Über ein Jahr ist es schon her, seitdem Olaf Scholz sein Amt als neunter Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland niederlegte. Seitdem ist es still um den Ex-Kanzler geworden. Dabei nimmt er als Vorsitzender der Nord-Süd-Kommission immer noch Einfluss auf das politische Geschehen in der Bundesrepublik. Zudem sorgte sein Zweitwohnsitz in der Hansestadt regelmäßig für Schlagzeilen. Doch was macht der Ex-Kanzler mittlerweile eigentlich und welche Beziehungen pflegt er noch zu seiner alten Heimatstadt Hamburg?
Die politische Karriere von Olaf Scholz: Erst mal von Anfang an
Olaf Scholz wurde 1958 in Osnabrück geboren und wuchs in Hamburg-Rahlstedt als ältestes von drei Kindern auf. Bereits in der Jugend engagierte er sich politisch und trat mit 17 in die SPD ein. 1978 begann Scholz sein Studium der Rechtswissenschaft an der Universität Hamburg und machte danach seinen Zivildienst in einem Altenpflegeheim. Bevor er sich vollends auf seine politische Karriere konzentrierte, arbeitete er mehrere Jahre als Rechtsanwalt für Arbeitsrecht in einer Kanzlei in Hamburg.
Im Oktober 1998 wurde Scholz für den Wahlkreis Hamburg-Altona erstmals in den Bundestag gewählt und damit zum Berufspolitiker. Zwei Jahre später übernahm er den Parteivorsitz des Landesverbandes Hamburg und wurde Innensenator der Freien und Hansestadt. 2009 wurde er zum stellvertretenden Parteivorsitzenden der SPD gewählt.
Der Bürgermeister von Hamburg
Eine seiner prominentesten politischen Tätigkeiten war das Amt des Ersten Bürgermeisters von Hamburg, das er im Jahr 2011 antrat und für ganze sieben Jahre übernahm. Zu seinen prägendsten Projekten zählte die Fertigstellung der Elbphilharmonie, ein Prestigeprojekt, das Scholz von seinem Vorgänger erbte und 2017 wirkmächtig eröffnen ließ. Am meisten in Erinnerung bleibt die Eskalation des G‑20‑Gipfels in Hamburg 2017. Die schweren Ausschreitungen während des Gipfels in der Hansestadt wurden zu einer großen Belastungsprobe für den Bürgermeister. Es seien die „schwersten Stunden“ seiner Amtszeit gewesen, sagte der Ex-Kanzler später. Er hatte die Sicherheitsmaßnahmen für das Spitzentreffen im Vorhinein als vollkommen ausreichend bezeichnet. Ein Jahr später legte er sein Amt in Hamburg nieder und wurde Bundesfinanzminister in der Koalition mit der CDU.
Im selben Jahr veröffentlichte die Recherchekooperation von Correctiv eine Reportage über den wohl größten Skandal in Olaf Scholz’ politischer Karriere: Cum-Ex. Aktienhändlerinnen, Anwälte, Steuerberaterinnen und Banker haben sich jahrelang mehrere Millionen Steuern vom Staat erstatten lassen, die sie zuvor nie gezahlt haben. Auch die Hamburger Privatbank MM Warburg hat an den illegalen Geschäften verdient. Olaf Scholz wird vorgeworfen, dass er sich mehrfach mit dem Eigentümer der Warburg-Bank getroffen haben soll, um über Cum-Ex zu sprechen. Scholz selbst gab an, sich nicht an die Inhalte der Gespräche zu erinnern.
Olaf Scholz: Seine Jahre als Kanzler
Im Jahr 2021 setzte sich Olaf Scholz als Spitzenkandidat der SPD gegen den CDU-Kandidaten Armin Laschet und die Vorsitzende der Grünen Annalena Baerbock durch und wurde der neunte Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Seine Amtszeit begann turbulent, mit der noch immer wütenden Coronapandemie und dem Angriff Russlands auf die Ukraine im Februar 2022. In diesen konfliktreichen Zeiten stand Scholz oft in der Kritik. Hinzu kamen die zahlreichen Unstimmigkeiten innerhalb der Koalition aus der SPD, Bündnis90/Grünen und der FDP. Im Dezember 2024 zerbrach die Koalition offiziell und Scholz stellte im Dezember desselben Jahres die Vertrauensfrage im Bundestag, welche er verlor. Damit wurden für den Februar 2025 Neuwahlen auf den Weg gebracht, die Scholz weiterhin als Kanzlerkandidat der SPD bestritt. Am Ende verlor er die Wahl jedoch gegen seinen Konkurrenten aus der CDU Friedrich Merz und zog sich danach aus der Spitzenpolitik zurück.
Was macht Olaf Scholz eigentlich heute?
Anders als Habeck, Baerbock und Lindner ist Olaf Scholz weiterhin Mitglied im Deutschen Bundestag, als Abgeordneter für den Wahlkreis Potsdam/Potsdam Mittelmark II/Teltow-Fläming II. Seit Juni 2026 hat er außerdem den Vorsitz der neuen Nord-Süd-Kommission übernommen. Die Kommission soll das Verhältnis der Bundesrepublik zu den Ländern des Globalen Südens intensivieren und ein globales Netzwerk aufbauen. In diesem Gremium soll sich Scholz mit den politischen Antworten auf Hunger und Armut auseinandersetzen. Co-Vorsitzende ist die Ex-Regierungschefin von Costa Rica, Laura Chinchilla.
Zudem kündigte der Ex-Bundeskanzler an, im Jahr 2027 seine politischen Memoiren veröffentlichen zu wollen. Das Buch soll seine politischen Erinnerungen umfassen, ab seinem Eintritt in die SPD mit 17 Jahren bis zu seiner Zeit als Bundeskanzler.
Kritik an Scholz in Hamburg
In Hamburg sorgte Scholz in den letzten Jahren vor allem durch seine Abwesenheit für Aufsehen. Seine Zweitwohnung in Hamburg-Altona steht bis heute unter Dauerbewachung und das, obwohl sich der Kanzler mittlerweile nur noch selten in der Hansestadt aufhält. Über Zehntausende Personalstunden durch die Polizei sollen sich dadurch angehäuft haben. Dies sorgte für starke Kritik, vor allem vom Bund der Steuerzahler und der Deutschen Polizeigewerkschaft. Kürzlich flammte die Debatte um seine Wohnung noch einmal auf, da nach fünf Jahren Planung neue und teure Sicherheitsfenster in den Hamburger Wohnsitz des Ex-Kanzlers eingebaut wurden.
Seinen Zweitwohnsitz dürfte Olaf Scholz allerdings spätestens am 11. September diesen Jahres für eine kurze Zeit wieder beziehen können. Der SPD-Politiker ist an diesem Tag nämlich zu Gast auf dem Harbour Front Literaturfestival in Hamburg. Auf dem Event „25 Jahre NINE ELEVEN: Attentat auf die Twin Towers in New York – Weltpolitik in Hamburg“ erzählt Scholz, wie er die Zeit nach dem Anschlag als Innensenator von Hamburg erlebt hat. Vor allem da die Hansestadt als tragischer Ausgangspunkt des Attentates gilt, weil Mohammed Atta und einige weitere Terroristen in der Hansestadt gelebt und den Anschlag geplant haben sollen.
Die Lesung und das Gespräch werden von Anne Sauerbrey geleitet, sie ist die stellvertretende Ressortleiterin für Politik bei der ZEIT. Mehr zu der Veranstaltung und zum Harbour Front Literaturfestival gibt es hier.

