macht, hat T-Shirts drucken lassen, wo hinten im Nacken das Logo des Clubs war und vorne ein Druck von Künstler*innen. Die Erlöse sind den Clubs zugutegekommen. Danach kam natürlich der Rettungsschirm der Kulturbehörde, wo unsere Fixkosten bezahlt wurden.

Ist das Team noch dasselbe?

Ja. Wir haben ein paar neue Gesichter dazubekommen, da wir mit der 2G-Regelung mehr Personal brauchen. Aber unsere Leute waren sofort am Start, als wir wieder aufgemacht haben. Und sind natürlich geimpft, um sich und andere zu schützen.

Wurde im Laden etwas verändert?

Wir haben im ersten Lockdown den Club renoviert: Gestrichen, eine neue Lichtanlage hinter der Bühne installiert und die kompletten Stromleitungen neu gelegt. Das Lager wurde von unserem Hauke Horeis innerhalb eines Monats entrümpelt und er hat dort einen Backstage eingerichtet. Ab und zu habe ich gedacht er wohnt da schon. Und wir haben unseren Tresen und die Holztheken an den beiden großen Fenstern schick gemacht.

 

„Schlangestehen in 2021 ist sehr angesagt“

 

Wie liefen die ersten 2G-Veranstaltungen?

2G ist momentan die einzige Lösung, um wirtschaftlich arbeiten zu können. Die ersten Konzerte und Partys liefen alle super. Die Leute wollen wieder raus, feiern, Live-Musik hören, Bier trinken und Menschen treffen. Die Gäste sind super, wir haben null Stress mit unserem Publikum. Alle akzeptieren die 2G-Regeln. Natürlich dauert alles länger beim Einlass: Luca-App oder handschriftlich eintragen, Impfzertifikat und Personalausweis vorzeigen, dazu das Ticket bereithalten. Schlangestehen in 2021 ist sehr angesagt.

Glaubst du, dass ihr trotz „vierter Welle“ geöffnet bleibt?

Wir hoffen es. Ich denke nicht das der Hamburger Senat noch mal einen Lockdown machen wird oder wie am Anfang von 2G erneut Abstand und Maskenpflicht einführt. Dann müssten wir wohl wieder zumachen, denn die Menschen werden dies in Clubs nicht noch mal akzeptieren.

Welche musikalischen Highlights sind für Dezember geplant?

Am 2.12. kommen die Cigaretten zu uns. Da freue ich mich sehr drauf. Der Feine Herr Soundso, Pony Royal und Passierzettel kommen unter anderem auch. Im Dezember haben wir viele Hamburger Bands dabei. Denn Newcomer-Förderung ist uns immer noch wichtig. Egal, ob von hier oder aus der ganzen Welt.

 

Party bis Ende 2022?

 

Was passiert in der Astra Stube an Silvester?

Es wird wieder unsere Silvester Party geben. Die machen wir jedes Jahr. Unsere Techniker, von denen einige auch DJs sind, legen auf. An Silvester sind alle Clubs unter der Sternbrücke voll. Waagenbau und Fundbuero haben auch immer auf und unter der Sternbrücke ist es rappelvoll.

Es wird in Zukunft also wieder Partys geben?

Klar doch. Wir haben bis Ende Dezember jeden Freitag und Samstag nach den Konzerten ab null Uhr Partys. Musikalisch ist alles dabei: HipHop, Electro, Reggae, Indie Punk. Wir haben ein paar neue Partys, die wir ausprobieren. Wie „Astra Colada’s Tanzcafe“. Das ist die Party von mir und Hauke. Den Podcast „Astra Colada“ haben wir im ersten Lockdown gestartet. Den nehmen wir in der Astra Stube mit Gästen aus dem Kulturbereich auf. Mit aktuell 1800 Hörenden pro Folge. Und wir haben uns gedacht: „Na dann machen wir doch mal eine Party.“

Bis wann läuft euer aktueller Mietvertrag?

Bis zum 31.12.2022. Ab Januar 2023 soll wohl angefangen werden, die Gebäude abzureißen.

 

„Kein normal denkender Mensch würde den Mietvertrag der Bahn unterschreiben“

 

19 Jahre in der Branche: Clubbetreiber Daniel Höötmann (Foto: Cindy Gusinski)

19 Jahre in der Branche: Clubbetreiber Daniel Höötmann (Foto: Cindy Gusinski)

Diskussionen darüber gibt es schon lange. Wenn ihr einen Wunsch frei hättet, wie sähe die Zukunft der Astra Stube aus?

Ich bin ehrlich. Ich liebe die Astra Stube dort, wo sie jetzt ist. Nur wird es immer schwerer, den Club am Laufen und instand zu halten. Kein normal denkender Mensch würde den Mietvertrag der Bahn unterschreiben. Wenn die Brücke abgerissen und neu gebaut wird, wovon wir zu 100% ausgehen, wünsche ich mir, dass wir zusammen mit allen Clubs unter der Sternbrücke das Kulturhaus gegenüber bauen dürfen und so einen neuen, alten Platz bekommen. Denn egal, ob Abriss oder Sanierung der Brücke, die Clubs müssen weichen und werden abgerissen.

Wie müsste so ein Haus aussehen, damit du dort eine Zukunft siehst?

In das Kulturhaus kommen nicht nur die Clubs. Es sollen Bandproberäume, Bandwohnungen, Kita, Gastro reinkommen. Wir haben mit einem Architekten aus der Schanze dieses Projekt geplant und jeder Club unter der Sternbrücke bekommt in diesem Kulturhaus seinen Platz. Natürlich legen wir viel Wert auf Schallisolierung und Besucherleitung, damit Nachbarn nicht unnötig gestört werden. Der alte Look der Brücke soll in dieses Kulturhaus mit einfließen.

Gibt es bereits konkrete Zusagen für so ein Projekt?

Wir stehen in engem Kontakt mit der Stadt Hamburg, der Bahn und der Lawaetz Stiftung. Letztere hilft uns sehr, zwischen Bahn, Stadt und Anwohnenden zu kommunizieren. Was dabei rauskommt, kann ich leider noch nicht sagen.

 

Die Clubs werden abgerissen, es gibt keinen Erhalt

 

Ihr habt während Corona in den Club investiert. Wäre das nicht umsonst, wenn die Brücke abgerissen wird?

Nein. Der Club brauchte dringend eine Renovierung und neue Technik. Wir hätten nicht wieder öffnen können und haben durch ein paar Förderungen neue Sachen anschaffen können. Die nehmen wir mit, wenn wir eine neue Bleibe haben. Und natürlich ein paar „alte“ Sachen aus dem Club, damit im neuen dann noch der alte Astra-Stube-Charme zu sehen ist.

Ihr wart zuerst Teil der Sternbrücken-Initiative zum Erhalt der Brücke und jetzt nicht mehr. Warum?

Wir haben uns mit der Ini getroffen, aber schnell gemerkt, dass sie nicht unsere Interessen vertreten und dort eher „Schreihälse“ dabei sind. Wir verstehen natürlich, dass die Ini keine riesige Brücke direkt vor ihren Wohnungen möchte. Aber sie haben keine Ideen, wo wir hinsollen, wenn die Brücke, so wie sie es fordern, saniert wird. Die Ini verschweigt immer, dass die Clubs abgerissen werden, egal, ob Sanierung oder neuer Brückenbau. Auch die Kreiselkonzerte, die sie veranstalten. Da wird den Bands, die dort spielen suggeriert, dass sie für den Cluberhalt unter der Brücke spielen. Was totaler Quatsch ist. Das finden wir sehr bedenklich und absolut nicht ehrlich.

 

Eine Astra Stube ist auch woanders möglich

 

Die Gegner eines Abrisses argumentieren mit der Dimension der neuen Brücke und dem fehlenden demokratischen Beteiligungsprozess. Versteht ihr diese Argumente nicht?

Wir verstehen die Aufregung in Ansätzen. Diese Brücke ist alt und keiner weiß das besser als wir Clubs darunter. Wir kämpfen mit Schimmel, Wasserschäden und so weiter. Aber auch der Verkehr unter dieser Brücke ist katastrophal. Es braucht richtige Radwege und bessere Busspuren, damit dort sicher gefahren werden kann. Ob die Brücke so groß sein muss, wie sie werden soll, kann ich nicht beantworten.

Wäre die Astra Stube auch an einem ganz anderen Ort möglich?

Wir denken ja. Die Astra Stube hängt natürlich mit der Brücke zusammen. Aber die Astra Stube lebt von seinen Künstler*innen, Besucher*innen und unserer Crew. Ich denke, das schaffen wir auch an einem anderen Ort. Aber das Kulturhaus ist unser Wunsch, damit wir am Standort Sternbrücke bleiben können.

Abstimmung Bahn; Initiative Sternbrücke


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Dezember 2021. Das Magazin ist seit dem 27. November 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.

Fast ein Spektrum Festival: Good Vibes Only

Nach der Absage im letzten Jahr, kehrt die Momentaufnahme der Beatkultur dieses Jahr an zwei Wochenenden zurück. Gerade wegen stark limitierter Besucher:innenzahl und übersichtlichem Programm, bleibt in Pandemie-Zeiten die wichtigste Erkenntnis eine alte: Der Vibe muss stimmen – das tat er und lässt uns so noch sehnsüchtiger das Ende der Pandemie erwarten

Text: Kevin Goonewardena
Fotos: Andreas Hornoff

 

Menschen, die nach Glück, Genuss und Lust streben, würden durchaus philosophisch handeln, so der Hamburger Philosoph Bernulf Kanitscheider. Wahrscheinlich den Wenigstens unter den 500 Gästen der diesjährigen, Pandemie-gerechten Ausgabe des Spektrum Festivals am Reiherstieg ein Name, haben sie doch alle unbewusst im Sinne des Autors von „Ein hedonistisches Manifest“ gehandelt.

Möglich gemacht haben das in erster Linie die Macher:innen des Spektrum-Festivals, dass sich in den 2010er Jahren vom Geheimtipp zum veritablen Ein-Tages-Festival der nationalen Szene entwickelt hat. Denn statt die Veranstaltung das zweite Jahr in Folge ausfallen zu lassen, konzipierten die Verantwortlichen ein ihrem altbewährten Konzept folgendes Event – mit Test- und Maskenpflicht in sensiblen Bereichen wie etwa Warteschlangen – zu denen es ob der geringen Anzahl der Gäste, dem Verzicht auf große Bühnen, dem limitierten Zugang zu den Auftrittsorten oder einer überschaubaren Anzahl von Künstler:innen, kaum kam.

 

Wir-Gefühl

 

Getreu dem selbst verordneten Anspruch der Orga, sich musikalisch zwischen Tradition und gegenwärtiger Grenzüberschreitungen zu positionieren, von Straßen- über Cloud- bis Boom Bap den verschiedensten Stilen Bühne und Gehör einzuräumen, und Newcomern und Local Acts zu fördern, ließen die Künstler:innen des ersten von zwei Wochenenden der diesjährigen Ausgabe, die Pandemie so gut es eben möglich war bei dem nach Live-Konzerten lechzenden Besucher:innen vergessen.

spektrum5_c_a_hornoff

Die Performance Yung Palos etwa, dem Hamburger Newcomer, der mit seinem Underground-Hit Tokyo Drift gleich auch noch ein zweites Mal die Zugabe Ace Tees gestalten durfte, war dermaßen energiegeladen, dass sich die meisten der Anwesenden nach einem Post-Pandemie-Auftritt, einem Auftritt ohne angezogene Handbremse, noch im gleichen Moment gesehnt haben dürften.

Während der Co-Headliner Ansu absagen musste, holte sich Ace Tee die erwartbare Verstärkung in Form ihres kollegialen Partners Kwam.E und Tom Hengst auf die Bühne, ein paar Tänzerinnen, Licht-Show und gekonnte Publikums-Interaktion standen einem Pre-Corona-Auftritt in nichts nach.

spektrum-2021-ace-tree_c_a_hornoff

Ace Tee bei „Fast ein Spektrum“ 2021 (Foto: Andreas Hornoff)

Die vielen loyalen Supporter unter den Anwesenden unterstrichen mit ihrer teils frenetischen Unterstützung das zwischen Künstler:innen und Fans herrschende Wir-Gefühl, wie es in dieser Form nur noch in der HipHop-Kultur existiert.

Denn auch das bildet den Vibe moderner Rap-Konzerte: Ein vor Selbstbewusstsein trotzender Teil des Publikums, der heute vor der Bühne die Künstler:innen supportet und morgen ohne Gedanken an Perfektion oder gar Versagen zu verschwenden, im Home Studio eigene Wege geht, um Übermorgen selbst von der Crowd gepusht zu werden.

Die Kulisse dieses einmaligen Festival-Geländes der dieses Jahr kleiner ausfallenden, dennoch weitläufigen Open Air Galerie des Artville-Festivals am Wilhelmsburger Ufer Park, sorgte ihrerseits für das lang vermisste, wohlige Gefühl, das weit über das eines gelungenen Live-Auftritts hinausgeht: Gelände, Artists und Publikum bilden hier die Symbiose, die auch ohne Pandemie für den besonderen, nachhaltig währenden Besuch sorgt.

Auch, weil hier ein großes Bedarfs-Spektrum eines Festival-Besuchs mitgenommen werden kann: Das Tanzen – wie etwa bei Ludwig Mausberg, dem Resident der Deeper-Partyreihe und Zwegatmann (Funk im Trunk), das Beisammensein, die Biergarten-Atmosphäre eines lauen Sommerabends mit Hintergrundmusik, die Neuentdeckungen, das Treibenlassen.

 

2. Runde

 

HipHop-Fans und alle anderen können sich am 22. August 2021 ein weiteres Mal von dem diesjährigen Vibe des Festivals überzeugen. Dann spielen unter anderem Eunique und die Kölner Underground-Rapper Lugatti & 9ine zur zweiten und letzten 2021er Ausgabe des Fast ein Spektrum-Festivals in Wilhelmsburg.

fasteinfestival.de


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.

Virtual Clubbing: Futuristisches feiern

Läden zu, Tanzverbot, kein Ort zum Songs-Präsentieren. Nico Plagemann vom DJ-Duo Kollektiv Turmstrasse kennt das Problem. Für ihr neues Konzeptalbum „Unity of Opposites“ öffnen sie einen virtuellen Festival Space, samt Türsteher, Tanzfläche und eigenen Dance-Moves

Inteview: Ole Masch

 

SZENE HAMBURG: Nico, wann war euer letzter Auftritt vor Live-Publikum?

Nico Plagemann: Das ist ungef hr ein Jahr her. Wir haben schon zu Beginn der Pandemie beschlossen, nicht mehr zu spielen. Im April 2020 hatten wir noch eine wunderschöne Show in den Alpen. Mit getrenntem Dancefloor, Maskenpflicht und super viel Abstand. Das war sehr surreal und es war klar, dass es so nicht funktioniert.

Kennt ihr Beispiele aus dem Ausland, wie dort mit Veranstaltungen umgegangen wird?

Man sieht einiges auf Social Media. Wir sind eher zurückhaltend, wenn wir solche Bilder sehen: Der privilegierte DJ, der nach der Show nach Deutschland fliegt und beste medizinische Versorgung erwarten kann, wenn er sich ansteckt, spielt in Ländern deren Gesundheitssystem so unterversorgt und überlastet ist, dass Menschen wie die Fliegen sterben. Kellner, Zimmermädchen, Bar-Personal. Das sind die, die arbeiten, um zu überleben. Auf der anderen Seite ist es toll zu sehen, wie viele Veranstalter sich trauen, Konzepte zu entwickeln und sichere Partys veranstalten wollen. Das ist wichtig und einiges geht auf, wie das Beispiel aus England gerade zeigt.

Wie habt ihr die Pandemie bis jetzt überstanden?

Wir gehören leider zu den Künstlern, die wenig Hilfen bekommen haben. Ein Umstand der Bürokratie und weniger Voraussicht unserer Ministerien. Der Umgang mit dieser Pandemie hat gezeigt, dass auch ein sehr weit entwickeltes demokratisches und wohlhabendes Land eine ganze Menge falsch machen kann. Wir haben die Krise so weit überlebt, weil wir Rücklagen hatten, die wir uns über die letzten zehn Jahre aufgebaut haben. Das waren zum großen Teil Steuerrücklagen und Geld, was man für die Rente zurücklegt. Das ist jetzt weg. Es wird also spannend, ob wir überhaupt noch bis zum Ende des Jahres durchhalten.

 

Nur noch Wetterbericht und Nachrichten

 

Fehlt euch politische Unterstützung?

Wir wissen, dass alles im Rahmen der Kultur sehr, sehr gelitten hat. Klar ist, Kultur ist nicht systemrelevant, aber mich würde interessieren, was passiert, wenn wir mal alle kulturellen Inhalte für einen Tag abschalten. Zack: Musik aus, Filme, Serien, Shows weg, nur noch Wetterbericht und Nachrichten. Das kann sich keiner vorstellen, weil Kultur so allgegenwärtig in unserem Alltag verankert ist. Es ist essenziell für das Leben des modernen Menschen und aus diesem Blickwinkel hat die Politik versagt.

Kannst du der Zeit trotzdem etwas Positives abgewinnen?

Sicher, wir waren ja vorher ständig auf Tour. Auf einmal war sehr viel Zeit da, gerade auch für die Familie. Das war schön und tat der Seele sehr gut.

Und natürlich war Zeit ins Studio zu gehen. Wir haben uns komplett ausgeklinkt und einfach nur unser Ding gemacht. Vorher war immer irgendwie Druck und jetzt konnten wir mal wieder richtig loslassen.

Gibt es als DJ-Duo eine bestimmte Rollenverteilung?

Ja, das ist und war tatsächlich schon immer so bei uns: Ich mache Musik, Christian den Rest. Nein, im Ernst: Wir haben die letzten 15 Jahre zusammen getourt, gelebt und gearbeitet. Da hat jeder seine Stärken entwickelt und es hat sich wunderbar ergänzt.

Wir haben aber gemerkt, dass wir uns weiterentwickeln. Familie spielt eine große Rolle und gerade in der gezwungenen Auszeit, haben wir uns viele Gedanken um die Zukunft gemacht. Christian hat für sich beschlossen, erst einmal nicht mehr zu touren und sich um die Dinge im Hintergrund zu kümmern. Das bedeutet, der Hübsche aus der Band, ist jetzt nicht mehr auf der Bühne. Da müssen die Mädels ganz stark sein. Aber es geht um das Wohlbefinden, um das eigene Gleichgewicht, das ist wichtig und wir beide sind damit vollkommen fein.

 

 

Nach zehn Jahren gibt es ein neues Kollektiv Turmstrasse-Album. Warum erst jetzt?

Der Gedanke war schon länger da und auch Skizzen existierten. Aber es war nie der richtige Aufhänger oder Zeitpunkt da. Das klingt blöd, aber für uns ist ein Album wirklich etwas Besonderes. Vielleicht hat es deshalb so lange gedauert.

Könntest du den Sound in ein paar Sätzen beschreiben?

Man soll ja weniger über Musik reden und lieber hören. Aber wir glauben, das Album wird für viele ein Schock, weil der Sound schon sehr trocken und direkt ist. Wir nennen es spaßeshalber Small-Room-Techno, weil es nicht für die große Bühne gemacht ist. Wir hatten lange das Gefühl ein Album wäre nicht genug und spielen es ausschließlich live auf unserer Online-Stage. Das ist das eigentliche Konzept, es ist ein Live-Album. Angepasst in eine Covid-freie Online-Show.

Was bedeutet das?

Wir hatten schon einige Ideen, die ins Virtuelle gingen und mit meinem guten Freund Alex von der Agentur Demodern gesprochen. Im Winter 2019 erzählte er mir, dass sie an einer virtuellen Stage arbeiten. Unity of Opposites ist nun das Ergebnis vieler Stunden Arbeit und Liebe zu unserem Projekt und voll mit dem Unity-Gedanken. Wir sind erst am Anfang. Sowohl musikalisch als auch mit der Stage. Es ist also erst mal ein Konzeptalbum.

Die Stage, die Show, die Musik ist zusammengenommen das Album. Deshalb gibt es auch noch keinen Release-Termin. Aber einer der Grundgedanken war natürlich, Menschen in der Zeit von Covid zusammenzubringen und live spielen zu können.

 

Willkommen in der Zukunft

 

Wie funktioniert das genau?

Zunächst einmal heißt es sich pünktlich einloggen. Die Shows starten um 21 Uhr, ab 20.30 Uhr sind die Türen geöffnet. Man wählt einen Avatar und muss anschließend am Türsteher vorbei. Ist das geschafft, kann man mit anderen Partygästen interagieren, tanzen und chatten. Die Live-Show wird über zwei riesige schwebende Leinwände links und rechts vom Dancefloor angezeigt. Oder man klickt auf den Bildschirm, dann gibt es Kollektiv Turmstrasse pur auf Augen.

Im Bigscreen sieht man die Technik, das Licht, die Video-Show und mich beim Dancen und Schrauben. Wir möchten aber auch nicht zu viel verraten. Teil der Erfahrung ist es, das Ganze selbst zu entdecken.

Hast du bei der ersten Show die Reaktion der Gäste mitbekommen?

Natürlich, das war ja der Plan, live vor Publikum zu spielen. Es war ein Gänsehaut-Moment als ich anfing und der Chat förmlich explodiert ist. Man hat gleich gemerkt, welche Stücke mehr Feedback hatten. Das war also für mich sehr echt und live. Ich freue mich darauf, bei der nächsten Show noch direkter mit den Leuten interagieren zu können. Wir arbeiten daran, noch mehr Interaktionen für das Publikum zu ermöglichen.

Glaubt ihr, dass das Konzept Corona überdauern wird?

Wir denken ja. Es ist durchaus vorstellbar, das Streaming und virtuelle Clubs mehr Präsenz bekommen. Sei es, um Fans aus anderen Ländern an besonderen Events teilhaben zu lassen oder auch als virtuelle Kopie eines Clubs, der jedes Wochenende sein Programm online teilt. Und man muss festhalten, es ist positive Technologie. Es bringt Menschen zusammen. Der Grundgedanke ist richtig und somit ist es die Vorstufe zum Holodeck der Enterprise. Willkommen in der Zukunft!

Ihr wurdet kürzlich im Line-up für größere Festivals 2022 wie Hurricane veröffentlicht. Habt ihr noch Hoffnung für diese Saison?

Es gab und gibt immer wieder Anfragen. Aber: keine Impfung, keine Gigs. Hier geht es in erster Linie ums Reisen. Flugzeuge und Bahn sind gerade keine gute Idee. Wir denken nicht, dass wir dieses Jahr eine wirkliche Festival-Saison haben werden. Ich hoffe, dass Deutschland die Impfungen so schnell wie möglich durchbekommt und wir nächstes Jahr, quasi mit einem Raketenstart und ohne Sorge um die Gesundheit, die letzten zwei Saisons nachholen können.

Wir brauchen Schutz und jeder vollständig Geimpfte sollte wieder tun können, was er will. Vor allem die jungen Menschen brauchen jetzt wieder ihren Freiraum. Wir fordern also umgehende Impfungen für alle Party People und Kollektiv Turmstrasse-Fans.


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.

Es geht wieder rund: Sommerdom kehrt zurück

Vom 30. Juli bis 29. August 2021 findet das größte Volksfest Norddeutschlands wieder auf dem Heiligengeistfeld statt.

Text: Felix Willeke

 

Zum letzten Mal drehten sich im Dezember 2019 die Karussells auf dem Heiligengeistfeld, danach kam die Corona-Pandemie. Die  folgenden vier geplanten Dom-Veranstaltungen mussten abgesagt werden. Jetzt geht es aber wieder los: „Damit geht unser größter Wunsch in Erfüllung, wir bekommen unseren Dom zurück“, sagte Robert Kirchhecker, Präsident des Schaustellerverbandes Hamburg von 1884 e.V., dem „Hamburger Abendblatt“.

Die Wirtschatfsbehörde erlaubt für diesen Sommer 20 bis 30 Prozent weniger Betriebe. Zusätzlich wurde ein umfangreiches Hygiene- und Schutzkonzept erarbeitet. Für den Sommerdom 2021 gilt daher der Einlass nur für negativ Getestete, geimpfte und genesene Personen und es dürfen sich nicht mehr als 10.000 Menschen gleichzeitig auf dem Heiligengeistfeld aufhalten. Darüber hinaus soll es eine Maskenpflicht für alle Besucher:innen geben.


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.