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Lilly: „Du darfst anders sein“

Tagein, tagaus wirbeln knapp zwei Millionen Menschen durch Hamburg. Wir fischen sie für einen Moment aus ihrem Alltag und lauschen ihren Geschichten. Diese Woche sind wir Lilly begegnet.

Protokoll: Max Nölke

 

„Mir wurde immer gesagt, als blondes Mädchen hast du’s ja nicht so mit Mathe, du solltest mal lieber ins Marketing gehen. Das habe ich tatsächlich erstmal gemacht. Um dann recht schnell zu merken, dass es gar nicht so meins ist. Mittlerweile bin ich Informatikerin, also mache Programmierung und so’n Kram. Hättest du nicht gedacht, oder?

Ich arbeite in einer Agentur und studiere nebenbei. Es ist eine gute Zeit zum Lernen, glaube ich. Im Sommer habe ich das Jagen für mich entdeckt. Wenn man sich mal damit befasst, bekommt man einen ganz anderen Blick auf Mensch und Tier, obendrein sehr viel Respekt gegenüber der Umwelt und ein Bewusstsein für den Fleischkonsum. Ich esse wirklich wenig Fleisch und wenn, für den Genuss. Wenn du aber alle drei Monate auf die Jagd gehst und ein Tier erlegst, hast du davon theoretisch monatelang was. Es wird 95 Prozent davon verwertet und du weißt, wo es herkommt.

Bislang bin ich nur mit einem Jäger mitgegangen und habe nicht selbst geschossen, will nächstes Jahr aber meinen Jagdschein machen. Manchmal bin ich eben ein kleiner Weirdo. Trotzdem: Jagen ist mal was anderes und eine Tradition, die verfällt. Was für ein Baum ist das? Welcher Vogel singt da? Das sind alles Sachen, die sollte man nicht so versickern lassen. Daher hat mich das Jagen interessiert. Es ist wie bei der IT: Keiner will’s machen, deshalb mache ich das.

 

Ist doch alles chico

 

Vielleicht hätte ich in meinem Leben ein bisschen früher auf mich selbst hören sollen. Ich habe zwar früh gecheckt, was ich will und was nicht, aber mit 13, 14 denkt man sich seinen Teil und geht trotzdem mit der Menge mit. Ab 20 merkt man dann: ‘Ach ganz ehrlich, ich mach’s auf meine Art.’ Und plötzlich erkennst du, dass das auch gut klappt.

Überprüf einfach ab und zu deinen eigenen Kompass, hör auf dein Bauchgefühl und deine Moral und dann sollte das Grundlegendste im Leben schon klar gehen. Ich finde, du darfst auch anders sein als das Gros, darfst andere Musik hören, einen anderen Job machen, anders aussehen. Solange du ein guter Mensch bist, ist doch alles Chico.“


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Isa: „Du bist für dein Glück zuständig“

Tagein, tagaus wirbeln knapp zwei Millionen Menschen durch Hamburg. Wir fischen sie für einen Moment aus ihrem Alltag und lauschen ihren Geschichten. Diese Woche sind wir Isa begegnet.

Protokoll: Max Nölke

 

„Früher war nicht alles besser – es war alles anders. Was bringt es dir, ständig zurück zu schauen? Genauso wenig ist es sinnvoll, den Blick immer Richtung Zukunft zu richten. Nein, ich finde, man ist dazu verpflichtet, sich selber glücklich zu machen. Und zwar hier und jetzt. Auch mit 81 Jahren.

Meine Mutter ist früh gestorben und ich habe mein erstes Kind verloren. Heute habe ich ein Kind und drei Enkeltöchter, die alle in ihren Zwanzigern sind. Fürs Studium leben nun alle drei in Hamburg. Das macht mich zu einem wunschlos glücklichen Menschen. Manchmal sitzen wir bei mir zu Hause, machen bis nachts um zwei Uhr Musik und dann sagt eine von ihnen: ‚Nirgends ist’s so schön wie bei dir, Oma‘.

Da fällt mir ein, es gibt dieses Lied von Herbert Grönemeyer: Sekundenglück. Und es stimmt einfach, was er darin singt. Glück besteht nicht aus immerwährenden Dingen wie Reichtum oder sonst einem Tralala. Es besteht aus Momenten. Du machst morgens um zehn vor sechs das Fenster auf und da singt ein winziger Vogel mit einer unglaublichen Power. Dann stelle ich mir vor, wie viele Leute das gerade hören und sich das gleiche denken wie ich.

 

Von nichts abhängig

 

Wenn du glücklich werden willst, bist nur du selbst dafür zuständig, das kann kein anderer. Bei mir hat es 45 Jahre gedauert, bis ich das verstanden habe. Aber ich erinnere mich noch an eine Situation, in der mir das bewusst geworden ist. Es ist eigentlich eine unspektakuläre Geschichte: Da war ein Freund von mir, wir wohnten im selben Haus und er sagte: ‚Wenn du mir erzählst, was ich heute anziehen soll, dann nehme ich dich in meinem Auto mit‘.

Ich habe mich drauf eingelassen und ihm bei der Krawattenauswahl geholfen, dann hat er mich in seinem Wagen herumgefahren. Und plötzlich habe ich gemerkt, dass ich gar nicht in diesem Auto sitzen möchte. Ich wollte den Weg viel lieber laufen, weil ich wusste: Um diese Uhrzeit geht in der Straße um die Ecke immer die Sonne auf. Da ist mir zum ersten Mal wirklich bewusst geworden, dass ich von nichts abhängig bin. Erst recht nicht von irgendeinem scharfen Sportwagen.“


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Digitale Helfer: Apps zum Studienstart

Neue Stadt, neue Leute, Klausurenstress und kaum Kohle auf dem Konto – der Studienstart kann oft unübersichtlich werden. Das Handy ist der Retter: Wir stellen euch fünf Apps vor, die den Uni-Alltag leichter machen

Text: Sophia Herzog 

 

Stadtrad

Das Fahrrad ist kaputt und der Bus gerade abgefahren – auch in einer Großstadt wie Hamburg wird die Reise von A nach B manchmal kompliziert. Zum Glück gibt es in Hamburg inzwischen an fast jeder Straßenecke eine Stadtrad-Station, an der sich registrierte Kunden ein Fahrrad ausleihen können. In der App wird angezeigt, wo in der Nähe noch eines der roten Räder verfügbar ist, die Ausleihe erfolgt ebenfalls über das Smartphone – im schicken, neuen Design ist die App übersichtlich gestaltet und funktioniert reibungslos. Teuer ist die Stadtrad-Nutzung nicht: Studenten zahlen eine Jahresgebühr von fünf Euro, bei einer Registrierung wird derselbe Betrag als Startguthaben angerechnet. Die ersten 30 Minuten der Fahrt sind sogar kostenlos.

Fazit: Auch, wenn das eigene Rad im Keller steht – eine Mitgliedschaft bei Stadtrad lohnt sich, um für alle Eventualitäten vorbereitet zu sein. Der Service ist günstig, die Räder meistens in sehr gutem Zustand und die App leicht zu bedienen.

stadtrad.hamburg.de; Preis: kostenlos, Fahrrad-Nutzung kotenpflichtig;
Betriebssystem: Android, iOS

 

Clubplan

Von den Kneipen auf dem Hamburger Berg bis hin zu den Techno-Schuppen unter der Sternbrücke – Hamburg hat eine vielfältige Clublandschaft, die Studierenden zuverlässigen Ausgleich zum stressigen Campus-Leben bietet. Um einen guten Überblick über die vielen Angebote zu bekommen, lohnt sich ein Blick in die App des Clubkombinats: Der Verein ist seit 16 Jahren die wichtigste Interessenvertretung der Hamburger Clubbetreiber. Auf Clubplan werden alle Termine der Mitglieder in einer praktischen Übersicht gesammelt. Mit dabei sind unter vielen anderen zum Beispiel das Docks, Fundbureau, Grünspan oder Knust. Die Veranstaltungen lassen sich einfach nach Datum, Genre, Art der Veranstaltung oder Location filtern und für später speichern.

Fazit: Für Musik-Fans ist die App des Clubkombinats fast schon Pflicht: Clubplan sammelt alle wichtigen Infos in einer App, sodass niemand mehr an der Frage verzweifeln muss, wo es denn heute Abend hingehen soll.

app.clubkombinat.de; Preis: kostenlos; Betriebssystem: Android, iOS

 

UHH mobile

Acht Fakultäten, über 170 Studiengänge, 40.000 eingeschriebene Studierende – die Universität Hamburg ist eine der zehn größten Hochschulen Deutschlands. Dieses Labyrinth aus Vorlesungssälen und Seminarräumen kann ganz schön unübersichtlich werden. Die hauseigene App der Uni Hamburg soll Hilfestellung leisten: Auf einer übersichtlichen Karte der Stadt sind alle wichtigen Orte verzeichnet. Wer zum Beispiel das Uni-Café Knallhart sucht, gibt den Namen einfach in die Suche ein und kann gleich die entsprechende Route abrufen. Für Studierende, die einen besonders guten Überblick bekommen möchten, wird die App bei einer Campus-Tour zum digitalen Fremdenführer. Außerdem aufgelistet werden in der App wichtige Kontaktinformationen und die aktuellen Speisepläne aller Hamburger Mensen.

Fazit: Mit Campus-Karte und Mensaplänen eine praktische Orientierungshilfe – für erfahrene Studierende, die sich auskennen, hält die App allerdings wenig andere brauchbare Funktionen bereit.

uni-hamburg.de; Preis: kostenlos; Betriebssystem: Android, iOS

 

StudySmarter

Wenn die Klausurenphase ansteht, fangen viele Studenten an zu schwitzen. Denn: Lernen muss gelernt sein. Wichtig sind dabei vor allem eine gute Struktur und sortierte Materialien. Dafür gibt es inzwischen einige digitale Tools – eins davon ist die App StudySmarter. In die Smartphone-App und die passende Desktop-Anwendung können Studierende ihre Vorlesungsskripte hochladen und sich daraus Zusammenfassungen und digitale Karteikarten erstellen. Der Algorithmus lernt beim Abfragen sogar, welche Infos schon sitzen und welche vielleicht noch öfter wiederholt werden sollten. Die Lernmaterialien lassen sich einfach mit Freunden teilen, außerdem existieren für viele große Hochschulen bereits Lernmaterialen, auf die Nutzer zugreifen können – auch für die Uni Hamburg.

Fazit: Die vielen Funktionen von StudySmarter wirken zu Beginn etwas überwältigend – wer sich einmal in die App eingefuchst hat, kann aber viel aus ihr herausholen. Großer Pluspunkt: Über die App hat man alle Lernmaterialen an einem Speicherort und damit gut im Blick. Nur auswendig lernen muss man noch selbst.

studysmarter.de; Preis: kostenlos; Betriebssystem: Android, iOS

 

ZenJob

Am Ende des Monats richtig knapp bei Kasse? Nicht verzweifeln: Über die Plattform ZenJob können sich Studierende kurzfristig Minijobs in Unternehmen suchen, die flexibel Personal suchen. Nach der Anmeldung müssen die Studis zwar zum persönlichen Gespräch im Unternehmenssitz in Hamburg vorbeikommen, danach läuft aber alles digital ab. Wer gerade Bedarf hat, bekommt über die App Vorschläge für Jobs aus den Bereichen Industrie, Handel, Logistik, Event und Messe. Meist ist keine Qualifikation nötig, wenn doch – beispielsweise ein Führerschein – dann wird die Arbeit auch etwas besser bezahlt. Ein Mindestlohn von elf Euro pro Stunde ist aber sicher. Je mehr Jobs die Nutzer zu der Zufriedenheit der Arbeitgeber erledigen, desto bessere Jobs werden angeboten. Die Menge der Arbeit ist flexibel. Über die Semesterferien mehr zu arbeiten oder in der Klausurenphase zu pausieren, ist also kein Problem.

Fazit: Wer über ZenJob Arbeit sucht, kommt schnell an sein Ziel – Anmeldung und Vermittlung der Jobs funktionieren gut. Und: Die Suche über ZenJob ist so flexibel, dass sie gut neben dem Studien-Stress zu bewältigen sind.

zenjob.de; Preis: kostenlos; Betriebssystem: Android, iOS


Cover_SZ1020 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Oktober 2020. Das Magazin ist seit dem 27. September 2020 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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