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Happy Birthday, Elbphilharmonie!

Mit der Elbphilharmonie feiert Hamburgs neues Wahrzeichen seinen fünften Geburtstag und bietet vom 9. bis 17. Januar 2022 ein Programm der Extraklasse

Text: Marco Arellano Gomes

 

Sind tatsächlich fünf Jahre vergangen, seit die Elbphilharmonie in Hamburg eröffnete? Es kommt einem irgendwie länger vor. Als wäre sie immer da gewesen, als wäre Hamburg schon immer Teil der ersten Reihe der Musikstädte dieser Welt. Andererseits, kommt es einem kürzer vor – denn auch das strahlende Konzerthaus in der HafenCity musste aufgrund der Pandemie und der Lockdown-Phasen über Monate pausieren. Kein Beethoven, keine Klangwelten, kein Husten und Räuspern in den Pausen. Aber es stimmt: Im Januar feiert die Elbphilharmonie, die die Hansestadt schlagartig in die erste Liga der klassischen Musik katapultierte, ihren fünften Geburtstag. Und das will gebührend gefeiert werden!

 

Feier zum Fest

 

Zu diesem Anlass gibt es vom 9. bis 17. Januar 2022 eine spektakuläre Konzertwoche. Vielfalt, Dichte und Qualität lässt keine Wünsche offen. Das Festkonzert am 11. Januar übernimmt wie am Eröffnungstag das NDR Elbphilharmonie Orchester, diesmal unter Leitung des neuen Chefdirigenten Alan Gilbert. Darüber hinaus gibt es jede Menge prominente musikalische Beiträge: Kent Nagano mit dem Philharmonischen Staatsorchester Hamburg (9.1./10.1.), der legendäre US-Jazzsaxofonist Charles Lloyd mit seinem Quartett (9.1.), das London Symphony Orchestra unter ihrem Chefdirigenten Sir Simon Rattle (13.1./14.1.) sowie die Staatskapelle Berlin mit ihrem Stardirigenten Daniel Barenboim (15./16.1.), um nur die prominentesten zu nennen. Zudem spielt Pianist Kirill Gerstein gemeinsam mit dem NDR Elbphilharmonie Orchester das jüngste, hochgelobte Klavierkonzert des britischen Komponisten Thomas Adès (12.1.). Ein Highlight ist das Licht-Kunstwerk des international gefeierten Künstlerduos DRIFT aus Amsterdam, das das Konzerthaus spektakulär in Szene setzt – passend zu der parallel beginnenden Ausstellung zum Duo im Museum für Kunst und Gewerbe.

  • Am 11. Januar 2017 wurde die Elbphilharmonie eröffnet (Foto: Maxim Schulz)

    Am 11. Januar 2017 wurde die Elbphilharmonie eröffnet (Foto: Maxim Schulz)
  • Ursprünglich sollte sie schon 2010 fertig sein, doch der Bau gestaltete sich schwieriger als gedacht (Foto: Oliver Heissner)

    Ursprünglich sollte sie schon 2010 fertig sein, doch der Bau gestaltete sich schwieriger als gedacht (Foto: Oliver Heissner)
  • Durch die „Tube“ gelangen fast alle Gäste auf die „Plaza“ der Elbphilharmonie (Foto: Michael Zapf)

    Durch die „Tube“ gelangen fast alle Gäste auf die „Plaza“ der Elbphilharmonie (Foto: Michael Zapf)
  • Die „Plaza“ ist für alle zugänglich und bietet einen einzigartigen Blick auf Hamburg und seinen Hafen (Foto: Iwan Baan)

    Die „Plaza“ ist für alle zugänglich und bietet einen einzigartigen Blick auf Hamburg und seinen Hafen (Foto: Iwan Baan)
  • Das Foyer zum Großen Saal ist lichtdurchflutet und bietet einen Blick auf die Stadt und den Hafen (Foto: Iwan Baan)

    Das Foyer zum großen Saal ist lichtdurchflutet und bietet einen Blick auf die Stadt und den Hafen (Foto: Iwan Baan)
  • Im Großen Saal finden 2.100 Zuschauer:innen platz (Foto: Michael Zapf)

    Im Großen Saal finden 2.100 Zuschauer:innen platz (Foto: Michael Zapf)
  • Der japanische Starakustikert Yasuhisa Toyota ist für den spektakulären Klang verantwortlich (Foto: Michael Zapf)

    Der japanische Starakustikert Yasuhisa Toyota ist für den spektakulären Klang verantwortlich (Foto: Michael Zapf)
  • Yasuhisa Toyota war es auch, der die Idee für die „Weiße Haut“ hatte. Sie sorgt für den Klang im Großen Saal der Elbphilharmonie (Foto: Johannes Arlt)

    Yasuhisa Toyota war es auch, der die Idee für die „Weiße Haut“ hatte. Sie sorgt für den Klang im Großen Saal der Elbphilharmonie (Foto: Johannes Arlt)
  • Der Kleine Saal ist akustisch nicht weniger beeindruckend, er bietet Platz für 550 Besucher:innen (Foto: Michael Zapf)

Elphi-Klänge

 

Die Elbphilharmonie ist eine einzige Offenbarung: Seit dem 11. Januar 2017 führt die etwa 80 Meter lange, leicht gekrümmt Rolltreppe durch einen hellen, mit Glaspailleten bestückten Tunnel (genannt „Tube“) Musikliebhaber und Neugierige hinein in den Kern des Gebäudes. Oberhalb der Plaza gelangt man durch das lichtdurchflutete Foyer schließlich in den Großen Saal mit seinen 2.100 Plätzen, der an einen Weinberg erinnert. Architektur zum Staunen und Musik zum Dahinschmelzen: Außen: Wow! Innen: Ohh! Für Letzteres sorgte nicht zuletzt der japanische Akustik-Experte Yasuhisa Toyota, der im Innenraum des großen Konzertsaals eine spezielle Wand- und Deckenstruktur, bestehend aus 10.000 millimetergenauen, individuell gefrästen Gipsfaserplatten, die „Weiße Haut“ genannt, verbauen ließ, um den perfekten Klang zu ermöglichen. Ein riesiger Reflektor unter der Saaldecke sorgt zusätzlich dafür, dass sich der Klang sich gleichmäßig im Raum verteilt.

 

Hohe Baukunst, hohe Kosten

 

Das kostete nicht nur Geschick und Nerven, sondern auch eine Menge Geld: Die ursprünglich vorgesehenen Baukosten von 77 Millionen Euro erhöhten sich letztendlich um mehr als das zehnfache auf 789 Millionen Euro – insgesamt kostete die Elbphilharmonie inklusive Spenden sogar 866 Millionen Euro. Keine Petitessen, aber inzwischen so gut wie vergessen! Die Hamburger sind stolz auf ihre „Elphi“, haben sich längst mit ihr versöhnt. Jeder Besucher gelangt zuerst auf die „Plaza“ geführt, eine kostenlosen Aussichtsplattform mit 360-Grad-Rundumblick. Schaut her: Das ist unser Wahrzeichen – mit Blick auf die Elbe! Wer darüber hinaus die begehrten Tickets ergattern konnte und den Klängen im Großen oder Kleinen Saal lauscht, verlässt das Gebäude berauscht, auf jeden Fall aber verändert.

Backstein und Glas – kein Gebäude vereint die Dualität der Stadt mit ihren wohlhabenden und weniger wohlhabenden Bevölkerungsteilen so gut wie dieses. Es hat dem Michel und Tele-Michel als Wahrzeichen dieser Stadt längst den Rang abgelaufen. Der Siegeszug begann vor fünf Jahren, abgeschlossen ist er noch lange nicht. 2,7 Millionen Menschen hatten in 2.500 Konzerten bis zum ersten Lockdown die Ehre. Viele folgen seit Wiederaufführung der Konzerte im Sommer 2021. Dieses Gebäude trotzt allem Ärger, allen Kostensteigerungen, allen Wellen. Gratulation!

elbphilharmonie.de


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Januar 2022. Das Magazin ist ab dem 22. Dezember 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Elphi und MK&G: Staunen oder wundern?

Die Elbphilharmonie feiert ihr fünfjähriges Jubiläum mit dem Künstlerduo Drift und dem Museum für Kunst und Gewerbe

Text: Sabine Danek

 

Sind die Installationen des Amsterdamer Duos Drift Kunst oder Design? Zeigen sie die Natur im neuen Licht? Oder sind sie einfach nur Kitsch? Auf jeden Fall ziehen sie einen erst mal in ihren Bann. Ob das ein Betonblock ist, den Lonneke Gordijn und Ralph Nauta scheinbar schwerelos schweben lassen, ob es Pusteblumen, die von innen leuchten oder Seidenblüten, die sich perfekt choreografiert bewegen. Während ihres Studiums an der Designakademie in Eindhoven haben die beiden sich kennengelernt, 2007 ihr Studio gegründet und sich zu ihrer Aufgabe gemacht, die Natur durch Technologie neu erlebbar zu machen. Im Stedelijk Museum in Amsterdam haben sie ausgestellt, während der Biennale in Venedig und zu ihren 5. Geburtstag hat die Elbphilharmonie einen Werkauftrag an Drift vergeben.

 

Drift in der Elbphilharmonie

 

Bis zum Redaktionsschluss war noch nicht bekannt, wie die entstehende Arbeit von Lonneke Gordijn und Ralph Naut konkret aussehen wird. Auf jeden Fall aber wird sie im Außenraum der Philharmonie zu sehen sein, Bezug auf das Gebäude nehmen – und auf die Musik. Und sie wird von einer Ausstellung von Drift im MK&G begleitet. Drei ihrer bekanntesten Werke sorgen dort für eine zweite Natur. Allen voran die kinetische Skulptur „Shylight“ (2016), die sich im Haupttreppenhaus des Museums gleich über zwei Etagen erstreckt. Fünf blassweiße Blüten schweben dabei unter der Decke, öffnen und schließen sich ganz so wie manche Pflanzen, es tun, um sich nachts zu schützen. Im Gegensatz zu menschengemachten Objekten, die eher statisch sind, ist alles natürliche, ganz so wie der Mensch auch, in ständiger Bewegung und Transformation, sagt Drift. Und das möchten sie nachahmen, aufgeladen mit Ausdrucksstärke und Gefühl. Fünf Jahre hat es gebraucht bis die Blüten aus hauchdünner Seide dafür mit der perfekten Mechanik ausgestattet waren. „In 20 Steps“ visualisieren Glasflügel den Traum des Menschen abzuheben während in der Skulptur „Fragile Future III“ Löwenzahnsamen digital zum Leuchten gebracht werden und nach der Zukunft der Natur fragen.

„Drift: Moments of Connection“, Eröffnung am 6. Januar, 19 Uhr, die Ausstellung läuft bis zum 8. Mai 2022 im Museum für Kunst und Gewerbe


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30 Years Molotow – gefeiert wird später

Seit 1990 da und mittlerweile legendär, das Molotow feiert 30. Geburtstag – schon wieder nicht

Text: Felix Willeke

 

Der legendäre Musikclub auf dem Hamburger Kiez wollte schon 2020 seinen 30. Geburtstag feiern, doch das klappte nicht und auch 2021 fällt die Party der Corona-Pandemie zum Opfer. Dabei hat das Molotow schon viele Krisen durchstanden, nicht zuletzt den Zwangsumzug 2013/14. Aber noch mehr prägten die Höhepunkte die Geschichte des Clubs.

Wurde er vor mittlerweile 32 jahren unter den Esso-Häusern am Spielbudenplatz eröffnet, hat er mittlerweile seine Heimat unweit der Großen Freiheit gefunden. Was sich dabei nie verändert hat: Es kamen immer die Kleinen und Großen ins Molotow, bevor sie alle kannten. Darunter sind Namen wie Billy Talent, Die Toten Hosen, die Killers, Kettcar oder Tocotronic. Außerdem gab es immer Lesungen und den legendären Poetry Slam „Hamburg ist Slamburg“, der seit dem Umzug im Nochtspeicher stattfindet. War das Molotow früher berühmt für seinen engen Keller, bietet es heute an seinem neuen Standort Platz für 530 Gäste. Am 17. und 18. Dezember sollte eigentlich auf die nächsten 30 Jahre angestoßen werden. Dafür hatten sich neben Grundeis auch Shitney Beers, Fritzi Ernst und Gym Tonic angesagt. Es bleibt zu hoffen, dass 2022 mit dann 33 Jahren in guter alter Molotow-Manier gefeiert werden kann.

molotowclub.com


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Dezember 2021. Das Magazin ist seit dem 27. November 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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70 Jahre Ernst Deutsch Theater: Grund zum Feiern

Vor 70 Jahren eröffnete das heute größte Privattheater Deutschlands seine Pforten. Grund genug, sich selbst zu feiern und das macht das Ernst Deutsch Theater am 13. Oktober 2021

Text: Felix Willeke

 

Friedrich Schütter und Wolfgang Borchert gründeten 1951 das Junge Theater. Nach dem Umzug 1964 in das ehemalige UFA-Palast-Kino an der Mundsburg entwickelte sich das 1973 in Ernst Deutsch Theater umbenannte Theater in eines der führenden Häuser in Hamburg. Jetzt wird das größte Privattheater Deutschlands am 13. Oktober 2021 70 Jahre alt.

 

Grund zum Feiern

 

Zum Anlass des Jubiläums lädt das Ernst Deutsch Theater und seine Intendantin Isabella Vértes-Schütter alle Freund:innen, Gratulant:innen und Interessierte ein, gemeinsam bei der „Happy Birthday Hour“ anzustoßen. Dafür gibt es auf dem Friedrich-Schütter-Platz vor dem Theater am 13. Oktober ab 17.30 Uhr Live-Musik, Essen und Trinken. Außerdem bietet das Haus bis zur bereits ausverkauften Abendvorstellung („Best of Poetry Slam“) eine offene Bühne und lädt seine Gäste ein, den Theatersaal aus einer neuen Perspektive zu erleben. Dabei gilt für das Theater die 2G-Regel. Das heißt, wer rein möchte, muss seinen Nachweis bereit halten. Dann steht dem fröhlichen Miteinander zum 70. Geburtstag nichts mehr im Wege.

Die „Happy Birthday Hour“ des Ernst Deutsch Theater, 13.10. ab 17.30 Uhr, Friedrich-Schütter-Platz; ernst-deutsch-theater.de


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fritz-kola: „Die beste Idee war, Cola zu machen“

Eine Marke ist volljährig: fritz-kola feiert den 18. Geburtstag. Gründer und Geschäftsführer Mirco Wolf Wiegert über die ersten Schritte, einen Aha-Moment, ein langfristiges Ziel und das kürzlich erschienene Buch „fritz gegen goliath“

Interview: Erik Brandt-Höge

 

SZENE HAMBURG: Mirco, zunächst mal ein Blick weit zurück: Als du 2003 mit einem Freund fritz-kola gegründet hast, war das vor allem eine studentische Rebellion gegen das große Coca-Cola oder schon Unternehmertum mit Weitblick?

Mirco Wolf Wiegert: Prinzipiell ging es uns einfach darum, dass wir uns selbstständig machen wollten. Wir wollten lernen, wie das geht und was man dafür machen muss. Wir haben dafür in einem Ideenbuch mögliche Ansätze gesammelt und die beste Idee war eben, Cola zu machen. Die gab es zu der Zeit nur aus Plastikflaschen und das hat mich damals schon gestört. Also wollten wir eine Cola in der Glasflasche machen, die der Gastronom nur noch kalt stellen und unfallfrei zum Gast bugsieren muss, der am Ende ein schönes Trinkgefühl hat. Wir haben also mit 7.000 Euro angefangen und gesagt, wenn es nicht klappt, dann war es eine schöne Erfahrung und wenn’s funktioniert, umso besser.

 

Das wird groß

 

Wann hast du denn gemerkt: Das ist mehr als eine Gründung – das wird extrem groß?

Unser größter Aha-Moment war tatsächlich, als wir gemerkt haben, dass das, was wir machen, auch funktioniert. Ganz besonders erinnere ich mich an die legendäre Begegnung 2003 mit Matthias Onken, dem damaligen Redakteur der Hamburger „Morgenpost“. Wenige Tage nachdem Matthias uns im Studentenwohnheim besucht hatte und wir wussten, dass er etwas über uns schreiben wollte, steuerten wir eine Tankstelle an und wollten schauen, ob die „Morgenpost“ schon über uns geschrieben hatte: Ja – sie hatte! Eine Ankündigung auf der Titelseite und eine folgende Doppelseite. Diese Doppelseite in der „MoPo“ war unser Durchbruch, das war uns sofort klar. Ab diesem Zeitpunkt wussten wir, dass hier etwas richtig Großes entstehen würde.

In diesem Jahr wurde fritz-kola volljährig, ist europaweit etabliert, hat fast 300 Mitarbeiter. Kürzlich erschien das Buch „fritz gegen goliath“, für das du die Firmengeschichte aufgeschrieben hast. Gab es Jahre, an die du dich dabei besonders gerne erinnert hast?

Uns wurde im Laufe unserer Arbeit ziemlich schnell klar: Wenn wir besser und nachhaltiger sein wollen, brauchen wir authentische, natürliche Rezepturen. Wir haben deshalb bereits 2011 künstliche Aromen und Farbstoffe aus unserem Sortiment verbannt und sind auch zu diesem Zeitpunkt in die Bio-Welt eingestiegen. Darauf sind wir bei fritz sehr stolz.

 

Nach Corona und neue Ziele

 

2020 war sicher nicht dabei. Wie hart hat euch die Pandemie getroffen?

Wir wollen nicht klagen. Ein großer Dank gilt allen fritzen, die über die Kurzarbeiterregelung das Durchstehen der harten Monate ermöglicht haben. Viel schwerwiegender war im Nachhinein, dass der interne Zusammenhalt gelitten hat. Viele Monate im Homeoffice haben tiefe Spuren hinterlassen. Wir haben deshalb Anfang September den Neustart der europäischen Gastronomie bei unserer Sommersause mit rund 300 fritzen aus sechs verschiedenen Nationen auf einem Wakeboard-Camp nördlich von Berlin gefeiert. Dieses Beisammensein ist uns bei fritz ganz wichtig, wir haben es echt vermisst. Dafür haben wir dann auch PCR-Tests et cetera auf uns genommen.

Nach dem Blick zurück noch einer nach vorne: Gibt es bestimmte Ziele, die ihr bis zum 25. fritz-kola-Geburtstag erreichen möchtet?

Die nächste große Herausforderung ist tatsächlich, Mehrweg auf europäischer Basis durchzusetzen. In Österreich kommen wir gut voran. In Italien ist Mehrweg beispielsweise ein verschwindend geringer Teil vom Getränkemarkt. Wir wollen unsere Fans und Konsumenten also dahingehend aufklären, dass es etwas Gutes ist, wenn sie Mehrweg kaufen und nutzen. Damit werden wir uns wohl in den nächsten Jahren beschäftigen.

Mirco Wolf Wiegert: „fritz gegen goliath“, Econ, 304 Seiten, 20 Euro; fritz-kola.de


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Große Sause zum 30.: Schmidts Tivoli feiert Geburtstag

Die Traditionsbühne Schmidts Tivoli hat genullt – und entsprechend gefeiert

Text: Erik Brandt-Höge

 

Was ist los, wenn Andy Grote, Udo Lindenberg, Rolf Zuckowski, Mary Roos, Michael Otremba, Christina Block, Gayle Tufts und Jane Comerford zusammenkommen, um ordentlich zu feiern? Etwas Großes! Am 1. September 2021 war dieses Große der 30. Geburtstag der Reeperbahn-Traditionsbühne Schmidts Tivoli. Die genannten zählten zu den 280 geladenen Gästen, die ein kunterbuntes Jubiläumsprogramm geboten bekamen – präsentiert von Gastgeber Corny Littmann, der das Schmidts Tivoli gemeinsam mit Prof. Norbert Aust und zwei Partnern am 1.9.1991 eröffnet hatte.

Unter anderem wurden Songs und Szenen aus „Heiße Ecke“ aufgeführt, dem St. Pauli-Musical, das nach anderthalb Jahren Corona-Pause wieder dauerhaft (dienstags bis sonntags) im Kieztheater zu erleben ist.

tivoli.de


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Das Gängeviertel feiert 12. Geburtstag

Vom 19. bis 22. August 2021 feiert das Gängeviertel seinen 12. Geburtstag. Unter dem Motto „Access All Spaces: Raum in all seinen Facetten“ gibt es Ausstellungen, Musik, Workshops und Lesungen

Text: Felix Willeke

 

Besonders in der Zeit der Pandemie bekam der Begriff Raum eine ganz neue Bedeutung: Sei es durch Verlagerung von Arbeitsraum, durch Verknappung von Raum durch eingeschränkte Bewegungsfreiheit oder durch fehlenden Raum für Künstler:innen. Hier setzt das Gängeviertel mit dem Motto „Access All Spaces: Raum in all seinen Facetten“ zu seinem 12. Geburtstag vom 19. bis 22. August 2021 an. Musikalisch, performativ und diskursiv wollen sie etablierte und ungewohnte Ecken des Viertels ausleuchten.

 

Ausstellungen, Lesungen, Diskussionen und Musik

 

Das Programm reicht von Ausstellungen und Workshops über Lesungen bis zu Musik. Los ging es am Donnerstag, den 18. August 2021 mit einem Softopening, die Performance mit dem Titel „All my Loving“ orientierte sich an dem Roman „Wie wir begehren“ von Carolin Emcke. Dabei gingen sie auf eine kleine Zeitreise und verbanden die eigene Geschichte mit den Themen aus Emckes Buch. Das Ganze ist am Freitag um 18.30 Uhr nochmals zu sehen. Ebenfalls am Freitag ist unter anderem der Journalist und Autor Christoph Twickel mit einer Lesung und Podiumsdiskussion zum Thema Gentrifidingsbums 2021 zu Gast.

Am Sonntag liest Hengameh Yaghoobifarah aus ihrem Buch „Ministerium der Träume“. Darüber hinaus gibt es Musik von „Rapfugees“, „Knarf Rellöm“ und vielen anderen. Alle Veranstaltungen sind kostenlos, bei vielen ist Corona-bedingt eine Voranmeldung nötig.

 

Das f.e.t.t. Kollektiv

 

Eines der Highlights des Geburtstags ist der interaktive Theater-Walk des f.e.t.t. Kollektiv. Das 2018 gegründete Kollektiv nimmt die Besucher:innen mit auf eine Reise durch das Internet. Dabei verarbeiten sie die Ambivalenzen dieses schier unendlichen Raumes mit einem interdisziplinären Team an Künstler:innen. Zu sehen nach Voranmeldung.

 

Das Gängeviertel auf der Suche

 

Mit diesem 12. Geburtstag beginnt für das Viertel eine neue Zeit: „Nachdem wir vor zwei Jahren den Erbpachtvertrag für 75 Jahre mit der Stadt abgeschlossen haben, haben wir unser Hauptziel erreicht: Das Gängeviertel zu retten. Nun geht es darum, sich zu überlegen, was für ein Ort wir in Zukunft sein wollen“, sagt Lena Frommeyer vom Gängeviertel. Als nächstes steht die Renovierung des vierten von zwölf Gebäuden an.

In einer Zeit der Wiederöffnung des kulturellen Lebens hat sich auch das Gängeviertel über die Förderung durch den Kultursommer gefreut. Sie wünschen sich allerdings, dass sich diese Förderung verstetigt. Das Viertel will sich unterdessen weiter öffnen und weiter entwickeln. „Wir sind eine Schlange, die sich gut häutet. Ständig kommen neue und oft auch junge Leute ins Viertel und prägen es. So lange wir immer wieder durch neue Ideen und Ansätze überrascht werden, dann geht es uns gut.“

Access All Spaces: Raum in all seinen Facetten, der 12. Geburtstag des Gängeviertels; 19. bis 22. August


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Die Welt von Gestern: Severus Verlag feiert Jubiläum

Messen wurden abgesagt, Neuveröffentlichungen verschoben. Grund genug, die weite Welt des Vergangenen zu entdecken – zum Beispiel im Sortiment des Severus Verlags, der sein 10. Jubiläum feiert

Interview: Ulrich Thiele

 

Am 8. Mai 2010 wurde der Severus Verlag als Imprint der Bedey Media GmbH gegründet. Dennoch feiert er seinen 830. Geburtstag, wie er ironisch verkündet, denn in seinem Sortiment stehen auch mittelalterliche Werke wie die altbretonischen Liebes-Sagen „Die Lais der Marie de France“. Severus hat es sich zur Aufgabe gemacht, bekannte und vergessene Originaldokumente aus dem Fundus des letzten Jahrtausends in edlen Ausgaben neu zu verlegen. Eine bewusste Entscheidung „gegen den Trend der Zeit, Inhalte und Themen möglichst schnell und oberflächlich abzuhandeln“, wie es in der Selbstbeschreibung des Verlags heißt. Ein Gespräch mit Programmleiterin Anna Klöhn.

 

SZENE HAMBURG: Frau Klöhn, was bietet uns die literarische Welt von gestern?

Anna Klöhn: Einblicke in die Gedankenwelt unserer Vorfahren. In alten Büchern können wir hautnah erfahren, wie sie lebten und die Welt beurteilten. Gerade aus heutiger Perspektive ist das ungeheuer spannend.

Inwiefern?

Wir können zum Beispiel in Rudolf Diesels Tagebuch ganz dicht an seinen Gedanken während der Erfindung des Dieselmotors sein. Auch das Thema Entschleunigung ist momentan ja in aller Munde – diesbezüglich können wir viel von dem norwegischen Polarforscher Fridtjof Nansen lesen und lernen. Er hat als erster Mensch Grönland durchquert und seine ganzen Forschungen in drei Bänden herausgebracht. Darin können wir Seite für Seite lesen, wie Menschen früher wochenlang und unter schwierigsten Bedingungen gereist sind.

Heute ist die Welt längst vermessen worden, wir können in wenigen Stunden auf einem anderen Kontinent sein oder die Welt im Internet mit einem Klick durchreisen – was alles natürlich seinen Reiz hat, aber da fehlt das Ursprüngliche.

Welche alten Bücher sind besonders beliebt?

Kochbücher aus dem 19. Und 20. Jahrhundert haben seit zwei Jahren einen großen Anreiz bei unseren Lesern. Momentan kommt der Trend „Kochen und Backen wie zu Omas Zeiten“ wieder auf. 2016 haben wir angefangen, das Hamburger Kochbuch von Hulda Behnke aus dem Jahr 1923 neu aufzulegen – mit Hamburger Gerichten wie „Teufelstunke“ und „Rührei auf andere Art“.

 

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„Bücher sind Schätze“, sagt Anna Klöhn (Foto: Henry Be via Unsplash)

 

Ihre Neuauflagen sind sehr aufwendig. Wie gehen Sie vor – zum Beispiel bei Marx’ „Das Kapital“?

Das Besondere an unserer „Kapital“-Ausgabe ist, dass wir uns das Hamburger Original ausgesucht haben, also den allerersten Band. Wir besorgen uns die Bücher in der Regel selbst aus Antiquariaten und scannen sie ein. Wir haben ein Programm, mit dem die Frakturschrift dann übertragen wird. Anschließend überprüfen wir, was man an die heutige Rechtschreibung anpassen und was man so stehen lassen kann.

Im Hamburger Kochbuch gibt es zum Beispiel Mengenangaben, die es heute nicht mehr gibt. Das müssen wir in Fußnoten erläutern. Wenn das Lektorat durchgelaufen ist, gucken wir, wie wir die Bücher noch optisch aufwerten können – zum Beispiel durch eigens angefertigte Illustrationen wie in „Vegetarische Zeitreise“. Das ist unser Markensymbol: Wir geben uns große Mühe mit der Ausstattung der Bücher und füttern sie zusätzlich mit Bildmaterial. Und dann setzen wir sie ganz klassisch und entwerfen gleichzeitig ein passendes Cover.

Wie lange dauert das?

„Das Kapital“ ist natürlich sehr umfangreich, die Produktion hat entsprechend länger als normal gedauert. Bei einem Buch mit einem Umfang von 150 bis 300 Seiten dauert es zwischen drei und fünf Monaten, bis es auf den Markt kann. Was auch daran liegt, dass wir mehrere Projekte gleichzeitig betreuen.

Viele Ihrer Bücher haben Nischencharakter. Finden Sie trotzdem genug Leser?

Ja, auch Nischenthemen haben ihre Liebhaber. Außerdem achten wir immer auf anstehende Jubiläen, zu denen wir etwas beisteuern können. Gerade ein Schriftsteller wie Theodor Storm hat eine breite Leserschaft, die an Schmuckausgaben von Büchern interessiert ist, die es schon auf dem Markt gibt.

Wie entscheiden Sie, welche Jubiläen Sie aufgreifen und welche Sie auslassen?

Wir achten auf die Beliebtheit des Jubilars und oft auch auf den regionalen Hamburg-Bezug. Der Hamburger
Schriftsteller Wolfgang Borchert hatte auch gerade ein Jubiläum, zu dem Anlass haben wir seine bekanntesten Werke in liebevoller Gestaltung und aufeinander abgestimmten Ausgaben neu aufgelegt.

 

Ein anderes Leseerlebnis

 

Warum fokussieren Sie sich so stark auf die Haptik?

Unser Prinzip lautet: Bücher sind Schätze. Ich finde es sowieso spannend, antiquarische Bücher in der Hand zu halten, weil man ihnen ansieht, dass das Büchersetzen früher ein richtiges Handwerk war. Die Seiten wurden aufwendig mit Pergamentseiten dazwischen gestaltet. Oder es gab besondere Ledereinbände, was sich heute kein Verlag mehr leisten kann, weil die Kosten zu hoch sind. Wir streben an, diesen haptischen Reiz weiterhin zu erhalten – nur eben auf die heutige Zeit angepasst.

Legen Sie auch mal Bücher auf, von denen Sie wissen, dass sie sich nicht groß rentieren werden?

Ja, mein persönliches Faible zum Beispiel: Kunstbände. Ich komme aus der Romanistik und habe im Nebenfach Kunstgeschichte studiert. Wir haben Bände über Auguste Rodin, Edgar Degas oder Worpswede neu aufgelegt, obwohl zum Jubiläum schon welche veröffentlicht wurden und wir nicht wussten, ob es sich finanziell lohnt, sie noch mal neu aufzulegen.

Aber gerade Bildbände bieten ganz viel Gestaltungsfreiraum, der einfach verlockend ist. Manchmal probieren wir auch Nischenthemen aus, ohne einschätzen zu können, wie gut sie ankommen. Vor ein paar Jahren haben wir Märchen aus aller Welt veröffentlicht, mit japanischen und altindischen Märchen. Viele kennen ja nur die gängigen Märchen der Brüder Grimm oder von Andersen und wir wollten den Blick erweitern.

Liest man schöne Bücher anders?

Ja, ich denke schon. Manche Titel, die besonderes Interesse erregen, bringen wir auch als E-Book heraus. Ich merke dabei immer, dass es ein enormer Unterschied ist, ob man Bücher digital oder analog liest. Selbst zwischen Paperback und Hardcover gibt es einen großen Unterschied. Das ist ein anderes Leseerlebnis.

Warum heißt Ihr Verlag eigentlich „Severus“, also übersetzt „ernst“ oder „streng“?

So fing es damals an. Ganz ursprünglich hatten wir eine Reichskanzlerserie, die wir inzwischen ein bisschen zurückgestellt haben. Der Schwerpunkt war früher historisch-politisch und der Verlagsname spielt auf den damaligen Tonus an. Die Auffächerung mit mehr Literatur, Kunstbänden und Biografien von Künstlern und Musikern im Programm, folgte erst später.

Zum 75. Todestag der Malerin, Grafikerin und Bildhauerin Käthe Kollwitz beleuchtet der Severus Verlag auf seiner Facebook-Seite die Werke der Künstlerin in einer digitalen Werkstatt


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Mai 2020. Das Magazin ist seit dem 30. April 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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Bedrohte Zukunft: Molotow muss bleiben!

In diesem Monat erlebt der Musikclub Molotow seinen 29. Geburtstag. Das wird groß gefeiert. Doch die Zukunft des Ladens ist erneut bedroht

Text: Ole Masch

 

Seit einigen Wochen sind die schwarz-roten Plakate und Aufkleber an den Stromkästen und Straßenlaternen dieser Stadt kaum zu übersehen. „Molotow Must Stay“ oder „Molotow muss bleiben“ ist dort zu lesen. Wer aber glaubt, dass der Club damit seinen Geburtstag ankündigt irrt. Schon häufig kämpfte das Molotow ums Überleben, aber die Zukunft im Neubau auf dem ehemaligen Esso-Häuser-Gelände schien nach der Rückkehrrechts-Zusage des Investors gesichert. Und auch das Ausweichquartier in den früheren Räumen der China Lounge mit seinem gemütlichen Hinterhof, wirkt wie die perfekte Zwischenlösung.

Doch der Eindruck täuscht. Das Molotow schreibt auf seiner Facebook-Seite, dass eine Rückkehr in das sogenannte Paloma-Viertel mittlerweile unklar sei. Zwar habe sich an der Rückkehroption und dem Interesse des Clubs dort wieder hinzuziehen nichts verändert, meint Betreiber Andi Schmidt gegenüber SZENE HAMBURG. „Wir haben bisher nur noch kein für uns bezahlbares Mietangebot bekommen“.

 

„Wenn ich träumen darf, …“

 

Ein weiteres Problem: Das Gelände am Spielbudenplatz liegt seit Jahren brach. Die Bayrische Hausbau, Eigentümerin des Esso-Häuser-Areals, schreibt auf ihrer Internetseite über die Fertigstellung der neuen Bebauung von Mitte 2022. „Das gesamte Konzept für den momentanen Standort, inklusive Finanzierung, war ab 2014 nur für vier Jahre geplant, so Schmidt. „Bis dahin sollte das Paloma-Viertel fertig und wir am Nobistor eigentlich schon wieder raus sein.“ Wie lange man am jetzigen Standort bleiben könne, sei ebenfalls unklar. „Wenn ich träumen darf, würde ich mir jemanden wünschen, der das Gebäude am Nobistor kauft, es zu einer bezahlbaren Miete an das Molotow vermietet und es für immer als Live-Club erhält.“

Nicht wenige dürften dabei an die Stadt denken, die mit dieser Lösung einen Betrag für den Musikstandort Hamburg leisten könnte. Ob dies jedoch geschieht, steht in den Sternen. Gefeiert wird ein Jahr vorm runden 30. Geburtstag natürlich trotzdem. Andi Schmidt verspricht ein denkwürdiges Fest mit Livebands wie Strange Bones, Sons, Bilk, Thee MVPs und Calva Louise. Dazu eine ganz spezielle Tombola, eine Sonderausgabe des legendären Pub Quiz und Musik von den Motorboooty DJ. Bei diesem Programm geht bekannte Losung natürlich leicht über die Lippen: Molotow muss bleiben!

Molotow: Nobistor 14 (St. Pauli)
16.11.19, 18 Uhr


szene-hamburg-november-2019Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, November 2019. Titelthema: Sexualität. Das Magazin ist seit dem 27. Oktober 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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