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Mit Pomp und Plüsch: Happy Birthday, Corny Littmann!

Was wäre Hamburg ohne Corny Littmann? Kulturell sicherlich völlig anders und deutlich langweiliger. Heute feiert er seinen 70. Geburtstag und SZENE HAMBURG gratuliert herzlich

Text: Marina Höfker

 

Als Theaterchef, Schauspieler, ehemaliger Präsident des FC St. Pauli und Aktivist hat er Hamburg und besonders die Reeperbahn mitgeprägt wie kaum ein anderer: Cornelius „Corny“ Littmann ist aus der Stadt nicht mehr wegzudenken. Der gebürtige Münsteraner kam mit 15 Jahren in die Hansestadt und machte schon früh auf sich aufmerksam. Mit der Theatergruppe „Brühwarm“ setzte sich Littmann, der sein eigenes Coming-Out mit 18 Jahren hatte, für schwule Emanzipation ein. Auch als Mitgründer des Tourneetheaters „Familie Schmidt“ macht er sich anschließend auf seinen Touren durch Deutschland weiterhin für die Rechte der Homosexuellen stark.

 

„Wir sind überzeugt, dass es in Hamburg Hunderte von Sumpfblüten gibt, die nur zum Blühen kommen müssen.“
Corny Littmann 1988 anlässlich der Eröffnung des Schmidt Theaters

 

Dabei stets an seiner Seite: Schauspieler und Travestiekünstler Ernie Reinhardt – alias Lilo Wanders –, mit dem er sich am 8. August 1988 den Traum vom eigenen Theater auf dem Hamburger Kiez erfüllte. Mit dem Schmidt Theater wollte Littmann vor allem unbekannteren Künstler:innen eine Bühne bieten. Zur Eröffnung sagte er damals der SZENE HAMBURG: „Wir sind überzeugt, dass es in Hamburg Hunderte von Sumpfblüten gibt, die nur zum Blühen kommen müssen.“

 

Über Nacht berühmt mit der „Schmidt Mitternachtsshow“

Bei einem Theater blieb es nicht: Nur drei Jahre später kam das Schmidts Tivoli hinzu, 2015 schließlich das „Schmidtchen“. Doch als Theaterchef und Regisseur der Hausproduktionen blieb Littmann keinesfalls nur hinter den Kulissen aktiv. So stand er unter anderem in „Das Geheimnis der Irma Vep“, „Fifty Fifty“ und „Die Schmidtparade“ auf der Bühne.

Bundesweite Berühmtheit erlangte er in den 1990er-Jahren als Herr Schmidt mit seiner „Schmidt Mitternachtsshow“, die im NDR Fernsehen gezeigt wurde. Hier blieb die Provokationen selten aus: So hielt er einmal ein Plakat der Deutschen Aidshilfe in die Kamera, auf dem zwei Männer beim Oralverkehr zu sehen waren.

Schmidt Theater (c) Ingo Boelter

Am 8. August 1988 eröffnete das Schmidt Theater (© Ingo Boelter)

Mit Corny Littmann zum Aufstieg

Das Theater war allerdings nie seine einzige große Leidenschaft. Von 2003 bis 2010 war er Präsident des FC St. Pauli und schaffte es nicht nur, den damals finanziell angeschlagenen Verein vor dem Konkurs zu retten. Unter seiner Präsidentschaft gelang sogar der Aufstieg von der Regionalliga in die Bundesliga.

Ob auf der Reeperbahn oder am Millerntor: Was Littmann anpackt, wird zum Erfolg. Dabei drückt er allem seinen pompösen, plüschigen und unverwechselbaren Stempel auf. Davon werden Hamburg und der Kiez hoffentlich noch lange etwas haben. Herzlichen Glückwunsch, Corny!


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Spielbudenfestival

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Die Corny Littmann Stiftung will im Juli mit dem Spielbudenfestival hoch hinaus

Die Corny Littmann Stiftung für Kunst und Kultur präsentierte im Sommer 2021 zum ersten Mal das Spielbudenfestival, ein internationales Festival für Straßentheater. Jetzt gibt es vom 22. bis 24. Juli 2022 die zweite Ausgabe auf dem Spielbudenplatz und die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren.

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Beim Spielbudenfestival gibt’s neben Artistik, Zauberei, Comedy und Musik auch allerlei Kuriositäten (Foto: Morris Mac Matzen)

15 verschiedene Acts sind im Juli mit dabei. Darunter Artist:innen, Comedians, Musiker:innen, Zauberkünstler:innen und viele weitere Kuriositäten. Die Als kommen dabei nicht nur aus Deutschland. So reist beispielsweise Jay Che aus Singapur an und bringt das Publikum mit seinem „Ping Pong Circus“ zum Staunen. Natürlich darf mit Cia la Tal auch der Publikumsliebling des vergangenen Sommers nicht fehlen, er reist mit zwei brandneuen Programmen aus Barcelona an. Aber das absolute Highlight ist 2022 die Gruppe Geschwister Weisheit. Seit 1990 bieten sie die größte Hochseilshow Europas. Am Sonntag startet der Tag zudem mit einem ökumenischen Gottesdienst und danach heißt es „Mangel frei“ für den Familienzirkus – moderiert von Konrad Stöckel.

Neben der Kunst gibt es beim Spielbudenfestival natürlich auch alles für das leibliche Wohl.

Das gesamte Festival is auch 2022 kosten- und barrierefrei und freut sich auf Besucher:innen aus der Hansestadt und aus aller Welt.

Spielbudenfestival – die Schau der großen Straßenkünste und Kuriositäten
22. bis 24. Juli auf dem Spielbudenplatz

Sommer, Sonne, Festival

2022 gibt es endlich wieder einen richtigen Festival-Sommer. Von Kunst über Musik bis hin zu Party-Pur: hier kommen zehn Events, die man nicht verpassen sollte

Text: Felix Willeke

Schleswig-Holstein Musikfestival

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Ein Highlight beim SHMF: der Werftsommer in der Kulturwerft Gollan in Lübeck (Foto: Felix König)

In Schleswig-Holstein findet seit 1986 eines der größten klassischen Musikfestivals Europas statt. 2022 steht die 37. Ausgabe des Schleswig-Holstein Musikfestivals (SHMF) ganz im Zeichen des Hamburger Komponisten Johannes Brahms und des israelischen Dirigenten Omer Meir Wellber. Vom 2. Juli bis zum 28. August gibt es 204 Konzerte in 123 Spielstätten an 65 Orten in Schleswig-Holstein, Dänemark, Hamburg und im Norden von Niedersachsen.

Darunter sind neben etablierten Konzerthäusern auch ungewöhnliche Orte wie der Hangar 7 der Lufthansa Technik in Hamburg, die Carlebach-Synagoge in Lübeck und die Kieler Gelehrtenschule. Auch wenn der Schwerpunkt die klassische Musik ist, hat das SHMF auch für die Fans des Pop, Jazz und Funk einiges zu bieten. So stehen beim Werftsommer in der Lübecker Kulturwerft Gollan unter anderem Zoe Wees, Gentleman und Moop Mama auf der Bühne – für nur 130 Euro gibt es sieben Konzerte in drei Tagen.

Schleswig-Holstein Musikfestival, vom 2. Juli bis 28. August 2022, diverse Spielorte

Habitat

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Mit dem Habitat kommt das größte Techno-Festival der Stadt nach Wilhelmsburg (Foto: Timo Sommer)

Harburg hat ein neues Festival. Das Habitat Festival zieht vom Flugplatz Hungriger Wolf nahe Itzehoe auf das MS Dockville-Gelände in Wilhelmsburg. Damit ist ab Juli auch der Techno auf der Elbinsel zu Hause. Dauerte das Festival früher vier, sind es heute nur noch zwei Tage. Dafür wird aber durchgehend gefeiert. Am 16. und 17. Juli gibt es auf acht Bühnen 60 verschiedene Acts. Dabei gibt es vom Techno über House bis hin zu Drum & bass alles, was das Technoherz begehrt.

Mit dabei sind in diesem Jahr Ellen Allien, die als eine als Vorreiterin für weibliche DJs gilt. Dazu kommt der DJ der DJs, wie Gerd Janson immer mal wieder bezeichnet wird. Natürlich gibt es mit Künstler:innen wie Parick Mason auch Acs, die in Hamburg aus Clubs wie dem PAL schon lange gut bekannt sind. Und ein besonders Bonbon: Das Habitat eröffnet die Festival Saison in Wilhelmbsurg und vielleicht können die Besucher:innen auch schon einen ersten Blick auf die Kunst des MS Artville Festival erhaschen.

Habitat, am 16. & 17. Juli 2022 auf dem MS Dockville-Gelände

Spielbudenfestival

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Beim Spielbudenfestival zu Gast: Die weltklasse Hochseilartisten Geschwister Weisheit (Foto: Geschwister Weisheit)

Straßenkunst, das ist mehr als der Panflötenspieler in der Fußgängerzone. Wie vielfältig Straßenkunst sein kann, beweist vom 22. bis 24. Juli 2022 zum zweiten Mal das internationale Spielbudenfestival. Wo schon im Jahr 1795 Straßenkünstler:innen das Treiben in und zwischen den hölzernen Spielbuden bereicherten, verwandelt die Corny-Littmann-Stiftung den Platz in diesem Jahr erneut in ein großes, buntes Freilufttheater.

Mit dabei sind unter anderem die Geschwister Weisheit, eine der besten Hochseilartistengruppen weltweit, Jens Ohle, ein artistischer Comedian aus Hamburg und Shiva Grings ein Jazzer unter den Performancekünstler:innen. Das Spielbudenfestival ist am ganzen Wochenende kostenlos. Nach der Show gibt es aber bei allen Künstler:innen den Hut, bei dem die Besucher:innen angehalten sind, sich monetär für die Show zu bedanken.

Spielbudenfestival, 22. bis 24. Juli 2022 auf dem Spielbudenplatz

Spektrum & Vogelball

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Der Vogelball braucht keine Erklärung, man muss ihn erleben (Foto: Andreas Hornoff)

Am 6. August gibt es auf dem MS Dockville-Gelände gleich zwei kleine Festivals mit großer Strahlkraft. Das Line-up des neunten Spektrum Festivals deckt wieder alle Facetten des HipHop und Rap ab. Musikalisch bewegt sich das Festival dabei zwischen Tradition und Grenzüberschreitungen. Mit dabei sind neben „Badmómzjay“ auch „Ezhel“, „Gianni Suave“ und der Hamburger „Disarstar“.

Parallel zum Spektrum gibt es 2022 auch wieder den Vogelball. Zu elektronischen Klängen versammeln sich seit 2011 Menschen als Vögel verkleidet auf dem MS Dockville-Gelände zum queeren Maskenball. Mit einem Programm aus Tanz, Musik und performativen Interventionen ist der Vogelball eines der wichtigsten Events der queeren Szene in Hamburg, 2022 unter anderem mit dem „ArtEmiss Tanz-Kollektiv“, „Best Boy Electric“ und „Godford“. Also setzt die Masken auf und freut euch auf einen Raum jenseits binärer Grenzen.

Vogelball und Spektrum, am 6. August 2022 auf dem MS Dockville-Gelände

Internationales Sommerfestival Kampnagel

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Das Internationale Sommerfestival Kampnagel macht den August zum Kulturmonat (Foto: Anja Beutler)

„We are back!“ heißt es auf der Homepage des Sommerfestival auf Kampnagel. Wie für viele Festivals feiert auch das Sommerfestival der Kulturfabrik in Winterhude nach der Corona-Pause sein Comeback, und was für eins! Los geht es am 10. August mit einer Weltpremiere: Die Choregrafin Oona Doherty präsentiert mit „Navy Blue“ ihr neuestes Werk mit weiteren Vorführungen am 11. und 13. August. Natürlich gibt es beim internationalen Sommerfestival auch Musik. Neben den Konzerten von „Arooj Aftab“ und „Jochen Distelmeyer“ gibt es 2022 auch wieder eine Kooperation des Sommerfestivals mit dem Elbphilharmonie Sommer.

Internationales Sommerfestival Kampnagel, 10. bis 28. August 2022 auf Kampnagel

Elbphilharmonie Kultursommer

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Ein Highlight beim Elbphilharmonie Sommer: Shabaka Hutchings (l.) mit den Sons of Kemet (Foto: Udoma Janssen)
Sons of Kemet

Im Rahmen der Kooperation vom Internationalen Sommerfestival Kampnagel und dem Elbphilharmonie Sommer sind die Berlinerin „Joy Denalane“ (14. August) und die international gefeierte Band „Sons of Kemet“ (17. August) rund um den Saxofonisten Shabaka Hutchings im Großen Saal der Elbphilharmonie zu Gast. Doch damit nicht genug: Der Elbphilharmonie Sommer, dass sind ingesamt drei Wochen Pop, Jazz und Klassik.

Den Auftakt macht am 10. August die Jazzlegende „Kenny Barron“ mit seinem Quintett. Es folgen Musiker wie der Pianist „Jason Moran“ (21. August) und internationale Top-Orchester wie das „Cleveland Orchestra“ (31. August und zum Abschluss am 1. September), das „Philadelphia Orchestra“ (29. und 30. August) oder das „Pittsburgh Symphony Orchestra“ (24. und 25. August). Nicht fehlen darf beim Elbphilharmonie Sommer die Filmmusik. 2022 werden die beiden Stummfilm-Klassiker „Phantom“ (12. August) und „Fräulein Else“ (11. August) mit Live-Musik begleitet. Einige Konzerte des Elbphilharmonie Sommers werden auch wieder live auf großer Leinwand auf dem Vorplatz der Elbphilharmonie zu sehen sein.

Elbphilharmonie Sommer, 10. August bis 1. September 2022 in der Elbphilharmonie

Wutzrock

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Wutzrock, das ist gute Musik, tolle Stimmung und nette Menschen am Eichbaumsee (Foto: Wutzrock)

Erstmals 1979 gab es Musik umsonst und draußen am Eichbaumsee in Hamburg-Allermöhe. Jetzt ist das legendäre Wutzrock Festival nach der pandemiebedingten Pause wieder zurück. Am 12. und 13. August gibt es dann wieder Musik und vor allem gute Laune in Hamburgs Südosten. Nach dem Motto „Kultur von allen für alle“ ist das Wutzrock traditionell umsonst. Allerdings gibt es in diesem Jahr eine klare Festivalbegrenzung und keine Möglichkeit zum Übernachten.

Neben diesen neuen Regelungen haben die Macher:innen auch schon erste Acts bekannt gegeben. Neben Punk aus Thüringen mit „Kornblumenblau“ und dem sechsköpfigen Bordsteinkantenorchester „der Katze & die Hund“ sind auch „Mono & Nikitaman“ am Start. Das verspricht neben Punk & Ska auch richtig guten Dancehall-Reggae auf dem Wutzrock 2022.

Wutzrock, 12. und 13. August 2022 am Eichbaumsee in Hamburg-Allermöhe

Dockville

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Das MS Dockville Festvial: Immernoch ein Klassiker in besten Hafenatmosphäre (Foto: Axel Schilling)
Tash Sultana bei ihrem MTV Unplugged

Vom 19. bis 21. August 2022 findet das MS Dockville Festival zum 14. Mal statt. Neben den „AnnenMayKantereit“ als Headliner begrüßen die Macher:innen 2022 unter anderem auch die Australierin „Tash Sultana“. Mit ihr kommt genre-übergreifender und internationaler Glanz zum Dockville. Spielte die 26-jährige Multiinstrumentalistin vor ein paar Jahren noch auf den Straßen Melbournes, füllt sie mittlerweile die großen Arenen und vor Kurzem wurde ihr sogar die Ehre eines eigenen MTV Unplugged zu Teil – das Album zum Konzert erschien am 3. Juni 2022.

Neben Tash Sultana geben sich mit den „Leoniden“ auch echte Lokalmatadore die Ehre. Erst im letzten Sommer hat die Kieler Indie-Rock-Band mit „Complex Happenings Reduced to a Simple-Design“ ihr aktuelles Album veröffentlicht, dass sogar zeitweise auf Platz 1 der Albumcharts kletterte. Neben dem Dockville Festival gibt es auch noch mehr Kunst und Musik auf dem Gelände in Wilhelmsburg. So findet vom 23. Juli bis 7. August das MS Artville Festival statt und zum Saisonabschluss kann sich Wilhelmsburg auf „Meute“ freuen. Die international gefeierte Band kommt am 4. September 2022 aufs Dockville-Gelände.

Dockville, 19. bis 21. August 2022 auf dem MS Dockville-Gelände

Norden Festival

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Sonne, Wasser und gute Musik: das NORDEN-Festival 2022 (Foto: Lucas Martens)

Sonne, Stand und Festival, diese wohl nahezu eingartige Kombination findet sich beim NORDEN – The Nordic Arts Festival in Schleswig. Das Festival bietet traditionell Künstlern aus Hamburg, Schleswig-Holstein und den skandinavischen Nachbarländern eine Bühne und das 2022 schon zum vierten Mal. Dabei sucht das Das Ambiente des Norden sucht fraglos seinesgleichen. Schließlich wird am idyllischen Strand des Ostseefjords Schlei gefeiert.

An drei aufeinanderfolgenden Wochenenden bietet das Festival ein einzigartiges Kulturprogramm. Neben Lesungen, Slams, einem Filmprogramm, Theater und vielen weiteren Aktivitäten steht beim NORDEN Festival natürlich die Musik im Vordergrund. Mehr als 40 Bands geben sich auf den zwei Konzertbühnen die Ehre. Darunter sind neben Die Sterne, Cäthe und Danube’s Banks auch erstmals Bands aus den Niederlanden wie The Cool Quest.

NORDEN – The Nordic Arts Festival, vom 25. August bis zum 11. September 2022 (immer an den Wochenenden von Donnerstag bis Sonntag)
Wichtig: Das NORDEN ist kein Campingfestival, eine Anreise per Bahn oder Shuttlebus wird empfohlen

Müssen alle mit

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Direkt im Grünen: das „Müssen alle mit“-Festival, 2022 mit dem Headliner Meute (Foto: STADE Marketing und Tourismus GmbH)

Erstmals fand das „Müssen alle mit“-Festival 2013 im Stader Bürgerpark statt. 2022 ist es nach einer pandemiebedingten Pause nun wieder zurück. Am 27. August stehen dann neben Husten, der Band bestehend unter anderem aus Gisbert zu Knyphausen und Moses Schneider (dem Produzenten von Tocotronic, den Beatsteaks und anderen), und dem Team Schiesse auch Meute auf der Bühne im Bürgerpark. Neben dem Konzert auf dem Dockville-Gelände in Hamburg-Wilhelmsburg ist es der einzige Auftritt der Band im Norden Deutschlands im Sommer 2022.

Müssen alle mit-Festival, am 27. August 2022 im Stader Bürgerpark


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Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

„Das hat Hamburg noch nicht gesehen!“

Das erste internationale Spielbudenplatzfestival lockt im Juli mit Straßentheater auf den Kiez. Initiator und Schmidts Tivoli-Geschäftsführer Corny Littmann knüpft damit an die Historie des Platzes auf St. Pauli an

Text: Sören Ingwersen

 

Corny, seit wann schlummert die Idee in deinem Kopf, ein Spielbuden Festival auf die Beine zu stellen?

Die Idee, Straßentheater in Form eines Festivals auf dem Spielbudenplatz zu veranstalten, ist schon sehr alt. Wir haben ja vor etwa 15 Jahren schon mal eines gemacht, da war der Spielbudenplatz noch eine Sandfläche. Nur stellte sich immer die Frage, wie so etwas überhaupt organisatorisch und finanziell gestemmt werden kann.

Es gibt doch die Spielbudenplatz Betreibergesellschaft …

Diese Gesellschaft führt mit knapp 30 Angestellten tatsächlich alle Veranstaltungen auf dem Spielbudenplatz durch, bei denen aber kein Eintritt erhoben werden darf. Das ist ein schönes Ansinnen, aber welcher Künstler kommt schon ohne Gage nach Hamburg?

Vor über zwei Jahren habe ich meine Stiftung gegründet, die jetzt 100.000 Euro für das Festival zur Verfügung stellt. Für die notwendigen organisatorischen Corona-Maßnahmen unterstützt uns die Stadt zusätzlich mit 30.000 Euro.

Heißt das, Künstler, die sonst im Schmidt Theater und im Schmidts Tivoli auftreten, sind jetzt auf dem Spielbudenplatz zu erleben?

Im Gegenteil. Straßentheater ist eine ganz eigene Kunstform. Es wird für die Straße konzipiert und kann in der Regel auch nur dort stattfinden. Unser künstlerischer Leiter Bernd Busch ist selbst ein sehr erfahrener Straßentheaterkünstler mit vielen Kontakten zu Kollegen im In- und Ausland, die er für unser Festival gewinnen konnte. Insgesamt treten 25 Künstler und Gruppen auf, die – mit Ausnahme von „Die Buschs“ – in Hamburg noch nie zu sehen waren.

Kannst du ein paar Namen nennen?

Ein herausragendes Beispiel ist die spanische Gruppe Cia la Tal, deren Bühne ein aufgeklappter Lkw ist. Diese Mischung aus visuellem Theater, Magie und Clownerie ist der schiere Wahnsinn. Das hat Hamburg in der Form noch nicht gesehen!

 

Die Schaubude

 

Im Zentrum des Festivals steht eine Schaubude. Da denken viele jetzt wahrscheinlich an eine Unterhaltungssendung im Fernsehen. Die hat damit aber nichts zu tun … 

Einige erinnern sich vielleicht noch an die Schaubuden auf dem Dom vor zuletzt zehn oder fünfzehn Jahren. Da preist ein Ausrufer Kuriositäten an, wie „Die Frau ohne Unterleib“, und lockt das Publikum für ein 20-minütiges Programm in ein kleines Theater mit Holzbänken. Diese Schaubuden waren früher auf allen Volksfesten vertreten. Heute ist die Schaubude von Dominik Schmitz die letzter ihrer Art in Deutschland. Sie wurde übrigens in Elmshorn von der Firma Köhler Fahrzeugbau gefertigt und bietet normalerweise Platz für rund 150 Zuschauer. Neben der Kuriositäten-Show laufen dort auch andere gemischte Programme.

Corny Littmann wurde bundesweit bekannt durch die Schmidt Mitternachtsshow in den frühen Neunzigern; Foto: Stefan Malzkorn

Corny Littmann wurde bundesweit durch die Schmidt Mitternachtsshow in den frühen Neunzigern bekannt (Foto: Stefan Malzkorn)

Ein dunkles Kapitel der Schaubuden waren ja die sogenannten Freakshows, in denen Menschen mit körperlichen Fehlbildungen den voyeuristischen Blicken der Zuschauenden dargeboten wurden. Muss man sich Sorgen machen, wenn bei euch Sensationen wie „Die Spinnenfrau“ oder „Die Frau ohne Kopf“ angekündigt werden?

Überhaupt nicht. Das sind ja alles nur Tricks. Es gibt keine Freakshow oder kleinwüchsigen Menschen, die zur Schau gestellt werden.

Wollen wir kurz über das leidige Thema Corona sprechen?

Der Ablauf wird von uns unter den heutigen Bedingungen vorbereitet. Wir erwarten, dass wir zu einem bestimmten Zeitpunkt nur eine bestimmte Menge von Menschen auf dem Platz zulassen können. Es wird also Tickets mit einem wohl dreistündigen Zeitfenster für den Ein- und Auslass geben. Die können vorab kostenlos über das Internet erworben werden. So bekommt man im Verbund mit einem Corona-Schnelltest – etwa von „Corona Freepass“ nebenan – Zugang zum Platz. Anfang Juli wird das alles definitiv festgelegt und unter www.spielbudenfestival.de kommuniziert.

Für Essen und Trinken ist sicher auch gesorgt …

Dafür ist die Betreibergesellschaft zuständig.

Eigentlich sollte die Festival-Premiere ja schon im letzten Jahr stattfinden, musste aber wegen Corona verschoben werben. Konnte das Programm trotzdem beibehalten werden?

Fast alle Künstler, die wir im letzten Jahr dabei haben wollten, werden auch dieses Jahr dabei sein.

 

Viele Highlights

 

Auf welche Künstler können wir uns denn noch freuen?

Auf die klassische Seiltänzerin Silea aus Berlin und einen irischen Straßenclown: Shiva Grings. Der ist einfach toll, weil seine Programme vollständig improvisiert sind. Jede Show ist anders und hängt von der Reaktion des Publikums ab. Es gibt eine Clowns-Frau mit dem schönen Namen Anna de Lirium und „Das kleinste Varieté der Welt“ mit normalerweise nur vier bis sechs Zuschauern im Zelt und einer sehr witzigen zehnminütigen Show. Wir überlegen noch, wie wir das unter den Corona-Bedingungen anbieten können.

Außerdem wird Roc Roc-it bei uns auftreten. Er ist der Punk unter den Straßenkünstlern, spielt viel mit Feuer, spickt sein Gesicht mit Wäscheklammern und durchsticht sich die Wangen. Das ist ein total schräger und ausgeflippter Typ.

Eine Puppenspielerin und ein Papierreißer stehen auch in der Ankündigung … 

Wir haben darauf geachtet, dass möglichst viele Künstler eine Verbindung zur Tradition herstellen. Das Papierreißen ist ja eine sehr alte Kunstform. So wollen wir auch an die Geschichte des Spielbudenplatzes anknüpfen, wo es solche Attraktionen in Spielbuden ja schon vor über 200 Jahren gab. Hagenbeck hat mit einer Show mit Seehunden dort angefangen.

Außerdem gibt es in Hamburg seit den 1970er-Jahren das „Alstervergnügen“, das anfangs eines der größten Straßentheaterfestivals in Deutschland war. Heute ist nur noch die Gastronomie übrig geblieben. Diese Traditionen wollen wir wiederbeleben.

Macht ihr den historischen Bezug für die Besucher auch transparent?

In der Konzeption für das letzte Jahr war das vorgesehen. Da hatten wir schon mit Mitarbeiterinnen des Sankt Pauli Museums gesprochen, die uns Stellwände zur Verfügung stellen wollten, auf denen die Geschichte des Platzes dargestellt wird. Nun gibt es das Museum leider nicht mehr, und unsere kleine Mannschaft wäre mit einer solchen Dokumentation überfordert. Ich hoffe aber, dass wir diese Idee in einem der nächsten Festivals wieder aufgreifen können.

Das heißt, es wird noch weitere Spielbudenplatzfestivals geben?

So ist die Planung. Wir treten jetzt mit der Stiftung sozusagen in Vorleistung und hoffen auf so viel positive Resonanz, dass wir für das nächste Jahr verschiedene Unternehmen oder private Sponsoren gewinnen können, die die Finanzierung übernehmen.

Spielbudenfestival: 23.–25. Juli 2021


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Peppi: „Ich lebe seit 30 Jahren auf der Reeperbahn“

Tagein, tagaus wirbeln knapp zwei Millionen Menschen durch Hamburg. Begleitet von hvv switch fischen wir sie für einen Moment aus ihrem Alltag und lauschen ihren Geschichten. Im Juni 2021 sind wir Peppi begegnet.

Protokoll: Max Nölke

 

„Mich kennt hier jeder. Ich lebe seit 30 Jahren auf der Reeperbahn. Ich habe gesehen, wie sie das Schmidt Theater neu gebaut haben, den Abriss vom Schwimmbad am Spielbudenplatz und wie die Esso Tankstelle verschwand. Ich habe das alles aus erster Reihe erlebt. Sogar die Polizisten kenne ich alle. Und sie mich. Ich glaube, ich bin ganz schön kompatibel, kann mich gut unterhalten. Mehr zwar nicht. Aber das reicht doch fürs Erste.

1969 bin ich geboren, meine Mutter hat mich 1971 an eine Adoptivfamilie abgegeben. Ich hatte Angst vor ihnen, weil sie mich geschlagen haben. Also bin ich abgehauen und auf der Straße gelandet. Meiner richtigen Mutter habe ich irgendwann verziehen. Meinen Adoptiveltern nie.

Das Leben auf der Straße ist okay, die Leute mögen mich. Momentan schlafe ich in der U3. Irgendwann kommt Hilfe. Das sage ich mir zwar seit einer Ewigkeit, aber ich glaube immer noch dran. Manchmal kam die Hilfe auch schon, aber dann habe ich wieder irgendeinen Fehler gemacht. Neulich hatte ich einen Job, da habe ich für “Zwischenstopp Straße” gearbeitet. Dann habe ich was getrunken, jetzt sitze ich wieder hier. Sie haben mir daraufhin Dante weggenommen, meine französische Bulldogge. Bevor ich Dante bekommen habe, hatte ich einen Hund, der 17 Jahre bei mir gelebt hat. Sie war meine beste Freundin, immer an meiner Seite. Bis sie vor ein paar Jahren eingeschläfert werden musste.

 

Mit zwei Shetland Ponys an der irischen Küste

 

Meinen ersten Hund habe ich 1978 bekommen, ich weiß es noch genau, das war der schönste Tag in meinem Leben. Er hieß Asta, ich war neun und Asta war mein erster wirklicher Freund. Zu der Zeit habe ich noch bei meinen Adoptiveltern im Sauerland gelebt. Ich war jeden Tag mit Asta im Wald und er hat mir ein Gefühl gegeben, als würde er mich in den Arm nehmen und sagen „Ey Peppi, es ist alles gut!“

Aber wirklich gut ist es nur dann, wenn ich träume. Dann stelle ich mir vor, zwei Shetland Ponys zu haben und mit ihnen an der irischen Küste zu leben. Eins links, eins rechts und ich liege dazwischen im Gras. Mehr möchte ich gar nicht. Ich würde keinen Menschen vermissen, denn ganz ehrlich: Ich mag sie nicht. Es gibt tolle Menschen, aber ich kann mit ihnen nicht umgehen. Bei mir wurde eine posttraumatische Belastungsstörung festgestellt. Und obwohl ich mitten auf der Reeperbahn sitze, mich die Leute alle kennen, meine Brüder und Schwestern mich in den Arm nehmen, habe ich eine unheimliche Angst vor ihnen. Ich weiß, dass das paradox ist, aber ich habe so eine Angst vor Gewalt, das kannst du dir gar nicht vorstellen.

Dabei weiß ich ja eigentlich, dass mir keiner etwas tut. Ich tue ja auch keinem etwas. Vor mir braucht keiner Angst zu haben. Weil ich so groß und vielleicht manchmal auch ein bisschen komisch bin, haben das manche. Die meisten wissen aber, wie nett ich bin. Deswegen akzeptieren sie mich. Wollen wir noch eine rauchen, bevor du gehst?”


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Rindchen schlemmt – im Freudenhaus St. Pauli

Freudenhaus St. Pauli: wenn Hausmannskost, dann hier, findet unser Kolumnist.

Bisweilen, in meinem Falle muss ich allerdings einräumen recht selten, gelüstet es mich in dieser Stadt mit ihrer faszinierenden kulinarischen Internationalität und Vielfalt nach urdeutschen Genüssen. Behenden Schrittes steuere ich dann gern die Qualitätsgaststätte „Freudenhaus“ an, welch selbige von ihrem bezaubernden Betreiber Matthias Storm nunmehr schon seit über zwei Dezennien souverän durch die wechselnden Zeitläufte gesteuert wird.

Inmitten des tobenden Kiezlebens und auch auf Schusters Rappen nur ein Minütchen vom Spielbudenplatz entfernt sitzt man hier auf gemütlichen, rot gepolsterten Bänken und verzehrt behaglich vorzüglich zubereitete Hausmannskost, vorwiegend aus Produkten stolzer Landwirte der näheren Umgebung. Mit dem Thema „Vorspeisen und Salate“ setzen wir uns hier nicht auseinander, denn die Größe der Hauptgerichte ist magen- und abendfüllend und auf verdiente Werktätige beispielsweise aus dem Gerüstbauwesen oder dem Schmiedehandwerk ausgelegt.

Aromensatte Rindsrouladen, Rostbraten und Kalbsschnitzel

Mein Leibgericht sind die ungemein aromensatten, sehr zarten Rindsrouladen „Lilo Wanders“ mit Speck und Gurken gefüllt, leckerster Sauce und hinreißenden Speck-Petersilienklößen (19,50 Euro). Ich rate zur Steigerung des Genusses jedoch dringlichst dazu, im Zuge der aufpreisfrei offerierten Beilagenänderung den eigentlich ausgelobten Rotkohl durch die frisch gemachten, knackigen Speckbohnen zu ersetzen, die hauptberuflich dem ebenfalls vorzüglichen Zwiebelrostbraten mit Portwein-Rosmarinsauce und Butterspätzle beiwohnen (24,50 Euro). Das Kalbsschnitzel „Kalle“ besticht mit seiner schieren Größe von 300 Gramm, unterfangen von guten Bratkartoffeln und sehr leckeren, knackfrischen Blattsalaten, verfügte aber beim letzten Besuch über eine etwas introvertiert gewürzte Panade.*

Das Thema „Desserts“ umschiffen wir aus den nämlichen Gründen wie die Vorspeisen und widmen uns spornstreichs der ausschließlich mit deutschen Gewächsen bestückten, sehr erfreulichen Weinkarte. Schon der ausgezeichnete trockene Hausriesling, 2017 St. Paulianer Freudenschlüpfer, ist eine veritable Erzeugerabfüllung aus dem Oeuvre des Mosellaner Kultwinzers Ernie Loosen und schlägt mit äußerst fairen 21,50 Euro zu Buche (0,2-Glas 7,50 Euro, aber die Flasche ist schnell leer). Für 32 Euro gibt’s den fulminanten, diamantenklaren 2016er Riesling „Mineral“ von Emrich-Schönleber und für 41,50 Euro ein veritables Großes Gewächs, den 2015 Winkeler Jesuitengarten von Wegeler. Ein Wein, der im Handel auch schon 29 Euro kostet – das ist echt okay. Namedropper können sich in der roten Abteilung für 32,50 Euro (Schoppen 10,50 Euro) am „Black Print“ von Markus Schneider delektieren.

So findet hier ein jeder etwas, und einem lustvollen Abend der etwas anderen Art im Auge des Kiezorkans steht nichts mehr im Wege.

* Was will uns der Künstler damit sagen? Nun, kleiner Tipp: Was fängt mit „f“ an und reimt sich auf „Panade“?

Text: Gerd Rindchen

Freudenhaus Restaurant und Bar: Hein-Hoyer- Straße 7-9 (St. Pauli), www.stpauli-freudenhaus.de



Gerd Rindchen im Rindchen's Weinkontor. Foto:

Gerd Rindchen im Rindchen’s Weinkontor.

Gerd Rindchen ist Gründer von Rindchen’s Weinkontor. Seit 25 Jahren verkostet er Weine nach dem Prinzip „Bestes Preis-Genuss-Verhältnis“. In der SZENE HAMBURG wendet er dieses Prinzip jeden Monat auch auf die Küchen dieser Stadt an.


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Oktober 2018. Das Magazin ist seit dem 29. September 2018 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich!


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Rindchen schlemmt – Man Wah

Niemals müde wird unser Kolumnist Gerd Rindchen von den chinesischen Spezialitäten des Restaurants Man Wah mitten auf St. Pauli.

Zu meinen bevorzugten Stätten der Einkehr zählt gefühlt seit der Jungsteinzeit das Man Wah. Hier findet vom experimentierfreudigen Hobby-Foodhunter bis hin zum traditionellen Entenesser ein jeder richtig tolle, authentisch zubereitete chinesische Spezialitäten – in einem zudem recht humanen Preisbereich. Eine klasse Art im Man Wah zu essen ist, sich mit Mehreren querbeet zahlreiche Spezialitäten aus der umfangreichen Vorspeisen- und Dim-Sum-Karte zu bestellen.

Da locken keck die gedämpften Teigtaschen mit Garnelen und Lauch gefüllt, sehr empfehlenswert sind die pikanten Reisteigrollen mit Schweinefleisch (die mit Rinderhack schmecken dagegen eher öde), knusprig kommen die gebackenen Wan Tans mit Garnelen daher, unverzichtbar sind die herzhaften, gegrillten Schweinerippchen und, ja, lecker sind auch die legendären marinierten Hühnerfüße, zu denen ich schon manch zögernde Zeitgenossen bekehrt habe.

Das Man Wah sorgt für neue Geschmackserfahrungen und spannende Entdeckungen

All diese geschmacklich völlig eigenständigen Spezialitäten schlagen mit 3,60 bis 4,20 Euro zu Buche und vier bis fünf pro Nase reichen locker, um satt zu werden. Aber auch die klassische Ente wird hier schulmäßig zubereitet. Tipp: Immer die Variante mit Knochen wählen, die ist einfach viel saftiger.

Richtig spannend wird es, wenn die Kellner die ausschließlich auf Chinesisch offerierten Gerichte von der Tageskarte übersetzen, die vorwiegend der Chinese als solcher hier am Nachbartisch verzehrt. Da gibt es immer wieder aufregende Entdeckungen, die völlig neue Geschmackserfahrungen offenbaren.

Weinmäßig ist es im Man Wah nicht so prall: Es gibt einen preiswerten, offenen chilenischen Chardonnay, der trinkbar ist und nicht blind macht. Ansonsten halt Gerstenkaltschale. Drin und drumherum tobt bis um Zwei in der Früh das pralle Kiezleben. Und wer schon um die Mittagszeit den zweifelhaften Shabby Chic des Spielbudenplatzes auf sich wirken lassen möchte, bekommt für um die 7 Euro eine breite Auswahl leckerer Mittagsgerichte.

Genießerherz, was begehrst du mehr?

Man Wah, Spielbudenplatz 18 (St. Pauli), Telefon 319 25 11



Gerd Rindchen im Rindchen's Weinkontor. Foto:

Gerd Rindchen im Rindchen’s Weinkontor.

Gerd Rindchen ist Gründer von Rindchen’s Weinkontor. Seit 25 Jahren verkostet er Weine nach dem Prinzip „Bestes Preis-Genuss-Verhältnis“. In der SZENE HAMBURG wendet er dieses Prinzip jeden Monat auch auf die Küchen dieser Stadt an.


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, September 2018. Das Magazin ist seit dem 30. August 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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