Harry Potter: Magie im Mehr! Theater

Endlich hat sich der Vorhang für „Harry Potter und das verwunschene Kind“ gelüftet: ein ungewöhnliches Theatererlebnis – zwischen Familienkonflikt und anderen dunklen Welten

Text: Hedda Bültmann 

 

Wenn die Fußspuren des Vaters, in die man glaubt treten zu müssen, groß sind, kann es schwer sein, den eigenen Weg zu finden. Das geht nicht nur uns Muggeln so, auch Zauberern – vor allem, wenn der Vater Harry Potter heißt. Neunzehn Jahre nachdem der berühmteste Magier den Kampf gegen das Dunkle gewonnen hat, setzt die Geschichte des verwunschenen Kindes ein. Mittlerweile ist er Vater und sein Sohn Albus ist in Hogwarts, wo er im Schatten seines Vaters nicht glücklich ist. Um sich zu beweisen, reist er in die Vergangenheit und löst so eine Katastrophe aus – doch am Ende rettet er sie alle. Ein typischer, fantastischer Harry-Potter-Plot, durchzogen von einem Generationenkonflikt.

Das Bühnen- und Lichtdesign kreieren die magische Welt von Harry Potter (Foto Manuel Harlan)

Das Bühnen- und Lichtdesign kreieren die magische Welt von Harry Potter (Foto Manuel Harlan)

 

Fantastisch in jeder Hinsicht

 

Eine Geschichte, zwei Teile, sechs Stunden. Klingt zunächst etwas einschüchternd, aber die Geschichte braucht die Zeit. Und sie ist ohne Längen – ganz im Gegenteil: temporeich mit schnellen Schnitten (fast schon filmisch). Das Bühnenbild samt Lichtdesign verändert sich ständig und jedes ist in seiner Wirkung umwerfend. Ebenso die Umsetzung der Harry-Potter-Welt auf die Bühne: sprechende Bücher, Fabelwesen oder Reisen durch die Zeit. Die Szenerie lebt von überraschenden Spezialeffekten und magischen Momenten. Aus dem Nichts erscheinen und verschwinden Gestalten, verwandeln sich und schweben durch den Raum. Allein das würde reichen, um am Ende des Abends beseelt den Saal zu verlassen.

Doch Theater ist natürlich nichts ohne sein Ensemble. Dieses überzeugt durch Spielfreude und beeindruckendes Timing. Und ist optisch – gemessen an den Film-Schauspielern – perfekt gecastet. Es ist ein bisschen so, als gehe man nach Jahren mit alten Freunden auf eine Reise,  die Freunde, mit denen man schon die Harry Potter Filme gesehen hat – alle sind wieder zusammen, nur eben älter. Das Mehr! Theater wurde in 281 Tagen für das Stück umgebaut: Drachenlampen im Saal, Harry-Potter-Teppich, Patronus-Motive an den Wänden und eine zauberhafte Beleuchtung im Foyer. Fazit: fantastisch in jeder Hinsicht.


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Januar 2022. Das Magazin ist ab dem 22. Dezember 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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„Weddersehn maakt Freid …?“ im Ohnsorg Theater

Mit plattdeutschem Charme lässt Regisseur Harald Weiler in „Weddersehn maakt Freid …?“ die skizzierten Figurentypen genüsslich aufeinanderprallen und zeigt, wie man seine Komfortzone verteidigt

Text: Dagmar Ellen Fischer

 

Zwischen Anton und Mona sind die Aufgaben klar verteilt: Er verdient das Geld, sie gibt es aus. Während er sich eine Flasche Wein gönnt, für deren Preis man einen gebrauchten Kleinwagen bekäme, fliegt sie mal eben zum Shoppen nach New York. In diese Paarkonstellation platzt nun Antons „Jugendliebe“ (so die deutsche Übersetzung des französischen Originaltitels), die plattdeutsche Erstaufführung trägt den Titel „Weddersehn maakt Freid …?“.

 

Eine groteske Täuschung

 

Natürlich freut sich niemand über das Auftauchen der Verflossenen, da sie überraschend als Angetraute zurückkehrt: Die seinerzeit in Las Vegas vollzogene Heirat ist rechtsgültig. Nun möchte sie die Scheidung und hätte, falls sie nicht ihre Unterschrift unter einen Ehevertrag setzt, Anspruch auf die Hälfte von Antons inzwischen beträchtlichem Vermögen. Das muss verhindert werden: Kurzfristig ziehen Anton und Mona in die Einzimmer-Kellerwohnung von Antons Haushälterin und gaukeln der Ex Armut vor. Geradezu grotesk und genauso unterhaltsam ist die Verwandlung des Schickeria-Paars in zwei Prolls, die plötzlich Fertigprodukte aus Aldi-Tüten holen. Die Täuschung scheint zu funktionieren, leider zu gut: Die Jugendliebe verweigert die besagte Unterschrift und ist bereit, mit dem darbenden Anton ihr Erspartes von 6000 Euro zu teilen!

 

Reichlich plattdeutsches „Amüsemang“

 

Die Komödie von Autor Ivan Calbérac ist leicht, rasant und wortgewandt. Anders als oft in diesem Genre, ist der Ausgang keineswegs absehbar. Die Dreier-Konstellation wird zusätzlich aufgemischt von einem wunderbar trotteligen Anwalt und eben jener Haushälterin, die sich im Finale zur heimlichen Hauptrolle entwickelt. Denn wenn das reiche Paar ins Kellerloch zieht, bewohnt sie folgerichtig die Luxuswohnung … Mit leichter Hand lässt Regisseur Harald Weiler die skizzierten Figurentypen genüsslich aufeinanderprallen und sorgt so für reichlich plattdeutsches „Amüsemang“.

„Weddersehn maakt Freid …?“ im Ohnsorg Theater, noch bis zum 31. Dezember 2021


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, November 2021. Das Magazin ist seit dem 28. Oktober 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Coolhaze: Studio Braun im Schauspielhaus

Sie sind wieder da. Und zwar im Theater. Im Dezember nehmen sich Rocko Schamoni, Heinz Strunk und Jacques Palminger Kleists Klassikernovelle „Michael Kohlhaas“ vor und drehen sie auf links. Aus Kohlhaas wird Coolhaze. Warum man das nicht verpassen darf, verraten Studio Braun im E-Mail-Interview

Text: Daniel Schieferdecker

 

SZENE HAMBURG: Studio Braun, warum Kleists „Kohlhaas“ als Stoff für eine Neuinterpretation?

Studio Braun: Weil er gleichzeitig mit Augenzwinkern, megaernst und trotz der vielen Jahre, die der Text auf dem Buckel hat, immer zeitgemäß dahergaloppiert. Außerdem lässt er mannigfaltige Interpretationsspielräume und Nischen für Neuanfänge. Der Superstar aller Querulanten ist einfach nicht tot zu kriegen.

Worauf habt ihr bei der Modernisierung des Stücks besonderen Wert gelegt?

Dass wir möglich viel moderne Technik des 21. Jahrhunderts verwenden, wir wollen etwas bieten, was wir intern „Jahrmarkt für die Augen“ nennen. Außerdem gibt es heftig was auf die Ohren: Im Orchestergraben sitzt eine vierzehnköpfige Jazz-Bigband. Der besondere Clou: Wir haben Kohlhaas aus der Mittelalterszene ins New York der 1970er-Jahre gezerrt. Raus aus dem Schlabber-Look, rein in die hautengen Herrenhosen!

 

Power Straps und andere Beauty-Tipps

 

Was ist euer Beauty-Geheimnis?

Wir arbeiten viel mit Deepshine Lipgloss und dem Anti-Aging-Starter-Kit von Rushmore, die Beautycare-Produkte müssen übrigens unbedingt auf feuchter Haut aufgetragen werden – dann ziehen sie besonders tief ein. Außerdem schlafen wir nachts mit Tiefkühlerbsen, um Tränensäcke zu vermeiden. Heinz verwendet zum Bodyshaping häufig Power Straps nach Doktor Zuba, um Po und Beine zu straffen. Jacques und Rocko tragen unter ihren Shirts immer Diving-Anzüge von Breeze aus dem Funsport-Bereich, das macht eine schöne schlanke Figur. Nägel und Zähne kann man übrigens gut mit Tipp-Ex aufhellen.

Auf dem Pressefoto zu „Coolhaze“ tragt ihr sehr shorte Shorts. Welche Oberschenkeltattoos hättet ihr insgeheim gerne, um eure muskulösen Schenkel zu betonen?

Wir denken gemeinsam häufig über Tribal-Tattoos nach, auch Tiermotive können die Muskeln schön zum Vorschein bringen – bei Studio Braun steht der Panda für Jacques, der Delphin für Rocko und der Koala für Heinz.

Ihr spielt Theater, macht Musik, Lesungen et cetera. Was ist die peinlichste Situation, die ihr je backstage mitbekommen habt?

Einmal hatte Jacques sich beim Umziehen im Backstage gebückt und seine Hose bekam hinten einen Riss, fast hätten Heinz und Rocko seine Unterhose gesehen, hihihi! Megapeinlich!!!

 

„Wir wollen ein psychedelisches Volkstheater errichten“

 

Wenn ihr bei einem tragischen Unfall ums Leben kämt und man im Anschluss euer bewegtes Leben verfilmen würde: Wer sollte euch spielen?

Da wir darüber auch bereits geredet haben, fällt uns die Antwort leicht: Matthias Schweighöfer als Heinz, Uwe Ochsenknecht als Jacques und Til Schweiger als Rocko.

Wie beurteilt ihr die Bedeutung des Theaters als Institution im gesamtkulturellen Kanon?

Grundsätzlich ist das Theater zu Ende im Sinne von „am Ende“. Extension und Implosion, Überdehnung und Zusammenbruch, das macht keiner ewig mit. Wir wollen aus den rauchenden Trümmern gerne etwas Neues errichten, nämlich das „psychedelische Volkstheater“: sachlich, modern, mit der notwendigen Prise Humor und ohne den theatertypischen „Bierernst“.

Wenn ihr euch aussuchen könntet, womit ihr am Ende der Vorstellung beworfen werdet, was würdet ihr wählen?

Mit Millionen kleinen Herzen aus lila Flausch

„Coolhaze“, Deutsches Schauspielhaus, 9. & 31. Dezember und weitere Termine


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Dezember 2021. Das Magazin ist seit dem 27. November 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Harry Potter: „Das ist eine emotionale Explosion!“

Im zweiteiligen Theaterspektakel „Harry Potter und das verwunschene Kind“ spielt Vincent Lang den Sohn des berühmten Zauberers. Ein Gespräch über ungeklärte Geschichten und die Magie des Theaters

Interview: Sören Ingwersen

 

SZENE HAMBURG: Vincent, wie fühlt es sich an, als Harry Potters Sohn Albus Serverus Potter auf der Bühne zu stehen?

Ich spüre da eine große Verantwortung, weil es eine so riesige Fanbase gibt. Der Charakter trat bisher ja nur ganz kurz im letzten Harry-Potter-Buch beziehungsweise im letzten Teil der Verfilmung auf. Deshalb habe ich auch eine gewisse Freiheit, meine eigene Figur zu kreieren.

Wann und wie bist du das erste Mal mit dem Harry-Potter-Stoff in Berührung gekommen?

Als ich sechs war, ist der erste Harry-Potter-Film erschienen. Das war der erste Kinofilm, den ich in meinem Leben gesehen habe. Die Bücher habe ich auch bis zum dritten Teil gelesen. Dann kam ich in die Pubertät und Lesen war nicht mehr so cool – leider. Aber ich habe die Lektüre jetzt nachgeholt und merke, was ich alles verpasst habe. Das ist einfach ein krasser literarischer Stoff mit wunderschönen Figuren. Eine wunderbare Beschreibung unserer Welt, übertragen ins Magische.

 

Harrys Traumata werden aufgearbeitet

 

Du hast ja 2019 am St. Pauli Theater den SiouX in Klaus Pohls Stück „Lasst mich in Ruhe!“ gespielt. Hat dir dieses Engagement irgendwie den Weg zum Potter-Stück geebnet?

Die Einladung zum Casting hat wohl eher mit meinem Abschluss-Vorsprechen von der Schauspielschule zu tun. Beim AVO (Absolvierendenvorsprechen, Anm. d. Red) präsentiert man die Monologe, die man sich an seiner Schauspielschule erarbeitet hat, in drei unterschiedlichen deutschen Städten. Dabei haben auch Mitarbeiter des Harry-Potter-Teams zugeschaut und mir diese Rolle angeboten. Die Zeit am St. Pauli Theater war aber maßgeblich für meinen Entschluss, in Hamburg wohnen zu wollen, weil ich mich in diese Stadt verliebt habe.

Am Ende des siebten und letzten Harry-Potter-Bandes „Die Heiligtümer des Todes“ wurde der schwarzer Magier Lord Voldemort endgültig besiegt. Ist die Geschichte um Harry Potter damit nicht eigentlich auserzählt?

Es gibt einige Dinge, die in den Büchern noch nicht geklärt wurden, zum Beispiel die Beziehung zwischen Harry und Draco, die Feinde waren, ohne dass man je erfahren hat, warum. Harry Potters Sohn Albus wird dann in diese Geschichte hineingeboren und hat schon am Gleis 9¾ vor dem ersten Tag in der Hogwarts-Schule Angst, dass er ins Haus Slytherin kommen könnte, obwohl der Rest seiner Familie zu Gryffindor gehört, dass also bei ihm irgendetwas anders ist. Das passiert dann auch, und der Sohn von Draco Malfoy wird sein bester Freund. Damit werden die ganzen Traumata, die ja auch schon Harry Potter mit sich herumträgt, aufgearbeitet, und es wird eine Art Heilungsprozess erzählt. Die Figur Albus Potter zeigt uns, dass jeder Mensch ein eigenständiges Leben führen kann, egal in welche Familie er hineingeboren wird.

 

Eine einmalige Produktion

 

Welche Rolle spielen die bekannten Figuren Harry Potter, Hermine Granger und Ron Weasley bei euch?

Sie müssen als ältere Generation rettend eingreifen, denn die Teenager, die in den Harry-Potter-Büchern immer die Helden waren, sind in unserem Stück eher die Troublemaker.

Was führt ihr eigentlich auf? Ein Theaterstück? Ein Musical? Eine Show?

Ich würde sagen, ein Sprechtheaterstück mit Tanzeinlagen oder das, was man in England und am Broadway ein „commercial play“ nennt. So etwas gibt es in Deutschland nicht, wo die Staats- und Privattheater ihre festen Spielpläne haben. Von daher ist unsere Produktion wirklich etwas Einmaliges, denn so hohe Budgets wie für „Harry Potter und das verwunschene Kind“ gibt es normalerweise im Sprechtheater nicht. Oft kann man deshalb die Möglichkeiten der Bühne gar nicht ausschöpfen. Wir haben dieses Privileg und können das Stück mit Magie füllen, was die Geschichte auf eine ganz neue Ebene hebt.

Das Mehr! Theater wurde für eure Produktion, die insgesamt 42 Millionen Euro gekostet hat, aufwendig umgebaut. Welche Änderungen waren für die Aufführung nötig?

Erst einmal ist der Hamburger Großmarkt einer der ungewöhnlichsten Orte für ein Theater. Dort, wo nachts und frühmorgens mit Obst, Gemüse und Blumen gehandelt wird, taucht unser Publikum in die magische Welt von Harry Potter ein: Da sind Teppiche mit Hogwarts-Initialen, Wandleuchten in Form von Drachen oder Patronus-Motive in den Foyers. All das hat eine unglaubliche Magie.

 

„Die Inszenierung ist durch die Verschiebung gewachsen“

 

Die Premiere von „Harry Potter und das verwunschene Kind“ musste wegen Corona dreimal verschoben werden. Hat das nicht an den Nerven gezehrt?

Bei uns war das extrem knapp. Zwei Tage vor der Premiere, am Freitag, den 13. März, wurden sämtliche Aufführungen gestrichen. Wir hatten vier Monate zwölf Stunden täglich geprobt, da entwickelt man sich zum Workaholic – und plötzlich ist mit allem Schluss. Erst als eine Frau aus unserem Cast zu weinen anfing, habe ich die volle Bedeutung dieser Absage emotional erfasst. Ich bin dann nach Hause gefahren und habe drei Monate bei meinen Eltern auf dem Land verbracht. In ein richtiges Corona-Loch bin ich aber erst bei der zweiten und dritten Verschiebung gefallen. Dabei habe ich aber auch gelernt, dass man noch Mensch ist und eine eigene Persönlichkeit hat, was man als Schauspieler oft vergisst. Letztendlich glaube ich sogar, dass die Inszenierung durch die Verschiebungen gewachsen ist. Wir hatten Zeit zum Nachdenken, kennen uns alle inzwischen viel besser und vertrauen uns noch mehr.

Wie viele Darsteller stehen bei euch auf der Bühne?

Wir sind 35 Leute im Cast.

Du erwähntest vorhin die Tanzeinlagen. Welche Rolle spielt die Musik in eurer Inszenierung?

Die Musik wurde von der britischen Sängerin Imogen Heap geschrieben. Ihren Hit „Hide and Seek“ habe ich vor einigen Jahren sehr gern gehört. Für das Theaterstück hat sie diesen Song auch verwendet, in einem Moment, in dem Albus und Scorpius sich zum ersten Mal eingestehen, dass sie die besten Freunde sind. Das ist eine emotionale Explosion!

 

„Am liebsten würde ich so einen ‚Expecto Patronum‘ raushauen“

 

Inwieweit ähnelt oder unterscheidet sich John Tiffanys deutsche „Harry Potter“-Inszenierung von denen, die er 2016 in London und 2018 am Broadway zur Aufführung gebracht hat?

Unser Cast hatte da Glück, noch vor Probenbeginn nach London fahren zu dürfen, um dort die Show zu sehen. Danach hatte ich die Befürchtung, dass alles genau so nach Deutschland übertragen werden sollte, was mir schwergefallen wäre, weil mir beigebracht wurde, in meinem Beruf immer meine eigene Freiheit zu suchen. Zum Glück wird uns diese Freiheit in der Arbeit aber auch gegeben.

Sehr viele Menschen werden sich „Harry Potter und das verwunschene Kind“ ansehen. Zum Premierentermin wurden bereits mehr als 300.000 Tickets verkauft. Hast du Angst, auch späterhin auf die Rolle des Albus Serverus Potter festgelegt zu werden?

Daniel Radcliffe konnte sich anfangs auch schwer von seiner Rolle lösen. Aber ich habe ihn in dem Film „Swiss Army Man“ gesehen, da spielt er so überzeugend eine lebende Leiche, dass man den Harry Potter ganz schnell vergisst. Das ist das Schöne an dem Beruf.

In welcher persönlichen Lebenssituation würdest du dir am ehesten einen gut funktionierenden Zauberstab wünschen?

Am liebsten würde ich kurz vor einer Premiere mal so einen „Expecto Patronum“ raushauen und die Angst und alles Schlechte mit meinem Patronus verscheuchen. Aber da habe ich dann ja auch wirklich meinen Zauberstab in der Hand. Zum Glück.

„Harry Potter und das verwunschene Kind“, Mehr! Theater am Großmarkt, 5. Dezember (Premiere), 8.–12., 15.–19., 21., 22., 25., 26., 29.–31. Dezember und weitere Termine; aktuell finden alle Vorstellungen unter 2G+ statt. Alle Gäste müssen zum Impf- oder Genesenennachweis einen negativen Coronatest vorweisen


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Volker Lechtenbrink ist gestorben – ein Nachruf

Mit ihm verliert Hamburg einen seiner beliebtesten Schauspieler – er wollte einfach nur spielen

Text: Felix Willeke

 

Eines Tages beim Schlachter Striga in der Alsterdorfer Straße: Drei Damen stehen in der Schlange und der Schlachter sagt: „Meine Damen, sie sind dran“, „ne, ne, danke“, entgegnen diese, „wir warten noch ein bisschen, bis Herr Lechtenbrink bestellt hat, wir hören seine Stimme so gern.“ Kaum eine Anekdote wie diese, die Volker Lechtenbrink 2018 in der NDR-Talkshow „3nach9“ erzählte, beschreibt den Schauspieler so gut. Volker Lechtenbrink ist am 22. November 2021 im Alter von 77 Jahren im Kreise seiner Familie verstorben.

 

Theater, Film und Musik

 

Volker Lechtenbrink in „Der Hauptmann von Köpenick“ 2010 am Ernst Deutsch Theater (Foto: Oliver Fantitsch)

Volker Lechtenbrink in „Der Hauptmann von Köpenick“ 2010 am Ernst Deutsch Theater (Foto: Oliver Fantitsch)

Das Multitalent, das nur „spielen“ wollte, wie er selbst einmal sagte, wuchs in Hamburg auf und besuchte die Gelehrtenschule des Johanneums. Mit nur 14 Jahren feierte er als Schauspieler 1959 in dem Film „Die Brücke“ unter der Regie von Bernhard Wicki, seinen Durchbruch. Es folgte eine Schauspielausbildung an der Hochschule für Bildende Künste und am Hamburger Schauspielstudio Freese.
Danach hatte Lechtenbrink Engagements an Theatern in Hannover, Köln, Berlin, München und Hamburg. Er trat auch immer wieder in Fernsehserien auf, darunter „Derrick“, „Ein Fall für zwei“ oder in den Verfilmungen der „Rosamunde Pilcher“- und „Inga Lindström“-Reihen. Dazu lieh er vielen großen Schauspielern seine Stimme, beispielsweise als deutsche Synchronstimme für Kris Kristofferson und Burt Reynolds. Neben Theater und Film war das Multitalent Lechtenbrink auch als Musiker erfolgreich, er schrieb Lieder für Peter Maffay und veröffentlichte selbst über zehn Alben.

 

Hamburg als Heimat

 

Seine Liebe gehörte aber immer seiner Hamburger Heimat und dessen Theater. „Besonders die Hamburger Bühnen verdanken ihm unvergessliche Abende“, sagte Kultursenator Dr. Carsten Brosda. Verbunden war Lechtenbrink insbesondere dem Ernst Deutsch Theater. Hier arbeitete er immer wieder als Schauspieler und Regisseur. Von 2004 bis 2006 übernahm er sogar die Intendanz des Hauses. Carsten Brosda zitiert als Abschiedsgruß auf Twitter einige Zeilen aus Lechtenbrinks erfolgreichstem Lied „Ich mag“: „Ich mag Bilder von Margitte / Schwimmen ohne mit / Barfuß gehen durchs Watt / Hamburg, meine Stadt / All das mag ich und ganz doll dich.“


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„Eine Figur, wie ich sie noch nie gespielt habe“

Als Titelfigur in „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ nach dem Roman von Thomas Mann wird der Schweizer Schauspieler Flavio Kiener am Altonaer Theater zum Spiegel einer Gesellschaft, die betrogen werden möchte

Interview: Sören Ingwersen

 

SZENE HAMBURG: Im September ist die neue Verfilmung der Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ im Kino angelaufen, und nun kommt der Stoff auf die Bühne des Altonaer Theaters. Dabei reicht die Tradition der Schelmenfiguren von Till Eulenspiegel bis zu dem realen Hochstapler Frank Abagnale, den Leonardo Di Caprio 2002 in der Spielberg-Komödie „Catch Me If You Can“ verkörperte. Worin besteht der Reiz dieser Figuren, die andere Menschen austricksen und hinters Licht führen?

Flavio Kiener: Führt Felix Krull wirklich andere Menschen hinters Licht? Auch der Begriff Hochstapler klingt für mich zu negativ. Felix will nur aus seiner Welt, seinen engen Familienstrukturen ausbrechen. Er fühlt sich dort nicht zugehörig und zu etwas Besserem erwählt. Er reitet dann auf einer Welle von Begebenheiten und Möglichkeiten, die von außen an ihn herangetragen werden. Andere Menschen kommen auf ihn zu, weil sie etwas von ihm wollen und nicht umgekehrt. Felix nutzt die Gelegenheiten für sich aus, richtet dabei aber keinen großen Schaden an. Daher ist er für mich eine sympathische Figur.

Demnach ist Felix ein Spiegel der Gesellschaft, indem er zum Erfüllungsgehilfen dessen wird, was die anderen sich wünschen?

Er ist eine Projektionsfläche für das, was andere in ihm sehen. Oder wie sie durch ihn sich selber sehen. Man kann ihn fast beneiden: Er tritt auf, und sofort sind alle von ihm angetan. Da gibt es ein Verlangen nach körperlicher Nähe, aber auch emotionalem und intellektuellem Austausch.

 

Felix Krull, fast ein Schauspieler im realen Leben

 

Ist Krull ein Schauspieler im realen Leben?

Er beobachtet, wie die Menschen sich in höheren Gesellschaftsschichten verhalten, und übernimmt zunächst eine Rolle. Danach verwandelt er sich aber in neue Person und wechselt seine Identität. Darin besteht ein Unterschied zu dem, was wir als Darsteller tun, nämlich bloße Behauptungen aufstellen.

Ist es nicht ein urmenschliches Verlangen, einmal jemand anders sein zu wollen?

Als Schauspieler ganz bestimmt. Aber all die Erfahrungen, die man gesammelt hat und die einen ausmachen, legt man dabei nicht einfach ab. Krull versucht zwar, das alte Ich, das „ungültige Dasein“, wie er es nennt, abzulegen, merkt aber, dass es schwierig ist, nur noch als Marquis durch die Welt zu ziehen.

 

Der Wunsch auszubrechen

 

„Sein Inneres wird ausgewaschen und gefüllt neu gefüllt“ sagt Flavio Kiener über Felix Krull (Foto: Oliver Betke)

„Sein Inneres wird ausgewaschen und gefüllt neu gefüllt“ sagt Flavio Kiener über Felix Krull (Foto: Oliver Betke)

Wenn Felix nur das ist, was die anderen aus ihm machen, ist er doch eigentlich eine tragische Figur, die niemals zu sich selbst findet …

Total. Wenn Felix denkt, dass er etwas Besseres ist, heißt das ja auch, dass er in seinem alten Leben keinen Anschluss findet. Er hat keine Freunde, keine emotionale Bindung an die Familie. Deshalb ist sein Wunsch auszubrechen so groß. Aber nie das sein zu können, was man wirklich ist – das ist natürlich furchtbar tragisch.

Ist dieses Gefühl nicht sehr zeitgemäß? Leben wir nicht in einem Zeitalter, wo Identitäten infrage gestellt werden und die Selbstdarstellung eine große Rolle spielt?

Auf jeden Fall. So gesehen ist das eine sehr moderne Geschichte. Auch klassische Rollenverhältnisse werden von Thomas Mann infrage gestellt, etwa wenn die wesentlich ältere Madame Houpflé den jungen Felix verführt.

Kann man da nicht schon von Prostitution sprechen, wenn Felix als Liftboy gegen Bezahlung mit weiblichen Gästen des Nobelhotels ins Bett geht?

Das ist eine der Szenen, die häufig auf unserem Probenplan stehen, weil wir noch herausfinden wollen, wie viel Lust dabei von Felix’ Seite mit im Spiel ist. Warum lässt er sich auf eine solche Sache ein – wobei er ja auch seine Grenzen kennt?

 

Eine außergewöhnliche Umsetzung

 

Wie geht ihr damit um, dass der Stoff ursprünglich kein dialogisches Theaterstück, sondern ein Roman ist?

Wir spielen eine Theaterfassung von John von Düffel. Am Anfang wird viel im Rückblick erzählt, aber je weiter das Stück fortschreitet, desto dialogischer wird es. Felix zieht ja ständig das Begehren der anderen auf sich. Da ist das Spiel der anderen dann die treibende Kraft.

Treibende Kraft in Georg Münzels Inszenierung sind ja auch oft die schnellen Schnitte beziehungsweise Szenenwechsel, wie in „Absolute Giganten“, wo du den Floyd gespielt hast. Können wir bei „Felix Krull“ Ähnliches erwarten?

Zum Teil. Es wird auf jeden Fall eine außergewöhnliche Umsetzung. Wir spielen viele Szenen in unterschiedlich großen Bilderrahmen, wobei sich das Spiel dann überbordend aus den Rahmen herausbewegt. Auch die Kostüme sind sehr besonders …

Auf den ersten Blick wirkt der Roman „Felix Krull“ viel weniger komplex als vieles was Thomas Mann zu Papier gebracht hat. Man denke an den „Zauberberg“ oder den „Doktor Faustus“. Warum hat er sich trotzdem ein Leben lang mit diesem Stoff beschäftigt?

In diesem Roman steckt viel Autobiografisches. Ich glaube, dass Mann bis an sein Lebensende nach seiner eigenen Identität gesucht und sich immer wieder die Frage gestellt hat, wie viel er von seiner Homosexualität ausleben darf. Spannend wäre zu wissen, wie die Geschichte weitergehen sollte. Der Roman ist ja Fragment geblieben.

Das heißt, von Düffel hat das Ende ebenfalls offengelassen?

Bei ihm wird es zum Ende hin sehr anarchisch und chaotisch. Das übernehmen wir. Aber es gibt noch Spielraum für ein konkretes Ende.

 

„Sein Inneres wird ausgewaschen und neu gefüllt“

 

Noch bis zum 27. November ist „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ am Altonaer Theater zu sehen (Foto: G2 Baraniak)

Noch bis zum 27. November ist „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ am Altonaer Theater zu sehen (Foto: G2 Baraniak)

Was reizt dich persönlich an der Rolle des Krull?

Das ist eine Figur, wie ich sie noch nie gespielt habe und die man sich durch ein sehr feines Spiel erschließen muss. Das absurde Spiel mit großen Gesten, das sonst eher meine Sache ist, kommt diesmal von den anderen Figuren. Außerdem spiele ich erstmals eine Figur, die deutlich jünger ist als ich. Auch das finde ich spannend.

Du sagtest, dass Felix Krull auf der Suche nach seinem Platz in der Gesellschaft ist. Siehst du eine Parallele zwischen dieser Figur und der des Floyd, die du in „Absolute Giganten“ gespielt hast? Floyd heuert ja als Seemann an und will seine Heimatstadt Hamburg verlassen.

Da gibt es tatsächlich Gemeinsamkeiten, was das Gefühl anbelangt, nicht dazuzugehören und sein Glück woanders versuchen zu wollen. Aber bei Felix handelt es sich um mehr als einen bloßen Tapetenwechsel. Sein Inneres wird regelrecht ausgewaschen und neu gefüllt.

 

Vom Wochenmarkt zurück auf die Bühne

 

Felix Krull ist die erste Rolle, die du nach dem Shutdown übernommen hast. Wie hast du die Corona-Zeit überstanden? Ich habe gelesen, du hast Käse verkauft …

Der erste Lockdown kam einen Tag vor der Premiere von Meyerhoffs „Alle Toten fliegen hoch – Amerika“. Das scheint ewig lange her. Andererseits kommt es mir nur wie ein Monat vor, weil inzwischen so viel passiert ist: Meine zweite Tochter wurde geboren, und ich bin jetzt Verkäufer auf dem Wochenmarkt. Die Leute mögen die Geschichte von dem Schauspieler im Lockdown, der Schweizer Käse verkauft. Sie fiebern mit und hoffen, dass es mit der Kultur weitergeht. Aber nur ein bisschen, damit es auch morgen noch Käse gibt. (lacht)

Das heißt, deine Kunden kennen deine Geschichte?

Die meisten. Ich glaube, von denen kommen jetzt auch viele ins Theater, um sich den Käseverkäufer einmal auf der Bühne anzugucken.

„Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“, Altonaer Theater, 9.–13., 17.–20., 24.–27. November


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„Seine Bücher haben mich geprägt“

David Foster Wallace war Mathematikgenie, Tennis-Ass, Hochschullehrer und Autor. 2008 nahm er sich im Alter von 46 Jahren das Leben. Seine Erzählung „Neon in alter Vertrautheit“ bringt Thalia-Schauspieler Sebastian Zimmler nun auf die Bühne an der Gaußstraße

Text: Dagmar Ellen Fischer

 

SZENE HAMBURG: „Neon“ erzählt vom Selbstmörder Neal, der einen Abschiedsbrief nach (!) seinem Tod schreibt und darin gesteht, dass er zeitlebens ein Heuchler war, immer gierig nach Bewunderung und dem Applaus der anderen. Warum dieser Text jetzt?

Sebastian Zimmler: Als ich „Neon“ das erste Mal las, hatte ich sofort (Theater-) Bilder im Kopf. Ich sah den Protagonisten dieser Story als eine Art Alter Ego: einen Spieler, der auf der Bühne steht und viel Zeit und Mühe investiert, um vor anderen als beeindruckend und „authentisch“ dazustehen, daran aber schmerzvoll scheitert. Mit diesem Stoff hatte ich vor längerer Zeit ans Intendantenbüro geklopft, aber erst die Pandemie öffnete mir dieses Jahr die Tür zur Studiobühne.

Rechnen Sie damit, dass das Publikum den Autor und seine Bedeutung kennt?

Ich kenne tatsächlich nur wenige Menschen, die ihn gelesen haben, dennoch ist er längst kein Geheimtipp mehr. Und wenn ich den Text zum Anlass nehme, die Figur des Heuchlers zu performen, sollte das natürlich auch exklusiv, ohne Hintergrund von Werk und Autor, funktionieren.

 

David Forster Wallace und die Intimität

 

In „Neon“ geht es um einen Selbstmörder, es gibt also diese Parallele zum Leben des Autors. Wie gehen Sie damit um?

Auch wenn für mich der Suizid von David Foster Wallace in dieser Erzählung eine Gänsehaut verursachende Präsenz hat, ist es mir doch wichtig, zwischen Werk und Biografie des Autors zu unterscheiden. Das Geschriebene ist groß und stark und bedarf gewissermaßen keiner Perspektivierung auf den Autor.

Wie würden Sie den eigenen Maßstab formulieren, dem Autor mit dieser Inszenierung gerecht zu werden?

Ich bin ein großer David-Foster-Wallace-Fan und habe alle seine Bücher gelesen. Sie haben mich geprägt, verändert und mein Schaffen als Schauspieler beeinflusst. Ich würde gerne so spielen können, wie er geschrieben hat: eine Intimität herstellend, der man sich schwer entziehen kann und die so unterhaltsam ist und doch immer ernsthaft, moralisch aufgeladen und stets unironisch.

In „Neon“ heißt es: „In Wahrheit ist das Sterben nicht schlimm; es dauert nur ewig lange. Und ewig nimmt keine Zeit in Anspruch.“ Kommentieren Sie solche Sätze durch Ihr Spiel?

Es geht um die Behauptung, „dass die Nano-Sekunde zwischen dem Eintreten des klinischen Todes und ‚dem, was danach passiert‘, in Wirklichkeit unendlich ausgedehnt ist“. Den Gedanken, dass die Zeit in Wirklichkeit nicht entlang einer Geraden verläuft, muss ich als Spieler zunächst gar nicht kommentieren. Ihn zu denken, ist schon schwer genug.

 

Nähe und Gleichzeitigkeit durch Projektion

 

Sie arbeiten mit Projektionen, welche Funktion erfüllen sie?

Die Projektionen sollen helfen, eine Nähe und Gleichzeitigkeit zu erzeugen, in der Vergangenheit und Zukunft Illusionen der Gegenwart sind. Wenn man so will, eine Art Doppelbelichtung und auch eine Lupe, unter der wir den Blender sehen.

Dass Texte – oder Kunst allgemein – aus eigenem persönlichem Leiden geboren werden, würde der Autor vermutlich nicht gelten lassen, wie schauen Sie auf dessen schriftstellerisches Werk unter diesem Aspekt?

Seinen hyperempfindlichen Sinn für Bilder, in denen lässiges Beobachten und äußerste Verletzbarkeit zusammenfließen, finde ich phänomenal. Ich sehe David Foster Wallace auf einer Linie mit Balzac und Dostojewski!

„Neon in alter Vertrautheit“, Thalia Gaußstraße, 12. November 2021 (Uraufführung), 24. November und weitere Termine

Hier gibt’s den Trailer zu „Neon in alter Vertrautheit“:


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Theaterpreis Hamburg – Rolf Mares 2021 verliehen

Am 1. November 2021 wurde der Theaterpreis Hamburg – Rolf Mares verliehen. In sechs Kategorien gingen die begehrten Preise an sieben Theaterschaffende und eine Institution 

 

Roter Teppich, große Bühne und fröhliche Gesichter. Am 1. November 2021 wurde im Opernloft der Theaterpreis Hamburg – Rolf Mares verliehen. Der Preis ist mit jeweils 1.000 Euro dotiert, inklusive eines personalisierten Montblanc-Füllers.

 

Herausragende Darsteller:innen

 

Eva Mattes wurde für ihre Rolle in der Uraufführung von Elfriede Jelineks Theaterstück „Lärm. Blindes Sehen, Blinde Sehen!“ ausgezeichnet (Foto: Matthias Horn)

Eva Mattes wurde für ihre Rolle in der Uraufführung von Elfriede Jelineks Theaterstück „Lärm. Blindes Sehen, Blinde Sehen!“ ausgezeichnet (Foto: Matthias Horn)

Als herausragende Darsteller:innen wurden 2021 Ines Nieri für ihre Inszenierung „Tyll“ (nach dem Roman von Daniel Kehlmann) am Ernst Deutsch Theater und Thomas Niehaus vom Ensemble des Thalia Theaters für seine Rolle des Ingwer Feddersen im Stück „Mittagsstunde“ geehrt. Ein weiterer Preis ging an Eva Mattes für ihre Darstellung der Kirke in der Uraufführung von Elfriede Jelineks Theaterstück zur Pandemie „Lärm. Blindes Sehen, Blinde Sehen!“ am Deutschen Schauspielhaus Hamburg.

 

Digitale Projekte ausgezeichnet

 

Wegen der langen Zeit ohne offene Theater, gingen zwei Preise an digitale Inszenierungen. Helge Schmidt wurde für seine Inszenierung „Tax for free“ am Lichthof Theater ausgezeichnet, ein Projekt das im Rahmen des Formats #lichthof_lab entstanden ist. David Bösch, Patrick Bannwart und Falko Herold bekamen die Auszeichnung für ihr filmisches Gesamtkunstwerk „Weisse Rose“ an der Staatsoper Hamburg.

Der Sonderpreis ging in diesem Jahr an die Behörde für Kultur und Medien. Die Jury begründete die Auszeichnung mit der durchgehenden Unterstützung der Theater in Zeiten der Pandemie: „Hamburg hat dafür viel Geld in die Hand genommen, es wurde unbürokratisch gehandelt, dazu gab es Beratung in jeder Lage, zu jeder Zeit, und immer auch vom Senator Dr. Carsten Brosda selbst. Die Theater in Hamburg fühlten sich verstanden und sehr gut aufgehoben“.

Die Highlights der Verleihung mit allen Preisträger:innen gibt es ab dem 2. November 2021 um 19 Uhr auf theaterpreis-hamburg.org und auf dem YouTube-Kanal des Theaterpreis Hamburg – Rolf Mares.


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Barbara Kisseler Theaterpreis 2021 vergeben

Der mit 50.000 Euro dotierte Barbara Kisseler Theaterpreis 2021 wurde am 31. Oktober im Ernst Deutsch Theater vergeben. Gewonnen hat die Hamburger Schauspielerin Stella Roberts für ihre Produktion „Der fröhliche Fischer“

Text: Felix Willeke

 

Stella Roberts ist die Gewinnerin des Barbara Kisseler Theaterpreises 2021. Die 32-jährige bekam ihre Auszeichnung am 31. Oktober 2021 im Ernst Deutsch Theater überreicht, wo ihre Schauspielkarriere in einem der hauseigenen Jugendclubs begann. Später spielte sie im Hamburger Jedermann und ist inzwischen auch an der Wiener Staatsoper zu sehen. Den mit 50.000 Euro dotierten Preis erhielt sie für ihre Produktion „Der fröhliche Fischer“, die im September 2021 am Rissener Leuchtturm aufgeführt wurde. Kultursenator Dr. Carsten Brosda lobte die Inszenierung, „die einen außergewöhnlichen Spielort in Hamburg theatral in Szene setzt und Theater somit unmittelbar in die Gesellschaft trägt“.

 

Auch das plattform-Festival ausgezeichnet

 

Kultursenator Dr. Carsten Brosda und die Gewinnerin 2021 Stella Roberts (Foto: Oliver Fantitsch)

Kultursenator Dr. Carsten Brosda und die Gewinnerin 2021 Stella Roberts (Foto: Oliver Fantitsch)

Ebenfalls ausgezeichnet wurde das plattform-Festival. Da die Verleihung 2020 Pandemie-bedingt ausfallen musste, überreichte Brosda den Preis für das vergangenen Jahr ebenfalls am 31. Oktober 2021. „Es ist ein mit viel Einsatz verbundenes Vorhaben, dafür Sorge zu tragen, dass Kinder und Jugendliche den Wert von Kultur für unsere Gesellschaft unmittelbar erfahren können. Das Team des plattform-Festivals setzt dies seit fast zehn Jahren engagiert um“, so der Kultursenator.

 

Ein Preis zu Ehren von Barbara Kisseler

 

Der Barbara Kisseler Theaterpreis wird seit 2017 zu Ehren der 2016 verstorbene Kultursenatorin vergeben, gefördert wird er dabei von der Hermann Reemtsma Stiftung. Mit dem Preis werden Privattheater oder Freie Gruppen für herausragende Leistungen von einer anonymen Jurorin oder einem anonymen Juror ausgezeichnet. Mit „Der fröhliche Fischer“ wurde erstmals die Realisation einer Produktionsidee ausgezeichnet.


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Theater: Wut, Witz und Wiener Walzer

Noch bis zum 6. November 2021 läuft das „Sechs Tanzstunden in sechs Wochen“ von Richard Alfieri unter der Regie von Anatol Preissler im Ernst Deutsch Theater

Text: Katharina Manzke 

Wenn man so will, steckt in der Geschichte des Tanzes die emotionale Bandbreite eines ganzen Lebens. Diesen Eindruck hat man zumindest als Zuschauer des Stückes „Sechs Tanzstunden in sechs Wochen“ von Richard Alfieri, das Anatol Preissler im Ernst Deutsch Theater inszeniert. Eine vereinsamte alte Dame, Lily Harrison (Gila von Weitershausen), hat private Tanzstunden gebucht. Die Tanzschule schickt ihr mit Michael Minetti (Mark Weigel) einen Lehrer, mit dem sie zunächst überhaupt nicht zu harmonieren scheint. Nachdem sich die Witwe eines Baptisten-Predigers und der um einige Jahre jüngere, schwule Tänzer gegenseitig angegiftet haben, tanzen sie doch miteinander – die erste Stunde steht im Zeichen des lebensfrohen Swing. Beide merken: Sie, zusammen auf der Tanzfläche, das hat Potenzial. Und so geht es Woche für Woche weiter.

 

Tolle Musik und viel Gefühl

 

Mit dem Tango, dem Tanz der zwischen leidenschaftlicher Dynamik und gespannten Pausen wechselt und Gegensätze vereint, dem Wiener Walzer, dem Foxtrott, dem Cha-Cha-Cha und schließlich dem Modernen Tanz. Auf der Bühne wird zu bekannten Melodien von den Comedian Harmonists, über R.E.M. bis hin zu den Blues Brothers also viel getanzt, was vor allem die freuen dürfte, die selbst den Paartanz zelebrieren und lieben. Besonders schön dabei ist, wie die Entwicklung der Beziehung zwischen beiden in diese Tanzstunden eingewoben ist. Auf der Bühne lenkt kein schmückendes Beiwerk oder ein Zuviel an Nebenschauplätzen oder -figuren ab: Von Woche zu Woche, von Szene zu Szene, kommen sie einander näher und gewähren auch den Zuschauern tieferen Einblick in ihre Erinnerungen und Gefühle. Was lustig und spritzig begann, endet tieftraurig und emotional, aber auch mit Hoffnung.

Sechs Tanzstunden in sechs Wochen, Ernst-Deutsch-Theater, 1., 3. bis 6. November 2021


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, November 2021. Das Magazin ist seit dem 28. Oktober 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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