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Sternbrücke: „Die Clubs müssen weichen“

Die Zukunft ist ungewiss. Im Dezember will die Bahn ihre Neubau-Entwürfe zur Abstimmung stellen. Anwohnende kritisieren die Dimensionen und fehlenden demokratischen Beteiligungsprozess. Zur aktuellen Situation an der Sternbrücke und warum die Clubs nicht mehr Teil des Protestes sind, äußert sich Daniel Höötmann von der Astra Stube

Interview: Ole Masch

 

SZENE HAMBURG: Daniel, wie konntet ihr die Zeit während der Schließung überstehen?

Daniel Höötmann: Die ersten zwei Monate hat uns die Aktion von Tourhafen und dem Friese, Mercher von Turbostaat, geholfen. Die Aktion hieß „Be My Quarantine“ und Tourhafen, eine Hamburger Firma, die Merchandise für Bands und Clubs macht, hat T-Shirts drucken lassen, wo hinten im Nacken das Logo des Clubs war und vorne ein Druck von Künstler*innen. Die Erlöse sind den Clubs zugutegekommen. Danach kam natürlich der Rettungsschirm der Kulturbehörde, wo unsere Fixkosten bezahlt wurden.

Ist das Team noch dasselbe?

Ja. Wir haben ein paar neue Gesichter dazubekommen, da wir mit der 2G-Regelung mehr Personal brauchen. Aber unsere Leute waren sofort am Start, als wir wieder aufgemacht haben. Und sind natürlich geimpft, um sich und andere zu schützen.

Wurde im Laden etwas verändert?

Wir haben im ersten Lockdown den Club renoviert: Gestrichen, eine neue Lichtanlage hinter der Bühne installiert und die kompletten Stromleitungen neu gelegt. Das Lager wurde von unserem Hauke Horeis innerhalb eines Monats entrümpelt und er hat dort einen Backstage eingerichtet. Ab und zu habe ich gedacht er wohnt da schon. Und wir haben unseren Tresen und die Holztheken an den beiden großen Fenstern schick gemacht.

 

„Schlangestehen in 2021 ist sehr angesagt“

 

Wie liefen die ersten 2G-Veranstaltungen?

2G ist momentan die einzige Lösung, um wirtschaftlich arbeiten zu können. Die ersten Konzerte und Partys liefen alle super. Die Leute wollen wieder raus, feiern, Live-Musik hören, Bier trinken und Menschen treffen. Die Gäste sind super, wir haben null Stress mit unserem Publikum. Alle akzeptieren die 2G-Regeln. Natürlich dauert alles länger beim Einlass: Luca-App oder handschriftlich eintragen, Impfzertifikat und Personalausweis vorzeigen, dazu das Ticket bereithalten. Schlangestehen in 2021 ist sehr angesagt.

Glaubst du, dass ihr trotz „vierter Welle“ geöffnet bleibt?

Wir hoffen es. Ich denke nicht das der Hamburger Senat noch mal einen Lockdown machen wird oder wie am Anfang von 2G erneut Abstand und Maskenpflicht einführt. Dann müssten wir wohl wieder zumachen, denn die Menschen werden dies in Clubs nicht noch mal akzeptieren.

Welche musikalischen Highlights sind für Dezember geplant?

Am 2.12. kommen die Cigaretten zu uns. Da freue ich mich sehr drauf. Der Feine Herr Soundso, Pony Royal und Passierzettel kommen unter anderem auch. Im Dezember haben wir viele Hamburger Bands dabei. Denn Newcomer-Förderung ist uns immer noch wichtig. Egal, ob von hier oder aus der ganzen Welt.

 

Party bis Ende 2022?

 

Was passiert in der Astra Stube an Silvester?

Es wird wieder unsere Silvester Party geben. Die machen wir jedes Jahr. Unsere Techniker, von denen einige auch DJs sind, legen auf. An Silvester sind alle Clubs unter der Sternbrücke voll. Waagenbau und Fundbuero haben auch immer auf und unter der Sternbrücke ist es rappelvoll.

Es wird in Zukunft also wieder Partys geben?

Klar doch. Wir haben bis Ende Dezember jeden Freitag und Samstag nach den Konzerten ab null Uhr Partys. Musikalisch ist alles dabei: HipHop, Electro, Reggae, Indie Punk. Wir haben ein paar neue Partys, die wir ausprobieren. Wie „Astra Colada’s Tanzcafe“. Das ist die Party von mir und Hauke. Den Podcast „Astra Colada“ haben wir im ersten Lockdown gestartet. Den nehmen wir in der Astra Stube mit Gästen aus dem Kulturbereich auf. Mit aktuell 1800 Hörenden pro Folge. Und wir haben uns gedacht: „Na dann machen wir doch mal eine Party.“

Bis wann läuft euer aktueller Mietvertrag?

Bis zum 31.12.2022. Ab Januar 2023 soll wohl angefangen werden, die Gebäude abzureißen.

 

„Kein normal denkender Mensch würde den Mietvertrag der Bahn unterschreiben“

 

19 Jahre in der Branche: Clubbetreiber Daniel Höötmann (Foto: Cindy Gusinski)

19 Jahre in der Branche: Clubbetreiber Daniel Höötmann (Foto: Cindy Gusinski)

Diskussionen darüber gibt es schon lange. Wenn ihr einen Wunsch frei hättet, wie sähe die Zukunft der Astra Stube aus?

Ich bin ehrlich. Ich liebe die Astra Stube dort, wo sie jetzt ist. Nur wird es immer schwerer, den Club am Laufen und instand zu halten. Kein normal denkender Mensch würde den Mietvertrag der Bahn unterschreiben. Wenn die Brücke abgerissen und neu gebaut wird, wovon wir zu 100% ausgehen, wünsche ich mir, dass wir zusammen mit allen Clubs unter der Sternbrücke das Kulturhaus gegenüber bauen dürfen und so einen neuen, alten Platz bekommen. Denn egal, ob Abriss oder Sanierung der Brücke, die Clubs müssen weichen und werden abgerissen.

Wie müsste so ein Haus aussehen, damit du dort eine Zukunft siehst?

In das Kulturhaus kommen nicht nur die Clubs. Es sollen Bandproberäume, Bandwohnungen, Kita, Gastro reinkommen. Wir haben mit einem Architekten aus der Schanze dieses Projekt geplant und jeder Club unter der Sternbrücke bekommt in diesem Kulturhaus seinen Platz. Natürlich legen wir viel Wert auf Schallisolierung und Besucherleitung, damit Nachbarn nicht unnötig gestört werden. Der alte Look der Brücke soll in dieses Kulturhaus mit einfließen.

Gibt es bereits konkrete Zusagen für so ein Projekt?

Wir stehen in engem Kontakt mit der Stadt Hamburg, der Bahn und der Lawaetz Stiftung. Letztere hilft uns sehr, zwischen Bahn, Stadt und Anwohnenden zu kommunizieren. Was dabei rauskommt, kann ich leider noch nicht sagen.

 

Die Clubs werden abgerissen, es gibt keinen Erhalt

 

Ihr habt während Corona in den Club investiert. Wäre das nicht umsonst, wenn die Brücke abgerissen wird?

Nein. Der Club brauchte dringend eine Renovierung und neue Technik. Wir hätten nicht wieder öffnen können und haben durch ein paar Förderungen neue Sachen anschaffen können. Die nehmen wir mit, wenn wir eine neue Bleibe haben. Und natürlich ein paar „alte“ Sachen aus dem Club, damit im neuen dann noch der alte Astra-Stube-Charme zu sehen ist.

Ihr wart zuerst Teil der Sternbrücken-Initiative zum Erhalt der Brücke und jetzt nicht mehr. Warum?

Wir haben uns mit der Ini getroffen, aber schnell gemerkt, dass sie nicht unsere Interessen vertreten und dort eher „Schreihälse“ dabei sind. Wir verstehen natürlich, dass die Ini keine riesige Brücke direkt vor ihren Wohnungen möchte. Aber sie haben keine Ideen, wo wir hinsollen, wenn die Brücke, so wie sie es fordern, saniert wird. Die Ini verschweigt immer, dass die Clubs abgerissen werden, egal, ob Sanierung oder neuer Brückenbau. Auch die Kreiselkonzerte, die sie veranstalten. Da wird den Bands, die dort spielen suggeriert, dass sie für den Cluberhalt unter der Brücke spielen. Was totaler Quatsch ist. Das finden wir sehr bedenklich und absolut nicht ehrlich.

 

Eine Astra Stube ist auch woanders möglich

 

Die Gegner eines Abrisses argumentieren mit der Dimension der neuen Brücke und dem fehlenden demokratischen Beteiligungsprozess. Versteht ihr diese Argumente nicht?

Wir verstehen die Aufregung in Ansätzen. Diese Brücke ist alt und keiner weiß das besser als wir Clubs darunter. Wir kämpfen mit Schimmel, Wasserschäden und so weiter. Aber auch der Verkehr unter dieser Brücke ist katastrophal. Es braucht richtige Radwege und bessere Busspuren, damit dort sicher gefahren werden kann. Ob die Brücke so groß sein muss, wie sie werden soll, kann ich nicht beantworten.

Wäre die Astra Stube auch an einem ganz anderen Ort möglich?

Wir denken ja. Die Astra Stube hängt natürlich mit der Brücke zusammen. Aber die Astra Stube lebt von seinen Künstler*innen, Besucher*innen und unserer Crew. Ich denke, das schaffen wir auch an einem anderen Ort. Aber das Kulturhaus ist unser Wunsch, damit wir am Standort Sternbrücke bleiben können.

Abstimmung Bahn; Initiative Sternbrücke


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Dezember 2021. Das Magazin ist seit dem 27. November 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Keine Sportvereine mehr für Ungeimpfte?

Das 2G-Optionsmodell sorgt vor allem bei den Großvereinen im Breitensport für heiße Diskussionen

Text: Mirko Schneider

 

Der 19. September 2021 war ein großer Tag für den FC St. Pauli. Der nach Mitgliederzahlen zweitgrößte Sportverein in Hamburg durfte sein Stadion zu 50 Prozent auslasten und fast 15.000 Fans zum Zweitligaheimspiel gegen den FC Ingolstadt begrüßen. Garant dafür war die 2G-Regel, nach der nur Genesene und Geimpfte Zutritt hatten. St. Paulis Präsident Oke Göttlich hatte das 2G-Modell zuvor in diversen Medien als „logischen und sinnvollen Weg“ Richtung „Normalität“ bezeichnet. Der mitgliederstärkste Club der Stadt, der Hamburger Sportverein, hat mittlerweile auch auf 2G umgestellt.

Werden Ungeimpfte künftig nur noch auf dem heimischen Sofa Sportveranstaltungen sehen können? Inwieweit ist das Impfen noch eine persönliche Entscheidung, wenn für Getestete nicht einmal mehr der Gang zum eigenen Lieblingsverein möglich ist? Während wohlbemerkt für die Profispieler auf dem Feld keine Impfflicht existiert und einige Profis (zum Beispiel Wout Weghorst vom Bundesligisten VfL Wolfsburg) die Imfpung sogar ablehnen, ohne dass deshalb auch nur über ihr Recht diskutiert wird, als „nur“ Getestete ihren Sport auszuüben.

 

Ein Recht auf Sport

 

Die Rechte von Sportfans sind, das zeigen die unterschiedlichen Vorgehensweisen des FC St. Pauli und des HSV, ein heißes Thema. Doch ein damit verbundenes noch viel Heißeres findet gerade weitgehend im Verborgenen statt. Es dreht sich, vereinfacht gesagt, um das Recht jedes einzelnen Bürgers darauf, selbst Vereinssport zu treiben.

Mit seinem Beschluss vom 24. August ermöglichte der Hamburger Senat die Option des 2G-Modells nämlich nicht nur für das Publikum des in den Hamburger Medien omnipräsenten Profifußballs. Jeder Sportverein kann nun für seine Mitglieder 2G einführen. Als Belohnung dafür fallen unter anderem Abstandsregeln weg und es dürfen deutlich mehr Sporttreibende zugelassen werden.

 

Hohe Hürden für die Vereine

 

„Die Hamburger Vereine stecken vielfach in einem Dilemma“, sagt der im November scheidende Vorstandsvorsitzende des Hamburger Sportbundes (HSB) Ralph Lehnert. Im HSB sind 816 Vereine und 50 Fachverbände organisiert. „Geimpfte Vereinsmitglieder plädieren häufig für das 2G-Modell, während die Ungeimpften 3G weiter nutzen möchten“, so Lehnert weiter. „Für die Vereine ist es außerdem schwierig, die Trainer und gegebenenfalls die Angestellten zum Impfstatus zu befragen, weil dies datenschutzrechtlich für Arbeitgeber nicht möglich ist.“ Dabei sind die Strafen bei Fehlverhalten durchaus happig. „Verstöße gegen diese Betreiberpflichten führen zu einem Bußgeld im Rahmen von 1.000 Euro bis zu 20.000 Euro“, heißt es in der CoronaVerordnung des Hamburger Senats. Und nicht nur das! Sie führen außerdem „zum Verlust der Möglichkeit, die 2G-Option künftig zu nutzen“.

Als „absolut krass“ empfindet Ulrich Lopatta diese Vorschrift. Lopatta ist Vorsitzender des Walddörfer SV. Der Verein aus dem Nordosten Hamburgs zählt über 8.000 Mitglieder, nur fünf Vereine in Hamburg haben mehr. Grundsätzlich begrüßt Lopatta die Möglichkeit für die Vereine, „durch das 2G-Modell mehr zu differenzieren. Es ist ja auch möglich, es nur in einzelnen Kursen anzuwenden. Und wenn sich ein Sportkurs komplett einig ist, spricht ja nichts dagegen“. Der Vereinsboss ist alles andere als ein Impfskeptiker. Er wirbt fürs Impfen, für „gemeinsame Solidarität“. Der Verein betreibt im Walddörfer Sportforum ein eigenes Corona-Testzentrum und prüft die Option, Mitgliedern dort eine Impfung anzubieten.

 

Gibt es einen Mittelweg?

 

Gleichwohl will Lopatta möglichst die gesamte Mitgliedschaft mitnehmen. Ein komplettes Umschwenken des WSV auf 2G hält Lopatta dennoch für unwahrscheinlich. „Bei uns laufen gerade viele Umfragen im Verein. Das Meinungsbild ist sehr vielfältig. Wir möchten niemanden ausschließen, aber wir wollen unseren Mitgliedern auch viele Angebote machen, um Sport zu treiben“, sagt er. „Da suchen wir gerade nach einem smarten Weg.“ Dieser allerdings gleicht manchmal dem Bohren dicker Bretter. Vor allem, wenn Mitglieder kategorische Forderungen aufstellen. „Ich habe einen Brief bekommen, in dem stand, ,Wenn ihr das 2G-Modell einführt, trete ich wieder ins Fitnessstudio ein‘“, sagt Lopatta. Andere Mitglieder wiederum betrachten 2G mindestens als unfair, einige als Weg in die Zweiklassengesellschaft.

Die Wucht dieser Debatte sollte nicht unterschätzt werden. Vereinssport zu treiben ist vielen Hamburgern nicht nur ein körperliches, sondern ebenfalls ein soziales Bedürfnis. Und die Vereinsbindung vieler Mitglieder ist immer noch hoch. Den eigenen Verein wechselt man nicht so schnell wie das Lieblingsrestaurant. Nur stellt sich nun die Frage, wie die Vereine die widerstreitenden Interessen ihrer Mitglieder ausbalancieren können.

 

Der ETV bleibt bei 3G

 

Dieses Problem bringt auch den Vorsitzenden des Eimsbütteler TV, Frank Fechner, ins Grübeln. Mit über 13.000 Mitgliedern ist der ETV die Nummer drei in Hamburg hinter dem HSV und dem FC St. Pauli. Das 2G-Modell für den ganzen Club einzuführen, so wie es der Curling Club Hamburg (knapp 200 Mitglieder) jüngst tat, kam für den ETV als Großverein ähnlich wie für den Walddörfer SV zunächst nicht infrage. Der ETV bleibt im Großen und Ganzen erst mal ein 3G-Verein. Doch nach Fechners Ansicht wird die Diskussion bald wieder geführt werden müssen. „Noch finden viele unserer Kurse draußen statt. Das wird sich mit den kälteren Witterungsbedingungen ändern“, sagt Fechner. Einen zweiten Grund führt er zusätzlich an: „Wenn die Corona-Tests im Oktober für alle Bürger kostenpflichtig werden, wird sich die Frage stellen, wie sich die Mitglieder verhalten.“

Im Klartext: Werden sich Teilnehmer von Hallensportarten/-kursen wirklich jedes Mal vorher testen lassen wollen, wenn sie in ihrem Verein Sport treiben? Die entstehenden Kosten dürften pro Person schnell den eigenen monatlichen Mitgliedsbeitrag übersteigen. Weitergedacht: Welchen Sinn hätte es für die Hamburger Vereine, die 3G-Regelung anzuwenden, wenn danach kaum noch Nachfrage existiert? In dieser Lesart ist die flächendeckende Durchsetzung des 2G-Modells bei den Hamburger Sportvereinen eine Frage der Zeit.

 

2G könnte Folgen haben

 

Was bleibt, ist jedoch die Gefahr von Vereinsaustritten. Entweder, weil noch nicht 2G angewendet wird oder weil 2G bald angewendet wird/werden soll. „Wir verzeichnen bislang einige Vereinsaustritte“, erklärt Fechner. „Mit dem größten Teil unserer Mitglieder laufen die Diskussionen gut. Mit einem wesentlich kleineren Teil laufen sie hoch emotional. Einige Mitglieder sagen mir auch, sobald 2G angewendet wird, werden sie gehen. Sollte es so kommen, werden wir sie leider nicht halten können.“

Austritte wiederum schwächen die eh schon durch Corona gebeutelten Vereine wirtschaftlich. Darüber hinaus könnte gesamtgesellschaftlich betrachtet eine dauerhafte Impfmüdigkeit (beispiels­weise bei Quoten von Geimpften um die 65 Prozent pro Jahr) unter den jetzt vorliegenden Rahmenbedingungen mehr als sozial problematisch sein. Denn wenn signifikant hohe Gruppen sich vom Vereinssport abwenden, bewegen sie sich vermutlich weniger. Dies hätte wiederum Langzeitfolgen für die gesundheitliche Verfassung der Hamburger Bevölkerung.

„Viele Vereine befinden sich noch in der Orientierungsphase. Die Rückmeldungen, die wir erhalten, sind so vielfältig wie die Hamburger Sportlandschaft“, sagt der HSB-Vorstandsvorsitzende Lehnert. „Eine Empfehlung für 2G oder 3G geben wir als Hamburger Sportbund nicht ab. Das müssen die Vereine selber entscheiden.“


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Oktober 2021. Das Magazin ist seit dem 30. September 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Corona: Hamburg weitet 2G-Regel aus

Zum 23. Oktober 2021 gilt in Hamburg eine neue Corona-Verordnung. Neuerungen gibt es zur 2G-Regel und sie betreffen den Einzelhandel und die anstehenden Weihnachtsmärkte

Text: Felix Willeke

 

Die 2G-Regel gibt es in Hamburg seit Ende August. Mittlerweile haben immer mehr Betriebe auf den Zugang für Geimpfte und Genesene umgestellt. Der Senat will diese Regelung ab Samstag, den 23. Oktober 2021 auf den Einzelhandel und körpernahe Dienstleistungen ausweiten.

 

Keine Maskenpflicht mehr bei 2G

 

Demnach können Friseure und auch Dienstleistungen wie Massagen ab Samstag auch mit dem 2G-Modell arbeiten. Wenn die Betriebe sich dafür entscheiden, fällt damit auch die Maskenpflicht weg.

Eine Option mit dem Wegfall der Maskenpflicht soll es auch für den Einzelhandel geben. So können zum Beispiel Bekleidungsgeschäfte oder Plattenläden auf das 2G-Modell umstellen. Für Geschäfte der täglichen Daseinsvorsorge wie Supermärkte, Apotheken oder Drogerien gibt es diese Möglichkeit nicht. Sie müssen weiter allen Menschen Zugang ermöglichen und auch die Maskenpflicht gilt weiterhin.

 

Weihnachtsmärkte entscheiden selbst

 

Für Weihnachtsmärkten wird es laut dem Senat eine Wahlmöglichkeit geben. Sie können entweder unter Anwendung des alten 3G-Modells oder wie der Weihnachtsmarkt auf dem Kiez (Santa Pauli) nach 2G-Regelung öffnen. Bei 2G fallen Abstands- und Maskenregelungen wie auch die Beschränkungen zur maximal Personenanzahl weg. Lediglich die Kontaktdaten müssen weiterhin hinterlegt werden. Für Märkte mit 3G wird es eine Sperrstunde für den Alkoholausschank ab 22 Uhr geben. Die Märkte können einzelne Bereiche durch Umzäunung als 2G-Bereiche ausweisen, so die stellvertretende Senatssprecherin Julia Offen.

Darüber hinaus will der Senat das sogenannte Cornern weiter verhindern, weswegen das Alkoholverkaufsverbot ab 22 Uhr in einigen sogenannten Hotspots bestehen bleibt.

Ein „Freedom-Day“ wie in Großbritannien und damit das Aus für alle Corona-Maßnahmen ist in Hamburg aktuell noch kein Thema.

Die bekannt gegebenen Änderungen der Corona-Verordnung sollen zum 22. Oktober endgültig beschlossen sein und zum 23. Oktober in Kraft treten.

Alle weiteren Informationen zur Corona-Lage in Hamburg gibt es im Corona-Ticker von SZENE HAMBURG.


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Clubszene: Wie „G“-eht es weiter?

Mit Einführung des 2G-Modells konnten Hamburgs Clubs Ende August erstmals wieder ohne Sperrstunde und Tanzverbot öffnen. Warum die neuen Möglichkeiten trotzdem heiß diskutiert werden und welches Modell für ihren Laden im Oktober gilt, erzählen Clubbetreibende aus Molotow, Nochtspeicher und Waagenbau

Text&Interview: Ole Masch

 

Am 28. August war es so weit. Hamburg wurde bundesweit Vorreiter bei der Einführung des sogenannten 2G-Optionsmodells. Weil es mittlerweile problemlos möglich ist, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen, haben zahlreiche Bundesländer nachgezogen. Grundsätzlich gilt für Clubs: Wenn nur Geimpfte und Genesene eingelassen werden, entfällt Sperrstunde, Abstandswahrung und Tanzverbot. Wie immer ist die Umsetzung der Länder unterschiedlich. Für viele Musikclubs in Hamburg ist das Modell, wie es Mitte September galt, wirtschaftlich schwierig. Anders als in Berlin bestand eine Obergrenze von 150 Feiernden (in Berlin sind es 1.000) und Masketragen beim Tanzen war obligatorisch. Das Clubkombinat forderte eine Aufhebung der Maskenpflicht, die Anhebung der Kapazitätsgrenzen und Ausnahmeregelungen durch PCR-Tests für Menschen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können. Kurz vor Redaktionsschluss wurden Maskenpflicht und Personenbeschränkungen aufgehoben. Fenja Möller, Constantin v. Twickel und Claudia Mohr berichten, wie sie mit den neuen Möglichkeiten in ihren Läden umgehen.

 

Fenja Möller, Molotow

 

Fenja Möller, Molotow (Foto: Katrin Arfmann)

Fenja Möller, Molotow (Foto: Katrin Arfmann)

SZENE HAMBURG: Fenja, welches Modell gilt bei euch im Oktober?

Fenja Möller: Wir haben sowohl Veranstaltungen unter den 3G- als auch 2G-Regelungen. Welches Modell gilt, ist sehr von der Veranstaltung abhängig. Bei den Konzerten muss, um das 2G-Modell anzuwenden, die ganze Band geimpft sein, was noch nicht immer der Fall ist. Bei einigen Konzerten wenden wir aber auch das 2G-Modell an. Unsere Partys am Wochenende finden komplett 2G statt, da mit der 3G-Regelung noch ein Ausschankverbot ab 23 Uhr besteht, könnten wir diese gar nicht anders realisieren.

Warum habt ihr euch so entschieden?

Die nutzbaren Ressourcen aus Förderungen, Spenden und Merchverkäufen gehen langsam zur Neige, weshalb wir finanziell auf das 2G-Modell angewiesen sind. Außerdem stecken hinter dem Molotow viele Mitarbeitende, die seit Monaten auf ihre Einnahmen verzichten mussten. Darum konnten und wollten wir die Situation so nicht weiterführen.

Kritisiert ihr etwas an den aktuellen Bestimmungen?

Wir hoffen sehr, dass es möglichst bald eine Regelung für alle Menschen gibt, die sich wirklich nicht impfen lassen können.

Welche Erfahrungen habt ihr bei den ersten 2G-Abenden gemacht?

Insgesamt war das Feedback sehr positiv. Der Großteil unserer Gäste versteht den Schritt und hat sich sehr gefreut, endlich mal wieder im Molotow tanzen zu können und einen einigermaßen normalen Partyabend zu erleben. Für viele Anwesenden war es der erste Abend im Molotow nach fast zwei Jahren Pause. Auch für uns war es ein schönes Gefühl, endlich unsere Stammgäste wieder im Laden begrüßen zu dürfen und eine belebte Tanzfläche zu haben.

 

Constantin v. Twickel, Nochtspeicher

 

Constantin v. Twickel, Nochtspeicher (Foto: Martin D.)

Constantin v. Twickel, Nochtspeicher (Foto: Martin D.)

SZENE HAMBURG: Constantin, was macht ihr im Oktober?

Constantin v. Twickel: Wir haben uns im Nochtspeicher für die Hybrid-Variante entschieden. Also wahlweise nach Absprache mit Künstler*innen und Agenturen 2G oder 3G.

Warum?

Durch das Hybrid-Modell sind wir flexibel. Wirtschaftlich sind beide Varianten nicht, und es gibt auch derzeit nicht die optimale Lösung für alle. Das 2G-Modell ermöglicht uns zumindest die Möglichkeit einer höheren Auslastung und ein Näherkommen einer Vollauslastung. Die beiden Modelle 2G und 3G ermöglichen uns, zumindest für den Übergang wieder indoor zu veranstalten. Hier geht es in erster Linie darum, Kultur wieder stattfinden zu lassen, unser Publikum zu begeistern und alle Beteiligten wieder in Lohn und Brot zu bekommen. Die Kulturbranche liegt seit über anderthalb Jahren brach, mit ein paar Ausschlägen im Open-Air-Bereich.

Was wünscht ihr euch für die Zukunft?

Wir sind uns über den Ernst der Lage bewusst, jedoch benötigen wir mehr Perspektiven und wünschen uns mehr Austausch mit der Politik. In unserer Branche sind so viele erfahrene Fachkräfte bezüglich Veranstaltungen, sodass wir da mit Sicherheit helfen können, praxisnahe Modelle zu entwickeln und umzusetzen.

 

Claudia Mohr, Waagenbau

 

Claudia Mohr, Waagenbau (Foto: Claudia Mohr)

Claudia Mohr, Waagenbau (Foto: Claudia Mohr)

SZENE HAMBURG: Claudia, wie geht der Waagenbau mit der Situation um?

Claudia Mohr: Wir werden tatsächlich abwarten, ob und wie sich die Reglementierung weiterentwickelt, von daher: So, wie jetzt im Moment die 2G-Regelung aufgebaut ist, ergibt es für uns größere Clubs wenig Sinn aufzumachen. 150 tanzende Menschen mit Maske im Waagenbau sind unwirtschaftlich, unsolidarisch den Menschen gegenüber, die sich aus wichtigem Grund nicht impfen lassen können und nicht wirklich das, was wir unter einer „normalen“ Clubsituation verstehen.

Was heißt das für die Zukunft?

Wir stecken gerade in einer klassischen Pattsituation: Natürlich haben wir Bock, endlich wieder ausgelassen zu feiern. Die so wichtige Parallelgesellschaft gemeinsam mit den Menschen in den durchtanzten und durchfeierten Nächten zu kreieren, die einen so entscheidenden Gegenentwurf zum Hamsterrad des Kapitalismus und der Monotonie des immer gleichen Alltags der meisten Menschen darstellt. Um das in der jetzigen Gesetzeslage zu realisieren, müssten wir Menschen von der Teilhabe ausschließen, wo doch unser Credo und unser Schaffen auf Grenzenlosigkeit, Freiheit, Liebe und Gleichheit ausgerichtet ist. Da wir aber auch einen gewissen wirtschaftlichen Druck haben, stehen wir vor der schwierigen Entscheidung: Insolvenz anmelden – sobald die Wirtschaftshilfen wegfallen – oder 2G.

 


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Oktober 2021. Das Magazin ist seit dem 30. September 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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2G-Modell: Hamburg lockert weiter

Zum 25. September 2021 lockert der Hamburger Senat einige Corona-Regeln im Rahmen des 2G-Modells. Diese sollen vorerst bis zum 23. Oktober gelten

Text: Felix Willeke

 

Die Masekenpflicht fällt in Clubs mit 2G-Regel und auch die Stadien dürfen danke der 2G-Regelung wieder voll werden. Das sind die Eckpunkte der neuen Lockerungen des Hamburger Senats. Für die Hamburger Clubs bedeutet das: Ab Samstag, dem 25. September 2021 um 0 Uhr dürften Geimpfte und Genesene wieder ohne Maske, abstandslos und ohne Beschränkung der Personenanzahl tanzen. Das Clubkombinat Hamburg e.V. begrüßt diese Entscheidung und fordert zugleich weitere Anpassungen, „um die Ungleichbehandlung zwischen privaten Veranstaltungen und öffentlichen Veranstaltungen aufzulösen.“ Aktuell sind in Hamburg, laut der dpa, fast 800 Betriebe und 600 Veranstaltungen für das 2G-Modell angemeldet.

 

Wieder mehr Fans in die Stadien

 

Ebenfalls auf 2G setzen alle großen Hamburger Sportvereine bis auf den Hamburger SV. Während der FC St. Pauli am vergangenen Wochenende mit dem 2G-Modell sein Stadion schon wieder zu 50 Prozent füllen durfte, können es beim nächsten Heimspiel dann wieder alle 29.546 Plätze besetzt werden. Diese Regelung gilt auch für den Hamburger SV, die am 26. September den 1. FC Nürnberg empfangen. Ob der Verein dann schon auf 2G umgestellt hat, ist fraglich, da der Vorverkauf für das Spiel nach 3G-Modell schon begonnen hat.

Die neuen Regelungen gelten vorerst bis zum 23. Oktober 2021. Dann wird sich der Senat erneut beraten.


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Sport in Hamburg: Große Vereine setzen auf 2G

Seit Ende August hat Hamburg als erstes Bundesland die 2G-Option eingeführt. Mittlerweile setzt neben gastronomischen Betrieben auch ein Teil des Hamburger Sports auf 2G

Text: Felix Willeke

 

Am 13. September 2021 verschickte der FC St. Pauli eine E-Mail. „Zum kommenden Heimspiel am Sonntag werden wir im Rahmen des 2G-Modells ausschließlich geimpften und genesenen Personen den Stadionzutritt gewähren“, hieß es in der Mail. Damit kann der Zweitligist in Absprache mit den Behörden seine Kapazität auf 50 Prozent erhöhen und bis zu 15.000 Zuschauer:innen zum Heimspiel gegen den FC Ingolstadt 04 begrüßen.

 

Der FC St. Pauli ist nicht alleine

 

Neben dem FC St. Pauli setzten noch mehr Sportvereine aus der Hansestadt auf das 2G-Modell. Den Anfang hatte der Eishockey-Oberligist Hamburg Crocodiles schon Ende August gemacht. Jetzt zieht der Handball Sport Verein Hamburg nach. Der Neu-Bundesligist setzt aus „rein betriebswirtschaftlichen Gründen“ auf das 2G-Modell, denn so könne man mehr Zuschauer:innen in die Halle bekommen und damit die laufenden Kosten über die Saison decken. Damit möchte der Verein am kommenden Sonntag statt 3.000 dann 5.000 Zuschauer:innen beim Heimspiel gegen die Rhein-Neckar Löwen begrüßen. Der entsprechende Antrag wird laut NDR derzeit geprüft.


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2G gleich A3: Ausgrenzung hoch drei

Das Vorhaben des Senats, Veranstaltern und Betreibern die Option zu geben, nur noch Geimpfte und Genesene zuzulassen, ist falsch. Ein Kommentar

Text: Erik Brandt-Höge

 

Die Senat’sche Corona-Politik bot freilich nicht bloß Glanzstunden. Dass etwa pickepackevolle Busse und Bahnen zu jedem Zeitpunkt seit Pandemiebeginn möglich waren, Gastronomen und Kulturschaffende mit tipptopp Sicherheits- und Hygienekonzepten hingegen zeitweise völlig in die Röhre gucken mussten, ist nur ein Beispiel der politischen Fehler. Nun soll es einen weiteren geben: das 2G-Optionsmodell.

Veranstalter und Betreiber bekommen ab kommenden Samstag, 28. August, die Chance, nur Geimpfte und Genesene in ihre Läden beziehungsweise zu ihren Veranstaltungen kommen zu lassen. Getestete wären also raus – ob sie nun in Zukunft für ihre Tests selbst zahlen müssen, oder nicht. Das ist schlichtweg Quatsch. Nicht nur, weil Geimpfte und Genesene weiterhin infektiös sein und erkranken können. Und weil Tests, auf die man doch von Seiten des Senats bisher so sehr vertraut hat, nicht schlechter werden. Sondern auch, weil Restaurants, Theater, Kinos, Konzertstätten für alle da sind. Niemand darf ausgegrenzt werden, weil er sich noch nicht impfen lassen wollte oder konnte, weil er noch nicht erkrankt und genesen ist. Jeder, der nachweisen kann, dass er nicht infiziert ist, muss auch dabei sein dürfen – überall, drinnen und draußen.

Und dass bei 2G-Veranstaltungen womöglich Auflagen wegfallen, etwa Maskenpflicht und Abstandsregeln, mag auf den ersten Blick reizvoll klingen, weil unter anderem wirtschaftlich attraktiv. Aber wer wünscht sich derzeit wirklich einen direkten Nachbarn im Kino oder Theater, 30 Zentimeter neben einem, zwei Stunden lang? Eher wenige. So weit sind die von der Pandemie und der dazugehörenden Senats-Politik geprägten Köpfe noch nicht. Die Nachfrage wird ausbleiben. Also: weg mit der 2G-Option, zurück zum 3G-Denken. Alles andere wäre Ausgrenzung hoch drei.


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