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Viva La Bernie – Hoffnung für den Gemeinschaftshof

Die Hinterhofgemeinschaft in der Bernstorffstraße in Altona will den freien und kreativen Raum erhalten – und hat nun 7 Millionen Euro gesammelt, um einen Abriss zu verhindern.

Es gibt sie in ganz Hamburg, die bedrohten Räume: Kreative Keimzellen und Gemeinschaftsprojekte, alteingesessene Mieter und Kult-Orte, deren Wohn- und Arbeitsraum von großen Investoren aufgekauft, abgerissen, und an deren Stelle teure Neubauten hochgezogen werden. Hamburg kennt dieses Phänomen wie jede andere deutsche Großstadt – wehrt sich aber oft und laut dagegen. So auch bei „Viva La Bernie“: Der Verein kämpft seit letztem Jahr für den Erhalt eines Hinterhofes in der Bernstorffstraße.

Das Gelände der „Bernie 117“, wie die Mieter es liebevoll nennen, wird schon seit fast vier Jahrzehnten von den 19 ansässigen Parteien frei gestaltet. Über 100 Menschen leben und arbeiten hier: Handwerker, Mechaniker, Tänzer, Designer, Heilpraktiker, Künstler. Rocko Schamoni hat hier eine Töpferwerkstatt, Fettes Brot ein Tonstudio. „Wir sind eine bunte Mischung aus Kunst und Handwerk, die hier sehr gut funktioniert“, erzählt Ralf Gauger. Er ist mit seiner Baufirma schon 25 Jahre Teil der Hofgemeinschaft. „Viele sind schon sehr lange hier“, fügt er hinzu. „Wir können also eine große Kontinuität vorweisen.“ Doch diese ist in Gefahr: 2017 verkaufte der ehemalige Besitzer das Gelände an die Berliner AC Immobilien-Investment GmbH. Die Parteien der Bernie 117 mobilisierten sich schnell, Gauger wurde zum Sprecher ernannt – der „Viva la Bernie e.V“ war geboren.

Drei Bier und zwei Spezi

„Die Anfänge der Verhandlungen mit den Eigentümern war sehr ernüchternd“, erinnert sich Ralf Gauger heute. Während der Verein schon zu Beginn ein offenes Gespräch suchte, blockten die Investoren erst einmal ab – zum ersten Treffen durfte Gauger nur alleine kommen. „Da wurde mir dann schnell klar, dass wir hier nur als einzelne Mieter gesehen werden“, erzählt Gauger. Dass es dem Verein aber vor allem um die Gemeinschaft und den Zusammenhalt geht, die sich die Hofbewohner über viele Jahrzehnte hinweg aufgebaut haben, hätten die Investoren gar nicht erkannt. Angstfrei wohnen und arbeiten, in einer sozialen Gemeinschaft: „Das sind Grundbedürfnisse, die man nicht einfach auf einen Kaufpreis umrechnen kann.“

Freiräume wie die Bernie 117 würden außerdem dazu beitragen, den Stadtteil lebendig und sozial zu gestalten. „Wir sind ja nicht einfach nur 110 glückliche Menschen, die ihren Hof behalten wollen, wir haben auch einen engen Kontakt zum Viertel“, erklärt Gauger. Sein Bauunternehmen übernahm einen großen Teil der Planung des neuen Pudelclubs, zusammen mit drei weiteren Firmen betreute es außerdem den Bau des FC St. Pauli Museums. 14 Monate lang saßen sie  dafür jede Woche zusammen. Die Bezahlung: „Drei Bier und zwei Spezi.“

Über die letzten Jahrzehnte hat die Gemeinschaft der Bernie 117 nicht nur den eigenen Hof geformt und mitgestaltet – auch das Viertel. Kreative Vereine wie sie schaffen den Flair, den Viertel wie Altona, die Schanze oder St. Pauli so attraktiv für Einwohner und Touristen machen. „Und dann kommt ein Investor mit dickem Geldbeutel und schöpft hier Gewinn ab, obwohl er nie etwas zur Gestaltung des Stadtteils beigetragen hat“, so Gauger.

Die Finanzierung ist geschafft

Dass der Hof in Gefahr gerät, löste nicht nur innerhalb der 110-köpfigen Hofgemeinschaft eine Welle der Empörung und Unterstützung aus: Jan Delay, Fettes Brot, Deichkind, Fatih Akin, Heinz Strunk oder FC Pauli Präsident Oke Göttlich setzten sich ein, auch aus dem Bezirksamt und der Handwerkskammer kam Zuspruch. „Im Falle einer Konfrontation stehen alle hinter uns“, bestätigt Rocko Schamoni, der auf dem Bernie-Hof ein Töpferstudio hat. Den Grund für den lauten Aufschrei sieht er in einem grundlegenden Frustration der Hamburger: „Ich denke, es gibt hier ein unglaubliches Bedürfnis nach einer Stadt, über die man selbst verfügt und in der man gefragt wird, wie man überhaupt gemeinschaftlich leben will.“

Selbst über den Hof verfügen möchten auch die Mitglieder von „Viva La Bernie“: „Wir wollen gar kein Gegner sein“, erklärt Gauger. „Deswegen ist unser Friedensangebot, den Berliner Investoren den Hof abzukaufen.“ In den letzten Wochen hat die Hofgemeinschaft das Unglaubliche geschafft: Jetzt liegen sieben Millionen Euro auf dem Tisch, finanziert von 130 privaten Kreditgebern und einer sozial engagierten Bank. „In dieser unfassbar hohen Summe ist nach unserer Einschätzung auch ein sechsstelliger Gewinn für die Investoren enthalten.“

Dass der Verein diese Summe stemmen konnte, sieht Rocko Schamoni auch als eine Verpflichtung für die Besitzer, den Finanzierungsplan ernst zu nehmen. Aber auch, wenn noch unklar ist, ob die Berliner Investoren auf das Angebot eingehen oder nicht: Der erste Meilenstein wird bei Viva La Bernie trotzdem ordentlich gefeiert. Am Freitag, den 28. September will sich der Verein bei allen Unterstützern bedanken. Die Party steigt um 19 Uhr, auf der Bühne tummeln sich Hamburger Künstler wie Jan Delay, Sammy Deluxe oder Fettes Brot.

Text: Sophia Herzog

Dieser Artikel wurde am 27. September 2018 veröffentlicht und erscheint nicht im Print-Magazin, sondern exklusiv auf www.szene-hamburg.com.


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altonale20 – Die XXL-Interaktion

Das Hamburger Kulturfestival wird 20 und hat zum runden Geburtstag ein neues Motto ausgerufen: „Grenzen“.

Ganze 17 Tage, mehr als 2.000 Künstler, über 200 Veranstaltungen: Die altonale, Hamburgs Kulturfestival der besonderen Art, hat in seiner 20. Ausgabe ein erwartungsgemäß pickepackevolles Programm. Und das, ohne einen Eintritt festzuschreiben. „Pay what you want“, so der Festivalslogan, oder auch: „Mach es möglich – zahle deinen Beitrag und unterstütze Kunst und Kultur nachhaltig“. Gemeint ist, dass Besucher genau das beisteuern sollen, was sie für angemessen halten. Ein roter Vogel mit Hut wird altonale-Gästen in Verbindung mit Bezahlstationen bei den Veranstaltungen begegnen. Diese Art von Wertschätzung für das Erlebte ist freilich wichtig für die Finanzierung des Ganzen. Denn nicht mehr als zwölf Prozent des Gesamtetats von 900.000 Euro werden aus öffentlichen Geldern gefördert. Immer wieder müssen Sponsoren und Unterstützer gefunden werden, um die altonale möglich zu machen.

Dancing Dabke

Die ersten vier altonale-Tage werden begleitet von STAMP, dem internationalen Festival der Straßenkünste, das in diesem Jahr eine spezielle Einlage plant: eine Choreografie für alle. Das Ziel von STAMP ist es, die vielfältige Gesellschaft darzustellen und die unterschiedlichen Stimmen zu einem Dialog zu verbinden. Das soll gelingen, in dem alle, Festivalmacher und – Besucher, gemeinsam den sogenannten Dabke tanzen, einen Tanz aus Ländern des Nahen Ostens, dessen Schrittfolge gelernt (siehe Video) und auf die Paradenstrecke zwischen Bruno-Tesch-Platz und Platz der Republik gebracht ist (Start: 3.6., 15 Uhr). Entwickelt wurde dieses STAMP-Schmankerl in Zusammenarbeit mit HausDrei von den Choreografen Rica Blunck und Patricia Carolin Mai. Die syrische Band Syriab wird zum Abschluss des Dabke-Spektakels im Park dazukommen und den passenden Soundtrack liefern, nämlichen einen Mix aus klassischer und orientalischer Musik.

Top-Location: Krankenhaus

Allgemein ist die altonale an Facettenreichtum erneut kaum zu überbieten, hat Kultur und Kulinarik ebenso im Programm wie Sport- und Informationsveranstaltungen. Spannend sind auch die ausgewählten altonale-Spielorte. Nicht selten überraschen die Macher mit ungewöhnlichen Locations und führen das Publikum an Plätze, die es womöglich niemals mit einem Unterhaltungsfestival in Verbindung gebracht hätte. Bestes Beispiel: die Asklepios Klinik Altona (5.- 12.6.). Nachdem die altonale-Kulturreihe „(Not) At Home“ im vergangenen Jahr in den leeren Hallen des einstigen OBI-Baumarktes von Altona-Bahrenfeld aufgeschlagen ist, geht es jetzt ins Krankenhaus. Malerei, textile Installation, Videokunst, Fotografie – das alles wird hier, in dem alten Klotz an der A7, zu sehen sein. Das größentechnische Gegenteil ist die temporäre Kunstaktion Wortfindungsamt. Auch hier geht es vor allem um Interaktion. In einem pinkfarbenen Bauwagen wird ein Amt eingerichtet, in dem jeder ein für sich oder sein Umfeld bedeutsames Wort einreichen kann. Genehmigte Wörter können später in Form von Schildern wieder abgeholt und im Stadtbereich aufgehängt sowie für die Wortfindungsamt-Website fotografiert werden. Ziel: das Sensibilisieren des Blickes für den alltäglichen Lebensraum.

Auf diese und viele andere Arten schafft es die altonale, ihr derzeitiges Motto in die Tat umzusetzen, ja es sogar ein Stückweit verschwinden zu lassen. Denn „Grenzen“ werden in diesen 17 Tagen nicht gezogen, sondern gesprengt.

Text: Erik Brandt-Höge
Beitragsfoto: Hannes Windrath

1.-17.6.2018; www.altonale.de


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juni 2018. Das Magazin ist seit dem 26. Mai 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

Bedrohte Räume #22: #stopshopping #startthinking

Investoren shoppen Hamburg kaputt. 

Aus der Ferne betrachtet, sieht alles besser aus, heißt es. Ich sage: „Papperlapapp.“ Während ich nämlich fernab auf den Wogen der thailändischen Küstenregion surfe, sieht Hamburgs Raumsituation auch aus der Ferne betrachtet grauslig aus. Unsere wichtigsten Kulturräume, die uns Erker einer l(i)ebenswerten Zukunft sind, verschwinden. Hamburg wirkt auch aus der Distanz bald wie eine kulturell und kreativ ausgedorrte Savanne. Hamburg Ciddy, Du stirbst!

Nun, betrachten wir das neue Rettungsteam aus der Nähe: The Scholzing ist ja nun Geschichte. Stattdessen wird ein durchsetzungsstarker, ökologisch, kulturell, sozial und wissenschaftlich hoch kenntnisreicher und motivierter Mann, der sogenannte rote Peter, unser Kapitän. Er will dafür Sorge tragen, dass die Stadt in Zukunft eine kulturelle Perspektive bekommt. Die New York Times und The Guardian sprechen bereits vom sog. Tschentscherism. Was zunächst nach Zungenbrecher klingt, ist mehr als die Summe seiner Konsonanten. War er erst Balken im Auge vieler Hamburger, wird er dieser Tage zum Hoffnungsträger für die „No art – no future“-Bewegung.

Auch Carsten Brosda, unser Kultsenator, weiß, er muss nur alle Moleküle an einem Ort haben und dann … wusch, schon kann sein beständiger Versuch, kulturelle Herkunft mit kreativer Zukunft zu verknüpfen, gelingen. Er kennt die wahre Bedeutung von Kultur, deshalb gilt auch sein Fokus ihrem Erhalt. Schon mal ganz geil, oder? Bei all den bedrohten Räumen auf dem Globus, deren Dichte die Übersicht auch aus dem fernen Thailand verstellt, scheinen beide den Blick für das Wesentliche zu haben. Und wenn nicht, sei hier ein wenig Nachhilfe geboten:

Lieber Herr Tschentscher, lieber Herr Brosda,

wir begrüßen Ihr Vorhaben, den Berliner Investoren Raffke & Müll, die den Hinterhofkomplex Bernstorffstraße 117 gekauft haben und jetzt paragraphenreitend das Kackebeil schwingen und dabei so tun, als hätten sie von einer „Gemeinschaftsimmobilie“ nichts gewusst, den Riegel vorzuschieben. Wir sagen Bravo und gehen mit Ihnen und dem Bezirk durch dick und dünn.

Wir sind Fans von Ihren Ideen, Investoren via städtebaulicher Erhaltungsordnung zu regulieren, Mietwucher durch städtischen Ankauf abzufedern und damit den galoppierenden kulturellen Ökozid in Hamburg zu stoppen. Immerhin, die Bernie117 ist nicht irgendein Hinterhof. Die Band Fettes Brot hat ihr Studio hier, der Künstler Rocko Schamoni seine Werkstatt. Es ist eine gewachsene Gemeinschaft von mehr als 100 Menschen mit handwerklichen Betrieben, die das Viertel inhaltlich mit konstituieren.

Auch Ihr Engagement zum Thema Barner42 ist äußerst lobenswert. Selten haben wir so engagierte Verantwortliche in den Bezirken gehabt, die sich am Berliner Modell orientieren und von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch machen, um Immobiliendeals zum Schutz der Mieter selbst abzuschließen oder denen die Klamotte bei Missbrauch wieder abzujagen. Wir sind da voll dabei, denn das Beteiligungsverfahren der Immobilien-Entwickler Köhler & von Bargen ist Bullshit und bietet den Mietern nur eines: Sie wählen Henker und Todesart selbst.

Und wenn alles gut läuft, dann könnten Sie sich auch gleich um Schnelsen49 kümmern, der Hof verfällt schneller als Sie das Problem googlen können. Auch die alte Likörfabrik in Harburg kracht jeden Moment zusammen. Lösung: Sie shoppen, wir erhalten! Die Sternbrücke mit ihren Clubs, dem Bauwagenplatz Zomia und den Altbauten drum herum warten auf Sie, greifen Sie zu! Ihre Fanbase macht den Rest und baut Ihnen Leuchttürme. Sie haben eine Vision – wir haben die Inhalte! Lassen Sie es uns tun!

Eure Raumsonde

Andrea

Beitragsbild: David Königsmann


Who the fuck is…

Andrea Rothaug Szene Hamburg Stadtmagazin

Foto: Katja Ruge

 

Andrea Rothaug ist eine musikalische Raumsonde mit Hang zum Wort, Kulturmanagerin, Autorin, Dozentin, Veranstalterin, Präsidentin. Was diese Frau so alles treibt, erfahren Sie unter www.andrearothaug.de

 

Sommer in Altona: Kultur im Biergarten

Das Zirkuszelt am Nobistor feiert Bergfest. Knapp zwei Wochen hat der Sommer in Altona jetzt schon auf dem Buckel – jetzt kommt die Kultur in den Biergarten – für lau und open air!

Klar ist: Das Konzept begeistert. Das Festival aus Musik und Kunst hat sich schon in die Herzen der Hamburger gespielt. Für sie gab’s laue Nächte im Zirkuszelt, unter anderem mit Tinariwen, Ronja von Rönne, Lambchob oder Me And My Drummer.

Jetzt legt das Sommerfestival noch einen drauf:

Neben den Konzerten im Zelt gibt’s ab nächster Woche jede Menge toller Events im Biergarten:

Mo, 14.08. Tim Jaacks / Hamburger Küchensession gehen raus!
Mi, 16.08. Leserpistole (Lesung)

Do, 17.08. OVE / Hamburger Küchensession gehen raus!

Sa, 19.08. “Zwei wie Ironie & Sarkasmus“ / Geschichten aus der Hölle des Alltags: Ein Biergarten-Abend mit Viktor Hacker und Jan Turner

Di, 22.08. Sebastian Hackel / Hamburger Küchensession gehen raus!
Sa, 26.08. Joe Astray

Eintritt: Ein Experiment – jeder gibt das, was es ihm wert ist.

Beginn ist jeweils um 19:00 Uhr.

 

Sommer in Altona, 30.7-30.8.17, www.sommerinaltona.de

 


Diese Konzerte im Zelt solltet ihr auch nicht verpassen:


Altona 93: Hör’ mal, wer da hämmert

Altona 93 testet gegen das Premier-League-Team von West Ham United

Joe Hart, Chicharito, Marko Arnautovic: Der Kader von West Ham United, dem Club aus dem Londoner East End, liest sich beeindruckend. Am vergangenen Wochenende absolvierten die britischen Ballzauberer zwei Tests gegen Werder Bremen (0:1 und 2:2), jetzt kommen „The Hammers“ nach Hamburg.

Gegner hier: Altona 93. Eben erst in die Regionalliga aufgestiegen, ist die Truppe von Trainer Berkan Algan logischerweise extraheiß auf einen Kontrahenten von diesem Kaliber. „Ich will mit Altona einfach jedes denkbare Ziel erreichen“, hat der Coach kürzlich im SZENE HAMBURG-Interview angegeben. Das Vorhaben gegen West Ham sollte vermutlich sein, nicht zweistellig vom eigenen Platz gefegt zu werden.

Doch selbst ein 0:17 würde die 5.000 (!) Zuschauer auf der so was von ausverkauften Adolf-Jäger-Kampfbahn sicher nicht stören.

Die Londoner können heute hämmern, so viel sie wollen: Der Spaß wird im Vordergrund stehen, wenn die Premier-League-Millionäre gegen die Griegstraßen-Kicker spielen.

/ EBH

Spielbeginn: 18.30 Uhr, Griegstraße 62 / www.altona93.de

Altona93

Auf ein gutes Spiel, Jungs! Wir feiern schon mal vor…

Serie: Altona. Sommer in Altona – Das Zirkuszelt am Nobistor

Es kommt was Neues auf uns zu: Am Nobistor wird ab dem 30. Juli bis Ende August ein neuer Festival-Ort für Musik und Kunst entstehen. Sommer in Altona!

Ein Zirkuszelt, ein abwechlsungsreiches Kulturprogramm und dazu Sommer, Sonne, Leichtigkeit. Das sind die Zutaten für Sommer in Altona. Das Event, das den Hamburgern den August versüßen möchte, erlebt in diesem Jahr seine Premiere und hat eine Menge Überraschungen im Programm. Wir verschaffen euch einen kleinen Überblick.

 Laue Nächte unterm Zirkuszelt

So, 30.07.
Musik: Tinariwen

Das bereits mit einem Grammy geehrte Kollektiv aus dem Süden der Sahara verbindet traditionelle Musik und Instrumente mit europäischen Pop- und Rockeinflüssen, wozu auch elektrische Gitarren zählen.
Eintritt: 25 Euro

Mo, 31.07.
Lesung: Ronja von Rönne

Ronja-von-Roenne

Foto-Carolin-Saage

Ronja von Rönne, der laut Deutschlandfunk Kultur „neue Stern am Himmel des deutschen Popliteratentums“, liest bei SOMMER IN ALTONA aus ihrer zweiten Buchveröffentlichung.
Eintritt: 13 Euro

Di, 01.08.
Musik: Lambchop

Kurt Wagner hat es wieder getan. Mit knapp 57 Jahren hat der Musiker aus Nashville sich und sein musikalisches Vehikel namens Lambchop nochmals komplett neu erfunden.
Eintritt: 30 Euro

 

Do, 3.08.2017
Musik: MAECKES & Die Katastrophen

Maeckes hat bei all seinen bisherigen Releases ein sprachliches Labyrinth um sich herum gebaut. Er hatte in dieser Labyrinth-Welt immer schon seine Hörer, trotzdem hat er sie selten an sich herangelassen. Sein aktuelles Album †il† beinhaltet den Schlüssel zu seiner Welt.
Eintritt: 25,50 Euro

 

Fr, 4.08.
Musik: Me And My Drummer

Man sieht kaum mehr eine Band musizieren, hier stehen zwei Vertraute eng bei einander. Sind abwechselnd Liebespaar und wieder getrennt, umkreisen einander im Boxring wie im Ballsaal.
Eintritt: 16 Euro

 

Sa, 5.08.2017
Musik: Stereo Total

Stereo Total kombinieren eine minimalistische Produktion (im positiven Sinne) mit einem Garagen-Underground-Sound, zugleich authentisch und dilettantisch, ironisch und effektiv, poppig und (subversiv) politisch. Genug geschwafelt. Hingehen.
Eintritt: 20 Euro

 

Di, 8.08.2017
Musik: Brant Bjork + special guest: Sean Wheeler

Seit mehr als einem Vierteljahrhundert steht der Multiinstrumentalist, Produzent, Label- und Festivalgründer damit im Epizentrum des kalifornischen Stoner- und Desert Rock, der längst ein weltweites Phänomen darstellt.
Eintritt: 20 Euro

 

Mi, 9.08.2017
Musik: Jesper Munk

Jesper Munk hat praktisch im Alleingang Blues (und seine Spielarten) für eine neue Generation auch in Deutschland wieder populär gemacht, kein Wunder, dass in der Musikpresse wie dem Rolling Stone Vergleiche mit Jack White, The Black Keys und Gary Clark Jr. gezogen wurden.
Eintritt: 22 Euro

 

Do, 10.08.2017
Musik: Malky

Sie sind ein unzertrennliches Team – Brüder im Geiste, die sich so vertraut sind, dass sie nicht viele Worte brauchen. Mit Malky verzichten sie bewusst auf große Effekte, Pop in der Nude-Version.
Eintritt: 19 Euro

Fr, 11.08.2017
Musik: Nick Waterhouse

nick waterhouse
Nachdem die letzte Show des R&B-Revivalisten aus Kalifornien im Mojo Club bereits Wochen vorher ausverkauft war, steht Nick Waterhouse mit seiner vorzüglichen Band für eine Zugabe der besonderen Art bereit! Einlass nur mit tadellos polierten Tanzschuhen.
Eintritt: 25 Euro

Sa, 12.08.2017
Musik: The Baboon Show

The Baboon Show sind kein Geheimtipp mehr und haben sich in den vergangenen Jahren durch ihre unfassbar guten Liveauftritte, egal ob als Headliner oder als Gast bei Donots, Pascow oder Die Toten Hosen, einen beachtlichen Bekanntheitsgrad und einen ausgezeichnet Ruf erspielt.
Eintritt: 15 Euro

Di, 15.08.2017
Musik: Torpus & The Art Directors

Sönke Torpus und seine tollkühne Crew sind kurzrfristig eingesprungen, nachdem die ursprünglich geplanten Lower Than Atlantis abgesagt hatten. Ein sehr cooler Ersatz! Denn mit ihrem Northern-Country-Folk liefern die vier Burschen aus Nordfriesland mit ihrer schwedischen Bassistin ganz sicher einen rührenden, lustigen, sommerlichen Abend mit toller Musik aus großen Herzen.
Eintritt: 13 Euro

Mi, 23.08.2017
Musik: Jochen Distelmeyer

Foto: Sven Sindt

Überraschende Versionen von Britney Spears’ „Toxic“ über „Video Games“ von Lana Del Rey und The Verves „Bitter Sweet Symphony“ sowie Evergreens und Instant Classics von Kris Kristofferson, Al Green, Avicii, Joni Mitchell und Radiohead werden durch die elegant-einfühlsame Produktion (Swen Meyer) und Distelmeyers mal hell sehnsuchtsvollen, dann dunkel schimmernden Gesang unmittelbar zu seinen eigenen. Eigen wie der Künstler selbst.
Eintritt: 18 Euro

Do, 24.08.2017
Musik: Kapelle Herrenweide & Shred Kelly

 Sommer in AltonaHamburgs energiegeladenste und charmanteste Kapelle trifft auf mehrfach Award-ausgezeichneten Powerpop aus Kanada! Verbunden sind die zwei Bands in tanzwütigen Off-Beats und schwer vergleichbarer, grenzenloser Spielfreude.
Eintritt: 15 Euro

Fr, 25.08.2017
Musik: DeWolff

Sommer in Altona

Foto: Melanie Marsman

Inspiriert von Legenden wie DeepPurple und Led Zeppelin, zwischen Leon Russel, den Black Keys und den Allman Brothers, bieten DeWolff feinsten psychedelischen Blues-Rock, der aktuell seines Gleichen sucht.
Eintritt: 19 Euro

Di, 29.08.2017
Musik: Hans Söllner & Band

Seit 20 Jahren ist er nun unterwegs, der Mann aus Bad Reichenhall und irgendwo zwischen Bob Dylan, Johnny Cash und einem bayerischen Wilderer treibt Söllner sein Wesen – singt in der Songwriter-Tradition amerikanischer Direktheit.
Eintritt: 25 Euro

Mi, 30.08.2017
Musik: Amsterdam Klezmer Band

Was Mitte der 1990er Jahre mit Straßenmusik in Hollands Hauptstadt begann, füllt längst große Konzertsäle und Festivalgelände überall auf der Welt, ihre „street credibility“ hat sich die Amsterdam Klezmer Band (AKB) dennoch bis heute bewahrt.
Eintritt: 21 Euro
 / Beitragsbild: Lambchop by Elise Tyler

Sommer in Altona, 30.7-30.8.17, www.sommerinaltona.de


Serie: Altona. Bahnhof Altona – Zug um Zug

Der Umzug des Altonaer Bahnhofs nach Diebsteich kostet Hunderte Millionen Euro und ist ein Hamburger Vorzeigeprojekt. Doch es gibt Widerstand

Michael Jung schwingt sich aufs Fahrrad. Er spricht fast ununterbrochen, auch wenn er radelt. Zwei Stunden wird die Tour an diesem Montag im Mai dauern.

Während Fakten und Kritik aus ihm heraussprudeln, sucht er sich seinen Weg durch das gigantische Neubaugebiet an der Harkortstraße. Sein roter Anorak flattert im Wind. Ab und zu rückt er seine dunkelblaue Schirmmütze zurecht, jene mit dem Logo der Kreditanstalt für Wiederaufbau an der Seite. Die Rohbauten der ersten neuen Wohnhäuser lässt er links liegen, die haushoch gestapelten Bierkisten der Holstenbrauerei rechts.

Plötzlich versperrt ihm ein Bauzaun den Weg. „Die Käufer der Wohnungen haben etwas unterschreiben müssen“, ruft er. Die Investoren, die hier die Häuser hochziehen, hätten von den neuen Eigentümern verlangt, nicht wegen Bahnlärm und Brauereigeruch nachträglich eine Minderung des Kaufpreises zu verlangen. „So sichern die sich ab, sollten Brauerei und Fernbahnhof doch nicht verlegt werden“, sagt er, während er umständlich wendet. Seine Reifen haben sich zentimetertief in den gelben Sand der Baustelle gegraben.

Altonaer Bahnhof

Rechnet mit dem Schlimmsten: Michael Jung kämpft mit seiner Bürgerinitiative gegen die Pläne von Stadt und Bahn. Foto: Philipp Jung

Die Deutsche Bahn und die Stadt Hamburg wollen den Altonaer Bahnhof nach Diebsteich verlegen. Nur die S-Bahn soll weiter dorthin fahren. Michael Jung will das nicht. Der Rentner hat deshalb die Bürgerinitiative „Prellbock“ gegründet.

Seit Jahren kämpft er mit seinen Mitstreitern gegen Bahn und Stadt und die Pläne, den Zugverkehr vom Altonaer Bahnhof nach Diebsteich zu verlegen, um Platz für das riesige, prestigeträchtige Neubauprojekt „Mitte Altona“ zu schaffen. Auch die Holstenbrauerei soll deshalb umziehen, in den Hamburger Süden. Schließlich wird so Wohnraum geschaffen und gleichzeitig der Zuglärm reduziert. Außerdem entstehen neben schicken Apartments auch Sozialwohnungen, im Verhältnis zwei zu eins.

Doch in Jungs Augen geht das alles auch anders: billiger, schneller, transparenter und ohne den Fernbahnhof zu verlegen.

Der Pressesprecher der Bahn für den Regionalbereich Nord, Egbert Meyer- Lovis, sitzt in einem kleinen, hellen Konferenzraum im obersten Stock eines Büroneubaus in Hamburg-Hammerbrook. Hier hat die Bahn ihre Hamburg-Zentrale.

Vor ihm auf dem Tisch liegen Prospekte der Bahn über den geplanten Bahnhofsumzug. In ihnen sind neben Plänen und Luftbildern auch Illustrationen im Graffiti-Stil zu sehen. Sie zeigen Altonaer Bürger, wie sie sich selbst gern sehen: jung, im Trend, grün.

Die Deutsche Bahn möchte sie so für sich und für das Projekt gewinnen.

Damit springt sie über ihren eigenen Schatten. Für die Bahn gibt es nur Sachbeschädigung, Street Art ist ihr fremd. Jetzt hat sie sie selbst gedruckt.

Zu den hübschen Illustrationen passen auch die Argumente der Bahn für die Verlegung: Nach DB-Angaben spart sie etwa Rangierfahrten, was 370 Tonnen weniger Kohlendioxidausstoß jährlich bedeutet. Zudem sind laut Zahlen der Bahn nur etwa 5.000 der 130.000 Menschen, die täglich in Altona umsteigen, Fernbahnkunden. Das örtliche kleine und große Gewerbe würde also aus Sicht der Bahn nicht allzu sehr leiden, wenn keine Regional- und Fernzüge mehr in Altona halten. Noch dazu, auch das versichert Meyer-Lovis, wird von den 125 Bahnmitarbeitern in Altona niemand entlassen werden.

Hier werden in sechs Jahren Fernzüge halten. Foto: Philipp Jung

Die Angestellten werden vielmehr mit dem Bahnhof umziehen. Sogar die Alternativvorschläge der Bürgerinitiative haben die Bahner geprüft. Ihr Urteil: So leider nicht machbar, der Betrieb am Altonaer Fernbahnhof wäre auch mit den Vorschlägen von „Prellbock“ nicht aufrechtzuerhalten. Die Bahnhofsverlegung scheint alternativlos zu sein.

„Was nun auf die Bahn zukommt, sind die Kosten für die gesamte Verlegung des Bahnhofes“, sagt Meyer-Lovis. Die würden insgesamt bei rund 360 Millionen Euro liegen. „Es gibt außerdem eine vertragliche Regelung zwischen Bahn und Stadt darüber, dass die Stadt einen Investor für den Bereich außerhalb des neuen Bahnhofes in Diebsteich sucht“, sagt er. Es sei also nicht Sache der Bahn, Gebäude dort zu planen, zu bezahlen und auszuschreiben. Ansonsten ist für ihn – laufendes Planfeststellungsverfahren hin oder her – längst ein Point of no return erreicht: Schon vor Jahren hat die Bahn die Grundstücke für das neue Wohngebiet verkauft. Der Deal war umstritten, die Grundstücke wurden mehrfach weiterverkauft und in Bauland für Wohnhäuser umgewidmet.

Der Wert der Immobilien hatte sich so um ein Vielfaches erhöht. Für die „Mitte Altona“ einigte sich die Stadt dann mit dem neuen Eigner, dem Immobilienfonds Aurelis in der Hand von Investor George Soros – auf Kosten der Bürger, wie manche meinen.

Zwischen Meyer-Lovis Prospekten liegt auch ein Ausdruck einer großen Anfrage von CDU-Abgeordneten an die Hamburger Bürgerschaft. 33 Fragen zu den Plänen des Senats und der Bahn haben die Politiker gestellt. Auf viele davon wünschen sich Michael Jung und seine Bürgerinitiative schon lange Antworten. Auch, wenn es sie überrascht, dass ausgerechnet die CDU ihnen jetzt beispringt.

Im nächsten Jahr soll es mit dem Umzug losgehen, 2023 soll alles fertig sein

Etwa die Hälfte der Fragen müssen Meyer- Lovis und seine Leuten nun beantworten helfen, weil sie auch Angelegenheiten der Bahn berühren. Im nächsten Jahr soll es mit dem Umzug losgehen, 2023 soll alles fertig sein, geht es nach den Bahnern.

Altonaer Bahnhof

Befürchtet schwerwiegende Nachteile: Jan-Oliver Siebrand von der Handelskammer Hamburg. Foto: Sebastian Grundke

Was dann in Diebsteich geschieht, beschäftigt auch die Hamburger Handelskammer. In Zimmer 352 der Hamburger Handelskammer hängt eine riesige Landkarte von Hamburg mit vielen roten Markierungen. In dem Zimmer arbeitet Jan-Oliver Siebrand. Er leitet die Abteilung der Kammer für Stadtentwicklung. Längst hat er eigene Pläne für das Gebiet um den neuen Bahnhof in Diebsteich entwickeln lassen.


2 Hochhäuser will die Stadt als Bahnhofsempfangsgebäude bauen. Dafür werden insgesamt 30 Millionen Euro investiert 360 Millionen Euro wird die Verlegung des Bahnhofs Altona voraussichtlich kosten 2023 sollen Fernreisende bereits in Diebsteich in den Zug steigen können


Eine Mehrzweckhalle für Konzerte und Party-Events, Sportplätze auf dem Dach der Lagerhalle eines Großhändlers, ein Parkhaus, ein Hotel, ein Kongresszentrum.

Solche Dinge plant er dort. Diebsteich heißt auf diesen Plänen schon gar nicht mehr Diebsteich, sondern nach dem neuen Bahnhof, der Altona heißen wird. Der bisherige Altonaer Bahnhof wird dann Altona- Mitte heißen, zumindest diese Bahnhofsumbenennung ist, sagt Siebrand, beschlossene Sache.

Er blättert durch seine Unterlagen, erklärt Pläne und Skizzen, den Masterplan der Kammer eben. Er hat heute keinen Schlips um. Seit in der Kammer die Reformer das Sagen haben, geht das. „Die Stadt führt da momentan vorbereitende Untersuchungen durch“, erklärt er dann. Das sei der erste Schritt zu einer sogenannten städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme, die die Umwidmung der Grundstücke dort nach sich ziehen könnte. „Dies gilt als das schärfste planungsrechtliche Schwert“, sagt er.

Seine Kammer habe die Befürchtung, dass das Gebiet in diesem Zuge verstärkt als Wohngebiet ausgewiesen werden könnte. „Für die verbleibenden Betriebe könnte dies schwerwiegende Auswirkungen haben, etwa, dass künftig nicht mehr im Drei- Schicht-Betrieb, sondern nur noch im Zwei-Schicht-Betrieb gearbeitet werden darf oder der Zu- und Anlieferverkehr deutlich eingeschränkt wird“, sagt er. Das seien nur zwei Beispiele dafür, was für die Wirtschaft auf dem Spiel stehe, wenn sich die Gegend zum Wohngebiet hin wandeln würde. Die Pläne der Kammer stehen im Widerspruch zu dem, was die Stadt für das Viertel plant.

Altonaer Bahnhof

Dirk Kienscherf von der SPD hat große Pläne für das neue Gebiet beim Diebsteich. Foto: Philipp Jung

Die Stadt, das ist in diesem Fall Dirk Kienscher, Experte für Stadtentwicklung der Hamburger SPD und Bürgerschaftsabgeordneter. „Das Konzept der Handelskammer ist so ganz hübsch und nett. Aber realistisch ist der Bau einer Parkanlage, also ohne Einnahmen, über eine große Gleisanlage bei laufenden Betrieb, nun wirklich nicht“, sagt er. Selbst beim Hauptbahnhof, den Gleisen zum Hühnerposten hin, habe es vielfach Überlegungen zur Überbauung mit Häusern und damit auch einer Gegenfinanzierung gegeben. „Aber bis heute hat das aufgrund der enormen Kosten keiner hingekriegt“, sagt er.

Dirk Kienscherf ist um Bürgernähe bemüht. Auf der Website des SPD-Bürgerschaftsabgeordneten steht sogar seine Handynummer. Wie er so im Bistro nahe des Altonaer Bahnhofs sitzt und an einem Käsebrötchen kaut, kauft man ihm diese Nähe auch ab. Er ist sogar gekommen, obwohl er momentan mit einer alten Sportverletzung kämpft. Seine Krücken lehnen neben ihm. Den Weg vom Bahnhof ist er praktisch gehumpelt.

„Bis spätestens 2024 muss dieser Bahnhof in Diebsteich stehen, aber was danach kommt, dafür werden wir uns mehr Zeit nehmen“, sagt er. Mit der städtebaulichen Entwicklungsplanung hätten sie jetzt Vorkaufsrechte geltend gemacht. „Wenn jemand auf die Idee kommt, dort mit den Grundstücken zu spekulieren, geht das nicht“, sagt er.

Wie sich das ganze nach der Bahnhofsverlegung tatsächlich weiterentwickeln wird, sei noch offen. Kienscherf plant jedenfalls zwei Hochhäuser mit je 16 bis 20 Stockwerken beim Diebsteich, sozusagen als Bahnhofsempfangsgebäude. Die Grundstücke hat die Stadt bereits gekauft. Die wollte dort ein Bahnhofsgebäude bauen, das Kienscherfs Meinung nach viel zu klein gewesen wäre. Er spricht in dem Zusammenhang gerne von einer Hundehütte.

Auch hat Kienscherf durchgesetzt, dass der neue Bahnhof in Diebsteich längere Bahnsteigüberdachungen bekommt.

Rund 30 Millionen wird das Ganze die Stadt etwa kosten. Langfristig stellt er sich eine Entwicklung wie in Altonas Mitte vor, also mehr Wohnhäuser mit einem Drittel Sozialwohnungen.

Altonaer Bahnhof

Das Ende naht: Feuchtbiotop am Bahnhof Diebsteich. Foto: Philipp Jung

Michael Jung hält an und steigt vom Fahrrad ab. Er ist jetzt mitten im Niemandsland zwischen Altona und Diebsteich angekommen. Nun ist er nur  mit Bahnbelangen befasst, um die Waggonbeschaffung hat er sich damals zum Beispiel gekümmert. Den Krach um den Tiefbahnhof Stuttgart 21 hat er vorhergesehen – jedenfalls, dass das Ganze nicht wie geplant finanzierbar ist. Nun befürchtet er so etwas in kleinerer Form auch in Hamburg. Er würde gerne verhindern, dass es so kommt. So denkt Jung: Wenn etwas noch nicht komplett feststeht, wird es schlimmer als gedacht. Er ist der Pessimist unter den ganzen Zahlenmenschen, die sich mit diesem Projekt beschäftigen. Vielleicht ist er auch der einzige, der laut seine Zweifel äußert. Seine Bürgerinitiative hat auch dem neuen Bahnvorstand geschrieben. In dem Brief prangert er die Missstände des Projekts an: Die mangelnde Bürgerbeteiligung, die fehlende Transparenz und die Gefahr, dass die Kosten steigen zum Beispiel. Den Bahnvorstand fordert er auf, dass Projekt zu stoppen. Er bekam eine freundliche, aber abschlägige Antwort.

Jung steigt wieder aufs Fahrrad. Er möchte noch das Feuchtbiotop am Diebsteicher Bahnhof zeigen. Das soll zugeschüttet werden. Auch weiß er von einigen Gewerbetreibenden dort, die ihre Grundstücke vielleicht bald gewinnbringend verkaufen und dann wegziehen werden.

Deren Niederlassungen möchte er ebenfalls noch zeigen.

/ Text: Sebastian Grundke /Beitragsbild: Philipp Jung


Mehr Infos gibt’s unter www.bahnprojekt-hamburg-altona.de

Serie: Altona. Die altonale Pop Nacht

Ein Tag, ein Festival. Die altonale Pop Nacht gehört  zu den etablierten Kulturhighlights des Sommers in Altona

Am Sonnabend, Kinder, wird’s was geben. Und zwar feinste Musik an unterschiedlichen Locations in Altona. Im Rahmen der altonale 19 findet auch in diesem Jahr die altonale Pop Nacht statt. Am 24. Juni wird Altona für einen Tag zur Konzertbühne.

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Ist am Start: Mega-Sympath Spaceman Spiff © Andreas Hornoff

Neben der Christians- und St. Petri Kirche, dem Innenhof des Rathauses und einer kostenfrei zugänglichen Bühne am Festivalzentrum, wird in diesem Jahr auch wieder der stimmungsvolle Gallionsfigurensaal des Museums bespielt. Spannende und für Konzerte nur selten genutzte Orte bilden damit den Rahmen für einen langen Abend mit 12 Künstlerinnen und Bands samt Aftershow-Party bis in die frühen Morgenstunden.

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Niklas Paschburg nimmt am Piano Platz © Promo

Wer ist dabei? Spaceman Spiff, der Folk-Popper Yalta Club und die hoch gehandelten und tanzbaren Beats der Berliner Oum Shatt. Zudem konnten aufstrebende Akteure des immer beliebteren Neoklassik-Genres gewonnen werden; an den Kirchenpianos nehmen Platz Niklas Paschburg und Mammal Hands.

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Kommen in die Kirche: MammalHands © Promo

Abgerundet wird das Programm von Künstlern, die im Laufe dieses Jahres den Schritt aus dem Insiderkreis in Richtung große Bühnen gehen werden: Frère (Indie-Pop aus Bochum), Das Paradies (Neues Projekt des Talking To Turtles-Sängers), Jon Kenzie (Folk aus Manchester), The Bongo Club (Energie à la The Hives aus Schweden) und Lor (Polens neuer Indie-Stern).

Die Fakten

Spielorte:

  • Rathaus Altona
  • Christianskirche
  • St. Petri Kirche
  • Altonaer Museum (Gallionsfigurensaal)
  • Festivalzentrum

24. Juni 2017 /Einlass: 17 Uhr / Beginn: 18 Uhr / Mehr Infos: www.altonale.de/altonale/kultur/musik/popnacht/  oder auf Facebook

TICKETS an allen bekannte VVK-Stellen oder hier:

 

Tipp: Bei gutem Wetter wird traditionell um 14 Uhr zum Pop Picknick in den Park beim Platz der Republik eingeladen.

/REM/ Beitragsbild-Thomas Panzau

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Folk Popper Yalta Club werfen sich schon mal in Pose © Promo