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Hamburgerin des Monats: Gloria Boateng

Gloria Boateng wurde als Zehnjährige von ihrer Mutter von Ghana nach Deutschland geholt, wo sie unerwartet auf sich allein gestellt war. Heute ist sie Lehrerin, Moderatorin, Bildungsaktivistin, Buchautorin, Mitinitiatorin der mehrfach ausgezeichneten Initiative SchlauFox e. V. und Trägerin des Bundesverdienstkreuzes

Interview: Markus Gölzer  

 

SZENE HAMBURG: Gloria Boateng, wie war Ihr erster Eindruck von Deutschland?

Gloria Boateng: Es riecht und schmeckt anders. Es sieht anders aus. Die Leute sind weniger bunt angezogen. Sehr grau, beige und schwarz. Auf dem Weg vom Flughafen standen wir in der S-Bahn. Ich war sehr klein und zierlich. Ich habe mich an dem Pfosten in der S-Bahn festgehalten: Nur weiße Hände! (lacht) Meine Hand und die meines Opas waren die einzigen schwarzen. Das hat mir noch mal bewusst gemacht, dass ich in einer anderen Welt bin.

„Ich habe früh Erfahrung mit Rassismus gemacht“

Ihre Mutter wurde ausgewiesen, ihr Großvater starb. Sie wurden Pflegekind. In ihrer Autobiografie „Mein steiniger Weg zum Erfolg“ beschreiben Sie, wie damals Bildung ihr Rettungsanker war. Was hat Ihnen mit elf Jahren diese Erkenntnisfähigkeit verliehen?

Diese Erkenntnis hatte ich schon mit sechs Jahren in Ghana. Da hatten nur Kinder Zugang zur institutionellen Bildung, die Schulgebühren bezahlen konnten. Wir waren extrem arm und hatten maximal eine Mahlzeit am Tag. Das Geld, das meine Mutter und mein Großvater aus Deutschland schickten, wurde oft nicht in Schulgebühren investiert. Ich ging zur Schule, wenn wir die Gebühren bezahlen konnten. Dann saß ich wieder am Straßenrand in meiner Schuluniform und hab anderen Kindern zugeguckt, wie sie zur Schule gingen. Ich wollte das gleiche Privileg. In Deutschland habe ich früh erkannt: Ich habe hier keine Chance, wenn ich nicht die höchsten Bildungsabschlüsse erreiche. Ich habe früh Erfahrung mit Rassismus gemacht. Mir wurde gesagt: Du bist schwarz. Du bist ein Affe. Ich wurde damit konfrontiert, dass ich aufgrund meiner Herkunft weniger wert bin. Ich wusste: Ich kann nur das Gegenteil beweisen, wenn ich zeige, was ich draufhabe.

„Früher hat sich Deutschland nicht eingestanden, ein Rassismusproblem zu haben“

Heute sind Sie eine deutsche-ghanaische Erfolgsgeschichte. Wie erfolgreich ist Deutschland auf dem Weg zu einer modernen, diversen Gesellschaft?

Wir bewegen uns. Früher hat sich Deutschland nicht eingestanden, ein Rassismusproblem zu haben. Ich wurde wegen meiner Hautfarbe in meiner eigenen Wohnung zusammengeschlagen. Das hat fast mein Leben zerstört. Und wurde als Einzelfall abgetan. Heute ist das nach den vielen Angriffen, den Toten, nach Hanau anders. Wir sprechen offener über Rassismus. Das merkt man an den vielen Veranstaltungen, die zu diesem Thema stattfinden. Wir sind aber erst am Anfang. Diskriminierung fängt in der Sprache an. Gendern als Versuch, Sprache diverser zu gestalten, wird bekämpft. Am meisten von denen, die am wenigsten betroffen sind. Wie empfinden Sie das?

Sie haben vorhin gefragt, wo Deutschland sich befindet. Das zeigt sich an diesen Stellen. Was tut es mir weh, wenn durch gendersensible Sprache sich mehr Menschen mehr angesprochen fühlen? Ich versteh diese Diskussion nicht. Dass Menschen sagen, das verhunzt unsere Sprache. Wir bleiben lieber auf dem sitzen, was wir seit Jahrhunderten vorgekaut bekommen haben, ohne es zu reflektieren. Das zeigt, dass wir nicht bereit sind, Diversität anzuerkennen. Dass wir bequem sind. Sobald wir ein Wort benutzen müssen, dass wir so nicht verwenden, ist das eine Bedrohung für die Gewohnheit. Dann kämpfen wir dagegen an. Wir möchten in unserem Konservatismus Argumente reproduzieren, die Jahrtausende lang verwendet worden sind, um Menschen abzuwerten und unsichtbar zu machen. Wir schimpfen uns moderne Gesellschaft, aber wollen die Sprache erhalten, die mehr als 50 Prozent der Bevölkerung erniedrigt. Das ist so erbärmlich, dass ich beschämt bin.

„Das Schulsystem ist nicht für jedes Kind gemacht“

Als Mitinitiatorin von SchlauFox e. V. engagieren Sie sich für eine moderne Gesellschaft, indem Sie die Bildung junger Menschen fördern.

Das Schulsystem ist nicht für jedes Kind gemacht. Mag es noch so schlau sein. Als wir 2008 angefangen haben, gab es in Hamburg 1500 Jugendliche, die die Schule ohne Abschluss verließen. Die landen in irgendwelchen Maßnahmen, werden ohne Ausbildung unter Umständen langzeitarbeitslos, haben kein Selbstvertrauen. Wir können die Folgen weiterspinnen. Letztlich müssen wir sie finanzieren. Wir haben gesagt, das können wir uns als Gesellschaft nicht erlauben. Also haben wir angefangen, unser Programm JEA! aufzubauen, bei dem wir an Schulen immer die 15 Jugendlichen unterstützen, die am Ende von Klasse 7 die Prognose bekommen: Du schaffst wahrscheinlich den ersten Schulabschluss nicht. Die begleiten wir zwei Jahre lang durch fachliche Nachhilfe, durch Coaching und vieles mehr gezielt zum ersten Schulabschluss und darüber hinaus. Das ist eines unserer sechs Programme. Wir begleiten jedes Jahr 500 Kids und Teens. Möglich wird das durch 300 Ehrenamtliche. Die Gesellschaft trägt so viel durch Ehrenamt, und das ist nicht immer sichtbar. Das fände ich schön, wenn wir das feiern. Wenn Ehrenamt auch „cool“ für die nachwachsende Generation würde.

„Wie soll ich allen gerecht werden?“

Warum braucht eine wohlhabende Stadt wie Hamburg Unterstützung beim Thema Bildung?

Weil unsere wohlhabende Gesellschaft nicht genug in Bildung investiert. Andere Länder investieren einen höheren Anteil ihres Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Bildung. Die letzte Zahl, die mir für Deutschland vorliegt, ist eine Steigerung von 4,4 auf 5 Prozent. Kanada und die skandinavischen Länder investieren mehr in Bildung. Es gibt Länder, die dreimal so viel in die vorschulische Bildung investieren wie Deutschland. Länder, die weniger Bildungsarmut zulassen. Die Kinder dort besuchen lange eine gemeinsame Schule. In Deutschland wird nach wie vor segregiert. Und du sitzt als Lehrkraft an einer Stadtteilschule mit 25 Kindern, die unterschiedlicher nicht sein könnten und bist allein. Während in anderen Ländern Assistant Teacher eingesetzt werden. Ein Assistant Teacher ist eine zweite Lehrkraft im Raum, die dich unterstützt, damit du auch leistungsschwächere Kinder angemessen fördern kannst. Das eine Kind hat einen sozial-emotionalen Sonderförderbedarf. Das andere Kind kann noch nicht lesen in der 7. Klasse. Wie soll ich ihnen allen gerecht werden? Ich sage Ihnen, ich könnte Bücher schreiben. Ich habe nur keine Zeit. Weil ich mich so viel aufrege. (lacht)

Sie wurden als Mitgründerin von SchlauFox e. V. 2019 vom Bundespräsidenten mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Was hat sich dadurch verändert? Wir waren stolz auf die Ehrung. Dass die Arbeit unseres kleinen Vereins gewürdigt wird. Kurzfristig bewirkt so ein Preis, dass man Aufmerksamkeit bekommt: durch die Medien, von Stiftungen, von Privatpersonen, wenn sie das eine oder andere Projekt mögen, unterstützen sie uns. Wir sind sehr autoritätshörig in diesem Land. Der Bundespräsident sagt: SchlauFox ist gut. Dann ist SchlauFox gut. Wenn ich in Deutschland einen Titel habe, kriege ich automatisch mehr Kompetenzzusprache und einen Vertrauensvorschuss. So eine Ehrung hallt ein halbes Jahr nach, dann verpufft das. Jetzt müsste eigentlich die nächste Verleihung her. (lacht)

„Leb das Leben, das du gelebt hast, einfach nochmal“

Wenn Sie Ihrem elfjährigen Ich heute einen Satz mitgeben könnten – wie würde der lauten?

Leb das Leben, das du gelebt hast, einfach noch mal. Mach aus allem, was dir begegnet, das Bestmögliche. Es begegnet dir so viel Gutes im Leben, aber du musst es sehen. Denn wir sehen vieles gar nicht so gut. Im Nachhinein vielleicht, aber nicht in der Situation. Ich würde meinem Ich sagen: Mach die Augen auf. Für dich. Für die Gesellschaft.  


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Schüler:innen gegen Rassismus

Anne Pretzsch hat mit „100 Tage gegen Rassismus“ eine Performance-Aktion am Hamburger Emilie-Wüstenfeld-Gymnasium initiiert. Ein Gespräch über die Idee, die Kraft der Schüler:innen und die politische Dimension des Projekts

Interview: Henry Lührs

 

Anne Pretzsch ist Performance-Künstlerin und Mentorin. Zusammen mit Schüler:innen des Hamburger Emilie-Wüstenfeld-Gymnasiums (EWG) hat sie die Performance-Aktion „100 Tage gegen Rassismus“ umgesetzt. Dabei setzen sich Schüler:innen kreativ für mehr Gleichberechtigung in der Gesellschaft ein und fragen sich: Was ist Rassismus?. Pünktlich zum Jahresbeginn gehen sie mit ihrem digitalen Kunstprojekt an die Öffentlichkeit.

SZENE HAMBURG: Frau Pretzsch, wann haben sie das letzte mal Rassismus miterlebt?

Neulich im Bus bei einer Fahrkartenkontrolle. Da wurde mit einer von mir als Person of color gelesenen Person laut und langsam gesprochen, obwohl diese Person perfekt Deutsch sprach.

Ihr Projekt „100 Tage gegen Rassismus“ am Emilie-Wüstenfeld-Gymnasium ist mit Jahresbeginn in die finale Phase gekommen, wie kam es zu der Idee zu dem Projekt?

Mich interessiert es mit Kindern und Jugendlichen politisch zu arbeiten. Die Arbeiten und Performances, die ich mache, sind immer sehr politisch. Mir ist es erstens wichtig, die Bühne für relevante Themen zu nutzen und zweitens konnten wir den Jugendlichen mit dieser Produktionsform eine Menge Freiheiten ermöglichen. Ich habe gemerkt, dass ich generell Lust habe, in freien Projekten mit Schulen und Lehrenden zu arbeiten.

 

„Nichts davon wurde von unserer Seite initiiert“

 

In Workshops haben sich die Schüler:innen das Thema erarbeitet (Foto: Tina Weggler )

In Workshops haben sich die Schüler:innen das Thema erarbeitet (Foto: Tina Weggler )

Haben die ‚Kids‘ denn Lust auf das Thema?

Total. Es gab zum Beispiel einen Vorfall mit einer Lehrkraft. Daraufhin haben sich die Kids sehr engagiert. Es ging sowohl darum, der Lehrkraft zu erklären, was dort gerade passiert ist, als auch rassistische und diskriminierende Strukturen aufzudecken. Die Schüler:innen haben als Reaktion zum Beispiel die Lehrbücher überprüft oder bemängelt, dass Kolonialismus im Lehrplan nicht vorkommt. Es wurde sogar ein Brief an den Schulsenator Thies Rabe verfasst. Nichts davon wurde von unserer Seite initiiert.

Die Schüler:innen haben sich über Monate hinweg kreativ mit dem Thema Diskriminierung auseinandergesetzt. Wie hat das genau ausgesehen?

Wir haben den Kids das Projekt erst einmal vorgestellt und die Themen im Unterricht bearbeitet. Die Schüler:innen haben sich dann komplett selbstständig weiter eingelesen. Unterstützung gab es dabei von den Expert:innen von We A.R.E. e.V., einer Initiative zur frühkindlichen antirassistischen Erziehung und Bildung. Dazu kamen dann noch Workshops zu den verschiedenen Themen und auch die Schulbibliothek wurde und wird zu diesem Thema aufgestockt. So gibt es in Zukunft genügend Informationsmaterial, Sachbücher, Romane und Lyrik BiPoC (Schwarz, Indigen und der Begriff People of Color Anm. d. Red.) Autor:innen und die Kids können sich weiter gegenüber Diskriminierung sensibilisieren.

 

„Weiße Menschen sind rassistisch sozialisiert“

 

Einer der Workshops wurde von We A.R.E. e.V. durchgeführt (Foto: Tina Weggler)

Einer der Workshops wurde von We A.R.E. e.V. durchgeführt (Foto: Tina Weggler)

Das Kunstprojekt ist in mehrere Phasen aufgegliedert.

Ja, auf die erste Input-Phase folgte die Produktionsphase. Hier haben wir Performances und Formate entwickelt, wie zum Beispiel Plakate oder Hörspiele. Dann ging es fließend in die dritte Phase über, die seit Anfang des Jahres läuft. In dieser Phase werden die Ergebnisse präsentiert, sei es über Postings oder über diverse Präsentationen auf unserer eigenen Website. Die Klassen produzieren weiter und gleichzeitig finden Uploads statt.

Wurden von Rassismus betroffene Menschen in die Konzeption des Projekts mit eingebunden?

Die Kids haben bei der Vorstellung des Projektes sofort gesagt, dass wir weiß sind und das Projekt daher nicht machen könnten. Das fand ich super, denn das ist auch eine Frage, die ich mir stelle. ‚Darf ich?‘ oder ‚sollte ich so ein Projekt initiieren?‘ Für 100-Tage arbeiten wir eng mit People of Color zusammen, das Projekt Rapfugees hat gerade die Patenschaft übernommen.

Weiße Menschen wie ich sind rassistisch sozialisiert und ich sehe es nicht nur als die Aufgabe von Menschen mit rassistischer Diskriminierungserfahrung, unseren Rassismus aus dem System zu bekommen. Genauso ist es auch die Aufgabe von Männern, andere Männer darauf hinzuweisen, dass sie sexistisch sozialisiert sind.

 

Die wilde Kraft der jungen Menschen

 

Initiatorin und Performancekünstlerin Anne Pretzsch (Foto: Vera Drebusch)

Initiatorin und Performancekünstlerin Anne Pretzsch (Foto: Vera Drebusch)

Die Schüler:innen sind in der künstlerischen Ausgestaltung sehr frei. Medium und Ausdrucksform dürfen selbst gewählt werden. Gibt es trotzdem Grenzen oder No-Gos?

Klassische No-Gos gibt es schon. Das sind insbesondere Dinge, die die Kinder noch nicht kennen. Wir erklären dann zum Beispiel, warum die Reproduktion von Rassismen nicht gut ist, warum so etwas wie Blackfacing diskriminierend ist. Wir treten dabei aber auch in einen offenen Dialog. Ansonsten sehe ich gar keinen Grund, künstlerischen Prozessen Grenzen zu setzen, solange nichts diskriminierend ist. Wenn die Schüler:innen sagen: „Wir brauchen eine Drohne“ oder „wir möchten einen Tisch kaputt schlagen, weil uns das alles so wütend macht“, dann müssen wir das irgendwie möglich machen. Das sehe ich als meine Aufgabe, dann muss ich die Kohle dafür besorgen.

Im Frühjahr 2019 haben antifaschistische Sticker in der Ida-Ehre-Schule direkt um die Ecke für große Diskussion gesorgt. Die Schulaufsicht ließ die Sticker entfernen und die AfD rief ein „Petz-Portal“ ins Leben. Sollten sich Schüler:innen aus ihrer Sicht auch eigenständig politisch antifaschistisch positionieren?

Ich finde es immer gut, wenn junge Menschen anfangen, selbstständig zu denken. Dazu gehört für mich auch, eine politische Haltung zu entwickeln. Es gehört aber auch dazu zu reflektieren, wie ich diese vortrage, wie ich mich benehme und wie ich in diesem Kontext spreche. Wenn einem jungen Menschen eine Ungerechtigkeit auffällt – nicht nur im politischen Kontext – dann kommt auf einmal so eine wilde Kraft. Das ist gut. Aber ich empfinde es eher als die Aufgabe von Lehrenden zu gucken, wie diese kanalisiert werden kann. Kunst ist mein Angebot, um aus dieser Kraft zum Beispiel eine Performance, ein Hörbuch, einen guten Text oder ein Bild zu schaffen.

 

„Menschen sind nicht neutral“

 

Oft wird gefordert, dass Schule ein neutraler Ort sein sollte. Wie sehen Sie das?

Ich finde, es ist eine Illusion, dass irgendein Ort, wo Menschen sind, ein neutraler Ort sein könnte. Menschen sind nicht neutral. Natürlich muss ich Schüler:innen nicht politisch anstacheln. Ich muss nicht sagen: ‚Zieht euch alle schwarze Klamotten an und kommt mit mir auf eine Demo.‘ Da gibt es vielleicht eine Grenze. Aber ich kann nicht behaupten neutral zu sein oder neutral sein zu wollen. Wo sind dann die Grenzen des Politischen? Wenn ich Jungs in meiner Klasse auffordern zu gendern, ist das dann schon politisch? Ist mein ganzes Auftreten als weiße Frau politisch? Das alles ist schon nicht neutral.

Wie geht es mit dem Projekt nach Abschluss der Produktionsphase weiter?

Die Website wird an die Schule übergeben und diese übernimmt dann die Kuration. Das Projekt wird dann dadurch geöffnet, dass andere Schulen eingeladen werden, sich an dem daran zu beteiligen. Am EWG wird gerade eine Antidiskriminierungs AG eingerichtet und diese kümmert sich dann vermutlich um die Einsendungen. Ich fände es großartig, wenn diese Plattform so breit genutzt wird, dass am Ende eine Sammlung von Hamburger Schulen entsteht. We will see…

100-tage-gegen-rassismus.de


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Peter Kadiru: „Ich habe keine richtige Schwäche“

Obwohl erst 24, boxt Peter Kadiru seit drei Jahren ungeschlagen im Profilager. 2020 gewann er den Titel des Deutschen Meisters im Schwergewicht. Ein Gespräch über Muhammad Ali, motivierende Nervosität und Rassismus

Interview & Foto: Markus Gölzer

 

SZENE HAMBURG: Peter, auf deinem Insta-Profil steht: „Bad energy stay far away“. Was ist für dich Bad Energy?

Peter Kadiru: Wenn Leute negativ drauf sind, dir hintenrum was Schlechtes wollen. Diese Doppeldeutigkeiten: „Sieht gut aus, aber ich würde es nicht tragen.“ Oder die, die dir schlechte Tipps geben oder alles besser wissen.

Mit welchen Gefühlen gehst du in einen Boxkampf? Ist Angst dabei?

Nein. Eher extreme Aufregung. Ich bin vor meinen Kämpfen maximal nervös, aber auch maximal motiviert. Ich muss mir selber sagen: „Ich bin der Beste, niemand kann mich besiegen.“ Würde ich denken, „Boah, mein Gegner ist echt stark, ich weiß nicht, ob das heute klappt“, dann wäre der Kampf schon im Kopf verloren. Ich sage mir immer: „Ich werde dieses Duell gewinnen.“

Wie geht’s dir nach dem Kampf?

Darum liebe ich Boxen so sehr: Ich liebe es, zu gewinnen. Ich bin ein schlechter Verlierer. Die Emotionen, diese Freude, als würde eine Riesenlast von einem fallen. In der Woche des Kampfes ist man extrem aufgeregt, komplett darauf fokussiert. Danach ist man endlich entspannt. In einem Fight, den ich in der zweiten Runde durch K. o. gewonnen habe, hatte ich trotzdem danach Muskelkater, weil ich so angespannt war. Da erkennt man, welche Kräfte im eigenen Körper wirken.

Was ist deine Einlaufhymne?

Kanye West: „Power“. Gibt viel Energie, ich hör das gerne. Das Lied gibt’s schon länger, mein Bruder war auch Boxer und das war sein Einlauflied. Ich wollte das unbedingt übernehmen.

 

Ein schwerer Wechsel

 

Du bist seit drei Jahren Profi. War es schwer, vom Amateurlager ins Profilager zu wechseln?

Ja. Amateurboxen geht nur über drei Runden. Du musst in kurzer Zeit extrem viel schlagen, extrem viel ausweichen. Es ist wie ein Sprint. Usain Bolt hat auch nicht jeden Sprint gewonnen, obwohl er der beste war. So ist es beim Amateurboxen auch. Du kannst der Beste sein, aber wenn du einen schlechten Tag hast, bist du nach drei Runden geliefert. Beim Profiboxen hast du sechs, acht, zehn oder bei internationalen Titelkämpfen sogar zwölf Runden Zeit, um Fehler zu korrigieren. Ein guter Aspekt am Profiboxen.

Du giltst als Ausnahmetalent. Was ist die Ausnahme?

Ich glaube, durch meine sehr erfolgreiche Amateurkarriere – dreimal Europameister, einmal Jugend-Olympiasieger – also, es ist schwer, sich selbst zu loben. Ich sag jetzt, was die anderen sagen: Ich habe einen guten Boxstil, ich bin schnell, ich kann mich gut bewegen, ich kann Druck machen. Ich bin ein Allrounder, ich kann mich auf jede Situation gut einstellen.

Was ist deine größte Schwäche?

(Schreit zum Trainer Christian Morales) Was ist meine Schwäche? (Christian Morales schreit zurück) Auf den Trainer hören.

Auf den Trainer hören? Das stimmt doch gar nicht! (Gelächter) Man kann alles immer verbessern, aber ich habe keine richtige Schwäche. Ich muss einfach noch mehr Erfahrung im Ring sammeln, das ist das Wichtigste.

 

Sparring mit einem der Größten

 

Du warst Sparringspartner bei Anthony Joshua, dem zweifachen Weltmeister im Schwergewicht. Wie war das?

Ich dachte, ich geh da ins Camp, mach etwas Sparring, fliege schnell wieder nach Hause. Aber dann war ich sechs Wochen in seinem Camp in Sheffield. Der hat unglaubliche Trainer, die haben mir viele neue Sachen beigebracht. Toll zu sehen, wie ein Champion Sparring macht. Es gibt Tage, wo er einfach zehn Runden macht, dann auch mal 16 Runden. Mit wechselnden Sparringspartnern. Das ist krass. Auch wie intensiv er arbeitet. Ich wärme mich vor dem Sparring 15 Minuten auf – der 45 Minuten. Dann macht er Sparring und geht danach noch an den Sandsack.

Wie ist das im Sparring mit ihm?

Ich hab noch nie mit jemand Sparring gemacht, der so eine Power hat. Aber seine Coaches haben auch mir gesagt, dass mein Sparring richtig gut war. Ich war der einzige Boxer, der in der Kampfwoche noch bleiben durfte. Ich saß bei seinem WM-Kampf sogar am Ring. Er ist eine Urgewalt. Gut war: Ich habe gemerkt, der ist noch deutlich über mir, aber ich kann auch da hinkommen. Das war wichtig für mich, dass ich erkenne: Wenn ich hart arbeite, komme ich dahin.

Wie ist der privat so?

Richtig cooler Typ. Man sagt ja immer: „Anthony Joshua ist so bodenständig“, aber das ist bei vielen nur vor der Kamera so. Aber AJ ist es wirklich. Er hat mir viele gute Ratschläge gegeben. Eine mega Erfahrung.

 

Ein wertvoller Ratschlag

 

Welchen Ratschlag fandest du besonders gut?

Dass man sich nicht von Social Media beeindrucken lassen soll. Wenn man so berühmt ist wie er, viele Follower hat, dann reden auch viele schlecht über dich: „Der hat kein Kinn, der wurde im Sparring ausgeknockt.“ Die Sachen stimmen nicht, aber das erzählen die Leute über dich. Man muss lernen, das nicht an sich ranzulassen. Ein Ratschlag für die Zukunft.

Du trägst im Ring die Hose in den gleichen Farben wie Muhammad Ali. Weiß mit schwarzen Streifen.

Mich fasziniert, wie er als Mensch war. Er hat sich von niemandem etwas sagen lassen. Er ging seinen Weg. Nicht nur, dass er sich für Schwarze und Bürgerrechte eingesetzt hat, sondern auch, dass er gesagt hat: „Ich gehe nicht als Soldat in den Krieg in Vietnam. Die Leute da haben mir nichts getan. Ihr kämpft gegen mich in meinem Land – warum soll ich für euch woanders kämpfen.“

 

Rassismus

 

Du stehst als schwarzer Deutscher für eine moderne Gesellschaft. Trotzdem ist Rassismus eines der großen Themen unserer Zeit. Wie sind da deine Erfahrungen? Im Ring und privat?

Nur im Alltag. Da kommt es oft vor, dass man blöd angeschaut wird. Es gibt immer Leute mit anderer Hautfarbe, aus anderen Ländern, mit anderer Religion, die sich schlecht benehmen. Aber wenn man ein paar schlechte Äpfel hat, muss das nicht für den ganzen Baum gelten. Leider haben viel zu viele Menschen Vorurteile. Ich glaube einfach, wenn die Leute mehr aufeinander zugehen, sich kennenlernen, dass wir dann alle zusammen besser miteinander leben können. Wir beide haben verschiedene Hautfarben, verstehen uns super, und ich habe nicht gedacht, komischer Typ, weil er weiß ist, und du bist nicht zu mir gekommen und hattest Angst, weil ich schwarz bin. Man muss nur miteinander sprechen. Die Leute haben meist Angst vor Dingen, die sie nicht kennen.

Du bist stolzer Vater einer dreijährigen Tochter. Wirst du sie auf Rassismus vorbereiten?

Eigentlich will ich sie nicht darauf vorbereiten, weil Rassismus so unfassbar sinnlos ist. Aber ich glaube, wenn ich sie nicht vorbereite, weiß sie nicht, was auf sie zukommt. Weil ich meine Tochter liebe, werde ich zu gegebener Zeit mit ihr darüber sprechen. Es ist schade, dass sie in so einer Welt aufwachsen muss. Ich werde ihr die Geschichte des Rassismus erklären, Beispiele erzählen, die in der Vergangenheit passiert sind. Die können aber eben auch in der Zukunft geschehen. Wenn sie später eine Reise in die USA machen sollte, würde ich sagen: „Schatz, pass auf.“ Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass sich bis dahin doch noch mehr zum Positiven wendet.

Deine Eltern sind aus Ghana, auf deiner Insta-Seite weht neben der deutschen die ghanaische Flagge. Wie wichtig ist Herkunft für dich?

Ich hab die deutsche Flagge, weil ich hier geboren bin. Die ghanaische Flagge habe ich, weil das zu meiner Kultur gehört. Ich habe die deutsche Kultur angenommen, weil ich in Hamburg geboren bin. Die ghanaische ist meine Herkunft. Das ist wichtig für mich, dass ich beide repräsentiere.

instagram.com/peterkadiru/


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Oktober 2021. Das Magazin ist seit dem 30. September 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Jan Delay: „Alles was ich bin, bin ich wegen dieser Stadt“

„Earth, Wind & Feiern“ ist der Titel des neuen Albums von Jan Delay – und der hält, was er verspricht. Die Songs behandeln teils ernste Themen, machen aber jederzeit Spaß. Ein Gespräch über den textlichen Umgang mit der Klimakatastrophe, Rassismus und Faschismus sowie Hamburg als ewige Liebe des Künstlers

Interview: Erik Brandt-Höge

 

SZENE HAMBURG: Jan, HipHop, Disco, Trap, Afrobeat, Dub – alles drauf auf deinem neuen Album. Hast du dir vorgenommen, möglichst viele Genres in den Songs unterzubringen, oder ist das einfach so passiert?

Jan: Als ich mit meinem musikalischen Partner und Produzenten Tropf zum ersten Mal über neue Songs gesprochen habe, meinte er: „Wenn wir ein neues Jan Delay-Album machen, dann halten wir uns nicht an ein Genre, auch nicht an eine Parole – wir machen nur, was uns Spaß macht!“ Das war auch mein Wunsch. Außerdem war mir wichtig: Fokus immer auf gute Laune! Ich wollte eine positive Platte machen, also das Gegenteil von meiner zuletzt erschienenen Platte.

Keinen Mittelfinger, kein „Leckt mich alle am Arsch, ihr seid alle scheiße!“ Was natürlich nicht bedeutet, dass man nicht auch mal ernste Themen anschneiden darf …

… was du jetzt ja auch mit Zeilen wie „Es sind finstere Zeiten“ tust. Wobei du damit nicht die Corona-Krise meinst, denn die Songs sind bereits vor der Pandemie entstanden.

Genau. Wovor ich damals Angst hatte und heute noch habe: die Klimakatastrophe und der Rechtsruck. Ich wollte diese Themen auf der Platte haben – aber mit positiven Gedanken besetzt.

Inwiefern?

Insofern, als dass, wenn man über so etwas redet, jemandem auch ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann. Man kann auch Songs zu solchen Themen machen, zu denen man tanzen und feiern kann. Songs, die Kraft geben. Denn: Feiern bedeutet ja nicht immer nur, dass man am nächsten Tag einen Kater hat, sondern auch, dass man aus der Feier neue Energie geschöpft hat. So geht es mir zumindest. Und wer es will, der kann es mit diesem Album genauso machen.

Man muss übrigens auch sagen, dass dieses die erste zeitgemäße Jan Delay-Platte ist. So was gab es ja bisher noch nicht. Selbst, als ich damals die Reggae-Platte gemacht habe („Searching For The Jan Soul Rebels“, 2001; Anm. d. Red.), war es keine Dancehall-Platte, sondern eine Roots-Reggae-Platte.

„Earth, Wind & Feiern“ hingegen sollte so werden, dass ich sie heute jederzeit auflegen kann. So, dass die Songs im Club nicht abkacken, wenn sie zwischen Cardi B und Major Lazer laufen.

 

Boogie und Disco im Hier und Jetzt

 

Wie seid ihr vorgegangen, um das zu schaffen?

Wie Mark Ronson oder Bruno Mars: Wir haben alte Musikrichtungen, zum Beispiel Boogie oder Disco, ins Hier und Jetzt geholt. Wir hatten Sessions, in denen wir die Rhythmen fertig gemacht haben – und danach haben wir einfach die Drums rausgeschmissen und nachprogrammiert (lacht). So haben wir beides in die Songs bekommen: Den Vibe der Band und den Rumms der digitalen Technik.

Textlich machst du in Songs wie „Gestern“ klare Ansagen zur musikalischen Ausrichtung, wenn du etwa singst: „Nichts ist so kalt wie der heiße Scheiß von gestern“ …

… stimmt! Wobei ich das auch mit einem zwinkernden Auge singe. Ich liebe die Musik, die ich früher gemacht habe, schließlich auch. Ich komme ja von da. Es gibt nur oft so ein paar Nasen, die sagen: „Mach doch mal wie früher! Mach doch noch mal Reggae, das war so geil!“ Aber ich habe das ja schon gemacht, warum sollte ich das noch mal machen? Wäre doch bescheuert!

Übrigens habe ich den „Nichts ist so kalt wie …“ Satz gemopst – von Sven Regener. Ich habe ihn mal in einer Talkshow gesehen, und da hat er den gesagt. Hat mich total weggeballert, der war zu gut! Deswegen habe ich den Satz im Song benutzt.

 

 

Du hast vorhin erwähnt, es sollte keinen Mittelfinger auf der Platte geben. Ein bisschen anti bist du aber schon, zum Beispiel im Song „Spaß“, wenn es heißt: „Sie hatten alle noch nie Spaß, und darum sind sie voller Hass. Sie wissen gar nicht, wie das geht, wie man liebt und wie man lebt.“

Hier geht es um die Ursprünge des besorgten Bürgers. Der Begriff „besorgter Bürger“ beschreibt die Anfänge des Rechtsrucks, der AfD und dieses ganzen Krams. Da muss man dann auch mal anti sein. Bei Umweltzerstörung, Rassismus und Faschismus bin ich immer anti. Trotzdem geht der Song auf eine unterhaltsame Weise mit all dem um. Er soll kein Referat sein, sondern rütteln, bewegen, Emotionen auslösen.

Wie ist es eigentlich, wenn du dich textlich mit den genannten Themen, bei denen du anti bist, beschäftigst: Regst du dich dann noch mehr darüber auf oder ist das Schreiben ein Stück weit ein Ventil und beruhigt dich?

Gute Frage (überlegt lange). Es ist eine Art Beschäftigungstherapie. Die Frage ist letztlich: Wohin mit meiner Wut? Schlage ich in einen Sandsack? Oder schreibe ich etwas dazu auf? Jeweils ist die Lage danach kein bisschen besser – aber vielleicht geht es mir ein bisschen besser, weil ich Dampf abgelassen habe. Es gibt auch Momente, wenn ich zum Beispiel einen Brief oder eine Mail von Leuten bekomme, die „danke“ sagen für etwas, das ich in einem Song transportiert habe, weil es ihnen geholfen hat. Da denke ich dann: Krass! Geil!

Man bekommt die Wirkung von den eigenen Texten ja oft gar nicht mit. Aber die Chance auf eine solche Wirkung besteht, wenn man etwas rausbringt, und das ist sehr viel wert.

 

„Hamburg, die pompöse Kulturstadt! Am Arsch!“

 

Als „Advanced Chemistry“ erschien, sagtest du uns im Interview, dass wenn Deutschland im Ganzen ein bisschen mehr wie Hamburg wäre, es in der Gesellschaft auch weniger Angst vor Fremden gäbe …

… ja, das denke ich immer noch.

Du hast es begründet mit der Offenheit Hamburgs, die der Hafen den Leuten nahelegen würde. Denkst du, dass Hamburg auch in der jetzigen Corona-Krise ein Stück weit Vorreiter war und ist für das gesamte Land, etwa, was die Politik angeht?

Nein, leider nicht. Was ich wirklich als Schlag ins Gesicht empfand, war, als erst nach einem gefühlten halben Corona-Jahr die ersten Hilfspakete von je 2.500 Euro eintrudelten – und in der Pleitestadt Berlin die selbstständigen Kreativen 5.000 Euro bekamen. Da war ich richtig sauer. Hamburg, die pompöse Kulturstadt! Am Arsch! Hamburg hat sich da während der Pandemie kein bisschen mit Ruhm bekleckert.

Auf kleine Liebeserklärungen an Hamburg verzichtest du allerdings auch auf „Earth, Wind & Feiern“ nicht.

Wenn ich über Hamburg meckere, dann wie eben in einer speziellen Sache. Da haben die Leute, die in Hamburg das Sagen haben, Scheiße gebaut. Aber das tut meiner Liebe zu Hamburg keinen Abbruch. Alles, was ich bin, bin ich wegen dieser Stadt. Die Musik, die ich mache, mache ich wegen dieser Stadt. Meine Offenheit, meine Toleranz – die habe ich von Hamburg. Wenn es Hamburg nicht geben würde, würde es auch diese Platte nicht geben.

Ich gehe den Leuten anderswo in Deutschland auch schon auf den Sack mit meiner Hamburg-Liebe (lacht). Die wird nie aufhören.

Wo in Hamburg würdest du denn am liebsten eine Release-Party für das neue Album machen?

Im Fernsehturm, für ein paar seelige Wenige. Danach würde ich auch gerne mit der Platte im Millerntor-Stadion spielen. Aber das haben wir mit den Beginnern schon drei Jahre hintereinander versucht, zusammen mit dem Verein und dem Präsidenten. Wir wollten es alle unbedingt. Aber der Bezirksamtsleiter hat es wegen einer DB-Beschränkung nicht zugelassen. 91 DB ist die Grenze. Zum Vergleich: Wenn St. Pauli ein Tor schießt und der Blur-Song ertönt, sind das 105 DB.

Also nicht im Millerntor-Stadion. Aber sehr gerne auf der Trabrennbahn. Dort herrscht eine tolle Atmosphäre und man kann so laut sein, wie es Spaß macht.

„Earth, Wind & Feiern“ ist am 21.5. auf Vertigo Berlin/ Universal erschienen


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juni 2021. Das Magazin ist seit dem 29. Mai 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Prince Kuhlmann: „Wir brauchen Quoten“

Die ghanaisch-deutsche Filmproduktion „Borga“ wurde beim Filmfestival Max Ophüls mit vier Preisen (u. a. bester Film und Publikumsliebling) ausgezeichnet. Im Interview erzählt der Hamburger Schauspieler Prince Kuhlmann über seine Erfahrungen beim Dreh, die Schwierigkeit, als schwarzer Schauspieler in Deutschland engagiert zu werden und die Vorteile einer Diversity Checklist

Interview: Marco Arellano Gomes

 

SZENE HAMBURG: Prince Kuhlmann, du spielst in dem Film „Borga“ von York-Fabian Raabe mit, der im Januar auf dem Filmfestival Max Ophüls viermal ausgezeichnet wurde. Was macht den Film so besonders?

Prince Kuhlmann: Als ich die Anfrage erhielt und hörte, dass es sich um eine deutsch-ghanaische Geschichte handelt, war mir sofort klar, dass ich dabei sein wollte. Das ist für mich eine Herzensangelegenheit. Es ist die Geschichte meiner Eltern und Großeltern – und es ist die Sprache, die ich noch immer spreche.

Das Besondere ist, dass wir endlich diese ungehörte Geschichte eines schwarzen, afrikanischen Mannes erzählen können, der auf die Reise geht, um sein Glück in der Fremde zu suchen. Dieses Narrativ sieht man in Deutschland in dieser Form und Qualität selten.

Was ist an diesem Narrativ so anders?

Die Reise, die die Hauptfigur Kojo (Eugene Boateng) durchlebt – als Schwarzer in Deutschland, als Borga in Ghana – kommt ohne die sonst übliche Form der Indirektheit aus. Wir sehen und erleben die Geschichte aus seiner Perspektive. Es ist wichtig, dass die Zuschauer diese Geschichte auf diese Weise miterleben.

Spiegelt der Film die Realität der ghanaischen Community gut wider?

Es ist natürlich etwas dramatisierter und zugespitzter, was in der Natur des Mediums Film liegt. Aber es gibt viele Aspekte, die sehr realitätsnah sind. Gerade die Odyssee, auf die Kojo sich einlässt, aber auch die afrikanische Community in Mannheim oder das Bild eines Borgas.

Wofür steht das Wort Borga?

Ein Borga ist ein erfolgreicher, wohlhabender Mann von Welt, der es schafft, Dinge zu ermöglichen, die in den Heimatländern normalerweise nicht möglich sind. Wenn du zu einem anderen Afrikaner sagst „Hey Borga! What up?!“, dann bestätigst du diesen quasi als gemachten Mann. Insbesondere in den 1980er und 1990er Jahren war die Zielsetzung vieler afrikanischer Auswanderer, nach Europa oder nach Übersee zu gehen und ein Borga zu werden.

 

„Größte ghanaische Community Deutschlands ist in Hamburg“

 

Stimmt es, dass der Begriff sich von Hamburg ableitet?

Ja, das stimmt. Aus „das ist ein Hamburger“, wurde „das ist ein Borga“. Die größte ghanaische Community Deutschlands ist in Hamburg. Meine Eltern kamen 1979 nach Hamburg. Es gab eine Welle von Westafrikanern, die damals nach Deutschland kam.

In dem Film geht es um die zwei Brüder Kojo und Kofi, die in Ghana aufwachsen und auf einer Elektroschrottmüllhalde nach wertvollen Stoffen suchen, um mit ihrer Familie über die Runden zu kommen. Als Kojo von einem Freund die Erfolgsgeschichten von dessen Onkel in Deutschland hört, entwickelt er den Wunsch, es ihm gleich zu tun. Als junger Erwachsener macht er sich auf nach Mannheim. Gibt es noch immer diese Vorstellung, dass man in Europa und speziell Deutschland leicht zu Wohlstand kommt?

Die Technik hat viel verändert. Durch das Internet, die Handys und Social Media bekommt man viel mehr mit, wie das Leben in den europäischen Städten wirklich ist. Niemand läuft dem noch so blauäugig hinterher. Lange Zeit hat man aber daran geglaubt, dass man nach Europa geht und ein Borga wird. In Wahrheit erwartete einen harte Arbeit – Tag und Nacht. Das durfte zu Hause aber keiner erfahren. Der Schein musste unbedingt aufrechterhalten werden. Da geht es um Prestige und Ansehen. Wer den Weg nach Europa einschlägt, muss erfolgreich sein. Der Druck der Familie, der Nachbarn, der Community ist groß.

In einer Schlüsselszene stößt Kojo auf den von dir gespielten Ebo, der kein Borga geworden ist, sondern ein etwas heruntergekommener, verbitterter älterer Mann. Was hat dich an dieser Rolle gereizt?

Ebo ist eine Art Antagonist von Kojo. Er gilt in Afrika noch als Borga, ist es aber nicht. Diese Scheinrealität zerbricht in dem Moment, in dem die beiden sich treffen. Das war eine sehr intensive, emotionale Szene. Ebo ist verletzt und verbittert, innerlich zerbrochen, weil ihm nicht gelang, was er sich so sehnlichst gewünscht hatte. Und mit der Ankunft von Kojo droht dieses Bild zu zerbrechen.

 

 

Wie hast du dich auf den Dreh vorbereitet?

Ich stieß zwei Wochen vor Drehbeginn zum Projekt dazu. Das war schon eine Herausforderung, in kurzer Zeit die Sprache, Emotion und Körperlichkeit in Einklang zu kriegen. Zudem musste ich der Figur eine Tiefe geben, die glaubhaft machte, dass er diese Reise bereits hinter sich hatte. Ich weiß noch, dass ich vor der Szene länger als sonst im Trailer saß und viel Musik gehört habe, um in eine bestimmte Stimmung zu kommen. Ich sauge die Emotionen über die Musik quasi auf und lasse sie dann in der Szene einfließen.

Wie war die Zusammenarbeit mit dem Regisseur York-Fabian Raabe?

Die Zusammenarbeit mit York war sehr intensiv. Er wollte das Extremste von uns herausholen. Es gibt Regisseure, die erklären detailliert, wie sie sich eine Szene vorstellen. York gehört eher zu denen, die sagen: „Spiel einfach!“ Durch dieses Machen-Lassen ist diese Figur überhaupt erst entstanden.

In solchen Momenten merkt man, dass es einen Zusammenhalt gibt, der über das Vertrauen entsteht. Irgendwann fängt man an, nicht bloß zu spielen, es passiert dann einfach. Man reagiert nur auf das, was der andere tut.

 

„Borga“ ist kein Film für die Black Community, sondern für alle.“

 

Du hast mit „T.H.U.G. – True Hustler Under God“ und „Borga“ gleich in zwei deutschen Filmen mitgespielt, die unter die Rubrik „Schwarzer Film“ in Deutschland gezählt werden können. Woran liegt es, dass nicht mehr dieser Filme produziert werden?

Ich glaube, dass die Ideen, Geschichten und Leute da sind, um diese Art Filme zu machen. Nach dem Film „Borga“ kann jedenfalls keiner behaupten, es gäbe nicht genug schwarze Schauspieler in Deutschland. Dieser Film ist der Beweis, dass hervorragende schwarze Schauspieler da sind und bereit sind, zu spielen. „Borga“ ist kein Film für die Black Community, sondern für alle.

Scheitert es auch an der Finanzierung?

Beim Film „T.H.U.G.“ hatten wir nicht viel Geld. Ich habe nicht mal eine Gage bekommen. Wir wollten eine Bewegung in Gang bringen und andere inspirieren. Das war ein Film, um zu zeigen, dass es möglich ist, einen Jugendfilm mit schwarzer Besetzung zu machen und in die Kinos zu bringen.

Die Preise beim Filmfestival Max Ophüls sprechen dafür, dass Deutschland reif für solche Geschichten und Perspektiven ist.

Ich habe auch den Eindruck, dass alle Bock darauf haben. Der Film zeigt eindrucksvoll die Menschen am Rand, die auch im Filmbusiness meist nur vom Rand zuschauen dürfen. Jetzt stehen wir mit diesem Film mittendrin – und sehen, dass es viele interessiert, was wir zu erzählen haben.

Wäre der nächste Schritt nicht, dass auch schwarze Regisseure ihre Geschichten erzählen? Borga ist zwar ein schwarzer Film, aber von einem weißen Regisseur.

Klar! Auf jeden Fall! Das ist die nächste Etappe, die gegangen werden muss. York hat mit „Borga“ aber großartige Pionierarbeit gemacht. Ich bin froh und so stolz darauf, dass er das mit so viel Leidenschaft und Können umgesetzt hat. Damit hat York uns alle nach vorn in die erste Reihe geschoben. Aber klar, es muss der nächste Step sein, dass auch schwarze Regisseure und Produzenten ihre Storys erzählen. Irgendwo muss man ja beginnen. „Borga“ könnte die Initialzündung sein. Ich hoffe, dass dadurch Türen für die kommenden Generationen geöffnet werden und sich diese Türen nicht wieder schließen. Das ist – gerade in der jetzigen Zeit – sehr wichtig.

 

Verbindliche Quoten

 

Ist die Diversity Checklist, die die Filmförderung Hamburg-Schleswig- Holstein im vergangenen Jahr eingeführt hat, ein Schritt in die richtige Richtung?

Das ist auf jeden Fall gut. Von mir aus hätte man sogar einen Schritt weiter gehen können. In anderen Ländern, wie beispielsweise UK gibt es verbindliche Quoten.

Was entgegnest du Kritikern, die eine Checklist als Eingriff in die künstlerische Freiheit betrachten?

Die Checklist ermöglicht doch, künstlerisch vielmehr neue Perspektiven und Möglichkeiten einzunehmen und in die Geschichten einzubauen. Wir haben hier in Deutschland eine Community von talentierten schwarzen Schauspielern, die gerne mitspielen wollen. Auch sie sind Teil von Deutschland. Es kann doch nicht sein, dass man diese Gruppen außen vor lässt.

Wenn ich auf der Berlinale bin, kann ich die schwarzen Schauspieler an einer Hand abzählen. Das liegt nicht daran, dass es keine gäbe. Ich selbst werde wiederum von einigen überrascht angestarrt. Wenn also jemand fragt, wozu eine Checklist sinnvoll ist, dann ist die Antwort ganz einfach: Es funktioniert nicht anders. Wir brauchen Quoten, um Dinge zu verändern.

Wie findest du die Idee, wie in „The Personal History of David Copperfield“, Schauspieler unterschiedlichster Hautfarben Rollen spielen zu lassen, die eigentlich weiß waren?

Das ist doch ein faszinierender, mutiger Ansatz. Warum sollte ein schwarzer Schauspieler nicht auch eine weiße Rolle spielen und umgekehrt. Viele werden sich dann fragen, warum man das macht. Nach dem Motto: „Das ist ja nicht die Realität.“ Aber wer entscheidet, was im Film möglich ist und was nicht?

Kann das nicht auch ins Absurde führen, wenn beispielsweise eine Frau George Washington spielt, oder ein Weißer Martin Luther King?

Klar, es gibt natürlich Bilder, die bereits fest in den Köpfen der Menschen sind und an denen schwer zu rütteln ist. Ich finde grundsätzlich, dass man Dinge ausprobieren sollte und dann wird man sehen, wie die Resonanz ist. Man sollte zumindest vorab keine feste Linie bestimmen, die besagt, dass es nur so oder so geht, weil die Realität nun mal so ist. Wir leben im Jahr 2021. Heutzutage ist alles möglich.

Es gibt einen Regisseur, den ich extrem feiere: Ryan Murphy. Er ist für einige Golden Globes nominiert worden. Murphy erzählt Geschichten, die sein könnten, aber nicht so sind. Unter anderem Geschichten aus den 1920er Jahren. Damals saßen schwarze Schauspieler bei den Academy Awards allesamt in den hinteren Reihen. Ryan ließ sie vorne sitzen. Das ist mutig, weil er sich einfach die Freiheit nimmt, das Narrativ zu ändern.

 

„Schwarzsein ist kein Trend“

 

Ist es schwieriger, als dunkelhäutiger Schauspieler an interessante Rollen zu kommen?

Es ist ein Armutszeugnis, das so klar zu sagen, aber es ist sehr wichtig, dass es eine Agentur wie „Black Universe Agency“ gibt. Wenn du als schwarzer Künstler in einer Agentur mit überwiegend hellhäutigen Schauspielern und Schauspielerinnen bist, dann bist du eine Karteileiche. Ich bin der Agentur von Bradley Iyamu sofort beigetreten, als er sie gegründet hat. Und ich bin ihm und der Agentur sehr zu Dank verpflichtet.

Wir leben in einer Gesellschaft mit unterschiedlichen Bewegungen wie „Black Power“, oder „Black Lives Matter“, die gerade im Fokus stehen. Aber das alles ist kein Trend. Schwarzsein ist kein Trend. Ich bin schwarz geboren. Das wird sich nicht verändern. Was sich aber verändern kann, ist die Einstellung der Menschen zueinander.

Glaubst du, dass sich das zum Positiven verändern kann?

Ja, aber es ist noch ein langer Weg. In England und Frankreich ist es inzwischen normal, dass in einer Serie ein Schwarzer Polizist ist oder Staatsanwalt. Hier muss darüber zunächst diskutiert werden. Da hilft jedes Positivbeispiel, weil es zeigt, dass es funktioniert. Florence Kasumba liefert als erste schwarze „Tatort“-Kommissarin neben Maria Furtwängler beispielsweise eine klasse Performance ab.

Das inspiriert und motiviert junge schwarze Kinder und Jugendliche. Ich hoffe nur, dass nicht gesagt wird: „Na ja, jetzt haben wir ja ein Beispiel. Das reicht dann erst mal.“

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Prince Kuhlmann, 1990 in Hamburg-Jenfeld geboren und aufgewachsen, ist Schauspieler und lebt in Wandsbek. Schon früh wusste Prince, dass er Schauspieler werden will. Mit zehnJahren nahm ihn seine Mutter zum Casting für das Musical „Der König der Löwen“ mit. Er bekam die Hauptrolle als Simba. Später lernte er im Schauspiel-Studio Frese in Altona drei Jahre lang das Schauspiel. Erste Auftritte hatte Kuhlmann in TV-Serien wie „Notruf Hafenkante“ oder „Nachtschicht“. Sein Durchbruch erfolgte mit dem Kinofilm „T.H.U.G – True Huster Under God“. Es folgte sein Auftritt in der Erfolgsserie „4 Blocks“ und die Nebenrolle in dem mit vier Max Ophüls Preisen ausgezeichneten Kinofilm „Borga“ von York-Fabian Raabe.

blackuniverseagency.com


SZENE-März-2021 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, März 2021. Das Magazin ist seit dem 26. Februar 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Bornplatzsynagoge: Das Für und Wider der Rekonstruktion

Der Wiederaufbau der ehemaligen Bornplatzsynagoge am heutigen Joseph-Carlebach-Platz im Grindelviertel ist das derzeit meist diskutierte Bauprojekt der Stadt. Die Bürgerschaft möchte die Synagoge so errichten, wie sie war, bevor sie 1938 von den Nazis zerstört wurde – an gleicher Stelle, im gleichen Stil, in einer anderen Zeit. Über das Für und Wider der Rekonstruktion

Text: Marco Arellano Gomes

 

Es gibt Bauprojekte mit starker Symbolkraft. Die Speicherstadt war ein solches Projekt. Sie offenbarte die ökonomische Macht des Hafens, war funktional und traf den Zeitgeist. Der Fernsehturm war ebenfalls ein solches Projekt. Er stand für Modernität und Erhabenheit und strahlte neben dem technischen Fortschritt den Wohlstand der Nachkriegszeit aus.

Auch die Elbphilharmonie gehört in ­diese Kategorie. Sie offenbart Hamburgs Ambition, kulturell in der ersten Liga mitzuspielen und vereint das Klassische mit dem Modernen. Ob der ge­plante Wiederaufbau der Bornplatzsynagoge ein solches Projekt sein kann, wird sich zeigen. Zumindest ist es der Versuch, die Gegenwart und die Vergangenheit zu verstehen, zu vereinen, zu versöhnen. Kann das gelingen?

 

Bekenntnis zum jüdischen Glauben

 

Die Rekonstruktion der Synagoge sei ein klares Bekenntnis der Stadt zum jüdischen Glauben, der jüdischen Gemeinde, und ein politisches Zeichen gegen den gewachsenen Antisemitismus. So sagt es die Hamburgische Bürgerschaft, die sich geschlossen – über alle Fraktionen (SPD, Grüne, CDU, Linke, FDP und AfD) hinweg – für den Bau ausgesprochen hat. Ziel sei es, das jüdische Leben in Hamburg deutlich zu stärken und sichtbar werden zu lassen.

So viel Geschlossenheit gibt es nicht alle Tage. Die antisemitischen Anschläge in Halle und Hanau sind an Hamburg jedenfalls ebenso wenig vorbeigegangen wie der lebensgefährliche Angriff auf einen jüdischen Studenten mit einem Spaten vor der derzeitigen Hauptsynagoge Hohe Weide – mitten im Herzen von Eimsbüttel (SZENE HAMBURG berichtete in der November-Ausgabe).

 

Die Gedenkstätte

 

Am Joseph-Carlebach-Platz (ehemals Bornplatz), dem Ort, an dem die Synagoge wieder errichtet werden soll, befindet sich seit 1988 eine auf den ersten Blick nicht erkennbare Gedenkstätte. Man muss schon demütig den Blick senken, um das von der Künstlerin Margrit Kahl entworfene Bodenmosaik zu erkennen, das an den Sakralbau erinnert.

Diskret zeichnet es den Grundriss und das Deckengewölbe mit Granitsteinen nach. Einige Schilder und eine Stele auf dem Gehweg informieren über die Geschichte des Platzes, zeigen Bilder der Sy­nagoge und des damals prakti­zierenden Rabbiners Joseph Carlebach, der 1941 in das ­Lager Jungfernhof, nahe Riga (Lettland), deportiert und dort ebenso wie seine Frau und drei seiner Töchter ermordet wurde.

 

Größtes jüdisches Gotteshaus Norddeutschlands

 

Die Synagoge wurde am 9. November 1938 in der Reichs­pogromnacht von Nationalsozialisten geschändet und in Brand gesetzt, wie viele andere jüdische Gotteshäuser und Geschäfte in ganz Deutschland auch. Augenzeugen in Hamburg berichteten von klirrenden Scheiben, von Feuerflammen, die ein bis zwei Tage loderten, während die Feuerwehrleute nur daneben standen und zuschauten. Übrig blieb eine Ruine, die ein Jahr später auf Kosten der jüdischen Gemeinde abgerissen wurde.

Dabei sollte die nach den Plänen der Architekten Ernst Friedheim und Semmy Engel erbaute Bornplatzsynagoge ursprünglich ein neues Kapitel des gesellschaftlichen Zusammenlebens zwischen Juden und Nichtjuden in Hamburg einläuten: Es war das größte jüdische Gotteshaus Norddeutschlands.

Mitten in dem Stadtteil, in dem das jüdische Leben zu Hause war: das Grindelviertel. Gestaltet im neoromanischen Stil, mit Rundbögen und gotischen Elementen. Auf der mächtigen, knapp 40 Meter hohen braunen Kuppel war ein Stab mit einem vergoldeten Davidstern angebracht. Die 1908 eingeweihte Synagoge bot 1.200 Besuchern Platz und war mit ihrer schlichten und doch erhabenen Präsenz Ausdruck eines neuen Selbstbewusstseins.

 

Spatenschlag statt Spatenstich

 

Shlomo Bistritzky, der derzeitige Landesrabbiner der Freien und Hansestadt Hamburg, hat die Synagoge in einem Interview mit dem „Hamburger Abendblatt“ im Oktober 2019 wieder ins Gedächtnis gerufen und schlug kühn vor, sie erneut zu errichten. Exakt so wie damals.

Auch Philipp Stricharz, der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, sprach sich dafür aus, ebenso wie die Hamburgische Bürgerschaft. In der Sitzung im Februar 2020 brandete Beifall unter den Abgeordneten auf. Der Schock von Halle saß noch tief – und die Bürgerschaft wollte offensichtlich mehr bieten als verbale Anteilnahme. Die Politik stand also dahinter, die Presse und große Teile der Bevölkerung auch.

Dann folgte am 4. Oktober statt eines Spatenstichs der besagte Spatenschlag, vor der Synagoge Hohe Weide. Es war die zweite aufsehenerregende antisemitische Attacke in Hamburg innerhalb eines Jahres. Zuvor wurde Landesrabbiner Shlomo Bistrit­zky auf dem Rathausmarkt angespuckt. Wie könnte man jetzt noch Nein sagen? Wenn es jetzt nicht an der Zeit ist, ein klares, selbstbewusstes Zeichen der Solidarität mit der jüdischen Gemeinde zu setzen, wann dann?

 

„Hamburg hat keinen Zentimeter Platz für Antisemitismus.“

Peter Tschentscher

 

Am 9. November, dem Jahrestag der Pogromnacht, gedachten Hunderte der im Holo­caust ermordeten Hamburger Juden und stellten Kerzen neben den vielen Stolpersteinen auf. Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher stellte sich hinter das Projekt: „Mit einem Wiederaufbau der von den Nationalsozialisten zerstörten Synagoge am Bornplatz kann dort erneut ein zentraler Ort des jüdischen Lebens in Hamburg entstehen“, sagte er und fügte hinzu: „Hamburg hat keinen Zentimeter Platz für Antisemitismus.“

Mitte November folgte die Finanzierungszusage des Bundes in Höhe von 600.000 Euro für eine Machbarkeitsstudie. Diese soll Klarheit bringen, ob und wie eine Rekonstruktion der Synagoge aussehen kann. Viele Fragen gilt es hierbei zu klären: Passt das Gebäude überhaupt in den zur Verfügung stehenden Platz? Gibt es bauliche Schwierigkeiten aufgrund des angrenzenden, denkmalgeschützten Luftschutzbunkers? Müssen Bäume gefällt werden? Gibt es bautechnische Voraussetzungen, die eine Umsetzung erschweren oder teurer werden lassen? Was wird der Bau kosten? Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie werden für Ende 2021 erwartet.

 

Kritische Stimmen

 

Am 27. November bewilligte der Haushaltsausschuss des Bundestags 65 Millionen Euro für den Wiederaufbau. Der Hamburger Haushalt soll sich in gleicher Höhe beteiligen. Machbarkeitsstudie finanziert, Gelder bewilligt, alle dafür – es hätte nicht besser laufen können. Dann meldeten sich erste kritische Stimmen.

Den Anfang machte der ehemalige Journalist Michel Rodzynek. Er habe Bedenken, dass die immensen Kosten – mitten in der Pandemie – alte Vorurteile schüren könnten. Er plädiert für ein jüdisches Zentrum statt einer Synagoge.

Mitte Dezember machte dann ein Thesenpapier die Runde, zu dessen Autoren die Historikerin Prof. Miriam Rürup, der Bauhistoriker Prof. Gert Kähler sowie die frühere Eimsbütteler Bezirksamtsleiterin Ingrid Nümann-Seidewinkel (SPD) zählen. Darin machen sie mehrere Einwände geltend. Besonders problematisch empfinden die Verfasser, „dass dadurch das Resultat verbrecherischer Handlungen unsichtbar gemacht und die Erinnerung an diese Verbrechen erschwert wird.“ Es könne zudem die Illusion erzeugt werden, „es sei nie etwas geschehen“.

Aber sind die Argumente überzeugend? Glaubt irgendjemand allen Ernstes, dass die jüdische Gemeinde ein Interesse daran hat, „die Erinnerung an diese Verbrechen zu erschweren“? Würde eine exakte Nachbildung einer historischen Synagoge nicht vielmehr die ­Menschen zwingen, sich stärker mit ihr auseinanderzusetzen und zugleich einen Neuanfang ermöglichen?

 

Neuer Altbau

 

Die Autoren plädieren für einen modernen Neubau und nennen als Vorbilder Dresden (2001), München (2006) und Mainz (2010). Auch das Kulturforum Hamburg sprach sich für einen Neubau aus. Aber passt ein solcher Neubau wirklich besser in das Grindelviertel als ein neuer Altbau?

Geklärt werden muss auch, wie man mit dem bisherigen Bodenmosaik umgeht. Aber müssen „wir“ wirklich zwingend „diese Wunde im Stadtbild zeigen – und diese Wunde offenhalten“, wie es die Ex-Senatorin Ingrid Nümann-Seidewinkel im Thesenpapier fordert und mit Rechten der Künstlerin begründet, die „1988 nicht erwarten konnte, dass ihr Werk nur 30 Jahre Bestand haben würde“?

„Die große Mehrheit der heutigen Hamburger sagt: Die Bornplatzsynagoge wurde der jüdischen Gemeinde von den Nazis genommen, ermöglichen wir den Wiederaufbau“, sagt Philipp Stricharz, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde. Es dürfe gerade nicht heißen: „Wo die Nazis keine Synagoge sehen wollten, soll der Platz auch leer bleiben.“

Im Grindelviertel wächst seit einiger Zeit etwas, das verloren schien. Mit der 2007 wiedereröffneten Joseph-Carlebach-Schule und dem angeschlossenen Kindergarten sowie dem nahe gelegenen Café Leonar ist die jüdische Gemeinde wieder im Aufwind. Sie wächst. Die Bornplatzsynagoge an irgendeinen anderen Ort in der Stadt aufzubauen, hält Stricharz daher für wenig zielführend. Die Synagoge müsse hier stehen. Nur hier vermag sie den Mitgliedern ein Gefühl zu geben, wieder angekommen zu sein: in Hamburg, im Grindelviertel, am Bornplatz.

 

Neue Initiative

 

Seit Anfang Januar hängen knapp 500 Plakate der Initiative „Nein zu Antisemitismus. Ja zur Bornplatzsynagoge“ verteilt im Stadtgebiet. Die Initiative des Unternehmers Daniel Sheffer hat viele namhafte Unterstützer hinzugewonnen. Nach Angaben der Pressesprecherin haben 100.000 Menschen die Kampagne bereits unterstützt (Stand: 20.1.2021). Wer wagt da noch zu widersprechen?

Zum Beispiel Esther Bejarano (96) und Peggy Parnass (93), zwei Holocaust-Überlebende. Beide vom Hamburger Senat mit der Ehrendenkmünze in Gold ausgezeichnet, der zweithöchsten Auszeichnung nach der Ehrenbürgerwürde.

Beide sind skeptisch, wenn es um die Rekonstruktion der Synagoge als Zeichen gegen den Antisemitismus in Hamburg geht. „Ich zweifle an der Sinnhaftigkeit dieses Vorhabens“, sagte Bejarano nach Angaben des Auschwitz-Komitees. „Anti­semitismus können wir nur bekämpfen“, so Bejarano, „wenn wir die Jungen gewinnen.“ Sie plädiert deshalb für ein Haus der Begegnung für alle Menschen, „in dem über die Ursachen von Antisemitismus, über Lebensbedingungen heute, über Solidarität und Gerechtigkeit, über Umwelt und Bildung diskutiert wird“.

Auch Peggy Parnass, die als Gerichtsreporterin über zahlreiche NS-Pozesse berichtet hat und die alte Synagoge noch kannte, empfindet eine Rekonstruktion als nicht angebracht. Sie wünsche sich „eine kuschelige kleine Synagoge, wie ich sie in Prag gesehen habe. Für gigantische Projekte habe ich nichts übrig.“

Kann eine originalgetreue Rekonstruktion einer Synagoge einen angemessenen Neuanfang initiieren? Oder ist sie Ausdruck eines ­revisionistischen Geschichtsverständnisses? In jedem Fall verspricht sie ein Projekt von ungeheurer Symbolkraft zu werden. Mit allen Gefahren, die damit einhergehen.

bornplatzsynagoge.org


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Angry Young Woman: Ann Petrys „The Street“

Derzeit wird in Deutschland eine Pionierin der afroamerikanischen Literatur wiederentdeckt. Ann Petrys „The Street“ erzählt von einer schwarzen Frau, die im New York der 1940er Jahre keine Chance bekommt

Text & Interview: Ulrich Thiele

 

Ann Petrys Debütroman war bei Erscheinen im Jahr 1946 ein großer Wurf. Die literarische Welt horchte auf, mehr als 1,5 Millio­ nen Exemplare von „The Street“ wurden verkauft, Petry wurde mit dem Houghton Mifflin Literary Fellow­ship Award ausgezeichnet. Und das in einer Zeit, in der afroamerikanische Litera­tur eine reine Männerdomäne war.

Petry wurde 1908 in Old Saybrook, Connecti­cut, geboren, kam aus einer relativ privilegierten Familie von Apothekern und studierte auch selbst Pharmazie. 1938 zog sie mit ihrem Mann nach New York, wo sie erstmals das Elend der Schwarzen in Harlem zu sehen bekam. Um diese Ein­drücke literarisch bearbeiten zu können, studierte sie an der Columbia University.

 

Raus aus dem Elend New Yorks

 

In „The Street“ versucht Lutie sich und ihren achtjährigen Sohn Bubb aus diesem Elend zu befreien. Sie hat als junge Frau ihre Jugendliebe geheiratet. Doch wie so viele schwarze Männer zu jener Zeit findet ihr Mann Jim keine Arbeit. Lutie arbeitet als Hausmädchen auf dem Land für eine reiche, weiße Familie, die Chandlers. Ihre eigene Familie sieht sie nur wenige Tage im Monat. In der Welt der Reichen zele­briert man den American Dream.

Nach einiger Zeit färbt der Glaube, „dass jedermann reich werden könnte, wenn er wollte und hart genug dafür ar­beitete“, auf Lutie ab. Doch das System ist für Schwarze ein Teufelskreis, wie sie später feststellt: „Die Frauen arbeiten, weil die Weißen ihnen Arbeit geben – Geschirr spülen, Wäsche waschen, Böden wischen, Fenster putzen. Die Frauen arbeiten, weil die Weißen schwarzen Männern noch nie gern Arbeit gegeben haben, die genug ab­ wirft, um eine Familie zu ernähren.“ Die gedemütigten Männer, zu Hause in „finsteren Bruchbuden, wo einen die Wände erdrücken“, ziehen weiter. So auch Jim, der Bestätigung in den Armen einer an­deren Frau sucht. Lutie setzt ihn vor die Tür und zieht mit Bubb in eine schäbige Dachwohnung in der 116ten Straße in Har­lem. Die Straße ist der American Night­mare, ein Höllenloch mit einem Teufels­kreis aus Rassismus, Sexismus und Armut – es kommt zu verschiedenen Verwicklungen, bis zum finalen Knall.

 

Kraftvolle Sprache und Thrill

 

„The Street“ ist ein Roman noir und ein literarisches Ereignis. Petry ist eine begna­dete Erzählerin, die virtuos zwischen den Stilmitteln der Hoch­ und Trivialkultur hin und her springt, mit kraftvoller Sprache und Thrill. Dabei greift sie Stereotypen aus dem gängigen Kriminalroman auf, um sie anschließend gründlich zu unterlaufen, indem sie ihnen psychologische Tiefe und somit Ambivalenz verleiht. In ebendieser Ambivalenz liegt auch die Empathie, für die Petry zu Recht gerühmt wird, die sie noch für die widerlichsten Figuren aufbringt.

Sie alle sind „zwielichtige Ge­stalten, denen der Horror ihrer Lebensverhältnisse anzusehen“ ist. Zum Beispiel der Musiker Boots, der Lutie anbietet, in sei­ner Band zu singen – letztlich aber nur mit ihr ins Bett will. Ohne Sympathie für seine Abtrünnigkeit zu haben, entwickelt Petry ein Verständnis für sein Gewordensein, wenn er schildert, wie es ist, „wo zu leben, wo dich keiner haben will und wo der letzte weiße Arsch keine Mühe scheut, dich genau das wissen zu lassen“.

Petry_The_StreetPetry schreibt mit analytischer Klar­heit über Männer, die „nur in einem selt­sam überempfindlichen Stolz“ Halt finden und gewalttätig werden. Woraus Weiße wiederum ihre Bestätigung ziehen, dass Schwarze „von Natur aus kriminell“ seien. Wer so denkt, sagt Lutie, der „sah den ein­ zelnen Schwarzen ja gar nicht (…) weil ein Schwarzer für ihn kein Individuum war. Der war eine Bedrohung, ein Tier, ein Fluch, eine Plage oder ein Witz.“

In Stefan Zweigs „Brief einer Unbe­kannten“ heißt es, als der Protagonist be­sagten Brief zu Ende gelesen hat: „Ihm war, als sei plötzlich eine Tür unsichtbar aufgesprungen, und kalte Zugluft ströme aus anderer Welt in seinen ruhenden Raum.“ Eine ähnlich kalte Zugluft ist auch „The Street“.

Ann Petry: „The Street – Die Straße“, Nagel & Kimche, 384 Seiten, 24 Euro. Am 30.6. wird das Buch bei „März & Moritz & Gast“ im Literaturhaus besprochen, 19.30 Uhr


Szene_Juli_2020_Cover SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juli 2020. Das Magazin ist seit dem 27. Juni 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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Silent Demo Hamburg: Friedlicher Protest

Am Samstag, den 4. Juli, setzen mehr als 1000 Demonstranten bei der „Silent Demo“ am Jungfernstieg ein Zeichen gegen Hass und Rassismus.

Die Demonstration war ursprünglich für den 26. Juni angesetzt, wurde aber aufgrund von Unwetter um eine Woche verschoben. Heute stehen trotz leichtem Regen über 1000 Menschen in der abgesperrten Straße am Jungfernstieg. Angemeldet waren 700 Leute. Da die Demonstration aber friedlich verläuft, muss die Polizei nicht damit drohen, die Veranstaltung – wie am 06. Juni – abzubrechen.

Da große Menschenansammlungen in Zeiten der Corona-Pandemie ein Risiko darstellen, ist die „Silent Demo“ eine statische Demonstration und kein Marsch. Um die Abstandsregeln einzuhalten, wurde mithilfe von Absperrband der Jungfernstieg in sieben Blöcke eingeteilt, in denen jeweils bis zu 75 Personen stehen dürfen. Nicht alle Demonstranten halten sich daran. Viele stehen am Rand oder in den Korridoren zwischen den Blöcken. Immer wieder weisen die Veranstalter daraufhin, dass in den hinteren Blöcken noch ausreichend Platz ist. Tatsächlich bleibt der hinterste Block so gut wie leer. Zu weit entfernt ist man dort von den Rednern.

 

Redner teilen ihre Erfahrungen zum Thema Alltagsrassismus

 

Abigail, eine der Veranstalterinnen, berichtet zu Beginn von einer Demonstrantin, die bei der „Silent Demo“ am 6. Juni von Polizisten mit einem Schlagstock verletzt wurde. Dieses Mal soll es nicht zu Ausschreitungen kommen. Als Abigail den Erfahrungsbericht eines jungen Mädchens vorliest und dieses Fallbeispiel mit den ersten drei Artikeln des Grundgesetzes vergleicht, bricht sie in Tränen aus.

Nach einigen Rednern, die ihre Erfahrungen zum Thema Alltagsrassismus teilen, gibt es einen Open Floor, bei dem jeder die Möglichkeit hat, zu sprechen. Dieses Angebot wird von einigen genutzt. Ein Rapper performt spontan ein paar seiner selbst geschriebenen Texte zu der Debatte. Ein anderer Demonstrant kritisiert die Veranstaltung und meint, dass es nicht reiche für „Awareness“ zu sorgen, sondern Menschen aufgeklärt werden müssten. Seine Nachfolgerin entgegnet, dass sie es als einen guten ersten Schritt ansehe, Aufmerksamkeit zu schaffen, allerdings vermisse sie bei der Demonstration ihre „schwarzen Brüder und Schwestern“ und wundere sich darüber, dass sie fast mehr hellhäutige Protestierende wahrnimmt.

 

Viele junge Menschen demonstrieren

 

Besonders viele junge Menschen sind an diesem Samstag zusammengekommen. Die achtzehnjährige Harriet Freund möchte mit ihrem Protest einen Wandel in der Gesellschaft unterstützen: „Durch die Geschehnisse in den vergangenen Wochen ist mir Alltagsrassismus viel bewusster geworden. Vorher habe ich mich als hellhäutige Deutsche gar nicht mit meinen Privilegien beschäftigt. Jetzt schon.“ Ihre Freundinnen nicken zustimmend.

Zum Schluss wird die Tonbandaufnahme von den letzten Minuten vor George Floyds Tod vorgespielt. 8 Minuten und 46 Sekunden knien alle Demonstranten mit erhobenen Fäusten auf dem Boden, während aus den Lautsprechern die Stimme Floyds über den Jungfernstieg hallt. /kis

 

Mehr Infos und Updates zu weiteren Demonstrationen unter @silent_demo_hamburg

 

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Rassismus: Gegen die Unterschwelligkeit

Nach dem Mord am Afroamerikaner George Floyd protestierten 14.000 Hamburger gegen Rassismus und Polizeigewalt. Denn struktureller sowie Alltagsrassismus sind auch in Hamburg allgegenwärtig

Text: Basti Müller

 

Am Samstag, 6. Juni, demonstrieren mehrere Tausend Menschen auf dem Jungfernstieg, doch es ist still. Für (gefühlte) acht Minuten und 46 Sekunden. So lang hatte der Polizist Derek Chauvin Ende Mai im amerikanischen Minneapolis auf dem Hals von George Floyd gekniet, sodass dieser später aufgrund der gewaltsamen Festnahme im Krankenhaus verstarb. Im Leid wiederholte der 46-Jährige die Worte „I can’t breathe“ („Ich kann nicht atmen“), bis er bewusstlos wurde – ein mutmaßlicher Mord, festgehalten auf einem Video, das um die Welt ging und auch in Hamburg ein Fass zum Überlaufen brachte. Es beweist: Rassismus ist allgegenwärtig.

Angemeldet war der Protest „Nein zu Rassismus! Gemeinsam sind wir stark!“ als Silent-Demo mit 525 Teilnehmern. Schnell wird klar, dass die Zahl nicht einzuhalten ist. Die Menschen protestieren aber friedlich. Für die Opfer des Rassismus ragen sie Fäuste in die Luft, es wird zu „They Don’t Care About Us“ getanzt und zu „Where Is The Love“ gesungen. Die Polizei bittet die Anmelderin, Audrey Boateng, die auch durch die Corona-Richtlinien nun illegale Versammlung zu beenden. Boateng kooperiert, steigt auf das Podium, bedankt sich bei den Mitdemonstranten. Sie ruft „No justice“. „No peace“ hallt es zurück. Jedoch scheitert der Versuch, die Demonstration zu beenden.

14.000 Menschen befinden sich nun am Ufer der Binnenalster, fast das 27-Fache der angemeldeten Teilnehmer. Dennoch duldet die Polizei die Versammlung bis 18 Uhr, zumal sich die Masse in einer zweiten Kundgebung am Rathausmarkt verteilen könne.

Am Freitag zuvor protestierten mehr als 3.000 Hamburger vor dem US-Konsulat gegen Rassismus und Polizeigewalt. Auch hier gewährte die Polizei die gegen die Corona-bedingten Mindestabstände verstoßenden Demonstranten, eine Auflösung hätte das Infektionsrisiko erhöht. Alles verlief friedlich.

 

Über 30 junge Menschen festgehalten

 

Anders am Samstagabend. Die Polizei kommuniziert freundlich über Lautsprecher, die Versammlung auflösen zu wollen. Schließlich kommt es zu Ausschreitungen, auf Twitter meldet die Hamburger Polizei den „Bewurf auf Polizeikräfte mit Gegenständen“. In Videos im Netz lässt sich eine kleine, zum Teil aggressive und vermummte Störergruppe erkennen. Die Beamten warnen, nicht in Mitleidenschaft polizeilicher Maßnahmen gezogen zu werden. „A.C.A.B.“, ruft einer, dann fliegen Flaschen vor die Füße der über die Bergstraße kommenden Polizisten. Im Schlepptau haben sie zwei Wasserwerfer-Fahrzeuge, auch Pfefferspray und Tränengas kommen zum Einsatz. Dann beginnt es zu regnen. Der Jungfernstieg habe sich zum Ende der Veranstaltung so in ein Spannungsfeld zwischen 600 vorrückenden Beamten und einer aggressiv protestierenden Gruppe von 200 Menschen verwandelt, sagte eine Sprecherin der Polizei gegenüber dem NDR.

 

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Foto: Sebastian Peters/ Blaulicht-News

 

Der Einsatz am Jungfernstieg sorgt weniger für Furore, als das, was danach passiert. Gegen 20 Uhr werden laut Zeit Online am Hauptbahnhof, gut einen Kilometer von den vorausgegangen Ausschreitungen entfernt, 35 junge Menschen in Gewahrsam genommen, viele von ihnen haben Migrationshintergrund, sind unter 18, der jüngste soll sogar erst 13 Jahre alt gewesen sein. Sie werden mit erhobenen Händen über eine Stunde lang an die Wand gestellt, dürfen weder telefonieren, noch auf die Toilette. Zeit Online zufolge zeigen einige ihre Einkaufstüten und Kassenbons vor, dürfen darum gehen.

 

„Ich glaube, wir sind sehr behutsam […] vorgegangen“

Polizeipräsident Ralf Martin Meyer

 

Die Übrigen werden mit dem Verdacht auf Landfriedensbruch, Körperverletzung und andere Delikte festgehalten, dann mit HVV-Bussen in das Polizeikommissariat 42 in Billstedt gebracht, wo mit ihnen unterschiedlich umgegangen worden sein soll. Einige haben sich bis auf die Unterwäsche entkleiden müssen und seien erst nach Mitternacht entlassen worden, wenige haben früher nach Hause gekonnt. Bisher soll den Jugendlichen nichts nachgewiesen worden sein. Die Kritik, sie hätte „Jagd“ auf Demoteilnehmer genommen, hat die Polizei bereits zurückgewiesen. Beim Hamburg Journal antwortete Polizeipräsident Ralf Martin Meyer auf die Anschuldigungen: „Ich glaube, wir sind sehr behutsam und sehr verhältnismäßig vorgegangen“, und ordnete im Folgenden die angeblichen Taten politischer Motivation zu: „Ich sehe das Risiko, dass hier eine linksextremistische Organisation, die das als schwarzer Block angezettelt hat, die Jugendlichen in die Auseinandersetzung hineingezogen hat und jetzt versucht, das bürgerliche Thema Anti-Rassismus für sich zu gewinnen.“ Auch rechtfertigte die Polizei den Einsatz laut Taz wie folgt: „Nachdem diese Gruppe festgesetzt worden war, herrschte schlagartig Ruhe in der Innenstadt.“

 

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Foto: Sebastian Peters/ Blaulicht-News

 

Der Vorfall polarisiert dennoch. Zum einen könnte man meinen, die Polizei habe nach Tatverdacht gehandelt. Zum anderen wirken der Ort des Einsatzes, fernab des Jungfernstiegs, und der Zeitpunkt des Zugriffs, zwei Stunden nach dem Auflösen der Demonstration, willkürlich und durch Zeugenaussagen in Medienberichten äußerst fragwürdig. Ein Lichtblick, als Meyer sagt, dass auch die Polizei sich mit dem Thema Rassismus auseinandersetzen müsse. Ernüchterung, als er verspricht, die polizeieigene Beschwerdestelle auszubauen. Wer verpfeift schon gern einen Kollegen oder riskiert seinen Job in wirtschaftslabilen Zeiten? Von einer polizeiunabhängigen Beschwerdestelle sprach Meyer jedenfalls nicht. Der Einsatz steht unterdessen weiter in der Kritik.

 

(Alltags)Rassismus in Hamburg

 

Für Aufsehen sorgte im vergangenen Jahr zum Beispiel der Fall eines falschparkenden Franzosen in Hamburg-Horn. Das Video von „NDR Panorama“ zeigt, wie drei Polizisten einen Mann mit dunkler Hautfarbe mit dem Gesicht nach unten auf den Asphalt drücken. Der Falschparker, dessen Auto abgeschleppt werden sollte, habe versucht, sich zu entfernen und wurde daraufhin festgehalten. Unverständlich dabei ist, warum die Beamten mit solcher Brutalität vorgehen.

Auch zu denken ist an den 34-jährigen Kameruner William Tonou-Mbobda, der 2019 in der psychiatrischen Abteilung des Universitätsklinikums Eppendorf fixiert wurde, unbestätigten Berichten zufolge das Bewusstsein verloren haben soll und später auf der Intensivstation verstarb. Ein Todesfall, der bis heute nicht aufgeklärt wurde und einmal mehr die Debatte anstößt, wie sehr Rassismus nicht nur auf gesellschaftlicher, sondern auch auf institutioneller Ebene verankert ist.

Alltagsrassismus mache sich in verschiedenster Weise bemerkbar, sagt Schohreh Golian. Die 31-Jährige ist Kriminologin, Autorin und Fotografin in Hamburg und setzt sich beruflich und privat mit dem Thema auseinander. In der Exekutive beginne Rassismus laut Golian mit der Gewichtung von Polizeikontrollen in bestimmten Stadtgebieten wie in St. Georg oder in der Hafenstraße. „Das Spatial Racial Profiling bietet Räume, um unverhältnismäßig häufige Kontrollen von Menschen mit Migrationshintergrund zu legitimieren“, sagt die Wissenschaftlerin. Rassismus setze sich in der Stigmatisierung von Eigenschaften wie Armut oder Kriminalität fort und ende mit dem Ausblocken dieser Sachverhalte.

 

„Du merkst nicht, wie privilegiert du bist, wie unkenntlich der Rassismus ist.“

Schohreh Golian

Dass Menschen beim Hashtag „blacklivesmatter“ beispielsweise sofort in Abwehrstellung gehen, den Spieß umzudrehen versuchen, nenne man „reverse racism“ (umgekehrter Rassismus) oder „white fragility“ (weiße Zerbrechlichkeit). Genau darum geht es in dieser Debatte: Die Bekämpfung der seit Jahrhunderten andauernden Unterdrückung von Menschen mit nicht-weißer Hautfarbe. Und der Vorzüge von Menschen mit weißer Hautfarbe, die sich tief in unsere Gesellschaft eingebrannt haben. „Du merkst nicht, wie privilegiert du bist“, sagt Golian, „wie unkenntlich der Rassismus ist.“

Rassismus zieht sich durch alle Lebensbereiche. Zur Bekämpfung reiche es laut Golian daher nicht aus, seine Priviligien zu kennen, „sondern sich auch dem eigenen Rassismus bewusst zu werden, den Betroffenen zuzuhören und ihnen zu glauben“. Anti-Rassismus sei Bildungsaufgabe, beginne aber bei jedem einzelnen von uns, ob beim Demonstranten, Polizisten oder Autoren dieses Textes, und besonders in den Dialogen im eigenen Umfeld, sagt Golian. „Denn wer schweigt, macht sich zum Mittäter.“


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Hamburger des Monats: Mark Pomorin, FCSP Spielerberater

Viele seiner Träume hat Mark Pomorin, 43, wahr werden lassen. Der ehemalige Spieler der Amateure des FC St. Pauli und heutige Spielerberater machte parallel zu seinem damaligen Job in einer Werbe­agentur das Abitur und ermuntert heute Hamburger Schüler, sich für eine Welt ohne Rassismus zu engagieren

Interview: Matthias Greulich

 

SZENE HAMBURG: Mark Pomorin, was berichtest du Schülern als Wertebotschafter der Bildungsinitiative „German Dream“?

Ich erzähle meine Lebensgeschichte. Welche Hürden ich überwinden musste. Ich will den Kids vermitteln, dass man mit jeder Hürde, egal wie hoch sie auch ist, umgehen kann.

Du bist 1976 in Hamburg geboren und mit acht Jahren mit deinen Eltern nach Ghana gegangen.

Das war am Anfang ein Kulturclash für mich. Ich habe auf Deutsch geträumt und viel geweint. Meine Eltern haben gesehen, dass es mir nicht gut ging. Sie wollten mir ein besseres Leben in Deutschland ermöglichen. Die Zeit in Ghana hat mich aber ein Stück weit geerdet. Als ich wieder in Hamburg war, habe ich alles mit anderen Augen gesehen. Ich war zwar sehr jung, aber das tat mir gut. Es tut mir bis heute gut.

Mit zehn Jahren bist du zu Pflegeeltern nach Hamburg gekommen. Sie adoptierten dich, starben aber kurz nach­einander an Krebs, als du 19 warst. Da warst du schon Fußballer beim FC St. Pauli.

Der Fußball hat mir Halt gegeben, ich konnte mich ablenken. Und ich habe Zusammenhalt im Mannschaftssport erfahren.

Mit Ivan Klasnić, einem deiner Mit­spieler aus dieser Zeit, und der ehemaligen Bundesligaspielerin Tuğba Tekkal warst du auf einem „Wertedialog“ in der Stadtteilschule Poppenbüttel.

Ivan ist einer meiner besten Freunde, selbst er wusste nicht so richtig viel von meiner Lebensgeschichte. Weil ich nicht damit hausieren gehe, aber davon erzähle, wenn ich gefragt werde. Seine Geschichte kennt man besser.

Er ist als erster Profi nach einer Nierentransplantation wieder zurück auf den Platz gekommen und hat jetzt seine dritte Niere bekommen. Die Familie Tekkal kenne ich über Jahre, der Kontakt ist nie abgerissen. Als mich Düzen Tekkal fragte, ob ich Wertebotschafter bei ihrer Initiative „German Dream“ werden wolle, war ich sofort dabei. Es ist genau die Message, die ich rüberbringen will.

 

„Wenn es nicht gut läuft, werden die Spieler beschimpft. “

 

Als die Filmemacherin und Autorin Düzen Tekkal in der NDR­Fernsehsendung „Das“ zu Gast war, wurde ein Beitrag eingespielt, der zeigt, wie du deine alte Schule in Horn besuchst.

Ich habe unseren Hausmeister Herrn Sievers wieder getroffen, der sagte, dass es dort auf der Schule keinen Rassismus oder Ausgrenzung gibt.

Das habe ich auch so erlebt. Wir waren viele Kids mit Migrationshintergrund, besonders in unserer Klasse. Und wir hatten ein Mädchen mit Glasknochen, das kleinwüchsig war. Wir haben sie ganz normal aufgenommen und behandelt. Das war also nicht nur ein Spruch, sondern wird dort auch gelebt. Dort habe ich nie Rassismus empfunden. Es gab nur gut und schlecht.

Anders war es beim Sport, wo man das immer mal wieder vom Gegenspieler gehört hat. Als ich beim FC St. Pauli in der Bundesliga-Nachwuchsrunde bei Hansa Rostock spielte, kam eins zum anderen.

Ist der Rassismus im Fußball seitdem weniger geworden?

Ich bilde mir ein, dass es nach wie vor gleich ist, was den Rassismus der Zuschauer betrifft. Wenn es nicht gut läuft, werden die Spieler beschimpft. Auf dem Platz sind allerdings heute mehr Kameras, sodass sich die Spieler mit Beleidigungen mehr zurückhalten.

Was ist mit den Bekenntnissen des DFB gegen Rassismus?

Das hält ignorante Menschen nicht davon ab, sich homophob oder rassistisch zu äußern. Von den Verbänden ist es gut gemeint, und es ist auch ein wichtiges Signal. Auch viele Vereine leben das vor. Aber es gibt eine Minderheit von Fans, die das nicht wollen.

Hast du strukturellen Rassismus erlebt?

Definitiv. Wenn man nicht zu den People of Color gehört, kann man das schwer nachvollziehen. Ein Beispiel: Nach einem Fußballspiel fuhren wir im Auto eines Mitspielers nach Hause. Wir trugen Trainingsanzüge. Wir wurden von der Polizei angehalten. Alles schön und gut.

Ich wurde aber als Einziger kontrolliert, die anderen durchgewunken. Das mag banal klingen, ist für mich aber Alltagsrassismus. Wenn man in der Bahn ein Erste-Klasse-Ticket hat, wird man beäugt nach dem Motto: „Die zweite Klasse ist aber drüben.“ Wenn ich telefoniere und mich mit „Mark Pomorin“ melde, denkt der Gesprächspartner, er redet mit einem großen blonden Mann. Beim ersten Meeting erscheine ich. Die meisten nehmen das mit Humor, für andere bricht eine Welt zusammen.

 

„Rassismus ist lange gewachsen und geht nicht von heute auf morgen“

 

Bringt es etwas, mit Rassisten zu reden?

Jeder ist in seinem Mikrokosmos ein Pionier und betreibt Aufklärungsarbeit. Sei es im Freundeskreis, wenn man dort Alltagsrassismus spürt und sagt: „Bis hierhin und nicht weiter.“ Das kann etwas bringen, wenn die Person sagt: „Das wusste ich ja gar nicht.“ Das ist die ständige Reaktion: „Ach so fühlst du dich.“

Nicht jeder kann mit einem Wertebot­schafter reden. Gibt es Biografien, die du empfehlen kannst?

Ich hatte eine Phase, in der ich mich selbst finden wollte, und las viel von und über Malcom X. Ein Buch,
das mich besonders gefesselt hat und immer noch fesselt, ist die Biografie von Nelson Mandela. Er beschreibt, wie man mit Menschen umgeht, die einem während der Apartheid Unrecht getan haben. Und er berichtet, wie er mit ihnen in einen Dialog tritt.

Was muss die Mehrheitsgesellschaft ler­nen?

Rassismus gibt es leider schon sehr lange. Der ist lange gewachsen und geht auch nicht von heute auf morgen. Das bedeutet, dass jeder Einzelne lernen muss, damit umzugehen. Die Gesellschaft muss dazulernen. Ich glaube, das passiert gerade.

Nach der „Black Lives Matter“­-De­monstration Anfang Juni in Hamburg gab es auch Kritik am harten Vor­gehen der Polizei gegen die teilweise sehr jungen Demonstranten.

Ich habe auch einige Polizisten im Bekanntenkreis. Man sollte nicht alle Beamten in einen Topf werfen. Ich bin auch wütend und habe mich bei Verallgemeinerungen erwischt. Das ist natürlich nicht so.

germandream.de


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