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Gängeviertel: Das gallische Dorf bleibt

Die Stadt und die Gängeviertel Genossenschaft haben sich auf einen Erbbaurechtsvertrag über 75 Jahre geeinigt. Christine Ebeling, Sprecherin der Initiative „Komm in die Gänge“, über die gesicherte Zukunft eines Ortes für alternative Lebenskonzepte

Interview: Hedda Bültmann

 

SZENE HAMBURG: Christine, was bedeutet für dich Freiheit?

Gaengeviertel-Kutscherhof-2019

Der Kutscherhof im Gängeviertel

Christine Ebeling: Freiheit bedeutet für mich ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Selbstverständlich innerhalb der Grenzen dessen, was gemeinschaftlich ausgehandelt wird, in demokratischen Prozessen.

Autonomie wird auch als Erstes mit dem Gängeviertel assoziiert. Wie wird diese hier gelebt?

Täglich von Anbeginn, bereits in den monatelangen Vorbereitungen haben wir eine Struktur gebildet, die bis heute lebt. Das Plenum ist entscheidend bei übergreifenden Beschlüssen wie zum Beispiel bei der Neuvergabe von Räumen. Spezifische Fragen wie die Programmgestaltung werden in den AGs abgestimmt, die sich zu unterschiedlichen Themen wie Programm, Kommunikation, Gartengestaltung oder Kuratoren gegründet haben. Die Selbstverwaltung war vom ersten Tag an das Ziel, welches nun endlich auch für die Zukunft gesichert ist.

Einen langen Weg habt ihr hinter euch. Was war entscheidend für diesen Meilenstein?

Das ist schwierig zu beantworten, viele Faktoren haben dazu beigetragen. Seit Jahren haben wir versucht, in Verhandlungen eine langfristige Sicherung der Selbstverwaltung zu erreichen, das Gängeviertel langfristig dem Markt zu entziehen und damit vor Privatisierung sowie wechselnden politischen Konjunkturen zu schützen. Nach fast zehn Jahren konnten wir nun endlich überzeugen.

 

Raum für neue Konzepte und Ideen

 

Skizziere doch mal kurz die Entwicklung der letzten zehn Jahre.

Kurz geht eigentlich gar nicht: Damals zwölf verfallende Häuser, 200 Menschen, ein Wochenende Hoffest, bei dem alle Häuser geöffnet wurden, gefolgt von unzähligen Verhandlungsrunden mit unterschiedlichen Behörden und dem Bezirk Mitte, immer mehr fantastische Menschen, die sich angeschlossen haben, unglaublich viel Arbeit aus der ein Verein, eine Genossenschaft und ein einzigartiger Ort mit den verschiedensten Blüten entstanden ist.

Wodurch unterscheidet sich der Ort?

Für viele fühlt es sich an wie das berühmte „gallische Dorf “, so richtig will es nicht zwischen diese Bürobauten in der Innenstadt passen und es will sich auch nicht dem kommerziellen Umfeld gleich machen. Es bietet viel an Kultur, Bildung und vor allem bietet es Raum für neue Lebenskonzepte und Ideen, die auch mal scheitern dürfen. Viele dieser Ideen sind aber sehr erfolgreich und bekommen Kinder.

Welche sind das?

Mit Blick auf den Oberhafen zum Beispiel oder auch durch andere selbstbestimmte Projekte wie die Fux eG hat sich schon seit Jahren gezeigt, dass ein Umdenken für mehr Raum für Kultur, Politik und Soziales stattfindet. Die Stadt braucht Orte, die sich immer wieder selbst erfinden können. Das bedeutet aber auch Verantwortung, Geduld, Offenheit und die schon zu Beginn angesprochene Freiheit, die für alle gelten sollte. Das ist leider noch nicht überall gegeben, doch hoffen wir, dass es bald noch mehr dieser Viertel geben wird.

Das braucht Verbündete mit den gleichen Zielen …

Die Initiative „Recht auf Stadt“ spielt dabei eine große Rolle, ohne dieses Netzwerk würde Hamburg sicherlich um einiges ärmer sein. Viele erkämpfte Orte gäbe es wohl nicht mehr, wie zum Beispiel das Centro sociale. Allerdings sollte sich die Politik und die Verwaltung viel öfter starkmachen. Prozesse und Ergebnisse wie bei dem transdisziplinären Planungsbüro „Planbude“, das innovative Pläne zum Beispiel für die Esso-Häuser entwickelt hat, sollten beispielhaft für die Zukunft sein und auch umgesetzt werden.

Welche Vision wollt ihr realisieren?

Im besten Falle ein Ort bleiben, an dem Modelle für die Zukunft ausprobiert werden können, ein Ort, der sich immer wieder verjüngt und der sich politisch einmischt.

Gängeviertel Jubiläumsfestival: 22.- 25.8.


Szene-Hamburg-August-2019-TitelDieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, August 2019. Titelthema: Wie sozial ist Hamburg? Das Magazin ist seit dem 27. Juli 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Meet the Resident – Budiratsch

Jeden Monat stellt SZENE HAMBURG Residents vor, diesmal: Budiratsch, auch bekannt als Gerald Steyr – präsentiert von hamburg elektronisch

Interview: Louis Kreye & Jean Djaman
Foto: Ben Zin

Wer ist Budiratsch?

Mit diesem Alter-Ego-Projekt öffne ich mir die Tür zu einem musikalischen Kosmos jenseits des Drum’n’Bass. Ich umarme damit meinen Wunsch, sich verstärkt der grenzenlosen Vielfalt in der Clubmusik zu widmen. Budiratsch steht für FuckGenre, Gerald Steyr für Drum’n’Bass.

Kannst du den Begriff FuckGenre näher definieren?

Der Begriff steht für keine Einsortierung, keine Schublade möglich. Auf Regeln und jegliche Schranken wird verzichtet. Die FuckGenre-Bewegung verbindet Künstler ausschließlich aus einem freiheitlichen Denken und einer Spiritualität heraus. Ich sehe es als einen Aufruf zu einer gelebten Diversität in der Musikkultur. Als Budiratsch spiele ich Shows quer durch elektronisches BämBäm zwischen BumBum und TschakTschak.

Warum wählst du dafür ein Pseudonym?

Es ist die ewig selbst gestellte Frage von Artists, die ein breites Spektrum abbilden, ob sie sich für verschiedene Ausdrucksarten Pseudonyme erschaffen, oder nicht. Wenn sich ein Musikprojekt extrem weit vom vorherigen Schaffen abgrenzt, ist eine zusätzliche Identität sehr hilfreich. So kann ich mich meinem bisherigen Selbst weiter widmen und zeitgleich neue Wege mit diesem Alias erschließen. Wir beide profitieren voneinander, Budiratsch inspiriert Gerald Steyr und andersherum.

 

Shows rocken und im Studio schrauben

 

Wo siehst du dich in einem Jahr?

Ich sehe tolle und unfassbar gut aussehende Menschen. Ich sehe Leidenschaft, die Farbe Orange. Die Grünen stellen die Bürgermeisterin und keiner singt mehr mit Autotune. Ha ha, nee. Im Ernst, neue Musikprojekte sind immer offen im Prozess. Ich liebe es, Shows zu rocken und im Studio zu schrauben. Die erste Budiratsch EP ist in Arbeit, im Herbst ist eine Clubnacht angedacht.

Welcher Auftritt ist dir besonders im Gedächtnis geblieben?

Mein fünf Stunden FuckGenre-Gig bei Maschine Brennt im Gängeviertel vor ein paar Monaten, in der Nacht ist Budiratsch gezeugt worden. Und eine Show vor ein paar Jahren im Pudel, wo ich die Audience mit syrischer Hochzeitsmusik zum Extremtanz verführt habe – sehr sexy.

Deine Platte des Monats?

Die neue archaische Ambient Electronica EP von Cid Poitier ist der perfekte Ein- und Ausstieg rasanter Nächte.

Welchen Act würdest du gerne mal (wieder) in Hamburg sehen?

Ich habe mich immer gewundert, warum Deekline noch nie in Hamburg gespielt hat. Er ist für mich der Inbegriff des Multistyle Artist. Sein Output umfasst House, UK Funky, Tropical, Jungle, Oldskool, Dubstep, Breaks und Garage – sehr stark. Wenn ihn jemand nach Hamburg einlädt, bin ich in der ersten Reihe. Roska möchte ich auch gerne wieder sehen. Und immer wieder Omar Souleyman.

Was sind für dich Hamburgs Stärken?

Hamburg ist sehr überschaubar, es scheinen sich irgendwie alle zu kennen, oder man kennt jemanden, der den anderen kennt und vernetzt einen. Wer aktiv aufgechlossen ist, kann schnell andocken.

Und die Schwächen?

Hamburg ist sehr überschaubar.

 

Hier hört ihr ein aktuelles Set von Budiratsch – im Podcast von hamburg elektronisch

Budiratsch: 26.7., Kinky Galore, Waagenbau, ab 23 Uhr


Szene-Hamburg-Juli-2019-CoverDieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, Juli 2019. Titelthema: Schmelztiegel St. Georg.
Das Magazin ist seit dem 27. Juni 2019 im Handel und zeitlos im 
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Sexed Power: Ausstellung Sexed Power im Gängeviertel

Am Weltfrauentag eröffnet im MOM art space im Gängeviertel die Ausstellung „Sexed Power“.

Text: Sabine Danek
Abbildung (o.): Dagmar Rauwald: Selfgendered Identity, 2018

In den letzten zwei Jahren gab es in linken Hamburger Netzwerken reichlich Streit um frauenpolitische Positionen, der feministische Raum im Gängeviertel wurde geschlossen.

Diese Auseinandersetzungen wollen die Künstlerinnen der Ausstellung „Sexed Power“ nicht aufwärmen. Sie treten lieber in Aktion. Mit einer Schau, die am Weltfrauentag Solidarität zeigt, die ein Zeichen ist und auch eine Positionierung. Gegen die „Pimmelsuppe“, die in der Kunst immer noch gekocht wird. Ob mit der Absage der Retrospektiven von Adrian Piper und Joan Jones im Münchner Haus der Kunst, die durch eine Schau von Markus Lüpertz ersetzt werden. Oder auch in der großen Ausstellung „Baselitz – Richter – Polke – Kiefer“, die im Herbst aus der Staatsgalerie Stuttgart in die Deichtorhallen wandert.

 

„MeToo konnte die Gesellschaft bis heute nicht nachhaltig verändern“

 

Für Dagmar Rauwald, Künstlerin und „Sexed Power“-Initiatorin sind das: „Malerfürsten, die in einer Zeit schnell Karriere machten, in der es für Künstlerinnen noch schwerer als heute war, sich durchzusetzen und deren fataler Machismo mit Großschauen wie dieser immer wieder bestätigt wird“. Dagegen lehnt „Sexed Power“ sich auf, will nicht zulassen, dass die ungleichen Verhältnisse einfach totgeschwiegen werden und auch zeigen, „dass MeToo die Gesellschaft bis heute nicht nachhaltig verändern konnte“.

„Sexualisierte Gewalt und sexualisierte Macht sind zwei unterschiedliche Dinge“, sagt Dagmar Rauwald, „aber sie bedingen sich auch. Sexualisierte Macht kann zu sexueller Gewalt führen.“

Johanna Bruckner: Molekulare Geister in der Liebe, 2018

Im Mittelpunkt steht trotz aller politischer Positionierung bei „Sexed Power“ aber die Kunst. Die Körper-Arbeiten der österreichischen Biennale-Teilnehmerin Johanna Bruckner, die herrlich umstürzlerischen Videos, Installation und Malereien von Cordula Ditz. Die Skulpturen von Ida Lennartson, die mit Kunsthaaren, Prothesen oder Fragmenten aus Arbeitsprozessen, von Körpern erzählt und sie auseinandernimmt. Die Abformungen und Bronzegüsse von Julia Frankenberg und Anna Lena Grau, Performances von Louise Vind Nielsen, die Malerei von Dagmar Rauwald und die Arbeiten von Emma Howes, die sich als „Übersetzerin zwischen Bewegung und Form“ versteht.

Gemeinsam haben die Künstlerinnen, dass sie „ Kunst als Spiegel gesellschaftlicher Prozesse sehen, kritisch reflektieren und jede auf ihre Weise für authentische und starke Kunst stehen.“

Es ist bereits die zweite „Sexed Power“-Schau und perfekt wäre es, wenn sich daraus ein fortlaufendes Projekt entwickelt, die Ausstellung eine Keimzelle wird, die sich vergrößert und in eine Plattform Hamburger Künstlerinnen verwandelt.

Sexed Power 2019, Mom Art Space, 8.–16.3.


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, März 2019. Das Magazin ist seit dem 28. Februar 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Meet the Resident – Lifka

Jeden Monat stellt SZENE HAMBURG Resident-DJs vor, diesmal: Lifka ( Vinka Katt, Lucid, Ohne kommerziellen Wert) – präsentiert von hamburg elektronisch.

Interview: Louis Kreye & Jean Djaman

Szene Hamburg: Wie würdest du deinen Sound beschreiben?

Lifka: Vitalisierend für Körper und Geist.

Was war dein Favorit-Gig in Hamburg?

2018 habe ich im Südpol gespielt – mit viel Nebel, spannendem Licht – das hat Spaß gemacht! Sonst sind es oft die kleineren Partys, die wir mit unserem DJ-Kollektiv Vinka Katt veranstalten, früher in den Kranichen, mittlerweile im Gängeviertel. Bei diesen unkommerziellen Partys bekommt man für den Aufwand zwar kein Geld, dafür aber unbeschreibliche Nächte – viel zwischenmenschliche Wertschätzung und Echtheit.

Welche ist deine Platte des Monats?

Black Moon EP (Snork Enterpises) und OHNE002 (Ohne kommerziellen Wert)

 

Hört hier in Lifkas Platten des Monats

 

Was sind für dich Hamburgs Stärken?

Die Technoszene ist im Kern zwar relativ klein, aber es gibt einen unglaublich guten Zusammenhalt zwischen einzelnen Crews, der sich durch Kombipartys, gegenseitige Bookings und Labelprojekte stärkt. Dazu gehört auch gemeinsames Abhängen, Planen, Musizieren. Es gibt einfach viel Austausch. Das finde ich sehr schön und wird Früchte tragen!

Auf wen sollte man momentan ein Auge haben?

Lucinee, Strathy, Stute, die Vinka Katt-Crew, aitch P. Hackster, Vuuduu & Valura!

Wo kann man dich als Nächstes hören?

Am 2. März bei NACKT, der neuen Partyreihe im PAL und am 22.3. bei Druck! im Fundbureau

 

Hört hier das aktuelle Set von Lifka im Podcast von hamburg elektronisch


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, März 2019. Das Magazin ist seit dem 28. Februar 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Tea Addicts: Die Welt retten, aber erst mal Tee trinken

Die Tea Addicts wollen die Welt verbessern – mit Tee. Auf der Suche nach der besten Ernte und passionierten Teeproduzenten reisen Stephan und Jürgen durch Afrika und Asien.


Betritt man den Laden der Tea Addicts im Hamburger Gängeviertel, brodelt mit
großer Wahrscheinlichkeit der Wasserkocher. Die Holzdielen knarren unter jedem Schritt, die unverputzten Wände versprühen den typischen rauen Gängeviertel-Charme, die Teetassen dampfen und duften. Während des Interviews wird die Reihe der Kännchen auf dem Tisch immer länger, Sencha folgt auf Oolong, Pu-Erh und Ceylon. Zu jedem der Tees können Stephan Suen und Jürgen Pitzschel, zwei Drittel der Tea Addicts, eine Geschichte erzählen. In den letzten zwei Jahren waren sie auf über 50 Plantagen, haben sich durch die Sorten probiert und die Arbeitsbedingungen genau ange- schaut – und dabei so manch skurriles Erlebnis gehabt.

SZENE HAMBURG: Stephan und Jürgen, warum Tee?

Stephan: Wir haben eine Vision für uns formuliert, als wir mit Tea Addicts angefangen haben. Jürgen hat dabei den Anstoß gegeben und gesagt: „Wir wollen mit Tee die Welt retten“ (lacht).
Jürgen: Also, zumindest ein Stückchen besser machen.

Ganz schön große Aufgabe. Wie wollt ihr das schaffen?

Stephan: Einmal beim Einkauf, und einmal auf der Bewusstseinsebene.
Jürgen: Tee wird häufig noch auf sogenannten geschlossenen Auktionen gehandelt, da geht es um den kleinsten Preis. Der weltweite Teehandel steckt zum Beispiel in Indien oder auf dem afrikanischen Kontinent noch in Kolonialstrukturen, auch bei Fair Trade und Bio gibt es immer wieder Skandale. Gütesiegel werden gekauft oder nach der Zertifizierung nicht ausreichend kontrolliert.

Wurdet ihr davon auch schon Zeugen?

Stephan: Was wir alles schon erlebt haben! Tore mit Stacheldraht zum Beispiel, und völlige Intransparenz. Das sagt eigentlich schon viel aus. Ich war vor ein paar Wochen in Georgien und bin mit einer Kamera zur Teeplantage gefahren. Als die Securities das Videoequipment gesehen haben, wollten die uns sofort wieder loswerden. Einer zog dann sein T-Shirt hoch und zeigte mir die Pistole, die er in den Hosenbund gesteckt hatte.

Was macht ihr anders als die anderen Teehändler?

Jürgen: Statt einfach nur anonym Tee zu kaufen, wollen wir die Menschen kennenlernen, die auf den Plantagen arbeiten, wollen sehen, wie die Teepflanzen angebaut und verarbeitet werden. Dadurch schalten wir nicht nur Zwischenhändler aus, sondern können auch die Menschen unterstützen, die umdenken.
Stephan: Ich war dieses Jahr auf einer Plantage in Malawi. Der Besitzer ist Mitte 30, schon sein Urgroßvater hat Tee angebaut – in der möglichst billigsten Produktion. Er möchte das aber so nicht mehr. Seitdem produziert er auf der Plantage transparent einen Biotee mit hoher Qualität und bezahlt seine Leute anständig.

Müssen also nur noch die Teekäufer überzeugt werden?

Stephan: Wir wollen nicht überzeugen, sondern begeistern. Man kann zwar auch mit Angst und Skandalbildern zum Umdenken anregen, wir möchten das aber durch Freude und Leidenschaft erreichen. Bei uns kannst du ein Produkt richtig erleben. Wir wissen genau, wer diesen Tee gepflückt und wer ihn getrocknet hat. Wir haben den Tee schließlich vor Ort gekauft. Außerdem stimuliert Tee den Dopamin- und Serotoninspiegel – er macht also einfach richtig gute Laune.

Hinkt die Teebranche in Deutschland hinterher?

Stephan: Mega!
Jürgen: Das ist auch eine Frage der Perspektive. Wenn man auf Hamburg schaut, dann auf jeden Fall. Hamburg ist eine Handelsstadt, die größte Teestadt in Europa. Hier sitzen einige große, weltweit agierende Firmen, die sich aber in den letzten Jahrzehnten kaum aus den überholten, festgefahrenen Strukturen bewegt haben. In Berlin zum Beispiel ist schon mehr Musik drin. Da haben wir mehr Gleichgesinnte gefunden, sind besser vernetzt. In Hamburg tun wir uns damit schwer.

Bei welchen Plantagen bezieht ihr denn euren Tee?

Stephan: Über die Zeit hat sich bei uns ein Muster herauskristallisiert. Zum einen sind das größere Betriebe, die schon seit Generationen Tee produzieren, und jetzt im Generationswechsel umdenken. Sehr häufig sind das aber auch kleine, familienbetriebene Plantagen. Da kommt in der Erntezeit noch die Nichte aus der Stadt, um mit anzupacken. Im Jahr werden dort vielleicht 200 Kilogramm geerntet, es ist also gar nicht darauf ausgelegt, tonnenweise Tee an Händler zu verkaufen. Es ist viel persönlicher. Wir wurden von diesen Familien schon zum Essen eingeladen, haben lange über unser Verständnis von Tee gesprochen, bevor wir dann eine kleine Menge mitnehmen durften.

Klingt aber auch so, also wären diese Betriebe ziemlich schwer aufzutreiben.

Stephan: Oft ist das reines Glück. Wir waren dieses Jahr in Südwest-China und haben eine der größten Plantagen für Oolong besucht. Es war zwar schön da, aber für uns einfach noch nicht das Richtige. Die Dame, die uns dort herumgeführt hat, holte uns einmal von einer Erkundungstour durch die Plantage ab, hat aber den Weg zurück zum Hotel nicht gefunden. Ein Freund von ihr, der dann ins Auto stieg, um uns zu helfen, war Teeproduzent. Ob das nun wirklich eine zufällige Begegnung war, sei mal dahingestellt.

Habt ihr dann auch Tee von ihm gekauft?

Stephan: Ja. Er hat uns mit zu seiner Familie zum Abendessen genommen, wir haben seine drei Brüder kennengelernt, die mit ihm den Tee anbauen. Die vier waren alle höchstens dreißig und hatten richtig Bock auf Tee. Und sie haben verstanden, was wir wollen, haben uns alle Türen geöffnet und uns alles gezeigt. Diese Offenheit findet man nicht durch eine Internetrecherche.
Jürgen: Es sind meistens die Begegnungen in der Hotellobby oder ein Gespräch mit dem Taxifahrer, die uns dann durch Glück zu den kleinen, unbekannteren Produzenten führen. Und das sind dann die Sweet Spots mit der richtig guten Qualität. Dort wird in kleineren Mengen produziert, die gar nicht auf Export ausgelegt sind und das Land dann meistens nicht verlassen.

Ihr wart schon viel unterwegs und habt wahrscheinlich hunderte Teesorten probiert. Welche schmeckt euch am besten?

Jürgen: Das ist immer abhängig von Laune, Wetter und Jahreszeit. In letzter Zeit habe ich viel weißen Tee getrunken, im Winter tendiere ich aber eher zu dunkleren Tees. Wenn mir jemand eine Pistole auf die Brust setzen und mich morgen auf die einsame Insel schicken würde, dann wäre es aber wahrscheinlich ein japanischer Sencha. Der nimmt auch nicht so viel Platz weg, da kann ich mehr mitnehmen (lacht).
Stephan: Ich würde einen Oolong mitnehmen.
Jürgen: Hoffentlich liegen unsere Inseln nebeneinander, dann hätten wir zwei gute Tees zur Auswahl und könnten tauschen. Per Brieftaube vielleicht?

Interview: Sophia Herzog
Fotos: Tea Addicts

Mehr Infos findet ihr auf der Webseite der Tea Addicts. Auf ihrem YouTube-Kanal stellen die Jungs außerdem die neusten Tees ihres Onlineshops vor und erzählen von ihren spannenden Reisen.


Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, November 2018. Das Magazin ist seit dem 27. Oktober 2018 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Fuck Yeah Sexshop – Klischees? Kann man sich klemmen!

Fuck Yeah: Im Gängeviertel hat Hamburgs erster feministischer Sexshop aufgemacht. Das Konzept setzt sich für Diversität ein – weg vom typischen Porno-Sex.

Viele gute Ideen entstehen am Küchentisch. So auch die der Freunde Fränky, Flo, Rosa und Zarah. Vor rund fünf Jahren stellen sie dort im Gespräch fest – niemand von ihnen geht wirklich gerne in Sexshops. Ruckzuck stand das Konzept: Mit „Fuck Yeah“ haben die vier Ende Juli einen Laden im Gängeviertel eröffnet, der sich abseits der klassischen Geschlechteridentitäten gegen eingestaubte Klischees wehrt. Neben einer ganzen Reihe von Toys bieten die vier auf der kleinen Ladenfläche auch Bücher und andere Medien, vegane BDSM-Accessoires und eine ganze Reihe von Workshops an, wie zum Beispiel „Sex und Sprache“ oder einen Sextoy-Upcycling-Kurs. Beratungsgespräche finden inklusive einer Tasse Kaffee in der Sofaecke statt. Warum wir in einer übersexualisierten Gesellschaft realistischer über unsere Vorlieben und Bedürfnisse sprechen sollten, und warum es schon am Sexualkundeunterricht mangelt, erzählen Fränky und Flo.

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Fränky (l.) und Flo bilden die Hälfte des Gründerteams.

SZENE HAMBURG: Fränky und Flo, euren Sexshop „Fuck Yeah“ beschreibt ihr als Sex-positiv. Was bedeutet das?

Flo: Das heißt in erster Linie, dass wir Sex als etwas Tolles wahrnehmen, was alle Menschen gleichermaßen erfahren dürfen. Deswegen bieten wir in unserem Shop Produkte an, die sich nicht nur an Männer und Frauen richten, sondern an alle Geschlechteridentitäten. In unseren Büchern und Pornos und auch auf den Verpackungen sind außerdem auch Menschen zu sehen, die nicht den klassischen Körperformen und Schönheitsidealen entsprechen.

Ein feministischen Ansatz – heißt das, Männer und Frauen sind in unserer Gesellschaft nicht sexuell gleichberechtigt?

Fränky: Wir leben in einer patriarchalischen Kultur. Dementsprechend dreht sich beim Sex viel um Cis-Männer (Anm. d. Red.: Cis bedeutet, dass sich eine Person mit dem Geschlecht identifiziert, das bei der Geburt zugewiesen wurde. Gegenteil von Transgender). Frauen oder anderen Gruppen, wie zum Beispiel Menschen mit Behinderung, wird ihre Sexualität oft abgesprochen. Und es gibt auch viele Cis-Männer, die sich mit dem gesellschaftlichen Bild, das von Männern und Sex existiert, gar nicht identifizieren können. In Mainstream-Pornos wird ihnen vermittelt, dass „richtige“ Männer dominant sind, einen großen Penis und einen muskulösen Körper haben. Viele passen aber gar nicht in diese Stereotypen.

Kann euer Shop-Angebot überhaupt den vielen verschiedenen Sexualitäten und Geschlechteridentitäten gerecht werden?

Flo: Natürlich kann man nicht immer allen alles bieten, vor allem auf unserer kleinen Ladenfläche.

Fränky: Gerade sind wir noch im Bestellprozess, wir haben also noch gar nicht alles erhalten, was wir gerne im Laden stehen hätten. Viele der Sachen kommen aus Amerika, Penisprothesen für Trans-Männer beispielsweise. Die Produkte sind auf der anderen Seite des Ozeans einfach schon besser. Dann werden wir hoffentlich mehr Leuten gerecht. Wir sind aber immer offen für Bestellwünsche und hören uns die Bedürfnisse unserer Kunden an.

Das klingt, als wären eure Kunden euch gegenüber ziemlich offen.

Fränky: Ja und nein. Viele Menschen, auch in meinem Umfeld, sind schüchtern und fühlen sich prüde, wenn sie nicht so offen über Sex sprechen können. Auch die Kunden im Beratungsgespräch.

Flo: Aber das legt sich meistens ganz schnell, sobald die Menschen merken, dass sie ernst genommen werden.

Fränky: Ja, klar. Für uns ist das Sprechen über Sex ja ganz normal und selbstverständlich. Wenn ich berate, versuche ich auch immer Anekdoten aus meinem persönlichen Sexleben zu erzählen. Indem ich etwas von mir preisgebe, schaffe ich eine Situation, in der sich der oder die andere nicht mehr so fremd fühlt und offener sprechen kann. Die Workshops bieten auch immer einen netten Rahmen mit lockerer Atmosphäre, da fällt es vielen leicht ins Gespräch zu kommen.

Für jeden Nippel die passende Klemme.

Müssten wir mehr über Sex sprechen?

Flo: Eigentlich widerspricht sich das: Zum einen ist unsere Gesellschaft total übersexualisiert, überall geht’s um Sex. Auf den Titelseiten von Hochglanzmagazinen geht es immer um die Frage, wie wir besseren Sex haben können. Aber das ist ja nie an die wirklichen Bedürfnisse der Menschen angepasst. Wann wird schon mal realistisch darüber gesprochen? Wann können die Menschen wirklich frei über ihre Vorlieben sprechen, ohne Vorurteile und Schamgefühl?

Fränky: Ich finde, das fängt schon mit der Wortwahl an. Die Begriffe der deutschen Sprache für Geschlechtsteile sind entweder total klinisch, übersexualisiert oder kindlich-niedlich. Muschi, Pussy, Scheide … Da ein Wort zu finden, mit dem man sich selbst identifiziert und wohlfühlt, ist schwierig.

Kann ein kleiner Sexshop wie eurer überhaupt etwas daran ändern?

Fränky: Ich glaube, das ist wie mit jedem gesellschaftlichen Thema, an dem man etwas verändern möchte. Man muss an vielen kleinen Rädchen drehen, wir sind eben eins davon. Wir versuchen mit unserer Arbeit natürlich die vorherrschenden Strukturen aufzubrechen, einen Raum zu schaffen, in dem man über das Thema reden kann. Wenn wir in diesem Rahmen mit Leuten ins Gespräch kommen, und einen Denkanstoß geben, dann können diese Menschen wiederum anderen einen Denkanstoß geben.

Sollte so ein offener Diskurs nicht schon viel früher passieren?

Flo: Ja, meiner Meinung nach gibt es da schon in der Schule Defizite. Was hast du im Aufklärungsunterricht über Sex gelernt, dass dich auch später noch begleitet hat?

Nicht viel.

Flo: Eben. In unserem Bildungssystem ist da noch einiges aufzuholen, vor allem im Bezug auf den eigenen Körper. Unserer Meinung nach wird zu wenig detailliertes Wissen über Anatomie, Hormonhaushalte oder den Zyklus vermittelt. Viele kennen ihren Körper ja selber nicht so richtig gut. Aber auch die kulturelle und soziale Seite von Sexualität wird zu wenig beleuchtet. Welche Vorstellungen haben die Jugendlichen von Sex, und inwiefern entsprechen die der Realität? Wie spricht man über Sex und auch beim Sex? Wie funktioniert Konsens?

Fränky: Und auch später wissen viele nicht, was für Toys und Accessoires es gibt und wie man sie einsetzen kann. Zum Beispiel haben viele noch nie darüber nachgedacht, Gleitgele zu benutzen, was total luststeigernd sein kann. Wir haben auch Kurse, in denen wir mit den Teilnehmern Sexspielzeug selber basteln. Mit solchen spielerischen Dingen kann man einfach die Kreativität der Menschen anregen. Man muss nicht immer nur das machen, was man aus den Medien kennt oder schon immer so gemacht hat, sondern eben auch mal kreativ werden. So setzt man sich auch intensiver mit seinen Wünschen und Fantasien auseinander.

Fotos, Text & Interview: Sophia Herzog

www.fuckyeah.shop


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, September 2018. Das Magazin ist seit dem 30. August 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


 

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Meet the Resident – Louis Kreye

Jeden Monat stellen wir in der SZENE HAMBURG präsentiert von Hamburg Elektronisch Resident DJs vor. Diesmal mit Louis Kreye, 23, seit sieben Jahren als DJ im Norden unterwegs.

SZENE HAMBURG: Louis, wie würdest du deinen Sound beschreiben?

Louis Kreye: Techno und Breaks mit Einflüssen von Acid und Rave.

Deine schrecklichste Gast-Frage?

Die beste Antwort auf die dümmste aller Fragen „Ey, spielst du auch Goa?!“ ist: Die Plattenteller können sich nicht schneller drehen – klappt immer!

Was war dein größter Moment als DJ?

Plötzlich am Meer in Polen vor drei Jahren, da hatte ich den Freitagabend- Slot mit meinem Homie Planet Zwo. Ca. 3000 Leute in die erste Nacht eines Festivals zu führen ist auch emotional ein schönes Erlebnis.

Deine Platte des Monats?

Introversion’s Laika Release auf ARTS.

Was sind für dich Hamburgs Stärken?

Die Stadt hat viele musikalische Facetten und alles bleibt in einem relativ familiären Umfeld, was aber auch zum Nachteil werden kann. Gleichzeitig ist Hamburg kein Mikrokosmos, in dem sich alles um sich selbst dreht wie beispielsweise Berlin. Einflüsse von überall werden gewählt, aber schnell aufgenommen, dadurch kommen immer neue interessante Sachen hoch.

Und die Schwächen?

Generell? Stadtpolitik, gewalttätige Cops auf Demos und was sollen Olaf & Andi bitte noch tun zum Rausfliegen? Ansonsten, die Vetternwirtschaft vieler Klubs, gerade wenn sie sich nicht durchs Booking füllen, spielen dann auch mal die Thekenkräfte, die sich vor ein paar Wochen Virtual DJ geladen haben und jetzt die Deep House Tracks von den Sticks ihrer Kumpels auflegen (nix gegen Thekenkräfte).

Wo findet dein nächster Hamburg-Gig statt?

Am 8. September 2018 unten in der Fabrique vom Gängeviertel!

Interview: Ole Masch & Jean Djaman

Das aktuelle Set von Louis Kreye im Podcast von Hamburg Elektronisch:

 


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, September 2018. Das Magazin ist seit dem 30. August 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


 

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Meet the Resident – Gwen Wayne

Die gebürtige Frankfurterin Gwen Wayne, 31 Jahre, lebt seit über drei Jahren in Hamburg, ist Resident im Moloch, FSK-Moderatorin und Teil des feministischen Equal Kollektivs.

SZENE HAMBURG: Wie würdest du deinen Sound beschreiben?

Gwen Wayne: Ich hab zu Anfang meinem Sound den Namen „Shitstormtechno“ gegeben, damit mir keiner ans Bein pissen kann, wenn es mal scheiße wird. Aber mittlerweile ist es kaum noch scheiße. Ich mag den Namen trotzdem gerne. Sachlich betrachtet ist es wohl prolliger, dumpfer Tech-House, mit Einflüssen aus HipHop und dem Frankfurter Sound der 90er Jahre und eine Prise UK Bassmusik.

Was war dein größter Moment als DJ?

Ui, ich denke die Fusion 2018 mit meinen drei Gigs, das ist schon so etwas. Aber auch beim G20-Demorave 2017. Da habe ich ganz vorne auf einem Wagen gespielt, hinter mir 30.000 Raver und circa 50 Bullen vor mir inklusive Wasserwerfer. Ich hab dann auf höhe Gängeviertel „Wildchild – Renegade Master (Friend Within Refix)“ gespielt. Just in dem Moment ging ein Banner im Gängeviertel runter, wo drauf stand „Power to the people“ das ist zufälligerweise der Refrain des Tracks. Das war schon geil – als ob sie es geahnt hätten.

Wo gehst du in Hamburg hin, um Spaß zu haben?

Da gibt es gar nicht mal so viel. Ich bin auch viel in Berlin. Aber sonst war natürlich das Moloch mein Zuhause, den Südpol mag ich auch gerne. Und den Kindergarten im Gängeviertel.

Welche DJs würdest du gerne mal wieder in unserer Stadt sehen?

Billy Kenny und Maksim Dark.

Was sind für dich Hamburgs Stärken?

Man kann hier ziemlich schnell etwas rocken, wenn man die richtigen Leute um sich versammelt. Es ist konzentrierter als Berlin zum Beispiel. Das haben wir schon öfter gemerkt und gerade eine Booking-Agentur mit feministischem Ansatz gegründet, EQ:Booking, in der wir hauptsächlich weibliche Künstlerinnen fördern, aber auch coole Kerle, Queers etc. Wir finden das fehlt enorm in Hamburg und versuchen damit eine Lücke zu füllen. Es geht gut voran und vor allem mit schnellem Erfolg. Ich weiß nicht, ob das in einer anderen Stadt so fix über die Bühne gegangen wäre. Eine gute und starke, linke Community hat Hamburg.

Und die Schwächen?

Die Politik und die Polizei. Ohne Worte was letztes Jahr beim G20 abging. Das hat mich schon nachhaltig geschockt. Das musste als eine der größten Städte eines demokratischen Landes erst mal bringen. Na ja und dass Mama Moloch dicht machen musste, ist natürlich schwach. Schwach von der Stadt.

Dein Lieblingsort in Hamburg?

Die tolle HafenCity – nein, Spaß! Natürlich ist das das Gängeviertel. Ich hänge aber auch gern an der Dove-Elbe ab.

Auf wen sollte man in Hamburg momentan ein Auge haben?

Na auf uns natürlich: EQ:Booking.

Welcher Gig in Hamburg ist bisher dein Favorit?

Puh, gute Frage, vielleicht die Eröffnung der Fabrique im Gängeviertel vor drei Jahren an Silvester – inklusive Feueralarm … Klang aber gut, hehehe.

Deine schrecklichste Gast-Frage?

Das war in Stuttgart vor vielen Jahren. Da hab ich noch mit Laptop aufgelegt. Und während des Gigs kommt einer an und fragt mich, ob ich mal kurz checken kann, wann die letzte Bahn Richtung Hauptbahnhof fährt! Ich hab mich schlapp gelacht.

Wo kann man dich als nächstes hören?

Die halbe Festivalsaison ist ja schon vorbei. Kommt noch der Vogelball, auch mit EQ: zusammen (siehe Seite 82). Auf dem „Bucht der Träumer“-Festival machen wir auch einen eigenen Floor, den Bassfloor. Und sonst sicher irgendwo zwischen Hamburg-Berlin-Bremen und natürlich auf dem Gängeviertel-Geburtstag am 23.8. Ach ja, und sonst könnt ihr meine Stimme jeden vierten Dienstag im Monat auf FSK Radio hören, beim DJ Battle des Todes. Das moderiere ich.

Interview: Ole Masch & Hamburg Elektronisch
Foto: Rio Schmidt


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, August 2018. Das Magazin ist seit dem 28. Juli 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


Noch mehr Lust, die Stadt zu erkunden?

 

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