Beiträge

Die Unsichtbaren: Mehr als ein Tanz-Abend

Das Bundesjugendballett sucht im Ernst Deutsch Theater nach den Wurzeln des modernen Tanzes

Text: Dagmar Ellen Fischer

Das ist kein Tanz-Abend! Nicht im Sinne, dass sich (nur) Tanzinteressierte von diesem jüngsten Werk John Neumeiers für das Bundesjugendballett locken lassen sollten. Es ist ein Abend über Hamburg, über die „Banalität des Bösen“ (wie Hannah Arendt die unmenschliche Organisation im NS-Staat so klug nannte) und letztlich eine sinnliche Choreografie übers (Über-)Leben: „Die Unsichtbaren“ führt das Publikum zurück in die 1920er- bis 1940er-Jahre und erinnert an Tänzer:innen und Choreograf:innen, die nach dem Ersten Weltkrieg für eine Revolution im Tanz sorgten – und damit für ein völlig neues Verständnis vom Körper. Viele von ihnen wurden nach 1933 ausgeschlossen, zur Flucht getrieben oder ermordet. An diesem Abend werden sie wieder sichtbar.

Dem Vergessen entrissen

„Wir wollen leben!“, schrieb die jüdische, niederländische Tänzerin Lin Jaldati 1944 in Auschwitz. Auszüge aus ihrem Text werden gesprochen – und sind schwer auszuhalten. Da hilft es, dass sich Worte mit getanzten Passagen die Waage halten, sinnliche Eindrücke auf verschiedenen Ebenen das Publikum berühren. „Le sacre du printemps“ von Igor Strawinsky bildet den musikalischen roten Faden, unterbrochen von Kompositionen aus jener Zeit, so den Comedian Harmonists und Erich Wolfgang Korngold. Mary Wigman, Protagonistin des neuen Tanzes und hier eindringlich verkörpert von Isabella Vértes-Schütter, hatte 1919 ihren Durchbruch im Hamburger Curio-Haus. Auch ihre Erinnerungen stehen im Raum sowie eine gespielte, fiktive Verhandlung über ihre Mitschuld – war sie Kollaborateurin oder Opfer? Unterschiedlichste Schicksale werden schlaglichtartig vorgestellt und somit dem Vergessen entrissen, mit Tanz, Text und Musik. Am Ende werden die Namen von Opfern verlesen, die aus religiösen oder politischen Gründen sowie wegen ihrer sexuellen Orientierung verfolgt wurden.

Die Unsichtbaren, bis zum 18. Juli (außer am 11. Juli) im Ernst Deutsch Theater


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

„Den Fuß in die Drehtür der Zeit stellen“

Der Hafengeburtstag wurde wegen der Corona-Lage auf September verschoben. Aber gefeiert wird trotzdem im Mai – mit dem Stück „Umschlagplatz der Träume“. Darin erzählt Autor und Regisseur Erik Schäffler die Geschichte des Hamburger Hafens von 1888 bis heute

Interview: Sören Ingwersen

SZENE HAMBURG: Erik, der Hamburger Hafen feiert dieses Jahr seinen 833. Geburtstag, aber die Handlung deines Stücks beginnt erst im Jahr 1888. Warum?

Erik Schäffler: Die ganze Geschichte des Hafens in einem Stück zu erzählen, ist unmöglich. Einer der größten Umbrüche in Hamburg war die Entstehung des Sandtorhafens 1866 als erster künstlicher Hafen der Stadt und drittgrößter Hafen der Welt. Das Stück beginnt 22 Jahre später mit der Einweihung der Speicherstadt und des neuen Freihafens. Das ist der Beginn der modernen Geschichte des Hafens.

Stücke erzählen sich immer über Figuren. Welche sind das?

Hauptfigur ist die fiktive Reederin Charlotte Tiedenbreuk, gespielt von Mignon Remé. Anhand ihrer Geschichte und der ihrer Familie erzähle ich die Geschichte des Hafens in 22 Episoden. Um die Ober- und Unterschicht gleichwertig auftreten zu lassen, verliebt Charlotte sich in einen Ketelklopper, einen Kesselklopfer, der auf den Dampfschiffen den Kalk im Kessel abschlägt. Für die anderen Reeder war dieses Verhältnis empörend. Die Klammer öffnet sich in der Neuzeit. Da ist die Reederin 135 Jahre alt. Sie ist so begabt im Organisieren, dass sie keine Zeit hat zu sterben.

Soziale Umrüche heiter thematisiert

Geschichte ist immer Rekonstruktion des Vergangenen. Wird diese Rekonstruktion nicht umso spekulativer, je mehr man sich mit dem individuellen Erleben und privaten Schicksal einzelner Personen beschäftigt?

Geschichtsschreibung zielt ja eher auf die größeren politischen Zusammenhänge. Natürlich ist jeder Satz, den ich geschrieben habe, spekulativ. Aber ich habe ein Jahr lang recherchiert, habe Bücher gelesen, mit Historikern gesprochen und Interviews mit Hamburger Hafengrößen geführt. So entstand für mich ein Bild, wie der Reeder um die Jahrhundertwende lebte und wie sein Selbstbild war.

Sobald in der Stadt eine Katastrophe passiert, kalfatert er den Rumpf, den Grundnährboden des Standorts Hamburg.

Erik Schäffler

Ein Bild, dass du einbettest in eine typische Romeo-und-Julia-Geschichte einbettest?

Das Stück beginnt wie ein Musical, komponiert von dem genialen Musiker Markus Voigt, packt dann aber auch gesellschaftliche und politische Themen an. Wir thematisieren soziale Umbrüche – etwa den Nationalsozialismus. Trotzdem ist alles ein großer Spaß und hat einen sehr heiteren Ton.

Wie entstand die Idee zum Stück?

Sie entstand in einer Runde mit Markus Linzmair von der IPT – einem Immobilienberater und guten Freund von mir und Freund des Theaters, der uns dieses Projekt zusammen mit der Bank Julius Bär ermöglicht –, Isabella Vértes-Schütter vom Ernst Deutsch Theater und mir, zusammen mit der Freien Theatergruppe Axensprung. Wir wollten ein Stück angehen, das bei Erfolg jedes Jahr weitergeschrieben und zum Hafengeburtstag gespielt werden soll.

„Wenn der Kaufmann nimmt, muss er auch etwas geben“

Erik Schäffler_c_Michael Batz-klein
„Ich bin ein glücklicher Mensch“: Regisseur und Schauspieler Erik Schäffler (Foto: Michael Batz)

Wie bringt ihr den Hafen visuell auf die Bühne?

Durch das Stück defilieren sämtliche Schiffstypen, die beim Hafengeburtstag auf der Elbe defilieren. Ein Augenmerk liegt auf der Segelschifffahrt, namentlich den „Flying P-Linern“ der Reederei Laeisz. Das waren die schönsten und besten Segelschiffe der Welt Anfang des letzten Jahrhunderts. Parallel entstand die Dampfschifffahrt. Das Dampfschiff gewinnt aus ökonomischen Gründen, aber das Segelschiff kommt mit der Klimawende zurück. Am Ende plädiere ich dafür, dass Ökonomie und Ökologie endlich wieder Hand in Hand gehen sollten. Wenn der Kaufmann nimmt, muss er auch etwas geben.

Klingt da der Glaube an, dass man aus der Geschichte lernen kann?

Ja. Wir haben eine mythische Figur, die unsere Reederin durch die Zeiten hilft. Das ist der Klabautermann, gespielt von Sven Walser. Er kalfatert den Schiffsrumpf und sorgt dafür, dass das Schiff nicht untergeht. Nur der Kapitän kann den Klabautermann sehen. Meine ursprüngliche Idee war, dass der Klabautermann mit dem Ende der Frachtsegelschifffahrt in den 1950er-Jahren verschwindet. Aber er ist bei uns mehr als ein Hafenmännchen: Er kalfatert weiter. Sobald in der Stadt eine Katastrophe passiert, kalfatert er den Rumpf, den Grundnährboden des Standorts Hamburg.

„Hamburg hat einen ganz anderen Atem“

Du bist in Schwäbisch Gmünd geboren, lebst aber seit über dreißig Jahren in Hamburg. Fühlst du dich als Hamburger? Oder ist es auch der Blick von außen, der für dich die Hamburger Geschichte so interessant macht?

Ich bin in der Tat Exilant und habe einen anderen Blick auf Hamburg. Hamburg hat einen ganz anderen Atem, eine andere Luft, die mir lange fremd war, aber der Menschenschlag, den ich hier angetroffen habe, hat mich sofort für sich eingenommen. Ich mag das Understatement, die Kargheit der Worte, die Zuverlässigkeit und diesen feinen, kleinen, schönen Humor, mit dem man auch Katastrophen betrachtet. Den bringe ich auch im Hafenstück zum Ausdruck. Am meisten reingezogen ins Hamburgische hat mich der „Hamburger Jedermann“ von Michael Batz. Seine Geschichte des Hafens hat mir Heimat geboten.

Zwei große Lebenswünsche

In den Open-Air-Aufführungen in der Speicherstadt hast du 25 Jahre lang den Teufel verkörpert, bis der Spielbetrieb 2018 eingestellt wurde. Und auch mit der freien Theatergruppe Axensprung packst du geschichtliche Themen an, die von euch theatralisch aufbereitet werden. Woher kommt diese Vorliebe fürs Historische?

Ich habe Geschichte, Latein und Griechisch studiert und wollte beruflich in diese Richtung gehen. Dann hat mich das Theater eingeholt. Nach zwanzig Jahren kam die Geschichte zu mir zurück. Bei Axensprung – die Gruppe spielt auch im Umschlagplatz der Träume mit – verheiraten sich diese beiden großen Lebenswünsche.

Und das mit Erfolg. Ihr spielt in ganz Deutschland, sogar im europäischen Ausland …

Wir spielen in der deutschen Botschaft in Brüssel, in Strafvollzugsanstalten, Schulen und Seniorenheimen und natürlich in Theatern. Wir haben auch ein Stück über posttraumatische Belastungsstörungen bei Heimkehrern aus dem Afghanistan-Kriegseinsatz im Repertoire, mit dem wir bei der Bundeswehr wirklich tolle Erfahrungen gemacht haben. Die buchen uns jetzt am häufigsten. So oft, dass wir schon gefragt wurden, ob wir auch vor zivilem Publikum spielen. Sehr lustig.

Ein Leben mit vielen Geschichten

Die Produktionen, für die du als Autor, Schauspieler, Regisseur oder Produzent tätig bist, vereinst du unter dem Label „Theater Ruhm“. Was verbindest du als Künstler mit diesem Begriff?

Der Titel ist von Daniel Kehlmanns Roman „Ruhm“ abgeleitet, den ich für die Bühne adaptiert und im Theater im Zimmer aufgeführt habe. Natürlich wollte ich berühmt werden und habe mir eine Karriere gewünscht. Nach vielen enttäuschenden Erfahrungen habe ich diesen Wunsch aber abgelegt. Einfach um gesund zu bleiben. Seitdem fühle ich mich sehr wohl und bin ein glücklicher Mensch. Was ich will, ist genau das, was ich jetzt mache: eigene Produktionen mit oft eigenen Texten, die den Inhalt haben, den ich rüberbringen möchte.

Auch ein Lernen aus der eigenen individuellen Geschichte als ehemaliges Ensemblemitglied am Deutschen Schauspielhaus, als TV- und Filmschauspieler, als Synchron- und Hörbuchsprecher?

Was du aufzählst, stimmt, aber ich selber vergesse das manchmal. Es ist, als hätte das jemand anderes gemacht. Ich empfinde mich mittlerweile als ein Mensch mit vielleicht dreißig Lebensschichten. Ich grabe manchmal und bin ganz erstaunt, was ich da finde.

Was ist Ruhm?

Die Begriffe Karriere und Ruhm kann man ja auch ganz unterschiedlich fassen …

Du sagst es. Als Schauspielerin Ines Nieri den Theaterpreis Hamburg Rolf Mares für ihre Rolle in „Tyll“ am Ernst Deutsch Theater bekommen hat – auch dort habe ich Regie geführt – stand in der Begründung der Jury: „In diesem Stück sprüht das Leben.“ Das war für mich der Ruhm, das hat mich am meisten gefreut. Wir sind so voller Leben und haben so viel in uns, dass es mich manchmal überwältigt. Vielleicht versuche ich nur, das im Theater kurz festzuhalten. Den Fuß in die Drehtür der Zeit stellen, weil alles so schnell geht.

„Umschlagplatz der Träume“, Ernst Deutsch Theater, 5. Mai 2022 (Premiere), 6.–8., 30., 31. Mai 2022 und weitere Termine


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

Top 10: Events über Ostern in Hamburg

Ostern 2022 findet nicht mehr im kleinsten Kreis und mit nächtlicher Ausgangssperre statt, deswegen gibt es auch wieder mehr zu Erleben. Die besten Events in Hamburg gibt’s hier:

Freitag, 15.04. | Theater | Don Carlos | Ernst Deutsch Theater

220314_Fantitsch_EDT_DonCarlos310-klein
Sebastian Eggers als Don Carlos (mitte) und Hannes Hellmann als König Philipp II. (rechts) am Ernst Deutsch Theater (Foto: Oliver Fantitsch)

Drei Stunden spanischer Hof, das ist Don Carlos im Ernst Deutsch Theater. Regisseurin Mona Kraushaar bringt Schillers Klassiker auf die Bühne. Während Sebastian Egger als Kronprinz Don Carlos mit dem Liebeskummer ringt, spielt Hannes Hellmann einen König zwischen verletztem männlichen Ego und der Macht des Einzelnen. Im Stück wird dabei nicht weniger als die Zukunft Europas verhandelt. Durch die aktuellen Ereignisse hat dieses Thema nur noch mehr an Relevanz gewonnen. Noch bis zum 16. April ist die Inszenierung an der Mundsburg zu sehen.

Don Carlos im Ernst Deutsch Theater
15. & 16. April 2022, jeweils 19:30 Uhr

Freitag, 15.04. | Nachtleben | Friday I’m in love | Molotow

Molotow_© Erik Brandt-Höge-klein
Molotow: Getanzt wird immer (Foto: Erik Brandt-Höge)

Tanzverbot an Karfreitag? Gibt‘s auf‘m Kiez nicht! Deswegen lädt das Molotow ab 23 Uhr auch zu einem „Feuerwerk aus 60 Jahren Rock’n’Roll und Pop“. Bei Friday I’m in love legen die DJ‘s Axelmania und Jet Boy alles auf, was das Tänzer:innenherz begehrt. Der Eintritt kostet 5 Euro für alle Floors und das Ganze ist eine 2G-Plus-Veranstaltung.

Friday I’m in love
15. April 2022, 23 Uhr

Samstag, 16.04. | Musik | Dan Gotthalls‘s – Artful Earfull | Birdland

JazzSandraHempel_c_Natascha Protze-klein
Steht bei Dan Goothall’s – Artful Earful mit auf der Bühne: Die Hamburgerin Sandra Hempel (Foto: Natascha Protze)

Altehrwürdig und ein Klassiker, das ist das Birdland in Hamburg. Seit 1985 gibt es im Kellerclub in der Gärtnerstraße besten Jazz, so auch am Ostersamstag. Bei „Dan Gotthalls‘s – Artful Earfull“ geben sich fünf außergewöhliche Künstler:innen die Ehre. Neben dem Posaunisten Dan Gottshall sind unter anderem die Hamburger Gitarristin Sandra Hempel und der Kieler Pianist Buggy Braune mit von der Partie. Das Konzert ist eine 2G-Plus-Veranstaltung und kostet 19,90 Euro.

Dan Gotthalls‘s – Artful Earfull
16. April 2022, Einlass 19 Uhr und Beginn 20:30 Uhr

Samstag, 16.04. | Sonstiges | Osterfeuer | Ganz Hamburg

osterfeuer_pixabay-floerio-klein
2022: Die Osterfeuer sind zurück in Hamburg (Foto: pixabay/floerio)

Egal ob im eigene garten, bei Freunden oder am Elbstrand: Das Osterfeuer gehört zu Ostern wie das Eiersuchen. Dieses Jahr ist es auch wieder möglich, denn die Kontaktbeschränkungen wie 2021 gibt es nicht mehr. Neben den traditionsreichen Feuern in Blankenese gibt es noch viele weiter öffentliche, zum Beispiel im Strandbad Farmsen oder an der Kreuzkirche in Stellingen.

Osterfeuer in Hamburg
16. April 2022, diverse Orte, Beginn meistens zum Sonneruntergang

Samstag, 16.04. | Nachtleben | Hip-Hop | Chief Brody

sam-9BaKZ5JNh18-unsplash-klein
Im Chief Brody gibt‘s zu Ostern was zum Tanzen (Foto: unsplash / Sam)

Auch im Kellerclub auf der Schanze darf zu Ostern natürlich getanzt werden. Im Fokus: Richtig guter Hip-Hop. Während sich Karfreitag Ticklish & Buzz-T die Ehre geben, gibt es am Ostersamstag von Dipped in Colors & Draft X was auf die Ohren. Los geht‘s um 23 Uhr, der Eintritt kostet 10 Euro und das Ganze ist eine 2G-Plus-Veranstaltung.

Dipped in Colors & Draft X im Chief Brody
16. April 2022, jeweils 23 Uhr

Sonntag, 17.04. | Sonstiges | Street Food Festival | Landhaus Walter

jarritos-mexican-soda-ygOKCle9Y44-unsplash-klein
Es geht auch mexikanisch beim Street Food Festival am Landhaus Walter (Foto: unsplash)

Ostern kann man fein dinieren, brunchen oder einfach mal neues Ausprobieren. Viel Neues gibt es beim Street Food Festival am Landhaus Walter unter dem Motto „New Yorker Food Klassiker“. Von Süßem über mexikanische Leckerbissen bis zum klassischen Hot Dog ist für jede:n etwas dabei. Der Eintritt kostet 5 Euro, alle unter 12 Jahren kommen gratis rein.

Street Food Festival
17. April 2022, 11:30 bis 18:30 Uhr

Sonntag, 17.04. | Sonstiges | U96 mit Claude-Oliver Rudolph | Planetarium

Nemo_Nautilus_Innen_c_The Jules Verne Experience-klein
Führt als Nautilus durch die Jules Verne Experience: Claude Oliver-Rudolph (Foto: The Jules Verne Experience)

Jules Vernes Science-Fiction-Romane haben Millionen fasziniert. 150 Jahre nach der Erstausgabe von „20.000 Meilen unter dem Meer“ haben die Elektronik-Band U96 daraus ein bild- und klanggewaltiges Unterwasser-Erlebnis geschaffen. Schauspieler Claude-Oliver Rudolph entführt das Publikum als Kapitän Nemo an Bord der Nautilus in eine fantastische Unterwasserwelt – eine 360-Grad-Tauchfahrt in nie gehörte und nie gesehene phantastische Welten. Das 60-minütige Erlebnis kostet 14 Euro und ist für Menschen ab 10 Jahren empfohlen.

U96 mit Claude-Oliver Rudolph – 20.000 Meilen unter dem Meer
17. April 2022, 17:30 Uhr & weitere Termine

Sonntag, 17.04. | Nachtleben | Soul Allnighter | Mojo Club

vishnu-r-nair-m1WZS5ye404-unsplash-klein
Ein Klassiker kehrt zurück: Der Soul Allnighter (Foto: unsplash/Vishnu R Nair)

Corona ist gefühlt schon fast vorbei. Höchste Zeit, das Nüske & Berge aus der Corona-Pause zurückkehren. Beim mittlerweile traditionellen und fast schon legendären Soul Allnighter legen die beiden wieder so lange auf, bis alle tanzen und jede Sohle qualmt. Am 17. April ab 22 Uhr darf also wieder bester Soul genossen werden, für 10 Euro Eintritt und natürlich unter 2G-Plus-Bedingungen.

Soul Allnighter
17. April 2022, 22 Uhr

Montag, 18.04. | Sonstiges | Kulturflohmarkt | Museum der Arbeit

flea-market-g7fc328ed6_1920-klein
Flohmarkt geht immer (Foto: pixabay)

Feiertag, Zeit zum Stöbern, Feilschen und Entdecken. Am besten geht das auf einem der vielen Flohmärkte der Stadt. Ein guter alter Bekannter ist dabei der Kulturflohmarkt am Museum der Arbeit. Am Ostermontag ist Start für die Saison 2022. Bei hoffentlich bestem Wetter lässt es sich auf dem Gelände nach Lust und und Laune verweilen, schlendern und echte Schätze entdecken.

Kulturflohmarkt am Museum der Arbeit
18. April 2022, 9 bis 16 Uhr

Montag, 18.04. | Musik | Soulounge | Fabrik

Soulounge_2by MarcusMay-klein
Soulounge in der Fabrik: Ein Live-Erlebnis für die Seele (Foto: Marcus May)

Wie kommt man am besten raus aus dem Osterwochenende? Mit Musik für die Seele! Genau das gibt es am Ostermontag in der Fabrik. Hier feiern Soulounge ihr 20-jähriges Bandjubiläum. Alle, die die Band schonmal erlebt haben wissen, Soulounge ist ein ganz besonderes Live-Erlebnis – auch nach 20 Jahren. Einlass für das Konzert in der Fabrik ist um 19 Uhr, Konzertbeginn um 20 Uhr und die Tickets kosten 19 Euro im Vorverkauf. Auch dieses Konzert ist eine 2G-Plus-Veranstaltung.

Soulounge in der Fabrik
18. April 2022, 20 Uhr


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

„Eine Abrissbirne ist durch meinen Spielplatz gefahren“

In „Harper Regan“ des britischen Dramatikers Simon Stephens spielt Anika Mauer eine verheiratete Frau, deren Leben aus den Fugen gerät. Es ist die vorerst letzte Rolle der 47-Jährigen, die bereits zweimal zu Berlins beliebtester Schauspielerin gewählt wurde

Interview: Sören Ingwersen

SZENE HAMBURG: Frau Mauer, in „Harper Regan“ spielen Sie eine Frau, die durch den Tod ihres Vaters ihr ganzes bisheriges familiäres und berufliches Dasein infrage stellt. Wieso äußert sich ihre Trauer auf diese existenzielle Weise?

Anika Mauer: Die Handlung beginnt ja schon zwei Jahre früher mit einem Vorfall, den ich nicht verraten möchte. Die Sedimentierung, die infolge dieses Vorfalls einsetzt, bricht sich dann durch den Tod des Vaters Bahn. Das Stück schneidet sozusagen in einen Gemütszustand, der dann aufbricht.

Harper sucht also keinen Trost in der Familie?

Nein, sie nutzt die Chance, Wahrheiten zu erkennen. Wahrheiten haben mit bewegenden Situationen zu tun und sind eine Möglichkeit für Veränderung. Als Unterkategorie tauchen dann die familiären Verquickungen auf, die Liebe und die Frage, wie ich damit umgehe, dass ich niemals genau wissen kann, was ein anderer Mensch denkt? Vielleicht möchte ich es auch gar nicht wissen, weil ich ahne, dass es dort etwas gibt, was ich nicht gutheiße.

Wird Harper durch die Reise zu ihrem Vater, den sie nicht mehr lebendig antrifft, noch einmal mit ihrer Kindheit und Jugend konfrontiert?

Unterschwellig. Es geht in dem Stück darum, dass wir mit Erinnerungen leben, die nicht der Wahrheit entsprechen. Wenn wir rückblickend auf unser Leben schauen, bauen wir uns Erinnerungen zusammen, die wir erträglich und schön finden. Sie spiegeln aber nicht den faktischen Sachverhalt dessen wider, was geschehen ist. Manchmal wird man dann gezwungen, die Dinge neu zu überprüfen, und muss dann damit klarkommen. Das tun die wenigsten Menschen. Wir sind ja eher Selbstbestätiger und Betäubungsmaschinen als Auseinandersetzer.

Ein scheinbar saloppes Well-Made-Play mit Tiefgang

Auf ihrer Reise macht Harper Bekanntschaften, die ungeahnte Folgen haben. Welche Rolle spielen Begegnungen für die eigene Biografie?

Es fängt ja alles mit der Neugier an. Ich kann nur jemandem begegnen, wenn ich ihn anschaue, wenn ich ihm Fragen stelle und auch Antworten hören möchte. Dann ist jede Begegnung wichtig, und es gibt Momente im Leben, in denen man denkt: Den habe ich doch jetzt nicht ohne Grund getroffen. Das kann ich aus dem Stück in mein eigenes Leben zurück spiegeln. Da sind wir dann schnell bei so großen Worten wie Fügung und Schicksal.

Hört sich an wie ein echtes Seelendrama.

„Harper Regan“ ist ein scheinbar saloppes Well-Made-Play und hat trotzdem Tiefgang. Warum sollte sich das ausschließen? Man kann sich darauf einlassen oder es ablehnen. Eine andere Möglichkeit gibt es nicht. Es ist aber für mich schon ein Qualitätsmerkmal, wenn Zuschauer realisieren, dass sie diese Entscheidung treffen müssen.

Es erfordert Mut, sich vom Leben führen zu lassen

Bei „Sophie“, dem vorherigen Stück, das Regisseur Antoine Uitehaag mit Ihnen realisiert hat – Sie erhielten für die herausragende Darstellung der Titelfigur 2019 den „Hamburger Theaterpreis – Rolf Mares“ –, stand man ja auch vor der Wahl, ob man sich auf eine Selbstbespiegelung einlässt.

Genau. Man musste sich entscheiden, der Reise durch Sophies gesamtes Leben zu folgen oder eben nicht. Erst wenn ich mich darauf einlasse und es aushalte, entsteht für mich ein Theatererlebnis, das mich bewegt.

Ich möchte noch einmal auf die Begegnungen zurückkommen. Wir glauben oft, unser Leben selbstbestimmt zu führen und durch bewusste Entscheidungen zu lenken. Ist das eine Illusion?

Da halte ich es mit Brecht: „Ja, mach nur einen Plan! Sei nur ein großes Licht! Und mach dann noch ’nen zweiten Plan. Gehn tun sie beide nicht.“ Sich darauf zu verlassen, dass das Leben einen führen wird, ist die spannendere Variante. Wer genug Mut hat, sollte es so machen. Da sind Sätze wie „Schließt sich eine Tür, öffnet sich die nächste“ einfach wahr. Es ist schlimm, an etwas festzuhalten, was dich schon längst verlassen hat.

„Es geht allen um die Sache“

Die Musiker Jaap de Weijer und Martin Vonk sowie Bühnenbildner Tom Schenk gehörten ja auch schon bei „Sophie“ mit zum Team.

Es entsteht wieder ein Gesamtkunstwerk. Wir werden mindestens eine Woche damit zubringen, die Technik in das Stück einfließen zu lassen. Ich habe bisher nur die Computerbilder gesehen, aber freue mich jetzt schon wie ein Kind darauf. Was Tom angekündigt hat, finde ich grandios.

Fühlt man sich als Schauspielerin von der Technik – gerade wenn es um aufwendige Projektionen geht – nicht manchmal an den Rand gedrängt?

Tom hat natürlich eine Idee, aber er würde sich niemals in den Vordergrund schieben mit dem, was seine Arbeit betrifft. Das gilt für das ganze Ensemble. Hier gibt es keine Eitelkeit und niemand möchte hervorstechen, weil es allen nur um die Sache geht. Und Antoine ist der einzige Regisseur, den ich kenne, der Schauspieler wirklich aushalten kann. Der guckt und wartet, was kommt, um damit zu arbeiten. Das ist wirklich kostbar, ein Diadem, was ich mir in die Schmuckschatulle legen könnte – wenn ich eine hätte.

„Ich kenne viele Kollegen, denen es sehr schlecht geht“

Wie viele Stücke haben Sie mit Antoine Uitehaag zusammen realisiert?

Ich glaube, fünf oder sechs, aber mir kommt es vor wie zwanzig. Er ist mein absoluter Lieblingsregisseur, ein Mensch, mit dem ich während der Arbeit nicht viel reden muss. Das passiert einem nur ein oder zwei Mal im Leben. „Harper Regan“ ist mein vorläufig letztes Theaterstück, weil ich mich von der Bühne zurückziehe. Dass ich das mit Antoine mache, hat seinen Grund.

Sie kehren der Bühne den Rücken? Wegen Corona?

Ja.

Ist es nicht eine harte Entscheidung, einen Beruf, den man aus Leidenschaft gewählt hat, aufzugeben?

Vor fast zwei Jahren ist eine Abrissbirne durch meinen Spielplatz gefahren, und ich finde keine Energie, ihn wieder aufzubauen. Jetzt habe ich mich anderweitig orientiert und bin damit sehr zufrieden. Dieser erzwungene Perspektivwechsel war nach fast dreißig Jahren vielleicht auch wichtig. Ich kenne viele Kollegen, denen es sehr schlecht geht.

„Das Theatersterben haben wir noch vor uns“

Es hat sich eine andere Tür geöffnet?

Ja. Zum Glück.

Möchten Sie sagen, welche?

Mich hat eine gute Freundin angerufen, die für die UFA arbeitet. Dadurch habe ich einen Beruf gefunden, in dem ich alle meine Fähigkeiten einbringen kann, meine Führungsqualitäten und meine Lehrtätigkeit. Ich habe ja auch an der Schauspielschule unterrichtet.

Wie schätzen Sie den Schaden der Kultur durch Corona ein?

Für mich sind viele Dinge passiert, die ich vorher nie infrage gestellt hatte. Zum Beispiel, dass das Theater nicht zum Bildungskanon gehören soll. Nur die Museen hatten das für ihre Institutionen durchgesetzt. Da hätten sofort alle mitziehen müssen, denn jede künstlerische Einrichtung ist Teil des Bildungskanons. Die Bildung des Geistes bedarf aber einer gewissen Anstrengung, und auch durch Corona hat eine allgemeine Trägheit zugenommen. Man ist inzwischen eher den Sessel zu Hause gewohnt, als sich selbst zu motivieren. Deshalb haben wir das Theatersterben noch vor uns.

„Harper Regan“, noch bis zum 20. Februar 2022 im Ernst Deutsch Theater


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Februar 2022. Das Magazin ist seit dem 29. Januar 2022 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.

Volker Lechtenbrink ist gestorben – ein Nachruf

Mit ihm verliert Hamburg einen seiner beliebtesten Schauspieler – er wollte einfach nur spielen

Text: Felix Willeke

 

Eines Tages beim Schlachter Striga in der Alsterdorfer Straße: Drei Damen stehen in der Schlange und der Schlachter sagt: „Meine Damen, sie sind dran“, „ne, ne, danke“, entgegnen diese, „wir warten noch ein bisschen, bis Herr Lechtenbrink bestellt hat, wir hören seine Stimme so gern.“ Kaum eine Anekdote wie diese, die Volker Lechtenbrink 2018 in der NDR-Talkshow „3nach9“ erzählte, beschreibt den Schauspieler so gut. Volker Lechtenbrink ist am 22. November 2021 im Alter von 77 Jahren im Kreise seiner Familie verstorben.

 

Theater, Film und Musik

 

Volker Lechtenbrink in „Der Hauptmann von Köpenick“ 2010 am Ernst Deutsch Theater (Foto: Oliver Fantitsch)

Volker Lechtenbrink in „Der Hauptmann von Köpenick“ 2010 am Ernst Deutsch Theater (Foto: Oliver Fantitsch)

Das Multitalent, das nur „spielen“ wollte, wie er selbst einmal sagte, wuchs in Hamburg auf und besuchte die Gelehrtenschule des Johanneums. Mit nur 14 Jahren feierte er als Schauspieler 1959 in dem Film „Die Brücke“ unter der Regie von Bernhard Wicki, seinen Durchbruch. Es folgte eine Schauspielausbildung an der Hochschule für Bildende Künste und am Hamburger Schauspielstudio Freese.
Danach hatte Lechtenbrink Engagements an Theatern in Hannover, Köln, Berlin, München und Hamburg. Er trat auch immer wieder in Fernsehserien auf, darunter „Derrick“, „Ein Fall für zwei“ oder in den Verfilmungen der „Rosamunde Pilcher“- und „Inga Lindström“-Reihen. Dazu lieh er vielen großen Schauspielern seine Stimme, beispielsweise als deutsche Synchronstimme für Kris Kristofferson und Burt Reynolds. Neben Theater und Film war das Multitalent Lechtenbrink auch als Musiker erfolgreich, er schrieb Lieder für Peter Maffay und veröffentlichte selbst über zehn Alben.

 

Hamburg als Heimat

 

Seine Liebe gehörte aber immer seiner Hamburger Heimat und dessen Theater. „Besonders die Hamburger Bühnen verdanken ihm unvergessliche Abende“, sagte Kultursenator Dr. Carsten Brosda. Verbunden war Lechtenbrink insbesondere dem Ernst Deutsch Theater. Hier arbeitete er immer wieder als Schauspieler und Regisseur. Von 2004 bis 2006 übernahm er sogar die Intendanz des Hauses. Carsten Brosda zitiert als Abschiedsgruß auf Twitter einige Zeilen aus Lechtenbrinks erfolgreichstem Lied „Ich mag“: „Ich mag Bilder von Margitte / Schwimmen ohne mit / Barfuß gehen durchs Watt / Hamburg, meine Stadt / All das mag ich und ganz doll dich.“


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.

Theaterpreis Hamburg – Rolf Mares 2021 verliehen

Am 1. November 2021 wurde der Theaterpreis Hamburg – Rolf Mares verliehen. In sechs Kategorien gingen die begehrten Preise an sieben Theaterschaffende und eine Institution 

 

Roter Teppich, große Bühne und fröhliche Gesichter. Am 1. November 2021 wurde im Opernloft der Theaterpreis Hamburg – Rolf Mares verliehen. Der Preis ist mit jeweils 1.000 Euro dotiert, inklusive eines personalisierten Montblanc-Füllers.

 

Herausragende Darsteller:innen

 

Eva Mattes wurde für ihre Rolle in der Uraufführung von Elfriede Jelineks Theaterstück „Lärm. Blindes Sehen, Blinde Sehen!“ ausgezeichnet (Foto: Matthias Horn)

Eva Mattes wurde für ihre Rolle in der Uraufführung von Elfriede Jelineks Theaterstück „Lärm. Blindes Sehen, Blinde Sehen!“ ausgezeichnet (Foto: Matthias Horn)

Als herausragende Darsteller:innen wurden 2021 Ines Nieri für ihre Inszenierung „Tyll“ (nach dem Roman von Daniel Kehlmann) am Ernst Deutsch Theater und Thomas Niehaus vom Ensemble des Thalia Theaters für seine Rolle des Ingwer Feddersen im Stück „Mittagsstunde“ geehrt. Ein weiterer Preis ging an Eva Mattes für ihre Darstellung der Kirke in der Uraufführung von Elfriede Jelineks Theaterstück zur Pandemie „Lärm. Blindes Sehen, Blinde Sehen!“ am Deutschen Schauspielhaus Hamburg.

 

Digitale Projekte ausgezeichnet

 

Wegen der langen Zeit ohne offene Theater, gingen zwei Preise an digitale Inszenierungen. Helge Schmidt wurde für seine Inszenierung „Tax for free“ am Lichthof Theater ausgezeichnet, ein Projekt das im Rahmen des Formats #lichthof_lab entstanden ist. David Bösch, Patrick Bannwart und Falko Herold bekamen die Auszeichnung für ihr filmisches Gesamtkunstwerk „Weisse Rose“ an der Staatsoper Hamburg.

Der Sonderpreis ging in diesem Jahr an die Behörde für Kultur und Medien. Die Jury begründete die Auszeichnung mit der durchgehenden Unterstützung der Theater in Zeiten der Pandemie: „Hamburg hat dafür viel Geld in die Hand genommen, es wurde unbürokratisch gehandelt, dazu gab es Beratung in jeder Lage, zu jeder Zeit, und immer auch vom Senator Dr. Carsten Brosda selbst. Die Theater in Hamburg fühlten sich verstanden und sehr gut aufgehoben“.

Die Highlights der Verleihung mit allen Preisträger:innen gibt es ab dem 2. November 2021 um 19 Uhr auf theaterpreis-hamburg.org und auf dem YouTube-Kanal des Theaterpreis Hamburg – Rolf Mares.


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.

Barbara Kisseler Theaterpreis 2021 vergeben

Der mit 50.000 Euro dotierte Barbara Kisseler Theaterpreis 2021 wurde am 31. Oktober im Ernst Deutsch Theater vergeben. Gewonnen hat die Hamburger Schauspielerin Stella Roberts für ihre Produktion „Der fröhliche Fischer“

Text: Felix Willeke

 

Stella Roberts ist die Gewinnerin des Barbara Kisseler Theaterpreises 2021. Die 32-jährige bekam ihre Auszeichnung am 31. Oktober 2021 im Ernst Deutsch Theater überreicht, wo ihre Schauspielkarriere in einem der hauseigenen Jugendclubs begann. Später spielte sie im Hamburger Jedermann und ist inzwischen auch an der Wiener Staatsoper zu sehen. Den mit 50.000 Euro dotierten Preis erhielt sie für ihre Produktion „Der fröhliche Fischer“, die im September 2021 am Rissener Leuchtturm aufgeführt wurde. Kultursenator Dr. Carsten Brosda lobte die Inszenierung, „die einen außergewöhnlichen Spielort in Hamburg theatral in Szene setzt und Theater somit unmittelbar in die Gesellschaft trägt“.

 

Auch das plattform-Festival ausgezeichnet

 

Kultursenator Dr. Carsten Brosda und die Gewinnerin 2021 Stella Roberts (Foto: Oliver Fantitsch)

Kultursenator Dr. Carsten Brosda und die Gewinnerin 2021 Stella Roberts (Foto: Oliver Fantitsch)

Ebenfalls ausgezeichnet wurde das plattform-Festival. Da die Verleihung 2020 Pandemie-bedingt ausfallen musste, überreichte Brosda den Preis für das vergangenen Jahr ebenfalls am 31. Oktober 2021. „Es ist ein mit viel Einsatz verbundenes Vorhaben, dafür Sorge zu tragen, dass Kinder und Jugendliche den Wert von Kultur für unsere Gesellschaft unmittelbar erfahren können. Das Team des plattform-Festivals setzt dies seit fast zehn Jahren engagiert um“, so der Kultursenator.

 

Ein Preis zu Ehren von Barbara Kisseler

 

Der Barbara Kisseler Theaterpreis wird seit 2017 zu Ehren der 2016 verstorbene Kultursenatorin vergeben, gefördert wird er dabei von der Hermann Reemtsma Stiftung. Mit dem Preis werden Privattheater oder Freie Gruppen für herausragende Leistungen von einer anonymen Jurorin oder einem anonymen Juror ausgezeichnet. Mit „Der fröhliche Fischer“ wurde erstmals die Realisation einer Produktionsidee ausgezeichnet.


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.

Theater: Wut, Witz und Wiener Walzer

Noch bis zum 6. November 2021 läuft das „Sechs Tanzstunden in sechs Wochen“ von Richard Alfieri unter der Regie von Anatol Preissler im Ernst Deutsch Theater

Text: Katharina Manzke 

Wenn man so will, steckt in der Geschichte des Tanzes die emotionale Bandbreite eines ganzen Lebens. Diesen Eindruck hat man zumindest als Zuschauer des Stückes „Sechs Tanzstunden in sechs Wochen“ von Richard Alfieri, das Anatol Preissler im Ernst Deutsch Theater inszeniert. Eine vereinsamte alte Dame, Lily Harrison (Gila von Weitershausen), hat private Tanzstunden gebucht. Die Tanzschule schickt ihr mit Michael Minetti (Mark Weigel) einen Lehrer, mit dem sie zunächst überhaupt nicht zu harmonieren scheint. Nachdem sich die Witwe eines Baptisten-Predigers und der um einige Jahre jüngere, schwule Tänzer gegenseitig angegiftet haben, tanzen sie doch miteinander – die erste Stunde steht im Zeichen des lebensfrohen Swing. Beide merken: Sie, zusammen auf der Tanzfläche, das hat Potenzial. Und so geht es Woche für Woche weiter.

 

Tolle Musik und viel Gefühl

 

Mit dem Tango, dem Tanz der zwischen leidenschaftlicher Dynamik und gespannten Pausen wechselt und Gegensätze vereint, dem Wiener Walzer, dem Foxtrott, dem Cha-Cha-Cha und schließlich dem Modernen Tanz. Auf der Bühne wird zu bekannten Melodien von den Comedian Harmonists, über R.E.M. bis hin zu den Blues Brothers also viel getanzt, was vor allem die freuen dürfte, die selbst den Paartanz zelebrieren und lieben. Besonders schön dabei ist, wie die Entwicklung der Beziehung zwischen beiden in diese Tanzstunden eingewoben ist. Auf der Bühne lenkt kein schmückendes Beiwerk oder ein Zuviel an Nebenschauplätzen oder -figuren ab: Von Woche zu Woche, von Szene zu Szene, kommen sie einander näher und gewähren auch den Zuschauern tieferen Einblick in ihre Erinnerungen und Gefühle. Was lustig und spritzig begann, endet tieftraurig und emotional, aber auch mit Hoffnung.

Sechs Tanzstunden in sechs Wochen, Ernst-Deutsch-Theater, 1., 3. bis 6. November 2021


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, November 2021. Das Magazin ist seit dem 28. Oktober 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.

70 Jahre Ernst Deutsch Theater: Grund zum Feiern

Vor 70 Jahren eröffnete das heute größte Privattheater Deutschlands seine Pforten. Grund genug, sich selbst zu feiern und das macht das Ernst Deutsch Theater am 13. Oktober 2021

Text: Felix Willeke

 

Friedrich Schütter und Wolfgang Borchert gründeten 1951 das Junge Theater. Nach dem Umzug 1964 in das ehemalige UFA-Palast-Kino an der Mundsburg entwickelte sich das 1973 in Ernst Deutsch Theater umbenannte Theater in eines der führenden Häuser in Hamburg. Jetzt wird das größte Privattheater Deutschlands am 13. Oktober 2021 70 Jahre alt.

 

Grund zum Feiern

 

Zum Anlass des Jubiläums lädt das Ernst Deutsch Theater und seine Intendantin Isabella Vértes-Schütter alle Freund:innen, Gratulant:innen und Interessierte ein, gemeinsam bei der „Happy Birthday Hour“ anzustoßen. Dafür gibt es auf dem Friedrich-Schütter-Platz vor dem Theater am 13. Oktober ab 17.30 Uhr Live-Musik, Essen und Trinken. Außerdem bietet das Haus bis zur bereits ausverkauften Abendvorstellung („Best of Poetry Slam“) eine offene Bühne und lädt seine Gäste ein, den Theatersaal aus einer neuen Perspektive zu erleben. Dabei gilt für das Theater die 2G-Regel. Das heißt, wer rein möchte, muss seinen Nachweis bereit halten. Dann steht dem fröhlichen Miteinander zum 70. Geburtstag nichts mehr im Wege.

Die „Happy Birthday Hour“ des Ernst Deutsch Theater, 13.10. ab 17.30 Uhr, Friedrich-Schütter-Platz; ernst-deutsch-theater.de


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.