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Deal mit Cosco: Die zu kurz gedachte Hoffnung auf die Zukunft

Ein Terminal im Hamburger Hafen gehört ab dem kommenden Jahr voraussichtlich anteilig zur chinesischen Reederei Cosco. Doch das ist ein Deal ohne langfristige Perspektive, meint unser Autor – ein Kommentar

Kommentar: Felix Willeke

 

24,9 Prozent, so viel soll die chinesische Reederei Cosco ab 2023 am Hamburger Containerterminal Tollerort halten. Die Hoffnung: Wirtschaftlicher Erfolg. Doch in der Realität verschließt die Politik die Augen vor den langfristigen Folgen. Es stimmt zwar, dass der Deal nocht nicht durch ist, Cosco selbst muss dem Geschäft noch zustimmen. Doch schon seit langem regt sich viel Kritik. So schrieben Sinolog:innen der Universität Hamburg einen offenen Brief an Bundeskanzler Scholz: Man würde „einem Regime in die Hände spielen, das sein Volk in den letzten Jahren immer rücksichtsloser unterdrückt hat, und es birgt ein politisches Risiko für Hamburg und Deutschland, das den erhofften wirtschaftlichen Vorteil weit überwiegt“. Dazu kommen Warnungen vom Bundesnachrichtendienst und einer Vielzahl an Ministerien, dass man China keinen Zugang zu kritischer Infrastruktur verschaffen solle.

Schiffe aus China? Bitte hierher!

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2,6 Millionen Container im Hamburger Hafen kamen 2021 aus China, mit Abstand die meisten (©unsplash/Anja Bauermann)

Doch trotz dieser Warnungen bleiben die Bundesregierung, Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) – und damit auch Peter Tschentscher (SPD) als Erster Bürgermeister der Stadt mit dem größten Seehafen des Landes – bei ihrem „Ja“ zum Deal. Denn sie stehen vor einem Problem, dass der MDR wie folgt zusammenfasst: „Kein europäischer Hafen, kein europäischer Staat, der auf wirtschaftlichen Profit aus ist, kann derzeit chinesische Angebote leichtfertig ausschlagen. Wenn Hamburg den Deal nicht annimmt, steuern die chinesischen Frachter eben verstärkt Rotterdam an.“

Tatsächlich gibt es ein Risiko, dass chinesische Schiffe Hamburg ohne Deal links liegen lassen würden. Stattdessen könnten sie die Fracht in anderen Häfen löschen, Alternativen gibt es genug. In Europa sind chinesische Unternehmen aktuell an 15 Häfen beteiligt. Darunter auch die großen Player wie Rotterdam und Antwerpen. Hier ist neben Cosco (zu rund 18 Prozent in Rotterdam und zu 20 Prozent in Antwerpen) auch noch China Merchants Ports beteiligt. Doch bedeutet das, dass Hamburg ebenfalls ein chinesisches Angebot annehmen muss? Nein!

Das Problem Elbe

Denn langfristig steht der Hamburger Hafen vor einem ganz anderen Problem. Zwar kommen heute die meisten Container im Hamburger Hafen aus China, 2021 waren es 2,6 Millionen Standartcontainer (der zweitwichtigste Handelspartner USA kommt auf rund 600.000). Und vor diesem Hintergrund scheint der Deal wirtschaftlich lukrativ: Man erhofft sich durch den Verkauf der Anteile, dass Schiffe aus der Volksrepublik weiterhin den Hamburger Hafen anlaufen. Doch eine solche Entscheidung hat nur den vermeintlichen kurz- bis mittelfristigen wirtschaftlichen Erfolg im Blick und lässt langfristige Entwicklungen außen vor. Stichwort: Elbe.

Der Hamburger Hafen ist zwar der drittgrößte Containerhafen in Europa, aber auch der, bei dem die Schiffe von der offenen See bis zum ersten Terminal am längsten brauchen. Die Elbe gleicht dabei einem Nadelöhr. Um Probleme durch die Tide und geringe Fahrwassertiefe für voll beladene, große Schiffe zu vermeiden, beschloss die Stadt Hamburg 2006 die Elbe auf mehr als 17 Meter zu vertiefen (der Naturschutzbund und andere klagten gegen die Vertiefung man begann erst 2019 mit dem Ausbaggern). Doch genau hier liegt das Problem: Seit 2017 haben die größten Schiffe eine Kapazität von mehr als 20.000 Standartcontainern (TEU). Laut Tschentscher sollten diese dank der Elbvertiefung den Hafen erreichen können. Doch das ist nicht der Fall, zumindest nicht, wenn sie voll beladen sind. Warum? Weil die Elbe nicht tief genug ist.

Größer gedacht, als man sollte

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Liegt ein Teil der Zukunft auf der Schiene? (©unsplash/Bernd Dittrich)

Doch wie steht das „Gescheiterte Großprojekt?“ (NDR) Elbvertiefung in Zusammenhang mit dem Verkauf der Terminalanteile an Cosco? Kurz gesagt: Man erhofft sich Schiffe aus China, die den Hafen voll beladen derzeit gar nicht anlaufen können. Einer Studie des Ifo-Instituts aus dem Jahr 2021 zufolge, werden die Containerschiffe immer größer. Schiffe mit einer Kapazität von über 20.000 TEU sind mittlerweile Alltag – weltweit sind rund 100 von ihnen auf den Meeren unterwegs. Deswegen haben Häfen wie Rotterdam, Valencia und Piräus einen entscheidenden Vorteil: Sie liegen direkt am Meer und können ohne Probleme von den großen Schiffen angelaufen werden.

Dazu kommt der Faktor Schiene – im Autoland Deutschland ein sehr leidiges Thema –, der in der Logistik immer wichtiger wird. Nicht umsonst bauen Länder wir die Schweiz Tunnel, damit der Transport auf der Schiene durch das eigene Land schneller geht. Schon heute kommen Güter vom Mittelmeer mit dem Zug fast schneller in den Süden Deutschlands als vom Hamburger Hafen aus. Und ein Schiff aus China ist, wenn es nicht durch die Nordostpassage fährt, auch schneller in Genua oder Triest als in Hamburg. Das heißt: Wenn Rotterdam, Antwerpen, Vado Ligure (Italien), Piräus oder Valencia – an allen Häfen sind chinesische Unternehmen beteiligt – ihre Kapazitäten aufstocken und dort die großen Schiffe einlaufen, schaut Hamburg in die Röhre. Der kurzfristige „Erfolg“ durch den Verkauf der Anteile am Terminal Tollerort würde sich langfristig als Fehlentscheidung entpuppen.

Gemeinsam ist man stärker

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Vielleicht ist eine Kooperation mit Deutschlands einzigem Tiefwasserhafen die Zukunft: Dem JadeWeserPort in Wilhelmshaven (©pixabay/AKrebs60)

Dagegen kann es im Norden Deutschlands eigentlich nur eine Strategie geben: Zusammenarbeit. Anstatt Terminal-Anteile an Cosco zu verkaufen, könnte sich Hamburg lieber mit seinen norddeutschen Nachbarn zusammentun. „Die Seehäfen Bremerhaven, Hamburg und Wilhelmshaven müssen gemeinsam in ihrer internationalen Wettbewerbsposition gestärkt werden“, heißt es in einem Positionspapier der Handelskammern Bremen und Hamburg vom Februar 2022. Schon heute ist der Hafen in Piräus, der zur Mehrheit der Reederei Cosco gehört und als Teil der Neuen Seidenstraße (eine Handels-Expansionsstrategie Chinas), der Hafen, der in Europa am schnellsten wächst. Damit kann Hamburg bei Weitem nicht mithalten – und das wird sich mutmaßlich auch durch die Cosco-Beteiligung an Tollerort nicht ändern.

Deswegen braucht es die norddeutsche Kooperation. Denn dadurch fällt die innerdeutsche Konkurrenz weg. Zudem hätte man mit JadeWeserPort in Wilhelmshaven (an dem schon heute die Hamburger Reederei Hapag Lloyd beteiligt ist) einen Tiefwasserhafen für voll beladene Riesenfrachter. Die wegfallenden Kosten für die Elbvertiefung könnte man in einen besseren Bahnausbau im Hinterland investieren. Und am Ende wären die deutschen Häfen mit einem Umschlag von zusammengenommen 14,48 Millionen TEU pro Jahr europaweit auf Rang zwei, mit nur rund 850.000 TEU hinter Rotterdam. Heute beträgt Rotterdams Vorsprung auf den Hamburger Hafen rund 6,5 Millionen TEU, Tendenz steigend.


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833. Hafengeburtstag: Leinen los!

Nach zweijähriger Corona-Pause wird der Hafengeburtstag vom 16. bis 18. September 2022 mit einem vielfältigen Programm gefeiert. In diesem Jahr gibt es einige Highlights, aber auch Veränderungen

Text: Johanna Zobel 

 

Zum 833. Hafengeburtstag heißt es „Leinen los – wir feiern wieder“. Mitte September schippern rund 300 Schiffe über die Elbe, lassen das Wasser über die Hafenkante schwappen und übertönen mit lauten Hupen sogar das Möwengeschrei. Vor allem bei der Ein- und Auslaufparade sind unzählige Schiffe zu sehen. „Es fällt mir allerdings schwer, jetzt genau zu sagen, wie viele Schiffe es insgesamt sein werden“, sagt Andrea Heyden, Pressesprecherin Hafengeburtstag Hamburg. Denn auch private Segelschiffe und Motorboote dürfen kurzfristig bei den großen Paraden dabei sein. Sicher ist aber: Der Großsegler „Dar Mlodziezy“, ein polnisches 3-Mast-Vollschiff, wird die Auslaufparade anführen. Einige Schiffe werden aufgrund der EU-Sanktionen gegen Russland werden jedoch fehlen: „Die russischen Großsegler dürfen die EU-Häfen nicht mehr anlaufen. Die russische Mir darf zum Beispiel nicht kommen“, so Heyden, „Seit ihrer Indienststellung 1987 ist sie seit vielen Jahren ein gern gesehener Gast beim Hafengeburtstag Hamburg.“

Der Hafengeburtstag wird nachgefeiert

Trotz Corona, Krieg und Krise findet der Hafengeburtstag nach zwei Jahren Pause endlich wieder statt. Dass einige Schiffe fehlen, ist nicht die einzige Veränderung dieses Jahres. Seit 1977 feiert die Hansestadt den Hafengeburtstag immer im Mai – anlässlich der Gründung des Hamburger Hafens am 7. Mai 1189. Pandemiebedingt findet er diesmal im Spätsommer statt, vom 16. bis zum 18. September 2022.

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Die Ein- und Auslaufparade gehört Jahr für jahr zu den großen Highlights beim Hafengeburtstag (Foto: Mediaserver Hamburg/Jörg Modrow)

Wie das Publikum den neuen Termin annimmt, ist noch unklar. „Wir sind selber sehr gespannt, weil der Hafengeburtstag jetzt im September stattfindet. Anderes Wetter, andere Lichtverhältnisse. Pandemisch wissen wir auch nicht, was sich da tut“, so Heyden. Laut dem Deutschen Wetterdienst sollten die Temperaturen der Veranstaltung aber nicht im Wege stehen: Im Mai herrschen Durchschnittstemperaturen von 13 Grad, im September ist es sogar minimal wärmer mit durchschnittlichen 14 Grad. Allerdings sind die Tage kürzer, die Sonne geht früher unter. Auch andere Faktoren könnten den diesjährigen Hafengeburtstag beeinflussen, vermutet Heyden: „Viele waren vielleicht schon im Urlaub. Es kann sein, dass die Leute kein Geld mehr haben oder wegen der Pandemie nicht kommen.“

Programm-Highlights auf dem Hamburger Hafengeburtstag 

Neben der traditionellen Ein- und Auslaufparade hat der Hafengeburtstag ein vollgepacktes Programm. Beim Schlepperballett am zweiten Festtag, zeigen die wuchtigen Schiffe wie sie zu klassischer Musik über das Wasser gleiten. Die Darbietung wird nur zum Hafengeburtstag aufgeführt und ist weltweit die einzige ihrer Art. Musik gibt es zusätzlich an verschiedensten Orten. Mehr als zehn Bühnen schaffen Raum für alle Musikgeschmäcker – ob Rock, Jazz, Klassik oder maritimes vom Shanty Chor. Neu in diesem Jahr: Das Harbour Beatz, ein Elektro-Festival, das an allen drei Festtagen zum Raven direkt neben der Elbe einlädt. Ein Zeichen für ein tolerantes Fest: Nahe des Fähranlegers Altona bietet die Harbour Pride eine Plattform zum Austausch für die LGBTQIA-Szene und Freunde. Freitag und Samstag von 10 bis 24 Uhr sowie Sonntag von 10 bis 21 Uhr stehen verschiedene Künstler auf der Bühne. 

Weltoffen, maritim und unterhaltsam 

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Das Schlepperballett gehört zum Hafengeburtstag wie der Michel zu Hamburg (Foto: Hamburg Messe und Congress/Nicolas Maack)

Während des Hafengeburtstages 2017 wurde im Auftrag der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation eine repräsentative Besucherumfrage durchgeführt. Demnach stehen die Zeichen für ein erfolgreiches Fest sehr gut. Denn der Hamburger Hafengeburtstag, das größte Hafenfest weltweit, zieht viele Besucherinnen und Besucher an – 2017 insgesamt eine Million. Viele von ihnen sind kommen immer wieder (57 Prozent). 91 Prozent aller Besucherinnen und Besucher würden den Hafengeburtstag „bestimmt oder wahrscheinlich“ weiterempfehlen. 63 Prozent planten 2017 zudem einen erneuten Besuch. Vielleicht ja in diesem Jahr. Dann gibt es wieder ein umfangreiches Programm auf dem Wasser und am Land. Etwa mit kostenlosen Live-Konzerten, Besichtigungen auf Schiffen oder Vorführungen auf dem Wasser. Abwechslung wird hier groß geschrieben. Für die meisten Besucherinnen und Besucher ist der Hafengeburtstag aber vor allem weltoffen, maritim und unterhaltsam.

Kulinarisches Fest

Und natürlich lohnt sich der Besuch immer für das Essen! Die große Hafenmeile hat kulinarisch eigentlich alles, was das Herz begehrt: Pizza, Pommes, Pasta und jede Menge Drinks. Auch auf der Sonderfläche des jährlich wechselnden Länderpartners gibt es viel zu entdecken und schlemmen. In diesem Jahr zeigt Kroatien, was die mediterrane Küche zu bieten hat. Vielleicht bereiten die Anbieterinnen und Anbieter dieses Jahr dann auch einige Highlights der kroatischen Küche zu. Dazu zählen etwa Cevapcici (gegrillte, würzige Röllchen aus Hackfleisch) oder Peka (Fleisch oder Meeresspezialitäten, die unter einer Glocke gegart werden). Nur 30 Prozent der Hafengeburtstag-Besucher kommen aus Hamburg, vor allem für die Hamburger Hotellerie ist diese Zeit zusätzlich gewinnbringend. Etwas mehr als die Hälfte der auswärtigen Besucherinnen und Besucher entscheiden sich für eine Übernachtung in der Hansestadt. Auch der Hamburger Gastronomie bringt das Vorteile. Laut der Besucherumfrage unternehmen 67 Prozent noch Weiteres in der Stadt, besuchen etwa Sehenswürdigkeiten oder Restaurants. Dafür wird Geld in die Hand genommen: 2017 lag bei knapp 50 Prozent der auswärtigen Gäste das Budget bei mehr als 250 Euro. 

Auch wenn in diesem Jahr ein paar Veränderungen und Unsicherheiten mitschwingen: Der Hafengeburtstag gehört zu Hamburg wie der Michel, die Elbe oder eben der Hafen selbst. Und vor allem bietet er Unterhaltung, dem stimmten 2017 zumindest 63 Prozent der Besucherinnen und Besucher voll zu. Auch Andrea Heyden blickt mit Vorfreude auf das Event: „Es ist schön für die Besucherinnen und Besucher, mal wieder die Seele baumeln zu lassen, andere Eindrücke zu gewinnen, zu genießen und vielleicht die Probleme für ein paar Stunden hinter sich zu lassen. Das ist ja auch mal wichtig in den Zeiten, die wir gerade haben.“

 


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Hamburg mit dem Rad: 10 Ausflugsziele

Hamburg und das Fahrrad, das wächst immer mehr zusammen und jetzt in den Sommerferien ist Zeit für einen Ausflug mit dem Drahtesel. Hier kommen zehn Orte, die das perfekte Ziel sind für einen Ausflug mit dem Rad

Text: Felix Willeke

Klövensteen

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Mitten im Klövensteen liegt das wunderschön verwunschene Schnaakenmoor (Foto: Hedda Bültmann)

Nur eine knappe Stunde dauert es aus der Innenstadt raus bis in den Klövensteen. Kürzer geht es mit der S-Bahn nach Rissen, wo man gemütlich das Rad mitnehmen kann. Rissen ist der westlichste Hamburger Stadtteil direkt an der Grenze zu Schleswig-Holstein. Und direkt auf dieser Grenze liegt der Klövensteen. Über 513 Hektar erstreckt sich das Waldgebiet bis ins benachbarte Bundesland. Ein Mischwald, wie er im Buche steht. Wer hier entlang radelt, sieht neben Moos auch viel Sand – aufpassen mit dünnen Reifen. Dazu kommen kleine, dicht bewachsene Pfade, die sich durchs Gehölz schlängeln und die auch häufig besser zum Spazieren als zum Radeln geeignet sind. Aber auch die Schnellen kommen im Klövensteen auf ihre Kosten. Kaum befahrene und gut geteerte Forststraßen bieten sich perfekt fürs Rennradtraining an.

Für die besonders Naturinteressierten gibt es im Südwesten des Klövensteen einen kleinen Geheimtipp: das Schnaakenmoor. Hier treffen Binnendünen auf Feuchtwiesen und Heidegräser, Kanäle ziehen sich durch das Hochmoor und in den unterschiedlichen Gräsern und Pflanzen hocken der Moorfrosch, die Kreuzkröte und die Sumpfschrecke. Ein rund 100 Hektar großes Naturschutzgebiet, bei dem besonders Radler:innen Rücksicht auf die Natur nehmen sollten. Dann lässt sich auch bei einer Pause auf der Picknickdecke gut durchatmen und den Rest der Welt vergessen.

Mit dem Rad durch die Stadt

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Die Veloroute 4 führt über die Fahrradstraße an der Außenalster(Foto: Mediaserver Hamburg/Doublevision/K. Beck)

Hamburg will Fahrradstadt werden und dafür passiert einiges. Die Stadt bemüht sich, das Radeln in der Stadt einfacher, sicherer und angenehmer zu machen. Und natürlich wollen im Sommer viele mit dem Rad in die Stadt, ins Restaurant oder zum Date fahren. Am besten und schnellsten geht das, wenn man dafür Wege nutzt, auf denen das Rad bevorzugt wird. Genau dafür hat die Stadt Fahrradstraßen eingerichtet. So soll man in Zukunft zum Beispiel die komplette Außenalster auf breiten Wegen schnell umrunden können. Hinzu kommen etliche weitere Fahrradstraßen, die abseits der Hauptverkehrsachsen ein Vorankommen auf zwei Rädern erleichtern, so zum Beispiel auf dem Horner Weg, mit 1,4 Kilometern aktuell Hamburgs zweitlängste Fahrradstraße.

Der Horner Weg ist dabei nicht nur Fahrradstraße, sondern auch Teil der Veloroute 8 von der Innenstadt nach Bergedorf. Die Velorouten sollen Pendler:innen mit dem Rad den Weg in die Stadt erleichtern, sie sind aber auch perfekt für Ausflüge. Insgesamt hat Hamburg 14 Velorouten, von denen viele schon befahrbar sind und einige, an denen auch noch fleißig gebaut wird. Also, egal ob ein Essen in Rahlstedt, ein Date in Heimfeld oder der Weg aus Sasel in die Stadt, im Sommer ist maximal schlechtes Wetter eine Ausrede, um das Rad nicht zu nutzen.

Friedhof Ohlsdorf

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Auf dem Friedhof Ohlsdorf herrscht immer eine besondere Atmosphäre. Für Radler:innen gilt: Bitte die Totenruhe beachten (Foto: Hamburger Friedhöfe – AöR)

Der Ohlsdorfer Friedhof kann ruhig mal ein bisschen angeben: Er ist nicht nur beliebte letzte Ruhestätte der Hamburger Prominenz und Hamburgs größte Grünanlage, sondern mit rund 390 Hektar Fläche auch der größte Parkfriedhof der Welt. Früher nutzten viele Pendler:innen den Friedhof jedoch als Abkürzung zwischen Ohlsdorf und Bramfeld, das ist heute anders. Seit ein paar Jahren machen Schranken den Friedhof ruhiger und verkehrsärmer. Für Radler:innen sind die Straßen aber immer noch ein ideal, um den neuen Drahtesel zu testen und schneller in den Osten der Stadt zu kommen.

Wenn man jedoch mehr Zeit hat, ist der Friedhof die perfekte Grünfläche zum Durchatmen. Geschichtsexpert:innen können die vielen historischen Gräber und Mausoleen bestaunen, Hobbybotaniker sich der Rhododendren erfreuen und kleine Entdecker:innen den Naturlehrpfad erforschen. Kerzengerade Alleen und verschlungene Pfade führen vorbei an Blumengärten, Waldstücken, Tümpeln und Seen. Ein besonders Highlight ist der Garten der Frauen. Hier wurde den berühmten Hamburger Frauen wie Domenica Niehoff ein Gedenkort gewidmet und auf den gusseisernen Platten lässt sich noch viel über das weibliche Hamburg lernen.

Die Wandse

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Viel Grün und ein Paradies zum Radfahren: der Höltigbaum kurz hinter der Wandse-Quelle (Foto: Felix Willeke)

Fast jeder weiß: Hamburg hat mehr Brücken als Venedig, Amsterdam und London zusammen. An den dazugehörigen kleinen Flüssen gibt es außerdem häufig schöne Radwege. Hier fühlt man sich nicht wie in der Stadt, sondern hat den Eindruck, mitten durch die Natur zu radeln. Ein Beispiel dafür ist die Wandse. Der rund 20 Kilometer lange Fluss entspringt bei Siek in Schleswig-Holstein und schlängelt sich auf seinem Weg bis zur Mündung entlang einiger Highlights. Erster Halt ist das Naturschutzgebiet Höltigbaum, ein ehemaliger Militärübungsplatz, der heute nicht nur eine große Vielfalt an Fauna und Flora beherbergt, sondern auch flauschige Galloway- und Highland-Rinder.

Hamburg begrüßt die Wandse in Rahlstedt mit viel Grün. Hier verschwindet sie zwar kurz auch unterm Einkaufszentrum, taucht aber sogleich wieder auf und spätestens ab dem Liliencronteich kann man an ihr entlang radeln. Durch den Botanischen Sondergarten Wandsbek und den Eichtalpark geht es dann bis zur S-Bahn-Station Friedrichsberg. Hier, im Eilbek Park, wird die Wandse zum Eilbekkanal und fließt durch den Kuhmühlenteich schließlich in die Außenalster. Insgesamt ist die Tour 25 Kilometer lang und die letzten 15 Kilometer ziehen sich wie ein grüner Streifen durch Hamburg. 

Boberger Dünen

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Sand in der Stadt: die Boberger Dünen (Foto: Marco Arellano Gomes)

Schon lange kein Geheimtipp mehr, aber bei vielen noch immer nicht auf dem Radar: die Boberger Dünen. Das Naturschutzgebiet Boberger Niederung im Hamburger Südosten ist weitläufig, sehenswert und an Wochenenden durchaus ein beliebtes Zeil. Mit dem Rad fährt man einfach die Veloroute 8 entlang, biegt Höhe Mümmelmannsberg rechts ab und schon ist man mitten im Grünen. Die Boberger Dünen sind 350 Hektar groß und von vielen kleinen Wegen durchzogen, aber Obacht! Es heißt nicht umsonst Boberger Dünen, denn eine Dünenlandschaft gibt es hier tatsächlich noch – wenn auch längst nicht in dem Ausmaß einstiger Zeiten.

Einige Wege sind deswegen durchaus sandig und schwer zu befahren. Doch auch schieben lohnt sich. Wer den Sand an den Füßen entlang rinnen spürt, bei dem stellt sich schnell eine Prise Strand-Feeling ein. Jetzt einfach das Rad abstellen und rücklings in den Sand fallen lassen, den mitgebrachten Apfelsaft aus dem Rucksack ziehen und die Sonne genießen. Neben Sand, Natur und Dünen gibt es im Naturschutzgebiet auch einen See. Die Badestelle ist am nordöstlichen Ufer. Wer die Badeklamotte vergessen hat, kann den See aber auch umrunden und dabei den Anblick des funkelnden Wassers genießen. Auch darüber hinaus gibt es hier viel zu entdecken – auch ein Blick gen Himmel kann sich lohnen.

Vier- und Marschlande

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Entlang der Vier- und Marschlande fließt die Dove Elbe und lädt bei einer Pause zum Sonnenbaden oder Sprung ins Wasser ein (Foto: Mediaserver Hamburg)

Über 10.000 Hektar groß und zwölf Stadtteile – was andernorts eine ganze Stadt ist, ist in in Hamburg die größte landwirtschaftlich genutzte Fläche. Die Vier- und Marschlande liegen im Südosten der Stadt und sind im Sommer nicht nur ein beliebtes Ausflugsziel, sondern auch die wohl größte Trainingsstrecke für Hamburgs Rennrad-Community. Mit Start in der HafenCity fahren die meisten über die Elbinsel Entenwerder und den Kaltehofe-Hauptdeich bis zur Tatenberger Schleuse, dem Tor zu den Vier- und Marschlanden. Hier trennen sich dann aber auch die Wege von Rennradfahrer:innen und Hobby-Bikern.

Für die Ambitionierten geht es am Deich entlang in Richtung Oortkatensee oder sogar bis zur Grenze nach Schleswig-Holstein kurz vor Geesthacht. Unterdessen fahren die Gemütlichen mit dem Rad nach der Schleuse links in Richtung des Marschbahndamm. Dieser rund 30 Kilometer lange und nahezu komplett autofreie Weg war früher die Hamburger Marschbahn. Eine Kleinbahn, die 1921 eröffnet wurde und während der Nazizeit als Transportverbindung für Waren und Häftlinge des KZ Neuengamme diente – dessen Gedenkstätte immer einen Besuch wert ist. Heute sind die Gleisanlagen längst abgebaut und der Marschbahndamm ist einer der schönsten Radwege der Stadt. 

Die Elbe runter

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Das Falkensteiner Ufer ist perfekt für eine Pause und nur wenige Kilometer weiter in Wedel locken leckere Fischbrötchen (Foto: Felix Willeke)

Doch nicht nur in Richtung gibt es rund um die Elbe viel zu entdecken: Vom Fischmarkt aus Richtung Westen kann man zum Großteil direkt an der Elbe entlang radeln. Wasser, Sonne und Ausblick! Über den Altonaer Balkon und vorbei an der Strandperle geht es bis nach Teufelsbrück. Zwischen Övelgönne und dem Alten Schweden ist jedoch Schieben angesagt, außer man weicht auf die Elbchaussee aus. Nach sechs Kilometern erreicht man dann Teufelsbrück. Hier hat man die Wahl: Entweder noch rund zehn Kilometer weiterfahren über Blankenese, das wunderschöne Falkensteiner Ufer bis Wedel in Schleswig-Holstein. Oder auf die südliche Elbseite übersetzen.

Einfach in Teufelsbrück auf die Fähre, eine Station fahren und direkt hinter Finkenwerder und dem Airbus-Gelände eröffnet sich mit dem Alten Land ein riesiges Gebiet, in dem es sich wunderbar radeln lässt. Besonders schön ist es im Alten Land zur Apfelblüte im Frühling oder zu Ernte im Herbst. Wer im Norden bleibt, legt vom Fischmarkt bis Wedel rund 20 Kilometer zurück. Zur Belohnung gibt es am Willkomm-Höft – der Schiffsbegrüßungsanlage in Wedel – ein Fischbrötchen oder man läutet im Strandbad Wedel die Afterhour ein. Zum Glück ist man mit der S-Bahn ab Wedel auch schnell und ohne Anstrengung wieder in der Stadt.

Loop Wilhelmsburg

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Auf dem Loop in Wilhelmsburg kommt man einmal durch den ganzen Stadtteil (Foto: Bezirk Hamburg-Mitte)

Los geht es an den Landungsbrücken: Ab in den Aufzug des Alten Elbtunnels und einmal unter der Elbe hindurch. Auf der anderen Seite radelt man vorbei an Blohm+Voss, über die Argentinienbrücke und entlang der Klütjenfelder Straße nach Wilhelmsburg. Hier erreicht man nach wenigen Metern den Loop. Die fast zehn Kilometer lange Strecke ist dank guter Beschilderung und ebenem Belag sehr angenehm zu fahren, außerdem erreicht man sowohl die imposanten Industrieanlagen wie auch das Dockville-Gelände bestens.

Nach einer Pause im Wilhelmsburger Inselpark kann man entlang der Velororute 11 entweder noch weiter bis nach Harburg fahren oder sich von der S-Bahn ab Wilhelmsburg bequem zurück auf die andere Seite der Elbe bringen lassen. Wer noch einen Blick über die Stadt werfen will, für den geht es weiter zum Energieberg Georgswerder. Von hier aus hat man einen fantastischen Blick über den Hafen, die Elbphilharmonie bis zum Michel. Zurück nach Hamburg geht es dann über die Veddel und die Elbbrücken.

Die Alster bis nach Schleswig-Holstein

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Links die Alster und rundherum Grün: das Alstertal (Foto: Felix Willeke)

Hamburg kann Wasser, das dürfte mittlerweile allen klar sein. Der berühmteste Fluss neben der Elbe ist die Alster. Sie ist nicht nur die blaue Mitte der Stadt, sondern fließt auch über 20 Kilometer durch Hamburg. Dabei ist fast der gesamte Verlauf von Rad- und Wanderwegen gesäumt. Startet man in der Nähe von Dammtorbahnhof und Kennedybrücke, geht es entlang der Außenalster bis zum südlichen Ende des Alsterlaufs. Diesem folgt man über den Hayns Park, wo die Tarpenbek in die Alster mündet bis nach Ohlsdorf. Vorbei an der Fuhlsbütteler Schleuse beginnt hier der Teil des Alsterlaufs, der auch als Alstertal bezeichnet wird.

Durch eher wohlhabende Teile der Stadt führt der Weg durch pures Grün, vorbei an großen Gärten und riesigen Villen. Hat man die Burg Henneberg links liegen gelassen, geht es vorbei an der Alten Mühle Bergstedt – wunderschön gelegen und perfekt für eine kleine Pause – ins Rodenbeker Quellental. Kurz vor der Stadtgrenze werden die Wege dann auch ein bisschen anspruchsvoller für das Rad. Aber eh man sich versieht, ist man schon in Duvenstedt, direkt an der Grenze zu Schleswig-Holstein. Und wer nach fast 30 Kilometern noch nicht genug hat, kann hier dem Fluss noch weiter bis zur Quelle in Henstedt-Ulzburg folgen, Wander- oder Radwege gibt es aber außerhalb der Stadt am Fluss nur noch wenige.

Der 2. Grüne Ring

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Der 2. Grüne Ring führt auch durch den Altonaer Volkspark (Foto: Thomas Krenz)

Jetzt wird’s richtig sportlich. Waren die Strecken bisher nicht länger als 30 Kilometer in eine Richtung, verdreifacht der Grüne Ring dies glatt. Über 100 Kilometer zieht sich der 2. Grüne Ring durch und um Hamburg – ein grünes Band und ein Paradies für Wanderlustige und Radler:innen. Von den 100 Kilometern verlaufen 60 nördlich und 40 Kilometer südlich der Elbe. Im Norden beginnt die Route an der Elbe bei Teufelsbrück und verbindet zunächst die großen Park- und Grünanlagen bis zum Altonaer Volkspark und seinem berühmten Dahliengarten. Weiter geht es durch das Niendorfer Gehege, die Kleingärten in Groß Borstel und den Friedhof Ohlsdorf.

Direkt dahinter führt der Weg durch den Osten der Stadt. Nach der ehemaligen Trabrennbahn Farmsen geht es durch den Jenfelder Moorpark und den Öjendorfer Park bis in die Boberger Dünen. Nach einem Abstecher in die Vier- und Marschlande führt der Grüne Ring über die Elbbrücken in den Süden der Stadt. Fährt man nun durch den Wilhelmsburger Inselpark, ist nach einiger Zeit die Süderelbe erreicht. In Harburg angekommen führt der Grüne Ring am Neuländer See vorbei durch den Harburger Stadtpark und das Göhlbachtal an den Rand der Harburger Berge, in denen sich besonders gerne die Mountainbiker:innen austoben. Angekommen in der Süderelbmarsch, die Hafenanlagen in der Ferne im Blick, geht es durch die Obstanbaugebiete in Francop weiter bis nach Finkenwerder. Hier geht es dann mit mit dem Rad auf die Fähre zurück auf die Nordseite der Elbe zum Ausgangspunkt nach Teufelsbrück.

Hilfe, wo bin ich?!

Um sich bei der nächsten Radtour besser orientieren zu können, setzen viele Hobbyradler:innen auf GoogleMaps. Dabei gibt es für die Tour auf zwei Rädern deutlich bessere und zum Teil auch kostenlose alternativen. Zwei Beispiele sind die Apps von Bike Citizens (zum Teil kostenpflichtig)und komoot (ideal auch für Spaziergänger:innen und in der Pro-version kostenpflichtig). Bei Letzterer gibt es viele dieser Routen und mehr zum nachfahren: Einfach bei komoot.de anmelden, unter „Freunde finden“ nach der Stadt Hamburg suchen, folgen und die Strecken selbst entdecken.


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Hospiz-Arbeit: „Wir sind Wünschesucher“

Das Hamburg Leuchtfeuer Hospiz begleitet seine Bewohnerinnen, Bewohner und ihre Angehörigen auf dem letzten Streckenabschnitt des Lebens. Getreu dem Leitsatz am Eingang: „Wir können dem Leben nicht mehr Tage geben, dem Tag jedoch mehr Leben.“

Text: Markus Gölzer

 

Immer gilt: Wer stirbt, hat das Sagen. Maßgeblich ist ausschließlich der Wille des Bewohnenden. Das führt zu Verschiebungen in Familien, ist nicht immer harmonisch. So sehen es manche Angehörige gern, wenn Appetit da ist. Der Bewohner hat eigentlich keinen Appetit mehr, möchte seiner Familie aber eine Freude machen und isst daher trotzdem. Wenn er danach sagt, „Ich fühle mich gedrängt, kriege das meinen Leuten aber nicht vermittelt“, dann spricht Steffi Severs mit ihnen. Sanft, aber deutlich. Später hört sie dann oft: „Ich fand das im ersten Moment komisch, aber dann hilfreich.“ Über die Aufnahme im Hamburg Leuchtfeuer Hospiz entscheidet eine, wie das Gesetz sagt, „infauste Prognose“, eine endliche Prognose. Das bedeutet eine schwere Erkrankung im terminalen Stadium, dem Endstadium.

 

Herzliche Menschen

 

Mitentscheidend ist auch die Warteliste. Es gibt mehr Anfragen als Plätze. Allein: Die Warteliste wird nicht einfach abgearbeitet. Wenn jemand zu Hause gepflegt wurde, die Familie aber merkt, dass es in der Wohnung nicht mehr geht, bekommt dieser Mensch den Vorzug. Der Maßstab ist nicht die Position auf der Warteliste, sondern die Entlastung der Familie. Hat man einen Platz in einem der elf Einzelzimmer bekommen, zieht man mitten ins lebenszugewandte St. Pauli. Viele wünschen das explizit, weil sie es wunderbar finden und sich dem Stadtteil verbunden fühlen. Andere haben Vorbehalte, aber merken schnell: Die Menschen hier sind herzlich. Alle schätzen die Nähe zur Elbe, wo sie mit Ehrenamtlichen spazieren gehen können.

 

Humor Hilft

 

Sozialarbeiterin Steffi Severs vor der „Gedenkmauer“. Die Einsätze der Steine wurden von Spendern und Spenderinnen erworben, m den Bau des Hospizes zu fördern (Foto: Hamburg Leuchtfeuer)

Sozialarbeiterin Steffi Severs vor der „Gedenkmauer“. Die Einsätze der Steine wurden von Spendern und Spenderinnen erworben, m den Bau des Hospizes zu fördern (Foto: Hamburg Leuchtfeuer)

Ab einem gewissen Zeitpunkt bekommen einige auch Angst. Nicht die eine große, sondern eine von vielen kleinen, die nicht weniger schlimm sind. Eine Luftnotattacke oder Angst, wenn es dunkel wird. Die Angst vor dem Sterben hat viele Gesichter und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter maßen sich nicht an, sie nehmen zu können. Der Unterschied ist, dass sie Erfahrung haben und sich nicht scheuen, darüber zu sprechen. Man muss sich hier nicht über den Tod unterhalten, aber es ist jemand da, wenn man es will. Im Bedarfsfall kommt eine ehrenamtliche Sitzwache, die Sicherheit und ein gutes Gefühl spendet. Bei allen ernsten Themen gilt auch im Hamburg Leuchtfeuer Hospiz: Es gibt nichts, was mit Humor nicht besser würde. „Man kann über ganz viel lachen, über sich selbst vor allem. Tatsächlich feiern wir auch, wenn nicht gerade Corona dazwischenkommt. Dann feiern wir Silvester genauso wie Geburtstage oder Ostern. Und es wird auch mal eine Flasche Sekt aufgemacht.“

 

Spiritualität

 

Das Hamburg Leuchtfeuer Hospiz ist ein konfessionsfreies Haus, also nicht an eine einzige Religion gebunden. Aber Spiritualität spielt eine große Rolle. In alter Verbundenheit zur Aidshilfe kommt einmal in der Woche eine evangelische Seelsorgerin ins Haus und bietet ein Gespräch an. Für katholische Menschen mit dem Wunsch, Kontakt mit einem Priester zu suchen, gibt es gleich um die Ecke eine katholische Gemeinde. Zur großen, aktiven jüdischen Gemeinde in Hamburg besteht ein Draht. Buddhisten waren schon hier. Menschen jeden Glaubens bekommen ein Angebot. Alle eint, dass sie gut beraten sind, sich ganz irdisch rechtzeitig um eine Patientenverfügung zu kümmern. Steffi Severs nutzt jede Gelegenheit, darauf hinzuweisen: „Wem gebe ich meine Vollmacht, von wem nehme ich eine Vollmacht, und kann ich das als Bevollmächtigter überhaupt umsetzen: bei meinem Liebsten, meinem Kind, meinen Eltern, meinem Partner in der letzten Lebensphase wichtige, häufig schwierige Entscheidungen zu treffen. Ein hoch emotionales Thema. Es ist gut, da vorher miteinander ins Gespräch zu kommen. Und so einen Rahmen zu schaffen für das, was Familie und Freunde eint: das Loslassen.“

hamburg-leuchtfeuer.de


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, November 2021. Das Magazin ist seit dem 28. Oktober 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Hamburger Podcast: Hubis Hafenschnack

Wie wird man vom Koch zum Hafentaucher?

Text: Marco Arellano Gomes

 

Im neuen Podcast „Hubis Hafenschnack“ spricht Barkassen-Meyer-Chef Hubert Neubacher mit spannenden Persönlichkeiten rund um den Hamburger Hafen. In der neuen Folge (ab dem 18. Juni) ist Elbtaucher Andreas Polster zu Gast und erzählt, wie man vom Koch zum Elbtaucher wird, was die Unterschiede zwischen Profi- und Hobby-Tauchern sind und wie man taucht, ohne nass zu werden.

Der neue Podcast „Hubis Hafenschnack“ startete im Mai und wird von Barkassen-Meyer-Chef Hubert Neubacher moderiert. An jedem zweiten Freitag begrüßt Neubacher einen Gast rund um den Hafen und lässt diesen dadurch lebendig werden.

Gast Andreas Polster begann seine berufliche Laufbahn als Koch auf einem Minenjagdboot, ist inzwischen aber als Helmtaucher bei „Taucher Knoth“ zehn bis zwölf Meter unter der Wasseroberfläche unterwegs, um Schrauben zu wechseln, Schweißarbeiten zu verrichten oder Autos aus der Elbe zu fischen: „Wir sind Bauarbeiter unter Wasser“, fasst Polster seinen Beruf im Podcast zusammen. „Handwerkliches Geschick muss man mitbringen“, so der 35-Jährige. Denn unter Wasser sind die Taucher auf sich alleine gestellt.

Was in der Elbe sonst so los ist, kann man ab sofort hören – überall wo es Podcasts gibt. „Hubis Hafenschnack“ ist eine Kooperation der Gute Leude Fabrik mit der SZENE HAMBURG, der Hamburger Morgenpost und Port of Hamburg.


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juli 2021. Das Magazin ist seit dem 26. Juni 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Schattenplätze in Hamburg

Es wird endlich richtig warm und bald geht es auch über 30 Grad. Bei so viel Hitze braucht es aber auch dringend eine Abkühlung. Diese zehn Plätze versprechen Schatten und vielleicht auch die Chance auf ein kühles Nass

Das Elbufer

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Vorne Strand und hinten Schatten: das Elbufer (Foto: Felix Willeke)

Das Falkensteiner Ufer mit seinem Leuchtturm kennen viele. Doch wer der Elbe den Rücken zuwendet, findet nicht nur im Waldpark Falkenstein viel Schatten. Das gesamte Ufer des Geesthanges zwischen Teufelsbrück und Wedel ist von kleinen Wäldern und Naturschutzgebieten gesäumt. Dazu gehören das Naturschutzgebiet Wittenbergen, der Schinckels Park oder der Hirschpark.

Waldpark Falkenstein

Die Harburger Berge

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Am Rande der Hamburger Berge blüht ab Mitte August die Fischbeker Heide (Foto: Felix Willeke)

Im Süden der Stadt hat die Eiszeit den Hamburger:innen ihre „Berge“ geschenkt. Die Harburger Berge erstrecken sich in Hamburg von Harburg bis in die Fischbeker Heide und sind nahezu komplett mit Wald bedeckt. An einem der südlichsten Zipfel kann man mit dem Hasselbrack (116,2 Meter hoch) den höchsten „Berg“ der Stadt besteigen. Bis Ende der 1970er-Jahre gab es am Reiherberg sogar einen Skilift. Die ehemalige Piste ist heute noch zu sehen und wird von Wandernden, Mountainbiker:innen und im Winter von Schlitten genutzt.

Reiherberg

Die kleinen Gewässer

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Am Kupferteich an der Mellingbek gibt es neben Schatten auch ein kühles Nass (Foto: Felix Willeke)

Hamburg ist neben Fleeten, Kanälen und der Alster auch von vielen kleinen Gewässern durchzogen. Wer diese entdeckt, wird feststellen: Hier gibt es viel Schatten und ein kühles Nass dazu. Neben der Wandse, der Bille oder der Tarpenbek gibt es viele unbekannte wie die Saselbek, die Kollau, die Wedeler Au oder die Mellingbek. Fast alle sind am kompletten Verlauf von Bäumen gesäumt und zwischendurch gibt es auch den ein oder anderen Teich.

Mellingbek

Billetal & Sachsenwald

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Im Billetal begegnen einem auch historische Bauten – zum Glück alles im Schatten (Foto: Felix Willeke)

Direkt hinter der S-Bahn-Station Reinbek beginnt das Billetal. Hier kann man entweder in Richtung Westen und damit nach Bergedorf durch den Wald wandern oder man nimmt die andere Richtung. Nach Osten geht es bald vorbei am Sachsenwaldbad, einem wunderschönen Freibad in Richtung des Sachsenwald. Das mit fast 60 Quadratkilometern nicht nur größte zusammenhängende Waldgebiet in Schleswig-Holstein bietet besonders bei schönem Sommerwetter reichlich Möglichkeiten zum Wandern im Schatten der Bäume. Teile des Waldes gehören dabei auch heute noch der Familie Bismarck und werden von ihr bewirtschaftet.

Sachsenwald

Das Alstertal

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Immer schön schattig: das Alstertal (Foto: Felix Willeke)

Wem speziell am Wochenende der Alsterlauf zwischen Ohlsdorf und Poppenbüttel zu voll ist, sollte nach Norden schauen. Zwischen der Burg Henneberg in Poppenbüttel und dem Naturschutzgebiet Hainisch Iland bietet das Alstertal viel Schatten und etliche Einkehrmöglichkeiten. Die ganz Sportlichen können über das Naturschutzgebiet Rodenbeker Quellental durch Duvenstedt noch weiter in den Wohldorfer Wald wandern.

Das Alstertal

Alter Elbtunnel

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Unter Wasser, kühl und historisch, das ist der Alte Elbtunnel (Foto: Mediaserver Hamburg/ThisIsJulia Photography)

1911 eröffnete der Tunnel von den Landungsbrücken auf die Südseite der Norderelbe. Damals sollte er Arbeiter den Weg zur Werft ermöglichen, wenn die Schiffe wegen Eis nicht über die Elbe fahren konnten. Heute ist der Tunnel ein Touristenmagnet und ein optimaler Zufluchtsort bei Hitze. Nirgendwo ist es so natürlich kühl wie im Alten Elbtunnel und auf der anderen Seite gibts zum schönen Ausblick auch noch gute Fischbrötchen. 

Alter Elbtunnel

U-Bahn Stationen

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Nicht nur optisch eisig: In der U-Bahnstation HafenCity Universität bleibt es auch im Sommer kühl (Foto: Mediaserver Hamburg/Ingo Boelter)

Hamburg hat als eine von vier deutschen Städten eine klassische U-Bahn. Auch wenn weniger als die hälfte der Strecken in Tunneln verlaufen, bieten diese an heißen Sommertagen eine perfekte Abkühlung. Egal ob in den tiefen Stationen der U4 in der HafenCity oder bei dem Windzug der einfahrenden Bahn an der U-Bahn Stephansplatz, Abkühlung ist auf jeden Fall sicher. Dazu bieten die klimatisierten Wagen auch außerhalb der Tunnel die Möglichkeit zum Durchatmen und das beste: Ab dem 1. Juni 2022 kostet diese Abkühlung nur 9 Euro pro Monat.

U-Bahn HafenCity Universität

Speicherstadt

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Außen heißer Asphalt und innen kühle Räume, das gibt es nur im weltkulturerbe Speicherstadt (Foto: Mediaserver Hamburg/ThisIsJulia Photography)

Die Speicherstadt ist von Straßen durchzogen und besonders im Sommer fangen die Fleete bei Ebbe an zu stinken. Trotzdem gibt es hier richtig gute Schattenplätze und zwar in den Speichern. Egal ob Miniatur Wunderland,  Gewürzmuseum oder Speicherstadt Kaffeerösterei, hier ist es immer kühl. Der Grund ist historisch. In den Speichern wurden früher Waren gelagert, die nicht zu heiß oder kalt werden durften – eine Klimaanlage gab es damals noch nicht – deshalb wurden die Speicher so konstruiert, dass es nur selten wärmer als 18 Grad wird und die Temperatur fast nie unter 0 Grad fällt. 

Speicherstadt

Biergärten

Biergarten "Altes Mädchen" in Hamburg; Foto: Henning Angerer
Ein schöner Schattenplatz: der Biergarten des „Alten Mädchen“ (Foto: Henning Angerer)

Im Süden Deutschlands eine Tradition, im Norden noch selten, das sind Biergärten. Hier lässt es sich prima verweilen, bei einem kühlen Bier und herzhaftem Essen. Auch wenn Hamburg noch viel Nachholbedarf hat, gibt es auch in der Hansestadt schöne Biergärten. So zum Beispiels in der Factory Hasselbrook, beim Alten Mädchen oder den Klassiker am Landhaus Walter. Hier lässt sich wahlweise unter großen alten Bäumen oder riesigen Sonnenschirmen ein kühles Getränk genießen. 

Landhaus Walter

Moore

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Im Ahrensburger Tunneltal geht’s auf einem Floßweg durch’s Moor (Foto: Felix Willeke)

Hamburg hat fast 40 Naturschutzgebiete, darunter auch einige Moore. Diese feuchten Areale sind nicht nur ein Paradies für heimische Flora und Fauna, hier lässt es sich auch bei Hitze besonders gut aushalten. Egal ob das Wittmoor und das Raakmoor im Norden, das Schnaakenmoor im Westen oder das Ahrensburger Tunneltal im Osten, überall hier ist Abkühlung, schöne Landschaft und Natur pur garantiert. 

Ahrensburger Tunneltal


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Nicht alles ist Corona: 10 Hamburger Good News

Pandemie, Proteste, politische Unruhen: 2020 hat Hamburg und die Welt mit voller Härte getroffen. So schwer das letzte Jahr auch war, es gab auch schöne Momente und Highlights, die vielleicht etwas untergegangen sind. Hier sind 10 Hamburg Good News, die die Laune heben

Text: Felix Kirsch

 

 

Hamburg ist schönste Stadt Deutschlands

Das digitale Reisemagazin Travelbooks hat entschieden

Auch wenn Hamburg in Zeiten der Pandemie kaum oder gar keine Touristen in der Stadt begrüßen darf, so konnte die Stadt sich trotzdem über einen Tourismus-Titel im Jahr 2020 freuen. Die Seite Travelbooks.de kürte die Elbmetropole zur schönsten Großstadt 2020. Mit knapp 28 Prozent der Stimmen setzte sich Hamburg gegen München und Dresden auf dem Treppchen durch.

 

Forellen kehren zurück in die Alster

Erfolgreiche Zucht Hamburger Angelvereine

Sie sind zurück: Die Forellen können wieder im Norden begrüßt werden. Genauer gesagt, im kleinen Bruder der Elbe, der Alster.

Seit mehr als zehn Jahren versuchten Hamburgs Angelvereine durch Besatzung kleiner Zuchtforellen einen gesunden Bestand der Lachsartigen in der Alster anzusiedeln. Bis 2020 vergeblich. Zu schwer und zu weit war der Weg bis in die Nordsee und zurück, die Salmoniden schafften es nicht, ohne geeignete Fischtreppen ihrem Drang nachzuschwimmen und in ihre Heimatgewässer zurückzukehren.

Fischereiverband und Angelvereine kümmerten sich um saubere und hindernisfreie Gewässer. Dann wurden junge Forellen ausgesetzt und siehe da: Im Herbst wurden die ersten ausgewachsenen Forellen in der Alster gesichtet, gefangen und dokumentiert.

 

Jungfernstieg wird autofrei

Die Stadt hat entschieden

Ende September 2020 wurde es amtlich: Autos haben in Zukunft nichts mehr am Jungfernstieg verloren. Hamburgs Touristen-Hotspot wird also in Zukunft ohne schicke Karossen und rasende Flitzer auskommen. Eine gute Nachricht für die Umwelt! Und auch im Bereich des Fahrradverkehrs hat die Hansestadt etwas für das grüne Gewissen getan.

Seit September 2020 können Radfahrer zwischen Gustav-Falk-Straße und Bogenstraße am Schlump einen kurzfristig installierten Radweg, einen sogenannten Pop-up-Radweg nutzen. Autofahrer müssen sich hinten anstellen, denn der Fahrradweg klaut den Karosserien eine ganze Spur. Wie lange der Pop-Up-Radweg bleiben kann, ist derweil noch unklar.

 

100 % selfmade

Der FC St. Pauli produziert umweltfreundliche Trikots

Natürlich darf der Hamburger Kiezklub in dieser Auflistung nicht fehlen, denn schließlich sind es die Jungs und Mädels vom Millerntor, die stets dafür sorgen, dass auch abseits des Fußballs wichtige Themen und Probleme behandelt werden. So widmete sich der FC St. Pauli im Jahr 2020 dem Thema Nachhaltigkeit und Umweltschutz.

Nachdem bekannt wurde, dass die Braun-Weißen die fünfjährige Partnerschaft mit dem Sportartikelhersteller Under Armour beendeten, beschlossen die St. Paulianer kurzerhand, die Nähmaschine selbst in die Hand zu nehmen und fortan die eigenen Trikots selber zu produzieren. Natürlich fair, nachhaltig und umweltbewusst. Daumen hoch dafür.

 

Hamburg ist Veganer-Stadt Nummer eins in Deutschland

Das Food-Magazin Chef’s Pencil veröffentlicht Studie

Das Food-Magazin Chef’s Pencil hat Hamburg zur vegansten Stadt Deutschlands erklärt! Eine Studie des Magazins kommt zu dem Ergebnis, dass vegane Ernährung in Hamburg besonders beliebt ist.

In Deutschland sowieso – im internationalen Vergleich wird die Elbmetropole nur von Edinburgh und Portland geschlagen. Als Maßstab diente dem Magazin vor allem das Suchvolumen zu veganen Restaurants in den einzelnen Städten via Google.

Neue Urinale am Hauptbahnhof

Die Stadt geht gegen Gestank vor

Wer kennt ihn nicht? Den berühmten „Walk of stink“ am Südeingang des Hamburger Hauptbahnhofs. Doch damit ist zumindest vorerst Schluss. Die Stadt spendierte zwei Tage vor Weihnachten ein komplett neues Urinal. Auch auf der Reeperbahn sollen die Urinale ausgetauscht werden. Besser für das Stadtbild und die Nase.

 

Molotow kehrt zurück zum Spielbudenplatz

Der Kiez-Club zieht im Sommer 2021 um

Der Hamburger-Kultmusikclub Molotow kehrt an seinen alten Standort, den Spielbudenplatz zurück. Dank der Unterstützung der Stadt kann der subversive Klub voraussichtlich im Sommer 2021 an die alte Wirkungsstätte zurück.

Das Molotow musste 2013 aus den einsturzgefährdeten Esso-Häusern ausziehen und ließ sich zunächst an der Holstenstraße nieder. Zuletzt bezog das Molotow eine Örtlichkeit am Nobistor.

 

Eiland: Neue Insel für Hamburg

Neue 600 Hektar Sand im Wattenmeer

Hamburg wird um eine Exklave reicher. Rund um die zu Hamburg gehörende Insel Neuwerk soll im Wattenmeer der Nordsee eine weitere Insel entstehen. Da das künstliche Eiland im Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer entstehen soll, wird es also auch offiziell Hamburger Gebiet.

Die Insel soll eine knapp 600 Hektar groß sein und aus Sand aufgeschüttet werden. Damit wäre die neue Insel also größer als Nigehörn, Scharhörn und Neuwerk zusammen, die zusammen den Stadtteil Hamburg-Neuwerk bilden.

 

Neues Naturschutzgebiet nahe Duvenstedt

Der Hamburger Senat genehmigt Schutz des Auenwald- und Wiesenareals

Und auch innerhalb der eigenen Grenzen entsteht Neues: Der Hamburger Senat genehmigte ein 31 Hektar großes Naturschutzgebiet nahe Duvenstedt. Das Auenwald- und Wiesenareal steht nun offiziell unter Schutz und bildet in Zukunft einen optimalen Rückzugsraum für die heimischen Arten. Im Auenwald- und Wiesenareal sind unter anderem Fischotter und Eisvögel beheimatet.

 

Hamburg bekommt Naturkundemuseum

Das Wirtschaftsministerium investiert in Biodiversität

Hamburg bekommt wieder ein Naturkundemuseum! Das hat das Wissenschaftsministerium der Hansestadt beschlossen. Ab 2021 sollen das Hamburger Centrum für Naturkunde und das Bonner Zoologische Forschungsmuseum Alexander Koenig zum „Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels“ fusionieren und die biologische Vielfalt, die Artendiversität und dessen Schutz untersuchen. Ein zentraler Bestandteil wird dann auch ein neues Hamburger Naturkundemuseum mit dem Schwerpunkt auf die Hamburger Ökologie.


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Orte zum Chillen und Grillen in Hamburg

Mitten in der Stadt, am Wasser oder im Park: Plätze zum Chillen und Grillen gibt es reichlich in Hamburg

Steganlage Dove Elbe

Vom Steg ins Wasser zu springen, ist wohl die effektivste Art sich abzukühlen. Am Allermöher Deich liegt die Dove Elbe. Von dort geht ein Holzsteg vom Strand direkt ins Wasser. Die Dove Elbe ist ein 18 Kilometer langer Nebenarm der Elbe. Sie fängt am Deich an und verläuft dann durch die Hamburger Vierlande. Der Platz an der Steganlage ist wegen seinen Möglichkeite sehr beliebt. Denn: Man kann nicht nur picknicken oder baden, sondern auch die „Tauben“- Elbe aus einem Kajak heraus entdecken. Das Beste daran? Die Strecke von der Hamburger Innenstadt dorthin ist eine hervorragende Fahrradtour mit toller Szenerie. So hat man es sich nach der Radtour mehr als verdient, am Ziel einfach mal zu faulenzen.

Steganleger Dove Elbe: Allermöher Deich 36 (Allermöhe)

Jenischpark

Kein Wunder, dass der Jenischpark zu den bedeutendsten Landschaftsgärten Norddeutschlands gehört. In der grünen Perle an der Elbe ist es so naturbelassen, dass man völlig vergisst, inmitten einer Millionenstadt zu sein. In der Nähe von Teufelsbrück betritt man den Park durch ein prachtvolles neobarockes Eingangstor. Von dort geht es auf die hügeligen Rasenflächen. Auf den Grasplätzen und in den Waldstücken tummeln sich Zwei- und Vierbeiner gleichermaßen. Der Park besticht vor allem durch seine Ahorn- und Kastanienbäume, den Sommerblumen und den (Achtung!) 150 Jahre alten Ginkgo-Baum. Das Herzstück des Parks ist das „Jenisch Haus“. Es gehört zu einem von drei Museen, die in dem Park ihren Platz haben. Tipp: Ein Besuch im 200 Jahre alten Gewächshaus lohnt sich! Dort befindet sich unter anderem eine Sammlung von 875 Orchideen.

Jenischpark: Baron-Voght-Straße 50 (Othmarschen)

Altonaer Volkspark

Die 205 Hektar große Grünanlage in Bahrenfeld ist Hamburgs größter öffentlicher Park. In ihm befinden sich diverse Rasenflächen, eine Minigolfanlage, ein Heckentheater und mehrere Aussichtspunkte. Eines der wichtigsten Merkmale dieser grünen Lunge ist Europas ältester Dahliengarten mit 40.000 Pflanzen, der seit diesem Jahr satte 100 Jahre existiert. Tutenberg, der Erbauer des Parks, wollte dem Volk einen erholsamen Ort widmen, in dem man zusätzlich etwas über die Flora lernen kann. So ist es nicht verwunderlich, dass es zusätzlich einen Schul-, Stauden- und Rosengarten gibt. Vogelbeobachter aufgepasst! Durch die Größe des Volksparks leben hier viele unterschiedliche Vogelarten, wie Habicht, Grünspecht und der seltene Baumfalke.

Altonaer Volkspark: August-Kirch-Straße 19 (Bahrenfeld)

Michelwiese

Die Kirche St. Michaelis – stadtbekannt nur als der Michel – ist ein beliebter Touristenort. Von der Aussichtsplattform, nahe dem Glockenturm, hat man einen malerischen Blick über Hamburg. Direkt unterhalb der Kirche liegt die Michelwiese. Dieser kleine Ruheort inmitten des Großstadtgetümmels stellt seit 2013 für alle Grillfans eine Elektrogrillstation bereit. Das Einzige, was man braucht sind zwei Euro, Holzkohle und Verpflegung – je nach Geschmack. Schon geht es los: Würstchen, Nackensteaks, gefüllte Champignons und alles, was das kulinarische Herz begehrt kommen auf den Grill.

Michelwiese (Neustadt)

Alsterwiese Schwanenwik

Einer der beliebtesten Orte, die zum Entspannen und Grillen einladen, ist definitiv die Alsterwiese Schwanenwik. Mit Blick auf die Außenalster bietet die Grünfläche jede Menge Platz, um sich auszubreiten, Fußball zu spielen oder einfach nur um in der Sonne rumzuliegen. Für alle Fotofreaks: Die Wiese ist ein super Fotospot. Besonders während der Kirschblütenzeit lassen sich farbenfrohe Schnappschüsse einfangen. Direkt am Alsterufer an der Wiese Schwanenwik steht außerdem die Statue „Drei Männer im Boot“ von Edwin Scharff.

Alsterwiese Schwanenwik: Schwanenwik 20 (Hohenfelde)

Elbpark Entenwerder

Auf der Halbinsel in Entenwerder entspannen Eltern auf den Rasenflächen, Kinder toben auf dem Spielplatz und Hunde tollen auf der Hundewiese herum. Der etwa 16 Hektar große Park bietet viel Platz und ist erreichbar über den Alexandra-Stieg. Auf einem Ponton befindet sich der goldene Pavillon. Es ist das Werk des Architekten Jan Kampshoff, das der Modeunternehmer Thomas Friese und seine Tochter von Münster nach Hamburg holten. Kleine Erfrischung gefällig? Direkt am Pavillon befindet sich das Café Entenwerder 1. Hier gibt es kleine Köstlichkeiten, guten Kaffee oder spritzigen Sekt.

Elbpark Entenwerder: Entenwerder (Rothenburgsort)


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MS Stubnitz: Quicklebendiges Denkmal

Die MS Stubnitz feiert. Der 55 Jahre alte Dampfer hat kürzlich seine 11. Klasseerneuerung erhalten und bietet auch im Jahr 2020 ein umfangreiches Kulturprogramm. Doch für die Zukunftssicherung ist das alte DDR-Seeschiff weiterhin auf Spendenpaten angewiesen und auch die langfristige Standortfrage ist weiterhin ungeklärt

Text: Mirko Schneider

 

Monat? Juli. Dauer? Zehn bis 14 Tage. Kosten? Rund 200.000 Euro. So lauteten die Voraussagen der MS Stubnitz zur 11. Klasseerneuerung des 1992 zur mobilen Kulturplattform umfunktionierten früheren DDR-Fischereischiffs mit Liegeplatz in der HafenCity. „Nun haben wir die Klassifizierung für die nächsten fünf Jahre geschafft“, freut sich Vorstandsmitglied Felix Stockmar zu Beginn der einberufenen Pressekonferenz. Am runden Tisch hält er einen Moment inne, schaut durch das Fenster auf die Elbe. „Einfach war es nicht“, fügt er hinzu.

Im Gegensatz zu den Prognosen verlangte die Realität mehr Geduld, schnellere Arbeit und höheren finanziellen Aufwand. Erst Anfang Oktober fand die MS Stubnitz einen Werftplatz. Für sechs Tage. Die kalkulierten Gesamtkosten verdoppelten sich. „Wir haben in die nötigen Instandsetzungen in diesem Jahr bisher rund 430.000 Euro investieren müssen“, sagt Urs Blaser, Initiator des Projekts sowie Geschäftsführer der Stubnitz. Doch es hat sich gelohnt, die seit 2003 offiziell als Industriedenkmal anerkannte Stubnitz behält ihre Seezulassung.

 

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Die MS Stubnitz als Kulturschiff

 

Herrscht bei der vierzehnköpfigen Besatzung an Bord nun also eitel Sonnenschein? Nein! „Wir haben eine wichtige Etappe geschafft und das Ende der Stubnitz verhindern können. Am Ziel sind wir noch lange nicht“, betont Blaser. Denn weitere Sanierungsarbeiten stehen an. „Wir haben jetzt ein halbes Jahr Großaufwand gemacht. Es folgt 2020 ein weiteres Jahr Großaufwand.“ Um sich den ungefähr vorzustellen, ist eine Zahl entscheidend: 12.000. So viele Arbeitsstunden wurden 2019 in die Stubnitz investiert, 3.000 davon ehrenamtlich. Stahlplatten und Bleche wurden getauscht, Rohrleitungen überarbeitet oder neu gebaut, Ventile erneuert, die Elektrotechnik auf einen akzeptablen Stand gebracht und vieles mehr. „Jedes einzelne der vielen Abteile des Schiffes müssen wir in den Griff kriegen“, stellt Blaser die Mammutaufgabe vor. „Deshalb müssen wir die Menschen überzeugen, uns weiter zu unterstützen.“

 

Patenschaften erhalten MS Stubnitz

 

Die Lebensperspektive der Stubnitz sichern soll ein System der Patenschaften. „Wir können Gelder zu einem großen Teil aus bereitstehenden Förderungen für unser Denkmal vom Bund und der Stadt Hamburg abrufen. Allerdings nur, soweit wir aus Spenden und Eigenmitteln einen Teil dazu beitragen können“, sagt Blaser. „Unser Ziel erreichen wir, wenn wir insgesamt über 500 Patinnen und Paten werben können, die bereit sind, über zwei Jahre durchschnittlich zehn Euro pro Monat beizusteuern.“

Denn jeder gespendete Patenschafts-Euro sorgt für sieben Euro öffentlichen Zuschuss. So kämen insgesamt 960.000 Euro zusammen. Durch zwei Jahre macht 480.000 Euro pro Jahr. Da 2019 430.000 Euro nötig waren und erst ein Drittel des Aufwandes erledigt ist, legen die Macher der Stubnitz hier eine realistische Rechnung vor. Aktuell unterstützen seit dem Start der Patenschaftsaktion 122 Patinnen und Paten das Projekt mit monatlich je 23 Euro. Sie erst ermöglichten es, die 11. Klasseerneuerung anzugehen.

Blaser und Stockmar hoffen auf die „Gestaltung einer quicklebendigen Zukunft“. Die Frequenz von über 300 Konzerten und Veranstaltungen pro Jahr soll beibehalten werden. Beim Elbjazz-Festival ist die Stubnitz wieder dabei. Das Künsterfestival „Bruital Furore“ im Bereich neuer Musik befindet sich ebenfalls in Planung. Ein weiteres echtes Highlight, so Stockmar, „wird eine russische Band sein, die wir im Juni bei uns begrüßen dürfen. Die gehen gerade echt durch die Decke. Uns ist ein spektakulärer Coup gelungen. Welcher, wird aber noch nicht verraten.“

 

„Viele Geschichten, die erzählt werden wollen“

 

Sogar um die Historie des Schiffes will sich die Besatzung kümmern. „Da gibt es so viele Geschichten, die erzählt werden wollen“, erklärt Blaser. In welcher Form, ist noch offen. Auch spannende Kooperationen wie mit dem Harbour Front Literaturfestival oder der Elbphilharmonie stehen auf der Agenda. Ein Beispiel dafür ist die „Reflektor“-Reihe mit Klangerfinder Niels Frahm. „Niels trat erst auf der Stubnitz auf, dann in der Elbphilharmonie, danach wieder bei uns. Daran sieht man, wie gut und produktiv wir als Kontrapunkt und Gegengewicht wirken können“, findet Stockmar.

 

 

Kontrapunkt und Gegengewicht will die Stubnitz auch in der HafenCity bleiben. „Als wir 2003 herkamen, war das Umfeld der Kontrapunkt zu uns. Das hat sich etwas umgekehrt, wir sind nun der Kontrapunkt zum Umfeld“, sagt Blaser. Trotz der Entwicklung des hochpreisigen neuen Stadtteils fühle man sich aber weiterhin wohl an seinem Liegeplatz. Die Genehmigung der Wasserbehörde gilt bis zum Jahr 2026. „Wir gehen davon aus, länger hier zu bleiben“, sagt Blaser. „Der Vertrag enthält eine beidseitige Option zur Vertragsverlängerung.“ Über welchen Zeitraum diese laufen würde, ist dort allerdings nicht definiert.

 

„Die HafenCity weiß, was sie an uns hat“

 

Doch bedeutet „hier“ in diesem Fall auch am Kirchenpauerkai 29? In ein bis zwei Jahren sollen die Wohnungen gegenüber fertig sein. Es wird eine Promenade geben. Und sicher auch Laufpublikum. Doch wird – populistisch gesprochen – der schicke Anzugträger ausgerechnet auf die Stubnitz zum Feiern gehen? Sind Probleme mit den Anwohnern nicht wahrscheinlicher? „Für uns wird das sicher eine Herausforderung werden, zum Beispiel in unserer Programmgestaltung“, gibt Blaser zu. Doch ganz so klischeehaft Arm gegen Reich gehe es ja gar nicht zu. „Ich glaube, die HafenCity weiß schon, was sie an uns hat. Wir jedenfalls wollen uns gerne weiter in Hamburg-Mitte integrieren.“

Alternative Standorte für die Stubnitz werden zur Sicherheit jedenfalls schon diskutiert. Eine mögliche Option wäre ein Liegeplatz auf der Halbinsel Baakenhöft, die gerade erschlossen wird. „Das wäre unser Favorit“, sagt Blaser. Die zweite Möglichkeit ist ein Standort knapp vor den Elbbrücken. „Dann müssten wir uns aber an das Dröhnen der Bundesbahnen über uns gewöhnen“, ergänzt Stockmar. Und gibt das Motto für die Zukunft vor. „Wir auf der Stubnitz haben noch viel vor. Was auch immer jetzt kommt, wir schauen nach vorne.“

ms.stubnitz.com/foerdermitglied


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Dezember 2019. Das Magazin ist seit dem 20. Dezember 2019 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Hamburger des Monats – Thorben Goebel-Hansen

Südlich der Elbe gab es lange keine Unterkunft für obdachlose Menschen – bis das Deutsche Rote Kreuz letztes Jahr das Harburg-Huus eröffnete. Einrichtungsleiter Thorben Goebel-Hansen über eine Einrichtung, die ihren Gästen nicht nur einen Schlafplatz, sondern auch Hoffnung schenkt

Interview: Sophia Herzog

 

SZENE HAMBURG: Herr Goebel-Hansen, wenn Sie über Ihre Arbeit im Harburg-Huus sprechen, fällt selten das Wort „Obdachlose“ und viel häufiger „Gäste“. Welche Bedeutung hat dieses Wort für Sie?

Thorben Goebel-Hansen: Die Menschen, die zu uns kommen, sind ja nicht nur obdachlos. Sie sind auch Musikliebhaber, Fußballfans, lesen gern, sind Mutter, Vater, Oma, Opa … Das alles wird bei der Bezeichnung Obdachlose ausgeblendet. Wir wollen unseren Gästen aber einen Perspektivenwechsel ermöglichen, und auch dafür ist es wichtig, sie nicht auf die Rolle eines Obdachlosen zu reduzieren.

Erst im Juni letzten Jahres wurde das Harburg-Huus als erste Obdachlosenunterkunft in Harburg eröffnet. Warum erst jetzt?

Das kann ich nicht beurteilen. Das DRK hat schon sehr lange auf dieses Thema hingewiesen und schließlich auf die immer weiter wachsende Obdachlosigkeit in Harburg reagiert. Vielleicht hat man sich auf behördlicher Ebene auf die anderen Einrichtungen in Hamburg verlassen. In Gesprächen wurde oft auf Unterkünfte im Zentrum Hamburgs, also nördlich der Elbe, verwiesen, zu denen die Obdachlosen ja gehen könnten.

 

„Freundschaften sind auf der Straße selten“

 

Die kommen aber für die obdachlosen Menschen in Harburg nicht immer infrage …

Für viele unserer Gäste ist die Innenstadt einfach schwer zu erreichen. Erst mal muss ja eine Fahrkarte her, die kostet Geld. Außerdem hat jeder Mensch seine eigene Sozialraumorientierung – eine Gegend, in der er lebt und sich auskennt.

Für obdachlose Menschen ist es zum Beispiel wichtig zu wissen, welcher Bäcker um die Ecke ihnen mal ein Brötchen spendiert. Viele sind hier verankert, der Stadtteil ist ihr Zuhause. Freundschaften sind auf der Straße selten, wenn sie also noch soziale Kontakte vor Ort haben, wollen sie ihr Quartier nicht einfach wechseln.

Werden die 15 Schlafplätze im Harburg-Huus denn seit der Eröffnung regelmäßig in Anspruch genommen?

Wir sind so gut wie jede Nacht komplett ausgebucht. Ab und zu bleibt ein Bett frei, wenn uns Gäste, die sich telefonisch angemeldet haben oder uns zum Beispiel von einer anderen sozialen Einrichtung angekündigt wurden, dann doch nicht erreichen. Der Bedarf ist offensichtlich da, wir hatten sogar schon vor der offiziellen Eröffnung eine Warteliste.

Wir vergeben unsere Betten zuerst an die Menschen, die sie nötig brauchen, zum Beispiel weil sie gesundheitlich geschwächt sind. Auch bei Frauen sehen wir häufig eine besondere Dringlichkeit. Für sie gibt es ein eigenes Zimmer.

Wenn ein obdachloser Mensch spontan bei uns vor der Tür steht und wir ihm keinen Schlafplatz mehr anbieten können, versuchen wir kurzfristig etwas in einer anderen Unterkunft zu organisieren.

Warum kommt das Konzept des Harburg-Huus bis jetzt so gut an?

Das mag daran liegen, dass wir als Deutsches Rotes Kreuz einen Vertrauensvorschuss haben. Einige Gäste haben in der Vergangenheit vielleicht keine guten Erfahrungen mit Behörden gemacht, die oft Träger anderer Unterkünfte sind.

Außerdem erlauben wir als eine der wenigen Notunterkünfte im Hamburger Raum auch Hunde. Viele obdachlose Menschen schlafen lieber auf der Straße, als sich von ihren vierbeinigen Begleitern zu trennen.

Warum werden dann nicht in mehr Unterkünften Hunde zugelassen?

Weil es schon ein gewisser Aufwand ist. Wie vertragen sich die Hunde untereinander? Wie vertragen sich die Hunde und die anderen Gäste? Das müssen wir bei der Bettenverteilung bedenken, und deshalb muss sich auch jeder potenzielle Gast mit seinem Hund bei uns vorstellen, damit wir einschätzen können, ob das funktioniert. Außerdem geht es auch um die Folgebetreuung der Tiere. Man muss sie nicht nur unterbringen, sondern Hundefutter bereitstellen oder medizinische Versorgung. Viele Träger schrecken dabei wohl auch vor den Kosten zurück.

 

„Jeden Cent müssen wir über Spenden reinholen“

 

Wie finanzieren Sie das denn?

Wir erhalten keine öffentliche Förderung, das heißt: Jeden Cent, den wir ausgeben, müssen wir über Spenden wieder reinholen. Bei 250.000 Euro im Jahr ist das eine große Herausforderung. Mit dem DRK haben wir aber einen Träger, der Projekte wie das Harburg-Huus anschieben kann und mit seinem Namen natürlich eine gewisse Wirkung hat.

Außerdem bekommen wir Unterstützung vom Förderkreis des Harburg-Huus, gegründet von Schirmherr Rüdiger Grube. Lebensmittel liefert uns die Tafel. Die Tierarztkosten, die sich unsere Gäste für ihre Hunde nicht leisten können, übernimmt ein Hamburger Verein.

Und nicht nur das – Sie organisieren auch Lesungen im Harburg-Huus, schauen gemeinsam mit Ihren Gästen Fußball oder bieten Musik- und Zeichenkurse. Warum schaffen Sie diese zusätzlichen Angebote?

Menschen brauchen Hoffnung, auf eine gute Zukunft, auf ein gutes Leben. Deshalb ist es für uns enorm wichtig, unseren Gästen zu zeigen: Es gibt so viele Dinge im Leben, die Spaß machen. Bitte verliere nicht die Hoffnung! Deshalb wollen wir ihnen genau diese Angebote auch machen.

Zusätzlich gibt es bei uns auch eine psychosoziale Betreuung, und einmal wöchentlich kommen das Caritas Krankenmobil und ein mobiler Zahnarzt bei uns vorbei. In Zukunft planen wir noch den Ausbau der Suchtberatung.

Was sagen Ihre Gäste?

Viele sagen, dass wir eine sehr familiäre Einrichtung aufgebaut haben. Das liegt daran, dass wir überschaubare Räumlichkeiten mit einem sehr wohnlichen Gemeinschaftsraum für den Tagesaufenthalt und 15 Betten für die Übernachtung anbieten. Auf diese Anzahl kommen dann nicht nur 15 festangestellte Mitarbeiter, sondern auch noch die gleiche Zahl an Ehrenamtlichen, die zum Beispiel abends eine kleine Mahlzeit ausgeben.

Natürlich sind nicht alle gleichzeitig vor Ort. Doch es ist immer jemand da und ansprechbar, die Gäste fühlen sich wahrgenommen. Das fängt schon bei den Kleinigkeiten an. Wenn jemand Geburtstag hat, organisieren wir immer ein kleines Geschenk, also vielleicht Buntstifte für jemanden, der gerne malt. Oder einen Kuchen, den wir zusammen essen. Da fließen nicht selten Tränen, weil unsere Gäste das lange nicht mehr erlebt haben.

 

Neue Strukturen

 

Umso schlimmer ist es, dass Sie im August die Nachricht bekommen haben, dass das Gelände für Wohnungsbau verkauft wurde …

Ja, das hat uns alle schockiert und entsetzt. Als wir 2017 mit dem Vermieter der ehemaligen Gewerbeimmobilie ins Gespräch kamen, haben wir uns darauf verständigt, dass wir dieses Objekt umbauen. Wir haben über 200.000 Euro an Spenden- und Eigenmitteln dafür aufgebracht. Das wir, so wie es jetzt aussieht, in spätestens drei Jahren raus sollen, trifft uns auch angesichts dieser enormen Summe natürlich sehr.

Was passiert mit Ihren Gästen bei einem Standortwechsel?

Obdachlose Menschen brauchen sichere Strukturen. Alles, was wir hier aufbauen, das ist nicht von heute auf morgen gemacht. Das ist eine unglaubliche Vertrauensarbeit, den Menschen einen Ort zu geben, den sie in ihren Alltag integrieren können. Dass diese Strukturen eingerissen werden sollen, stimmt das Team mehr als traurig.

Wie geht es jetzt weiter?

Ich habe die Hoffnung, dass wir neue Räume finden, in denen wir ein paar Betten mehr unterbringen. Aber dieses Objekt müssen wir erst mal finden. Das Thema Obdachlosenhilfe berührt Menschen. Aber wenn ich Vermieter anspreche, schrecken die häufig zurück, weil sie Angst haben, dass sie Räumlichkeiten in unmittelbarer Nähe einer Obdachloseneinrichtung nicht mehr für den gleichen Preis vermieten können.

Wir rennen bei unserer Suche keine offenen Türen ein. Deshalb bin ich für jeden Hinweis dankbar, wo es in Harburg vielleicht eine geeignete Immobilie gibt.

Haben Sie Ihre Entscheidung, die Leitung zu übernehmen, bereut?

Nein, auf keinen Fall. Das klingt plakativ, aber ich gehe jeden Tag wirklich gerne zur Arbeit. Wir sind noch eine junge Einrichtung, das heißt auch, dass sich noch vieles entwickelt. Das finde ich spannend, weil ich dabei auch viel Neues lernen kann.

Möglichkeiten dazu habe ich hier reichlich. Die Menschen, die zu uns kommen, kommen von überall her. Die meisten aus Deutschland, einige aus Osteuropa, wir hatten aber auch schon Gäste aus Brasilien, den USA, Afghanistan, dem Iran oder Irak. Gerade in der Sozialberatung kommen also ganz viele unterschiedliche Lebensläufe zum Vorschein. Jeder Gast hat seine eigene Geschichte zu erzählen. Einen anderen Arbeitsplatz als diesen könnte ich mir gerade gar nicht vorstellen.

www.drk-harburg.hamburg


szene-hamburg-november-2019Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, November 2019. Titelthema: Sexualität. Das Magazin ist seit dem 27. Oktober 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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