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Asklepios Klinik: Chef der Intensivstation über Corona

Prof. Dr. med. Martin Bergmann ist Chef der internistischen Intensivstation in der Asklepios Klinik Altona. Sein Arbeitsalltag steht seit Pandemie-Beginn auf dem Kopf. Ein Gespräch über die Anstrengungen von Medizinern während Corona, Balkonklatscher und die Wirkung der Lockdowns

Interview: Erik Brandt-Höge

 

SZENE HAMBURG: Prof. Dr. med. Martin Bergmann, auf einer Skala von eins bis zehn: Wie hoch siedeln Sie ihren Erschöpfheitszustand am Ende dieses Jahres an?

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„Großes Vertrauen in die Impfstoff entwickelnden Firmen“: Prof. Dr. med. Martin Bergmann

Prof. Dr. med. Martin Bergmann: Bei sieben. Wir sind noch nicht völlig erschöpft, aber die Situation ist schon sehr belastend. Gerade die zweite Welle schluckt einiges an Ressourcen. Die Mitarbeiter auf der Intensivstation, sowohl die Pflegekräfte als auch die Ärzte, erleben große Herausforderungen: Aktuell wird sieben Patienten teilweise mit Maschinenbeatmung geholfen.

Ebenso die Kollegen auf der COVID-Station, wo wir aktuell zwischen 20 und 30 Verdachtsfälle und Patienten mit leichteren COVID- Erkrankungen behandeln. Und wir gehen ja davon aus, dass uns das alles noch einige Wochen, wenn nicht Monate beschäftigen wird. Jedenfalls so lange, bis hoffentlich die Effekte der Impfungen spürbar werden.

Wie sieht denn Ihr aktueller Arbeits­alltag aus? Gibt es Routinen – oder ist jeder Tag anders?

Es gibt schon Routinen. Ich komme morgens um kurz vor acht in die Klinik und verschaffe mir mithilfe unseres elektronischen Klinik-Informationssystems einen Überblick zu den Patienten meiner Abteilung. Es folgt eine Oberarztbesprechung, bei der wir uns unter anderem über Notfälle austauschen und die Arbeit verteilen. Dann kommen die Intensiv-Visite und die Besprechung zwischen allen Abteilungen aus der Intensivmedizin über die nächsten 24 Stunden.

 

Extrem spannende Zeit

 

Blicken wir einmal zurück aufs Früh­ jahr und die erste Welle. Waren Sie auf einen Klinik­Ausnahmezustand vorbereitet?

Nein, darauf kann man sich auch nicht vorbereiten. Damals bestanden natürlich viele Unsicherheiten. Aber wenn man eine gewisse medizinische Begeisterung besitzt, muss man auch sagen, dass das eine extrem spannende Zeit war. Es gab sehr schnell einen internationalen Austausch zwischen den direkt mit der Patientenbehandlung beschäftigten Ärzten.

Welche Erkenntnisse gab es dabei?

Zum Beispiel, dass diese Krankheit häufig sehr ähnlich verläuft. Also, dass man von Tag vier nach Symptom-Beginn bis zu Tag 12 schnelle Verschlechterungen befürchtet, weshalb man Sorge um die Patienten haben muss. Vielen wurde durch die angesprochene Beatmung durch Maschinen geholfen, was ihnen das Leben gerettet hat. Allerdings sind einige von ihnen trotz aller Möglichkeiten und Maßnahmen aufgrund weiterer Komplikationen verstorben.

Hat Corona auch Ihren persönlichen Arbeitsalltag von jetzt auf gleich auf den Kopf gestellt?

Massiv. Von Haus aus bin ich Kardiologe, kümmere mich also um Herzklappen, Herzschwächen und Herzinfarkte. Jahrzehntelang habe ich die Intensivmedizin nur nebenbei gemacht. Dieses Verhältnis hat sich durch die Pandemie völlig umgedreht.

 

Volle Intensivbetten

 

Und wenn Sie die erste und die jetzige zweite Welle mal vergleichen: Welche hat Sie in der Klinik härter getroffen?

Wir hatten während der ersten Welle zwar rasch viele volle Intensivbetten, aber auch noch Kapazitäten, da alles andere reduziert worden war. Später, nach dem Shutdown und den Sommermonaten, die zusammen das Infektionsgeschehen nahezu zum Erliegen gebracht haben, hatten wir sogar wochenlang leere Intensivbetten und die Hoffnung, dass Maßnahmen wie die eingeführte Maskenpflicht uns eine zweite Welle ersparen würden. Das war leider nicht der Fall.

Sind Ihre Intensivpatienten jeden Alters?

Ja, zwischen 45 und 90 Jahre war schon alles dabei.

Gilt das auch für die an COVID verstor­benen Patienten?

Auch da gibt es keine Altersausnahmen. Wir haben Patienten über 80, die das Ganze gut überstehen, und wir haben Patienten Mitte 50 ohne schwere Begleiterkrankungen, die von einem Problem zum nächsten kommen – bis zu dem Punkt, an dem man keine Aussichten mehr hat, dass sie mit Lebensqualität aus der Sache herauskommen. Insgesamt sind es 20 bis 30 Prozent, die nach mehreren Wochen Behandlung versterben.

 

Gesellschaftliche Diskussion

 

Nochmal zurück zum Frühjahr, als die Öffentlichkeit die medizinischen Versorger unter anderem mit Klatschen von Balkonen honorierte. Was hielten Sie davon?

Von den Balkonklatschern habe ich nicht so viel mitbekommen. Aber ich glaube, dass die Medizin durchaus zurück in die gesellschaftliche Diskussion gekommen ist. Gerade, was die Intensivmedizin betrifft, die in der Vergangenheit teils als Maschinenmedizin verteufelt worden ist. Es wurde erkannt, was sie zu leisten im Stande ist. Das habe ich als sehr positiv wahrgenommen.

Insgesamt habe ich den Eindruck, dass wir mit unseren Ansätzen, die Menschen eben wirklich helfen, mehr Akzeptanz erhalten.

Kurzer Blick aufs Frühjahr 2021 und die Möglichkeit, sich impfen zu lassen: Wie denken Sie, wird sich dann die Situation bei Ihnen in der Klinik verändern?

Ich stelle mich erst mal darauf ein, dass wir bis zum Frühjahr noch mit Fallzahlen wie den aktuellen konfrontiert sein werden. Der Lockdown light hat zuletzt in den Hamburger Kliniken zwar nicht zu einem Rückgang der Versorgungsfälle geführt, aber zumindest zu keinem weiteren Anstieg.

Von dem größeren Lockdown verspreche ich mir jetzt keinen gravierenden zusätzlichen Effekt – außer, dass wir vielleicht etwas Luft holen können. Allerdings hoffe ich ganz stark, dass alle, die die Gelegenheit dazu bekommen, sich impfen zu lassen, diese auch wahrnehmen. Ich habe großes Vertrauen in die Impfstoff entwickelnden Firmen und halte es für völlig ungerechtfertigt, sich nicht impfen zu lassen. Ohne eine große Impfbereitschaft werden wir das Problem nicht lösen können.

asklepios.com


Cover_SZ0121 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Januar 2021. Das Magazin ist seit dem 22. Dezember 2020 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Theater erleben! Vorfreude schenken! 

Die Vorweihnachtszeit ist eine Zeit der Vorfreude – auf das Fest und in diesem Jahr auch auf das Theater!

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Foto: Thomas Huang

Hinter verschlossenen Türen werden die nächsten Premieren vorbereitet: neue Stücke geprobt, Kulissen gebaut und Kostüme geschneidert. Schauspieler*innen lernen ihre Texte und der Bühnenboden wird ordentlich geschrubbt. Es wächst die Sehnsucht, den Vorhang endlich wieder zu öffnen. 

Das Wichtigste ist, dass alle gesund bleiben! Wir im Altonaer Theater freuen uns auf den Tag, wenn unsere Zuschauer*innen unseren Saal wieder füllen. Bis dahin üben wir uns in Geduld und wünschen Ihnen allen eine gute Weihnachtszeit voller Vorfreude! Am besten mit einem Theatergutschein, den sie lieben Menschen schenken.  

Auf unserem Spielplan stehen für die kommenden Monate spannende Klassiker und zeitgenössische Geschichten voller Tiefsinn und Absurdität.  

Friedrich Dürrenmatt würde 100 Jahre alt. Wir feiern diesen Geburtstag mit einer eigenen Adaption von „Der Richter und sein Henker“, einer Kriminalgeschichte, die das Böse entlarvt, mit ganz eigenen Mitteln. Und dann zeigen wir endlich unseren dritten Meyerhoff – Roman: „Amerika – Alle Toten fliegen hoch“, der zeigt, dass Erinnern immer auch ein Erfinden ist. Freuen Sie sich mit uns und gutem Mutes auf das neue Jahr!  

Altonaer Theater 

Rick McPhail über sein Musikprojekt Mint Mind

Rick McPhail, bekannt als Tocotronic-Gitarrist und -Keyboarder, setzt mit seinem Musikprojekt Mint Mind auf simple Riffs und deutliche Botschaften

Interview: Erik Brandt-Höge

 

Verstärker, Pedale, Platten, Kabel und, vor allem: Gitarren, in jeder Ecke Gitarren. Rick McPhails Proberaum, den er sich in seinem Altonaer Zuhause eingerichtet hat, ist ein regenbogenbuntes, pickepackevolles Musiklabor. Hier hat der gebürtige US-Amerikaner auch die Songs für „Thoughtsicles“ ausgetüftelt, das neue Album seines Drei-Mann- Projekts Mint Mind. Geradliniger Garage-Rock ist die Basis für McPhails Texte, in denen es auch um aktuelle Politik geht.

 

SZENE HAMBURG: Rick, es heißt, deine Ziele für das neue Mint-Mind-Album wären gewesen: wenig Ambition, viel Spaß. Geht das so leicht?

Rick McPhail: Eigentlich schon. Ich glaube, ich kann einfache Songs eh besser schreiben, als welche für, zum Beispiel, mein vorheriges Projekt Glacier. Die Texte für Glacier waren immer sehr ernst, die Musik auch, und das hat wahnsinnig viel Arbeit gemacht.

Klar, einige Texte für Mint Mind sind schon auch ernst, aber doch mit einem Augenzwinkern zu nehmen.

Du sagst, du kannst einfache Songs besser schreiben. Bedeutet das auch schneller?

Auf jeden Fall. Wir haben „Thoughtsicles“ innerhalb von nur einem Monat fertig gemacht. Einerseits sind die Texte sehr schnell gekommen, und dann haben wir die Stücke auch noch sehr Riff-basiert arrangiert, in einer Dreierbesetzung ohne Bassist, das hat es uns zusätzlich vereinfacht.

 

„Ich habe ganz klare Vorstellungen“

Rick McPhail

 

Die Dreierbesetzung machen Schlagzeuger Tim Wenzlick und Gitarrist Christian Klindworth komplett. Gibt es in der Band eine klare Hierarchie?

Ja, leider (lacht).

Wieso leider?

Na ja, ich hätte die Rollen schon gerne gleichmäßiger verteilt, vielleicht kommt das auch noch. Aber wenn ich momentan Lieder schreibe, habe ich schon alles im Kopf. Ich habe ganz klare Vorstellungen, wie die Songs am Ende klingen sollen. Also nehme ich Demos auf, verschicke sie an die anderen, und die müssen das dann lernen (lacht).

Womöglich schauen die beiden anderen ja auch zu dir auf, also zu dem Rockstar, der auf den ganz großen Bühnen steht?

Ach, das weiß ich nicht. Tim zum Beispiel ist, glaube ich, nicht unbedingt ein Tocotronic-Fan (lacht). Außerdem haben wir uns als ganz normale Menschen kennengelernt, nicht als Rockstars oder Nicht-Rockstars.

Wie habt ihr euch denn gefunden?

Diese Band hatte schon viele Besetzungen, und ich wollte irgendwann etwas Festes, also eine Gruppe von Leuten, mit denen man aufnehmen und auf Tour gehen kann, wenn es denn soweit ist. Und ich wollte eine Band, bei der die Aufgaben klar verteilt sind. Das halten wir bei Tocotronic auch so, wo Dirk die Lieder schreibt und ich mich um das Equipment und die Roadies kümmere.

Gibt es einen Austausch zwischen Tocotronic-Autor Dirk von Lowtzow und Mint Mind-Autor Rick McPhail?

Nein, ich zeige Dirk meine Texte nicht. Er bekommt immer eine fertige Platte von mir – wobei ich gar nicht genau weiß, ob er sie auch hört (lacht).

 

 

Zurück zu „Thoughtsicles“. Nicht durchgängig sind die Lyrics leicht und locker, es gibt auch eine politische Ebene, etwa im Song „The Hassle From The Man“, in dem „Man“ offensichtlich für eine Regierung steht. Gab es etwas Politisches, was du unbedingt ausdrücken wolltest?

„The Hassle From The Man“ handelt tatsächlich von politischen Protesten und Polizeibrutalität. Es geht dabei um vieles: die „Black Lives Matter“-Bewegung ebenso wie G20 und Greta Thunberg. Ich habe gesehen, welche heftigen Reaktionen es zuletzt in Amerika auf Greta gab, wo Leute mit SUVs durch die Gegend fuhren, aus deren Kofferräumen Zöpfe hingen und auf deren Scheiben stand: „The solution to the problem with Greta.“ Und dann habe ich angefangen, etwas dazu zu schreiben.

War Wut der Antrieb beim Schreiben?

Ja, schon. Ich hatte auch schnell die Musik aus alten Biker-Filmen im Ohr, aus „Die wilden Engel“ zum Beispiel, mit Peter Fonda. Und da ich schon immer einen Bongo-Song machen wollte, kam mir das Instrument auch gerade recht.

Hattest du eigentlich Schreibroutinen?

Ich muss mich beim Schreiben grundsätzlich sehr zusammenreißen, weil ich dazu neige, es vor mir herzuschieben.

Woher kommt das?

Vielleicht, weil ich oft Angst davor habe, dass ein Songtext nicht gut genug wird, und dann fange ich gar nicht erst an (lacht). Ich kann ewig in meinem Musikzimmer herumdaddeln, weil es Spaß macht. Liederschreiben sehe ich eher als Arbeit an, und dafür brauche ich den Druck, den eine Deadline mit sich bringt. Dann kann ich auch jeden Tag einen Song schreiben, so war es auch bei „Thoughtsicles“.

Und wenn so ein Album herauskommt: Hoffst du, der sehr erfolgsverwöhnt ist, dass der kommerzielle Durchbruch schnell passiert?

Natürlich wünsche ich mir, dass wir mit Mint Mind auch außerhalb von Deutschland, Österreich und der Schweiz stattfinden können. Aber ich bin kein Snob, der nur vor Tausenden von Leuten auftreten will. Jede Publikumsgröße ist gut, ich freue mich auch sehr über 150 Menschen vor der der Bühne.

Komet: Erichstraße 11 (St. Pauli), 27.+28.2., 22 Uhr


Szene_Hamburg_Februar_2020_Cover SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Februar 2020. Das Magazin ist seit dem 30. Januar 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Deeper: Die Tiefen der Musik

Der Künstler Ludwig Mausberg ist Teil des Labels The Crate. Dessen Reihe Deeper feiert im Februar Jubiläum. In SZENE HAMBURG spricht Mausberg über sein neues Album „Get Free“, Digging in Zeiten von Internet und die Hamburger Veranstaltungsszene.

Interview: Ole Masch

 

SZENE HAMBURG: Ludwig Mausberg, was ist Deeper?

Ludwig Mausberg: Es ist die Party unseres Labels The Crate, welches Tobi, Amran, Sascha und ich zusammen haben. Als Reihe funktioniert Deeper als genreübergreifendes Konzept, alle zwei Monate, wo an einem Abend viele verschiedene Musikrichtungen gespielt werden können. Aber ohne Willkür, sondern in einer Art Kanon, der sich beim Schallplattensuchen herausbildet.

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Lebensinhalt Vinyl: Ludwig Mausberg

Wie meinst du das genau?

Man hat irgendwann eine Landkarte von Dingen im Kopf die zueinander passen. Wenn du das lange machst, blendest du Genres völlig aus, kannst Dinge abstrahieren und einzelne Richtungen miteinander mischen. Da hört sogar ein Laie den Zusammenhang. Die Idee von Deeper: eine tiefere Auseinandersetzung mit Zusammenhängen in der Musik.

Klingt hochtrabend …

Ja, aber es ist ganz simpel. Es geht darum Gemeinsamkeiten in unterschiedlichen Sachen zu finden. Deswegen lege ich auch so gerne mit Sascha vom Bluesleeve Select Store auf, der unter Block Barley Musik macht. Wir beide sind der feste DJ-Part von Deeper und haben ein ähnliches Verständnis. Es wird da keine Technomusik geben, sondern wir wollen einen Party-Kontext erschaffen, den es sonst nicht gibt.

Wo feiert ihr?

Unsere feste Location ist im Frappant. Wir sind manchmal im Nachtasyl, waren auch schon in der Astra Stube. Mit Little Deeper lege ich außerdem an ausgewählten Abenden im Golden Pudel Club auf. Im Februar hat Deeper zweijähriges Jubiläum. Für die Nacht laden wir zwei besondere Gäste ein, die ich heute noch nicht verraten kann.

Wie bist du zur Musik gekommen?

Wenn man es genau nimmt, bin ich aus einem klassisch geprägten Umfeld. Mein Vater hatte als Musiker in der DDR Berufsverbot und ist Pfarrer geworden. Mit acht Jahren lernte ich bereits mein erstes Instrument, Trompete. Meinen ersten Schallplattenspieler hatte ich mit 14.

Was für Musik hörst du?

Durch die Scheiben meiner Eltern, mochte ich Tangomusik sehr. Von dort bin ich zum Soul und HipHop gekommen. Aber Musik hat mich immer insgesamt interessiert. Sachen anhören und alles durchforsten. Ich habe nicht nur hier und dort mal reingehört, sondern immer komplett abgegrast und alle Infos zusammengetragen. Am Anfang war das ja noch ohne Internet.

Ist der Spaß am „Durchforsten“ damit verloren gegangen?

Nein, es ist nur ein krasserer und schnellerer Prozess geworden. Ich mache genau das Gleiche, nur viel effektiver als früher. Es ist wie bei jemanden, der an einer Goldmine sitzt. Wenn er weiß, wo etwas zu suchen ist, dann findet er was.

Ich verbringe in der Woche mindestens fünf bis acht Stunden um Musik rauszufinden. Was du konstant machst, kann dich selber mit Dopamin, also mit Glücksgefühlen versorgen.

 

„Ein Sinnfindungsspiel auf Schallplattenlänge“

 

Im April erscheint dein achtes Album „Get Free“. Was wird darauf zu hören sein?

Es wird ein Konzept-Album mit instrumentaler HipHop-Musik auf Vinyl. Wir haben verschiedene Instrumente eingespielt. Timo Eilbek ist mit Saxofon vertreten. Der Jazzmusiker Leon Raum spielt Schlagzeug und es gibt einen vokalen Gastbeitrag der Sängerin Alisa von Shi Offline.

Was bedeutet der Schlüssel auf dem Cover?

Auf dem Album sind überall kleine Aussagen versteckt. Durch sie kann man darüber nachdenken, wo man rein will, wo man raus will. Ob man den richtigen Schlüssel für die falsche Tür findet oder umgekehrt. Einfach mal
die Chance nutzen, für 16 Minuten pro Seite das Internet und Telefon auszumachen, nicht an die Tür zu gehen und sich Zeit nehmen, über solche Dinge nachzudenken. Ein Sinnfindungsspiel auf Schallplattenlänge.

Wo gibt es das Album?

Man findet es in Hamburger Schallplatten Läden wie Hanseplatte oder der Plattenrille.

Warum released du auf Vinyl?

Es ist einfach der Inhalt meines bisherigen Lebens. Meine ganze Wahrnehmung, wie ich die Welt kennengelernt habe, hat viel mit Schallplatten, mit Plattenläden und den Menschen dort zu tun. Ich bin kein Dogmat, aber es gehört zur mir und hat mich ganz gefangen. Vieles kann ich darüber besser verstehen.

In der Schnelllebigkeit irgendwelcher Releases ist es für mich wichtig, dass ich meine ganzen Gefühle, die ich zu dem Album hatte, in einem finalen Medium abfeiern kann. Es ist was Abgeschlossenes und fühlt sich kompletter an.

 

 

Auch beim Auflegen? 

Ja, total. Man baut eine Beziehung auf. Seit der ersten Schallplatte war es ein Wunsch, ein Teil von dieser Welt zu sein. Mittlerweile weiß ich, wie ich mich darin am besten ausdrücken kann.

Du bist seit drei Jahren in Hamburg. Hast vorher unter anderem in Dresden und Berlin Partys gemacht. Wie erlebst du die Veranstalterszene?

Tatsächlich mache ich seit 2008 Veranstaltungen und mittlerweile weiß ich, was ich alles nicht möchte. Es gibt immer die Möglichkeit irgendeine Bediener-Veranstaltung zu machen. Und in Zeiten von Clubsterben ist der Erlebnisfaktor ein größerer Punkt geworden, um die Leute vom Hocker zu holen. Aber ich weiß ganz sicher, dass ich lieber mit einer kleineren Crowd glücklich bin, wo alle cool sind.

Kulturelles Angebot besteht aus Vielfalt. Wir spielen bei Deeper nicht jedes Mal die gleiche Musik. Im Grunde ist eher das Zeil, dass beim nächsten Mal was völlig anderes läuft. Das ist auch so eine Art Wettbewerb zwischen den DJs.

Ist Wettbewerb auch sonst ein großes Thema im Hamburger Nachtleben?

Ähnlich wie in vielen anderen Städten auch, mit einem entscheidenden Twist. Ich glaube die Leute sind sich nicht darüber bewusst, wie viel und gut sie hier miteinander auskommen und miteinander arbeiten. Jemand, der hier länger wohnt, sieht vielleicht mehr die Konkurrenz und das jeder sein eigenes Süppchen kocht.

Da sollte man mal woanders sein. Vielleicht braucht alles immer ein bisschen Zeit, aber die Herzlichkeit und die Art und Weise, wie unangestrengt Leute in Hamburg miteinander Dinge machen, habe ich so noch nie woanders erlebt.

Frappant: Bodenstedtstraße 16 (Altona), Deeper: 22.02.2020, 23 Uhr


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Hamburger des Monats – Kübra Gümüşay von „eeden“

In einem Hinterhof an der Stresemannstraße entsteht „die erhoffte Realität schon jetzt“, sagt Kübra Gümüşay. Sie gehört zu den Gründerinnen von „eeden“, das in der Schanze zum Jahresbeginn als ein Netzwerk, Denk- und Arbeitsraum für engagierte Frauen eröffnet hat. In einer der ersten Veranstaltungen hat die Feministin dort mit der Grünen Renate Künast über Hass und Hetze im Internet gesprochen. Ein Gespräch mit der 32-jährigen Autorin und Journalistin über Sprache, den „Sisters’ March“ und ein starkes Zeichen des Kultursenators

Interview: Matthias Greulich

 

SZENE HAMBURG: Kübra, was wollt ihr mit „eeden“ erreichen?

Kübra Gümüşay: „eeden“ ist ein experi­menteller Ort, an dem wir Menschen, die in ihren jeweiligen Bereichen visionäre Arbeit machen und gesellschaftliche Verantwortung übernehmen, zusammenbringen und sie gemeinsam nach neuen Lösungen suchen für die Herausforderungen unserer Zeit. Dabei wollen wir es uns nicht leicht machen.

Denn es reicht in diesen aufgewühlten Zeiten nicht, nur reaktiv zu sein. Ja, es ist wichtig, für eine plurale Gesellschaft einzustehen. Haltung zu zeigen. Das ergibt aber nur temporär Sinn. Wenn wir dauerhaft da­mit beschäftigt sind zu reagieren und lediglich versuchen, stagnieren wir als Gesellschaft. Es geht jetzt um was.

Hast du konkrete Beispiele?

Momentan arbeiten wir daran, Strukturen zu schaffen, in denen neue Formen der Begegnung, der Zusam­menarbeit und des gemeinsamen Denkens experimentiert werden können. Aber auch daran, den Zugang zu gesellschaftlichem Engagement zu erleichtern und mehr Menschen dazu zu bewegen, Verantwortung zu übernehmen.

Beispielsweise, als wir 2017 den „Sisters’ March“ organisierten, gingen sehr un­terschiedliche Gruppen gemeinsam auf die Straße – nicht nur gegen die gegen­ wärtige Politik, sondern für die Werte unserer Demokratie, für die Umsetzung demokratischer Ideale. Es war ein Miteinander, das vielen Hoffnung und Mut gemacht hat. Das wollen wir mit „eeden“ verstetigen.

Gründerinnen sind neben dir die Musikerin und Stiftungsbeirätin von „Viva con Agua“ Onejiru Arfmann und Art Directorin Jessica Louis. Wie habt ihr Kultursenator Carsten Brosda von euren Plänen überzeugt, immerhin unterstützt die Kulturbehörde „eeden“ in der Startphase in diesem Jahr mit 100.000 Euro?

Der Kultursenator hat damit ein sehr starkes Zeichen gesetzt. Schon vom ersten Moment an hat er verstanden, worum es uns bei „eeden“ geht und weshalb es gerade jetzt in diesen Zeiten dringlichst Räume braucht, in denen die Zivilgesellschaft neu, offen, zweifelnd und selbstkritisch denken und nach neuen Antworten für die Herausforderungen unserer Zeit suchen kann – statt so zu tun, als gäbe es auf alle großen Fragen klare, absolute Antworten. Diese Unterstützung macht über „eeden“ hinaus Mut, Visionen zu formulieren, zu experimentieren und in einen zugewandten öffentlichen Austausch zu gehen.

 

„Ich vermisse die Lust am Andersdenken“

 

Du bist vor fünf Jahren wieder zurück aus Oxford nach Hamburg gezogen. Wo bist du aufgewachsen?

In meinen ersten Lebensjahren habe ich in Altona gewohnt, dann in Billstedt. Hamburg ist eine sehr schöne Stadt. Es gibt viele Inseln von inspirierenden, engagierten Menschen. Meine Familie und viele meiner Freunde sind hier. Ich fühle mich inzwischen wieder in Hamburg zu Hause. Aber es ist mir manchmal etwas zu träge und zu gemütlich.

Im Vergleich zu London und Oxford vermisse ich die Lust am Andersdenken, generell Dinge zu über­denken, zu hinterfragen oder anders zu machen. Ebenso die Freude am Über­fordertsein. Aber das ändert sich nun hoffentlich durch „eeden“ und zahl­reiche andere Initiativen, denn wir sind natürlich nicht die einzigen, die sich um neue Räume bemühen.

Gerade ist dein Buch „Sprache und Sein“ erschienen. Darin zeigst du Wege auf, wie Menschen weniger hasserfüllt kommunizieren können.

Ja, denn die gegenwärtigen Debatten sind von Destruktivität geprägt. Wir hören absolute, vermeintlich zu Ende gedachte Antworten, die keinen Erkenntnisgewinn bringen, und lediglich gegeneinander antreten und um die Gunst des Publikums buhlen. Diese Art von Inszenierung erleben wir auch im Alltag.

 

„Sprache öffnet uns die Welt“

 

In meinem Buch gehe ich auf die Suche nach den Gründen und beschreibe die Architektur unserer Diskurskultur – aber auch die Architektur der Sprache, welchen Einfluss sie auf unsere Wahrnehmung und unser Denken hat. Denn Sprache ist nicht neutral. Sprache öffnet uns die Welt, sie grenzt uns aber auch ein. Sie formt uns und unseren Blick auf die Welt.

Wie sehr prägen Hassbotschaften im Internet inzwischen den Diskurs?

Mein öffentliches Schreiben wurde sehr früh von Hass und Morddrohun­gen begleitet. Schon vor zehn Jahren, als Kolumnistin bei der „taz“, fanden sich stets hasserfüllte Kommentare unter meinen Texten. Als ich, aber auch zahlreiche andere Autoren, die davon betroffen waren, dies thematisierten, wurde uns kaum Gehör geschenkt.

Inzwischen sind auch andere Bevölkerungsteile davon betroffen und der Hass wird nicht mehr derart normalisiert, die Sorgen etwas ernster genommen. Was lernen wir aber daraus? Zum einen, dass man marginalisierten Gruppen früher hätte zuhören müssen. Die zweite Lehre ist: Die Hassenden haben nicht einfach nur das Ziel, die Betroffenen einzuschüchtern. Nein, es geht viel­ mehr darum, diejenigen zu beeinflussen, die mitlesen. Das Publikum. Da­durch vermitteln sie den Eindruck, bestimmte Personen oder Themen seien zu provokant, zu marginal für die Mitte unserer Gesellschaft. Und der Diskurs wird dadurch künstlich verschoben.

eeden GmbH + e.V.: Stresemannstraße 132a (Altona-Nord)
www.ein-fremdwoerterbuch.com


Szene_Hamburg_Februar_2020_Cover SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Februar 2020. Das Magazin ist seit dem 30. Januar 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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TBA // To be announced: Eine Bar mit Nachbarschafts-Feeling

TBA // To be announced: Die schönste Bar ist die eigene Bar, dachten sich die Nachbarn eines Ottenser Hinterhofs – und müssen für das Feierabendbier seitdem nicht mehr weit laufen

Text: Sophia Herzog

 

Möllers, Aurel, Familien-Eck – Ottensen hat viele Bars, die schon seit Jahren fest zur Flaniermeile des Stadtteils gehören. Die besten Schätze verstecken sich meistens aber in den hintersten Ecken: Das TBA // To be announced liegt in einem Hinterhof in der Gaußstraße, eingenistet zwischen Musikschule, Medienagentur und Architekturbüro.

Im Winter knistern hier die Holzscheite in der Feuertrommel, im Sommer stehen die großen Fenster Richtung Hinterhof weit offen, Lampions hängen in den Büschen. „Das Kopfsteinpflaster, die beleuchteten Bäumchen, das ist schon schön“, findet Inhaberin Hannah Bender. Die gelernte Veranstaltungskauffrau eröffnete das TBA 2015 – allerdings nicht im Alleingang. „Die Idee entstand unter Nachbarn“, erinnert sie sich. Gemeinsam mit den Architekten aus dem Büro nebenan setzte sie sich sowieso häufiger abends für ein paar Drinks zusammen. „Warum dann nicht einfach selbst eine eigene Bar aufmachen?“ Gesagt, getan: Mit den Architekten als Gesellschaftern ist Bender seitdem stolze Besitzerin ihres eigenen Lokals.

 

Den „Kleinen Freitag“ zelebrieren

 

Das Nachbarschafts-Feeling der Gründungszeit ist bis heute geblieben: Nach wie vor würde sie mit allen ansässigen Mietern im Hof ein sehr herzliches Verhältnis pflegen, erzählt sie. Inzwischen wird die Bar aber auch von Nicht-Ottensern fleißig besucht. „Das gemütliche Nachbarschaftsgefühl geben wir dann natürlich an unsere neuen Gäste weiter.“

An vielen Abenden vermietet Bender die Bar für Veranstaltungen an Privatpersonen, nicht wegzudenken ist aber der traditionsreiche „Kleine Freitag“ – das gemütliche Beisammensitzen am Donnerstagabend, natürlich inklusive Feierabendbier.

TBA // To be announced: Gaußstraße 136 (Ottensen)


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Ottenser Gestalten: Autofrei für ein besseres Leben

Die Stadt ist voll – vor allem mit Autos. Wer sich bessere Luft und mehr Freiraum wünscht, muss umdenken. Die Bürgerinitiative „Ottenser Gestalten“ sucht Alternativen

Interview: Natalia Möbius und Sophia Herzog
Foto: Ottenser Gestalten

 

Unter dem Namen „Ottensen macht Platz“ hat das Bezirksamt für sechs Monate aus einigen Straßen im Viertel die Autos verbannt. Ist das die richtige Strategie? So sieht Uta Lohmann von der Initiative „Ottenser Gestalten“ die Aktion.

SZENE HAMBURG: Frau Lohmann, Ihre Initiative möchte Ottensen ebenfalls so autofrei wie möglich machen. Ist die aktuel­le Testphase die Erfüllung Ihrer Vision für den Stadtteil?

Uta Lohmann: Tatsächlich haben wir ein anderes Konzept erarbeitet und auf unserer Website sowie im Verkehrsausschuss des Bezirks vorgestellt. Wir wollen in erster Linie Ottensen vom Durchgangsverkehr befreien. Davon setzt „Ottensen macht Platz“ nichts um. Dennoch sind wir froh, dass überhaupt ein Schritt getan wird, den Verkehr in Teilen Ottensens neu zu regeln.

Viele Gewerbetreibende haben trotz des möglichen Lieferverkehrs zwischen 23 Uhr und 11 Uhr Angst um ihre Existenz – zu Recht?

Diese Ängste sind vor jeder Einführung neuer Verkehrskonzepte in aller Welt vorhanden und wie die Erfahrungen zeigen, sind sie unbegründet. London, Paris, Groningen – überall sind verkehrsberuhigte Zonen ein Gewinn für Geschäftsleute. Trotzdem müssen die Ängste ernst genommen werden. Hier muss die Verwaltung Lösungen finden.

Ist das Konzept „Autofrei“ viel­leicht zu radikal gedacht?

Richtig „autofrei“ wird es ja nicht. Wir reden hier von der testweisen Einführung einer Fußgängerzone, mehr nicht. Es ist ein mutiger Beschluss, zu radikal ist er aber nicht. Leider wurde er im Eiltempo gefasst, die Bedürfnisse der Betroffenen wurden nicht richtig bedacht. Wir hatten im Vorfeld eine Bürgerbeteiligung gefordert. Jetzt muss nachgearbeitet werden.

 

„Platz, Ruhe und ein Beitrag zum Klimaschutz“

 

Warum sollten Anwohner par­ken dürfen, aber andere Hamburger nicht? Viele Ottenser fahren ja auch mit dem Auto in andere Stadtteile …

In den meisten Stadtteilen ist kein Platz mehr für die vielen Autos: Der Park-Suchverkehr nervt überall. Wir müssen also umdenken. Ein sofortiges, generelles Parkverbot ist für viele ein zu großer Einschnitt. Erst einmal muss es für die Hamburger attraktiver werden, sich alternativ mit Bahn, Bus und Fahrrad zwischen den Stadtteilen zu bewegen. Wenn alle Stadtteile ermutigt werden und nachziehen, lässt sich so der Autoverkehr innerhalb Hamburgs reduzieren.

Wie realistisch ist es, dass sich ein autofreies Konzept in Zukunft durchsetzt?

Ich wette, dass viele nach der sechsmonatigen Testphase gar nicht mehr zurück möchten: endlich Platz, Ruhe, gute Luft und ein Beitrag zum Klimaschutz. Wer will das wieder eintauschen?

Ottensergestalten.de


Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, September 2019. Titelthema: Mobilität – Das bewegt die Stadt. Das Magazin ist seit dem 29. August 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Szene #backstage – mit Jim Kroft

Ein Schotte für ein Redaktionskonzert: Jim Kroft kommt mit Gitarre und Verstärker – und ihr seid am 30.8. mit dabei!

Zwölf Jahre ist es her, da kam Jim Kroft von Schottland nach Deutschland. In seinem Van waren nicht viel mehr als eine Gitarre und ein Verstärker, in seinem Kopf dafür zig Ideen. Seitdem hat der Musiker, Dokumentarfilmer und Fotograf viel gemacht und geschafft – unter anderem das Album „Love In The Face Of Fear“, das am 15. November erscheint.

Eine Stimme, die noch immer nach Aufbruch klingt, Melodien voller Euphorie und Texte mit Tiefgang: Dieser Schotte macht uns großen Spaß.

/ EBH / Foto: Lucas Dietrich

Los geht’s am Freitag, 30.8. um 19 Uhr in den Redaktionsräumen der  SZENE HAMBURG in der Gaußstraße 190c. Das Beste: Wir verlosen 12×2 Gästelistenplätze. Einfach eine E-Mail mit Betreff „Kroft“ bis 25.8. an verlosung@vkfmi.de schicken.


Perserteppich, Yuccapalmen, Lichterketten und gute Geschichten: Das ist das Rezept für die ­SZENE HAMBURG-Redaktionskonzerte. In unseren Räumen waren unter anderen schon Fotos, Y’akoto, Vivie Ann, EUTZIBBZ, The Bland und Abramowicz zu Gast und haben vor SZENE-Lesern und -Redakteuren Akustik-Sets gespielt.

 

So war’s die letzten Male bei SZENE HAMBURG #backstage:

 

Heute live bei uns in der Redaktion: The Bland aus Schweden. #szenebackstage ❤️👏🏻

Fünf Schweden für ein Redaktionskonzert: The Bland waren mit sommerleichtem Indie-Pop zu Gast bei uns in der Redaktion. ❤️👏🏻 #szenebackstage

Gepostet von Szene Hamburg Stadtmagazin am Montag, 24. Juni 2019

Abramowicz sind der Hammer und waren zu Gast bei unserem Redaktionskonzert #szenebackstage. 🖤❤️🖤❤️🖤Nicht verpassen: ✔️Release-PARTY am 19.4. im Molotow! ✔️Release-KONZERT am 11.5. auch im Molotow! 😘

Gepostet von Szene Hamburg Stadtmagazin am Dienstag, 16. April 2019


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Diese Hamburger Kitas lassen der Fantasie freien Lauf

Kinder sind nicht gleich Kinder, Kitas nicht gleich Kitas. Drei Porträts von Hamburger Einrichtungen, die auf ganz unterschiedliche Sozialisierungskonzepte setzen

Text und Fotos: Erik Brandt-Höge

Kita Küstenkinder:
Der Gang-Gedanke

 

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In Gruppen kreativ: die Küstenkinder

 

Erste und einzige Regel: Um neun Uhr da sein, damit der Tag gemeinsam beim Frühstück begonnen werden kann. Mehr Vorgaben macht die Leitung der Kita Küstenkinder nicht. Auch dann nicht, wenn die Eltern weg und alle Kinder in ihren Gruppen gelandet sind. Für die lockere pädagogische Haltung gibt es zwei Gründe. Nummer eins: Die blühenden Kinderfantasien sollen nicht eingeschränkt werden. „Kinder sollen ihre Freiräume haben und sich in ihrem Tempo bewegen“, sagt Florian Berends, einer der beiden Kita-Leiter. „Schreibt man ihnen zu viel vor, nimmt man ihnen diese Möglichkeit.“ Und Nummer zwei: die erwähnten Gruppen.

Die Küstenkinder setzen auf ein geschlossenes Konzept, das den derzeit 80 Kindern im Haus schon genug Struktur sei, erklärt Berends: „Wir glauben, dass sich Gleichaltrige mit ähnlichen Interessen am besten in altershomogenen Kontexten beschäftigen können. In den Gruppen entscheiden dann die Kinder, was passiert. Und wenn jemand mal die Gruppe wechseln möchte, z. B. von den Pinguinen zu den Wattwürmern – gar kein Problem.“

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Kinder fördern durch Kunst

Auf den drei Kita-Ebenen, zu denen auch eine tennisplatzgroße Dachterrasse mit Spielplatz zählt, ist für die kleinen Küsten-Gangs einiges zu entdecken. Da sind Bewegungs- und Ruheräume, Konstruktions- und Lesezimmer, nicht zu vergessen die langen Flure mit den vielen feinen Holzbauten. Krippen- bis Vorschulkinder können auf jedem Kita-Quadratmeter Mini-Abenteuer erleben.

Übrigens arbeiten Berends und seine 16 Kollegen konsequent nach dem Inklusionsansatz. Ihre Überzeugung: „Jedes Kind ist anders, nur darin sind sie alle gleich.“ Es gibt den Richtwert, drei Integrationskinder in jeder Gruppe (16–18 Kinder) zu haben, abhängig von der Gruppendynamik. Sie sollen genauso am Geschehen teilnehmen können wie alle anderen. Und da sämtliche Kinder und Eltern durch die Gruppen feste Bezugspersonen haben, entsteht eine fast familiäre Atmosphäre – nicht unwichtig für die 0–6-Jährigen, wenn es um ihre Orientierung im Alltag gehe, so Berends.

Kita Küstenkinder: Holstenstraße 156 (Altona-Nord)

 

WABE-Kita Jenfelder Au:
Die All-inclusive-Erziehung

 

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Volles Kinderverwöhnprogramm in der WABE-Kita Jenfelder Au

 

„Zwei Dinge hatten wir, die unsere Kindheit zu dem machten, wie sie war – Geborgenheit und Freiheit.“ Ein Astrid-Lindgren-Zitat, das nach großem Glück in jungen Jahren klingt, und das die WABE*-Kita Jenfelder Au aktuell auf ihre Info-Flyer druckt.

Für ausreichend Kinderglück wollen Kita-Leiterin Danielle Klook und ihre 17 Mitarbeiter mit dem Konzept der Offenen Pädagogik der Achtsamkeit sorgen. In den 1970er Jahren von Elementarpädagogen entwickelt und damals noch Offene Pädagogik der Arbeit genannt, geht es darum, den verschiedenen Bedürfnissen und Entwicklungsständen individuell gerecht zu werden. Klar, auch in der Jenfelder Au sind gängige Kita-Rituale angesagt, vom Rausschubsen der Eltern am Morgen übers Spielen, Toben, Essen, Zähneputzen und Aufräumen bis zu den Elterngesprächen am Tagesende.

Aber in dem dreistöckigen und unter Denkmalschutz stehenden Gebäude am Kuehnbachring ist es voll und ganz den Kindern überlassen, was sie wann, wo und mit wem machen. „Alle Pädagogen bei uns haben eine offene Haltung gegenüber den Kindern, die, sobald der Kita-Tag startet, frei entscheiden, in welchen Raum sie gehen und welches Angebot sie nutzen“, so Klook. Und Räume gibt es einige, alle hell gehalten, alle hochwertig ausgestattet. Allein die detailverliebten Holzkreationen, vom Maltisch bis zur Abenteuerrutsche, machen ordentlich was her.

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Eine Bewegungsbaustelle für die Kinder der WABE-Kita

Das Angebot an Aktivitäten gleicht dem eines Fünf-Sterne-All-Inclusive-Hotels – natürlich mit ausgebildeten und regelmäßig fortgebildeten Fachkräften anstelle von nervigen Animateuren. Kinder können Klettern, Wippen, Basteln, Bauen, in Bällchen baden, sich mit Büchern vergnügen, Tanzen, Musik machen und, und, und. Es gibt eine Kinderküche und ein Kinderrestaurant, Schlaf- und Rückzugsräume und – Achtung! – einen Gesundheitsbereich mit Kneippbecken und Infrarotsauna.

Natürlich gibt es auch Regeln, die etwa während der täglichen Kinderkonferenz besprochen werden. Klook: „Jedes Kind hat einen Bezugserzieher, der unter anderem für die Eingewöhnung zuständig ist und die Elterngespräche führt. Zu ihm gehen die Kinder in der Konferenz. Jedes Kind kommt zu Wort, es kann über alles geredet werden: Probleme, Geburtstage, das Wetter.“ Partizipation wird großgeschrieben in der Jenfelder Au, wo sich derzeit 82 Kinder in einer Krippe, einem Elementarbereich und einem Eltern-Kind-Zentrum (Beratung und Spiele für Eltern und Kleinkinder) ziemlich Lindgren-mäßig wohlfühlen. Übrigens: Eröffnet wurde die Kita erst 2018 und hat noch Kapazitäten, bis zu 170 Kinder haben Platz.

WABE-Kita Jenfelder Au: Kuehnbachring 6 (Jenfeld)
*WABE e. V. steht für Wohnen, Arbeiten, Betreuen, Entwickeln und ist anerkannter Hamburger Kinder- und Jugendhilfeträger, überparteilich und überkonfessionell. WABE ist Mitglied in den Paritätischen Wohlfahrtsverbänden Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern sowie im Forum Sozial e.V. in Schleswig-Holstein

 

Lorenzini Kunst-Kita Frieda:
Selbst ist das Kind

 

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Pyramiden-Puzzle: Auch beim Spielzeug setzt die Frieda auf Transparenz

 

Licht an, und es wird bunt. Transparente Plastikquadrate strahlen auf einem extragroßen LED-Pad in Grün, Gelb, Blau, Orange und Rot. Zusammengesteckt werden sie zu einer Pyramide. Nur eine von zig Beschäftigungsmöglichkeiten in der Lorenzini Kunst-Kita Frieda, die von den 17 Mitarbeitern vorbereitet werden. Überhaupt: Vorbereitung, das ist hier die halbe Miete, wie Jana Berndt, pädagogische Leiterin der Einrichtung, erklärt: „Wir sind davon überzeugt, dass jedes Kind immer lernen möchte, und zwar von ganz alleine. Erzieher arbeiten hier eher begleitend, motivieren die Kinder in verschiedene Richtungen und eröffnen neue Themen, sobald es notwendig ist.“

Soll heißen: Der Raum funktioniert in der Frieda wie ein gedeckter Tisch, essen dürfen die Kleinen völlig selbstständig. Spezialität des Hauses: natürlich Kunst. Berndt: „Die Kunst ist bei uns immer anwesend, weil sie eine tolle Möglichkeit für die Kinder ist, sich auszudrücken.“ Herzstück der Frieda ist deshalb neben einem Rollenspiel- und Theaterraum sowie einer Vorschul-Lernwerkstatt im Gebäude gegenüber ein riesiges Atelier. Unzählige Maltuben, Pinsel, Leinwände, eine Ton- und eine Holzwerkstatt: Alles da, um sich kreativ auszutoben.

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Ein groß angelegtes Atelier gibt es im Zentrum der Kunst-Kita

Aktuell tun das 32 Krippen- und 52 Elementarkinder. Und wenn es mal keine Kunst-Action, sondern nur ein bisschen Herumlümmeln sein soll, geht das auf den überall in der Kita verteilten Polstermöbeln, watteweichen Sofas und Sesseln, die zusammen mit Stehlampen und Nierentischchen eine warme Wohnzimmeratmosphäre ergeben. „Es soll sich hier wie zu Hause anfühlen“, sagt Berndt.

2012 eröffnet, ist die Frieda eine von vier Lorenzini-Kitas in Hamburg – benannt nach der Gründerin Antje Lorenz – die sich nach der Reggio-Pädagogik richten, also der Annahme, dass Kinder von Beginn an in der Lage sind, sich selbst zurechtzufinden und im sozialen Kontext zu bilden.

Erzieher agieren als Gastgeber und Vertrauenspersonen, sind immer da, aber eben im Hintergrund. Außerdem wichtig im Reggio-Kontext: Transparenz. Alle Frieda-Türen sind verglast, jeder sieht jeden, alle inspirieren alle – zum Beispiel beim Bauen einer bunten Pyramide.

Lorenzini Kunst-Kita Frieda: Friedensallee 260 (Ottensen)


Szene-Hamburg-August-2019-TitelDieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, August 2019. Titelthema: Wie sozial ist Hamburg? Das Magazin ist seit dem 27. Juli 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Botanical Spirit: Allrounder-Schnaps aus Altona

Auch wenn es so aussieht, in den Flaschen aus der NordCraft Destillerie steckt weder Gin noch Wodka. Botanical Spirit steht für sich – und ist so zwar kategorie-, aber keinesfalls charakterlos

Text: Laura Lück

 

Mit Präzision schenkt Mario Gallone ein klares Kräuterdestillat ins Glas, das er mit sprudelndem Tonic aufgießt. Außerdem unumgänglich: Eiswürfel. Ein guter Drink ist eben eine ernste Sache. Dass auch das Schnapsbrennen in der Manufaktur im Altonaer Hinterhof kein Hobby, sondern echtes Handwerk ist, wird schon beim Betreten der Nordcraft Destillerie klar.

Hier hat jemand investiert. In eine Idee, an die er glaubt. Rainer Hosie ist Geschäftsführer des Hamburger Spirituosen-Traditionshauses Charles Hosie und hat mit Destillateur Mario ein kreatives Labor geschaffen – mit geradlinigem Interieur aus warmen Holztönen, kupfernen Deko-Elementen und glänzenden Brennblasen.

 

Hanseatische DNA

 

„Botanical Spirit ist weder Wodka, noch Aquavit oder Gin. Er ist etwas komplett Neues“, betont Mario und verleiht dem Botanical Tonic mit einem frischen Dillzweig den letzten Schliff. Dill ist neben Gurke und Petersilie geschmacklicher Hauptakteur des Destillats und entscheidender Teil seiner hanseatischen DNA. In der Antike galt die Heilpflanze als Symbol für Lebensfreude – heute setzt ihr herb-süßes Aroma vor allem bei typisch nordischen Gerichten Akzente.

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Eine Frage des Details: Mario bei der Zubereitung

Regionalität zeigt sich auch bei den Zutaten in Bioqualität. Sie stammen aus Hamburg und Umgebung und werden in der knapp 200 Quadratmeter großen Destille frisch angesetzt. Zu der komplexen Rezeptur gehören neben den oben genannten Kräutern auch 22 weitere Botanicals von Kümmel über Kurkuma bis Rosenwasser, die dem Endprodukt seine ganz eigene feinwürzige Note verleihen.

Die vielen Rezeptideen aus dem Hause Nordcraft zeigen, dass Botanical Spirit ein echtes Allroundtalent ist – einsetzbar als Cocktailklassiker-Variation von Sour über Martini bis Bloody Mary oder auch pur als gekühlte Sipping-Spirituose.

Wer mehr über den Zaubertrank erfahren möchte, sollte sich seine Flasche in der Destille besorgen, denn mit Glück kann man Mario bei der Arbeit über die Schulter gucken und sich Tipps und Tricks abholen. Wer über den Webshop bestellt, sollte bei der Zubereitung zwei Dinge beachten: Sparen Sie beim Mixen bitte nicht an der Qualität der Zitronenlimonade. Und Eis nicht vergessen! Sonst bricht es Mario das Herz.


NordcraftSummer_CupRezept: Nordcraft Summer Cup

 

  • 4 cl Dry Botanical Spirit
  • 8 cl Hausgemachte oder klare Zitronenlimonade
  • Auf Eis im Aperitifglas servieren und mit einem Dillzweig und einer Zitronenscheibe garnieren

 

 

 

NordCraft Destillerie: Holstenstraße 194c (Altona-Nord)


Szene-Hamburg-August-2019-TitelDieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, August 2019. Titelthema: Wie sozial ist Hamburg? Das Magazin ist seit dem 27. Juli 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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