(9.6.) Live-Electronica: Blurred Edges, Kirche St. Johannis-Harvestehude, 20 Uhr

Es ist das Festival der Sounds, der analogen wie der elektronischen: Blurred Edges findet noch bis zum 19. Juni an 33 Orten in Hamburg statt – heute unter anderem in der Hamburger Botschaft mit folgendem Programm:

blurred edges – Sound Week #2 – Analog Live Soundtrack

“Mit Hilfe verschiedenster analoger Geräte und Musikinstrumente kreieren die beiden Hamburger Produzenten Johannes Makaron und Helge Misof in einer klassisch aufgestellten kinematischen Kulisse das Experiment eines Live-Soundtracks als Begleitung eines Kurzfilms.”

Eintritt: Frei
Hamburger Botschaft, Sternstraße 67
Ab 22 Uhr

Und Elektronika Im Puls in einer Kirche:

Live-Electronics & Visuals

In der St. Johannis Kirche in Harvestehude erwartet euch heute ein musikalisches „Erlebnis“ der ganz besonderen Art. Im Rahmen des Musik-Festivals „Blurred Edges“ zaubern Christopher Bender an der Orgel und May Roosevelt am „Theremin“ – einem Instrument das ohne Berührung Töne erzeugt – Live-Electronics mit Gänsehaut-Atmosphäre. Dazu kommen die einzigartigen Lichtprojektionen von Kathrin Bethge, die unter Verwendung lichtbrechender Objekte, Flüssigkeiten und alltäglicher Materialien auf der Oberfläche eines Overhead-Projektors sphärische Räume aus Licht erschafft – der absolute Wahnsinn! Danach gibt’s Bierchen und feinste, basslastige Tanzmusik von Miss Hawaii und Tierarztpraxis DJ Costa. (IV)

Kirche St. Johannis-Harvestehude
Ab 20 Uhr

Foto: Sarah Bernhard

Musik, Performances, Klanginstallationen und Filme: 3.–19.6.
Tickets: Festival-Pass für 45 Euro, Einzeltickets an der Abendkasse
Verkaufsstelle: Hanseplatte, Neuer Kamp 32 (St. Pauli)

(9.6.) Arthur Cravan – König der verkrachten Existenzen, Fabrique im Gängeviertel, 20 Uhr

Arthur Cravan musste öfter mal vors Gericht, weil er es in kürzester Zeit schaffte, die gesamte Pariser Kulturszene zu beleidigen. Der Neffe von Oscar Wilde ließ gern die Hosen runter und stand oft sternhagelvoll auf einer Bühne, auf der er eigentlich seriöse, schöngeistige Dinge vortragen sollte. Unter dem Titel „König der verkrachten Existenzen“ brachte Nautilus vor kurzem eine Neuedition von Cravans Schriften heraus. Der Thalia-Schauspieler Jörg Pohl erweist dem Dandy in einer Performance zusammen mit HF Coltello die Ehre. (NAT)

WOW – Fabrique im Gängeviertel
Valentinskamp 34a, Zugang über Speckstrasse
9.6., 20 Uhr

(8.6.) Ausstellungen: Mixed Company, Krameramtsgasse, 19 Uhr

In fünf verschiedenen Ausstellungen fragt die Galerie der Villa, wie es um die Gemeinschaft steht und welche Werte den einzelnen Rollen auferlegt werden. Neben der Eröffnung in der Krameramtsgasse, gibt es vom 8. Juni bis in den Juli hinein außerdem in der Affenfaust, Oberpostdirektion, Fachbuchhandlung Sautter & Lackmann oder im Gängeviertel Kunst zur Gemeinschaft satt – mit verschobenen Perspektiven oder Blick auf die Rolle von Frau und Mann. Rupprecht Matthies, Silke Marohn, Maksim Boksgorn und Ruth May sind dabei nur eine kleine Auswahl der teilnehmenden Künstler. (AW)

Krameramtsgasse
Krayenkamp 10/11
8.6., 19 Uhr

(8.6.) Judith Hermann liest aus “Lettipark”, Literaturhaus, 19.30 Uhr

In den letzten Jahren verhalf Judith Hermann der literarischen Kurzform zu neuer Relevanz. In 17 Erzählungen fängt sie mit lakonischer Sprache Vergängliches und Zerbrechliches zwischen den Menschen ein. Darunter der analytisch-distanzierte Blick eines Fotografen auf seinen Adoptivsohn, der das Lebensgefüge seiner Frau ins Wanken bringt oder Page, der Trinker, der im Zuge von heftigem Werben um Elena einen Fotoband über ihren Kindheitsort, den Lettipark, bastelt. Diese und weitere Geschichten liest die Schriftstellerin im Literaturhaus vor.

Literaturhaus
Schwanenwik 38
8.6., 19.30 Uhr

Foto: Gaby Gerster

(7.6.) Vor der Morgenröte, Zeise Kinos, versch. Zeiten

Rio de Janiero, August 1936. Noch sind die Türen zum Festsaal des exklusiven Jockey Clubs verschlossen. Drinnen rücken Hausmädchen die Weingläser zurecht, zupfen an der Tischdekoration, einem atemberaubenden tropischen Blumenmeer in den verschiedensten Rottönen, das kaum Platz lässt für Tafelsilber und Porzellan. So beginnt Maria Schraders fesselndes Episoden-Epos über das Exil von Stefan Zweig (Josef Harder), und vom ersten Moment an hat jede Form opulenter Schönheit etwas schmerzhaft Tragisches. Denn zwei Jahre zuvor musste der berühmte österreichisch-jüdische Schriftsteller seine Heimat verlassen.
Neben Thomas Mann ist Stefan Zweig der meist gelesene deutschsprachige Autor. Im Ausland wird er gefeiert wie ein Star, es gibt große Empfänge für ihn, wie diesen in Brasilien, Konferenzen, Lesungen, Interviewtermine, aber in Wirklichkeit empfindet er dieses Leben als Albtraum. „Einen Film machen über Europa, der nur außerhalb Europas spielt“, war das Konzept der 50-jährigen Regisseurin und ihres Co-Autors Jan Schomburg. Es ist ein Kriegsdrama fern der Schlachtfelder, doch für Stefan Zweig sind der Nationalsozialismus und dessen Opfer immer präsent, ob in New York, den Zuckerfeldern Bahias oder Petrópolis, der letzten Station seiner Odyssee. (AG)

Zeise Kino
Friedensallee 7-9
7.6., 15.00, 17.30, 20.00, 22.30

(7.6.) Bette & Joan, Ernst Deutsch Theater, 19.30 Uhr

Wenn zwei Hollywood-Diven aufeinandertreffen, wird es eng. Bei den Dreharbeiten zu „Was geschah wirklich mit Baby Jane?“ prallen die Egos der Oscar prämierten Bette Davis und Joan Crawford aufeinander, die sich in Grabenkämpfen am Set messen. Denn beide sind am Tiefpunkt ihrer Karriere angelangt und müssen sich unter dem Druck des Hollywoodtheaters wieder behaupten. Auch Legenden haben Schwächen. Diese Unsicherheiten verbergen die beiden hinter einem gnadenlosen Schlagabtausch, der zwischendurch auch ihre sensiblen Seiten zeigt. Der Autor Anton Burge befasst sich in seinen Stücken immer wieder unter psychologischen Aspekten mit dem Schicksal berühmter Frauen. (HED)

Ernst Deutsch Theater
Friedrich-Schütter-Platz 1
7.6., 19.30 Uhr
Tickets: ab 20 Euro

Foto: Oliver Fantitsch

(6.6.) Agnes, Abaton, 19.15 Uhr

In Büchern oder Filmen, die von Schriftstellern handeln, verschmelzen Realität und Fiktion manchmal, bis die Grenzen nicht mehr auszumachen sind. Ähnliches spielt sich auch im Liebesdrama „Agnes“ ab, mit dem der Regisseur Johannes Schmid einen verschachtelten Roman des Schweizers Peter Stamm auf die Leinwand überträgt. Als der Sachbuchautor Walter (Stephan Kampwirth) in der Universitätsbibliothek einer anonymen deutschen Großstadt auf die nachdenkliche Physikstudentin Agnes (Odine Johne) aufmerksam wird, ist er von der jungen Frau sofort fasziniert. Aus ersten gemeinsamen Abenden, die gleich um große Lebensfragen kreisen, entwickelt sich ein zärtliches Verhältnis. Eines Tages ermuntert Agnes Walter, die Geschichte ihrer Liebe in Form eines Romans zu verarbeiten, und bald schon werden erste Entwürfe diskutiert. Der Startschuss für ein geheimnisvolles Spiel mit unterschiedlichen Möglichkeitsdimensionen, das den Zuschauer fordert, ohne übertrieben prätentiös zu sein. (CD)

Abaton Kino
Grindelhof/Allendeplatz
6.6., 19.15 Uhr

(6.6.) Saša Stanišić „Fallensteller“, Buchhandlung Christiansen, 20 Uhr

Über das öde Land, querfeldein, marschiert durch die Dunkelheit einer, verwegen muss er sein, strauchdiebisch oder verwirrt, sonst ginge er hier nicht unbeirrt, hätte überm Kopf ein Dach, nicht Sterne, miede nicht die Dörfer, ach, jede Laterne, schliche nicht geduckt jenseits unsrer westlichen Welt.“ So beginnt Saša Stanišićs Kurzgeschichte „Fallensteller“ in seiner gleichnamigen Erzählsammlung, die vor Kurzem erschienen ist und mit dem Literaturförderpreis der Stadt Hamburg ausgezeichnet wurde. Knapp eine Seite kurz befindet sie sich auf Seite 169, vor der letzten und längsten Geschichte des 288 Seiten dicken Buches. Als ob der Fallensteller nur kurz das Sichtfeld streift, um dann wieder zu verschwinden. So wie der in Hamburg lebende Schriftsteller in seinen Geschichten Wege auftut und den Leser dann allein loslaufen lässt, ganz woanders hin als zunächst vermutet. Eben war man noch in Stockholm, plötzlich ist man in Russland, eine finnische Nachtclub-Bekanntschaft wird zu einer Turteltaube und ein Sägewerkbesitzer zum Zauberer. „Kafkaeskul“ heißt „Das Kafkaeske“ auf Rumänisch und klingt widerborstig in der lauen Nacht von Rio. Die Verwirrung berauscht geradezu. Keine Chance, ihnen nicht zu verfallen. (KM)

Buchhandlung Christiansen
Bahrenfelder Str. 79
6.6., 20 Uhr

Foto: Katja Saemann

(5.6.) Glaube Liebe Hoffnung, Schauspielhaus, 18 Uhr

Ein Orchestergraben ohne Orchester, stattdessen entweichen aus Lautsprechern einzelne Tonfetzen, bis langsam „Der Tod und das Mädchen“ von Schubert zu erkennen ist. Neben Walzern, Märschen und Popsongs eines der Musikstücke, das im Laufe des Abends immer wieder von Clemens Sienknecht angespielt wird. Nächste Szene: Ein Handwerker repariert über dem Eingang des Anatomischen Instituts eine kleine Ewigkeit lang die aus den Fugen geratenen Buchstaben, bis ihm die Sprossen seiner Leiter wegbrechen. Christoph Marthaler treibt es in seiner 3,5-stündigen Inszenierung von „Glaube Liebe Hoffnung“ mit der Zerdehnung der Zeit auf die Spitze. 2012 hatte das Volksstück von Ödön von Horváths bei den Wiener Festwochen Premiere. Nach Stationen in Zürich, Paris und Berlin wechselt es nun ans Hamburger Schauspielhaus, wo einige Darsteller dieses perfekt eingespielten Teams inzwischen zum Ensemble gehören. (AK)

Schauspielhaus
Kirchenallee 39
5.+10.6., 18 Uhr

Foto: Walter Mair

(5.6.) Tage des Exils Konzert: Spartenze, Friedrich-Ebert-Halle, 18 Uhr

Volltönend und vielstimmig finden heute die „Tage des Exils“ ihren Abschluss. 80 Sängerinnen und Sänger aus Hamburg, Berlin und La-Chaux-de-Fonds laden zu einem Konzert mit traditionellen Liedern aus Italien und Korsika, die von den Chorleitern Xavier Rebut und Annunziata Matteucci – beide auch Musikethnologen – vor Ort erlebt, „gesammelt“ und erlernt wurden. „Spartenze – Lieder von Aufbruch und Hoffnung“ macht musikalisch erlebbar, dass Aus-und Einwanderung sowie Flucht schon seit Jahrhunderten die Identität des Mittelmeerraums und ganz Europas prägen. Wer genau hinhört, erkennt vielleicht arabische, spanische, griechische oder maurische Einflüsse. (MIR)

Friedrich-Ebert-Halle
Alter Postweg 30-38
5.6., 18 Uhr