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Märchenhafter Roadtrip: Klaus Modicks „Fahrtwind“

Klaus Modicks „Fahrtwind“ ist eine heitere Ode an die Ehrgeizverweigerung. Ein Gespräch über Leistungs- zwänge im Kapitalismus, bewusstseinserweiternde Substanzen und über den Soundtrack der 1970er

Text & Interview: Ulrich Thiele

 

Über diese Interviewanfrage habe er sich besonders gefreut, sagt Klaus Modick. Denn in den 1980ern hat er selbst regelmäßig für die SZENE geschrieben. Im März 1984 erschien sein erster Beitrag – und zwar über Donald Duck. Titel: „Genie der cholerischen Wut“.

Ein Kritiker des Deutschlandfunk schrieb einmal treffend über Modick: „Seine Romane sind vielschichtig, geprägt von komplexen Motivverarbeitungen und literarischen Anspielungen, aber an der Oberfläche immer süffig und, wie man sagt, gut zu lesen.“

Das gilt auch für „Fahrt­wind“, seinen unbeschwerten Sommer­roman über einen jungen Mann in den 1970ern, der Musiker werden will. Auf seiner Reise nach Österreich und Italien verliebt er sich, gerät in ein geschickt ein­ gefädeltes Verwirrspiel und findet psyche­delische Pilze. Er hat einen berühmten Vorgänger: „Fahrtwind“ ist eine Aktuali­sierung von Joseph von Eichendorffs 1826 erschienener Novelle „Aus dem Leben eines Taugenichts“.

 

SZENE HAMBURG: Klaus Modick, findet man solche Pilze wirklich einfach so in Österreich auf einer Wiese?

Klaus Modick: Klar, Psilocybin-Pilze sind weltweit verbreitet, die findet man sogar in Hamburg – man muss nur wissen, wie sie aussehen. Falls Sie interessiert, was man damit so alles erleben kann, dann gucken Sie mal im Netz nach, wie die aussehen. Und wenn Sie das nächste Mal im Stadtpark sind, dann halten Sie die Augen offen. So eine kleine Pilzmahlzeit kann ich nur empfehlen, ist auch nicht so gefährlich wie LSD, wo Leute bei der falschen Dosis schon durchgedreht sind.

Bewusstseinserweiternde Substanzen, Musik, Reisen, Liebe, die 1970er – die Geschichte ähnelt stark Ihrem Leonard-Cohen-Buch, das letztes Jahr in der KiWi-Musikbibliothek erschien.

Das stimmt, die Bücher gehören irgendwie zusammen. Als ich bereits mit „Fahrtwind“ angefangen hatte, kam die Anfrage für das Leonard-Cohen-Büchlein. Damals hatte ich mich schon so in den Stoff vertieft, dass mir das parallel geriet. Sogar einer der selbst geschriebenen Songs kommt in beiden Geschichten vor.

 

Ironische Neuinterpretation

 

Und beide Erzähler begeben sich auf einen Roadtrip. Das Motiv hat es Ihnen angetan, oder?

Das würde ich so nicht sagen. „Fahrtwind“ ist ja eine ironische Neuinterpretation des Taugenichts. Eichendorffs Novelle ist sozusagen ein Roadtrip aus dem frühen 19. Jahrhundert, der wie gemacht ist für eine Übertragung in das Lebensgefühl der 1970er. Dass da einer sein Instrument nimmt und sagt: Ich haue ab, streife planlos durch die Welt und singe ein Lied drauf. Eichendorffs Protagonist zieht mit einer Geige durch die Welt, bei mir ist es eben eine Gitarre.

Alles in allem ist das für mich ein Märchen und wenn man will, auch ein Trip im psychedelischen Sinn. Es bleibt ja offen, ob alles, was er erlebt, nicht innerhalb der Rauschvorstellung durch die Pilze passiert.

Was gefällt Ihnen am „Taugenichts“? Die Ehrgeizverweigerung?

Auf jeden Fall, diese Grundhaltung ist mir sehr sympathisch. Ich habe das Motiv zugespitzt, aber schon Eichendorffs Taugenichts ist ein Prosperitätsverweigerer, der keine Lust hat mit zumachen. Der interessiert sich nur für Musik, Frauen und Poesie. Er will ein möglichst müheloses Leben haben, und arbeiten sollen die anderen.

Das ist eine freche, aber nicht ganz ungesunde Einstellung. Zu Eichendorffs Zeit war das eigentlich eine totale Provokation gegen den Leistungszwang im Frühkapitalismus, es wurde nur nie so wahrgenommen.

Könnte die Geschichte auch in unsere Gegenwart verlegt werden?

Ich bin mir sicher, dass ein junger Zeitgenosse das könnte. Aber ich bin 70, ich könnte nicht aufschreiben, wie eine jugendliche Ausbruchsfantasie verbunden mit der Atmosphäre dieser Zeit aussehen würde. In den 1970ern war ich so alt wie der Protagonist in „Fahrtwind“, deswegen konnte ich mich gut in ihn hineinversetzen.

Die Grundkonstellation ist aber nach wie vor da. Mein Lektor, der 30 ist, meinte gleich, dass das ein ganz aktueller Text sei. Weil der Leistungsdruck in seiner Generation mindestens genauso groß sei und er sich darin wiederfinden könne.

Ihr Roman ist gegenwärtig und gleichzeitg nostalgisch, woraus er keinen Hehl macht. Nostalgie ist ja eher verpönt, Sie scheint das nicht zu stören. Wie kommt’s?

Dass die Geschichte etwas Nostalgisches hat, finde ich tatsächlich absolut in Ordnung. Ich sehe diese Zeit positiv, trotz der Probleme, die es damals natürlich gab. Man könnte auch völlig anders über die 1970er schreiben, es war ja nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen und Blumen im Haar. Ich wollte aber ein positives Märchen schreiben über dieses Lebensgefühl und den dazugehörigen Soundtrack. Mein Buch ist noch viel stärker als bei Eichendorff durchtränkt von Musik: Leonard Cohen, die Beatles, der Soundtrack von „Easy Rider“.

Was macht die Musik dieser Zeit so besonders, dass Sie noch heute gehört wird und vermutlich noch in 100 Jahren gehört wird?

Gute Frage, die ich nicht genau beantworten kann: Was macht sie so haltbar? Es gab viel Musik aus der Zeit, die heute peinlich ist. Aber vieles ist stabil geblieben, als wäre es eine Blaupause für das Kommende gewesen.

Die Beatles waren eine musikalische Revolution, oder denken Sie an Gestalten wie Bob Dylan, der es ja nicht zu Unrecht bis zum Literaturnobelpreis geschafft hat. Da hat eine kreative Eruption der Gegenkultur stattgefunden, für die es viele Gründe gibt, einer davon ist sicher die Befreiung vom Muff der Nachkriegszeit.

Sie wollten selbst Musiker werden, ein Leonard Cohen auf deutsch. Was kam dazwischen?

Ach, ich habe schnell gemerkt, dass meine musikalischen Fähigkeiten nicht dem entsprechen, was ich selbst von guter Musik erwarte. Über gehobenes Amateurniveau wäre ich nicht hinausgekommen. Als Romanautor konnte ich mich besser entwickeln und bin in Dimensionen angekommen, von denen ich sagen würde, sie halten meinen Ansprüchen stand. Das konnte ich von der Art und Weise, wie ich Musik gemacht habe, nicht sagen. Aber Spaß gemacht hat’s trotzdem.

 

„Mein Widerstand drückte sich in Hedonismus, Musik und Poesie aus“

 

Wenn wir schon beim Autobiografischen sind: Im Vorwort erinnert sich der Erzähler an eine Seminar-Sprengung durch K-Gruppen im Philo-Turm der Uni Hamburg. Ging Ihnen das auch so, als Sie in Hamburg studiert haben?

Diese Eingangsszene hat so, wie ich sie beschreibe, nicht stattgefunden, aber sie hätte so stattfinden können. Ich habe diese sogenannten Seminarsprengungen bis zum Erbrechen erlebt, das war absolut ätzend.

Und ich habe auch wirklich ein Romantikseminar im Laufe meines Studiums absolviert. Deswegen entspricht die Szene ziemlich genau der Art und Weise, wie ich mich während des Studiums politisch eingenordet habe.

Mit diesen ganzen K-Gruppen und ihrer Weltrevolution konnte ich überhaupt nichts anfangen. Das heißt nicht, dass ich mit der herrschenden Gesellschaftsordnung einverstanden gewesen wäre. Mein Widerstand drückte sich eher in Hedonismus, Musik und Poesie aus.

Ihren Roman durchzieht auch eine ironische Lust am Klischee, die einerseits auf Distanz geht, aber auch sichtlich Sympathien hat. Was mögen Sie am Klischee?

Klischees sind undialektische Wahrheiten. In jedem Klischee steckt ein wahrer Kern, der peinlich wird, wenn er verabsolutiert wird. Deswegen muss man ihm immer etwas entgegenhalten, entweder einen Widerspruch oder eine Distanz. Denn wenn man sich dialektisch dazu verhält, dann funktioniert es eben doch. Dann ist die Wahrheit dieses Klischees ausgesprochen, aber nicht verabsolutiert.

Haben Sie ein Beispiel?

Es gibt ja diese Hippie-Parole, die auch von den Beatles hochgehalten wurde: „Love and Peace“. Im Grunde ist das natürlich ein fürchterliches Hippie-Klischee. Aber wenn ich innehalte und nachdenke, komme ich zu dem Schluss, dass das eigentlich doch genau das ist, was wir alle wollen. Ich halte das für eine existenziellere Parole als „Weniger Arbeit, mehr Geld“. Wenn man an zum Klischee gewordenen Aussagen kratzt und den Kern freilegt, dann geben sie noch immer sehr viel her.

Klaus Modick: „Fahrtwind“, Kiepenheuer&Witsch, 208 Seiten, 20 Euro


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Studierende in Zeiten von Corona: Konkurssemester

Cafés und Geschäfte zu, Veranstaltungen abgesagt, Kultur eingestampft: Die Corona-Krise hat auch Hamburgs Studierende hart getroffen, weil ihnen die Nebenjobs weggebrochen sind. Vielleicht gehen sie trotzdem als Gewinner aus der Krise

Text: Max Nölke

 

Zu viel Monat am Ende des Geldes: Wer studiert, kennt das Dilemma womöglich. Ausgereizter Dispo, von Nudeln mit Ketchup ernähren und durch einen minimalistischen Lebensstil die letzten Münzen wahren – um sich dann irgendwie über den Ersten des nächsten Monats zu robben. In der Rückschau auf die eigene Studienzeit lassen sich diese prekären Verhältnisse wunderbar verklären, gegenwärtig sind sie mitunter vertrackt, in einer Pandemie sogar äußerst brenzlig.

Viele Studierende befinden sich momentan in solch finanziellen Nöten. Und das ist ausnahmsweise mal nicht ihrer oft monierten Lethargie zuzuschreiben, sondern weil jungen Menschen im Lockdown reihenweise die Möglichkeiten weggebrochen sind, neben dem Studium Geld zu verdienen.

 

Von Verlierern und Verlierern

 

Lange schlichen die Studierenden ein wenig unter dem Radar durch die Corona-Krise. Es ist noch immer viel über die Kinder als Verlierer der Pandemie zu lesen. Weil ihnen entscheidende Monate in der Entwicklung genommen würden, weil sie die Bildungslücken mit dem wegfallenden Präsenzunterricht nicht wieder auffüllen könnten. Und weil Kinder in der Politik ja sowieso ständig zu kurz kämen.

Und wenn die Kinder es schon schwer haben, wie ist es dann erst um Erwachsene bestellt, die sich ihrer Existenz bedroht fühlen, die um ihre Jobs bangen müssen. Und die im Zweifelsfall auch noch das Familienleben samt Homeschooling meistern müssen. Und mit all den Unternehmen, die wegsterben, wollen wir erst gar nicht anfangen. Schlimm und Schlimmer. Und die Studierenden? Um die ist es erstaunlich lange still geblieben. Gut, Online-Vorlesungen und ewiger Mailverkehr sind nervig, aber ja wohl nicht existenzbedrohend, so hieß es. Doch der Ton ist mittlerweile ein anderer. Studierende gehören gleichermaßen zu den großen Verlierern der Krise.

 

Vor allem Studierendenjobs und Praktika brachen weg

 

Mal abgesehen vom emotionalen Wert, den ein Studium in seiner Ursprungsform mit sich bringen kann, sind es auf dem Arbeitsmarkt vor allem Studierendenjobs und Praktika, die im Lockdown weggefallen sind. Laut einer Analyse des Indeed Hiring Lab aus dem vergangenen Herbst sank die Anzahl an Stellenausschreibungen für Studierendenjobs auf dem Berufsportal „Indeed“ im September 2020 um 51 Prozent zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr. Inserate für Praktika brachen zeitweise um 45 Prozent ein. Der Gesamtarbeitsmarkt ist weniger stark betroffen: Hier lag der Rückgang der Stellenausschreibungen im September bei 21 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Dabei ist Hamburg im Deutschlandvergleich, zusammen mit Frankfurt, am stärksten betroffen. Über das Jobportal gab es in Hamburg im Vorjahresvergleich 56 Prozent weniger Stellenausschreibungen für Studierendenjobs (Frankfurt: 57 Prozent). „Auf Studierende wird in Krisenzeiten als erstes verzichtet, um zunächst die Stammbelegschaft sichern zu können“, sagt Annina Hering, Ökonomin im Indeed Hiring Lab, zu den Ergebnissen der Studie.

„Gerade die klassischen Studierendenjobs in der Gastronomie oder in der Kultur und Hotellerie sind weggefallen“, erklärt Daniela Janßen, Leiterin des Hochschul-Jobportals „stellenwerk“, das 2007 als Gemeinschaftsprojekt der Universität Hamburg, der HAW Hamburg und der Technischen Universität Hamburg gestartet ist.

Vor allem im ersten Lockdown Mitte März sei der Markt stark eingebrochen, mittlerweile habe sich vieles stabilisiert. Auch weil sich neue Jobmöglichkeiten aufgetan hätten. „Im Bereich der IT werden vermehrt studentische Hilfskräfte gesucht, Architekturbüros brauchen Personal, außerdem Einzelhändler, die verstärkt Online-Shops aufgebaut haben.“ Lieferdienste und Logistikunternehmen suchen händeringend Minijobber. Und auch private Nebenjobs, wie Nachhilfe, seien gefragt wie nie.

 

„Ich hatte nur noch sieben Euro auf dem Konto“

 

Mehr als 100.000 Menschen studieren in Hamburg. Einer von ihnen ist Jonas, 27 Jahre alt. Er steckt in den Endzügen seines Masters in Digitaler Kommunikation. Weil auch die Skatehalle I-Punkt Skateland am Berliner Tor im November ein zweites Mal in den Lockdown musste, hat er seinen Nebenjob verloren.

Jonas hat auf 450-Euro-Basis einmal die Woche in der Halle gearbeitet. Mit zusätzlich 400 Euro vom Bafög-Amt kam er damit immer ganz gut über die Runden, erzählt er. 450 Euro haben oder nichthaben: Die Abwägung stellte sich Jonas nie. Er ist auf den Nebenverdienst angewiesen. „Und plötzlich hatte ich am Anfang des Monats nur noch sieben Euro auf dem Konto“, sagt er. „Für die Miete musste ich meine Mutter anpumpen.“ Eine Rückendeckung, auf die nicht jeder zählen kann. Und die gemeinhin auch nicht unerschöpflich ist.

 

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Jonas studiert Digitale Kommunikation im Master (Foto: Leon Ziock)

 

Für ihn kam die Rettung mit der staatlichen Überbrückungshilfe. Weil Jonas an einer staatlich anerkannten Hochschule immatrikuliert ist, kann er Hilfsgelder vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) beantragen. Das sind monatlich zwischen 100 und 500 Euro. Je weniger auf seinem Konto ist, desto mehr darf er beantragen. Kann Jonas nachweisen, dass er weniger als 500 Euro zur Verfügung hat, darf er 100 Euro an Zuschuss beziehen, steht sein Kontostand bei unter 100 Euro, darf er mit 500 Euro rechnen. Und das, auch wenn bereits Darlehen, Stipendien oder sonstige Unterstützung bezogen werden. Zurückzahlen muss der Student die Überbrückungshilfe nicht.

 

„Es läuft echt unkompliziert und gut“

 

Mittlerweile beansprucht Jonas seit fünf Monaten die Hilfsgelder des Staates und hat sich den ein oder anderen Kniff überlegt, um den Höchstsatz zu beziehen. „Im März musste ich zum Beispiel Semestergebühren bezahlen, das sind 330 Euro, ganz schön happig für Studis“, erzählt er. „Da habe ich die Überbrückungshilfe erst beantragt, nachdem das Geld vom Konto gezogen wurde.“ Denn somit lag er unter der 100-Euro-Grenze und bekam den Höchstsatz ausgezahlt.

Dabei spielt es keine Rolle, ob ein Studierender das Geld Anfang, Mitte oder Ende des Monats beantragt. „Es dauert drei, vier Tage, dann kommt die Bestätigung, wenn deinem Antrag stattgegeben wurde und am nächsten Tag ist das Geld da. Das läuft schon echt unkompliziert und gut.“ Eine ähnliche Hilfe leistet die Förderbank KfW. Dort können sich Studierende Geld leihen. Der Studienkredit von bis zu 650 Euro muss zurückgezahlt werden, bis Dezember 2021 entfallen dafür allerdings keine Zinsen.

Mit der Überbrückungshilfe und dem Bafög-Geld schafft Jonas es mittlerweile sein ein paar Monaten über die Runden. Einzig größere Geldbeträge, die nicht in raten zahlbar sind, bereiten ihm Probleme. Daher hätte er sich zusätzlich zum Hilfsgeld eine Art Bonus für die Studiengebühren gewünscht.

 

Bars, Restaurant und Cafés geschlossen

 

Auch Anna verlor mit dem Lockdown ihren Nebenjob. Die 24-Jährige studiert im Bachelor Ökotrophologie und hat bis letztes Jahr auf 450-Euro-basis im „Café LilliSu“ in Altona gekellnert. Den ersten Lockdown im März letztes Jahr haste sie noch durchgestanden, gewartet bis das „LilleSu“ wieder öffnet. Mit Rücklagen und Unterstützung der Eltern hiße die oberste Prämisse: Haushalten. „Bio-Produkte im Supermarkt waren nicht drin. Dafür fehlte mir das Geld.“

Im Sommer 2020, als sich nicht nur Hamburg vermeintlich über dem Berg sah, gab es unter Auflagen wieder eine Art Normalbetrieb im „Café LilleSu“. Anna fing wieder an zu kellnern und konnte sich finanziell etwas Luft verschaffen.

Mit Beginn des zweiten Lockdowns im November ging die Unsicherheit wieder los: „Ich bin auf die Nebeneinnahmen angewiesen, daher habe ich gekündigt und mich anderweitig umgeschaut.“ Für sie persönlich war das ein kleiner Glücksgriff: Sie heuerte in einem Unternehmen an, das online Rezepte entwickelt und Ernährungsratgeber schreibt. Dort bekam sie anfangs sogar einen Coworking Space bezahlt, von wo aus sie arbeiten konnte, mittlerweile ist sie wieder an den hauseigenen Schreibtisch gewechselt und arbeitet von dort aus.

Für die Ökotrophologie-Studentin hat sich durch den Lockdown insoweit ein neues Fenster eröffnet: „ich bin froh, dass ich meinen jetzigen Nebenjob mit dem Wissen aus dem Studium verknüpfen kann.“ Auf Kellnern, sagt sie, habe sie sowieso keine Lust mehr gehabt.

 

Gehen Studierende als als Gewinner aus der Krise?

 

Daniele Janßen vom „Stellenwert“ glaubt, das Arbeitsleben werde sich nach Corona grundlegend verändert haben. „Der markt“ wird flexibler, viele Unternehmen werden auf remote setzen, Arbeit, die im Homeoffice funktioniert.“ Davon könnten Studierende profitieren. „Sie sind mit digitalen Medien aufgewachsen, haben meist eine offene Einstellung gegenüber neuen Themen und Arbeitsfeldern, was Ihnen hilft, mit Veränderungen umzugehen“, glaubt sie. Ist Corona überwunden, werden viele Unternehmen mit Vorsicht reagieren, sich flexibel absichern. Dann könnten Studierende als günstige Lösung gesehen werden und Positionen besetzen, die Firmen noch nicht als volle Stelle ausschreiben möchten. Viellicht gehen Studierende so als große Gewinner aus der Krise.


 SZENE HAMBURG UNI-EXTRA, April 2021. Das Magazin ist als Heft in unserem Stadtmagazin seit dem 27. MÄRZ 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Daten während Corona: Spazieren, frieren und Mäskchen halten

Single und auf der Suche? Keine gute Zeit, um zu daten. Wer es doch tut, benötigt starke Nerven und eine warme Jacke

Text: Johanna Zobel

 

Schon vor Corona war Onlinedating in der Singlewelt präsent. Viele bevorzugten jedoch das kennenlernen in der Kneipe, auf einer WG-Party oder im Café. Seit einem Jahr ist das undenkbar. Die Gastronomie hat geschlossen und Kontakte müssen auf ein Minimum reduziert werden. Was nun? Auf Partnersuche gehen, wenn die Pandemie vorüber ist? Selbst für die größten Onlinedating-Gegner wahrscheinlich keine Option.

 

Simpel – und unpersönlich

 

Also wagen auch sie den Schritt und entscheiden sich für Tinder, Bumble und Co. Bei Nicht-Gefallen nach links wischen, andernfalls nach rechts. Das Prinzip der Datingapps ist simpel – und unpersönlich. Die Chatverläufe während Corona? Langweiliger denn je. Während zuvor beim Small Talk über das Lieblingsrestaurant oder den letzten Urlaub gechattet wurde, vergeht die Lust auf ein Kennenlernen bei der Frage „Und, wie überstehst du den Lockdown?“ doch recht schnell. Rummeckern oder cool bleiben? Wahrscheinlich weiß gerade niemand so wirklich, wie er gefasst auf diese neuartige Frage reagieren soll.

Sollte es sogar zu einem Treffen kommen, stellt sich bereits in den ersten Augenblicken eine weitere wichtige Frage: Umarmung zur Begrüßung? Während Freunde und Bekannte seit Monaten nicht mal per Handschlag begrüßt werden, erwischt man sich auf einmal bei einer halbherzigen, verunsicherten und etwas befremdlichen Umarmung mit einem Fremden. Gewissensbisse wegen nicht coronakonformem Handeln inklusive.

 

Der Spaziergang

 

Anschließend kann es losgehen, es folgt eigentlich immer: der Spaziergang. Was an warmen Tagen nach einem romantischen Date auf einer Picknickdecke klingt, ist bei Schietwetter der absolute Albtraum. Warm eingepackt schlurft man neben seinem Date her. Ohne weitere Berührungen und Blickkontakt. Denn selbst die kleinste Kopfdrehung verursacht einen kalten Luftzug unter der Jacke. Zufällige Annäherungsversuche – Fehlanzeige! Die Hände sind gegen Frostbeulen so tief in der Jackentasche vergraben und der Mindestabstand ist wie eine unsichtbare Mauer. Und: Je länger es dauert, desto kälter wird’s. Selbst wenn die Vibes stimmen, treibt einen das wieder ins warme Zuhause – alleine.

Für alle, die trotz aller Widrigkeiten eine Bindung aufbauen konnten, gibt es dank Corona etwas Neues. Jetzt kann auch mit Abstand und ohne Kontakt Händchen gehalten werden. Jeder greift in eine Schlinge der Maske. Perfekt für coronakonformes Dating und all diejenigen, die sich über die Beziehung noch nicht schlüssig sind. Vielleicht ein neuer Trend, der aus dem sonst so tristen Dating-Alltag hervorgeht: Mäskchen halten. Davon abgesehen ist dem Pandemie-Dating allerdings nicht viel Positives abzugewinnen. War vorher das Onlinedating schon unpersönlich, so ist derzeit beim Treffen der Abstand in jeglicher Hinsicht größer.


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Mitten rein: Studienstart im Lockdown

Eigentlich sollte im März die beste Zeit ihres Lebens beginnen. Doch diese wurde zur unsichersten: Svea Fischer und David Abel starteten mitten in der Corona-Hochzeit in ihr Studium: David Medien- und Kommunikationsmanagement an der Macromedia. Svea Bekleidung, Technik und Management an der Hochschule für angewandte Wissenschaften (HAW)

Interview: Markus Gölzer

 

Svea Fischer und David Abel (Foto: Leon Bültmann)

Uni-Extra: Wie habt ihr im Studium den Übergang in die Corona-Zeit erlebt? 

David: Ich war zwei Tage an der Uni, dann ging der Shutdown los. Das war für das erste Semester nicht das Schönste. Uns wurde gesagt, ok, das Studium findet eine Woche später statt. In dieser Woche wurden wir informiert, dass alles komplett online stattfindet. Wir wurden darauf vorbereitet, dann gingen die Online-Vorlesungen los.

Svea: Ich war in der Orientierungswoche. Am Freitag wäre eine Begrüßungsparty gewesen, die aber schon nicht stattfinden konnte. Am Montag darauf hätte es eigentlich angefangen, aber dann war Lockdown, und es hat ein bisschen gedauert, bis wir auf Online umspringen konnten. Es war anders als bei David, weil unsere Uni nicht so richtig vorbereitet war. Deshalb hat sich alles nach hinten verschoben.

Wie liefen die Online-Vorlesung ab? 

David: Ich habe jeden Tag Vorlesungen gehabt, live alles miterlebt, konnte mit den Professoren reden. Wir waren 25 bis 30 Leute, manchmal auch 40, das lief ganz gut. Heißt, der Professor war durchgehend zu sehen, man konnte mit ihm sprechen, man konnte auch die anderen sehen. Es war sozusagen die beste Lösung.

Svea: Ähnlich wie bei David. Der Professor hatte dauerhaft seine Kamera an, damit man weiß, wer zu einem spricht. Das war eigentlich ganz nett. Die Kommilitonen hatten die Kamera nicht an. Wenn man eine Frage hatte, hat man sein Mikrofon angemacht, was gesagt und sein Mikrofon wieder ausgemacht. Hauptsächlich hat der Professor gesprochen. Es war ein Zuhören, es ist nie ein Gespräch oder eine Diskussion entstanden.

Wie kamen die Professoren zurecht? Gab es unterschiedliche Herangehensweisen?

Svea: Manchmal wussten die Dozenten nicht, wie man mit den Programmen umgeht, weil es kaum Vorbereitungszeit gab. In Mathe und Chemie hat unser Professor Videos hochgeladen mit Aufgaben, die wir erledigen mussten. Das war nicht live. Dann gab es leider auch Kurse, wo wir gar nichts hatten. In BWL bekamen wir eine E-Mail mit einem Artikel, den wir durchlesen sollten. Andere haben häufig Folien von der Vorlesung hochgeladen, die man sich selbst angeguckt hat. Richtig gut geklappt hat das nicht, weil es von Kurs zu Kurs unterschiedlich war. Jeder Professor hat das so gemacht, wie das für ihn am besten war.

David: Die wurden in der ersten Woche geschult, damit sie mit dem Programm „Teams“ arbeiten konnten. Mit der Zeit hat jeder dazugelernt. Wir haben uns gegenseitig geholfen, haben gezeigt, wie die Dinge funktionieren. Zwischenzeitlich war es etwas hektisch, aber insgesamt hat es gut funktioniert.

Haben die technischen Voraussetzungen gestimmt? Konnten eure Unis die Datenmengen stemmen? 

David: Die Uni war gut vorbereitet. Auch als Schüler musste man bereitstehen. Ich hatte das Glück, dass ich das ganze technische Material zu Hause hatte. Es gab auch viele, die sich ein iPad kaufen mussten, weil sie nur einen schwachen Windows-Rechner vom Vater hatten und deshalb die ersten beiden Wochen nicht dabei waren.

Svea: Wir hatten den E-Mail-Verteiler von der Uni, und da kamen schon öfter mal Mails rein, dass der Server wieder abgestürzt wäre. In den Vorlesungen war zwischenzeitlich mal die Dozentin zehn Minuten vom Bildschirm verschwunden. Von der Studentenseite her war es so, dass man zu Hause die Voraussetzungen wie gutes WLAN brauchtest.

Gab es Kommilitonen, die wegen Geldmangels ins Hintertreffen gerieten?

Svea: Das weiß ich nicht, weil ich nur mit wenigen Leuten zu tun hatte. Aber es kann natürlich sein. Wir sind ungefähr 45 Leute und die Teilnehmerzahl hat immer so zwischen 25 und 35 geschwankt. Es war nie vollständig. Und das könnte natürlich daran liegen, dass die keine Möglichkeit hatten, auf einen Computer zuzugreifen.

David: Ja. Viele. Das Image einer Privatschule ist immer: Das Studium wird von reichen Eltern finanziert. Richtig ist: Die Hälfte der Leute studieren zum zweiten, dritten Mal, sind allein nach Hamburg gezogen, müssen eine Wohnung bezahlen, studieren hier, weil es das Studium nicht an einer staatlichen Uni gibt. Da gab es auf alle Fälle Leute, die sagten, das wäre jetzt schwer zu stemmen.

Habt ihr die soziale Dynamik des Hörsaals vermisst?

David: Ich habe das ganze Unileben vermisst. Das ist auch das, was viele suchen, wenn sie zur Uni gehen. Ich kann sehr gut verbal lernen. Wenn jemand vor mir steht und mir das erklärt, dann lerne ich besser, als wenn ich von einem Blatt Papier ablese. Nach sechs Stunden vor dem Bildschirm ist es schwer, sich zu konzentrieren.

Svea: Auf jeden Fall. Eigentlich habe ich mir vorgestellt, ein richtiges Studentenleben zu haben. Mittlerweile studieren wir ein Semester lang, und ich hätte alle Leute, mit denen ich studiere, schon längst kennenge- lernt. Das fehlt mir, und ich fühl mich auch nicht wirklich als Studentin, weil ich nur online vor meinem PC gesessen habe.

Gab es noch irgendwelche Fragmente vom Studentenleben?

Svea: Gar nicht. Es war wirklich so, als würde ich mich privat fortbilden und mir Videos angucken.

David: Fast gar nicht, würde ich sagen. Man kommuniziert über verschiedene Plattformen, aber man lernt sich nicht kennen. Ich habe die ersten zwei Tage eine kleine Gruppe kennengelernt. Am Ende des Semesters haben wir uns einmal als Gruppe von 40 Leuten im Park getroffen, nicht ganz legal, um uns kennenzulernen. Mehr gab es auch nicht. Wir hatten keine Feiern, keine Gegebenheiten, uns zu sehen. Das fehlt natürlich. Die Unitür schließt sich nie hinter einem. Es entsteht kein Feierabendgefühl.

Hat sich die Wahrnehmung eures Zuhauses verändert, seit es gleichzeitig Hörsaal ist?

David: Auf jeden Fall. Das hat mir auch nicht wirklich gefallen. Man steht auf und hat direkt die Uni neben sich. Ich würde lieber in die Uni gehen. Ich will einen Ort haben zum Studieren.

Svea: Ich habe anfangs in meinem Zimmer gesessen während der Vorlesungen. Dann im Wohnzimmer am Esstisch. Einfach, um mal eine andere Location zu kriegen. Als es warm war, habe ich mir das in der Sonne angehört. Meine Wahrnehmung hat sich nicht geändert.

Habt ihr euch bewusst für die jeweilige Studienform entschieden?

David: Ich habe den Studiengang danach ausgewählt, was ich machen möchte. Ich bin ein praktischer Mensch und habe deshalb einen praktischen Studiengang gesucht. Ich wollte statt einer Ausbildung studieren, damit ich meinen Bachelor habe. Richtung Medien gibt es wenig Studiengänge, die nicht privat sind und mir gefallen haben. An der Uni Hamburg gibt es Medien- und Kommunikationswissenschaften. Das ist sehr, sehr wissenschaftlich und halt nicht praktisch. In meinem Studium habe ich einen BWL-Anteil, einen wissenschaftlichen Anteil und vor allem viel praktische Übungen – Fotografie, Design – und das hat mir gefallen.

Svea: Ich stand zwischen der öffentlichen HAW und der privaten AMD (Akademie Mode und Design). Ich habe superlange überlegt, ob ich staatlich oder privat studieren möchte. Man muss an einer privaten Uni mit Studiengebühren von 600 bis 700 Euro im Monat rechnen. Trotzdem wollte ich schließlich privat studieren. Mein Studiengang „Bekleidung, Technik und Management“ heißt an der AMD „Modemanagement“. Das hat für mich kreativer geklungen, besser für meine Interessen. Dann habe ich an beiden Unis Dozentengespräche gehabt. Die HAW war tausend Mal sympathischer. Eine Freundin studiert an der AMD meinen Studiengang und kennt Leute von der HAW. Die sah keinen großen Unterschied. Da war mir klar, dass ich an die HAW gehe. Das Studium an der AMD hätte einfach zu viele Kosten und zu viel Aufwand bedeutet, um an das Geld zu kommen. Ich bereue die Entscheidung bis jetzt auf gar keinen Fall.

Findet ihr die Corona-Maßnahmen insgesamt angemessen oder übertrieben?

David: Wenn man sieht, wie die Zahlen sind und was alles passiert ist, haben wir das in Deutschland alles gut gehändelt. Natürlich habe ich auch keine Lust mehr auf Corona, aber das kann man nicht ändern.

Svea: Ich finde es schon angemessen. Aber es hat mich dann schon gewundert, dass die Schulen ihren normalen Betrieb wieder aufgenommen haben, und bei uns wird es auch im kommenden Semester so sein, dass die Präsenzlehre nicht zu 100% stattfinden kann.


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Digitale Uni: Wie läuft das Studium im Homeoffice?

Paul, 28, ist Masterstudent an der Uni Hamburg. Neben seinem Studium arbeitet er im Kulturbereich und setzt sich zudem für Queer-Rights ein

Interview: Johanna Zobel

 

Uni-Extra: Paul, was hat sich im letzten Semester für dich geändert? 

Ziemlich viel. Mein kompletter Uni-Alltag, so wie ich ihn kenne, hat nicht mehr stattgefunden. Genauer heißt das: keine Mensa, kein Campus-Gefühl und der Austausch mit Kommilitonen und Kommilitoninnen lief über Skype und Co. Außerdem konnte ich Anfang des Semesters gar nicht und danach nur mit Zeitslots in die Bibliothek, daher habe ich meistens zu Hause in meiner Einzimmerwohnung gelernt.

Wie hast du auf Literatur zugegriffen ohne Bibliothek?

Ich konnte größtenteils mit Online-Artikeln arbeiten und hatte daher keine direkten Nachteile bei der Literaturrecherche. Bei Problemen und Fragen hatte ich allerdings keine Ansprechpartner und Ansprechpartnerinnen vor Ort, sondern konnte Uni-Personal nur telefonisch oder per Mail kontaktieren. Zum Ende des Semesters durften die Bibliotheken öffnen und es war wieder möglich, Bücher auszuleihen.

Wie war die Arbeitsumstellung für dich? 

Mir hat die ruhige Arbeitsatmosphäre in der Bibliothek gefehlt. Meine Wohnung ist sehr hellhörig und meine Nachbarn waren häufiger im Garten, wodurch es teilweise etwas lauter wurde. Zu Hause war daher nicht die perfekte Lernatmosphäre. Deshalb bin ich oft zu Freunden oder in Cafés, um zu studieren.

Und die Umstellung bezüglich der Kurse? 

Für mich war es ok. Zwar hatte ich Zoom zuvor noch nie benutzt, doch die Anwendung ist relativ simpel. Bei manchen Kursen ging das tatsächlich total schnell und hat auch gut geklappt. Bereits Mitte April haben die ersten Kurse online stattgefunden. Voraussetzung für das digitale Studieren sind eine gute Internetverbindung und ein gut laufender Laptop oder PC. Letzteres war bei mir nicht der Fall – mein Laptop ist leider nicht mehr besonders leistungsstark, weshalb ich teilweise Schwierigkeiten hatte. Eine Reparatur meines Laptops war zu dem Zeitpunkt nicht möglich, weil die zuständigen Geschäfte geschlossen hatten.

Wie sah dein Privatleben in der Zeit aus?

In der ersten Zeit der Corona-Pandemie war ich, wie viele andere Studierende auch, in meiner Heimat bei meiner Familie. Weil aber Museen, Konzerthäuser oder Kinos geschlossen waren, war ich häufiger draußen und habe mich nach den ersten Lockerungen dann auch viel mehr mit meinen Freunden im Park oder auf einen Spaziergang getroffen.

Hattest du auch weiterhin Kontakt zu deinen Kommilitonen?

Da ich am Ende meines Studiums stehe, habe ich bereits ein gutes Netzwerk mit anderen Studierenden aufgebaut, mit denen ich mich austauschen konnte. Ich könnte mir aber vorstellen, dass Studienanfänger und Studienanfängerinnen durchaus größere Problematiken hatten, weil sie schwieriger Kontakt aufbauen konnten.

Zurück zum Studium: Welche Vorteile ziehst du aus dem digitalen Studieren?

Auch wenn es zu Hause etwas lauter war als in der Bibliothek, so war ich doch zeitlich flexibler. Teilweise haben die Kurse nicht über Zoom stattgefunden, sondern über Videos, die zu jeder Zeit – auch mehrfach – angeschaut werden konnten.

Sind die Lehrformen und Programme einheitlich?

Die Umsetzung erfolgte nicht einheitlich. Das könnte daran liegen, dass es zum einen relativ schnell gehen musste und teilweise die nötige Technik bei den Professoren nicht vorhanden war. Einerseits gab es Kurse über Zoom, die mit festem Termin datiert wurden, andererseits gab es auch Vorlesungen, die aufgenommen und als Datei übermittelt wurden.

Hast du eine lustige Anekdote aus der Zeit parat?

Ja, tatsächlich: Direkt meine erste Zoom-Vorlesung war amüsant. Mein Dozent hat versehentlich eine Tasse Kaffee über seiner Tastatur entleert. Allein das sorgte schon für Schmunzler. Er ist schreckhaft aufgesprungen und holte ein Handtuch. Beim Aufwischen des Kaffees löste sich durch eine Schnelltaste ein Song von Andreas Gabalier aus, der lautstark abgespielt wurde.

Meinst du, jetzt mit deinen Erfahrungen, dass digitales Studieren die Zukunft ist?

Auf jeden Fall. Das digitale Studieren und Arbeiten hat definitiv Zukunft, nur braucht es natürlich etwas Zeit, bis es sich einpendelt. Außerdem müsste eine Lösung gefunden werden, die es ermöglicht, dass auch die Studierenden mit geringen Ressourcen mit passendem technischem Equipment unterstützt werden.


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Digitale Helfer: Apps zum Studienstart

Neue Stadt, neue Leute, Klausurenstress und kaum Kohle auf dem Konto – der Studienstart kann oft unübersichtlich werden. Das Handy ist der Retter: Wir stellen euch fünf Apps vor, die den Uni-Alltag leichter machen

Text: Sophia Herzog 

 

Stadtrad

Das Fahrrad ist kaputt und der Bus gerade abgefahren – auch in einer Großstadt wie Hamburg wird die Reise von A nach B manchmal kompliziert. Zum Glück gibt es in Hamburg inzwischen an fast jeder Straßenecke eine Stadtrad-Station, an der sich registrierte Kunden ein Fahrrad ausleihen können. In der App wird angezeigt, wo in der Nähe noch eines der roten Räder verfügbar ist, die Ausleihe erfolgt ebenfalls über das Smartphone – im schicken, neuen Design ist die App übersichtlich gestaltet und funktioniert reibungslos. Teuer ist die Stadtrad-Nutzung nicht: Studenten zahlen eine Jahresgebühr von fünf Euro, bei einer Registrierung wird derselbe Betrag als Startguthaben angerechnet. Die ersten 30 Minuten der Fahrt sind sogar kostenlos.

Fazit: Auch, wenn das eigene Rad im Keller steht – eine Mitgliedschaft bei Stadtrad lohnt sich, um für alle Eventualitäten vorbereitet zu sein. Der Service ist günstig, die Räder meistens in sehr gutem Zustand und die App leicht zu bedienen.

stadtrad.hamburg.de; Preis: kostenlos, Fahrrad-Nutzung kotenpflichtig;
Betriebssystem: Android, iOS

 

Clubplan

Von den Kneipen auf dem Hamburger Berg bis hin zu den Techno-Schuppen unter der Sternbrücke – Hamburg hat eine vielfältige Clublandschaft, die Studierenden zuverlässigen Ausgleich zum stressigen Campus-Leben bietet. Um einen guten Überblick über die vielen Angebote zu bekommen, lohnt sich ein Blick in die App des Clubkombinats: Der Verein ist seit 16 Jahren die wichtigste Interessenvertretung der Hamburger Clubbetreiber. Auf Clubplan werden alle Termine der Mitglieder in einer praktischen Übersicht gesammelt. Mit dabei sind unter vielen anderen zum Beispiel das Docks, Fundbureau, Grünspan oder Knust. Die Veranstaltungen lassen sich einfach nach Datum, Genre, Art der Veranstaltung oder Location filtern und für später speichern.

Fazit: Für Musik-Fans ist die App des Clubkombinats fast schon Pflicht: Clubplan sammelt alle wichtigen Infos in einer App, sodass niemand mehr an der Frage verzweifeln muss, wo es denn heute Abend hingehen soll.

app.clubkombinat.de; Preis: kostenlos; Betriebssystem: Android, iOS

 

UHH mobile

Acht Fakultäten, über 170 Studiengänge, 40.000 eingeschriebene Studierende – die Universität Hamburg ist eine der zehn größten Hochschulen Deutschlands. Dieses Labyrinth aus Vorlesungssälen und Seminarräumen kann ganz schön unübersichtlich werden. Die hauseigene App der Uni Hamburg soll Hilfestellung leisten: Auf einer übersichtlichen Karte der Stadt sind alle wichtigen Orte verzeichnet. Wer zum Beispiel das Uni-Café Knallhart sucht, gibt den Namen einfach in die Suche ein und kann gleich die entsprechende Route abrufen. Für Studierende, die einen besonders guten Überblick bekommen möchten, wird die App bei einer Campus-Tour zum digitalen Fremdenführer. Außerdem aufgelistet werden in der App wichtige Kontaktinformationen und die aktuellen Speisepläne aller Hamburger Mensen.

Fazit: Mit Campus-Karte und Mensaplänen eine praktische Orientierungshilfe – für erfahrene Studierende, die sich auskennen, hält die App allerdings wenig andere brauchbare Funktionen bereit.

uni-hamburg.de; Preis: kostenlos; Betriebssystem: Android, iOS

 

StudySmarter

Wenn die Klausurenphase ansteht, fangen viele Studenten an zu schwitzen. Denn: Lernen muss gelernt sein. Wichtig sind dabei vor allem eine gute Struktur und sortierte Materialien. Dafür gibt es inzwischen einige digitale Tools – eins davon ist die App StudySmarter. In die Smartphone-App und die passende Desktop-Anwendung können Studierende ihre Vorlesungsskripte hochladen und sich daraus Zusammenfassungen und digitale Karteikarten erstellen. Der Algorithmus lernt beim Abfragen sogar, welche Infos schon sitzen und welche vielleicht noch öfter wiederholt werden sollten. Die Lernmaterialien lassen sich einfach mit Freunden teilen, außerdem existieren für viele große Hochschulen bereits Lernmaterialen, auf die Nutzer zugreifen können – auch für die Uni Hamburg.

Fazit: Die vielen Funktionen von StudySmarter wirken zu Beginn etwas überwältigend – wer sich einmal in die App eingefuchst hat, kann aber viel aus ihr herausholen. Großer Pluspunkt: Über die App hat man alle Lernmaterialen an einem Speicherort und damit gut im Blick. Nur auswendig lernen muss man noch selbst.

studysmarter.de; Preis: kostenlos; Betriebssystem: Android, iOS

 

ZenJob

Am Ende des Monats richtig knapp bei Kasse? Nicht verzweifeln: Über die Plattform ZenJob können sich Studierende kurzfristig Minijobs in Unternehmen suchen, die flexibel Personal suchen. Nach der Anmeldung müssen die Studis zwar zum persönlichen Gespräch im Unternehmenssitz in Hamburg vorbeikommen, danach läuft aber alles digital ab. Wer gerade Bedarf hat, bekommt über die App Vorschläge für Jobs aus den Bereichen Industrie, Handel, Logistik, Event und Messe. Meist ist keine Qualifikation nötig, wenn doch – beispielsweise ein Führerschein – dann wird die Arbeit auch etwas besser bezahlt. Ein Mindestlohn von elf Euro pro Stunde ist aber sicher. Je mehr Jobs die Nutzer zu der Zufriedenheit der Arbeitgeber erledigen, desto bessere Jobs werden angeboten. Die Menge der Arbeit ist flexibel. Über die Semesterferien mehr zu arbeiten oder in der Klausurenphase zu pausieren, ist also kein Problem.

Fazit: Wer über ZenJob Arbeit sucht, kommt schnell an sein Ziel – Anmeldung und Vermittlung der Jobs funktionieren gut. Und: Die Suche über ZenJob ist so flexibel, dass sie gut neben dem Studien-Stress zu bewältigen sind.

zenjob.de; Preis: kostenlos; Betriebssystem: Android, iOS


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Unionitas – Die Superwoman-Pose

Die Fußballerinnen vom Altonaer S. C. Union 03 hatten einen erschwerten Start, sorgten aber schnell dafür, dass die Macho-Blödelei am Spielfeldrand aufhörte. Allez, allez, Unionitas!

Am Anfang gab es Pfiffe. 2006, im Jahr des deutschen „Sommermärchens“, wagte es eine ambitionierte Truppe von Uni-Fußballerinnen, auf dem Feld des S. C. Union 03 vorzuspielen. Der Club hatte damals noch keine Frauenmannschaft. Männer aller Altersklassen schleppten sich über das unebene Grün und staunten nicht schlecht, als sie plötzlich Besuch bekamen, der auch noch vorhatte, zu bleiben. „Die Pfeiferei war das eine, die Kommentare vom Spielfeldrand das andere“, erinnert sich die 37-jährige Phoebe, eine der Frauen, die damals debütierten. „Nicht selten bekamen wir einen ‚Ey, Triokottausch!‘-Spruch zu hören. Die Männer waren es einfach nicht gewohnt, dass auch Frauen vor Ort waren.“

Eine direkte Konfrontation, so die promovierte Pädagogin, habe es nicht gegeben, niemand wurde zur Rede gestellt, vielmehr vor vollendete Tatsachen. „Wir haben einfach weitergemacht, uns unser Standing peu à peu erarbeitet.“ Heute gebe es keine Quatschkommentare mehr, im Gegenteil. Von den Union-Männern komme sogar die Anfrage nach einer gemeinsamen Weihnachtsfeier.

„Für Jedermann“

Harte Schale, weicher Kern, möchte man meinen, und das nicht nur in Sachen Mentalität. Auch die Räumlichkeiten von Union wirken schroff, mit grau-grün gefliesten Wänden und dem Sportmief aus zig Jahrzehnten in den winzigen Kabinen. Die Gaststätte nebenan: „Für Jedermann“, so steht es an der Mauer, aber außer ein paar Bierbauchburschen und dem Barmann traut sich selten jemand hinein in die schrullig eingerichtete Stube, die Besuchern freien Blick auf das Spielgeschehen bietet.

Seit 2006 sind beim S. C. Union 03 auch Frauen am Ball. Foto: Michael Kohls

Das Bild draußen passt zum Rest: mittelgut gepflegter Rasen, keine zehn Zuschauerreihen, die sich als Mix aus Kieselsteinen und rissigem Beton ums Feld biegen. Dahinter kommt nur noch bröckelnder Industriehallencharme, der genug Fläche für eine XXL-Aufschrift des Vereins bietet: S. C. Union von 1903 e. V.

Soweit die Kulisse, vor der Phoebe und Co bei Heimspielen antreten. Auch damit kommen sie klar. „An der Uni war der Fußballkurs für Frauen umsonst und gut besucht“, erzählt Phoebe, „wir hatten richtig Bock auf Kicken und irgendwann auch auf mehr als nur den Uni-Fußball.“ Daher die Unionitas, und daher auch die ersten, ziemlich bald eingefahrenen Erfolge. Die defensive Mittelfeldakteurin und ihre Mitspielerinnen rangieren aktuell auf dem sicheren sechsten Platz der Bezirksliga, haben es aber zeitweise schon in die Landesliga geschafft, also dorthin, wo etwa die zweite Frauenmannschaft des großen HSV ein Gegner war. Fun Fact: Die Union-Männer kicken derzeit nur in der Kreisliga.

Vereinsstolz? Nein, Unionitas-Stolz!

Vielleicht liege es an den Schwierigkeiten zu Beginn, dem nicht sofort vorhandenen Respekt, meint Phoebe, dass es auch nach zwölf Jahren bei Union 03 keinen wirklichen Vereinsstolz unter den Frauen gebe. Dafür einen Stolz auf die Frauen, die Unionitas. Sie seien zwar alle berufstätig, haben fast alle Kinder, und der Fußball sei vor allem ein Freizeitvergnügen, zweimal die Woche im Training und am Wochenende beim Punktspiel. Aber man habe sich eben etwas aufbauen können, sich nicht unterkriegen lassen, also Grund genug, selbstbewusst aufzutreten.

Beim Warmmachen am Spieltag kommen sie zusammen, im Kreis um ihren Trainer Markus Redlich, die Hände in die Hüften gestemmt. „Wir gehen dann immer in die Superwoman-Pose, zeigen, dass wir da sind und an uns glauben. Wir sagen uns: Wir können was, wir sind gut, und wir gehen jetzt auf den Platz.“ Kurz vor dem Anpfiff noch der Schlachtruf: „Allez, allez, Unionitas!“ Und mancher Mann an der Bande murmelt ihn mit.

Text: Erik Brandt-Höge

Fotos: Michael Kohls

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 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juni 2018. Das Magazin ist seit dem 26. Mai 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!

Jodel – Eine App erobert den Campus

Die Uni Hamburg ist Jodel-Hochburg. Gemeint ist aber nicht der Gesang aus den Alpen, sondern eine App, die viele Studenten in ihren Bann zieht.

Anonym, offen und ungehemmt kann man auf Jodel Sprüche klopfen oder sich mitdem #jhj – Jodler helfen Jodlern – Rat holen. Vieles dreht sich hierbei um Karma. Wird dein Post mit Upvotes belohnt, gibt’s gutes Karma. Kaufen kann man sich dafür nichts, aber es fühlt sich gut an.

Jodler lieben ihre Stadt. Quelle: Jodel

Seit 2014 werden schon auf Jodel Sprüche geklopft, die jeder in einem Umkreis von 10 Kilometern lesen kann. Im letzten Jahr legte die App noch mal tüchtig an Beliebtheit zu. Gepostet werden Bilder oder knappe Texte. Über eine Million Nutzer schreiben bis zu 600.000 Kurznachrichten pro Tag. Inhaltlich erinnert das Ganze stark an eine digitale Uni-Klowand, Stand-up-Comedy oder Selbsthilfegruppe. Die Standortbegrenzung führt zu einer sehr starken Bindung zu der Stadt, in der man jodelt. Für alle, die Jodel Hamburg noch nicht verfolgen, sind hier die wichtigsten Grundlagen, die man wissen sollte.

Die schönste Stadt der Welt

Hamburger Jodler sind sich in einer Sache einig: Hamburg ist die schönste Stadt der Welt. Und niemand kann uns etwas anderes erzählen. Egal ob hier geboren oder nur zu Besuch, wir lieben diese Stadt. An keinem anderen Ort bleibt man lieber im Bett liegen. Hier gibt es das beste Schietwetter, die schönste Hafenskyline und das beste Gebäck: Franzbrötchen. Ein Franz geht immer. Ob an einem stressigen Tag oder bei einem gemütlichen Sonntagsfrühstück: Franz muss mit. Und das halten wir in jede Menge (Foto-)Jodel fest, wenn wir von dieser Heimatliebe gepackt werden.

Das HVV Racing Team

Wenn du von A nach B möchtest: Unser HVV hat das beste Racing Team. Manni, so heißen die Busfahrer bei Jodel, fährt immer auf Bestzeit– am liebsten ein paar Minuten zu früh genau vor deiner Nase weg, den Blick auf die Rundenbestzeit gerichtet. Die Hochbahn macht auch mit – das Rennen der U1 und U3 an der Kellinghusenstraße ist ein Klassiker. Und mach dir keine Sorgen: Niemand findet den richtigen Ausgang am Jungfernstieg. In diesem Labyrinth aus Gängen und Treppen kommt man gern am falschen Ende der Stadt raus.

Typische Jodler. Quelle: Jodel

Jodel-Typologie

Die Erstis werden gern auf die Schippe genommen. Mit der perfekten Lunchbox und einer riesigen Kollektion Stifte stehen sie den Langzeitstudenten mit einem geliehenen Kuli gegenüber, die ihre Notizen auf einer Serviette machen. Und natürlich gibt es unter Studenten auch die ein oder andere Stichelei. Informatiker? Alles Jungfrauen. Jura-Studenten? Alle reich. Grundschullehramt? Malen in Klausuren nur Mandalas aus. Wer übermalt, ist durchgefallen. Aber eines haben alle Studenten gemeinsam: In der Klausurenphase sind alle lieber auf Jodel und jammern, wie schwer das Lernen fällt,wenn man durch Jodel abgelenkt wird. Schlussendlich sind Jodler auch nur ganz normale Studenten. Dank Jodel fühlt man sich weniger schlecht, wenn man sich am Ende des Monats das Geld für die letzten Nudeln mit zurückgegebenen Pfandflaschen zusammenkratzt. Eine Jodel-Weisheit: Am Ende des Geldes ist noch viel zu viel Monat über.

Möwen in der Jodel-eigenen Schreibweise. Quelle: Jodel

Katerstimmung

Trotzdem gehen wir am Wochenende feiern. Woran man das merkt? Die einzige Zeit, an der Jodel einmal schweigt, ist sonntagmorgens. Da ist eher Katerstimmung angesagt. Zeit für Bettgeschichten im Zeichen des #dlrh – einfachmal den Lörres reinhämmern. Ist ja schließlich alles anonym, da fallen die Hemmungen schnell. Oder Zeit, Bilder von seinen Haustieren zu posten. Und alle Tiere werden zu Katzen, in der Jodel-eigenen Schreibweise: Gadse, Bellgadse, Fluggadse, Nussgadse, Hoppelgadse (Katze, Hund, Vogel, Einhörnchen, Hase) – die Möglichkeiten sind endlos. Und damit bleibt nur noch zu sagen: Glückwunsch, du bist gerade zum Jodler geworden.

 

 

 

 

Text: Melina Morg

Quelle: Jodel

 


Uni Extra 2017Ein Beitrag aus der SZENE Hamburg Uni Extra Frühjahr/Sommer 2017. Das Magazin für Hamburgs Studenten liegt kostenfrei auf dem Campus aus und ist zusätzlich als Heft im Heft in der April-Ausgabe unseres Stadtmagazins SZENE Hamburg erschienen.

 

Das Wohnzimmer – Lernraum in der HCU

Studis besetzen einen Raum in der HafenCity Universität. Das Wohnzimmer ist Lernraum, Filmsaal, Kneipe und Aufenthaltsraum in einem

In diesem Ohrensessel möchte man einfach nur versinken. Foto: Polina Sluysar

Das Mobiliar im sogenannten „Wohnzimmer“ ist gemütlich und altmodisch. Man möchte darin versinken und fühlt sich an den letzten Besuch bei den Großeltern erinnert. Nur die Wände sehen nicht aus wie bei Oma. Sie sind plakatiert mit Appellen, die gegen Sexismus, Rassismus und jegliche Art von Diskriminierung mobilisieren. Auf den ersten Blick unterscheidet sich das Szenario nicht weiter vom typischen Studentenalltag an einer Universität. Hier an der HafenCity Universität (HCU) jedoch ist das alles noch Neuland.

Das Wohnzimmer der HCU. Foto: Polina Sluysar

Die HCU, die ursprünglich ihre Standorte in der City Nord und Mundsburg hatte, ist erst vor drei Jahren in den Neubau direkt am Wasser in der HafenCity gezogen. Das Gebäude ist erwartungsgemäß modern, wird aber dominiert von einer kühlen Beton-Ästhetik sowie fast schon steril wirkenden Räumen, die es noch mit Wohnlichkeit und Leben zu füllen gilt. Dieser Aufgabe widmen sich unter anderem die Studierenden von „freiRaum“. Inspiriert von dem Prinzip der Gemeinschaft im Gängeviertel und dem studentischen Café Knallhart fassten sie einen Entschluss: „Lasst uns in der Uni etwas besetzen!“ So entstand der Ort, der mittlerweile als das „Wohnzimmer“ bekannt ist.

So sieht Wohlfühlcharakter aus. Foto: Polina Sluysar

Der Raum, der von Seiten der Uni ursprünglich als reiner Lernraum vorgesehen war, ist mittlerweile nicht nur gemütlich, sondern auch eine Plattform für politischen und kulturellen Austausch und eine Möglichkeit, Kontakte außerhalb des Studiengangs zu knüpfen. Die aktiven Studenten zeigen Filme, organisieren einen Kneipenabend und Vorträge und haben eine Verschenk-Station und einen Flyer-Ständer in den Raum integriert. Das Ziel ist nicht, die Prinzipien der Universität über Bord zu werfen, sondern Ecken zu schaffen, die anders sind. Die Studenten von freiRaum wollen Zufluchtsorte schaffen und das Denken etablieren, damit Lernen und Innehalten auch an der eigenen Hochschule möglich ist. Der Raum ist selbstverwaltet, daher sind jegliche Veränderungen seitens der Studierenden, zum Beispiel selber irgendwo ein Sofa aufstellen, sehr willkommen.

Text & Fotos: Polina Slyusar

„Wohnzimmer“ im 1. OG, bei den Lernräumen in derHafenCity Universität, Überseeallee 16 (HafenCity)


Who the fuck is…

 

…Polina Slyusar?
Die 25-Jährige studiert an der HafenCity-Universität Bauingenieurwesen und hat eine ausgeprägte Leidenschaft für Subkulturen. Für SZENE HAMBURG Uni-Extra (erschienen im Oktober 2017) schrieb sie über das sogenannte „Wohnzimmer”, einen ihrer Lieblingsorte an der Hafencity-Universität.


 Der Text ist ein Auszug aus dem SZENE HAMBURG Uni-Extra (Ausgabe Herbst/Winter 2017/18) 


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