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Leseempfehlungen: 4 Bücher für die Auszeit

Jetzt ist die Zeit zum Lesen. Sich entspannen und in eine fremde Welt entfliehen geht hervorragend mit diesen vier Büchern

 

Herzklappen von Johnson & Johnson

Vom Theater des Lebens

 

Wie der kanadische Soziologe Erving Goffman schon klarstellte: Wir alle spielen Theater. Das Bild unserer Identität wird auf der Bühne des Lebens sichtbar, wir pflegen unser Image, nur auf der Hinterbühne dürfen wir aus der Rolle fallen. So verhält es sich auch in der Familie der kleinen Alma aus Valerie Fritschs neuem Roman „Herzklappen von Johnson und Johnson“.

herzklappen-fritsch-coverDie Kindheit des Mädchens ist durchsetzt von quälender Sprachlosigkeit, ihre Eltern und Großeltern scheinen eigens für sie Theater zu spielen. Insbesondere ihr Großvater beansprucht das Schweigen für sich: „Der Krieg hatte sein Leben in ein Davor und Danach geteilt.“ Erst im Erwachsenenalter entwickelt Alma eine „späte Liebe“ zu ihrer Großmutter, die das Schweigen der Familie bricht und über die Kriegsverbrechen des Großvaters berichtet.

Alma, inzwischen Ehefrau und Mutter, fasziniert die Leidensgeschichte der Großmutter. Gleichzeitig wächst ihre Sorge, ihr Sohn Emil könnte ebenso kalt und berechnend werden wie der Großvater – zumal Emil mit einem Gendefekt zur Welt kommt, der ihn keinen Schmerz spüren lässt. Wie kann man jemandem, der sich zu Demonstrationszwecken Stifte in den Arm rammt, das Schmerzempfinden anderer Menschen nachvollziehen lassen? Hier setzt sich das Theaterstück auch in der vierten Generation fort: Emil inszeniert, er lernt auswendig und setzt in den passenden Momenten ein schmerzverzerrtes Gesicht auf.

Fritsch besticht mit ihrer altmodischen und lakonischen Sprache. Die von der Grazer Autorin und Fotografin entworfenen Szenen sind wie vergilbte Polaroidfotos, welche die skurrilen Momente mit präzisem Blick umso klarer aufzeigen. Am Ende steht der große Aufbruch bevor, die Suche nach dem Ursprung des Familienschmerzes. Fritsch arbeitet hierbei mit kräftigen, mystischen, teils dystopischen Naturbeschreibungen. „Herzklappen von Johnson & Johnson“ ist ein Buch über Lebensrollen, über Empathie und vererbtes Schweigen. Fritsch selbst wird dabei ihrer Rolle als Schriftstellerin mehr als gerecht – mit eindringlichen Motiven und ungewöhnlichen Sprachbildern. Nach dem Zuklappen möchte man den Roman noch einmal lesen, die Sätze aufsaugen, wie ein Gedicht auswendig lernen und im Geiste nachhallen lassen.

/ Ingrun Gade

Valerie Fritsch: „Herzklappen von Johnson & Johnson“, Suhr- kamp, 174 Seiten

 

Fehlstart

Houellebecqs Erbin?

 

Marion Messinas Debütroman „Fehlstart“ wurde verkaufsfördernd als das neue „Ausweitung der Kampfzone“ angekündigt. Die Berechtigung des Houellebecq-Vergleichs liegt im Thema: die Übertragung der ökonomischen Marktlogik auf andere Lebensbereiche.

fehlstart-coverAurélie ist 18, als erste aus ihrer Familie hat sie das Abitur gemacht. Das Studium entpuppt sich für sie als trostlose Angelegenheit. Aurélie kann sich nicht einfügen, sie beherrscht nicht den Habitus der vergnügungssüchtigen „Bürgerkinder“ mit „netten Gesichtern ohne Zukunftsangst“. Messina beschreibt pointiert und kühl die Anarchie des Wohnungsmarktes, die unterschwelligen Codes des Bürgertums, die zum Bestehen auf dem Arbeitsmarkt gehören, die Lieblosigkeit der Fun-Kultur und die Selbstausbeutung des akademischen Prekariats.

Leider opfert sie im Laufe ihres Romans die Form der politischen Botschaft. Die Analysen werden unmotiviert in die Monologe der Nebenprotagonisten gepresst, die Sprache wird unpräzise, Messina greift auf schwammige Superlative („grenzenlos“) zurück. Die schlafwandlerische Klarheit, die in Houellebecqs boshafter, gekonnter Mischung aus Erzählung und essayistischen Exkursen liegt, hat Messina nicht.

/ Ulrich Thiele

Marion Messina: „Fehlstart“, Hanser, 168 Seiten

 

 

Ganz nebenbei

Woody Allens Memoiren

 

Was für ein Wirbel: Menschen protestierten, Autoren boykottierten, der amerikanische Verleger stoppte die Veröffentlichung. Der Rowohlt Verlag hingegen publizierte trotz des Protests einiger seiner Autoren. „Apropos of Nothing“, in der deutschen Variante: „Ganz nebenbei“ – passend zum koketten Understatement des New Yorker Filmemachers Woody Allen. Sein Nimbus als Drehbuchautor und Regisseur ist – unabhängig von den privaten Anschuldigungen – unbestritten. Umso neugieriger stürzten sich Kritiker wie Fans auf sein Werk.

woody-allenEines vorweg: Das Buch ist eine Verweigerung aller modernen Lesegewohnheiten. Es gibt keine Kapitel, keine Zwischenüberschriften, nur Absätze und alle 30 bis 40 Seiten auch mal ein Initial. Woody Allen mutet dem Leser durchaus was zu. Doch schon nach wenigen Zeilen wird deutlich, dass er sein Handwerk – das Schreiben – versteht.

Es ist, als säße Woody Allen vor einem, an seinem Schreibtisch, in seinem Appartement in Manhattan, an seiner geliebten Olympia-Schreibmaschine: „Ich schweife wieder ab.“. „Wo war ich stehengeblieben?“ Allen schreibt wie er denkt – und so liest sich das Buch: sprunghaft, witzig, launisch. Mal ist er misanthropisch, mal euphorisch, mal herablassend, mal vernichtend.

Wer auf neue Erkenntnisse zum Missbrauchsvorwurf hofft, wird enttäuscht: Auf etwa 50 Seiten kaut Allen seinen bereits bekannten Standpunkt noch einmal ausführlich wieder. Ansonsten führt er in kurzen, griffigen Sätzen durch sein Leben, beginnend bei seiner Kindheit in Brooklyn. Viele Fragen werden anekdotisch beantwortet: Was treibt ihn an? Welche Frauen mochte er? Wer hatte Einfluss auf seine Filmkarriere? Welche Filmdrehs mochte er? Welche nicht? Das ist stellenweise trivial, dann wieder bewegend, hin und wieder auch deplatziert – aber stets in charmantem Allen-Stil vorgetragen. Wer eine kritische oder gar intellektuelle Selbstreflexion erwartet, wird enttäuscht. Wer schlichtweg eine fiese und zugleich unterhaltsame Erzählung eines „zum Filmemacher mutierten Witzboldes“ erwartet, wird seine Freude haben.

/ Marco Arellano Gomes 

Woody Allen: „Ganz nebenbei“, Rowohlt Verlag, 448 Seiten

 

 

Naturtrüb

Dadaistisches Bandtagebuch

 

Ei, ei, ei! Eigentlich ist damit das Buch schon ganz gut zusammengefasst. Tatsächlich ist überdurchschnittlich häufig die Zubereitung von Eierspeisen Thema dieser Sammlung abwechselnd geschriebener Tagebucheinträge mit dem schönen Titel „Naturtrüb“. Naturtrüb ist ja quasi das back to nature des kleinen Mannes, und auch die vier Männer über 50 – als da wären „Reverend“ Christian Dabeler, Timur Mosh Çirak, Gereon Klug und Maurice Summen – haben sich selbst für einige Tage in die Natur zurückgezogen, um eine Band zu gründen. Was erst mal etwas heikel klingt, gestaltet sich erfreulicherweise viel weniger schmierig als ihr Bandname OIL. Im Gegenteil, eher etwas trocken, geradezu sandig rieseln die vielen subjektiven Eindrücke ins Getriebe der Bandgründung und bringen sie hier und da ins Stocken.

naturtrübZu Beginn kreisen die Gedanken noch um die anderen Bandkollegen: „Er (Reverend Christian Dabeler, Anm. d. Red.) will das Sagen haben, den Hut aufhaben, ist Macher und Bestimmer. Das kommt aus seiner Jugend. Alles kommt aus seiner Jugend. Sein beschränkter Musikgeschmack, sein Essensgeschmack, sein Stilgeschmack. Alles hat sich seit seiner Adoleszenz nicht mehr verändert. Und er ist stolz darauf, hält Blues für die Wiege der Menschheit und Wurzel von allem.“ Doch mit der Zeit werden die Gedanken deeper: „Ich kann gar nicht mehr schnell gehen. Ich hab es mir irgendwann abgewöhnt, vielleicht aus Snobismus. Sich wie ein Dienstbote beeilen zu müssen, ist einfach nur grauenvoll. Selbst beim Autofahren stelle ich mir lieber vor, ich würde stillstehen und die Welt um mich herum bewegt sich wie Weltraumschrott an mir vorbei. Das beruhigt mich“, schreibt besagter Reverend an einer Stelle.

Und dann ist da ja noch die Bandhündin Emma, die ihr ganz eigenes Abenteuer erlebt … Am Ende entstehen Songs mit Titeln wie „Derogation“, „Frack it“ oder „Wichsbold“, und man muss die Musik nicht mögen – aber das Buch, begleitet von diversen Zeichnungen, die den ganzen Wahnsinn dieser Unternehmung bebildern, geht direkt ins (Tomaten-)Mark der eigenen nichtigen Existenz.

/ Julia Kleinwächter

Die Gruppe OIL: „Naturtrüb“, Verbrecher Verlag, 224 Seiten


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Mai 2020. Das Magazin ist seit dem 30. April 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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„Bitte helft uns dabei, zu überleben“

Beim ersten Altonaer Kneipen-Krisengipfel appellierten Wirte an Politiker

Die Woche startete spannend – zumindest aus Sicht von Altonas Wirten. Beim ersten Altonaer Kneipen-Krisengipfel hatten Gastronomen in die Ottensener Laundrette geladen, um Politikern aus allen in der Altonaer Bezirksversammlung vertretenen Fraktionen (CDU, SPD, Grüne, FDP, Die Linke) die Notwendigkeit von Außenflächen vor Augen zu halten. Stephan Fehrenbach, Inhaber der Laundrette: „Meine klare Bitte an die Politiker lautet: Bitte helft uns dabei, zu überleben, macht euren Job und verstrickt euch nicht weiterhin in parteipolitische Debatten. Wir brauchen heute eine Zusage von weiteren Außenflächen, sonst wird es uns morgen nicht mehr geben.“

Hintergrund: Gefordert wird von den Gastronomen zunächst keine finanzielle Unterstützung, sondern eine schnelle, unbürokratische und bis zum 31.12.2020 befristete Genehmigung von Außenplätzen (z.B. auf Parkflächen), damit ihnen zumindest eine Chance gegeben ist, wirtschaftlich über die Runden zu kommen.

Und was sagten die in der Laundrette anwesenden Politiker? Die erklärten geschlossen, ihren Einfluss im nächsten Hauptausschuss der Bezirksversammlung Altona (am Donnerstag, den 9. Juli) geltend zu machen, sich also für die Wirte einzusetzen. Außerdem wollten die erschienenen Fraktionsmitglieder den Druck auf die verantwortlichen Verwaltungseinheiten, etwa Polizei und Wegewarte, erhöhen, um mehr Beweglichkeit und Flexibilität bei der Antragsbewilligung zu erreichen. Bleibt abzuwarten, ob Wort gehalten und den Altonaer Wirten auch wirklich geholfen wird. / EBH 

Laundrette Hamburg 

 

 

 

Interviews: Wie geht es den Hamburger Kulturschaffenden?

Wir haben mit Kulturschaffenden darüber gesprochen, wie sie mit der für sie besonderen Schwere der Pandemie umgehen, was gerade hilfreich ist und was die Krise Gutes bringt.

Interviews: Erik Brandt-Höge

 

Andrea Rothaug, Geschäftsführerin Rockcity Hamburg

Andrea Rothaug (Foto: Simon Heydorn)

SZENE HAMBURG: Mit RockCity seid ihr ein wichtiges Aushängeschild für Hamburgs Kultur, die aufgrund politisch beschlossener Maßnahmen schwer von der Krise betroffen ist. Was macht dir aktuell besonders zu schaffen?

In der Tat, die Musikszene mit Musikern, Musikfirmen und Clubs haben einen nahezu hundertprozentigen Shutdown erfahren. Sie waren die ersten, die betroffen waren und werden die letzten sein, deren Berufe wieder voll ausübbar sein werden. Der Überlebenskampf gleicht einem Windhundrennen um Förderprogramme, digitalen Umsetzungsmöglichkeiten oder betriebswirtschaftlichen Überlebensstrategien. Mich beunruhigt die fehlende Perspektive für eine ganze Branche, deren Produkte wirklich jeder Mensch, ob alt oder jung, arm oder reich, links oder rechts täglich konsumiert. Mich beunruhigt auch die Vorstellung, dass der Verlust von Vielfalt durch die Marktbereinigung, die sich nach der Krise vollziehen kann, in Kauf genommen wird. Und mich beunruhigen diese ganzen Verschwörungswahnsinnigen und der aufkommende, jetzt wirklich ganz und gar evidente weltweite Rassismus, der den Turbokapitalismus vor Menschenrechte stellt.

Gibt es auch Menschen, die euch aktuell besonders unterstützen?

Wir erfahren zurzeit besonders viel Unterstützung von der Hamburger Musikszene, die uns befeuert, sich bedankt oder einfach per Mail ihre Freude über unsere Arbeit ausdrückt. Aber auch die Karsten Jahnke Konzertdirektion, die Haspa Musik Stiftung, PM Blue, Concord Music Publishing und Bands wie die Beginner sowie viele Spender mit großem und kleinem Portemonnaie sind dabei. Auch die Zusammenarbeit mit der Kulturbehörde, aber auch mit den Verbänden der Musik ist momentan sehr wichtig und hilfreich.

Und wie plant ihr die kommenden Monate – wenn ihr denn planen könnt?

Wir planen, in den kommenden Monaten unsere neuen Angebote für die Musikszene, die wir in Corona-Zeiten auf die Beine gestellt haben, zu konsolidieren. Darüber hinaus werden einige bereits bestehende Angebote digitalisiert, andere noch stärker analog erlebbar gemacht. Operation Ton #13 ist ebenso auf Hochtouren in Planung wie aktuell unser Hamburg Music Award Krach+Getöse – beides wird es digital geben. Neu dabei ist der Schwerpunkt „Musik in der Krise“, aber auch noch einmal stärker im Fokus sind neue Wege der Selbstvermarktung für Musikprofis.

 

Sarajane, Musikerin

Sarajane (Bild: Annemone Taake

SZENE HAMBURG: Freiberufliche Künstler leiden derzeit sehr. Wie kommst du mit der Situation zurecht?

Da kann ich nur mehrschichtig antworten. Mir persönlich geht es gut und meiner Familie und meinen Freunden auch, das macht schon mal einiges leichter. Beruflich gesehen, hm … Ich hatte von einem Tag auf den anderen von einem vollen Kalender keine Konzerte mehr übrig und auch keine Aussicht, wann sich das wohl ändern würde. Das war und ist eine völlig neue Situation – für viele. Aber es schweißt auch zusammen. Mein Eindruck ist, dass viele Künstler und Veranstalter etwas enger zusammenrücken.

Nutzt du Streamings, um mit deinem Publikum in Kontakt zu bleiben?

Absolut. Ich mache jeden Dienstagnachmittag um 17 Uhr eine Tea Party auf Instagram (#tuesdaytea). Das begann schon weit vor der Corona-Zeit, aber jetzt ist es auf einmal eine der wenigen direkten Möglichkeiten, mit den Fans und Supportern zu kommunizieren. Ich hatte auch das Vergnügen, bei der Konzertreihe „Quaratunes“ von Karsten Jahnke, PM Blue und Rock- City Hamburg e.V. ein Streaming-Konzert mit Band zu spielen, weil auf der Bühne genug Platz war, um alles mit Abstandsregeln umzusetzen.

Und wie sieht es mit Hilfe in Hamburg aus?

Ich bin sehr froh, dass es in Hamburg die Soforthilfe für Soloselbstständige gibt und der Verein RockCity auch wie wild Spenden für einen Rettungsfond sammelt, um dann Hamburger Künstler zu unterstützen.

 

Axel Schneider, Intendant Altonaer Theater

Axel Schneider (Bild: Bo Lahola)

SZENE HAMBURG: Hamburger Theater leiden sehr unter der Corona-Krise. Worunter leiden Sie besonders?

Das faszinierende am Theater ist die Arbeit im Team. In der Verwaltung, in der Öffentlichkeitsarbeit, mit Regieteams, mit der Technik, mit den Schauspielern. Zudem liebe ich die Beschäftigung mit immer neuen Themen. Das alles ist nun schlagartig weggefallen. Ich finde es verständlich, aber auch bedenklich, dass es in unserer menschengemachten Welt kaum noch ein anderes Thema gibt als Corona. Die Welt, in der wir leben, im Mikrokosmos oder global gesehen, bietet so viele Themen, die fast erschlagen werden von Wirtschaftszahlen und Infektionskurven. Sie fragen nach „leiden“. Ich würde darunter leiden, wenn wir aus dieser Zeit nichts lernen würden!

Und wie gehen Sie mit dieser Situation im Team um?

Genau dieses Team-Building fehlt ja. Die Mitarbeiter, mit denen ich zusammenarbeiten kann, sind großartig. Die vielen, die in Kurzarbeit sind, vermisse ich!

Was halten Sie eigentlich von Kultur per Streaming?

Es ist ein Ersatz, keine Alternative. Wir versuchen bei den Privattheatertagen diesen Weg zu gehen. Denn es ist wichtig, sichtbar zu bleiben und den Menschen ein Angebot zu schaffen, aber auch die Präsenz dessen, was sie als Live-Erlebnis verpassen.

 

Matthias Elwardt, Geschäftsführer Zeise Kinos

Matthias Elwardt (Bild: Heike Blenk)

SZENE HAMBURG: Kinos haben es besonders schwer während der Corona-Krise. Wie meistern du und deine Mitarbeiter diese Zeit?

Das Zeise Kino bevölkern zur Zeit Handwerker. Alle Arbeiten, die für dieses Jahr geplant waren, haben wir vorgezogen. So können wir glänzen, wenn wir endlich wieder Gäste bei uns begrüßen dürfen.

Denkst du, die Wichtigkeit von Kino wird vielen jetzt noch bewusster? 

Ich hoffe, dass das Kino wieder als besonderer, kultureller und sozialer Ort gesehen wird. Wir Menschen sind Gemeinschaftswesen und das Kino bietet einen besonderen Raum der Begegnung. Hier werden wir berührt, verführt und in unermessliche neue Welten entführt.

Bekommt ihr von mancher Seite Unterstützung, für die du sehr dankbar bist? 

Wir sind sehr dankbar dafür, wie viele Zeise-Gäste sich bei uns gemeldet haben, um uns zu unterstützen. Viele haben eine Zeisecard gekauft oder ihre Karte aufgeladen. Auch wurden sehr viele Gutscheine gekauft. Immer wieder rufen Besucher an und fragen, wann wir wieder öffnen, sie würden uns sehr vermissen. Auch die Filmförderung und die Kulturbehörde sind sehr schnell aktiv geworden und haben die „Kino Hilfe Hamburg“ ins Leben gerufen. Ein großes Dankeschön an dieser Stelle für diese Hilfe! Trotzdem haben wir noch eine lange Wegstrecke vor uns.

 

Weitere Interviews mit Persönlichkeiten aus Hamburgs Kulturszene findet ihr in unserem DANKE!-Magazin.


 Das SZENE HAMBURG DANKE!-Magazin ist seit dem 29. Mai 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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Kunstverein Jesteburg: „Worte zur Zeit“

Wort-Skulpturen zur Corona-Krise: Am Kunstverein Jesteburg stehen jetzt „Worte zur Zeit“ von dem Künstler Rupprecht Matthies

Text: Sabine Danek

 

Die Resonanz war toll. Mehr als 300 Einsendungen aus der ganzen Welt, bestückt mit über 1.000 Wörtern, gingen beim Kunstverein Jesteburg ein. In Zusammenarbeit mit dem Künstler Rupprecht Matthies, bekannt für seine Sprach-Arbeiten und Wort-Skulpturen, wurden Besucher, Mitglieder und Interessierte gefragt: „Welche Worte prägen für Sie die aktuelle Situation?“, „Welche Worte sind Ihnen zur Zeit wichtig?“ oder auch „Welche Worte können Sie schon nicht mehr hören?“

Die häufigsten und wichtigsten haben es in die Wortmalerei von Matthies geschafft und wollen ermöglichen, sich selbst und auch anderen näherzukommen. Gleichzeitig erprobt die Arbeit in enger Zusammenarbeit mit der Region, was Kunstverein-Leiterin Isa Maschewski immer wieder wichtig ist: zu schauen, was Kunst sein und was sie bewirken kann. Ein paar Wochen werden die „Worte zur Zeit“ an der Fassade in Jesteburg zu sehen sein, anschließend soll aus ihnen an anderen Orten weitere Projekte entstehen.

Kunstverein Jesteburg 
Rupprecht Matthies: Worte zur Zeit 


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Mai 2020. Das Magazin ist seit dem 30. April 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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Lichthof Theater: Probebühne Internet

Der Vorhang bleibt zu, die Webcam geht an: Wie viele andere Häuser stellt auch das Lichthof Theater gerade auf digitale Formate um. Im Interview spricht künstlerischer Leiter Matthias Schulze-Kraft über erste Schritte im Netz, die Chance, nicht perfekt sein zu müssen und die neue Reihe „Lichthof Lab“

Interview: Sophia Herzog

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Probiert gerne digitale Tools aus: Matthias Schulze-Kraft (Foto: G2 Baraniak)

SZENE HAMBURG: Matthias Schulze-Kraft, wie alle anderen Veranstaltungsorte des Landes hat auch das Lichthof Theater geschlossen. Wie sieht Ihr Arbeitstag unter diesen neuen Umständen aus?

Matthias Schulze-Kraft: Ich arbeite, wie viele gerade, mehr oder weniger von zu Hause. Interessanterweise habe ich mehr zu tun denn je. Das hätte ich nicht gedacht. Zum einen müssen wir uns um die Finanzierung und Organisation des Theaters kümmern. Wir haben zum Beispiel die Renovierungen vorgezogen, die sonst während der Sommerpause gemacht würden. Zum anderen müssen wir die ganzen Verschiebungen und Absagen koordinieren, also schauen, welche Premieren zu einem anderen Zeitpunkt stattfinden können oder für welche wir vielleicht ein Online-Format entwickeln können.

Die Online-Angebote des Lichthof Theaters sammeln Sie in der neuen Reihe „Lichthof Lab“. Worum geht es dabei?

Wir haben einen Aufruf an die Künstlerinnen und Künstler gestartet, die eng mit dem Lichthof Theater verbunden sind, und gefragt, ob sie Ideen haben, die sie als Online-Formate entwickeln möchten. Da kamen viele Ideen zurück.

Ende April haben wir zum Beispiel die interaktive Serie „Boy H. Werner gibt Instruktionen am Montag“ eingeführt. Boy H. Werner ist Literaturkritiker und eine Kunstfigur der Hamburger Theatermacherin Charlotte Pfeifer. Er stellt jeden Montag Aufgaben an Künstler und Künstlerinnen, aber auch an eine interessierte Öffentlichkeit. Die Ergebnisse bewertet und diskutiert er dann immer in der nächsten Woche.

Außerdem stellen einige der Künstler, die in dieser Zeit Premiere gehabt hätten, im Livestream ihre Arbeit vor. So bleiben wir sichtbar und können den Künstlerinnen und Künstlern immerhin eine virtuelle Bühne bieten.

 

„Beim Theater über Video geht viel verloren“

 

Viele Theater stellen gerade außerdem Livestreams online. Lässt sich denn Theater so einfach eins zu eins ins Netz übertragen?

Nein. Man kann natürlich Mitschnitte von Theaterstücken streamen, dafür braucht es aber eine qualitativ hochwertige Aufnahme. Wir streamen gerade nur zwei Produktionen, die bei uns Premiere gefeiert haben, das Musiktheater „Strandrecht“ und „Cum-Ex Papers“. Beide Stücke wurden aufwendig aufgenommen, mit mehreren Kameras und Schnitten, wurden also filmisch aufbereitet. Trotzdem finde ich Theater über Video nur mäßig spannend, dabei geht einfach viel verloren. Bei Streaming-Angeboten sieht man vor allem, was uns entgeht. Wenn wir wirklich Produkte wollen, die einen Mehrwert haben, dann muss man neue Formate für das Web erfinden.

Eine große Frage ist dabei aber auch: Wie sieht das aus mit der Entlohnung?

Ja, das stimmt. Die Künstler haben in ihre Arbeiten natürlich viel Arbeit gesteckt, aber eben nicht dafür, dass die Werke dann noch wochenlang kostenlos gestreamt werden. Man sieht ja, wie schwer sich schon Verlage tun, sich hinter Bezahlschranken zu stellen, schon rein technisch. Dafür finden wir so ad hoc auch keine Lösung.

Die Hamburger können das Lichthof Theater im Moment mit einem freiwilligen Ticketkauf für die Streams unterstützen. Wie lange kann so ein Modell funktionieren?

Das kann ich konkret gar nicht beantworten. Online-Angebote ersetzen natürlich nicht das, was wir sonst machen, langfristig kann es nur ergänzen. Ich glaube aber, dass so eine Schiene auch in Zukunft bestehen bleiben wird, wenn die Theater wieder öffnen. Mit diesem Ziel haben wir auch das „Lichthof Lab“ gestartet, und wir wollen in diesem Gebiet weiterhin Erfahrungen sammeln.

Gerade ist das teilweise alles noch ein bisschen unperfekt. Den ersten „Friday Online Talk“, ein festes Format des Lichthof Labs, haben wir zum Beispiel über Zoom abgewickelt. Dabei haben ungebetene Gäste den Talk torpediert und wir mussten die Übertragung abbrechen. Jetzt streamen wir über Youtube.

Trial and Error also …

Genau, und das ist auch total spannend. Es macht Spaß, sich das Technische anzueignen, aber auch zu schauen, wie wir Inhalte online präsentieren können.

 

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Das leere Foyer im Lichthof Theater (Foto: Sabrina Twele)

 

Sie haben gerade das Wort „unperfekt“ genannt. Sind die Zuschauer bei kleinen Fehlern gerade nachsichtiger?

Komplett. Wir hätten das Format unter anderen Umständen so nicht einführen können. Das Lichthof Lab hatten wir eigentlich als großes Projekt geplant, waren aber in Planungs- und Finanzierungsfragen noch gar nicht so weit. Online-Formate wie dieses hätten wir immer erst in einem perfekten Zustand veröffentlicht.

Jetzt ist es aber gerade jeder gewohnt, unperfekte Dinge zu sehen. Alleine in den Zoom-Konferenzen, in denen sich das Private und das Berufliche so extrem überlagern. Wir können das jetzt nutzen, um gemeinsam zu lernen. Nicht nur wir als Theatermacher, sondern auch mit den Zuschauern, für die das ja ebenso neu ist.

Das passt zur „Krise als Chance“, die gerade häufig genannt wird. Welche Chancen sehen Sie denn für Privat- und Off-Theater?

Erst einmal eignen wir uns natürlich gerade bestimmte Tools an, die wir langfristig für begleitende Angebote zum regulären Theaterprogramm einsetzen können. Wir werden Online-Formate selbstverständlicher mit ins Portfolio aufnehmen können, das sehe ich schon als große Chance.

Und dann ist es so, dass man Künstler und Künstlerinnen, gerade freischaffende, sowieso nicht stoppen kann. Die sind es gewohnt, selbstbeauftragt zu arbeiten. Die warten nicht, bis jemand kommt und Ansagen macht, sondern fangen jetzt an zu experimentieren. Da werden ganz neue Dinge entstehen. Ich denke, das wird das Theater nachhaltig verändern.

 

„Es kann sein, dass Theater das nicht überleben“

 

Verstärkt die Krise außerdem das Bewusstsein für die meist prekären Arbeitsverhältnisse von Künstlern?

Die Krise trifft natürlich gerade Menschen, die überhaupt keinen Cent auf der hohen Kante haben. Dass jetzt ein Blick auf uns gerichtet wurde, auf die Verletzlichkeit von Künstlern, das denke ich schon. Ob wir als Gesellschaft aber von der Krise lernen und die Effekte anhalten, da bin ich eher skeptisch.

Wird die Theaterbranche in Hamburg nachhaltig strukturelle Schäden erhalten?

Das hängt davon ab, wie lange diese Situation noch anhält. So unterschiedlich die Hamburger Theaterlandschaft ist, so unterschiedlich werden auch die Auswirkungen sein. Das hängt davon ab, wie abhängig Theater von den Abendeinnahmen oder wie hoch die institutionelle Förderung ist.

Die Kulturbehörde ist super kulant und war sehr schnell mit den Hilfsmaßnahmen, zumindest was uns betrifft. Aber es kann auch sein, dass Theater das nicht überleben. Und dann entstehen natürlich empfindliche Lücken in der Hamburger Theaterlandschaft.

lichthof-theater.de


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Clubszene: „Der Wahnsinn ist noch lange nicht vorbei“

Fast jeder Lebensbereich ist von der aktuellen Corona-Krise betroffen. Wie Hamburgs Nachtleben mit der Situation umgeht, erklärt Terry Krug, einst Besitzerin der legendären Tanzhalle, Gründungsmitglied des Clubkombinats, Restaurantbetreiberin und Vorsitzende der Clubstiftung

Interview: Ole Masch

 

SZENE HAMBURG: Terry, was macht eine Clubstiftung?

Terry Krug: Die Stiftung zur Stärkung privater Musikbühnen Hamburg, wie sie richtig heißt, ist eine gemeinnützige Organisation, die laut Satzung den Auftrag hat, die musikalische Attraktivität der Hansestadt Hamburg zu sichern. Ziel der Stiftung ist es, mit Fördermodellen die erheblichen Kosten für die Hamburger Musikclubs abzumildern und eine stetige Kompetenzerweiterung der Betreiberinnen und Betreiber zu begleiten.

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Terry Krug, Gründungsmitglied des Clubkombinats (Foto: Lidija Delovska)

Und in der heutigen Zeit?

Wir haben in den letzten Jahren mit der Clubstiftung und dem Clubkombinat Organisationen aufgebaut, die ein großes Vertrauen in der Szene genießen. Das Netzwerk lebt von persönlichen Kontakten und einem solidarischen Netzwerk. Das hilft jetzt ungemein. Sichtbar wird das gerade bei all den verschiedenen Charity-Aktionen der Clubs, die zu kollektiven Spenden in den gemeinsamen S.O.S. – Save Our Sounds-Rettungsfonds aufrufen.

Wie funktioniert der Fond?

Mit unserer Kampagne sammeln wir Gelder, um ein Clubsterben von unbekanntem Ausmaß zu verhindern. Am bekanntesten ist sicherlich die Aktion „United We Stream“, gestreamte Konzerte und DJ-Sets. Wir haben aber auch einen Onlineshop, in dem wir zum Beispiel die hübschesten Bandanas der Welt verkaufen. Übrigens das Corona-Accessoire schlechthin, wunderbar als Maske zu nutzen.

Oder man gönnt sich zwischendurch mal ein Soli-Bier. Wir kooperieren auch mit vielen tollen Partnern: Weltbekannte DJs wie Solomun rufen ihre Fans zur Unterstützung der Hamburger Szene auf. Unendlich viele Künstler unterstützen das digitale Kulturprogramm unserer Clubs. Kleine Getränkeproduzenten und Lieferanten tun sich zusammen, um sich selbst zu helfen und uns dabei zu unterstützen. Wir erfahren durch viele Aktionen eine sehr breite Unterstützung. Das tut gut. An dieser Stelle ein großes Dankeschön.

Wie viel Geld ist bis jetzt zusammengekommen?

Wir konnten bis Ende März mehr als 120.000 Euro an Spendengeldern generieren. Die Zählung für den April läuft aktuell noch. Wir hoffen, dass wir die vorherige Summe am Ende des Monats toppen können.

 

Gestärkt in die Zukunft starten

 

Hat eine erste Auszahlung bereits stattgefunden?

Leider nein. Mit der Ausschüttung dieser Gelder hat die Stiftung, ähnlich wie viele andere gemeinnützige Organisationen gerade steuerliche Herausforderungen zu bewältigen, die wir im Vorfeld leider so nicht gesehen haben. Corona kommt ja nicht alle Tage.

Wir als Stiftungsvorstand arbeiten aber gerade auf Hochtouren – gemeinsam mit der Behörde für Kultur und Medien und der Finanzbehörde – an einer Lösung. Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir zeitnah ausschütten können, denn das Geld wird dringend benötigt.

Wie geht es danach mit der Kampagne weiter?

Unser Fokus liegt derzeit darauf, alles dafür zu tun, dass die staatlichen Hilfen die Live-Clubs über den anstehenden Sommer retten und dass die privaten S.O.S.-Hilfen insbesondere bestehende Förderlücken füllen können.

Ich persönlich glaube, dass die Clubs in dem zwangsverordneten Sabbatical aber auch alles dafür tun sollten, um sich für die Zeit nach Corona fit zu machen. Jede freie Minute sollte genutzt werden, um sich weiterzubilden und das Geschäft neu aufzustellen. Die Krise könnte dann auch eine Chance sein. Ich kämpfe dafür, dass wir als Stiftung auch dafür Gelder einsetzen, um nach Corona gestärkt in die Zukunft zu starten.

Gibt es Clubs die bereits ganz schließen mussten?

Bisher liegen uns glücklicherweise noch keine Informationen dazu vor. Wir gehen im Moment auch nicht davon aus. Die ersten Soforthilfen von staatlicher Seite konnten sicherlich den einen oder anderen Club vor diesem Schritt bewahren. Aber der Wahnsinn ist noch lange nicht vorbei.

Es wird eine verdammt harte und lange Zeit auf die Spielstätten zukommen. Die Clubs waren die ersten, die von den Schließungen betroffen waren und werden die letzten sein, die wieder aufmachen. Kulturbetriebe sind äußerst fragile Gebilde und einem Biotop gleichzusetzen: Wenn es einmal tot ist, geht es unwiederbringlich verloren.

Welche Soforthilfen vom Staat gab es?

Wir in Hamburg können uns bisher wirklich glücklich schätzen. Die Behörde für Kultur und Medien hat die Livemusik-Spielstätten unter ihren Schutzschirm genommen. Die Clubs werden seit dem Ausbruch der Corona-Krise mit einer Soforthilfe in Höhe von 1,5 Millionen Euro unterstützt.

Diese Förderung ermöglicht den Kulturbetrieben, trotz der anhaltenden Schließungen, die laufenden Kosten wie Miete, Strom und Auslagen für Kurzarbeitergeld bezahlen zu können und wirken ergänzend zu den weiteren Hilfen aus Bund und Land. Eine Überkompensation soll damit ausgeschlossen werden. Wir sind dem Senat sehr dankbar für diesen Support, aber trotzdem müssen wir über die S.O.S.-Kampagne weiter Unterstützungsgelder sammeln.

 

Vitale und vielfältige Clubkultur halten

 

Wie lange reicht das Geld?

Ab Mai brauchen wir dringend eine Verlängerung der Hilfen. Die Clubs, die bisher noch liquide Mittel hatten, wird es nicht mehr geben. Ich bin davon überzeugt, dass nun ausnahmslos alle Musikclubs die Hilfen beantragen müssen.

Außerdem erhoffe ich mir, dass wir uns zusätzliche vermehrt Gedanken über Programme für die Zeit nach Corona machen. Noch besser wären nachhaltige Maßnahmen, die die Spielstätten auf diese Zeit vorbereiten und ihnen die nötigen unternehmerischen Kompetenzen vermitteln, um gestärkt aus der Krise hervorzugehen.

Für Veranstalterinnen und Veranstalter ohne feste Spielstätte wird es auch täglich schwerer. Ebenso für Künstlerinnen und Künstler und die vielen Soloselbständigen im Veranstaltungswesen, die eine vitale und vielfältige Clubkultur ausmachen. Bisher gibt es für diese Gruppe keine wirkliche Lösung. Hier sollte die Politik dringend nachbessern.

Gibt es schon Hinweise wie lange die Schließung der Clubs dauern wird?

Der Kultursenator hat öffentlich die Schließung der Clubs bis zum 30. Juni angekündigt. Wir begrüßen zunächst einmal diese Planungssicherheit.

Aber was bedeutet das?

Im Juli startet für alle die Sommerpause. Das ist die Zeit der Festivals und Outdoorevents. Große Veranstaltungen mit über 1.000 Personen sollen aber bis zum 31.8. untersagt sein. Es ist derzeit nicht absehbar, wann und unter welchen Auflagen die Clubs wieder ihre Türen für Publikum öffnen dürfen. Wir rechnen frühestens Anfang September damit.

 

„Wir wollen mit guten Ideen überraschen“

 

Welche Lösungsansätze seht ihr für eine Lockerung der Maßnahmen?

Das wird nicht einfach. Natürlich könnte man bestuhlte Konzerte veranstalten und die vorgeschriebenen Abstände einhalten. Auch sind Clubs selbstverständlich in der Lage, die erforderlichen Hygienemaßnahmen umzusetzen. Aber! Dies würde bedeuten, dass die Clubs einen erheblichen Teil ihrer Kapazität verlieren und sich das direkt in den Umsätzen widerspiegelt. Die Betriebskosten wären so sicherlich nicht zu decken, von Gewinnen mal ganz abgesehen.

Es sei denn, die Besucher wären bereit höhere Ticketpreise zu zahlen. Oder der Staat hilft weiter mit: Konzertkarten müssten subventioniert werden wie zum Beispiel in der Oper. In der Hochkultur sind die Mehrkosten auch schon vor Corona aus der Staatskasse getragen worden. Dies könnte ein spannender Ansatz sein.

Sind weitere Soli-Aktionen geplant?

Wir wollen hier nicht zu viel erzählen, sondern lieber weiter mit guten Ideen überraschen. So viel sei verraten: Wir werden den Soli-Webshop mit noch mehr Produkten bestücken. Täglich erreichen uns neue Offerten für Soli-Aktionen. Wir hoffen, auf einen breiten Support durch möglichst viele Schichten der Gesellschaft. Denn nur gemeinsam können wir unserer kulturellen Räume erhalten und damit nicht nur die kulturelle Vielfalt Hamburgs retten, sondern auch eine starke Demokratie und eine lebenswerte Gesellschaft schützen.

stiftung­-private-­musik-buehnen­-hamburg.de


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Mai 2020. Das Magazin ist seit dem 30. April 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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Hamburgs Programmkinos starten Spendenaufruf

Die Corona-Krise gefährdet die Existenz der Programmkinos. Unter dem Motto „The Show Must Go On“ haben sich die Kinos zusammengeschlossen und einen Spendenaufruf gestartet.

 

Was wäre Hamburgs Kinolandschaft ohne seine Programmkinos? Die kleinen Lichtspielhäuser zaubern Filme jenseits des Mainstreams und aus allen Ecken der Welt auf ihre Leinwände. Und nicht nur das: Sie veranstalten Hintergrundgespräche, Podiumsdiskussionen und Film-Festivals. Damit das auch nach Corona so bleiben kann, sind die Kinos jetzt auf finanzielle Unterstützung angewiesen.

Aktuell sind aufgrund von Corona-Schutzmaßnahmen alle Kinos geschlossen. Die Betreiber haben seit Wochen keine Einnahmen, aber die Fixkosten laufen weiter. Wie bei vielen anderen Kulturbetrieben auch, haben die Programmkinos keine großen Rücklagen, auf die sie in der jetzigen Situation zurückgreifen könnten. In einem Online-Spendenaufruf bitten die Betreiber daher um finanzielle Unterstützung, um „die Hamburger Kinolandschaft in ihrer Vielfalt und Fülle zu erhalten, wie wir sie aus den letzten Jahren und Jahrzehnten kennen“ heißt es in dem Aufruf.

Ziel ist es, eine Spendensumme von insgesamt 400.000 Euro einzusammeln. Die Spendeneinnahmen werden dann an die teilnehmenden Hamburger Programmkinos aufgeteilt. Jedes Kino bekommt die gleiche Summe, um einen Teil ihrer Ausgaben decken können. Beteiligte Kinos sind: Abaton, Alabama, B-Movie, Blankeneser Kino, 3001, Elbe Kino, Filmraum, Koralle, Lichtmess, Magazin, Passage, Savoy, Schanzenkino, Studio Kino und das Zeise Kino. /NF

Unterstützen könnt ihr die Aktion unter www.startnext.com/hamburgerkinos

 

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