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Raus aus der Stadt: Mikro-Abenteuer in der Geltinger Bucht

Pack Koffer, Kumpels oder Partner ein, steig in die Bahn oder fahre mit dem Auto los. Ab an die Geltinger Bucht – gute Reise!

 

Fernab von Trubel und Menschenmassen lädt die Geltinger Bucht gerade in der aktuellen Situation zu Entspannung, Spaß und Erholung ein: kilometerlange Sandstrände, naturbelassene weite Landschaften und viele Möglichkeiten für Outdoor-Aktivitäten. Ob Campingplatz, Ferienwohnung oder -haus, idyllisch-ruhig gelegen oder in Alleinlage mit Garten oder Terrasse, die Geltinger Bucht hat fast alles zu bieten.

Auch die Gastgeber sind bestens vorbereitet und sorgen in Corona-Zeiten mit spezifischen Hygienekonzepten für ein sicheres Urlaubsgefühl. An den vielen Stränden der Geltinger Bucht, ob herrlich feinsandig oder mit Steilküste, findet man auch in der Hauptsaison noch ein schönes Plätzchen, um in Ruhe Sonne, Wind und Wellen zu genießen. Für Gäste auf vier Pfoten sind während der Saison extra Hundestrände ausgewiesen.

 

Natur pur

 

Die gesamte Landschaft der Region Angeln besticht durch ihre Vielseitigkeit und Naturbelassenheit. Sanfte Hügel mit wehenden Feldern und üppige Wallhecken wechseln sich ab mit blumenübersäten Wiesen und lichten Buchenwäldern. Auch im wildromantischen Naturschutzgebiet Geltinger Birk mit seinen Wildpferden und im Habernisser Moor gibt es viele Wege für einsame Spaziergänge, zum Wandern und Radfahren und für unvergessliche Tier- und Naturbeobachtungen.

 

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Segeln, Surfen, Kiten – für Wassersportler ist die Geltinger Bucht, gerade mit ihrer Nähe zu den Segelquartieren der dänischen Südsee, ein wahrer Geheimtipp. Auch das Glück auf dem Rücken der Pferde kommt bei einem Ausritt am Strand nicht zu kurz. Die regionalen und saisonalen Angebote der heimischen Gastronomie sind nicht zu unterschätzen und bestätigen wieder einmal, dass man auch in Deutschland traumhaft Urlaub machen kann.

Geltinger Bucht: Bucht der Ostsee an der nordöstlichen Küste von der Region Angeln am Ausgang der Flensburger Förde bei Gelting (Schleswig-Holstein)


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Top 6: Orte zum Chillen und Grillen in Hamburg

Mitten in der Stadt, am Wasser oder im Park: Plätze zum Chillen und Grillen gibt es reichlich in Hamburg

 

Steganlage Dove Elbe

 

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Vom Steg ins Wasser zu springen, ist wohl die effektivste Art sich abzukühlen. Am Allermöher Deich liegt die Dove Elbe. Von dort geht ein Holzsteg vom Strand direkt ins Wasser. Die Dove Elbe ist ein 18 Kilometer langer Nebenarm der Elbe. Sie fängt am Deich an und verläuft dann durch die Hamburger Vierlande. Der Platz an der Steganlage ist wegen seinen Möglichkeite sehr beliebt. Denn: Man kann nicht nur picknicken oder baden, sondern auch die „Tauben“- Elbe aus einem Kajak heraus entdecken. Das Beste daran? Die Strecke von der Hamburger Innenstadt dorthin ist eine hervorragende Fahrradtour mit toller Szenerie. So hat man es sich nach der Radtour mehr als verdient, am Ziel einfach mal zu faulenzen.

Steganleger Dove Elbe: Allermöher Deich 36 (Allermöhe)

 

Jenischpark

 

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Kein Wunder, dass der Jenischpark zu den bedeutendsten Landschaftsgärten Norddeutschlands gehört. In der grünen Perle an der Elbe ist es so naturbelassen, dass man völlig vergisst, inmitten einer Millionenstadt zu sein. In der Nähe von Teufelsbrück betritt man den Park durch ein prachtvolles neobarockes Eingangstor. Von dort geht es auf die hügeligen Rasenflächen. Auf den Grasplätzen und in den Waldstücken tummeln sich Zwei- und Vierbeiner gleichermaßen. Der Park besticht vor allem durch seine Ahorn- und Kastanienbäume, den Sommerblumen und den (Achtung!) 150 Jahre alten Ginkgo-Baum. Das Herzstück des Parks ist das „Jenisch Haus“. Es gehört zu einem von drei Museen, die in dem Park ihren Platz haben. Tipp: Ein Besuch im 200 Jahre alten Gewächshaus lohnt sich! Dort befindet sich unter anderem eine Sammlung von 875 Orchideen.

Jenischpark: Baron-Voght-Straße 50 (Othmarschen)

 

Altonaer Volkspark

 

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Ein Beitrag geteilt von Silke Osterburg (@silkehh_1970) am

Die 205 Hektar große Grünanlage in Bahrenfeld ist Hamburgs größter öffentlicher Park. In ihm befinden sich diverse Rasenflächen, eine Minigolfanlage, ein Heckentheater und mehrere Aussichtspunkte. Eines der wichtigsten Merkmale dieser grünen Lunge ist Europas ältester Dahliengarten mit 40.000 Pflanzen, der seit diesem Jahr satte 100 Jahre existiert. Tutenberg, der Erbauer des Parks, wollte dem Volk einen erholsamen Ort widmen, in dem man zusätzlich etwas über die Flora lernen kann. So ist es nicht verwunderlich, dass es zusätzlich einen Schul-, Stauden- und Rosengarten gibt. Vogelbeobachter aufgepasst! Durch die Größe des Volksparks leben hier viele unterschiedliche Vogelarten, wie Habicht, Grünspecht und der seltene Baumfalke.

Altonaer Volkspark: August-Kirch-Straße 19 (Bahrenfeld)

 

Michelwiese

 

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Ein Beitrag geteilt von Mimi (@msmiwi) am

Die Kirche St. Michaelis – stadtbekannt nur als der Michel – ist ein beliebter Touristenort. Von der Aussichtsplattform, nahe dem Glockenturm, hat man einen malerischen Blick über Hamburg. Direkt unterhalb der Kirche liegt die Michelwiese. Dieser kleine Ruheort inmitten des Großstadtgetümmels stellt seit 2013 für alle Grillfans eine Elektrogrillstation bereit. Das Einzige, was man braucht sind zwei Euro, Holzkohle und Verpflegung – je nach Geschmack. Schon geht es los: Würstchen, Nackensteaks, gefüllte Champignons und alles, was das kulinarische Herz begehrt kommen auf den Grill.

Michelwiese (Neustadt)

 

Alsterwiese Schwanenwik

 

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Ein Beitrag geteilt von A N.J A. W E. (@an_hcsidnew) am

Einer der beliebtesten Orte, die zum Entspannen und Grillen einladen, ist definitiv die Alsterwiese Schwanenwik. Mit Blick auf die Außenalster bietet die Grünfläche jede Menge Platz, um sich auszubreiten, Fußball zu spielen oder einfach nur um in der Sonne rumzuliegen. Für alle Fotofreaks: Die Wiese ist ein super Fotospot. Besonders während der Kirschblütenzeit lassen sich farbenfrohe Schnappschüsse einfangen. Direkt am Alsterufer an der Wiese Schwanenwik steht außerdem die Statue „Drei Männer im Boot“ von Edwin Scharff.

Alsterwiese Schwanenwik: Schwanenwik 20 (Hohenfelde)

 

Elbpark Entenwerder

 

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Ein Beitrag geteilt von Florian Wegmann (@johnhirsch1995) am

Auf der Halbinsel in Entenwerder entspannen Eltern auf den Rasenflächen, Kinder toben auf dem Spielplatz und Hunde tollen auf der Hundewiese herum. Der etwa 16 Hektar große Park bietet viel Platz und ist erreichbar über den Alexandra-Stieg. Auf einem Ponton befindet sich der goldene Pavillon. Es ist das Werk des Architekten Jan Kampshoff, das der Modeunternehmer Thomas Friese und seine Tochter von Münster nach Hamburg holten. Kleine Erfrischung gefällig? Direkt am Pavillon befindet sich das Café Entenwerder 1. Hier gibt es kleine Köstlichkeiten, guten Kaffee oder spritzigen Sekt.

Elbpark Entenwerder: Entenwerder (Rothenburgsort)

 


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Handelsbarriere: Baustelle vor dem Levantehaus

Nachdem die Händler im Levantehaus mit Corona zu kämpfen hatten, haben sie es nun mit einer Hochbahn-Baustelle zu tun. Die Inhaber rechnen mit massiven Einbußen und fürchten um ihre Existenz

Text: Marco Arellano Gomes
Interview: Erik Brandt-Höge

 

Auf der Website des Levantehauses steht noch immer der Hinweis, wie man mit Bus und Bahn zum Traditions-Kontorhaus in der Mönckebergstraße gelangt. Unter dem Stichwort „HVV Anfahrt“ werden alle Möglichkeiten penibel aufgeführt: U3 bis Mönckebergstraße, S- und U-Bahn bis Hauptbahnhof sowie die Buslinien 5, 6, 17, 34, 35, 36, 37, 109, und nicht zu vergessen: die Nachtbusse. An Optionen, zum Levantehaus mit seinen 48 inhabergeführten Geschäften sowie acht Restaurants und Bars zu gelangen, mangelt es also nicht. Schließlich profitieren von eben dieser guten Erreichbarkeit letztlich alle: das Levantehaus, die Hochbahn, die Einzelhandelsgeschäfte, die Gastronomie und die Kunden.

Doch nun gibt es zwischen dem Levantehaus und der Hochbahn einen Streitpunkt – in Form einer Baustelle, die den Besucherstrom der Mönckebergstraße vom Kontorhaus abzuschneiden droht.

Die Hochbahn plant bereits seit 2016 aufwendige Umbaumaßnahmen. Ziel ist es, die Tunnel vom Hauptbahnhof bis Baumwall von Grund auf zu sanieren und den modernen Sicherheitsstandards anzupassen sowie die U-Bahn-Stationen barrierefrei zu gestalten, damit Rollstuhlfahrer und Eltern mit Kinderwagen über gläserne Fahrstühle problemlos die Haltestellen erreichen können.

Seit anderthalb Jahren werden intensive Gespräche zwischen den Gewerbetreibenden, der Hochbahn und der Politik geführt. Seit Jahresbeginn werden die Elektro- und Wasserleitungen verlegt. Ab Juli geht es mit den Tiefbaumaßnahmen los. Das gesamte Unterfangen soll bis März 2022 andauern. Bereits unter normalen Umständen sind Baustellen für unmittelbar betroffene Geschäfte mit Einbußen verbunden.

Kunden machen erfahrungsgemäß einen Bogen um Geschäfte, vor denen gebohrt, gehämmert, geschweißt und gepflastert wird. Staub, Lärm und schmale, von Baugruben umgebene Wege sind nicht unbedingt einladend. Richtig brisant wird die Situation aber dadurch, dass der Einzelhandel aufgrund der Corona-Krise bereits wochenlang komplett lahmgelegt wurde. Jetzt kommt die Baustelle und verhindert – kurz nach Wiedereröffnung des Einzelhandels – eine Erholung von der wirtschaftlich harten Zeit. Ein für alle Seiten tragfähiger Kompromiss ist nach gegenwärtigem Stand noch nicht in Sicht.

 

Dietmar Hamm, Geschäftsführer des Levantehauses, zu der aktuellen Situation des Levantehauses, das durch Corona und eine Baustelle doppelt belastet ist

Dietmar Hamm, Geschäftsführer des Levantehauses (Bild: City Management Hamburg)

SZENE HAMBURG: Dietmar Hamm, wie hat sich die wirtschaftliche Situation vor der Co­rona­bedingten Schließung im Falle des des Kontorhauses dargestellt? In wel­cher Lage hat Corona den Einzelhandel erwischt?

Dietmar Hamm: Corona hat uns kalt erwischt. Eine Gesamtschließung der Innenstadt war vorher undenkbar. 2020 versprach ein gutes Jahr zu werden. Viele Gastronomen und Einzelhändler haben in ihr Unternehmen investiert, einige Neueröffnungen waren geplant. Von einem auf den anderen Tag keine Einnahmen zu erzielen, führt schnell zum Verlust der geschäftlichen Existenz und zu familiären Instabilitäten – vor allem beim kleinteiligen und inhabergeführten Einzelhandel.

Deshalb haben wir unseren Geschäften und Gastronomien die Mietzahlung in der Lockdown-Zeit und darüber hinaus erlassen. Wir halten es für richtig, zusammenzuhalten und zu helfen, wo es uns möglich ist.

Wie haben sich Covid­-19 und die damit einhergehenden Maßnahmen auf das Levantehaus ausgewirkt?

Das Levantehaus ist ein Ort des Verweilens, des Genusses und der Lebensfreude. Unser gastliches und besonderes Angebot in einer einzigartigen Architektur ist von einer liebevollen Atmosphäre und Nähe geprägt. Da passen Kontaktbeschränkungen, Mindestabstände und Mund-Nasen-Schutz nicht rein – auch wenn sie derzeit unabdingbar sind. Die sehr kleinen, familiären Gastronomien und Geschäfte geben ihr Bestes, um den Levantehaus-Besuchern auch in dieser Zeit eine Freude zu bereiten.

Aktuell macht Ihnen vor allem die Bau­stelle der Hochbahn – direkt vor der Haustür – zu schaffen, bei der, so kurz nach Wiedereröffnung, mit den Tief­ baumaßnahmen begonnen wird. Sie fordern eine Verschiebung der Bauar­beiten, um die Geschäfte vor drohenden Insolvenzen zu schützen. Warum ist es nicht dazu gekommen?

Der Zeitplan der Hochbahn ist den Verantwortlichen wichtiger als die Familien und die Unternehmen, die bereits durch Corona in eine bedrohliche Situation gekommen sind und um ihre Existenz fürchten. Die Verhinderung einer Selbstheilung des Handels und der Gastronomie in der Mönckebergstraße – nach Corona – ist ein Indiz für die Prioritäten, die die Stadt und ihr Unternehmen Hochbahn setzen.

Für die Betroffenen ist das eine bittere Wahrheit. Für die Innenstadt hat das schwerwiegende Folgen.

Sie befinden sich in intensiven Gesprä­chen mit der Hochbahn, dem City­management und der Politik. Gibt es Verständnis für die dramatische Lage der Händler oder gar Anzeichen eines Entgegenkommens?

Verständnis gibt es schon, aber trotzdem wird das Vorhaben den neuen Corona-bedingten Problemstellungen nicht angepasst. Wir müssen nun versuchen, die dramatische Lage zu überstehen und werden nicht müde, die Kommunikation mit allen Beteiligten und der Stadt zu suchen. Bisher haben wir kein Entgegenkommen erreichen können, aber die Hoffnung stirbt zuletzt.

Levantehaus, Mönckebergstraße 7 


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Dörte: „Wir haben alle sechs Liter Blut in uns“

„Ich habe drei Söhne, die ich alleine großgezogen habe. Mein Leben lang musste ich daher mit Vorurteilen kämpfen. Früher wurde ich beim Elternabend häufig gefragt, wie ich das denn als alleinerziehende Mutter machen würde, dass meine Söhne so gut in der Schule seien. Dann habe ich halt gesagt: ,Na ja, vielleicht dürfen sie einfach Kinder sein.‘ Heute habe ich coronabedingt drei Jobs, einen als Putzfrau. Eigentlich bin ich Eventköchin, denn: Die besten Partys finden in der Küche statt – ist ja klar. Zurzeit ist aber nichts mit Party. Daher putze ich und bin auch dort vor Vorurteilen nicht geschützt.

Letztens hat mich ein Kunde gefragt, ob mir der Beruf als Deutsche nicht zu würdelos sei. ,Beantrag’ doch Hartz 4‘, meinte er. Ziemlich würdelos, fand ich. Früher war ich die Alleinerziehende, heute bin ich die Putzfrau, oder was? Alles scheint mittlerweile eingeteilt in Ober- und Unterschicht, Ost und West, links und rechts. Jeder trägt Vorurteile in sich. Das ist der Ursprung von Rassismus. Wenn ich mir die Nachrichten anschaue und dort Kinder in Somalia mit ihren aufgeblähten Hungerbäuchen sehe: Die haben so strahlende Augen, das siehst du hier bei uns nicht.

In Afrika herrscht eine ganz andere Lebensphilosophie. Die Menschen sind viel glücklicher als wir, obwohl sie jeden Tag Angst um ihre Existenz haben müssen. Schwachköpfe gibt es überall – ob die jetzt von hier kommen oder aus Afrika und Asien nach Deutschland gekommen sind, spielt für mich keine Rolle. Hamburg war schon immer weltoffen, hat von Einwanderung gelebt. Das soll auch so bleiben. Meine Rechnung ist ganz einfach: Wir haben alle sechs Liter Blut in uns.“

/ Max Nölke

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Autokino: Film ab auf der Trabrennbahn

Mit Stallungen und Sonnenuntergang im Rückspiegel gibt es auf der Bahrenfelder Trabrennbahn seit Juni ein atmosphärisches Autokino-Erlebnis

Text: Marco Arellano Gomes

 

Erst war die Gesundheitsbehörde dagegen, dann vermuteten die Grünen Bodenbrüter auf dem Rasen und schließlich sorgte die Umweltbehörde sich um die Fledermäuse, die vom Licht der Leinwand bei ihren Beutezügen gestört werden könnten. Die Genehmigung ließ entsprechend auf sich warten. Dirk Evers, Geschäftsführer der Outdoor Cine GmbH, musste viel Geduld aufbringen, bis er endlich grünes Licht für sein Autokino in der Bahrenfelder Trabrennbahn bekam. Dabei war Evers der Erste, der die Idee, nach so langer Zeit ein Autokino in Hamburg zu eröffnen, ins Spiel brachte.

Irgendwann glich die Chance, auf dem Feld der Trabrennbahn das Autokino zu betreiben einem Sechser im Lotto. Es verwundert daher nicht, dass tatsächlich ein namhafter Hamburger Glücksspielanbieter als Hauptsponsor mit an Bord kam, um das Projekt zu verwirklichen.

 

Vielfältiges Autokino-Angebot

 

Am 6. Juni eröffnete das LOTTO Hamburg Autokino schließlich – und trotzt seither der Konkurrenz in Innenstadt- und Hafenlage. „Der Start lief gut“, erzählt Dirk Evers, der auch für das Schanzenkino verantwortlich ist, das in diesem Jahr ebenfalls stattfinden wird. „Ich denke, Hamburg ist groß genug, für ein vielfältiges Autokino-Angebot“, so Evers. Er sei optimistisch, dass die Hamburger auf den Geschmack kommen und sähe das große Plus seines Autokinos vor allem in der Kombination von Technik und Atmosphäre. „Es macht schon was her, mit dem Wagen nach der Rundfahrt an den Stallungen vorbeizufahren, auf dem großzügigen Platz zu stehen, den Sonnenuntergang zu genießen und auf der gigantischen 24 x 11 Meter großen Bildleinwand in 2K-Auflösung einen Film zu genießen“, erzählt Evers.

Schon bald ist das auch mit Bestuhlung vor den Autos möglich. Na dann: Film ab!

lotto-hamburg.autokino.online


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Kneipen in der Krise: Hamburg wird trockengelegt

Der Hamburger Senat hat die Hygiene-Regeln für Schankwirtschaften gelockert. Doch die Auflagen seien so streng, dass sie keine Umsätze machen können, kritisieren Wirte wie Betty Kupsa. Rund 90 Barbetreiber haben sich deswegen zum „Barkombinat“ verbündet und fordern von der Stadt mehr Unterstützung

Text: Ulrich Thiele

 

Ups, da ist man wohl zu voreilig hineingestürmt – und hat vor lauter Tresensehnsucht das „Please Wait To Be Seated“-Schild samt Ausrufezeichen übersehen. „Vorher die Hände desinfizieren, bitte“, sagt Betty Kupsa und zeigt zurück Richtung Eingang, wo der Desinfektionsmittelspender neben besagtem Schild steht. An diesem Dienstagabend um halb acht ist der „Chug Club“ noch leer, sechs Tische stehen im Raum, zwischen ihnen Trennwände.

Jetzt aber: Kupsa weist zu einem der runden Tische, Getränke kommen auf den Tisch, kurz anprosten, dann kommt die 43-Jährige ohne Umschweife auf den Punkt: „Das ist eine große Scheiße, wie der Senat mit uns umgeht.“ Kupsa betreibt seit 2015 ihre Cocktail-Bar auf St. Pauli an der Ecke Taubenstraße/Hopfenstraße. Seit zwanzig Jahren lebt die gebürtige Österreicherin in Hamburg und ist hier längst eine Bar-Ikone.

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Wenn schon Trennwände, dann aber auch mit Stil (Foto: Erik Brandt-Höge)

Wie für viele, kam der Corona-bedingte Lockdown für sie schlagartig. Sie fuhr ihren Laden herunter, um die Kosten niedrig zu halten, ihre acht Angestellten mussten in Kurzarbeit gehen und machten während der Schließung Fortbildungen. Genauso plötzlich wie der Lockdown seien aber auch die Lockerungen gekommen, sagt sie.

Laut der Verordnung der Stadt müssen Bars weiter geschlossen bleiben. Der Begriff meint aber Lokale mit Tanzflächen und Musik. Der „Chug Club“ bezeichnet sich zwar als Bar, hat aber eine Konzession als Schankwirtschaft und ist damit nicht von dem Verbot betroffen. Doch wegen des eingeschränkten Betriebs und des erhöhten Aufwands machen die Bars kaum Umsätze. Kupsa habe seit März nichts mehr verdient, sagt sie, sie wolle trotzdem öffnen, um präsent zu sein, die Barkultur aufrechtzuerhalten, die derzeit in Gefahr ist.

Die Unterstützungen des Senats in Form von Krediten und der Erweiterung der Außengastronomie hält sie für Augenwischerei: „Wir brauchen keine Kredite, sondern unbürokratische Unterstützung und Mitspracherecht.“ Zwar tauschen sich Vertreter des Hotel- und Gaststättenverbandes mit dem Wirtschaftssenator aus, aber das reiche nicht, die Hilfsmaßnahmen könnten die Umsatzeinbrüche nicht auffangen.

 

„Ohne die Bar- und Kneipenkultur wird Hamburg zum Provinznest“

Betty Kupsa

 

Rund 1.800 Schankwirtschaften gibt es in Hamburg, in wenigen Monaten könnte jedoch Leerstand herrschen. „Ohne die Bar- und Kneipenkultur wird Hamburg zum Provinznest“, sagt Kupsa. „Wenn die Kneipen sterben, kommen beliebige Ketten an ihre Stelle, die nichts mit der Hamburger Kneipenkultur zu tun haben.“

Erschwerend komme hinzu, dass viele Menschen auf Kioske ausweichen und sicherheitshalber lieber cornern, anstatt in Kneipen zu gehen. Kupsa befürchtet eine Wettbewerbsverzerrung. Der Senat habe den Ernst der Lage nicht erkannt. Denn wenn Hamburg kein Anziehungspunkt für Touristen und Besucher mehr ist, dann sehe es für die Stadt schlecht aus.

 

Erhöhter Aufwand

 

„Bars haben keine Lobby“, sagt Kupsa. Also nahm sie die Arbeit selbst in die Hand und schloss sich dem just gegründeten „Barkombinat“ an, einem Bündnis aus inzwischen knapp 90 Hamburger Barbetreibern. Der Name ist eine Anspielung auf das „Clubkombinat“, das Lobbypolitik für Hamburgs Clubs betreibt. Am 28. Mai ging das Bündnis mit seiner ersten Pressekonferenz an die Öffentlichkeit.

Auf Barhockern, mit Megafonen, Mundschutz und anderthalb Metern Abstand reihten sich die Wirte vor dem Millerntor-Stadion auf, ihr Motto: „Hey Senat, so geht’s nicht!“ Die Auflagen seien so streng, dass sich der Betrieb kaum lohne, das „Produkt Bar“ sei damit kaputt. Nach den Verordnungen müssen Lokale sicherstellen, dass nicht mehrere Gäste aus verschiedenen Haushalten zusammenkommen und dass sie den Abstand zu anderen Gästen einhalten. Das Personal muss beim Bedienen eine Maske tragen, die Tische und Stühle mehrmals am Tag desinfiziert werden. „Wir sollen nicht mehr Gastgeber, sondern alles auf einmal sein: Infektions- und Datenschutzbeauftragte und dabei unsere Gäste auf Linie bringen.“

 

Der Senat schweigt

 

Über Nacht habe sie sich mit ihrem Personal zusammengesetzt und erst einmal einen Plan erarbeitet. Die Bar samt Inneneinrichtung musste schlagartig wieder betriebsbereit hergerichtet werden, zudem mussten unter anderem Desinfektionsmittel bestellt und zwischen und an den Tischen Trennwände aufgestellt werden. Auf den zusätzlichen Kosten sei sie bisher sitzen geblieben. „Der Senat drückt die Verantwortung komplett an uns ab.“

Hinzu kommt der eingeschränkte Betrieb. Normalerweise passen rund 70 Menschen in ihre Bar, erzählt sie, unter den aktuellen Auflagen sei nur Platz für maximal 25. Dabei ist Kupsa noch besser dran als andere Barbetreiber: Kleinere Bars können gar nicht erst öffnen, weil sie die Abstandsregeln nicht einhalten können, außerdem können andere Bars keine Sitzplätze draußen vor der Tür anbieten. Das Barkombinat fordert deswegen weitere Ausgleichszahlungen: Mietzuschüsse, Subventionen für den erhöhten Personalaufwand und die Kosten für die Hygienemaßnahmen. Das Kurzarbeitergeld für die Mitarbeiter müsse rückwirkend auf 80 Prozent aufgestockt werden. Und vor allem: „Wir wollen, dass der Senat sich mit uns an einen Tisch setzt. Wir wollen mitreden und in die Entscheidungen miteinbezogen werden, anstatt jedes Mal überrascht zu werden.“

Der Senat hat bis heute (Stand 15.6.) nicht auf den Hilferuf des Barkombinats reagiert. Inzwischen ist es 21 Uhr, draußen dämmert es, ein paar Gäste sitzen an den Außenplätzen. Ein halbes Dutzend Gäste sitzt drinnen, bestellt Cocktails – es hätte den Anschein eines normalen Dienstagabends, wären da nicht die Trennwände und die immer noch überall spürbare Verunsicherung.

 

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Aktion „Der kommende Leerstand“ – im Juli folgen mehr Aktionen (Foto: Barkombinat)

 

Nach dem Gespräch muss Kupsa weiter. Eine AG des „Barkombinats“ trifft sich oben bei ihr im Büro. Für Freitag ist eine Aktion unter dem Motto „Der kommende Leerstand“ geplant. Sie will zeigen, was Hamburg bevorsteht, wenn den Schankwirtschaften das Aus droht. 30 Bars und Kneipen werden sich mit weißen Tüchern verhüllen – man könnte sagen: mit Leichentüchern.

facebook.com/barkombinathamburg


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Kultursenator Dr. Carsten Brosda im Interview

Der Senator der Behörde für Kultur und Medien im Kurzinterview über Hilfen und Chancen für die Hamburger Kulturlandschaft

Interview: Erik Brandt-Höge

 

SZENE HAMBURG: Herr Brosda, schon in einem der neuen Autokinos gewesen?

Leider noch nicht. Eigentlich schade, nachdem wir alle Hände voll damit zu tun hatten, die überhaupt wieder möglich zu machen.

Die Open-Air-Kultur mit Abstand ist eine Überbrückungsmöglichkeit für viele Kulturschaffende, letztlich aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Wie erleben Sie die Situation derzeit aus Senatorensicht?

Das ist schon eine extrem schwierige Zeit. Insbesondere für die vielen engagierten Künstlerinnen und Künstler und Kreativen. Es ist aber beeindruckend, wie verständnisvoll fast alle mit der Situation umgehen und wie schnell und kreativ sich viele auf die neuen Bedingungen eingestellt haben und Kultur zunächst online und nun zunehmend auch wieder live erlebbar machen.

Der Rückgang der Infektionszahlen ermöglicht es uns zum Glück jetzt, in eine neue Phase einzutreten, in der es nicht mehr nur darum geht, entstandene Verluste auszugleichen, sondern wieder vermehrt darum, Kultur zu ermöglichen. Das macht Spaß zu sehen, wie sehr alle darauf brennen, wieder auf den Bühnen zu stehen und Kultur zu erleben.

 

„Ziel ist es, Hamburg als Kulturstadt gut durch die Krise zu führen“

 

Dürfen Kulturschaffende, von großen Häusern bis Solo-Selbstständige, denn auf erweiterte Corona-Hilfsmaßnahmen des Senats hoffen?

Wir haben sehr schnell reagiert und zum Glück in Hamburg Kunst und Kultur von Anfang an bei den Hilfen mit berücksichtigt. Natürlich werden wir den Künstlerinnen und Künstlern und den Kultureinrichtungen weiterhin helfend zur Seite stehen.

Dabei wird es jetzt vor allem darum gehen, zum einen die Hilfen der Stadt klug auf das Neustart-Kulturpaket abzustimmen, das der Bund im Rahmen des Konjunkturpaketes beschlossen hat. Zum anderen wollen wir gezielt dabei helfen, wieder die Produktion von Kunst zu ermöglichen, auch wenn dies unter den Corona-Bedingungen schwieriger geworden ist.

In dieser Zeit setzt sich der Senat ja regelmäßig Etappenziele. Welches ist Ihr nächstes?

Das Ziel ist immer klar, nämlich Hamburg als Kulturstadt gut durch die Krise zu führen und künftig weiter auszubauen. Denn wir haben Kunst und Kultur so viel zu verdanken, von der Innovationskraft, die in der Kreativität steckt, bis zu den immer wieder notwendigen Interventionen durch die Kunst. Gegenwärtig sind die Etappen dadurch gekennzeichnet, das möglich zu machen, was vernünftig ist.

Nachtrag: Einmalige Hilfe in Höhe von 2000 Euro für Mitglieder der Künstlersozialkasse: Hier können Berechtigte die Neustartprämie für Künstlerinnen, Künstler und Kreative beantragen. 


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Rassismus: Gegen die Unterschwelligkeit

Nach dem Mord am Afroamerikaner George Floyd protestierten 14.000 Hamburger gegen Rassismus und Polizeigewalt. Denn struktureller sowie Alltagsrassismus sind auch in Hamburg allgegenwärtig

Text: Basti Müller

 

Am Samstag, 6. Juni, demonstrieren mehrere Tausend Menschen auf dem Jungfernstieg, doch es ist still. Für (gefühlte) acht Minuten und 46 Sekunden. So lang hatte der Polizist Derek Chauvin Ende Mai im amerikanischen Minneapolis auf dem Hals von George Floyd gekniet, sodass dieser später aufgrund der gewaltsamen Festnahme im Krankenhaus verstarb. Im Leid wiederholte der 46-Jährige die Worte „I can’t breathe“ („Ich kann nicht atmen“), bis er bewusstlos wurde – ein mutmaßlicher Mord, festgehalten auf einem Video, das um die Welt ging und auch in Hamburg ein Fass zum Überlaufen brachte. Es beweist: Rassismus ist allgegenwärtig.

Angemeldet war der Protest „Nein zu Rassismus! Gemeinsam sind wir stark!“ als Silent-Demo mit 525 Teilnehmern. Schnell wird klar, dass die Zahl nicht einzuhalten ist. Die Menschen protestieren aber friedlich. Für die Opfer des Rassismus ragen sie Fäuste in die Luft, es wird zu „They Don’t Care About Us“ getanzt und zu „Where Is The Love“ gesungen. Die Polizei bittet die Anmelderin, Audrey Boateng, die auch durch die Corona-Richtlinien nun illegale Versammlung zu beenden. Boateng kooperiert, steigt auf das Podium, bedankt sich bei den Mitdemonstranten. Sie ruft „No justice“. „No peace“ hallt es zurück. Jedoch scheitert der Versuch, die Demonstration zu beenden.

14.000 Menschen befinden sich nun am Ufer der Binnenalster, fast das 27-Fache der angemeldeten Teilnehmer. Dennoch duldet die Polizei die Versammlung bis 18 Uhr, zumal sich die Masse in einer zweiten Kundgebung am Rathausmarkt verteilen könne.

Am Freitag zuvor protestierten mehr als 3.000 Hamburger vor dem US-Konsulat gegen Rassismus und Polizeigewalt. Auch hier gewährte die Polizei die gegen die Corona-bedingten Mindestabstände verstoßenden Demonstranten, eine Auflösung hätte das Infektionsrisiko erhöht. Alles verlief friedlich.

 

Über 30 junge Menschen festgehalten

 

Anders am Samstagabend. Die Polizei kommuniziert freundlich über Lautsprecher, die Versammlung auflösen zu wollen. Schließlich kommt es zu Ausschreitungen, auf Twitter meldet die Hamburger Polizei den „Bewurf auf Polizeikräfte mit Gegenständen“. In Videos im Netz lässt sich eine kleine, zum Teil aggressive und vermummte Störergruppe erkennen. Die Beamten warnen, nicht in Mitleidenschaft polizeilicher Maßnahmen gezogen zu werden. „A.C.A.B.“, ruft einer, dann fliegen Flaschen vor die Füße der über die Bergstraße kommenden Polizisten. Im Schlepptau haben sie zwei Wasserwerfer-Fahrzeuge, auch Pfefferspray und Tränengas kommen zum Einsatz. Dann beginnt es zu regnen. Der Jungfernstieg habe sich zum Ende der Veranstaltung so in ein Spannungsfeld zwischen 600 vorrückenden Beamten und einer aggressiv protestierenden Gruppe von 200 Menschen verwandelt, sagte eine Sprecherin der Polizei gegenüber dem NDR.

 

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Foto: Sebastian Peters/ Blaulicht-News

 

Der Einsatz am Jungfernstieg sorgt weniger für Furore, als das, was danach passiert. Gegen 20 Uhr werden laut Zeit Online am Hauptbahnhof, gut einen Kilometer von den vorausgegangen Ausschreitungen entfernt, 35 junge Menschen in Gewahrsam genommen, viele von ihnen haben Migrationshintergrund, sind unter 18, der jüngste soll sogar erst 13 Jahre alt gewesen sein. Sie werden mit erhobenen Händen über eine Stunde lang an die Wand gestellt, dürfen weder telefonieren, noch auf die Toilette. Zeit Online zufolge zeigen einige ihre Einkaufstüten und Kassenbons vor, dürfen darum gehen.

 

„Ich glaube, wir sind sehr behutsam […] vorgegangen“

Polizeipräsident Ralf Martin Meyer

 

Die Übrigen werden mit dem Verdacht auf Landfriedensbruch, Körperverletzung und andere Delikte festgehalten, dann mit HVV-Bussen in das Polizeikommissariat 42 in Billstedt gebracht, wo mit ihnen unterschiedlich umgegangen worden sein soll. Einige haben sich bis auf die Unterwäsche entkleiden müssen und seien erst nach Mitternacht entlassen worden, wenige haben früher nach Hause gekonnt. Bisher soll den Jugendlichen nichts nachgewiesen worden sein. Die Kritik, sie hätte „Jagd“ auf Demoteilnehmer genommen, hat die Polizei bereits zurückgewiesen. Beim Hamburg Journal antwortete Polizeipräsident Ralf Martin Meyer auf die Anschuldigungen: „Ich glaube, wir sind sehr behutsam und sehr verhältnismäßig vorgegangen“, und ordnete im Folgenden die angeblichen Taten politischer Motivation zu: „Ich sehe das Risiko, dass hier eine linksextremistische Organisation, die das als schwarzer Block angezettelt hat, die Jugendlichen in die Auseinandersetzung hineingezogen hat und jetzt versucht, das bürgerliche Thema Anti-Rassismus für sich zu gewinnen.“ Auch rechtfertigte die Polizei den Einsatz laut Taz wie folgt: „Nachdem diese Gruppe festgesetzt worden war, herrschte schlagartig Ruhe in der Innenstadt.“

 

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Foto: Sebastian Peters/ Blaulicht-News

 

Der Vorfall polarisiert dennoch. Zum einen könnte man meinen, die Polizei habe nach Tatverdacht gehandelt. Zum anderen wirken der Ort des Einsatzes, fernab des Jungfernstiegs, und der Zeitpunkt des Zugriffs, zwei Stunden nach dem Auflösen der Demonstration, willkürlich und durch Zeugenaussagen in Medienberichten äußerst fragwürdig. Ein Lichtblick, als Meyer sagt, dass auch die Polizei sich mit dem Thema Rassismus auseinandersetzen müsse. Ernüchterung, als er verspricht, die polizeieigene Beschwerdestelle auszubauen. Wer verpfeift schon gern einen Kollegen oder riskiert seinen Job in wirtschaftslabilen Zeiten? Von einer polizeiunabhängigen Beschwerdestelle sprach Meyer jedenfalls nicht. Der Einsatz steht unterdessen weiter in der Kritik.

 

(Alltags)Rassismus in Hamburg

 

Für Aufsehen sorgte im vergangenen Jahr zum Beispiel der Fall eines falschparkenden Franzosen in Hamburg-Horn. Das Video von „NDR Panorama“ zeigt, wie drei Polizisten einen Mann mit dunkler Hautfarbe mit dem Gesicht nach unten auf den Asphalt drücken. Der Falschparker, dessen Auto abgeschleppt werden sollte, habe versucht, sich zu entfernen und wurde daraufhin festgehalten. Unverständlich dabei ist, warum die Beamten mit solcher Brutalität vorgehen.

Auch zu denken ist an den 34-jährigen Kameruner William Tonou-Mbobda, der 2019 in der psychiatrischen Abteilung des Universitätsklinikums Eppendorf fixiert wurde, unbestätigten Berichten zufolge das Bewusstsein verloren haben soll und später auf der Intensivstation verstarb. Ein Todesfall, der bis heute nicht aufgeklärt wurde und einmal mehr die Debatte anstößt, wie sehr Rassismus nicht nur auf gesellschaftlicher, sondern auch auf institutioneller Ebene verankert ist.

Alltagsrassismus mache sich in verschiedenster Weise bemerkbar, sagt Schohreh Golian. Die 31-Jährige ist Kriminologin, Autorin und Fotografin in Hamburg und setzt sich beruflich und privat mit dem Thema auseinander. In der Exekutive beginne Rassismus laut Golian mit der Gewichtung von Polizeikontrollen in bestimmten Stadtgebieten wie in St. Georg oder in der Hafenstraße. „Das Spatial Racial Profiling bietet Räume, um unverhältnismäßig häufige Kontrollen von Menschen mit Migrationshintergrund zu legitimieren“, sagt die Wissenschaftlerin. Rassismus setze sich in der Stigmatisierung von Eigenschaften wie Armut oder Kriminalität fort und ende mit dem Ausblocken dieser Sachverhalte.

 

„Du merkst nicht, wie privilegiert du bist, wie unkenntlich der Rassismus ist.“

Schohreh Golian

Dass Menschen beim Hashtag „blacklivesmatter“ beispielsweise sofort in Abwehrstellung gehen, den Spieß umzudrehen versuchen, nenne man „reverse racism“ (umgekehrter Rassismus) oder „white fragility“ (weiße Zerbrechlichkeit). Genau darum geht es in dieser Debatte: Die Bekämpfung der seit Jahrhunderten andauernden Unterdrückung von Menschen mit nicht-weißer Hautfarbe. Und der Vorzüge von Menschen mit weißer Hautfarbe, die sich tief in unsere Gesellschaft eingebrannt haben. „Du merkst nicht, wie privilegiert du bist“, sagt Golian, „wie unkenntlich der Rassismus ist.“

Rassismus zieht sich durch alle Lebensbereiche. Zur Bekämpfung reiche es laut Golian daher nicht aus, seine Priviligien zu kennen, „sondern sich auch dem eigenen Rassismus bewusst zu werden, den Betroffenen zuzuhören und ihnen zu glauben“. Anti-Rassismus sei Bildungsaufgabe, beginne aber bei jedem einzelnen von uns, ob beim Demonstranten, Polizisten oder Autoren dieses Textes, und besonders in den Dialogen im eigenen Umfeld, sagt Golian. „Denn wer schweigt, macht sich zum Mittäter.“


Szene_Juli_2020_Cover SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juli 2020. Das Magazin ist seit dem 27. Juni 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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Wirtschaftsbremse: Klima & Corona

Von der Pandemie scheint vor allem eine zu profitieren: die Natur. Aber macht der Klimawandel wirklich Pause? Ein Gespräch mit dem gebürtigen Hamburger und Meteorologen Prof. Dr. Mojib Latif vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel

Interview: Basti Müller

 

SZENE HAMBURG: Mojib Latif, Sie sind in den 50er und 60er Jahren in Hamburg aufgewachsen und haben die Sturmflut 1962 mitbekommen. War dies ein ausschlaggebender Punkt, dass Klimaereignisse Teil Ihrer beruflichen Laufbahn wurden?

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Foto: Hart aber Fair

Prof. Dr. Mojib Latif: Nein, das war es nicht. Ich war ja nicht direkt betroffen, aber ich kann mich noch gut an das Heulen des Windes erinnern. In der Schule haben wir Hilfsgüter aus Griechenland bekommen, die haben uns Korinthen geschickt. Vielen Menschen musste geholfen werden und gerade heutzutage, was die Solidarität zwi­schen den Ländern angeht, finde ich das rückblickend ganz schön.

Wenn diese Län­der heute etwas haben wollen, dann kommt immer gleich die Frage: Muss das wirklich sein? Nach dem Abitur studierten Sie erst zwei Jahre BWL, bis Sie die naturwissenschaftliche Laufbahn einschlugen, Meteorologie wählten und bei Klaus Hasselmann promovierten, der ja belegt hat, dass der Klimawandel menschengemacht ist …

Die Klimaforschung reicht weit bis ins vorletzte Jahrhundert zurück. Die ers­ten Berechnungen zur Erder­wärmung stammen aus dem Jahr 1896, das weiß bloß kaum jemand. Was Hasselmann Anfang der 1990er Jahre gemacht hat, ist, dass er den Menschen als Hauptverursacher der Erderwärmung entlarvt hat.

Das sich die Erde erwärmt, war jedem klar, aber es gab die Diskussion, ob das natürlich oder menschengemacht ist. Er konnte zeigen, dass zum überwiegenden Teil der Mensch verantwortlich ist. Das war der Durchbruch.

Wenn Sie auf die vergangenen Jahre zurückblicken, wie hat sich der Klimawandel in Hamburg und Deutschland bemerkbar gemacht?

Das ist ein schleichender Prozess. Wir sehen, dass sich Deutschland seit Beginn der Messungen deutlich erwärmt hat, eine Zunahme der ho­hen Temperaturen und einen Rückgang der kalten Tage.

Der letzte Winter war kein Winter, ich weiß nicht, ob wir an irgendeinem Tag Schnee hatten. Ich erinnere mich sehr gut, als ich Kind gewesen bin, war der Winter ein Winter, da habe ich meinen Schlitten he­rausgeholt und es gab Eisgang auf der Elbe.

60 Jahre später wird es offensichtlich: Hitze­perioden mit Temperaturen weit über 30 Grad Celsius und zunehmende Trockenheit. Hinzu kommt ein allmählich ansteigender Meeresspiegel, das wird auch für Hamburg ein Problem werden.

 

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Ursachen des Klimawandels sind auch auf Hamburgs Straßen weiterhin Thema

 

Ist die Corona-Zeit und das damit einhergehende Ausbleiben der Volkswirtschaft, also die CO2-Bremse, genau das, was das Klima und die Menschheit gerade brauchen?

Nein, man kann das Klimaproblem nicht lösen, indem man die Wirtschaft ge­gen die Wand fährt. Der we­sentliche Punkt ist, dass wir gerade große Geldmengen in die Hand nehmen, um die Wirtschaft wieder hochzufahren. Das ist richtig so, aber diese Mittel müssen verwendet werden, um die Wirtschaft auch zukunftsfähig zu machen. Klimaschutz ist auch ein Beitrag, die Welt zukunftsfähig zu machen.

Wir sehen es an der deutschen Automobilindustrie. Die Zeit des Verbrennungsmotors ist abgelaufen. Es braucht neue Antriebe und es wäre wichtig, das Geld in die neuen Technologien zu stecken. Der Trick ist, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Zukunftsprojekte fördern und nicht den SUV.

Haben Sie Beispiele?

Das muss man mit er­neuerbaren Energien ändern. Es benötigt einen massiven Ausbau, gerade der Wind­energie. Die Netze müssen intelligenter und engmaschiger werden, damit man mit den erneuerbaren Energien gut umgehen und sie optimal nutzen kann. Der öffentliche Nahverkehr muss ausgebaut werden, der Güterverkehr auf die Schiene und weg von der Straße. In der Digitalisierung sehen wir gerade, wie schlecht wir in Deutschland aufge­stellt sind.

Auch hier in Hamburg habe ich kein besonders schnelles Internet. Ein Ding der Unmöglichkeit. Die Di­gitalisierung und künstliche Intelligenz sind die Zukunfts­themen auch im Hinblick auf Umwelt­ und Klimaschutz.

 

„Der CO2-Gehalt der Luft hat einen historischen Höchststand erreicht“

 

In einem NDR-Interview haben Sie davon gesprochen, dass die 2007 groß entfachte Klimadebatte durch die Wirtschaftskrise 2008 überschattet wurde. Ein Phänomen, das sich gerade wiederholt?

Die Debatte wurde damals durch Al Gore und seinen Film „Eine unbequeme Wahr­heit“ ausgelöst. Dann kam die Finanz­-, anschließend die Weltwirtschaftskrise. 2019 kam es wieder hoch durch Fridays for Future.

Auch der extreme Sommer 2018 in Deutschland, die Europawahl und Rezos Video haben dazu beigetragen. Jetzt ist das The­ma relativ weit weg. Bleibt das so, wäre das eine Katastrophe, der CO2­-Gehalt der Luft hat nämlich einen historischen Höchststand erreicht, trotz Corona und Lockdown. Na­türlich sinkt der Ausstoß, aber CO2 ist langlebig.

Nach er­sten Schätzungen werden wir 2020 vielleicht acht Prozent Reduktion beim weltweiten CO2-­Ausstoß haben. Das müssen wir aber jedes Jahr haben, ohne Corona, wenn man die Pariser Klimaziele einhalten will.

Experten meinen, dass wir durch Corona die Klimaziele 2020 der Bundesregierung erreichen könnten …

Das wäre vielleicht auch ohne Corona passiert. Das wird oft falsch dargestellt und alles auf Corona geschoben. Der entscheidende Schritt war im Jahr 2019, als der Preis pro Tonne CO2 im Rahmen des Europäischen Emissionshan­dels auf deutlich über 20 Euro pro Tonne stieg, in den Jah­ren davor krebste er bei fünf Euro herum.

Die Bepreisung hat dafür gesorgt, dass Kohle unrentabler und Gas rentabler wurde. Deswegen sind 2019 die Emissionen so weit gesun­ken, dass zu Beginn 2020, die Aussicht bestand, die 40 Pro­zent Minderung der Treib­hausgasemissionen gegen­ über 1990 zu erreichen.

Jetzt gehe ich davon aus, dass die Ziele mit Sicherheit erreicht werden. Das zeigt, wie wichtig eine CO2­-Bepreisung für alle Bereiche ist, die es ab 2021 in Deutschland geben wird.

 

„Die Sache ist seit 30 Jahren bekannt“

 

Wie könnte unsere Gesellschaft dazu gebracht werden, sich schneller zu verändern?

Wir müssen die Vorteile deutlicher machen. Gerade für Hamburg. Stellen Sie sich vor, der innerste Ring wäre autofrei. Natürlich würde es für Menschen mit Handicap und Lieferdienste Ausnahmen geben, aber eine autofreie Innenstadt hat doch etwas. Es stinkt nicht, es ist ruhig, man kann sich begegnen und hat mehr Fläche.

Der öffentliche Nahverkehr ist schon ganz gut, müsste aber weiter aus­gebaut werden. Andererseits finde ich, müssten die Prei­se dafür aber runter. Bus und Bahn sind schweineteuer in Hamburg. Das geht nicht, da muss man deutlich herunter, sonst wird das nicht attraktiv. Ich glaube, mit solchen Maß­nahmen könnte man Ham­ burgs Innenstadt wirklich autofrei bekommen und die Menschen würden es lieben, da bin ich mir sicher.

Können wir Rückschlüsse aus der Corona-Pandemie ziehen?

Erstens: Globale Krisen können nur alle Länder ge­meinsam meistern. Zweitens: Es gibt Rückschlüsse über Verschwörungstheoretiker und Klimaleugner. Bestes Bei­spiel ist Donald Trump, der gesagt hat, dass Corona „ein Scherz“ sei. Das Resultat se­hen wir, 90.000 Tote in den USA, die meisten weltweit. Da sieht man, dass die Plauderer und Populisten in Wirklichkeit keinen Plan haben.

Drittens: Diese Corona-­Krise ist nicht vom Himmel gefallen, die Wissenschaft hat lange gewarnt. Bestes Beispiel: Schutz­kleidung. In den Pandemie­ plänen steht, dass sie knapp werden kann. Trotzdem hat man die nicht eingekauft. Das steht alles in einer Bundes­tagsdrucksache aus dem Jahr 2013. Das gleiche gilt für die Klimakrise. Die Sache ist seit 30 Jahren bekannt. Trotzdem passiert, weltweit betrachtet, das Gegenteil.

Die beliebtesten Urlaubsziele der Hamburger sind die türkische Riviera, Mallorca, Ägypten. Was empfehlen Sie für dieses Jahr?

Die Ostsee. Am Schön­berger Strand gibt es weißen Sand und das Meer. Was will man mehr? Gut, das Wasser ist nicht so warm wie im Sü­den – aber dafür spart man sich die Flugreise.


Cover Szene Juni 2020 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juni 2020. Das Magazin ist seit dem 30. Mai 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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System(ir)relevant: Jeder wird gebraucht

Sie sind die Helden Hamburgs und nicht erst seit der Corona-Pandemie für ein funktionierendes Gemeinwesen unerlässlich: die Systemrelevanten. Doch wer sich mit diesem Begriff betiteln darf, ist Ansichtssache

Texte: Marco Arellano Gomes & Basti Müller

 

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Landwirt

Henning Beeken, 45, Eigentümer vom Hof Eggers in Kirchwerder 

SZENE HAMBURG: Was ist dir durch den Kopf gegangen, als abends geklatscht wurde?

Dass man sich bei mir als Teil einer systemrelevanten Berufsgruppe bedan­ ken muss, habe ich nicht so empfunden. Wir haben hier unsere Sachen weiter­ produziert, so gut es ging. Wir haben die Blumen ausgeliefert, klar, da haben sich die Leute gefreut, zum Teil sehr, weil es für sie schön war, den Balkon bepflan­ zen zu können. Da gab es sehr positives Feedback. Bei uns auf dem Bauernhof hat niemand geklatscht, das hätte mich auch irritiert. In der Stadt mag dies ja für die Beklatschten ganz nett gewesen sein, ich könnte mir aber vorstellen, dass zum Beispiel den Pflegekräften eine ange­ messene Bezahlung wichtiger wäre.

 

„Ohne Bauern gibt es kein Essen auf dem Tisch“

Henning Beeken

 

Empfindest du dich als systemrelevant? 

Klar, die Produktion von Lebens­ mitteln ist systemrelevant. Ohne Bauern gibt es kein Essen auf dem Tisch.

Hattest du irgendeine Form von Angst?

Die ganze Zeit hatte ich kaum Angst. Meine Eltern sind beide fast 80, da macht man sich schon mehr Sorgen. Aber ich lebe, wo ich arbeite, also nein.

Was motiviert dich, deinen Beruf auszuüben?

Das ist meine Lebensaufgabe, ein Projekt, an dem ich selbst arbeiten und das ich selbst gestalten darf. Das ist eine ganz tolle Aufgabe, die Motivation kommt da von selbst.

Gibt es etwas, das du dir von der Gesellschaft wünschen würdest?

Was ich auch als sehr positive Be­ gleiterscheinung wahrgenommen habe, ist, dass das regionale Einkaufen deutlich an Bedeutung gewonnen hat. Da sind wir seit neuestem auch in der Regional­ wert Hamburg AG, ein Netzwerk aus regionalen Produzenten, Einzelhänd­ lern und Gastronomen und das funk­ tioniert sehr gut. Diese Zusammenarbeit finde ich sehr positiv und ich würde mir daher wünschen, dass die Menschen das regionale Einkaufen weiter wertschätzen und bereit sind, dafür auch ein paar Cent mehr auszugeben.
In diesem Sinne, würdest du dir wünschen, dass Regionalität stärker von der Politik gefördert wird?

Ja. Man hat das jetzt auch wieder gesehen, dass eben die kurzen Wege sehr krisensicher sind und weiterhin funktionieren. Alles, was mit langen Transportwegen zu tun hat, ist dann doch sehr anfällig.

Was möchtest du den Hamburgern mit auf den Weg geben?

Kauft regional in den kleinen Läden in der Nachbarschaft und kommt mal wieder zu uns ins Hofcafé, wenn die Beschränkungen aufgehoben werden.

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Busfahrer

 

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Foto: Pepe Lange

Imam Alkan, 48, Berufskraftfahrer bei der Verkehrsbetriebe Hamburg- Holstein GmbH

SZENE HAMBURG: Wie würdest du deinen Job beschreiben?

Ich war 30 Jahre lang in der Show­ branche tätig und bin es gewohnt, Ent­ scheidungen und den Tagesablauf selbst zu bestimmen. Das gleiche habe ich auch – fast – als Busfahrer. Niemand schaut mir über die Schulter und ich bin mein eigener Chef in meiner Schicht.

Warum ist dein Beruf aus deiner Sicht systemrelevant?

Wenn wir stehen, bleibt auch Ham­ burg stehen. Jetzt, in der Krise merkt man mehr denn je, wie dankbar die Fahrgäste sind. Wir sind die, die Ham­ burg bewegen – von A nach B. Man könnte uns auch als die fleißigen Bie­ nen der Stadt bezeichnen, die überall ausschwärmen, ihre Arbeit tätigen und zum Schluss wieder zum Bienenstock, dem Betriebshof, zurückkommen.

Was macht deinen Job für dich so besonders?

Was gibt es Schöneres, als die Ham­burger in der schönsten Stadt der Welt herumzukutschieren. Ich liebe es, Auto beziehungsweise Bus zu fahren.

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Entsorger

Önder Büyükhan, 28, Entsorger und Vorarbeiter bei der Stadtreinigung Hamburg in der Region Ost Volksdorf

SZENE HAMBURG: Was ist dir durch den Kopf gegangen, als abends geklatscht wurde?

Ganz ehrlich? Ich habe mich ziemlich gefreut, dass es Menschen gibt, die sich freuen, dass wir unsere Arbeit ma­chen. Viele ärgern sich eher, weil wir im Weg stehen.

 

„Ohne uns hätten wir sicherlich eine Rattenplage“

Önder Büyükhan

 

Empfindest du dich als systemrelevant?

Selbstverständlich! Ohne uns hätten wir sicherlich eine Rattenplage und es würde überall nur Müll herum­ liegen.

Hast du Angst, zur Arbeit zu fahren?

Nein! Ich fahre mit einem eigenen Pkw und wir haben sehr gute Hygiene­vorschriften auf der Arbeit. Unsere Vorgesetzten achten explizit auf unser Wohl.

Was motiviert dich, deinen Beruf auszuüben?

Die Arbeit, die ich ausübe und die Dankbarkeit der Bürger.

Was hat sich seit Corona verändert?

Wie das jetzt draußen in der Öffentlich­keit ist: Abstand halten, Mundschutz tragen et cetera, sonst hat sich für uns kaum etwas geändert. Vor allem in den Autos tragen wir die Masken, um uns gegenseitig zu schützen.

Habt ihr durch Corona in den letzten Wochen mehr zu tun gehabt?

Man merkt, dass die Eimer voller als sonst sind. Es gibt mehr Müll, weil die Leute mehr zu Hause als im Büro sind.

Hast du das Gefühl, dass die Leute etwas gereizter sind als zuvor?muellabfuhr

Die Autofahrer vielleicht. Das merkt man richtig. Die sind teilweise richtig aggressiv, privat oder auf der Arbeit. Sie drängeln mehr, die Leute sind angespannt. Man kann das nach­vollziehen, weil du aktuell nicht viel machen kannst. Die Leute, Familien und Paare sind schon alle ein bisschen gereizt.

Die meisten wollen im Straßen­verkehr Recht haben, sie müssen die ersten sein und suchen den Fehler bei den anderen, nicht bei sich selbst. Deswegen passieren auch die meisten Unfälle, auf der Autobahn oder sonst wo. Das „Wir“ gibt es dort nicht und das wird von Jahr zu Jahr immer schlimmer. Ich habe meinen Führerschein vor zehn Jahren gemacht, da war das Fahren noch entspannt. Jetzt ist das wie Krieg.

Gibt es etwas, das du dir von den Hamburgern wünschen würdest?

Dass die aktuellen Hygienemaß­nahmen eingehalten werden.

Was möchtest du Hamburg sagen?

Die letzte Zeit ist sehr schwer für uns alle gewesen. Haltet durch! Wir werden es alle zusammen schaffen. Hoffen wir auf bessere Tage. Seid froh, dass ihr gesund seid. Gesundheit ist mit keinem Geld dieser Welt zu ersetzen!

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Erzieherin

Melina Blechschmidt, 34, Erzieherin bei Wabe e. V. in Bergedorf

SZENE HAMBURG: Was ist dir durch den Kopf gegangen, als abends geklatscht wurde?

Es wurde für Verkäuferinnen und Verkäufer, Krankenschwestern und -­pfleger, Ärzte und so weiter geklatscht. Ich denke, die Menschen haben ihre Jobs gewählt, weil sie diese mögen. Sie machen ihn gerne und gerade in Zeiten, in denen sie gebraucht werden, noch lieber. Ich freue mich, dass diese Men­schen und Berufe nun endlich die An­erkennung bekommen, die ihnen auch vor Corona schon zustand. Das wurde wirklich Zeit!

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Foto: Heike Günther

Empfindest du dich als systemrelevant?

Ich empfinde mich und meinen Be­ruf als absolut systemrelevant. Neben dem Bildungsauftrag und der täglichen Verantwortung den Kindern gegenüber, verdeutlicht gerade diese Zeit noch einmal mehr, welche Wichtigkeit wir, als Mitarbeiter in Kindertageseinrich­tungen, in der Gesellschaft haben. Wir betreuen nicht nur Kinder! Wir beraten Eltern, entlasten Familien. Wir ermög­lichen Eltern, ihren Berufen nachzu­kommen, ohne sich Sorgen machen zu müssen, wie sie ihre Kinder für die vielen Stunden betreuen können. Damit helfen wir Menschen, die wiederum an­dere Sparten und Bereiche des Systems abdecken zu können.

Hast du Angst, zur Arbeit zu fahren?

Nein, keinerlei Angst. Wir halten uns an festgeschriebene und für alle verbindliche hygienische Abläufe. Diese wurden jetzt nochmals verschärft. Der Gedanke an Corona und eine mögliche Ansteckung spielt in meiner täglichen Arbeit keine Rolle. Kinder sind häufig krank und so werden auch wir als Fach­kräfte oft mit vielerlei Krankheiten kon­frontiert. Eine Sorge vor Ansteckung schwingt da nie mit.

Was motiviert dich, deinen Beruf auszuüben?

Dasselbe wie immer! Meine Arbeit ist mein Traumberuf, meine Berufung. Ich komme gern in die Kita, begleite Kinder bei ihren Lern-­ und Entwicklungsfortschritten. Für mich ist das immer eine schöne Zeit.

Für mich und meine Kollegen ist der pädagogische Alltag mit vielen Auflagen, Änderungen und Einschränkungen verbunden. Das ist eine Herausforderung und verlangt uns in der Planung und Umsetzung viel ab. Dennoch wird noch mal mehr deutlich, welch große Rolle wir als Kita in den Leben der Familien spielen und wie sehr sie auf unsere Arbeit angewiesen sind. Das motiviert auch noch mal.

 

„Wertschätzung geht oft im Alltag und der Hektik unter“

Melina Blechschmidt

 

Gibt es etwas, das du dir von den Hamburgern wünschen würdest?

Ich wünsche mir, dass sie den Er­zieherinnen, SPAs und pädagogischen Fachkräften in den Einrichtungen ihrer Kinder zeigen, dass sie sehen und wertschätzen, was sie tun. Oft geht das im Alltag und der Hektik unter.

Unsere Kita hatte ab dem ersten Tag der Corona-­Zeit geöffnet, ein Notgruppen­-Konzept entworfen, alle Eltern der Kita informiert, individuell beraten. Es wurden Angebote für die Kinder und Familien auf der Website hochgeladen, um auch die zu erreichen, die zu Hause bleiben. Wir sind immer ansprechbar, erreichbar und beraten, wenn Fragen oder Hilfen benötigt werden.

Die El­tern schätzen das sehr und wir wissen von vielen, dass wir sie damit enorm entlasten. Selbst, wenn ihr Kind gerade nicht in der Einrichtung betreut wer­den kann.

Was möchtest du Hamburg sagen?

Halten Sie durch! Wenn Sie Unterstützung brauchen, sind wir als Kinder­tagesstätten für Sie da. Und auch ein Dankeschön an die Familien, die ihre Kinder weiterhin zu Hause betreuen können.

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Musikerin

Miu, 33, Sängerin, Songschreiberin und Kulturaktivistin mit eigenem Label in Lurup

SZENE HAMBURG: Wie würdest du deinen Job beschreiben?

Ich bin Sängerin, schreibe, produ­ziere Songs und spiele viel live. Im letz­ten Jahr habe ich mein Doppelalbum „Modern Retro Soul“ mit eigenem La­bel in die Albumcharts katapultiert. Ne­benbei mache ich mich für mehr Sicht­barkeit von Frauen in der Musik stark bei Ladies Artists Friends.

 

„Ohne Musik wäre die Welt überhaupt nicht auszuhalten“

Miu

 

Warum ist dein Beruf aus deiner Sicht systemrelevant?

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Foto: Elena Zaucke

Filme und Musik waren für die Menschen nie wichtiger als jetzt, in Zeiten sozialer Isolation. Ich hoffe, dass dies eine neue Diskussion anstößt, wie viel uns Kultur wert ist. Gerade, wo es der Kultur sehr schlecht geht.

Was macht deinen Job für dich so besonders?

Ohne Musik wäre die Welt überhaupt nicht auszuhalten. Ich mag, dass mein Job mich immer wieder aufs Neueste kognitiv und emotional fordert, dass Musik vermag, Gefühle auszudrücken, Menschen zu erreichen und zu begleiten – neue Sichtweisen anzustoßen. Wir alle hören Musik mehrfach am Tag – es ist immer wieder wichtig, dass unsere Gesellschaft sich dieses Geschenks bewusst ist und Kultur nicht als Selbstverständlichkeit hinnimmt.
Weitere Interviews findet ihr in der Juni-Ausgabe der SZENE HAMBURG 👇

Cover Szene Juni 2020 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juni 2020. Das Magazin ist seit dem 30. Mai 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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