Bald wieder voll, die Hörsäle an der Universität Hamburg (Foto: UHH/vonWieding)

Uni-Extra: Zurück in den Hörsaal

Nach anderthalb Jahren kehren die Hamburger Universitäten wieder zurück in die Präsenzlehre. Auf Studierende und Lehrende warten dabei viele Herausforderungen

Text: Felix Willeke

 

Am 27. August, genau 46 Tage vor geplantem Vorlesungsbeginn, sagte die Hamburger Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank: „Nach drei weitestgehend digitalen Semestern, die für die meisten Studierenden nur mit großen Herausforderungen und Entbehrungen zu bewältigen waren, bin ich nun sehr froh, dass es uns gelungen ist, mit allen Beteiligten einen Weg aufzuzeigen, wie wir an den Hamburger Hochschulen zum Wintersemester wieder den Präsenzbetrieb ermöglichen können.“ Doch wie ist es für Studierende und Lehrende nach drei digitalen Semestern, wieder in die Hörsäle zurückzukehren – vor allem vor dem Hintergrund, dass die Corona-Pandemie noch nicht vorbei ist?

 

Online hat etwas gefehlt

 

Prof. Dr. Katharina Kleinen-von Königslöw (Foto: Sebastian Engels)

Prof. Dr. Katharina Kleinen-von Königslöw (Foto: Sebastian Engels)

„Die letzten anderthalb Jahre Online-Lehre hatten ihre Höhen und Tiefen“, sagt Sally Rikke Bohm, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit und Presse des AStA der Universität Hamburg. „Total gefehlt hat der soziale Austausch mit anderen Studierenden, das macht das Ganze eigentlich aus.“ Diese Meinung hat die Vertreterin der Studierenden nicht exklusiv. Die Prodekanin für Studium und Lehre an der Uni Hamburg, Katharina Kleinen-von Königslöw, sieht es ähnlich. Sie ist nicht nur für den organisatorischen Ablauf des Lehrbetriebs verantwortlich, sondern auch Professorin für Journalistik und Kommunikationswissenschaft: „Was bei der Online-Lehre fehlt, ist die Kommunikation rund um die Vorlesung. Die ist immer hilfreich, um es auch menschlich nett zu machen (lacht). Man hat auch über das Semester hinweg gemerkt, dass die Rituale des Ankommens und des sich aufeinander Einstellens sehr fehlen. Das gilt auch für die Studierenden untereinander, und uns Dozent:innen gegenüber baut das direkte Miteinander Hemmungen ab.“

 

3G kommt

 

Sally Rikke Bohm, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit und Presse des AStA der Universität Hamburg (Foto: Sally Bohm)

Sally Rikke Bohm, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit und Presse des AStA der Universität Hamburg (Foto: Sally Bohm)

So haben die drei digitalen Semester einige neuen Herausforderungen mit sich gebracht und dazu technische Probleme als Begleitmusik. Jetzt geht es wieder zurück an die Hochschulen. Die Vorlesungen und der gesamte Betrieb soll an den staatlichen Hochschulen in Hamburg nach dem 3G-Modell funktionieren. Das heißt, für den Uni-Alltag müssen Lehrende und Studierende genesen, geimpft oder nach aktuellen Richtlinien negativ getestet sein. „Wir reden dabei nicht über 100 Prozent, sondern über 50 bis 75 Prozent Präsenzlehre“, erklärt die Professorin. „Im Moment liegt die Entscheidung über die Präsenz in den Händen der Lehrenden.“ Die Professor:innen entscheiden also selbst, ob sie die Studierenden persönlich ins Seminar bitten oder weiter auf eine digitale Lösung setzen. „Zurück an die Uni ist ein komisches Gefühl, weil man lange nicht da war“, meint die Sprecherin des AStA. „Wir haben noch Corona und deswegen kann ich mich persönlich nicht so entspannt am Campus aufhalten wie vorher.“

 

2G als Alternative?

 

Dazu kommt die Frage, wie der ganze Ablauf mit der Prüfung der 3G-Richtlinien funktionieren wird. Bis Mitte September gab es von den großen Hamburger Hochschulen noch keine verbindlichen Aussagen, wie das genau vonstatten gehen soll. Während die Uni Hamburg überlegt, ob sie auf stichprobenartige Kontrollen setzen will, nachdem sich die Studierenden einmalig zentral registriert haben, soll es unter anderem an der HafenCity Universität 3G-Kontrollen an den Eingängen geben. Katharina Kleinen-von Königslöw schlägt als Alternative ein 2G-Modell vor: „Die Universität ist eine Blase für sich und ich gehe davon aus, dass die meisten geimpft sind. Ich persönlich denke – und mir ist klar, dass 2G einen Teil der Studierenden aus der Präsenzlehre ausschließen würde – dass es optimal wäre, wenn wir erstmal ein digitales Studium weiterhin möglich machen könnten. Dann wäre 2G überhaupt kein Problem. Wir könnten Organisationsaufwand und Kosten reduzieren und vielleicht sogar mehr Präsenz anbieten. Neben den Ungeimpften könnten beispielsweise auch Studierende mit Kindern von dieser Lösung profitieren.“ Dem stimmt auch Sally Rikke Bohm zu, wünscht sich aber zugleich ein Impfangebot auf dem Campus, „um die Impfung für die bisher Ungeimpften niederschwellig zu gestalten.“ Während eine Lösung nach dem 2G-Modell noch Zukunftsmusik ist, müssen alle Hamburger Universitäten mit der 3G-Vorgabe arbeiten. Deswegen rät Bohm den Studierenden, die bisher nur online studieren konnten: „Nehmt die neue Situation gelassen, es ist für alle neu“, und Kleinen-von Königslöw ergänzt: „Lassen Sie sich Zeit, es wird ungewohnt sein für uns alle, erst recht mit so vielen Menschen.“

Mittlerweile haben die HAW (am 14. Oktober und 4. November 2021 auf drei verschiedenen Campussen) und die Universität Hamburg (Pop-up-Impfen auf dem Campus, am 4. und 25. Oktober 2021) ein Impfangebot eingerichtet.


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Oktober 2021. Das Magazin ist seit dem 30. September 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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1 Antwort
  1. HannaH
    HannaH says:

    Ich bin einfach nur noch entsetzt, wie willfährig die Universitäten sich der Politik der Spaltung anschließen und dass sich in den Reihen der Studierenden kein bisschen Widerstand gegen allgenwärtige Kontrollen und Ungleichbehandlung regt. Was ist in den zurückliegenden anderthalb Jahren aus den Universitäten als Orten der sozialen Begegnung und der wissenschaftlichen Kontroverse geworden (wenn Kontroverse nur noch heißen darf: 2 oder 3 G)? Abgesehen von den grundsätzlichen Bedenken, die ich angesichts der exklusiven Regularien habe, die zur Impfung nötigen, will ich kurz ein Beispiel dafür geben, wie leicht Menschen in Konflikt mit diesen geraten können: Ich lebe mit einer Autoimmunerkrankung und habe im Frühjahr 2021 Covid-19 durchgemacht. Mein Genesenenzertifikat ist vor kurzer Zeit abgelaufen, das heißt, ich gelte jetzt als “ungeimpft”. (Ja, das wissen viele nicht: der Genesenenstatus wird nur für ein halbes Jahr anerkannt, obwohl mittlerweile zahlreiche Studien vorliegen, die einen soliden Immunschutz für einen deutlich längeren Zeitraum bestätigen; dies wurde zuletzt auch von der Deutschen Gesellschaft für Virologie anerkannt: https://g-f-v.org/2021/09/30/4411/). Obwohl keine Studien zu möglichen Wechselwirkungen zwischen der neuen Impfung und verschiedenen Autoimmunerkrankungen vorliegen, wurde sie pauschal von der Stiko empfohlen. Zu möglichen Effekten einer Wechselwirkung von überstandener Infektion (Restantikörpern etc.), Autoimmunerkrankung und Impfung gibt es natürlich erst recht keine Daten. Ich hätte also gern die Freiheit, eigenverantwortlich zu sagen: “I prefer not to” – und dies, ohne in der Folge damit leben zu müssen, von der Uni und verschiedenen sozialen und kulturellen Orten ausgeschlossen zu werden. Selbst mein Arzt sagte mir, dass er, wäre er autoimmunkrank und genesen, sich nicht impfen lassen würde – die Frage sei nur, wie lange man in der Lage sei, dem sozialen Druck standzuhalten! Ein Attest könne er mir nicht ausstellen, da die Reihe der Diagnosen, bei denen von einer Impfung offiziell abgeraten wird, ausgesprochen kurz ist. Diejenigen, die nicht von den 2G/3G-Regeln betroffen sind, scheinen keinen blassen Schimmer zu haben, wei sich das anfühlt. Eigentlich würde ich mich gern wieder auf die eigentlichen Inhalte meines Studiums konzentrieren. Stattdessen: Kampf gegen Windmühlen.

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