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Unternehmen zeigen ihre Kunstsammlungen bei der add art 2019

Zum 7. Mal öffnen Hamburger Unternehmen ihre Türen, zeigen ihre Kunstsammlungen, feiern Jubiläen und den Nachwuchs – und das an Orten, zu denen man nur selten Zutritt hat

Text: Sabine Danek 
Bild: Marlen Schulz 

 

Es wäre viel zu schade, wenn das alles verborgen bleiben würde. Die Kunst, die von Hamburger Unternehmen gesammelt wird, von Anwaltskanzleien, Immobilienmaklern, Konzernen, Studios oder Agenturen. Deshalb öffnet add art einmal im Jahr die sonst geschlossenen Türen und macht den Blick frei auf Kunst, die man sonst nicht sehen kann. Wie die von Street-Artist Ray de la Cruz gestalteten Räume der INP Holding und deren Sammlung mit Arbeiten von Tjorg Douglas Beer und David Friedemann. Oder die beeindruckend zeitgenössischen Werke bei Lohmann Konzept, das Unternehmen im Gesundheitswesen berät.

Die Arbeiten reichen von Zeichnung und Malerei zu Skulptur, Objekte, Fotografie, Video- und Computerkunst und beschäftigen sich mit dem „Wandel“ als hochaktuellem, gesellschaftlichem Thema. Bei der diesjährigen add art stellt es die „Inszenierungen des Augenblicks“ der Performance-Künstlerin Carmen Oberst in den Mittelpunkt und überreicht jedem Besucher eine ihrer „Gedächtnis-Boxen“. Natürlich fehlt auch die legendäre Sammlung der Werke von Dieter Roth (1930–1998) nicht, dessen Schimmel- und Eat-Art-Werke auch im MoMA New York zu finden sind. Einer der Hamburger Anwälte Buse Heberer Fromm hatte den Künstler bereits in den 1970er Jahren mit Käufen unterstützt.

 

Kunst regt zu Gesprächen mit Mitarbeitern an

 

Vor sieben Jahren gründete Hubertus von Barby add art. „Als Berufstätige verbringen wir viel Zeit im Büro. Es schafft gleich eine andere Atmosphäre, wenn Kunst an den Wänden ist. Damit meine ich weniger die üblichen Kunstdrucke – in Hamburg vorzugsweise die Speicherstadt –, sondern echte, originale Kunstwerke“, sagt der Kommunikationsberater. „Kunst verändert aber nicht nur die Raumsituation, sondern bringt ein ganz neues Moment in ein Unternehmen. Auf der einen Seite kann ein Werk mir persönlich einen Impuls geben, ein gutes Werk lässt mich sogar immer wieder Neues darin sehen und entdecken. Auf der anderen Seite regt Kunst auch zu Gesprächen mit anderen Mitarbeitern oder auch Kunden an.“

Gleichzeitig steht die Kunstförderung im Zentrum der add art, in deren Namen bereits die Aufforderung „Füge Kunst hinzu“ steckt. Deshalb zeigen auch in diesem Jahr sieben Unternehmen Arbeiten von ausgewählten Studierenden der Hochschule für angewandte Wissenschaften (HAW). Zum zweiten Mal wird der add art Award für Nachwuchskunst, der mit 3.000 Euro dotiert ist, verliehen und jeder der Nachwuchskünstler, die in den verschiedenen Unternehmen ausgestellt sind, wird mit einem Honorar oder einem Ankauf unterstützt. Die Ausstellungen und Sonderschauen können mit Führungen oder zu festen Terminen besucht werden. Mehr als 1.700 Interessierte haben das im letzten Jahr genutzt. Tendenz steigend.

 

add art: Termine und Führungen

 

Eröffnung und Award-Verleihung

Erstmals findet die Auftaktveranstaltung in der Rahmenwerkstatt Kappich & Piel im Schanzenviertel statt – und erstmals auch mit einem Kunstquiz. Bei Art & Smart, durch das die Moderatoren Darren Grundorf und Tom Zimmermann führen, können die Gäste einfach nur zuhören oder sich in Teams zusammenfinden und Antworten auf Fragen rund um die Kunst beantworten. Die Sieger werden prämiert. Zudem wird der add art Award für Nachwuchskunst verliehen und es findet eine Podiumsdiskussion statt.

Kunst & Stadtteil

Auch in diesem Jahr finden im Rahmen der add art drei organisierte Führungen statt. Besucht werden Unternehmen mit Kunst und auf dem Weg zu ihnen werden Informationen über den besuchten Stadtteil vermittelt. Die drei Führungen sind: Neuer Wall & Fleetinsel am 22.11., Neustadt & Gängeviertel am 23.11., HafenCity & Cremon-Insel am 24.11. Die Teilnahme kostet 25 Euro.

Sonderschauen

Zum 65. Geburtstag von Werner Büttner findet in der Dependance der LBBW eine speziell zur add art arrangierte Ausstellung mit Werken von Werner Büttner statt.
Die Handelskammer nimmt mit der Schau „Die wachsende Stadt – Hamburg 1814-1914“ teil.

Lunch Talk

Die Kunsthistorikerin Julia Rosenbaum spricht mit der Künstlerin Carla Chan (*1989) über ihre Arbeiten, die in der Kanzlei Fieldfisher gezeigt werden. Es geht um das Wandeln an der Grenze zwischen Natur und Digitalem, Figuration und Abstraktion. „Grenzgänge: Das Übersetzen digitaler Möglichkeiten in künstlerische Ästhetik“: Lunch Talk, 22.11., 12.30 Uhr, Fieldfisher LLP. Der Lunch-Talk findet in englischer Sprache statt. Ein Imbiss wird gereicht. Anmeldung unter www.addart.de.

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21.-24.11.19 


szene-hamburg-november-2019Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, November 2019. Titelthema: Sexualität. Das Magazin ist seit dem 27. Oktober 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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HAW Hamburg: Ein Rennen um die Zukunft

Ein Ortsbesuch an der Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften, die ihre Studierenden auf alle denkbaren Karriereszenarien vorbereiten will

Text und Fotos: Erik Brandt-Höge

 

Ist das einer von den Transformern? Ein haushoher Rechner? Eine XXL-Kunstinstallation? Fest steht: Wer vor dem Hauptgebäude der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg am Berliner Tor steht, einem mattglänzenden architektonischen Mix aus Pyramide, Säule und L-förmigem Etwas, der merkt schnell: Das hier ist keine normale Ausbildungsstätte – das hier ist ein Ort der Zukunft.

 

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Industriechic im Eingangsbereich des HAW-Hauptgebäudes

 

Während andere Hochschulen auf jahrhundertealte Häuser setzen, auf akademische Geschichte in jedem Stein und jeder Fliese, fokussiert sich die HAW schon in ihrer Außendarstellung aufs Hier, Jetzt und Bald.

Und drinnen geht es weiter: Viel Licht fällt in den durchweg verglasten Eingangsbereich, in dem ein Bistro Studierende mit Kaffee und Snacks versorgt. Über eine industrieschicke Metalltreppe, auf der sich die an Wänden und Decken angebrachten Lichtwürfel spiegeln, geht es im Zickzack hoch in die Seminar- und Vorlesungsräume.

Medien, Medizin, Design, Technik, Umwelt, Wirtschaft, Soziales: Aktuell machen sich hier rund 17.000 Studierende in 38 Bachelor- und 37 Masterstudiengängen startklar für anstehende Karrieren.

 

In Führung gegangen

 

„Ingenieure kommen vom Berliner Tor“, zitiert die HAW bis heute einen Leitspruch der Anfangstage auf der Hochschul-Homepage. Was damals gelten sollte, ist heute Selbstverständlichkeit. Längst mit mehreren Fakultäten über ganz Hamburg verteilt, ist die HAW Norddeutschlands führende Hochschule in Sachen reflektierter Praxis geworden.

Allein 1.800 junge Frauen und Männer belegen derzeit Lehreinheiten in Fahrzeugtechnik und Flugzeugbau, arbeiten nebenher als Werkstudenten in Großunternehmen à la Airbus und sind an HAW-Projekten wie dem HAWKS Racing Team beteiligt, dem größten interdisziplinären Projekt der HAW.

 

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Fertig für die Wettbewerbe: Werke des HAWKS Racing Teams

 

Die Mitglieder, aktuell 60 Studierende aus nahezu allen HAW-Fachbereichen, wollen schlichtweg noch höher, schneller und weiter hinaus, als eh schon im Studium – und zwar mit einem eigenen Rennwagen. 2004 entstand der erste HAWKS-Bolide „Lady“. Jetzt baut das HAWKS-Team sein 15. Fahrzeug: „Vera“, mit eigenem V2-Motor-Konzept.

 

Chancen statt Credits

 

Die Aufstellung der Hochschul-Racer liest sich wie die eines Profi-Rennstalls: Es gibt einen Captain, einen Controller, Leiter für Bereiche wie Motor und Antrieb, Fahrwerk und Elektronik. Sogar eine eigene Marketingabteilung ist aktiv. Technischer Leiter der Boliden-Bauer ist momentan Philip Lohde, 21, sechstes Semester Flugzeugbau.

Sein Studienalltag ist eng getaktet. Mechanik, Mathematik, Thermodynamik und Elektrotechnik stehen auf seinem Stundenplan, und auch Philip ist nebenher Werkstudent. Für sein zeitintensives HAWKS-Engagement bekommt er keine Extra-Credits, dafür die Chance, mit dem gerade fertig gestellten neuen Fahrzeug durch Europa zu reisen.

Ungarn, Österreich, der heimische Hockenheimring – die drei Meter lange, anderthalb Meter breite und 207 Kilogramm schwere „Vera“ wird in diesem Sommer auf Wettbewerbe geschickt. Wird sie präsentiert, wird es auch die HAW.

Für die Hochschule und ihre internationalen Ansprüche in Sachen Ingenieurswesen keine schlechte Eigenwerbung. „Ich bin zwar ein kleines bisschen hinter meiner Regelstudienzeit“, sagt Philip, „aber das ist okay, wenn man bedenkt, dass ich bei den HAWKS nahezu eine Vollzeitstelle und auch noch meine Werkstudentenarbeit habe.“

 

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Philip Lohde, technischer Leiter, ist zufrieden mit dem neuen Boliden

 

Wenn er mit dem Bachelorstudium fertig ist, so seine Überlegung, könne ein Umzug in den Süden Deutschlands anstehen, wo viele Ingenieure sich nach ihrem Studium einem der zahlreichen Automobil- und Luftfahrtunternehmen anschließen.

Dass er allein durch seine HAW-Vita, gute Chancen auf einen Topjob hat, scheint Philip klar zu sein, wenn er sagt: „Ich habe mich noch nicht festgelegt, in welchem Unternehmen ich arbeiten möchte.“ Ist eben so: Der Transformer (oder Rechner, oder Kunstaufsteller) vom Berliner Tor wappnet Studierende für die Jahre nach der Hochschule. Wie genau diese aussehen, können sich Absolventen dank der renommierten Ausbildung oft selbst aussuchen.

Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Berliner Tor 9 (Hauptcampus)


Szene-Hamburg-Juli-2019-CoverDieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, Juli 2019. Titelthema: Schmelztiegel St. Georg.
Das Magazin ist seit dem 27. Juni 2019 im Handel und zeitlos im 
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SZENE HAMBURG im Juli 2019: Schmelztiegel St. Georg

St. Georg ist der Stadtteil der Gegensätze, der Diversität und der Communitys. Ein Viertel, auf das so viele Adjektive wie auch Superlative passen – geprägt durch die beiden Welten, die hier aufeinandertreffen:

Zum einen die exklusive Alsterlage, mit den pompösen Stadthäusern und Luxushotels sowie die Lange Reihe mit ihren Designer-Shops und hippen Restaurants. Zum anderen die Nähe zum Hauptbahnhof, Treffpunkt und Heimstätte der Einsamen und Verlorenen; der Hansaplatz, der glattgebügelt wird, sodass die Drogenabhängigen, Obdachlosen und alle, die nicht ins gutbürgerliche Sonntagsbild passen, in die Seitenstraßen ausweichen müssen. Doch nur, weil sie nicht mehr durch den Blick der teuren Eigentumswohnungen sichtbar sind, sind die Schwierigkeiten des Viertels nicht verschwunden.

Ein Stadtteil der Subkulturen und Milieus wächst aus sich heraus zusammen. Das zeigt die hohe Dichte der sozialtätigen Vereine und Organisationen vor Ort. Einer davon ist der Verein Basis und Woge, der sich für Benachteiligte in allen Lebensbereichen einsetzt. Wir haben uns von dem Leiter der Jugendsozialarbeit erzählen lassen, was St. Georg für ihn bedeutet. Ebenso von vier weiteren Menschen, die stark im Viertel verwurzelt sind. Entwurzelt hingegen werden mittlerweile immer mehr langjährige Bewohner. Stichwort: Gentrifizierung.

 

Bitte nicht glatt schleifen!

 

Was sich verändern muss, damit das Viertel lebendig bleibt, weiß Michael Joho vom Einwohnerverein. Er kämpft gegen die Verdrängung, für die Vielfalt. Dazu gehören auch die hier praktizierten Religionen. Unser Redakteur hat sich unter die portugiesischen Katholiken gemischt, um herauszufinden, wie sie ihren Glauben in St. Georg leben.

Neben dem St.-Marien-Dom ist die HAW, die Hochschule für Angewandte Wissenschaften, eine weitere große Institution im Viertel. Wir haben uns vor Ort umgesehen, was die rund 17.000 Studierende eigentlich treiben – und das ist eine ganze Menge.

St. Georg ist ein Mikrokosmos der Gesellschaften und so richtig greifen kann man ihn (zum Glück) nicht, gerade weil er so viele Ecken und Kanten hat. Und genau deshalb: Bitte nicht glatt schleifen!

Text: Hedda Bültmann, Redaktionsleitung SZENE HAMBURG
Foto (o.): Jérome Gerull


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Foto: Sophia Herzog

Hedda Bültmann, unsere Redaktionsleiterin, hat den Kopf voller Ideen und bei der SZENE HAMBURG das Ruder in der Hand. Mit ihrem Spirit, Tatendrang und Ideen prägt sie unser Stadtmagazin. Lust auf Austausch? Ihr erreicht sie unter hedda.bueltmann@vkfmi.de


Szene-Hamburg-Juli-2019-CoverDieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, Juli 2019. Titelthema: Schmelztiegel St. Georg.
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