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Bahn-brechend: Hamburger Freibäder öffnen

Nach langer Corona-bedingten Schließung, öffnen ab dem 29. Mai neun Hamburger Freibäder wieder ihre Pforten. Tickets gibt’s im Vorverkauf

Text: Isabel Rauhut

 

Petrus schenkt Hamburg für das letzte Maiwochenende 19 Grad und Sonnenschein – Anlass für die Freibäder vom Bäderland ihre Türen zu öffnen! Vier Kombi-Freibäder (Finkenwerder, Bondenwald, Billstedt, das Kaifu-Bad), das Ganzjahresfreibad in Rahlstedt sowie die vier Sommerfreibäder Marienhöhe, Osdorfer Born, Neugraben und das Naturbad Stadtparksee freuen sich ab Samstag wieder auf belebte Schwimmbecken. Wann die übrigen Bäder nachziehen, steht noch nicht fest.

Ein Besuch im kühlen Nass ist – natürlich – an Maßnahmen geknüpft: Beim Einlass muss eine Impfbescheinigung oder ein offizieller Corona-Test vorgelegt werden. PCR-Tests dürfen maximal 48 Stunden alt sein, Schnelltests maximal zwölf Stunden. Der Vorverkauf für Tickets beginnt am heutigen Donnerstag um 12 Uhr.


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Endlich wieder Kunst und Kultur!

Die Hamburger Museen haben seit dem 18. Mai ihre Türen wieder geöffnet. Nach monatelanger Schließung können jetzt etliche Ausstellungen wieder besucht werden. Aus diesem Anlass präsentiert SZENE HAMBURG die Sonderaktion: „Ausgestellt“. Hier zeigen wir aktuelle Highlights ausgesuchter Museen und Kunsthäuser der Stadt.

 „Die Chance ist glücklicherweise da, neben neuen Ausstellungen auch Präsentationen zu entdecken, für deren Wahrnehmung bisher noch viel zu wenig Gelegenheit war”, so Prof. Dr. Hans-Jörg Czech, Direktor und Vorstand der Stiftung Historische Museen Hamburg. „Wir werden mit allem Engagement danach streben, dass der Besuch in unseren Einrichtungen wieder zu einem gewohnt angenehmen und zugleich sicheren Erlebnis werden kann.“

Saftey first:

  • Besucher müssen einen negativen Coronatest (PCR: nicht älter als 48 Stunden oder ein Schnelltest einer zugelassenen Testeinrichtung: nicht älter als 12 Stunden)  
  • oder einen Impfnachweis vorlegen. Kinder unter sechs Jahren sind von dieser Regelung ausgenommen.  
  • Zudem gilt die Pflicht zum Tragen einer medizinischen Maske. 
  • Um Wartezeiten zu vermeiden, bitten die Häuser um eine telefonische Anmeldung. 
  • Terminvergaben sind auch digital über die Internetseiten der Museen möglich.  
  • Die Museumsgastronomien bleiben vorerst noch geschlossen. 
  • Die Kontaktverfolgung ist sichergestellt.

Museum für Hamburgische Geschichte

Der Fotograf Max Halberstadt. “… eine künstlerisch begabte Persönlichkeit.“
bis 3. Januar 2022

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Abb: Wurststand auf dem Altonaer Fischmarkt, Max Halberstadt, undatiert, Sammlung Rosenthal, USA

Max Halberstadt (1882-1940) war in den 1920er-Jahren einer der renommiertesten Porträtfotografen Hamburgs. Seine Popularität verdankte sich nicht zuletzt den Aufnahmen seines Schwiegervaters Sigmund Freud, die zu den bis heute weltweit publizierten Porträts des Vaters der Psychoanalyse avancierten. Doch auch wenn seine Freud-Porträts fortwährende Verwendung finden, ist der Name Max Halberstadt heute leider fast vergessen – in den einschlägigen Fotografenlexika sucht man ihn vergeblich.

Nach einer vielseitigen Karriere als Porträt- und Architekturfotograf, u.a. für die Jüdische Gemeinde in Hamburg, erfuhr Max Halberstadt nach der Machtübertragung an die Nationalsozialisten im Jahr 1933 und der damit einhergehenden antisemitischen Ausgrenzungs- und Verfolgungspolitik sehr bald eine dramatische Verschlechterung seiner wirtschaftlichen und sozialen Lebenssituation. Nach dem erzwungenen Verkauf seines Ateliers emigrierte er 1936 nach Südafrika. Im Exil gelang ihm zwar die Neugründung eines Ateliers, doch war es ihm nicht vergönnt, seine Karriere auch nur annähernd erfolgreich fortzusetzen.

Max Halberstadt starb im Alter von nur 58 Jahren in Johannesburg. Die von dem Literaturwissenschaftler und Publizisten Dr. Wilfried Weinke kuratierte Ausstellung will dem Fotografen die gebührende Würdigung und den verdienten Platz in der Fotogeschichte Hamburgs verschaffen. Ein Film zur digitalen Eröffnung bietet erste Einblicke in die Ausstellung: shmh.de

Museum für Hamburgische Geschichte
Holstenwall 24, 20355 Hamburg (Neustadt)
Telefon: 040 428132100
Öffnungszeiten: Mo, Mi–Frei 10–17 Uhr, Sa–So 10–18 Uhr, Dienstag geschlossen
Eintritt: 9,50 Euro, 6 Euro ermäßigt, freier Eintritt für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren


Museum der Arbeit

Grenzenlos. Kolonialismus, Industrie und Widerstand
bis 18. Juli 2021

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Blick in die Ausstellung „Grenzenlos“ im Museum der Arbeit, Illustrationen von Diana Ejaita (Foto: SHMH)

Das Ziel der aktuellen Sonderausstellung ist es, einen Beitrag zur Debatte über den Umgang der Hansestadt Hamburg mit ihrer kolonialen Geschichte und zur Diskussion über die Folgen kolonialer Herrschaftsstrukturen für unsere globalisierte Ökonomie zu leisten. Den historischen Ausgangspunkt der Ausstellung bildet die Verarbeitung von Kautschuk, Palmöl und Kokosöl durch hamburgische Unternehmen, die unter anderem auf dem heutigen Gelände des Museums der Arbeit, der ehemaligen New-York Hamburger Gummiwaaren-Fabrik, aber auch in Harburg und Wandsbek ansässig waren.

Vor diesem Hintergrund stellt die Ausstellung dem gängigen und verharmlosenden Narrativ einer hanseatischen „Kaufmannsindustrie“ die gewaltvollen Realitäten des Kolonialismus, aber auch die Widerständigkeit der betroffenen Menschen gegenüber. Damit verbunden ist der Anspruch, einen eurozentristischen Blickwinkel auf das Thema konsequent herauszufordern und die Perspektiven der Menschen in kolonisierten Ländern sowie ihrer Nachfahren in die Ausstellung mit einzubeziehen.

Das Konzept und die Inhalte der Ausstellung wurden deshalb gemeinsam mit zivilgesellschaftlichen Expertinnen und Experten erarbeitet. Ihre Partizipation hat die Arbeit des Museumsteams um Wissensbestände und Erfahrungen ergänzt, die dort bisher noch unterrepräsentiert sind: eine intensive Beschäftigung mit der hamburgischen Kolonialgeschichte und deren Spuren in der Stadt, biographische Bezüge in die ehemalige Kolonialgebiete sowie Rassismus-Erfahrungen in einer weißen Mehrheitsgesellschaft. Zur Ausstellung wird ein umfangreiches digitales Begleitprogramm angeboten. Sämtliche Informationen dazu finden sich unter: shmh.de   

Museum der Arbeit
Wiesendamm 3, 22305 Hamburg (Barmbek-Nord)
Telefon: 040 4281330
Öffnungszeiten: Mo 10–21 Uhr, Mi–Frei 10–17 Uhr, Sa–So 10–18 Uhr, Dienstag geschlossen
Eintritt: 8,50 Euro, 5 Euro ermäßigt, freier Eintritt für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren


Jenisch Haus

Werkmeisters Welt. Ein Künstler und seine Sammlung
bis 18. Oktober 2021

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Wolfgang Werkmeister neben einem Gemälde von Benito Rebolledo Correa (Foto: Bertold Fabricius)

Wolfgang Werkmeister ist in der deutschen Gegenwartskunst in erster Linie als Meister der Radierung bekannt. In der Sonderausstellung des Jahres 2021 präsentiert das Jenisch Haus den in Altona tätigen Künstler als jahrzehntelangen Sammler. Anlässlich von Werkmeisters 80. Geburtstag wird seine umfangreiche Kunstsammlung gezeigt, in der sich zahlreiche Arbeiten befinden, die sein künstlerisches Schaffen maßgeblich inspiriert haben.

Seine Sammlung umfasst Gemälde und Grafiken aus dem 17. Jahrhundert bis heute, die mit anspruchsvollen Techniken und mit hoher gestalterischer Präzision ausgeführt wurden. Unter den Arbeiten sind Werke des Landschaftsmalers Ascan Lutteroth, des chilenischen Malers Benito Rebolledo Correa, des dänischen Künstlers Niels Simonsen und des Leipziger Grafikers Walter Zeising. Dazu gesellen sich in der Ausstellung Arbeiten von Zeitgenossen Werkmeisters wie die Grafiker Ralf Escher, Thomas Wüsten und Paul Wunderlich sowie Gemälde von Jan Peter Tripp, Michael Mau und Fritz Kreidt. Zum digitalen Atelierbesuch beim Künstler und Sammler lädt ein Film ein unter: shmh.de

Jenisch Haus
Baron-Voght-Straße 50, 22609 Hamburg (Othmarschen)
Telefon: 040 828790
Öffnungszeiten: Mo 11–18 Uhr, Mi–So 11–18 Uhr, Dienstag geschlossen
Eintritt: 7 Euro, 5 Euro ermäßigt, freier Eintritt für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren


Archäologisches Museum

„Gladiatoren – Helden des Kolosseums“
bis 17. Oktober 2021

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Sonderausstellung „Gladiatoren – Helden des Kolosseums“ im Archäologischen Museum (Foto Gallo Römisches Museum)

Wer dachte, er hätte die Ausstellung „Gladiatoren – Helden des Kolosseums“ aufgrund der vorübergehenden Schließung des Museums leider verpasst, darf sich freuen: Das Museum konnte die erfolgreiche Schau verlängern. Besucher haben nun noch bis zum 17. Oktober die Möglichkeit, sich die Ausstellung anzusehen und damit einen spannenden Einblick in die Welt der antiken römischen Kampfarenen und ihrer Helden zu erhalten. Gezeigt werden originale römische Fundstücke und spektakuläre Rekonstruktionen. Lebensgroße Figuren, Filme und interaktive Stationen lassen das Römische Reich mit den Mitteln der Gegenwart zu neuem Leben erwachen und vermitteln dabei auch Überraschendes.

Auch die Ausstellung „Harburger Geschichten: Die 50er-Jahre“ ist weiterhin zu sehen. Die Schau zeigt mehr als 50 Schwarz-Weiß-Fotografien aus den reichhaltigen Sammlungsbeständen des Museums und ermöglicht einen lebensnahen und lebendigen Blick auf die Dekade in Hamburgs Süden. Das Archäologische Museum Hamburg lädt seine digitalen Besucher außerdem ein, nochmal einen Streifzug durch die letzte Hit-Sonderausstellung „hot stuff – Archäologie des Alltags“ zu machen. Von der heimischen Couch aus lassen sich Flokati-Teppich, Motiv-Tapeten und jede Menge technische Trends der letzten Jahrzehnte nun jederzeit online genießen. Einen Überblick zu den interaktiven Online-Angeboten des Museums und die aktuellen Regelungen zum Besuch des Museums finden sich unter amh.de.

Archäologisches Museum
Museumsplatz 2, 21073 Hamburg (Harburg)
Öffnungszeiten: Di– So 10–17 Uhr, Montag geschlossen
Eintritt: 6 Euro, ermäßigt 4 Euro, bis 17 Jahre frei


Freilichtmuseum am Kiekeberg

Kultur auf dem Land

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1950er Jahre Tankstelle in der Dämmerung (Foto: FLMK)

Einmal raus aus der Stadt, eintauchen in die ländliche Kultur: Das Freilichtmuseum am Kiekeberg südlich von Hamburg im idyllischen Rosengarten – nur 30 Minuten vom Hamburger Hauptbahnhof entfernt. Vom Bauernhaus bis zur 1950er-Jahre-Tankstelle: Über 40 historische Gebäude und Gärten auf einem zwölf Hektar großen Freigelände erzählen von der Lebensweise der vergangenen 300 Jahre.

Das Museum ist einfach über die Autobahnen A7 und A 261 erreichbar, nur fünf Minuten von der Abfahrt HH-Marmstorf entfernt. Außerdem fährt der HVV-Bus 340 hält direkt vor der Tür. Reetdach-Bauernhöfe und Scheunen, Bauerngärten und vom Aussterben bedrohte Haustierrassen zeigen das Leben der Bauern seit dem 17. Jahrhundert. Auf großen Acker- und Weideflächen wachsen alte Getreide- und Gemüsesorten. Die bunte Bauern- und Blumengärten, Streuobstwiesen und Weiden ergeben ein Bild vom früheren Leben auf dem Lande. Dazu machen unter anderem Ramelsloher Blaubeine, Bunte Bentheimer Schweine und Landschafe das Freilichtmuseum zu einem lebendigen Erlebnis.

Ein besonderer Hingucker: die rot-weiße Gasolin-Tankstelle von 1955. Sie steht in der neuen „Königsberger Straße“, in der Häuser aus der Nachkriegszeit in das aufkommende Wirtschaftswunder entführen – inklusive Quelle-Fertighaus, Siedlungshaus und Geschäftszeile mit Fotoladen und Textilgeschäft. Was gibt es noch: Das Agrarium, Deutschlands einzige Themenwelt zu Landwirtschaft und Ernährung, auf über 3.000 qm, die bezaubernde Ausstellung „Spielwelten“, die Erwachsene und Kinder in die letzten 100 Jahre Spielen zurückführt, die Ausstellungen zu alten und neuen Handwerken und zur Geschichte der Metropolregion.

Das große Ferienprogramm für jedes Alter: Beim „Sommerspaß am Kiekeberg“ (3. Juli bis 22. August) gibt es tägliche Aktionen zum Mitmachen, Probieren, Experimentieren, Zuhören und Genießen. Sieben Wochen Sommerspaß ohne Anmeldung, ohne Gebühr – einfach vorbeikommen und mitmachen.

Der Museumsladen zählt zu den besten Einkaufsadressen im Norden: Hier gibt es Altbewährtes und längst Vergessenes, wertvolle handgearbeitete Dinge von hausgemachter Marmelade bis zu feinster Seife, ausgewählte Literatur über Land- und Gartenthemen, Blechspielzeug und vieles andere mehr im Jugendstil- Ambiente. Die Museumsgastronomie bezaubert mit der passenden Ländlichkeit: Im Gasthaus „Stoof Mudders Kroog“ gibt’s norddeutsche Spezialitäten und ein bisschen „neemod’schen Kraam“. Im Rösterei-Café Koffietied kredenzt das Team geröstete Kaffeespezialitäten, selbst gebackene Kuchen und ein einmaliges Ambiente. Einen Überblick zu den aktuellen Regelungen zum Besuch des Museums finden sich unter kiekeberg-museum.de

Freilichtmuseum Kiekeberg
Am Kiekeberg 1, 21224 Rosengarten (Niedersachsen)
Telefon: 040 7901760
Öffnungszeiten: Di– Fr 9–17 Uhr, Sa+So 10–18 Uhr
Eintritt: 9 Euro, bis 18 Jahre frei


Museum Kunst der Westküste

Ob auf der Insel Föhr oder von zuhause aus: Drei Ausstellungen im Museum Kunst der Westküste erleben

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Sjoerd Knibbeler, In Elements, 2014 (Foto: Lukas Spoerl)

Rund um die Uhr ist das Museum Kunst der Westküste (MKdW) auf digitalem Weg über die Website via „MKdW-3D“ begehbar. Während des virtuellen Rundgangs durch die drei aktuellen Ausstellungen lassen sich sehr viele verschiedene Programmpunkte aus Kurzfilmen und Hörstationen über Meisterwerke oder Künstler*innen anklicken. Aber das MKdW lässt sich auch vor Ort auf der schönen grünen Insel Föhr erleben.

Beginnend mit der Schau „Neue Schätze im MKdW. Von Max Liebermann bis Jochen Hein“ wird eine Auswahl bedeutender neuer Werke, die in den vergangenen fünf Jahren in die Sammlung gekommen sind, gezeigt. Die Sammlung umfasst mehr als 900 Gemälde, Ölskizzen, Grafiken, Skulpturen, Videos, Objekte und Fotoarbeiten aus der Zeit von 1830 bis zur Gegenwart. Übrigens: rund 200 davon sind neuerdings auf der Website als „Sammlung Online“ zu erforschen.

Die Ausstellung „Sjoerd Knibbeler. In Elements“ ist wiederum die erste museale Schau des niederländischen Künstlers in Deutschland. Der in Amsterdam lebende Sjoerd Knibbeler (* 1981) war mehrere Male als Artist in Residence zu Gast am MKdW und hat auf Föhr eine ganz neue Werkserie begonnen. In seinen Arbeiten befasst er sich mit der Sichtbarmachung natürlicher Erscheinungen wie Wind oder Licht. Er fängt fotografisch ein, was sich vom menschlichen Auge für gewöhnlich nicht erfassen lässt.

Seit zehn Jahren lädt das Museum Kunst der Westküste aktiv Künstler*innen als Artists in Residence nach Alkersum ein. Die Ausstellung „Made on Föhr. Fotografie aus dem Artist-in-Residence-Programm: Nicole Ahland, Elina Brotherus, Thomas Wrede“ bildet als dritte aktuelle Schau den Auftakt zu einer neuen, das Programm zukünftig begleitenden Ausstellungsreihe. Die Gruppenschau zeigt eine Auswahl von überwiegend erstmals öffentlich gezeigten Fotoarbeiten von Nicole Ahland, Elina Brotherus und Thomas Wrede.

Das Museumsrestaurant Grethjens Gasthof rundet den Besuch bestens ab. Im schönen Rosengarten lässt sich in einem Strandkorb das hausgemachte Tagesgericht oder Kaffee und Kuchen genießen. Einen Überblick zu den aktuellen Regelungen zum Besuch des Museums finden sich unter mkdw.de.

Museum der Künste
Hauptstraße 1, 25938 Alkersum/Föhr (Schleswig-Holstein)
Telefon: 04681 747400
Öffnungszeiten: Di–So 11–16 Uhr, Montag geschlossen
Eintritt: 10 Euro, ermäßigt 5 Euro, bis 18 Jahre frei


Auswanderermuseum Ballinstadt

2.500 Quadratmeter zum zeitlosen Thema Migration

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Die Statue of Liberty im Auswanderermuseum Ballinstadt (Foto: Patrick Lux)

Hamburg hat mehr Brücken als jede andere Stadt der Welt. Aber die längste und wichtigste Brücke ist die Verbindung zur Neuen Welt. Der Hafen der Stadt, der als Hafen der Träume bezeichnet wird, war die letzte Station von Millionen von Migranten, bevor sie vor allem nach Amerika reisten. Diese Reise über Hamburg führte ab 1901 auch über die Auswandererhallen der Hapag Reederei auf der Veddel, wo sich heute das Auswanderermuseum BallinStadt befindet – benannt nach Albert Ballin, einem der erfolgreichsten Geschäftsleute der Kaiserzeit. Ballin war ein echter Kosmopolit und eine der wichtigsten Persönlichkeiten der Hamburger Geschichte.

Im Auswanderermuseum folgenden die Besucher den Spuren der Auswanderer. Sie entdecken bewegende persönliche Geschichten, genealogische Aufzeichnungen und eine erlebnisreiche historische Ausstellung. Auf rund 2.500 qm erfahren die Gäste an historisch authentischem Ort in Hamburg mehr über das zeitlose Thema Migration. Neben einem wichtigen Teil der Hamburger Geschichte erleben die Besucher die Etappen der Auswanderung über die Jahrhunderte hinweg. In 14 Themenräumen erfahren sie mehr über die Migrationsgeschichte. Die Besucher können in einer erlebnisreichen und interaktiven Ausstellung in verschiedenen Auswandererbiographien stöbern, Pull- und Push-Faktoren für Migration kennenlernen und in die Bedingungen der Reise und den Herausforderungen nach der Ankunft eintauchen.

Vom 18. September bis 30. Dezember 2021 ist zudem die Sonderausstellung „BallinStadt – Hamburger Hafen deutsch-jüdischer Geschichte“ im Rahmen des Jubiläumsjahres „1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ zu sehen. Einen Überblick zu den aktuellen Regelungen zum Besuch des Museums finden sich unter ballinstadt.de

Auswanderermuseum Ballinstadt
Veddeler Bogen 2, 20539 Hamburg (Veddel)
Telefon: 040 31979160
Öffnungszeiten: Mi–So 10–16.30 Uhr, Montag und Dienstag geschlossen
Eintritt: 13 Euro, ermäßigt 11 Euro, Kinder (5-12 Jahre): 7 Euro


Deutsches Salzmuseum

Auf den Spuren Lüneburgs ruhmreicher Vergangenheit

salzmuseum

Salz ist weiß, Salz macht durstig, Salz ist geruchlos, Salz kostet nicht viel. Salz ist ein unscheinbares weißes Körnchen. Doch erst dieses Körnchen ermöglicht das Leben auf der Erde. Als eines der ältesten Kulturgüter hat es die Geschichte der Menschheit entscheidend geprägt. Grund genug, es gebührend zu zeigen! Aber warum in Lüneburg? Lüneburg ist die Salzstadt im Norden. Über 1000 Jahre lang bestimmte das Salz das Leben der Stadt. Es machte sie reich und mächtig. In der Stadt hinterließ es viele Spuren. Erst 1980 schloss das Salzwerk seine Pforten. Es war einer der ältesten Industriebetriebe Europas. Das Deutsche Salzmuseum erinnert an seine ruhmreiche Vergangenheit. Wissenswertes, Interessantes, Spannendes und auch Kurioses zum Thema Salz erfährt der Besucher auf anschauliche und gar nicht „museale“ Weise. Fühlen Sie, riechen Sie, schmecken und sehen Sie selbst! Salz kennt nicht jeder! Einen Überblick zu den aktuellen Regelungen zum Besuch des Museums finden sich unter salzmuseum.de.

Deutsches Salzmuseum
Sülfmeisterstraße 1, 21335 Lüneburg
Telefon: 04131 720 65 13
Öffnungszeiten: Di–So 10–17 Uhr, Montags geschlossen
Eintritt: 8 Euro, ermäßigt 4 Euro, bis 18 Jahre frei


Museum Lüneburg

Archäologie entdecken, Natur erkunden, Geschichte erleben

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Foto: Martin Bäuml Fotodesign

Kinder und Erwachsene gehen in sieben großzügigen Abteilungen auf eine spannende Zeitreise durch die Natur- und Kulturgeschichte der Region, von der Eiszeit bis heute. Zu sehen sind besondere Stücke wie die monumentale Kopie der Ebstorfer Weltkarte aus dem 13. Jahrhundert, die einem großen Wimmelbild gleicht und auf der man immer wieder neue Details entdeckt.

Exponate wie der sieben Meter lange Falttisch aus der herzoglichen Burg erzählen spannende Geschichten. Auch die Tierwelt der Elbtalaue und Heide kann man sich im Museum aus nächster Nähe ansehen. Wechselnde Sonderausstellungen, Vorträge, Konzerte, (Puppen-)Theater gehören zu den rund 200 Veranstaltungen jährlich und machen das Museum zu einem besonderen Ort der Begegnung für Groß und Klein. Eine Stärkung erwartet die Gäste im Museumscafé LUNA, das leckeren Kuchen und Kaffee sowie Frühstück an den Wochenenden serviert – mit vielen regionalen Zutaten. Einen Überblick zu den aktuellen Regelungen zum Besuch des Museums finden sich unter museumlueneburg.de

Museum Lüneburg
Willy-Brandt-Straße 1, 21335 Lüneburg
Telefon: 04131 7206580
Öffnungszeiten: Di+Mi+Fr 11–18 Uhr, Do 11–20 Uhr, Sa+So 10–18 Uhr, Montags geschlossen
Eintritt: 8 Euro, ermäßigt 4 Euro, bis 18 Jahre frei


Deichtorhallen Hamburg

Internationale Fotografie zum Thema Familie
bis 18. Juli

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Foto: Elinor Carucci, Three Generations, 2016

Mehr als 20 internationale fotografische Positionen greifen das Thema „Familie“ in der Ausstellung „Family Affairs – Familie in der aktuellen Fotografie“ im Haus der Photographie der Deichtorhallen Hamburg auf. Die Ausstellung zeigt aktuelle künstlerische Projekte, die sowohl die Diversität fotografischer Herangehensweisen als auch die Verschiedenartigkeit familiärer Modelle, Lebensweisen und komplexen Dynamiken sichtbar machen.

Der fotografische Blick durchbricht dabei das Alltägliche und stellt vorherrschende Normen infrage. Überkommene und neue Rollenbilder, intime Momente des Elternseins und des Älterwerdens, Überforderung und Chaos werden ebenso thematisiert wie Liebe, Halt und Verzweiflung an der eigenen Familie.

Die Gruppenausstellung „Family Affairs“ ist noch bis zum 18. Juli 2021 im Haus der Photographie zu sehen. Einen Überblick zu den aktuellen Regelungen zum Besuch des Museums finden sich unter deichtorhallen.de.

Deichtorhallen Hamburg
Deichtorstraße 1 − 2, 20095 Hamburg (St. Georg)
Telefon: 040 321030
Öffnungszeiten: Di-So 11–18 Uhr, Montags geschlossen
Eintritt: 12 Euro, ermäßigt 7 Euro, bis 18 Jahre frei


Internationales Maritimes Museum Hamburg

Eine spannende Reise durch Hamburgs ältesten Kaispeicher

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Schon die Lage ist Programm – genau an der Grenze zwischen dem UNESO Welterbe Hamburger Speicherstadt und der modernen HafenCity lädt das Internationale Maritime Museum Hamburg zur Reise durch 3.000 Jahre Menschheits- und Schifffahrtsgeschichte. Im historischen Kaispeicher B, dem ältesten noch erhaltenen Speichergebäude Hamburgs, hält die weltweit größte maritime Privatsammlung auf neun Stockwerken – im Museum Decks genannt – viele einmalige Schätze bereit.

Im Mittelpunkt stehen natürlich die Schiffsmodelle. Von ihnen gibt es rund 1.000 große und 50.000 Miniaturmodelle aus aller Welt. Zu den Highlights zählt die „Santa Maria“ aus purem Gold, das Flaggschiff, mit dem Christopher Columbus 1492 Amerika entdeckte. Und die meterlangen Werftmodelle begeistern mit ihrer Detailtreue die großen und kleinen Schifffahrtfans gleichermaßen.

Neben dem Ausflug in die große maritime Welt steht natürlich der „Heimathafen Hamburg“ immer wieder im Fokus. Noch bis Ende August läuft die Sonderausstellung „Die Howaldtswerke in der Zeit des Wirtschaftswunders 1953 – 1967“. Die Fotoausstellung gibt recht ungewöhnliche und überraschende Einblicke in den Werftalltag. Anfang November präsentiert das Maritime Museum dann eine große Sonderausstellung anlässlich des 150jährigen Jubiläums der Reederei Hamburg Süd.

Außer den Sonderausstellungen machen zahlreiche Führungen,  Familienveranstaltungen sowie ein professioneller Schiffsführungssimulator das Museum abwechslungsreich und lebendig. Schifffahrtsbegeisterte Besucher aus aller Welt sind der beste Beweis. Einen Überblick zu den aktuellen Regelungen zum Besuch des Museums finden sich unter imm-hamburg.de

Internationales Maritimes Museum Hamburg
Koreastraße 1, 20457 Hamburg
Telefon: 040 300 92 30 0
Öffnungszeiten: täglich 10–18 Uhr
Eintritt: 15 Euro, ermäßigt 11 Euro


Museum am Rothenbaum

Kulturen und Künste der Welt
bis 31. Dezember/ 7. November

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Foto: Paul Schimweg / MARKK

Mit der neuen Ausstellung „Hey Hamburg, kennst Du Duala Manga Bell?“ greift das MARKK  die Themen Rassismus, Kolonialismus und Erinnerungskultur für junge Besucher:innen und Familien auf. Erzählt werden die Lebensgeschichten der kamerunischen Königsfamilie Duala Manga Bell und die Auswirkungen des Kolonialismus auf persönliche Lebenswege, Familien und Gesellschaft sowie die Dynamiken von internationalen Widerstandsnetzwerken. In Kooperation mit Prinzessin Marilyn Douala Manga Bell, Urenkelin von Rudolf Duala Manga Bell, entstand diese experimentelle Ausstellung. Sie erzählt die tragische, aber wahre Geschichte von Rudolf Duala Manga Bell und seinen Mitstreiter*innen Rudolf Ngoso Din und Maria Mandessi Bell und deren friedlichen Widerstand gegen die Gier der Kolonialherren und Kaufleute. Die Skrupellosigkeit, mit der diese ihre eigenen Regeln brechen, wird Rudolf Duala Manga Bell zum Verhängnis. Bis zuletzt glaubten sie an die Gleichheit aller Menschen und wehrten sich gegen die Enteignungspläne der Deutschen.

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die Graphic Novel „Die Vergangenheit ist ein Weg“ des nigerianischen Künstlers Karo Akpokiere. Darüber hinaus werden historische Archiv- und Fotobestände, zeitgenössische Kunstwerke, Objekte der Duala-Sammlung des MARKK und herausragende Leihgaben anderer Museen zusammengebracht. Eine Ausstellung von großer Relevanz: Denn die Geschichte ist nicht zu Ende. Menschen kämpfen weiter für ihre Rechte und eine neue Beziehung mit der Welt.

Prachtvolle Stoffe und Ikatwebereien aus Seide, Tee und „Wilde Äpfel“ fanden über die mythenumwobenen, oft romantisierten Handelsrouten der Steppen und Seidenstraßen ihren Weg nach Europa. Heute sind die Transport- und Handelsverbindungen unter anderen Vorzeichen von Interesse. Großangelegte Infrastrukturprojekte prägen die asiatischen Regionen der Steppen und Seidenstraßen und fördern nicht nur Staub, sondern auch Rohstoffe wie Kohle und Gold an die Oberfläche.

Ausstellungsstücke aus verschiedenen Museumssammlungen sind in einer weiteren Ausstellung im MARKK, „Steppen & Seidenstraße“, Zeugnisse der historischen Verbindungen und des Austauschs zwischen Ost und West und spiegeln die Interessen der Reisenden, die sie nach Europa gebracht haben. Eindrucksvolle Film und Fotoaufnahmen, Interviews und Reisenotizen aus aktueller Forschung setzen die historischen Betrachtungen und Themen in Beziehung zu heutigen Fragestellungen und Lebenswelten.

In dieser Verbindung aktueller Perspektiven mit historischem Material – ethnografischen sowie archäologischen Objekten und alten Fotografien – sowie zeitgenössischen Kunstwerken werden überraschende und kaum beachtete Geschichten erzählt. Die als begehbare imaginäre Karte gestaltete Ausstellung lädt Besucher*innen ein, Wege und Bewegungen zwischen Ost und West nachzuvollziehen und neue Verbindungen zwischen Themen und Orten herzustellen. Einen Überblick zu den aktuellen Regelungen zum Besuch des Museums finden sich unter markk-hamburg.de.

Museum am Rothenbaum
Rothenbaumchaussee 64, 20148 Hamburg (Harvestehude)
Telefon: 040 42 88 79 0
Öffnungszeiten: Di-So 10–18 Uhr, Do bis 21 Uhr, Montags geschlossen
Eintritt: 8,50 Euro, ermäßigt 4,50 Euro


Dialoghaus Hamburg

Einmal die Welt wechseln

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Im bekanntesten Erlebnis des Dialoghaus Hamburg sind die blinden Gastgeber die „Sehenden“. Sie führen die Teilnehmer in kleinen Gruppen mit maximal 8 Personen durch den lichtlosen Ausstellungsparcours. Ausgestattet mit einem Langstock entdeckt man hier eine scheinbar gewohnte Welt neu. Man hört, fühlt, und orientiert sich in nicht-visuellen Alltagssituationen: bei einem Spaziergang durch einen Park oder dem Überqueren einer Straßenkreuzung in einer Stadt. Nun möchten wir noch nicht zu viel verraten, aber die Gastgeber sorgen dafür, dass man sich in diesem ungewohnten Szenario sehr wohlfühlt. Die Tour endet in der Dunkel-Bar. Bei einem Getränk kommt man ins Gespräch. Viele Fragen tauchen während der Tour auf, die die Guides an dieser Stelle beantworten werden. Mit diesem Austausch klingt dieses ungewöhnliche Erlebnis nach 60 Minuten aus und man betritt langsam wieder das Licht des Foyers.

Ich schmecke was, was Du nicht siehst!

Das Dinner in the Dark ist mindestens genauso bekannt wie die Ausstellung und es wird oft versucht zu kopieren. Im Dialoghaus gibt es das Original DINNER IN THE DARK zu erleben! Bei diesem Dunkel-Erlebnis steht nicht einfach nur ausgewähltes und erstklassiges Essen auf der Karte. Es ist vielmehr eine außergewöhnliche Erfahrung, die voll und ganz aufs Sehen verzichtet – und dadurch andere Sinne wie Riechen, Fühlen und vor allem Schmecken noch intensiver anregt. Das Dinner ist für jeden Teilnehmer eine ganz besondere und intensive Erfahrung und ein unvergessliches Geschmackserlebnis.

Das besondere Geburtstags-Event für kleine Geburtstagkinder

Im Dunkeln lässt sich gut munkeln, das wusste man schon in Kindheitstagen, deshalb feiern Geburtstagskinder und Ihre Gäste hier ihre ganz eigene Tour! Ausgestattet mit einem Langstock und geführt von einem sehbehinderten Guide entdeckt die kleine Geburtstags Gang eine neue Welt. Der Klangraum und einige kleine Herausforderungen sind die Überraschungen, auf die sich Alle freuen können. So ein außergewöhnlicher Geburtstag bleibt auf jeden Fall in guter Erinnerung, weil er einfach mal ganz anders gefeiert wurde. Am Ende der Geburtstagstour gibt es noch ein kleines Geschenk für das Geburtstagskind! In Kürze im Ticketshop buchbar. Derzeit auf Anfrage info@dialog-im-dunkeln.de 

Dialog im Stillen – Die beeindruckende Welt der Gehörlosenkultur

Mit den Händen sprechen und den Augen hören? Geht das. Na klar! Mit schalldichten Kopfhörern ausgestattet erlebt man hier die Welt der Menschen, die nichts oder wenig hören können. Gehörlose Guides führen die Teilnehmer durch mehrere Erlebnisstationen mit sehr lebendiger Kommunikation. Das Erlebnis im Stillen ist ein sehr lebhafter und ausdrucksstarker Austausch in nonverbaler Kommunikation – mit den Experten in Körper- und Gebärdensprache.

Man kann dort die Kraft und Eleganz der Gebärden lieben lernen. Wenn man sich auf den Kontakt zwischen der Welt der Hörenden und der Gehörlosen einlässt und in sie eintaucht werden Berührungsängste abgebaut. Diese Erfahrung gibt einem die Möglichkeit mutiger, toleranter und offener zu werden.

Einen Überblick zu den aktuellen Regelungen zum Besuch des Museums finden sich unter dialog-in-hamburg.de

Dialoghaus Hamburg
Alter Wandrahm 4, 20457 Hamburg (HafenCity)
Telefon: 040 3096340
Öffnungszeiten:Fr-So 9:30–16 Uhr, Sa 12–18:30 Uhr, Mo-Do geschlossen
Eintritt: 13,50 Euro


Rindermarkthalle St. Pauli

Dauerausstellung zeigt die Geschichte der Rindermarkthalle, des Schlachthofes und der sie umgebenden Viertel

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Wussten Sie, dass bis Ende der dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts am U-Bahnhof Feldstrasse eine pittoreske Windmühle stand? Oder, dass vom Heiligengeistfeld bis zum Bahnhof Sternschanze einstmals eine Bahnlinie verlief, und an der Rindermarkthalle die Rinder und Schweine die Feldstraße mittels eines Trifttunnels unterquerten? Oder, dass die am 16. Juni 1951 eröffnete Rindermarkthalle als größte freitragende Hallenkonstruktion in Europa galt? Anlässlich der Fertigstellung der Rindermarkthalle vor jetzt genau 70 Jahren zeigt ab dem 4. Juni eine Dauerausstellung Geschichte und Geschichten der Halle und des ehemaligen Schlachthofes. Zu finden ist die in einer Koproduktion vom St. Pauli Archiv und dem Schaff Verlag entstandene öffentliche Ausstellung im Seiteneingang der Rindermarkthalle St. Pauli (neben dem Restaurant Marktkönig).

„Die Rindermarkthalle und der Schlachthof haben den Charakter des Schanzen- und des Karoviertels entscheidend geprägt. Wer die Viertel wirklich verstehen will, sollte den Zusammenhang zwischen Leben und Arbeiten einmal im historischen Kontext erlebt haben. Die Geschichte der Menschen und der Gebäude ist so toll, dass wir sie unbedingt erzählen wollten“, erklärt Martin Bo Ahlers, Centermanager der Rindermarkthalle. Finanziell ermöglicht wurde das Projekt von der Edeka Nord.

Die Ausstellungsmacher:innen: „Rund um Schlachthof und Rindermarkthalle siedelten sich Lokale an. Seit 1904 gibt es schon die Schlachterbörse, die früher übrigens „Zum gemütlichen Schlachterheim“ hieß. Erikas Eck ist das einzig erhalten gebliebene Frühlokal. Hier geht man seit jeher nach der Spät und Nachtschicht hin, um sich zu stärken. Diese Tradition wurde weitergeführt, und neben den alten Lokalen sind im Schanzen- und Karolinenviertel zahlreiche neue hinzugekommen.

Die Veränderung des gesamten Areals hat viel Leben in die ehemaligen Industriedenkmäler gebracht. Das sorgt aber bis heute auch für soziale Kontroversen. Uns ist wichtig, in dieser Ausstellung auch die Schattenseiten der Umwandlung zu thematisieren.“ Mehr Informationen gibt es im St. Pauli Archiv.

Über die Rindermarkthalle St. Pauli

Umgeben vom Schanzen- und Karoviertel bietet die 12.500 Quadratmeter große Rindermarkthalle St. Pauli eine aufregende Reise durch die nationale- und internationale Küche. Getreu dem Claim „Hier schmeckt das Leben“, gibt es über 30 individuelle Konzepte rund um das Thema Genuss und Frische mit Läden wie „Brot und Stulle“, der Confiserie Paulsen, der Fleischmanufaktur „Metzgers“ oder dem Zero Waste Laden „Stückgut“.

Neben einem BUDNI, ALDI und der Bio Company, befindet sich im Erdgeschoss der historischen Halle Hamburgs größtes EDEKA Frischecenter, das auf seinen 4.500 Quadratmetern neben regionalen Produkten über 3.000 internationale Produkte, eine Getränkeabteilung mit über 50 Sorten Craft-Beer sowie eine besonders große Auswahl an veganen und glutenfreien Produkten präsentiert.

Zusätzlich zu vielfältiger Kulinarik finden die wöchentlich rund 70.000 Besucher hier auch Handcrafted Design oder Hamburgensien wie den Troyer oder echte Fischerhemden. Daneben locken jährlich wiederkehrende innovative Events wie die Fahrradmesse Kunst- und Antikflohmarkt, der Festland Designmarkt oder der „Wintergarten St. Pauli“.

Rindermarkthalle St. Pauli
Neuer Kamp 31, 20359 Hamburg (St. Pauli)
Telefon: 040 3096340
Öffnungszeiten:Mo-Sa 10–20 Uhr, So geschlossen


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Smudo: „Luca ist ein Ausstiegsszenario“

Die App „Luca“ soll dabei helfen, die Gesundheitsämter zu entlasten und das gesellschaftliche Leben zu normalisieren. Wie das geht, erklärt Smudo von Die Fantastischen Vier. Sie gehören neben dem Berliner Start-up Nexenio, einer Ausgründung des Hasso-Plattner-Instituts, sowie weiteren Kulturschaffenden zum Team hinter Luca

Interview: Anna Meinke & Erik Brandt-Höge

 

SZENE HAMBURG: Smudo, in welcher Phase der Pandemie habt ihr angefangen, euch mit dem Entwickeln einer App wie Luca zu befassen?

Smudo: Wir wollten im vergangenen Jahr auf die größte Tour unserer Karriere gehen: „30 Jahre Die Fantastischen Vier“ – und dann kam Corona. Auf der Suche nach Möglichkeiten, unsere Konzerte spielen zu können, sind wir zu Hobby-Epidemiologen und Netzwerkern geworden. Unter anderem haben wir das Berliner Start-up Nexenio kennengelernt.

Nexenio haben im September 2020 an einem digitalen Dokumentations-Pflicht-Tool gearbeitet, wobei schnell klar wurde, dass der Bottleneck des Ganzen die Gesundheitsämter sind. Die Dokumentation ist zwar wichtig, aber eigentlich muss es ein Quellcluster-Backtracing geben. Am Ende der Arbeit stand ein System, das meines Wissens nach weltweit als Erstes kann: Luca.

Wie funktioniert die Daten­ eingabe bei Luca?

Bei Luca gibt man seine Daten ein, wird verifiziert und bekommt eine SMS zurück. Luca generiert minütlich wechselnde QR-Codes. Dann kann man ins Taxi steigen, ins Restaurant gehen, überall hin, und meldet sich immer wieder an und ab. Dabei werden weder ein Bewegungsprofil, noch Geodaten hinterlassen. Die eigenen Daten bleiben mit einem Public und einem Secret Key gesichert auf dem Telefon.

Es entsteht also eine geschützte Historie, quasi ein Kontakte-Tagebuch. Und beim Gastgeber liegen die Check-in- und Check-out-Daten, ebenfalls geschützt mit einem Public und einem Secret Key. Auch das Gesundheitsamt hat einen Public und einen Secret Key und kann diese nutzen, wenn der Luca-User es denn möchte.

 

Direkte Daten

 

Was passiert, sollte ein User krank werden?

Das Gesundheitsamt wird über einen positiven Test informiert und ruft in der Folge dann den Erkrankten an: „Sind Sie bei Luca und wollen Sie die Historie freischalten?“ Man willigt ein, übermittelt, und die Daten gehen direkt – zum Beispiel über Sormas – ins Amt. Das Gesundheitsamt kann dann die Gastgeber anfragen und alle anderen zeitmäßig relevanten Luca-User bekommen es mitgeteilt, sind also im Loop, ohne selbst irgendetwas angegeben zu haben.

Und das ist nur ein Vorteil von Luca. Es hat sich ja herausgestellt, dass von zehn Leuten nur einer so infektiös ist, dass er andere anstecken kann. Und es wäre doch schön, wenn man diesen einen finden würde, weil der ja symptomfrei herumlaufen und ganz viele andere anstecken kann. Das sogenannte Quellcluster- Tracing. Auch das geht mit Luca.

Nämlich wie?

Sagen wir, man geht ins Restaurant, und später stellt sich heraus, dass man krank ist. Die Historie geht dann ans Gesundheitsamt. Nun war ein Geschäftsmann aus Frankfurt in Hamburg, lässt sich zu Hause testen und ist positiv. Die Historie zeigt, dass der Frankfurter mit dem Hamburger zur selben Zeit im gleichen Restaurant saß. Vermutlich ist einer von den beiden der Superspreader, denn sie haben uns aller Wahrscheinlichkeit nach dort angesteckt.

Jetzt steigt die Wahrscheinlichkeit, dass noch mehr Leute in diesem Restaurant infiziert sind um das Einhundertfache. Durch Luca wüssten das die Betroffenen sofort, könnten Leute in Quarantäne schicken und der Infektionsherd wäre eingehegt. Das ist einmalig und funktioniert natürlich, nur wenn Frankfurt und Hamburg beide Luca nutzen würden.

 

„Wir haben den direkten Draht zum Gesundheitsamt und zurück“

 

Wie stellst du dir eine Welt mit Luca vor?

Man fährt mit der Bahn, scannt QR-Code, piept, ist bei der Oma, piept dort, piept auch im Restaurant, und wenn man zu den Fantas geht, lässt man sich vorher testen. Positiv? Dann wird das in die App geschrieben, und alle wissen Bescheid: die U-Bahn-Fahrer, die Oma, die Restaurantbesucher. Und man kriegt sein Geld zurück, weil man nicht zum Konzert kann – bei dem dank Luca übrigens nicht nur 500, sondern 3.500 Leute sein dürfen.

Für diejenigen, die Luca noch nicht downgeloaded haben: Wie würde dein Werbeslogan lauten?

„Wir sind Gesundheitsamt!“ (lacht) Weil wir den direkten Draht dorthin und zurück haben. Wenn ich Leuten erkläre, warum wir während einer Pandemie ein Tracing wie dieses benötigen, ziehe ich auch gerne folgendes Bild heran: Wenn eine Flut kommt, das Wasser über die Ufer tritt und die Menschen sowie die Wirtschaft bedroht, steht der Politiker genauso auf dem Acker wie die Putzkraft und der Fernfahrer. Alle krempeln die Ärmel hoch und schmeißen Sandsäcke. Luca ist jetzt auch ein Sandsack, darauf können sich alle verständigen.

Macht dieser „Sandsack“ die Corona­Warn­App nichtig?

Ich glaube an einen Mix aus Impfgeschehen, Hygienemaßnahmen, Testen sowie Corona-Warn-App und Luca. Wenn all das gleichermaßen am Start ist, kann die Pandemie in den Hintergrund gedrängt werden.

Glaubst du auch, dass wenn es Luca bereits vor einem Jahr, also zu Beginn der Pandemie gegeben hätte, uns vieles erspart geblieben wäre?

Luca wäre zu Beginn wahrscheinlich nur ein weiteres Doku-Pflicht-Digi-Tool gewesen, mit dem wir auch in den Lockdown geraten wären. Es gab damals einfach noch so viel zu lernen, sodass Luca nicht den Unterschied gemacht hätte, den das System jetzt hoffentlich macht. Wir sind fest davon überzeugt, dass Luca ein Ausstiegsszenario sein kann.

Werdet ihr von Bund und Ländern unterstützt?

Dort, wo die App schon läuft, etwa in Thüringen, übernimmt die Infrastruktur natürlich das Land. Wir arbeiten seit drei Monaten auch eng mit dem Bundesgesundheitsamt zusammen, das Mittel dafür bereitgestellt hat. Und wir sind mit zweihundert Gesundheitsämtern im Gespräch. Also: Zuletzt gab es innerhalb von nur einer Woche eine Million Luca-Downloads und über 12.000 registrierte Betriebe.

luca-app.de


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, April 2021. Das Magazin ist seit dem 27. MÄRZ 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Prof. Dr. med. Andreas Plettenberg über Corona-Impfungen

Prof. Dr. med. Andreas Plettenberg ist Geschäftsführer und ärztlicher Leiter des ifi-Instituts für interdisziplinäre Medizin. Neben der Betreuung seiner Patienten organisiert und moderiert er Kongresse, publiziert Fachbücher, hat an diversen infektiologischen Leitlinien mitgearbeitet und Therapie-Apps für Infektionskrankheiten entwickelt. Ein Expertengespräch

Interview: Markus Gölzer

 

SZENE HAMBURG: Prof. Dr. med. Andreas Plettenberg, sind Sie schon geimpft?

Prof. Dr. med. Andreas Plettenberg: Nein, leider noch nicht.

Was wäre der Impfstoff der Wahl?

Wahrscheinlich würde ich den Impfstoff von Astra-Zeneca erhalten, weil ich noch unter 65 bin. Wäre ich über 65, würde ich den Impfstoff von Biontech oder Moderna bekommen. Dies hängt allerdings auch von anderen Faktoren wie der Verfügbarkeit oder von Organisationsfragen ab.

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„Hamburg hat es bisher gut gemacht“: Prof. Dr. med. Plettenberg

Gibt es bessere und schlechtere Corona-Impfstoffe?

Alle Impfstoffe sind gut, wobei sie Unterschiede aufweisen. Diese betreffen die Herstellungsweise, die Wirksamkeit, die Nebenwirkungen, die Lagerung, die Impfintervalle und auch die Datenlage der Zulassungsstudien.

In Deutschland sind derzeit zwei sogenannte mRNA-Impfstoffe zugelassen, von Biontech und Moderna. Darüber hinaus ein Vektorimpfstoff, von AstraZeneca. Da die Zulassungsstudien unterschiedlich angelegt waren, sind die Ergebnisse nicht eins zu eins vergleichbar.

Der Impfstoff von Astra-Zeneca ist weniger wirksam und wird bei uns nur bei Personen unter 65 angewendet. Er scheint auch bei der süd-afrikanischen Variante weniger wirksam zu sein. Aber er hat auch Vorteile, zum Beispiel die einfachere Lagerung. Wichtig ist, dass möglichst viele Menschen geimpft werden. Mit welchem Impfstoff, ist dabei zweitrangig.

Gibt es einen besonders vielversprechenden Kandidaten in Erprobung?

Es sind über 150 Corona-Impfstoffe in Erprobung. Wir werden also noch viele Überraschungen erleben. Bei unseren drei bisher zugelassenen Impfstoffen sind immer zwei Impfungen erforderlich. Unter den vielen Kandidaten befindet sich zum Beispiel einer, von Johnson & Johnson, bei dem eine einmalige Impfung ausreichen soll. Es gibt aber daneben auch viele andere interessante Kandidaten.

 

„Viel zu Impfungen geforscht“


War von Anfang an klar, dass man einen Impfstoff findet oder gab es Befürchtungen, dass man nicht impfen kann wie bei HIV?

Für mich war dies nicht von Anfang an klar. Vor allem nicht, dass in so kurzer Zeit so viele Impfstoffe gefunden werden. Ich hatte dabei schon das Beispiel von HIV vor Augen, wo mittlerweile mehr als 20 Jahre nach einem Impfstoff gesucht wird und trotzdem kein wirklich geeigneter verfügbar ist.

Früher dauerte die Entwicklung eines Impfstoffs Jahrzehnte. Warum ging es diesmal so schnell?

Dafür gibt es mehrere Gründe. Zunächst einmal wurde während der letzten zehn Jahre sehr viel zu Impfungen geforscht, unter anderem auch speziell zu Corona-Impfungen, zum Beispiel gegen MERS. Darauf konnte aufgebaut werden. Alle Nationen sind betroffen. Dementsprechend haben sich sehr viele Forschungsgruppen damit beschäftigt und es hat dabei viele internationale Kooperationen gegeben.

Ein wichtiger Punkt ist auch, dass wir uns aktuell mitten in einer Pandemie befinden, also sehr viele Infektionen haben. Um schnell aussagekräftige Daten zu haben, braucht man genau das: viele Probanden und viele Infektionen. Das Zulassungsprozedere durch die Behörden geschah außergewöhnlich schnell und die Finanzen spielen im Vergleich zu anderen Studien eher eine untergeordnete Rolle. All dies zusammen hat dazu geführt, dass so schnell Impfstoffe verfügbar sind.

 

„Den Mutanten kommt eine besondere Bedeutung zu“

 

Kann man Langzeitschäden ausschließen?

Es liegt in der Natur der Sache, je schneller die Impfstoffe zur Zulassung gebracht werden, umso weniger Daten zu Nebenwirkungen liegen vor. Insbesondere mögliche Langzeitnebenwirkungen können noch gar nicht bekannt sein. Wichtig dabei ist, dass die Probanden, die an den Studien teilgenommen haben, anschließend über Jahre nachbeobachtet werden. Das Wissen um Nebenwirkungen wächst also ständig.

Das Entscheidende für mich ist, dass unter dem Strich die positiven Effekte einer Impfung mögliche negative Effekten überwiegen.

Es gibt jede Menge Impfmythen: Gefahr für Allergiker, mRNA-Impfstoffe verändern die DNA, Impfungen sind toxisch. Was ist da dran, womit muss dringend aufgeräumt werden?

Dazu könnte ich ganz viel sagen, wobei wohl Zeit und Platz in ihrer Zeitschrift fehlt. Um es kurz zu sagen: Es gibt jede Menge Fehlinformationen im Netz.

Welche Rolle spielen Mutationen?

Den Mutationen kommt in der Tat eine besondere Bedeutung zu. Mutationen der Viren können dazu führen, dass sich die Eigenschaften der Viren ändern und dass Impfstoffe weniger wirksam werden. Aber, auf der anderen Seite, können Impfstoffe auch entsprechend angepasst werden.

Was würden Sie Impfgegnern gern mal sagen?

Es sind schon so viel Menschen auf der Welt an Corona verstorben, dass allein dadurch viele Argumente der Coronaverleugner und Impfgegner widerlegt sind. Wir können die Pandemie nur besiegen, wenn wir lernen und unser Wissen gezielt einsetzen. Vor allem ist dabei Verstand und Objektivität gefordert. Emotionen aus dem Bauch heraus verhindern den klaren Blick dafür, was erforderlich ist und helfen kann.

Warum gibt es bei Masern eine Impfpflicht, bei Corona nicht?

Bei Masern ist die Situation eine andere, die Infektion gibt es schon ganz lange und ebenso die Impfstoffe. Und es gibt bei Masern auch keinen generellen Impfzwang, sondern nur für bestimmte Gruppen. Für Corona hat Bundesgesundheitsminister Spahn eine Impfpflicht ausgeschlossen. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass es dazu noch erneut zu Diskussionen kommen wird, zum Beispiel zu einer Impfpflicht für bestimmte Gruppen. Zunächst wird aber abzuwarten sein, wie viele sich überhaupt freiwillig impfen lassen.

 

Der Katalog der Reihenfolge

 

Senioren werden zuerst geimpft. Warum impft man nicht zunächst junge Menschen, die mobiler sind?

Die Senioren werden zunächst geimpft, da bei Ihnen die Infektionen viel schlimmer verlaufen und deutlich mehr daran versterben.

Welche Kriterien entscheiden, in welcher Reihenfolge geimpft wird?

Da haben viele Spezialisten zusammengewirkt und unter Berücksichtigung vieler Kriterien den Katalog der Reihenfolge festgelegt. Ich glaube, es geht in erster Linie darum, bei begrenzten Impfstoffmengen einen möglichst großen Nutzen durch die Impfungen für die Gesellschaft zu erzielen.

Warum nicht schnell viele Menschen einmalig mit geringerem Schutz impfen statt langsamer mit zwei Impfungen?

Wichtig ist vor allem, dass ein möglichst anhaltender Impfschutz erzeugt wird. Wenn dafür zwei Impfungen erforderlich sind, sollte auch zweimal geimpft werden. Anderenfalls wäre der positive Effekt der Impfungen schnell verpufft und damit ist uns nicht geholfen.

Wann wird es genügend Impfstoff für alle geben?

Ich kann leider nicht in die Zukunft sehen. Wenn alles gut läuft, sollten im Laufe des zweiten Halbjahres alle Impfwilligen in Deutschland geimpft werden können. Dies hängt aber von vielen Faktoren ab, die wir noch nicht alle überblicken.

Wird es irgendwann möglich sein, sich beim Hausarzt impfen zu lassen?

Ich gehe davon aus, dass, wenn mehr Impfstoff verfügbar ist, auch Hausärzte impfen werden. Sicher nicht alle, aber einige.

Wie denken Sie über Erleichterungen für Geimpfte?

Eine schwierige Frage, die Gegenstand kontroverser Diskussionen ist. Aktuell halte ich nichts davon. Voraussetzung für Erleichterungen müsste sein, dass ausreichend Impfstoffe für alle Impfwilligen verfügbar sind. Ansonsten würden mögliche Erleichterungen die gesellschaftliche Solidarität gefährden. Es müsste unter anderem auch geklärt sein, dass Geimpfte die Infektion nicht in nennenswertem Maße weitergeben. Ich denke, es ist für diese Diskussion einfach noch zu früh.

 

„Hamburg hat es unter dem Strich bisher gut gemacht“

 

Tragen reiche Länder wie Deutschland Sorge, dass auch ärmere Länder zu ihrer Impfung kommen?

Die Pandemie betrifft den gesamten Globus und wir werden sie nur besiegen können, wenn alle Länder an einem Strang ziehen. Insofern ist es für die reichen Länder sehr wichtig, dass auch in den ärmeren Ländern geimpft wird.

Wie ist Hamburg aufgestellt?

Es ist organisatorisch sehr schwierig, eine ganze Großstadt zu impfen. Ich finde, Hamburg hat es unter dem Strich bisher gut gemacht.

Was waren die größten Erfolge in der Impfgeschichte? Was die größten Fehlschläge?

Der größte Erfolg war für mich 1980 die Ausrottung der Pocken. Der größte Fehl- schlag? Für mich persönlich Impfungen gegen HIV, wobei unsere Einrichtung selber an vielen Studien teilgenommen hat. Trotz jahrzehntelanger intensiver Forschung steht weiterhin kein Impfstoff zur Verfügung.

Hat Sie der Siegeszug von Corona überrascht?

Nein, eigentlich nicht. Dass irgendwann eine Pandemie mit irgendeinem Erreger auftreten wird, war schon lange zu erwarten. Meine Befürchtung war, dass dies ein Virus mit höherer Sterblichkeit sein wird, was noch um ein Vielfaches schlimmer sein könnte.

 

Ein schwieriger Job

 

Ist vorstellbar, dass mal ein Virus kommt, der ansteckend ist wie Corona und tödlich wie Ebola?

Leider ja, dies ist möglich. Ich hoffe, dass ich dies nicht erleben werde.

Wird die Pandemie jemals enden oder alljährlich wie bei der Grippe eine Corona-Saison kommen?

Das kann heute noch niemand absehen. Es ist wahr- scheinlich, dass wir in Zukunft mit diesen Viren leben müssen, wie wir auch mit anderen Coronaviren leben. Ich hoffe, dass nicht jedes Jahr neu geimpft werden muss. Dies hängt unter anderem davon ab, was bei den Mutationen noch alles passiert.

Wie finden Sie das Pandemie-Management des Gesundheitsministers?

Ein sehr schwieriger Job. Ich finde, er hat es bisher gut gemacht. Es ist immer einfach, Kritik zu üben. Es dürfte schwierig sein, es besser zu machen.

ifi-medizin.de


SZENE-März-2021 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, März 2021. Das Magazin ist seit dem 26. Februar 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Corona-Rückblick: Was bisher geschah

Zwölf Monate Corona liegen hinter uns – und damit allerhand pandemisches Stadtgeschehen. Wir fassen einmal per Fotostrecke zusammen

Texte: Marco Arellano Gomes, Ulrich Thiele, Erik Brandt-Höge
Fotos: SZENE HAMBURG

 

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April
Ab 27. April 2020 gilt: Wer in den Öffis und im Einzelhandel unterwegs ist, muss eine Maske tragen. Genauer: eine Mund-Nasenbedeckung. Seitdem hängen die Stofffetzen, die das Infektionsgeschehen eindämmen sollen, in selbst genähten Varianten in jedem Kiosk. So weit, so gut. Allerdings führte der Erlass der Gesundheitsbehörde bei einigen Bürgern zu, nun ja, eigenwilligen Interpretationen. Während sich manche auf grobgestrickte Wollschals mit münzgroßen Luftlöchern verließen, vergaßen andere einfach mal die „Nasen“ in Mund-Nasenbedeckung. Erst seit 22. Januar dieses Jahres wurde dem ein Ende bereitet, als das Tragen von medizinischen Masken Pflicht wurde.

 

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Mai
Im Mai 2020 war – wie in fast allen Monaten des Jahres – nicht nur sprichwörtlich alles neu. Trotz des Topwetters gab es keine großen Open-Air- Sausen, keine Grillerei in XXL-Runde, ja schlichtweg nichts, was mit großen Menschenansammlungen zu tun haben könnte. Immerhin: In kleinen Grüppchen und mit Abstand ließ sich die Sonne noch genießen, so wie hier an der Alster nahe des Winterhuder Fährhauses.

 

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August
Im August war eine gewisse Gelassenheit zu spüren. Erstmals war es wieder möglich, Veranstaltungen zu besuchen. Die obligatorischen Masken durften am Platz sogar abgenommen werden, wie hier bei einer Filmvorführung historischer Hamburg-Werbefilme aus den 1920er Jahren mit dem Titel „Roaring Twenties“ im überdachten, aber luftdurchlässigen Hof des Museums für Hamburgische Geschichte. Im Rückblick zeigten Abende wie dieser, wie sehr es den Menschen fehlt zusammenzukommen, um gemeinsam etwas zu erleben.

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September
„Was wir fürs Reeperbahn Festival vorbereitet haben, ist sehr vernünftig“, so RBF-Geschäftsführer Alexander Schulze im Vorfeld des Club- Festivals, das vom 16. bis 19. September stattfand – dank eines tatsächlich ziemlich ausgeklügelten Sicherheits- und Hygienekonzepts. In kurz: Weniger Besucher, die sich überall ein und auscheckten, sich die Hände desinfizierten und Abstand hielten.

 

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November
2. November: Der zweite Teil-Lockdown mit Schließungen in Gastronomie und Kultur beginnt. Clubs, die mit mühevoll erarbeiteten Sicherheits- und Hygienekonzepten im August wieder eröffnet hatten, müssen nun wieder alles runterfahren. Acht Wochen lang hatte etwa der Nochtspeicher Konzerte vor einem sitzenden Publikum von 60 Personen veranstaltet – jede Show war ausverkauft. Rentiert hat sich das nicht, doch Nochtspeicher-Chef Constantin von Twickel ging es vor allem darum, endlich wieder Kultur stattfinden zu lassen. „Das zeigt das große Interesse an Kunst und Kultur, das Vertrauen in uns und den Bedarf daran! Kultur ist lebenswichtig und Balsam für die Seele“, resümierte der Club auf seiner Facebook-Seite einen Tag vor dem erneuten Lockdown.
Andere Clubs haben gar nicht erst wiedereröffnet. Für Logo-Geschäftsführer Eberhard Gugel zum Beispiel kam es überhaupt nicht in die Tüte, Konzerte unter Pandemie-Bedingungen wieder stattfinden zu lassen. „Rock ’n’ Roll und Sitzplätze – das passt für mich nicht zusammen“, sagte er damals SZENE HAMBURG im Interview. Dank Spenden, Überbrückungshilfen und Rücklagen können Clubs wie das Logo überleben, aber wie lange noch gespendet wird und der Staat einspringt, steht in den Sternen. „Ich glaube, wenn im Laufe des nächsten Jahres kein Impfstoff gefunden wird, dass man sich von Clubkonzerten ernsthaft verabschieden muss“, sagte Gugel im November. Also, 2021: Let there be Impfstoff!

 

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Februar 2021
Plötzlich Sonne, über 15 Grad, bestes Shoppingwetter – aber es gibt keine Shoppingmöglichkeiten. Die City ist dicht. Menschenleer. Während an Nicht-Corona-Samstagen die Läden gestürmt werden, bleiben sie an diesem, Ende Februar, komplett leer. Eine Geisterstadt, möchte einer meinen, der aus einer fernen Galaxie eingeflogen kommt. Leider normal derzeit, wissen Hamburger. Der Einzelhandel muss weiterhin auf Kundschaft warten.


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Wegen Corona: Sieben große Open-Air-Festivals abgesagt

Und wieder nichts: Sieben Festivals werden wegen der andauernden Pandemie 2021 nicht stattfinden. Darunter auch das Hurricane und auch das Deichbrand Festival.

Text: Anna Meinke

 

Erneut fallen sieben große Open-Air-Festivals wegen der andauernden Corona-Pandemie und der allzu unsicheren Infektionslage in diesem Sommer aus, wie das Veranstalter-Netzwerk Eventim Live kürzlich mitteilte. So werden unter anderem „Rock am Ring” am Nürburgring, „Rock im Park” in Nürnberg, das „Hurricane Festival” in Scheeßel und dessen süddeutsches Pendant „Southside” in Neuhausen ob Eck, das „Deichbrand” bei Cuxhaven, „SonneMondSterne” bei Saalburg-Ebersdorf und das „Greenfield Festival” auf dem schweizerischen Flugplatz Interlaken 2021 nicht stattfinden. 

Bedauernswert – vor allem für Mitarbeitende, Künstler und Künstlerinnen sowie Fans, die bereits im vergangenen Sommer ohne Großveranstaltungen dieser Art auskommen mussten. Ob und wann Tickets auf 2022 umgebucht werden können, muss abgewartet werden. Einzig „Rock am Ring” und „Rock im Park” kündigten schon einen Ersatztermin im Juni 2022 an.


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Karsten Schölermann: „Konzerte können immer stattfinden“

Das Forum Veranstaltungswirtschaft will Konzerte auch während Corona möglich machen. Sechs Risikostufen sollen dabei helfen. Kurze Nachfrage bei Mit-Initiator Karsten Schölermann, Geschäftsführer des Knust

Interview: Erik Brandt-Höge

 

SZENE HAMBURG: Karsten, sechs Risikostufen sieht das „Manifest Restart“ vor, die abhängig vom Inzidenzwert bestehen. Bedeutet das: Jedes Konzert könnte stattfinden?

Karsten Schölermann: Richtig. Konzerte können immer stattfinden. Wir können sie mit Schnelltests ganz normal ausverkauft mit Publikum durchführen oder ganz und gar ohne Publikum als Stream. Dazwischen haben wir auch Lösungsvorschläge. Es geht um die richtigen Einschränkungen zur richtigen Zeit.

Im „Manifest Restart“ findet man auf die jeweilige Situation angemessene Einschränkungen. Wer viele Maßnahmen ergreift oder vorhält, darf auch mehr machen. Kurz: Förderung von Maßnahmen, statt Förderung von Stillstand. Und: Testen, testen, testen. Deutschland liegt weltweit nur im Mittelfeld bezüglich der Anzahl von Tests. Auch hier können wir mit einem sogenannten „Test & Rock“, also Schnelltests vor dem Konzertbesuch, helfen.

Welches Feedback bekommt ihr derzeit von Seiten des Senats für „Manifest Restart“?

Wir als LiveKomm (Bundes-Clubverband; Anm. d. Red.) haben das Konzept unseren Landesverbänden gegeben – und setzen nun darauf, dass diese es in ihren Bundesländern in die politische Debatte einspeisen. Hier in Hamburg gelingt das mit dem Clubkombinat Hamburg ganz gut.

 

Teil der Lösung

 

Mit den Senatoren Carsten Brosda und Andreas Dressel haben wir Empathie-begabte und gleichwohl schlaue Ansprechpartner. Ich habe den Eindruck, dass unsere Vorschläge es mühsam, aber stetig in die regionalen Verwaltungen schaffen werden.

Wir sind nicht das Problem – wir sind Teil der Lösung. Das haben wir schon letzten Sommer bewiesen, als wir in der ganzen Stadt Corona-gerechte Sitzkonzerte unter anderem auf dem Knust Lattenplatz veranstaltet haben. Es gab keine einzige nachgewiesene Infektion. Und das ist das Maß, um das es am Ende geht. Wir sind kein Treiber der Pandemie. Wir müssen die Gesellschaft wieder zurück ins Licht bekommen.


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Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

Anahit Vardanyan: Orientalische Techno-Sets aus Hamburg

Anahit Vardanyan ist Pianistin, Produzentin und Techno-DJ. Vor vier Jahren zog sie von Armenien nach Deutschland. In SZENE HAMBURG spricht sie über den aktuellen Konflikt in ihrer Heimat, unterschiedliche Musikszenen und ihren künstlerischen Werdegang

Interview: Ole Masch

 

SZENE HAMBURG: Anahit, wie kam es dazu, dass du nach Hamburg gezogen bist?

Anahit Vardanyan: Nachdem ich mein Musik-Bachelorstudium in Jerewan erfolgreich abgeschlossen hatte, wollte ich neue Wege für meine Zukunft finden. Ich bin Pianistin und in Deutschland habe ich die Möglichkeit, mich als Musikerin weiterzuentwickeln.

Leider ist es in Armenien schwieriger als Künstlerin international Fuß zu fassen. Für niemanden ist es einfach, seine Heimat zu verlassen, weit weg von Familie und Freunden. Die größte Hürde war und ist die Sehnsucht nach meinem vergangenen Leben.

Hast du noch engen Kontakt in deine alte Heimat?

Obwohl ich in Hamburg wohne, ist meine Verbindung nach Armenien noch stärker geworden. Meine Familie und mein enger Freundeskreis leben dort. Ich besuche sie so oft wie möglich und freue mich jedes Mal da zu sein. Diese kurze, aber intensive Zeit gibt mir Kraft und ist sehr wertvoll für mich.

 

Ehrlich und geradeaus

 

Seit wann legst du auf?

Seit ungefähr zweieinhalb Jahren. In Hamburg hatte ich mein Masterstudium Multimediale Komposition begonnen und anschließend kam die Leidenschaft, aufzulegen. Ich habe dort auch erste Erfahrungen mit dem Produzieren von elektronischen Klängen gemacht, entwickle mich ständig weiter und versuche, meinen einzigartigen Sound zu finden. Dadurch, dass die elektronische Musik sehr vielfältig ist, kann ich meiner Kreativität freien Lauf lassen.

Wie würdest du deinen Sound beschreiben?

Mit einem starken Drang zur Dramatik, aber immer ehrlich und geradeaus. Gefüllt mit akustischem Klavierklang, melodischen und orientalischen Elementen.

Hast du schon in Armenien aufgelegt?

Mein letzter Gig war im März 2020 in Jerewan bei der Kitchen Label Night. Ein paar Tage vor dem Lockdown. Dies war auch mein erster Auftritt in Armenien. Es war so eine besondere Atmosphäre, die mir bis heute Gänsehaut bereitet. Das armenische Publikum schenkte mir so viel Liebe und positive Energie.

Kannst du die Technoszene dort in ein paar Sätzen beschreiben?

Die elektronische Musik in Armenien entwickelt sich in großen Schritten weiter. Immer mehr DJs und Producer legen international auf und gründen eigene Labels. Ich bin sehr stolz, wenn ich deren Arbeit sehe und habe die Hoffnung, dass unsere Techno-Community wächst.

Was sind die größten Unterschiede zur deutschen Community?

Berlin als Techno-Hauptstadt prägt das ganze Land und international. Wirtschaftlich ist Deutschland mit den großen Festivals sehr weit vorne. Auch die Hamburger Szene ist eine ganz besondere. Ich hatte schon viele Gigs in den großen Clubs wie Uebel & Gefährlich, Fundbureau, Waagenbau oder Docks.

 

„Ich glaube an die Kraft und den Mut meines Landes“

 

Dass Armenien in letzter Zeit vermehrt in den Schlagzeilen stand, hatte einen ernsten Hintergrund. Kannst du die aktuelle Situation beschreiben?

Letztes Jahr erlebten wir einen Krieg um die Region Berg-Karabach. Die Nachkriegszeit ist sehr schwierig für meine Nation und es ist schmerzhaft zu sehen, wie die Bevölkerung mit den Konsequenzen umgehen muss. Aber ich glaube an die Kraft und den Mut meines Landes. Wir haben schon sehr viele schwierige Zeiten erlebt und werden auch diese Situation meistern.

Welche Auswirkungen hat der Krieg auf dich und dein Umfeld?

Natürlich ist es sehr schmerzhaft, einen Teil deines Landes zu verlieren. Einen Ort, den ich selbst sehr oft besucht habe. Das ist unsere Geschichte und ein Teil unserer Kultur. Sich davon zu verabschieden, ist nicht einfach und die Hoffnung bleibt bestehen.

Findest du die Berichterstattung in Deutschland hierzu angemessen?

Meine ehrliche Meinung dazu ist, dass Deutschland eine zu neutrale Position eingenommen hat. Insgesamt war für mich die Menge an Berichterstattung leider zu wenig. Trotzdem bin ich dankbar für Politiker, Journalisten und Künstler, die darauf aufmerksam geworden sind und ihre internationale Reichweite genutzt haben, um zu polarisieren.

Wie könnte man von Deutschland aus helfen?

Die größte Organisation, die ich empfehle, ist The Armenia Fund. 1994 in Los Angeles gegründet, steuerbefreit, nichtstaatlich und nichtpolitisch. Deren Vision ist ein globales armenisches Netzwerk aufzubauen und Entwicklung zu fördern. Und jeder Mensch, der sich mit diesem Thema auseinandersetzt und die Geschichte von Armenien versteht, ist wertvoll für unsere Zukunft.

Corona ist auch in Armenien ein Thema. Wie geht das Land damit um?

Die Maßnahmen und Beschränkungen sind ähnlich wie in Deutschland. Impfungen werden aktuell noch nicht durchgeführt. Aktuell sinkt aber die Zahl an neuen Fällen und das öffentliche Leben entwickelt sich zur Normalität.

 

Techno zu Corona

 

Du bist als Künstlerin in Deutschland besonders von den Maßnahmen betroffen. Wie hat Corona dein Leben verändert?

Es hat meinen Beruf sehr stark eingeschränkt. Von heute auf morgen wurden alle Auftritte abgesagt und es gab keine Möglichkeit, vor Publikum aufzutreten. Für eine Musikerin ist es sehr wichtig, die Verbindung mit den Menschen aufzubauen und die Musik zu teilen. Auch finanziell sind alle Einnahmen weggebrochen und ich habe lediglich ein paar Hilfen vom Staat erhalten, die von Monat zu Monat weniger wurden.

Hast du Alternativen gesucht?

Durch engagierte Eventmanager wurden großartige Projekte im Live-Stream umgesetzt. Dadurch ist die Branche weiterhin lebendig geblieben, es wurde sehr viel Herz und Fleiß investiert und durch kleine Spendenaktionen gezeigt, wie stark sie zusammengewachsen ist. Ich habe ein paar Live-Stream-Sets in Berlin, Hamburg und Jerewan gespielt.

Du kannst der Pandemie also auch Positives abgewinnen?

Ja, ich habe viel mehr Zeit gehabt, mich ins Studio einzuschließen, zu musizieren und viele Projekte für die Zukunft geplant. Aber ich kann für alle Künstler sprechen, dass es das Wichtigste ist, vor einem Live-Publikum zu stehen und dessen Reaktion und Liebe aufzusaugen.

Reaktionen erhältst du auch auf Instagram. Dein Account hat über 30.000 Follower. Wie wichtig sind soziale Netzwerke für dich?

Allgemein ist es als Künstlerin wichtig, eine große Reichweite aufzubauen. Ich erreiche Menschen aus verschiedenen Ländern, die Teil der Community sind.

Techno ist nicht nur eine Musikrichtung, sondern auch eine Philosophie, die Menschen zusammenbringt, die eine gleiche Weltanschauung teilt und friedlich kommuniziert. Meine Community gibt in der schwierigen Zeit so viel positives Feedback, was mich immer wieder aufs Neue motiviert.

Welche musikalischen Projekte verfolgst du zurzeit?

Ich habe kürzlich meine EP „Tatev“ auf dem Label Hydrozoa aus Los Angeles releast. Ein Freund und talentierter Produzent, André Winter, hat einen Remix für den Track beigesteuert. Dazu habe ich auch ein künstlerisches Musikvideo herausgebracht. Gebt mir gerne Feedback und schreibt mich an. Ich würde mich freuen.

 

 

Wo können wir im Februar mehr von dir hören?

Ich werde einen Live-Stream mit Oliver Huntemann im Uebel & Gefährlich spielen und ein einstündiges Set bei dem Label Octopus auflegen. Meine Musik ist auf allen Plattformen wie Spotify, Beatport, Apple Music oder Soundcloud zu hören.

 

 

Was planst du für 2021?

Pläne sind schwer zu verwirklichen, wenn es um Auftritte geht. Es gibt einige Booking-Anfragen, nur muss auch der Veranstalter die Situation mit Corona abschätzen. Deshalb nutze ich die Zeit für ein Projekt, welches ich ab Februar in Armenien verwirkliche. Hoffentlich wird es wieder möglich sein, vor einem Live-Publikum zu spielen, denn dies ist meine Leidenschaft und werde ich auch in Zukunft verfolgen.


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Februar 2021. Das Magazin ist seit dem 28. Januar 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Streitgespräch: Wird Obdachlosen im Corona-Winter ausreichend geholfen?

Wird Obdachlosen in Hamburg im Corona-Winter 2020/21 ausreichend geholfen? Ein Streitgespräch zwischen Julien Thiele von der Straßenvisite des Caritasverbands für das Erzbistum Hamburg e. V. und Iftikhar Malik, SPD, Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft und im Sozialausschuss

Moderation: Erik Brandt-Höge

 

SZENE HAMBURG: Iftikhar Malik, wir sind mitten im Winter, es ist kalt, und Corona gibt es auch noch. Wie haben Sie und Ihre Kollegen Kollegen sich im Sozialausschuss auf diese ja seit Monaten vorhersehbare Situation vorbereitet?

Iftikhar Malik: Das bewährte Hamburger Winternotprogramm wurde aufgestockt. Es gibt eine neue Tagesaufenthaltsstätte, auch eine neue Unterkunft. Wir haben zudem darauf gedrängt, dass die Belegungen entsprechend der Corona-Hygiene- und -Schutzbedingungen umgesetzt werden.

 

Deutungshoheit über Lebensrealitäten

 

Wobei das aktuelle Winternotprogramm nur 1.400 Plätze für Obdachlose bietet. Es gibt aber mehr als 2.000 Obdachlose in der Stadt, die Dunkelziffer noch gar nicht mitgerechnet.

Julien Thiele: Richtig. Das Winternotprogramm deckt die aus der 2018 durchgeführten städtischen Obdachlosenstudie fast 2.000 gezählten Obdachlosen sowie die ungewisse Dunkelziffer nicht ab. Es widerspricht sich also, wenn das Motto der Stadt lautet, dass jeder Obdachlose in Hamburg ein Bett bekommen könne und niemand auf der Straße schlafen müsse.

Die Deutungshoheit über die Lebensrealitäten und Notlagen liegt einfach nicht mehr bei den Betroffenen, sondern wird immer mehr von gezielten Akzenten der Politik bestimmt. Uns berichten Obdachlose von Unterkünften und erzählen dabei von 8-Bett-Zimmern, in denen teilweise nur ein oder zwei Betten freibleiben.

Dabei wechseln die Bettnachbarn teils täglich und das individuelle Hygieneverhalten der fremden Personen kann nicht eingeschätzt werden. Die Personen haben zum Beispiel unterschiedliche Ver- ständnisse von der Notwendigkeit der regelmäßigen oder dauerhaften Lüftung über Nacht. Wir können wenig tun, da die Unterbringungen fast komplett in städtischer Hand liegen.

 

„Das würde ich gerne sofort zurückweisen“

Julien Thiele

 

Malik: Was die Kapazitäten angeht: Mir liegt die Erkenntnis vor, dass die 1.400 Schlafplätze unter Berücksichtigung der lockeren Belegung erfolgt sind. Weiterhin wurde berücksichtigt, dass nicht mehr als zwei Personen in einer Räumlichkeit untergekommen sind. Das ist die jüngste Aussage aus der Sozialbehörde.

Zudem seien die Kapazitäten nicht ausgeschöpft. Aktuell, heißt es, seien 30 Prozent der Plätze nicht belegt. Die Berichterstattung, die es jüngst gab, dass das Winternotprogramm eine Gefahr darstellen solle, ist eine gegenteilige Darstellung der tatsächlichen Situation, und das wirkt sich auch auf die Wahrnehmung der Betroffenen aus.

Thiele: Das würde ich gerne sofort zurückweisen. Eine Diskursverschiebung wie diese, bei der die Interessenvertretung der Betroffenen und damit die Freie Wohlfahrtspflege zum Gefahrenrisiko der Betroffenen ernannt wird, ist absurd.

Wir diskutieren seit mehreren Jahren mit der Behörde darüber, warum das Winternotprogramm für viele Menschen nicht annehmbar ist. Das Hilfesystem versucht, Lösungen zu finden und die Menschen zu motivieren, teils fast zu überreden, sich in dieses Winternotprogramm zu begeben, damit alle Kapazitäten genutzt werden. Ich will Ihnen, Herr Malik, gar nicht zu nahetreten. Ich habe mit Ihnen nur leider noch nie gesprochen und würde Sie gerne fragen: Woher erfahren Sie eigentlich von den Realitäten der Menschen? Von der Sozialbehörde? Und: Inwiefern stehen Sie mit dem Hilfesystem im Austausch?

 

Verbesserung des Winternotprogramms

 

Ich würde Sie gerne einladen, mit uns zusammen auch mal die Hilfen umzusetzen und mich auf der Straße zu begleiten. Die Behörde weiß schließlich, dass es eine fehlende Annahmebereitschaft des Winternotprogramms gibt und dass es dafür vielfältige Gründe gibt.

Es werden zudem seit mehreren Jahren Menschen aus dem Winternotprogramm verwiesen. Sie erhalten kein Bett, sondern nur einen Stuhl in der Wärmestube, die kürzer geöffnet ist und wo es keine Dusche, kaum Verpflegung und keine Sozialberatung gibt. Die Behörde möchte alle Menschen erreichen, bietet aber nicht allen die gleiche Hilfe und schafft dadurch ein Klassen-System mit herabgesetzten Standards für bestimmte Personenkreise. Wir wollen eine Verbesserung des Winternotprogramms beziehungsweise die Schaffung von vielfältigen de- zentralen Schutzräumen, damit wir die Menschen von der Straße bekommen.

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„Gut, dass Ziele klar formuliert werden“: Iftikhar Malik

Malik: Ich bin überzeugt davon, dass wir in dieser Sache sehr nah beieinander sind – und ich würde Ihr Angebot gerne annehmen. Bisher bin ich mit unterschiedlichen Organisationen in Kontakt, zum Beispiel mit den Bergedorfer Engeln. Ich habe auch bereits an Hilfs- und Verteilaktionen teilgenommen.

Noch einmal zum Winternotprogramm: Das soll ja nicht nur einen Schlafplatz, sondern auch eine begleitende Betreuung bieten – genau wie Sie es gerade beschrieben haben. Mir liegen derzeit keine Zahlen vor, wie viele Menschen abgelehnt und wie viele auf andere Einrichtungen verwiesen worden sind. Auch liegen mir keine Fakten darüber vor, wie die Hygienestandards sind. Was Sie gerade beschreiben, haben wird nicht in offiziellen Dokumenten vorliegen, was es uns erschwert, damit zu arbeiten. Genau um diese Fakten zu erfragen, habe ich kürzlich eine Anfrage an den Senat gestellt.

Thiele: Die Fakten gibt es zum Teil, zum anderen Teil fordern wir seit mehreren Jahren mehr Transparenz über diese Problematiken! Zum Beispiel wurde erfasst, wie viele Menschen monatlich in die Wärmestube verwiesen wurden und wie wenige diese tatsächlich nutzen möchten, ohne Betten und Co.

Eine Anfrage von Die Linke im Dezember 2020 ergab, dass zum Beispiel in der Männernotunterkunft Pik As am 1. Dezember 2020 eine Zimmerbelegung von vier Personen im Durchschnitt bestand. Damit ist die von der Sozialbehörde publizierte lockere Belegung von maximal zwei bis drei Personen widerlegt. Hier frage ich mich, ob es nicht wirklich höhere Belegungen gibt, wenn es sich um einen Durchschnitt handelt, und weil ich die Schilderungen der Betroffenen als die Wahrheit erachte.

 

Mehr Empathie

 

Malik: Diese Zahlen liegen mir nicht vor. Ich teile zum Teil Ihre Auffassung, dass wir aus dem politischen Betrieb diese Thematik mit ein bisschen mehr Empathie bearbeiten sollten und könnten. Wir sollten dabei auch den Lebensrealitäten und Befindlichkeiten der Betroffenen folgen und nicht parteipolitischen Logiken – da bin ich ganz bei Ihnen. Die qualitative Weiterentwicklung des Winternotprogramms ist stets der Gedanke dahinter.

Woran arbeiten Sie denn gerade in Sachen Weiterentwicklung des Programms?

Malik: Zum Beispiel an der Erreichbarkeit von weitläufigeren Bezirken wie Bergedorf. Der Bedarf dort ist registriert worden, und an dieser Stelle müssen wir schrauben. Auch um die Weiterentwicklung des Programms zu besprechen, wird es einen Sonder-Sozialausschuss geben, der in den kommenden Wochen stattfinden wird.

Es bestand ja bereits die Möglichkeit eines Runden Tischs aus unter anderem Sozialbehörde, Streetworkern, Polizei und Feuerwehr. Dafür gab es aber keine Mehrheit im Sozialausschuss. Warum nicht?

Malik: Weil es schon Gremien dieser Art gab und auch fortlaufend gibt. Die Begleit-AG zum Winternotprogramm ist beispielsweise erst am 18. Dezember, also kurz vor Weihnachten, zusammengekommen, um die Problemlage zu besprechen. Es wurde auch gerade erst im Rahmen einer Anfrage beantwortet, welche Austauschrunden zwischen professionellen und ehrenamtlichen Akteuren es gibt. Ein weiterer Runder Tisch hätte unserer Ansicht nach nur zu einer Zerfaserung in verschiedenen Gremien geführt.

Thiele: Ja, es stimmt, es gibt eine Vielzahl von Gremien in Hamburg – die sich aber nie explizit damit beschäftigen, einen Sozialen Notstand wie den jetzigen anzuerkennen. Seit Dezember letzten Jahres sind bis heute acht Personen verstorben. Seit Ende 2019 insgesamt 54 bis heute (15.1.; Anm. d. Red.).

Wir hadern nach wie vor damit, dass der Alltag der Obdachlosen nicht von der Lebensrealität bestimmt wird, sondern von politischen Entscheidungen, die angeblich alle Sorgen beseitigen sollen. Und natürlich haben nicht bloß wir daran zu knabbern, sondern vor allem die betroffenen Menschen. So sehr, dass sie teilweise daran zerfallen.

Es gibt übrigens auch ein Ordnungsrecht, das besagt: Jeden Tag muss erneut geprüft werden, ob Gefahr für Leib und Leben besteht und die individuelle Würde geschützt ist. Allerdings hat Hamburg sich an dem Instrument bedient, dieses Ordnungsrecht mit Sozialrecht zu verschränken – und damit Menschen von Überlebenshilfen teils auszuschließen. Fakt ist: Das gesamte Hilfesystem muss einmal komplett umgedreht werden. Nicht Menschen müssen sich beweisen in den Stufen des Hilfesystems, sondern es muss neuer Wohn- und Schutzraum für eben diese Menschen geschaffen werden, da Obdachlosigkeit kein individuelles, sondern ein strukturelles Problem ist. Nur so erreichen wir das Ziel der EU, bis 2030 Obdachlosigkeit zu beenden.

Malik: Es ist gut, dass Ziele klar formuliert werden, aber natürlich auch sehr leicht aus Sicht des Europäischen Parlaments, wenn es diese nicht umsetzen muss. Die Umsetzung passiert ja in den Gemeinden, Städten und Kommunen. Es sind da also mehrere Ebenen im Spiel – und haben Aufholbedarf.

 

Hotels for Homeless

 

Noch einmal weg von langfristigen und zurück zu kurzfristigen Lösungen für diesen Winter. Eine Lösung bietet unter anderem Hotels for Homeless. Derzeit werden 120 Obdachlose in Hamburg in leerstehenden Hotelbetten untergebracht – bei mehr als 30.000 leerstehenden Betten insgesamt.

Thiele: Es gibt unterschiedliche Institutionen, die bei dieser Hilfe mitwirken. Die Diakonie, Caritas und Hinz&Kunzt können dies dank einer Großspende von Reemtsma anbieten. Zudem gibt es ein Kollektiv um den Verein StrassenBlues und weitere Vereine und Initiativen wie Leben im Abseits e. V. oder die Bergedorfer Engel, die eine Hotelunterbringung realisieren.

Die Vernetzung untereinander, vor allem zur Sicherstellung der Versorgung und Sozialberatung, funktioniert gut. Aber: Es ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, unsere Warteliste ist lang. Die Hotelunterbringung hat meines Wissens noch kein Mensch abgelehnt. Die meisten können es gar nicht glauben, dass es so etwas überhaupt gibt. Es geht ja auch nicht um einen Fernseher, um Catering oder einen tollen Teppich, sondern erst mal nur um die Möglichkeit, allein zu sein und die Tür hinter sich abschließen zu können.

Malik: Das Winternotprogramm verfolgt, wie schon gesagt, das Ziel, die Menschen mit einem umfassenden Beratungs- und Betreuungsangebot in das Regelhilfesystem zu bekommen. Es gab und gibt ja bereits Einzelunterbringungen, auch mit Hotelcharakter, insbesondere für Familien oder im Rahmen der sogenannten Geschwächten-Regelung, also für Betroffene mit psychischen und physischen Vorbelastungen. Auch weitere Einzelunterbringungen werden derzeit geprüft.

 

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Julien Thiele bei der aufsuchenden Sozialarbeit
Titel (Foto: Caritas)


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Hilf Mahl: Keine Pause für die Hilfe

Mit dem Spendenprojekt wird Obdachlosen in Hamburg geholfen – und das schon seit acht Jahren. HILF MAHL!-Organisator Dietmar Hamm über die Herausforderungen im Bereich der Obdachlosenhilfe und das erforderliche Umdenken während der Corona-Krise

Interview: Eira Richter

 

SZENE HAMBURG: Dietmar Hamm, die Corona-Pandemie stellt die gesamte Gesellschaft vor immer neue Hürden. Was empfinden Sie im Bereich der Obdachlosenhilfe durch HILF MAHL! momentan als größte Herausforderung?

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„Es bedarf der besonderen Wahrnehmung“: Dietmar Hamm (Foto: Gerrit Meier)

Dieter Hamm: Das Besondere an der Pandemie ist, dass die Appelle, in der eigenen Wohnung zu bleiben, die Menschen nicht erreicht, die ohne Wohnung sind. Das Schicksal, obdachlos zu sein, kann sich nicht stärker zeigen als jetzt.

Der Schutz des eigenen Lebens und der Schutz der anderen kann für Menschen ohne Obdach nur mithilfe von Gemeinschaften, die sich der Obdachlosenhilfe zuwenden, versucht werden. Menschen ohne Wohnung leben in besonderer Not.

HILF MAHL! kann zur Zeit leider nur einen kleinen Beitrag zur Linderung leisten, da die HILF MAHL!-Spenden gemeinsam mit Hamburger Gastronomen und deren Gästen gesammelt werden. Da die Gastronomien geschlossen sind oder nur Take-away-Service anbieten dürfen, müssen wir versuchen, Direktspenden an HILF MAHL! von Bürgern und Unternehmen für unsere Projekte zu erhalten.

 

Besondere Wahrnehmung

 

Erforderte die Umstellung während des Lockdowns besondere logistische Anstrengungen?

Es bedarf der besonderen Wahrnehmung von HILF MAHL! in den Restaurants, die einen Take-away-Service anbieten. Vor Corona informierte das Restaurant die Gäste durch Tischaufsteller oder persönliche Ansprache über HILF MAHL!.

Die Gäste sind dann nach einem guten Essen auch gerne bereit zu spenden, weil sie HILF MAHL! schätzend kennengelernt haben. An der Abholstation des Restaurants ist die Sensibilisierung für HILF MAHL! nicht immer möglich. Das Essen zum Mitnehmen wird ja sonst kalt.

Wird die Spenden-Option auf dem neuen Weg häufig genutzt?

Wir freuen uns sehr darüber, dass in der Vergangenheit viele Gäste gerne in Restaurants speisten, die HILF MAHL! unterstützen und erkannt haben, dass ihre Spende hilft. Deshalb kommt es auch zunehmend vor, dass wir eine Überweisung von Restaurantgästen erhalten mit dem Hinweis, dass sie den Betrag sonst gerne im Restaurant gespendet hätten und HILF MAHL! die Spende auf diesem Wege zukommen lassen.

Denken Sie über eine zeitliche Ausweitung der Spenden-Option auch über den Winter hinaus nach?

In der Vergangenheit war der Fokus, das Spenden auf den Winter zu konzentrieren, sicher stimmig. Einige Spendenprojekte von HILF MAHL! laufen jedoch auch ganzjährig, und bedingt durch die besonderen Erschwernisse und Gefahren für obdachlose Menschen in der Pandemiezeit, werden wir nicht pausieren, zu helfen.

hilfmahl.de


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