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Kultursommer Hamburg: Abschluss mit Pauken und Trompeten

Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher und Kultursenator Dr. Carsten Brosda feiern mit Hamburger Publikum das Ende des Kultursommers bei einem lauen Sommerabend auf dem Rathausmarkt

 

Mit einer vom Generalmusikdirektor Kent Nagano dirigierten Hommage an Jacques Offenbach endete das Festival offiziell. Bürgermeister Peter Tschentscher und Kultursenator Carsten Brosda genossen als Zuhörer den trockenen Abend auf dem Rathausmarkt.

Um die 1.800 Veranstaltungen unter freiem Himmel hatten seit Mitte Juli in einer Vielzahl von Hamburger Spielstätten, darunter viele ungewöhnliche Orte in den Bezirken, stattgefunden. Nun richtet sich der Blick auf den kommenden Herbst, wenn Kultur wieder drin stattfinden soll.

 


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Carsten Brosda: „Wir müssen unsere Geschichten besser erzählen“

Mit Unterstützung der Hamburger Band Das Weeth Experience trat Kultursenator Dr. Carsten Brosda im Rahmen des Kultursommers auf der Rollschuhbahn Planten un Blomen auf und laß aus seinen Schriftstücken vor

Text: Isabel Rauhut

 

Den sommerlichen Freitagabend am 23. Juli auf der Bühne an der Rollschuhbahn Planten un Blomen eröffnet die Band Swearing at Motorists. Nach einer gerissenen Gitarrensaite und guten Sprüchen betritt im Anschluss an die Vorband Carsten Brosda mit Band die Bühne. Hamburgs Kultursenator ist neben seiner politischen Arbeit auch als Schriftsteller tätig. Drei Bücher zum Stand der Republik, Kunst, zum Thema Digitales und Rechtsautoritäres hat er bereits veröffentlicht. Carsten Brosda laß dem Publikum im Rahmen der Konzertreihe „Knust2go“ beim Kultursommer Hamburg mit musikalischer Begleitung von Das Weeth Experience vor.

 

Musik und Literatur

 

Der Plan, Improv-Instrumentalmusik simultan mit einer Lesung zu kombinieren, entstand während des Frühjahr-Shutdowns 2020. Das Weeth Experience ist die Band der beiden Michelle Records Macher Christof Jessen und Andre Frahm – dem Hamburger Plattenladen in dem sich Herr Brosda beim Plattenstöbern gern mal vom Regieren erholt. Und da kommt man dann beim Schnacken auf künstlerische Ideen.

Gegründet in den frühen 1990er Jahren war die Hamburger Band Das Weeth Experience auf der ganzen Welt unterwegs. Mehrere US-Tourneen führten zu Freundschaften mit Bands wie Yo La Tengo oder Giant Sand. Bands, mit deren musikalischem Ansatz sich die Band eher verbunden fühlte, als mit vielem Heimischen. Aktuell ist eine fünfte Platte in Vorbereitung.


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Hamburger Kultursommer: Carsten Brosda im Interview

Der Senator der Behörde für Kultur und Medien, Carsten Brosda, über den Kultur-Neustart, den Hamburger „Kultursommer“ und die Vorfreude auf einen ganz bestimmten Live-Kultur-Moment

Interview: Erik Brandt-Höge

 

Zweiundzwanzig Millionen Euro ist dem Senat der Kultur-Neustart wert. Ein Teil davon fließt in den Hamburger „Kultursommer“, für den allerhand Veranstalter und Künstler gefördert werden und die Stadt vom 15. Juli bis 16. August mit kulturellen Leben fülle.

SZENE HAMBURG: Carsten Brosda, der „Kultursommer“ steht an. Welche Aufgaben haben Sie im Vorfeld zu erledigen?

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Foto: Bertold Fabricius

Carsten Brosda: Erst mal haben wir uns im Senat darauf verständigt, dass wir einen „Kultursommer“ machen wollen. Jetzt kümmern sich die Kolleginnen und Kollegen in der Behörde zusammen mit Stadtkultur Hamburg und den zahlreichen Veranstaltern um die Umsetzung.

Ich freue mich, dass sich insgesamt über 200 Veranstalter beworben haben und über 100 Konzepte für eine Förderung ausgewählt wurden. Es geht nun darum, dass diese mehr als 100 Orte auch bespielt werden können, und darum Künstlerinnen und Künstler, die sich für die freien Slots beworben haben, mit den Veranstaltern zusammenzubringen.

Ich bin momentan vor allem damit befasst, die Rahmenbedingungen für den Neustart zu klären und allen Beteiligten Zuversicht zu vermitteln, dass es ein richtig praller, kulturvoller Sommer werden kann.

Wer hat denn bestimmt beziehungs­weise wer bestimmt noch, wer gefördert wird – und mit welchem Betrag?

Wir mussten mit einer relativ sportlichen Antragsfrist zur Bewerbung aufrufen, damit der Kultursommer kein Kulturherbst wird. Dann gab es eine Jury, die die Förderungen beschlossen hat. Darin saßen ein Vertreter der Kulturbehörde sowie Vertreterinnen und Vertreter der verschiedenen kul­turellen Sparten. Ziel war es, gemeinsam mit Partnerinnen und Partnern zu entscheiden, die das kulturelle Leben in der Stadt gestalten. Den „Kultursommer“ haben wir uns auch ein bisschen aus Wien abgeguckt, wo es im vergangenen Jahr etwas Ähnliches gegeben hat.

 

Geldfluss

 

Vom Senat werden 22 Millionen für den Neustart der Kultur ausgegeben. Ist das in Ihren Augen ausreichend für eine so große Kulturstadt wie Hamburg?

Es ist ein Baustein von vielen. Seit Beginn der Pandemie haben wir allein in Hamburg rund 100 Millionen Euro ausgegeben, um Kultur zu fördern. Das betraf sowohl die Soforthilfen, als auch das Aufstocken von bestehenden Förderinstrumenten, den Defizitausgleich von Institutionen, und, und, und. Nach diesen Logiken wird auch weiter Geld fließen.

Die 22 Millionen sind jetzt dafür da, in diesem Sommer besonders darauf aufmerksam zu machen, dass kulturelles Leben wieder geht, und dieses auch zu ermöglichen. Von den 22 Millionen fließt ja nicht alles in den „Kultursommer“, sondern zum Beispiel auch in weitere Live-Veranstaltungen sowie in Festivals, die im August, September und Oktober stattfinden sollen, und das unter Umständen noch unter Pandemiebedingungen.

Wir wollen auch in diesem und im nächsten Jahr der Kultur dabei helfen, auch zu veranstalten, wenn die Bedingungen noch nicht so sind, dass es sich wie vor der Pandemie rechnet.

Waren und sind Sie auch mit der Schnelligkeit der Hilfen für Kulturschaffende zufrieden?

In Hamburg hatten wir das erste Förderprogramm bereits Ende März letzten Jahres fertig, dann begannen auch die Auszahlungen. Zu einem Zeitpunkt, als überall sonst in Deutschland noch darüber diskutiert wurde, wie Förderprogramme überhaupt aussehen könnten, hatten hier zum Beispiel schon Clubs und Theater die Zusicherung einer Förderung.

Zudem haben wir in Hamburg eine Sofort­hilfe von 2.500 Euro und eine Neustart-Prämie von 2.000 Euro für Künstler ausgezahlt sowie viele Einzelprogramme aufgelegt, etwa einen Gagenfonds für Musikerinnen und Musiker.

Kritisiert haben Sie hingegen Anfang des Jahres das Bundeswirtschafts­ministerium für dessen verspätete Hilfeleistungen.

Auch andere haben das Bundeswirtschaftsministerium damals etwas angezählt, weil das Programmieren der Überbrückungshilfen und die Möglichkeiten, diese zu beantragen, teilweise recht lange gedauert haben. Das hat zu existenzbedrohenden Lücken geführt.

Haben Sie die Wertschätzung von Kultur auf Seiten des Bundes manchmal angezweifelt?

Zunächst muss man sagen, dass der Bund für Kulturpolitik nicht primär zuständig ist. Insofern bin ich mit Vorwürfen vorsichtig. Unter an­de­rem mit seinen Neustart-Kultur­paketen, dem jetzigen Sonderfonds, den Überbrückungshilfen und der Neu­­startprämie von bis zu 7.500 Euro für Solo-Selbstständige hat der Bund viele wichtige und sinnvolle Instrumente geschaffen. Eine Sorge allerdings habe ich, nämlich dass Kultur in ihrem Eigenwert nicht immer richtig verstanden wurde.

 

„Kommen die wieder?“

 

Woher stammt diese Sorge?

Daher, dass der besondere Wert der Kultur zum Beispiel beim so genannten „Lockdown Light“ und bei der Notbremse nicht ausreichend berücksichtigt wurde. Da bekommt man schon ein bisschen das Gefühl, dass Kultur für manche etwas ist, dass man mal mitmacht, wenn die Zeiten gut sind, und wenn sie schlecht sind, kann man’s auch lassen. Dieser Gestus hat einige aufgeregt, mich auch.

Ich erinnere mich noch gut an den Gottesdienst der Künste, den wir im Thalia Theater am letzten Tag der möglichen Öffnungen abgehalten haben. Es hat ein ganz buntes, genreübergreifendes Programm gegeben. Man spürte deutlich, dass sich viele Künstlerinnen und Künstler nicht ausreichend gesehen fühlten. Es wäre schön gewesen, wenn die Politik mehr reflektiert hätte, was bestimmte Entscheidungen bezüglich Kultur für die Gesellschaft bedeuten. Das müssen wir nachholen.

Fakt ist: Die Pandemie hat in der Hamburger Kulturlandschaft Spuren hinterlassen. Wo sehen Sie im Moment die größten Beschädigungen?

Tatsächlich wissen wir das noch nicht genau. Was wir wissen, ist, dass wir in bestimmten Bereichen, in denen wir sonst nicht fördern, weil wir dort in normalen Zeiten gar nicht gebraucht werden, in Krisenzeiten Hilfen geben konnten – aber eben nicht an jeder Stelle.

Wir bekommen ja oft auch erst in den Momenten des Wiederaufmachens mit, dass jemand nicht mehr da ist. In Berlin hat eine Umfrage gezeigt, dass ein Drittel der professionellen Musi­kerinnen und Musiker mittlerweile etwas anderes machen und möglicherweise nicht mehr in den Musikbereich zurückkehren werden. Es wäre dramatisch, wenn sich eine solche Zahl auch in Hamburg zeigen würde.

Die Beschädigungen sind sicherlich dort am größten, wo es nicht um Institutionen, sondern um einzelne, freie Künstlerinnen und Künstler geht. Die Frage ist: Kommen die wieder? Ich hoffe das sehr.

 

Glücksgefühle

 

Zeigt denn die Bewerbungsanzahl der Künstlerinnen und Künstler für den „Kultursommer“, dass in Hamburg viele weiterhin kulturell arbeiten möchten?

Ja. Sie zeigt, wie lebendig und vielfältig die Szene noch immer ist und wie sehr alle daraufhin gefiebert haben, dass es wieder losgeht. Es steht aber noch eine weitere Frage im Raum: Kommt das Publikum auch wieder? Ich hoffe sehr, dass die Begeisterung, die jetzt erkennbar ist, da etwa Theater und Museen wieder zu besuchen sind, auch anhalten und noch mehr werden wird.

Mit dem „Kultursommer“ wollen wir Lust machen, Kultur wieder im Alltag zu erleben und den Leuten zeigen, wie großartig es ist, vor einer Bühne zu sitzen oder zu stehen, auf der Leute spielen – und zwar in echt – und wenn man Teil des Ganzen ist.

Auf was freuen Sie sich persönlich beim Kultur-Neustart?

Ich freue mich darauf, wenn ich mal wieder in einem Club stehe und das passiert, was ich vor der Krise für mein Wohlbefinden nicht unbedingt immer gebraucht habe: Wenn man da ein­gezwängt vor der Bühne ist und sich links und rechts schwitzende Menschen an einem reiben. Ich kann mir vor­stellen, dass das enorme Glücks­gefühle in mir auslösen wird.

hamburg.de/bkm/hamburger-kultursommer


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Kultursenator Dr. Carsten Brosda im Interview

Der Senator der Behörde für Kultur und Medien im Kurzinterview über Hilfen und Chancen für die Hamburger Kulturlandschaft

Interview: Erik Brandt-Höge

 

SZENE HAMBURG: Herr Brosda, schon in einem der neuen Autokinos gewesen?

Leider noch nicht. Eigentlich schade, nachdem wir alle Hände voll damit zu tun hatten, die überhaupt wieder möglich zu machen.

Die Open-Air-Kultur mit Abstand ist eine Überbrückungsmöglichkeit für viele Kulturschaffende, letztlich aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Wie erleben Sie die Situation derzeit aus Senatorensicht?

Das ist schon eine extrem schwierige Zeit. Insbesondere für die vielen engagierten Künstlerinnen und Künstler und Kreativen. Es ist aber beeindruckend, wie verständnisvoll fast alle mit der Situation umgehen und wie schnell und kreativ sich viele auf die neuen Bedingungen eingestellt haben und Kultur zunächst online und nun zunehmend auch wieder live erlebbar machen.

Der Rückgang der Infektionszahlen ermöglicht es uns zum Glück jetzt, in eine neue Phase einzutreten, in der es nicht mehr nur darum geht, entstandene Verluste auszugleichen, sondern wieder vermehrt darum, Kultur zu ermöglichen. Das macht Spaß zu sehen, wie sehr alle darauf brennen, wieder auf den Bühnen zu stehen und Kultur zu erleben.

 

„Ziel ist es, Hamburg als Kulturstadt gut durch die Krise zu führen“

 

Dürfen Kulturschaffende, von großen Häusern bis Solo-Selbstständige, denn auf erweiterte Corona-Hilfsmaßnahmen des Senats hoffen?

Wir haben sehr schnell reagiert und zum Glück in Hamburg Kunst und Kultur von Anfang an bei den Hilfen mit berücksichtigt. Natürlich werden wir den Künstlerinnen und Künstlern und den Kultureinrichtungen weiterhin helfend zur Seite stehen.

Dabei wird es jetzt vor allem darum gehen, zum einen die Hilfen der Stadt klug auf das Neustart-Kulturpaket abzustimmen, das der Bund im Rahmen des Konjunkturpaketes beschlossen hat. Zum anderen wollen wir gezielt dabei helfen, wieder die Produktion von Kunst zu ermöglichen, auch wenn dies unter den Corona-Bedingungen schwieriger geworden ist.

In dieser Zeit setzt sich der Senat ja regelmäßig Etappenziele. Welches ist Ihr nächstes?

Das Ziel ist immer klar, nämlich Hamburg als Kulturstadt gut durch die Krise zu führen und künftig weiter auszubauen. Denn wir haben Kunst und Kultur so viel zu verdanken, von der Innovationskraft, die in der Kreativität steckt, bis zu den immer wieder notwendigen Interventionen durch die Kunst. Gegenwärtig sind die Etappen dadurch gekennzeichnet, das möglich zu machen, was vernünftig ist.

Nachtrag: Einmalige Hilfe in Höhe von 2000 Euro für Mitglieder der Künstlersozialkasse: Hier können Berechtigte die Neustartprämie für Künstlerinnen, Künstler und Kreative beantragen. 


Szene_Juli_2020_Cover SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juli 2020. Das Magazin ist seit dem 27. Juni 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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