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Mitten rein: Studienstart im Lockdown

Eigentlich sollte im März die beste Zeit ihres Lebens beginnen. Doch diese wurde zur unsichersten: Svea Fischer und David Abel starteten mitten in der Corona-Hochzeit in ihr Studium: David Medien- und Kommunikationsmanagement an der Macromedia. Svea Bekleidung, Technik und Management an der Hochschule für angewandte Wissenschaften (HAW)

Interview: Markus Gölzer

 

Svea Fischer und David Abel (Foto: Leon Bültmann)

Uni-Extra: Wie habt ihr im Studium den Übergang in die Corona-Zeit erlebt? 

David: Ich war zwei Tage an der Uni, dann ging der Shutdown los. Das war für das erste Semester nicht das Schönste. Uns wurde gesagt, ok, das Studium findet eine Woche später statt. In dieser Woche wurden wir informiert, dass alles komplett online stattfindet. Wir wurden darauf vorbereitet, dann gingen die Online-Vorlesungen los.

Svea: Ich war in der Orientierungswoche. Am Freitag wäre eine Begrüßungsparty gewesen, die aber schon nicht stattfinden konnte. Am Montag darauf hätte es eigentlich angefangen, aber dann war Lockdown, und es hat ein bisschen gedauert, bis wir auf Online umspringen konnten. Es war anders als bei David, weil unsere Uni nicht so richtig vorbereitet war. Deshalb hat sich alles nach hinten verschoben.

Wie liefen die Online-Vorlesung ab? 

David: Ich habe jeden Tag Vorlesungen gehabt, live alles miterlebt, konnte mit den Professoren reden. Wir waren 25 bis 30 Leute, manchmal auch 40, das lief ganz gut. Heißt, der Professor war durchgehend zu sehen, man konnte mit ihm sprechen, man konnte auch die anderen sehen. Es war sozusagen die beste Lösung.

Svea: Ähnlich wie bei David. Der Professor hatte dauerhaft seine Kamera an, damit man weiß, wer zu einem spricht. Das war eigentlich ganz nett. Die Kommilitonen hatten die Kamera nicht an. Wenn man eine Frage hatte, hat man sein Mikrofon angemacht, was gesagt und sein Mikrofon wieder ausgemacht. Hauptsächlich hat der Professor gesprochen. Es war ein Zuhören, es ist nie ein Gespräch oder eine Diskussion entstanden.

Wie kamen die Professoren zurecht? Gab es unterschiedliche Herangehensweisen?

Svea: Manchmal wussten die Dozenten nicht, wie man mit den Programmen umgeht, weil es kaum Vorbereitungszeit gab. In Mathe und Chemie hat unser Professor Videos hochgeladen mit Aufgaben, die wir erledigen mussten. Das war nicht live. Dann gab es leider auch Kurse, wo wir gar nichts hatten. In BWL bekamen wir eine E-Mail mit einem Artikel, den wir durchlesen sollten. Andere haben häufig Folien von der Vorlesung hochgeladen, die man sich selbst angeguckt hat. Richtig gut geklappt hat das nicht, weil es von Kurs zu Kurs unterschiedlich war. Jeder Professor hat das so gemacht, wie das für ihn am besten war.

David: Die wurden in der ersten Woche geschult, damit sie mit dem Programm „Teams“ arbeiten konnten. Mit der Zeit hat jeder dazugelernt. Wir haben uns gegenseitig geholfen, haben gezeigt, wie die Dinge funktionieren. Zwischenzeitlich war es etwas hektisch, aber insgesamt hat es gut funktioniert.

Haben die technischen Voraussetzungen gestimmt? Konnten eure Unis die Datenmengen stemmen? 

David: Die Uni war gut vorbereitet. Auch als Schüler musste man bereitstehen. Ich hatte das Glück, dass ich das ganze technische Material zu Hause hatte. Es gab auch viele, die sich ein iPad kaufen mussten, weil sie nur einen schwachen Windows-Rechner vom Vater hatten und deshalb die ersten beiden Wochen nicht dabei waren.

Svea: Wir hatten den E-Mail-Verteiler von der Uni, und da kamen schon öfter mal Mails rein, dass der Server wieder abgestürzt wäre. In den Vorlesungen war zwischenzeitlich mal die Dozentin zehn Minuten vom Bildschirm verschwunden. Von der Studentenseite her war es so, dass man zu Hause die Voraussetzungen wie gutes WLAN brauchtest.

Gab es Kommilitonen, die wegen Geldmangels ins Hintertreffen gerieten?

Svea: Das weiß ich nicht, weil ich nur mit wenigen Leuten zu tun hatte. Aber es kann natürlich sein. Wir sind ungefähr 45 Leute und die Teilnehmerzahl hat immer so zwischen 25 und 35 geschwankt. Es war nie vollständig. Und das könnte natürlich daran liegen, dass die keine Möglichkeit hatten, auf einen Computer zuzugreifen.

David: Ja. Viele. Das Image einer Privatschule ist immer: Das Studium wird von reichen Eltern finanziert. Richtig ist: Die Hälfte der Leute studieren zum zweiten, dritten Mal, sind allein nach Hamburg gezogen, müssen eine Wohnung bezahlen, studieren hier, weil es das Studium nicht an einer staatlichen Uni gibt. Da gab es auf alle Fälle Leute, die sagten, das wäre jetzt schwer zu stemmen.

Habt ihr die soziale Dynamik des Hörsaals vermisst?

David: Ich habe das ganze Unileben vermisst. Das ist auch das, was viele suchen, wenn sie zur Uni gehen. Ich kann sehr gut verbal lernen. Wenn jemand vor mir steht und mir das erklärt, dann lerne ich besser, als wenn ich von einem Blatt Papier ablese. Nach sechs Stunden vor dem Bildschirm ist es schwer, sich zu konzentrieren.

Svea: Auf jeden Fall. Eigentlich habe ich mir vorgestellt, ein richtiges Studentenleben zu haben. Mittlerweile studieren wir ein Semester lang, und ich hätte alle Leute, mit denen ich studiere, schon längst kennenge- lernt. Das fehlt mir, und ich fühl mich auch nicht wirklich als Studentin, weil ich nur online vor meinem PC gesessen habe.

Gab es noch irgendwelche Fragmente vom Studentenleben?

Svea: Gar nicht. Es war wirklich so, als würde ich mich privat fortbilden und mir Videos angucken.

David: Fast gar nicht, würde ich sagen. Man kommuniziert über verschiedene Plattformen, aber man lernt sich nicht kennen. Ich habe die ersten zwei Tage eine kleine Gruppe kennengelernt. Am Ende des Semesters haben wir uns einmal als Gruppe von 40 Leuten im Park getroffen, nicht ganz legal, um uns kennenzulernen. Mehr gab es auch nicht. Wir hatten keine Feiern, keine Gegebenheiten, uns zu sehen. Das fehlt natürlich. Die Unitür schließt sich nie hinter einem. Es entsteht kein Feierabendgefühl.

Hat sich die Wahrnehmung eures Zuhauses verändert, seit es gleichzeitig Hörsaal ist?

David: Auf jeden Fall. Das hat mir auch nicht wirklich gefallen. Man steht auf und hat direkt die Uni neben sich. Ich würde lieber in die Uni gehen. Ich will einen Ort haben zum Studieren.

Svea: Ich habe anfangs in meinem Zimmer gesessen während der Vorlesungen. Dann im Wohnzimmer am Esstisch. Einfach, um mal eine andere Location zu kriegen. Als es warm war, habe ich mir das in der Sonne angehört. Meine Wahrnehmung hat sich nicht geändert.

Habt ihr euch bewusst für die jeweilige Studienform entschieden?

David: Ich habe den Studiengang danach ausgewählt, was ich machen möchte. Ich bin ein praktischer Mensch und habe deshalb einen praktischen Studiengang gesucht. Ich wollte statt einer Ausbildung studieren, damit ich meinen Bachelor habe. Richtung Medien gibt es wenig Studiengänge, die nicht privat sind und mir gefallen haben. An der Uni Hamburg gibt es Medien- und Kommunikationswissenschaften. Das ist sehr, sehr wissenschaftlich und halt nicht praktisch. In meinem Studium habe ich einen BWL-Anteil, einen wissenschaftlichen Anteil und vor allem viel praktische Übungen – Fotografie, Design – und das hat mir gefallen.

Svea: Ich stand zwischen der öffentlichen HAW und der privaten AMD (Akademie Mode und Design). Ich habe superlange überlegt, ob ich staatlich oder privat studieren möchte. Man muss an einer privaten Uni mit Studiengebühren von 600 bis 700 Euro im Monat rechnen. Trotzdem wollte ich schließlich privat studieren. Mein Studiengang „Bekleidung, Technik und Management“ heißt an der AMD „Modemanagement“. Das hat für mich kreativer geklungen, besser für meine Interessen. Dann habe ich an beiden Unis Dozentengespräche gehabt. Die HAW war tausend Mal sympathischer. Eine Freundin studiert an der AMD meinen Studiengang und kennt Leute von der HAW. Die sah keinen großen Unterschied. Da war mir klar, dass ich an die HAW gehe. Das Studium an der AMD hätte einfach zu viele Kosten und zu viel Aufwand bedeutet, um an das Geld zu kommen. Ich bereue die Entscheidung bis jetzt auf gar keinen Fall.

Findet ihr die Corona-Maßnahmen insgesamt angemessen oder übertrieben?

David: Wenn man sieht, wie die Zahlen sind und was alles passiert ist, haben wir das in Deutschland alles gut gehändelt. Natürlich habe ich auch keine Lust mehr auf Corona, aber das kann man nicht ändern.

Svea: Ich finde es schon angemessen. Aber es hat mich dann schon gewundert, dass die Schulen ihren normalen Betrieb wieder aufgenommen haben, und bei uns wird es auch im kommenden Semester so sein, dass die Präsenzlehre nicht zu 100% stattfinden kann.


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Digitale Uni: Wie läuft das Studium im Homeoffice?

Paul, 28, ist Masterstudent an der Uni Hamburg. Neben seinem Studium arbeitet er im Kulturbereich und setzt sich zudem für Queer-Rights ein

Interview: Johanna Zobel

 

Uni-Extra: Paul, was hat sich im letzten Semester für dich geändert? 

Ziemlich viel. Mein kompletter Uni-Alltag, so wie ich ihn kenne, hat nicht mehr stattgefunden. Genauer heißt das: keine Mensa, kein Campus-Gefühl und der Austausch mit Kommilitonen und Kommilitoninnen lief über Skype und Co. Außerdem konnte ich Anfang des Semesters gar nicht und danach nur mit Zeitslots in die Bibliothek, daher habe ich meistens zu Hause in meiner Einzimmerwohnung gelernt.

Wie hast du auf Literatur zugegriffen ohne Bibliothek?

Ich konnte größtenteils mit Online-Artikeln arbeiten und hatte daher keine direkten Nachteile bei der Literaturrecherche. Bei Problemen und Fragen hatte ich allerdings keine Ansprechpartner und Ansprechpartnerinnen vor Ort, sondern konnte Uni-Personal nur telefonisch oder per Mail kontaktieren. Zum Ende des Semesters durften die Bibliotheken öffnen und es war wieder möglich, Bücher auszuleihen.

Wie war die Arbeitsumstellung für dich? 

Mir hat die ruhige Arbeitsatmosphäre in der Bibliothek gefehlt. Meine Wohnung ist sehr hellhörig und meine Nachbarn waren häufiger im Garten, wodurch es teilweise etwas lauter wurde. Zu Hause war daher nicht die perfekte Lernatmosphäre. Deshalb bin ich oft zu Freunden oder in Cafés, um zu studieren.

Und die Umstellung bezüglich der Kurse? 

Für mich war es ok. Zwar hatte ich Zoom zuvor noch nie benutzt, doch die Anwendung ist relativ simpel. Bei manchen Kursen ging das tatsächlich total schnell und hat auch gut geklappt. Bereits Mitte April haben die ersten Kurse online stattgefunden. Voraussetzung für das digitale Studieren sind eine gute Internetverbindung und ein gut laufender Laptop oder PC. Letzteres war bei mir nicht der Fall – mein Laptop ist leider nicht mehr besonders leistungsstark, weshalb ich teilweise Schwierigkeiten hatte. Eine Reparatur meines Laptops war zu dem Zeitpunkt nicht möglich, weil die zuständigen Geschäfte geschlossen hatten.

Wie sah dein Privatleben in der Zeit aus?

In der ersten Zeit der Corona-Pandemie war ich, wie viele andere Studierende auch, in meiner Heimat bei meiner Familie. Weil aber Museen, Konzerthäuser oder Kinos geschlossen waren, war ich häufiger draußen und habe mich nach den ersten Lockerungen dann auch viel mehr mit meinen Freunden im Park oder auf einen Spaziergang getroffen.

Hattest du auch weiterhin Kontakt zu deinen Kommilitonen?

Da ich am Ende meines Studiums stehe, habe ich bereits ein gutes Netzwerk mit anderen Studierenden aufgebaut, mit denen ich mich austauschen konnte. Ich könnte mir aber vorstellen, dass Studienanfänger und Studienanfängerinnen durchaus größere Problematiken hatten, weil sie schwieriger Kontakt aufbauen konnten.

Zurück zum Studium: Welche Vorteile ziehst du aus dem digitalen Studieren?

Auch wenn es zu Hause etwas lauter war als in der Bibliothek, so war ich doch zeitlich flexibler. Teilweise haben die Kurse nicht über Zoom stattgefunden, sondern über Videos, die zu jeder Zeit – auch mehrfach – angeschaut werden konnten.

Sind die Lehrformen und Programme einheitlich?

Die Umsetzung erfolgte nicht einheitlich. Das könnte daran liegen, dass es zum einen relativ schnell gehen musste und teilweise die nötige Technik bei den Professoren nicht vorhanden war. Einerseits gab es Kurse über Zoom, die mit festem Termin datiert wurden, andererseits gab es auch Vorlesungen, die aufgenommen und als Datei übermittelt wurden.

Hast du eine lustige Anekdote aus der Zeit parat?

Ja, tatsächlich: Direkt meine erste Zoom-Vorlesung war amüsant. Mein Dozent hat versehentlich eine Tasse Kaffee über seiner Tastatur entleert. Allein das sorgte schon für Schmunzler. Er ist schreckhaft aufgesprungen und holte ein Handtuch. Beim Aufwischen des Kaffees löste sich durch eine Schnelltaste ein Song von Andreas Gabalier aus, der lautstark abgespielt wurde.

Meinst du, jetzt mit deinen Erfahrungen, dass digitales Studieren die Zukunft ist?

Auf jeden Fall. Das digitale Studieren und Arbeiten hat definitiv Zukunft, nur braucht es natürlich etwas Zeit, bis es sich einpendelt. Außerdem müsste eine Lösung gefunden werden, die es ermöglicht, dass auch die Studierenden mit geringen Ressourcen mit passendem technischem Equipment unterstützt werden.


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Digitale Helfer: Apps zum Studienstart

Neue Stadt, neue Leute, Klausurenstress und kaum Kohle auf dem Konto – der Studienstart kann oft unübersichtlich werden. Das Handy ist der Retter: Wir stellen euch fünf Apps vor, die den Uni-Alltag leichter machen

Text: Sophia Herzog 

 

Stadtrad

Das Fahrrad ist kaputt und der Bus gerade abgefahren – auch in einer Großstadt wie Hamburg wird die Reise von A nach B manchmal kompliziert. Zum Glück gibt es in Hamburg inzwischen an fast jeder Straßenecke eine Stadtrad-Station, an der sich registrierte Kunden ein Fahrrad ausleihen können. In der App wird angezeigt, wo in der Nähe noch eines der roten Räder verfügbar ist, die Ausleihe erfolgt ebenfalls über das Smartphone – im schicken, neuen Design ist die App übersichtlich gestaltet und funktioniert reibungslos. Teuer ist die Stadtrad-Nutzung nicht: Studenten zahlen eine Jahresgebühr von fünf Euro, bei einer Registrierung wird derselbe Betrag als Startguthaben angerechnet. Die ersten 30 Minuten der Fahrt sind sogar kostenlos.

Fazit: Auch, wenn das eigene Rad im Keller steht – eine Mitgliedschaft bei Stadtrad lohnt sich, um für alle Eventualitäten vorbereitet zu sein. Der Service ist günstig, die Räder meistens in sehr gutem Zustand und die App leicht zu bedienen.

stadtrad.hamburg.de; Preis: kostenlos, Fahrrad-Nutzung kotenpflichtig;
Betriebssystem: Android, iOS

 

Clubplan

Von den Kneipen auf dem Hamburger Berg bis hin zu den Techno-Schuppen unter der Sternbrücke – Hamburg hat eine vielfältige Clublandschaft, die Studierenden zuverlässigen Ausgleich zum stressigen Campus-Leben bietet. Um einen guten Überblick über die vielen Angebote zu bekommen, lohnt sich ein Blick in die App des Clubkombinats: Der Verein ist seit 16 Jahren die wichtigste Interessenvertretung der Hamburger Clubbetreiber. Auf Clubplan werden alle Termine der Mitglieder in einer praktischen Übersicht gesammelt. Mit dabei sind unter vielen anderen zum Beispiel das Docks, Fundbureau, Grünspan oder Knust. Die Veranstaltungen lassen sich einfach nach Datum, Genre, Art der Veranstaltung oder Location filtern und für später speichern.

Fazit: Für Musik-Fans ist die App des Clubkombinats fast schon Pflicht: Clubplan sammelt alle wichtigen Infos in einer App, sodass niemand mehr an der Frage verzweifeln muss, wo es denn heute Abend hingehen soll.

app.clubkombinat.de; Preis: kostenlos; Betriebssystem: Android, iOS

 

UHH mobile

Acht Fakultäten, über 170 Studiengänge, 40.000 eingeschriebene Studierende – die Universität Hamburg ist eine der zehn größten Hochschulen Deutschlands. Dieses Labyrinth aus Vorlesungssälen und Seminarräumen kann ganz schön unübersichtlich werden. Die hauseigene App der Uni Hamburg soll Hilfestellung leisten: Auf einer übersichtlichen Karte der Stadt sind alle wichtigen Orte verzeichnet. Wer zum Beispiel das Uni-Café Knallhart sucht, gibt den Namen einfach in die Suche ein und kann gleich die entsprechende Route abrufen. Für Studierende, die einen besonders guten Überblick bekommen möchten, wird die App bei einer Campus-Tour zum digitalen Fremdenführer. Außerdem aufgelistet werden in der App wichtige Kontaktinformationen und die aktuellen Speisepläne aller Hamburger Mensen.

Fazit: Mit Campus-Karte und Mensaplänen eine praktische Orientierungshilfe – für erfahrene Studierende, die sich auskennen, hält die App allerdings wenig andere brauchbare Funktionen bereit.

uni-hamburg.de; Preis: kostenlos; Betriebssystem: Android, iOS

 

StudySmarter

Wenn die Klausurenphase ansteht, fangen viele Studenten an zu schwitzen. Denn: Lernen muss gelernt sein. Wichtig sind dabei vor allem eine gute Struktur und sortierte Materialien. Dafür gibt es inzwischen einige digitale Tools – eins davon ist die App StudySmarter. In die Smartphone-App und die passende Desktop-Anwendung können Studierende ihre Vorlesungsskripte hochladen und sich daraus Zusammenfassungen und digitale Karteikarten erstellen. Der Algorithmus lernt beim Abfragen sogar, welche Infos schon sitzen und welche vielleicht noch öfter wiederholt werden sollten. Die Lernmaterialien lassen sich einfach mit Freunden teilen, außerdem existieren für viele große Hochschulen bereits Lernmaterialen, auf die Nutzer zugreifen können – auch für die Uni Hamburg.

Fazit: Die vielen Funktionen von StudySmarter wirken zu Beginn etwas überwältigend – wer sich einmal in die App eingefuchst hat, kann aber viel aus ihr herausholen. Großer Pluspunkt: Über die App hat man alle Lernmaterialen an einem Speicherort und damit gut im Blick. Nur auswendig lernen muss man noch selbst.

studysmarter.de; Preis: kostenlos; Betriebssystem: Android, iOS

 

ZenJob

Am Ende des Monats richtig knapp bei Kasse? Nicht verzweifeln: Über die Plattform ZenJob können sich Studierende kurzfristig Minijobs in Unternehmen suchen, die flexibel Personal suchen. Nach der Anmeldung müssen die Studis zwar zum persönlichen Gespräch im Unternehmenssitz in Hamburg vorbeikommen, danach läuft aber alles digital ab. Wer gerade Bedarf hat, bekommt über die App Vorschläge für Jobs aus den Bereichen Industrie, Handel, Logistik, Event und Messe. Meist ist keine Qualifikation nötig, wenn doch – beispielsweise ein Führerschein – dann wird die Arbeit auch etwas besser bezahlt. Ein Mindestlohn von elf Euro pro Stunde ist aber sicher. Je mehr Jobs die Nutzer zu der Zufriedenheit der Arbeitgeber erledigen, desto bessere Jobs werden angeboten. Die Menge der Arbeit ist flexibel. Über die Semesterferien mehr zu arbeiten oder in der Klausurenphase zu pausieren, ist also kein Problem.

Fazit: Wer über ZenJob Arbeit sucht, kommt schnell an sein Ziel – Anmeldung und Vermittlung der Jobs funktionieren gut. Und: Die Suche über ZenJob ist so flexibel, dass sie gut neben dem Studien-Stress zu bewältigen sind.

zenjob.de; Preis: kostenlos; Betriebssystem: Android, iOS


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Unionitas – Die Superwoman-Pose

Die Fußballerinnen vom Altonaer S. C. Union 03 hatten einen erschwerten Start, sorgten aber schnell dafür, dass die Macho-Blödelei am Spielfeldrand aufhörte. Allez, allez, Unionitas!

Am Anfang gab es Pfiffe. 2006, im Jahr des deutschen „Sommermärchens“, wagte es eine ambitionierte Truppe von Uni-Fußballerinnen, auf dem Feld des S. C. Union 03 vorzuspielen. Der Club hatte damals noch keine Frauenmannschaft. Männer aller Altersklassen schleppten sich über das unebene Grün und staunten nicht schlecht, als sie plötzlich Besuch bekamen, der auch noch vorhatte, zu bleiben. „Die Pfeiferei war das eine, die Kommentare vom Spielfeldrand das andere“, erinnert sich die 37-jährige Phoebe, eine der Frauen, die damals debütierten. „Nicht selten bekamen wir einen ‚Ey, Triokottausch!‘-Spruch zu hören. Die Männer waren es einfach nicht gewohnt, dass auch Frauen vor Ort waren.“

Eine direkte Konfrontation, so die promovierte Pädagogin, habe es nicht gegeben, niemand wurde zur Rede gestellt, vielmehr vor vollendete Tatsachen. „Wir haben einfach weitergemacht, uns unser Standing peu à peu erarbeitet.“ Heute gebe es keine Quatschkommentare mehr, im Gegenteil. Von den Union-Männern komme sogar die Anfrage nach einer gemeinsamen Weihnachtsfeier.

„Für Jedermann“

Harte Schale, weicher Kern, möchte man meinen, und das nicht nur in Sachen Mentalität. Auch die Räumlichkeiten von Union wirken schroff, mit grau-grün gefliesten Wänden und dem Sportmief aus zig Jahrzehnten in den winzigen Kabinen. Die Gaststätte nebenan: „Für Jedermann“, so steht es an der Mauer, aber außer ein paar Bierbauchburschen und dem Barmann traut sich selten jemand hinein in die schrullig eingerichtete Stube, die Besuchern freien Blick auf das Spielgeschehen bietet.

Seit 2006 sind beim S. C. Union 03 auch Frauen am Ball. Foto: Michael Kohls

Das Bild draußen passt zum Rest: mittelgut gepflegter Rasen, keine zehn Zuschauerreihen, die sich als Mix aus Kieselsteinen und rissigem Beton ums Feld biegen. Dahinter kommt nur noch bröckelnder Industriehallencharme, der genug Fläche für eine XXL-Aufschrift des Vereins bietet: S. C. Union von 1903 e. V.

Soweit die Kulisse, vor der Phoebe und Co bei Heimspielen antreten. Auch damit kommen sie klar. „An der Uni war der Fußballkurs für Frauen umsonst und gut besucht“, erzählt Phoebe, „wir hatten richtig Bock auf Kicken und irgendwann auch auf mehr als nur den Uni-Fußball.“ Daher die Unionitas, und daher auch die ersten, ziemlich bald eingefahrenen Erfolge. Die defensive Mittelfeldakteurin und ihre Mitspielerinnen rangieren aktuell auf dem sicheren sechsten Platz der Bezirksliga, haben es aber zeitweise schon in die Landesliga geschafft, also dorthin, wo etwa die zweite Frauenmannschaft des großen HSV ein Gegner war. Fun Fact: Die Union-Männer kicken derzeit nur in der Kreisliga.

Vereinsstolz? Nein, Unionitas-Stolz!

Vielleicht liege es an den Schwierigkeiten zu Beginn, dem nicht sofort vorhandenen Respekt, meint Phoebe, dass es auch nach zwölf Jahren bei Union 03 keinen wirklichen Vereinsstolz unter den Frauen gebe. Dafür einen Stolz auf die Frauen, die Unionitas. Sie seien zwar alle berufstätig, haben fast alle Kinder, und der Fußball sei vor allem ein Freizeitvergnügen, zweimal die Woche im Training und am Wochenende beim Punktspiel. Aber man habe sich eben etwas aufbauen können, sich nicht unterkriegen lassen, also Grund genug, selbstbewusst aufzutreten.

Beim Warmmachen am Spieltag kommen sie zusammen, im Kreis um ihren Trainer Markus Redlich, die Hände in die Hüften gestemmt. „Wir gehen dann immer in die Superwoman-Pose, zeigen, dass wir da sind und an uns glauben. Wir sagen uns: Wir können was, wir sind gut, und wir gehen jetzt auf den Platz.“ Kurz vor dem Anpfiff noch der Schlachtruf: „Allez, allez, Unionitas!“ Und mancher Mann an der Bande murmelt ihn mit.

Text: Erik Brandt-Höge

Fotos: Michael Kohls

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 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juni 2018. Das Magazin ist seit dem 26. Mai 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!

Jodel – Eine App erobert den Campus

Die Uni Hamburg ist Jodel-Hochburg. Gemeint ist aber nicht der Gesang aus den Alpen, sondern eine App, die viele Studenten in ihren Bann zieht.

Anonym, offen und ungehemmt kann man auf Jodel Sprüche klopfen oder sich mitdem #jhj – Jodler helfen Jodlern – Rat holen. Vieles dreht sich hierbei um Karma. Wird dein Post mit Upvotes belohnt, gibt’s gutes Karma. Kaufen kann man sich dafür nichts, aber es fühlt sich gut an.

Jodler lieben ihre Stadt. Quelle: Jodel

Seit 2014 werden schon auf Jodel Sprüche geklopft, die jeder in einem Umkreis von 10 Kilometern lesen kann. Im letzten Jahr legte die App noch mal tüchtig an Beliebtheit zu. Gepostet werden Bilder oder knappe Texte. Über eine Million Nutzer schreiben bis zu 600.000 Kurznachrichten pro Tag. Inhaltlich erinnert das Ganze stark an eine digitale Uni-Klowand, Stand-up-Comedy oder Selbsthilfegruppe. Die Standortbegrenzung führt zu einer sehr starken Bindung zu der Stadt, in der man jodelt. Für alle, die Jodel Hamburg noch nicht verfolgen, sind hier die wichtigsten Grundlagen, die man wissen sollte.

Die schönste Stadt der Welt

Hamburger Jodler sind sich in einer Sache einig: Hamburg ist die schönste Stadt der Welt. Und niemand kann uns etwas anderes erzählen. Egal ob hier geboren oder nur zu Besuch, wir lieben diese Stadt. An keinem anderen Ort bleibt man lieber im Bett liegen. Hier gibt es das beste Schietwetter, die schönste Hafenskyline und das beste Gebäck: Franzbrötchen. Ein Franz geht immer. Ob an einem stressigen Tag oder bei einem gemütlichen Sonntagsfrühstück: Franz muss mit. Und das halten wir in jede Menge (Foto-)Jodel fest, wenn wir von dieser Heimatliebe gepackt werden.

Das HVV Racing Team

Wenn du von A nach B möchtest: Unser HVV hat das beste Racing Team. Manni, so heißen die Busfahrer bei Jodel, fährt immer auf Bestzeit– am liebsten ein paar Minuten zu früh genau vor deiner Nase weg, den Blick auf die Rundenbestzeit gerichtet. Die Hochbahn macht auch mit – das Rennen der U1 und U3 an der Kellinghusenstraße ist ein Klassiker. Und mach dir keine Sorgen: Niemand findet den richtigen Ausgang am Jungfernstieg. In diesem Labyrinth aus Gängen und Treppen kommt man gern am falschen Ende der Stadt raus.

Typische Jodler. Quelle: Jodel

Jodel-Typologie

Die Erstis werden gern auf die Schippe genommen. Mit der perfekten Lunchbox und einer riesigen Kollektion Stifte stehen sie den Langzeitstudenten mit einem geliehenen Kuli gegenüber, die ihre Notizen auf einer Serviette machen. Und natürlich gibt es unter Studenten auch die ein oder andere Stichelei. Informatiker? Alles Jungfrauen. Jura-Studenten? Alle reich. Grundschullehramt? Malen in Klausuren nur Mandalas aus. Wer übermalt, ist durchgefallen. Aber eines haben alle Studenten gemeinsam: In der Klausurenphase sind alle lieber auf Jodel und jammern, wie schwer das Lernen fällt,wenn man durch Jodel abgelenkt wird. Schlussendlich sind Jodler auch nur ganz normale Studenten. Dank Jodel fühlt man sich weniger schlecht, wenn man sich am Ende des Monats das Geld für die letzten Nudeln mit zurückgegebenen Pfandflaschen zusammenkratzt. Eine Jodel-Weisheit: Am Ende des Geldes ist noch viel zu viel Monat über.

Möwen in der Jodel-eigenen Schreibweise. Quelle: Jodel

Katerstimmung

Trotzdem gehen wir am Wochenende feiern. Woran man das merkt? Die einzige Zeit, an der Jodel einmal schweigt, ist sonntagmorgens. Da ist eher Katerstimmung angesagt. Zeit für Bettgeschichten im Zeichen des #dlrh – einfachmal den Lörres reinhämmern. Ist ja schließlich alles anonym, da fallen die Hemmungen schnell. Oder Zeit, Bilder von seinen Haustieren zu posten. Und alle Tiere werden zu Katzen, in der Jodel-eigenen Schreibweise: Gadse, Bellgadse, Fluggadse, Nussgadse, Hoppelgadse (Katze, Hund, Vogel, Einhörnchen, Hase) – die Möglichkeiten sind endlos. Und damit bleibt nur noch zu sagen: Glückwunsch, du bist gerade zum Jodler geworden.

 

 

 

 

Text: Melina Morg

Quelle: Jodel

 


Uni Extra 2017Ein Beitrag aus der SZENE Hamburg Uni Extra Frühjahr/Sommer 2017. Das Magazin für Hamburgs Studenten liegt kostenfrei auf dem Campus aus und ist zusätzlich als Heft im Heft in der April-Ausgabe unseres Stadtmagazins SZENE Hamburg erschienen.

 

Das Wohnzimmer – Lernraum in der HCU

Studis besetzen einen Raum in der HafenCity Universität. Das Wohnzimmer ist Lernraum, Filmsaal, Kneipe und Aufenthaltsraum in einem

In diesem Ohrensessel möchte man einfach nur versinken. Foto: Polina Sluysar

Das Mobiliar im sogenannten „Wohnzimmer“ ist gemütlich und altmodisch. Man möchte darin versinken und fühlt sich an den letzten Besuch bei den Großeltern erinnert. Nur die Wände sehen nicht aus wie bei Oma. Sie sind plakatiert mit Appellen, die gegen Sexismus, Rassismus und jegliche Art von Diskriminierung mobilisieren. Auf den ersten Blick unterscheidet sich das Szenario nicht weiter vom typischen Studentenalltag an einer Universität. Hier an der HafenCity Universität (HCU) jedoch ist das alles noch Neuland.

Das Wohnzimmer der HCU. Foto: Polina Sluysar

Die HCU, die ursprünglich ihre Standorte in der City Nord und Mundsburg hatte, ist erst vor drei Jahren in den Neubau direkt am Wasser in der HafenCity gezogen. Das Gebäude ist erwartungsgemäß modern, wird aber dominiert von einer kühlen Beton-Ästhetik sowie fast schon steril wirkenden Räumen, die es noch mit Wohnlichkeit und Leben zu füllen gilt. Dieser Aufgabe widmen sich unter anderem die Studierenden von „freiRaum“. Inspiriert von dem Prinzip der Gemeinschaft im Gängeviertel und dem studentischen Café Knallhart fassten sie einen Entschluss: „Lasst uns in der Uni etwas besetzen!“ So entstand der Ort, der mittlerweile als das „Wohnzimmer“ bekannt ist.

So sieht Wohlfühlcharakter aus. Foto: Polina Sluysar

Der Raum, der von Seiten der Uni ursprünglich als reiner Lernraum vorgesehen war, ist mittlerweile nicht nur gemütlich, sondern auch eine Plattform für politischen und kulturellen Austausch und eine Möglichkeit, Kontakte außerhalb des Studiengangs zu knüpfen. Die aktiven Studenten zeigen Filme, organisieren einen Kneipenabend und Vorträge und haben eine Verschenk-Station und einen Flyer-Ständer in den Raum integriert. Das Ziel ist nicht, die Prinzipien der Universität über Bord zu werfen, sondern Ecken zu schaffen, die anders sind. Die Studenten von freiRaum wollen Zufluchtsorte schaffen und das Denken etablieren, damit Lernen und Innehalten auch an der eigenen Hochschule möglich ist. Der Raum ist selbstverwaltet, daher sind jegliche Veränderungen seitens der Studierenden, zum Beispiel selber irgendwo ein Sofa aufstellen, sehr willkommen.

Text & Fotos: Polina Slyusar

„Wohnzimmer“ im 1. OG, bei den Lernräumen in derHafenCity Universität, Überseeallee 16 (HafenCity)


Who the fuck is…

 

…Polina Slyusar?
Die 25-Jährige studiert an der HafenCity-Universität Bauingenieurwesen und hat eine ausgeprägte Leidenschaft für Subkulturen. Für SZENE HAMBURG Uni-Extra (erschienen im Oktober 2017) schrieb sie über das sogenannte „Wohnzimmer”, einen ihrer Lieblingsorte an der Hafencity-Universität.


 Der Text ist ein Auszug aus dem SZENE HAMBURG Uni-Extra (Ausgabe Herbst/Winter 2017/18) 


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