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Kultur auf der Straße: STAMP ist zurück

STAMP ist wieder da. Das Internationale Festival der Straßenkünste feiert vom 17. bis 19. September 2021 seine zehnte Ausgabe

Text: Felix Willeke

 

Vom 17. bis 19. September 2021 geht es wieder rund auf Altonas Straßen. Mit STAMP kehrt das Internationale Festival der Straßenkünste zu seiner zehnten Ausgabe zurück. Zum Abschluss der altonale liegt ein Schwerpunkt des Festivals auf dem EU-Projekt Liberty für Künstler:innen zwischen 18 und 30 Jahren. Das Projekt ist dabei der Rahmen für verschiedenste internationale Künstler:innen wie die Libertikons. Sie zeigen ihre eigene Definition des Freiheitsbegriffs in Foto und Video. Dafür gibt es über das ganze Wochenende hinweg Projektionen 360° Projektionen auf aufblasbaren Kugeln im Park rund um den Platz der Republik.

Danube´s Banks, live immer ein Erlebnis; Foto: Konstanze Habermann

Danube´s Banks, live immer ein Erlebnis; Foto: Konstanze Habermann

 

Danube´s Banks und viel mehr Theater

 

Eines der großen Highlights bei STAMP 2021 ist sicherlich das Auftaktkonzert. Am Freitagabend um 20.30 Uhr geben sich Danube´s Banks die Ehre. Dann darf vor und auf der Bühne am Festivalzentrum getanzt werden. Doch STAMP wäre natürlich nichts ohne sein Theater im öffentlichen Raum. In diesem Jahr sind hierfür Claudia Janke mit ihrer Performance Wavelength Europe, der Seiltänzer Oliver Zimmermann oder der Spanier Pere Hosta mit seinem Programm Sinopsi zu Gast.

Pere Hosta geht mit seiner Tür auf Reisen; Foto: atonale

Pere Hosta geht mit seiner Tür auf Reisen; Foto: atonale

 

Die Nacht der jungen Lyrik

 

Am Sonntagabend wartet dann noch eine Premiere auf die Besucherinnen: Die Nacht der jungen Lyrik. Bei diesem Wettbewerb treten junge Lyriker:innen in die Fußstapfen von Wolf Biermann und anderen bekannten Dichter:innen aus Ottensen. Lyriker:innen bis 30 Jahre konnten sich mit Gedichten zum Thema „Nähe“ für die Nacht der jungen Lyrik bewerben. Eine Jury zeichnet die Gewinner:innen noch am Abend mit Preisen von insgesamt 3.000 Euro aus.

 

altonale.de/stamp-festival


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, September 2021. Das Magazin ist seit dem 28. August 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Zu Hause: So lebt es sich in Hamburgs Bezirken

In Hamburg leben fast zwei Millionen Menschen auf einer Fläche, die mehr als sieben Mal so groß ist wie die Stadt Paris. Es gibt also viele schöne Bezirke in denen es sich zu leben lohnt, wir stellen sie euch vor

Text: Andreas Daebeler

 

Hamburg kann urban, szenig und laut sein. Aber auch grün, beschaulich und verträumt. Hängt ganz davon ab, welchen der Bezirke man sich zum Wohnort wählt. Sieben gibt es davon. Die Gliederung besteht schon seit 1951. Und in den Bezirken gibt es 104 Stadtteile, die gleichmäßig verteilt sind. Auf der Gesamtfläche der Freien und Hansestadt Hamburg leben und wohnen aktuell rund 1,85 Millionen Menschen. Damit ist die Metropole an der Elbe nach Berlin die zweitgrößte Stadt Deutschlands. Die Grenze zu Niedersachen und Schleswig-Holstein verläuft entlang 755 Quadratkilometern Stadtfläche. Und mitten durch fließt der Strom, der Hamburg so besonders macht

 

Bezirk Altona

 

Hamburg-Blankenese; Foto: iphotoclick/Pixabay

Hamburg-Blankenese; Foto: iphotoclick/Pixabay

Altona kann Altbau, Stuck und dicht geparkte Wohnstraße. Aber Altona kann auch moderne Architektur und autoarm – wie in der Mitte Altona. Der Bezirk, in dem rund 275.000 Menschen auf rund 78 Quadratkilometern leben und zu dem Villenviertel mit Elbblick ebenso gehören wie Hochhäuser in Lurup, bietet fraglos Abwechslung. Auf der Schanze wird gefeiert und gecornert, wenn nicht gerade eine Pandemie das verhindert. Andernorts geht’s eher beschaulich und bodenständig zu. Manchmal sogar ziemlich elitär, wie in Othmarschen.

Der grandiose Blick vom Altonaer Balkon ist nicht nur bei Touristen beliebt. Das Bahnhofsumfeld bietet mit dem Mercado und vielen kleinen Läden alles, was Shopping-Fans lieben. Schicke Bars gibt es ebenso wie urige Spelunken. Grün geht in Altona auch: Etwa im traumhaften Jenischpark mit dem Ernst Barlach Haus oder im Loki-Schmidt-Garten. Nicht zu vergessen das zauberhafte Blankenese mit seinem Treppenviertel. Im Schnitt leben die Menschen im Bezirk auf rund 80 Quadratmetern pro Wohnung, Kinder gibt es nur in jedem fünften Haushalt.

Das Schulterblatt im Schanzenviertel; Foto: Johanna Zobel

Das Schulterblatt im Schanzenviertel; Foto: Johanna Zobel

Urkundlich wurde Altona schon im 16. Jahrhundert erwähnt. Seit 1938 zählt die ehemalige Fischersiedlung zu Hamburg. Zuvor lag sie seit dem Dreißigjährigen Krieg unter dänischer Verwaltung. Fläche und Verlauf entsprechend weitestgehend dem Zustand kurz vor der Eingliederung in die Hansestadt. Seit den 1920er-Jahren verläuft der Bezirk mit seinen westlichen Elbvororten Blankenese, Nienstedten, Othmarschen und Rissen zu einem großen Teil entlang des Elbstrandes mit einem beeindruckenden Blick auf die Docks und den Strom.


Altona
Einwohner: 275.265
Fläche: 77,9 Quadratkilometer
Haushalte mit Kindern: 19,9 %
Durchschnittliche Wohnfläche je Wohnung: 81,2 Quadratmeter
Pkw: 90.034
14 Stadtteile: Altona-Altstadt, Altona- Nord, Bahrenfeld, Blankenese, Groß Flottbek, Iserbrook, Lurup, Nienstedten, Osdorf, Othmarschen, Ottensen, Rissen, Sternschanze und Sülldorf, Elbstrand // Övelgönne


 

Bezirk Hamburg-Mitte

 

Gehört auch zu Hamburg-Mitte, das Watt um die Insel Neuwerk; Foto: inextremo96/pixabay

Gehört auch zu Hamburg-Mitte, das Watt um die Insel Neuwerk; Foto: inextremo96/pixabay

Ganz schön groß: Hamburg-Mitte ersteckt sich über satte 142 Quadratkilometer. Mehr Stadtteile hat kein anderer Hamburger Bezirk. Und schon gar keine Nordseeinsel. Zu Mitte hingegen werden das in der Elbmündung liegende Neuwerk sowie die bei Vogelkundlern bekannten Nigehörn und Scharhörn gerechnet. So ruhig wie auf Neuwerk mit seinen 30 Einwohnern geht es im restlichen Bezirk natürlich nicht zu.

Knapp 300.000 Menschen leben in den 19 Stadtteilen, die mit U- und S-Bahn weitgehend gut erschlossen sind und bei den Immobilienpreisen die gesamte Bandbreite anbieten. Während es in Wilhelmsburg so manche bezahlbare Geschosswohnung gibt, gehen für top-sanierte Altbauwohnungen in der City oder das Penthouse in der HafenCity schon mal Millionen über den Tisch. Bei Touristen ist der Bezirk ein Hotspot. Schließlich gehören sowohl die Shoppingmeile Mönckebergstraße als auch der Michel, die Landungsbrücken und die Reeperbahn hierher. Hamburg-Mitte hat reichlich Kultur zu bieten. Und das nicht nur auf dem Kiez auf St. Pauli, sondern auch ein paar Kilometer weiter östlich, wo im idyllischen Elbpark Entenwerder etwas das nachhaltige Festival Futur 2 sein Zuhause hat und nach Corona wieder haben soll.

Die Landungsbrücken in Hamburg-Mitte; Foto: Karsten Bergmann/Pixabay

Die Landungsbrücken in Hamburg-Mitte; Foto: Karsten Bergmann/Pixabay

Apropos Elbe: Die zieht sich quer durch den Bezirk, der als Wohnort vor allem Abwechslung bietet. Man nehme nur den scharfen Kontrast zwischen dem urbanen St. Georg, wo rund um den Hauptbahnhof in den Bars und Kneipen das Leben tobt, und dem immer noch dörflichen und verschlafenen Finkenwerder auf der anderen Seite des Stroms. Als besonders spannend gilt das einst verrufene Billstedt, das sich dank vieler sozialer Initiativen und Projekte immer mehr zu einer Perle mausert.


Hamburg-Mitte
Einwohner: 301.546
Fläche: 142,3 Quadratkilometer
Haushalte mit Kindern: 16,9 %
Durchschnittliche Wohnfläche je Wohnung: 66,2 Quadratmeter
Pkw: 77.906
19 Stadtteile: Hamburg-Altstadt, Billbrook, Billstedt, Borgfelde, Finkenwerder, HafenCity, Hamm, Hammerbrook, Horn, Kleiner Grasbrook, Neustadt, Neuwerk (Exklave), Rothenburgsort, St. Georg, St. Pauli, Steinwerder, Veddel, Waltershof und Wilhelmsburg


 

Bezirk Wandsbek

 

Wandsbek mit viel Grün; Foto: AdobeStock/Gerckens Photo

Wandsbek mit viel Grün; Foto: AdobeStock/Gerckens Photo

Rund 440.000 Menschen wohnen in Wandsbek. Das sind mehr als in jedem anderen der sieben Hamburger Bezirke. Liegt nicht zuletzt daran, dass diese Verwaltungseinheit auch die Walddörfer umfasst, die schon seit dem Mittelalter zu Hamburg gehören. Zum Wohnen bietet Wandsbek so ziemlich alles.

In Duvenstedt etwa finden sich weitläufige Grundstücke mit großzügigen Einfamilienhäusern und charmante Reetdach-Katen. Es gibt sogar einen wöchentlicher Bauernmarkt. Rund um den Wandsbek Markt hingegen ist so richtig Großstadt angesagt. Es gibt jede Menge Geschäfte, Gastro und das Einkaufszentrum Quarree. Nicht weit entfernt ist Bramfeld, der bevölkerungsreichste Hamburger Stadtteil, der dicht bebaut ist. Dort wird nicht nur in den einst als Problemviertel gesehenen und heute sanierten Hochhäusern von Steilshoop gewohnt, sondern auch in kleinen Stadthäusern. Ein Beleg dafür, wie viel Abwechslung der Nordosten der Stadt bietet.

Es gibt insgesamt 18 Stadtteile, die sich über knapp 150 Quadratkilometer verteilen. Anerkannt als eigenständiger Teil Hamburgs ist Wandsbek erst seit knapp 70 Jahren. Durch die Bombenangriffe von 1943 wurde der Bezirk stark in Mitleidenschaft gezogen, das hat den Charakter geprägt. Nach dem Krieg musste vieles schnell wieder aufgebaut werden, denn die hier lebenden Arbeiter brauchten dringend Wohnungen. Vor allem Rahlstedt und Farmsen-Berne sind noch stark von Nachkriegs- bauten geprägt. Wenn man genau hinsieht, ist der Bezirk allerdings auch überdurchschnittlich grün. In Wandsbek gibt es drei Naturschutzgebiete, zwei Moore und etliche Parks.


Wandsbek
Einwohner: 441.015
Fläche: 147,5 Quadratkilometer
Haushalte mit Kindern: 19,7 %
Durchschnittliche Wohnfläche je Wohnung: 83,6 Quadratmeter
Pkw: 173.270
18 Stadtteile: Bergstedt, Bramfeld, Duvenstedt, Eilbek, Farmsen-Berne, Hummelsbüttel, Jenfeld, Lemsahl-Mellingstedt, Marienthal, Poppenbüttel, Rahlstedt, Sasel, Steilshoop, Tonndorf, Volksdorf, Wandsbek, Wellingsbüttel und Wohldorf-Ohlstedt


 

Bezirk Hamburg-Nord

 

Mächtig was los auf der Alster; Foto: Erik Brandt-Höge

Mächtig was los auf der Alster; Foto: Erik Brandt-Höge

Mitten in der Stadt, jede Menge Schulen und Kitas, coole Restaurants, prima Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr – das ist der Bezirk Nord. Plus Alster. Die ist hier allgegenwärtig. Fließt an den funktionalen Backsteinbauten Fritz Schumachers ebenso vorbei wie an den Villen der Millionäre und Fußballprofis, die sich das schicke Eppendorf als Zuhause gewählt haben.

Im Zentrum des 58 Quadratkilometer großen Bezirks findet sich der Stadtpark mit seinen knapp 150 Hektar. Dort holt Hamburg Luft. Es gibt Spielplätze, Festwiesen, den Badesee, Grillplätze, botanische Anlagen und viel Gastro, wie etwa das Landhaus Walter mit seinem urigen Bluesclub. Die Stadtteile Eppendorf, Hoheluft und Winterhude mit ihrem vielen Jugendstil, den edlen Boutiquen, Cafés und dem grandiosen Holthusenbad gehören zu den gefragtesten und teuersten Wohngegenden Hamburgs. Barmbek war mal klassisches Arbeiterviertel, wird aber immer szeniger. Vor allem bei jungen Leuten ist der Stadtteil mit dem kultigen Kulturzentrum Kampnagel beliebt. Denn hier sind die Mieten noch halbwegs erschwinglich.

Das Goldbekhaus in Winterhude; Foto: Mona Dahme

Das Goldbekhaus in Winterhude; Foto: Mona Dahme

Das gilt noch mehr für die nördlichen Stadteile des Bezirks. Langenhorn und Fuhlsbüttel haben sich zudem einen dörflichen Charakter bewahrt. Und derzeit wird viel gebaut im Bezirk Nord. So etwa in Winterhude, wo mit dem Pergolenviertel ein ganzer Stadtteil mit 1.400 Wohnungen und nachhaltigem Konzept entsteht. In Eppendorf sind kleinere Flächen im Fokus, es wird vor allem nachverdichtet. Etwa im Bereich zwischen Salomon-Heine-Weg und Meenkwiese. Insgesamt leben derzeit etwas mehr als 300.000 Menschen im Bezirk Nord.


Nord
Einwohner: 314.595
Fläche: 157,8 Quadratkilometer
Haushalte mit Kindern: 14,1 %
Durchschnittliche Wohnfläche je Wohnung: 68,7 Quadratmeter
Pkw: 98.690
13 Stadtteile: Alsterdorf, Barmbek-Nord, Barmbek-Süd, Dulsberg, Eppendorf, Fuhlsbüttel, Groß Borstel, Hohenfelde, Hoheluft- Ost, Langenhorn, Ohlsdorf, Uhlenhorst und Winterhude


 

Bezirk Eimsbüttel

 

Die Rombergstraße in Eimsbüttel; Foto: Ilona Lütje

Die Rombergstraße in Eimsbüttel; Foto: Ilona Lütje

Rund um die erst vor wenigen Jahren umgebaute Osterstraße schlägt das Herz von Eimsbüttel. Es gibt jede Menge Boutiquen, schnuckelige Cafés und eines der letzten großen Kaufhäuser. Der mit rund 50 Quadratkilometern kleinste Bezirk Hamburgs hat sich gemausert und zählt gerade bei jungen Menschen zu den beliebtesten Wohnorten in der Stadt. Kein Wunder, können die aktuell 265.000 Menschen, die in einem der neun Stadtteile leben, sich doch an vielen Parks, einem üppigen gastronomischen Angebot, vielen Schulen und Kitas sowie einer prima ausgebauten Infrastruktur mit Bundesstraßen und U-Bahn erfreuen.

In Eimsbüttel gibt es wohlhabende Ecken wie Rotherbaum und Harvestehude, aber auch alternative Viertel und reine Wohngebiete wie Stellingen und Schnelsen, wo die Mieten noch nicht ganz so stark angezogen haben wir etwa in den Altbauten zwischen Heußweg und Generalsviertel. Ein besonderer Hingucker sind die 60 Hochhäuser der Lenzsiedlung, die Mitte der 1970er-Jahre gebaut wurden. Damals waren die modernen Wohnungen begehrt. Dann folgte der Abstieg, doch dank sozialer Projekte und vergleichsweise günstiger Mieten ist das Quartier heute wieder angesagt.

Nicht weit entfernt, in Blickrichtung Hagenbeck, wird aktuell viel neu gebaut. Und auch die Planungen für die Umgestaltung des Beiersdorf-Geländes laufen. Zwischen Unnastraße und Quickbornstraße, wo heute noch die alte Konzernzentrale des Unternehmens Beiersdorf beheimatet ist, sollen voraussichtlich ab 2022 Wohnhäuser hochgezogen werden. 900 Wohnungen werden entstehen. Eimsbüttel, das seit 1894 zum Hamburger Stadtgebiet gehört, wächst also. Und vielleicht ziehen ja künftig auch mehr Familien zu, deren Anteil liegt bislang nur bei 16 Prozent.


Eimsbüttel
Einwohner: 267.053
Fläche: 49,8 Quadratkilometer
Haushalte mit Kindern: 16,6 %
Durchschnittliche Wohnfläche je Wohnung: 76,3 Quadratmeter
Pkw: 90.082
9 Stadtteile: Eidelstedt, Eimsbüttel, Harvestehude, Hoheluft-West, Lokstedt, Niendorf, Rotherbaum, Schnelsen und Stellingen


 

Bezirk Bergedorf

 

Curslack im Bezirk Bergedorf, Foto: AdobeStock/NEWSundART

Curslack im Bezirk Bergedorf, Foto: AdobeStock/NEWSundART

Bergedorf ist grün. Und Bergedorf ist blau. An Natur mangelt es in Hamburgs Osten mit seine Wäldern, Seen und der verträumten Dove Elbe wahrlich nicht. Der Bezirk im Südosten der Hansestadt ist auf der Höhe der Zeit und atmet trotzdem Geschichte. Auf knapp 155 Quadratkilometern haben rund 130.000 Menschen ihr Zu- hause. Sie leben in ländlicher Idylle oder im Stadtteil Bergedorf, der geschäftig ist und viel zu bieten hat – etwa einen Besuch der ältesten Gaststätte Hamburgs, Ausflüge zum einzigen Schloss Hamburgs und zur restaurierten Mühle. Relaxen im Bille-Park und auf eine Shoppingtour in die beliebte Einkaufsstraße Sachsentor. Theater, Kunst und das überregional bekannte Kulturzentrum LOLA – das alles ist Bergedorf, das als vergleichsweise modern durchgehen darf.

Das historische Zentrum von Bergedorf; Foto: Monika Schroeder/Pixabay

Das historische Zentrum von Bergedorf; Foto: Monika Schroeder/Pixabay

Denn in dem Bezirk leben überdurchschnittlich viele junge Erwachsene und unterdurchschnittlich wenig Bürger über 65 Jahre. Das liegt vielleicht auch an der Melange aus viel Natur und dennoch der Nähe zur Metropole. Die Hamburger Innenstadt ist nur zehn S- Bahn-Minuten entfernt, obwohl die Bergedorfer von Äckern und Wäldern umgeben sind. Für coole Kultur muss aber niemand unbedingt in die City reisen. Die drei Kilometer nach Allermöhe etwa tun es zuweilen auch. Dort pilgern im Sommer viele zum Eichbaumsee, um das Festival Wutzrock zu besuchen. Wenn sie nicht grad mit dem Fahrrad am Moorfleeter Deich unterwegs sind. Oder im zauberhaften Kirchwerder.


Bergedorf
Einwohner: 130.260
Fläche: 154,7 Quadratkilometer
Haushalte mit Kindern: 22,1 %
Durchschnittliche Wohnfläche je Wohnung: 83,6 Quadratmeter
Pkw: 50.878
14 Stadtteile: Allermöhe, Altengamme, Bergedorf, Billwerder, Curslack, Kirchwerder, Lohbrügge, Moorfleet, Neuallermöhe, Neuengamme, Ochsenwerder, Reitbrook, Spadenland und Tatenberg


 

Bezirk Harburg

 

Harburg Palmspeicher; Foto: Jan Kornstädt/Hamburg Mediaserver

Harburg Palmspeicher; Foto: Jan Kornstädt/Hamburg Mediaserver

Der Bezirk Harburg hat 17 Stadtteile – und einen Hafen. Einen eigenen wohlgemerkt, da legen die Menschen hier Wert drauf. Zwar nicht so groß wie der Hamburger, dafür aber sehr beschaulich. Und einst Heimat für den 2017 verstorbenen Country-Sänger und Lebemann Gunter Gabriel. Der hatte hier sein ziemlich runtergewirtschaftetes Hausboot liegen, bevor Fynn Kliemann und Olli Schulz sich entschieden, auf dem Kahn klar Schiff zu machen.

Rund um den Binnenhafen hat sich in den vergangenen Jahren viel getan. Es gibt interessante Wohnprojekte, viele Gebäude wurden dem Denkmalschutz entsprechend saniert. Und Firmen haben sich angesiedelt. Geht es um Gewerbe, ist Harburg eh ein Hotspot. Beiersdorf ist in Hausbruch vertreten, die zur Continental gehörenden Phoenix Gummiwerke im Stadtteil Harburg. Und auch die Carlsberg-Brauerei ist seit 2019 im Bezirk beheimatet. Harburg ist mit einer guten Verkehrsanbindung ausgestattet, hat eine eigene Universität mit angeschlossener Bibliothek und nicht zuletzt den Elbcampus, ein Bildungszentrum der Handwerkskammer Hamburg.

Knapp 170.000 Menschen leben mittlerweile im knapp 125 Quadratkilometer großen Bezirk, zu dem ländlichere Gebiete wie Neugraben-Fischbek und Marmstorf gehören. Auch das als Tor zum Alten Land geltende Cranz ist noch Teil der Verwaltungsgemeinschaft. Im Gegensatz zu den urbanen Stadtteilen wie Harburg-City gibt es hier noch Hofläden, Obstplantagen und Fachwerk zu sehen.


Harburg
Einwohner: 169.426
Fläche: 125 Quadratkilometer
Haushalte mit Kindern: 29,2 %
Durchschnittliche Wohnfläche je Wohnung: 77,5 Quadratmeter
Pkw: 56.389
17 Stadtteile: Altenwerder, Cranz, Eißendorf, Francop, Gut Moor, Harburg, Hausbruch, Heimfeld, Langenbek, Marmstorf, Moorburg, Neuenfelde, Neugraben-Fischbek, Neuland, Rönneburg, Sinstorf und Wilstorf


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Die altonale 2021: klein, kompakt und vielfältig

Vom 2. bis 19. September 2021 geht es in Altona um „Systemrelevanz“, so das Motto der altonale 2021

Text: Felix Willeke

 

Vielfältig wie immer, aber dank Corona auch etwas kompakter als gewohnt, das soll sie sein, die Altonale 2021. Unter dem Motto „Systemrelevanz“ gibt es bei dem Festival vom 2. bis 19. September 2021 wieder ein breites Programm. Die Konzentration liegt dabei auf den drei Wochenenden im September:

Emersound sorgt für die Musik bei der Eröffnung der Altonale 2021; Foto: altonale

Emersound sorgt für die Musik bei der Eröffnung der Altonale 2021; Foto: altonale

Am 4. und 5.9. gibt es die Infomeile, am 11. und 12.9. folgt der altonale kunstmarkt und am Abschlusswochenende (17. bis 19. 9.) gibt es dann wieder STAMP – das internationale Festival der Straßenkünste. Los geht es am 2. September mit Illuminationen der Berliner Lichtdesigner Nulight und Musik von Emersound rund um das Festivalzentrum am Altonaer Museum.

 

Systemerelevanz im Fokus

 

Im Verlauf der drei Wochen lädt auch altonale salon seine Besucher wieder zur Auseinandersetzung mit dem Festivalthema ein. Am 11.9. um 15 Uhr gibt es dazu im Altonaer Museum eine Podiumsdiskussion und Gespräche, gefolgt von Kurzfilmen. Neben der kunst altonale im Altonaer Museum spielen auch Literatur und Theater wieder eine Rolle: Gemeinsam mit dem Thalia Theater in der Gaußstraße bringt das Festival beispielsweise zum achten Mal das Format book.beat auf die Bühne (10.9. um 20 Uhr).

Jenobi sorgen für den Beat bei book.beat; Foto: By the sea Photography

Jenobi sorgen für den Beat bei book.beat; Foto: By the sea Photography

Auch die kleine Kunst ist wieder im ganzen Stadtteil zu sehen, bei „Altona macht auf!“ öffnen sich überall die „Sehnsuchtsfenster & Balkontheater“ und feiern unter dem Motto „Gib Altona Dein Gesicht!“ ihren 10. Geburtstag.

 

STAMP ist zurück

 

Zum Abschluss des dreiwöchigen Kulturmarathons dann also STAMP: im Park am Platz der Republik und in diesem Jahr mit dem Schwerpunkt auf dem EU-Projekt LIBERTY, das sich an junge Künstler zwischen 18 und 30 Jahren richtet. Für alle Veranstaltungen der altonale 2021 – außer für die STAMP-Veranstaltungen – ist eine Anmeldung notwendig. Also egal, ob Literatur, Kunst, Musik, Performance oder Theater, im September führen (fast) alle Wege nach Altona.

altonale.de


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Hamburger des Monats: Esche Geschäftsführer Andreas Fleischmann

2016 wurde die Esche in Altona eröffnet. Mit kostenlosen Graffiti- und HipHop-Kursen bietet sie Jugendlichen seitdem kreative Freiräume – die momentan schmerzlich vermisst werden. Geschäftsführer Andreas Fleischmann hat das Jugendkunsthaus mit seinem Team konzipiert und aufgebaut

Interview & Foto: Matthias Greulich

 

SZENE HAMBURG: Andreas, Glückwunsch zu fünf Jahren Esche. Stimmt es, dass du vor der Eröffnung Angst hattest, dass keine Jugendlichen zu euch in den Eschelsweg kommen?

Andreas Fleischmann: Das war tatsächlich so. Zum Glück wurden unsere Kurse von Beginn an gut angenommen. Ein Grund des Erfolgs war, dass wir uns genau angeschaut hatten, welche Angebote es in Altona gab. Die richteten sich meist an Sechs- bis 14-Jährige. Also haben wir etwas Weiterführendes gemacht. Relativ früh war klar: Wir wollen eine Art Jugendkunstschule aufbauen, wie es sie besonders in Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern flächendeckend gibt.

Warum habt ihr euch Jugendkunsthaus genannt?

Wir wollten den Begriff Schule lieber rauslassen, um die Kids nicht zu verschrecken. Die Idee ist: Wir sind für alle offen und die Kurse für die Jugendlichen kostenlos. Du musst es dir vorstellen wie eine coole Volkshochschule nur für Jugendliche.

Euer Ziel in der Esche ist es, Freiräume für Jugendliche zu schaffen. Gibt es davon zu wenig?

Ich glaube, es gibt noch zu wenig kreative Freiräume. Der Stellenwert kultureller Bildung könnte in Hamburg höher sein. Nach dem ersten Lockdown lag der Schwerpunkt der Lockerungen in den Schulen bei den sogenannten Kernfächern wie Mathematik, Deutsch und Englisch.

Doch auch kulturelle Bildungsangebote, in denen man zum Beispiel lernt, sich vor einer Gruppe zu präsentieren, ein selbstbewusstes Auftreten zu üben und seine ganz eigene Ausdrucksform zu finden – warum ist das weniger wichtig als Mathematik? Die Jugendlichen brauchen dringend selbstbestimmte Freiräume, in denen sie sich austauschen und ausprobieren können.

 

Jugendliche für Kunst begeistern

 

Füllt ihr mit der Esche eine Lücke aus?

Wichtig war uns, niemandem im Stadtteil Konkurrenz machen. Wir machen kein Töpfern, denn das gibt es im HausDrei, keine Holzwerkstatt, die es damals in der MOTTE gab und keinen Comic-Kurs, denn den gibt es in der GWA St. Pauli.

Stattdessen bieten wir Graffiti-Kurse, Breakdance, HipHop, Gesang, Songwriting und einen Zeichen- und Malkurs für die Älteren – inklusive Mappenvorbereitung. Wir wollen die Jugendlichen nachhaltig für Kunst begeistern. Deshalb bieten wir Anfänger- und Fortgeschrittenenkurse an. Wir wollen die künstlerische Entwicklung begleiten, machen hier aber keinen Spitzensport.

Wen erreicht ihr?

Jugendliche aus dem Stadtteil, aber auch von weiter her, da wir mit der S-Bahn vom Bahnhof Königstraße gut zu erreichen sind. Einige kommen zu uns, die man nicht durch einen Flyer erreicht, weil wir viel mit Schulen und Jugendeinrichtungen im Viertel kooperieren. Wir richten uns in erster Linie an junge Menschen, die sich keine Mal-, Tanz- oder Gesangsschule leisten können – sind aber offen für alle!

Haben die Kinder und Jugendlichen Schwellenangst?

Das kommt schon vor. Man darf nicht vergessen: Es sind Jugendliche, die in der Pubertät stecken. Die kommen hier rein und sind noch nicht Teil der Tanzgruppe und kommen in den Tanzraum, wo sich alle kennen. Die sind aufgeregt und blass. Einige drehen auch auf der Stelle wieder um.

 

„Each one, teach one“

 

Die Jugendlichen sollen hier also nicht abhängen?

Wir wollen die Kinder zum Machen bewegen. Zum kreativ werden. Zum Selber-was-schaffen. Das haben wir aus dem HipHop: „Each one teach one.“ Diese Methode ist super wichtig. Dass sich die Kids auch gegenseitig etwas beibringen. Das ist hier kein Frontalunterricht, man erschafft etwas gemeinsam. Die Jugendlichen, die anfangs blass in einen Kurs gingen, tanzen uns ein halbes Jahr später voller Stolz die neue Choreo vor.

Ihr sprecht in normalen Zeiten jede Woche 200 Jugendliche an. Wie war es zwischen den Lockdowns, wie ist es jetzt?

Im September waren wir schon fast wieder bei den alten Besucherzahlen. Wir hatten noch einen zusätzlichen Graffiti- und Tanzkurs dazu genommen, weil die Anzahl der jeweiligen Kursteilnehmer durch unser Hygienekonzept kleiner wurde. Aus unserem Förderkreis haben wir Spenden bekommen, um die zusätzlichen Kurse bezahlen zu können. Jetzt bleibt uns nur die Möglichkeit, digital Kontakt zu halten.

Schade, dass du nicht sehen kannst, was sonst hier los wäre. Wir haben normalerweise alle zwei Monate einen Auftritt mit einem Kurs. Altonale, Kampnagel, Mädchenspektakel – alles 2020 ausgefallen. Da wollen wir wieder hin und da werden wir auch wieder hinkommen. Gesang und Songwriting machen wir momentan über Zoom weiter. Bei den Tanzkursen haben wir Videos gemacht. Die Videos können es aber nicht ersetzen, im Tanzraum gemeinsam zu proben.

Sobald wir wieder loslegen können, geht es weiter. Wir scharren mit den Füßen. Die Jugendlichen. Wir vom Team und die freischaffenden Künstler, die in einer schwierigen Situation sind.

Du hast fünf Jahre Esche erlebt. Was waren die schönsten Momente – und gab es auch mal Stress?

Die schönsten Momente waren für mich immer die Sommer- und Winterfeste. Die haben Meilensteine markiert und wir sahen, welche Früchte unsere Arbeit trägt. Zum Glück habe ich auch den Kontakt zu den Jugendlichen und sitze nicht nur im Büro und organisiere. Aber was in den Kursen geprobt und gemacht wird, sehe ich dann erst richtig auf den Festen. Das ist für mich superschön.

Und natürlich gibt es immer mal wieder Stress. Meine Kollegin Tanja Brenner ist nicht umsonst Diplomsozialpädagogin. Wir haben auch Jugendliche aus schwierigen Verhältnissen, die hier ihr Herz ausschütten. Solche Fälle gibt es immer.

esche.eu


SZENE-März-2021 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, März 2021. Das Magazin ist seit dem 26. Februar 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Asklepios Klinik: Chef der Intensivstation über Corona

Prof. Dr. med. Martin Bergmann ist Chef der internistischen Intensivstation in der Asklepios Klinik Altona. Sein Arbeitsalltag steht seit Pandemie-Beginn auf dem Kopf. Ein Gespräch über die Anstrengungen von Medizinern während Corona, Balkonklatscher und die Wirkung der Lockdowns

Interview: Erik Brandt-Höge

 

SZENE HAMBURG: Prof. Dr. med. Martin Bergmann, auf einer Skala von eins bis zehn: Wie hoch siedeln Sie ihren Erschöpfheitszustand am Ende dieses Jahres an?

Asklepios-porträt-bergmann-kein-Credit

„Großes Vertrauen in die Impfstoff entwickelnden Firmen“: Prof. Dr. med. Martin Bergmann

Prof. Dr. med. Martin Bergmann: Bei sieben. Wir sind noch nicht völlig erschöpft, aber die Situation ist schon sehr belastend. Gerade die zweite Welle schluckt einiges an Ressourcen. Die Mitarbeiter auf der Intensivstation, sowohl die Pflegekräfte als auch die Ärzte, erleben große Herausforderungen: Aktuell wird sieben Patienten teilweise mit Maschinenbeatmung geholfen.

Ebenso die Kollegen auf der COVID-Station, wo wir aktuell zwischen 20 und 30 Verdachtsfälle und Patienten mit leichteren COVID- Erkrankungen behandeln. Und wir gehen ja davon aus, dass uns das alles noch einige Wochen, wenn nicht Monate beschäftigen wird. Jedenfalls so lange, bis hoffentlich die Effekte der Impfungen spürbar werden.

Wie sieht denn Ihr aktueller Arbeits­alltag aus? Gibt es Routinen – oder ist jeder Tag anders?

Es gibt schon Routinen. Ich komme morgens um kurz vor acht in die Klinik und verschaffe mir mithilfe unseres elektronischen Klinik-Informationssystems einen Überblick zu den Patienten meiner Abteilung. Es folgt eine Oberarztbesprechung, bei der wir uns unter anderem über Notfälle austauschen und die Arbeit verteilen. Dann kommen die Intensiv-Visite und die Besprechung zwischen allen Abteilungen aus der Intensivmedizin über die nächsten 24 Stunden.

 

Extrem spannende Zeit

 

Blicken wir einmal zurück aufs Früh­ jahr und die erste Welle. Waren Sie auf einen Klinik­Ausnahmezustand vorbereitet?

Nein, darauf kann man sich auch nicht vorbereiten. Damals bestanden natürlich viele Unsicherheiten. Aber wenn man eine gewisse medizinische Begeisterung besitzt, muss man auch sagen, dass das eine extrem spannende Zeit war. Es gab sehr schnell einen internationalen Austausch zwischen den direkt mit der Patientenbehandlung beschäftigten Ärzten.

Welche Erkenntnisse gab es dabei?

Zum Beispiel, dass diese Krankheit häufig sehr ähnlich verläuft. Also, dass man von Tag vier nach Symptom-Beginn bis zu Tag 12 schnelle Verschlechterungen befürchtet, weshalb man Sorge um die Patienten haben muss. Vielen wurde durch die angesprochene Beatmung durch Maschinen geholfen, was ihnen das Leben gerettet hat. Allerdings sind einige von ihnen trotz aller Möglichkeiten und Maßnahmen aufgrund weiterer Komplikationen verstorben.

Hat Corona auch Ihren persönlichen Arbeitsalltag von jetzt auf gleich auf den Kopf gestellt?

Massiv. Von Haus aus bin ich Kardiologe, kümmere mich also um Herzklappen, Herzschwächen und Herzinfarkte. Jahrzehntelang habe ich die Intensivmedizin nur nebenbei gemacht. Dieses Verhältnis hat sich durch die Pandemie völlig umgedreht.

 

Volle Intensivbetten

 

Und wenn Sie die erste und die jetzige zweite Welle mal vergleichen: Welche hat Sie in der Klinik härter getroffen?

Wir hatten während der ersten Welle zwar rasch viele volle Intensivbetten, aber auch noch Kapazitäten, da alles andere reduziert worden war. Später, nach dem Shutdown und den Sommermonaten, die zusammen das Infektionsgeschehen nahezu zum Erliegen gebracht haben, hatten wir sogar wochenlang leere Intensivbetten und die Hoffnung, dass Maßnahmen wie die eingeführte Maskenpflicht uns eine zweite Welle ersparen würden. Das war leider nicht der Fall.

Sind Ihre Intensivpatienten jeden Alters?

Ja, zwischen 45 und 90 Jahre war schon alles dabei.

Gilt das auch für die an COVID verstor­benen Patienten?

Auch da gibt es keine Altersausnahmen. Wir haben Patienten über 80, die das Ganze gut überstehen, und wir haben Patienten Mitte 50 ohne schwere Begleiterkrankungen, die von einem Problem zum nächsten kommen – bis zu dem Punkt, an dem man keine Aussichten mehr hat, dass sie mit Lebensqualität aus der Sache herauskommen. Insgesamt sind es 20 bis 30 Prozent, die nach mehreren Wochen Behandlung versterben.

 

Gesellschaftliche Diskussion

 

Nochmal zurück zum Frühjahr, als die Öffentlichkeit die medizinischen Versorger unter anderem mit Klatschen von Balkonen honorierte. Was hielten Sie davon?

Von den Balkonklatschern habe ich nicht so viel mitbekommen. Aber ich glaube, dass die Medizin durchaus zurück in die gesellschaftliche Diskussion gekommen ist. Gerade, was die Intensivmedizin betrifft, die in der Vergangenheit teils als Maschinenmedizin verteufelt worden ist. Es wurde erkannt, was sie zu leisten im Stande ist. Das habe ich als sehr positiv wahrgenommen.

Insgesamt habe ich den Eindruck, dass wir mit unseren Ansätzen, die Menschen eben wirklich helfen, mehr Akzeptanz erhalten.

Kurzer Blick aufs Frühjahr 2021 und die Möglichkeit, sich impfen zu lassen: Wie denken Sie, wird sich dann die Situation bei Ihnen in der Klinik verändern?

Ich stelle mich erst mal darauf ein, dass wir bis zum Frühjahr noch mit Fallzahlen wie den aktuellen konfrontiert sein werden. Der Lockdown light hat zuletzt in den Hamburger Kliniken zwar nicht zu einem Rückgang der Versorgungsfälle geführt, aber zumindest zu keinem weiteren Anstieg.

Von dem größeren Lockdown verspreche ich mir jetzt keinen gravierenden zusätzlichen Effekt – außer, dass wir vielleicht etwas Luft holen können. Allerdings hoffe ich ganz stark, dass alle, die die Gelegenheit dazu bekommen, sich impfen zu lassen, diese auch wahrnehmen. Ich habe großes Vertrauen in die Impfstoff entwickelnden Firmen und halte es für völlig ungerechtfertigt, sich nicht impfen zu lassen. Ohne eine große Impfbereitschaft werden wir das Problem nicht lösen können.

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Cover_SZ0121 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Januar 2021. Das Magazin ist seit dem 22. Dezember 2020 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Theater erleben! Vorfreude schenken! 

Die Vorweihnachtszeit ist eine Zeit der Vorfreude – auf das Fest und in diesem Jahr auch auf das Theater!

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Foto: Thomas Huang

Hinter verschlossenen Türen werden die nächsten Premieren vorbereitet: neue Stücke geprobt, Kulissen gebaut und Kostüme geschneidert. Schauspieler*innen lernen ihre Texte und der Bühnenboden wird ordentlich geschrubbt. Es wächst die Sehnsucht, den Vorhang endlich wieder zu öffnen. 

Das Wichtigste ist, dass alle gesund bleiben! Wir im Altonaer Theater freuen uns auf den Tag, wenn unsere Zuschauer*innen unseren Saal wieder füllen. Bis dahin üben wir uns in Geduld und wünschen Ihnen allen eine gute Weihnachtszeit voller Vorfreude! Am besten mit einem Theatergutschein, den sie lieben Menschen schenken.  

Auf unserem Spielplan stehen für die kommenden Monate spannende Klassiker und zeitgenössische Geschichten voller Tiefsinn und Absurdität.  

Friedrich Dürrenmatt würde 100 Jahre alt. Wir feiern diesen Geburtstag mit einer eigenen Adaption von „Der Richter und sein Henker“, einer Kriminalgeschichte, die das Böse entlarvt, mit ganz eigenen Mitteln. Und dann zeigen wir endlich unseren dritten Meyerhoff – Roman: „Amerika – Alle Toten fliegen hoch“, der zeigt, dass Erinnern immer auch ein Erfinden ist. Freuen Sie sich mit uns und gutem Mutes auf das neue Jahr!  

Altonaer Theater 

Rick McPhail über sein Musikprojekt Mint Mind

Rick McPhail, bekannt als Tocotronic-Gitarrist und -Keyboarder, setzt mit seinem Musikprojekt Mint Mind auf simple Riffs und deutliche Botschaften

Interview: Erik Brandt-Höge

 

Verstärker, Pedale, Platten, Kabel und, vor allem: Gitarren, in jeder Ecke Gitarren. Rick McPhails Proberaum, den er sich in seinem Altonaer Zuhause eingerichtet hat, ist ein regenbogenbuntes, pickepackevolles Musiklabor. Hier hat der gebürtige US-Amerikaner auch die Songs für „Thoughtsicles“ ausgetüftelt, das neue Album seines Drei-Mann- Projekts Mint Mind. Geradliniger Garage-Rock ist die Basis für McPhails Texte, in denen es auch um aktuelle Politik geht.

 

SZENE HAMBURG: Rick, es heißt, deine Ziele für das neue Mint-Mind-Album wären gewesen: wenig Ambition, viel Spaß. Geht das so leicht?

Rick McPhail: Eigentlich schon. Ich glaube, ich kann einfache Songs eh besser schreiben, als welche für, zum Beispiel, mein vorheriges Projekt Glacier. Die Texte für Glacier waren immer sehr ernst, die Musik auch, und das hat wahnsinnig viel Arbeit gemacht.

Klar, einige Texte für Mint Mind sind schon auch ernst, aber doch mit einem Augenzwinkern zu nehmen.

Du sagst, du kannst einfache Songs besser schreiben. Bedeutet das auch schneller?

Auf jeden Fall. Wir haben „Thoughtsicles“ innerhalb von nur einem Monat fertig gemacht. Einerseits sind die Texte sehr schnell gekommen, und dann haben wir die Stücke auch noch sehr Riff-basiert arrangiert, in einer Dreierbesetzung ohne Bassist, das hat es uns zusätzlich vereinfacht.

 

„Ich habe ganz klare Vorstellungen“

Rick McPhail

 

Die Dreierbesetzung machen Schlagzeuger Tim Wenzlick und Gitarrist Christian Klindworth komplett. Gibt es in der Band eine klare Hierarchie?

Ja, leider (lacht).

Wieso leider?

Na ja, ich hätte die Rollen schon gerne gleichmäßiger verteilt, vielleicht kommt das auch noch. Aber wenn ich momentan Lieder schreibe, habe ich schon alles im Kopf. Ich habe ganz klare Vorstellungen, wie die Songs am Ende klingen sollen. Also nehme ich Demos auf, verschicke sie an die anderen, und die müssen das dann lernen (lacht).

Womöglich schauen die beiden anderen ja auch zu dir auf, also zu dem Rockstar, der auf den ganz großen Bühnen steht?

Ach, das weiß ich nicht. Tim zum Beispiel ist, glaube ich, nicht unbedingt ein Tocotronic-Fan (lacht). Außerdem haben wir uns als ganz normale Menschen kennengelernt, nicht als Rockstars oder Nicht-Rockstars.

Wie habt ihr euch denn gefunden?

Diese Band hatte schon viele Besetzungen, und ich wollte irgendwann etwas Festes, also eine Gruppe von Leuten, mit denen man aufnehmen und auf Tour gehen kann, wenn es denn soweit ist. Und ich wollte eine Band, bei der die Aufgaben klar verteilt sind. Das halten wir bei Tocotronic auch so, wo Dirk die Lieder schreibt und ich mich um das Equipment und die Roadies kümmere.

Gibt es einen Austausch zwischen Tocotronic-Autor Dirk von Lowtzow und Mint Mind-Autor Rick McPhail?

Nein, ich zeige Dirk meine Texte nicht. Er bekommt immer eine fertige Platte von mir – wobei ich gar nicht genau weiß, ob er sie auch hört (lacht).

 

 

Zurück zu „Thoughtsicles“. Nicht durchgängig sind die Lyrics leicht und locker, es gibt auch eine politische Ebene, etwa im Song „The Hassle From The Man“, in dem „Man“ offensichtlich für eine Regierung steht. Gab es etwas Politisches, was du unbedingt ausdrücken wolltest?

„The Hassle From The Man“ handelt tatsächlich von politischen Protesten und Polizeibrutalität. Es geht dabei um vieles: die „Black Lives Matter“-Bewegung ebenso wie G20 und Greta Thunberg. Ich habe gesehen, welche heftigen Reaktionen es zuletzt in Amerika auf Greta gab, wo Leute mit SUVs durch die Gegend fuhren, aus deren Kofferräumen Zöpfe hingen und auf deren Scheiben stand: „The solution to the problem with Greta.“ Und dann habe ich angefangen, etwas dazu zu schreiben.

War Wut der Antrieb beim Schreiben?

Ja, schon. Ich hatte auch schnell die Musik aus alten Biker-Filmen im Ohr, aus „Die wilden Engel“ zum Beispiel, mit Peter Fonda. Und da ich schon immer einen Bongo-Song machen wollte, kam mir das Instrument auch gerade recht.

Hattest du eigentlich Schreibroutinen?

Ich muss mich beim Schreiben grundsätzlich sehr zusammenreißen, weil ich dazu neige, es vor mir herzuschieben.

Woher kommt das?

Vielleicht, weil ich oft Angst davor habe, dass ein Songtext nicht gut genug wird, und dann fange ich gar nicht erst an (lacht). Ich kann ewig in meinem Musikzimmer herumdaddeln, weil es Spaß macht. Liederschreiben sehe ich eher als Arbeit an, und dafür brauche ich den Druck, den eine Deadline mit sich bringt. Dann kann ich auch jeden Tag einen Song schreiben, so war es auch bei „Thoughtsicles“.

Und wenn so ein Album herauskommt: Hoffst du, der sehr erfolgsverwöhnt ist, dass der kommerzielle Durchbruch schnell passiert?

Natürlich wünsche ich mir, dass wir mit Mint Mind auch außerhalb von Deutschland, Österreich und der Schweiz stattfinden können. Aber ich bin kein Snob, der nur vor Tausenden von Leuten auftreten will. Jede Publikumsgröße ist gut, ich freue mich auch sehr über 150 Menschen vor der der Bühne.

Komet: Erichstraße 11 (St. Pauli), 27.+28.2., 22 Uhr


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Deeper: Die Tiefen der Musik

Der Künstler Ludwig Mausberg ist Teil des Labels The Crate. Dessen Reihe Deeper feiert im Februar Jubiläum. In SZENE HAMBURG spricht Mausberg über sein neues Album „Get Free“, Digging in Zeiten von Internet und die Hamburger Veranstaltungsszene.

Interview: Ole Masch

 

SZENE HAMBURG: Ludwig Mausberg, was ist Deeper?

Ludwig Mausberg: Es ist die Party unseres Labels The Crate, welches Tobi, Amran, Sascha und ich zusammen haben. Als Reihe funktioniert Deeper als genreübergreifendes Konzept, alle zwei Monate, wo an einem Abend viele verschiedene Musikrichtungen gespielt werden können. Aber ohne Willkür, sondern in einer Art Kanon, der sich beim Schallplattensuchen herausbildet.

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Lebensinhalt Vinyl: Ludwig Mausberg

Wie meinst du das genau?

Man hat irgendwann eine Landkarte von Dingen im Kopf die zueinander passen. Wenn du das lange machst, blendest du Genres völlig aus, kannst Dinge abstrahieren und einzelne Richtungen miteinander mischen. Da hört sogar ein Laie den Zusammenhang. Die Idee von Deeper: eine tiefere Auseinandersetzung mit Zusammenhängen in der Musik.

Klingt hochtrabend …

Ja, aber es ist ganz simpel. Es geht darum Gemeinsamkeiten in unterschiedlichen Sachen zu finden. Deswegen lege ich auch so gerne mit Sascha vom Bluesleeve Select Store auf, der unter Block Barley Musik macht. Wir beide sind der feste DJ-Part von Deeper und haben ein ähnliches Verständnis. Es wird da keine Technomusik geben, sondern wir wollen einen Party-Kontext erschaffen, den es sonst nicht gibt.

Wo feiert ihr?

Unsere feste Location ist im Frappant. Wir sind manchmal im Nachtasyl, waren auch schon in der Astra Stube. Mit Little Deeper lege ich außerdem an ausgewählten Abenden im Golden Pudel Club auf. Im Februar hat Deeper zweijähriges Jubiläum. Für die Nacht laden wir zwei besondere Gäste ein, die ich heute noch nicht verraten kann.

Wie bist du zur Musik gekommen?

Wenn man es genau nimmt, bin ich aus einem klassisch geprägten Umfeld. Mein Vater hatte als Musiker in der DDR Berufsverbot und ist Pfarrer geworden. Mit acht Jahren lernte ich bereits mein erstes Instrument, Trompete. Meinen ersten Schallplattenspieler hatte ich mit 14.

Was für Musik hörst du?

Durch die Scheiben meiner Eltern, mochte ich Tangomusik sehr. Von dort bin ich zum Soul und HipHop gekommen. Aber Musik hat mich immer insgesamt interessiert. Sachen anhören und alles durchforsten. Ich habe nicht nur hier und dort mal reingehört, sondern immer komplett abgegrast und alle Infos zusammengetragen. Am Anfang war das ja noch ohne Internet.

Ist der Spaß am „Durchforsten“ damit verloren gegangen?

Nein, es ist nur ein krasserer und schnellerer Prozess geworden. Ich mache genau das Gleiche, nur viel effektiver als früher. Es ist wie bei jemanden, der an einer Goldmine sitzt. Wenn er weiß, wo etwas zu suchen ist, dann findet er was.

Ich verbringe in der Woche mindestens fünf bis acht Stunden um Musik rauszufinden. Was du konstant machst, kann dich selber mit Dopamin, also mit Glücksgefühlen versorgen.

 

„Ein Sinnfindungsspiel auf Schallplattenlänge“

 

Im April erscheint dein achtes Album „Get Free“. Was wird darauf zu hören sein?

Es wird ein Konzept-Album mit instrumentaler HipHop-Musik auf Vinyl. Wir haben verschiedene Instrumente eingespielt. Timo Eilbek ist mit Saxofon vertreten. Der Jazzmusiker Leon Raum spielt Schlagzeug und es gibt einen vokalen Gastbeitrag der Sängerin Alisa von Shi Offline.

Was bedeutet der Schlüssel auf dem Cover?

Auf dem Album sind überall kleine Aussagen versteckt. Durch sie kann man darüber nachdenken, wo man rein will, wo man raus will. Ob man den richtigen Schlüssel für die falsche Tür findet oder umgekehrt. Einfach mal
die Chance nutzen, für 16 Minuten pro Seite das Internet und Telefon auszumachen, nicht an die Tür zu gehen und sich Zeit nehmen, über solche Dinge nachzudenken. Ein Sinnfindungsspiel auf Schallplattenlänge.

Wo gibt es das Album?

Man findet es in Hamburger Schallplatten Läden wie Hanseplatte oder der Plattenrille.

Warum released du auf Vinyl?

Es ist einfach der Inhalt meines bisherigen Lebens. Meine ganze Wahrnehmung, wie ich die Welt kennengelernt habe, hat viel mit Schallplatten, mit Plattenläden und den Menschen dort zu tun. Ich bin kein Dogmat, aber es gehört zur mir und hat mich ganz gefangen. Vieles kann ich darüber besser verstehen.

In der Schnelllebigkeit irgendwelcher Releases ist es für mich wichtig, dass ich meine ganzen Gefühle, die ich zu dem Album hatte, in einem finalen Medium abfeiern kann. Es ist was Abgeschlossenes und fühlt sich kompletter an.

 

 

Auch beim Auflegen? 

Ja, total. Man baut eine Beziehung auf. Seit der ersten Schallplatte war es ein Wunsch, ein Teil von dieser Welt zu sein. Mittlerweile weiß ich, wie ich mich darin am besten ausdrücken kann.

Du bist seit drei Jahren in Hamburg. Hast vorher unter anderem in Dresden und Berlin Partys gemacht. Wie erlebst du die Veranstalterszene?

Tatsächlich mache ich seit 2008 Veranstaltungen und mittlerweile weiß ich, was ich alles nicht möchte. Es gibt immer die Möglichkeit irgendeine Bediener-Veranstaltung zu machen. Und in Zeiten von Clubsterben ist der Erlebnisfaktor ein größerer Punkt geworden, um die Leute vom Hocker zu holen. Aber ich weiß ganz sicher, dass ich lieber mit einer kleineren Crowd glücklich bin, wo alle cool sind.

Kulturelles Angebot besteht aus Vielfalt. Wir spielen bei Deeper nicht jedes Mal die gleiche Musik. Im Grunde ist eher das Zeil, dass beim nächsten Mal was völlig anderes läuft. Das ist auch so eine Art Wettbewerb zwischen den DJs.

Ist Wettbewerb auch sonst ein großes Thema im Hamburger Nachtleben?

Ähnlich wie in vielen anderen Städten auch, mit einem entscheidenden Twist. Ich glaube die Leute sind sich nicht darüber bewusst, wie viel und gut sie hier miteinander auskommen und miteinander arbeiten. Jemand, der hier länger wohnt, sieht vielleicht mehr die Konkurrenz und das jeder sein eigenes Süppchen kocht.

Da sollte man mal woanders sein. Vielleicht braucht alles immer ein bisschen Zeit, aber die Herzlichkeit und die Art und Weise, wie unangestrengt Leute in Hamburg miteinander Dinge machen, habe ich so noch nie woanders erlebt.

Frappant: Bodenstedtstraße 16 (Altona), Deeper: 22.02.2020, 23 Uhr


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Hamburger des Monats – Kübra Gümüşay von „eeden“

In einem Hinterhof an der Stresemannstraße entsteht „die erhoffte Realität schon jetzt“, sagt Kübra Gümüşay. Sie gehört zu den Gründerinnen von „eeden“, das in der Schanze zum Jahresbeginn als ein Netzwerk, Denk- und Arbeitsraum für engagierte Frauen eröffnet hat. In einer der ersten Veranstaltungen hat die Feministin dort mit der Grünen Renate Künast über Hass und Hetze im Internet gesprochen. Ein Gespräch mit der 32-jährigen Autorin und Journalistin über Sprache, den „Sisters’ March“ und ein starkes Zeichen des Kultursenators

Interview: Matthias Greulich

 

SZENE HAMBURG: Kübra, was wollt ihr mit „eeden“ erreichen?

Kübra Gümüşay: „eeden“ ist ein experi­menteller Ort, an dem wir Menschen, die in ihren jeweiligen Bereichen visionäre Arbeit machen und gesellschaftliche Verantwortung übernehmen, zusammenbringen und sie gemeinsam nach neuen Lösungen suchen für die Herausforderungen unserer Zeit. Dabei wollen wir es uns nicht leicht machen.

Denn es reicht in diesen aufgewühlten Zeiten nicht, nur reaktiv zu sein. Ja, es ist wichtig, für eine plurale Gesellschaft einzustehen. Haltung zu zeigen. Das ergibt aber nur temporär Sinn. Wenn wir dauerhaft da­mit beschäftigt sind zu reagieren und lediglich versuchen, stagnieren wir als Gesellschaft. Es geht jetzt um was.

Hast du konkrete Beispiele?

Momentan arbeiten wir daran, Strukturen zu schaffen, in denen neue Formen der Begegnung, der Zusam­menarbeit und des gemeinsamen Denkens experimentiert werden können. Aber auch daran, den Zugang zu gesellschaftlichem Engagement zu erleichtern und mehr Menschen dazu zu bewegen, Verantwortung zu übernehmen.

Beispielsweise, als wir 2017 den „Sisters’ March“ organisierten, gingen sehr un­terschiedliche Gruppen gemeinsam auf die Straße – nicht nur gegen die gegen­ wärtige Politik, sondern für die Werte unserer Demokratie, für die Umsetzung demokratischer Ideale. Es war ein Miteinander, das vielen Hoffnung und Mut gemacht hat. Das wollen wir mit „eeden“ verstetigen.

Gründerinnen sind neben dir die Musikerin und Stiftungsbeirätin von „Viva con Agua“ Onejiru Arfmann und Art Directorin Jessica Louis. Wie habt ihr Kultursenator Carsten Brosda von euren Plänen überzeugt, immerhin unterstützt die Kulturbehörde „eeden“ in der Startphase in diesem Jahr mit 100.000 Euro?

Der Kultursenator hat damit ein sehr starkes Zeichen gesetzt. Schon vom ersten Moment an hat er verstanden, worum es uns bei „eeden“ geht und weshalb es gerade jetzt in diesen Zeiten dringlichst Räume braucht, in denen die Zivilgesellschaft neu, offen, zweifelnd und selbstkritisch denken und nach neuen Antworten für die Herausforderungen unserer Zeit suchen kann – statt so zu tun, als gäbe es auf alle großen Fragen klare, absolute Antworten. Diese Unterstützung macht über „eeden“ hinaus Mut, Visionen zu formulieren, zu experimentieren und in einen zugewandten öffentlichen Austausch zu gehen.

 

„Ich vermisse die Lust am Andersdenken“

 

Du bist vor fünf Jahren wieder zurück aus Oxford nach Hamburg gezogen. Wo bist du aufgewachsen?

In meinen ersten Lebensjahren habe ich in Altona gewohnt, dann in Billstedt. Hamburg ist eine sehr schöne Stadt. Es gibt viele Inseln von inspirierenden, engagierten Menschen. Meine Familie und viele meiner Freunde sind hier. Ich fühle mich inzwischen wieder in Hamburg zu Hause. Aber es ist mir manchmal etwas zu träge und zu gemütlich.

Im Vergleich zu London und Oxford vermisse ich die Lust am Andersdenken, generell Dinge zu über­denken, zu hinterfragen oder anders zu machen. Ebenso die Freude am Über­fordertsein. Aber das ändert sich nun hoffentlich durch „eeden“ und zahl­reiche andere Initiativen, denn wir sind natürlich nicht die einzigen, die sich um neue Räume bemühen.

Gerade ist dein Buch „Sprache und Sein“ erschienen. Darin zeigst du Wege auf, wie Menschen weniger hasserfüllt kommunizieren können.

Ja, denn die gegenwärtigen Debatten sind von Destruktivität geprägt. Wir hören absolute, vermeintlich zu Ende gedachte Antworten, die keinen Erkenntnisgewinn bringen, und lediglich gegeneinander antreten und um die Gunst des Publikums buhlen. Diese Art von Inszenierung erleben wir auch im Alltag.

 

„Sprache öffnet uns die Welt“

 

In meinem Buch gehe ich auf die Suche nach den Gründen und beschreibe die Architektur unserer Diskurskultur – aber auch die Architektur der Sprache, welchen Einfluss sie auf unsere Wahrnehmung und unser Denken hat. Denn Sprache ist nicht neutral. Sprache öffnet uns die Welt, sie grenzt uns aber auch ein. Sie formt uns und unseren Blick auf die Welt.

Wie sehr prägen Hassbotschaften im Internet inzwischen den Diskurs?

Mein öffentliches Schreiben wurde sehr früh von Hass und Morddrohun­gen begleitet. Schon vor zehn Jahren, als Kolumnistin bei der „taz“, fanden sich stets hasserfüllte Kommentare unter meinen Texten. Als ich, aber auch zahlreiche andere Autoren, die davon betroffen waren, dies thematisierten, wurde uns kaum Gehör geschenkt.

Inzwischen sind auch andere Bevölkerungsteile davon betroffen und der Hass wird nicht mehr derart normalisiert, die Sorgen etwas ernster genommen. Was lernen wir aber daraus? Zum einen, dass man marginalisierten Gruppen früher hätte zuhören müssen. Die zweite Lehre ist: Die Hassenden haben nicht einfach nur das Ziel, die Betroffenen einzuschüchtern. Nein, es geht viel­ mehr darum, diejenigen zu beeinflussen, die mitlesen. Das Publikum. Da­durch vermitteln sie den Eindruck, bestimmte Personen oder Themen seien zu provokant, zu marginal für die Mitte unserer Gesellschaft. Und der Diskurs wird dadurch künstlich verschoben.

eeden GmbH + e.V.: Stresemannstraße 132a (Altona-Nord)
www.ein-fremdwoerterbuch.com


Szene_Hamburg_Februar_2020_Cover SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Februar 2020. Das Magazin ist seit dem 30. Januar 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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TBA // To be announced: Eine Bar mit Nachbarschafts-Feeling

TBA // To be announced: Die schönste Bar ist die eigene Bar, dachten sich die Nachbarn eines Ottenser Hinterhofs – und müssen für das Feierabendbier seitdem nicht mehr weit laufen

Text: Sophia Herzog

 

Möllers, Aurel, Familien-Eck – Ottensen hat viele Bars, die schon seit Jahren fest zur Flaniermeile des Stadtteils gehören. Die besten Schätze verstecken sich meistens aber in den hintersten Ecken: Das TBA // To be announced liegt in einem Hinterhof in der Gaußstraße, eingenistet zwischen Musikschule, Medienagentur und Architekturbüro.

Im Winter knistern hier die Holzscheite in der Feuertrommel, im Sommer stehen die großen Fenster Richtung Hinterhof weit offen, Lampions hängen in den Büschen. „Das Kopfsteinpflaster, die beleuchteten Bäumchen, das ist schon schön“, findet Inhaberin Hannah Bender. Die gelernte Veranstaltungskauffrau eröffnete das TBA 2015 – allerdings nicht im Alleingang. „Die Idee entstand unter Nachbarn“, erinnert sie sich. Gemeinsam mit den Architekten aus dem Büro nebenan setzte sie sich sowieso häufiger abends für ein paar Drinks zusammen. „Warum dann nicht einfach selbst eine eigene Bar aufmachen?“ Gesagt, getan: Mit den Architekten als Gesellschaftern ist Bender seitdem stolze Besitzerin ihres eigenen Lokals.

 

Den „Kleinen Freitag“ zelebrieren

 

Das Nachbarschafts-Feeling der Gründungszeit ist bis heute geblieben: Nach wie vor würde sie mit allen ansässigen Mietern im Hof ein sehr herzliches Verhältnis pflegen, erzählt sie. Inzwischen wird die Bar aber auch von Nicht-Ottensern fleißig besucht. „Das gemütliche Nachbarschaftsgefühl geben wir dann natürlich an unsere neuen Gäste weiter.“

An vielen Abenden vermietet Bender die Bar für Veranstaltungen an Privatpersonen, nicht wegzudenken ist aber der traditionsreiche „Kleine Freitag“ – das gemütliche Beisammensitzen am Donnerstagabend, natürlich inklusive Feierabendbier.

TBA // To be announced: Gaußstraße 136 (Ottensen)


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