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Post-Corona-Knigge: Der süße Traum der Normalität

Eine Lockerung des Lockdowns ist in greifbare Nähe gerückt. Vielleicht ist eines Tages dank der Impfungen wieder ein normales Leben möglich. Für den Fall, dass nach so vielen Monaten vergessen wurde, wie ein respektvoller Umgang miteinander aussehen kann, hier eine Anleitung für das Leben in der Stadt

Text: Marco Arellano Gomes

 

Ist tatsächlich schon ein Jahr vergangen? Ein Jahr mit Corona, jenem ominösen, zerstörerischen, tödlichen Virus? Antwort: Ja. Bilanz nach Angaben des Robert Koch Instituts (Stand: 15.2.2021) in Hamburg: 365 Tage, zwei Wellen, zwei Lockdowns, 48.983 Infizierte (bundesweit: 2.338.987), 1.196 Tote (bundesweit: 65.076). Ein Jahr kann eine verdammt lange Zeit sein – und verdammt schlechte Laune machen.

Wer das Virus ernst nahm, wem Gesundheit und das Leben der Mitmenschen bedeutsam waren, wird die eigenen Bedürfnisse in dieser Zeit stark bis komplett zurückgefahren haben. Da kann man schon mal verlernen, wie man sich in Gesellschaft zu benehmen hat. Für den Fall, dass irgendwann durch die Impfungen wieder ein normales Leben möglich sein sollte, gibt es hier eine Anleitung …

 

Shoppingmöglichkeiten in der Innenstadt

 

Zwölf Monate lang bestand das Leben in der Stadt für die meisten Menschen ausschließlich aus Arbeit, Lebensmittel-Einkäufen und Spaziergängen. In der hypothetischen, aber möglichen Post-Corona-Ära gilt es, in einem ersten Schritt vorsichtig zu entdecken, dass es weitere Shoppingmöglichkeiten gibt. Es gibt sogar einen Begriff dafür: Einzelhandel.

Das sind meist einzelne Geschäfte, die auf Teilbereiche spezialisiert sind: Modeboutiquen, Haushaltswaren- und Elektronikgeschäfte, Möbelhäuser, Bauhäuser, Gartencenter, Sport- und Spielzeugläden, Optiker und und und. Es gibt aber auch sogenannte Kaufhäuser, die all diese Aspekte in einem großen Gebäude vereinen. Ähnlich wie Amazon, nur in echt. Mitten in der Stadt – und begehbar.

Das Besondere an diesen Geschäften: Dort arbeiten Menschen, die einen freundlich begrüßen, die beraten und sich im besten Fall tatsächlich auch mit dem auskennen, was sie dort anbieten. Du kannst also als Kunde in diese Geschäfte gehen, darin umherschlendern und Dinge entdecken, die dort liebevoll ausgestellt sind. Dinge, die du im Onlineshop möglicherweise nie gesehen hättest, die auch der beste Algorithmus dir nie auf den Bildschirm gezaubert hätte.

Es kommt aber noch besser: Du kannst dem Verkäufer oder der Verkäuferin sogar Fragen stellen – von Angesicht zu Angesicht. Diese Fragen werden im besten Falle kompetent beantwortet, im schlechtesten Falle mit einem „Keine Ahnung“ quittiert. Das Tolle daran: Du hast die Möglichkeit, dich darüber so richtig zu ärgern und deinen Frust mit Ihrem Freundes- und Bekanntenkreis zu teilen. Nicht per WhatsApp, Facebook und Instagram! In echt, bei einem Besuch zu Hause oder bei einem Treffen im Café oder in einer Bar. Und glaub’ es ruhig: Sich gemeinsam über das Shoppingerlebnis zu ärgern und zu freuen, macht doppelt so viel Spaß.

Die Stadt bietet natürlich viel mehr als nur Shopping. Was genau? Finde es heraus! Geh einfach in die Stadt und schau dich um! Du wirst überrascht sein, was dich dort alles erwartet. Wie man spazieren geht, weißt du ja inzwischen. Nur, dass du diesmal wieder ein lohnenswertes Ziel hast: die Innenstadt.

 

Essen & Trinken – jenseits der heimischen Küche

 

Wenn du nach längerem Schlendern Hunger bekommen sollten, dann musst du nicht extra nach Hause gehen und kochen oder etwas bestellen. Es gibt dafür eigens lokale Institutionen namens Restaurants. Das sind die Räume, in denen seit einiger Zeit die Lichter aus und schemenhaft Stühle auf den Tischen zu erkennen waren.

In diesen Restaurants werden dir Getränke und Speisen serviert. Nein, nicht zu dir nach Hause – im Raum selbst! Du setzt dich an einen der Tische oder wirst von einer Servicekraft dorthin begleitet. Dort sagst du höflich, was du dir von den auf der Karte aufgedruckten Speisen und Getränke wünschst – und der nette Herr oder die nette Dame bringt dir das Gewünschte an den Tisch. Die Menschen, die in der Küche stehen und das Essen für Sie zubereiten, nennt man übrigens Köche. Die haben ihr Handwerk professionell gelernt und können es meist besser als du. Unfassbar, oder?

Da du nicht alleine dort sein wirst, gibt es bestimmte Regeln, die einzuhalten sind. Es beginnt damit, dass du dich nicht wie zu Hause benehmen kannst. Also: keine Jogginghose, kein lautes Aufstoßen und keine Bitte, dieses italienische Gedudel auszuschalten, weil du deine Playlist ja so viel besser findest! Bring auch bitte nicht deine eigenen Zutaten mit!

Noch was: Das Essen kostet. Ein Nachschlag auch. Nachspeisen ebenfalls. Jedes Getränk zusätzlich – und teilweise nicht wenig. Die Menschen, die alles zubereiten und an den Tisch bringen, leben nun mal davon. Ach ja: Wenn wir schon bei den Imperativen sind. Falls du dich fragst, wo du am besten essen gehen solltest: Check unseren Genuss-Guide: genussguide-hamburg.com!

 

Kulturerlebnisse ganz ohne Smartphone

 

Du willst nach deinem Restaurantbesuch ausgehen und etwas erleben? Etwas Großes? Etwas Unvergessliches? Wie wäre es mit einem Film?! Nein, nicht per Stream auf ihrem mickrigen Smartphone, Tablet, Laptop oder Flachbildschirm. Die Rede ist von einem echten Filmerlebnis auf der großen Leinwand, mit bombastischem, glasklarem Sound, mit Emotionen, die man mit allen Zuschauern im Raum teilt. Kurz: im Kino.

Es ist ein Unterschied, ob das Gesicht eines Marlon Brando in „Apocalypse Now“ eine überdimensionale Leinwand füllt oder ein Tablet im Bett, direkt neben der Chipstüte. Um es auf den Punkt zu bringen: Man kann Filme sehen oder sie erleben. Nur im Kino kann der Besucher sich ungestört von Messages, E-Mails und Social-Media-Posts, Anrufen und nervigen Nachbarn dem Film widmen.

Aber auch hier gelten Regeln: Hat man einmal einen Film ausgesucht, muss man diesen auch zu Ende gucken. Es nützt nichts, das Handy zu zücken, auf Stopp zu drücken und die weitere Zeit damit zu verbringen, die unzähligen Netflix-Listen durchzugehen, nur um am Ende festzustellen, dass der Abend schon rum ist. Auch ist es nicht erlaubt, sich selbst sein Popcorn und Getränke mitzubringen. Weingläser und Weinflaschen haben im Kino nichts zu suchen – es sei denn, du sitzt in der ASTOR Filmlounge und eine Servicekraft hat dir das Getränk gegen Bezahlung an den ledernen Luxussessel gebracht. In allen anderen Lichtspielhäusern gibt es Verkaufstresen, an denen Snacks und Getränke zu Preisen erworben werden können, die sich an der Größe der Leinwände zu richten scheinen.

Im Kino gibt es auch eine weitere bewährte Regel, an die man sich nach monatelangem Netflix, Amazon Prime, Disney+ und Apple TV+ gewöhnen muss: Wenn die eigene Freundin oder der eigene Freund zu Hause nicht sonderlich an deinen Zwischenbemerkungen interessiert war, dann kannst du dir sicher sein, dass es sich mit den Kinozuschauern nicht anders verhält.

Zu den im Falle einer wieder erlangten „Normalität“ gehörenden Freiheiten (nicht zu verwechseln mit „Freizeitaktivitäten“!) gehören: Musikkonzerte, Theaterstücke, Literaturlesungen, Kunstausstellungen, Museen, Festivals, Klubs, Sport, Reisen. Du kannst dich auch sozial engagieren, Familie und Freunde in großer Anzahl besuchen und treffen, mit anderen Menschen ins Gespräch kommen, diese kennenlernen, vielleicht sogar mit ihnen ausgehen – ganz ohne Tinder, Parship und Elitepartner.

Und vor allem kannst du dem Nichtstun frönen, was nur dann so richtig Spaß bringt, wenn es in Kontrast zu all den Möglichkeiten und Freiheiten steht, die das Leben in der Großstadt bietet. Irgendwann – das ist die große (Impf-)Hoffnung – wird es wieder so weit sein, auch wenn es zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch wie ein süßer Traum erscheint. Aber das Träumen wird ja mal erlaubt sein.


SZENE-März-2021 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, März 2021. Das Magazin ist seit dem 26. Februar 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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ACHIY: Mode im Einklang mit der Natur

Die Erfahrungen, die Vivica Pietz während ihrer Zeit in Peru gesammelt hat, haben sie stark geprägt. Sie hat in einem sozialen Kinderprojekt gearbeitet und dabei vor allem Menschlichkeit, Fröhlichkeit und Dankbarkeit kennengelernt und wie man im Einklang mit der Natur wirtschaftet. Aus diesen Erfahrungen entstand ACHIY – Mode mit einem neuen Geist

Interview: Frank Sill

 

Bei ACHIY ist jeder Pullover handgemacht und die unterschiedlichen Designs limitiert. Die Herstellung entspricht der ursprünglichen indigenen Tradition und auch das Design inspiriert sich an den Symboliken und traditionellen Mustern der südamerikanischen Kulturen und damit steckt in jedem Muster eine eigene Geschichte. Diese spannenden Geschichten kann man sich auf der Website von ACHIY anhören, denn dort werden diese von Einheimischen erzählt.

Die junge Gründerin und Inhaberin Vivica Pietz hat eine enge und persönliche Beziehung zu ihren Produzenten und Stricker in Peru und sich vorgenommen, Rahmenbedingungen zu schaffen, die soziale und kulturelle Verantwortung sichern und einen Gegenpol zur Fast-Fashion-Industrie setzen.

 

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ACHIY Gründerin Vivica Pietz (Foto: Frank Sill)

Moin Vivica, verrate uns doch gleich am Anfang, wie du auf den Namen ACHIY gekommen bist beziehungsweise was er bedeutet?

Er kommt aus der Sprache der Inka und ACHIY lässt sich für mich am besten mit dem englischen „enjoy“ übersetzen. Am Ende aber bedeutet es für mich, glücklich zu sein und ich versuche, das auch jeden Tag zu leben.

Wenn man sich deine Website ansieht, dann spürt man sehr deutlich, dass Fröhlichkeit und Lebensfreude einen großen Stellenwert für dich haben. Was bedeutet es für dich konkret?

Das kommt aus der Entstehungsgeschichte zu ACHIY. Ich war 2014 das erste Mal für ein soziales Projekt in Peru. Das war in einem Slum von Arequipa, der zweitgrößten Stadt von Peru, und dort hatte ich das Glück ein Kinderprojekt mitbetreuen zu dürfen. Es gab dort eine kleine Schule, in der wir zum Beispiel bei den Hausaufgaben geholfen haben oder auch mit den Kindern zum Arzt gegangen sind.

Was mich dort so fasziniert und dann auch geprägt hat, war die Tatsache, dass die Menschen dort zwar fast nichts hatten und trotzdem sehr viel Fröhlichkeit und auch herzliche Dankbarkeit gezeigt haben. Auch das Vertrauen, dass wir als sehr junge und auch letztlich kulturfremde Menschen erhalten haben, indem man uns die Kleinstkinder in Obhut gegeben hat, hat mich sehr berührt. Diese tiefe und offene Menschlichkeit hat mich seitdem nicht mehr losgelassen und ist zum Kern von ACHIY geworden.

 

„Das Vlies der Götter“

 

Ihr verwendet ausschließlich die Wolle von Alpakas. Was macht diese Wolle so besonders?

Die Peruaner nennen es nicht ohne Grund das Vlies der Götter, weil es einfach so göttlich weich ist und die Eigenschaften der Fasern einzigartig sind. Auf der einen Seite hält die Wolle durch diese Fasern sehr warm und ist gleichzeitig sehr atmungsaktiv. Diese Kombination der Eigenschaften ist letztlich der untergebenen Tatsache geschuldet, dass die Alpakas in sehr unwirtlichen Regionen, bis zu 5.000 Meter hoch im kargen Gebirge, leben. Das Klima wechselt dort von extremer Kälte zu hoher Hitze, entsprechend haben sich die Eigenschaften ausgeprägt und aufgrund der hohen Seidigkeit der Wolle ist sie auch sehr hautverträglich.

 

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Die weiche Wolle der Alpakas wird auf
den Strickmaschinen in althergebrachter Art verarbeitet (Foto: ACHIY UG)

 

Dir ist Nachhaltigkeit sehr wichtig. Ihr schreibt auf eurer Website auch „Natürlich neu gedacht: unsere Definition von Nachhaltigkeit“. Nachhaltigkeit ist ja auch schon selbst ein Modebegriff geworden, den sich viele anhaften. Was bedeutet das für euch speziell?

Nachhaltigkeit ist natürlich heute auch ein Trendbegriff. Dadurch, dass ich eben auch lange mit und in indigenen Communitys, die noch sehr im Einklang mit der Natur wirtschaften, gelebt habe, habe ich erfahren, wie selbstverständlich dieses eigentlich ist. Die kennen diesen Begriff gar nicht, weil die Logik ihres Alltages bedeutet, umsichtig mit Ressourcen umzugehen. Es ist für mich ein Lebensprinzip und nicht wie häufig nur ein Label.

Ihr seid da ja sehr konsequent und arbeitet zum Beispiel beim Versand mit RePack zusammen. Kannst du uns einmal das Prinzip dieses Versandes erläutern.

Das ist ein wirklich cooles Unternehmen, die arbeiten mit Mehrweg-Versandverpackungen. Die bestehen aus recycelten Materialien und können bis zu zwanzig Mal wiederverwendet werden. Die Verpackungen haben einen ID-Code mit Rückadresse integriert, das heißt unsere Kundinnen können nach Erhalt unserer Ware die Repack-Verpackung kostenfrei in einen Briefkasten stecken.

RePack arbeitet die Verpackung wieder auf und gibt sie wieder in den Versandkreislauf und wir spenden zusätzlich noch einmal je Rückversand des RePack zwei Euro für die Unterstützung indigener Völker.

 

Traditionelle Muster

 

Kommen wir jetzt mal zu eurer Mode, die ihr herstellt. Der Ursprung eurer Philosophie ist Peru. Wovon lasst ihr euch bei euren Designs inspirieren?

Unsere Inspirationsquelle sind schon die traditionellen Muster der süd-amerikanischen Völker und der Geschichte. Mit jedem unserer handgestrickten Kunstwerke versuchen wir eine einzigartige Geschichte zu erzählen und in jeder Symbolik dieser Kulturen steckt eine tiefere Bedeutung, mit der wir modisch spielen. Der Condor steht etwa für die obere Welt, den Himmel und die Götter und in diesem modischen Spiel versuchen wir, die Kultur und Traditionen dieser Völker wieder ein wenig mehr ins Bewusstsein zu bringen und etwas mehr Sinnhaftigkeit zu stiften.

 

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Die weiche Wolle der Alpakas wird auf
den Strickmaschinen in althergebrachter Art verarbeitet (Foto: ACHIY UG)

 

Viele unserer Kleidungen liegen häufig etwas seelenlos und ohne Bedeutung in unseren Schränken. Unser Claim „Designed by another Life“ manifestiert auch unseren Anspruch, die Menschen beziehungsweise Künstler hinter unseren Produkten zu zeigen, denn sie sind ein wesentlicher und letztlich der entscheidende Bestandteil unserer Mode – ohne sie wäre es nur ein Stück Wolle. Und wir sind stolz diese jahrhundertealte Handwerkskunst am Leben zu erhalten und in unsere „moderne“ Welt zu übertragen.

Was meinst du mit in unsere moderne Welt übertragen?

Das bedeutet, dass wir auch Linien anbieten, die etwas schlichter und dezenter in den Mustern und Farben gehalten sind. Die traditionelle Mode ist eben sehr bunt und für den europäischen Geschmack nicht eins zu eins zu übertragen. In unserer aktuellen Herbst-Winter-Kollektion haben wir daher jetzt das Prinzip „Pachamama“ zugrunde gelegt, das für Mutter Natur steht und für uns in der modischen Übertragung bedeutet, dass wir die Wolle mit natürlichen Farben aus der Natur eingefärbt haben.

Somit schaffen wir es, in unserer „Pure Nature“-Sparte auch ohne den Einsatz von traditionellen Mustern eine einzigartige Geschichte über das Leben der indigenen Communitys im Einklang mit der Natur zu erzählen.

 

Schöne Körperschmeichler

 

Mode unterliegt ja extremen Trendeinflüssen und ist sehr schnelllebig geworden. Wie geht ihr damit um?

Daran müssen wir uns natürlich auch orientieren und das auch in unseren Schnitten widerspiegeln, legen aber eben viel Wert auf durch die Handwerkskunst bedingte Qualität und hervorragende, hochwertige Wolle Lieblingsstücke zu produzieren, die man immer wieder über viele Jahre gerne anzieht.

Unsere limitiert erhältlichen Kunstwerke sind einfach schöne Körperschmeichler und für eine Kundin, die Lust hat, in die eher traditionell beeinflusste Kollektion zu schlüpfen, haben wir die „Pure Spirituality“-Linie. Mit „Pure Fashion“ decken wir sehr modische, dem Trend entsprechende Wünsche sehr gut ab. „Pure Nature“ ist dafür wieder etwas für Frauen, die es eher klassisch mögen. Ich bin mir sicher, dass unsere Linien für jeden Geschmack etwas Schönes bieten.

 

achiy.com


SZENE HAMBURG KAUFT EIN 2020 SZENE HAMBURG KAUFT EIN!, Dezember 2020. Das Magazin ist seit dem 19. November 2020 im Handel und auch im Online Shop erhältlich! 

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Shopping: 5 nachhaltige Adressen in der Sternschanze

Besonders in der Sternschanze gibt es einige Läden, die sich einem ökologisch-nachhaltigen Lebensstil verschrieben haben. Einen Mix aus fünf klimaschonenden Adressen hat SZENE HAMBURG hier gesammelt:

 

GLORE HAMBURG

 

Im bunten und vielfältigen Karoviertel findet sich seit Mai 2010 die Hamburger Filiale von Glore, einem Unternehmen, das sich auf Bio- und Fairtrade-Mode spezialisiert hat. Das Sortiment richtet sich sowohl an Frauen und Männer und wird nach hohen ethischen Ansprüchen ausgesucht.

Jedes Kleidungsstück wurde fair gehandelt und ökologisch nachhaltig produziert, einen Extrastempel gibt es noch für Stücke die vegan sind, also keinerlei tierische Bestandteile beinhalten.

Glore Hamburg
Marktstraße 31

 

LOCKENGELÖT

 

Schränke und Kommoden aus Ölfässern, Leuchten aus LPs, Eierbecher aus Skateboards und Kleiderleisten aus Büchern – Lockengelöt praktiziert Upcycling in seiner schönsten Form. Die Teile sehen nicht nur extrem stylish aus, sondern schenken Dingen, die sonst auf dem Müll gelandet wären, ein neues Leben.

Lockengelöt
Marktstraße 114

 

MERIJULA STORE

 

Merijula ist eine moderne und nachhaltige Lifestylemarke aus Hamburg. Kleidung und Accessories sind fair und nachhaltig produziert und leben von ihrem bunten und ungewöhnlichen Look.

Die einzelnen Buchstaben des Namens stehen für Werte, für die die beiden Founder Sarah und Julian einstehen: Magic, Education, Respect, Independence, Justice, Unity, Love, Art.

Merijula Store
Wohlwillstraße 24

 

GRÜNE FLORA

 

Das Team der grünen Flora macht sich regelmäßig auf die Suche nach neuen, ungewöhnlichen Pflanzen und verkauft nur regionale Blumen, die gerade Saison haben. Schön und nachhaltig!

Grüne Flora
Schulterblatt 79

 

MIMULUS NATURKOSMETIK

 

Eine besondere Auswahl an Naturkosmetik findet man in diesem stilvollen kleinen Laden mitten in der Schanzenstraße. Nicht nur die großen Marken, sondern auch kleine weniger bekannte Label und andere Schätze werden in das Sortiment aufgenommen, wie zum Beispiel plastikfreie Bio-Zopfgummis oder recycelbare Zahnbürsten für Kinder.

Nicht nur sind die Produkte biozertifiziert, aus nachhaltigem Handel und/oder vegan, man macht sich auch viele Gedanken um die Vermeidung von Plastikmüll und die Schonung von Tier und Umwelt. So ist unter einigen Produkten ein kleines Schild an das Regal geklebt, „No bad waste“, damit sofort ersichtlich ist, dass diese keinen oder nur recycelbaren Müll produzieren. Unbedingt mal reinschauen, sich beraten lassen oder einen Gutschein für eine besondere Person erstehen (die übrigens sehr niedlich bedruckt sind).

Mimulus Naturkosmetik
Schanzenstraße 39a


SZENE HAMBURG KAUFT EIN 2020 SZENE HAMBURG KAUFT EIN! 2020. Das Magazin ist seit dem 19. November 2020 im Handel und auch im Online Shop erhältlich! 

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Weihnachten: 10 Geschenkideen aus Hamburg

Alles aus Hamburg! Ganz hanseatisch: Nützliches in schönem Design

SZENE HAMBURG hat kleine und große Weihnachtsgeschenke für den kleinen und großen Geldbeutel zusammengesucht. Ganz nach dem Motto „shop local“ kommen alle Produkte von Hamburger Marken und Shops. Durch den Kauf folgender Produkte wird der lokale Einzelhandel unterstützt:

 

  1. Ob Tea- oder Cocktail-Time – mit dem wird auf jeden Fall stilsicher serviert. (Preis auf Anfrage)

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Clic im Stilwerk
Große Elbstraße 68 (Altona-Altstadt)

 

2. Knallbunte Schlüsselanhänger von dekoop gibt es im Onlineshop oder im Ladenbüro auf der Kleinen Freiheit zu kaufen. (9,90 Euro)

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dekoop
Kleine Freiheit 1 (St. Pauli)

 

3. Mit der Designerlampe „Trulla“ geht auch in den eigenen vier Wänden die Sonne auf. (349 Euro)

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clavo-design.de

 

4. „Gossip“ ist ein Stuhl von moij design aus Formholz – perfekt zum entspannten Zurücklehnen. (498 Euro)

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moijdesign.de

 

5. Wie praktisch: Geschirrtücher mit aufgedruckten Rezepten gibt es bei Frohstoff. (15,60 Euro)

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Frohstoff
Wexstraße 38 (Neustadt)

 

6. Die Schalen in Origami-Optik von moij design liegen voll im Trend. (14 Euro)

 

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moijdesign.de

 

7. Der minimalistisch kreierte Kerzenständer passt zu jedem Einrichtungsstil. (79 Euro)

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hauszeitdesign.de

 

8. Wie elegant Tonkunst aus Hamburg sein kann, zeigt die Kollektion von tovaa. Das Geschirr wird direkt aus der Werkstatt heraus verkauft. (13 Euro)

 

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tovaa
Bernstorffstraße 133 (Altona)

 

9. „All Natural“ verspricht die Marke „Stop the Water While Using Me!“. Die flüssige Seife gibt es in verschiedenen Varianten. (10,90 Euro)

 

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Kauf Dich Glücklich
Schulterblatt 18 (Sternschanze)

 

10. Süßes T-Shirt: In der B-LAGE gibt es Franzbrötchen-Patches zum Aufnähen auf diverse Kleidungsstücke. Ziem(t)lich cool! (7,90 Euro)

 

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B-LAGE
Kampstraße 11 (Sternschanze)


https://szene-hamburg.com/wp-content/uploads/2020/07/Cover-Living-Guide-2020.jpg SZENE HAMBURG WOHNEN+LEBEN 2020. Das Magazin ist seit dem 31. Juli 2020 im Handel und auch im Online Shop erhältlich! 

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Jimmy Blum: „Bunt ist es am schönsten!“

Jimmy Blum liebt am meisten die Farbe Lila, ist sich aber darüber bewusst, dass diese Farbe alleine kein Umsatzbringer wäre. Deshalb setzt er auf bunt.

Interview: Frank Sill

 

Wenn man bei Jimmy in das Geschäft kommt, weiß man erst einmal gar nicht, wo man zuerst hinschauen soll. JIMMY Hamburg bedeutet ausgiebig Stöbern in einem bunten Mix von aktuellen Designs. Mode, Schuhe, Weine, Spirituosen, Schmuck, Geschirr aus Italien und einiges mehr präsentiert sich dicht an dicht in den Regalen.

Man muss aber keine Sorge haben, den Überblick zu verlieren, denn Jimmy unterstützt mit seiner sehr charmanten Art jede und jeden, das Richtige für sich oder seine Lieben als Geschenk zu finden. Jimmy verkauft nicht nur, sondern produziert zum Beispiel seine custom-made-Schuhe mit einer kleinen italienischen Manufaktur und pflegt sehr enge und faire Beziehungen mit seinen Herstellern und Lieferanten.

 

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Egal, ob Mode, Schuhe, Weine, Spiritousen, Schmuck und vieles mehr, es lohnt sich, bei JIMMY in Ruhe zu stöbern (Foto: SZENE HAMBURG)

 

Lieber Jimmy, erkläre uns doch zu Anfang einmal das Konzept von JIMMY Hamburg.

JIMMY Hamburg ist der klassische Concept Store, wie man sich ihn eigentlich vorstellt. Ich habe hier alles, was mir auf meinen Reisen durch die Welt begegnet ist und mir gefällt.

Was ist das denn genau?

Ich biete Schuhe und Taschen, die ich selber produziere, an. Darüber hinaus verkaufe ich eine eigene Strickkollektion und auch eine Geschirrserie. Da ich ja halb in Italien wohne, bringe ich auch viele italienische Weine mit, der hier sehr gerne gekauft wird. Ebenso habe ich handgemachten Schmuck, zum Beispiel von meiner lieben Freundin Lisa aus Österreich. Eben einfach alles, was schön ist.

Du sagtest gerade, alles was schön ist, was sind denn deine Kriterien, nach denen du das beurteilst und deine Produkte und Mode aussuchst? Muss alles dir gefallen?

Dann wäre ich schon pleite. Meine Lieblingsfarbe ist Lila und die trägt sonst kaum ein anderer Mensch. Irgendwo habe ich auch immer etwas mit dieser Farbe an. Ich schaue mich natürlich überall nach den aktuellen Trends um und bin quasi auch mein eigener Fashion Scout und so entdecke ich auch die Produzenten.

Gehst du auch auf die üblichen Mode- und Trendmessen oder läufst durch die Innenstädte und lässt dich durch die Menschen auf der Straße oder Schaufenster inspirieren?

Ich gehe auch auf Messen, aber ehrlicherweise ist mir das häufig zu spießig dort. Da ich fast alle meine Produkte selber produziere, hole ich mir auf den Messen die eine oder andere Trendidee. Und ich reise in die Trendmetropolen auf der ganzen Welt und schaue mich um, was dort von den Hipstern getragen wird. Reisen ist Corona-bedingt gerade etwas schwieriger, aber Ideen habe ich zum Glück noch genug.

 

Nachhaltige Produktion

 

Du hattest es schon erwähnt, dass du unter anderem eine eigene Schuhkollektion hast, die sehr ausgefallen ist. Was ist das Besondere an deiner Schuhkollektion?

Meine Kollektion ist durchaus ausgefallen, aber man kann auch einen schlichten schwarzen Schuh bekommen. Das Besondere ist, dass ich sehr nachhaltig produziere. Ich produziere in einer kleinen Schuhmanufaktur in Umbrien und meine verwendeten Leder sind nahezu ausschließlich organisch gegerbt, also ohne Chemie hergestellt.

Alle Schuhe sind handgemacht und man kann sich den Schuh selber zusammenstellen. Du kannst dir die Farbe der Sohle und des Obermaterials aussuchen und dann dauert es bummelige drei Wochen und dann hast du deinen individuellen Schuh am Fuß.

 

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Nachhaltig in Italien produziert: Die Schuhe bei JIMMY Hamburg (Foto: SZENE HAMBURG)

 

Hattest du eigentlich schon immer so eine innige Beziehung zu Mode und den schönen Dingen des Lebens? Wurde es dir quasi in die Wiege gelegt?

Also in die Wiege wurde es mir nicht gelegt, ich habe es mir selber angeeignet. Als Schüler mit 15 Jahren habe ich angefangen, in einem Jeansladen in meiner Heimatstadt Lüneburg zu jobben. Nach der zwölften Klasse habe ich meine Schullaufbahn abgebrochen und habe eine Ausbildung zum Industriekaufmann begonnen. Das war aber so überhaupt nicht meins, dass ich das tatsächlich nach vier Woche schon wieder beendet habe.

Nebenbei hatte ich allerdings immer noch in dem Jeansladen weitergearbeitet und die haben mir eine Ausbildung angeboten und meinten, dass ich danach ja auch noch studieren könnte. Somit habe ich dann meine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann gemacht und dann Textilbetriebswirtschaft studiert.

 

Großstadtdschungel und Remmidemmi

 

Woher kommt deine innige Beziehung zu Italien?

Dort versuche ich den Großstadtdschungel und Remmidemmi, den ich hier in Hamburg habe, in unserem kleinen Bergdorf auszugleichen. Dadurch habe ich eben dann auch die ganzen kleinen Manufakturen und Produzenten, mit denen ich heute zusammenarbeite, kennengelernt.

Du produzierst deine eigenen Waren dann also alle in Italien?

Stimmt. Meine Kollektionen werden nachhaltig und fair für alle Beteiligten in Italien produziert und ich habe zu allen Produzenten einen sehr persönlichen Kontakt.

Die Konkurrenz belebt ja bekanntlich das Geschäft. Wo stöberst du gerne hier in der Schanze mal anderweitig herum?

Das ist ja das Schöne, dass wir hier in der Schanze kein Konkurrenzdenken haben, sondern wir sind alle Nachbarn und Partner. Wir haben schon vor Corona gemeinsam Schanzen-Hopping ins Leben gerufen, um uns gegenseitig zu supporten und zu empfehlen. Meine erste Anlaufstelle sind immer die Wohngeschwister.

 

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Viele kleine Geschenke zu Weihnachten warten bei JIMMY Hamburg in den Regalen (Foto: SZENE HAMBURG)

 

Worauf freust du dich am meisten in der Weihnachtszeit?

Natürlich aufs Weihnachtsgeschäft. Ich freue mich, dass meine Produkte so gut ankommen, dass sie unter dem Weihnachtsbaum landen. Und ich verspreche, dass sich für jedes Budget eine schöne und persönliche Geschenkidee bei mir im Geschäft findet.

Was kommt bei euch Heiligabend auf den Tisch? Habt ihr da ein Ritual?

Egal, wo wir sind, es gibt Gans bei uns. Selbst wenn wir in Italien sind, bringe ich meine Gans aus Hamburg mit. Das muss einfach sein.

JIMMY Hamburg
Schanzenstraße 5


SZENE HAMBURG KAUFT EIN 2020 SZENE HAMBURG KAUFT EIN!, Dezember 2020. Das Magazin ist seit dem 19. November 2020 im Handel und auch im Online Shop erhältlich! 

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LYS Vintage: Skandinavisches Design in Eimsbüttel

Auf einem gemütlichen dänischen Sofa sitzend erzählt uns Simone Sauvigny, Inhaberin von LYS Vintage, wie sie ihr ganz eigenes Konzept für ein Möbelgeschäft entwickelte und von ihrer Faszination für skandinavische Design-Klassiker

Interview: Frank Sill

 

Was mit einer persönlichen Leidenschaft für Unikate dänischer Design-Klassiker begann, die sich irgendwann in Simones Wohnung stapelten, wurde 2008 auch zu ihrem beruflichen Lebensinhalt. Aus ihrer Leidenschaft für skandinavische Mid-Century- Originale entstand ein 350 Quadratmeter großes Möbelfachgeschäft in Eimsbüttel.

Der Schwerpunkt hat sich seit Gründung auf fabrikneue Produkte verlagert. Die Philosophie ist aber die Gleiche geblieben und so ist sie auch weiterhin den skandinavischen Prinzipien treu: solide handgefertigt, funktional relevant und ästhetisch faszinierend. Sozusagen die modernen Klassiker von morgen.

 

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Seit 12 Jahren hat Simone Sauvigny ihren Mödelladen LYS Vintage in Eimsbüttel (Foto: Anna Sauvigny)

 

Fangen wir doch einmal direkt mit dem an, was draußen an eurem Schaufenster steht. Was bedeutet der Name LYS Vintage?

Er hat tatsächlich eine Bedeutung, die uns damals bei unserer Gründung inspiriert hat. LYS kommt aus dem Dänischen und bedeutet Licht. Gerade in der dunkleren Jahreszeit haben die Skandinavier doch sehr wenig Tageslicht und konzentrieren sich auf ihre Wohnräume und auf die Lichtkonzeption in diesen Räumen. In den 50er und 60er Jahren hatte der dänische Modernismus seine Hochzeit, der durch viele, bis heute sehr bekannte, Lichtdesigner geprägt war. Viele dieser Klassiker, wie von Louis Poulsen, werden auch bis heute so produziert.

 

Skandinavischer Modernismus

 

Und ihr habt euch dann erst einmal auf diese Vintage Klassiker konzentriert?

Anfangs haben wir uns nur auf Unikate spezialisiert, haben dann aber 2010 begonnen junge, aufstrebende Designer mitaufzunehmen, die auf dem Erbe der großen Meister aufgebaut haben. Heute präsentieren wir daher einen Mix aus Klassikern, die teilweise wieder produziert werden, und den Möbeln junger Designer, die im Geiste dieses skandinavischen Modernismus gestalten.

Woher stammt deine Liebhaberei für skandinavische Mid-Century- Originale?

Während unserer Gründungszeit vor gut zwölf Jahren war ich vor allem auf der Suche nach Dingen, die noch einen Wert hatten und mit der Zeit eigentlich immer besser werden wurden, weil sie mit einer Art Würde reifen und im Laufe der Jahre eine schöne Patina ansetzen.

Ich habe vor der Gründung einige Zeit in Dänemark verbracht. Dort ist es so, dass Dinge anscheinend nur einmal gekauft werden und dann von Generation zu Generation weitergegeben werden. Dieses Bewusstsein für Langlebigkeit in Material und Design hat mich beeindruckt. Vor diesem Hintergrund haben wir dann angefangen, dort solche Unikate aus Palisander oder auch Teak zu suchen und zu verkaufen.

Irgendwann ist uns dann allerdings aufgefallen, dass viele Dänen gerne nach Deutschland kamen, um hier solche Klassiker zurückzukaufen, weil wir Deutschen den Wert gar nicht erkannt haben und den Dänen damit viele Schnäppchen ermöglichten.

Und was hat das für euch bedeutet?

Wir haben erst einmal erkannt, dass es zwar einen großen Markt für skandinavische Klassiker gibt, der aber international durch spezialisierte Auktionshäuser schon sehr leer gefegt war und für uns nicht so viel übrig blieb, um daraus einen wirtschaftlich soliden Anfang aufzubauen. Deshalb konzentrierten wir uns auf die jungen, neuen Designer, die mit uns gerne zusammenarbeiten wollten, weil wir ihnen im Gegenzug einen Zugang zu dem großen deutschen Markt ermöglichten.

 

Heimelige Atmosphäre

 

Kannst du bitte einmal beschreiben, wie euer Sortiment aussieht.

Vom Sortiments-Mix her sind wir ein typischer Concept Store, der Möbel, Leuchten und Wohn-Accessoires anbietet. Unser Ausstellungskonzept ist so strukturiert, dass man beim Reinkommen direkt das Gefühl hat, dass man auch so eingerichtet sein könnte, weil wir unterschiedliche Wohnzonen eingerichtet und nicht nach Sortiment ausgestellt haben. Wir bekommen von unseren Kunden auch immer wieder erzählt, dass sie sich hier gerne aufhalten, weil dieses Ausstellungskonzept für viele eine heimelige Atmosphäre schafft, die auch etwas Beruhigendes im Kontrast zu unserem stetig getakteten Alltag bietet.

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Licht spielt in der Raumkonzeption eine wichtige Rolle (Foto: Jonas von der Hude)

Was macht für dich ein gutes Design aus?

Dass es handwerklich gut gemacht und zeitlos ist und damit wertbeständig. Ganz wichtig, es muss einen echten Gebrauchsnutzen haben und nicht nur eine visuelle Idee darstellen.

Leo Lübcke von interlübcke hat einmal gesagt, dass gutes Design über der Zeit steht …

Ja, ein schöner Gedanke, wenn etwas den Test der Zeit besteht und nach Jahrzehnten immer noch als schön empfunden wird, dass ist toll.

Ein Stuhl braucht nicht ständig neu erfunden werden, im Modernismus sind bereits ein paar perfekte Exemplare entstanden, die noch heute produziert werden. Andererseits ermöglichen moderne Verfahren wie zum Beispiel 3-D-Drucker ganz neue technische Möglichkeiten, die das Design unserer Zeit mit beeinflussen. Ich denke da an die Alltagsobjekte von Wang & Söderström, einem Kopenhagener Design-Studio, bei dem die Grenzen vom Realen mit dem Digitalen verschwimmen. Das weist den Weg in die Zukunft und zeigt auch sehr schön, dass wir doch nicht nur Gestriges und Nostalgisches anbieten (lacht) und in einer Zeitkapsel konservieren wollen.

War es immer schon dein Traum ein Möbelfachgeschäft zu betreiben? Oder wie kam es dazu?

Ich habe ursprünglich als Strategische Markenentwicklerin gearbeitet und bin da eher durch mein privates, persönliches Interesse reingerutscht. Nur weil man irgendwann Ikea entwachsen war, wollte man ja nicht automatisch bei den konservativen, großen Möbelhäusern landen und da wollten wir eine Alternative bieten und das hat dann ja auch ganz gut funktioniert.

 

Fokus auf Familie

 

Wie kamst du auf die Idee, in Eimsbüttel zu eröffnen?

Es war sicherlich die geografische Suche um unseren damaligen Wohnort herum und das Gefühl, dass hier viele Menschen leben, die so ticken wie wir. Dieses skandinavische Lebensgefühl, den Fokus auf Familie statt Karriere und ein bewusster, werthaltiger Konsum statt das Streben nach repräsentativem, vordergründigem Luxus.

Was macht denn dieser Stadtteil für dich aus?

Ich empfinde diesen Stadtteil als sehr heterogen und dadurch nicht so greifbar. Das geht ja von der bunten Schanze bis hin zum Weiher, der eher eine große Bürgerlichkeit aufweist. Hier findest du von progressiven bis zu konservativen Lebenseinstellungen irgendwie alles.

Wo gehst du selber hier gerne Schaufensterbummeln?

Auf dem Abschnitt zwischen Osterstraße und Fruchtallee hat sich ein ganz spannender Mix von neuen Geschäften, Boutiquen und Cafés entwickelt, da kann man sich schöne Anregungen holen. Bei uns um die Ecke gibt es das Black Line, bei denen wir gerne unseren Kaffee holen und schräg gegenüber ist Kind der Stadt, ein richtig schöner Kinderausstatter. Nicht weit von hier ist Andrzej Kolaska, der Bunzlauer Keramik anbietet und bei dem man ganz tolle Geschenkideen findet.

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Bei LYS Vintage entdeckt man immer wieder schöne Anregungen (Foto: Jonas von der Hude)

Und in welchen Lieblingsrestaurants geht ihr abends gerne essen?

Für besondere Anlässe ist nach wie vor das Vienna die erste Wahl der Klassiker. Mittags gehen wir gerne in den Thai Gourmet Imbiss und das Salibaba ist ein tolles Projekt, das von ehemaligen, syrischen Flüchtlingen geführt wird und man kann da einfach lecker essen. Initiiert hat das Projekt der syrische Gastronom Hanna Saliba, dem das bekannte Restaurant Saliba Alsterarkaden gehört und seinen Landsleuten helfen möchte sich eine eigene Zukunft aufzubauen.

 

 

Zum Abschluss. Wie sieht für dich der perfekt geschmückte Weihnachtsbaum aus?

Auf jeden Fall nicht jedes Jahr in einem neuen Gewand und der Schmuck besteht aus wertigen Materialien, wie zum Beispiel Messing, transparente Glaskugeln und ganz wichtig sind echte Kerzen für mich. Aktuell haben wir beispielsweise gedrehte und gelackte Kerzen, ein bisschen 80er-Jahre-Style, im Sortiment. Das Ganze dann abgerundet mit Fundstücken aus der Natur, die man auf langen Herbstspaziergängen prima sammeln kann.

LYS Vintage GmbH
Eppendorfer Weg 8


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