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Entdecken & Kaufen: Die INCorporating art fair!

Vom 26. bis 29. August 2021 findet im Oberhafenquartier Hamburgs neuste Kunstmesse statt

Text: Felix Willeke

 

Begeistern, entdecken, fördern, informieren, motivieren: Darum geht’s bei der neuen Hamburger Kunstmesse „INCorporating art fair!“, die vom 26. bis 29. August 2021 im Oberhafenquartier stattfindet. „Kunst darf gefallen und Kunst darf gekauft werden“, sagt Veranstalter Raiko Schwalbe.

Die Messe spricht dabei ein möglichst breites Publikum an, denn das „erklärte Ziel ist, der lokalen professionellen Kunstszene einen Raum zur Präsentation gegenüber einer breiten Öffentlichkeit zu ermöglichen. Gerade in der aktuellen Zeit, in der Kunst- und Kulturschaffende vermehrt um ihre Existenz kämpfen, möchten wir unseren Beitrag leisten und ausgewählten Projekten und Künstlerinnen und Künstlern eine kostenlose Plattform bieten“, so Schwalbe weiter. Das heißt, bei der „INCorporating art fair!“ stehen ein Viertel der Ausstellungsfläche bestimmten Projekten kostenlos zur Verfügung. Darunter sind die L’apotheque aus St. Pauli und das Projekt „Millerntor Gallery“.

 

Absprung von Martina Hamrik; Foto: INCorporating art fair!

Absprung von Martina Hamrik; Foto: INCorporating art fair!

Schwerpunkte und eine Perspektive

 

Darüber hinaus setzt die Messe Schwerpunkte, etwa mit einer Sonderausstellung zum Thema Textilkunst, „Frauen in der Kunst“ – in Kooperation mit „Viva con Agua ARTS“ – und der Konkreten Kunst, vertreten durch die „chiemgau galerie augustin“.

Zudem beschäftigt sich die „INCorporating art fair!“ mit neuen Trends auf dem Kunstmarkt, um sich damit bis 2025 zur innovativsten Plattform für zeitgenössische Kunst in Norddeutschland zu entwickeln.

INCorporating art fair!: 26.–29.8., Oberhafenquartier Hamburg


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, August 2021. Das Magazin ist seit dem 29. Juli 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Nachhaltige Bauprojekte: Die neue Holzklasse

Zwischen HafenCity und Elbbrücken entsteht ein Wolkenkratzer aus Holz. Nicht das einzige nachhaltige Bauprojekt in Hamburg, das sich Klimaneutralität bis 2050 verordnet hat. Der Nutzung von Solarenergie kommt eine Schlüsselrolle zu

Text: Andreas Daebeler

 

Ein Wolkenkratzer aus Holz Mitten in Hamburg. Das ist kein Traum eines Waldschrats. Das nennt sich „Roots“. Und ist womöglich die Zukunft des nachhaltigen Bauens. Sa- gen jedenfalls Architekten wie Jan Störmer, der das „Roots“ entworfen hat. Ein 18-stöckiges Holzhaus, das zwischen Elbbrücken und HafenCity hochgezogen wird. 140 Millionen Euro werden investiert. Nach der für 2023 geplanten Fertigstellung soll das Gebäude für Hunderte Menschen zum Zuhause werden und etlichen Unternehmen Platz bieten. Grandioser Ausblick inklusive.

Elbside: 2023 will Vattenfall die neue Zentrale in der HafenCity; Foto: EDGE

Elbside: 2023 will Vattenfall die neue Zentrale in der HafenCity; Foto: EDGE

„,Roots‘ steht für unsere Vision, die Stadt mit dem Baustoff Holz klimaneutral nachzuverdichten“, sagt Fabian von Köppen, Geschäftsführer der für das Projekt verantwortlichen Garbe Immobilien-Projekte GmbH.

Insgesamt werden für das 65 Meter hohe „Roots“ rund 5.500 Kubikmeter Nadelholz verbaut. Ein Weltrekord, wenn es um Häuser geht. Gearbeitet wird mit kompakten Fertigteilen. Damit trage diese Bauweise nicht nur zur Reduktion des CO2 -Fußabdrucks bei, sondern begrenze auch Lärmemissionen bei der Umsetzung, so von Köppen anlässlich des Baustarts Ende 2020. „Wir möchten mit der Holzhaus-Entwicklung für die Branche vorangehen und es in zehn Jahren gemeinsam geschafft haben, dass diese Art zu bauen kein Novum mehr ist.“

 

Holz speichert CO2, bei der Herstellung von Zement entsteht Treibhausgas

 

In Sachen Ökobilanz ist die Sache klar: Der nachwachsende Rohstoff Holz speichert CO2 . Bei der Herstellung von Zement hingegen entstehen rund acht Prozent der weltweiten Treibhausgas-Emissionen. Außerdem wird dafür Sand im großen Stil benötigt. Dessen Abbau gefährdet vielerorts das Ökosystem. Die nahe liegende Vermutung, dass Holzhäuser gefährlicher sind, wenn es brennt, ist übrigens falsch. Vielmehr können dicke Holzbalken bei einem Brand sogar länger stabil bleiben als etwa Stahlträger. Als problematisch gilt eher mangelnder Schallschutz. Zudem ist es immer noch teurer, mit Holz zu bauen. Und es muss sehr genau geplant werden, Änderungen erst während der Bauphase sind schwierig.

„Technisch betrachtet gehört der Holzbau in diesen Dimensionen zur Königsklasse in der Projektentwicklung“, sagt „Roots“-Projektleiter Georg Nunnemann. Es gehe darum, der Natur wieder einen größeren Raum in unseren Städten zu geben. Das geschieht in Hamburg auch andernorts. Etwa an der Daimlerstraße in Bahrenfeld, wo in einem sechsgeschossigen Hybridbau ebenfalls viel Holz zum Einsatz kommt. Das Unternehmen Vattenfall baut in der HafenCity seine neue Konzernzentrale. Auf 21.800 Quadratmetern Nutzfläche werden ab spätestens 2023 so um die 1.200 Mitarbeiter arbeiten. Das 15-geschossige Gebäude entsteht ebenfalls in Holzhybridbauweise.

 

Preisverdächtige Module werden wie Legosteine aufeinandergestapelt

 

Aus Holzmodulen wie ein Legohaus gebaut: Dafür wurde das „Woodie“ mit dem Immobilien-Oscar ausgezeichnet; Foto: Jan Bitter

Aus Holzmodulen wie ein Legohaus gebaut: Dafür wurde das „Woodie“ mit dem Immobilien-Oscar ausgezeichnet; Foto: Jan Bitter

Das weitgehend aus Holz errichtete Studentenwohnheim „Woodie“ in Wilhelmsburg gewann 2019 den Mipim Award, der als „Immobilien-Oscar“ gilt. Das siebengeschossige Gebäude wurde aus 371 Holzmodulen errichtet, die wie Legosteine aufeinandergestapelt wurden. Auch bei den Planungen für einen neuen Stadtteil auf dem Grasbrook spielt der Baustoff aus den Nutzwäldern eine wichtige Rolle. Im Koalitionsvertrag haben SPD und Grüne nachhaltiges Bauen als Ziel festgeschrieben. Bei jedem Projekt wird hinterfragt, wie Klima und Ressourcen bestmöglich geschont werden können. Das ist auch ein Ansatz, der verfolgt wird, wenn es um neue Wohnviertel geht.

Die konnten früher so richtig öde sein, mit grauem Waschbeton, winzigen Grünflächen und vor jeder Tür drei Autos. Doch Hamburg steuert um. An viele Orten im Stadtgebiet entstehen Gegenentwürfe zu Bausünden früherer Jahrzehnte. Eine wichtige Grundlage bietet das Klimaschutzgesetz, das erst Ende 2020 vom Senat noch einmal nachgeschärft wurde. Etwa wenn es um Energiegewinnung geht. Beispiel: 2023 bereits müssen auf sämtlichen Neubauten Photovoltaikanlagen zur Stromproduktion installiert werden. Der Senat erhofft sich eine Einsparung von 60.000 Tonnen CO2 bis zum Jahr 2030.

 

2026 ist für den Energieträger Heizöl Schluss

 

Und das Gesetz schreibt trotz anhaltender Proteste aus der Wohnungswirtschaft noch mehr vor. Wenn Heizungen ausgetauscht werden, müssen 15 Prozent des Energiebedarfs aus erneuerbaren Quellen stammen. Ölheizungen im Neubau sollen ab 2022 nicht mehr zulässig sein, beim Austausch bestehender Anlagen ist für den Energieträger Heizöl ab 2026 Schluss. Gebäude der öffentlichen Hand sollen in vorbildhafter Weise energieeffizient errichtet und saniert werden. „Bis spätestens 2050 soll Hamburg klimaneutral werden. Bis dahin ist es ein weiter Weg und die Herausforderungen sind groß. Aber wir gehen jetzt voran“, so Umweltsenator Jens Kerstan anlässlich der Fortschreibung des Klimaplans. Doch geht’s um Nachhaltigkeit, sind nicht nur ökologische Aspekte von Bedeutung. Vielmehr ist auch das soziale Miteinander einer der Pfeiler zukunftsorientierter Planung.

 

Soziale Nachhaltigkeit in Quartieren wird immer wichtiger

 

Zum Beispiel im Pergolenviertel, das in den vergangenen Jahren an der Grenze von Winterhude und Barmbek gewachsen ist. Dort gibt es Arkadengänge, lichtdurchflutete Innenhöfe und jede Menge Grün. Beteiligung der Bürger war von Anfang Kernthema. Sieben Hektar des Per- golenviertels hatten die Architekten für Parkflächen, Spiel- und Bolzplätze reserviert. Der Bestand an größeren Laubbäumen blieb weitgehend erhalten. Im Quartier gibt es Wohngruppen für Senioren und Menschen mit Behinderung. Sozialprojekte haben eine Heimat gefunden.

Arkadengänge, lichtdurchflutete Innenhöfe und viel Grün: Pergolenviertel; Foto: Bezirksamt Hamburg-Nord

Arkadengänge, lichtdurchflutete Innenhöfe und viel Grün: Pergolenviertel; Foto: Bezirksamt Hamburg-Nord

Die Planer verfolgten das Ziel, dass viele der 4.000 Bewohner auf ein Auto verzichten. Das Areal hat bundesweiten Modellcharakter für den Radverkehr. Vier Millionen Euro steuerte der Bund bei. „Klimaschutz durch Radverkehr“ nennt sich das Förderprogramm, das darauf setzt, in Stadtteilzentren die Lebensqualität zu verbessern und Luftverpestung einzudämmen. Auch Altonas Neue Mitte ist autoarm geplant worden. Öko-Standards haben beim Bau der Häuser eine wichtige Rolle gespielt. Allerdings gibt es auch Kritiker, die darauf hinweisen, dass der Baustoff Holz kaum eine Rolle gespielt hat. Und dass viel zu eng und lieblos geplant wurde.

Nachhaltige Stadtentwicklung muss neben den Baustoffen, die genutzt werden, viele weitere Faktoren berücksichtigen. Bezahlbarer Wohnraum ist ebenso von Bedeutung wie Diversität und Projekte, die ein Miteinander fördern. Grün und sozial soll es sein. Lärm soll vermieden werden, Teilhabe ermöglicht und ein Zusammenspiel von anspruchsvoller Architektur und energetischer Bauweise gewährleistet werden. Neue Projekte stehen bereits in den Startlöchern. Etwa im Stadtteil Groß Borstel. Dort soll auf einer Fläche von 60.000 Quadratmetern der sogenannte Petersen Park entstehen, ein Quartier mit 330 Wohnungen. Zwischen den Häusern sollen parkähnliche Grünzonen entstehen, auch die Dächer sollen begrünt werden.

Doch zurück zum gigantischen Holzhaus nahe der HafenCity. Ins „Roots“ werden nicht nur Mieter und Firmen einziehen. Sondern auch eine Ausstellung, die den ökologischen Anspruch des Projekts unterstreichen soll, wird dort eine Heimat finden. Die Deutsche Wildtier Stiftung wird Besuchern einen Einblick in die Themenfelder Natur und Artenschutz bieten. Ein Signal der Bauherren. Mehr sicher nicht. Aber vielleicht ist es ein nachhaltiges.


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Wohnungsbau in Hamburg: „Jedes Jahr eine neue Kleinstadt“

Die steigenden Mietpreise sind – neben Covid-19 und dem Klimawandel – das brennende Thema der Stadt. Wir sprachen mit der Stadtsoziologin Prof. Dr. Ingrid Breckner über die bisherige Entwicklung, Erfolge und Misserfolge und die Schwierigkeit, Bauen und Nachhaltigkeit unter einen Hut zu bekommen

Interview: Marco Arellano Gomes

 

 

SZENE HAMBURG: Frau Prof. Dr. Ingrid Breckner, wann haben Sie zuletzt in Hamburg eine Wohnung gesucht?

Prof. Dr. Ingrid Breckner: Das ist schon lange her. Das war, als ich nach Hamburg zog, also im Jahr 1995.

Da sahen die Preise fürs Wohnen wahrscheinlich anders aus, oder?

Ja, aber es war schon damals nicht einfach, eine Wohnung zu finden. Der Wohnungsmarkt war angespannt. Ich bin dann durch Freunde und Zufall an meine erste Hamburger Wohnung gekommen.

Die Miet- und Kaufpreise steigen in Hamburg seit Jahren. Von 1999 bis 2019 sind die durchschnittlichen Nettokaltmieten von 5,70 Euro/m² auf 8,66 Euro/m² gestiegen. Bei Neuvermietungen sind es 13,40 Euro/m². Ist Wohnen ein Luxusgut geworden?Lukas, Gratulation zu zwei Silbernägeln und einem Bronzenagel. Mit welcher Idee hast du abgeräumt?

Es gibt im Bereich der mittleren Einkommen viele Menschen, die die gestiegenen Wohnkosten in der Stadt nicht mehr bezahlen können oder bei denen die Mietbelastung 40 bis 50 Prozent des Einkommens ausmacht. Eigentlich gelten 30 Prozent des Einkommens als verträgliche Mietbelastung.

Warum ist das Wohnen in den Städten so teuer geworden?

Das hat mehrere Ursachen. Ein zentraler Punkt ist die Verknappung des Bodens und die damit einhergehenden Steigerungen der Bodenpreise. Die machen einen hohen Anteil der Kosten beim Wohnungsbau aus. Ein weiterer Grund ist, dass Investitionen in Immobilien spätestens seit der Finanzkrise als lukrativ angesehen werden, um Vermögenswerte aufzubauen. Ein dritter Grund für die Anspannung im preisgünstigeren Segment ist der Rückgang des Anteils von Sozialwohnungen, infolge geringen Neubaus und auslaufender Belegungsbindungen binnen 15 bis 30 Jahren. Hamburg hatte mal 40 Prozent Sozialwohnungen. Heute sind wir bei knapp über zehn Prozent. Dabei ist ein großer Prozentsatz der städtischen Bevölkerung darauf angewiesen.

Wie viele Menschen betrifft das in Hamburg?

In Hamburg haben etwa 50 Prozent der Einwohner einen Anspruch auf eine Sozialwohnung.

Ist das für eine wohlhabende Stadt nicht ein Armutszeugnis?

Die Entwicklungen der Löhne und Wohnkosten laufen seit Jahren auseinander. Dadurch rutschen viele in die Kategorie hinein, in der man einen Wohnberechtigungsschein bekommen kann.

 

Politische Maßnahmen

 

Über das „Bündnis für das Wohnen“ ist es in Hamburg zumindest gelungen, knapp 10.000 Baugenehmigungen pro Jahr zu erteilen. Ein zentrales Element hierbei ist der sogenannte Drittelmix. Reicht das, um die Entwicklung zu korrigieren?

Das dürfte wahrscheinlich nicht reichen. In einzelnen Projekten wird der Drittelmix daher auch nicht mehr angestrebt, sondern ein Halbmix von bis zu 50 Prozent.

Ist das „Bündnis für das Wohnen“ ein Erfolg?

Es ist eine Strategie, die das Bundesland Hamburg mit privaten Bauherren, Genossenschaften und Mietervereinen verfolgt, um die ehrgeizigen Ziele im Wohnungsneubau zu erreichen. Die Stadt alleine würde es sicher nicht schaffen, weil sie dann eigene Wohnungsunternehmen aufbauen müsste, die sie überhaupt nicht hat. Insofern ist die Stadt darauf angewiesen, Kompromisse auszuhandeln.

Tatsächlich wurden seit dem Jahr 2011 etwas mehr als die Hälfte der genehmigten Wohneinheiten fertiggestellt. Ist das Bündnis eine Mogelpackung?

Das mag auf dem ersten Blick so aussehen, aber die baurechtliche Feststellung und Genehmigung ist nur ein Aspekt beim Wohnungsbau, ein anderer ist der Bau selbst. Der hängt von vielen weiteren Faktoren ab. In der jüngeren Vergangenheit waren das Lieferengpässe durch Corona, Holzknappheit sowie gestiegene Bodenpreise. Da kann es passieren, dass ein Bauherr sagt: „Ich warte noch ein bisschen, bis sich die Situation beruhigt, um nicht teurer bauen und entsprechend mehr Miete verlangen zu müssen.“

Was kann Hamburg noch tun, um der Mietpreisentwicklung entgegenzuwirken?

Es gibt die Möglichkeit des Vorkaufsrechts. Dieses können Städte vor allem in sozialen Erhaltungsgebieten wahrnehmen, in Hamburg gibt es 16 davon. Das Problem mit dem Vorkaufsrecht ist bloß, dass die Städte nicht genug Geld haben, um dieses in großem Maßstab wahrzunehmen. Und es stellt sich die Frage, ob man bei den derzeit überhöhten Preisen Vorkaufsrechte überhaupt wahrnehmen sollte. Man setzt hier immerhin Steuergelder ein – und befeuert im ungünstigsten Fall zusätzlich die Preisentwicklung.

Klingt nach einem Teufelskreis. Was kann noch getan werden?

Alle Formen, die Wohnfläche zu reduzieren, helfen natürlich auch. Es gibt zunehmend neue Gemeinschaftswohnformen, die weniger Platz brauchen. Da hat dann nicht jeder ein privates Gästezimmer, sondern es gibt ein gemeinschaftliches.

Up in the air: In Hamburg dürfte in Zukunft mehr in die Höhe gebaut werden, wie hier in der östlichen HafenCity; Illustration: Hosoya Schaefer/Chipperfield

Up in the air: In Hamburg dürfte in Zukunft mehr in die Höhe gebaut werden, wie hier in der östlichen HafenCity; Illustration: Hosoya Schaefer/Chipperfield

Wie sieht es denn mit dem Mietpreisdeckel aus?

Der Mietpreisdeckel ist in Berlin gescheitert, weil das Land diesen eingeführt hat. Laut Verfassungsgericht darf dies aber nicht auf Landesebene beschlossen werden, sondern nur auf Bundesebene. Es bräuchte also einen bundesweiten Mietendeckel. Nachdem wir gesehen haben, wie schwer in der Pandemie einheitliche Entscheidungen auf Bundesebene zu treffen waren, befürchte ich, dass eine solche bundeseinheitliche Regelung so schnell nicht zustande kommt.

Wie steht es zumindest um die Mietpreisbremse?

Die Mietpreisbremse hat sich als nicht sonderlich schlagkräftig erwiesen, weil es zu viele Schlupflöcher gibt, um sie zu umgehen. Da müsste man nachjustieren, aber das ist wohl politisch nicht mehrheitsfähig.

Was ist mit Enteignungen?

An Enteignungen stellt das Grundgesetz sehr hohe Anforderungen. Ich bezweifle auch, dass Enteignungen bei großen Wohnungseigentümern durchsetzbar sind. Die Initiativen betonen ja ausdrücklich, dass sie keine generelle Enteignung wollen, sondern nur partielle – speziell im Falle der großen, spekulativen Wohnungsunternehmen. Aber auch da muss der Staat sehr genau nachweisen, warum eine Enteignung denkbar und möglich ist. Ich halte das für kein geeignetes Instrument.

 

Der Markt

 

Nun wollen zwei große Immobilienunternehmen, Vonovia und Deutsche Wohnen, fusionieren.

Da sieht man, wie hart bereits darum gekämpft wird, wer im Wohnungsmarkt die Oberhand hat. Auf der einen Seite private Immobilienbesitzer und auf der anderen Seite kommunale, föderale und nationale Institutionen.

Der Immobilienmarkt ist nicht gerade ein Musterbeispiel für Transparenz, oder?

Es gibt tatsächlich ein Defizit in der Transparenz über den Bodenbesitz. Die Stadt weiß zwar durch ihr Grundstückskataster sehr wohl, wer die Eigentümer sind. Diese Informationen sind allerdings nicht öffentlich zugänglich. Niemand will die Immobilienbesitzer in die Hände von Protestgruppen liefern. Hierbei spielt auch der Datenschutz eine Rolle. Das ist eine Abwägung zwischen dem Schutzbedürfnis von Eigentümern und dem öffentlichen Informationsbedürfnis.

In Hamburg gibt es etwa 720.000 Wohnungen, davon sind 440.000 in Privatbesitz, 130.000 in städtischer Hand und ebenfalls um die 130.000 gehören Baugenossenschaften. Der Großteil also ist in Privatbesitz. Liegt da das Problem?

Grundsätzlich spricht nichts gegen einen hohen Prozentsatz privaten Wohnungseigentums, nur gibt es unterschiedliche Qualitäten von privat. Es gibt diejenigen, die eine Immobilie gekauft haben, um von den Mieteinnahmen zu leben und sich für das Haus verantwortlich fühlen. Und es gibt auf der anderen Seite des Spektrums Investoren, die eher aus Spekulationsgründen Immobilien erwerben, um bei einem Wiederverkauf gute Renditen zu erzielen.

Wie kann man Letzteres unterbinden oder zumindest reduzieren?

Die Politik geht zunehmend dazu über, Erbbaurechte zu vergeben, also städtischen Boden zu verpachten, statt zu verkaufen. Das ist sinnvoll, denn wenn Städte ihren Boden verkaufen, haben sie keine Interventionsmöglichkeit mehr. Das hat man beispielsweise im Gängeviertel gesehen, wo ein internationaler Investor das Objekt gekauft hat und dann sechs Jahre lang nichts unternahm. Erst nach der künstlerischen Besetzung hat sich die Stadt dazu bereit erklärt, das Grundstück zurückzukaufen.

 

Gute Beispiele und Möglichkeiten

 

Gibt es Städte, die Hamburg als Vorbild dienen können?

Wien wird gern genannt. Dort wurde in den vergangenen 100 Jahren der größte durch die Kommune steuerbare Bestand an Wohnimmobilien aufgebaut. Diese Immobilien sind nicht alle im Eigentum des Landes und der Stadt Wien, sondern auch von Bauträgern, die die Wohnungspolitik des Landes Wien mittragen.

Hat Hamburg diese Steuerungsmöglichkeit nicht in Bezug auf die SAGA?

Es ist ein Glück, dass die SAGA nicht verkauft worden ist. Das stand ja schon mal zur Debatte. Im Unterschied zu vielen anderen Städten, die ihren kommunalen Wohnungsbestand veräußert haben, um Schulden zu tilgen, wie beispielsweise Dresden oder Berlin, hat Hamburg rechtzeitig die Bremse gezogen. München kauft inzwischen wieder Wohnungen zu hohen Preisen zurück.

Ziemlich beliebt bei Mietern sind Genossenschaften, weil die Mieten dort vergleichsweise moderat steigen. Wie schaffen die das?

Genossenschaften planen von vornherein für den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes und kümmern sich um die notwendigen Instandhaltungsmaßnahmen. Das führt dazu, dass ein Gebäude eine hohe Lebensdauer erreicht. Genossenschaften entstanden vor allem im Kaiserreich als kollektive Nothilfeeinrichtung, als der Wohnraum knapp war und der Zuzug in die Städte zunahm.

Das erinnert doch stark an die gegenwärtige Situation?!

Es gab in den vergangenen Jahren in der Tat einen sehr starken Zuzug in Städte, wodurch Angebot und Nachfrage im Wohnungsmarkt ganz klar aus dem Gleichgewicht kamen. Bis 2019 wuchs Hamburg jährlich um 20.000 Menschen. Das ist jedes Jahr eine neue Kleinstadt.

Wenn es in Hamburg einen Zuzug von 20.000 Menschen gibt, dann reichen doch weder die Genehmigung von 10.000 noch der tatsächliche Bau von etwa 5.000 Wohneinheiten aus.

Der Zuzug ist in den letzten beiden Jahren zumindest etwas zurückgegangen. Das kann aber auch mit Corona zusammenhängen. Dadurch, dass so viel Wohnungsbestand im bezahlbaren Segment fehlt, denke ich, dass man da mit Sicherheit nachlegen muss. Das hängt aber von vielen weiteren Faktoren ab, wie den Wanderungsbewegungen, der wirtschaftlichen Entwicklung, den Alters- und Haushaltstrukturen.

Hamburg gilt als Single-Hauptstadt. Welche Rolle spielt das bei den Mietpreisen?

Das spielt durchaus eine Rolle. Wenn immer mehr Menschen alleine in einer Wohnung leben, dann wird mehr Wohnraum pro Person verbraucht, weil jeder nun mal ein Badezimmer, eine Küche und einen Schlafraum hat. Das Single-Dasein betrifft in Hamburg immerhin 50 Prozent aller Haushalte, wobei nicht alle Singles alleine wohnen.

 

Modernisierung und Verdrängung

 

Über einen wichtigen Aspekt haben wir noch nicht gesprochen: Modernisierungen. Es ist vielen unbegreiflich, wie man zulassen konnte, dass Vermieter sich die hohen Investitionen zu großen Teilen mit Steuergeldern fördern lassen und im Anschluss acht Prozent der entstandenen Kosten auf die Miete aufschlagen – und zwar ohne zeitliches Limit. Wer hat sich denn solchen Irrsinn ausgedacht?

Das ist schon ein Stück weit verrückt. Eigentlich rechnet man ja damit, dass pro Jahr mindestens fünf Prozent der Mieteinnahmen für Instandhaltung aufgewendet beziehungsweise angespart werden. Viele Immobilienbesitzer blieben aber lange Zeit untätig oder kauften mit den Ersparnissen weitere Immobilien, die ebenfalls nicht modernisiert wurden. Als dann genug Anreize da waren, schlugen sie alle zu, brachten die Wohngebäude auf den aktuellen Standard – mit entsprechend hohen Modernisierungskosten und -forderungen. Eigentlich hätte man die Summe der unterlassenen Instandhaltung von den Modernisierungskosten abziehen müssen. Dem Mieter hätte auch nur der Anteil berechnet werden dürfen, der tatsächlich eine Verbesserung darstellt…

… stattdessen fühlen sich die betroffenen Mieter verzweifelt. Ältere Menschen sehen sich gezwungen, an den Rand der Stadt ziehen.

Ja, für diese Menschen bedeutet das den Verlust ihres Zuhauses, ihres Freundeskreises, ihres vertrauten Wohnumfeldes. Die müssen sich komplett neu orientieren. Das ist eine große Belastung.

Durch den „Vertrag für Hamburgs Stadtgrün“ verpflichtet sich der Senat, die Grünflächen der Stadt beim Wohnungsbau stärker zu schützen. Erschwert das nicht den Wohnungsbau?

Als der Naturschutzbund (NABU) diese Idee erstmals vorbrachte, empfand ich es als absurde Konfrontationsstellung. Die Verhandlungen sind aber ein wichtiger Schritt, um Wohnen und Umwelt gemeinsam zu denken. Es hat ja niemand etwas davon, wenn man eine Wohnung hat, aber keine saubere Luft atmen kann.

 

Nachverdichtung

 

Nicht wenige sehen Nachverdichtungen kritisch. Wie sehen Sie das?

Die entscheidende Frage ist, wie nachverdichtet wird. In welchen Gebieten? Auf welche Weise? Und in welchem Ausmaß? Hamburg hat viele Einfamilienhaus-Gebiete. Das sind Flächenfresser. Je nachdem wie die Grundsteuerbemessungen ausfallen, werden einige überlegen, ob man nicht zwei oder dreigeschossig bauen kann. An den Magistralen und am Hafen gibt es viele unterausgenutzte Grundstücke. Viele Gebäude in der Stadt wird man auch abreißen müssen. Es gibt also noch Möglichkeiten zum Wohnungsbau.

Was halten Sie von der Idee, in die Höhe zu bauen?

Im verdichteten städtischen Raum scheint es mir nicht verkehrt, zumindest in Richtung vier bis sechs Stockwerke zu denken. Das ist ja in Stadtteilen wie Eimsbüttel längst üblich – und schlecht wohnt man da ja nicht. Das muss man von Ort zu Ort diskutieren: An welcher Stelle sind welche Höhen möglich und passend? Wie wirkt sich das auf die Umgebung aus?

Ist eine Nachverdichtung angesichts der Pandemie nicht ohnehin fragwürdig?

Da müsste man sich anschauen, welche Möglichkeiten man hat, in Zukunft darauf zu reagieren. Als wir Professoren Studierende in einer Lehrveranstaltung fragten, wie sie mit dem Home-Learning zurechtkommen, haben sie geantwortet: „Sie haben wahrscheinlich einen Balkon! Wir sitzen in unserem 20-QuadratmeterZimmer und müssen darin kochen, arbeiten, essen und schlafen.“

Und haben Sie einen Balkon?

Ich habe einen Balkon, ja. (lacht)


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Christoph: „Das Angeln eint uns Drei“

Tagein, tagaus wirbeln knapp zwei Millionen Menschen durch Hamburg. Wir fischen sie für einen Moment aus ihrem Alltag und lauschen ihren Geschichten. Diese Woche sind wir Christoph begegnet.

Protokoll: Max Nölke

 

„Wenn ich zu dieser Jahreszeit abends durchgefroren nach Hause komme, ordentlich geschafft, aber zufrieden, weil ich was Schönes mitbringe, dann war es das mal wieder wert, stundenlang am Wasser zu stehen. Die meisten Fische, die man hier aus dem Hafenbecken holt, sind gesund. So einen schönen Zander kann man richtig gut verwerten. Der wird dann geschuppt, auf Haut gebraten, dazu gibt’s Kartoffelpüree, meine Frau macht leckeren Sauerkraut – wunderbar!

Es gibt aber auch Tage wie heute. Da stehe ich seit zehn Uhr hier und es hat noch kein Fisch angebissen.

Mein Vater hat mich als kleinen Jungen im Masuren-Urlaub zum Angeln gebracht. Als Jugendlicher habe ich es dann sein lassen, weil ich eher den Mädchen als den Fischen hinterhergelaufen bin. Als ich dann selbst Vater wurde und mein Sohn mit vier Jahren plötzlich meinte, er wolle angeln, ging es wieder los. Seitdem ist das eine Art Familien-Event bei uns. Da vorne steht meine Frau, sie hat vor ein paar Jahren ihren Angelschein gemacht.

Für mich ist Angeln ein aktives Warten. Werfen, Beobachten, Köder heraussuchen, Methoden ausprobieren. Langweilig wird es nie. Ich stehe beim Angeln dauerhaft unter Anspannung. Meist sind es Bruchteile von Sekunden, in denen der Fisch anbeißt und wenn man da nicht reagiert, ist er wieder weg.

Ein schöner Effekt dabei ist, dass man sehr bei sich ist. Ich gehe oft mit meiner Frau angeln. Da wird nicht viel geredet, wir sind quasi getrennte Leute, jeder ist konzentriert hinter seinem Fisch her.

 

Petri Heil!

 

Wir haben uns 1997 kennengelernt. Sie hatte eine Anzeige in der Szene gesetzt, die ich lustig fand. Sie war in Reimen verfasst, ich habe mit Reimen geantwortet, das hat ihr gefallen. Es hat dann noch gut ein Jahr gedauert, bis wir zusammengekommen sind. Heute ist unser Sohn 14 Jahre alt. Und das Angeln eint uns drei seit jeher.

Beruflich bin ich in der Elektrotechnik unterwegs und muss Kraftwerke auf der ganzen Welt besuchen, bin für die Steuerung und Reglungstechnik verantwortlich. Das kann hin und wieder sehr stressig sein, denn durch so einen Kraftwerk-Schornstein wird ziemlich viel Geld gepumpt. Daher ist das Angeln ein schöner Ausgleich. Man braucht ein Hobby, wenn man 40 ist. Gerade, wenn man Familie hat und viel arbeitet. Kann man das Hobby dann auch noch mit der ganzen Familie ausleben, hat man gewonnen. In diesem Sinne: Petri Heil!“


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Meßmer Momentum: Teehaus muss schließen

Das beliebte Tee-Erlebniszentrum in der HafenCity stellt seinen Betrieb bis Ende März 2021 ein. Der Grund für die Schließung sind die anhaltenden Einschränkungen durch die Corona-Maßnahmen.

Der Betreiber des Meßmer Momentum, die Laurens Spethmann Holding, erklärte die Schließung damit, dass das Teehaus aufgrund der erneuten Einstellung des Betriebes im Lockdown light und absehbarer auch längerfristiger Auswirkungen wirtschaftlich nicht mehr tragbar sei.

„Mit großem Bedauern haben wir uns dazu entschieden, das Meßmer Momentum bis Ende März 2021 zu schließen“, so das Unternehmen in einem Statement im Hamburger Abendblatt. Den 21 Beschäftigen des beliebten Teehauses, die sich bereits in Kurzarbeit befinden, steht damit die Kündigung bevor.

 

Aus für das beliebte Tee-Erlebniszentrum in der HafenCity

 

Das Meßmer Momentum bestand elf Jahre lang als Tee-Erlebniszentrum am Kaiserkai in der HafenCity. Zu den über 250 Teesorten konnten hier auch Kuchen, Sandwiches und Gebäck verköstigt werden. Außerdem gehörten Tee-Schulungen und verschiedene Events sowie ein Shop mit den hauseigenen Marken zum Programm des Teehauses.

 

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Elliott Landy’s Woodstock Vision: Erinnerungen an die Liebe

Das Woodstock-Festival 1969 war eine XXL-Demonstration der damaligen Friedensgeneration. Unvergessen bleibt deren Lebensgefühl auch dank Ausstellungen wie „Elliott Landy’s Woodstock Vision“

Text: Erik Brandt-Höge

 

Eine Milchfarm bei New York sollte vom 15. bis 17. August 1969 zur Kulisse eines Mega-Events werden. Das Woodstock-Festival stand an, und nicht weniger als eine halbe Million Menschen strömte heran, um für Liebe und Frieden zu protestieren und nicht zuletzt den passenden Live-Soundtrack von Musikgrößen à la Jimi Hendrix, Joan Baez, Janis Joplin, Santana und Joe Cocker zu zelebrieren.

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Woodstock, meine Liebe (Foto: Elliott Landy)

Auf den grünen Hügeln vor der Bühne machte es sich eine Generation gemütlich, die vom Vietnamkrieg, von der Kuba-Krise und allerhand ähnlichen sie verstörenden Ereignissen schlichtweg die Schnauze voll hatte. Während einige der größten Hits der Rockmusik übers Areal schallten, schalteten alle Anwesenden einfach mal ab vom Weltwahnsinn und setzten voll und ganz auf Harmonie.

Festgehalten wurden diese Glücksmomente vom amerikanischen Fotografen und Autor Elliott Landy, der zu den wenigen zählte, die nicht bloß vor, sondern auch auf der Woodstock-Bühne Bilder machen durften. „Elliott Landy’s Woodstock Vision“ ist nun der Titel einer Ausstellung im Überseeboulevard 5, die in vier Sektionen („I Vision of a Generation“, „II Stars and Stones“, „III Hight on Musik“, „IV Woodstock“) den Zeitgeist der späten 60er Jahre ins Hier und Jetzt hievt. Zu erleben sind etwa meterhohe Porträts der Live-Acts, eine audiovisuelle Psychdelic Show und ein Woodstock Café.

Elliott Landy’s Woodstock Vision: 1.8.–31.10., Überseeboulevard 5, täglich 14–20 Uhr, Fr–Sa 14–21 Uhr


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foodlab: Hamburgs neues Gastro-Kreativlabor

Hamburger Gastronomen und Food-Unternehmen haben ein neues Tüftel-Zuhause im foodlab

Text: Michelle Kastrop

 

Das Waterkant-Gebäude in der HafenCity: Hier ist kürzlich das foodlab mit einem weltweit neuen Konzept eröffnet worden. Auf 1.200 Quadratmetern umfasst es ein von Hanseatic Coffee Roasters betriebenes Café mit Mini­-Shop, ein Pop­-up­-Restaurant, in dem alle vier Wochen wechselnde Restaurants ihre Konzepte und Gerichte vorstellen, einen Co­working­-Space mit Arbeitsplätzen für allerhand Unternehmen aus der Food­-Szene, mehrere Testküchen und ein Media-­ und Eventstudio für Shootings.

Das foodlab-­Konzept stammt von Christin Siegemund. Die Marketingexpertin begann 2013 mit ihrem Blog „Hambur­ger Deern“, sich mehr und mehr ihrer Leidenschaft für gutes Es­sen und die Hamburger Food­-Szene zu widmen. Bald habe sie gemerkt, dass viele Betriebe sich mit ähnlichen Fragen und Problemen konfrontiert sehen, speziell im Bereich Infrastruktur und Netzwerk: „So entstand die Idee von foodlab.“

 

Das foodlab als Begegnungsstätte

 

Die Unternehmen, die Sie­gemund ansprechen will, sollen das foodlab „als Begegnungsstätte“ verstehen. Ihr Mietobjekt, das Waterkant­-Gebäude mit seiner großzügigen Fensterfront, die besten Blick auf die Elbe erlaubt, sei dafür der perfekte Ort.

Eines der Start­ups, dass bereits im foodlab zu Hause ist, ist Newbaked. Seit der Gründung Ende Juni produziert es gemeinsam mit der Bäckerei Bah­de Feinschmecker-­Brote für die gehobene Gastronomie, Hotellerie und in Feinkostläden. Mit seinem Konzept kam Newba­ked-­Chef Wodz zu Siegemund – und profitiert seitdem sehr vom foodlab-­Netzwerk. „Es war genau der richtige Schritt, ins foodlab einzuziehen und dort mitzumischen“, schwärmt er von den neuen Möglichkeiten.

Übrigens: Im foodlab kön­nen sich Food-­Start­ups auch für ein Accelerator­-Programm bewerben. Daran teilneh­menden Unternehmen wird ein halbes Jahr lang ein Arbeitsplatz gestellt und ein individuelles Training geboten. Siegemund: „In unserem Accelerator­ Programm, holen wir sie quasi an dem Punkt ab, wo sie gerade in ihrem Prozess sind und stellen dann die passenden Coaches zur Verfügung.“ Vo­raussetzung, um dabei zu sein: Es müsse „ein Bu­sinessplan und am bes­ten schon ein erstes Produkt vorhanden sein“.

foodlab 
Überseeallee 10 (HafenCity)


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MS Stubnitz: Quicklebendiges Denkmal

Die MS Stubnitz feiert. Der 55 Jahre alte Dampfer hat kürzlich seine 11. Klasseerneuerung erhalten und bietet auch im Jahr 2020 ein umfangreiches Kulturprogramm. Doch für die Zukunftssicherung ist das alte DDR-Seeschiff weiterhin auf Spendenpaten angewiesen und auch die langfristige Standortfrage ist weiterhin ungeklärt

Text: Mirko Schneider

 

Monat? Juli. Dauer? Zehn bis 14 Tage. Kosten? Rund 200.000 Euro. So lauteten die Voraussagen der MS Stubnitz zur 11. Klasseerneuerung des 1992 zur mobilen Kulturplattform umfunktionierten früheren DDR-Fischereischiffs mit Liegeplatz in der HafenCity. „Nun haben wir die Klassifizierung für die nächsten fünf Jahre geschafft“, freut sich Vorstandsmitglied Felix Stockmar zu Beginn der einberufenen Pressekonferenz. Am runden Tisch hält er einen Moment inne, schaut durch das Fenster auf die Elbe. „Einfach war es nicht“, fügt er hinzu.

Im Gegensatz zu den Prognosen verlangte die Realität mehr Geduld, schnellere Arbeit und höheren finanziellen Aufwand. Erst Anfang Oktober fand die MS Stubnitz einen Werftplatz. Für sechs Tage. Die kalkulierten Gesamtkosten verdoppelten sich. „Wir haben in die nötigen Instandsetzungen in diesem Jahr bisher rund 430.000 Euro investieren müssen“, sagt Urs Blaser, Initiator des Projekts sowie Geschäftsführer der Stubnitz. Doch es hat sich gelohnt, die seit 2003 offiziell als Industriedenkmal anerkannte Stubnitz behält ihre Seezulassung.

 

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Die MS Stubnitz als Kulturschiff

 

Herrscht bei der vierzehnköpfigen Besatzung an Bord nun also eitel Sonnenschein? Nein! „Wir haben eine wichtige Etappe geschafft und das Ende der Stubnitz verhindern können. Am Ziel sind wir noch lange nicht“, betont Blaser. Denn weitere Sanierungsarbeiten stehen an. „Wir haben jetzt ein halbes Jahr Großaufwand gemacht. Es folgt 2020 ein weiteres Jahr Großaufwand.“ Um sich den ungefähr vorzustellen, ist eine Zahl entscheidend: 12.000. So viele Arbeitsstunden wurden 2019 in die Stubnitz investiert, 3.000 davon ehrenamtlich. Stahlplatten und Bleche wurden getauscht, Rohrleitungen überarbeitet oder neu gebaut, Ventile erneuert, die Elektrotechnik auf einen akzeptablen Stand gebracht und vieles mehr. „Jedes einzelne der vielen Abteile des Schiffes müssen wir in den Griff kriegen“, stellt Blaser die Mammutaufgabe vor. „Deshalb müssen wir die Menschen überzeugen, uns weiter zu unterstützen.“

 

Patenschaften erhalten MS Stubnitz

 

Die Lebensperspektive der Stubnitz sichern soll ein System der Patenschaften. „Wir können Gelder zu einem großen Teil aus bereitstehenden Förderungen für unser Denkmal vom Bund und der Stadt Hamburg abrufen. Allerdings nur, soweit wir aus Spenden und Eigenmitteln einen Teil dazu beitragen können“, sagt Blaser. „Unser Ziel erreichen wir, wenn wir insgesamt über 500 Patinnen und Paten werben können, die bereit sind, über zwei Jahre durchschnittlich zehn Euro pro Monat beizusteuern.“

Denn jeder gespendete Patenschafts-Euro sorgt für sieben Euro öffentlichen Zuschuss. So kämen insgesamt 960.000 Euro zusammen. Durch zwei Jahre macht 480.000 Euro pro Jahr. Da 2019 430.000 Euro nötig waren und erst ein Drittel des Aufwandes erledigt ist, legen die Macher der Stubnitz hier eine realistische Rechnung vor. Aktuell unterstützen seit dem Start der Patenschaftsaktion 122 Patinnen und Paten das Projekt mit monatlich je 23 Euro. Sie erst ermöglichten es, die 11. Klasseerneuerung anzugehen.

Blaser und Stockmar hoffen auf die „Gestaltung einer quicklebendigen Zukunft“. Die Frequenz von über 300 Konzerten und Veranstaltungen pro Jahr soll beibehalten werden. Beim Elbjazz-Festival ist die Stubnitz wieder dabei. Das Künsterfestival „Bruital Furore“ im Bereich neuer Musik befindet sich ebenfalls in Planung. Ein weiteres echtes Highlight, so Stockmar, „wird eine russische Band sein, die wir im Juni bei uns begrüßen dürfen. Die gehen gerade echt durch die Decke. Uns ist ein spektakulärer Coup gelungen. Welcher, wird aber noch nicht verraten.“

 

„Viele Geschichten, die erzählt werden wollen“

 

Sogar um die Historie des Schiffes will sich die Besatzung kümmern. „Da gibt es so viele Geschichten, die erzählt werden wollen“, erklärt Blaser. In welcher Form, ist noch offen. Auch spannende Kooperationen wie mit dem Harbour Front Literaturfestival oder der Elbphilharmonie stehen auf der Agenda. Ein Beispiel dafür ist die „Reflektor“-Reihe mit Klangerfinder Niels Frahm. „Niels trat erst auf der Stubnitz auf, dann in der Elbphilharmonie, danach wieder bei uns. Daran sieht man, wie gut und produktiv wir als Kontrapunkt und Gegengewicht wirken können“, findet Stockmar.

 

 

Kontrapunkt und Gegengewicht will die Stubnitz auch in der HafenCity bleiben. „Als wir 2003 herkamen, war das Umfeld der Kontrapunkt zu uns. Das hat sich etwas umgekehrt, wir sind nun der Kontrapunkt zum Umfeld“, sagt Blaser. Trotz der Entwicklung des hochpreisigen neuen Stadtteils fühle man sich aber weiterhin wohl an seinem Liegeplatz. Die Genehmigung der Wasserbehörde gilt bis zum Jahr 2026. „Wir gehen davon aus, länger hier zu bleiben“, sagt Blaser. „Der Vertrag enthält eine beidseitige Option zur Vertragsverlängerung.“ Über welchen Zeitraum diese laufen würde, ist dort allerdings nicht definiert.

 

„Die HafenCity weiß, was sie an uns hat“

 

Doch bedeutet „hier“ in diesem Fall auch am Kirchenpauerkai 29? In ein bis zwei Jahren sollen die Wohnungen gegenüber fertig sein. Es wird eine Promenade geben. Und sicher auch Laufpublikum. Doch wird – populistisch gesprochen – der schicke Anzugträger ausgerechnet auf die Stubnitz zum Feiern gehen? Sind Probleme mit den Anwohnern nicht wahrscheinlicher? „Für uns wird das sicher eine Herausforderung werden, zum Beispiel in unserer Programmgestaltung“, gibt Blaser zu. Doch ganz so klischeehaft Arm gegen Reich gehe es ja gar nicht zu. „Ich glaube, die HafenCity weiß schon, was sie an uns hat. Wir jedenfalls wollen uns gerne weiter in Hamburg-Mitte integrieren.“

Alternative Standorte für die Stubnitz werden zur Sicherheit jedenfalls schon diskutiert. Eine mögliche Option wäre ein Liegeplatz auf der Halbinsel Baakenhöft, die gerade erschlossen wird. „Das wäre unser Favorit“, sagt Blaser. Die zweite Möglichkeit ist ein Standort knapp vor den Elbbrücken. „Dann müssten wir uns aber an das Dröhnen der Bundesbahnen über uns gewöhnen“, ergänzt Stockmar. Und gibt das Motto für die Zukunft vor. „Wir auf der Stubnitz haben noch viel vor. Was auch immer jetzt kommt, wir schauen nach vorne.“

ms.stubnitz.com/foerdermitglied


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Dezember 2019. Das Magazin ist seit dem 20. Dezember 2019 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Die Stadt im Oktober: Gereon Klug und Peter Lau im Gespräch

Jeden Monat treffen sich der Künstler Gereon Klug und Brand eins-Redakteur Peter Lau zum Gespräch. Diese Mal ging es um die Bewohner der HafenCity, Kreuzfahrtschiffe auf der Binnenalster und einen neuen Zoo für Hamburg.

Foto: Michael Kohls

Hallo Peter, danke, dass du meine Blumen in meiner Abwesenheit über­gossen hast. 

P: Gereon, das mache ich doch gerne. War auch kein Problem, ich hatte sowieso gerade etwas Wasser über. Na, jedenfalls schön, dass du wieder in Hamburg bist.

G: Hab ich was verpasst? Schließlich waren das zwei Wochen. 

P: Zwei Wochen? Was redest du? In der geilsten Stadt Hamburg sind zwei Wochen wie zwei Stunden, die wie zwei Jahre sind! Die Ereignisse haben sich hier überschlagen! Vor allem in der HafenCity!!

G: Kannst du das bitte mal lassen mit den Ausrufezeichen. Ich bin Ästhet. 

P: Mich macht das alles ganz wuschig. Ich bin ja irgendwo auch Mensch. Und wenn es anderen Menschen schlecht geht, dann leide ich eben mit.

G: Wem geht es denn schlecht ausge­rechnet in der HafenCity? Wohnen da nicht nur Freaks? 

P: Ja, klar: Unternehmenserben, Internet-Milliardäre, Hacker, Akademikerkinder. Und, wusstest du das eigentlich: 12.000 italienische Clickworker.

G: Nee, wusste ich nicht. Aber was ist mit denen? 

P: Die haben einen Touri-Deckel gefordert. Slogan: „Unser Viertel ist keine Sehenswürdigkeit – hier leben Menschen!“ Und: „Rettet Hamburgs alten Kern der Zukunft.“ Erst haben sie einen SUV-Corso zum Rathaus geplant, aber am Ende haben sie die Elbphilharmonie besetzt.

G: Bizarr. Was hat die denn so auf­ geregt? 

P: Das Ganze fing an, als die Tiere kamen. Das muss kurz nach deiner Abreise gewesen sein …

 

„Hagenbeck hat in der HafenCity eine neue Dependance“


G: Ich war übrigens in Venedig. Mit dem Schiff. Welche Tiere denn bitte? Gab es wieder eine Spinnen­ plage im Hafen? 

P: Nein, Hagenbeck hat in der HafenCity eine neue Dependance aufgemacht: Hagenbeck2 – Animals for our Future. Der Zoo der Zukunft. Da gibt es ausschließlich Tiere mit Potenzial, die alles überleben werden. Keine bedrohten Arten, sondern starke, durchsetzungswillige Rassen. Ein Zoo mit einer positiven Botschaft: Du kannst das!

G: Wirklich? Irre. Und das soll sich jemand ansehen? 

P: Ansehen oder essen. Es geht auch um funktionsstarke Tiere. Eben Tiere mit Zukunft. Ob als Essen, zum Gucken oder als Vision eines Morgen ist ja letzten Endes egal. Hauptsache, sie sind zu was nütze und nicht nur animalische freie Wesen, die uns mehr kosten als sie einbringen.

G: So sehe ich Tiere auch am liebs­ten: als Zweckwesen. 

P: Du kannst dir vorstellen, es war ein Mega-Event. Hagenbeck2 war schon am ersten Tag total überlaufen. Tausende Besucher, die alles zuparkten, massig Youtubbies, bundesweites Aufsehen. Die Fischbrötchen waren alle sofort weg, die Pandamützen auch. Jeder hat geschnallt, wie wichtig Tiere für uns sind, wenn sie zu was gut sind. Ein Riesenerfolg, wirklich beeindruckend.

G: Das ist doch schön. Endlich ein neuer Magnet in Hamburg, eine neue Topadresse. Das wird unsere Stadt noch weiter voran bringen. Kann man eigentlich von den AI­DAS in den Hagenbeck2 reingu­cken? 

P: Den AIDAS? Warum willst du das wissen?

G: Ich sagte doch, ich war in Venedig. Ich bin Kreuzfahrer, Peter! Da will ich natürlich wissen, ob ich freie Sicht auf das Neue habe. Ich will nicht im­ mer nur alte Sachen sehen. Ich will nah ran an die Zukunft. Die Fahrten nach Kuba oder an Inseln vorbei, auf denen alles aus Palmblättern herge­stellt wird, langweilen mich. Ich will in die Stadt rein, ran an die Hotspots. 

P: Gereon, du bist in der Stadt.

G: Aber noch nicht, wenn ich kreuz­fahre. In Venedig kommen wir mit unserem Schiff recht nah ran, aber sonst werden wir Kreuzfahrer eher auf Abstand gehalten. 

P: Das ist doch das Wesen dieser Reisen: Weit wegfahren, ohne es zu merken.

G: Mir ist das zu langweilig. Ich bin froh, dass es bei uns demnächst richtig rein geht in die City. 

P: Ja?

 

„Wir Kreuzfahrer kommen nämlich bald in die Hambur­ger Innenstadt!“


G: Ja! Wir Kreuzfahrer kommen nämlich bald in die Hambur­ger Innenstadt! Aus dem Hafen in die Fleete: Ab November gibt es die ganze Aida -Flotte und auch die Queen­-Mary-­Flotte als kleine Schwesterschiffe. Mit etwas weniger Tiefgang, etwas weniger Bruttore­gistertonnen, aber – und das ist das Coole – mit vollem Komfort. 

P: Auch mit Pool und so?

G: Logisch! Es ist alles genau wie bei den Großen – nur etwas kleiner. Die Handtücher sind DIN A 4, die Pools haben Tischtennisplattengrö­ße. Es ist einfach süß. Dann sind wir mit unseren Aidaletten auch in der Binnenalster unterwegs, schön nah am Jungfernstieg. Und weil man nicht so weit fahren muss, ist der ökologische Fußabdruck kein Thema mehr. Eine Win-­win­-Situation. 

P: Toll! Davon hatte ich noch nie gehört!

G: Verstehe ich, verstehe ich, wenn hier so viel los war. Aber was war denn jetzt mit den HafenCitlern? 

P: Die haben richtig Alarm gemacht. Haben totale Horrorszenarien entwickelt: Wenn da jetzt jeder, der nicht persönlich kommen kann, seine Drohne schickt, um bei Hagenbeck2 die Tiere zu sehen, wäre der Luftraum gefährlich voll, vom Funkraum ganz zu schweigen. Und wenn die Magellan-Terrassen zum Galaostrich würden, könnten die Kinder nirgends mehr spielen. Da wurde die Apokalypse heraufbeschworen: In einer komplett überlaufenen HafenCity pinkeln die Leute in die Hafenbecken auf die rein geworfenen E-Bikes, und alles wird so schmuddelig wie früher die Schanze oder Berlin heute.

G: Wär wohl so. 

P: Eben. Und das sah die Politik auch ein. Der Bürgermeister, wie heißt der noch? Ich kann mir den Namen nicht merken und jetzt lohnt es sich nicht mehr, nächstes Jahr werden ja schon Wahlen gewesen sein – jedenfalls hat der Bürgermeister dann per Eilverfahren beschlossen, dass es in der gesamten HafenCity keine neuen Projekte mehr gibt. Keinen Hagenbeck3, mit Tieren, aus denen man noch was machen kann, wenn die sich ein bisschen Mühe geben, kein Kleinflughafen und auch keine neuen Hotels auf die alten Hotels drauf.

G: Oha! Das war alles geplant? 

P: Ja, sicher. Aber vergiss es! Stattdessen ist nun Wellness angesagt – Entspannung pur für Leistungsträger, egal ob Tier oder Mensch. Deshalb ist die HafenCity jetzt ein schallarmes Barfußrevier.

G: Du meinst Flüsterasphalt und so? 

P: Ach was, das war gestern. Nein, das ganze Viertel ist mit Teppichboden ausgelegt. Da kannst du überall auf der Straße liegen und knutschen, weil der immer sauber ist – der wird Tag und Nacht von Saugrobotern abgesaugt.

G: Das ist doch wunderbar. Auf unseren Kreuzfahrtschiffen sind Saugroboter nicht erlaubt. Die fal­len immer runter und machen die Meere dreckig. Es gibt Gebiete, da gibt’s schon richtige Saugroboter­strudel, das sieht nicht aus. Wenn ich jetzt in der HafenCity anlande, dann falle ich direkt auf einen roten Teppich? 

P: Nein, kannst du nicht. Jedenfalls nicht, wenn du von einem Kreuzfahrtschiff kommst. Wegen des Touristendeckel – Teppichboden ist nur für Einheimische.

G: Ich hab immer meinen Ausweis dabei. 

P: Kann ich den mal sehen? Ich wollte schon immer wissen, wie du wirklich heißt.


Szene-Oktober-2019-CoverDieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, Oktober 2019. Titelthema: Neu in Hamburg. Das Magazin ist seit dem 28. September 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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