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Hamburger Kunsthalle: Vom Lauf der Zeit

Zum 25-jährigen Bestehen von Bogomir Eckers „Tropfsteinmaschine“ beleuchtet die Ausstellung „Futura“ in der Hamburger Kunsthalle das Phänomen Zeit. Wir sprachen mit der Kuratorin Dr. Brigitte Kölle über erkaltete Lava und das Abheben ins All, das Denken in Bildern – und über ihre Zusammenarbeit mit dem Künstler Bogomir Ecker

Interview: Sabine Danek

 

SZENE HAMBURG: Brigitte Kölle, Ausgangspunkt von „Futura“ war nicht nur das 25-jährige Bestehen der Galerie der Gegenwart in der Hamburger Kunsthalle, sondern vor allem das der „Tropfsteinmaschine“ von Bogomir Ecker, die das gesamte Haus von Anfang an durchzieht. Wie kam die Ausstellung zustande, die Sie gemeinsam mit dem Künstler konzipiert haben?

Brigitte Kölle: Es gibt den Verein Tropfsteine e. V. dessen 26 Mitglieder sich darum kümmern, dass die Tropfsteinmaschine läuft. Dazu gehören die Restauratorin, der Technische Leiter der Galerie der Gegenwart, ich als Sammlungsleiterin, der ehemalige Kunsthallen-Direktor Uwe M. Schneede und Interessierte, die die Tropfsteinmaschine seit Langem begleiten. Wir haben uns mehrmals getroffen und langsam rückte das Thema Zeit, und wie unterschiedlich man mit ihr umgehen kann, immer mehr in den Mittelpunkt. Wir haben ein buntes, interdisziplinäres Programm geplant. Bogomir Ecker hatte sich ein Stück des Komponisten Daniel Ott und Interventionen des Schriftstellers Oswald Egger gewünscht, Workshops mit Aktivist:innen von Fridays for Future kamen hinzu und eine Science-Fiction-Reihe im Metropolis Kino. Irgendwann dachten wir es sei schade, nicht auch bildende Künstlerinnen und Künstler einzuladen, die sich mit dem Thema Zeit beschäftigen und damit, wie man diese überhaupt fassen und vermessen kann.

Und so entstand eine Ausstellung mit gleich 30 Künstlerinnen und Künstlern …

Und dazu eine, wie man sie sonst nicht kennt! Hier hängen keine abgeschlossenen Arbeiten nebeneinander, schön im Rahmen und unter Glas. Die Ausstellung ist vielmehr wie eine Assoziationskette oder wie der Besuch in einem Künstleratelier. Wichtig sind die Bezüge der Arbeiten miteinander, dass eine zarte Zeichnung von John Cage auf Tektite trifft, dass Naturalien neben Kunstwerken zu sehen sind, Werke von Gustave Courbet und Caspar David Friedrich neben vielen neuen Arbeiten, die speziell für die Ausstellung entstanden sind.

 

Die Transformation von Materialien und Materie

 

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Bogomir Ecker: Tropfsteinmaschine (Detail) (Foto: VG Bild-Kunst, Bonn 2022; Fotoarchiv Bogomir Ecker)

Wie war es, mit einem Künstler als Kurator zu arbeiten?

Ich fand es prima. Bogomir Ecker denkt in Bildern und das mit ihm teilen zu können war unglaublich spannend. Er hat ein riesiges Archiv mit über 15.000 Vintage- und Pressefotografien, die von historischen Gletscher-Aufnahmen bis hin zu Bildern von AtommüllEndlagern reichen und arbeitet ganz assoziativ. Wir argumentieren mit und durch die Kunst und das sieht man der Ausstellung an. Es ist anregend, sich auf eine Entdeckungsreise zu begeben und eigene Ideen zu entwickeln.

Und das in einer Ausstellung, die sich quasi schon verändert während man sie besucht.

Ja, es ist eine Ausstellung, in der viel passiert. Die Transformation von Materialien und Materie spielt eine wichtige Rolle im Umgang mit Zeit. Die Künstlerin Nina Canell beispielsweise hat einen großen Bottich mit Wasser aufgestellt. Darin tönt ein Ultrasound, den das menschliche Gehör nicht wahrnehmen kann. Aber man kann ihn sehen, denn er erzeugt Vibrationen, die als Nebel aufsteigen und den Zement, der daneben liegt, nach und nach hart werden lässt.

Jens Risch hingegen hat neben seine „Knoten-Stücke“, die wie kleine Korallen wirken und unglaublich schön anzuschauen sind, ein „Stunden-Stück“ gelegt. Es ist ein kurzer Faden, an dem der Künstler von 10.55 Uhr bis 11.15 Uhr geknotet hat. Gleichzeitig hat die Ausstellung auch Werkstattcharakter, denn es finden viele Veranstaltungen direkt in ihr statt, Konzerte, Gespräche und Führungen, die auch hinter die Kulissen der Tropfsteinmaschine führen. Da gibt es ein riesiges Wasserreservoir von 1500 Litern, falls es mal nicht genug regnen sollte. Was in Hamburg natürlich relativ unwahrscheinlich ist. (lacht)

 

Hamburger Künstler:innen im internationalen Kontext

 

Auch sind Arbeiten von Hamburgern wie Axel Loytved oder Elena Greta Falcini zu sehen. Achten Sie besonders darauf, auch vor Ort die Augen aufzuhalten?

Ich finde es schön, dass Ihnen das auffällt. Gleichzeitig kommt es mir selbst aber immer etwas unfair vor, das in den Vordergrund zu stellen. Denn es geht nicht darum, ob die Künstler:innen aus Hamburg kommen, sondern darum, dass sie gut sind und im internationalen Kontext bestehen können. Elena Greta Falcini mixt aus alten Autoreifen und anderen Stoffen ihre eigenen Materialien und hat damit eine Art schwarzes Loch im Raum verspannt. Es wirkt wie Lava, die gerade erst erkaltet ist und man spürt förmlich die Energie. Falcini hat gerade erst ihr Studium an der HFBK abgeschlossen und ist eine eigenständige, interessante Künstlerin.

Und von Axel Loytved sind die tollen Schneematsch-Plastiken zu sehen.

Sie sehen wie abstrakte Bronzen aus und erinnern an Meteoriten. Dann aber liest man, dass es Abgüsse der Klumpen sind, die sich bei Schneefall an den Radkappen bilden. Loytved erhöht die Banalität des Alltags in die Kunst und holt die Kunst gleichzeitig auf eine ganz reale Ebene zurück. In Nachbarschaft zu den Bronzegebilden von Loytved hängen historische Fotos von Gletschern, die es heute nicht mehr gibt und um die Ecke stehen Kühltruhen, die Bogomir Ecker mit Gegenständen gefüllt hat, die langsam einfrieren. Stillstehende Zeit.

 

„Wir Menschen sind doch eher marginal“

 

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Edith Dekyndt: Videostill aus Breiđarmerkurfjara Beach, 2012 (Foto: VG Bild-Kunst, Bonn 2022; Galerie Karin Guenther Hamburg / Galerie Greta Meert Brüssel)

„Futura“ hebt gleich mit mehreren Arbeiten ins Weltall ab. Gehört das zum Thema Zukunft dazu?

Bei der Beschäftigung mit der Zukunft kommen automatisch das große Ganze ins Spiel und der Versuch, dieses unvorstellbare Universum zu greifen. Daniel Janik hat dazu einen „Prototyp zur Rückführung von Himmelskörpern“ gebaut. Es ist eine Arbeit, die so ernst wie augenzwinkernd ist, denn käme ein Meteroit angeflogen, würde sie vermutlich sofort zerbrechen. Aber es geht um die Vorstellung, dass wir etwas auffangen können aus dem All und es auch wieder zurückschicken. Wie bei dem Bild des Pärchens, das 1972 mit der Raumsonde Pioneer X ins All geschickt wurde, um anderen Lebewesen, falls es sie gibt, etwas über uns mitzuteilen. Absurderweise gab es damals Diskussionen, ob man die Geschlechtsteile so deutlich zeigen darf. (lacht)

Dachte man früher an die Zukunft, ging es um Fortschritt, heute muss man die Zerstörung der Welt immer mitdenken.

Das ist auch ein Aspekt, der in der Ausstellung ziemlich klar wird. Gleichzeitig war es uns wichtig, über Atommülllagern und Dystopien hinaus abstrakter zu denken. Es geht um Kunst, um Fantasie und einen spielerischen und zugleich ernsthaften Ansatz. Und es geht um Transformation und Veränderung, um chemische und physikalische Prozesse, zu denen letztendlich auch die Tropfsteine gehören. Die ganze Diskussion um das Anthropozän ist immer so auf den Menschen fixiert. Doch im Vergleich zum Universum mit seinen Milliarden Jahren, sind wir Menschen doch eher marginal. Deswegen tauchen wir in der Ausstellung stärker in die Natur ein und in die unaufhörlichen Prozesse von Verdampfen, Gefrieren, Verdichten oder Sich-Auflösen.

Futura. Vermessung der Zeit, Hamburger Kunsthalle, bis zum 10. April 2022, Buchvorstellung „Internationale Zukunftsprojekte“ am 3. Februar 2022 (2G-Plus-Veranstaltung) 


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Februar 2022. Das Magazin ist seit dem 29. Januar 2022 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Die Kunsthalle und die Vermessung der Zeit

Der Zukunft und im weiteren Sinne der Zeit widmet die Hamburger Kunsthalle eine Ausstellung. Die zentrale Frage hinter „Futura. Vermessung der Zeit“ ist, wie kann Zukunft gedacht und dargestellt werden?

Text: Rosa Krohn

 

Albert Einstein konstatierte 1905 in seiner Relativitätstheorie, dass die Zeit eine relative Einheit ist. Zeit ist dehnbar, mal scheint sie überhaupt nicht zu vergehen und mal tut sie das viel zu schnell. Wie Einstein selbst formuliert haben soll: „Wenn man mit einem Mädchen, das man liebt, zwei Stunden zusammensitzt, denkt man, es ist nur eine Minute; wenn man aber nur eine Minute auf einem heißen Ofen sitzt, denkt man, es sind zwei Stunden.“ Die Kunsthalle beschäftigt sich nun mit diesem komplexen Konstrukt – speziell mit der Zukunft und wie sie sich darstellen lässt.

Anlass für die Ausstellung „Futura. Vermessung der Zeit“ bietet das 25-jährige Bestehen Bogomir Eckers Kunstwerk, die „Tropfsteinmaschine“. Mit der Maschine hat der Bildhauer 1996 – angedacht für eine Laufzeit von 500 Jahren – die Vorgänge in einer Tropfsteinhöhle mit der Bildung von Stalagmiten und Stalaktiten nachgestellt. Damit ist das Werk vielleicht kein direktes Abbild, doch zumindest Symptom der Zeit.

 

Die Zeit, ein Rahmenprogramm und Science-Fiction

 

Gemeinsam mit der Sammlungskuratorin Brigitte Kölle hat Ecker nun die Ausstellung kuratiert. Seit dem 14. Januar 2022 nähern sich 30 internationale Künstler den existenziellen Fragen der Zeitlichkeit, Nachhaltigkeit und der Visionen. Neue, eigens für die Ausstellung entstandene Werke, aber auch Artefakte vergangener Zeit – verschiedener medialer Beschaffenheit – treffen hier zusammen.

Das Rahmenprogramm der Ausstellung bietet zudem mit Vorträgen von Philosoph:innen, Literatur und Kunstwissenschaftler:innen, sowie mit Lesungen und einer für die Ausstellung entstandenen musikalischen Komposition von Daniel Ott Raum für den Diskurs. Außerdem interessant für alle Filmbegeisterten und darüber hinaus: Eine Science-Fiction-Reihe im Metropolis Kino begleitet die Ausstellung parallel.

hamburger-kunsthalle.de


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Januar 2022. Das Magazin ist seit dem 22. Dezember 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Handys, Hipster und Hochkultur

Alte Meister neben Handybildern des Schauspielers Lars Eidinger und Leinwandsprüchen des skatenden Künstlers Stefan Marx. Kann das gut gehen? Die Ausstellung „Klasse Gesellschaft“ wagt es

Text: Karin Schulze

 

Es wirkt, als könne man sich auch über Jahrhunderte und Kontinente hinweg nahekommen: Ein Mädchen, das irgendwo auf einer dunklen Straße mit geneigtem Kopf in ihr Mobilgerät tippt. Vor ihr ein junger Mann, der ebenfalls mit gesenktem Blick auf ein hochformatiges Ding in seiner erhobenen Hand schaut. Die junge Frau ist in einem Schnappschuss zu sehen, den Lars Eidinger 2016 im chinesischen Tianjin aufgenommen hat. Ihr Gegenüber, festgehalten beim Überbringen eines Briefes, wurde 1670 von Pieter de Hooch gemalt. Das (un-) gleiche Paar, das sich in Haltung und Attitüde verblüffend ähnelt, ist ein kühner Zusammenschnitt im Katalog der Kunsthallen-Ausstellung, die Bilder Alter Meister mit Arbeiten von Eidinger (* 1976) und Stefan Marx (* 1979) konfrontiert.

 

Moralisierende Untertöne

 

Lars Eidinger (links) und Stefan Marx in der Ausstellung Klasse Gesellschaft in der Hamburger Kunsthalle (Foto: Nils Müller)

In den Niederlanden des 17. Jahrhunderts boomten Schifffahrt und Handel. Der Wohlstand von Bürgern und Kaufleuten wuchs. Kunst stand hoch im Kurs, zum ersten Mal bildete sich so etwas wie ein Kunstmarkt. Während der Calvinismus den Katholizismus zurückdrängte, waren die künstlerischen Motive nicht mehr mythologischer oder biblischer Herkunft, sondern stammten erstmals vor allem aus dem Alltag von Bürgern und Bauern. Diese Genrebilder zeigen Straßenszenen, Feste, Hausarbeit und bäuerliches Leben oder Interieurs. Zu den Meistern der eleganten Innenräume und inniger Versunkenheit gehörten neben Vermeer, der derzeit in Dresden gefeiert wird, de Hooch und Gerard ter Borch. Raumfluchten, aufwendige Fliesenböden, Porzellan und Orientteppiche belegten den Wohlstand der Bürger und Kaufleute. Viele Bilder aber waren auch imprägniert von moralisierenden Untertönen. Vor allem bäuerliche Szenen warnten vor Alkohol, Tabakrausch, Müßiggang: Laster drohten, wo Tüchtigkeit, Fleiß und Besinnlichkeit schwächelten.

 

Eidinger bringt die Gegenwart auf den Punkt

 

Ohne Titel, Paris 2018 (Foto: Lars Eidinger)

Ohne Titel, Paris 2018 (Foto: Lars Eidinger)

Ausstattungsstücke heutigen Alltags nimmt der Schauspieler, Selbstdarsteller und Instagrammer Lars Eidinger meist mit dem Handy aufs Korn: weltweit unterwegs und rastlos in großen Städten umherschweifend. Mitunter sieht es aus, als habe er sein Auge an den aberwitzigen Skulpturen Erwin Wurms geschult, für den er bereits posiert und mit dem er auch ausgestellt hat. Oft jedenfalls bringt Eidinger Gegenwart gewitzt auf den Punkt: die Kühlerhaube, die aus einem halb geöffneten Garagentor herauszuquellen scheint. Oder das Gefäß eines Bettlers, der einen Starbucks-Becher mit einem Madonnenbildchen spirituell aufgerüstet hat.

Während Eidingers Alltagsbelichtungen die gesellschaftlichen Bezüge und die mitunter auch skurrilen Aspekte der Niederländer hervorheben, fügt der Hamburger Künstler, Skater und Designer Stefan Marx ihrer Handlungsebene eine Art stillen Soundtrack hinzu. Mit seinen gemalten Text- und Songfragmenten aktualisiert er etwa die bei den Niederländern so häufigen Briefmotive. Beispielsweise wenn er „Don’t Text Me Back Haha It’s Ok“ in seinen typischen, gleich Lichtreflexen auf Wasser tanzenden Lettern auf Leinwand bannt. Man kann Kulturverfall beklagen, wenn so populär agierende Kreative im Museum landen.

 

Von Instagram ins Museum

 

Man könnte aber auch fragen, inwiefern Handyfotografie, Social Media und Street-Art heute die Kunst erweitern, wie es im 17. Jahrhundert die Genremalerei tat. Auf jeden Fall könnten die beiden leidenschaftlichen Instagrammer, die gemeinsam mehr als 230.000 Follower haben, auch ein paar bisher wenig museumsaffine Besucher anlocken. Selbst bei Bildungsbürgern gelten die meisten Genremotive des 17. Jahrhunderts schließlich als wenig sexy. Ihre noch immer direkte Lesbarkeit gilt es ebenso zu entdecken wie ihre spezifischen historischen Kontexte.

„Klasse Gesellschaft. Alltag im Blick niederländischer Meister“ mit Lars Eidinger und Stefan Marx. Kunsthalle, bis zum 27. März 2022


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Dezember 2021. Das Magazin ist seit dem 27. November 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Deutsch-französische Begegnungen

Die Hamburger Kunsthalle stellt mit dieser Neupräsentation deutscher und französischer Werke des Impressionismus nationale Kategorien der Strömung in Frage

Text: Rosa Krohn

 

Die Hamburger Kunsthalle stellt in der Ausstellung „Impressionismus – Deutsch-französische Begegnungen“ nationale Kategorien der Stilrichtung des Impressionismus in Frage. Ab dem 29. Oktober 2021 sind rund 80 Werke der französischen und deutschen Vertreter dieser Stilrichtung zu sehen. Die Kunsthalle vergleicht dabei in den thematischen Kapiteln „Portrait“, „Landschaft“, „Inszenierte Figur“, „Stadt und Freizeit“ sowie „Stillleben“ diese Werke miteinander. Dabei wird Unterschieden sowie Gemeinsamkeiten auf den Grund gegangen: Woher stammen wesentliche Impulse der Maler? Welche Wechselwirkungen sind visuell und historisch nachvollziehbar?

 

Impressionisten, nicht nur aus Frankreich

 

Die Stilrichtung des Impressionismus wird überwiegend Frankreich zugeschrieben. Claude Monet, Édouard Manet und Auguste Renoir zeigen in ihren Werken strahlende und farbenfrohe Szenen im Freien. Sie setzen sich in seriellen Arbeiten mit unterschiedlichen Lichtstimmungen bestimmter Motive auseinander. Und doch handelt es sich eigentlich um keine exklusiv französische Strömung. Auch in Deutschland finden sich – freilich einem späteren Zeitpunkt – impressionistische Strömungen. Vor allem Lovis Corinth, Max Liebermann und Max Slevogt zählen als das sogenannte Dreigestirn zu den Vertretern des deutschen Impressionismus. Strömungen in Deutschland reichten im Gegensatz zu denen des französischen Geburtslands sogar bis weit in die 1920er Jahre.

Impressionismus – Deutsch-französische Begegnungen, Hamburger Kunsthalle, ab dem 29. Oktober 2021 


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#seeforfree: Kunst und Kultur kostenlos erleben

Mit dem Reformationstag am 31. Oktober hat Hamburg seit 2018 einen zusätzlichen Feiertag. Mittlerweile ist es gute Tradition, dass an diesem Tag die Hamburger Museen mit freiem Eintritt locken, so auch 2021

Text: Felix Willeke

 

Das Altonaer Museum, das Archäologisches Museum, die Deichtorhallen Hamburg, die KZ-Gedenkstätte Neuengamme, das Museum der Arbeit, … Diese Liste ließe sich fast beliebig fortsetzen. Insgesamt 31 Museen sind bei „#seeforfree“ 2021 dabei und geben bei freiem Eintritt Zugang zu Kunst und Kultur. Mit dabei sind Highlights wie die aktuelle Ausstellung des MARKK „Hey Hamburg, kennst Du Duala Manga Bell?“ oder die Ausstellung des Dänen Adam Christensen im Harburger Bahnhof.

 

Corona-Maßnahmen

 

Fiel der Tag im letzten Jahr Corona-bedingt noch aus, nimmt die Pandemie in diesem Jahr nur noch wenig Einfluss auf #seeforfree. 2021 gibt es in 27 der 31 Museen freien Eintritt nach dem 2G-Modell. Das heißt, nur Geimpfte und Genesene kommen in die Museen (Ausnahme: Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren). Damit fallen in diesen Häusern auch Einschränkungen wie Maskenpflicht oder Abstandsgebote weg. In drei der vier Museen mit Einlass nach 3G müssen vorher Zeitslots für den Einlass gebucht werden.

#seeforfree: 31. Oktober 2021, ab 10 Uhr


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Der Herbst ist da: Zehn Tipps für kühle Tage

Es ist Herbst, die Tage werden kürzer, draußen ist es nass und kalt und der sogenannte Herbstblues setzt ein. Hier kommen zehn Tipps, um aus dieser Jahreszeit einen goldenen Herbst zu machen

Text: Felix Willeke & Henry Lührs

 

Ausflug zum Kürbisparadies Hof Adolf

 

Auf dem Hof Adolf gibt es Kürbis satt (Foto: unsplash/Alexas Fotos)

Auf dem Hof Adolf gibt es Kürbis satt (Foto: unsplash/Alexas Fotos)

Der Herbst bringt nicht nur Schmuddelwetter und viel Laub, sondern auch den Kürbis und alles, was dazugehört. Das große, orange Fruchtgemüse macht sich nicht nur gut in der eigenen Wohnung, auch die Kürbissuppe ist ein absolutes Herbst-Highlight. Ganz zu schweigen von den vielen verschiedenen Grusel-Grimassen, die sich zu Halloween in die Kürbisse schnitzen lassen. Umso besser, dass es in und um Hamburg verschiedene Kürbishöfe gibt.

Der Hof Adolf vor den Toren der Stadt bietet in seinem Kürbisparadies 200 verschiedene Sorten an. Aber auch viele selbsterzeugte und regionale Kürbisprodukte wie Sekt, Marmeladen oder Öl locken auf den Hof. Schnitzvorlagen und Schnitzwerkzeug für die Grusel-Party liegen für die Besucher bereit. Bis Ende Oktober ist das Kürbisparadies jeden Tag von 10:00 bis 18:00 Uhr geöffnet.

Hof Adolf, Im Dorf 8 (Braak); hof-adolf.de


 

Gemütliches Filme-Gucken gegen den Herbstblues

 

Der Filmraum in Eimsbüttel, ein Programmkino mit gemütlicher Atmosphäre (Foto: filmRaum)

Der Filmraum in Eimsbüttel, ein Programmkino mit gemütlicher Atmosphäre (Foto: filmRaum)

Nirgendwo lässt sich ein verregneter, kühler Herbsttag besser verbringen als in einem muckeligen Kino. Neben den großen Blockbuster-Kinos gibt es in Hamburg aber auch die kleinere, gemütliche Variante. Der Filmraum im Herzen von Eimsbüttel erinnert mit seinem Kinosaal eher an ein zweites Wohnzimmer.

Das kleine Programmkino setzt auf alten Kino-Charme und Filme fernab des Mainstreams. Arthouse-, Spiel- und Dokumentarfilme laufen hier in Originalfassung mit deutschen Untertiteln. Seit über 10 Jahren hat sich der Filmraum im Viertel, aber auch in ganz Hamburg als wichtiger Kulturraum etabliert. Für den Klönschnack danach lohnt sich die heiße Schokolade oder der Chai Tea im Herz und Bauch Cafe gegenüber.

Müggenkampstraße 45 (Eimsbüttel); filmraum.net


 

Herbstliches Basteln und kreatives Gestalten

 

Im Herbst ist Zeit für Kreativität (Foto: unsplash/Vladimir Proskurovskiy)

Im Herbst ist Zeit für Kreativität (Foto: unsplash/Vladimir Proskurovskiy)

Wenn es draußen früher dunkel und kühler wird, ist es Zeit, um drinnen wieder kreativ zu werden. In Hamburg gibt es dazu zum Glück viele Möglichkeiten, Veranstaltungen und Workshops. In der Diele in Ottensen dreht sich am 30. Oktober 2021 zum Beispiel alles um die Trockenblume. Mit Floristentape und Basteldraht werden bei einem Workshop Kränze für das eigene Wohnzimmer hergestellt.

Bei der Veranstaltung „Malen, Basteln, Werkeln“ im Bucerius Kunst Forum werden am 7. November neue künstlerische Wege mit Materialien aus dem Haushalt erforscht. In der Kreativwerkstatt Hamburg Ottensen gibt es am 19. November eine Einführung in die Kunst des Plisseefaltens. Kugeln im Origami-Stil werden hierbei aus dem individuellen Lieblingspapier gefaltet. Aber auch in den eigenen vier Wänden lässt es sich natürlich wunderbar kreativ werden. Viele Anleitungen, zum Beispiel zum Thema Upcycling, gibt es auf Youtube.


 

Entspannen in den Wellnessoasen von Hamburg

 

Entspannen, das geht im Kaifu Sole (Foto: Bäderland Hamburg)

Entspannen, das geht im Kaifu Sole (Foto: Bäderland Hamburg)

Die Herbst- und Wintermonate können gerne mal richtig stressig werden. Der Urlaub ist ausgeschöpft und die Ferien wieder in weiter Ferne. Bei Studierenden rauscht das Wintersemester rein und die ersten Abgaben oder Vorträge stehen an. Aber auch auf der Arbeit steigt der Druck durch Fristen zum Jahresende. Kaum etwas sorgt für mehr Entspannung, als im Spa die Seele baumeln zu lassen. Orientalische Wellness gibt es zum Beispiel im Hamam Hafen Hamburg auf St. Pauli. Auf die Besucher wartet ein großer Wellnessbereich mit Kissenlandschaft, beheizten Marmor Podesten, Körperpeelings und Seifenschaummassagen. Individuelle Behandlungen gibt es hier bereits ab 35 Euro.

Natürlich finden sich auch in anderen Teilen der Stadt viele weitere Wohlfühloasen. Klassische und beliebte Anlaufstellen sind zum Beispiel das Meridian Spa in Poppenbüttel oder die Kaifu Lodge und Kaifu Sole in Eimsbüttel. Aber auch das Aspira in Uhlenhorst bietet neben verschiedenen Spa-Bereichen mehrere beheizte Innen- und Außenpools, die auch in den Herbst- und Wintermonaten geöffnet sind.

Seewartenstraße 10 (St. Pauli); hamam-hamburg.de


 

Schlemmen bei den Genuss-Touren Hamburg

 

Auf den Genuss-Touren Hamburg gibt es viele kulinarische Highlights (Foto: Jérome Gerull)

Auf den Genuss-Touren Hamburg gibt es viele kulinarische Highlights (Foto: Jérome Gerull)

Der Herbst ist da – kein Grund, sich drinnen zu verstecken. An der frischen Herbstluft lässt sich die Hamburger Gastro Szene ideal bei der Genuss-Tour Hamburg erforschen. Während der kulinarischen Entdeckungsreise durch Hamburgs Stadtteile kommen die Besucher in den Genuss der leckersten Pizza, des besten Burgers oder der gemütlichsten Bar.

Die Tourguides haben außerdem immer jede Menge Insidertipps parat. In Kooperation mit Urban Gurus werden alle Teilnehmenden dazu eingeladen, Hamburg kulinarisch zu entdecken und satt und zufrieden zurückzukehren. Gebucht werden können die Touren in vielen verschiedenen Vierteln wie Speicherstadt und Hafencity oder Altona und Ottensen.

genusstouren-hamburg.de


 

Sterne gucken und mehr

 

Einen Blick in die Sterne gibt's im Planetarium Hamburg (Foto: Jan-Rasmus Lippels)

Einen Blick in die Sterne gibt’s im Planetarium Hamburg (Foto: Jan-Rasmus Lippels)

Draußen hängen die Wolken tief und drinnen funkeln die Sterne. Das geht nicht? Doch und zwar bestens im Planetarium Hamburg. Egal ob Geschichten für die Kleinen, Wissen für alle oder spektakuläre Shows für die Größeren, das Planetarium bietet die ganze Bandbreite. Ab dem 1. November kommen sogar noch mehr Besucher:innen in den Genuss der Shows, denn das Haus stellt auf die 2G-Regel um.

Für die Zeit vor oder nach der Show gibt es außerdem im Erdgeschoss das Café Schmidtchen im Planetarium, im Foyer die Ausstellung „Mensch, Kosmos!“ mit Bildern des Hubble-Teleskops und ganz oben die fast schon legendäre Aussichtsplattform. Für alle mit Tickets zu einer Veranstaltung ist die Plattform im Preis enthalten, alle anderen Zahlen ein bis zwei Euro für einen der schönsten Blicke über die Stadt.

Linnering 1 im Stadtpark (Winterhude); planetarium-hamburg.de


 

Kunst, Kunst, Kunst

 

TOYEN: Die neue Welt der Liebenden; (Foto: VG Bild-Kunst, Bonn 2021/Katrin Backes, Sylvain Tanquerel)

TOYEN: Die neue Welt der Liebenden; (Foto: VG Bild-Kunst, Bonn 2021/Katrin Backes, Sylvain Tanquerel)

Über 80 Museen gibt es in Hamburg, dazu kommen unzählige Galerien und Pop-up-Räume, es spricht also nichts dagegen, den Herbst ins Zeichen der Kunst zu stellen. Sei es die aktuelle Toyen-Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle, die hochgelobte Ausstellung „Tom Sachs Space Program: Rare Earths“ in den Deichtorhallen (noch bis zum 10. April 2022) oder die wechselnden Ausstellungen im KuBaSta im Münzviertel.

Aktuell untersuchen Student:innen der HAW das menschliche Verhältnis zu Landschaft und Naturdarstellungen im Lichte der globalen Umweltveränderungen zeichnerisch in der Ausstellung „Landschaft als Metapher“. Los geht es im KuBaSta am 15. Oktober mit einer Vernissage, vom 16. bis zum 28. Oktober ist täglich von 18 bis 21 Uhr geöffnet.

KuBaSta Repsoldstraße 45 (Hammerbrook); xpon-art.de


 

Raus ins Laub

 

Damwild, einfach schöne Tiere im Niendorfer Gehege (Foto: unsplash/Zhengyu Lyu)

Damwild, einfach schöne Tiere im Niendorfer Gehege (Foto: unsplash/Zhengyu Lyu)

Spaziergänge im Sommer, das können alle. Aber es gibt fast nichts schöneres als ein Spaziergang an einem Herbstmorgen, wenn der Tau noch über der Wiese liegt und der Morgennebel die Sonne in ein leicht milchiges Licht taucht.

Egal ob Damwild im Niendorfer Gehege beobachten, Galloway Rinder im Höltigbaum oder Heidschnucken in der Fischbeker Heide, neben der morgendlichen Frische gibt es in den Parks und Naturschutzgebiet in und um die Stadt herum noch viel mehr zu entdecken. Die Loki-Schmidt-Stiftung und die einzelnen Parks bieten darüber hinaus auch noch Führungen und Workshops an.


 

Herbstzeit ist Apfelzeit

 

Äpfel gibt es in Hamburg regional und saisonal immer im Herbst (Foto: unsplash/Matheus Cenali)

Äpfel gibt es in Hamburg regional und saisonal immer im Herbst (Foto: unsplash/Matheus Cenali)

Mittagspause, der Körper verlangt nach Vitaminen, da kommt der frische Apfel gerade recht. Noch besser ist er, wenn er nicht nur frisch, sondern auch selbst gepflückt ist. Und wie es die Natur will, hat Hamburg das größte zusammenhängende Obstanbaugebiet Deutschlands direkt vor der Tür. Im Alten Land ist aktuell noch Zeit für die Apfelernte und auf Höfen wie dem Herzapfelhof Lühs kurz vor Jork kann man täglich selbst zum Pflücken vorbei kommen. Noch bis Ende Oktober 2021 hängen hier Sorten wie Jonagold oder Topaz an den Bäumen. Zum Pflücken braucht man eine Pflückkarte, die man bei der Anmeldung vor Ort bekommt.

Wer es nicht schafft, ins Alte Land zu fahren und trotzdem alte und regionale Apfelsorten probieren will, die zum Teil auch für Allergiker:innen in Frage kommen, der geht am besten zu Judith Bernhard und Eckart Brandt vom Boomgarden Projekt. Sie stehen mit ihrem Verkaufsstand noch bis zum 15. November immer montags von 12 bis 16 Uhr auf dem Burchardplatz vor dem Chilehaus.

Herzapfelhof Lühs, Osterjork 102 (Jork); herzapfelhof.de


 

Einfach Lesen

 

Herbstzeit ist Lesezeit (Foto: unsplash/Matias North)

Herbstzeit ist Lesezeit (Foto: unsplash/Matias North)

Während beim Discounter die Spekulatius schon wieder ausverkauft sind und die ersten Einzelhändler:innen sich auf Weihnachten vorbereiten, laden die Herbsttage zum Lesen ein. Am Anfang vom Lesen steht immer noch das Buch und Buchläden gibt es in Hamburg reichlich: Von den großen Buchhandlungen bis zu den kleinen Lieblingsläden um die Ecke wie die Buchhandlung Ulrich Hoffmann in Barmbek oder der Buchladen Osterstraße in Eimsbüttel. Hier gibt es beste Beratung auf dem Weg zum neuen Lieblingsbuch.

Doch wer noch mehr bedarf hat, der kann sich vom 2. bis 6. November 2021 auf Kampnagel in die Welt der Krimi-Ligatur entführen lassen. Beim 14. Hamburger Krimifestival warten rund 40 Autor:innen, darunter Nele Neuhaus oder Sebastian Fitzek, auf die Literaturfans.


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Hamburger Kunsthalle: Serien

Die Hamburger Kunsthalle zeigt noch bis zum 15. August 2021 Druckgraphiken von Warhol bis Wool

Text: Marco Arellano Gomes

 

Serien erfreuen sich großer Beliebtheit – und das nicht erst, seit Netflix diese im Bereich Film so sehr zur Blüte brachte, dass man den Film vor lauter Serien nicht mehr zu sehen vermag. Doch auch in der Kunst sind Serien ein gern genutztes Mittel, um Dinge auszudrücken, hervorzuheben und zu verdeutlichen.

Warhol Marilyn, Blatt 7; © 2019 The Andy Warhol Foundation for the visual Arts, Inc. Licensed by Artists Rights Society, New York/Foto: Christoph Irrgang

Warhol Marilyn, Blatt 7; © 2019 The Andy Warhol Foundation for the visual Arts, Inc. Licensed by Artists Rights Society, New York/Foto: Christoph Irrgang

Die Hamburger Kunsthalle hat ihren Bestand an druckgrafischen Serien durchforstet und stellt nun ihre Highlights in einer Sammlung von 50 Folgen zusammen, die von der PopArt der 1960er-Jahre bis heute reichen. Darunter sind auch Hauptwerke des Genres, wie „Campbell’s Soup“ (1968) und die „Marilyn-Porträts“ von Andy Warhol, der die serielle Wiederholung von Bildern zu seinem Markenzeichen machte. Serien sind offene Systeme, die Geschichten erzählen, indem sie mit dem Rhythmus spielen und Variationen erlauben. Das wird auch in Josef Albers’ „Hommage au Carré“ (1965) über David Hockneys Zyklus „A Rake’s Progress“ (1961–63) und Roy Lichtensteins „Haystack“ (1969) deutlich, aber auch bei modernen Beispielen, wie „Mid Sentence“ (2018) von Nina Canell. Integriert in die Ausstellung sind Filme über die unterschiedlichen Drucktechniken sowie experimentelle Druckwerkstätten und Interviews mit Künstlern und Künstlerinnen. So wird auch die Geschichte des Mediums Druckgrafik und seine Entstehung erfahrbar. Allerdings nur noch bis zum 15. August.

Serien in der Hamburg Kunsthalle, zu sehen bis zum 15.8.; hamburger-kunsthalle.de


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, August 2021. Das Magazin ist seit dem 29. Juli 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

Ausstellung: Blicke auf 150 Jahre Hamburger Kunsthalle

Ihr 150. Jubiläum feiert die Hamburger Kunsthalle mit einer Schau, die mehr als ein Rückblick ist

Text: Sabine Danek
Foto (o.): Christoph Irrgang – Hamburger Kunsthalle

 

Einst flanierte man einen Hügel zur Kunsthalle hinauf, Kutschen fuhren vorbei, die Kleider waren lang und drum herum war alles grün. Nach vielen Provisorien bekam die Kunsthalle 1869 den heutigen, zentralen Bau und ihren ersten Direktor. Doch ausgerechnet ihm gefiel der Prachtbau nicht wirklich. Der starre Historismus stand Alfred Lichtwarks Auffassung, dass ein Museum sich aus seiner Nutzung heraus ergeben solle, im Weg. Mit ihm begann nicht nur eine Ausstellungs- sondern auch eine Architekturgeschichte, die immer wieder von Auseinandersetzungen begleitet war.

 

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Gründungsbau der Hamburger Kunsthalle, vor 1889 / Foto: Hermann Priester – Hamburger Kunsthalle

 

Als 1906 ein Anbau geplant war, nutzte Lichtwark die Gelegenheit, andere europäische Ausstellungshäuser zu studieren und setzte nach vielen Querelen schlichtere Räume und hohes Seitenlicht durch. Die nächste erbitterte Diskussion folgte fast 80 Jahre später mit dem Wettbewerb für die Galerie der Gegenwart, der 1985 ausgeschrieben wurde und bei dem sich nicht einer der visionären Entwürfe, sondern der Klotz des Kölner Architekten Oswald Mathias Ungers durchsetzte, der wie eine Bastion auf den ehemaligen Wallanlagen steht und auch genauso schwer einzunehmen ist. Zu seinem abweisenden Äußeren gesellen sich steile Treppen und ein beklemmendes Untergeschoss, in dem noch am besten die klaustrophobische Retrospektive Gregor Schneiders zur Geltung kam.

 

Glanzstück der Gegenwart

 

Dass die Galerie der Gegenwart dennoch zu einem Glanzstück wurde, liegt an den Kuratorinnen, die dort seit Jahren spannende Schauen von Künstlerinnen wie Eva Hesse, Gego, Roni Horn, Geta Brătescu oder Anita Reé zeigen – und das „Warten“ in einer ikonischen Ausstellung mit überraschenden Facetten versahen.

Mit dem neuen Direktor Alexander Klar, seit August frisch im Amt, feiert die Kunsthalle jetzt ihr Jubiläum – und mit der Schau „Beständig. Kontrovers. Neu – Blicke auf 150 Jahre“. Zusammengestellt von der Leiterin der Provenienzforschung, Uta Haug, und von den jungen Kuratorinnen Shannon Ort, Andrea Völker und Lisa Schmid, will sie Schlaglichter auf die Arbeit des Museums selbst setzen – und dabei durchaus auch kritisch sein. Sie fragt nach den Aufgaben eines Museums, danach was gezeigt und eben nicht gezeigt wird, untersucht dessen Förderung und, ob es Verbindungen zum Kolonialismus gab.

Darüber hinaus sind Postkarten, Fotos und andere Erinnerungen, die Hamburger eingereicht haben, zu sehen und man kann nicht nur über einen NDR-Bericht des Kunstraubs von 1978 staunen, bei dem weder Alarmanlage noch Wächter reagierten, sondern auch über einen Film, in dem im Dämmerlicht die Gemälde der Romantiker erkundet wurden. Auf vielfältige Weise legt der Blick auf die Museumsgeschichte dabei immer auch Fährten in die Zukunft der Kunsthalle aus.

Hamburger Kunsthalle: „Beständig. Kontrovers. Neu – Blicke auf 150 Jahre“, bis 10.11.


Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, September 2019. Titelthema: Mobilität – Das bewegt die Stadt. Das Magazin ist seit dem 29. August 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich!


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