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Livestream-Konzert: Hamburgerin Zoe Wees

Die Hamburger Sängerin Zoe Wees präsentiert ihr erstes Livestream-Konzert via YouTube

Text: Felix Willeke

 

Am 27. März 2020 wurde die erste Single von Zoe Wees, „Conrtrol“, veröffentlicht und hat bis heute über 43 Millionen Views auf YouTube. Jetzt gibt die Hamburger Sängerin ihr erste Livestream-Konzert am 1. Juli 2021 um 19 Uhr auf ihrem eigenen YouTube-Kanal.

 

 

Das Konzert schließt an die Veröffentlichung ihrer zweiten Single „Girls like us“ an und gibt zusammen mit der EP „Golden Wings“ einen Vorgeschmack auf ihre Europa Tournee ab März 2022, die am 19. April 2022 mit einem Konzert in Hamburg endet.


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Kurzes Vergnügen: Kurzfilm Festival Hamburg startet

Nachdem im vergangenen Jahr das Kurzfilm Festival zunächst verschoben und dann abgesagt werden musste, gibt es in diesem Jahr eine digitale – und teilweise analoge – Veranstaltung mit vielen spannenden Einsichten

Text: Marco Arellano Gomes

 

Die gute Nachricht: Das 37. Kurzfilm Festival (1.–7. Juni) findet wieder statt, wenn auch vorwiegend digital. Nachdem es im vergangenen Jahr erst verschoben und dann ausfallen musste, ist es ein Lichtblick in der Welt der Hamburger Filmfeste. „I am because we are“ („Ich bin, weil wir sind“) lautet das Motto. Es ist eine Anlehnung an Ubuntu, jener südafrikanischen Philosophie der Verbundenheit, Menschlichkeit, Nächstenliebe – und dies erscheint nach der langen Zeit des Social Distancing mehr als passend.

 

Drei Wettbewerbe – 92 Kurzfilme

 

„Kultur ist einer der entscheidenden Motoren, der die Gesellschaft zusammenhält, heißt es auf der Festival-Website. Und dazu gehören eben auch Kurzfilme, die in kürzester Zeit Verständnis schaffen, Perspektiven eröffnen und Gedanken provozieren. Digital? Analog? Hauptsache gemeinsam! Die insgesamt 92 Kurzfilme treten wie bekannt in den drei Wettbewerben an: dem Internationalen, dem Deutschen und Dreifachen Axel (Filme mit maximal drei Minuten). Die Preisverleihung hat einen Gesamtwert von 19.000 Euro.

Besonders ins Auge fällt ein optisch an den Film „Mad Max“ angelehnter Animationsfilm mit dem Titel „Mad Mask: Fury Roll“, in dem eine Klorolle in einer Wüste vor einer Horde Menschen mit Einkaufswagen und auf Motorrädern fahrenden Corona-Kugeln davonläuft. Das ist nicht nur visuell brillant, sondern auch zum Totlachen komisch. So langsam beginnt sie also, die Verarbeitung der vergangenen Monate. Auch die Filmemacher kommen in Online-Videos ausführlich zu Wort.

 

Ein buntes Programm

 

Die Sektion „Labor der Gegenwart“ bietet drei Schwerpunkte: „Gestimmtheiten – Das Kino und die Gesten“, „Afrotopia – In the Sense“ und die „Hamburger Positionen“, die sich den Kulturräumen und der Stadtentwicklung zwischen Utopie und Wirklichkeit widmen. Welche Möglichkeiten und Grenzen haben Kunst und Kultur, aktiv Einfluss auf die Stadtentwicklung zu nehmen? Dieser Frage wird – exemplarisch an den Stadtteilen Diebsteich und Grasbrook – nachgegangen.

Highlight ist eine Diskussion, an der unter anderem Oberbaudirektor Franz-Josef Höing teilnimmt, moderiert von Christoph Twickel („Die Zeit“). Das „Archiv der Gegenwart“ wiederum gewährt Einblick in die kritischen Perspektiven kanadischer Filmschaffender und den Schwerpunkt auf dem Werk der Avantgardekünstlerin Joyce Wieland. Zudem bietet das „Open Space“ die Installation „Dance to the End of Love“ von Akram Zaatari. Je nach Infektionsgeschehen, wird die Ausstellung „Open Space“ im ehemaligen Heizkraftwerk auf dem Postgelände am Kaltenkircher Platz für Besucher und Besucherinnen geöffnet sein. Für den Besuch wäre eine Anmeldung erforderlich.

 

 

Das Kurzfilm Festival Hamburg gehört zu den renommiertesten und wichtigsten Kurzfilmfestivals Europas und findet seit 1986 statt. Auch das Mo&Friese Kinder Kurzfilm Festival (30. Mai–7. Juni) findet in diesem Jahr als Teil des Kurzfilm Festival Hamburg online statt und richtet sich an ein junges Publikum von 4–18 Jahren. In den drei Wettbewerben des jungen Programms Neon (ab 14 und 16 Jahren) erleben Zuschauer und Zuschauerinnen Energie, Raserei, Mut, Toleranz, Rückzug, Party, Protest, Aktion, Freundschaft, Provokation und Utopie. Das Ganze ist selbstredend äußerst kurzweilig.

festival.shortfilm.com | moundfriese. shortfilm.com


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juni 2021. Das Magazin ist seit dem 29. Mai 2021 im

Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Das Leben ist ein Wunschkino!

Die Zeise Kinos erwachen als erstes Hamburger Programmkino aus dem Corona-Lockdown und starten das „Wunschkino“. Auch das Freiluftkino ist in Planung.

Text: Isabel Rauhut

 

Ein Kinosaal, ganz für sich alleine? Das geht: Die Zeise Kinos bieten ab Freitag, 28. Mai, das „Wunschkino“ an! Dann kann einer der Kinosäle angemietet, aus einem Angebot von 161 Filmen gewählt und alleine oder als Gruppe mit maximal 50 Personen auf der 60 Quadratmeter großen Leinwand das Kinoerlebnis gefeiert werden. Wie wäre es mit Thomas Vinterbergs „Der Rausch“? Oder dem Oscar-prämierten „Nomadland“? Das ganze Filmangebot und die geltenden Hygienemaßnahmen gibt’s hier.

Während des Lockdowns hat das Zeise eine neue Tonanlage in den Sälen eingebaut – es gibt also besten Dolby 7.1.-Sound in der neuesten Generation.

Kindervorstellungen starten ab 70 Euro für bis zu zehn Personen und Erwachsenenvorstellungen bei 150 Euro für bis zu 15 Personen. Wer sich nach dem Kinoerlebnis sehnt, schreibt eine Mail mit Wunschfilm, Datum, Uhrzeit und Personenanzahl an info@zeise.de.

 

Indoor- und Outdoor-Kinobetrieb

 

Ab spätestens 1. Juli soll auch der reguläre Indoor-Kinobetrieb starten – mit drei Oscar-Filmen: „Nomadland“ (Start: 1.7.), „Minari – Wo wir Wurzeln schlagen“ (Start: 8.7.) und „Der Rausch“ (Start: 22.7.). Außerdem haben die Planungen für das Zeise Open Air 2021 begonnen – ebenfalls ab dem 1. Juli soll das Freiluftkino im Innenhof des Altonaer Rathaus wieder möglich sein.

zeise.de


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Metropolis+: Programmkino als Stream

Das Metropolis Kino bietet einen virtuellen Kinosaal an

Text: Marco Arellano Gomes

 

Das von Filmliebhabern geschätzte Metropolis Kino bietet ab 22. April einen virtuellen Kinosaal an. Metropolis+ heißt das Onlineportal und zeigt zeitlose Filmklassiker, aktuelle Filmperlen, aber auch Hintergrundgespräche mit den Filmemachern.

Monatlich sollen sechs bis zehn neue Titel gezeigt werden, kuratiert, wöchentlich ergänzt und in thematischen Reihen wie „Hamburg im Film“, „Tage des Exils“ und „Kinohighlights des vergangenen Jahres“ geordnet. Auch Sneak Previews wird es geben. Nutzerinnen und Nutzer des Portals unterstützen das aufgrund der Corona-Krise noch immer geschlossene Kino. Das Mieten eines Filmes kostet 3,50 Euro, es werden auch vergünstigte Abos angeboten.

metropoliskino.de


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Streaming-Show: „Einer kommt, alle machen mit 2021“

„Einer kommt, alle machen mit 2021“ geht in die nächste Runde!

Text: Anna Meinke

 

Genau ein Jahr nach dem ersten Solidaritäts-Nicht-Festival startet MenscHHamburg eine neue Hilfsaktion für Kulturschaffende: „Einer kommt, alle machen mit 2021“ geht in die nächste Runde! Denn Unterstützung kann die krisengeschüttelte Kulturszene noch immer gebrauchen.

Hamburger Kulturorte wie das Molotow, das St. Pauli Theater und die Markthalle werden ab dem 12. Mai zur Bühne für namhafte Künstler, Autoren und Schauspieler – und das alles ganz ohne Live-Publikum. Die Spendeneinnahmen der Streaming-Show gehen direkt an Hamburger Kulturschaffende. Mit dabei im bunten Programm sind unter anderem Älice von Chefboss, Bjarne Mädel und Ina Müller. Tickets gibt’s hier.

 


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Top 5: Events über Ostern in Hamburg

Ostern 2021 findet im kleinsten Kreis und mit nächtlicher Ausgangssperre, aber tollen digitalen und Corona-konformen Events in Hamburg statt. Die schönsten Fünf gibt’s hier:

Text: Anna Meinke

 

Freitag, 02.04. | Party | DJ Love Force | OHA Music

Um die Fahne für die DJ- und Clubkultur hochzuhalten, sendet OHA! Music regelmäßig freitags wechselnde DJ Sets in die Wohnzimmer. Am 2. April gibt’s ein spannendes Line-Up mit Nappy G, DJ Suro, ARI (Assoto Sounds), Buzz T, DJ Direction & O-LEE 47. Club-Feeling garantiert! Übrigens: Mit Soli-Tickets kann man die beteiligten DJs unterstützen und ihnen durch diese schwere Zeit helfen.

OHA Music
2.4.2021, 20 Uhr

 

Samstag, 03.04. | Theater | Wolken.Heim. | Schauspielhaus

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Foto: Matthias Horn

Der 1993 von Elfride Jelinek verfasste Theatertext „Wolken.Heim.” ist ein bedrückend aktuelles Stück: Auf der Suche nach deutscher Identität entwickelt ein „Wir“ eine nationalsozialistische Rhetorik, die vor allem in der aggressiven Ausgrenzung Fremder mündet. Regisseur Jossi Wieler hat den Text in sechs Stimmen aufgeteilt und beeindruckt mit einer Inszenierung im genialen Bühnenbild. Im Schauspielhaus-Stream zu sehen.

Deutsches Schauspiehaus
3.4.2021, 20 Uhr

 

Sonntag, 04.04. | Theater | Megazorn 2: Psychological Warfare | Ernst Deutsch Theater

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Foto: Oliver Fantitsch

„Sexy Theater Menschen“ präsentieren mit „Megazorn 2: Psychological Warfare“ den zweiten Teil einer Trilogie über unsere Gegenwart: Um die neoliberalen Werte unserer Marktdemokratie zu verteidigen, reist Agent Wow um die Welt und findet heraus – siehe da – destruktive Phänomene wie Megazorn und Wutboy sind nicht auf dem Hindukush zu finden. Sie sind Phänomene der Aufklärung und es gibt sie überall. Seine Weltanschauung bekommt Risse. Wie also nun die Welt retten?

Ernst Deutsch Theater
4.4.2021, 19 Uhr

 

Sonntag, 04.04. | Tanz | Online-Bauchtanz | Über den Tellerrand

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Foto: Gianluca Carenza via Unsplash

Hips don’t lie! An alle Mädels: Die Initiative „Über den Tellerrand Hamburg“ lädt Mädchen und Frauen ein, an ihrem Online-Bauchtanz-Workshop teilzunehmen. Gemeinsam mit den Kursleiterinnen Raneem, Rama und Mandy werden verschiedene Körperbewegungen gelernt und ein traditionell arabischer Tanz geübt. Vorkenntnisse sind nicht notwendig, auch Anfängerinnen sind herzlich willkommen. Anmeldung unter anmeldung.hh@ueberdentellerrand.org.

Über den Tellerrand
4.4.2021, 14-16 Uhr

 

Montag, 05.04. | Open Art | WASSER – Rudi Sebastian | Überseeboulevard

Wasser_Ausstellung_Rudi Sebastian

Auf dem Überseeboulevard kann man noch bis zum 7. April die Fotografien des Naturfotografen Rudi Sebastian bestaunen, der auf seinen Reisen die interessante und mystische Welt des Wassers dokumentierte. Die Open Art-Ausstellung „WASSER” stellt unser Lebenselixier ins Zentrum der Aufmerksamkeit und zeigt rund 50 beeindruckende Aufnahmen von Seen und Meeren an kuriosen Orten.

überseequartier-nord.de


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Corona in Hamburg: Kultur im Käfig

Seit fast einem Jahr leiden die Kulturbetriebe unter den Coronabeschränkungen. Nach den Lockerungen im Sommer wurden sie im Herbst wieder geschlossen – doch der künstlerische Betrieb läuft vielerorts eingeschränkt weiter

Text: Sören Ingwersen

 

Die Welt werden nicht gleich untergehen, wenn die Theater mal ein paar Monate geschlossen sind, ließ Kampnagel-Intendantin Amelie Deuflhard jüngst verlauten. Die Schauspiel-, Opern- und Konzerthäuser stehen derzeit zwar vor ihrer größten Herausforderung der Nachkriegszeit. Aber kann die Kunst an Herausforderungen nicht auch wachsen? Keine attraktive These in einer Zeit, in der der direkte Faden zwischen Schauspielern und Publikum radikal durchtrennt ist, in der die kulturellen Räume, in denen gesellschaftliche Debatten unter künstlerischen Vorzeichen öffentlich geführt werden, schmerzlich fehlen und in denen nicht zuletzt viele Kreativschaffende in eine existenzbedrohende finanzielle Schieflage geraten.

 

Menschenleere Säle

 

Ein gruseliges Panorama – wie jene menschenleeren Säle, Räume, Gänge und Treppenhäuser des Deutschen Schauspielhauses, die derzeit als Filmkulisse für die Online-Streaming-Serie „Haus der Geister“ dienen: In kurzen Episoden entfesseln einzelne Ensemblemitglieder einen Spuk, von dem nach altem Aberglauben vorzugsweise verlassene Theatergebäude heimgesucht werden. Wie auf den Internetseiten des Thalia Theaters, der Staatsoper oder Kampnagel sind auch abendfüllende Aufführungen als Stream abrufbar, im November gab es sogar eine Online- Premiere: Ödön von Horváths „Geschichten aus dem Wiener Wald“. Hier ließ Regisseurin Heike M. Goetze vermummte Menschen auftreten, die ihre sozialen Distanzen nicht überwinden können. Kommt einem irgendwie bekannt vor.

Und zwischen den beiden Lockdowns? „Ab Anfang Mai hatte ich Proben für die Saisoneröffnung ,Reich des Todes‘, und ab da lief es für mich fast wieder normal“, berichtet Ensemblemitglied Markus John. „Nach der Sommerpause hatte ich dann in kurzer Zeit mit den Wiederaufnahmen schon wieder sieben, acht Stücke laufen, nur dass eben sehr viel weniger Zuschauer im Saal sitzen durften und dass die Vorsichtsmaßnahmen auf und hinter der Bühne eine große Rolle spielten.“

 

„Nicht frei und normal-menschlich“

 

Noch stärker – aufgrund der kleineren Räumlichkeiten – schlugen die Sicherheitsvorkehrungen in den Privat- und Off-Theatern zu Buche. „Man spürte, dass man in eine Art Käfig gestellt wurde, und dadurch nicht frei und normal-menschlich auf der Bühne agieren konnte“, erinnert sich Mezzosopranistin Feline Knabe an ihre Proben zu „Carmen“ am Allee Theater. Auf der engen Bühne blieb den Liebenden nichts anderes übrig, als sich „wie Tiger auf Abstand“ zu umkreisen, wobei die Sängerinnen und Sänger auch dem mit nur drei Musikern besetzten Orchestergraben nicht zu nahekommen durften.

In Händels Barockoper „Alcina“ verzichtete man ganz auf eine Inszenierung, ließ die drei Sänger einzeln mit ausgewählten Arien auftreten, während Lutz Hoffmann als Erzähler durch die Handlung führte. In der Vorweihnachtszeit wollte man dann Humperdincks „Hänsel und Gretel“ auf die Bühne bringen: „Als der Lockdown losging, waren wir gerade mit den Proben fertig. Wir waren voller Enthusiasmus, endlich loszulegen. Dann wurde der Premierentermin gestrichen.“ Für Knabe, die hier als Hexe im Einsatz war, eine doppelte Enttäuschung: „Meine sechsjährige Tochter spielte den Engel. Sie war so aufgeregt und wollte so gerne vor Publikum auftreten. Dass es dann keine Aufführung gab, war für sie ganz schwer zu akzeptieren.“

Schwer umzusetzen waren die Hygienevorschriften auch von den räumlich noch begrenzteren Off-Theatern. Umso mehr zeugt es von künstlerischer Leidenschaft, wenn etwa das Theater das Zimmer als kleinstes Theater der Stadt seinen Spielbetrieb im September mit vier Inszenierungen wieder aufnahm, wobei die regulären 40 Sitzplätze auf 12 reduziert wurden und auf der winzigen Spielfläche bis zu drei Darsteller den Mindestabstand einhalten mussten.

 

Digitaler Raum

 

Das Lichthof Theater konnte dagegen während der Pandemie seinen Zuschauerkreis sogar erweitern. „Wir haben schon den ersten Lockdown genutzt, um mit dem #lichthof_lab Schritte in den digitalen Raum zu machen und Projekte entwickelt, die speziell für dieses Format entstanden sind“, erzählt Matthias Schulze-Kraft, der künstlerische Leiter des Hauses. Mit dem Hilfsprogramm des Bundes „Neustart Kultur“ habe man die nötige Streaming-Technologie angeschafft, sodass auch für die Zeit der Corona-bedingten Theaterschließungen Projekte ausgeschrieben und realisiert werden konnten.

Als virtuelle Bühne und digitaler Experimentierraum bietet das #lichthof_lab Streams und Live-Streams von Veranstaltungen und Gesprächsrunden mit Künstlern etwa zum Thema „Theater, Digitales und Präsenz“. Das Lichthof Theater möchte mit seinem digitalen Angebot nicht bloß einen medialen Ersatz für das Live-Erlebnis im Theatersaal schaffen, sondern die ästhetisch-theatralen Möglichkeiten des Digitalen selbst ins Blickfeld rücken. Mit Erfolg: Die Online-Aufführung von Jane Austens Klassiker „Stolz und Vorurteil“ wurde von Zuschauenden aus ganz Deutschland und weltweit sogar bis nach Kanada begleitet: „Nur noch 30 Prozent der Tickets wurden in Hamburg verkauft. Das heißt, unser kleines Haus erweitert sich gerade enorm, und wir haben die Möglichkeit, unsere Produktionen einer viel größeren Öffentlichkeit zu zeigen.“

Auch bei der vorübergehenden Wiedereröffnung der Theater im Herbst wurde das Streaming-Angebot des Lichthof Theaters genutzt. Während bis zu 30 Leute im Zuschauerraum saßen, haben zeitgleich bis zu 120 Zuschauerinnen und Zuschauer das Bühnengeschehen online verfolgt. Das neue virtuelle Foyer soll zudem eine Plattform bieten, auf der Zuschauende sich austauschen und im Anschluss an den Live-Stream die beteiligten Künstler treffen können.

Das parallele Angebot von Präsenztheater und Online-Übertragung möchte Schulze-Kraft über Corona hinaus beibehalten, wobei die Digitalisierung auch neue Möglichkeiten der Theatervermittlung biete. Vielleicht kann man tatsächlich sagen, das Lichthof Theater sei an der Krise gewachsen. Trotzdem erwartet man auch hier sehnlich den Moment, an dem der Corona-Spuk ein Ende hat und sich die realen Theatertüren wieder öffnen. Schließlich ist und bleibt Theater vor allem eines: ein Ort der körperlichen Nähe und Begegnung.


SZENE-März-2021 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, März 2021. Das Magazin ist seit dem 26. Februar 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Karsten Schölermann: „Konzerte können immer stattfinden“

Das Forum Veranstaltungswirtschaft will Konzerte auch während Corona möglich machen. Sechs Risikostufen sollen dabei helfen. Kurze Nachfrage bei Mit-Initiator Karsten Schölermann, Geschäftsführer des Knust

Interview: Erik Brandt-Höge

 

SZENE HAMBURG: Karsten, sechs Risikostufen sieht das „Manifest Restart“ vor, die abhängig vom Inzidenzwert bestehen. Bedeutet das: Jedes Konzert könnte stattfinden?

Karsten Schölermann: Richtig. Konzerte können immer stattfinden. Wir können sie mit Schnelltests ganz normal ausverkauft mit Publikum durchführen oder ganz und gar ohne Publikum als Stream. Dazwischen haben wir auch Lösungsvorschläge. Es geht um die richtigen Einschränkungen zur richtigen Zeit.

Im „Manifest Restart“ findet man auf die jeweilige Situation angemessene Einschränkungen. Wer viele Maßnahmen ergreift oder vorhält, darf auch mehr machen. Kurz: Förderung von Maßnahmen, statt Förderung von Stillstand. Und: Testen, testen, testen. Deutschland liegt weltweit nur im Mittelfeld bezüglich der Anzahl von Tests. Auch hier können wir mit einem sogenannten „Test & Rock“, also Schnelltests vor dem Konzertbesuch, helfen.

Welches Feedback bekommt ihr derzeit von Seiten des Senats für „Manifest Restart“?

Wir als LiveKomm (Bundes-Clubverband; Anm. d. Red.) haben das Konzept unseren Landesverbänden gegeben – und setzen nun darauf, dass diese es in ihren Bundesländern in die politische Debatte einspeisen. Hier in Hamburg gelingt das mit dem Clubkombinat Hamburg ganz gut.

 

Teil der Lösung

 

Mit den Senatoren Carsten Brosda und Andreas Dressel haben wir Empathie-begabte und gleichwohl schlaue Ansprechpartner. Ich habe den Eindruck, dass unsere Vorschläge es mühsam, aber stetig in die regionalen Verwaltungen schaffen werden.

Wir sind nicht das Problem – wir sind Teil der Lösung. Das haben wir schon letzten Sommer bewiesen, als wir in der ganzen Stadt Corona-gerechte Sitzkonzerte unter anderem auf dem Knust Lattenplatz veranstaltet haben. Es gab keine einzige nachgewiesene Infektion. Und das ist das Maß, um das es am Ende geht. Wir sind kein Treiber der Pandemie. Wir müssen die Gesellschaft wieder zurück ins Licht bekommen.


SZENE-März-2021 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, März 2021. Das Magazin ist seit dem 26. Februar 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Plattenkünstler Ludwig Mausberg streamt bei YouTube

Der DJ und Produzent Ludwig Mausberg streamt seit Sommer über seinen YouTube-Kanal. Mit SZENE HAMBURG spricht er über hohe Reichweiten, den Austausch in Pandemiezeiten und Kommerz. Die Corona-Hilfen kritisiert er scharf

Interview: Ole Masch

 

SZENE HAMBURG: Ludwig, wie erlebst du als DJ die Pandemie?

Ludwig Mausberg: Für mich ist das Nachtleben ein integraler Bestandteil meines Lebens. Im Moment kann ich dort nicht auflegen und viele soziale Kontakte sind weggebrochen. Die sind für mich als Künstler aber sehr wichtig, da ich dadurch Inspiration bekomme. Austausch mit anderen Leuten hat eine Auswirkung auf die Musik. Das geht nicht nur mir so.

Wir alle brauchen diesen Austausch. Trotzdem sehe ich ein, dass die Beschränkungen notwendig sind. Es schränkt ein, aber wir müssen sie in Kauf nehmen, damit es besser wird.

Wann hast du das letzte Mal vor Leuten aufgelegt?

Das war zur „Little Deeper“-Party, Mitte Februar im Pudel. Es frustriert mich sehr. Seit ich 13 bin gehört es für mich dazu, mit Leuten, die im Raum sind, Musik zu teilen. Es ist keine Brosche, die einem vom Revers gerissen wird und für die man Ersatz bekommt. Es ist etwas, wofür ich 20 Kilometer wegen eines Kabels durch den dunklen Wald gelaufen bin, nur um es möglich zu machen.

Es bedeutet für mich die Welt. Aber da diese Welt kostbar ist, ist sie schützenswert. Deswegen ist es ist gut, sich jetzt zurückzuziehen, damit es nicht das letzte Mal gewesen sein wird, dass man miteinander Musik erlebt hat.

Was hat sich noch für dich verändert?

Ich habe sehr große finanzielle Einbußen. Zum Glück habe ich eine Anstellung als Radkurier bei Thomas i Punkt. Die haben mich von Anfang an unterstützt und nicht hängengelassen. Großer Respekt dafür. Das machen nicht alle Unternehmen. Trotzdem fehlt mir eine Menge Geld vom Auflegen und Live-spielen.

Zu den klassischen Solo-Selbstständigen zählst du also nicht?

Seit drei, vier Jahren nicht mehr. Das hängt ein bisschen damit zusammen, dass ich dabei bin, unser Label The Crate als GbR aufzubauen und dort alles hinein investiere. Also noch einen Job habe, um hundert Prozent zu geben.

 

Nicht gewünscht, nicht gedacht

 

Konntest du irgendwelche Hilfen in Anspruch nehmen?

Natürlich habe ich davon gehört, aber als ich mir das richtig angeschaut habe, waren es im Prinzip alles Hilfen für Leute, die vorher schon finanziell gut aufgestellt waren. Ich möchte auch nichts hinterhergeworfen oder geschenkt bekommen und habe erarbeitet, was mir gehört.

Welche Unterstützung hättest du dir gewünscht?

Richtige Hilfen für richtige Künstler. Leute, die schon alles haben und in der Künstlersozialkasse nie Probleme hatten, die brauchen diese Scheißunterstützung nicht. Ich bin wirklich wütend, denn diese Hilfen greifen für die wenigsten und sind nur für diejenigen gedacht, die sowieso durchkommen.

Musiker, die wirklich ihre eigene Vision durchboxen wollen, können sich in dieser Verwertungsgesellschaft nicht aufstellen. Das ist nicht gewünscht und nicht gedacht. Man muss den ganzen Kommerz mitmachen und das ist armselig.

Was bräuchte es stattdessen?

Einen Twist der öffentlichen Wahrnehmung. Dass Musiker wieder dort gesehen werden, wo sie sind. Ganz viel im Nachtleben, mit zig Knochenjobs nebenbei und es trotzdem nicht reicht. Musiker, die alles geben, weil sie es irgendwie schaffen wollen und komplett hinter ihrer Sache stehen.

Und dann sieht man irgendwelche Bratzen, die seit einem halben Jahr auflegen, bei diesen ganzen konstitutionellen Sachen mitgemacht haben und die dann die Hilfen abbekommen. Das finde ich verachtenswert und enttäuscht mich sehr. Nicht nur als Künstler, sondern auch auf menschlicher Ebene.

 

Wegbrechende Verbindlichkeiten

 

Nimmst du auch etwas Positives aus dieser Zeit mit?

Ja, ganz viel! Es ist ein starkes Bewusstsein dahingehend entstanden, was wir aneinander haben. Und wie man miteinander Musik macht. Zum Beispiel hat sich die Studioarbeit sehr verändert. Weil keiner weg kann.

Vorher waren wir im Zeitalter der wegbrechenden Verbindlichkeiten. Jeder hat ein Telefon und kann fünf Minuten vorher mit irgendeinem triftigen Grund absagen. Jetzt gibt es keine triftigen Gründe mehr. Alle waren pünktlich und man hat einfach für drei Stunden etwas gemacht, weil da draußen nichts ist, was man verpassen kann.

Glaubst du, das bleibt?

Ich glaube, dass die Leute ein bisschen mehr Erfahrung mit sich selbst gesammelt haben und merken, was ihnen wichtig ist. Die Reduktion führt vor Augen, dass sich viele früher oft nur unterhalten lassen wollten. Aber menschliches Leben ist dafür zu schade.

Ich will aktiver Teil der Unterhaltung sein. Und ich habe die große Hoffnung, dass es einigen Leuten genauso ergangen ist und sie diese Gedankengänge in die Tat umsetzen, um irgendetwas mit ihrer Zeit zu machen.

Ist so auch die Idee für deinen YouTube-Kanal entstanden?

Nicht ganz. Den Kanal habe ich mit einem Freund ins Leben gerufen als wir 17 waren. Wir haben dort Underground HipHop aus den USA hochgeladen, um sie mal bei Freunden abzuspielen und damit sie überhaupt im Internet vorhanden ist.

 

 

Wir waren damals schon DJs. Ich bin morgens aufgestanden und so wie andere Computer spielten, habe ich stundenlang nach rarer Musik gegraben. Seit Corona nutze ich diesen Kanal zum Streamen von zu Hause oder aus verschiedenen Plattenläden.

Die Abrufzahlen einiger Videos gehen bis weit über die Millionen. Wie erklärst du dir diesen Zuspruch?

Damit, dass wir damals die ersten waren, die diese unbekannten HipHop- Tracks in sehr hoher Qualität hochgeladen haben. Wir sorgten damit für konstant gute Musik, die für eine hohe Zuschauerschaft anders nicht verfügbar war. Und da hängt sicher irgendein Algorithmus dahinter, wo man öfter vorgeschlagen wird, umso länger man dabei ist. So kamen wir irgendwann überall hin.

Wie nutzt du diese Reichweite?

Wir haben den Kanal gerade von Boobacrazy in Deeper umbenannt. Er heißt jetzt wie die Partyreihe unseres Labels. Wir können darauf hinweisen, was wir hier für Musik spielen. Also alle unterschiedlichen Genres, nicht nur HipHop. Auch weil es viele internationale Booking-Anfragen gibt.

Wir wollen dort, wenn es wieder losgeht, unsere Partys streamen und die Zuhörerschaft auf Spotify oder anderen Diensten erweitern, sodass Künstler von unserem Label dort regelmäßig Musik veröffentlichen können.

Ich arbeitete gerade mit der Sängerin Zariah an einer Veröffentlichung in Richtung Soul und Disco. Und eine House-Platte ist auch so gut wie fertig.

Lohnen sich solche Abrufzahlen auch finanziell?

Die monetären Möglichkeiten sind begrenzt. Ich mache damit null Geld. Aber die anderen sind viel besser, nämlich mit Leuten in den bereits erwähnten Austausch zu kommen. Wenn sich den Stream einige Tausend Leute anschauen, dann geben sie mir direktes Feedback und man spürt die Liebe und was es ihnen bedeutet.

Viele sind selbst im Lockdown und für sie ist Musik einfach eine Notwendigkeit, um diese Zeit mental irgendwie zu überstehen. Musik war auch für mich immer eine Therapie im Leben. Wenn ich anderen damit etwas geben kann, werde ich es sofort machen.

Livestream jeden Sonntag 17–20 Uhr

 

Gebt euch hier den Stream für den 17.01.2021:

 


Cover_SZ0121 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Januar 2021. Das Magazin ist seit dem 22. Dezember 2020 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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