Itsch Itsche Festival: Here to stay

Melissa Kolukisagil ist im badischen Oberkirch aufgewachsen, studierte in Hamburg Politikwissenschaft und organisiert in ihrem Wohnort Berlin das İç İçe Festival. Ein Gespräch über neue anatolische Musik, (post-)migrantische Kultur und einen Abend Anfang September im Knust

Interview: Ole Masch  

 

SZENE HAMBURG: Melissa, was heißt İç İçe wörtlich und welche Bedeutung hat der Begriff?

Melissa Kolukisagil: İç İçe, heißt so viel wie „ineinander verschränkt“ oder „miteinander verwoben“ sein. Für uns steht İç İçe für das Verschränken von hybriden Identitäten, das Leben in der postmigrantischen Gesellschaft. İç İçe steht somit auch für die Akzeptanz von Mehrfachzugehörigkeiten. Es geht um einen Raum in dem plötzlich vieles möglich ist.

Wie ist postmigrantische Gesellschaft definiert?

Der Begriff meint, dass unsere Gesellschaft durch die Erfahrung der Migration geprägt ist. So auch die Kulturlandschaft und das, obwohl migrantische Kunst oft nicht ihre Anerkennung erfährt, die sie verdient. Da sie oft nicht gefördert wurde und die Zugänge fehlten. Allmählich ändert sich das und İç İçe ist Teil von dieser Veränderung. Aber auch nur möglich, weil Jahre zuvor andere migrantische Personen schon hervorragende Arbeit geleistet haben. Es geht um politische, kulturelle und soziale Veränderungen, welche durch die Einwanderung, auch im Kontext der Gastarbeiter:innen, hervorgehen.

Wie könnte eine größere Anerkennung gelingen?

Eine große Schwierigkeit ist weiterhin die Diskriminierung von Menschen mit einem migrantischen Hintergrund. Die gesellschaftliche Akzeptanz, welche leider noch nicht vorhanden ist, entsteht auch aus der Tatsache, dass die Räume nicht gegeben sind. Deswegen arbeitet İç İçe daran, diese zu schaffen, um Menschen eine Möglichkeit zu geben gesehen und gehört zu werden, aber wo sie auch einfach ausgelassen feiern können.

Warum sind diese Räume so wichtig?

In eigenständigen Räumen kann Kunst entstehen, die freier ist von den Erwartungen der Dominanzgesellschaft. Hier kann kulturelles Leben selbstbestimmter stattfinden und Solidarität zwischen unterschiedlichen Communitys wachsen. Nur wenige andere Städte in Deutschland stehen so sehr für postmigrantische Kultur wie Berlin. Doch auch hier ist es für postmigrantisch kulturelle Räume schwer zu überleben oder gar zu entstehen – sei es aufgrund der rasanten Gentrifizierung, die Innenstädte homogenisiert oder einer weißen Kulturförderlandschaft.

 

 

Was ist das Neue an „neuer anatolischer Musik“?

Die anatolische Region ist seither ein Schmelztiegel für diverse kulturelle Strömungen und Musiktraditionen. Spätestens seit den 60er-Jahren entfalten sich diese in unserer unmittelbaren Nachbarschaft neu und beeinflussen, vom Underground bis in die Popkultur, unseren Alltag und das Nachtleben. Das „Neue“ daran ist, die Art und Weise wie Menschen die kulturellen Fragmente ihrer Herkunft neu interpretieren und sich innerhalb der Gesellschaften, die sie beheimaten, Platz verschaffen.

Was macht den Sound aus?

Neue anatolische Musik – es ist absichtlich offengehalten und kann alles sein. Es geht darum, Raum zu lassen für die Interpretation der Künstler:innen, die vor allem in zweiter und dritter Generation in der Diaspora leben. Anatolische Musik ist divers aufgestellt. Es variiert von Musik durch klassisch anatolische Instrumente wie der Bağlama, aber findet sich auch im Rap von beispielsweise Apsilon wieder, da Apsilon in Texten Fragen von Identität und Mehrfachzugehörigkeiten verhandelt. Da die anatolische Region schon immer ein Schmelztiegel war, ist eine konkrete Antwort schwer, anatolische Musik kann und darf alles sein. Wir möchten vor allem mit der oft eindimensionalen Erwartung brechen, wie anatolische Musik klingen soll.

Wie kamst du auf die Idee, daraus ein Festival zu machen?

Meine musikalische Sozialisation fand als Kind auf türkischen Hochzeiten statt. Aufgewachsen bin ich mit türkischen Pop-Hits. Natürlich muss hier Takan erwähnt werden, aber auch Klassiker wie Orhan Gencebay, den ich heute aufgrund seiner politischen Positionierung kritisch betrachte, waren Teil meines damaligen Repertoires. Das Lied „Kaderimin Oyunu“ von Orhan Gencebay hat bis heute eine besondere Bedeutung, denn es begleitete die Autoreise meiner Mutter, als diese als Braut aus der Türkei nach Deutschland kam.

Meine Mutter hat viel gesungen, was mich auch geprägt hat. In der Pubertät habe ich irgendwann fast gar keine anatolische Musik mehr gehört und befand mich irgendwo zwischen Auflehnung gegen meine Familie und Protest gegen die weiße Dominanzgesellschaft. Als ich dann auf einem Festival war und Altın Gün gehört habe, war das eine ganz besondere Erfahrung zu sehen, wie die Lieder, die ich aus meiner Kindheit kannte, von allen gefeiert wurden. Als ich selber begann in der Veranstaltungsbranche zu arbeiten, erlebte ich diese als sehr weiß, männlich und hierarchisch. Das war kein Umfeld, in dem ich bleiben wollte und deswegen mit İç İçe den Raum schaffen, der mir, beziehungsweise uns, fehlt.

Wer steckt noch dahinter?

İç İçe ist ein Team von insgesamt sieben Leuten. Wir arbeiten gemeinsam an dem Projekt mit viel Herz. Wir sind zudem ein sehr diverses Team, was nicht nur für uns persönlich, aber auch für İç İçe sehr gewinnbringend ist, da wir viele Perspektiven einbinden können. 

 

„Zwischen anatolischer Hochzeit und Technoclub“

 

Nun kommt ihr von Berlin nach Hamburg. Wie ist das entstanden?

Es war überwältigend, die Resonanz zu sehen und auch die Wichtigkeit, dass diese Räume existieren und geschaffen werden. Unser Publikum kam für İç İçe in Berlin aus ganz Deutschland angereist, kein Weg war unseren Besucher:innen zu weit. Der Wunsch, dass wir diesen Raum ausweiten können, ist damit weiter gewachsen und jetzt haben wir die Ehre in Hamburg dies zu ermöglichen. Tim aus dem Knust kam hierfür auf uns zu und ist ein toller Partner für die erste Ausgabe außerhalb Berlins.

Wie ist der Abend aufgebaut?

Er wird eine gewisse Dramaturgie haben. Mir ist es wichtig, nicht nur ein Konzert nach dem anderen zu zeigen, es soll um die Inhalte, das Gefühl gehen. Wir haben ein Programm gestaltet, welches ein Konzept der Plattform aufgreift und den Raum der Vernetzung erzeugt. Wir werden wunderbare Konzerte von zum Beispiel Nalan sehen. Gegen Abend werden dann auch DJs wie Hülya aus Hamburg auflegen. Adir Jan verschränkt Texte über homosexuelle Liebe mit mitreißenden psychedelischen Sounds von „klassisch“ anatolischen Instrumenten. Oder DJ Ipek, die immer einen tollen Mix hinbekommt – zwischen anatolischer Hochzeit und Berliner Technoclub.

Wie wählst du die Künstler:innen aus?

Das Line-up setzt sich aus vielen Aspekten zusammen. Ich möchte es schaffen, die ganze Bandbreite zu zeigen. Da anatolische Musik sehr breit zu denken ist, hat man da Spielraum. Wichtig ist uns auch, dass 60 Prozent des Line-ups keine cis männlichen Acts sind. Wir wollen Diversität leben, nicht nur denken.

Du hast in Hamburg studiert. Hast du damals bereits Einflüsse anatolischer Musik in der Clubkultur mitbekommen?

Ich habe mit dem Uni-Leben, um ehrlich zu sein, sehr gefremdelt. Ich habe mich arm und stark verunsichert gefühlt und trotzdem mein ganzes schmales Einkommen in Konzertkarten gesteckt – im besten Sinne in den Live-Konzert-Ort Hamburg. Manchmal war ich in einer Woche auf drei Konzerten, viel im Uebel & Gefährlich, im Molotow, in der Markthalle oder eben im Knust. Indie, Electronica und Singer-Songwriter war meine Musik. Einen Zugang zu anatolischer Musik und Communitys hatte ich nicht, es war eine andere Zeit, ich stand auch noch an einem anderen Punkt in meinem Leben. Der einzige Kontakt zu migrantischen Communitys war meine Arbeit am Hauptbahnhof an der Supermarktkasse. Ich finde es toll, jetzt nach Hamburg zurückzukommen und den Eindruck zu haben, dass auch Hamburg sich offener für mich zeigt und ich der Stadt womöglich was geben kann.

Wird es noch weitere İç İçe Festivals geben?

Wir merken immer mehr, wie der Wunsch und die Nachfrage an unserem Programm steigt. Pläne haben wir viele. Wir sind mit Städten wie München und Heidelberg im Gespräch. So viel kann gesagt werden: İç İçe is here to stay.

2.9., Knust, 18 Uhr; itsch-itsche.com


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Liegeplatz gesucht

Seit 2013 liegt die MS Stubnitz in Hamburg. Eigentlich sollte es nach dem Lockdown wieder richtig losgehen, doch die Zukunft des Kultur- und Clubschiffs ist ungewiss. Wie die heranrückende Bebauung an den Liegeplatz in der HafenCity umfangreiches Programm unmöglich macht, ob die Stadt reagiert und welche Alternativen möglich wären, berichten die Crewmitglieder Hannah und Stefan

Interview: Ole Masch

SZENE HAMBURG: Hannah und Stefan, wie konnte die Stubnitz die Zeit des Lockdowns überstehen?

Stefan: Finanziell glücklicherweise wie viele andere Spielstätten mit dem Clubrettungsschirm der Kulturbehörde und den Überbrückungshilfen. Dazu kamen bewilligte Förderanträge über Neustart Kultur. Ideell haben wir die Zeit mit unserem Online-Format „Plattenfroster Television“ überstanden, was uns für den eigenen Crew-Zusammenhalt und für die Vernetzung nach außen wahnsinnig geholfen hat. Personell geht es uns wie allen; viele Leute sind weggebrochen.

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Es ist unklar, wie lange es die Konzerte im Schiffsbauch der MS Stubnitz am derzeitigen Liegeplatz noch geben wird (Foto: Stefan)

Was genau war Plattenfroster Television?

Hannah: Plattenfroster TV ist coronabedingt entstanden, so konnten wir die Arbeit, die uns am Herzen liegt, im Mai 2020 trotz Kulturschließung wieder aufnehmen. Die Sendung ist ein Live-Streamingformat mit mehreren Bausteinen. Konzerte, Dokumentationsvideos der Instandhaltungsprojekte, Gespräche mit Künstler:innen, Videoclips aus unserem Konzertarchiv und Gespräche mit Akteur:innen der Hamburger Kulturlandschaft darüber, was Musikkultur, Musiker:innen und Veranstaltungsstätten in Hamburg brauchen und wie sie leben. Ab Dezember 2020 konnten wir mit der Förderung durch Neustart Kultur 1 weitermachen, davor war, wie so oft, Ehrenamt und Enthusiasmus gefragt. Insgesamt haben wir bis Oktober 2021 33 Folgen produziert und so 119 Musiker:innen eine Bühne gegeben – ihrer Musik, aber auch ihren Gedanken zu aktuellen gesellschaftspolitischen, musikkulturellen Fragen. Dabei sind oft spannende Gespräche der Künstler:innen miteinander entstanden, ab September 2021 auch mit Live-Publikum unter Auflagen. Ziel der Sendung war es, einen Mehrwert zu schaffen, der über das reine Streamen von Konzerten hinaus geht. 

Stefan: Dass wir im Rahmen der Sendung aus dem bordeigenen, prallgefüllten Musikarchiv über 130 Clips ausspielen konnten, hat sowohl uns, als auch den Bands, die wir eigens und einzeln dazu angefragt haben, große Freude gebracht. Plötzlich waren auch London, Kopenhagen, Amsterdam und andere Projektphasen wieder ein klein wenig spürbar. Alle Folgen und Gespräche haben wir nach den Livestreams auf unserem YouTube Kanal veröffentlicht.

„Es braucht die Reize“

Ist so etwas in Zukunft wieder denkbar? 

Stefan: Es hat sehr viel Spaß gemacht, war aber in Teilen auch ein Kraftakt auf dem Drahtseil in Lockdownzeiten. Ohne die Förderung ist äußerst fraglich, ob wir so lange durchgehalten hätten. Als Projekt ist uns eine krude Medienaffinität und ‘do it yourself’ Attitüde ja in die DNA geschrieben, also ja. Denkbar ist ein Format, das gesprochenes Wort und Gespräch mit Musik verbindet, mit Mehrwert als Plattform für kultur-politischen Gedankenaustausch. 

Hannah: Wir hoffen aber natürlich, nicht wieder schließen zu müssen. Musikclubs sind für uns Orte, an denen sich Menschen begegnen und durch Musik aus ihrem Alltag heraustragen lassen können. Das funktioniert am Bildschirm bei einer Streaming-Sendung nicht, dafür brauchte es die sensorischen, akustischen, visuellen und ästhetischen Reize, die ein Live-Erlebnis ausmachen. 

Das Schiff ist bereit für weitere Abenteuer

Wie setzt sie sich die Crew heute zusammen?

Hannah: Wir sind ein gemeinnütziger Verein, die organisatorische Arbeit basiert weitestgehend auf Ehrenamt. Dadurch ist naturgemäß mehr Bewegung als bei einem Betrieb mit Angestellten. Unsere Leute haben mal mehr, mal weniger Zeit, weil sie sich auf ihre Lohnarbeit fokussieren müssen. Es gibt sehr wenige geringfügig angestellte Menschen – durch unsere finanziell angespannte Situation aber stets zu wenige. Leider fallen deshalb einzelne Verantwortlichkeiten und Gewerke immer wieder in sich zusammen. Aber wir sind seit Neuestem anerkannte Stelle für den Bundesfreiwilligendienst (Bufdi), eine erste Stelle konnte auf August besetzt werden, weitere sollen folgen, yeah! Und wir arbeiten aktuell an unserer Willkommenskultur, um es interessierten Menschen einfacher zu machen, ins Projekt einzusteigen. Denn neue Gesichter, die Lust haben mitzugestalten und zu frickeln, sind herzlich willkommen!

Personell geht es uns wie allen; viele Leute sind weggebrochen.

Stefan

Kurz vor der Pandemie musste die Stubnitz ins Trockendock. Ist das Schiff jetzt fit für die nächsten Jahre?

Stefan: Wir haben die Lockdownphasen genutzt und 2019 bis 2021 die umfassendsten Instandhaltungsmaßnahmen seit Beginn des zweiten Lebens der Stubnitz als Kulturschiff durchgeführt. Hier wurde vieles ersetzt und ausgebessert, durch genaues Draufschauen aber auch neue Probleme entdeckt. Wenn wir es schaffen, hier in den kommenden Jahren anzuknüpfen und den Reparaturrückstau vollends aufzuarbeiten, wäre das Schiff längerfristig technisch nachhaltig in Schuss und bereit für weitere Abenteuer. Wer sich ein bisschen reinnerden will: Auf unserem YouTube-Kanal sind unter dem Namen „Rust never sleeps“ spannende Clips zu finden und einen ausführlichen Bericht auf unserer Homepage gibt’s auch.

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„Die Akustik und Atmosphäre im Schiffsbauch ist etwas Besonderes“, sagt Stefan von der MS Stubnitz Crew (Foto: Stefan)

Zu viel Lärm in der HafenCity?

Bis wann wurde euch der aktuelle Liegeplatz am Kirchenpauerkai zugesichert?

Hannah: In der Nutzungsvereinbarung bis 2026.

Vor dem Lockdown konntet ihr dort weitestgehend ungestört Veranstaltungen durchführen. Was hat sich daran jetzt geändert?

Hannah: Der Bezug der Neubauten in der Baakenallee gegenüber der Stubnitz hat kurz vor dem ersten Lockdown begonnen. Dadurch ist ein absehbarer Interessenskonflikt entstanden, das wird besonders seit Wiederaufnahme des Live-Kulturprogrammes dieses Jahr deutlich. Es gibt nur wenige Nachbar:innen, die ihre Wünsche nach mehr Ruhe an uns, die Stadt und die HafenCity GmbH deutlich herantragen. Eine Lösung dieses Konflikts ist aber auch sehr in unserem Sinne. Es geht uns nicht darum, zu provozieren, es geht uns darum, Kulturarbeit zu machen, Live-Musikkultur in all seinen Facetten einen Experimentierort zu bieten und ein soziokultureller Ort als seetaugliches Industriedenkmal zu sein.

Mit welchen Einschnitten müsst ihr zurzeit leben?

Stefan: Aktuell können wir das Achterdeck und die Außenbar nicht mehr bespielen. Wir werden häufig aufgefordert, den Bass herunterzudrehen, wobei das nur in begrenztem Maß möglich ist. Gerade in einer Großstadt gehen Menschen ja aus, um laute Musik zu hören und sich zu treffen – was im Wohnblock in der Bude ja so nicht geht. Das zu bieten ist unsere Arbeitsgrundlage. Letztendlich ist das größte Problem die Lärmemission des Publikums in der frühabendlich zur Ruhe kommenden HafenCity, wo sich Elbratte und Brückenspinne gute Nacht sagen. Richtig problematisch ist das bei Firmenfeiern und Club-Events mit mehreren Hundert Besucher:innen, hier haben wir große Sorge vor Rufschädigung, dass man bei uns nur noch im Flüsterton feiern kann. Ohne diese Veranstaltungen gelingt uns aber die Finanzierung des Gesamtprojektes Stubnitz nicht mehr.

„Wir haben die Wurfleine schon in Richtung Stadt geworfen“

Wäre ein anderer Liegeplatz die Lösung?

Hannah: Auf jeden Fall kann ein Liegeplatzwechsel die Probleme lösen, die durch die unmittelbare Nähe am Wohngebiet entstehen. Die Stubnitz hat den Vorteil, dass sie auch in Zukunft mit der Stadtentwicklung mitgehen und eben dort hingesetzt werden kann, wo es am besten passt. Wer kann das sonst schon außer Eiswägen? Wir wären ready für Fischmarkt, Landungsbrücken, Baakenhöft oder Nordseite Elbbrücken bei der S-Bahn-Station. Die Wurfleine dafür haben wir schon in Richtung Stadt und HPA geworfen.

„Was wir uns wünschen ist ein klares Signal der Stadt, dass die Stubnitz als Kulturort und gelistetes Industriedenkmal in Hamburg gewollt ist.“

Stefan

Hat sich das Programm bereits verändert? 

Stefan: Lange Club-Veranstaltungen oder solche mit viel Publikum werden problematischer, aber das sind natürlich die, von denen wir leben. Auf die können wir nicht verzichten. Kulturprogramm auf dem Außendeck ist leider gar nicht mehr möglich. Generell kann man bei vielen Stellschrauben darüber reden, an ihnen zu drehen – das kulturelle Programm ist aus unserer Sicht die falsche. 

„Die Stubnitz hat noch viel Potential“

Wie reagiert die Stadt?

Hannah: Wir sind an die Stadt herangetreten, um eine Verbesserung der Situation für alle Beteiligten zu erwirken. Dazu befinden wir uns wie gesagt in Gesprächen mit der Kulturbehörde und der HafenCity GmbH. Das Ergebnis bleibt abzuwarten. Stadtentwicklungstypisch ist hier leider kein Schnellschuss zu erwarten.

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Suchen nach Lösungen für die Stubnitz-Zukunft: Hannah (l.) und Stefan (r.) (Foto: Felix)

Was müssten die Verantwortlichen eurer Meinung nach tun?

Stefan: Was wir uns wünschen ist ein klares Signal der Stadt, dass die Stubnitz als Kulturort und gelistetes Industriedenkmal in Hamburg gewollt ist. Verbalen Zuspruch, insbesondere von der HafenCity, erleben wir schon jetzt. Aber wir glauben, dass es darüber hinausgehen und handfest werden muss. Hamburg hat die Chance einem seit 30 Jahren bestehenden, seefähigen Zentrum für Live-Musik, Musikkultur und besondere Veranstaltungen eine Perspektive zu bieten. Aus unserer Sicht sollte das sehr im Interesse der Stadt Hamburg als Hafenstadt und Musikmetropole sein, denn die Stubnitz hat als Experimentierort und Kunstprojekt für Kulturarbeit noch viel ungenutztes Potenzial. 

Hannah: An der Stelle muss man vielleicht mal sagen, dass wir uns freuen, mit Senator Brosda in Hamburg einen Kulturverantwortlichen zu haben, dem Musikclubs am Herzen liegen, denn wir unterstützen die Initiative „Clubs are Culture“ im Kampf dafür, dass Clubs endlich als vollwertiger Teil der Kultur anerkannt werden, genau so selbstverständlich wie es bei Opern, Theatern und Konzerthäusern schon lange der Fall ist. 

Die Stubnitz ist seetauglich

Welche Konsequenzen hätte die aktuelle Situation für die Zukunft, wenn nichts passiert?

Hannah: Dann könnten wir nicht mehr so veranstalten, dass wir wirtschaftlich überlebensfähig sind. Das liegt am Nachbarschaftskonflikt und an unserem Liegeplatz, der zu weit ab vom Schuss für die Ausgehgewohnheiten vieler Hamburger:innen ist. Es ist also allen Beteiligten klar, dass etwas passieren muss.

Könntet ihr auch in anderen Städten Kultur anbieten?

Stefan: Die Stubnitz ist seetauglich, das ist auch die Voraussetzung dafür, dass wir so veranstalten können, wie wir es aktuell tun. Wäre die Seetauglichkeit nicht gegeben, würden andere Auflagen greifen. Prinzipiell ist es also möglich, auch in anderen Städten Programm zu machen, zum Beispiel auch als Kulturbotschafterin Hamburgs.

„Es besteht durchaus der Wunsch, noch mal für ein oder mehrere Gastspiele loszufahren.“

Hannah

Sind in Zukunft wieder Fahrten möglich?

Hannah: Die Stubnitz ist seit 2013 nur zum Hafengeburtstag oder zu Unterwasseruntersuchungen gefahren. Große Teile der Crew betreiben und erhalten also ein Schiff, mit dem sie noch nie länger unterwegs waren. Es besteht somit durchaus der Wunsch, noch mal für ein oder mehrere Gastspiele loszufahren. Es erreichen uns auch immer wieder Anfragen aus dem Ausland, spruchreife Pläne gibt es allerdings nicht. Das größte Problem ist natürlich die Finanzierung eines solchen Vorhabens.

„Wir sind stubnifiziert“

Hat sich denn das Konzept von Förder-Patenschaften etabliert?

Stefan: Aktuell gibt es noch zwischen 25–30 monatliche Förderpatenschaften, hinzu kommen ab und an Einzelspender:innen. Darüber sind wir sehr dankbar – shout out an dieser Stelle an alle Unterstützer:innen der Stubnitz, ihr seid super! Allgemein bräuchte es von unserer Seite wohl mehr und beständigere Kommunikation nach außen, wo wieder das Problem der dünnen Personaldecke zu Tage tritt. Da draußen gibt es ja – eigentlich – echt viel finanzielle Mittel: Großspender:innen, Mäzen:innen, Stiftungen oder auch Mittel aus städtischen Kulturgeldern wie sie auch andere Häuser in Hamburg erhalten, könnten ein echter Gamechanger sein und plötzlich Perspektiven eröffnen.

Zum Schluss zum Programm. Welche Highlights sind in den nächsten Monaten geplant?

Stefan: Wir halten nicht viel von Sternschnuppenkultur, die einmal kurz hell leuchtet und dann wieder verschwindet. Gerade Künstler:innen, die neuen Sound aus Nischen- und Nonmainstream-Ecken machen, liegen uns am Herzen. Wir empfehlen: Schaut auf das Menü im Vorverkauf oder auf unserer anachronistischen Homepage. Das, was uns bei allen Rückschlägen immer wieder bei der Stange hält ist die Überzeugung, dass die Akustik und Atmosphäre im Schiffsbauch was Besonderes ist und etwas bei den Menschen auslöst, die sie erleben. Deshalb können wir das nur empfehlen, aber da sind wir natürlich auch stubnifiziert *zwinkersmiley*.

MS Stubnitz
Instagram: @ms.stubnitz


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Meet the Resident – ATAVEM

Jeden Monat stellt SZENE HAMBURG Residents vor, diesmal: ATAVEM von Front Left Records – präsentiert von hamburg elektronisch

Interview: Louis Kreye & Jean Djaman

SZENE HAMBURG : Wie würdest du deinen Sound beschreiben? 
Viel Ambient und experimentelle Musik. Das Ganze paare ich mit schnellen Rhythmen und hypnotischen Sphären. Das Wichtige für mich ist es, musikalische Grenzen zu überschreiten. 

Wie war es für dich wieder im Club zu spielen?
Das war am 7. Geburtstag des PAL. Ein sehr tolles Gefühl die Leute langsam in die Nacht zu begleiten und zu sehen wie sich der Club füllt.

Was sind für dich Hamburgs Stärken?
Sehr viele nette und herzliche Menschen, tolle Bars und einige schöne Clubs wie PAL, Pudel oder Südpol.

… und die Schwächen?

Schlechtes Wetter und teilweise schlimmer Sound der immer schneller und härter wird.

Auf wen sollte man momentan ein Auge haben? 

Piano Riffs, Lenard Klein, Space Drum Meditation und Stute für high quality Produktionen. Außerhalb von Hamburg: Assumption, Bidoben und Ikari.

Platte des Monats?
Arthur Robert – Metamorphosis Part 1 (Fav. Track: Mastermind).

Nachtleben Tipp im Juli?

Am 23.7. spielt FJAAK im PAL – hingehen! Und natürlich die Kinky Sundays.

Hört hier ein aktuelles Set von ATAVEM:

Instagram ATAVEM | Instagram hamburg elektronisch


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Meet the Resident – toğrul

Jeden Monat stellt SZENE HAMBURG Residents vor, diesmal: toğrul von vibrational network  – präsentiert von hamburg elektronisch

Interview: Louis Kreye & Jean Djaman

SZENE HAMBURG : Wie würdest du deinen Sound beschreiben? 
Im Studio verarbeite ich alle zeitgenössischen Referenzen, die mich zur jeweiligen Zeit faszinieren. Deshalb bezeichnet man meine Musik oft als Experimental. Ich würde sie irgendwo in die Bereiche Electronic, Abstract, Experimental einordnen. Live mehr in Electro, IDM, Experimental Techno. 

Wie war es für dich wieder im Club zu spielen?
Nicht so schön, ich habe während der Pandemiezeit lange alleine im Studio herumgebastelt, mein Livesetup stetig verkompliziert und mit der Zeit völlig vergessen was am live-Kontext wichtig ist. Ich habe das Limitieren wieder neu erlernen müssen. Inzwischen funktioniert mein Liverack wieder.

Was sind für dich Hamburgs Stärken?
Auf jeden Fall die familiäre Atmosphäre.

… und die Schwächen?

Die Akzeptanz gegenüber Störungen der Routinen könnte ein wenig ausgeprägter sein. Viele Künstler*innen leben dafür sich auf eine Soundsuche zu begeben und dem Publikum neue musikalische Themen und Timbres aufzuzeigen. Leider geht das verloren, wenn das Publikum schon vorab genau weiß was es will.

Platte des Monats?
Die Workaround LP von Beatrice Dillon oder Hyperaesthesia EP von object blue & TSVI. 


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Das Edelfettwerk: Im Wandel

Seit bald 20 Jahren wird in einer umgebauten Fabrikanlage in Eidelstedt gefeiert. Über die Veränderung von der Eventlocation zum Musikclub, Corona-Auswirkungen und das aktuelle Programm berichtet Alexander Müller, neuer Booker im Edelfettwerk

Interview: Ole Masch

SZENE HAMBURG: Alexander, wie wird man Booker im Edelfettwerk?

Alexander Müller: Ich habe bereits 2018 nach einer legalen Open-Air-Location in Hamburg gesucht und bin im Edelfettwerk gelandet. Das Besondere hier: Das Edelfettwerk befindet sich in einem Industriegebiet und man hat somit die Möglichkeit, etwas lauter zu sein als in anderen Locations. Dazu gibt es noch eine perfekte Anbindung durch die S-Bahn in Eidelstedt. Ich habe das Potenzial gesehen und bin zu Beginn der Pandemie, als alle Termine frei wurden, auf das Edelfettwerk zugegangen und habe angeboten, der erste Booker zu werden.

Was hast du vorher gemacht?

Im musikalischen Bereich bin ich seit 2016 als Veranstalter aktiv. In den vergangenen Jahren konnte ich durch eine Vielzahl von Veranstaltungen in über 20 Clubs und Locations eine Menge Erfahrungen sammeln. Außerdem lege ich selbst hin und wieder auf, deshalb weiß ich, was es bedeutet auf der Bühne zu stehen und was gegeben sein muss, damit man sich als Artist wohlfühlt.

Wo gehst du in Hamburg sonst feiern?

Ich persönlich hatte immer schöne Nächte im Südpol, aber bin auch hin und wieder überall dort anzutreffen, wo es sich Menschen zur Aufgabe gemacht haben, schöne Partys zu veranstalten.

„Es geht uns im Großen und Ganzen gut“

Dein Highlight seitdem du im Edelfettwerk bist?

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Macht das Booking im Edelfettwerk: Alexander Müller (Foto: Anri Coza)

Dass viele, die im Hamburger Nachtleben im Bereich der elektronischen Musik unterwegs oder aktiv sind, wahrnehmen, dass sich etwas Neues entwickelt und dem Laden eine Chance geben. Danke an dieser Stelle. Für Kritik, Fragen oder Verbesserungsvorschläge sind wir immer aufnahmebereit, schickt einfach eine Mail an: booking@edelfettwerk.de.

Wie seid ihr durch die Pandemie gekommen?

Durch die umfangreichen Förderprogramme auf Bundes- und Landesebene geht es uns im Großen und Ganzen gut. Hätte es diese nicht gegeben, würde das Edelfettwerk mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr existieren. Auf der anderen Seite haben wir über die Pandemie eine Menge Personal verloren, was uns heute sehr zu schaffen macht. Parallel erbringt das Kernteam derzeit Höchstleistungen, das muss man an dieser Stelle einfach sagen. Ich denke alles in allem können wir uns glücklich schätzen, dass wir zwei Open-Air-Flächen haben und trotz Auflagen einige Veranstaltungen durchführen konnten.

Fokus elektronische Musik

Gab es bauliche Veränderungen?

Die gibt es. Zuallererst möchte ich erwähnen, dass wir unseren Parkplatz (Backyard) mit einer Bühne ausgestattet haben und damit eine weitere Fläche für Open-Air-Events in Hamburg erschlossen haben. Die Kapazität dieser Fläche liegt bei etwa 1000 Personen, somit können hier auch etwas größere Events stattfinden. Unser Strand hat neben einer neuen Funktion-One-Anlage in diesem Jahr eine Überdachung bekommen, somit haben alle Beteiligten Planungssicherheit bei schlechtem Wetter. In den Innenbereichen haben wir neue Soundsysteme von BetaOne installiert, die WCs erneuert und jede Menge dunkle Farbe verbraucht. Derzeit bauen wir in unserem Nebengebäude einen dritten Dancefloor für etwa 300 Personen aus, dieser kann separat betrieben, oder bei größeren Indoor-Events als dritte Stage genutzt werden.

Und am Programm?

Es gibt eine neue Grundregel im Edelfettwerk: Öffentliche Veranstaltungs-Slots werden bis auf wenige Ausnahmen nur noch an Veranstalter aus dem Bereich der elektronischen Musik vergeben. Ansonsten sind wir derzeit mit einem Konzertveranstalter im Gespräch, der 2023 unter der Woche eine Vielzahl von Open-Air-Konzerten veranstalten möchte. Dazu kann ich leider noch nicht mehr sagen. Wir sind offen für Veranstalter, die sich entwickeln wollen und Visionen verfolgen, Veranstalter, für die eine schöne Party genauso wichtig ist, wie eine professionelle Zusammenarbeit auf Augenhöhe.

Wie lockt man Leute an einem Donnerstag nach Eidelstedt?

Gute Frage: Wir bespielen die Donnerstage bis auf Weiteres nur noch mit unserem hauseigenen Open-Air-Konzept [Secret Garden]. Das bedeutet, dass wir eine Kontinuität für die Besucher:innen an diesem Tag schaffen möchten. Außerdem präsentieren wir im Rahmen dieser Reihe in diesem Jahr, an 14 ausgewählten Terminen, sehr interessante Künstler:innen wie Madmotormiquel, Marco Resmann oder die Power Suff Girls, die nicht wöchentlich im Hamburger Nachtleben anzutreffen sind.

Spontane Verlegung? Kein Problem!

Habt ihr bei den Open Airs kein Lärmproblem?

Es gibt bestimmte Gesetze für Immissionsorte außerhalb von Gebäuden. Diese Gesetze sind Grundlage für unsere Arbeit vor Ort. Hin und wieder erhalten wir trotzdem Anrufe, auch an Tagen wo gar keine Veranstaltungen stattfinden.

„Das Edelfettwerk ist derzeit im Wandel, von Eventlocation zum Musikclub“

Alexander Müller, Booker im Edelfettwerk

Geht es nachts indoor weiter?

Das ist immer abhängig von der jeweiligen Veranstaltung, wobei eigentlich alle Open Airs, die am Freitag oder Samstag stattfinden, auch eine After-Show-Party zur Folge haben. Manchmal sind die Partys auch nur indoor.

Könnt ihr auch bei Regen dahin switchen?

Ja. Das ist einer der Punkte, die ich persönlich als Veranstalter am meisten am Edelfettwerk zu schätzen weiß. Stell dir vor, wie praktisch es ist, wenn du ein Event nicht absagen musst, weil es spontan rein verlegt werden kann. Super gut!

Ein Spagat zwischen Mietlocation und Club mit Stammpublikum

Stehen in diesem Jahr noch weitere Veränderungen an?

Das Edelfettwerk ist derzeit im Wandel, von Eventlocation zum Musikclub. Die damit verbundenen konzeptionellen Änderungen sind genauso wichtig wie die Umsetzung vor Ort. Daran arbeiten wir gerade. Außerdem wird derzeit unser Brandschutzkonzept überarbeitet, der normale Gast wird im Nachhinein nichts merken, aber es handelt sich dabei um ein Projekt mit immensem Aufwand. So etwas zum Beispiel läuft im Hintergrund, kostet die Beteiligten jedoch enorm viel Energie und bindet derzeit Ressourcen.

Wie geht ihr mit dem Spagat zwischen Mietlocation und Club mit Stammpublikum um?

Neben der Praxis findet dieser aus meiner Sicht im Bereich der Kommunikation statt. Klar haben wir hin und wieder ein Firmenevent bei uns, allerdings muss man sich auch vor Augen führen, dass diese Events das Überleben und die Weiterentwicklung des Edelfettwerks als Kulturstandort sichern.


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Off the Radar: „Hurra, wir leben noch“

Mit drei Tagesveranstaltungen nahe Bordesholm trotzte der Hamburger Kulturund Musikverein OFF THE RADAR noch im letzten Jahr der Pandemie. Crew-Mitglied Tante Kerosine erzählt, warum das Festival den schleswig-holsteinischen Hof Ovendorf nun verlässt, was Ende Mai auf der Stubnitz geplant ist und mit welchen Alternativen sich der Verein für die Zukunft aufstellt

Interview: Ole Masch

SZENE HAMBURG: Tante Kerosine, warum gibt es in diesem Jahr kein OFF THE RADAR-Festival in Negenharrie?

Tante Kerosine: Sehr kurz gesagt: Weil wir mit unseren früheren Geschäftspartner:innen an Grenzen gestoßen sind, die für uns rote Linien darstellten. Und umgekehrt. Die Pandemie hat uns als Privatpersonen und Verein extrem viel abverlangt. Wir sind der Meinung, dass das Einhalten der Hygienerichtlinien inklusive Masken, Testungen, Abstand in Kombination mit Impfungen der langfristig sichere Weg aus der ganzen Geschichte sind. Dazu stehen wir nach wie vor.

Ihr habt viel Arbeit in den Hof Ovendorf gesteckt. Was passiert jetzt mit dem Gelände?

Ehrlich gesagt: Das ist uns jetzt egal. Wir haben lange gekämpft und hätten viel gegeben, um weiter in Ovendorf sein zu können. Wir haben den Ort geliebt – nur annähernd ließ sich im Sommer 2019, als wir zuletzt da „richtig“ veranstaltet haben, erahnen, in was der Hof noch alles zu verwandeln gewesen wäre. Unsere Crew hat dort Geburtstage gefeiert und ein Paar sogar geheiratet – wir verbinden Ovendorf mit krassen, schönen, herzzerreißenden und heftigen Erinnerungen. Wir wollen nicht mehr aufrechnen, wie viel Arbeit wir da reingesteckt haben – so heranzugehen macht auf Dauer die Psyche komplett kaputt. Schwamm drüber, weiter geht’s.

„Die derzeitige Entwicklung mit Jupibar und Stubnitz ist natürlich höchst erfreulich!“

Tante Kerosine, Crew-Mitglied bei OFF THE RADAR

„Wir haben gerade krass viel neuen Schwung“

Wie geht es euch insgesamt nach zwei Jahren Pandemie?

Die Stimmung schwankt zwischen „Hurra, wir leben noch!“ und „Woah, jetzt reißen wir so richtig alles ab“. Um zu sagen, wie es uns jetzt geht, müsste man vielleicht einmal kurz sagen, wie es unmittelbar vor der Pandemie war: Wir waren 2020 ausverkauft und, so dachten wir zumindest, aus dem Gröbsten raus. Unsere angespannte finanzielle Situation dürfte über Jahre über die Stadtgrenzen hinaus bekannt und belächelt worden sein. Aber dann kamen die Absage, unsere Startnextkampagne und 2021 unsere Entscheidung für drei Eintagesfestivals anstelle von einem großen. Das war natürlich keine rein freiwillige Entscheidung: Wir wollten unbedingt veranstalten und zum Genehmigungszeitpunkt war das die einzige Option.

Die letzten beiden Jahre haben schon extrem an unserer Substanz gezehrt. Andererseits haben wir gerade wieder krass viel neuen Schwung: Wir beschäftigen uns viel mit uns selbst, Awareness und wie wir miteinander sein und arbeiten wollen. Seit März machen wir monatlich einen Barabend in der Jupibar. Und schließlich wird es wohl doch noch so sein, dass wir zumindest ein kleineres Festival Ende des Sommers veranstalten werden.

Hamburg ist subkulturell ein eher abgegraster Landstrich

Ihr konntet eine alternative Fläche finden?

Ja, wie es derzeit aussieht, haben wir eine Fläche gefunden, die wir vielleicht auch für die nächsten Jahre bespielen können. Momentan arbeiten wir daran, dass wir schon Anfang September eine kleine OFF THE RADAR-Ausgabe in Bremen feiern können. Dazu wird es in den kommenden Tagen und Wochen immer mehr Infos geben, versprochen! Lange haben wir einfach nach einem 1:1 gleichen Gelände gesucht: ein Hof, mehr oder weniger im Speckgürtel von Hamburg. Ein Ort, an dem wir uns austoben und vielleicht auch bleibende Sachen schaffen können. Beziehungsweise da auch mal für eine Weile abtauchen können. Die Fläche, die wir jetzt in Aussicht haben, ist eine alte Industriebrache in Bremen – voraussichtlich fallen da einige Dinge weg, die wir früher immer hatten. Aber bisher fühlt sich alles dennoch sehr gut und sehr nachhaltig an. Wir haben Bock!

Gibt es in Hamburg keine geeigneten Flächen?

Es ist ja kein Geheimnis, dass Hamburg ein unsere Größe betreffend, sagen wir, subkulturell eher abgegraster Landstrich ist: Immer gibt es Nachbar:innen, die etwas gegen Lärm haben könnten, Lizenzen oder Genehmigungen, die entzogen werden könnten. Es gäbe Gelände, die sich eignen würden, so ist es ja nicht. Aber da braucht es dann auch immer den Mut und Willen von Anwohnenden, Behörden und anderen Mitspielenden. Oder das entsprechende „Kleingeld“. Wir haben das ein paar Mal versucht, aber haben immer wieder auf Granit gebissen – ehrlich gesagt, ist uns inzwischen unsere Energie dafür ein bisschen zu kostbar.

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Von Hofdame zur Piratin: Tante Kerosine (Foto: Karin Kästner)

Im Mai: Zwei Tage OFF THE RADAR in Hamburg

Werdet ihr wieder auf der Fusion sein?

Klar, da sind wir auch dieses Jahr wieder: Seien wir ehrlich – eine Tube ohne uns ist eine absurde Vorstellung. Von allem anderen müssten sich geneigte Fusionist:innen selbst überzeugen. Ich sag mal so: In den letzten beiden Jahren haben wir vielleicht ein paar Dinge verlernt, unser Kerngeschäft aber noch lange nicht!

Was ist Ende Mai auf der MS Stubnitz geplant?

Am 27. und 28. Mai 2022 stechen wir vielleicht nicht in See, aber wir gehen dennoch aufs Schiff. Wir sind ja mit der Stubnitz-Crew alles in allem in hervorragender Wahlverwandtschaft und dementsprechend haben wir uns über die Maßen gefreut, als sie uns für den Weekender angefragt haben. An zwei Tagen OFF THE RADAR in Hamburg – mit fast allem, was da bisher auch immer so dazu gehörte: Apfelgarten-Techno, Punxstage-Matinee und Orbit-Schwelgerei, um nur ein paar Sachen zu nennen.

Ravi Kuma, Livez, Liiek, Pogendroblem und viele mehr

Gibt es einen Act, auf den du dich ganz besonders freust?

Ravi Kuma ist sicherlich ein Act, auf den ich mich mit am meisten freue – extrem frische Produktion, live ein Erlebnis der Extraklasse, feministisch, wild. Neulich hab ich das über sie gelesen: „Ein Liebeskind, gezeugt in einem verlassenen Container als Ergebnis einer Dreierbeziehung zwischen Peaches, M.I.A. und Vince Staples.“ Kann ich eigentlich nur genauso unterschreiben. Ansonsten sind Infinite Livez, Liiek und sicherlich Pogendroblem für die eher punkige Schiene zu nennen. Wem Techno lieber ist, sollte sich unter anderem bereit machen für Ey.Rah, Elliver und Sportbrigade Sparwasser – auch wenn ich selbst davon nicht so viel Ahnung habe – aber das halte ich für eine mehr als solide Partymischung. Dazu gesellen sich ein paar OTR-Allstars und noch mehr neue Freund:innen. Wir sind schon ganz aus dem Häuschen!

Gibt es eine Pause zwischen Freitag und Samstag?

Zwischendurch machen wir einmal kurz die Schotten dicht – heißt das so, ich lerne noch das Piratinnenvokabular –, um das Deck zu schrubben und die Gläser zu polieren. Dann geht es aber Samstagnachmittags mit voller Schubkraft wieder los. Es gibt Tickets für beide Tage, aber, na klar, auch für jeden Tag einzeln.

„Wir merken, dass wir sehr vermisst werden“

Wie sieht es mit eurer Fördermitgliedschaft aus?

Ich hatte ja schon gesagt, dass unser klammer Geldbeutel geradezu legendär und über die Stadtgrenzen hinaus bekannt ist. Die Pandemie hat dazu natürlich noch mal einiges extra beigetragen, obwohl wir nicht wie gewohnt veranstalten konnten. Wir haben – wie viele Kolleg:innen auch – über alternative Wege, beziehungsweise letztlich auch eine, na ja, nachhaltigere Finanzierung nachgedacht. Die Fördermitgliedschaften waren zunächst also eine Idee, wie wir die OFF THE RADAR-Ultras, die es zweifellos gibt, enger an uns binden können, ohne andauernd um Kohle zu betteln. Es bedurfte dafür aber erst einmal einer Satzungsänderung, die derzeit dem Notariat vorliegt. Wenn die durch ist, haben wir dazu auch mehr Infos.

Werdet ihr in Zukunft vermehrt auf Partys in Hamburg setzen?

Die derzeitige Entwicklung mit Jupibar und Stubnitz ist natürlich höchst erfreulich! Wir merken schon auch, dass wir sehr vermisst werden. Das ist ein ziemlich schönes Gefühl. Und es ist vor allem auch ein gegenseitiges. Andererseits sind wir keine „One-Trick-Ponys“: Wir lieben und vermissen das Festivalorganisieren und –veranstalten extrem! Wir vermissen es, den Alltag für drei, vier Tage komplett auszuknipsen. Insofern wäre es schön, wenn wir zukünftig auf eine gesunde Mischkalkulation setzen könnten: Hier und da mal paar exquisite Partys in Hamburg und POW POW ein größeres OFF THE RADAR etwas außerhalb.

OFF THE RADAR On Tour, am 27. und 28. Mai 2022 ab 19 Uhr auf der MS Stubnitz


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Clubleben: Party like it’s 2019

Endlich wieder feiern, als wäre die Pandemie vorbei. Oder nie dagewesen. In Hamburgs Clubs kehrt Normalität ein. Vier Betreiber erzählen, welche Hoffnungen, Wünsche und Ängste sie dabei umtreiben

Protokolle: Erik Brandt-Höge & Sarah Seitz

Andi Schmidt, Betreiber des Molotow

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Möchte „den Schwerpunkt eindeutig auf Hoffnungen legen“: Andi Schmidt (Foto: Molotow)

„Hoffnungen und Ängste sind natürlich zwei gute Stichworte, wobei ich den Schwerpunkt eindeutig auf Hoffnungen legen möchte. Ich hoffe, dass wir alle schon Anfang Mai wieder ohne Maske Konzerte besuchen, tanzen und feiern können. Ich hoffe auch, dass am Ende des Jahres die Einschränkungen nicht wieder zurückkommen, wie es in den vergangenen zwei Jahren der Fall war. Außerdem hoffe ich, dass möglichst alle, vor allem die, die keine oder nur wenig staatliche finanzielle Unterstützung bekommen haben, diese Krise einigermaßen gut überstehen werden. Und logischerweise würde ich mir wünschen, dass wir in Zukunft ein paar weniger Krisen haben werden.“ 

Baster Rübsam, Inhaber des Komet St. Pauli

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Jukebox und Flipper im Schummerlicht: Komet (Foto: Erik Brandt-Höge)

„Grundsätzlich bin ich erst mal dankbar, dass ich endlich wieder das machen darf, was ich machen will. Also laut Musik hören, etwas dazu trinken und ein wenig das Tanzbein schwingen. Wenn dann noch andere das Gleiche wollen: Schwups, ist wieder was los in der kleinen verrauchten Kneipe. Ich freue mich, dass so viele den Komet nicht vergessen haben. Der Laden ist dadurch immer noch am leuchten und auf seiner Umlaufbahn im Hamburger Orbit. Sorgen macht man sich natürlich trotzdem weiter: Was passiert ohne 2G+ mit den Menschen? Wie wird der Sommer? Denn: Zu gutes Wetter ist schlecht für den Komet, der keinen Außenbereich hat. Und: Wie heißt die neue Untervariante von Omikron und kann sie dem Komet weh tun? Alles natürlich relativ kleine Problemchen gegenüber den ganzen Kriegsnachrichten und dem Leid, das sonst so auf der Welt Tag für Tag passiert. Corona ist für mich noch nicht vorbei, aber wir können zumindest mal kurz durchatmen in den nächsten Monaten. Wir freuen uns über alle, die zu uns kommen – zum Beispiel am Samstag, 21. Mai, zum ColeSlawClub! Es gibt Rhythm & Blues, Soul und Rocksteady auf zwei Floors.“

Jonathan Trinh, Betriebsleiter des Grünen Jäger

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Feierei gefällig? Ginge zum Beispiel im Grünen Jäger (Foto: Tobias Göbbels)

„Als Club- und Barbetrieb schauen wir natürlich hoffnungsvoll auf die angedachten Lockerungen, die uns einige Abläufe im täglichen Betrieb nach rund zwei Jahren Ausnahmezustand wieder erleichtern würden. Wir haben die offiziellen Verordnungen überzeugt mitgetragen, freuen uns nun aber natürlich sehr auf das endgültige Wiedererwachen des kulturellen Lebens in Hamburg. Und wir müssen auch sagen: Trotz der vielen Herausforderungen konnten wir im letzten Jahr rund 90 Veranstaltungen bei uns im Grünen Jäger ausrichten – zum Teil als Streams, Open Air oder, unter Einhaltung der geltenden Verordnungen, in unseren Räumen. Das verdanken wir vor allem einem tollen Netzwerk an Kooperations- und Veranstaltungspartner:innen, die sich gemeinsam mit uns diesen Herausforderungen gestellt und nie den Kopf in den Sand gesteckt haben. Auch die Arbeit des Hamburger Clubkombinats, als gemeinsames Sprachrohr in Richtung des Senats, war in dieser Zeit wahnsinnig wertvoll.

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„Wir freuen uns auf das endgültige Wiedererwachen“: Jonathan Trinh (Foto: Aniane Dietrich)

Diese Erfahrungen machen uns, trotz oder vielleicht auch gerade wegen der vielen schwierigen Situationen, sehr glücklich und haben uns auch noch einmal aufgezeigt, wie wichtig und wertvoll eine funktionierende Gemeinschaft und gegenseitige Unterstützung sind. Als Club sehen wir uns auch unseren Gästen gegenüber als einen Ort, an dem man mit, vielleicht vorher noch fremden, Menschen ins Gespräch kommt. Wo es um Austausch und ein gemeinsames Erlebnis und weniger um Wettbewerb oder Ähnliches geht. Wir freuen uns sehr zu beobachten, dass diese Räume nun endlich wieder genutzt werden können und die Angebote auch durch die Gäste angenommen werden. Mit Blick auf den Sommer, freuen wir uns auf ausgelassene und durchgetanzte Nächte, schöne Tage und eine Reihe neuer Formate und Projekte, die schon in den Startlöchern stehen. Wir sind auf jeden Fall bereit, wieder richtig Gas zu geben und freuen uns über alle, die daran teilhaben möchten!“

Constantin von Twickel, Künstlerischer Leiter im Nochtspeicher

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„Eine Situation von 0 auf 100“: Constantin von Twickel (Foto: Martin D.)

„Der Nochtspeicher und die Nochtwache sind seit dem 4. März 2022 unter 2G+-Bedingungen wieder im vollen Betrieb. Eine Situation von 0 auf 100 mit geringer Anzahl an Personal, denn das müssen wir uns gerade wieder aufauen. Dennoch sind wir sehr froh, wieder Kulturveranstaltungen anbieten zu dürfen, die Energie in der Crew ist extrem positiv, und es macht Spaß, wieder Menschen zusammenzubringen, Künstler:innen eine Bühne zu bieten und positive Ereignisse für all unsere Seelen zu schaffen. Das ist wichtig, in einer Welt von momentan dominierenden negativen Meldungen. Das Schönste ist es, nach den Veranstaltungen ein gut gelauntes und lächelndes Publikum zu sehen.“ 


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Tanzen unter freiem Himmel: 10 Open-Air-Locations

Die Temperaturen steigen und im Mai soll es noch bis zu 30 Grad werden. Es wird also Zeit die Sonnenbrille rauszuholen und wieder unter freiem Himmel zu tanzen! Hier kommen 10 Open-Air-Locations zum Trinken und Tanzen an der frischen Luft.

Text: Henry Lührs

Partys und Konzerte auf dem Knust Vorplatz

Von Frühling bis Spätsommer finden im Rahmen der „Knust Lattenplatz Open Air” jede Menge Konzerte, Partys und kleinere Festivals statt. Schon für kleines Geld oder sogar kostenlos können Spontanentschlossene hier warme Tage bestens mit einem kalten Bier in der Hand ausklingen lassen.

Ein Highlight sind jedes Jahr die zahlreichen „Knust Acoustic” bei denen Bands und Singer Songwriter akustische Konzerte unter freiem Himmel spielen. Hier haben zum Beispiel schon Jupiter Jones, Enno Bunger oder OK KID den sonnigen Platz zwischen Karostar und Schlachthofgebäude gerockt. Kommende Open-Airs im Mai sind zum Beispiel die Konzerte von Fazer, Lucas Laufen oder Ian Fisher und Band.

Public Viewing auf dem Lattenplatz beim Knust Foto: Knust
Kostenloses Konzert vor dem Knust (Foto: Lattenplatz Open Air)

Indie-Party im Backyard vom Molotow

Im Hinterhof des Molotows versteckt sich das legendäre Backyard. Hier finden im Sommer verschiedenste Gigs statt und auch Partys werden hin und wieder mit nach draußen verlegt. Neben der Möglichkeit an der frischen Luft zu verschnaufen oder eine (Raucher)Pause einzulegen, wartet außerdem eine kleine Bar mit kaltem Bier.

Das Backyard bietet Platz für Kleinere Festivals und hin und wieder wird der Hinterhof in einen Biergarten umgewandelt. Bis in den nächsten Morgen kann man sich hier die Sommernächte unter Lichterketten und Lampions um die Ohren hauen. Kommende Open-Air-Konzerte im Mai gibt es zum Beispiel von My Ugly Clementine oder Team Scheisse. Im Juni spielt außerdem Edwin Rosen unter freiem Himmel und das Booze Cruise Festival bespielt die Bühne des Backyards.

Tanzen wieder möglich: Molotow (Foto: Alexander Schliephake/www.instagram.com/_fox_on_the_run)
Tanzen wieder möglich: Molotow (Foto: Alexander Schliephake via Instagram)

Open-Air Raven im Edelfettwerk

Das Edelfettwerk ist bestens ausgestattet für die Open-Air-Saison. Hier kann nicht nur auf der großen BackYard-Terasse getanzt werden, sondern mit der Dachterasse und zwei Beachclubs gibt es gleich vier verschiedene Außenbereiche. Die ehemalige Fabrik für Edelfette hat bis heute ihren industriellen und urbanen Charme behalten.

Auf 400 Quadratmetern wird auf den verschiedenen Floors gefeiert – meistens zu Electro, House oder Drum’n’Bass. Techno-Highlights im Mai sind unter anderem die „Secret Garden“ Open Air oder die 16 Stunden Open Air „Yes we Dance”. Außerdem findet hier mit dem „Save the Summer Festival“ schon das erste Open-Air-Festival des Jahres statt.

Open-Air-Party (Foto: Edelfettwerk via Facebook)

Biergarten und Livemusik im Schroedingers

Direkt im Schanzenpark findet sich eine Mischung aus Kulturzentrum, Cafe, Restaurant und Eventlocation. In Corona-Zeiten hat sich vor allem der riesige Außenbereich als perfekter Ort für Konzerte und Live-Events bewährt. Jedes Wochenende werden hier verschiedene Partys gefeiert. Zu den Regelmäßigen Events gehören „Schrödingers Lichtung“ und „Schrödingers Tanzbar“, viele Veranstaltungen werden aber auch spontan über Social Media angekündigt.

Biergarten und After-Work Party kommen hier jedenfalls im modernen und zwanglosen Gewandt daher. Bei den Schrödingers Open Airs legen aber auch gerne mal renommierte DJs wie Oliver Schorries auf. Auf das Line-Up in diesem Sommer darf man daher gespannt sein!

Gesellige Sommerabende im Schanzenpark (Foto: Schroedingers via Facebook)

Open Air am Moorburger Elbdeich

Gute Partys gibt es nicht nur im Stadtkern! Gerade wenn es um Open Airs und elektronische Musik geht, lohnt sich generell der Blick auf die andere Elbseite. In Moorburg hat der Elbdeich e.V eine lebendige Plattform für Kunst, Musik und Feierkultur etabliert. Zwischen Autobahn, Hafenindustrie und Kraftwerk blüht hier das Leben bei den verschiedensten Veranstaltungen auf.

Im Sommer stehen natürlich auch Open Airs auf dem Programm. Die „Hofnarren Open Air“ lädt zum Beispiel am 28. Mai dazu ein, endlich wieder unter der Sonne zu tanzen. Auf die Ohren gibt es natürlich feinsten Techno. Aber auch das Swamp-Festival Ende Juni bringt Livemusik an den Moorburger Elbdeich.

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Foto: SZENE HAMBURG

Bootsparty auf der MS KOI

Was gibt es schöneres als auf der Elbe dem Sonnenuntergang entgegen zu schippern?! In Hamburg ist das möglich und zwar zu lauter Musik und ausgelassenen Partys auf der MS KOI. Vorbei an den vielen Kränen kann man hier auf drei Decks einmal quer durch den Hamburger Hafen tanzen. Die ersten beiden Touren für dieses Jahr hat das Party-Schiff schon angekündigt!

Am 21. Mai organisiert der Musikclub NOHO eine große 90er-Party. Auch die Sunset-Boatparty von Boris Dlugosch und Derrick White findet wieder statt, und zwar am 11. Juni 2022. Alle weiteren Partys und Events wird die MS KOI sicherlich in den nächsten Wochen ankündigen.

Auf der Elbe in den Sonnenuntergang tanzen (Foto: MS KOI via Facebook)

Livemusik auf dem Dockville Gelände

In den Sommermonaten ist auf dem Dockville-Gelände in Wilhelmsburg eigentlich immer etwas los. Auch wenn das MS Dockville Festival selbst natürlich das absolute Highlight der Open-Air Saison ist, lohnt sich der Ausflug auf die Elbinsel auch an anderen Tagen. Neben dem Dockville Festival findet beispielsweise auch das MS Artville Festival, das Spektrum Festival oder der Vogelball statt.

Neben diesen regulären Terminen gibt es aber auch noch einige weitere Konzerthighlights diesen Sommer. Am 27. August tritt der DJ und Produzent Boris Brechja bei einer großen Liveshow an der Alten Schleuse auf. Am 4. September kommt die Hamburger Techno Marching Band Meute für ein Konzert nach Wilhelmsburg. Es lohnt sich also die Augen offen zu halten und auf das Line-Up zu achten.

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Ekstase auf dem Dockville-Gelände (Foto: Andreas Hornoff)

Beach-Clubbing bei Strand Pauli

Der Beachclub Strand Pauli ist bereits im Sommermodus und hat den Laden komplett auf Vordermann gebracht. Mitten auf St.Pauli gibt es hier leckere Drinks mit Blick auf Elbe und Hafenpanorama. Bis Oktober ist die „Insel in der Stadt“, wie sich der Club selbst bezeichnet, sieben Tage die Woche geöffnet. Hier schmeckt das Feierabendbier an den geselligen Grillabenden besonders gut.

Aber natürlich kann im Strand Pauli auch regelmäßig gefeiert werden. Wer keine Lust hat, auf das nächste Event zu warten, kann die eigene Freundesgruppe anmelden und selbst einen drauf machen (ab 15 Personen) oder ganze Teile des Ladens für die eigene Party mieten (ab 50 Personen).

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Sonnenuntergang im Beachclub am Hafen (Foto: Strandpauli)

Drinks und DJs in der Sands Bar

Direkt am Dammtor Bahnhof befindet sich die Kult-Cocktailbar Sands Bar. Hier gibt es leckere Drinks in entspannter und schicker Atmosphäre. Die große Terrasse wurde für die Open-Air-Saison neu gestaltet und mit einer kleinen Eventfläche ausgestattet. Bei den Sands-Open-Airs wurde in der Vergangenheit bereits ausgelassen in laue Sommernächte gefeiert. Wer gute Cocktails zu schätzen weiss, wird sich hier über eine prächtige Bar freuen.

Buntes Treiben auf der Sonnenterasse (Foto Sands Bar via Facebook)

Über den Dächern feiern im Clouds

Ganz Hamburg im Blick und dabei eine Gin Tonic in der Hand haben? In der Clouds Heaven’s Bar ist das kein Problem! Gefeiert wird hier allerdings eigenen Angaben zur Folge auch in „uppereast-Manier“. Zum Beispiel am 21. Mai 2022 bei der achten Ausgabe der Partyreihe „Upperclouds“. Auf der Dachterrasse der Bar, dem heaven’s nest, lässt es sich gut über den Dingen stehen und bei dem Elbblick schmeckt der Schampus besonders gut. Beim Dresscode gilt: Dress to Impress!

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Lounge-Feeling über den Dächern der Stadt (Foto: Clouds Heaven Nest)

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Zurück ins Club-Glück

Auf ein Neues: Endlich machen Hamburgs Clubs wieder auf. Carsten Brosda, Senator der Behörde für Kultur und Medien, im Gespräch über die Spuren des vergangenen Corona-Winters und das Tanzen in Zeiten weltpolitischer Krisen

Interview: Anna Meinke

SZENE HAMBURG: Carsten Brosda, am 4. März 2022 öffneten Hamburgs Clubs ihre Türen erneut. Unter 2G+-Bedingungen darf seitdem ohne Maske gefeiert werden. Haben Sie die neue Freiheit schon ausgenutzt und mal wieder so richtig das Tanzbein geschwungen?

Carsten Brosda: Noch nicht. Ich bin ohnehin eher einer von denen, die bei einem Konzert mit einem Bier in der Hand im Raum stehen und die Musik aufsaugen. Ich freue mich aber sehr, dass endlich wieder die Clubkultur gefeiert werden kann!

Gleichzeitig wurde Hamburg am 30. März zum Corona-Hotspot erklärt. Haben Sie trotzdem ein gutes Gefühl dabei, das Feiern wieder möglich gemacht zu haben, oder ist Ihnen auch ein wenig mulmig zumute?

Es ist gut, dass Hamburg angesichts der noch immer hohen Infektionszahlen vorsichtig ist. Schließlich ist Corona noch nicht vorbei, die Infektionszahlen sind hoch. Mit wenigen Maßnahmen können wir uns vergleichsweise wirksam schützen. Neben der Notwendigkeit zum Impfen ist es deshalb klug, auch weiterhin vorsichtig zu sein, gerade auch damit der ganze Wahnsinn nicht im Herbst wieder von vorne beginnt.

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„Viele haben in den letzten Monaten gemerkt, was alles fehlt“, sagt Kultursenator Carsten Brosda (Foto: Bertold Fabricius)

Das Personalproblem

Nach dem zehnwöchigen Winterschlaf ist das Bedürfnis bei vielen groß, sich ins Getümmel zu stürzen und die Nächte durchzutanzen. Was zeigt denn die Erfahrung der letzten Wochen – gibt es gerade eine regelrechte Party-Explosion?

Mein Eindruck ist schon, dass viele in den letzten Monaten gemerkt haben, was alles fehlt, wenn diese Orte wegfallen, an denen wir mit anderen zusammenkommen. Wir sehen das auch in anderen Kultureinrichtungen. Es macht einen Unterschied, ob ich auf dem Sofa Netflix gucke oder ob ich zum Beispiel im Theater ein einmaliges Live-Erlebnis habe. Und dann steht man im Anschluss mit anderen Menschen zusammen und tauscht sich aus. Das gilt natürlich erst Recht für Clubs, die ja gerade von dieser physischen Enge leben. Ich hoffe sehr, dass wir uns dieses Bewusstsein für den Wert des gemeinsamen Erlebens bewahren!

Irgendwelche nennenswerten Corona-Ausbrüche?

Wie gesagt: Generell sehen wir, dass die Zahlen weiter hoch sind und wir noch vorsichtig seien müssen. Insofern ist es gut, dass wir in den Clubs weiterhin die 2G+ Regelung gilt. Mein Eindruck ist, dass wir damit die Situation derzeit ganz gut im Griff haben.

Und wie sieht es hinter den Bars, am Eingang und an der Club-Garderobe aus? Machen sich Fachkräftemangel und Personalnot bemerkbar?

Das ist ein echtes Problem. Darum ist es auch gut, dass zum Beispiel die Clubs auf dem Kiez jetzt mit einer Kampagne gezielt Personal ansprechen. Daher war uns aber auch wichtig, dass wir mit unseren Hilfen immer so weit wie möglich nicht nur Einnahmeausfälle gezahlt haben, sondern vor allem weiter das Veranstalten unter Corona-Bedingungen ermöglichen wollten. So konnte wenigstens ein Teil des Personals gehalten werden.

„Ich wünsche mir, dass diese Corona-Generation jetzt durchstartet“

Also, alles wie immer, getreu dem Motto „The Kiez is back“?

Ich bin mir nicht sicher, ob unser Ziel sein sollte, dass einfach alles zum Alten zurückkehrt. Wir können ja auch aus den Erfahrungen der letzten zwei Jahre lernen und manches besser machen. Vielleicht gehen wir mit den Kulturorten ja jetzt auch viel bewusster um und erkennen zum Beispiel den großen Wert der vielfältigen Clubkultur in der Stadt. Das wünsche ich mir jedenfalls. Vor allem aber muss sich das Publikum seinen Kiez jetzt wieder zurückerobern und mit Leben füllen. Man muss sich ja vor Augen führen, dass da jetzt auch eine Generation die Clubkultur ganz neu erleben wird, die eigentlich in den letzten Jahren die Nächte hätte erobern sollen, stattdessen aber zu Hause bleiben musste. Ich wünsche mir sehr, dass diese Corona-Generation jetzt durchstartet und die Erfahrungen machen kann, die man in dem Alter machen muss!

„How can we dance when our world is turning? How do we sleep while our beds are burning?“

Midnight Oil

Es hätte so schön sein können – bundesweit sinken die Fallzahlen und es darf endlich wieder getanzt werden. Doch vor dem Hintergrund des russischen Angriffskrieges in der Ukraine stellt sich die Frage, inwiefern eine hemmungslose Feierei gerade überhaupt möglich ist. Gegen den Weltschmerz antanzen – ist das eine gute Idee?

In meiner Jugend haben Midnight Oil gefragt: „How can we dance when our world is turning. How do we sleep while our beds are burning.“ Die Frage stellt sich immer wieder. Aber die Geschichte zeigt ja auch, dass gerade die Popkultur Veränderung fördern kann. Deswegen finde ich die Idee, gegen den Weltschmerz anzutanzen, eigentlich recht schön. Auch das bedeutet ja, diesem Wahnsinn unsere Haltung von einer freien Kultur entgegenzustellen. Aber ich gebe zu, dass das schwerfällt – und dass die Form immer wieder überprüft werden muss.

Momente der Gemeinschaft

Welchen Stellenwert haben das gemeinsame Feiern und Live-Musik-Erlebnisse Ihrer Meinung nach? Und was bleibt vielleicht auf der Strecke, wenn wir nicht tanzen gehen können?

Für mich sind das Momente, in denen Gemeinschaft spürbar wird. Kae Tempest beschreibt in ihrem Buch „Verbundensein“, dass sich bei einem Konzert sogar der Puls der Anwesenden angleicht. Das Wissen darum, dass wir einander brauchen und aufeinander reagieren, ist wichtig.

Ich finde die Idee, gegen den Weltschmerz anzutanzen, eigentlich recht schön.

Kultursenator Carsten Brosda

Clubbetreiber:innen beklagten in den vergangenen zwei Jahren vielfach eine gewisse Leichtfertigkeit, die den Umgang der Politik mit der Schließung von Clubs vermeintlich prägte. Kommt mit der „neuen Feierei“ auch eine neue, vielleicht absehbarere Corona-Strategie für die Kulturszene?

Da haben wir in den letzten Monaten schon eine Menge voneinander gelernt. Ich denke noch mit Schrecken an die ersten Corona-Verordnungen, in denen die Kultur mit Freizeiteinrichtungen und Puffs auf eine Stufe gestellt wurde. Das hat zu Recht einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Inzwischen wird der besondere Stellenwert der Kultur erkannt. Bund und Länder haben auch deutlich gemacht, dass es sehr genauer Begründungen bedarf, wenn die Freiheit der Kunst eingeschränkt wird. Mit Blick auf die Live-Musik macht mir Mut, dass die neue Bundesregierung nun erstmals Clubs als Kulturorte anerkannt hat und auch entsprechend schützen will. Wir in Hamburg wissen schon lange, wie wichtig eine lebendige und vielfältige Club-Szene für die Kultur ist. Da kann es nur helfen, wenn da künftig Bund und Länder mit der Szene an einem Strang ziehen.


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10 Techno Clubs in Hamburg

Rein ins Getümmel der Hamburger Clublandschaft. Raven ist wieder ausdrücklich erlaubt. Hier kommen 10 Spots für alle Liebhaber:innen von Techno und elektronischer Musik:

Waagenbau

Die Sternbrücke in Hamburg ist so etwas wie das klubkulturelle Drehkreuz mitten in der Stadt! Euphorische Techno-Nächte warten hier vor allem im Waagenbau. Direkt unter der Eisenbahnbrücke finden sich zwei unterirdische Dancefloors. Oben rattern die Züge, unten tropft der Schweiß von der Decke. Von Electro bis Drum n Bass gibts hier die unterschiedlichsten Beats auf die Ohren. Am Wochenende ist Techno allerdings Gesetz. An den Decks sind dann lokale Newcomer aber auch internationale Szene-Größen.

Waagenbau: Max-Brauer-Allee 204, 22769 Hamburg

Golden Pudel Club

Kein Club genießt in Hamburg größeren Kult-Status als der Golden Pudel Club. Seit 1995 wird in dem ehemaligen Schmugglergefängnis am Antonipark die alternative Musikszene überregional geprägt. Nachdem der von Schorsch Kamerun ins Leben gerufene Club, 2016 fast komplett abgebrannt war, wurde er aufwendig wieder aufgebaut und weiterentwickelt. Schon lange gehört der Pudel zu den bekanntesten Clubs Deutschlands. Underground-Kultur wird hier nicht nur in Form von Techno gelebt. In der Nacht zeigt sich elektronische Musik hier in all ihren Facetten. Nirgendwo lässt sich subkulturelle Entwicklung so gut beobachten wie hier.

Golden Pudel Club: St. Pauli Fischmarkt 27, 20359 Hamburg

PAL

Mittlerweile hat sich das PAL zu einer echten Techno-Institution entwickelt. Gut versteckt ist der Club in einem alten Backsteingebäude direkt an den Messehallen und quasi neben dem Fernsehturm gelegen. Getanzt wird hier in alter Techno-Tradition von Freitagnacht bis Sonntagabend. Um das Publikum im Gleichgewicht zu halten, wartet man gerne mal über Stunden in der Schlange, bis Türsteher und Selekteur entscheiden, ob es passt oder nicht. Aber das Anstehen kann sich lohnen, denn im PAL legen regelmäßig international gefeierte DJs auf und beschallen die zwei Floors mit feinsten Bässen. Besonders beliebt ist die queere Partyreihe „Kinky Sundays“, bei der auch ein Darkroom geöffnet ist.

PAL: Karolinenstraße 45, 20357 Hamburg

Südpol

Auf dem ehemaligen Betriebshof der Hamburger Wasserwerke in der Süderstraße holt der Südpol seit knapp acht Jahren den Techno nach Hammerbrook. Getanzt wird hier unabhängig von Zeit und Raum gerne mal vier Tage am Stück. Direkt am Bille-Kanal erstreckt sich ein großes Gelände mit Outdoor-Bereich und zwei Dancefloors. Gefeiert wird hier nach dem Motto Freiheit, Spaß und Respekt. Betrieben wird der Club im Kollektiv vom Träger „Kulturelles Neuland“. Neben Techno-Kultur gibt es zum Beispiel auch Kunsträume, Diskussionsabende, Tonstudios, Werkstätten und Ateliers. Besonders queere Clubkultur hat hier ein festes Zuhause gefunden.

Südpol: Süderstraße 112, 20537 Hamburg

Uebel & Gefährlich

Legendäre Techno-Nächte kann man in dem ehemaligen Schutzbunker an der Feldstraße erleben. Regelmäßig finden hier Technopartys wie „Oben Unten Alles“ statt. Schon im ikonischen Fahrstuhl geht es dann in einzelnen Gruppen zu elektronischer Musik hoch in den Club über den Dächern Hamburgs. Getanzt wird im schummrigen Uebel & Gefährlich bis in die frühen Morgenstunden. Gefeiert wird aber auch eine Etage höher im Ballsaal oder im Turmzimmer des Bunkers. Bei den Bunker-Raves treten immer wieder mal renommierte DJs wie Ben Clock oder Kollektiv Turmstraße auf. Auch hier lohnt sich das lange Warten in der Schlange.

Uebel & Gefährlich: Feldstraße 66, 20359 Hamburg

Fundbureau

Das Fundburau gehört definitiv zu den beliebtesten Clubs Hamburgs, wenn es um elektronische Musik geht. Zusammen mit der Astra Stube und dem Waagenbau bildet das Funbureau das Party-Delta an der Sternbrücke. Seit 1998 werden hier schon ekstasische Nächte in dem ehemaligen Fundbüro verbracht. Der Club steht für Partys und Konzerte elektronischer Musik aller Art. Auch wenn das Fundbeaurau sich im Laufe der Zeit immer wieder erneuert und professionalisiert hat, ist es seinem unkonventionellen familiärem Anspruch treu geblieben. Gerade deshalb wird viel Wert auf ein vielfältiges Programm gesetzt.

Fundbureau: Stresemannstraße 114, 22769 Hamburg

Bahnhof Pauli

Im Basement des Clubhaus St.Pauli feiert man wie in einem stillgelegten U-Bahn Schacht. Große Abluftschächte und Ventilatoren treffen auf moderne Laser und CO2-Kanonen und reichlich Moving-Heads. Von diesem Bruch lebt der Club und seine wechselnden Party-Reihen elektronischer Musik. An der Haltestelle des Bahnhof Pauli steigt man ein in wilde Nächte und kann selbst entschieden, wann es wieder tag werden soll. Bis zu 400 Gästen feiern hier ausgelassen, ohne das auch nur ein Mucks an die Oberfläche dringt. Gerade legen Gleisarbeiten das Programm auf Eis. Ab September geht der Club mit dem Electronic Red Light Festival wieder regulär an den Start.

Bahnhof Pauli: Spielbudenpl. 21-22, 20359 Hamburg

Gängeviertel & Rote Flora

In Hamburg trifft Techno traditionell auch auf Gegenkultur und alternatives Leben. Techno-Partys werden im Gängeviertel oder der Roten Flora meistens von Initiativen, Kollektiven oder politischen Gruppen veranstaltet. Feiern wird hier mit Aktivismus verbunden. Auf allen Veranstaltungen gibt es eine klare Absage an Sexismus, Homophobie und Rassismus. Fernab von kommerzieller Ausrichtung können hier legendäre Partys und Raves erlebt werden. Wer übrigens glaubt, dass sich hier keinen guten Soundsysteme finden, hat weit gefehlt!

Gängeviertel: Valentinskamp 34A, 20355 Hamburg // Rote Flora: Schulterblatt 71, 20357 Hamburg

Hafenklang

Neben wilden Konzertabenden ist das Hafenklang vor allem für seine Drum and Bass Partyreihe Drumbule bekannt. In dem Live-Musik Club in direkter Nähe zum Fischmarkt treten aber immer wieder Mal Bands wie Egotronic oder Björn Peng, an der Schnittstelle von Techno, Elektro und Punk auf. Wer also zur Abwechslung mal das Stampfen durch Pogen ersetzen möchte, ist hier genau richtig. In regelmäßigen Abständen finden außerdem DJ-Abende statt, bei denen zum Beispiel Record-Release-Partys gefeiert werden oder der Laden von anderen Veranstaltern bespielt wird.

Hafenklang: Große Elbstraße 84, 22767 Hamburg

Edelfettwerk

Das Edelfettwerk ist ursprünglich eine historische Fabrik für Edelfette gewesen. Nachdem die Produktion Ende des 19 Jahrhunderts eingestellt wurde, hat man die Fabrikanlage in einen modernen Club mit Industriecharme umgewandelt. Hier kommen mittlerweile alle Techno-Fans auf ihre kosten, die kein Problem damit haben, wenn das gesamte Setting etwas schicker und kommerzieller ausfällt. Auf die Besucher warten verschiedene Club- und Loungebereiche und auf 400 Quadratmeter haben bis zu 4000 Feiernde Platz. Musikalisch bewegt sich der Sound häufig zwischen Electro, House und Drum’n’Bass.

Edelfettwerk: Schnackenburgallee 202, 22525 Hamburg


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