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Die Stadt im Oktober: Gereon Klug und Peter Lau im Gespräch

Jeden Monat treffen sich der Künstler Gereon Klug und Brand eins-Redakteur Peter Lau zum Gespräch. Diese Mal ging es um die Bewohner der HafenCity, Kreuzfahrtschiffe auf der Binnenalster und einen neuen Zoo für Hamburg.

Foto: Michael Kohls

Hallo Peter, danke, dass du meine Blumen in meiner Abwesenheit über­gossen hast. 

P: Gereon, das mache ich doch gerne. War auch kein Problem, ich hatte sowieso gerade etwas Wasser über. Na, jedenfalls schön, dass du wieder in Hamburg bist.

G: Hab ich was verpasst? Schließlich waren das zwei Wochen. 

P: Zwei Wochen? Was redest du? In der geilsten Stadt Hamburg sind zwei Wochen wie zwei Stunden, die wie zwei Jahre sind! Die Ereignisse haben sich hier überschlagen! Vor allem in der HafenCity!!

G: Kannst du das bitte mal lassen mit den Ausrufezeichen. Ich bin Ästhet. 

P: Mich macht das alles ganz wuschig. Ich bin ja irgendwo auch Mensch. Und wenn es anderen Menschen schlecht geht, dann leide ich eben mit.

G: Wem geht es denn schlecht ausge­rechnet in der HafenCity? Wohnen da nicht nur Freaks? 

P: Ja, klar: Unternehmenserben, Internet-Milliardäre, Hacker, Akademikerkinder. Und, wusstest du das eigentlich: 12.000 italienische Clickworker.

G: Nee, wusste ich nicht. Aber was ist mit denen? 

P: Die haben einen Touri-Deckel gefordert. Slogan: „Unser Viertel ist keine Sehenswürdigkeit – hier leben Menschen!“ Und: „Rettet Hamburgs alten Kern der Zukunft.“ Erst haben sie einen SUV-Corso zum Rathaus geplant, aber am Ende haben sie die Elbphilharmonie besetzt.

G: Bizarr. Was hat die denn so auf­ geregt? 

P: Das Ganze fing an, als die Tiere kamen. Das muss kurz nach deiner Abreise gewesen sein …

 

„Hagenbeck hat in der HafenCity eine neue Dependance“


G: Ich war übrigens in Venedig. Mit dem Schiff. Welche Tiere denn bitte? Gab es wieder eine Spinnen­ plage im Hafen? 

P: Nein, Hagenbeck hat in der HafenCity eine neue Dependance aufgemacht: Hagenbeck2 – Animals for our Future. Der Zoo der Zukunft. Da gibt es ausschließlich Tiere mit Potenzial, die alles überleben werden. Keine bedrohten Arten, sondern starke, durchsetzungswillige Rassen. Ein Zoo mit einer positiven Botschaft: Du kannst das!

G: Wirklich? Irre. Und das soll sich jemand ansehen? 

P: Ansehen oder essen. Es geht auch um funktionsstarke Tiere. Eben Tiere mit Zukunft. Ob als Essen, zum Gucken oder als Vision eines Morgen ist ja letzten Endes egal. Hauptsache, sie sind zu was nütze und nicht nur animalische freie Wesen, die uns mehr kosten als sie einbringen.

G: So sehe ich Tiere auch am liebs­ten: als Zweckwesen. 

P: Du kannst dir vorstellen, es war ein Mega-Event. Hagenbeck2 war schon am ersten Tag total überlaufen. Tausende Besucher, die alles zuparkten, massig Youtubbies, bundesweites Aufsehen. Die Fischbrötchen waren alle sofort weg, die Pandamützen auch. Jeder hat geschnallt, wie wichtig Tiere für uns sind, wenn sie zu was gut sind. Ein Riesenerfolg, wirklich beeindruckend.

G: Das ist doch schön. Endlich ein neuer Magnet in Hamburg, eine neue Topadresse. Das wird unsere Stadt noch weiter voran bringen. Kann man eigentlich von den AI­DAS in den Hagenbeck2 reingu­cken? 

P: Den AIDAS? Warum willst du das wissen?

G: Ich sagte doch, ich war in Venedig. Ich bin Kreuzfahrer, Peter! Da will ich natürlich wissen, ob ich freie Sicht auf das Neue habe. Ich will nicht im­ mer nur alte Sachen sehen. Ich will nah ran an die Zukunft. Die Fahrten nach Kuba oder an Inseln vorbei, auf denen alles aus Palmblättern herge­stellt wird, langweilen mich. Ich will in die Stadt rein, ran an die Hotspots. 

P: Gereon, du bist in der Stadt.

G: Aber noch nicht, wenn ich kreuz­fahre. In Venedig kommen wir mit unserem Schiff recht nah ran, aber sonst werden wir Kreuzfahrer eher auf Abstand gehalten. 

P: Das ist doch das Wesen dieser Reisen: Weit wegfahren, ohne es zu merken.

G: Mir ist das zu langweilig. Ich bin froh, dass es bei uns demnächst richtig rein geht in die City. 

P: Ja?

 

„Wir Kreuzfahrer kommen nämlich bald in die Hambur­ger Innenstadt!“


G: Ja! Wir Kreuzfahrer kommen nämlich bald in die Hambur­ger Innenstadt! Aus dem Hafen in die Fleete: Ab November gibt es die ganze Aida -Flotte und auch die Queen­-Mary-­Flotte als kleine Schwesterschiffe. Mit etwas weniger Tiefgang, etwas weniger Bruttore­gistertonnen, aber – und das ist das Coole – mit vollem Komfort. 

P: Auch mit Pool und so?

G: Logisch! Es ist alles genau wie bei den Großen – nur etwas kleiner. Die Handtücher sind DIN A 4, die Pools haben Tischtennisplattengrö­ße. Es ist einfach süß. Dann sind wir mit unseren Aidaletten auch in der Binnenalster unterwegs, schön nah am Jungfernstieg. Und weil man nicht so weit fahren muss, ist der ökologische Fußabdruck kein Thema mehr. Eine Win-­win­-Situation. 

P: Toll! Davon hatte ich noch nie gehört!

G: Verstehe ich, verstehe ich, wenn hier so viel los war. Aber was war denn jetzt mit den HafenCitlern? 

P: Die haben richtig Alarm gemacht. Haben totale Horrorszenarien entwickelt: Wenn da jetzt jeder, der nicht persönlich kommen kann, seine Drohne schickt, um bei Hagenbeck2 die Tiere zu sehen, wäre der Luftraum gefährlich voll, vom Funkraum ganz zu schweigen. Und wenn die Magellan-Terrassen zum Galaostrich würden, könnten die Kinder nirgends mehr spielen. Da wurde die Apokalypse heraufbeschworen: In einer komplett überlaufenen HafenCity pinkeln die Leute in die Hafenbecken auf die rein geworfenen E-Bikes, und alles wird so schmuddelig wie früher die Schanze oder Berlin heute.

G: Wär wohl so. 

P: Eben. Und das sah die Politik auch ein. Der Bürgermeister, wie heißt der noch? Ich kann mir den Namen nicht merken und jetzt lohnt es sich nicht mehr, nächstes Jahr werden ja schon Wahlen gewesen sein – jedenfalls hat der Bürgermeister dann per Eilverfahren beschlossen, dass es in der gesamten HafenCity keine neuen Projekte mehr gibt. Keinen Hagenbeck3, mit Tieren, aus denen man noch was machen kann, wenn die sich ein bisschen Mühe geben, kein Kleinflughafen und auch keine neuen Hotels auf die alten Hotels drauf.

G: Oha! Das war alles geplant? 

P: Ja, sicher. Aber vergiss es! Stattdessen ist nun Wellness angesagt – Entspannung pur für Leistungsträger, egal ob Tier oder Mensch. Deshalb ist die HafenCity jetzt ein schallarmes Barfußrevier.

G: Du meinst Flüsterasphalt und so? 

P: Ach was, das war gestern. Nein, das ganze Viertel ist mit Teppichboden ausgelegt. Da kannst du überall auf der Straße liegen und knutschen, weil der immer sauber ist – der wird Tag und Nacht von Saugrobotern abgesaugt.

G: Das ist doch wunderbar. Auf unseren Kreuzfahrtschiffen sind Saugroboter nicht erlaubt. Die fal­len immer runter und machen die Meere dreckig. Es gibt Gebiete, da gibt’s schon richtige Saugroboter­strudel, das sieht nicht aus. Wenn ich jetzt in der HafenCity anlande, dann falle ich direkt auf einen roten Teppich? 

P: Nein, kannst du nicht. Jedenfalls nicht, wenn du von einem Kreuzfahrtschiff kommst. Wegen des Touristendeckel – Teppichboden ist nur für Einheimische.

G: Ich hab immer meinen Ausweis dabei. 

P: Kann ich den mal sehen? Ich wollte schon immer wissen, wie du wirklich heißt.


Szene-Oktober-2019-CoverDieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, Oktober 2019. Titelthema: Neu in Hamburg. Das Magazin ist seit dem 28. September 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Neuer Club: Aus Moloch wird die Anderswelt

Das Oberhafenquartier ist ständig im Wandel. Über fünf Jahre war das Moloch ein subkultureller Club-Stachel in der fortschreitenden Bebauung der HafenCity. Nun verkündete die Betreiber-Crew das Ende. Doch es geht spannend weiter. Für mindestens zehn Monate wird aus Moloch die Anderswelt.

Interview und Fotos: Ole Masch

Lange wurde gehofft, spekuliert, Gerüchte gestreut. Es folgte Abschiedsparty nach Abschiedsparty. Anfang September war es offiziell. Die Kerncrew des beliebten Underground Clubs Moloch, von Gästen liebevoll Mutti genannt, verkündete ihr „Closing ohne Closing“ und beendete damit nach fünf Jahren ein Projekt unzähliger legendärer elektronischer Nächte (und Tage). Man sei sich mit dem Gängeviertel, welches die Fläche verwaltet, nicht über die Modalitäten zur Fortführung einig geworden.

 

Neues Clubprojekt

 

Damit verliert Hamburg eines der innovativsten und mehrfach ausgezeichneten Clubprojekte der letzten Jahre – und gewinnt gleichzeitig etwas Neues. Wie das Gängeviertel mitteilte, geht im Oberhafen die Anderswelt an den Start: „Ein kollektiver, partizipativer und basisdemokratischer Ort für kulturelle und künstlerische Projekte und natürlich exzessive Clubkultur“.

Mehrere Wochen sei von zahlreichen Kollektiven und über 100 Beteiligten geplant, gebaut und entworfen worden. SZENE HAMBURG sprach mit Freya und Gwen vom Anderswelt-Kollektiv über das neue Kulturprojekt.

 

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Die Tür zur Anderswelt steht offen (Foto: Ole Masch)

 

SZENE HAMBURG: Freya und Gwen, wer genau macht die Anderswelt?

Freya: Es ist ein Projekt des Gängeviertel e. V., welches aus einem neuen internen Betreiber-Kollektiv und vielen weiteren ehrenamtlichen Helfern aus der subkulturellen Club- und Kreativszene besteht.

Wir als Kollektiv wollen einen Freiraum für Kunst und Kultur aller Art schaffen und sehen uns nicht nur als reinen Club-, sondern auch als Kreativbetrieb, den man in Form von Dekoration, Licht, Ton und Entertainment in zehn verschiedenen Welten erleben kann. Ein bisschen Hippie-Charme ist auch dabei (grinst).

Wofür steht der Name?

Freya: Anderswelt klingt so schön unkonventionell. Nach Utopie, nach Freiheit und nach Möglichkeiten. In unserem Fall durch Partizipation im Projekt in vielerlei Form, besonders bei der Gestaltung.

Die keltische Mythologie hinter dem Begriff haben wir erst danach entdeckt, finden sie aber auch sehr inspirierend – unsere erste Welt hatte diesen mystischen Look, die nächste wird ganz anders, versprochen!

 

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Arbeit im Kollektiv: neuer Außenbereich (Foto: Ole Masch)

 

Welche Veränderungen gibt es gegen­ über des Molochs?

Gwen: Musikalisch wollen wir ein breiteres Publikum ansprechen, das dennoch in die Location passt. Also Countrymusic wird es nie werden (lacht). Beim Opening hatten wir zum Beispiel das erste Mal eine reine Bassnight mit Trap, Grime und ordentlich Ghetto-Tech! Auch Psy-Trance, DnB, und eine Menge Live-Acts sind geplant.

Freya: Außerdem möchten wir die Diversität von Geschlechtern, Herkunft und so weiter zur Normalität werden lassen – das ist uns ein großes Anliegen.

Und räumlich?

Freya: Wie es bei uns aussieht? Kommt vorbei! Wir haben zwei neu gestaltete Floors und einen neuen Außenbereich, drei Bühnen, Installationen und interaktives Geschehen, das sich jeden Monat verändert und erweitert.

Es geht also auch draußen weiter?

Gwen: Ja! Wir hoffen, den goldenen Oktober nutzen zu können, um noch mal ein bisschen Festival-Feeling in den Herbst zu holen – ansonsten geht es im nächsten Frühjahr draußen weiter. Vielleicht überlegen wir uns auch noch was für den Winter, lasst euch überraschen!

 

„Die Anlagen sind der Shit und die Halle scheppert nicht mehr!“

 

Kämpft ihr für eine dauerhafte Nutzung?

Freya: Das ist geplant, ja. Wir sind in Gesprächen mit den entsprechenden Stellen wie Kreativgesellschaft oder Hafencity GmbH und generell daran interessiert, dass Hamburg wichtige subkulturelle Orte erhalten bleiben. Wie genau eine langfristige Nutzung der Fläche aussehen kann, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.

Wann endet die aktuelle Betriebs­erlaubnis?

Freya: Im Juni 2020.

Das Moloch hatte immer wieder mit Lärmbeschwerden zu kämpfen. Wie geht ihr damit um?

Gwen: Wir haben ein paar Dinge an der Soundtechnik und den Einbauten so verändert, dass wir Lautstärke einsparen können, aber nicht auf besten Klang verzichten müssen. In anderen Worten: Die Anlagen sind der Shit und die Halle scheppert nicht mehr!

Außerdem hoffen wir auf die Akzeptanz eines Clubbetriebs, der auf ein Veranstaltungswochenende im Monat reduziert ist und kommunizieren so viel wie möglich mit unseren Nachbarn im Oberhafen.

Und wie öffnet ihr an diesen Wochen­enden?

Gwen: Die Winteröffnungszeiten – je nach Wetterlage ab Oktober oder November – sind: Freitag 24 Uhr – Samstag 11 Uhr, dann wieder Samstag 24 Uhr – Sonntag 22 Uhr. Ab dem Frühjahr werden wir wieder durchgängig drei Tage geöffnet haben. Das Ganze von September 2019 bis Juni 2020. Zehn Monate, zehn Parallelwelten.

 

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Die Discokugel dreht sich schon (Foto: Ole Masch)

 

Welche Gäste wünscht ihr euch?

Freya: Wie schon erwähnt, versuchen wir musikalische Vielfalt anzubieten, daher auch ein breiteres Spektrum an Gästen. Das kann auch mal bunt werden, aber so und nicht anders, soll es ja auch sein. Das gilt auch für unsere Clubpolitik: Generell wollen wir die größtmögliche Freiheit für jeden; und niemanden – abgesehen von Rassisten, Sexisten, Homophoben und andere – aufgrund von Äußerlichkeiten oder Verhalten ausschließen.

Wir haben während der Veranstaltungen ein Awarenessteam, Psy-Care und Deutschlands einzige reine Frauentürstehercrew, die sich um Wohlbefinden und Sicherheit kümmern. Aber allem voran schreien wir „Rave on, Hamburg!“.

Anderswelt: Stockmeyerstraße 43 (HafenCity), Anderswelt #Zwei, 11.-13.10., 24 Uhr


Szene-Oktober-2019-CoverDieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, Oktober 2019. Titelthema: Neu in Hamburg. Das Magazin ist seit dem 28. September 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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HafenCity: Neues Quartier in Planung

In der HafenCity entsteht ein neuer integrierter Stadtteil – mit eigenem Innovationsmanager. Was sich verändern wird, erzählt Joscha Domdey im Interview

Interview: Markus Gölzer

 

SZENE HAMBURG: Herr Domdey, das neue Quartier trägt den Namen „Westfield Hamburg-Überseequartier“ – benannt nach Unibail-Rodamco-Westfield, einem Betreiber von Shopping-Zentren in aller Welt. Warum?

Joscha Domdey: Eine wichtige Info zum Anfang: Wir werden hier kein Shoppingcenter bauen. Es wird ein sogenanntes „Mixed-­Use­-Quartier“ mit verschiedenen Nutzungen. 650 Wohnungen, 4.000 Büroarbeitsplätze, drei Hotels, Kultur­ und Freizeitangebote, über 40 Restaurants, 200 Geschäfte und ein Kreuzfahrtterminal.

Die Marke Westfield ist in Europa und international ein Qualitätsversprechen. Wir verbinden die Marke immer mit dem lokalen Kontext. Denn wir sind natürlich Teil Hamburgs. So ist „Westfield Hamburg­-Übersee­quartier“ eine gute Symbiose aus international und lokal, und das ist auch die Idee.

Was sind Ihre Aufgaben als Innovationsmanager?

Kooperationsmöglichkeiten finden, Recherche und Trend­-Scouting, kreative Workshops organisieren, Kolleginnen und Kollegen inspirieren, innovative Ideen in umsetzungsfähige Piloten wandeln – kurz: Ich kümmere mich um den Aufbau eines Netzwerks rund um neue Ideen, Start-Ups, Thinktanks und Unternehmen. Unser Ziel: ein modernes, lebhaftes Quartier.

Wo liegen die Schwerpunkte der Innovation? Technisch, wirtschaftlich oder sozial?

Der Community-­Gedanke ist bei uns ganz groß. Es soll ein sozialer Treffpunkt werden. Wir wollen den Leuten in der Nachbarschaft Gastronomiekonzepte anbieten, wo sie tagtäglich hingehen können – und auch ganz besondere Orte an der Wasserkante mit Blick auf die Elbe schaffen.

Ein weiterer Fokus: die Ausstattung der Gebäude. Wir möchten, dass sie nachhaltig gebaut und innovativ vernetzt sind: Intelligente Gebäudetechnik steuert Sanitär­, Heizungs-­ und Beleuchtungsanlagen, senkt Energiekosten und sorgt für ein gutes Wohngefühl. Smarte Logistik­ und Verkehrsleitsysteme entspannen die Verkehrssituation.

Wir möchten die verschiedenen Services auf einer App bündeln, die informiert und alles einfach zu bedienen ist. Die Plattform kann dann von Besuchern genutzt werden.

 

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Büros, Hotels, Restaurants, Geschäfte, Wohnungen und Kultur- und Freizeitangebote sollen entstehen / Foto: Moka Studio

 

Was gibt es für konkrete Pläne?

Ein großes Thema ist die Mobilität. Da denken wir in alle Richtungen und wählen am Ende die besten Konzepte aus. Wir haben eine Partnerschaft mit den e­-floatern aus der Nachbarschaft. Ein super­ spannendes Konzept: e­-floater haben drei Räder und können – anders als E-­Scooter – nicht umfallen.

Das ist gut für das Stadtbild, denn die Roller liegen nicht mehr auf den Gehsteigen. Die Vision der e-floater: Dreiräder können irgendwann autonom fahren. Wenn sie falsch geparkt sind, kann man sie auf Knopfdruck richtig parken. Sie können ohne Stecker induktiv geladen werden, indem man nur noch auf eine Plattform fährt, die lädt.

Ein anderer Partner ist Wunder Mobility. Die ent­wickeln Carpooling­-Lösungen, damit Mitarbeiter nicht alleine mit dem Auto kommen, sondern gemeinsam, also gepoolt. Oder Smart Parking Systeme: Sobald es der Datenschutz erlaubt, könnten wir Nummernschilder scannen. Der Kunde fährt dann mit einer Monatsmitgliedschaft einfach ins Parkhaus, ohne einen Papier-­Parkschein lösen zu müssen.

Haben Sie Kriterien, nach denen Sie Ihre Partner aussuchen?

Ich habe keine Checkliste. Aber wir arbeiten gerne mit jungen Start-ups und Projekten zusammen. Wir stehen mit dem Fraunhofer­-Institut in Kontakt. Dort wird an immer­siven Welten geforscht. Eine virtuelle Welt, in der es Gerüche oder Gefühle wie Wärme und Kälte gibt. Ein außergewöhnliches Erlebnis.

Wir arbeiten mit Studententeams zusammen wie von der Uni Köln: Die Studenten haben sich auf verschiedene Mobilitätsschwerpunkte fokussiert – zum einen aus der Quartiersperspektive: Wer könnten die richtigen Partner für das Quartier sein, zum Beispiel im Bereich Radverkehr? Welche Mobilitätsplattformen sind für die Kunden geeignet? Heute und in Zukunft?

Zum anderen wurde die Kundenperspektive analysiert: Bestimmte Besuchertypen wurden auf ihrem Weg zum Quartier simuliert und es wurde geschaut, welche Mobilitätsformen einfach und nachhaltig sind.

 

„Ein Ort für alle Hamburger“

 

Die HafenCity ist umringt von Stadtteilen mit hoher Diversität: Gibt es Überlegungen, wie hier ein Ort für Alt und Jung, Arm und Reich entstehen kann?

Wir möchten das Quartier für jeden erlebbar machen. Wir möchten niemanden speziell ansprechen und niemanden ausschließen. Es wird ein Ort für alle Hamburger, für Leute aus der HafenCity, für Berufstätige, für Besucher und für Jung und Alt.

Wir haben verschiedene Angebote für Familien mit Kinderspielecken. Wir machen Angebote für den Büroarbeiter, damit er sich auf dem Nachhauseweg etwas mitnehmen kann.

Unter anderem ist hier Hamburgs größtes Shoppingcenter geplant. Die Anwohnerinitative „Initiative Lebenswerte HafenCity“ kritisiert das Projekt als UFO, das den Elbblick versperrt, massiven Verkehr verursacht und zu Kommerz statt Lebenskultur führt.

Es handelt sich, wie gesagt, um kein klassisches Shopping­center. Es ist ein urbanes Quartier – ein Stück Ham­burg. Wir haben in verschie­denen Gesprächen die Sorgen aufgenommen. Da ist viel Aufklärarbeit dabei. Wir arbeiten mit dem HVV zu­sammen. Die U4­-Bahnstation Überseequartier ist direkt bei uns im Quartier. Wir sind im Gespräch mit der Hoch­bahn. Wir schauen uns neue Mobilitätskonzepte an. Neben den schon beschriebenen geht es uns um E­-Mobilität und autonome Autos.

 

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Der Blick von oben auf die Zukunft / Foto: Moka Studio

 

Gibt es neben e-floatern und Wunder Mobility weitere Projekte mit der Nachbarschaft?

Wir arbeiten eng mit dem Virtual Reality Headquarter aus der Speicherstadt zusammen. Durch die Kooperation mit der Hamburg Kreativgesellschaft unterstützen wir kreative Berufe. Man sieht heute schon drei Jahre vor Eröffnung, dass wir kein Ufo sind, sondern mit den Leuten vor Ort zusammenarbeiten.

Wir sind im Gespräch mit der Ausstellung „Märchen­ welten“, mit dem Sportsdome und anderen Konzepten. Wir überlegen mit dem Touris­musverband, wie man Kreuzfahrtgäste dazu bringt, einen Tag länger zu bleiben, um das Miniaturwunderland zu genießen, in die Speicherstadt zu gehen oder zu uns zu kommen. Wir versuchen, eine Symbiose zu schaffen.

Ueberseequartier.de


Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, September 2019. Titelthema: Mobilität – Das bewegt die Stadt. Das Magazin ist seit dem 29. August 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Indiecon: Das Independent Publishing Festival

Unabhängige Magazinkunst: Das Independent Publishing Festival zeigt an diesem Wochenende im Oberhafen, wie schrill und kreativ Heftmachen sein kann

Text: Erik Brandt-Höge
Foto: Malte Spindler / Die Brueder Publishing

 

Schon lange einer der fruchtbarsten Nährböden für Hamburgs Kreative: der Oberhafen. In den Lagerhallen des ehemaligen Güterbahnhofs wird getüftelt, gewerkelt, aus­probiert, verworfen und wieder neu angefangen. Zig kurz­ und langfristige Kulturprojekte entstanden und entstehen genau hier. Ein jährliches Highlight auf dem Areal zwischen Hauptbahnhof und HafenCity ist die Indiecon, ein Festival für unabhängige Publikationen aller Formen und Farben, das seit 2014 von Die Brueder Publishing organisiert wird.

Die Idee des in Hamburg und Berlin sitzenden Verlags: Macher von Magazinen, Zines, Comics und Artbooks präsentieren sich, tauschen sich aus, inspirieren und lassen sich inspirieren, vernetzen sich. Gut 80 Aussteller aus dem In-­ und Ausland haben sich für die Indiecon 2019 angekündigt.

 

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Konventionelles gibt es fast überall – aber nicht bei diesem Festival

 

An drei Tagen wird eine der Oberhafenhallen zum Ausstellungsort schlauer, schicker, schriller und vor allem unkonventioneller Arbeiten. Denn: Indie, das bedeutet nichts anderes, als dass die Publisher auch die Chefs der Magazine und des­halb inhaltlich und finanziell voll verantwortlich sind. Mehr redaktionelle Hoheit geht nicht. Und da wie immer jede Menge erfahrene Herausgeber, Coaches und Vermarktungsprofis vor Ort sind, ist ein schnelles Feedback garantiert – eine Messe also, von der alle profitieren.

In diesem Jahr zählt zu den Ausstellern unter anderem ein Wiener Kollektiv, das „Auslöser“ veröffentlicht, ein bilinguales Magazin (Deutsch und Eng­lisch) für Fotografen und Fotografie-­Fans, das sich vor allem auf die Geschichten hinter den Bildern fokussiert. Die erste Ausgabe ist im März erschienen.

Der Hamburger Dominik Ritter zeigt „Nox“, eine 2014 gegründete Zeitschrift für deutsch­sprachige Gegenwartsliteratur. Dreimal jährlich erscheint „Nox“ und ist vor allem für junge, oft unveröffentlichte Schriftsteller interessant, denen Ritter eine Bühne zu geben versucht.

 

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Ausstellen, entdecken, Horizont erweitern: Indiecon im Oberhafen

 

Ebenfalls Indiecon­-Gäste: Jack Hale und Eddy Rhead vom viertel­jährlich im Norden Englands herauskommenden „The Modernist“. Hale und Rhead bilden darin Architektur und Design aus dem 20. Jahrhundert ab – Nachrichten, Besprechungen und natürlich besondere Fotos inklusive.

„Design und Mobilität“ heißt auch ein Titel aus dem Fruehwerk Verlag, worin es zum Beispiel um die Frage geht, ob es tatsächlich bald ein Leben ganz ohne Autos geben könnte. Nicht weniger spannend ist das Frueh­werk-­Magazin „Kapsel“. Junge Science-­Fiction-­Literatur Chinas wird hierfür ins Deutsche übersetzt.

Es gibt vieles zu entdecken auf der Indiecon 2019, jedes Aufschlagen der ausgestellten Publikationen erweitert den Horizont von Heftmachern und Liebhabern unabhängiger Magazinkunst. Unnötig zu erwähnen, dass alle Teilnehmer beim feinen kulinarischen Rahmenprogramm sowie einer ordentlichen Party am Samstag (7.9. ab 22 Uhr) nach all dem Input auch entspannen und feiern können – und das vor eben jener kreativen Oberhafenkulisse.

Indiecon Festival 2019: 6.-8.9., Der Oberhafen, Stockmeyerstraße 43 (HafenCity) 


Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, September 2019. Titelthema: Mobilität – Das bewegt die Stadt. Das Magazin ist seit dem 29. August 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Top 10 – Mittagstisch: So wird eure Pause zum Genuss

Einen besonders guten Mittagstisch findet ihr an diesen zehn Orten – denn gutes Essen in tollem Ambiente sorgt für eine schöne Pause und hebt die Laune immer, versprochen!

Sortierung alphabetisch und nicht nach Platzierung – zuletzt aktualisiert 6/2019

/ Foto (o.): Caroline Attwood via Unsplash

 

1) Andronaco – Tolle Gerichte ohne viel Schnickschnack

Der Italiengroßhandel ist schon lange kein Geheimtipp mehr: Nach dem Einkauf von Nudeln, Pesto und Primitivo lässt es sich vorzüglich und günstig speisen. Das Angebot reicht von Antipasti und Pizza über Penne all’arrabbiata und Lasagne bis zu Gamberoni auf Rucola oder Pulpo vom Grill. Alles schmeckt „come in Italia“! Der sympathische Großhändler zaubert auf die Schnelle und ohne viel Schnickschnack tolle Gerichte auf die Teller. Anschließend muss noch ein schneller Espresso und ein süßes Tiramisu drin sein – che buono!

Andronaco: Am Sandtorkai 44 (HafenCity)


2) Brook – Saisonale Produkte modern verarbeitet

Das Brook ist nicht nur abends eine sichere Empfehlung, die moderne und frische Bistroküche ist auch als Mittagstisch eine gute Wahl für Feinschmecker. Am Rande der Speicherstadt liegt das kleine Restaurant von Berit Schablinski und ihrem Mann. Die setzen strategisch auf marktfrische und saisonale Produkte auf dem Teller – mit einem modernen Twist. Das Mittagsangebot gibt es von 12 bis 15 Uhr. Man hat die Wahl zwischen einem Tagesgericht (um die 10 Euro) und dem tagesaktuellen Mittagsmenü (etwa 18 Euro).

Brook: Bei den Mühlen 91 (Altstadt)

 

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3) Café Paris Atelier – Für Feinschmecker

Eine ganz feine Adresse und zudem recht unbekannt ist die Kantine des Café Paris: Links neben dem Café Paris befindet sich der konspirative Eingang zum Atelier. Freitags zwischen 12 und 16 Uhr gibt es gegen Vorlage einer Essensmarke ein gutes Angebot (zwischen zwei Gängen darf gewählt werden, alkoholfreie Getränke sind inklusive). Die Essensmarken (für 16,50 Euro) gibt es unter anderem im Netz auf der Seite des Café Paris.

Café Paris – Atelier: Rathausstraße 4 (City)


4) Literaturhauscafé – Entspannt und kultiviert

Im schönen Ambiente des Literaturhauses lässt sich die Mittagspause entspannt, günstig und kultiviert verbringen. Hier werden Vegetarier wie Fleischverliebte fündig, daneben gehört zu jedem Hauptgericht eine tagesfrische Suppe. Der Mittagstisch wechselt wöchentlich und kostet zwischen 9 und 15 Euro (inklusive Suppe). Das Angebot gilt von Dienstag bis Samstag von 12 bis 16 Uhr.

Literaturhauscafé: Schwanenweiß 38 (Uhlenhorst)


5) Peacetanbul – Sympathisch und mit Kreativluft

Das Peacetanbul ist mittags eine sympathische Adresse für alle, die auf Kampnagel ein wenig Kreativluft schnuppern wollen. An den Tischen sitzen nicht selten die Regisseure und Dramaturgen mit den Kampnagel-Intendanten. Das nette Serviceteam serviert das Mittagessen zwischen 12 und 15 Uhr, zum Verdauen lohnt anschließend ein Spaziergang am Osterbekkanal.

Peacetanbul: Jarresstraße 20 (Winterhude)

 

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6) Lux Kantine – Günstige Suppen und Salate

Die Lux Kantine im Rathaus Altona hat viele treue Fans, und das aus vielen Gründen.Von Frühstück über Mittag kann man hier aus einem abwechslungsreichen Speisenangebot wählen. Externe zahlen 80 Cent Aufpreis. Neben drei Menüs gibt es sehr günstige Suppen und knackigen Salat zur Auswahl. Die Öffnungszeiten sind montags bis freitags von 11.15 bis 13.45 Uhr.

Lux Kantine: Platz der Republik 1 (Altona-Altstadt)


7) Kantine der Stadtreinigung – Ehrliche Kost im überraschenden Ambiente

Es klingt überraschend, aber die Stadtreinigung konnte einen Koch gewinnen, der zuvor im Marriott Hotel am Herd stand. Auf den Tisch kommt ehrliches, frisches Essen in ordentlicher Portionsgröße. Neben Männern in orangener Kluft speisen hier die Mitarbeiter der Verwaltung. Das Essen bewegt sich zwischen 4 und 6 Euro. Externe zahlen 5 bis 8 Euro.

Kantine der Stadtreinigung: Bullerdeich 21 (Hammerbrook)


8) Mensa der HFBK – Hier findet jeder etwas

Nicht nur für Kunststudenten eignet sich das international inspirierte Gourmet-Mittagsangebot, das in der Kantine der Hochschule für bildende Künste serviert wird. Zwischen 12 und 15 Uhr gibt es täglich wechselnde Gerichte mit und ohne Fleisch, auch vegan – und vor allem mit spürbarer Liebe zubereitet. Der Kiosk hält zudem Rettungsbrotstullen, Kuchen und frischen Saft bereit. Alles ohne Fertigprodukte und Geschmacksverstärker.

Mensa der HFBK: Lerchenfeld 2 (Uhlenhorst)

 

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9) Henriks – James Bond lässt grüßen

Das Henriks ist ein bisschen wie ein Restaurant aus einem James-Bond-Film: glamourös und extravagant. Der Besuch lohnt sich aber nicht nur wegen der Szenerie, sondern weil Küchenchef Claas-Henrik Anklam unverschämt gut kocht. Mittags können sich das auch Normalsterbliche leisten (zwischen 13,90 und 17,90 Euro). Zugleich ist das Henriks eine gute Adresse, um wertvolle Geschäftskontakte zu knüpfen.

Henriks: Tesdorpfstraße 8 (Rotherbaum)


10) Kantine im Schauspielhaus – Mittagspause mit Theater-Flair

Im Kellersaal des Schauspielhauses gibt es montags bis freitags einen abwechslunsgreichen Mittagstisch „für hungrige Bürotiger, Shopper oder Touristen“. Schauspieler und Mitarbeiter wird man hier nicht treffen, trotzdem spürt man das Flair des renommierten Schauspielhauses. Das Angebot wechselt wöchentlich und hält solide Kost wie Kohlrouladen oder Gnocchi mit Kräutersauce bereit.

Kantine im Schauspielhaus: Kirchenallee 39 (Mitte)


SZENE-HAMBURG-Essen+Trinken-To-GoDiese Topliste stammt aus dem Gastro Guide: Essen + Trinken to go, 2018/2019 – der Guide ist zeitlos in unserem Online Shop erhältlich!


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Alex an der Überseebrücke: Logenplatz am Hafen

Das Alex am Jungfernstieg hat seinen Ruf als Touristenmagnet weg. Auch der neue Standort am Baumwall scheint prädestiniert, Sightseeing mit Brunch oder Cocktailhour zu verbinden. Aber auch als echter Hanseat lohnt sich ein Besuch.

Text: Laura Lück
Foto: Alex Überseebrücke

An diesem Samstagnachmittag lockt die Maisonne tausende Besucher an die Hafenpromenade. Wie Haifische umkreisen Hungrige die riesige Alex-Außenterrasse an der Überseebrücke. Nach knapp zwanzig Minuten wird endlich ein Platz für zwei frei. Netter Nebeneffekt beim Warten: Man kommt ins Gespräch. Verschiedene Dialekte und Sprachen bilden den Sound des Restaurants. Ein Münchner Pärchen hält die Schönheit des Ausblicks kaum aus, eine ältere Dame aus Köln erinnert die Hafenkulisse an eine verflossene Romanze in den 60er-Jahren.

Das Staunen steckt an. Hafenblick, Schiffshorn-Tuten und segelfliegende Möwen – mehr Hamburg geht nicht. Aperol schlürfend stellt sich auch beim echten Hanseaten unweigerlich ein Gefühl der Freude und Dankbarkeit ein. In dieser schönen Stadt lebe ich – was für ein Glück!

 

 

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Urlaub in der eigenen Stadt

 

Es gibt Essen: Trotz vegetarischer Bestellung kommen die Nachos mit Chili con Carne überbacken auf den Tisch. Geändert werden kann das leider nicht. Die Kellner wirken gehetzt. Keine Zeit für Extrawünsche, Augenkontakt oder ein nettes Wort. Allerdings ist das Team an diesem sonnigen Tag auch eindeutig unterbesetzt und entsprechend gestresst. Das frisch eröffnete Restaurant muss sich vielleicht noch etwas einspielen. Der Büffelmozzarella mit Tomate schmeckt hervorragend, die Black-Tiger-Garnelen mit Antipastigemüse sind in einem würzigen Kräuteröl eingelegt, das sich bestens als Dip fürs knusprige Knoblauchbrot eignet.

Der Nacho-Patzer ist schnell vergessen. Liegt vielleicht am Urlaubsgefühl, das sich hier einstellt. Smartphones bleiben in der Tasche, die Gäste drehen ihre Stühle in Richtung Promenade und schlürfen köstliche hausgemachte Halbliter-Limonaden, ebenso riesige Schoko-Sahne-Milchshakes oder ein Glas Prosecco. Erst beim Gehen wird’s ungemütlich: Die Jacken sind noch nicht ganz angezogen, da greifen schon die nächsten hungrigen Haie gierig nach den freiwerdenden Stuhllehnen.

Alex Überseebrücke: Vorsetzen 72 (HafenCity)


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Astor Film Lounge – Satter Sound & Pinot Noir

Neueröffnung: Die Astor Film Lounge in der HafenCity verspricht eine gehobene Kinoerfahrung zu moderaten Preisen.

Text: Ulrich Thiele
Fotos: Astor Film Lounge

Ohne in falsche Nostalgie verfallen zu wollen: Es gab Zeiten, in denen das Kino mehr Wertschätzung erfahren hat als dieser Tage. Als der Gang ins Lichtspielhaus ein gesellschaftliches Ereignis war. Etwas, das den Alltag übersteigt und über den bloßen Konsumcharakter hinausgeht. Goldene Zeiten für Cineasten.

Die jüngst eröffnete Astor Film Lounge in der HafenCity ist angetreten, um die hervorgehobene Stellung des Kinos wiederzubeleben. Nach fast zehn Jahren der Standortsuche und der Verhandlungen hat der Hamburger Kinomacher Hans-Joachim Flebbe – der bereits Premiumkinos in Berlin, Köln, Essen und München eröffnet hat – nun auch eine Astor Film Lounge in seiner Heimatstadt eröffnet. „Wenn die Gäste ins Kino kommen, sollen sie sich entspannen und den Alltag vergessen“, sagt Flebbe, der 1994 als „Kinomanager des Jahres“ ausgezeichnet wurde. Deswegen wird der Gast im Kinoeingang von einem Doorman begrüßt und zu einem Begrüßungscocktail eingeladen. Das Getränk ist – ebenso wie die Garderobe – im Ticketpreis enthalten.

Auch der mittlere Saal mit 118 Plätzen bietet besten Sound mit Dolby Atmos

Nach einem kurzen Aufenthalt im stilvoll eingerichteten Foyer kann es ab in einen der Kinosäle gehen. Eine Lichtshow überbrückt die Zeit bis zum Filmstart. Die Astor Film Lounge verfügt über drei Säle, die auch für Firmen events gemietet werden können. Der große Saal mit 235 und der mittlere Saal mit 118 Plätzen bestechen mit Ledersesseln, beweglichen Rückenlehnen und großem Reihenabstand. Im Logenbereich können sogar die Füße hochgelegt werden. Neben den Sesseln liegen Menükarten, denn – kein lästiges Anstellen! – der Gast wird an seinem Platz bedient.

Neben Cocktails, Softgetränken, Bier und Pinot Noir Rosé bietet das Menü auch Popcorn (keine Nachos, zu viel Gekrümel!) und Hamburg-spezifische Snacks mit Lachs. Am Nachmittag kann man Kuchen am Buffet bestellen, der mit dazu bestelltem Cappuccino am Platz serviert wird – natürlich nur, solange das Vorprogramm läuft, zum Filmstart wird der Service eingestellt.

Denn bei allem Drumherum soll der Filmgenuss natürlich der Kern bleiben. Die Projektion und die Tonanlagen sind dementsprechend mit 4K-Laserprojektion inklusive 3D-Technik sowie dem derzeit besten Tonsystem Dolby Atmos ausgerüstet. Ideal für einen Film wie das Queen-Biopic „Bohemian Rhapsody“, das bei der Premierenfeier präsentiert wurde – und somit den wuchtigen Sound des legendären Live-Aid-Konzerts im Wembley Stadion angemessen wiedergibt. Ein besonderes Schmuckstück ist das kleine Club-Kino im Bibliothekslook mit 75 Plätzen, dessen Regale François- Truffaut-Bildbände und Werke von Hermann Hesse zieren. So lässt sich die Zeit bis zum Filmstart mit Lektüre auf einem der Sofas bei warmem Licht vertreiben. Der kleinste Saal hat zwar kein Dolby Atmos Tonsystem zu bieten, hebt sich aber durch seine Wohnzimmeratmosphäre von den beiden großen Sälen ab.

Astor-Clubkino-c-Astor-Film-Lounge

Das kleine Club-Kino eignet sich für private Feiern

Das Filmprogramm ist laut Beschreibung der Betreiber zwischen Arthaus und gehobenem Mainstream angesiedelt. Nun lässt sich darüber streiten, ob Wellness-Komödien von Florian David Fitz das Attribut „gehoben“ verdienen. Festgehalten werden kann: Die Astor Film Lounge zeigt neben Arthausstreifen alle Filme, die normale Kinos auch zeigen – nur Action-Blockbuster wie etwa die Marvel-Comicverfilmung „Aquaman“ kommen nicht ins Programm. Hinzukommen regelmäßige Sonderprogramme: Opernübertragungen, Filmklassiker im Matinee-Programm, Premieren und Schauspielerbesuche.

Was luxuriös und elitär klingt, ist jedoch kein auf eine High Society ausgerichtetes Programm. Die Eintrittspreise liegen zwischen moderaten 11,50 und 15,50 Euro – wie gesagt inklusive Begrüßungscocktail und Garderobe. Plus: Hinter dem Kinogebäude stehen 240 kostenfreie Parkplätze zur Verfügung.

Astor Film Lounge: Am Sandtorkai 46a


Dieser Beitrag stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Januar 2019. Das Magazin ist seit dem 21. Dezember 2018 im Handel und zeitlos im Online Shop und als ePaper erhältlich! 


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Unsere Leute – Andreas Dorau und Gereon Klug

Andreas Dorau und Gereon Klug haben ein Musical, ähm, eine musikalische Dramödie erschaffen: „König der Möwen“. Es geht um einen strauchelnden Plattenhändler, die Identitätssuche einer Band und eine moderne Scheinstadt. Die Macher im Kurzgespräch.

SZENE HAMBURG: Andreas und Gereon, was ist so schlimm am Begriff „Musical“?

Gereon: Unser Anliegen mit dem „König der Möwen“ ist es gar nicht, ein Anti-Musical oder Ähnliches zu machen. Wir haben ein Theaterstück geschrieben, in dem viel Musik vorkommt. Damit wird man beinahe automatisch zum Musical in der Einordnung. Ob Andrew Lloyd Webber oder Disney das Genre zu Tode formatiert haben, interessiert uns eher weniger.

„König der Möwen“ nennt ihr dennoch lieber eine „musika­lische Dramödie“. Es geht um den taumelnden Plattenhändler Hans, der an der ­Gentrifizierung der Stadt zu scheitern droht …

Gereon: … und vor allem um eine Identitätssuche: Eine junge Band sucht ihr Ich, indem sie sich permanent häutet, während die Altvorderen in Gestalt von Hans und seinen Stammkunden versuchen, wiederum ihr Ich zu bewahren, obwohl HH-Marketing und die restliche Welt schon versuchen, dies auszuhöhlen und zu korrumpieren.

Andreas: Hans und die Band sind umzingelt vom Wahn, keine Lücken mehr zu lassen für nicht auswertbare Ideen, fürs Ausprobieren und fürs Sein ohne Geld.

Hans wird irgendwann auch stückweise zum Gentrifizierer. Kennt ihr das Dilemma aus eigener Erfahrung?

Andreas: Ja, Hans geht auf den Deal ein, seinen Laden aus finanziell starken und moralisch schwachen Gründen in die HafenCity zu verlegen. Als Potemkinsches Dorf. Noch eine Fassade in der modernen Scheinstadt. Damit man zeigen kann, dass auch Subkultur berücksichtigt wird.

Gereon: Da geht es ihm wie jedem Kulturschaffenden: Irgendwann werden sie in die HafenCity das Dagegen auch professionell einbauen.

Was wäre denn, wenn man euch nach der Premiere einen der berühmten Musical-­Schauplätze an der Elbe gegenüber den Landungsbrücken für eure Dramödie anbieten würde?

Gereon: Hans plant ja, die Möwe als Wappentier Hamburgs zu etablieren. Berlin hat den Bären, München den Löwen und Hamburg hat kein Tier. Wenn man ihm und uns einen Prachtbau in Form einer Riesenmöwe neben Blohm + Voss errichtet, nehmen wir das natürlich an …

Andreas: … und lassen ihn von allen norddeutschen Möwen zuscheißen.

Interview: Erik Brandt-Höge 

Foto: Brigitta Jahn

9.8.18, Kampnagel, 19 Uhr (Premiere); Album „König der Möwen“ erscheint am 3.8. (Tapete)


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, August 2018. Das Magazin ist seit dem 28. Juli 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Rindchen schlemmt – Bianc

Sterne am Horizont! Das Bianc Restaurant: Rindchens neue Pilgerstätte in der HafenCity.

Im aktuellen und wie ich finde sehr gelungenen SZENE-Sonderheft Essen+Trinken wird das Bianc als „Testsieger Italien“ geführt. Das einzig klassisch Italienische am Bianc ist jedoch die Herkunft des begnadeten Küchenchefs Matteo Ferrantino. Ansonsten findet man hier nicht weniger als die perfekte Transformation kreativer mediterraner Hochküche in der HafenCity. Das Ganze überdies in einem traumhaft schönen, sehr großzügigen und lichten Ambiente. Kurzum: Diese Pilgerstätte für entdeckungsfreudige Genießer hat Hamburg gerade noch gefehlt!

Schon wer sich für die „Einstiegsdroge“ entscheidet, das viergängige saisonale Marktmenü (90 Euro, für Vegetarier 75 Euro), wird durch den Reigen der Amuse-Bouches vollständig geflasht: Neun kunstvoll arrangierte, kulinarische kleine Wunderwerke, wie beispielsweise eine Austernperle mit Imperial-Kaviar, Entenleber mit Mango oder eine Mini-Tortilla mit Gambas, nehmen den Gaumen mit auf eine glückvolle Aromenreise. Im „eigentlichen“ Menü, das häufig saisonal wechselt, begeistern dann Gänge wie Thunfisch mit Tomate und Anchovis, Loup de Mer mit Artischocke und Rucola oder Ibérico- Schwein mit Tintenfisch, Paprika und Chorizo. Und auch Rindchen schlemmt wer kein Dessert bestellt, wird von der Küche mit einem kleinen süßen Abschluss verwöhnt. Dabei ist alles mit leichter Hand hingetupft und von großer Genialität und perfekter Präzision getragen.

In jedem Fall empfiehlt es sich, zu den Menüs die offerierte Weinbegleitung zu wählen (bei vier Gängen 45 Euro), denn die Weinkarte ist kundig zusammengestellt und enthält viel Ungewöhnliches und Überraschendes. Wasser ist gratis. In seiner vorherigen Wirkungsstätte in Portugal hatte Matteo Ferrantino zwei Michelin-Sterne erkocht. Wenn er so weitermacht wie bisher, könnte ihn dieses Schicksal auch in Hamburg ereilen.

Und wenn das nächste SZENE-Sonderheft Essen+Trinken einen „Testsieger Edel“ küren sollte, den es aktuell nicht gibt: Ich hätte da einen Kandidaten …

Text: Gerd Rindchen

Bianc, Am Sandtorkai 50, Telefon 18 11 97 97, Mi-Sa 18–0, So 12.30–18 Uhr; www.bianc.de

Gerd Rindchen im Rindchen's Weinkontor. Foto:

Gerd Rindchen im Rindchen’s Weinkontor.

Gerd Rindchen ist Gründer von Rindchen’s Weinkontor. Seit 25 Jahren verkostet er Weine nach dem Prinzip „Bestes Preis-Genuss-Verhältnis“. In der SZENE HAMBURG wendet er dieses Prinzip jeden Monat auch auf die Küchen dieser Stadt an.

 

 

 

 

 


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juli 2018. Das Magazin ist seit dem 29. Juni 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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